Nr. ZY7 4 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. S? BcznffövreiS: B?rtellakru3v.— üii�monatl.l».— Rt. tzt' in» öous. ootou« alil bat. P»ft» Dem« fflonatlir 10.— DIL exkl. Su> fttUunassebütic. Unser Rreu*banb fttt Seutidjlano un» Oefteciei* 16, 0 DIL für Das isbttgr«usfand«es laglich einmal. Sulteüimo 2150 ISnft'e. ftcllnngen nebssien an Oefterceisfe Ungarn, Tschecho-EIowaiei, Dane- Marl,.allano, u-emourg. Schweben und»ie Echwev.— Eingerraaen m Dt» Voll» esiisng»,Prei»Isfie, Der.Varsbart»' mil Der Sonntag»- beiiage.Boll u. Seit* etichems women- togltch iineimn Sonntage und Montag»»tnntol Abend Ausgabe Stieg ramm»A dreist �Sozialdemokrat VerN«-. berliner VolKsbleltt 20 pksnnig) AnzetftenHreis: vi« achtgefpaltene NonpareilleFell» koltei»,— M., Teuerungszuschlag 50«/» »Klein« Anzeigen" Da» seit- gebrückte Wort L— M.(zulSfPg zwei lettgeb ruckte Worte), iebea weitere Won 60 Psg. Stellengesuche unO Schlafftellenanjeigen Das erste Wort 85 Psg» sebe» weitere Wort«0 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag SO«/» FamtUen-Anzetgen für Abonnenten geile 2.— M, politische und ge- werkschastltche Perein»- An-etgen Br- Mt. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 6 Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linben- strafte 8, abgegeben werben. Geöffnet von S Uhr srüh bte 5 Uhr abenb». Zentralorgan der fozialdemokratircben partei Deutfcblands Redaktion und Expedition: SM. 08» Lindenstr. Z. Üernspreckier:«m» Mop,«via», Str. Ilil v«—»SI»?. Dienstag, den 10. August 1VÄ0 vorwärts-verlag G.m.b. tz., SV). öS, Linöenstr. Z. Nernfvrrcher: Amt M»rt«pla», Nr. 117 53—54. Entlarvung öer Spitzelzentrale. Bon der Prcsscstellr de» OberprSsidiums in Magdeburg geht «nS folgende Meldung zu: Langwierigen Bemühungen ist eS gelungen, eine der Spitzel- zentralen festzustellen, die durch gefälschte Berichte über angebliche linköradikalr Kampspläne seit langem die Oeffentlichkeit beunruhigen. Umfangreiche» Matertal. teil» halb- fertige, teils angefertigte Putschpläne und Putschmeldungen sind, teilweise bei den Erfindern selbst, beschlagnahmt wordrn. Die Organisation erstreckt sich über ganz Deutschland und steht mit der Organisation Escherich in innigstem Zusammenhang, mit der sie auch regelmässig ihre„BcrrinSnachrichten" auttauscht. Leiter der Spitzelzcntrale in Magdeburg ist ein u. a. w e g e n Zuhälterei vielfach vorbestrafter MilitSrfpitzel namens A l t m a n n, der ebenso wie einzelne andere Spitzel mit amtliche» Militärausweisen versehen war. Leiter der Esch-Zentrale in Berlin ist der Hauptmann Jansen von der früheren Zentrale für Einwohnerwehren in Berlin. Auch da» Original der kürzlich von de»„Magdeburg!- schen Zeitung" verilffentlichten Alarmmeldung über die Sowjet- republik in Magdeburg stammt au» dem Altmannschen Spiyelbnreau und ist beschlagnahmt worden. Die Nachforschungen haben ergebe», daß sie frei erfunden ist und daß alle darin genannten, nicht in Magdeburg wohnenden Personen nicht epi- stieren. Selbst die angegebenen Straßen und Hausnummern sind in den betreffenden Städten vielfach überhaupt»icht uorhanden. Auch dieser von Altmann mit eigener Hand geschriebene. Putfchplan ist beschlagnahmt worden. Alle weiteren Maßnahme» zur Auf. deckung der gesamten Organisation sind getroffen. Nähere» kann erst nach Abschluß der Ermittlungen und Sichtung de» äußerst um- fangreichen Material» bekanntgegeben werden. Iuüenterror im �orthplanüe. Budapest, 10. August.(TU) Abgeordneter Ladislaus Budavary brachte gestern in der Nationalversammlung einen von fanatischer Gehässigkeit diktierten Antrag zur Lösung der Judenfrage ein. Der Antrag fordert Ausschließung vo» der Staatsbürgerschaft, Konfiskation der Vermögen aller feit 1911 eingewanderten Juden sowie aller der- jenigen, die auß Kriegslieserungen»der au» der KricgSkonjunktur entstanden seien, Verbot jüdischer Schulen, Ausschließung der Juden von der Leitung von Unternehmungen, insbesondere von Banken uud Zeitungen sowie von allen öffentlichen Stellungen, wie Richter. amt, Notariat und Professur. De» Juden werden alle politi» schenRechtrentzogen, die Juden dürfen keine christlichen Be- diensteten zu persönlichen Dienstleistungen anstellen und dürfen selber nicht ausländische Unternehmungen in Ungarn vertreten. Sie dürfen Bodenbesitz weder kaufen noch pachten, und ihre Grund- stücke sind noch im Laufe des Jahres 1920 vom Staat abzulösen. Der Antrag wurde, nachdem der Minister Stefan S z a b o erklärt hatte, er sei in vielen Punkten mit dem Antrag nicht einverstanden, halte jedoch dafür, baß man ihn auf die Tagesordnung setzen solle, mit Stimmenmehrheit zur Behandlung angenommen. Dagegen stimmten nur 40 Abgeordnete, borunter Graf B p» n n h i und Graf Andre sftz. Em Sieg öer englischen Labour-Partp. London, 10. August.(Telunkm.) Die Lnbouv- Party hat wiederum einen Parlamentssitz erobert, und zwar han- delt cS sich um den Sitz in dem WaibUreis von Norfolk, wo der koalitionZliHerale Wgeordnew mit 8524 Stimmen geschlagen wurde. Unter französischer Gewaltherrschaft. Saarbrücken, 10. August. Der Streik im Gaorgebiet wird von den Nrangosen, denen die Regierungskommisfion getreulich Hitfe leistet, agitatorisch im weitesten Maße ausgewertet. ES wird von ihnen nichts unversucht gelassen, die ruhige und friedlich« BevMe- rung de» Saarlandes«rurzureizen und zu Unbesonnenheiten hin- zureißen. Starke Truppenzusammenziehungen sind im ganzen Saavgebiet erfolgt. Da« ganze Saargediet ist unter schärfste Kontrolle gestellt. Ganz besonder» hat ei das französische Militär auf die Zeitungen abgesehen. Di« Saarbrücker Zeitung, Daavbrücker LandeSgeiwng. BolkSftimme, Völklinger Nachrichten und wahrscheinlich auch noch viele andere Blätter in den übrigen Städten des Saargebiets sind auf vier Wochen verboten. Sämtliche leitende Beamten der Saarbrücker Zeitung sind verhaftet. Die Redakteur«, sowgit man ihrer habhaft werden konnte, eben- fall». Redakteur Thomas wird vor ein Kri«g»gericht ge- stellt. Haus und Wohnung de» Redakteurs und Abgeordneten H o s s e l t sind beschlagnahmt. Präsident R a u I t hat in Maueranschlägen und Proklamationen sich die sranzösisch« Behauptung, zu «igen gemacht, daß die Bevölkerung von alldeutschen Agitatoren der- führt und aufgehetzt worden sei. Infolge de» Streik» steigt die Teuerung immer mehr. Die Franzosen behaupten, die Wünsche der Beamten wären längst erfüllt, wenn sie sich nicht mit den recht»- rheinischen Hetzern eingelassen hotten. Heute mittag soll, wie be- stimmt verlautet, der Generalstreik der gesamten Bergarbeiter schaft einsetzen. Ebenso geht das Gerücht, die gesamte Eisenbahnerschaft des besetzten Gebietes werde heute mittag in einen Sympathiestreik«intreten, doch wurde auf telephonischen Anruf im besetzten Gebiet erklärt, daß dieses Gerücht dgr Begründung entbehre. Nach verschiedenen Meldungen aus dem besetzten Gebiet ist dort die Zensur über Post, Telephon und Telegraphi« wieder allgemein eingeführt. Vor üem Zusammenbruch. Danzig, 9. August. Tie polnische Regierung hat den ge- j-nUen privaten Fernsprcch. und Telegrammver- kehr mit Polen unterbunden. Aus der Nachricht geht nicht hervor, oh eS sich nur um den Verkehr mit dem polnischen Korrioor handelt, doch ist da» anzu- nehmen. Ter polnische Heeresbericht gibt nämlich zu, daß M l a w a und Ziechanow von den Bolschewiften besetzt werden. Damit ist die Eisenbahnlinie W a r sch a u— D a n z i g, die den Hauptgüterverkehr Polen— Entente zu decken hatte, für Polen verloren und die für Deutschlano im Augenblick brennendste Frage, ob die russische Heeresleitung Den polnischen Korridor als Opera. ttonsgebiei ansieht, steht vor ihrer Lösung. Im übrigen scheint der konzentrische Vormarsch auf Warschau wi-itzer in Fluß zu kommen. Die Polen melden bei Siedlze Um, gnuevierungen ihrer Truppen und DurchbruchSversuche der Russen im kssoum von B r e st. L i t o w s k. Das heißt also, daß das West. I?He Bugufer endgültig in der Hand der Dswjettruppen ist und daß den russischen S:ößen auch weiterhin kein aus die Tauer wirk- samer Widerstand entgegengesetzt werfen kann. Einen letzten Halt konme den polnischen Trupprnkörpern lediglich die Weichsel» I i n> e bieten, aber bei ibrer moralischen Auflösung bürste auch diese Linie den Stoß aus Warschau nicht auffangen. AuS dem russischen Heeresbericht geht hervor, daß nun auch in Galizien die polnische Armee zermürbt ist. D>« russischen Hoercssäulen gehen über B r o d h und T a r n o p o l auf Lemberg vor. Der Widerstand der Polen, der eine Zeitlang verhältnismäßig zäh war, hat an Kraft und Erfolg nochgelassen. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß Kor- fanth nach Warschau abgereist ist. Korfanth war bisher der polnische Abstimmungzkommissar für Ober- schlesien, der die polnische Sache ebenso unbedenklich wie ener- gisch verfocht. Sollte er Oberschlesien für Polen verloren geben? Grund genug hätte er dazu. Denn die Stimmung ist in Obcrschlesien seit einiger Zeit alles andere als polenfreundlich. » „Tekesraaf" meldei aus Hhthe von angeblich gut unterrichteter Seite die Ententehilfe für Polen werde nach den Beschlüssen in--- technischen Ratgebern, Muni- tionssendungen und möglicherweis« in einigen Maßnahmen zur See bestehen. Das heißt also auf gut Deutsch, es bleibt alle? beim alten. Im Unterhaus hat man die Regierung mit Anfragen über den Stano der russischen Frage überschüttet. Der Regierungever- treter beschränkte sich darauf, zu versichern, es bestehe nicht die mindest« Gefahr, daß oa? Haus sich einem Kriege gegenübersehe, obn« daß zuvor genügend Gelegenheit zur Erörterung der Lage ge- geben worden seixLloyD George werde am Dienstag selbst eine Erklärung abgeben. Auf die Frage, ob noch keine kriegerischen Maßnahmen getroffen worden seien, erwioerte der Regierung?ver- treter ausweichend._ Rußlanüs vorfrieüensbeüingungen. Rotterdam, 10. August. Der Londoner Korrespondent de» „Manchester Guardian" erfährt, wenn Polen auf der Konferenz in Minsk nicht im voraus den gestellten Porfriedensbedin- g u n g« n zustimme, so würden die Waffenstillstandsbedingungen sehr streng sein. Wenn eS dagegen si chdn VorfriedenSbedingun- gen unterwerfe, so würden die Waffenstillstandsbedingungen nicht hart sein. Die grundsätzlichen Bedingungen, welche Polen vorgelegt würden, seien folgende: Das polnische Heer wird auf Friedensfuß gebracht, Polen nimmt kein Kriegsmaterial irgendwelcher Art von einer der En- tentemächte an. Die russische Regierung wird dafür ihr Versprechen, g ü n st i- g e r e Grenzen als die durch den Obersten Rat festgesetzten. erfüllen. Weitere Bedingungen sind nach dem„Manchester Guardian": freier Handeöverkchr durch Polen und eine Art Amnestie für po- litische Verbrecher. Internationale Invaliöenorganifation! Wien, 9. August. Der Delegierten ta g der Krieg?» beschädigten nahm eine Entschließung an. in der die Not- wendigkeit einer inlernationalen Jnvaltden-Or- g a n i s a t i o n betont wird, dic zur endgültigen Völlervirsöhnuug und zur Vermeidung künstiger Krieg« beitragen würde. Der Vorstand wurde beauftragt, so schnell wie möglich die Tagung deS internationalen Kongresses der KrtegSbeschädigteu zu verwirklichen. Das Programm veraltet! Der Vorstand der deutschen Sozialdemokratie hat, wie schon im„Vorwärts" mitgeteilt, ein« Reihe von bekannten Parteigenossen aufgefordert, ihm Gutachten über eine Neu- gestaltung des Parteiprogramms«inzureichen. die möglicherweise vom Parteitag in Cassel beschlossen werden könnte. Sehr viele Genossen werden der Meinung sein, daß diese Neugestaltung unbedingt erforderlich, andere und sicher nicht wenige der Ansicht zuneigen, daß unsere Zeit der Umwäl- zung politischer und wirtschaftlicher Begriffe sehr wenig dazu geeignet sei, ein Programm für weite Sicht neu aufzustellen. Wie dem aber auch sei, die Gutachten liegen bereits vor und werden in den nächsten Tagen im Druck erscheinen.') Wir behalten uns vor, aus dem Buche, sobald es fertig vorliegt, besonders wichtige Kapitel unfern Lesern zur Kennt- niS zu bringen und sie zur Diskussion zu stellen. Heute geben wir einige Absätze aus dem Gutachten Eduard Bern st eins wieder, der sich mit der allgemeinen Gestaltung des Parteiprogramms beschäftigt. Bernstein sagt: Aus' zwei Gründen ist die Umbildung deS Parteiprogramms der Sozialdemokratie unabweisbare Notwendigkeit geworden. Der erste besteht darin, daß der Weltkrieg und die in seinem Gefolge eingetretensn politischen Revolutionen neue oder bisher ungenügend berücksichtigte Fragen der Theorie und Methode deS sozialistischen Kampfes in die Arbeiterbewegung geworfen und ihnen eine Tragweite gegeben haben, die es der Sozialdemokratischen Partei zur Pflicht gegen sich sechst und die auf sie blickenden Massen macht, ihre Stellung zu ihnen in scharf umrissenen Sätzen in ihrem Programm klar- zulegen. Dann aber sind speziell in Deutschland durch die hier vollzogene Revolution Forderungen des derzeitigen(Er- furter) Parteiprogramms ganz oder keilweiic zur V e r w i r k- l i ch u n g gelangl, so daß die auf sie bezüglichen Sätze de? Programms nickst mehr in der bisherigen Form aufrecht. erhalten bleiben können, sondern einer anderen Formulierung bedürfen, wie sie auch an eine andere Stelle deS Programm� gebracht werden müssen. Es ist aber klar, daß, wenn überhauvk an eine Aendcrung des Programms geschritten wird, diese sich nicht auf jene zwei Anforderungen beschränken kann, sondern mit den Erkenntnissen, welche die Sozialdemokratie m den seit Abfassung des Erfurter Programm? verstrichenen dre? Jahrzehnten gesammelt hat. auch die in dieser Zeit vollzogene Erweiterung ihres Arbeitsgebiets und Steige- rung ihrer Wirkungskrast in vollem Maße zu berücksichtigen hatte. Welche Aenderungen und Zusätze unter diesen Umstän- den vornehmlich notwendig werden dürsten, soll im folgenden in möglichst knapper Form dargelegt werden. Das neue Programm muß in stärkerer Weise, als im Erfurter Programm geschehen, konkreten Charakter er- halten. WaS 1891 für die Sozialdemokratie noch in gewisser Ferne lag. politisch betrachtet noch einen jenseitigen Charakter hatte— senseitS vom Kaisertum mit allem, was daran hing—, ist nun für sie diesseitig geworden, in unmittelbare Nähe gerückt und will daher entsprechend berücksichtigt sein. DaS Programm kann Fragen nicht unberücksichtigt lassen, deren Erörterung 1891 spekulativer Natur war. nun aber ins Gebiet der Gegenwartsfragen gehört—. von den Fragen des Aufbaus der Republik angefangen bis zu den Fragen der Sozialisierung von Wirtschaft und Recht. Ebenso müssen die Spezialgebiete der Betätigung der Arbeiterklasse berücksichtigt werden, denen die Sozialdemokratie in der Zwi- schenzeit in zunehmender Stärke ihre Aufmerksamkeit und Ar- beit zugewendet hat, und muß mit der Stellung der Sozial- demokrotie zu den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter- klasse— Gewerkschaften und Genossenschaften— auch ihre grundsätzliche Stellung zu bestimmten Formen deS Wirtschaftskampfes gekennzeichnet werden. Aus dem Gesagten geht hervor, daß das Parteiprogramm leine bisherige Form nicht beibehalten kann, sondern mit der Erweiterung seines Inhalts auch eine andere Gruvvierung des Stoffs erhalten muß. Es handelt sich setzt weniger um Aufzählung von Forderungen, als um Bestimmung von Aufgaben und Zielen der Politik der Sozialdemokratie, und hierfür ist bei der Vielseitigkeit des Stoffs und der Notwendigkeit genauer Kennzeichnung jener Aufgaben und Ziele eine Einteilung des Proaramms in eine gams Reibe von Abschnitten zu empfehlen. Es fehlt für ein solches spezialisiertes Programm nicksi an Vorbildern aus anderen Ländern, doch kann eS sich nicht darum handeln, diese sklavisch nachzuahmen. Die Sozialdemokratie jedes Landes hat bei Ausarbeitung ihres Proaramms die Besonderb'stcn von dessen Lage und Entwicklungshöbe wie die sich aus ibrcr eigenen Entwicklung ergebenden besonderen Aufgaben sorgfältig in Betrackit zu ziehen. Bestellunnen erfolgen durck die von den Organisattoncn und i Porteibuckihandlungen in Umlauf geseßten Sammel-Bestellisicn, ! oder direkt durch die örtliche Parteibuchbandluna bzw.. wo eine I solche nicht vorhanden, durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin I SW. 88, Lindenftr. B, Am Geist des Parteiprogramms, wie ihn das Erfurter Programm zum Ausdruck bringt, ist grundsätzlich nichts zu ändern. Di« Sozialdemokratie steht nach wie vor auf dem Boden der soziologischen Entwicklungslehre, wie Marx und Engels sie ausgearbeitet haben, und die den Ein- leitungssätzen des Erfurter Programms zugrunde liegt. Aber die Form dieser Satze kann meines Erachtens nicht auf- recht erhalten werden. Was ich in dieser Hinsicht in meiner Zuschrift an den Stuttgarter Varteitag von 1898, in meiner Schrift„Die Voraussetzungen des Sozialismus" und in den an diese sich anknüpfenden Aufsätzen geschrieben habe, hat nach meinem Dafürhalten durch die seitdem vor sich gegan- gene Entwicklung in allen wesentlichen Punkten nur Bestätigung erfahren. In ihrer seitherigen Fassung schildern die Einleitungssätze des Erfurter Programms in markigen Sätzen »nleugba e Tendenzen der wirtschaftlichen und'o- zialen Entwicklung. Aber durch ungenügende Berürksichti- gung der ihnen entgegenwirkenden Kräfte stellen sie die voraussichtlichen Ergebnisse dieser Entwicklung in einer Gestalt bin, die mit dem tatsächlich Gwordenen in verschiede- ner Hinsicht nicht übereinstimmt. Man könnte nun diesem Fehler im einzelnen dadurch abhelfen, daß man gewissen Ausdrücken ihre apodiktische Form nimmt. Indes bilden die betreffenden Sätze mit den sich an sie anreihenden Schlußfol- gerungen doch so sehr ein abgerundetes Ganze, daß solche Ausbesserei an Ausdrücken nur ein dieses verunzierendes Flickwerk zustande brächte, nicht aber das gäbe, worauf es jetzt tatsächlich ankommt: die Darstellung der Wirk- lichkeit an der Hand der Leitgedanken der marxistischen Entwicklungslehre. Bernstein erinnert an die von ihm bereits im Jahre 1999 veröffentlichten Leitsätze für die Neusormulierung des-Parteiprogramms und wendet sich dann den einzelnen Fragen zu, die nach seiner Meinung eine besondere Behand- lung im Programm erheischen. Dazu gehören besonders die Stellimg zu den deutschen Verfasiungsfragen, die Frage der Demokratie und des politischen Rechtes, des Parlamentaris- mus und des Rätesystems usw. Es wird auf diese Aus- führungen noch zurückzukommen sein. Auf jeden' Fall möchten wir heute schon die Aufmerksamkeit aller Parteige- nassen auf den„Gutachterband" lenken. Es wird eine Fülle von Gedanken und Tatsachen in ihm zu finden sein. Iagows Geist. Fiir die Behandlung der EinbürgerungSge suche dient noch jetzt ein Formular, das offenkundig aus der schönen Zeit stammt, da die alte schwarz-blaue Reichstagsmehrheit sämtliche Einbürgerungsgesuche in ganz Deutschland der Entscheidung des Traugott von Jagow gesetzmäßig überwies. Obgleich kein Gesetz und erst recht nicht die republikanische Reichsverfassung die Ein- bürgerung von Abstammung und Religionsbekenntnis abhängig macht, fragt daS Antragsformular auch danach. Die Einbürgerung müßte ein gesetzliches Recht aller Ans- länder sein, die eine gewisse Zeit in Deutschland leben, die deutsche Sprache beherrschen, in Deutschland zu bleiben wünschen und sich hier keiner gemeinen Verbrechen gegen die Allgemeinheit schuldig gemacht haben. Es ist höchst unmoralisch, von diesen Reichsbcwohnern die Erfüllung aller Pflichten zu verlangen, ohne sie auch rechtlich gleichzustellen. Die Abschaffung der Wehrpflicht erleichtert die Frage noch ganz erheblich. Für Auslanddeutsche und Bürger befreundeter Staaten, wie der neutralen, wäre die Frist erheblich abzukürzen. Der Serger"'. Zu der Verhaftung des Leutnants Berger wird den P. P. N. von der Nachrichtenstelle der Sächsischen Stacrtskanzlei mitgeteilt, daß die Vermutung gewiffer radikaler Blätter, als ob die Regierung sich dieses mit den Spartakisten verbundenen Offi- ziers als Spitzel bedient oder von seinem Treiben gewußt und es gebilligt hätte, völlig aus der Luft gegriffen ist. Die Regie- rnng hat nicht nur sofort einen Polizeikommissar zur Aufklärung an Ort und Stelle beordert, sondern hat auch auf Veranlassung des Ministers des Innern den Volkskammerabgeordneten C a st a n mit besonderen Vollmachten ins Vogtland ent- sandt, damit der Vorfall auch politisch aufgeklärt werden kann. Die Regierung hat nicht nur nichts zu vertuschen, sondern im Gegenteil das Denkbar größte Interesse daran, daß solche Vorfälle restlos aufgeklart werden; sie wird mit Rücksichtslosigkeit gegen etwaige Schuldige vorgehen. Der Kampf um öie freie Schule. Vor einiger Zeit traten die schulpflichtigen Kinder der „Freien Elternvereinigung" in Buer in den Streik, um die Errichtung einer konfessionslosen Schule zu erzwingen. Von der Regierung wurde daraufhin eine Notregelung in der Weise vorgeschlagen, daß für den Lehrer Ditt- mar in Buer an einer geeigneten Schule erne Klasse solcher Schüler errichtet werde, deren Eltern die Befreiung vom Religions- Unterricht beantragen. Die„Freie Elternvereinigung" ist mit diesem Kompromiß nicht zufrieden, da es sich in Buer um etwa 3000 Kinder handelt, die vom Religionsunterricht befreit sind. Sie hat deshalb an das Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung einen Protest gesandt, in dem es u. a. heißt: „Unsere Mitglieder fordern auf dem Wege der Notregelung für sämtliche Kinder religionslose Klassen; sie sind nicht gewillt, sie fernerhin in konfessionelle Schulen zu schicken. Der Schuldezer- nent der Regierung zu Münster, der Zentrumsmann und Vor- sitzende des katholischen Lehrervereins, Herr Rektor Kamp, äußerte sich in einer Sitzung in Buer dahingehend, daß die Regierung zu Münster nicht mehr als eine religionslose Klasse in Buer be- willige könne. Die Freie Elternvereinigung siehl das nicht als Regelung an, es ist dies nach ihrer Auffassung eine Mißachtung der fordernden proletarischen Eltern, die mit ihren Kindern auf geistigem Gebiet nicht mehr enterbt und entrechtet sein wollen. Die Freien Eltern beanspruchen ernsthafte Verhandlungen. Die Schulverwaltungsbeamten in Münster scheinen immer noch des Glaubens zu leben, daß das Werktätige Proletariat immer noch achtlos beiseite gefckoben werden könne. Die Freie Elternver- einigung erwartet bestimmt, daß nunmehr eine befriedigende Lösung des Konfliktes veranlaßt wird. Die Verantwortung für alle ferneren Weiterungen trifft diejenigen, die den berechtigten Wünschen der Freien Eltern so verständnislos gegenüberstehen." Dazu möchren wir bemerken, daß eS ja gerade das Zentrum gewesen ist, das in Schulfvageu den Gesichtspunkt der Gleichberechtigung in den Vordergrund gestellt hat. Eben- sowenig, wie es seine konfessionellen Schulen aufgeben will, kann es verlangen, daß Andersgesinnte ihre Kinder in Schulen schicken, in denen der ganze Unterricht nach bestimmten Dogmen zuge- schnitten ist. In üen firmen liegen sich beiüe. Die bayerischen Reaktionäre nämlich und dig U.S.P.-Leute. Sie wollen von einer Entwaffnung nichts wissen. Die bayrische Ländesbauernkammer ließ der Regierung den Wunsch übermitteln, die bayrischen Einwohnerwehren bestehen zu lassen, während die Münchener Unabhängigen in zwei Massenversammlungen gegen die„kommende Militär- d i k t a t u r" protestierten. Die deutsche Arbeiterklasse müsse ge- rüstet sein, um im richtigen Augenblick eingreifen zu können. Ob die Waffen gegen die Entente, gegen den Bolschewismus oder gegen den„inneren Feind" erhoben werden sollen, verriet man nicht. Es ist' auch gleichgültig. Tie gleichzeitige Waftenforderung derart entgegengesetzter Elemente ist der beste Beweis für die Notwendig- keit der Entwaffnung. Opposition üer baölschen Müblenbesitzer. Karlsruh«, 10. August.(D.?l.) Der badische Müllerbund hat seine Mitglieder auf dem Offen burger Verbandstage verpflichtet, bis auf weiteres Mühle nkontrollen nicht mehr vornehmen zu lassen. Die badische Regierung weist darauf hin, daß dieser Beschlutz ungesetzlich ist und weder von der ReichSgetveidestelle noch von dem badischen Minister des Pascha, die Häuser der Bemittelten bekamen die Offiziere und in den Raum der Armen teilten sich die Soldaten. Reiche und Arme band man denselben Strick, denn Gerechtigkeit ist die Grundlage auch des tihkilchen Reiches. Wer sich wehrte, wurde totgeschlagen; man muß doch dem Sultan gehorsam sein. Fragte einer uorsjo? wohin? so schlug man auch ihn tol, denn er war neugierig. Dann schleppte man die Gebundenen hinaus auf die lange Wanderung unter den Schreien der im SchmerzenSwahnsinn zurückbleibenden Kinder und Greise, hinaus in den Jammer. Durch ein Inferno menschlicher Tierheit immer südwärts, dem TauruS entgegen, an dessen Fuße die Bäche armenischen Jammers, von Stambul. Trapezunt, Sivas und Ei zerum her fließend, sich zu einer grandios- graungen Symphonie unsagbaren Leides zusammenballten. Von denen, die bis hierher dem Hunger, dem Typhus und den Kolbenichlägen widerstanden, suchte man die Kräftigsten aus, zehn- tausend vielleicht, die sollten den Berg durchstechen helfen, daß die Bagdadbabn hindurch könne. Drei Monate später lebten keine fünfhundert mehr von ihnen; Hunger, Bastonade und zermalmen- des Steingeröll mähten sie hin. Ständige armeni'che Leichen- trägerkolonnen hieben Tag und Ngcht schmale flache Löcher in das steinige Erdreich. Teure Bagdadbahn! DaS Gros schleifte man über das alpenhohe Gebirge und warf die Erschöpften zu Hunderten in die gähnenden Spalten. ÄnrzeS Aechzen. Haidi bakalum, weiter. Weiter, hinab in die paradiesische Ebene Kilikiens, nach Tarius und Adana, wo die ansässigen fünfzigtausend Armenier, die sich dem Zuge ihrer Stammesgenossen anschließen sollten, verzwenelten Widerstand leisteten. Dreitägiges Morden, Stechen und Würgen, dann waren die beiden Städte still. Nun über den Amanus, Aleppo entgegen. Hier sollte sich der Zug nach Osten und Süden teilen; da brach der Flecktyphus aus und verrenkte täglich einige Hundert Hungergerippe. Der deutsche Konsul bot alles aus, den Verhungernden Nahrung zu geben, aber die Offiziere stahlen und verkauften das Getreide. Er legte feierlichen Protest gegen das Morden ein, man lachte ihm höhnend ins Gesicht; es seien doch nur Armenier und alles geschehe auf den Rat des deutschen Botkcvaiters. Indessen begann der Flecktyphus auch bereits unter den Moham- medanern AleppoS zu wüten. So jagte man die schattenhaften Jammergestalten durch die syrische Wüstc aui Mossul zu oder aber nach Kuds-i-scherif, dem heiligen Jerusalem. Was von den ersteren nach vierwöchiger Wüstenqual und-Hetze noch atmete, mußte in der Tropenhitze, rudelweise aneinandergespannt, tonnenschwere Walzen ziehen, um die Bagdadbabn weiter vorzutreiben. Die Frauen aber schenkte man vertierten Beduinen, damit sie ruhig seien und die Kulturarbeit des Bahnbaues nicht störten. Die nach Süden zogen, erlitten hinter Jerusalem das gleiche Schicksal. Von ihnen allen lebt keiner mehr. So brachte der Orient sein Opfer. Dreizehnhunderttausend Armenier. Künstlerische Wiedergeburt in Sowjetvußland. Seit etwa zwei Jahren steht der bekannte russische Maler Igor Grabar an der Spitze der Verwaltung der Kunstsammlungen in Rußland. Grabar hat sich durch wiederholte Ausstellungen seiner Bilder besonders tu Innern respektiert werden könne. Werterer Wiberstcrnd gegen die Kontrolle lhabe besondere Maßnahmen, nötigenfalls die Uebergabe der Mühlen in Selbstverwaltung des Kommunalver- b a n d e s, zur Folge. Sadisten der Zwietracht. Der gemeinsame Ausruf des Gewerkschaftshmrdes, der Sozialdemokraten, der Unabhängigen und der Kommunisten zur Wahrung der deutschen Neutralität hat sicherlich bei den allermeisten deutschen Proletariern die höchste Befriedigung erweckt, nicht nur wegen seines Zweckes, sondern auch wegen der Tatfache, daß alle in Betracht kommenden politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, ähnlich wie in'den Kapp- Tagen, ihre Unterschristen unter einen gemeinsamen Appell gesetzt haben. Daß wenigstens bei wichtigen, das gesamte deutsche Volk berührenden Anlässen, die sonst so schmerz- lich vermißte Einigkeit wiederhergestellt werden kann, ist ein Zeichen, das alle vernünftigen Arbeiter mit aufrichtiger Genugtuung begrüßen müßten. Und, soweit Sozialdemo- kraten und Unabhängige in Frage kommen, so glauben wir behaupten zu können, daß hieriiber kein einziger Mißton laut werden wird. Die Reaktion, deren vorläufige Stärke ja gerade in der gegenwärtigen Zerrissenheit der Arbeiterbewegung liegt. hat jedenfalls mit sicherem Instinkt diese Einigkeit unangenehm empfunden, und schon jammert die„P o st" über den gemeinsamen Ausruf, der„eine eminent nationale Frage wie- der einmal künstlich in eine Frage des Proletariats umfrisiert" und ohne die Regierung zu erwähnen, die Arbeiter zu selbständigem Handeln auffordert. Wir kennen diese Töne aus den Tagen des Kapp-Puffches das Bürgertum über die„Nebenregierung der Gewerkschaften" und über die„Dik- tatur Legten" jammerte. Nur bei denen ober, die an der Selbftzerfleifchung deS Proletariats eine Art sadistischer Freude empffnden, nämlich bei den Führern des Spartakus-Bundes. hat diese Gemeinsamkeii andere Empfindimgen hervorgerufen. Der einheitliche Aufruf genügt den Kommunisten nicht, ste müssen ihn durch einen eigenen„ergänzen" oder vielmehr neutralisieren. In dem von der„Roten Fahne" veröffentlichten Aufruf, wird über die Pflicht zur Neutralität und über die Abwehr gegen einen etwaigen Druck'der kapi- tatest iichen Ententeregierungen sonst nur dasselbe cmf zwei langen Spartei beigetreten.>vas alle anderen Sozialisten als Selbstverständlichkeit empffnden und längst vor ihr ausgesprochen hoben. Nur daß sie es nicht mit jener k ü n st- lichen Aufgeregtheit tun. die den Konmnmisten zu eigen ist. Dann aber fährt der Auffnff fort: „In diesem Kampf muß die gesamt? Arbeiterklasse geschlossen mauschieren und schlagen. Darum können nicht die Gewerkschaftsführer und nicht die einzelnen poli-iischen Partsien die Leitung übernehmen; das können nur die von Euch selbst gewählten und kontrollierten politischen ArbeiterrLte. Arbeiter! Seid Euch klar darüber, daß die Scheidemän- ner und die K a u t s k h a n e r, die heute erklären für die Neu- tralität einzutreten, nur aus den Augenblick warten, um Euch i n den Rücken zu fallen, wenn die deutsche Regierung rtne Maske abnimmt. Vor dem russischen Proletariat und der revo- luttonären Aktion der deuffchen Arbeiterklasse haben die Verräter mehr Angst als vor der Gegenrevolution. Wollt Ihr d?n Verrat aus Euren Reihen ausschalten, dann übernehmt selber die Leitung des Kampfes, dann wählt sofort bei Eintritt in den Generalstreik an jedem Ort, in jedem Bezirk politisch« A rbei te r r ä t e, die sich zentral zusammenschließen." Die„politischen Arbeiterräte"! Hier liegt der Hase im Pfeffer. Für die Kommunisten ist also die Abwehrbew�'.mg gegen etwaige Neutralitatsv erletzungen nur eine günstige Propagandamöglichkeit für das Rätesystem. Man fragt sich aber, warum die Kommunisten dann überhaupt ihre Unterschrift Ttefen die der„verräterischen" Scheidemänner und Kautskyaner gesetzt haben. Und was werden denn die kommunistischen Arbeiter selbst über ihre Italien einen Namen gemacht, und auf Grund früherer Bekanntschaft hat sich kürzlich der italienische Journalist Ilqo Ojetti mit der brieflichen Bitte an den Direktor der russischen Kunstsammlungen gewandt, ihm über den derzeitigen Zustand der großen russischen Museen, der Eremitage, der Sammlungen im Kreml, der kostbaren Privatsammlungen und der Denkmäler einen möglichst eingehenden Bericht zu erstatten. Graba? hat auch der Bitte des italeirischen Freundes mit einem ausführlichen Brief entsprochen, in dem er über die Knnstpflege in Sowseteußland interessante Einzelheiten mitteilt. Fürs erste hatte es sich angesichts des Chaos, das die Re. doluiion und die durch sie bewirkte Zerflöruna herbeigeführt hatte, darum gebändelt, den kostbaren Kunstbesitz in Sicherheit zu bringen. Man mußte in den durch Feuer zerstörten Städten die Bilder sammeln, die von Plünderern geraubten Kunstgesenstände wieder herbessckgffen und dazwischen dem Volk zu Gemüte führen, welchen unschätzbaren Wert sine Werke der Kunst und Zivilisation für Rub- land hatten. Zebniauiende von Kunstwerken wurden damals aus den entlegensten Winkeln des Reiches In die großen Stätte gebracht und zu einem einzig dastehenden Kunstmuseum vereirrigt. Nachdem das erst einmal geschehen war, ging man daran, die Werke an die einzelnen Städte zu verteilen und überall städtische Museen zu schaffen, die einen möglichst umfassenden Ueberblick über die alte und moderne russische Kunst zu geben aeeiainet waren. Man fertigte weiterhin Katalooe an, verbot sie Ausfuhr von Kunstwerken und begünstigte in jeder Weife die künstlerische Forscher- tätiakeit. Hand in Hand mit dieser w'ederauhhauenden Arbeit ging die Sorge, um jeden Preis die altrussiscb« Architektur und Malerei, die Fresken und Heiligenbilder der Kircken vor dem Verfall zu sibüken. Unermeßlicher Schaden ist den Meisterwerken der national- russischen Malerei aus dem ortbr-ooxen GlaubenSeiser erwach icn, der nicht zulassen wollte, daß die Zeit ihren farbenbleichenden Einfluß auf die Heiligenbilder ausübte. Mit der Beseitiguna der Autorität der Kirchenbehärdcn erhielt die Sowjetregsinxng und ihr künstlerischer Beirat Igor Grabar end- lsib freie Hand. Da? religiöse Bild ist jetzt vor allem ein Kunst- werk geworden, und die„Kommission für die Erhaltung und die Entdeckung künstlerischer Bildwerke" die im Mai 1918 ins Leben gerufen worden ist, bat nach dieser Richtung so eneraisch gearbeitet, daß allein aus der byzantinischen Kunst von der M'ite des elften bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts wahre Kleinodien entdeckt oder, richtiger gesagt, von der bedeckenden Hülle von 5 bi? 10 Uebermalnnaen befreit werden konnten. Es bandelt sich dabei nach der Versicherung Grgbars um Schätze, die ganz dazu angetan sind, das Stiidiiim der Geschickte der Kunst sener Zeitperiode auf eine ganz neue Gru.ndlaae zu stellen. Die denkwürdigste Entdeckung biefer Art ist die einer Reibe von Fresko biedern aus dem Ende deS II. Jahrhunderts, die das iüngste Gericht darstellen Diese Fresken. die zweifellos aus grieckifcker Hanv stammen, befinden sick in der berühmten Kathedrale des heiligen Demetrius in Wladimir an der Kljasmg. Der Mut und die Begeisterung, die Künstler und Gelehrte in- mitten des Revolutionsbrande? und des Elend eines von seder V-r- bindung mit dem übrigen Europa abgeschnittenen Lautes bei der Erfüllung ihres KnltnrwerkeS an den Tag legten, verdient unei»- geschränkte Anerkennung. Gpfer öes Orients. Von Heinrich Vierbücher. Die gesitteten Völker türmten im Frühjahr 1916 ihre Hekatombe auf dem Altar von Verdun auf, nicht hundert Stiere, wie es vor Zeiten die Alten taten, o nein, die Neuen waren gebefreudiger, kühner und ernster als das in Schönheit und Harmonie schwelgende Altertum, das seine Opfer, mit Blumen und Bändern umkränzt, dem Feuer übergab. Hunderttausende gingen in das große Feuer. nicht Stiere, nur Menschen, schmucklos, und einzig getrieben von der Gloire und dem kategorischen Imperativ. Hunderttausende starben in Europa, Hunderttausende opferte auch �der Orient, der im Zeichen des„DjihSd", des heiligen Krieges, stand. Die Scharen der beiden Kaiser und die deS Bulgarenzars hatten die serbische Mauer zertrümmert und die Verbindung mit den OSmanen hergestellt. Die Engländer muhten unter dem An- prall der Anatolier die Dardanellen räumen und Freude war in Stambul. Im Feengarten von Dolma-Bagtsche glühten die Ampeln in die einzig klare Nacht, wie sie nur der Süden kennt, klirrten die Kastagnetten sinnverwirrend schöner armenischer und griechischer Tänzerinnen, klangen die letdenschastlich-sehnsüchtigen, beharrlich eintönigen und dennoch so betörenden Weisen, die den Europäer mehr als alle» andere in den suggestiven Bann einer köstlich fremden, im Jubel klagenden und in der Klage jubelnden Gefühlswelt zwingen, scholl das Gebrüll der phantasttich geputzten Leibgarden, die ihrem Oberherrn das„tsotrook jasotra packisebabrar" ausbrachten und klang die von fanatischem Stolz getragene Rede Enver Paschas, des Harbije Nasir. des Nriegsmtntsters, der den Sultan bat. den Titel eines„Ghazi", eines Siegers, anzunehmen. Und Sultan Mehmeds wässerige Aeuglein flimmerten von Arrak und Siegestrunkenheit wie die Lichtlein der Minarette an einem Beiram-Abend. Enver sprach mit einer mephistoselischen Beredsamkeit auk seinen hohen Schwiegervater ein. Blühen und wachsen würde nun das Reich Osmans, stolz würde der weiße Halbmond am blutrotem Grunde wehen von Omdurman bis zur Krim, von Persien bis Tunis. Nur müsse man hindernde Kräfte bannen, den inneren Feind schlagen, wollte man des äußeren Herr werden. Den inneren Feind: die' Ungläubigen, die Armenier, die Allzuklugen. Der Sultan opferte die Armenier. Enver Pascha wollte sie nicht töten, nein, so barbarisch war Enver nicht, denn er war lange in Europa gewesen: er wollte mit ihnen nur tun, was die Deutschen in Nordfrankreich taten— nur ausquartieren wollte er sie. ihre kaukasischen Berqnester ausheben und sie nack Arabien verpflanzen, wo sie nickt mehr seinen reckt- gläubiqen Türken gefährltch werden konnten, sckffagte er dem beut- scheu Botschafter, der Bedenken hatte. Nur ausquartieren... Ueberall, wo es Armenier gab, band man sie aneinander und führte sie nach Süden. Ihren Besitz durften sie zurücklassen; den brauchten sie nicht mehr, sagten die Soldaten. Die Paläste der Reichen nahm Enver Führer henken müssen, Im nfit»Verrätern' zusammenarbeiten, gemeinsame Aufrufe mit diesen„Judassen" erlassen und sich ins Schlepptau jener rätefeindlichen Legienschen Ge- werkschasten nehmen lassen, deren Zertrümmerung und Er- ietzung durch politische Arbeiterräte längst zum Bestandteil des Programms der Dritten Internationale geworden ist? In Wahrheit herrscht bei den Kommunisten die Kon- fusion in Permanenz. Um seine Unklarheit, seine Hilslosigkeit und vor allem seine Bedcuwngslosigkeit zu der- tuschen, nimmt der Spartakusbund seine Zuflucht zu der Beschimpfung der erdrückenden Mehrheit der Arbeiterklasse und setzt dabei sein sadistisches Werk der Zerfleischung des Proletariats fort. Wenn die„Rote Fahne" überdies noch den„Vorwärts" beschuldigt, die Arbeiterschaft über den Sinn des Aufrufes zu täuschen, weil er strenge Neutralität nach beiden Seiten empfiehlt, so beweist sie damit nur, entweder daß sie das Wort„Neutralität" nicht versteht oder daß sie es nur in den Mund nimmt, um es zugunsten des einen kriegführenden Teils, nämlich Sowjetrußlands, zu verwerten. Angesichts der engen Beziehungen der deutschen zu den russischen Kom- munisten braucht man sich darüber nicht zu wundern. Neben der tatsächlichen Neutralität gibt es eine„N e u t r a l i- tat des Herzen s", die wir allerdings nicht von der „Roten Fahne" verlangen können..Sidierlich gehen auch unsere Sympathien gegenüber den Kriegführenden nicht zu den Verfassern des Versailler Friedensvertrages. Aber wir chaben wahrhaftig keinen Grund, dieselben Gefühle ge- genüber Moskau zu hegen, wie die„Rote Fahne". Und des- halb sind wir zweifellos viel n e u t r a l e r als sie. Aufhebung der Reichsfleischkarte. Von zuständiger Stelle wird den„P. P. N." mitgeteilt:„Durch Verordnung vom 7. August ist nunmehr die Reichsfleisch. karte mit Wirkung vom 23. August 1920 aufgehoben und durch die Kundenliste ersetzt worden. Wahlweise ist auch die Gemeindefleischlarte, falls darauf von dem einen oder anderen Lande besonderer Wert gelegt werden sollte, zugelassen.■ Dix Aufhebung geschah, weil die Reickssleischkarte ihren Zweck, den Fleisch- verbrauch zu überwachen, im Gasthausverkehr tatsächlich immer mehr verloren hat und für die Ueberwachung des Verbrauchs in den Einzelhamshaltungen die Kundenlist« in den Schlächtereien ausreiebt." Wir halten die Aufbehung der Fleischbewirtschaftung nach wie vor für e.in sehr gefährliches Experiment. Was wir bei Eiern, Obst und Leder erlebt haben, wird sich beim Fleisch und schließlich auch bei den Kartcffeln wrederholen. Zahlungsfähige Kreise können sich schließlich alles leisten, aber den Proleta- r i e r n in den Jndustriebezirken wird schließlich auch noch die kleine Ration entzogen und ihre Ernährung völlig dem Wucher ausgeliefert. Seit dem Ausscheiden der sozial- demokratichen Minister aus der Reichsrogierung scheint auch die letzte Hemmung in dieser Richtung forlgefallen zu sein. Di« Par- Wien, die angesichts der allgemeinen Knappheit die öffentliche Be- wirtschaftung dxr Lebensmittel aufheben, übernehmen damit die Verantwortung für oll die Schwierigkeiten, die daraus in Arbeitevbezirken entstehen können. Das rechtzeitig auszusprechen, ist unsere Pflicht, um so mehr als die Aufhebung der öffentlichen Bewirtschaftung lediglich bedeutet, daß die Staatsgewalt vor den Agrariern und den— Schiebern die Segel streicht! Deutschland bleibt neutral. Criite Antwort an Daszynski. Der„Vorwärts" mochte neulich Mitteilungen über ein Gespräch, das der Vizepräsident des polnischen Ministe- riums Daszynski vor einiger Zeit mit dem französischen So- zialisten Lafont gehabt hat. Hierzu wird uns vom Auswärtigen Amt mitgeteilt, daß eine Vermittlung der Entente zwischen Deutschland und Polen zum Zweck der Auslieferung von deutscher Muni- tion und deutschen Waffen an Polen nicht st attgefunden Wanderbnchhandcl als Volksbildungsarbeit. Der Kampf gegen den Schui»d in Wort und Bild, der zu Anfang unseres Jahrhun- derts einsetzte, hat insofern gute Wirkung getan, als er die übelste Kolportageliteratur zurückdrängte. Aber wenn auch die Nick-Carter- Bücher nicht mehr wie früher die Jugend vergiften, so herrscht doch beute weithin die oberflächlichste llnterhaltungsware vor. Deshalb iit es notwendig, nicht nur das Schlechte zu bekämpfen, sondern Guies an seine Stelle zu setzen, und dazu ist die Organisanon eines richtigen„Volksbuchhandels notwendig, der nicht, wie der gewöhn- liche Buchhandel wartet, daß das Publikum zu ihm kommt, sonoera das gute Buch selbst unter das Volk trägt. Man hat den neuen Weg eingeschlagen, daß man dem Schundbuchhandel seine Mittel ablauscbre, durch die er die großen Erfolge erzielte. Private Freunde der Volksbildungsarbeit haben sich dieser Aufgabe angenommen- So der„Billige Büchermann" in Hannover, der„Rhein-Mainische Verband", der daraus hinarbeitet, den Schund aus den kleinen Papierläden zu verdrängen, und eine Organisation in Oberschle- sien. Auch die Anfang 1919 in Jena gegründete„Deutsche Wan- derbuchhandlung" will dem Schundbuchhandel seine Mittel ablernen und sie in den Dienst guter billiger Volksliteratur stellen. Dabei soll allen Persönlichkeilen und Organisationen, die auf diesem Gebiet arbeiten, ein gediegener geschäftlicher Rückhalt gegeben wer- den. Es werden in der Hauptsache Wanderbuchhändler ins Land geschickt; sodann aber werden auch in Dorfschulen Verkaufsaus- s�ellungen abgehalten und Bücherbuden auf Jahrmärkten errichtet. -ehr wichtig sind die kleinen Papierläden, die in Städten und Dör- fern die geistige Nahrung vermitteln und b'sher Brutstätten der schlechtesten Unterhaltungslektüre waren. Sie erhalten von der D. W. B. zu den gleichen Bedingungen geliefert wie vom Grosso- geschäft. Am wirksamsten haben sich bisher die örtlichen Veran- staliungen, namentlich auf dem Lande, erwiesen, die von der„Wan- derbuchhandlung" ihr Material, meist in Gestalt dauernder Nieder- lagen, geliefert erhalten. Mit etwa 200 Stellen hat die Wander- buchhandlung im ersten Jabre eine dauernde Verbindung ausge- nommen und an rund 2S0 Orten, meist in Thüringen, gearbeitet. Näheres durch die Geschäftsstelle der Deutschen Wanderbuchhand- lttng, Leipzig O., Königstr. 18. Tie deutschen wiisenscha'tlichen Institute in Italien, die während des Klicgcs beschlagnahmt waren, dürsten in nächster Zeil an Deutschland zurückgegeben werden. Die Bibliotdek des archäologischen Psnililnls in Rom ist bereils zurückgegeben worden, lreilich mit der Lerpflichtting, dah die Bücher dauernd in Rom bleiben und allen Studenten zur Verfügung stehen müssen. Redakteurstrcik in Jlnttouiitz. In Kattowitz und Königsbütte nt in den Redaktionen der im siwinna-Verlag erscheinenden Zeitungen s.vaito- witzer Zcilung*,„Oberschkesische Moraenzeitung" und..Köniqshütter Tage- blatt') ein regelrechter Redaktcurslreik ausgebrochen, nachdem dte Forde- rungen der Rcdalteure vom Verlag als uneriüllbar zurückgewiesen worden waren. Der Verlag versucht, den Redaktionsbetricb mit dem kaufmännischen Personal notdürstig ausrcchtzuerbaltcn. Ter neue Start Amundseus. Sie aus N o m e sAlaska) gemeldet wird, hat Amundsen am 8. August an Bord der„Maud" seine Nordpol- expedition angetreten. Hoffentlich bat er von dem neuen AuZgangspunkt mehr Glück, eine nordweslltche Drist des Treibeises zu erreichen, als das erstemal, da er»ach östlich abuetriebeu wurde. hat. Auf Grund seiner Neukrasstätserklärung hätte Deutsch. land Vorschläge dieser Art ablehnen müssen. Tat- sächlich hat Deutschland aus den nach dem Vertrag von Ver- sailles an die Alliierten abzuliefernden deutschen Beständen an Waffen und Munition nichts an Polen geliefert. Polnische Reaktion bis zuletzt. Die in Cholm erscheinende ukrainische Wochenzeitung„Nowe Schittja* berichtet, daß dort von den polnischen Behörden Stand- gcrichte eingesetzt wurden. Zahlreiche Verhaftungen unter den Ukrainern sind an der Tagesordnung. In viel größerem Maße finden Verhaftungen von Ukrainern völlig willkürlich durch die pol- nischen Lokalbehörden in Ostgalizicn statt.'Die Verhaftelen werden nach Lemberg gebracht, dort einem Scheinverhör unterworfen und dann meist in Jotcrnieriingslagcr verschleppt. Den Verhafteten wird Bolschewismus vorgeworfen oder sie werden einfach als ge- säbrlich für den Bestand des polnischen Staates hingestellt. Ferner ist polnischerseits in Ostgalizien die Registrierung sämtlicher ehe- maliger galizisch-ukrainiicher Offiziere angeordnet worden. Auch in den jüdische» Organisationen in ganz Polen, besonders aber in Ost- galizien und in Cholm. find viele Verhaftungen vorgekommen. TelegraphenangeflelltenflreikiuGefterreich. Wien, 10. August.(TU.) Der gestern mittag ausgebrochen« Streik der Telephon- und Telegraphenangestellten in ganz Oester- reich dauert mit unverminderter Stärke an. In den Verhandlungen mit der Regierung ist eine Einigung in nur zwei Fragen bisher erzielt worden. Man hofft aber, daß in den zwei Hauptfragen die Einigung im Laufe des heutigen Vor- mittags herbeigeführt wird. Die Angestellten der Funken- telegraphie sind ebenfalls mit in den Streik getreten. Falls bis heute abend keine Einigung erzielt werden sollt«, drohe» die P oft b e d ie n st e t e n mit dem Smypathiestreik. internationale Seeleutekonferenz. Brüssel, 10. August.(Meldung de? Hollandsch NieuwsbureauS.) Am 9. Augtrsi morgens ist die Internationale Seeleute- Konferenz in Brüssel eröffnet worden. Den Vorsitz hatte Havelok Wilson. Der belgische Arbertsmmister erklärte, daß Belgien versuchen werde, in seinen Gesetzen die Beschlüsse, die auf der Konferenz in Genua beschlossen wurden, aufzunehmen und daß er auch versuchen werde, die Frage des Achtstundentages und der 48 stündigen Arbeitswoche, die in Genua nicht zur Erledigung gekommen find, zu behandeln. Die belgische Delegation hat eine diesbezügliche Resolution eingebracht. Italieniflh-griecbisches Uebereinkommen. Paris, 9. August.(Havas.) In der Frag« dcs Dodekanes (Insel im Aegäischen Meer) ist zwischen der italienischen und der griechischen Regierung eine Bersindanung abgeschlossen worden, die am morgigen Dienstag gleichzeitig mit dem türkischen Friedinsvertwag unterzeichnet werden soll. Es wird berichtet, daß die 12 kleinen Inseln des DodeZawes unter griechische Oberherrschaft koimnen werden. Bezüglich Rhodos soll eine Volksab stimm ning stattfinden, falls England den Bewohnern von C h p e r n anrät, sich mit Griechenland zu Versinigen. Di« Ausführungsbestimmungen für die Volksabstimmung werden im voraus durch die morgen zu unterzeichnende Vereinbarung be- stimmt. Griechenland verleiht der italienischen archeologischen Schule in Athen das Recht, Ausgrabungen aufderJnsel K o s zu machen. Statt der Sittlichkeitsverbrecher, über deren Treiben die „Franks. Zig." letzhin erschütternde Amtsprotokolle veröffentlichte, bersolgen die französischen Behörden das Blatt, das sie wiederum für das besetzte Rhein-Hessen verboten haben. Der Führer der Kommiunisten in Dortmund ist auf Anord- nung der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Es handelt sich um den Kommunisten Meinberg, der nach dem Zusammenbruch der Kommunistenherrschaft geflohen, später in Nürnberg verhaftet und nach Dortmund gebracht worden war. Der Norü in üen Karpathen. Vor dem Ersten Senat des Reichsmilitärgerichts rand heute unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Schleier die Revisionsverhandlung im Prozeß gegen den Oberleutnant der Reserve Hans Hill er statt. Wie erinnerlich, war H-ller am 27. Dezember 1919 vom Berliner Kom- mandanturgericht von der Anklage wegen Mißhandlung des Garde- füsilierS H e l m h a k e freigesprochen und nur wegen einiger geringerer Verfehlungen zu einer Feswngsstrafe von 7 Wochen ver- urteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Gerichtsherr Be- rufung eingelegt, und das Oberkriegsgericht verurteilte in der Ver- bandlung am 39. April d. I. Oberleutnant Hiller wegen vorsätz» licher Mißhandlung des Helmhake mit Todeserfolg zu zwei Jahren Gefängnis und Dienstentlassung. In der heutigen Verhandlung vor dem Reichsmilitärgericht stützte der Angeklagte seine Revision auf sachlicke und formelle Rügen. In erster Beziehung betonte er, daß die Feststellungen des Berufsgerichtssehlerhaft gewesen seien. So sei nicht festgestellt worden, daß er das Bewußtsein der Rechtswidrig. ke it(!) gehabt habe, und daß er den Krankheitszustand des Helm- hake erkannt kabe. ES sei auch nicht richtig, daß die Temperatur am Tage der Strafvollstreckung an Helmhake niedrig gewesen sei. Auch der Begriff„Verursachung des Tod es erfolge s" sei vom Berufsgericht falsch angewendet worden. Die formelle Rüge des Anaeklagten bezieht sich auf die unvorschriftsmäßige Be- setzung des Beriifungsgerichts. In der Hauptverhandlung am 80. April waren die vom GertcbtSherrn berufenen beiden Offi- zierrichter niöbt erschienen. Infolgedessen ließ der Vorsitzende des ObcrkriegSgerichts zwer andere Oberleutnants telephonesch herbeirufen. Diese beiden Offiziere waren also nur rein zufäl- l i g zu Richtern bestellt, sie waren nicht, wie die Vorschrift es er- fordert, von den Vertrauensleuten zu Richtern gewählt worden. Der Senat hob das Urteil des Berufungsgerichts auf und ver- wies die Sache zur nochmaligen Bcrhaudlung an die BerufungS- instanz zurück. GrofcBerlw Explosion in Lichtenberg. Heute morgen gegen 4 Uhr ereignete sich auf dem Grundstück der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in der Hauptstraße eine schwere Explosion. Es explodierte dort in der Beuzodestillation ein Apparat mit solcher Gewalt, daß zahlreiche Fensterscheiben in der Umgebung der Fabrik zertrümmert wuidew Der Apparat und das Gebäude selbst sind schwer beschädigt. Der Arbeiter, der den Apparat bedient, wurde schwer verletzt in das Krankenhaus eingeliefert. Alle Nachrichten und Gerüchte, die sich vor allen Dingen heute morgen in Lichtenberg verbreireten uud von einer Reihe von Toten und Verwundeten sprachen, sind glücklicherweise unzutreffend und wohl nur in Erinnerung an die vor einigen Jahren in der- selben Fabrik erfolgten Explosion, die mehrere Todesopfer forderte, entstanden._ Streik in den Charlotteubnrger Gaswerke«. Die Arbeiter der Charlottenburger Gaswerke sind, wie der Magistrat mitteilt, heute in den Ausstand getreten. Die Veranlassung hat eine Lohndifferenz zwischen dem Berliner Mo- gistrat und der Grotz-Berliner Arbeiterschaft gegeben, deren Er- ledigung sich nach Ansicht der Arbeiterschaft unnötig verzögert zat. Bereits am Sonnabend sind die Arbeiter des Tegeler Gaswerks in den Streik getreten. Die Charlottenburger Arbeiter sind an- geblich aus Solidaritätsgründen jetzt gefolgt. Notstandsarbeiten werden ausgeführt: Die Gasversorgung ist unterbrochen. Eine große HecreSgutverschicdung wurde gestern durch das reckt- zeitige Eingreifen der Krtminalwachimeister Mühlenberg, Keller und Draber vereitelt. Diese hatten festgestellt, daß nack einem Hause am Königsweg Wagenladungen mit Paketen aller Art, mtt Ballen und Säcken geschafft wurden. Ihre Ermittelungen ergaben, daß es sick um Ausrüstungs- und Bekleidungsstücke eines hiesigen JitfanteriereaimentS handelte, die von zwei Angehörigen des Regiments, den Gebrüdern Kühnemund, verschoben werden sollten. Von den beiden Brüdern war der eine als Vizewachimeister Kammerunteroifizier, während der andere Fahrer war. Der Kammerunteroffizier packte nun in seiner Kammer alles das zu- sammen, was er unauffällig unterschlagen lonnle, und sein Bruder kam dann mit einem Wagen und fuhr die Sacken heimlich nach dem KönigSweg, wo die Braut des Vizewacktmeisters wohnte. Als dort gestern wieder eine Wagenladung abgeladen werden sollte, griffen die Beamten des Kriminalkommissars Dr. Götsch ein. beichlag- uahmten sie und nahmen zugletch eine Durchsuchung der Wohnung vor. Hier fanden sie das unierschlagene Heeresgul postfertig verpackt, um zunächst zu den Eltern der Braut geschickt zu werden. Diese und die beiden Gebrüder wurden festgenommen. Der geheimnisvolle Leichentransport, über den wir aus der Blumenihalstroße berickteten, ist durck die Nachforschungen des Kriminallommiffars Lehnerdt bereits völlig aufgeklärt. Es liegt kein Verbrechen vor. Badawska ist in der Wohnung der ihm bekannten Dame am Herzschlag verstorben. Alle Personen, die bei dem Leichentransporl behilflich waren, konnten festgestellt werden. Es sind einwandfreie Leute. Die verschwundenen Wertiachen haben sich auch angesunden. Sie sind von der Dame, bei der der Kaufmann plötzlich verstorben ist, in seiner Wohnung unter die Bettdecke gelegt worden. Dort wurden sie auch alle bis auf einen Siegelring, der als teblend gemeldet wurde, vorgefunden. ES ist aber wahischeinlich, daß der Mann diesen Ring gar nicht gelragen hat. Das Geld, das Badawska bei sich halle, hat die Dame zur Bezahlung des Transportes der Leiche benutzt. Aus der Strafanstalt entwichen sind gestern in Prenzlau vier Berliner Geiangene, der 24 Jahre alte Schlosser Artbur Schütz. der 30 Jahre alte Militärinvaltde Karl Orth, der 22 Jabre alte Mechaniker Karl B a n d l r> w und der 19 Jahre alte Elektromonteur Max Zeiger. Trotz sofort aufgenommener Fahndung nach den Flüchtigen ist eS nicht gelungen, ihrer wieder habhait zu werden. Schütz ist besonders an seiner rechten Hand kenntlich, die infolge einer Schußvcrletzung steif ist. Liebesgaben für Kriegsgefangene, Alle vor dem 20, Juli d. I. heimgelehrtcn, in der SKadt Berlin wohnhaften und polizeilich gemeldeten Ktiegsgefangenen(Vororte kommen nicht in Frage), die noch keine Zigarren und Zigaretten von der Kriegsgefangenen- Heimkehr erhalten haben, müssen dieselben spätestens bis zum 20. August d. I. unter Vorlage ihres Entlassungsscheines und der polizeilichen Anmeldung in der Geschäftsstelle Schloßplatz 1, in der eit von 9—4'/, Uhr, abholen. Nach diesem Zeitpunkt werden iebesnaben nur an neuerdings aus Gefangenschaft gekommene Heimkehrer ausgegeben. Glückliches Wilmersdorf. Allmählich geben setzt die Groß« Berliner Gemeinden ihre letzten HaushaltuttgSvotant'chlägc bekannt. Dabei zeigt sich, in welcher Art und Weise die verschiedenen Gemeinden in den letzten Monaten ibrer Selbständigkeit auf Kosten des jetzigen Groß-Berlin gewirtichastet haben. Sämtliche bis jetzt mit ihren Voranschlägen hervorgetretenen Gemeinden, und zwar auch solche, welche sich früher solider Finanzen erfieuten, bringen als„Morgengabe" ein erhebliches Defizit in das neue Berlin ein. Hiervon wird, wie wir böten. Wilmersdorf eine rühmliche Ausnahme machen. Der Etat Wilmersdorfs wird, sowcti sich bis jetzt übersehen läßt, ohne Defizit abschließen. Mariendorf. Jugendweihe. Eltern, die gewillt sind, ihre Kinder an der demitächst für Tempelhos-Mariendorf vorgesehenen Jugendweihe teilnehmen zu lassen, werden gebeten, sich unter Angäbe des Namens und Adresse sofort an den Genossen R. Oesterreich, Blumenweg 8, zu wenden. Vom Umiang der Beteiligung hängt es ab, ob sich die geplante Feier ermöglichen läßt. Adlershof und Nachbarorte. Die Jugriidweihe findet am Sonnlag, den 19. Sevtember, vormittags 10 Uhr, statt. Die Teilnahme ist vollständig kostenlos Anmeldungen nehmen noch entgegen die Genossen S cb m a l z, Po alu-wskystr. 1, und W. Thielemann. Bismatckstr. 31(Koitsumgepauoc). Die zur Jugendweibe kommenden Schüler tönnen an dem Unterricht in Gemernichastskunde und Religionsgeschichle, welcher an der 3. Gemeindeschule in Adler-Hof eingeführt ist, teilnehmen. Der Unterricht für die Oberstufe findet am Dienstag jeder Woche in der Aula der 3, Gemeindeschule, nach- mittags von 3—4 Uhr statt. Anmeldungen für den Unterricht, der kostenlos ist, werden hier entgegengenommen. Reiitickendorf. Der BorbereitungSunterricht für die Jugendweihe beginnt am Freitag, den 13. d. M., abends 5 Uhr. Und zwar für den östlichen Ortsieil in der 3. Gemeindeschule unter Herrn Lehrer Frahm, und für den westlichen Ortsteil in der 5. Gemeindeschule unter Herrn Lehrer Wolf. Neuanmeldungen werden noch am ersten Untertichlstoge entgegengenommen? Grofl-Serliner partewachrichten. Morgen, 11. August: 2. Abt. 7>/z Uhr Mitgliedcrvcrlammlnng im Lugendheim. Lindcnstr, 3. Bericht von der(Kencraloersammlung, Ergänzungswahl der Ablcllungs- lcitui'g, Parlelangelegenbeiten. 8. Abt. Mitgliedelversammlung bei Rabe, Ficktestr. SS, tkharlottenburg. 7'/s Uhr Zahlabcnde 1., 2., 8., 5., 8., 10. bis 18. Kruppe, 9. Gruppe Donneistag, 6. und 7. Kruppe Freitag in den be- tannten Gruppen lokalen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Das Waldsest am tS, August. 3. Vereinsangclegenhciten. Neukölln. 7(5. Bezirk, Bezirks Versammlung 7st, Uhr bei Kellert, Kaiser-Friedrichsttas-e, Ecke Wcspcnffraße, nicht bei Amelungscn, Borsigwaldc-Wirtenau. 8 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen.„ Roieiithal. Mitgliederversammlung 3 Ugr im Lokal Pelran. Haupt- straffe IS. Thema: Die politische Lage, Rcseruit: Artur Häuffler, In- folge der gespannten politischen Lage ist das Erscheinen eines jeden Mit- gliedes Pflicht. Gäste haben Zutritt. Hcrmsdorf. Mitgliederversammlung 71/, Uhr im Lokal Böttcher, Walderlee», Ecke Berliner Straffe Velten. Mitgliederversammlung in dem bekannten Lokal Zahlreicher Besuch wird erwartet, Steglich. Tie Zahlabende finden in den bekannten Lokalen statt. Lankivich. 8 Uhr, Lehmanns Festsäle, Kaiser- Wilhelm> Straffe SS/3l, Zahlabend. Lichterfelde. 7ft, Uhr, Mitgliederversammlung, Oberrealschule, Rüv straffe fScsangssaal). Wichtige Tagesordnung. Lichtenrade. Mitgliederversammlung 8 Ubr in der Schule, Aont»> straffe Thema t D!e politische Lage. Referent: Waller Israel. EeWseMsstsbewsgung Tarkfl'eweaun,, der Handattarbeiter. Dür Tarn bc5 TranSportarbeiicrverbandeS mit bzm Arbcit- geberverbanj» im C'inz�lhar-dcl ist gekündigt mch läuft am SO. September ab. Eine am Montag abgehaltene star? besuchte Leriamm- lung der Arbeiter nnd Arbeiterinnen im Einzclbandcl stimmte dem dcm einer Ziiommission aukgearbelteten Tarifentwurs zu. der den bevorstehe»den Verhandlungen mit den Arbeitgebern zugrunde ge. legt werden soll. Die wesentlichsten Bestimmungen des Entwurfs find folgende: Die wöel'entliche Arbeitszeit beträgt bis 46 Stunden, bei durchgehender Arbeitszeit fällt in dieselbe täglich eine halbstün. d!ge Pause. Der Arbeitstag must spätestens um 6 Uhr schließen. U oberstunden, wenn sie notwendig sind, sind mit 33%, Nacht- und SonntagSarbeit mit IVO Prozent Aufschlag zu bezahlen. Urlaub ist zu gewähren im ersten Halbjahr der Beschäftigung 6 Tage, nach einem halben Jahr 3 Tag«, nach 2 Jahren 12 Tage, nach 5 Jahren 18 Tage, nach 10 Jahren 24 Tage. Bei einer Verkürzung der Ar» beitSzeit bis 30 Stunden wöchentlich darf kein Lohnabzug stattfinden. Bevor die wöchentliche Arbeitszeit nicht auf 24 Stun» den verkürzt ist, dürfen keine Entlassungen vorgenommen werden. Di« Löhne sollen in einem besonderen Tarifabkommen festgesetzt werden. Hinsichtlich des Mitbestimmungsrechts enthält der Ewt. Wurf über das BetriebSrätegesctz hinausgehende Bestimmungen. WS die Beratung des DarifentwurfS beendet war, berichtete P o l l m e i e r über Verhandlungen über den ScchS-Uhr-Ladrnschluß. Die bisher km NeichSorbeitSministerium gepflogenen Besprechungen hatten kein Ergebnis. Ein Antrag, den S-Uhr-Gchluß einzuführen, liegt dem RelchSarbeitSministerium vor. Auch dem ReichSwirtschaftZrat soll ein gleicher Antrag eingereicht werden. Die Gewerbedcputaticm beS Magistrats hatte am Montag die Ar. Zeitgeber, und Arbeitnnehmerorganisationen zu einer Verhandlung über den S-Uhr-Ladenschluß geladen. Von Arbeitnehmerseite waren ker Zentralverbanb der Angestellten lHandlungSgehrlfen), der TranZportarbeiterverband und andere Organisationen vertreten. Die Arbeitgeber waren nur sehr schwach vertreten. Die größte Organisation, der Arbeitgeberverband im Einzelhandel, fehlte. So« weit Arbeitgeber vertreten waren, erklärten sie sich olle gegen den K-Uhr-Schluß. Eine Ausnahme machte nur die Vertretung der Konsumgenossenschaft, die sich ohne Borbe« halt für den K-Uhr-Schluß aussprach und sich auf ihre Erfahrungen berufen konnte, welch« beweisen, daß der O-Uhr-Schluß für die Geschäftsinhaber durchaus keme nachteiligen Folgen haben werde.— Der Referent betonte, die Angestellten und Arbeiter im Handelsgewerbe halten fest an ihrer Forderung des S-Uhr-Laden- 'chlusseS und ersuchen das kaufende Publikum, diese Forderung da- durch zu unterstützen, daß nach S Uhr kein« Einkäufe mehr gemacht werden._ Der„Kämpfer". Auf Grund der Verordnung vom 12. Februar 1S20 klagte ein Buchdrucker in Cheamsitz gegen die GeschaftSleiwng des kommunisti» ichen Blatte»»Der Kämpfer' wegen unberechtigter Entlassung. Die Klag« war schon beim SchlichtungSauSschusse verhandelt, und dort war ein Schiedsspruch gefällt worden, wonach dem Kläger für drei Wochen und fünf Tage, solange dieser noch der Entlassung arbeitslos war, der Lohn zu zahlen ist. Diesem Schiedssprüche hatten sich die Parteien unterworfen. Dann lehnte aber die Beklagte den Schiedsspruch ab mit der Begründung, daß ihr Vertreter sich im Irrtum befunden habe. Der Klägffr war im Februar d. I- aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und bei der Beklagten srch im Irrtum befunden habe. Der war im d. I- in Stellung getreten. Ansang Mai ist»r wegen Arbeit» mangels entlassen worden. Nach der angezogenen Verordnung mußt« aber die Arbeitszeit auf 24 Stunden pro Woche verkürzt werden, ehe die Entlassung erfolgen kannte. Da» ist nicht gesechhen. Der Spruch des SchlichtungSauSschussc» konnte demnach auch nicht ander» lau. ten. Da» Gewerbegericht hatte in der Klagesach« gar nicht prin- ziptell zu entscheiden, ob der Spruch irrtümlich gefcM war. sondern e» hatte nur einen gerichtsnotorischen Beschluß herbeizuführen, da, mit der Kläger aus den, Wege der Pfändung zu seinem Rechte g«- langen konnte. Ter Vertreter der Firma beklagte sich darüber, daß ihr dann jede Möglichkeit genommen wäre, Arbeiter zu ent- lassen, und ersuchte da» Gericht um Ausklärung, wie sie sich zu ver. halten habe, um unangenehmem Streif mit den Arbeitern aus dem Wege zu gehen. Da« Gewerbegericht lieh sich jedoch durch die Un» bsholfenhcit des Beklagten in Fragen oe» ArbeiterrechtS nicht irremachen, sondern erkannte den Schiedsspruch des' SchlichtungSauS» schussei als berechtigt an. Diese Entscheidung gegen den Betrieb«ine» Organ», da» für sich den Anspruch erhebt, nur allein die Interessen der Arbeiter- schalt richtig und nachdrücklich zu vertreten, ist auch in prinzipieller Hinsicht äußerst interessant, zumal die Redaktion des„Kämpfer' alle dcrarttge Verordnungen als Halbheiten und nicht im Interesse der Arbeiterschaft gelegen kritisiert und herunterreißt. ES ist geradezu beschämend, daß ein derartiges Unternehmen nicht einmal dgn Detrag von 738 Mk. bezahlen will, und noch beschämen. der für dasselbe ist«». daß es nicht weiß, daß gegen Urteil« de» GowerbegerichtS, die den Wert von 1000 Mk. nicht übersteigen, es ein weiteres Rechtsmittel nicht gibt. Der Vertreter erklärt« näm- lich, weiterZlageu zu wollen�_ Die KaufmannSgerichtStvahlen. Die in Vorbereitung befindlichen KauftnannSgerichtSwahlen werden unter Berücksichtigung der Verordnung der Reichsregierung vom 12. Mai 1S20 erfolgen. Hiernach sind wahlberechtigt: männlich« und weibliche kaufmännische Angestellte, welche oai 20. Levensjahr erreicht. hoben und nicht«in Einkommen über 15 000 M. beziehen. Wählbar sind jedoch nur männliche Angestellte im Alter von über 80 Jahren. Mit dieser Verordnung der Reichsregierung sind die langjährigen weitergehenden Wünsche der kaufmännischen Angestellten nicht erfüllt. Durch das Festhalten an einer ÄehaltSgrenze wird unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Geldentwertung immer noch sehr vielen kaufmännischen Angestellten die schnell« und billige Rechtsprechung durch die KaufmannSgerichte vorenthalten. Im Alter von 25 Jahren kann jeder Deutsche als ReichStatfSabge« ordnet« gewählt werden. Als Kaufmannsgerichtsbeisitzer können aber nur männliche Angestellte fungieren, wenn sie daS Alt« von 30 Jahren überschritten haben, obgleich nach Artikel 109 der Reichs- Verfassung Männer und Frauen grundsätzlich dieselben Die Rechtlosigkeit der HausportierS. Der Deutschs Portierverband schreibt uns: Fürst Blüch« von Wahlstatt besitzt am Pariser Platz 2 ein Grundstück, da? vom .Jnvakideirdank', Unter den Linden, verwaltet wird. Der Portier dieses Hauses erlaubte sich nun, Bezahlung nach dem für die Wohn- Häuser abgeschlossene» Tarifvertrag sallgemeinverbindlich- seit i 15, 10 19) zu sordirn. Der Erfolg war prompte Kündigung, trotz vierjähriger einwandfreier Tätigkeit. Der Beiroffene ruft den SchlichwmiSauKschuß an und läßt sich in zwei Instanzen bestätigen, daß er tarifmäßige Entlohnung zu erhalten Hab« und die Kündi» gung unwirksam sei. Nebenher klagt der Jnvalidendcmk auf Räu» mung der Wohnung und dringt vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte mit der Klage durch. Wie allgemein bekannt, ist Arbeitsstelle und Wohnung im Portierberuf untrennbar miteinander verbunden. Wenn nun der Schlichtun gsauZschuß entschieden hat, daß da» Arbeitsverhältnis � fortbesteht, weil Gründe zu feiner Kündigung n'cht vorgelegen i haben, sollte man annehmen, da» Amtegericht würde sich diesem Urteil nicht verschließen und die Klage auf Räumung der Dienst- Wohnung kostenpflichtig abweisen. Aber weit gefehlt. Wir fragen: Ist eS der Wille de» Fürsten Blücher von Wahl» statt in diesem speziellen Falle, daß der Portier seines Hause», welcher nachweislich seine Funktionen tadellos ausführte, durch den Jnvalidendank aufs Pflaster geworfen wird, nur weil« die in unserem Beruf übliche kärgliche Entlohnung verlangt? Wir fordern, daß die Richter bei derartigen Räumungsklagen endlich beweisen, daß wir in einem Rechtkstaate leben und nicht da? Gefühl in uni aufkommen lassen, als wären wir Menschen minder« Qualität._ verband der KastwirtSgebtlfen. Donnerstag. 12. Nueult, vorm' 10 Uhr, M'tgliederversammlimg der Sektion III— CinZangeltellte im Cas4 Stein, nm Oraniendurger Tor. Tagesordnung: Die Sabotage der Unter- nehmer in unserem Beruse._ Partemachrichten. Fortschritte der Partei. Der Sozialdemokratische Verein Groß-Fremkfurt hielt dies« Tage seine Generalversammlung ab, in der der Genosse Broßwitz mitteilte, daß die Mitgliederzahl des Verein» nunmehr das zwölfte Tausend überschritten habe. Es wurden in der Besprechung Wünsche auf Aufstellung ein« Berufs» ftatistik der Mitglieder vorgebracht Nach einem Vortrag de» Abg. Kaiser-Frankfurt üb« die Tätig. keft de» Reichstag» und einer langen Diskussion wurde folgend« Resolution angenommen:„Tie Parteivcrsammlung ersucht die Fraktion, sofort nach dem Zusammentritt des Reichstags die chnellste Einbringung und Annahme des Gesetzes über den Volksentscheid entsprechend den Versprechunzen der Re'chS. Verfassung mit allem Nachdruck zu fördern.' Wivtfdyafi Reaktionäre Haltung der Konsumgenossenschaften? In Stuttgart fand eine Konferenz der Konsumverein». betriebSräte statt, in der nach der„Roten F a h n e" folgenden Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die Konferenz erklärt, mit den Beschlüssen der diesjährigen KonsumvereinStagungen auf Beseitigung der Zwangs» Wirtschaft zwecks Rückkehr zum freien Handel nicht einver- standen zu sein. Auch die Harzburger Entschließung, die systema- tischen Abbau fordert, ist gerad? das Gegenteil von dem, was die Massen der KonsumveveinSmctglieder durch ihre Parteien lS. P. D., 11. S. P. und K. P. T.) low oh lals auch durch ihre Gewerkschaften fordern, nämlich die Durchführung einer plan. mäßigen fozi a listi sche n B e d a rf S wi r t sch a st. Ein« Wirtschaftspolitik, die grundsätzlich erst die Anarchie schrankenloser Konkurrenz zurückverlangt, ist nicht sozialistisch, sondern kapitalistisch. Eine derartige Gegen- sätzlichkeit ist nur möglich durch eme völlig« Entfremdung der Leitung der Konsumverein» von den Massen, die die«igent. lichen Träger der KonsumversinSbewegung sind. Wir verlangen und beantragen in unser« Eigenschaft als Mitglieder der Genossenschaften, sowohl wie auch als Betriebsräte zwecks einheitlicher Stellungnahme der Genossenschaften mit den Ge» werk'chafden und Angest«lltenv«händen zu der gegenwärtigen ErnährungSkatostrophe die sofortig: Einberufung autzetordent- licher Generalversammlungen der einzelnen Konsumvereine. DaS Ziel der KonsumvereinSbewegun? muß die sozialistische Neuordnung de» Wirtschaftslebens im Ginne p l a n m ä ß i- ger, genofsenkchaftlichex Bedarfswirtschaft sein. Die gesamte LebcnSmittelerzeugung.-erfassung.-vertei- lung ist durch«in WirtschaftSststem, dessen Träger die konsum. und landwirtschaftlichen Genossenschaften sein müssen, sicheozu- stellen.' Der in dieser Resolution zum Ausdruck gebrachte Standpunkt übersieht, daß unter der völlig durchlöcherten und unhaltbaren Zwangswirtschaft gerade die Konsumverein«, die kein« Schieber. geschäft« machen können, am aller schwersten' gelitten haben, weil ihre Mitglieder in dem Einzelhandel mehr kaufen können als im Konsum, der streng nach den Gesetzen verfahren muß. Große Demonstrationen zuguisten der Konsumvereine, um immer erneut die Avfmerksakeit auf sie zu lenken und ihre Bedeutung all Mittel zur Herstellung ein«? Bedarfsdeckunakwirtschaft hervorzuheben, erscheinen unS wichtiger und zweckmäßiger als der Kampf gegen Windmüblenflügel. An die Stell« der ZwangSwirttchaft muß die organisierte sozialistisch« Wirtschaft gestellt werden. Start gegen ihre Geschäftsführer dielen unfruchtbaren Kampf zu eröffnen, sollten die Betriebsräte die Propaaanda nach auß�n für die Kon. sumbewegung mit dem größten E'fer betreiben. Deutsche« Kapital i« Italien. Nach den amtlichen italienischen Feststellungen war bei Ein» tritt Italien» in den Weltkrieg(Mai 1915) in 67 italienischen Sandel», und Aktiengesellschaften überwiegend deutsche» Kapital investiert. In erster Reih« standen die Fabriken elektrischer Apparate, von denen 17 von Deutschen geleitet wur- den, sowie die Bergwerke und Transportgesellschaften, von denen se 11 bzw. 9 von deutschem Kapital b«h«rscht waren. Ueber Laufe der Zeit sehr eingehend« Erhebungen angestellt. DaS hier. zu beauftragte„Comitato per il eommercio coi sudditi nemici' beim Handelsministerium in Rom stellte am 20. März 1917 als Gesamtlvcrt des von 4116 deutschen Firmen und Privatpersonen in Italien zurückgelassenen Eigentums 812 835 500 Lire fest, lieber die neuesten Resultat« der weiter fortgesetzten Erhebungen ist amt. lich nicht» bekannt geworden. ! � fortschreitende Amerikanisierung unser« Industrie. Ter Scheidemandel-Konzern, der namentlich in Westeuropa durch die KriegSliquidationen usw. seine für da» ausländische Ge. � schäst ausgebauten Stützpunkte verloren hat. hat nach der„Frkf. � Ztg." Vereinbarungen mit eintr starken internationalen Gruppe seiner Branche zur Sicherstcllung seiner Rohstoffzu- � fuhren getroffen. Die Gegenleistungen ergeben sich aus der Nutz- j barmachung des technischen P o r s p r u n g s der Scheide- � mandel-Werk« für die fremden Werke und außerdem dadurch! daß : die Aktien-Gesellschaft für chemische Produkte vorm. Scheidemandel � in Berlin, der ausländischen Gru ppe 5 Millionen �Mark neue«tgene Aktien gegen Bezahlung über. läßt. Die Aktien sollen von der ernSlättfrischtm Gruppe, die unter Führung der American jb lue Company in Boston steht, zu«inem dem ungefähren Tagespreis nahekommenden Kurse fest übernommen werden. Bereinigte Deutsche Nickolwerke Akt.-Ges. FabrikationSgew-inn 6 723 692 M.(i. P. 2 542 800). Der Uebcrschuß beträgt 5 362 538 M. )2 347 707) und ermöglicht eine Dividendenzahlung von wieder 22 Prozent auf das erhöhte Aktienkapital. Preisherabsetzung für Schrauben. Die Handelschraubenver- einigung beschloß, vom 10. August ab ihre Preis« für die verschie. denen Sorten um 7— 10 Prozent zu ermäßigen. Der Sägewerksverband für Mecklenburg setzte die Schnitt- holzpreise um weitere 20 Prozent herab. Fortschreitende Konzentration. Die Engelhardt-Braue- rei A.-G. in Berlin beabsichtigt, sich die Bereinigte St. Ge- vrgen- und Feldschlößchen. Brauerei A.-G. in S a n g e r- Hausen anzugliedern. Erst kürzlich hatte die Engekravdt-Braue. rei die Verschmelzung mit der Dortmunder Westfalia-Brauerei vorgenommen, und im vorigen Jahre waren verschiedene an- d«e Provinzbrauereien, u. a. die Hallesche Aktcen-Bierbrauerei in Halle ct. S., mit ihr vereinigt worden. Depotzwang. Zur Einlösung von Zins- und Di vi den- denscdeinen müssen Weripaviere vom Besitzer entweder beim Finanzamt angemeldet oder bei Banken bzw. Boulier« binterlegt sein. Gegen die Aufrechtcrbaliung diese» sogenannten Devotzwanges richtet sich eine Anfrage von Mitgliedern der ReichStagSfraktion der Deutschen Volkspartei, die in der beigesiiglen Begründung geltend machen, daß die Anordnung angesichts der mit ihr verbundenen Schioiengkeileil, ihrer nachteiligen und im Endergebnis unbefriedigenden Wirkungen sich auf die Dauer nicht rechtfertigen lasse:„Die Schwierigkeiten für Bank und Publikum, die bis heule nicht überwunden sind und auch in absehbarer Zeit sich nicht überwinden lassen, bergen auch ensitliche vermögensrechtliche Gefahren für Wertvapierbesitzer wie für Banlen in sich. Ter Depotzwang hat auch das Bankgeichäft in nicht uner- heblichem Umfang von den kleinen und mittleren BanlierS, gegen deren Zuverlässigkeit nicht daS geringste einzuwenden, die in ihrer Existeuzmöglichkeit zu erhallen auch eine Slaalsaufgabe ist. den Großbanken zugetrieben. Auf der anderen Seite sind die Vorteile, die man sich für eine richtige steuerliche Erfassung von Vermögen und Eintommen au» jenen Maßnahmen versprochen hat, verhältnismäßig gering, da eine vollständige Nachprüfung der Steuererklärungen unter In- anspruchnabme de« bei den Banken zu haltenden Materials doch unmöglich ist. Solauge wir leine Gemein Wirtschaft, sondern die freie kapitalistische Wirtschaft haben, werden auch nur dtesenigen die nchticien Steuern zahlen, die aus Arbeit gegen Lohn oder Gehalt ihr Einkommen beziehen. Alls Geldgewinn«! aus Handel und Gewerbe und den in ihnen liegenden Spekulation«möglich- leiten werden mehr oder weniger den SteuerfiSku» prellen. Wie- lang« wird das noch gehen können? Preisherabsetzung für Träger. Bei der Herabsetzung der Preise für Träger auf 2849,60 M. handelt«s sich nicht um den neuen Lagerpreis, sondern um den vom EisenwirtschastS» � bu nd festgesetzten Höchstgrundprei» ntt direkt: WerkS- lieferungen an die Kundschaft. Sport. Der Arbeiter-Wnssersportverband, Kreis!, bnlt am TounerStag. den>2. d. M... wieder seine Kreis-Wasser-Ball-Ferieirpiele im Enaelbecken abend»>/,? Ubr ob. Es spielen folgende Mann'chaften: B. S. C. Freiheit- Ncptun Lichtenberg. Fr. Schw. Neukölln-B. S. C. Welle. B. S. Union- Fr. Sckw. Cbarloilendnrg, Fr. Schw. Norden- Neptun Weißensee. Anfragen sind zu richten an O. de Ntzve. Belli» Il 87, Oderberger Str. 2 II. flus aller Welt. 10 SauerngehSste verbrennt. Soburg. 10. August. In O t t o w i n d sind am Montagnach. mittag 10 Bauerngehöstevoll ständig, 8 Gehöfte bis auf die Wohnhäuser niedergebrannt. Re'che Erntevorräte sind mitverbrannt._ Ruhrevidemien. Dortmund, 9. August. In Dortmund sind seit Mitte Juli 6 0 0 Ruhrerkrankungen amtlich gemeldet worden, wovon 96 töd- dich verliefen. In der Woche vom 1. bis 7. August sind 279 Neu- erkvankungen gemeldet worden. Krakau, 10. August.(TU.) Hier tritt die Ruhr epidemisch auf. In den letzten Togen gabeö durchschnittlich SOTodeS- fäll«._ «»rantaortU* Ntr den e-d-kN-nell-!, che»!». Vepire.Skrm»d-rf! itlr«nulfun M.«locke. Perlin. Verlag: Vorn-SrtS-Verlaa®. rn. 6. tPettln. Druck: Vor. n-SrlS-Buckdruckerci».«erlagSaniiolt Vau! Singer u. Co.. t'erlt.i. Lindeutlr. 3.