Ne.Z�S« 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. SS Bezugspreis: L erteliShrUM.— OTUtnonafl.lO,— 3H. frei ins Saus, voraus Zahlbar. Poll- vezug� Monatlich lv,— Mt» ertl. Ru« ftellungsgeoühr. Unter Sreusbnni) für Deutschland und Oesterreich 16,00 N!„ Mr das übrige Ausland bei täglich einmal. Rultelluno 2150-M. Doltde» üellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho» Slowakei, Däne» mar!, öolland. tturemdurg, ächweden und die Schweiz.— Eingetraaen>u die Dost-Reitungs-Dretsliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage.Volt u. Reit' erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntags und Mon» tags einmal Telegranim-A drehe: .SojialDemofca) Berlin". Abend Ausgabe ZZevlinev VolKsbleltt �20pksnnis) Anzeigenpreis: Sie achtgespaltene Nonpareillezeile koste. Z,— M., Teuerungszuschlag 50°/» .Kleine Anzeigen", das ietl- gedruckte Wort 1,— M. szuläjsig zwei tettgedruckte Worte), jedes weitere Wort K0 Vfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeige» das erste Wort 6ö Pig. jedes weitere Wort ti) Pfg. Worte Über 15 Buchstaben zählen kür zwei Worte. Teuerungszufchlag 50%. Ramilien-Anzeigen für Abonnenten Rette 2,— M., politische und ge- wertschastliche Vereins- Anzeigen Z.— Mk. die Rette ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Rummer mästen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW K8. Linden» Itraße Z, abgegeben werden. Meostne» oon 9 Uhr früh bis ö Uhr abends. �entralorgan der fozialdcmokratx Fcben Partei Dcutfchlands Neüaktion und Expedition: EW. dS, Lindcnstr. 3. Fernsprecher: Ami MoriNPla«, Nr. 13130— 15197. Montag, den 9. August 19?20 vorwärts-verlag G.m.b. H., EW.»8, LindenNr. 3. Fernsprecher: Amt Moru-vlav, Nr. 117 53— 54. Die SeMlüjse von Hpthe. PariS, 8. August. Die Konferenz zwischen Mille- r a n d und Lloyd George hat in Hythe vormittags um IV Uhr 15 Minuten begonnen und bis l Uhr 3V Minuten gedauert. Um 2 Uhr 30 Minuten wurde folgendes Communigue ans englischer Quelle veröffentlicht: Die englische Regierung hat von den Sowjets eine eud- gültige Antwort auf die Note, die ihnen Freitag überreicht wurde, nicht erhalten. Indessen hat sie Andeutungen über die Absichten der Bolschewistrn erhalte«, und sie lassen voraus- sehen, daß diese sich weigern, der vorgeschlagenen Einigung zuzustimmen. Man weiß, daß nach der Kon- ferenz, die Lloyd George, Bonar Law und Lord Curzon Freitag mit den Hauptdclegicrten der Sowjctrcgierung in London hatten, ei» Memorandum nach Moskau geschickt wurde, um den Abschluß einer Waffenruhe an der russisch-polnischen Front für eine Zeit von 1V Tagen zu erlangen, unter der Bedingung, daß man beider. seitö in den Stellungen verbleibe, ohne sie während dieser Zeit zu verbessern. Da sich die Sowjets weigern, die Operationen zu unterbrechen, hat den ganzen Bormittag ein reger Mcinungsans- tausch über die zu treffenden Maßnahmen stattgefunden, der nm 'AS Uhr wieder aufgenommen werde» soll. Lord Niddell, der dieses Communiqve de» Jonrnaliste« mitteilte, beendete seine Erklärungen mit den Worten: die Lage ist ernst. Nach einer HavaSmclbung aus Hythe dauerte» die Beratungen am Sonntag bis 7 Uhr 30 Minuten abends. Mau glaube, daß die Sowjets sich weigerten, die angebotene Waffenruhe anzunehmen, weil sie Zeit gewinne« wollten, nm Warschau e in, zunehmen. Die militärifchcu Sachverständigen hatten den Auf- trag erhalten, bis Montag vormittag einen Bericht über die zu er- greifenden Maßnahmen auszuarbeiten. Es scheine, daß eine B e r. schärfung der Blockade gegen Rußland in Aussicht ge. »ommc» sei. Lloyd George habe sich davon überzeugt, daß die Er. Haltung Polens für di« Sicherheit Europas notwendig sei. Ter englische Vorschlag abgelehnt. Paris, 8. August. Nach einer Havasmeldung aus Hythe hat die Sowjetregicrunz von Moskau die englische» Borschläge endgültig abgelehnt. Man berichtet, daß die polnischen und die bolschewistischen Delegierten sich kommenden Mittwoch in Minsk treffe« werden, denn es sei vorzuziehen, daß die Bolschewisten und die Polen sich unter sich allein verständige». Nach einer Meldung des.Journal des Debats' hat die euiglische Regierung der Sowjetregierung vorgeschlagen, daß die Alliier» t e n darauf verzichten, sich in die polnisch. ruf fischen Friedensverhandlungen einzumischen. Polen werde Jeiihe Freiwilligen mehr ausheben, und die alliierten Militärmissio- wen würden nicht mehr intervenieren. Auch würde kein Kriegs- Material mehr noch Polen gesandt, und die beiden Heer« wür. den in ihren jetzigen Stellungen bleidev. Nach einer Ncutermelduny ist die Antwort Moskaus an die englische Regierung tatsächlich in London«ingetroffen. Sie beiaot der Hauptsache nach, da sich die polnische Regierung mit den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen in Minsk einverstan- den erklärt habe, seien diese Verhandlungen der schnellste und beste Weg, um zum Frieden zu gelangen. Rußland scheint es allerdings nicht allzu � eilig zu haben. Denn Warschau klagt andererseits dar» über, daß die Moskauer Funkstation die Entgegennahme von Funk- sprüche« aus Warschau verweigert. Der Vorstoß auf Warschau. Warschau, 9. August.(Havas.) Es werde» starke bolsche- | wisttsche Truppe nk o nzentratiouen vor Warschau und im Norden der Stadt gemeldet. Man erwartet einen weit aus- holenden Angriff der roten Truppen, nm den Vormarsch auf die Hauptstadt z» versuchen. Ein Funkspruch aus Moskau meldet über die militärischen Operationen: Im Westen von Lomsya haben wir Mh- ch o n s k eingenommen. In Richtung S i e d l c e fanden heftige | Kämpfe statt. In der Gegend von Brest Litowsk wurde T e r e s- pol besetzte Nordöstlich van Brody schlug unsere Kapallerie den Feind. Wir rückten gegen Luzk vor. Unsere Truppen über- schritten die Strypa und besetzten mehrere Ortschaften westlich dieses Uusses. Der polnische Heeresbericht meldet die Besetzung der Stadt L om sz a durch die Bolschewisten. Nördlich von' O st r o l e n I a geht der Kampf weiter. An der Buglinie finden erbitterte Kämpfe statt. Bei Drohyczin und B r e st wurden die Bolschewisten über den Bug zurückgeworfen. Die Kämpfe bei Brody nehmen einen für di« Polen günstigen iuerlaus. Sln der Serethfront wiesen polnische und ukrainische Abteilungen alle feindlichen An- griffe ob. Bei M i k u l i n c e wurde ein bolschewistisches Jnfan- terieregiment aufgerieben. Proklamation der polnischen Regierung. Amsterdam, 9. August. Nach einer Brüsseler Meldung hat der polnische Ministerpräsident«ine Proklamation an da? pol» nifche Bolk gerichtet, in der es heißt: Die Bolschewisten hoffen Warschau zu be» setzen und dort den Pol«n den Frieden zu diktieren. Die Re- gierüng der nationalen Verteidigung, die Regierung der Bauern und Arberter ruft die gesamte Nation auf zur Verteidigung der Freiheit. Der heilig« Krieg beginnt an den Toren von Warschau. Weiter heißt«S in dem Ausruf: Die Regierung wolle einen gerechten und dauernden Frieden und wünsche in gutem Einver- nehmen mit ihren Nachbarn zu leben. Sie sei bereit, alle Bürg- schaften zu geben, die mit der Ehre der Nation, die kein fremdes Gebiet begehr«, in Einklang zu bringen sind. Der bolschewistische Einfall sei eine Gewalttater GewettschaftSbund der Angestellten und der Allgemeine Etsenbahnervenband erlassen folgenden Aufruf an die deutsche Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft: Die deutsche Regierung hat im Kriege zwischen Rußland und Polen eine unbedingte Neutralität verkündigt. Sie hat erklärt, daß viese Neutralität unter allen Umständen zu wahren ist auch gegen Uebergriffe der Entente. Alle Parteien haben diesem .Standpunkt zugestimmt. Ob Transporte geeignet find, die Neutralität zu verletzen, muß von der Regierung festgestellt werden. Sie ist verpflichtet, sich im Falle, daß derartige Transporte von der Entente durchgcftihrt werden sollen, unverzüglich mit den Organisationsleitungen. der G e w e r k v e r e i n e und Gewerkschaften in Verbindung zu setzen und über Maßnahmen zur Verhinderung der NeutvalitätS- Verletzung Uebcreinstimmung herbeizuführen. Es ist deshalb nicht angängig, daß von irgendeiner Seite selbständig und für sich allein über die Zulässigkeit oder Nichtzulässigieit fraglicher Transporte entschieden wird, weil bei Mißgriffen Deutsch. I a n d und das deutsche Volk die Zeche zahlen müßte. Es ergeht daher besonders an die Arbeiter, Angestellten und B«nuten des Verkehrsgewerbes die dringende Aufforderung: 1. Haltet die Augen offen und meldet unverzüglich alle verdächtigen Transporte nach Verständigung mit eurer Organi- saiionsleitung der zuständigen Regierungsstelle bzw. dem Reichs- verkehrsministerium und dem Auswärtigen Amt.. 2. Haltet Euch fern von allen selbständigen Eingriffen gegen laufende Transporte, vermeidet besonders Zusammenstöße mit Angehörigen der früher feindlichen Staaten. Mehr als je muß Deutschland in dieser Stunde eine einheitliche Front bilden, damit wir nicht in kriegerische Verwicklun- gen hineingeraten, die diesmal auf deutschem Boden ausgefochten werden würden. Cin �Unbrauchbarer�. In seinem Erinnerungsbttch„Von Kiel bis Kapv'" be- hauptet Noske, bie Gründung des Republikanischen Führer- Hundes habe ihm nichts nützen können, da brauchbare Offi- ziere diesem nicht angehörten. Einer dieser„Unbrauchbaren". Oberst Lange, jetzt infolge seiner„Unbrauchbarkeir" Chef der Sicherheitspolizei von Mecklenburg, sendet uns dazu seine Qualifikationsberichte aus der Zeit seines Dien- stes im wilhelminischen Heere. Unter vielen ganz ähnlichen lesen wir da folgendes Dienstleistungszeugnis über den zum Führer des Jnfanterie-Regiments 68 ernannten Major Lange: „Vollbewährt, tapfer, klar und ruhig,«ine ganze Pecsönbchkeit mit gutem taktischen Blick, schnell, entschlossen und sicher in der Durchführung." Gezeichnet ist dieser vom 22. 4. 18 datierte Bericht von dem jetzigen Reichswehrgeneral von Hülsen. Noch inieress an- ter ist folgender Zusatz zum Qualifikationsbericht: Major Lange ist ein ganz vortrefflicher R e g i- mentskommandeur. Rührig und frisch weiß er seinen Ooti- mismus auch auf das Offizierkorps zu übertragen, das er gut un- terrichtet und erzieht. Streng und gerecht ist er bei der Truvpe, von der er viel fordert, für die er aber auch hervorragend sorgt, sehr beliebt. Füllt seine Stelle gut aus. Dieser Zusatz vom 14. 9. 18 ist unterzeichnet von General- leutnant Freiherrn von Lüttwitz, demselben Lllttmitz, auf dessen Betreiben als Wehrkreiskommandont Lange aus der Reichswehr entfernt wurde. Schließlich liegt uns noch ein Schreiben deS Beigeordneten Gen. Rausch im Reichsivehrministerium vom 29. 9.' J persönlich an Lange gerichtet vor, in dem es heißt: Noch gestern hat der Minister(NoSke) vor den Berliner Ver- trauensleuten ausgefübrt, daß er Sie, da Sie auch militärisch glänzend qualifiziert sind, an eine Ihren Fähigkeiten entsprechende Stelle gebracht hätte. Dieses Angebot Noskes hat Lan�e allerdings nicht annehmen können, nachdem er in der Reichswehr die Erfahrung gemacht hatte, daß feit Bekanntwerden feiner Zugehörigkeit zum R. F. B. an ihn gerichtete Briefe unterschlagen und ein Major extra zu seiner Bespitzelung abkomman- diert wurde, ohne daß er hierfür ausreichend« Genugtuung bekam. Jedenfalls widerlegt schon dieser«in« Fall die Behaup- tung, daß brauchbare Offiziere dem Republikattischen Führer- bnnd nicht angehört hätten, ganz abgesehen davon, daß in der Sicherheitspolizei heutigen Tages zahlreiche Offiziere des R. F. B. hervorragendeKommandostellen inne- haben._ Die p.p. 0. und öer Gftkrieg. Gens, 7. August. Ale Delegierte ber Polnischen Sozialtstischen Partei waren auf dem Kongreß der 2. Internationale die Abgeovoneten CzapinSki und NiedfialkowSki anwesend. Genosse Czapinski, Sekretär der parlamentarischen Fraktion der P. P. S. gab uns folgende Er- klärungen über die jetzig« Lage der Polen. Wir polnische Sozialisten kämpften seit einem Jahre mit allen möglichen Mitteln um vcn Frieden. Als der Einmarsch der pol- nischen Truppen in die Ukraine begann, protestierten wir. Wir waren mit den Zielen dieses Einmarsches, also mit der Errichtung der fre-en. unabhängigen Ukraine, völlig einverstanden; aber wir waren der Meinung, daß das Mittel, der Kampf mit ven Waffen, nicht das geeignete war; dazu fürchteten wir, daß unsere Reaktion sie Früchte eines Sieges in ihrem Interesse(also im Interesse der polnischen Grundbesitzer uns der Kirche) ausnützen würde. Wegen unserer Stellung in der Friedensfrage nannten uns unsere Re- aktionäre. die sogar bis zu Moskau marschieren wollten—„Bolschewiken" und„Verräter" I Jedoch als die polnische Front zurückgedrängt war und Polen von dem Heere Brussilows und Busiennys bedroht war, mutzten wir unsere Stellung ändern. Wir kämpften immer für die Unabhängig- keit unseres Landes, und als diese ernstlich bedroht war, mußten wir an die Verteidigung des Laases denken. Wir sahen und sehen in den Heeren Brussilows keineswegs den siegreichen Einmarsch der sozialen Revolution, sondern die Truppen der imperialistischen russischen Politik. Im Kriege mit Polen haben die Bolschewikr einen gewaltigen Ausbruch oes alten Chauvinismus hervorgerufen» und die Eroberung Polens könnte leicht zur vollen Verntchiung der polnischen Unabbängigteit führen. Die kommunistischen Gruppen, die in einigen Stästen Kongreßpolens existieren, haben jetzt fast ihren ganzen Einfluß eingebüßt. Ungeachtet dessen haben die russischen Bolschewiki eine„polnische" Regierung errichtet, welche vermutlich jetzt in Wilna oder Bialystok wartet, um mit den russi- schen Heeren in Warschau einzuwandern. Diese Regierung, Sie den polnischen arbeitenden Massen ganz fremd ist, soll von oben herab mit Gewalt eingesetzt werden. Darum haben wir als Partei das arbeitende Volk zur Ver- teidigung gerufen. Darum haben wir unseren Genossen Daszinskq ins Kabinett der nationalen Verteidigung geschickt. TaszinSky hat die Stellung des VizcpremierS übernommen, um in den Fragen der Verteidigung uns des Friedens Kontrolle zu üben. Das also ist der Grund, weshalb wir ins Kabinett eingetreten sind. persien verweigert jede Sühne. Zur Ermordung des deutschen Konsuls in Täbris in Persien, des Aerrn von Wustrow, hatte die persische Regierung auf deutsches Einschreiten erklärt, der Konsul fei zurzeit seines Todes nicht mehr Konsul gewesen und er selbst habe das Feuer eröffnet; auch sei er nicht von einer persischen Kugel ge- troffen worden, sondern habe Selbstmord begangen. Obgleich diese Behauptungen durch die Feststellungen an der Leiche und im Konsulat restlos widerlegt wurden, lehnt die per- fische Regierung jede Genugtuung ab.— Berichtigung: Der Verfasser des Aufsatzes über„D i« W o h- n u n g s n o t" in der Abendausgabe des Vorwärts vom 7. August 1929, Dr. de Laporte, teilt uns mit, daß der letzte Satz seines Aufsatzes folgendermaßen lauten mußte::„Eine auch nicht sozia- lfftifche Regierung, welche die in dieser Richtung notwendigen Re- formen nicht erkennt und mit aller Energie betreibt, würde damit be.wetseii, daß sie unfähig ist, die Forderungen unserer Zeit als notwendig« s o z i a l e t h i s ch e(nicht:„sozialistische") Entwicklung zu begreisen." Grubenunglück in Dortmund. Dortmund, 8. August. Heute vormittag gegen 8 Uhr ritz auf Zeche Kaiser st uhl Schacht II da? Förderseil. Der För- derkorb stürzte etwa 859 Meter in die Tiefe. 2 5 B e rg l e u t e fanden den Tod. Zu der Katastrophe auf Zeche Kaiserstuhl II werden noch fol» gende Einzelheiten gemeldet. Als am Sonntag morgen der Maschinenwärter den zweiten Korb der Nachtschicht zutage för- derte, ging der Korb durch di« Seilscheibe durch. Das Seil riß und der Korb stürzte SöO Meter in den Sumpf des Schachtes. Die Fangvorrichtung halte versagt und die auf dem Korb be- findlichen 39 Berglute stürzten mit dem Korb in den Sumpf. Zwei Leute wurden bei dem Abstürze herausgeschleudert und als zerschmetterte Leichen aufgefunden. Die übrigen 28 Bergleute liegen mit dem zertrümmerten Korb in dem Schach i- sumpf und konnten trotz anstrenger Arbeit bis jetzt noch nicht herausgeholt werden. An den Anschlägen wurden ferner noch 6 Bergleute verletzt, von denen 4 ins Krankenhaus gebracht wer- den mußten. Der Maschinenwärter Meier, der den Korb zu hoch gezogen hatte, unternahm in seiner Wohnung einen Selbst- Mordversuch, indem er sich die Pulsader durchschnitt. Er wurde jedoch noch lebend ins Krankenhaus gebracht. Die Zeche„Kaiser- stuhl II" gehört dem Eisen- und Stahlwerk H o e s ch. Die Namenlosen. Alles Kulturleben ist ein einziger großer Kampfplatz für zwei heiß miteinander vingende Megner. Hebern ll, wohin wir blicken, in der Politik, m der Kunst, im Erwerbsleben stehen sie sich als erbitterte Feinde gegenüber: der einzelne gegen die Vielheit, der Herrenmensch gegen die Masse. Lange Zeit war die U ebermacht deS Herren menschen unbeschränkt. Noch heute ist sie anmaßend groß. Di« Masse ab-r ist elend trotz chrer Größe. Darin hoben wir unS ihrer angenommen und kämpfen mit ihr gemeinsam um ihren endgültigen Sieg. Befreiung bringt hier aber nur der Tod Wir wollen die „Masse" auf dem Altar der Kultur den vernichtenden Flammen übergeben. Aus der Asche aber wird strahlend in der neuen Frei- heil kr„Mensch" hervorgehen.—— Unter„Masse" verstehen wir gewöhnlich jenes Proletarier- Heer, das sich ein armseliges Dasein im täglichen Lohndienst er- halten mutz. Da? ist aber nur die«ine Eigenart der Masse. ES ist sozusagen ihr ökonomisches Gesicht. Auch an einer anderen Sonderheit erkennen wir ihr Wesen: sie ist die Gemeinschaft der Namenlo'en: Die Massemenschen sind namenlos, trotzdem sie alle irgend- einen gleichgültigen bürgerlichen Namen führen. Aber diese Namen sind iwmer nur gewöhnliche, geschriebene— geschriebene oder auch gesprochene mit drei Kreuzen. Niemals aber gedruckte I Das ist eSI Das ist die Eigenart deS Massemenschen, daß er keinen ge- druckten Namen besitzt. Di« Masse trägt aber nicht nur die ökonomische Last ihres proletarischen Elends, sondern auch daS reine seelische Leid eines na:rkenlosen Daseins. Am gedruckten Namen erkennt man erst den Herrenmensöben. Staatsmänner und Heerführer sind am anspruchvollsten. Ihre Namen nennt jede Zeitung in jeder Spalte— und täglich werden viele Hundert Millionen Zeickungen hergestellt. Der Künstler- name erscheint in Zeitschriften und Büchern. Boxer und Ring- kämpfer vervielfältigen ihre Namen auf leuchtenden Plakaten. Fabrikherren und Geschäftsleute lassen sie auf Schilder malen und Briefbogen dantat bedrucken.— Nur der Massemensch ist namenlos. Fragt nur eure Arbeits- hrüder, ob jemals ihr Name gedruckt in die Welt hinausging, lind doch ist es di« tiefe Schnsucht auch der Massemenschen. in irgend- einer Weise einmal aus der Menge herauszutreten.. Alle haben sie ja einst davon geträumt, ihren berühmt gewordenen Namen einmal in aller Munde zu hören. Und alle, fast alle träumten sie vergeblich. Sie kommen nur und vergehen wieder im harten Kampfe mir dem Leben«ch mit dm Herrenmenschen.— Und es ist wahrlich keine bloße Eitelkeit, was der Masse jene Sehnsucht ins Herz legt. Jeder Name, der in Büchern und Zeit- schriften erscheint, bedeutet ja einen Charakter,«ine Individualität. Der Politiker, der Srhriststeller, der Künstler, der Ringkämpfer, selbst der berüchttgste Verbrecher, den die Zeitungen nennen, alle heben sie sich aus dem Alltag heraus. Und daS eben fühlt der Masse- mensch, seine eigen« Gebundenheit und Gewöhnlichkeit sehmerzt.ihn und im Gefühle seiner Unbebeutsamkeit ruft er sehnsüchtig nach —„Menschtum". Ob alle jene geräuschvollen Foinide der Revolution schon ein. mal solchen Gedankengängen gefolgt sind? Ob sie es wirklich nicht verstehen, warum solch ein Massemensch einmal von de? Emvörunq über die niederdrückenden Kesseln deS Werktags gefaßt werden kann und sich in wilder Freude über die eigene spontan« Tatkraft von der Arbeitsbonk losreißt, die Masse flieht? Wie freudig setzt er«in mühseliges Hinterbaus- dasein für die Glückseligkeit ein, einmal im Auto, an staunenden Bürgern vorbei, durch aufgeregte Straßen jagen zu können I Jetzt fühlt er die Blicke aller auf sich gerichtet. Freudige und fluchende Lippen müssen von seinen Taten sprechen. Die vielen Millionen Zeitungen aber bringen seinen Namen groß und deutlich auf der ersten Seite.— Die Masse schreit n-nb Individualität. Soll sie ewig namenlos bleiben? Masse sind doch Menschen! Einst freilich bildete si« den zähen, dickflüssigen Brei, aus dem sich der Herrenmensch da? Fun« dament für fein« eigen« Größe formt«. Nun ober ist di« geknetete Masse in Gärung. Sie ist reif, aus sich selbst heraus zu vollendeter Form aufzugehen. Schafft ihr jetzt Gelegenheit, sich von den noch anhaftenden Schlacken zu befreien. Gebt ihr Bewegungsfreiheit und Bildungs- Möglichkeit. Erlöst sie vor allen Dingen von den drückendsten So» gen des täglichen Lebens. Tie menschlich« Kulturweli ist groß genug, um jedem einzelnen ein Wirkungsfeld bald auf irgendetnem Gebiete zu geben. Das mutz unser höchstes Menschheitsziel bleiben: von der„Masse" zum„Menschen". K. I. Die Reichweite der Atmosphäre. Dem norwegischen Physiker Professor Störmer ist es gelungen, festzustellen, wie weit die Atmo- sphäre reicht. Er photographierte, wie in der„Umschau" berichtet wird, zugleich mit verschiedenen anderen Beobachtern an getrenn- ten Orten ein und dasselbe Nordlicht und verglich dann die Platten miteinander. Daraus ließ sich berechnen, daß die höchsten AuS- strahlungen des Polarlichtes und damit die äußersten Spuren der Erdatmosvhäre eine Höhe erreichen, die die des Moni Blaue um das Hundertfache übersteigt. Die Reichweite der Atmosphäre be- trägt also etwa 509 Kilometer. Die Dichtigkeit der Atmo- sphäre ist natürlich in so außerordentlicher Höhe unendlich gering, und davon hängt die Temperatur ab, die im freien Weltraum den absoluten Nullpunkt(— 273©rech Celsius) erreicht. Der Unerschütterliche. Der dümmste Kerl im ganzen Land schien voll von Weisheit und Verstand, trug er nur erst den Leutnantskragen und drhn einen festen Magen, der schweren Dünkels Uebermaß mir Goltvertranen in sich fraß. Wie ward des VolkSerziehers Bürde ihm leicht im Glänze seiner Würde! Er blieb ein Mensch von böherm Wesen, in seinem Auge stand zu lesen: „Du Zivilist, du Trauermann. tritt seitwärts ab. eS kommt beran, furchtbar und schön wie ein Gewitter, des Pteußentums gesalbter Ritter." Wir hatten ihn. wir haben ihn, wenn Throne stürzen, Herrscher fliehn, auf seines Hirnes Sandgeläude läuft die Entwicklung sich zu Ende. Er ist geblieben wie vordem. ein Hakenkreuz ist sein Emblem, er läßt die alte Knarre tönen » und spricht von Teuts erhabnen Söhnen. Die An will nimmermehr verschwinden, mag sich die Welt in Oualen winden, sie wuchert auf der mi«org. pleds als Caroinoin— gemeiner Krebs. Muß man denn ewig an ihm leiden, gibt's gar kein Meiler, um zu schneiden von unserm Leib de» faulen Brand, den dümmsten Kerl im ganzen Land? _ Schlaraff. Reinbardt tritt zurück! Eine überraschende Nachricht wird ver- breitet: Max Reinbardt trete aus leinen Tchöpiungen ans und werde nur noch als Gastregistcur dadci mitwirken. An seine Stelle sollen Gerbart Hauptmann und stelix Holländer die Leitung der Reinhardt-Bühnen über- nehmen. Neue Männer werden die Negie führen. Dieser merkwürdigen Wendung, die in ihren Ursachen und Wirkungen noch nicht zu überieben ist, sollen keine finanziellen Probleme zugrunde liegen. Reinhardt soll durch verlockende Verträge, von denen hier öfter Notiz genommen wurde, ans Ausland gefesselt sein. Kurt EiSuerS„Gütterprüfung- ist vom künstlerischen Ausschuß der Volksbühne für die Aufführung in der kommenden Spielzelt erworben worden. Das MeichswirtschastSmuicum. Das Deutsche Kriegswlrtlchafts- muleum in Leipzig iit in ein ReichSwirtichaftsmuseum umgewandelt worden, nachdem die großen wirtichastiichen Sammlungen aus Veranlassung des ReichSwirtschasls- und Reichswehrministeriums hierfür überführt worden sind. Dadurch findet sich in diesem Mweum ein einzigartiges Darstellung?- Material, dessen Wert schon jetzt mehr als-ine Million Mark bewägt. Zur- zeit wird mit Unterstützung von Wlssenschaslleru und Wirtfchajllern von Ruf da« Institut neu ausgebaut. Tsr Be�iriSverband Groß-Berli« der Soziildemo- kratisch«n Partei Deutschlands hielt am Sonntag iar Germania- saal seinen H e z i r k s t a g ab. Der Vorsitzende Franz Krüaer eröffnete die Sitzung und ge- dachte der im Laufe Geschäftsjahres verstorbenen Parteimit- alieder mik� ehrenden Worten, die von der Versammlung stehend angehört wunden.— Hierauf trat der Bezirkstag in die TiageS- oüdgling ein. Franz Krüger erstattete den Geschäftsbericht des Vorstandes. Ter Beginn des Geschäftsjahres stand unter dem Zeichen des starken Anwachsens der Organisation. Von der Revolution bis zum 1. April lsttS batte es der Pezirksverband auf etwa 40 tM Mitgsicder gebracht. Ein groher Teil der neuen Mitglieder kam aus Kreisen, denen die sozialistischen Gedanken wicht vertraut waren. Es war deshalb sine imserer Hauptaufgaben, die Organi- sation den veränderten politischen Verhältnisten und der gestei- gerten Mügljederzahl anzupasten.— In eingebender Weis« be- sprach der Redner die allgemeinen politschen Verhältnisse. Er per- wies darauf bin, daß unsere Arbeit sehr erschwert worden ist durch die Kämpfe innerhalb der sozialistischen Arberterschaft. Die Putsche von links im Januar und März vorigen Jahres waren ein starkes Hindernis des Fort- sdjsteirens aus dem Wege zum Sozialismus. Das mutz beachtet werden äks Milderungsgrund bei der Beurteilung der Leistungen unserer Partei n�ch der Revolution. Auch der Wirtschaft- liche Wiederaufbau wird durch die Varteikämpse inner- halb der Arbelterschgst sehr erschwert. Die fortgesetzten An- griffe von irnts gegen die vorige Regierung mrd namentlich gegen die ihr ungehörigen Sozialdemokraten zwangen die Regierung, sich imwe)t mehr auf das Militär zu stützen. Wenn die Schuld R g S k e s an dem Erstarken der Reaktion festgestellt werden soll. so mutz betont werden, dotz die Putsche von links dr: Hauptschuld am Erstarken der Reaktion tragen. Aber auch auf der anderen Seite liegt manches Ver- schulden, das aber erst verursacht ist durch da? Borgehen von links. Mit diesen Vorgängen hängt auch die Errichtung der Techni- schcn Nothilfe zusammen. Unwahr ist die Behauptung, datz der Bezirksverbaitd oder ich persönlich die»Technische Nothilfe" ins Leben gerufen weiden. W'r laben keinen Einslutz darauf gehabt. Unter den damaligen Verhältnissei», wo die Still- tegung lebenswichtiger Betriebe drohte, war die »Technische Nothille" eine Notwendigkeit, womit auch unsere Partei- mitgl-eder einverstanden waren.(Zustimmung.) Mit der Zeit hat die Technische Nothilfe aber einen Einflutz bekommen, den wir nicht billigen. Sie ist auf dem Wege, eine Organisation zu werden, die, ohne datz dringende Notstände vorliegen, die Arbeiterbewe- gung schädigen will. Tetz es so kommen konnte, daran sind die Gewerkschaften nicht unschuldig, da sie das Mitwirken in der Technischen Nothslfe und damit den Einflutz auf dieselbe abgelehnt baben. Heute werden auch wir Stellung gegen die»Technische Nothikse". wie sie jetzt ist, nehmen müssen. Di« Gegensätze zwischen den sozialistischen Parteien zeigten sich auch bei der Frage der Unterzeichnung des Friedensvertrages. Ich habe es nicht für richtig gehalten, den Vertrag zu unter- zeichnen. Aber nachdem die Unabhängigen die Unter- zeichnung entschieden vertan gt halten und dadurch die für d'e Ablehnung des Vertrages notwendige opferbereit« Einig- k e i t des deutschen Volkes ze r st ö r t war, konnte die Unterschrstt nicht abgelehnt werden. Nachdem der Vertrag, dem Verlangen der Unabhängigen entsprechend, unterzeichnet war, hätten diese auch ihren Einflutz aufbieten müsten, damit die Erfüllung des Vertrages nicht durch Streiks und Kämpfe im Ruhrrevier behindert werde. Tos Anwachsen der reaktionären Strömung ist picht gleichbedeutend mit demMerlangen noch Wiederherstellung der Moncnchie. sondern eS ist zum grotzen Teil auf Wirtschaft- licke Ursachen zurückzuführen. Wir haben es hier mit einem Wider st and des Bürgertums gegen die Wirt- schaftlichen Kämpfe der Arbeiter zu tun, namentlich gegen die Auswüchse derielben, die sich.zeigten in wilden, ohne Voran twortungSgefMl geführten Streiks. Der Redner besprach den K o p p- P u t s ch und die Gegen- s ä!? c zwischen den Arbeiterparteien, die sich auch bei dieser Gelegenheit zeigtew Tie bekannten acht Punkte sind zum großen Teil nicht gehalten. Auch unsere Genossen, die in der vorigen Regierung waren, kaben bei der Durchführung d«r acht Punkt« zum grotzen Teil versagt. Nichts ist geschehen hinsichtlich der Reform der Reichswehr, der Entwaffnung der Reaktionäre, der Reform der Verwaltung, und die Aushebung de? Belagerungszustandes und der außerordent- lichen Kriegsgerichte liest lange auf sich warten. Die härtesten Urteile wurden im Ruhrrevier gegen Arbeiter gefällt, während die Kapp-Verbrechcr nicht gefaßt werden. lZustimmung.) In VerwaltunaS. und Militärkreisen scheint man nach dem Kapp-Putsch zu der Meinung gekommen zu sein, datz die Regierung ihnen gegenüber machtloser set.als si« eS vorher war. Die ReichStagSwahl ist für unsere Partei nicht ungünstiger ausgefallen, alS nach Lag- der Verhältnisse zu erwarten war. Berlin war ja schon immer das Zentrum der radikalen Bewegung und der günstigste Boden für die Unabhängigen, die sa den Vorteil für sich baben, datz sie nach der Parteispaltiing di« vorhandene Organi- sation übernahmen, während wir unsere Organisation neu auf? bauen mutzten. Es kann mit Freuden festgestellt werden, datz sich unsere in den schwersten Kämpfen aufgebaute Organisation bei den R«ichstog»wabl«n glänzend bewährt hat.— Der Redner kritisiert di« Weigerung der Unabhängigen, in eine Koalitionsregierung der Linksparteien einzu- treten und sagt, die Verhältnisse, die sich unter der jetzigen Re. gierung entwickelt haben, werden hoffentlich eine gute Schule für die Unabhängigen sein. Nach einem Rückblick auf die außenpolitische Situation bewnte der Redner, datz wir im russisch. polnischen Krieg« d:e strengste Neutralität zu bewahren haben. Wir baben keine Svmpatbie für Polen, dürfen uns aber auch nickt von einer Ge- süblSpoli'ik zugunsten der Balscbcwisten leiten lassen.— Zum Scklutz befürwortet« der Redner e.ne rege Organi iationS. a r b c i t. damit die Organisation für alle Fälle schlagkräftig dastehe.(Beifall.) Den Kassenbericht erstattet« Genosse PagelS. Die Zentralisation deS Kassenwesens bat kich gut bewährt. Di« Mitglirderzahl ist in erfreulichem Matz« gewachsen. Sie beträgt nach der Anzahl der im abgelau- fcnen Geschäftsjahr verkauften Marken 55 870, davon sind 44 389 Männer und 11 481 Frauen. Der jetzig« Mitgliederbestand ist der verläßlichste Teil der Groß-Berliner Hand- und Kopfarbeiter, die Kerntruppe, die allen Stürmen von rechts und links iher SeMstag. Trotz geboten hat. Von dem gewaltigen Zulauf an Mitgliedern während und nach der Revolutionszeit kommt wenig in den an- gegebenen Zahlen zum AudSruck. Die allermeisten haben den Ab- fchlütz des Geschäftsjahres 1910 nicht abgewartet, sie sind schon vor- her zurückgegangen in das große Heer der indifferenten Masse oder haben sich betören lassen durch die glänzenden Versprechungen anderer Parteien, welchen sie nach kurzer Zeit natürlich auch den Rücken gelehrt haben. Der Einfluß dieser tapferen Schar überzeugter Sozialdemo. kraten kommt auck in der Vertretung unserer Partei in den Stadt. und Gemeindeparlamenten zum Ausdruck. Wir hatten in 18 Städten 244 sozialdemokratische Stadtverordnete, darunter 22 Fronen. In 135 Landgemeinden saßen 729 sozialdemokratisch« Gemeindevertreter, darunter 80 Frauen. In 14 Städten hatten wir 58 sozialdemokratisch« M a g i st r a t s m i tg l i e.d e r und in 120 Landgemeinden 174'ozialdem akratisch» Gemeinde- Vorstandsmitglieder, darunter 2 Frauen. Sazialdemo- kratische KreiStagsvertreter bat die Partei im Bezirk 80, und im Provinziallandtage sitze» 10 Parteigenossen. Im preußischen Landtage ist oer Bczrrk durch 15 Abgeordnet« ber. treten, 13 Genossen und 2 Genossinnen. Hierauf wurde die Diskussion Wer den Geschäfts- und Kassenbericht eröffnet. Heitmann-NeuMln: Um di» Durchführung der acht Punkte zu erzwingen, hätte der Bezirksvors-and das Volk zu Demonstrationen aufrufen müssen. Ebenso bei anderen wichtigen politischen Fragen, so anläßlich der Verhandlungen in Spa. Bei der Auswahl der Versammlungsreferenten mutz mit mehr Sorgfalt verfahren w-rden. Groger-Reukölln: Wenn wir noch der Revolution drti erwarteten Erfolg nicht gehabt haben, so liegt das zum großen Teil daran, datz sick die Arbeiterschaft mehr von gefühlsmäßigen Stim- m u n g e n als von klarer Einsicht in die tatsächlichen Verhältnisse leiten läßt. Durch i>en Verzicht der Unabhängigen aus den Eintritt in die Regierung wird die Sozialisierung sehr ver- zögert, denn jetzt ist den Bürgerlichen eine Frist gegeben, die sie ausnutzen werden, um die Sozialisierung auch da zu hindern, wo sse möglich und durchführbar ist. Es ist daS g r ö tz t e V« r- brechen der Unabbängigen. datz sie nicht die Gelegenheit ergriffen haben, um solche kapitalistischen Treibereien gegen die Sozialisierung zu Verbindern.— Tie Beiriebsorganisotion mittz weiter ausgebaui werden. Dr. Goldschmidt-Berlin meint, die neuen Mitglieder seien zum größten Teil aus bürgerlichen Kreisen gekommen, während die älteren Mitglieder nach links abgeschwenkt seien. Bei der Gründung der„Technischen Nothilfe" habe man annehmen können, daß der Bezirksvorstand dahinter stehe, weil ein Borstandsmitglied ein W« r be z i r k u l a r für die„Technische Nothilie" unterzeichnet hatte. Das dürfe, um Mißdeutungen zu verhindern, nicht wieder vorkommen. Krüger habe das Svstem Noske, nachdem es Schriffbruch gelitten hatte, noch in Schutz genommen. Heute könne man zu Krügers Ausführungen sagen, ez ist mehr Freude über einen Südner, der Buße tut, als über 99 Gerechte. Dr. Paul Lensch-Nowawes macht der Redaktion deS „V o r w ä r t s" den Vorwurf, sie habe wäbrend des Krieges und nach demselben eine unklare pazifistische Gefühls- Politik betrieben. Ferner beklagt sich der Redner darüber, daß über einen von ihm gehaltenen Vortrag, bei dem ein Redak- teur des„Vorwärts" anwesend gewesen sei, ein irreführender Bericht gebracht sei, der einem'bürgerlichen Blatt entnommen w-r. Ein« dagegen bei der Pretzkommifsion erhobene Be- s ch w e r d e sei noch nicht erledigt. Bralat wendet sich gegen die von Dr. Lensch während des Krieges vertretenen Anschauungen und betont, datz dadurch Folgen enistanden seien, die Lensch jetzt selber als unangenehm empfinde. Weiter führt der Redner aus. der Vorstand hat nicht immer den Standvunkt der Partei so vertreten, wie eS notwendig war. Genosse Krüger hat ja beute zu manchen Parteifragen einen ganz anderen Standpunkt eingenommen wie früher. Es war nickt richtig, wenn von uns- verlangt wurde, wir müßten alle Matznahmen, die unsere Genossen in der Re- g i e r u n g für gut halten, decken. Bei einem Teil der Genossen war nach ihrem Eintritt in die Regierung da? Gefühl für die Interessen der Arbeiter verloren ge- gangen.«Sehr wahr.) Wenn sich unsere Partei wieder an der Regierung beteiligen sollte, dann werden wir uns das Recht der Kritik ihrer Maßnahmen nicht beschränken lassen.(Beifall.) Bernhard Krüger empfiehlt dem Vorstand, das Hauptgewicht auf den Ausbau der Beiriebsorganifation zu logen. Di« Aufklärung in den Betrieben sei notwondig, um unseren Ge- nosscn«inen Rückhalt zu geben bei den Kämpfen, die wahrscheinlich wegen der Betriebsrätefrage in den Betrieben entbrennen werden. Ein Antrag am Schluß der Debatte wird angenommen. Kuttner wendet sich in einer persönlichen Bemerkung gegen di« Ausführungen von Dr. Lensch, der dem„Vorwärts" die Propagierung einer gefühlsmäßigen pazifistischen Politik vor- geworfen, diesen Vorwurf aber nickt begründet und nicht gesagt habe, was er eigentlich vom„Vonvärts"»volle Dt« vom Genossen Lensch vertretene Kriegs Politik habe der„Vorwärts" allerdings nicht mitgemacht, er habe einen Verständigungsfrieden verlangt, während Lensch die lieber Windung Englands gepredigt habe. Di? Beschwerde wegen d«s Vers am m lungSberichtS werde ja ihre Erledigung durch die Pressekommission finden. Im übrigen sei eS nnir zu begrüßen, daß die Berliner Parteigenossen endlich Gelegenheit hatten, mit Genossen Lensch persönlich be- kannt zu werden, da sie bisher dessen Ansichten allein durch den roten„Tag" oder durch die„Deutsche Allgemeine Zeitung" er- fuhren. Dr. Lensch erwidert, mit seiner Kritik habe er die von Stampfer vertretene Politik treffen wollen. Pagets bestreitet im Schlußwort die von Dr. Gold- schmidt ausgesiellte Behauptung, daß viele bürgerliche Elemente in unserer Partei Aufnahme gefunden haben. Wer sich in der Partei umsehe, der wisse, patz ihr nach wie vor in der Hauptsache Arbeiter angehören. Franz Krüger geht in seinem Schlußwort auf di« Ausführungen der Diskussionsredner e'n Mit der Veranstaltung von D e m o n st r a t i o n e n bei allen möglichen Gelegenheiten dürften wir eS nicht unseren Brüdern von links nachmachen, sondern wir müßten in jedem Falle prüfen, ob ein Protest so begründet sei, datz er Widerhall bei den Massen finde und sein« Wirkung nicht dersehle. Er Redner, habe nicht nach dem Kapp Putsch neck das System NoSke verteidigt, sondern er habe schon am ersten Tag« des Putsche? in einer Sitzung die Meinung der Partei vertr«:en, datz NoSke«II Minister nicht wiederkehren dürfe. Er habe aber hinterher nicht, wij» andere, auf Noske losgeschlagen, sondern die Gründe gewürdigt, die NoSk« für sich anführen konnte. Tie von den Revisoren beantragte Entlastung deS Kassie- rerS wurde mit allen gesen eine Stimm«, die Ent- lastung des gesamten Bezirksvorstandes gegen einzelne Stimmen beschlossen. Der übrige Teil der Tagesordnung: Neuorganisation de! BezirksverbandeS. Wahl deS Vorstandes und sonstige Anträge wurde wegen der vorgeschrittenen Zeit vertagt. Die Fortsetzung des Bezirkstages soll am Donntag, den 22. A u g u st, stattfinden. Groß-berlw Sanöenüberfälle auf Tanzfäle. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag überfiel eine zum Teil mit Revolvern bewaffnete Bande jugendlicher Räuber in Treptow nacheinander zwei benachbart gelegene Festsäle, in denen gerade Tanzunterhaltungen stattfanden. Es waren ungefähr zehn Mann, die die ljeberfälle ausführten- Zuerst erschienen sie in den Festsälen von W a n z l i ck am Trep« tower Park 27, zertrümmerten die Fenster und begannen sogleich in der wüstesten Weise gegen die Teilnehmer der Unterhaltung vor- zugehen. Man warf Stühle und Tische um, schleuderte Gläser und schätz mit dem Repelpe� wi- bl>nd um sich. ES entwickelt« sick ein grotzer Tumult, was ja der Zweck des UeberiallS war. Denn die Räuber versuchten nun Ubren, Hand- täschen und Schmuckgegenstände zu rauben. Ehe man recht zur Besinnung kam. was eigentlich geschehen war, verschwanden die Eindrinalinae, Nach diesem U eberfall suchten die Burschen das Etablissement Viktoriagarten, dal den Festsäßen von Wanglick benachbart ist, auf. Hier kamen sse mit einem Waaen vorflefahren. Einig« sperrten die Straße ab und bedrebten jeden Passanten mit Revolvern. Hierauf drangen beben Mann in dal Lokal ein und zer» trümmerten auch vier die Saalscke'ben. Sie babnten sich sogleich den Weg in die G a r d e r o b c n r ä u m e, um sich der abgelegten KloidunflSsiücke zu bemächtioen. Ebe di»s aber gelang, waren eine Anzahl männlicher Teilnehmer der Tanzicnterhaltung auf den> Lärm aufmerklam geworden und suchten die Räuber Linaus- zudrängen. W'eder wurde geschossen, ohne datz jedoch jemand verwundet worden wäre. Die Rowdies ergriffen schlietzlich di« Flucht und feuerten noch von der Stratze aus, um eine Verfolgung zu verhindern. Bedauerlicherweise dachte man bei beiden Uehen'ällen zu fvat daran, die Sicherbeiiswebr zu verständigen. Als diese erschien, waren die Rowdies b-reits spurlos verschwunden, Dazu meldet die Pressestelle der SicherheitSvolizoi: Gestern nackt ssnid die beiden Lokale Viktor ia-Garten und WanzlickS Pracht s öle in Tr-vtaw. Am Park 25/27, m denen Festlichkeiten stattfanden, zwncken 1 bis 2 llhr nackts durch «ine Bande von etwa 10 Mann Wersallen worden. Auf tele- bhcmsschen Hilferuf begaben sich 5 Beamte der SicherbeitSpoliz« dortbin. konnten aber nur feststellen, datz die Lakale ver- wüstet waren, von Plünderern war nicktS mehr zv sehen. Tie Plünderer sotten nach AuSiagen Schutzwaffen ge- braucht haben. Eine Spur von ihnen war nicht mehr zu entdecken. Gegen den Steuerstreik der Hausbesitzer. Eine Anzahl gutz« besuchter Mieterversammlungen, die sich mit dem angedrohten Steuerstreik der Hausbesitzer beschäftigten, fanden am gestrigen Sonntag in Grotz-Terlin statt. Tie Redner geißelten wit Entrüstung die Drohung der Hausbesitzer, die Zahlung der öffentlich- rechtlichen Abgaben ciuzustcllen, um eine Aufhebung oder Aenlde- rung der Höchflmtetcnverordnung zu erzwingen. Man erwarte bei, den Reichs- und Staatsbehörden, datz sie gegenüber dem An- st.irin der kapitalistischen Interessen des Boden- und Grund» stücksbandels des Baugewerbes, der Grotzbalikeii und des Haus- beicheS seit bleiben. Die Interessen der breiten Schichten der MKierbebölkerung seien energisch zu wahren. In einer Ent- schliezzung verpflichteten uck die Anwesenden, dem angedrohten Sieiieritreik der Hausbesitzer geaemiber, die öffentlichen Abgaben durch direkte Zahlung eines entsprechenden Tei. IcS de! Mietzinses an die Stadt zu decken. Di« Mieter würden sich bereit erstären, die Verteilung der Lebensmittelkarten» Krhlerkarien usw. selbst zu übernehmen und falls die Hausbesitzer ihre städiischen Ehrenämter niederlegen, diese zu übernehmen. Kampf eines Kriminalbeamten mit einem Verbrecher. ZllZ ein Kriminalwachtmeister gestern nach der Abführung eine? Gefangenen in dal Palizeigewahrfam über den GefängniShof schritt, sab er dort einen Mann stehen, der sich durch Zeichensprache mit einem Gefangenen unterhielt. Er stellt« den Mann zur Rede und wie? ihn vom Hof hinunter. Statt der Aufforderung de? Beamten nachzukommen, siel dieser über ihn her, schlug auf ihn ein und hetzte auch einen schweren Boxhund, den er bei sich hatte. auf den Beamten. Nach längerem Kampf gelang eS diesem jedoch, den Mann zu überwältigen und abzuführen, El stellte sich heraus, datz der Verhaftete ein 32 Jahre alter, wiederholt wegen Ein- bruchsdiebstahl vorbestrafter Julius Eichel ist, der erst kürzlich wegen eineS verwegenen Einbruchs in der Brunnenstratze, bei dem er mit seinen Spießgesellen über die Dächer gegangen war, fest- genommen worden ist. Die Kriminalpolizei führie ihn dem Untersuchungsrichter vor, der ihn jedoch trotz seiner vielen Vorstrafen wieder auf freien Fuß beließ, weil er angeblich heiraten wollte. In der Zwischenzeit aber war seine zukünftige Frau von der Kri- minalpolizei ebenfalls wegen anderer Bergehen in dal Polizei- gewahrsam eingeliefert worden, Eichel war nun nach dem Poli- zeipräsidium gekommen, um sich mit seiner Braut zu unterhalten. Schlägerei zwischen Zivilisten und einem englischen Soldaten. Gestern abend beobachtete eine Streife der Sipo ein« Schlägerei zwischen mehreren Zivilisten und einem englischen Soldaten in der Invaliden- Eck« Chausseestratze. Der englische Soldat war stark angetrunken und blutete etwas an der Stirn. Die Sipo» beamten brachten ihn in eine Droschke, mit der er in der Richtung Bahnhof Friedrichstraße davonfuhr. Die Zivilisten hatten bei An» Näherung der Streife dal Weite gesucht. Neben den Schienen der Wannscebaftn tot aufgefunden wurde gestern früh auf d>m Bahnhof Großgörschenstratze die Leiche einer unbekannten etwa 25 bis 30 Jahre alten Frau. Es scheint sich um einen Selbstmord zu handeln, doch ist auch ein Unglücksfall nicht ausgeschlossen. Die Leiche wurde nach der FriedhofShalle in der Evthstratze zn Schöneberg gebracht. Die Unbekannte ist 1,70 Meter grotz, hat dunkles Haar und trug einen ichwarzweiiß- karierten Rock, schwarze Strümpfe und schwarze Halbschube. Ihre Wäsche ist W. gezeichnet. Sroß-Serliner Parteinachrichten. Heute, 9. August: 16. Abt. VI, Uhr bei Schlickert, Rüdersdorfer Str. 3, Funktionär» sitzung. � Morgen, 10. August: 20. Abt. 7'/. Uhr Sitzung der Parteisunltionäre bei Leese. Rückerstr. 5. 27. Abt. 7 Ubr Sitzung der Funktionäre und DetriebSverirauenSleute bei Dobroblaw, Swinemünder Str. 11. 29, Abt. 7 Uhr bei W, Burg, Prenzlauer Allee 189, Sitzung der Bezirklsübrer, Charlottenburg: 4, Gruppe, 7'/, Uhr Zahlabend bei Huber, Kaiserin-Augusta-Allee 9a. Jungsozlnliftisck« Vereinigung. 7 Uhr Konteren, der Obleute für Veranstaltungen im Saale der juristiichen Sprechstunde, Lindenstr. 3. vortrage, vereine und Versammlungen. Republikanischer Fahrerbund. Bezirk 9 kNorden). Versammlung Dienstag 7 Ubr, Wollinerstr, 36. Lokal,— Reichsbund der Kriegs- beschltdigte», Bezirk Liwtenberg, Mitgliederoerlcimnilimg Dienstag VI, Uhr bei Schwarz, Mällendor-fslratze LS. Tagesordnung: Rescrat über Reichs« versorgungsgeletz durch den Gauleiter Kam. Bader.— Deutscher Arbetter- Theater-Bund Donnerstag 7st. Uhr Veiiammlung in der Aula de! Lyzeums, Weinmeiiterttr. IS, Bundesvorsltzeuder Genosse Hinze und Berufs» regisseur Genosse Böhm sprechen über Zweck und Ziel« des Deutschen Arbeiter-Theater-Bundes und neue Ausgaben der Arfieilercheater-Berein«. Alle Theater-Vereine Grotz-BerlmS sind dazu emgeladen. EewerMastsbewegung �ibbau öer Löhne! Tem Wolffschcn Telegraphen-Burt-au entnahmen wix m unserer Nummer 888 eine Meldung aus Kiel, wonach die dorti- gen Transportarbeiter eingewilligt hätten, vom 25. d. M. ab einen Äbbau der Lohne dorzunehnien. Unseren Standpunkt zu dieser Forderung der Unternehmer, die beileibe nicht daran denken, endlich einmal mit einem Abbau der gewaltig gestiegenen Unternehmergewinne zu beg'nnen, haben wir in dieser Notiz bereits dargelegt. Zu der Wolssschen Meldung selbst wird uns aus Kiel von beteiligter Seite geschrieben: Zwischen dem Bund der Arbeitgeber und dem Gewerkschafts- kartell wurde am 12. Mai 1920 ein Kollektivabkommen vereinlhart, wonach auster der Regelung der Ferien frage für männliche Ar- beiter 1,20 M. und für weibliche Arbeiter 30 Pf. Zulage zu den bisherigen Stundenlöhnen zu zahlen sind. Diese Vereinbarung hatte Gültigkeit bis 1. Juni, doch sollte im letzten Drittel dieses Monats Mai unter Zuziehung des statistischen Amts festgestellt werden, ob eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Ver- Hältnisse eingetreten sei. Bejahendenfalls solle eine entsprochende weitere Zulage gewährt werden. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, erst am 17. Juni wurde vom Statistischen Amt ein« Pveissteigerung für die Lebenshaltung von Mai auf Juni von 10. Proz. festgestellt. Auf Grund dieser Tatsachen wurde eine weitere Zulage für den Monat Juni von 35 Pf. für männliche und 25 Pf. für weibliche Arbeiter vereinbart. Am 21. Juni ging beim Gewerkschaftskartell folgendes Schrei» Ken vom Bund der Arbeitgeber ein:„Bei den Verhandlungen der Gruppen II. IV vor dem Lohn- und Arbeitsamt am Sonnabend, den 13. Juni, hat sich herausgestellt, daß die Berechnung des Sta- tistischen Amts über die Erhöhung der Teuerung von Mai auf Juni nicht, wie seinerzeit prognostisch angegeben wurde, 10 Proz., sondern vielmehr"nur 2,1 Proz. beträgt. Indem wir unS auf Ziffer 5 des Kollektivabkommens vom 12. Mai 1320 berufen, nach der der Zuschlag für Juni entsprechend der Berechnung des Sta- tistischen Amtes vorgenommen werden sollte, erwarten wir, dast Sie wie wir der Auffassung sind, dast nunmehr die von unS unterm 17. d. M. getroffene Vereinbarung über Lohnzuschläge für Monat Juni in Höhe von 35 bzw. 25 Pf. eine entsprechende Modifizierung zu erfahren hat.' Es fandsn Verhandlungen vor dem Lohn- und � Arbeitsamt statt, wir lehnten eine Modifizierung der Vereinbarung� ab. Der Bund der Arbeitgeber stellte dann in einem Schreiben vom 24. Juni fest:„daß die Ablehnung einer Modifizierung des am 17. Juni getroffenen Wkommens auf Grund der neuerdings von dem Sta- tistischen Amt errechnetem Teuerungszahl von 2,1 Proz. für den Monat Juni im Widerspruch mit der Ziffer 5 des Kollektivabkom- mens vom 12. Mai steht, nach der Zuschläge entsprechend den Be- rechnungen des Statistischen Amtes vorgenommen werden sollen". Der Streit dreht sich also streng genommen nicht um Lohn- abbau, sondern um die richtige Bewertung der statt st i- schen Berechnungen. Für den Monat Juli wollte der Bund der Arbeitgeber nun die Rückwärtsbewegung in die Praxis um- setzen, in Verhandlungen war es nicht möglich, die Zulagen auch für den Monat Juli zu behaupten. Ilm den drohenden Kampf zu ver- hindern, wurde vom GewerkschaftskartM der SchllchtungsaUsschuß angerufen. Trotz Widerspruchs der Arbeitgeber wurde ein Schieds- fpruch gefällt, wpnach die Zulagen für Juni auch für den Mo. nat Juli zu zahlen sind.. Dieser.. Schiedsspruch.wurde vom Demohilmachungskommissar stör verHindlich. erklärt.--War-für. Juli der Frieden gesichert, so wurde die Lage für den Monät August um so schwieriger. Verhandlungen mit den Arbeitgebern verliefen er. gebnisloS. Ilm den Lohnabzug zu verhindern, traten die TranS- Portarbeiter in den Streik und es.wurde erreicht, daß die Weiter» Zahlung, der Zulagen bis zum 25. August gesichert ist. Was nach dem 25. August vereinbart wird, kann noch nicht' gesagt" werden. Versuchter Abbau der Löhne. Die vom Deutschen Transportarbeiterverband nrit den Lebens- mittelgrotzhändlern nach langwierigen Verhanolungen abaeschlosse- ncn Tarifverträge waren von feiten der Unternehmer zum 1. August d. I. gekünd.ig: worden. Die Verhandlungen über Ab- schluß eines neuen, gemeinsamen Tarifs sind nunmehr an der Lohnfrage gescheitert." Die Unternehmer verlangten allen Ernstes eine Herabsetzung der Löhne von 20 Mark pro Wocbe für jede Arbeitnehmerkategorie. Als die Lohnkommission die Verhandlungen abbrechen wollte, bequemten sich die Herren dann zu dem Zugeständnis, die alten Löhne noch 3 Monate weiter zu zahlen, falls die Lohnkomm ifsion sich sofort damit einverstanden erklare. Ueber die geforderte Lohnzulage überhaupt nur zu ver- handeln, wurde von den Unternehmern abgelehnt, Taraufhin i wurde von der Kommission erklärt, daß sie threrseits dem Vorschlage der Unternehmer nicht zustimmen könne, es solle einer am Dienstag, den 10. August, abends 7 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17, stattfindenden Versammlung vorbehalten fein, über das Angebot der Arbeitgeber zu entscheiden. Die Stimmung der Arbeiter der Lebensmittelbranche ist durch die wiederholte Verschleppung der Verhandlungen derart gereizt, daß es in den nächsten Tagen sehr leicht zur Arbeitseinstellung kommen kann, wodurch natürlnh die Lebensmittelversorgung Groß- Berlins sehr gefährdet würde. Es ist nun Pflicht eines jeden Ar- beiters der Lcbcnsmi'ttelbranche, in der Versammlung am Dienstag zu erscheinen, um diese zu einer machtvollen Demonstration gegen die Absicht der Unternehmer zu gestalten. Sport. Wirtschaft Wie verteilt sich der Schiffsraum? In einer warmherzigen, eindrucksvollen Rede bat Macdonald in Genf der britischen Regierung den Vorwurf gemacht, ibre Er- klärung. es sei kein Schiffsraum iür den Transport der von Amerika Deutschland zur Linderung der Not in Aussicht gestellten 100 000 Kühe vorbanden, sei eine bloste Ausrede, denn es existiere heute mehr Schiffsraum als vor dem Kriege. Diese Aussührungen des englischen Führers finden in der kürzlich bekanntgegebenen Statistik des Lloyd Shiping Re- g ist er eine interessante Bestätigung. Danach betrug im Juni 1820 die Welttonnage 53 305 000 Tonnen. Das bedeutet geoeniiber dem Bestände im Juni 1314 eine Zunahme von 8 501 000 Tonnen. Die Tonnage der einzelnen Länder wies nach der genannten Onelle im Juni 1320(in Tonnen ausgedrückt) folgende Zahlen auf(die Veränderungen gegenüber 1314 sind in Klammern an- gegeben): Großbritannien: 18111 000(—781000): Vereinigte Staaten: 12 406 000(+ 10 379 000); Brit. Dominions: 2032000(4- 400000); Frankreich: 2963000(4- 1041 000), Holland: 1 773 000(4-301 000): Italien: 2 118000 (4- 688 000); Javan: 2 396 000(4-1288 000); Norwegen: 1 380 000(4- 23 000). Schweden: 396 000(— 19 000). Die griechische Tonnage weist eine Verminderung um 324 Tonnen auf. In den Großbritannien, Frankreich und Italien betreffenden Zahlen ist die diesen Mächten� provisorisch zugereilte Tonnage der Mittelmächte miteinbegriffen._ Der Export von Zement. Der deutschen Zementindustrie sind für den Monat August 30 000 Tonnen zur Ausfuhr freigegeben worden, nachdem im vorbergebenden Monat zum erstenmal eine Deglerladung unter deutscher Flagge mit 5550 Faß Eisenportland» zement nach Chile abgegangen ist. W. Sawall Sieger im Großen Preis von Curopch. Die internationale Besetzung der Radrennen am Sonnst?� brachten der Llympiabahn ein gedrängt volles Haus. Ter Große Preis von-Eurova, ein Tauerrennen über eine Stunde, sah nach � dem Start Blekemolen(Amsterdam) an der Spitze vor Appelhans, i Salvall, Thomas und Dickentmann(Amsterdam). Aber schon nach der zweiten Runde übernahm Appelhans leicht die Führung, und auch Sawall gelang es. den etwas unsicher fahrenden Blekemolen nach Kampf zu passieren. Appelhans hielt nun bis turz vor dem 53. Kilometer ein höllisches Tempo inne, überrundete alle fpine Rivalen und überbot mehrere bisherige Bahnrekorde. Leider brache ihn aber jetzt ein Raddefekt um den sonst sicheren Sieg. Der bereits 470 Meter hinter Appeihcms liegende Sawall gewann dadurch die Oberhand und fuhr einen Zutallssieg nach Hause. Blekenmolen bieli den dritten Platz sicher vor seinem Landsmann Tickentmcmn, � und Thomas vermochte infolge andauernder Mo:or° und Raddefekte i in den Kampf überhaupt nicht einzugreifen. Ten voraufgegangenen„Tbaddäus-Robl-Preis" über 25 Kilo- meter gewann Appelhans nach Gefallen weit vor Thomas, Dickent- mann, Blekemolen und Sawall. In den Fliegerrennen zeigte der alte Weltmeister Willi Arend | von neuem, daß er noch immer zur Extraklasse zu zählen ist; er gewann das Hauptfliegerrennen, den Sperber-Preis, in schärfstem � Kamps mit doppelter Handbreite vor Lorenz. Ergebnisse: Sverber- Preis, 1200 Meter: 1. Arend, 2 Min. 3 Sek., 2. Lorenz, 3. Cftemcier, 4. Schwab, 5. Bader.— Tbaddäus- Nobl- Preis. 25 Kilometer: 1. Abdelbans 19 Min. 45 Sek. 2. Tbomas 710, 3. Tickentmann(Amsterdam) 1090, 4. Blekemolen(Amsterdam) 2140, 5. Snwall 4040 Meter zurück.— 10-KiIometer-Prämisn- s a b r c n: 1. Lorenz 15 Min. 15 Sek., 2. Rudel, 3. Häusler, 4. Kudela, 5. Packebusch.—(Broftcr Preis von Europa. 1 Stunde: 1. Sawall 73.280 Kilometer. 2. Apvelbans(Radwechsel) 72,540 Kilometer. 3. Blekemolen (Amsterdam) 69.970 Kilometer, 4. Dickentmann(Amsterdam) 69.220 Kilo«, meter, 5. Tbomas 60,780 Kilometer.— Zweisitzer-Haublsabren 2400 Meter: t. Lorenz-Packebufch 3 Min. 45 Sek., 2. Schwab-Kudela, 3. Münzner-Rudel, 4. Schulz-Neinas, 5. Ostermeier-Areud tRadschaden). — En t s ch ä d i g u n a s f a h r e n, 1200 Meter: 1. Sützmilch, 2. Klepel, 3. Amort, 4. Jakob, 5. Petri. Rennen zu Grunewald, Sonntag, den 8. Augu st."1. Er- munrerungs- Hürdenrennen. 16 000 M.,--2400 Meter. 1. Heribert(Thalccke), 2. Sittard(Teichmann), 8. Schakal(«eeliich). Tot. Sieg 25: 10. 2. P r e i s o o n N e u e n b a g e n. 16 000 M., 1400 Meter. 1. Geisterstunde(Stamm). 2. Mur(Sburgold), 3. Gedinge(Daneit, 4. Südtirolerin(TarraS), S. McdarduS(Saagcr). Tot. Siea 12: 10, Pk 11,14. 3. Großes Stuten-Iagdrennen. 48 000 M., 4000 Meter. 1. Elschen(o. Keller). 2. Fustanella(Lewicli), 3 4- Finis(Walter Müller). 3 4- Polka lPolhn). 5. Jutta II(Edler), 6. Jasjolda(Tqbrt. 7. Oceana(H. Teichmann, Ostmark II(Weber) angch. Tot. Sieg 77: 10, PI. 17, 14,8, 8. 4. Begonien-Hürdenrennen. 30 000®.. 3000 Meter. 1. Magier(Lewicki). 2. Escadron(H. Teichmann). 3. Fürst Popoff(Jentzsch), 4- Lancelot(Thbr). Tot. Sieg 35:10. Pk 2l. 47. 5. Preis des Deutschen Modenverbandes. Ebrenpreis und 50 000 A!., 4000 Meter. 1. Rosenriiter(Dhhr), 2. Ratte(Streit), 3. Elwald (Lewicki). 4. Götterknabe(Scholz). 5. Marmotata(Edler), 6. Der Sogenannte(Kukulies), Jodler(Tbalecke) angcb., Mörier(Tcichmann) angeb., Merlin(Bismarck) angeh.. Rbeinpreußcn l Falke) ges. Tot. Sieg 37: 10, Pl. 13. 21, 34. 6. S ch ö n s I i e tz e r I a g d r e n n e n. Ehrenpreis und 16 000 M., 3500 Meter. 1. Vesper(Glaser), 2. Geheimtip(H. Zimmer. mann), 3. Orianne(v. Pclzer), 4. Samum(Frees e), 5. Doyou(Prinz PIcß), 6. Feldherr(Th. v. Destcrnhagen), 7, Sierra(Frhr, v. Berchem), Sanrsels(Rcichenbach), Eoriolan II(v. Falkenhauicn). Prairie II(v. Keller) zurückgezogen. Tot. Tieg 26: 10, Pl. 17, 34, 25. 7. Preis von Hoppegarten. 22000 M., 1600 Meter. 1. Springer(Kaiser). 2. «onrad(O. Müller), 3. Taurns(Gericke), 4. Zgbszem(M. Dreißig), 5. Falkenhahn(Saager), 6. Ludowika(Kränzlein), Falter(Tcichmann>, ?a prssto(Jentzen), Parabel(Shurgolo). Tot. Sieg 29: 10, Pt, 12, 13, 14."-■ Nheinpreustc», der im Preis des Deutschen Modeverbaudes am Geböstwall zu Fall kam, brach sich das Genick. Sein'Meiler, Falke, ver- letzte sich die Wirbelsäule. Er wurde ür das Kranleuhaus Weiteud ge- schafft. Verantwortlich für den redaktionellen TeN: H. Lepöre-Hermsdorf: für Anzeigen: SA. Glocke. Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- Wärts-Buchdruckerei u. Vcrlagsanftalt Paul Einger u. Co.. Berlin. Lioden'tr. Z. Die gute Massary-Zigatette Urteilen Sie selbst! Urteilsfähige Raucher wissen, weshalb sich die Massary- Zigaretten so großer Beliebtheit erfreuen. 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Die Kleinhändler haben die Anmeldeabschnitto zu den oben ausgerusenen Nummern bei den Großhändlern am Freitag, den 13. August, abzuliefern. Nicht abgeholte Ware verfällt am 13. September 1920. Berlin, den 7. August 1920., Magistrat. Abteilung für Nährmittel. Tgb.-Nr. 7330 Nä. Nutzeisen Ankauf Verkauf Stabeisen, Blecbe, I-Träger, U-Eisen, Rohre, Ketten, Lagerböcke, Riemenscheiben, Fuß- stanzen etc. in verschiedenen Dimensionen haben ah Lager abzugeben Cohn& Borchardt, Elm-Lichtenberg Rittergutstr. 47/45. Tel.: Lichtenberg 646/647. Nutzelsenabtellung: 833b• Maybach-Uter 18/19, Nähe der Kottbuser Brücke. 4m H7 � t.6u. 99«ehr Teilzahlung. 10. Zahnzle schmerzlind. Umarb.schlechts.GeDisse.Kep. __ Kronen 18M.Plomben Zahnziehen mit Einspr. höchst Zahnarzt Wolt sof. Potsdamer Str.55, Hochb. Sorechz. ü-7. p Friedrich Stampfe1"-. hfonVersal!8es| * zum Frtedcn durch S.»«'.«"""* etnen Iür uns«»1 Buchhandlung Vorwärts Berlin LraUuen Die von der fr.Obet-| I hebamme an der geburtshilflich. 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