Nr.ZHS->57. Jahrgang Ausgabe A Nr. 62 Bezugspreis: V»rtelliihrl. ZO.— änt«monatL10,— 3J1!. frei ms Saus, oornus zahlbar. Poft- besug: Monatlich 10,— Ml.«xN. flu- slellunos-tebiilir. UwetRreutbaub füt DsullchlanS und Oetlerreidi 16,c0 Ml. füt Oos übrige Ausland-de» täglich einmal. Zustellung 2150 OT. Paltde- ltellungen nehmen an Ocflerrcidv Ungarn, Tfchrcho-SIowalei, Däne» niard Sollano, auiemdurg, Schweden und die Schweig.— Eingetrnaen in die Polt-zeitung»-Prei«liit«. ?er.Vorwärts' mit der Sonntags- deiiage»Volt u.zeit' erlcheint wowen- täglich zweimal. Sonntag» und Man- tags einmal. Tilegramm-Adrelfet .Soiialdemotral verlla». Morgen Ausgabe berliner VulKsblsitt ( 38 Pfennig) Nnzciacnprctö: D'e achtaewaltene NonvareiNe�ell» to'te 3.— Ä.,Teuerungszusch!aJög°/v. »Sleine Anzeigen-, oas geüruckte Worl 1.— M. lzuläisig �ujei kettgedruckte Borke», icöcs weitere Von 60 Pfg. Ltellengemche imö Schlafstellenanzeigen das erste Won 6ö Pfg� ,e0es weitere Won 40 Pfg. Worte über 2� Buckstaben zäbleu ki'n twei Worte. Teuerunasznkcklao boo�. �am'.lien-An?etgen für Abonnenten AeUe 2,— M., politticke und ae- wertichastliche Vereins- Anzeigen 3.— Mt. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nach st e Nummer müssen bis s Ahr nachmittags un S>auvtgeschäst. Berlin SW63. Linden« stratze 3. abgegeben werben. Geöffnet von S Uhr früh bis ö Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen parte» Deutrchlands Reüaktion und Expedition: EW. HS, Lindenstr. Z. «»rrnfvrecher: Am» Mar,«platt. Nr.»SISV— lZ»i>7. Mittwoch, den 11. August IV 520 Vorwärts-Verlag G.m.d. h.. Ew. 08, Lindenstr. Z. �crnivrrcker: Amt Diorivpla«, Nr. 117.'»!»— 7> 1. Keine Waffenhilfe für polen! Paris, 10. Nugust. sWTB.) Ter Berichterstatter der Agcn- tnr Havas in H d t h c meldet, die beiden Ministerpräsidenten fiüttert Zwangs mastnalimrn gegen Towjctrusiland gebilligt, jedoch würde» diese nicht zur Anwendung gelangen, bevor den Bulschcwistcn die letzte Gelegenheit gegeben sei, ihre angebliche Mäßi- frung zu beweisen. Am Mittwoch finde in Minsk die erste Zu- sainmcnkiinst der russischen pnd der polnischen Nnterhändlcr statt. Wenn die Bolschewisie» den Pole» Bedingungen anböten, die das Gebiet Polens und seine politische Unabhängigkeit antasteten, dann werde die Haltung der Alliierten notwendigerweise davon beeinslustt werden. Als eine der Mastnahmen soll nach dem Berichterstatter die effektive Blockade Rustlands, namentlich im Baltischen Meer, in Aussicht genommen sein. Amerika und die Nustland benachbarten neutralen Staaten, wie Schweden, Norwegen und Dänemark, würden aufgefordert werden, keine Produkte, Nahrungsmit'.el und Munition nach Rußland zu senden. Rötigen- falls würden die Alliierten auch Teutschland zur Mitarbeit auffordern, um Rußland auch von der pandscite zu isolieren. iTcutschland hat ohnehin jegliche Ausfuhr von Kriegsbedarf vcr- boten. Red.) Andere Maßnahmen sollte,, darin bestehen, mit Hilfe der vom ehemaligen russischen Reiche getrennten Staaten Lctt- land, Litauen, Kaukastcn und A'erbcidschan eine Defensiv- front gegen Rußland aufuzrichtcn. General Wränget, der von der französischen Regierung unterstützt werde, solle von Eng- land Kriegsmaterial erhalten. Ferner solle Polen Material und moralische Unterstützung von den alliierten Regierungen erhalten, damit es seine Unabhängigkeit ausecchterhalten könne. Selbst wenn der Korridor durchschnitten würde, sverde dos Kriegsmaterial über die T s ch e ch o- S l o w a k e i g c r u ii g c n. Ein erheblicher St 0«{ u m r ü ckg a n g ist eingetreten, man spricht geradezu von einem Käuferstreik. Aber während ein Streik etwas voni Willen der Streikenden abhängig ist, ist dieser„Streik" vom Willen der Einzelnen ganz unabhängig. Die St a u f- kraft der Massen ist erlahmt, sie k ö» u e n trotz größten Bedarfs die Waren einfach nicht mehr kaufen. Selbst in den einsichtigsten Blättern der demokratischen Presse, die ja misS freie Spiel der Kräfte eingestellt und eingcschworen sind, bricht sich die EikpnntniL Bahn, daß so die Tinge nicht weiter gehen können. Die Entwicklung hat sich schließlich selbst Überschlag c n. Jiiiiner gl ößcre Teile der Jnlandsverbrauchcr schieden infolge erlahmender Staufkrast oder auch ans Dpvosition gegen taö ganze aus- bcnterische System auö dem Koiisum ans. Der Export ver- lor nach der Besserung der deutschen Valuta gleichfalls diel von seiner Hochrciilabilität. Jnlandablatz sowie ErPort schrunipften infolge der überhöhen Preisstellung zilsamm'-». Die Psciler, auf denen die Nevolutioiiskonjiuiktur geruht hatte, gerieten ins Wanken. Tie rapid zunehmende Arbeitslosigkeit als Jolge der gänzlichen oder teiliueisen Stillegung der Be- triebe hat die Pfeiler der Wirtschaft nicht mir ins Wanken gebracht, sondern das Zusanlnicnbrechcn die-cr Pfeiler in immer greifbarere Nähe gerückt. Auch im Uiitci»el»»crtiiin dringt die Erkenntnis durch, daß ein Abbau der Preise erfolgen müsse. In der von je gewohnten Weise spielt man mit dem Gedanken und tritt ihm sogar näher, diesen Preisabbau durch eine S e n k ii n g d c r L ö h» c zn ermöglichen. Dabei kann es gar keincyi Ziveisel untcrliegen. daß die Löhne erst in allerletzter Linie die Ursache der hohen Preise sind. Wären sie so hoch wie man vielfach annimmt, dann würde ja das Erlahmen der Kaufkraft der Maße nicht eingetreten lein. Dieses Erlahmen der Konsumsfühigkeit der breiten Masse zeigt besser ivic alles andere, daß die Ubsacke» der hohen Preise auf andere Faktoren als die der Lohnhöhe zimickzil- führen sind. Es ist in erster Linie der hohe P r c i s d e r Urstoffe diF für nnicre Industrie Verivendung finden, Kohle, Eisen nsiv., es sind die ganz imgerechtfeitigten Gewinne, die in der Revoliltiönskonjlinktur gemacht' worden sind. Es kann sich nur nin einen A b. b a n der R o h st o f s p r e i s e und der ungerechtfertigten Geivinne handeln, wenn eine Ge» snndung wieder eintreten soll. Das ist ein Problem, das in einer sreiril lind nnge- bundencn Wirtschaft, wie wir sie heute im gUeiwrsenllichslcn Teil haben, überaus schwer dnrchznführeil rtt. Wo die Mög- lichkeit fehlt, den Einzelneil zii einer Ermäßigung der Preise zu zwingen, wird er. der seine Gewinne geschmälert sieht, sich naturgemäß mit allen Mitteln gegen eine svlchcPrcisherabselinng zn wehren suchen. PreisabbLn ist nur denkbar beim Vor� liegen eines klaren Planes zur Wirtschastsführuiig. eines Planes, der den Bedürstiissen der Wirtschaft gerecht ivird und der auch den sozialen Bedingungen der arbeiienden Masstzil sich anpaßt, der vor allem aber auch die Leitung einer nach solchem Plan gestalteten Wirtschaft der Mitbestimmiing des Proletariats unterstellt. Eine sich selbst verwaltende Wirt- schnft werden wir schaffen müssen. Die ist nur denkbar bei einer aktiven Beteiligung des Proletariats, das dafür sorgt, daß die Wirtschaft nicht vom Privatinteresse des Unternehmers, sondern in erster Linie von dem sozialen Interesse der G e- samtheit dirigiert wird. Nur eine solche zsöirtschasts- sührung kann die Zerstörungen des Krieges und die außen- politischen Belastungen des Reichs abtragen. Es kann deni freien Spiel der Krätte nicht überlassen bleiben, die U in s ch i ch t u» g eines Teiles der industriellen Bevölkeriing, speziell zugunsten der landwirtschastlichen Pro- duktion. zu bewirken. Daß es zn einer solchen Umschichtung kommen muß, ist nach der Tendenz unserer Entwicklung ganz unverkennbar. Ucbcrläßt man diese Aufgaben der freien Wirtschaft, so würde es auf Kosten des Proletariats geschehen. Das Proletariat wird diesen für dasselbe selbstmörderischen Weg der kapitalistischen Marktwirtschast nicht beschreiten köniicii, ! sondern mit dem Ziel auf die Sozialisicrung eine organisierte Wirtschast erstreben müssen, die in ihrem Verlauf , beherrscht und geregelt wird von den Rücksichten auf die All- � gemeinmteressen. Zn einer solchen Wirtschaft werden wir , kommen müssen, denn nur sie bietet die Möglichkeit geregelter Verhältnisse. Aber sie hilft uns nicht über die S ch>v i e r i g k c i t c n des Augenblicks hinweg. Der Augenblick gebietet, jede weitere Schließung und Beschränkung der Betriebe nach Möglichkeit zu dcrhindcrn und schon stilliegende wieder in Gang zu bringen. Dein steht daS Privatinteresse des einzelne» Unternehmers entgegen. Wir müsscii ihn zum Teil durch staatliche Maßnahmen anhalten, . im Interesse der Volksgesamthcit weiter zu produzieren. Ist die �ivglichkeit. objektive und subjektive, zur Beschaffung der lliahsloffe und Produktionsmittel gegeben, ist der Betrieb fort- zuführen. Hat der Unternehmer dazu nicht die erforderlichen Mittel, iiiiissen sie von einer dazu bestimmenden Stelle ge- geben werden. Die verschiedenen Fonds der öffentlichen Beivirtjchastimgsstellcn dürften dazu den ersten Grundstock geben und darüber hinaus wird das Reich Mittel flüssig machen müssen, die der Inganghaltung unserer Wirtschast dienen sollen. Wie beispielsweise zur Herstellung von Wohnungen Mittel des Reichs gegeben ivorden sind und noch weiter gegeben werden müssen, wird es auch für andere Wirtschaftsgebiete der Fall sein müssen. Wir kommen heute ans dem Elend unserer Zeit nicht mehr mit kleinen Dosen harmloser Medizinen heraus. Es mutz durch greifend gearbeitet werden. Natürlich können Industrie und Bau- und Wohiiungswirtschaft nicht dauernd die Almosen- einpfänger öffentlicher Gelder bleiben. Almoseneinpfängcr gehen zumeist elend zugrunde. ES mns; die Möglichkeit und das Recht zur Selbsthilfe allen Zweigen unserer Wirtschaft gegeben iverden. Das ist nur auf dem Boden feste» Zu- samnicnschlnsses möglich; eineS Zusammenschlusses der Wirt- schasr. in der die Arbeiter entscheidend mitznbeslimmen haben. Es ist selbstverständlich, das; öffentliche Mittel und von öffentlicher Stelle gegebene Stimmen nicht als Quelle der Bereicherung Einzelner dienen können. Schärfste Gewinn begrenzuug, Preis- und Lohuvorschriften werden unumgäng- lich sein. Wo der einzelne Unternehmer sich weigert, diese ihm gebotene Hilfe zu benutzen, mns; der Allgemeinheit die Möglichkeit gegeben weiden, solche Betriebe in öffentliche Verwaltung zu nehmen, sie durch andere Personen betreiben zu lassen, sie zu verpachten oder unter Umständen auch zu eul eignen. Aber es darf mit Vorschlägen nicht sein Beiveiiden haben, sie müssen den Willen zur Durchführung bei der Reichs- regierung finden. Noch will ich hoffen, dass er oa ist. Aber es ist höchste Zeit, dag er sich auch iu Massnahmen durchgreifender Art auswirkt. Wirklich a l l c r h ö ch st c Zeit. Die /Zuftösung üer Drigaüe Döbertö. Mißglückter Rechtfertigungsversuch. Durch WTB. verbreitet das Neichswehrininiftcrium eine laugatniige Rechtfertigung, warum die Auflösung der Bri- gade Döberitz angeblich notwendig war. Tarin heißt cSi Die Brigade Döberitz ist bekanntlich au? Bataillonen aller Wehrkreise zusam-mengesetzt. In ihr find Pommern, Sachsen, Bayern, Württemberger usw. in gleicher Weise vertreten. Da die sieben Divisionen des 100 vvo-Maun-Heeres ans LandesanO? hörigen ihrer Wehrkreise zusamunengesetzt sein sollen, so kann die ans Truppen aller Wehrkreise bestehende Brigade Döbsritz auch nicht g c s ch lassen in einen der.sieben Wehrkreise übernommen iverden. Eine solche Regelung würde die landsmannschaftliche Zu- sammrnsetzung der Wehrkreise durchbrechen. Sie ist aqo n i ai t a n g ä n g i g. Niemrind bedauert mehr als der Rrichswehrminister yVid der Chef der Hecreölertung die Auslösung dieser ausgezeichneten Truppe, die, unter hervorragender Führung stehend, Ausscrordcnt- liiches i.ni Ausbau des Heere« geleistet hat. Wir baben auch hier wie in so manchen anderen Dingen nicht iw. streu eigenen Willen durchzusetzen vermocht, wir müssen un« vielmehr dem-Diktat von Spa fügen. -Alle dies? Redereien schassen die Tatsache nicht ans der Welt, daß, wenn man das Diktat von Spa anders hätte ausführen wollen, man es auch anders hätte«mssühren k ö n ii c ii. Nirgends steht in dem Dokument von Versailles oder in dem von Spa, dass die sieben Divisionen de« 100 000- Mann-Heeres aus Landesangehörigen ihrcrWehr kreise zii'amnzengesetzt sein müssen. Das ist eine ganz willkürliche „Unsere Lieblinge." Von Erich S ch ä f f u s. Immer, wenn ich es besonder« eilig Hobe, treffe ich jemand, der mich aushält. In meiner neuen Würde als Vormund hatie Ich elnicie dringetide Besorgungen zu erledigen, als ich' Herr» und Frau Müller begegneie. Sie halle einen ichollücken Schä'erhund, er eine miglaublich bätzliche Bulldogge an der Leine: so ivandclten beide inil der geinüchlichen Ruhe von Leuten, die viel Zeit haben, dabin. Alle meine Einwände nutzten nichts, ich mutzte mit hinauf iu ihre Wohnung kommen. Das Mädchen, da? den Tisch deckie, riickle noch zwei Stühle heran, auf denen, lehr zu meinem Erstaunen, die beiden Hunde Platz nahmen. Doch die Tafelrunde lvar noch nicht vollständig. Frau Müller verichivand i-n Nebenzimmer und kam gleich darauf mit einem Papagei auf der Schnlter zurück. „Sie ichemen sich eine kleine Menagerie angelegt zu haben/ sagte ich nicht ohne Spott. „Meinen Sie damit unsere Lieblinge," erwiderte Frau Müller sticht gereizt.„Gibt es wohl elwas SchöiiereZ als anhängliche Tiere V „Meine beiden Rangen sind mir entschieden lieber." Frau Müller seufzte.„Ja, Kinder--". Ick horchte nur. Dieier Seufzer— das nachdenklicke Nicken, mit den, Herr Müller die Worte seiner Frau begteirelc? Mir kam ein guter Gedanke. „Seit kurzem bin ich der Vormund eines etwa dreijährigen Mädchens.' Die Muster, ein zweiundzwanzigjähriges junges Mädchen »vohnt mit dem Kinde tu einein seuckleu, dunkel» Keller, der kaum mit den allernolwendigsten Möbeln ausgestariet Ist. Während die Mutler den Tag über in einer Fabrik arbeilet, ist sick daS Kind selbst überlassen. Nur hin und wieder sieht eine auf demselben Flur wohnende alte Nachbarin nack ihm hin. wirir ihm ein Stück Brot hin und gibt ihn, einige Schlgge dazu. Da« ilcine. voll- ständig unlcrernährte, verscküchlerte Kind sieht zum Erbarrnen aus. Der Mutter ist es, soviel habe lck schon herauSgemeril, nur eine Last. Wie wär», wenn Sie das Mädelchen adoptieren würden?" «Wo ist denn der Vater forschte Frau Müller. „Da? mögen die Götter wissen. Ucleilcn Sie nicht zu streng. Frau Müller. Solch armes Mädchen, daS so herzlich wenig vom Leven bat. gibt sick in seinem Hunger nach Glück und Liebe eben dem ersten besten Manne, der es gut mit ihm zu meinen rckeint, hin. ohne ernstlich die Folgen zu bedenken. Bis dann eines Tages daS llnglück geschehen, der Vater aber über alle Verge ist." „Was sind das für Zustände", sagte Herr Müller, faltete die Hände über dem runden Bäuchelchen und blickte schmerzlich zur Z, immerdecke empor. Seine Frau aber setzte sich in Positur.„Und Sie glauben, ich iverde solch ein leichtsinniges Franenzimmer, werde dieses unglaubliche Treiben noch unterstützen, rndeni ick daS Kind zu niir nehme. Diese Zumutung ist doch reichlich stark!" Frau Müller war einfach empört. „Frau Müller,� entgegnete ich erregt,„unr den Lebenswandel der Mutter sollen Sie sich ja gar nicht lüinmern. Aber, wenn Sie Anordnung des R e i ch s w ejh r m t n i sie r r u ms. an die es n u r d u r ch j i ch s e 1 b st gebunden war. E- hätte also anders gekonnt, es hat aber n i äfft gewollt. �reuöenbotschast für Kappiften. Tie Neichsrcgicrung stellt die Tisziplinarverfahrcn ein. Durch WTB. wird gemeldet: Das Kabinett hat sich am Tiens- tag mit der Rückwirkung des Amncstiegcsetics auf die Tisziplinarver- falireit befaßt/Dabei kam man zu dem Ergebnis, das- das Amnestie- gescy nicht auf Tisziplinarvcrfahren, sondern nur auf Strafvcr- fahren Anwendung finden sollte. Andererseits war das Kabinett darüber einig, da st es dem Geist und dem Ziel des Amneftiegesetzes entspräche, eine möglichst weitgehende Beruhigung aller be- teiligtri,.Kreise herbeizuführen, Das Kahinrtt bat daher beschlossen, daß die Untersuchungsausschüsse sofort ihre Tätigkeit einstellen, iinie Disziplinarverfahren auf Grund neuer Anzeigen nicht mehr eingeleitet, die schwehendri! Verfahren mit möglichster Bcichleniiigting z» E»de geführt werden sollen. Beruhigung wird dieses Vorgehen nicht schaffen, sondern weiteste Volk kreise in die stärkste Beunruhigung versetzen, da es zeigt, das; die Regierung gar nicht genug tun kann, um den Kapp- Verbrechern alle nachteiligen Folgen ihrer l>cchverrätcrischen Hand- lungsweise zu ersparen. Irgendeine Ermächtigung zn diesem Vorgehen durch den Reichstag hat in keiner W e i s e v o r g e l e g e n. Bei dem gerechten Zorn über diese Verbrechern so wohlgesinnte Regierung soll man jedoch nicht vergessen, dass wir diese Regierung in erster Linie der heldenhaften Abstinenzpolitik der llnab- h ä II g i g c n verdanken. Daß üie Mgen übergehen... Es ist richtig, daß wir heute in Deutschland Stenern zahlen müssen, das; manchem dabei die Augen übergehen. Nicht mir den Arbeitern und Angestellten, denen ihr Steuerbetrag zum Teil vom Lohn oder Gehalt abgezogen wird, soltdern auch manchem hetriebsamen Unternehmer steigt der Tteucrbote sehr»natigeiiehin aus die Bude. Aber Schelten und Knurren Hilst da gar nichts. Jeder, der den Krieg miterlebt hat, musste wissen, dass»ach dem ungeheuerlichen Krieg ungeheuerliche Steuern dem deutschen Volke blühen würden. Das haben sogar die schlimmsten Annexionistei! schon im Jahre 10lö eingesehen, als rie noch den Himmel voller Geigen und die Taschen voller Siegesbeute sahen. Schrieb doch z.V. der spätere KavP-„Minister" Schiele (Naumburg) tu der„Krenzzeitling", damals noch ehrlich konservativ, heute bloss dcutsch-national, im Juni 1913: Wenn Mick der Krieg so ausgeht, wie w i r hoffen, so werden wir doch alles andere als leichte»nd beirneme Zeiten haben. Wir iverden nur umsomehr dann ganz Europa als der Bestgebatzte gegenüberstehen. Wir werden nur um so grössere Anstrengungen zn macken haben, uns für alle Fälle stark zu machen.... Be- kommen wir neue Machtstelliiiiiicn im Osten und Weste», bessere Bollwerke Unserer Sicherheit, so wird uns auch das neue Auf» Wendungen kosten, und auck die Kriegsentschädigungen werden selbst im besten Falle doch nur so ausfallen, dass wir boS meiste auS eigner Kra't binzuzutun Häven werden. Strengste Sparsam» keil und strengste Auslese und Abwägung aller verschiedenen Forde- riingen und Bedürfnisse nack ihrer Notwendigkeit, kurz altpreussische StaatSstrenge und altprenssiicker Opfermut und Sparsamkeit de§ Volkes werden notwendig sein, wenn wir der gewaltigen grossen Zukunft, deren Tore uns dieser Krieg öffnet, gerecht werden wollen. Troüdeni werden wir eine» Steuerzettel bekommen, daß nnS die Angrn übergehe» werden. Es ist nickt wie nack dem Kriege 1870, wo das reicke Frankreich nack einem verhältnismässig kurzen Feldzng inis eine gewaltige Kriegsentschädigung zahlte. Es letzte seine Ehre hinein, da« so schnell wie nivglick zu tun, und mit Hille der vom Kriege unberührten nentralen Welt gelang ihm das. Auch nach dem grössten Siege wird der Sieger diesmal ganz andere Erfahrungen macken. Fast alle Völker der Welt sind am Kriege beteiligt oder leiden darunter. Kein Volk ist nack diesem Kriege reick genug, soiort grosse Kavitalzabinngen outzilbrinaen. Kurz, die Ansprüche an die Sleiierkraft der Bürger werden enorm werden. Wir werden Reicksmonopole bekommen. Finanzzolle, und nicht zum welligsten auch höhere direkte Steuern... das Kind zu sich nehmen, e« mit Liebe und Sorgsalr erziehen und einen rüchligen Menschen aus ihm macken, dann können Sie ver- hüten, dass es einst den Weg seiner Mütter gebt. Soll das Kind in der frühesten Jugend schon für die Sünden der Mütter büssen? Wollen Sie nur nilvernünitige Tvere verzärteln und verpäppeln und einen jungen Menschen, ein Stück hoffnungsvoller Zukunft unseres Volke«, verkomme» lassen, nur um engherziger Moralbegriffe willen?" Herr Müller nickte zustimmend. Seine Frau iah starr vor sich bin. Ware» meine. Worte dock nickt ans unfruchtbaren Boden ge- fallen?» lind eindringlicher werdend, rühr ich fort: „Was»teinen Sie. Herr Müller, ob es nicht angenehmer ist, wenn Sie nach Hause kommen und anstatt Ihrer beiden hässlicken Köter springt"Ihnen Ihr Töchtercken. vor Freude über die Heim- kehr des Papa« über das ganze Gcsichtcken strahlend, entgegen? Oder, Frau Müller, wenn so ein liebes, blondes Mädchen auf Ihre» Knien sitzt, seine weichen Aermchen um Ihren Hals legt und schmei- chelnd„Mutli" zu Ihnen sagt— ob das nickt schöner ist als das heisere Schnarren des Papageien auf Ihrer Schuller?" Die Wirkung meiner Worte, mit herzlicher Wärme gesprochen. war überraschend. Frau Müller stand aur, nahm den Papagei etwas unsanft von her Schuller und verliess dann schnell das Zimmer. „Hm." sagte Herr Müller nachdenklich, nachdem er die beiden Hunde von den Stühlen gejagt halle,„mir scheint's, Sie haben nicht ganz unrechr. Ich werde es mir einmal überlegen und mir die Kleine ansehe». Aber sagen Sie vorläufig noch nichts meiner Frau." Frau Müller kam zurück i ihre Augen ivaren leicht gerötet. „Der Herd ranckt wieder. Sieh dock mal nach." „Nanu? Wir brennen doch GaS!" „Geh nur in die Küche, Du ivirst e« schon sehen." AlS wir allein waren, ergriff sie impulsiv meinen Arm.„Ich nehme das Kind zu mir. Bestinimt! Aber sagen Sie vorläufig noch nichts meinem Manne. Ich glaube, der hat doch nicht das richtige Verständnis dgiiir t wir Frauen denken nun einmal anders." In diesem Augenblick kam Herr Müller„iruck.„Ich sagte e? ja gleich, die Gasflamme kann doch unmöglich Rauch entwickeln." Er schüttelte den Kopf.„Ja, ja. die Frauen..." Der Fall Reinhardt— eine ernste Frage. Die Siadiverwaltnng ist in höchster Bedrängnis, Einnahmen für die unabsehbaren An- forderiingen zu schaffen. Sie ist. da sie in der Auswahl der Steuer» objekle beschränkt ist, auf die Lustvarkeiisstener versallen, die ge- eignet erscheint, aus den Theatern, insbesondere von den teureren Plätzen erhebliche Summen zu erzielen. Der Fcldzua der Theater gegen diese Steuer hav-vorläufig nicht zum Ziele geführt, die Pha- lanp der Steueranhänger schien unerichültert. Die Ausführungen der Stenergegner wurden für Deklamation und Ucbertreibung er- klärt. Jetzl hat sich aus dem Gewirr widersprechender und sen- sationeller Zeitungsnachrichten die immerhin erhebliche Tatsache er« neben, dass Mar Reinhardt und mit rbm sein Geschäsis- fiibrer Edmund Reinhardt ihre Berliner Betriebe aufgeben wollen, da sie nicht in der Lage zu sein glauben, ihre Theater unter der Last der Lustbarkeitssteuer weiterzu- Man beachte, der konservative Politiker hatte, als er dies trübe Zukunftsbild cntivarf, einen gewonnenen Krieg, neue Niachtstellungen im Osten und Westen, eine „gewaltige grosse Zukirnst" im Auge, und l r o tz d c nr auch einen Steuerzcttel. der uns die Augen übergehen macht. Helfferich hatte ja ein ähnliches Machtbild im Auge, er >oar mir leichtsinniger und vertrat den Standpunkt:„der Feind z a h l t a l l c u n s r c K o st e n." Das von Dr. Schiele entworfene Bild läßt uns auskosten. wie ungeheuer teuer uns ein Sieg zu stehen gekommen wäre, so dass maii fast sagen nniss. dass' unsre Niederlage. herbeigeführt durch die Hasardeure, auch nicht viel mehr Kosten verursachen wird. Ilnsre deutschnatioiialcn und deiitschvolksparteilichen Demagogen iverden allerdings nach wie vor alles, was uns an Leid und Kosten aus dem verbrecherischen Krieg erwachsen wird, der Revolution zur Last legen. Sie haben Papageien genug, die dieses Sprüchlein gedankenlos nach- plappern.—• * Aus dem westlichen Industriegebiet meldet die„Dena"; Entgegen oen Warnungen De« Regierungspräsidenten in Düsseldorf sind in der lUiigebung von Düsseldorf iu verschiedenen Betriebe ii Arbeitergruppen wegen des Steuerabzuges mit Gewalt gegen die Arbeitgeber vorgegangen, in andere» Betrieben finden zurzeit darüber Perhanolungen statt. Insbesondere in Benrath und Reisholz versuchen grössere Arbeitergruppen mit Ge- wall die Arbeitgeber zu zwingen, den Steuerabzug nicht zu machen. So kam es in manchen Fabrikbetrtcben bereits am Sonnabend zn Drohungen der Arbeitet fchaft, so dass sich schliesslich d:c Vermal- tungen der Gewalt vcugcn mutzten und den Steuerabzug unter» liessen Vielfach mutzte auck die Zusicherung gegeben werden, dass bereit« gemachte Ahzüge tviedcr zurückgezahlt würden. Tic Per- waltungen erklärten, dass sie die Abzüge aus keinen Fall selbst tragen könnten. Durch die Gewaltdrohungen wird die Arbeit in vielen Betrieben unmöglich gemacht und e« wird ihnen gleichzeitig un- möglich, ihren staatlichen Verpflichtungen»achzukommen. Auch die Polizeiorgane erklärten sich machtlos dem Vorgehen der Arbeiter gegenüber. Die Farbenfabriken Friedrich Bayer u. Co. haben Dienstag früh lvcgen der Drohungen der Arkwiterschaft un» wegen der unerfüllbaren Forderungen bis auf die lebenswichtigen Abtei- lungen die Fabrik schliesscn müssen. Di? Missstiminung d?r Arlwiter über die Abzüge ist be- greiflich. Aber trotzdem muß endlich die Einsicht wieder- kehren, dass mir in einem geordneten Staate mit regelmässigen Einkünften auch rrgclinätzige Leistungen vollbracht werden. können. Was gegenüber der Partes, der Gewerk'ch"� gilt, das gilt in höherem Sinne auch vom Staate. An eine Aende- rung des Stenergesetzes vor seiner Ausführung ist nicht zu denken. Und was heute an Abzug verweigert wird, inuss später ohnehin nachgezahlt werden. (prgesch, öas Unschuldslamm. Von der Organisation Escherich wird mitgeteilt:„Die Presie- stelle de« Oberpräsidenten Hörsing in Magdeburg versucht, eine sogenannte Spitzelzenirale der Organisation Escherich anzn- hängen. Die Organisation Escherich bat mit der fraglichen Zentrale nicht« zu tun. Wie viele andere Stellen hat auch die Organisalion Escherich von jenem Bureau ausgehende Nachrichten er- halten. Diele Nachrichten schienen auch der Organisation Eicherich� belanglos zn sein und sind von ihr in keiner Weise verwertet worden. Beziehungen zu der Spitzelzenirale werden alio nicht g e- leugnet. Welcher Art sie waren, darüber wird die in Aussicht gestellte weitere Untersuchung wohl noch Aufschlüsse geben. Bayerische Obstruktion. München, 10. August. kEigetier Trahtbericht de«„Vorwärts" 1 Dr. Heim erklärte in der Bayerischen Lan.dcsbauernkammer, die am Dienstag zum erstenmal zasamliiientrat, dass die Ein- wohn er wehren erbalten bleiben müssen. Sie haben noch nie ihre Waffen missbrancht, sondern sie haben sie nur zur Siche- rung der Ruhe und Ordnung und der Produktion benutzt. führen. Sie haben an die Sleuerstelle Eingaben gerichtet, in denen exakte Zablen sprechen. Man hat uns einen Einblick hierin gewährtz und wir können nur sagen, wenn diese Zahlen zutreffen — mag im einzelnen der eine oder andere Posten vermehrt oder vermindert werden—, so ist in der Tat schwer einzusehen, wie die Reinhardlschen Unternehmungen weiter obne desaströseS Defizit existieren sollen. Die Haupiiirsache dafür wird in der Steuer er- btickl, die den Theaterbesuch dezimiert. Es erhebt sich alio die ernste Frage, sollen wir den künst- lerischen Leiter des Deutschen Thealers, der Koinmcrspiele und de« Grossen Schauspielhauses aus Berlin ziehen lassen, den Mann, der dem Theater nicht bloss Berlins, sondern de« ganzen Reiches zehn Jahre hindurch seinen Stempel antgednickt hat und bei allen Einzcleinwendungen. die man gegen ihn vorzubringen hat. eine Epoche in unserer Tbeaterentwicklung bedeutet, grollend von Berlin ziehen lassen, weil eine Stcuernolivendigkeit ihn, ein erspriesslickes Weiterwirken unmöglich zu machen drobt? Die städtischen Berlreter werden sich diese Frage ernstlich vorzulegen haben. Gibt es keine andere Möglichkeit, ohne diese Lustbarkeilssteuer auszukommen, so werden sie die Konsequenzen mir in den Kauf nehmen müssen. Diese aber bedeuten nickt nur den Verlust Reinhardts und ein Ungewisses Schicksal seiner Bühnen, sondern auch eine noch viel schlimmere Gr- fahr für die übrigen Privallheater, deren keines so sicher und gut fundiert sein dürste wie der Reinhardt-Konzeni. Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten, in der sich die Stadt befindet, aber wir meinen doch, e« müssten sich Ausivege finden lasten, um sowohl den Bedürsnisien der vorderhand»ock unersetzlichen künstlerischen Privat- theater wie den dringenden Anforderungen der Stadlkasse zu ge- nügen. Der Fall Reinhardt hat darunter gelitten, dass er mit allerlei sensationellem Brimborimn ausstaisiert»nt> mit Privataffären ver- mengt wurde, die kein öffentliches Interesse haben. Aber aus seinen Kern zurückgeführt ist dies die knappe, tlare Frage— die eine wohl- überlegte und sorgsam prüfende Antwort fordert. Zcke-Iter. DaS Fricdiich-Willclm städtische Theater eröffnet am 20 August mit der Aussührung der Komödie„Bac" von Beritsteiri-SawerSki) die Wmteispielzeit. Richard Strauh bat eine Orcheslcr-Suite aus der Musik zum.Bürger als Edelmann" des Molisre zusammengesiellt, die neun Zlummern umsasst. Sie wird diesen Winter im Konzertsaal erscheinen. Tie Rotter in Breslau. Die Berliner TheatertrultgeschästSleute. die Kcbiiider Rotter, geben zurzeit ein tSaitluiel in Breslau, und zwar im Siadttheater. Wie jetzt der Magistrat in Breslau der dortigen Presse nnl- teilt, bar cr aber die Fortsetzung dieses Gastspiels nicht gestattet, weil die lünstlerischen Darbietungen der letzten Vorführungen nicht den Voraus- setzungen entsprachen, unler denen die Verlängerung des Gastspiels in Aussicht genommen war. Ei» Institut für Moorforschnng und Torstecknit soll in Dannover gegründet werden. Der Ausbau der bereits an der Technischen Hochschule in Hannaver beitebendcn Versuchsanstalt(ilr technische Moorverwertung ist dabei ins Auge gejasst. AltPrenstischeS aus Neusrankrrich. Die Verbreitung des „SimplizissimuS- in dem von Franzosen besetzten Gebiete ist bis aus Widerruj untersagt worden. Nr.Z»S»Z7.?chrgaiig_ Mittwochs! August I»2a Justiz unö Volksvertrauen. Von Dr. Ernst Emil Schweitzer. Der„Vonvärts" brachte jüngst ein Schreiben znm Ab- öruck, das vier sächsische Richter(Amtsgerichtspräsident Mnntzsch, Oberamtsrichter Hiibner, Oberamtsrichter Tbor, Oberanitsrichter Tr. Knarkfnh) ani 6. Februar 1918 an den Vorsitzenden des Sächsischen Richtervereins gerichtet baben, und in dem sie die Ausschließung des damaligen sortschritt- lichen Landtagsabgeordneten, Landgerichtsrat B r o d an f. aus- dein Sächsischen Richterverein lvcgen seines„d e m a- g o g i s ch e n Treibens" fordern: „Die Art und Weise— so heißt es in jenem Schreiben—, wie et seine verkehrten politischen Ansichten zur Geltung zu bringen sucht, wir cr als königlicher Beamter gegen die Re- gicrung ankämpft, ja sogar die Borstöße der S o z i a l d c m o- kratic gegen diese, noch dazu in der gegenwärtigen Zeit, unter- stützt, ist außerordentlich bedauerlich. Er schädigt das An- seh-cn des R i ch t e r sta n d e s ganz erheblich... Kann bc- dauerlicherweise gegen diesen nicht dienstlich eingeschritten werden, so ist um so mehr geboten, daß seine lStandesgenosscn gegen. ihn, und zlvor auch in der Oeffentlichkeit, Stellung nehmen." Vor einiger Zeit lmtte der„Vortoärts" in einem Leitartikel des Herrn Max G r o n e f c l d(Nr. 161 vom L7. März 1929) von dem tiefen M i ß t r a u en gesprochen, welches im Volke gegen die Jicstiz herrscht. Die„Deutsche Juristenzeitung", das verbreitetste Organ der deutschen Juristen, das in unermüdlicher Minierarbeit unter dem Scheine der Neutralität die Rechte des deutschen Volkes zu untergraben und der Reaktion in der deutschen Justiz Vor- schub zu leisten sucht, hatte diesen Artikel zum Anlaß genom- men, um eine dröhnende Anfrage an die deutsche Regierung zu richten: „Was gedenkt die Ncichsleitung, was gedenken vor allem der Rcschsjustizmimster und u. a. der parlamentarische llnicrstaats- sekrctär im preußischen Justizministerium, der sozialdemokratische Abgeordnete, frühere OberlandeSgerichtSrat Frcyinuth, gegenüber einer solchen Schmähung des gesamten deutschen MchterstcmdeS zu tun, die im„VorwäriS", dem der Regierung nahestehenden Organe, veröffentlicht ist, eine Schmähung, die sogar noch weit über die Aeußorungen des unabhängigen Rechtsanwalts Dr. Cohn(vergl. S. 2, 1919 der»Deutschen Jurist« uzeitung") hinausgeht?" Wir gestatten uns auf diese Auslage unsererseits mit einer„kleinen Anfrage" zu erwidern: Wie sollen wir Richtern Vertrauen entgegenbringen, welche in so leichtfertiger Weise die Ehre ihres ei geilen Amtsgenossen zu untergraben suchen, wie jene vier sächsischen Richter, und die sich zu einem so häßlichen Unternehmen bestimmen lassen, lediglich aus dem Grunde, weil jener Kollege einer anderen politischen Richtung angehört. Was sagt denn die„Deutsche Juristen- zeitung", die sich ja als die berufene Schätzerin des deutschen Richterstandes ausspielt, zu dieser unerhörten Schmähung, die einem deutschen Richter von seinem eigenen Amtsgenosscn widerfährt? Und wie charakteristisch für die heute in deutschen Richter- kreisen herrschende Stimmung ist es, daß ein solcher Brief ail den Präsidenten des Sachsischen Richtervereins geschrieben werden konnte, daß seile Herren also darauf rechneten, daß sie bei ihrem Vorgehen bei der offiziellen Standesvertretung der deutschen Richter Widerhall finden würden. Sie vertrauten alio darauf, daß ihre Kollegen gegen den eigenen Standes- genossen ein ehrenrühriges und ungerechtes Urteil fällen würden, nur weil dieser fortschrittliche Auffassungen beklin- dete. Und da soll der gewöhnliche Bürger, der den links- stehenden Parteien angehört, zu eben jenen' Richtern das Vertrauen haben, daß sie ihn unabhängig von seiner politischen und von seiner Klassenzugehörigkeit beurteilen. Das ist denn dost, etwas viel verlangt. Und ehe die„Deutsche Juristenzeituna" sich über das Mißtrauen des„Vorwärts" entrüstet, tut sie ein andermal gut, sich mit jener Gesinnung zu befassen, die in dem den kwiivd igen schreiben der vier fach- i04j Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Er kommt nach Storborg und hält an:„Prrr? Ist Ele- seus daheim?"— Eleseus kommt heraus. Jawohl, er ist daheim, er ist noch nicht abgereist, aber cr will abreisen, er will seinen Frühtingsansflug nach den Städten im Süden antreten.—„Da schickt dir die Mutter einlas", sagt der Vater.„Ich weiß nicht, was es ist, es wird weiter nichts Besonderes sein".— Eleseus nimmt die Gefäße entgegen, dankt und fragt:„Hast du nicht auch einen Brief oder so etwas?"—„Doch", antwortet der Vater und sucht in seinen Taschen.„Er ist ivohl von der kleinen Rebekka".— Eleseus bekommt den Brief, darauf l>at.er gewartet, cr sieht, das er schön dick ist. und sagt zu seinem Vater:„Es ist sehr schade, daß du so früh, kommst, zwei Tage zu früh. Aber wenn du ein bißchen warten willst, kannst du meinen Koffer gleich mit- nehmen". Jsak steigt ab und bindet das Pferd an. Dann macht er einen Gang über die Felder. Der kleine Ladcndiener Andresen ist kein schlechter Landwirt ans Eleseus Grundend Boden, Sivert ist ihm allerdings mit den Pferden von�Sel- lanraa zu Hilfe gekommen, aber er hat auch zaus eigene Faust Moor entlvässert und einen Mann zu Hilfe genommen, der die Grabenränder mit Steinen belegte. In diesem Jahr brauchte auf Storborg kein Futter gekauft zu werden, und im nächsten Jahr konnte sieb Eleicus vielleicht ein eigenes Pferd halten. Das batte er Andrescns Freude an der Land- Wirtschaft zu verdanken. Nach einiger Zeit ruft Eleseus, daß cr seinen Koffer gepackt habe und fertig sei. Er selbst steht auch fertig da unö will mitkommen, er hat einen schönen blauen Anzug an und trägt einen weißen Kragen um den Hals, Galoschen an den Füßen und einen Spazierstock in der Hand. Allerdings kommt er so mehr als zwei Tage zu früh für das Postboot, aber das macht nichts, er kann ja im Dorf so lange warten, es ist ganz einerlei, wo er sich aufhält. Vater und Sobn fahren ab. Ter Ladendicner Andresen steht unter der Ladentur und wünscht:„Glückliche Reise!" Der Vater ist besorgt für seinen Sohn und will ibm den Sitz allein überlassen, aber Eleseus lehnt sofort entschieden sischen Richter zum Ausdruck kommt, denn nirgends noch ist der Gerechtigkeitssinn deutscher Richter so niedrig eingeschätzt worden, wie hier von den eigenen Kollegen. Das geht wahr- lich noch über die Äeußenmgen des Abgeordneten Cohn, das geht sogar noch über den für die„Deutsche Juristenzeitung" so gräßlichen Artikel des„Vorwärts" hinaus. Zu mißbilligen ist auch die Tertiachc, daß der Präsident des Sächsischen Richtervereins es nicht für nötig crochtete, den in seiner Ehre cnifs schwerste angegriffenen Kollegen davon M i t t e i l n n g zu machen. Ja, man wollte sogar Herrn Londgerichtsrat Brodaus eine Abschrist des Schriftstückes zu- AUii!e!l!ezWMMliillwiizlierS.V.!>. am Freitag, den 13. August, abends 6 Uhr, im Lehrer- vercinShaus, Alcxauderstr. 41. Tagesorönung:»Kriegsgefahr unü Neutralität". Ref.: Genosse Richard Fischer. Alle Parteifunktionäre, BetriebsvertranenSleute, Ange- stellten- und Bcamtenvertretkr werden aufgefordert, vollzählig anwesend zu sein. Grnne Karten und Mitgliedsbuch gelten als Legitimation. Der Sezirksvorstanü. % nächst nur unter der Bedingung geben, daß er sich verpfkich- tetc, von dieser keinen politischen G e b r a u ch zu machen. Also das parteipolitische Interesse stand jenen Männern höher, als die Ehre des Kollegen. Ja, Herr Land- gerickstspräsident Tr. Wagner scheute sich sogar nickst, in der Sächsischen Volkskammer die Erklärung abzugeben, das Vor- gehen gegen Brodaus habe mit Parteipolitik nichts zu tun! Dieselben Kreise aber, die ihrem eigenen Amts- genossen gegenüber alle Gerechtigkeit vermissen lassen, können sich nicht genug entrüsten, wenn ihnen seitens des Volkes kein Vertrauen entgegengebracht wird. Ich habe in meiner beruflichen Tätigkeit die Gewissen- hafrigkeit und die Unbestechlichkeit des deutschen Richter- standes sehr hoch achten gelernt. Aber' auf politischem und sozialem Gebiete können lvir der heutigen Justiz ein Vertrauen nicht entgegenbringen. Die ausgezeichnete Kritik, die erst jüngst der iu allen wissenschaftlichen Kreisen hochgeachtete Professor Radbruch im Reichstage an der deut- scheu Reckstsprechnng geübt hat, war nur allzu berechtigt. Zn- t reffend ist amb im Reichstage gesagt worden, daß wir in Deiftschland allein in der letzten Zeit nicht nur einen Fall, sondern 39 Fälle Drehs ns gehabt hätten. Was unbe- irrbaven Gerechtigkeitssinn, insbesondere in politischen und sozialen Fragen anbetrifft, so steht die englische oder Schweizer Rechtsprechung t n r in hoch über der deutschen. Dies muß gesagt wenden, so sehr uns dieses Zu- geständnis schmerzt. Schon so weit ist es gekommen, daß unglaubliche Fehl- urteile chi politischen Prozessen gefällt werden, ohne daß man sich darüber wundert oder auch»nr für nötig hält, aegcn sie Protest zu erlieben. So bringt die„Deutsche Juristenzsitung" in der Nummer vom 1. Juli 1929 ein Urteil des Schöffengerichts Ahrensböck znm Ausdruck, in welchem die Verbreitung der Photographie:„Ebert und Noske im Ostsee- bad Haffkrug" auch ohne Erlaubnis der Abgebildeten für rechtmäßig erklärt wird. Das Urteil wideriprickt dem klaren Wortlaut des Gesetzes! Ich richte an die angesehensten Per- sönlichkeiten, welche auf dem Titelblatt der„Deutschen Jnristenzeitnng" stehen, ich richte au Herrn Geheilnrat Heinitz und an Exzellenz Planck, ich richte an Herrn Oberverival- ttmgsgerichtsrat Lindenau und Herrn Rvichsini nister Schiffer. ich richte an Exzellenz Wach und an Herrn Geheimrat Zitiel- mann die kleine Anfrage, ob auch nur ein einziger von ihnen jenes Urteil, welches von der„Dontschen Juristen- zeitung"(ohne ein Wort des Bosremdens) zum Abdruck ge- ab und setzt sich neben den Pater, Sie kommen cn Breida- blick vorbei, da fällt Eleseus plötzlich ein, daß er etwas ver- gessen hat.„Prrr! Was denn?" fragt der Vater. O, es ist der Regenschirm, Eleseus hat seinen Regenschirm verges- scu/das kann er nicht so ossen sagen, deshalb sagt er nur: „Das hilft jetzt nichts, fahr zu!"—„Wollen wir nicht um- kehren?"—„Nein, fahr nur zu!"— Aber es war eine ver- wünschte Sache, daß er auch so vergeßlich sein mußte! Das kam von der großen Eile, weil der Vater über die Felder wanderte und aus ihn wartete. Nun mußte sich Eleseus eben,«venu cr nach Trondbeim kam, einen neuen Regen- schirm kaufen. Es tat ja auch nichts, wenn er zwei Regenschirme hatte. Aber er ist so ärgerlich ans sich selbst, daß er abspringt und hinter dem Wagen hergeht. Aus diese Weise können die beiden nicht viel miteinander reden, weil sich der Vater nun bei jedem Wort umdrehen und über die Achsel reden muß. Der Vater fragt:„Wie lange bleibst du weg?" und Eleseus antwortet:„Drei bis vier Wochen etwa".— Der Vater spricht seine Perwunde- rung aus, daß slck die Leute in den großen Städten nicht verirren, aber Eleseus sagt ihm. er selbst sei an die großen Städte gewöhnt, er habe sich noch nie verirrt.— Nun meint der Vater, es sei eine Schande, daß er allein auf dem Wa- gen sitze, und er sagt:„Nun muß du eine Weile fahren, ich mag nicht mehr". Eleseus will jedoch seinen Vater um keinen Preis von dem Sitz vertreiben und steigt lieber selbst wieder zu ihm auf. Aber vorher halten sie eine Mahlzeit aus des Vaters schönem Mundvorrat. Dann fahren sie weiter. Endlich kommen sie zu den beiden Ansiedlungen, die am Wetiesten unten im Tal liegen, und man mcrtt jetzt wohl. daß man in der Stahe des Dorfes ist, an beiden Orten hängen vor dem kleinen Stubensenster, das nach der Straße geht, weiße Vorhänge, und ans dem Dachfirst des Heubodens ist eine kleine Stange für die Flagge zu Ehren des siebzehnten Mai aufgevflanzt.—„Das ist der Jsak selbst", sagen die Leute der beiden Ansiedlungen. als sie die Reisenden sehen. Endlich vermag Eleseus seine Gedanken so weit von seiner eigenen Person und seinen eigenen Angelegenheiten abzulenken, daß er fragt:„Was hast du eigentlich heute vor?" —„Hm! eigentlich nichts Besonderes", erwidert sein Vater. Aber Eleseus reiste ja jedenfalls ab, so konnre es also nicksts schaden, wenn er erfuhr, was der Vater vor hatte.—„Die Jensine vom Schmied will ich holen", erklärt der Water, ja bracht worden ist, mit seinem guten juristischen Namen decken würde? Wenn im alten Deutschland eine Zeitung gewagt hätte, den{iirfiltcheu Repräsentanten eines deutschen Staates oder einen seiner Minister in Badehosen zu phqto- graphicren und das Bild ohne dessen Erlaubnis zu verbreiten, so würde man die Täter wegen Beleidigung monatelang inS Gefängnis gesteckt haben. Hier, wo es sich um einen republi- konischen Präsidenten handelt, wird eine krasse Verletzung des llrheberreckstsgesetzes(§ 23 Abs. 2) von 1997 für eine recht- mäßige Handlung erklärt. Findet jenes Urteil Anerkennung, dann läuft jeder Politiker und jeder Künstler, der ein Herrenbad in Dänemark (wo das Tragen von Badehosen nicht üblich ist), aufsucht, Ge- fahr, bei seiner Rückkehr sein Bildnis im Adamskostüm an den Straßenecken Berlins angeschlagen zu finden. Das ist die Gerechtigkeit, welche deutsche Gerichte dem Repräsentanten der deutschen Republik widerfahren lassen! Ich frage: i'n welchem zivilisierten Staate (außer Ungarn) wäre ein solches Urteil gegenüber einem auch nocki so verljaßtcn Politiker, geschweige denn gegenüber dem Repräsentanten des Staates möglich? Ich frage: wie lange wird sich das deittsche Volk noch eine solche Recht- sprechung gefallen lassen? Sroß'Jkrlm Moüerummel. Berlin hat zurzeit sein öisenUutes Theater— eine Modetvoche- Die Leute, die die Made machen, sind außer Rand und Band, des- gleichen die Herrschaften' von der Kientoppkunst und ihre Anhänger. Die deutsche Kultur und iin besonderen die Berliner Kultur ist um Begriff, wieder herrlich zu erstehen, denn das neue Wann erlleid, der„Tanzsakko" ist glücklich zur Welt gebracht.(Mit Revers und sechs Knüpfen, aber der oberste ist nicht zum Knöpfen.) Alle Modcschreiber der Berliner Presse habe» es jetzt glücklich festgestellt, daß es jetzt wirklich mit uns aufwärts geht. Es gibt in Deutschland ja noch einige heikle Tinge, bei denen es nicht so ganz klappt, aber das ist zunächst nebensächlich, die Hauptsache ist, daß wir den„Tanzsakko" haben. Man will uns in dieser Woche„erziehen". Tie„führenden Köpfe" des Modeverbandes sagen, daß sie uns erziehen wollen. Nicht gerade uns, aber das„große Publikum". Wenn das„große Publikum" dann gut erzogen ist und allerlei schöne Kleider stilvoll zu tragen versteht, dann wird«3 wahrscheinlich Deutschland zu hohen Ehren führen. Zunächst darf festgestellt werden, daß die Modewochc mit vollem Erfolg einer Reihe von besonderen Mitbürgern, die keine weiteren Kopfschmerzen als ihre Bügelsalte haben, die bunten und kost- baren Dinge gezeigt hat, die vielleicht einige Zehntausend Leute in Deutschland zu kaufen imstande sind. Inzwischen zerbrechen sich die übriger.— zig Millionen Deutschlands den Kopf, wie. sie eZ möglich machen sollen, sich bei passender Gelegenheit zu einem er- schwinglichen Preise einen Anzug zu kaufen, der auch nur nach der Mode von vorvorgestern gebaut wäre. Das sind aber Tinge, stzie sich die„kulttirfördernden" Helden der Modewoche wenig kümmern lassen, Vor ollem erfahren wir dageaen. daß es doch noch einige vor- bildliche Deutsche gibt unter der Masse der schrecklich ordinären, die erst„erzogen" werden müssen. Neben all den göttlichen Kientopv- grüßen muß sich besonders„Bobbh Lüdtke" als vorbildlich erwiesen haben. Bobbh wird von der bürgerlichen Presse allseitig als reizend bezeichnet, denn cr trug einen Eowboyhut und hellen Homespun, was bekanntlich zu den Attributen eines vorbildlichen Deutschen gehört. Also Bobbh ist der kommende Mann. Die ande- ren,„die Masse", so schreibt eine Modedichterin, sei„einfach fürchterlich' gewesen. Im„Berliner Tageblatt" ist einer empört über dsc„Verwilderung der Herrenklcidung" und verlangt „kulturelle Erkenntnisse".(Hoffentlich mit Bezug auf die Fabri- kanten, die nur MOO-M.-Anzüge preduzicren.) Nachdem der Durchschnitttdeutsche diese mit vollem Ernst vor- getragenen Weisheiten der«führenden Köpfe"' gründlich in sich I gesteht er wirklich zu.—„Mußt du dir seihst die Miibe machen: hätte denn nicht Sivert fahren können?" fragt Ele- seus.— Seht, Eleseus verstand es nicht besser, cr meint also, Sivert werde Jensine mit dem Wagen wieder holen. nachdem sie einmal so hochmiitig getan und von Sellcmraa fortgegangen war! Nein, es war letztes Jahr mit dem Heumachen gar nicht gegangen. Inger hatte sich allerdings sehr darangehalten, wie sie versprochen hatte, Leopoldine tat auch ihre Arbeit. und dazu hatten sie auch den Heurechen, der von einem Pferd gezogen wurde. Aber das Heu war znm Teil, schweres Tirno- theusgras und die Wiesen weit vom.Hause entfernt. Sellan- raa Ivar jetzt ein großes Gut, die Frauedi hatten dort anderes zu tun, als Heu zii machen: all das viele Vieh mußte ver- sorgt werden, das Essen mußte zur rechten Zeit fertig sein, das Buttern und Käsemachen war zu besorgen, desgleichen das Waschen und das Backen, Mutter und Tochter schafften sich gar zu sehr ab. Einen solchen Sommer Ivolltc Jsak nichl noch einmal erleben, er bestimmte kurz und gut, daß Jen- sine wieder kommen solle, wenn sie zu haben sei. Inger hotte jetzt auch nichts mehr dagege», sie hatte ihren Verstand wie- der und sagte:„Meinetwegen mach es. wie du willst". O. Inger war jetzt fügsamer geworden, es ist keine klesne Sache, wenn man seinen verlorenen Verstand wieder kriegt. Inger hatte keine heiße Glut mehr zu verstecken, keine innere Lei- densckiaft mehr im Zaume zu halten, der Winter hatte sie ab- gekühlt, sie hatte kaum mehr Mut genug für den Haus- brauch. Sie fing jetzt an, an Körperfülle zuzunehmen, schön und stattlich sah sie aus. Es war merknnirdig, wie wenig sie alterte, sie wurde nicht stückweise alt und welk, vielleicht kam es daher, weil sie erst so spät aufgeblüht war. Gott mag wissen, woher alles kommt, nichts hat mit eine einzige Ursache, alles hat eine Nrsachenreihe! Und hatte, nicht Inger das größte Lob bei der Frau des Schmiedes? Was konnte die Schmiedfrau ihr vorwerfen? Durch ihr verunziertes Gesicht war sie nm ihren Lenz betrogen worden, später war sie in künstliche Lust versetzt worden, und dadurch waren ihr sechs Jahre ihres Sommers gestohlen: da sie aber doch heißet Blut batte, mußte ihr.Herbst wilde Schößlinge treiben. Inger ist besser als so eine Schmiedfrau, zwar ein bißchen beschä- digt, ein bißchen verzerrt, aber eine gute Natur, eine tüchtige Natur... (Forts, folgt.) aufgenommen Fat, Itnrb et faffcnitidj wissen, was uns fehlt, und zerknirscht in den bewußten Tanzsakko gehüllt, von dem der oberste Knopf beileibe nicht zugeknöpft werden darf, als neuer Tcutscher ein neues Leben beginnen. Iv. Luftmorö an einem Näöchen. Leichenfund im Teich des Schöncberger Stadtparks. Einem Verbrechen ist anscheinend ein junges Mädchen zum Opfer gefallen, dessen Leiche vorgestern aus dem T e i ch des Schöne- berger Stadtparks gelandet wurdet Zwei städtische Park- arbeiler sahen vorgestern in der Nähe der Fußgängerbrücke eine Weib- liche Leiche im Wasser liegen. Sie benachrichriglen das zuständige Revier, dessen am Fundort erschienene Beamte feststellte», daß eS sich aller Wahrscheinlichkeir nach um ein Verbrechen handelt. Um den Hals der Leiche war ein st a r k e r B i n d f a d e n ge- fchlungen, der sich anscheinend im Wasser gelöst halte. An der Kehle waren deutlich frische Strangulations Merkmale sichtbar. Tie Wache benachrichtigte jetzt daS Schönebergcr Polizei- Präsidium Der Gerichisarzl komne jedoch die Todesursache nicht bestimmt reststellen. Offenbar aber ist der Tod durch Erlrinken eingetreten. Es wird angeiiominen. daß das Mädchen gewürgt, vergewaltigt und dann noch lebend, aber besinnungslos in den Teich gewor'e» worden ist. Ein Selbstmord ist nicht erklärlich und auch unwahrscheinlich. Näheren Ausschluß wird wohl der Leichen- iuiid bringen, ivenn e-Z gelungen ist. die Persönlichkeit der Toten festzustellen. Allein Anschein nach bandelt es sich nnr ein Dienst- mädchen ans der Gegend des Slndiparkes. Das Mädchen ist etwa 17—23 Jahre alt, 1,63 Meier groß und schlank, har dunkles Haar, blaugrane Angen und hellblonde Augenbrauen und trug eine ichivarzc Tuchbluie mit gelbem Spachtellragen, einen schwarzen Tuchrock, �hie blnnc Schuiterküchenschürzc mit rot und weiß ge- streinem Schuliereiiikatz, schwarze, lange Florstrünipi'e und schwarze, hohe Schnürschuhe. Das Hemd trägt das Zeichen hl. I'. 1911. Die Leiche wurde zur Obduktion nach dein Schöneberger Schanhause in der Ehthstraße gebracht. Nachricht über die Tote nimmt Kriminal- kommissar Hasenjäger im Zimmer 1s des Schöneberzer Polizei- Präsidiums, Grunewaldstr. 68, entgegen. \- Geschwister Nägler. Di: Pläne eines Berbrechcrpaarcs. Ter Naubinord im„ M ü n ch e n e r H o f" beschäftigt immer noch weiter die Kriminalpolizei auch aus dem Grunde, ivcit der dringende Verdacht besteht, daß G e r t r u d Nägler außer dem rnistiiierlen Holeldiebstahl in Braunlage mit einem gewissen.Rudi" zusammen noch andere Diebstähle in Hotels niid Wohnungen in Altenburg und Leipzig besonders ausgeführt bat. Ernst Nägler und seine Schivestcr wurden vorgestern von den Kriiirinalkoinmissaren Gennal und Bänger noch einmal stundenlang verhört, um auch diese Dinge ganz aufzuklären. Hierbei kam man auch auf das Verbrechen im„Müiichener Hof" noch einmal zurück. Nach dem Geständnis der Geschwister ivar zunächst geplant/ Wolfner gleich beim Betreten seiner Wohniing zu überfallen rfiid des wertvollen BrillanlringcS zu berauben. Dieter Weg schien jedoch ans den schon mirgeleilten Gründen nicht recht gangbar zu sein. Deshalb kamen die Verbrecher auf cinen andereil Gedanken, der eist>diirch das vorgestrige Verhör bekannt geworden ist. Gertrud Nägler sollte in dem Cafe des Westens die B e k a n n l i ch a f t W o l f n e r S machen und versuchen, ihn an sich zu fesseln. Sie sollte ihn dann zu einem Abendspaziergang im Grunewald verleiten und ihn dort an eine abgelegene Stelle tührcn. Bock sollte, mit der Aetherflaiche ausgenistet, dem Paar folgen nnd an der geeigneten Stelle über Woliner herfallen. Dieser Plan wurde nur deshalb aufgegeben, iveil min viel Zeil in Anspruch nahm. Der alle Nägler hatte nämlich im Harz ein Hotelpensionat gepachtet lind seinen Kindern geschrieben, daß sie sofort nach Hauie kommen sollten. Ilm nun rascher zum Ziel zu gelängen, sahen die Verbrecher von dem Vorhaben im Grunewald ab und kamen auf den lieber fall i»i„Münchener Hos", zu dein sie dann sofvri alle Vorbereituilgen trafen. Was die Einbiüche und Diebstähle betrifft, die Gertrud Nägler mutmaßlich zur Last fallen, so bestreitet sie diese außer dem Braun- lager Holeldiebstahl ganz entschieden. Jhrein Leugnen fleht jedoch entgegen, daß sie ihrem Bruder von den verschiedensten Straftaten dieser Art in aller Äussübrlichkeit und in allen Einzelheiten erzählt hat. So von einem Einbruch bei einem Landwirt, bei dem sie an einem Spalier cniporgelletterr sei, bei einer Schauspieleriii in Altenburg, wo der Einbruch mit einem Sprung aus deni eisten Stock geendel habe usw. Das Mädchen behanplct, daß es alle dieie Erzählungen erdichtet habe, um ihrem Bruder die Ueberzciigung beizubiingen, daß sie wohl fähig und imstande sei, für ihn den Holeldiebstahl in Brannlage auSzutühr.'n. Ernst Nägler dagegen behrnivter, daß nicht er, sondern seine Schwester die die Sonne unter üen Slumen. Von Alwin Rath. Bei Cassircr sah ich vor Jahren einmal, links in der Ecke des zweite» kleinen AusstellungsranmeS— ich erinnere mich genau— das Profilbild eines jungen Mannes, dessen blonder Haarschopf lnpinengelb, sonnenblumengelb vor einem Blau brannte und flackerte, wie es nur im Süden aus der Nacht des Alls leuchtet. Irgendwo erzählt auch van Gogh selbst, wie er, der Feurige, nn- befriedigt von dem nüchternen Falb des Blond, von diesem raffe- loien Ton. allmählich zu jeneni flammenden Chrom kommt, wie er. ständig das ganze Bild lummalen und auf diese Flamme um die Stirn des Dargestellten einstimmen muß.— Und doch ist dies Bild des so Hochgeschätzten Kohl. Zu einem solchen Flainmenschovf, zu einen, solchen kosmischen' Blau gehört nicht die miserige Alltags- Visage irgend eines Brabanter Milchbarts, sondern das ekstatisch brennende Antlitz eines Seiaphs oder sowas. Wo sich van Gogh in der alles überglntenden Farbe weit aus- gebreiteter Lnpincnselder austobt oder in strahlenden Sonnen- blumengloriolen schwelgt, da wqjz' ich mich mit in dem Pracht- glutenaold der Sonne. Wie zärt, wie weich aber klingt diesen starken vom Saftgrün und Chromgelb der Sonnenblume strotzenden Bildern gegenüber da?'„Bild" eines anderen Künstlers:.Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüle offen." So inalt Mörike, eigenartig, erst frappierend, und doch so großartig. Sonst Ivfffen die Künstler vom Wort nicht reckt mit der prangenden Blumenriefin fertig zu werden. Man begegnet ihr selten in der Klause der Poeten. Um so besser versieht ein Künstler der Wirklichkeit, der.Bcr- «graricr", sich mit der Sonnenblume häuslich und iommerlich >u,Ng einzurichten.' Mi: Vorliebe und Geschmack pflanzt der Laubenkolonist in seinem Landgüicken diese hochschastig« Riesin, diese Sonne unter den Blumen, die beim Herannahen des Herbstes mit ihren kolossalen gelben Blumenkelchen dem von Wind und Wetter mitgenommenen Sommetheim eine lichte freudige Traulich- keit gibt und mit ihren ungeheuren Blättern die Häßlichkeil der oft geradezu teerpappeuen„Erholungsstätten" angenehm tapeziert! Auch ionst in der Umgegend Berlins, wie bei Zehlendorf und Schlachtensee, findet man einige reizende Bauerngärten bei den Häuschen der Weichensteller an den Bahnübergängen, in deren An- ordnung sich eine Freude an der Blume kundgibt, wie man sie in den großen gärtnerisch gepflegten Villengärten vergeblich sucht. treibende Kraft gewesen sei.— Am Schluß der Verhöre wurde der alte Nägler seinen Kindern gegenübergestellt. Er glaubt, daß nicht seine Tochter, sondern sein Sohn Ernst dielreibende Kraft gewesen sei, den wiederum Bock auf dem Gewissen habe. Er behauptet, daß seine Tochter von jeher ein tckwaches und leiden- des Kind gewesen sei. Wie weil das zutrifft, mag dahingestellt sein. Jedenfalls hat das Mädchem das auch selbst zugibt, schon in früher Jugend viel geturnt nnd seinen Körper gestählt zu haben, wiederholt so auch bei der Tat im„Münchener Hof" auch erhebliche Körperlraft gezeigt. Es ist von Kiiidbeit an mehr männlich als weiblich veranlagt und bat stets mit Vorliebe heimlich männ- liche Kleidung getrogen. jDie Erleichterungen im Bauwesen. Der Herr Minister für Volkswohlsabrt bat mit sofortiger Wirkung das bisherige Freigabever'abrc» für alle Arten von Bau- Nossen in vollem Umfanae bis auk weiteres aufgehoben. Danach unterbleibt von jetzt an, wie die städniche Baupolizei mitieilt, sowobl die Vorprüfung durch die unteren VerwalinngSbehörden lote die Nachprüfung des Bausloffbedarss durch die Bausioss- beichaffungSstelley, da Anträge auf Baustoffziiweisiing nicht mehr ertorderl'ch sind. Nicht berührt wird durch die Aufhebung des Frei- gabeverrahrens das bisherige Versahren betreffend Vorpiüfnng der der Dringlichkeit, Notwendigkeit und Wirtschafilichkeit des Bau- Vorhabens vor Erteilung der Bougenehmigirng. Ten Anträgen anr Erteiluiig von Baugenebmigmigen ist daher stets eine» b e r- schlag Ii che Berechnung der ersordcrl'chen Baustoffe beizufügen. Die vom Oberpräsidenten von Berlin erlaffenen Bekanntmacbilugen über das Verbat der Verwendung von bewirtschafteten und nickt freigegebenen Baustoffen uiw. und über die Freigabe von beWirt- schasleten Baustoffen vom 1. April sind mit sofortiger Wirkung auf- gehoben worden._ Die juristische Sprechstunde findet morgen, Mittwoch, nicht von 3—3 Uhr statt, sondern von-l'A,— 7 Uhr. Die städtische Bolksbadcanstalt an der SchillingSbriicke ist kürzlich dem Publikum wieder zugäen glich qemacht worden, nachdem es dem Mogistrat gelungen ist, einen kleinen Koblenvorrat für dielen Zweck zu erlangen. Der Betrieb wird solange als irgend möglich»orlgesetzt werden. Kasseustunden sind bis auf weiteres von 12 Uhr mittags bis 6 ffz Uhr abends festgesetzt. Im Interesse der Allgemeinbeit liegt es, daß der Einzelne die Badezeit nickt über die Gebühr ausdehnt, damit von der'Badceinrichlung möglichst viele Einwohner Gebrauch machen können. Des ferneren muß damit gerechnet werden, daß unter den beutigen Verhältnissen nicht die Ansprüche an die verabreichten Bäder gestellt werden können, als in normalen Zeilen. Es wird sich nickt vermeiden lassen, daß in Anbetracht der schlechten Beschaffenheit der zur Bersügung siebenden Koble Bäder im allgemeinen mit geringeren Wärmegraden wie früher verabreicht werden. Freigabe weiterer Kohlcnkartcnabschnitte. Vom Donnerstag, den 12. August ob werden zur Entnahme und Abgabe von Koblcn folgende weitere Abschnitte freigegeben: Abschnitt 6 der 1 2« Zentner- Kochkarte. Abschnitt 16 der IK-Zentner-Kochkarte, Abschnitt 26 der 2s-Zentner-Kochkarte, Abschnitt 36 der J2-Zenlner- Kockkarte: Abschnitt 6 der ö- Z e n t n e r- O f c n k a r t e. Ab» schnitt 16 der 16-Aentner-Ofenlarte, Abschnitt 26 der 26-Zentner- Ofenkarte, Ab'cknitt 36 der 36- Zentner- Osenkarte, Abschnitt 46 bzw. 36 und 66 der sv-Zentner-Ofenkarte; Abschnitt 17— 18 der neuen K o k s k a r t e: Rtsschnitr 11— 12 der Sonderkarte. Bevorzugt zu beliefern sind tue trüber freigegebenen Ab- ichnitte der Kock-. Ofen-, Koks- und Sonderkarte, sofern sie nicht für verfallen erklärt sind. Rettungsdienst auf Wasscrlöiifen. Ter Groß-Berliner Verband für das Rettiingswesen wird in Gemeinschaft mit dem Reicksloasser- schlitz auf den Wasserläufen des zukünftigen Groß-Berlins vereist Sonntags einen Rettungsdienst mit schnei l f a h.r e n- den Motorbooten einrichten. Tie Motorboote werden einen Hcilgebilsen nnd die nötigen Rettnirgsgeräte an Bord tühren und auf den belebtesten Gewässern kreuzen. Der Netlungsdieiist wird vorerst vom nächste» Sonnlag an auf dem Tegeler Tee statifinden. jAebnIicke Einrichtungen ans dem Wannsee und dem Müggelsee sind n Aussicht genommen. Das nächste städtische Bolkskvnzert des Philharmonische» Orchesters unter Leitung von Rxfcaid Hagel findet heule in der Philbarmonie. Bcrnburger Straße 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Vorverkauf findet statt in der Zentralstelle sür Volkswohlfahrt, AugSburger Straße 61. in der Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 13, im Zigarrengeschäst von Horsch und in dem betreffen- den Konzertsaal. Die im Vorverkauf nickt untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkanfl. Ter Eintrittspreis beträgt 1 M. Kasseneröffnung 7 Uhr. Republikanischer Führer Bund, Bezirk 21(Südosten), Versamm- Inno am Freitag, den 13. Aiiguii. 7 Uhr, Stalitzcr Str. 31/32. Erscheinen dringend iilllwendig, da wichtige Tagesordnung. Rote Georginen. Rittersporn. Tabakpflanzen, tiessamtblaue Peiiluien, rosige und gelbe, hoch auflurnende Malven, buntfarbige Astern und, alles beherrschend, die Sonne unter den Blumen, gedeihet, einträchtig und sorglich gepflegt auf den, mageren Sandboden, in den Billionen und Trillionen winzigster Kieselpanzer vorsinlflut- licher Algen, in die die tausendfaserigen Wurzelhaarschopfe des gelben Ziiescnblumeiikindes hinabwurzeln. Als der Mensch noch in einem mühselig ausgebrannten und ausgeschürsten Einbaum sich über die Flüsse wagte, hatte der Lebensgeist in dem kleinen chloro- Pstllgrünen Iellchen, das sich in dem Kieselpanzer der Alge der- mauert, bereits daS Prinzip der Müngstener Brücke, überhaupt jedes niodernen großen Brückenbauwerks„ersonnen". In jedem unters Ocular gebrachten Wassertropfen unserer Tümpel kann man noch beute solche loinzige Diatomeen, Kieselalgen, hinschießen sehen. Bald kuglich, bald sichelförmig, bald wie ein zierliches Boot anzuichauen. Bei allen aber ist in wunderbarer Regelmäßigkeit der Anssührung, svdaß jede« der kleinen Kieselsutterale wie ein niinntiöseS Kunstwerk wirkt, aus den zarten Wandlungen Material herausgespart. Unwill- kiirlich denkt man an die kunstvollen Durchbrechungen gotischer Bau- werke, wie deS Rathauses zu Münster und an das kostbare Arabesken- werk in den Tempettüren orabisther Moscheen, llnd an die Müng- stener Brücke. Denn hier ist schon die modernste Wissenschaft des heutigen Ingenieurs �Stig gewesen, die bei Eisenbauten oder über» Haupt, wo größte Sparsamkeit im Materialverbrauch notwendig ist, nur„die Dvucklinien massiv herstellt und die Füllungen leer läßt". Die zur Sicherung und Festigung der sonst sehr dünnen Festungs- mauern de-Z Diatomee-Konstrukliv unbedingt notwendigen Balken sind wie bei den allen und beute wieder neu werdenden Fackwerk- banten verdickt und aus sestcreni Material in derbem Gerüst her- gestellt. Tie? Kiinststück im Bau de? HauieZ hat auch die Sonnen- blume mit der Zeit berausgekliigelt. Sie, diese Hochragende und doch so Schlanke, die unter jedem Windhauch pendelt, unterm Sturm bis zur Erde geschleudert, doch wieder elastisch und lebenstrotzend ausschnelll, sie hat in ihrem Innern, in diesem schmalen Schaft ihres Stengels ein Konslruktionsgerüst von solcher Zähigkeit, solcher Leichtigkeit und solcher Federkraft sich erbaut, daß dagegen die Müngstener Brücke oder der Eiffelturm Stümperwerk bleiben. Die- ser immerhin dreihundert Meter hohe, sollte er unter einem Taifun in ein Pendeln kommen, daß ihn fast die Seine bespritzte., wie würde es ihm ergehen? Würde er wieder aufspringen, wie das gelbe Riesenkind. das doch neben ihm ein Grashalm ist? In seinem Halm hat es den Eiffelturm in kleinem, aber um so zäherem und festerem Maße federleicht aufgebaut. Zwischen die Grok-Berliner Lebeusmittes. Johannisthal. Ausgabe von Lebensmitteln vom Freitag, den 13. dS. MtS. ab in den hiesigen KleinhandelSgeschäilen nach Zuckerlundenlrite au, Allgemeine Lebensmittelkarte Abschnitt 666 366 Gramm Suppenmehl, 661 2 Stück Snppenwürsel, aus Lebensmittelkarte des Kreises Teltow Ab- schnitt 36 236 Gramm Teigwaren. Groß-Serliner parteinachrichteiu Heute, it. August: Äs. Abt. 7 Uhr Mitgiicderoeriammlung in der Schulaula, Christ« burger Jlr. 14. Thema: Spa und die politische Lage. Charlottenburg. 13. Kruppe. 7 Uhr Kruppenversammlung Schul- aula, Pestalozzistr. 46. Thema: Die Steuersrage. Steglitz. Di« Zahlabendc iinden in den hckannten Lokalen statt. Lichtenrade. Mitgliederversammlung 8 Uhr in der Schule, Roon- straße. Thema: Die Politische Lage. Rcscrent: Alfred Puls. Lbcrschöneweidr. Zadlabcud 3 Uhr in folgenden Lokalen: 1. Bezirk bei Gades. Wall-. Ecke Helmhollislraße. 2. Bezirt bei H-nmann, Sul-, Ecke Siemensstratzc. 3. u. 4. Bezirk im Luiscnhos, Marien-, Ecke Luisenslraße. Zllt-Glienicke-Falkenbcrg. Der heutige Zahlabend fällt aus und wird aus Mitlwoch, den 18, August, verlegt. Zeuthen. Mitgliederversammiung in dem bekannten Lokal. Zahl- reichen Besuch erwartet � Der Borstand. Kanlsdorf. Mitgliederversammlung 8 Uhr bei Schwarz, Hönower Straße 5. Weitzensee.'/„S Uhr BczirkSabend in folgenden Lokalen. 1. Bezirk: Lokal Minge, Lothringenstr. 32. 2. Bezirk: Lokal Stärke, Charlottenburger Straße 3. 3. Bezirk: Lokal Wielstruck. LanghanSslr. 62. 4. Bezirk: Lokal SchSiifetd, Scdaniir. 76. Tagesordnung aus sämtlichen BezirkSabcndcl.: Beucht vom Bezirkstag. Pankow. Mittwoch 7-/z Uhr Z a b l a b e n d in den bekannten Lokalen. Hcrnisdorf. Mitgliederversammlung 7'/, Uhr im Lokal Böttcher, Waldersre-, Ecke Berliner Straße. Roscnthal. Mitgliederversammlung 8 Uhr im Lokal Pctran. Haupt- straßc 13. Thema: Die poliliiche Lage. Rescrent: Artur Häusler. Jniolge der gcipannten politischen Lage ist das Erscheinen eines! jeden Mitgliedes Psl.cht. Gäste haben Zutritt. Jugenüveranftaltungen. Heute Uhr: Cöpenick: Jugendheim Bovcrnbos, Rudowerstr.. Mitgliederversamm- lung.— Erlner: Jugendheim Adlerstr.(SchulhauSl, Mitgiiehcrvcrsainmluiig. — Mahlsdorf: Jugendheim Gcineindcschulc Waldenserslr., DiSkussionS- abend.— Prenzlauer Vorstadt: Jugendheim Mädchcuschute Scnc- sc-derslr. 6/7, Mitgliederversammlung.— Rcichenberger Viertel: Jugend- heim Glogauerstr. 12/16, Vortrag:.Bau des menschlichen K�r- p c r s."— Wilmersdorf: Jugendheim Gcsangsjaal Lbcrrcaischule See- park. Müdchenabeiid. Sport. Rennen zu Grunewald. Dunstag, 16. Aua. 1. Ottoland- Ja g d r e n n c n. 22 006 M.. 3000 Meter. 1. Zarin(Bismarck), 2. Fischcrin (Lcwicki), 3. Marc Anw»(Buchhot,). 4. Witibcria(Saager). Dchiomatie (Jzmenvi), Ladro(Ewfinger), Schakal(Seelisch). Divoice zThalccke», Laiislherin(Dyhr), Pill) lbc blind(v. Keller). Reeder'Scgcnen auSgclr.. Gerd(Nash) stcbengcbl. Tot. Sieg 28:l6i Pl. 14, 15, 41. 2. Preis oonHalelhorst. 22000 M.. 1600 Meier. 1. Heiligem otm(Tancki, 2. Nihilist(Ar. Wenzel), 3. B-illhasar(Bleuler), 4. Flucht(Slaudinger). 3. Wachtel(Kasper). Tot. Sieg: 14:10; Pl.: ll, 13. 3. T r c u e- Rennen. 22 000 M., 1C00 Meter. 1. Feldgrau(Danct), 2. Cassian (Clcjmf). 3. Paleslrina(O. S-lmidt). 4. Komballant(Wintlcr), 3. Diadem (Ziaftenberger), 6. Flandern(Tbeilen), Erika II(SchlSskes, Swn Fein lZiwmeiman»), Schadensreudc(Bleuler). Mcnling(Br. Wenzel). Tot. Sieg: 34:10; PI.: 18,27,14. 4. P r e i s von Kartzow. 22 060 M, 3300 Meter. 1. Minorka(Mchan). ß2 Radieschen(Buchholz).-s2 Sonntagsmödel iKädickej. 4. Schnucki II(Wegcnei), 5. Ribisel(Ackermann). 6. Sieg iWmii), Joachim(Leiß), Der«ochiesier(Drbr), Triumph II(Teicknnann), Mechow (Edler), Stella II(Seelisch) ges. Tot. Sieg: 263: 16; Pl.: 43, 23(Ra- dicschen), 22(Sonntagsmädel). 5. Walhurg-Renncn. 27 000 M., 1800 Meter, rl Georgjos(O. Schmidt), 1. Der Mobr(Zimmermann), 3. Armenier(Jenpsch), 4. Racker(Bleuler), 5. Dunst(Tbeilen), 6. Pelci» wardein(Raitenberger). Apostel(Kränzlciii), Hussa(Br. Wenzel), Erajooa (Danel). Cottbus ch. 22 606?.>(.. 2266 Meter. 1. Galata(Danet). 2. Givet(Hugnenin), 3. Ein- hart lO. Schmidt), 4. Heniitns(Br. Wenzel), 3. Feierabend(Mato), Wind (Kaiser), Sula(Olejnit), Jndlürg(Dielrich), Schwerenöter(TarraS), Bella- donna(M. Dreißig). Der Jockey Seelisch, der mit Stella ll stürzte, zog sich, da er von einem anderen Pferde grtreien wurde, einen schweren Schädel- bruch zu.— Jockey Zimmermann, der mit Der Möhr Bann« wert anritt, wodurch Jane! zu Fall kam, wurde wegen rücksschlS- losen ReitenS zu 1666 M. Geldstrafe verurteilt.— B a l d u r, der auffällig schlecht lief, hat nach Angaben seines Trainers noch unter den Nachweheil deS Hustens gelitten. WetterauSsichtcn für das mittlere N-rddeutfchland bis T«»«ners»ag mittag. Zeitweise heiter, veränderlich, ziemlich lühl. im Küitciigebiet einzelne Regenschauer, im«iiincnlande meist trocken bei mäßigen westiichen Winden. daS grüne Leben strömende Protoplaftmaffe in dies grüne Lebens- mark der Pflanz« steigen zahllose zähelastische Säulen aus fast reiner Zellulose aus. Säulen! Röhren! Was bricht schwerer als eine Röhre? Diese zahllosen Röhren aber schließen sich gleich unter der Oberhaut deS Schaftes ringsum sozusagen zu einem einzigen Rohr zusammen, das als„Kollenchymstruktiir" die Widerstandsfähigkeit der Sonnenblume gegen die aus sie anschmetternden Stürme bedingt. Allerdings hat diese in einem Jahr emporgeichoffene hoch- stengelige Krautschöne auch dem wütenden Brauier gegenüber ein mächtiges Gegengewicht in dem zentnerschweren Erdklumpen, den ihre Wurzeln durchspinnen. Mit dieiem ganzen Ballen ausgegraben und auf die Erdoberfläche gestellt, behauptet sich die Stolze immer noch gegen den heulenden Allstürmer. Nnd die Emigrantin der Tropen, der das Gold Perus noch in den Haaren hängt, ist. waS Passat und Taifun angeht, etwas ge- wohnt. Nicht nur in ihrem tropisch hoch aufschießenden Wuchs per- rät sir ihre Heimat, auch der sür nordische Verhältnisse unge- hcnerliche Santcnlcller. der nur ein Gegenstück in den Blüten- kellern eines indischen ParkbaumeS hat. weist auf ihre exotische Abkunft hin. Der bald weiße, bald schwarze Samen ist nicht nur ein gutes Mittel, um der„süßen Lora" die Langeweile de« KäfigstumpffinnS erträglicher zu machen. Im Krieg haben wir ganze Sonnen- blumenwälder an den rollenden Zügen vorbeifliegen sehen. Aber auch früher war schon ein gut Teil deS„Olivenöls" aus dem Teller der peruanischen Emigrantin geflossen. Hellgelb, hat das Oel der Sonnenblume einen sehr angenehmen mandelanigen Geschmack und eignet sich prächtig zu jenen Fälschermanipulationen. Wenn gleich seine eigene Oualirät vollkommen zum Speiseöl anslangt und bei weitem jedenfalls dem stänkerigen Rüböl vorzuziehen ist. Was für ein gutes Nutzdiech die Peruanerin doch ist! Sie macht uns nicht nur die Augen blank mit ihrer Blühpracht, sie macht uns auch von oben bis unten blank, wenn'« sein muß. läßt sich geduldig in der höllischen Actzlauge deS Sodastein« im Brühkcssel zu Seise kochen. läßt Firnis gar aus sich schmoren und bietet noch mit ihren Wurzelknollen dem Geschmack der Südländer ein eigenartiges Mahl. Welche Schmausereicn aber bat sie schon vorher, als sie den Strahlenkranz ihrer Sonne eben entfaltete, den LiebeSmitilern der Blüten geboten, denen zu Liebe, um sich ihnen möglichst auffällig zu machen, sie dieses kolossale Konglomerat von Blüten bildete. Und doch hätte sie diese und ihre Fremdbestäubung nicht nötig, da a»f ihr die benachbarten Blüten bald ein zarte» Verhältnis an- knüpfen, daS in einem Daunkuß ihrer Racbenästchen auSllingt. WirtflHast Der Antrag Wijsell im Reichswirtschafisrat. In der ersten Sitzung des Reichswirtickaftsrates wurde ein Antrag deS Genossen Wissel! über den Ausbau der pro� d u k l i v e n Erwerbslosenfürsorge und zur Belebung der Produktion einem Unteraussidus; zur Vorberciiung überwiesen. Dieser Unrerausschus; bat nunmehr einen sehr umfangreichen Bericht erstattet, der in der TienSIag-Sitzung der vereinigten Wirtschaft«» politischen und sozialpolitischen Ausschüsse auf der Tagesoldnnng stand. Diese beiden Ausschüsse sind zu einer Erledigung dieies Berichtes nicht gekommen, da von verschiedenen Seilen dagegen Einspruch erhoben wurde, daß ein Bericht mit so weitgebenden Borschlägcn ohne genügende Prüfung durch die ein- zelnen Mirglieder der Ausschüsse zur Verabschiedung gebracht werde- Tie weiteren Verhandlungen finden am Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, statt. Die Vorschläge des Unterausschusses find in der Tat überaus weitgehend, wenn man sie an deir bisherigen kleinen Maß- nahmen der produktiven Erwerbslosenfürsorge mißt. Was im Be- richt besonders in die Erscheinung tritt, das ist die scharfe Stellung- nähme gegen die Auffassung, als sei die Ursache der gegen- wärtigcn zur Abiatzstockung führenden Teuerung die Höhe der Löhne. Es wird festgestellt, daß die Steigerung der Preise ihre Ursache im allgemeinen und in der Hauptsache nicht in der Höhe der tatsächlich gezahlten Löhne und Gehälter, sondern in erster Linie in den hohen Noh st oss preisen hat. Die Löhne seien erst infolge der enormen Preissteigerungen gefolgt und hatten im allgemeinen die Höhe der Preissteigentngen bei weitem nicht erreicht. Dadurch sei eine Verminderung der Kaufkraft der breiten Masse eingetreten, die naturgemäß auch zu einer Verminderung des Konsums und diese wiederum zur Abiatzsiccfung geführt bat. Es wird vorgeschlagen, teinen scharfen Abbau der No h stoffpreis c und der G e- Winne vorzunehmen. Eingehende Vorschläge werden gemacht, die sich gegen den Abbruch von Betrieben und gegen die Stillegung von Betrieben wenden. Es werden Maßnahmen von ver Regierung verlangt, die die Erteilung von öffentlichen Aufträgen. Beschaffung von Kapital durch genossenschaftliche Zu» fammenschlüsse der gewerblichen Genossen zum Gegenstand haben. Bei Abbrächen sowie bei Stillegung trotz Beanstandung oder Verbotes oder auch bei Ablehnung der angebotenen Hilfe durch den llnternchmcr soll einer öffentlichen Stelle oder einer vorhandenen Berussleitung das Recht gegeben werden, den Betrieb im Interesse der Allgemeinheit selbst oder durch einen Dritten weiter- zuführen, zu verpachten oder zu enteignen. Im weiteren wird auf die Behörde nzersplitterung der zentralen und mittleren Instanzen hingewiesen, die durch Ver- eiuheitlichung der Wirtschaslsrcssorts und Verbindung der nach- geordneten Stellen niit möglichster Beschleunigung beseitigt werden soll. Es wird Wetter auf die starken Hemmungen bei einem an- gemessenen Abbau der Preise hingewiesen, die aus der stark ent- wickelten, aber unkontrollierten Strassustiz der Ver- bände erwachsen. Maßnahmen dagegen müssen in Betracht ge- zogen werden. Es scheinen namentlich diese Vorschläge und deren auch noch für einzelne Gewerbe angepaßte Formen namentlich in den Kreisen der Verfechter des freien Spiels der Krä'te Widetstand gefunden zu habcir. Insbesondere war eS der bekannte Herr K e i n a t h, der sich gegen eine sofortige Beratung wandte. Wir werden die Beichküsie des Unterausschusses im Wortlaut unseren Lesern zur Kenntnis briiigen und iin einzelnen noch Slellung dazu nehmen._ Brauchen wir Lohnetikaffee? Der Weltmarktpreis für das Psiind feinsten Sanloskafsce beträgt ca. 7 Atark unverzollt, im deutschen Großhandel kostet er ca. Mark. Tie am Kaffechandel beteiligten Firmen fordern daher Leffnung der Grenzen und Aushebung der zcntrali- fierien Bcivirtichatiung. Sie schietbcn:„Die freie Einfuhr würde überseeische Firmen wieder wie bor dem Krieg zu Konsignationen nach den deutschen Seeplätzen veranlassen und dieser Umstand würde Vorrat- und marklbildcnd auf die Seeplätze wirken. Die günstigen Wirkungen eines Markte? mit seiner besruchtendcn Ausstrahlung aus das Wirtschaftsleben sind von hoher Bedeutung. Die Seeplätze könnten den Kaffee- h a n d e l m i t d e m A u s l a n d, der bei Kriegsausbruch Oester- rcich-Ungarn, Skandinavien, Finnland, da? Millelmeer und Süd- afrika umfaßte, wieder ausnehmen, der erzielte Nntzen würde bessernd auf die Valuta wirken. Ferner ist hier noch zu erwähnen, daß gerade die Kaffee produzierenden Länder die hauptsächlichsten Käufer deutscher Fabrikale sind. Die heutscheit Seeplätze würden durch vermehrte Ausnutzimg ihrer Kai- und Speicheranlagen durch den Umschlags- und Ver- edclungsvcrkchr neue Arbciisgelegctthdt und Verdienst schaffen. Der freie Handel wird infolge der allgemeinen Konkurrenz mit kleiveiem Nntzen ai bellen, als der jetzt durch die beschränkte Einsuhr geschützte Handel. Die Versorgung des Inlandes ivürde deshalb besser und billiger als seither geschehen.» Die Zenlralstelle für die Kaffeeiusuhr sitzt b?tite. wieviele andere Beichaffmtgsstclleii aus ihrem teuer eingekaitklen Kaffee und will nichts verlieren. Wenn die Läger geräumt sind, wiro auch der billige Kaffee an den Markt kommen. Es bedarf der Feststellung. ob die Einfuhrzentrale ein privates H ä n d l e r m o n o v e l ist. oder eine gemeinwirtschastlich nuigezogcue Beschaffnnqsftclle. Die 900 prozentige Dividende der HeringseinkaufSgefellschafr hat stärkstes Mißtrauen gegen diese Eintuhrzenlralen erzeugt. Ob wir Bohnen- kaffee in unbegrenzten Mengen ins Land kommen lassen können, bedarf einer eingebenden Vnttung und kann, nicht nur nach dem Häudleriittcrcsse entschieden werden, Die„Industrie- und Handelszeitung' bringt folgenden Bericht Vom holländiichen Kaffeemarkt. Ter anoenblickitche Lagertjorrat an Kaffee in Holland dürfte mindestens öOOlXIO Sack betragen. Um die Absatzmöglichkeit für Kaffee aus den niederländischen Kolonien einiger- maßen aufrechtziterbalten, ist seit Jahresfrist aus Brnsilien so gut wie nichts eingeführt worden. Gute, brauchbare Santos-KaffeeS wurden fast nicht angeboten; was vorbänden ist, setzt sich zusammen ans harten und schlecht röstenden Sorten, die nur un- gern durch den holländischen Konsum aufgenommen werden. Die Ernte- Aussichten für die niederländischen Kolonien sind für 1920/21 g u t. Man schätzt den Ertrag ans 800 000 bis 1 000 000 Sack.— Die Brasil-Ernte, die für die Gestaltung der Preise a ll e i i�.- a u S s ch l a g g e b e n d ist. verspricht einen sehr hoben Ertrag'. Die neuesten Schützlingen werden auf 12 000 000 Sack angegeben. Der deuiiche Einfluß auf die Kaffeckuliurcii und auf den Kasfeemgrkt tir Brasilien war vor dem Kriege bekanntlich führend. Die deutsche Firma Theodor Wille, Hamburg, tntd deren brasilianische Firmen Tbeodor Wille n. Co.. Sanlos, Rio de Janeiro mid Sao Paulo, galten gewiffcrmaßen als ungekrönte Könige im Lande.— Wie berichtet wird, bat dieser Einfluß während de? Krieges nur varübergebesttd gelitten. Für Vctbranch und Preisgeiialluiig ist zunächst zu berück- sichligen, daß durch da-Z A l k o h o l v e r b o t iit den Vereinigten Staaten dort der Kaffegkonslim bcdoiintd gestiegen ist. Man rechnet mir einem Mebrkonsnm schon in diesem Jahre von I 009 000 Sack, der sich im nächsten Jahre noch nnj ein weiteres erhöben dürfte. Die ErittcaiiSsichlen find so, daß mit einem großen lieber- schnß gerechnet werden muß, und daß dadurch ein Sinken der Preise zu erwarten ist. Die Ermäßigung der'Tvbitksteiier. Nach Anordnung de? Reichsministers der Finanzen beträgt die Ermäßigung der Tgbgkstener für die Zeit vom I. Oktober 1920 bis zum.'!t. März 1921 für Zigarren 72 Proz.. für Zigntellen tn den fünf höchsten Steuerklassen SO Proz. und für feingeschnittenen Rauchtabak in den beiden obersten.Steuerklassen 20 Proz. der vollen Tabaksteuergeietze.'Die Tabakstciter kür Ziaartttett wird sedoch nicht unter den.Betrag, von ,87 M. für 1000 Stück, iür sZnzeichyUlenen Raiichmbak nicht unter den Betrag von 32 M. für 1 Kilogramm ermäßigt. Seminar für Klcingnrtcnbau. Der Preußische Landwirtschaftsminister hat der. Gesellschaft für landwirtschaftliche Frauenbildung zu M.-GladbaÄ die Genehmigung crieilt, der Rheinischen Eärtucrinnenschnle„Haus Gan- dersheim" zu Kaiserswerth a. Rh. von Ostern 1921 ab ein Seminar für Lehrerin neu des Kleingarienbaucs mit staat! icher Abschlußprüfung anzugliedern. Die Höchstzahl der Semi- naristinnen ist vorläufig atls 15 festgesetzt. Gerlchtszeitung. verschobenes Heeresgut. Tie Schieber im Artillericdcpot Splindait. Umfangreiche Verschiebungen von Heercsgut aus dem Artillerie- depot in Spandau, dein jetzigen„Reichsweck", bildeten die Grund- läge einer Anklage, die gestern 12 Personen auf die Anklagebank der Ferienstrafkcnnmcr des Landgerichts Iis führte. Es befinden sich darunter mehrere Angestellte vom Svandauer Reichswerk-, mehrere Rangierer und.Kaufleute uttd es kommen Unterschlagung, Hehlerei und Urkundenfälschung in Frage. Sechs der Angeklagten sind be! der Verschiebung eines Waggons von 3000 Kilogramm Stahl im Werle von<15(ZOO M., sieben Angeklagte bei der Ver» schiebung vcn 15 000 Kilogramm Messing im Werte von 180 000 M. beteiligt. In diesen beiden Fällen ist die Verschiebung nur mit Hilfe raffinierter Fälschungen von Frachtbriefen und Ueberleitungs-> papieren möglich gewesen. In diesen Fällen tnachtett die von den Rechtsanwälten Iustizrat Dr. Werthaucr, Dr. Schwindt, Kniep u. a. verteidigten Angeklagten durch die einander vielfach sich widersprechenden Angaben und die daraus sich ergebenden snristischen Schwitrigkciten eine Abtrennung dieser Nnklage- fälle erforderlich. Auf Antrag. des Rechtsanwalts Dr. Schwindt soll dessen Klient, ein kaufmättnischer Angestellter August Hanke, gegen eine Kaution von 100 000 M. aus der Hast entlassen werden. In dem zur Verhaudluna übrig oebliebencn Fall bandelt es sich um folgendes: Ter Holzbändler Riebard Stäche verwaltete im Svandauer Rrtillcriedepot den Lagerplatz 2 am Südbasen. Er hatie früher in Zossen ein gulgehend.'? Holzgefchäst betrieben, war bei Kriegsausbruch zu den Waffen geeilt und ist geschäftlich durch den Krieg rttintert worden. Als er bei dem Artilleriedepot beschäftigt wurde, befand er sich in einer schwierigen Lage, die für ihn um so verzweifelter wurde, als im Rahie 1919 feine Entlassung in Aussicht stand. Run fand damals im Artilleriedepot eine genaue Kontrolle über die ein- und ausgebenden Materialmengen und Waggons nicht statt und so kam e«, daß Stäche in seinem Lager eines Tage? einen auf uneiklärllche Weise dorthin gc- kommencn Waggon Stahl im Werte von angeblich 75 000 M. vorfand. Da seine Nachforschungen nach der Herkunft dieses Waggons ergebnislos blieben, ließ er sich-— wie er behauptet, durch einen Dritten— verleiten, den Inhalt des Wageons zu verschieben. Er wellte sich Geld schaffen, um seinen wirischaftbchen Wieber« ansbau zu betreiben, und bewaa den Prokuristen der Firma Gustav Koeb.er, ihm 5000 M. zu aeb.'n gegen Verpfändung de? Stahl-?.. Ties geschah, nachdem der Prokurist O n e b e ck seinem Chef, der viel auf Reisen sich befaud,. ganz, oberflächlich Mitteilung lxrpon ge» macht hatte. Au? der Verpfändung ist später ein fester Kauf geworden. Die Anklage.beschuloiat nun d-n Angeklagten Stäche der Ilitterichlagiing, Herrn Onebeck und Herrn Koelicr aber der Beihilfe, indem-sie annahm, daß ihnen Zweifel über den chrliel- n Erwerb de» Stahl-? hätten entstehen müssen.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Stäche 9 M ä» a t e Gefängnis, gegen die beiden Witatzgeklaaten aber die Freisprechung, da der Sach» verhalt zu ihren Otziinstm geklärt, sei. Das Gericht svrach den Angeklagten Kocher, der sich weder der Hehlerei noch sonst eir'e stiräsbaren Handlung schuldig gemacht habe, frei, hielt aber Onebeck der Beihilfe für s ch u l d t a, da er bei der Ilehertragting des E'acnlaimS an dem Stakst mit» gewirk'. und verurteilte ihn zu 3 Monaten, den Angeklagten Stäche zu 9 M o it a t c n Gefängnis. „Ich beanspruche baldige sssusführnng des Todesurteils". Gegen da? vom Schwurgericht' de» Landgerichts Iis gegen den Massenmörder Schlosser Friedrich Schumann am 13. Juli er- ssangene'Urteil, war vom RcchssSanwalt Dr. Frey als Perteid�N des- Angeklagten die Revision auaemeldet worden. Diese hat stich j-tzt infolge eine? charakteristischen Schreiben? SchumaAÄK an Dri Frcn erledigt.' Das t Schreiben laichet:„Ick verzichte auf Revision urd wünstbe deren Rücknahme. Ebenso widerspreche ick einem von Ihnen beabsichtigten Gnadengesuch, da ick noch meiner Meinung unschuld'g verurteilt bin i-nd das Gericht für die Todesstrafe die Verantwortung trägt. Ick beanspruche als mein Reckt die baldige Ausführung de» Todesurteils. Selbst- mord habe ick nicht begangen und begebe ich nicht, da das ein Sckittdgeitändnis wäre." Infolge dieses Schreibens hat der Per» teHigcr die Revision zurückgezogen und da» Urteil ist rechts- kräftig geworden. llriLgsantolks«ivil mit SS'/, in kaltlunz genomnien. vrrwz'WTZMfr. NM MMM Qlenä 1 Prachist'ickeinü.'sternsockci]e650, 475, 325, 175 iporljacken 16: Trikot-S'porljacken..... 45 Pfiantasie-Sportjacken..-..... 272 Garnsaiinäniel für Herren..... 650, 475 Gummimäntel für Damen 49 5, 375, 29D Wundfervolle Modell-Kostüme 1200, 800, 500 Impr. Mantel...... 390, 275, 150 Astrachanmäntel........ 750, 525 Plüschmäntel 1800, 1500 Seaipiüsch 2500 Pelzmäntel 9800, 6509, 4209 Westmann l. Geschäft; Berlin W, Mohrenstrasse 37 a 2. Geschäft: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str. 115 Von der Heise zuiück Dr. Richter, Speelalarzt Iür Kaut* u. Geschlechts* leiden 113/18 Vorck*traßc 1*» (Sprechstunden 2— 4l/j yhrl Von der Reise' zurMck Frauenarzl DriraRkenslein Landsberger Str. 76(Alex.-Pl.). Dr. Muskat, Orthopitd. Chirurg. Anstalt lilr Rovlgrn, Höhensonne ic.,«ur- farstenstr nstel 2«. zurtirk. Dr. med. KrLteriug ttsul-, ttarn-, L'inecieivsieid v.hzänn.u. prauen.kiulunlers. Invalldensti-aUe 3S, Ecke Chausseestr, stett. Bhf. Spr. WocheniSglich ji-i, Vi5J/i7. 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Bon schwerem Asthma besreil.— 0. Frau TN. Zaske, Berlin. Noßendors» strasie 10. i. Rheumniisinns geheilt.— 7. Herr E. Ehrhardt, Sr.-Lichferselde, Ringstraße 52a. Ehrouisches Hüskgeleukleideu wiederholt er- solgreich behandelt.— 8. Frau S. yodorff, Berlin, Nslberger Str. 28/29 Tietuen- u. Knochen- houlentzaudung geheilt.— 9. Frau preuff. Pankow, Damerowltr. 54. Lungeitbluten in vier Taaen uollftändlg geheilt.— 1». Frau E. herz- mann. Schünederg. Feurigstraße 61. Eiternde Aistet nach vlinddarinoperatiou geheilt.— ''-—--------------'Jit 11. Herr<£. Ritter, Friedenau, SponholtitraßebK. Von KnicgelenNeiven gctzelit.— 12. Frau Z iL Rchrmoser, Berlin, Breslauer Sir. U Alles I 15 jähriges Herzleiden geheilt.— 13. httc| M. Auhner. Reinlrtendort-West. Anlonienftr. 3. Klesert ereiieriiug gehellt.— Ii Frau H.Hagel, i Sachsenhausen bei Oranienburg i. Marl Unter!..! vluwngett u RervenIeiden gehellt.— 15. Frau I Bw. Frltlchier, Berlin, Marienburger Straße 48. j Varmgeschwulst gehellt.— 16. Frmt de, Herrn! , Inspeftors O. Heinrich, Leclin-Friedrlchsseide, ( TUagerviehhos. Von Sed.- Knickung geheilt. I 1— 17. Herr Erich Lock, Berlin, iöavclberger Sir. IS. Bon liieren- und Liasenleiden, Wassersucht,> allgem. greizer Schwäche geheilt.— 18 Frau! Reltaur. Hering, Berlin, Schönhauser Ällee 87. Bon i Lasedowscher Krankheit geheilt.— 19. Frau E. popp, Bcrlin-Ltchtenderg, Gartnerftr. 10. Bon chron. Leiden, yerzschmöche und verstopsung l geheilt.— 2 k Herr 5i. Schladitz, Berlin, Capriv» siraße 24. Bon«esichkslupns geheilt; vorher iitil Radium erfolglos dchandelt.— 21. Herr A. Hell-: wig, L.-Lorsigwalde, Ernstslr. 25. Ben ZNagen-! geschwnlst, Berstopstntg und Zieruenschwäche geheilt,— 22 Herr Milchhändler Eckert, Berlin, äfreisenhaaener Straße 26. Bon gichtifch-rhenma- tlschen Schmerzen in Bein und Fußgelent ge- hellt.— 23. Herr Se.slwirt C. Atichaelis, Ehar- lotkenburg, Wnllilr. 87. Bon chronischem Leber- leiden und Gelbiucht geheilt.— 24. Frau M. Knorr. Berlin-Lichtcnhirg, Scharnwcberstr. 62. Bon I Herzschwäche, Leberanschwellung geheilt.— 25. Sohn Paul des Weichenstellers Herrn Wilhelm Haffner, verlin-wesiend Benifttenhaus. Bon I ! schwerem Hein leiden geheilt. Bein sollte ad-! \ genommen werden. JBJBr* Briefliche Original-Anerkennungen von UN» geoeilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstolt ans Wunsch zur Einsicht!— Getrennte Vchandtiingsränw.e für Damen und Herren!— Sprech, unb Behandinnarzeit: 8—1, 4—7'/- Uhr, Sonntag und Feiertag: 9—1 Uhr.'» Heilanstaltsbesitzer Professor P. Mistelsky approbiert im Anstand llerlin SO 14». Kriickonutraile 10b am Bahnhof dannowitzbrücke. Dr. med. Hollaender, Spezlalarzt für Haut-, Frauen- und Blasenleiden 1 Behandlung ohne Quecksilber, ohne Berufsstörun«, 1„ Blutuntersuchung. Aufkl. Broschüre Nr. 10, diskret verschlossen Mk. 2,50. Be.r,i° � 8- Leipziger Slralle.08 II, Täglich 11—1, 5-7, Sonntags 11— 1. 187/4*\ In 1 Stunde befeit. Sie unt cjärank jede K-äufg-plagc u..FlSfK ,. 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September 1929 ab die öffentliche Bewirtschaftung'der Kartoffeln»m der Maßgabe aufzuheben, desi; die auf Grund der Verordnung vom 21. Mai abge- schlossenen Verträge bestehen bleiben und eine starke RrichSrcserve zur Ueberwindung etwa während der Herbst- und Wintermonatc eintretender Notstände gebildet tvird. Es ist damit zu rechnen, daß ein entsprechend vom Reichsminsiteriuin für Er- nährung und Landwirtsehait ausgearbeiteter Perordnutigscntwurf Mitte August vom volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags an- genommen wird, so daß dem Handel von da ab die zur Anknüp- fung seiner geschästlichon Beziehungen erforderliche Bewegungsfrei- Ich gegeben und er in den Stand gcjetzt ist. Kartoffeln zur Be- liefcrung nach dem 14. September 1929 aiizukaufcn. Um die Preis- lüldung ailf dem Markte für Speisekartoffelu nicht zu beunruhigen, sei schon jetzt daraus hingewiesen, daß die Kartoffel ver- arbeitende Industrie, insbesondere die B r c n n e r c i e n, mit einet Einschränkung ihrer Betriebe zu rechnen haben werden. Saar- oöer liriegsgebiet? Tic Saar-Regicrung veröffentlicht eine Proklamation, die folgende kriegsmäßige Lüge enthielt: Tic Teuerung im Saargebiet nimmt immer größeren Um- fang an, so dciß die Not der Bevölkerung iinnicr mehr steigen Wird. Tics verdankt sie den g?lvissenlosen Heliagitatvrcn. Den Beamten wäre schon längst Gerechtigkeit geworden, wenn nicht die gewissenlose Hetzarbeit eingesetzt hätte, wodurch die Regie- rungsarbeiten gestört wurden. Bio Millionen Mark sind von der deutschen Regierung für diese Zwecke bereitgestellt worden, was durch Material, das uns in die Hände gefallen ist, bewiesen ist. Mit aller Schärfe wird gegen diese Wühlarbeit vorgegangen werden. Tie Proklamation ist von dem französischen Präsidenten Rault ilntcrzcichnet. Tie Ausgänge der Stadt Saarbrücken sind gesperrt. Ter Generalstreik steht bevor. Berittene Militär? Patrouillen streifen durch die Wälder. Tie Beamten, die Dienstag nicht zum Dienst erschienen sind, werden entlassen und ihr Eigen- tum wird beschlagnahmt. Es finden starke Truppenzusammen- ziehungen aus elsaß-lothriiigifchen Garnisonen statt.. „Gerechtigkeit" wäre den Beamten längst geworden? Aus? schließlich gegen ihre brutale E n t r c ch t u n g richtet sich der ganze Kampf. Aber die Saarlcute lernen jetzt die Zivilisationsmethode des französischen Kapitalismus kennen, die schon im eigenen Lande bei jeder Arbcitcrdcmonslration so prachtvoll sich äußerte. Die Saarleutc sollen nach 15 Jahren abstimmen, ob sie wieder zu Teutschland wollen. Inzwischen sorgt Herr Rault dafür, daß sie sich für französische Zivilisation begeistern. Teschen— tschechoslowakisch. Prag, 19. August.(Tichil. Prcssebureau.) Am Dienstag wurde die Sladi Teschen durch tschechoslowalische Truppen besetzt. Anspruch auf Morörecht. Wien, 19. August.(O.W.) Jn der ungarischen„Naiioi:al"ver- sommlung machte ein MchrbeitSabgeordnctcr der Rechten die kcitig- sten Borwürfe, das Auslieferungsverlangcn für Böla Khun nicht rechtzeitig in Berlin übermitteil zu haben. Ministerpräsident Gras Teldky betonte, daß die Regierung nichts versännrr habe, das AuSIieferungsbegrhren rechtzeitig nach Berlin zu schicken. Ter Kurier, ein Oberleulnant ldas Haus erhebt sich! Red.), ist am 24. Juli in Berlin eingetrossen. die deutiche Regiming habe jedoch B6Ia Khun 24 Stunden f r ü her sreigelassci:. Die deulsche Re» gicrnng habe offenbar unter dem Druck der Unabhängigen und Komm un i sten gehandelt und sich durch den siegreichen Vormarsch der Sowjettruppen täuschen lassen. Khun ist bekanntlich an d i e Grenze gebracht worden, die et wünschte. Dos; der Volksparteiler Heintze unter dem�Druck der ll. S. P. und K. P. D." gebandelt habe, können die Horthhwame- luken glauben. Wir aber lassen uns zuletzt durch mordungarisches Ministergeschwatz täuschen._ Deutschösterreichs Drahtsperre. Wien, 19. August.(Eigener Drahiberickt deS„Vorwärts".) Die Verhandlungen am DienSiag sührien zn kciiicin Ergebnis, der Streik dauert fort. Wenn bis Mittwoch mittag 12 Ilbr der vor- sitzende SlaatSsekreiär Dr. Mahr und der Staatssekretär für BerkehlZwcsen nicht vom Urlaub zurückberufen und die Verband« lungen wieder ausgenommen sind, wollen die Sireikenden so-ort den gesamten Drahtverkchr stillegen, also auch Sp.tälcr, RetlungS» gesellichaft, Feuerwehr. Polizei, Diplomatie, Reparalionskommiision. Von den 12 Forderungen hat die Regierung sechs ininderwichiige akzeptiert und bezüglich der drei Haupipunkte, Verbeffcriing des Jnli-Avancements, Provisionsfonds und Gewähiung einer monal- lichen Zulage von 1999 Kronen für fficthciratetc und£09 Kronen für Ledige den K a b i n e l t s r a t als zuständig erlläct. Eine dunkle Meldung bringt Reuter aus Wladiwostok: Nach dort eingetroffenen Nachrichten ist die Stadt Ockoisk nieder- gebranni und die japanischen Einwohner c r in o r d e l worden.— Wenn das wahr ist, werden die letzthin abgezogenen Japaner bald ivicder da sein— und bleiben! Ter türkische Friedensvertrag ist Dienstagnachmittag in Sevres unterzeichnet worden. Das dänische Oberhaus(Landsthing) besteht nach den am Dien?- tag vvrgenommenen Wahlen a»S 14 Konservativen, 8 Raditaleu. 19 Sozialdemokraten und 31 Mitgliedern der Linken. Das frühere Landsthing bestand aus 19 Konservativen, 12 Radikalen, 15 Soziai- dcmokrat.u und 27 Mitgliedern der Linken. Im ganzen also trotz des sozialdemokratischen Wahlerfolges keine Veränderung. Der verhaftete Jrenbischof. Erzbischof M a n n i r ist in London eingetroffen, nachdem ihm weiterer Aufenthalt in Irland verwehrt worden war. und nach einem unbekannten Aufentbal'isorte verbracht worden. In Dnl'lin wurden zu Ehreu des Erzbischofs Freu« de n s c uc r angczünöct. Als die Menge sich weigerte, auseinanocx zu gehen, feuerten die Truppen. Eine Person wurde getötet, eine verwundet. KrriStagSwahlrn im Sanrgcbict. Die Endergebniffe lauten: Zentrum 3 165 494 Stimmen<115 Sitze), Sozialdemolraten 1 823 398 Slimmen(69 Sitze). Unabhängige 1265 193 St'inmeu (34 Sitze), Bürgerliche Sammlungsl. 574 318 Simmen(19 Sitze), Tcuiiche Volkspartei 51 173 Stimmen(1 Sitz). Protest VraunschweigS in der Mittellniidkaiialsrage. Ter T. U. wird aus Braum'chtveig mitgeteilt: Dm Mitiellandlanalfrage stand in der DienStagssitzting des brounschwcigischen Landtages wieder zur Debatte. Das Ministerium und die Redner iämilickex Parteien erhoben gegen das eigenmächtige und einseitige Vorgeben Preußens P r o t e st. Jn einer Entichließung wird gesagt, daß die preußiiche Vorlage verasimigSwidria auf braunschweigisches Gebiet bin- übergreife,.ohne' daß Preußen den Vcr'uch gemacht habe. sich mit Braunschweig über die auf einem Hoheitsgebiet tiegende Kanalstrecke zu verständigen. Die braiuiscpweigi'che Landesvcrsammlung erblickt hierin den Versuch, der künftigen Verfügung des Reiches über die Kanallinie vorzugreifen. Für die Wahl der Ltniensübrung dürsten nur d,e Rück- sichten auf die gesamte deutsche Volkswirttchait maßgebend sein. Diesen Rücksickien würde nur die sogenannte Süd Ii nie geleckt. zu der sich die braunschweigische Landesveriammlung wiederbolt einstimmig bekannte. Die braunschweigische Landesverlammlung erwartet, daß sich die Reichsregierung bei ihrer Entschließung in keiner Weite durch das preußische Vorgehen beeinflnsien läßt.'(C6 die Braunschweiger sich nur anS deutschen Gesamt intcresseir für die Südlinie begeistern oder nicht auch ein wenig aus speziell braun- schweigischen?'.) OeWerMastsbewegung ZNißhanöeltes Necht! Die ominösen Vorgänge im Preukisckien Statistisiben Lande?- amt, von denen wir bereits wiedelholt im.Vorwärts" Notiz nahmen, rufei» immer neue Ankläger wach. Das; weder die vor- gesetzten Regierungsstellen sich zu den gegen den Präsidenten des Statistischen LandeSamIS erhobenen Beschuldigungen äuszern, noch die StaatSanwaltschast gegen den Beschuldigten oder den Be- schuldiger einschreitet, mutz allerdings jeden Unbefangene» der blüffen. Wenn ein Beamter seinen Vorgesetzten des Meineids und schwerster Verfehlungen beschuldigt, die zuständigen Dienststellen und die Staatsanwaltschaft von den vermeintlichen Verfehlungen in Kenntnis setzt mit der Absicht, vorhandene Mitzstände zu beseitigen� so ist das eine anerkennenswerte Tat. Datz deshalb aber der fragliche Beamte aus seinem Dienst entfernt wild und weder die vorgesetzte Dienstbehörde noch die Staatsanwaltschaft etwas unternehmen, um die Wahrheit zu ertunden, mutz allgemein verblüffen. Wir werden daher immer mehr in der Ueberzeugung bestärkt datz es hier sehr foul ist im Staate Dänemark und datz der zur Disposition gestellte Beamte und ehemalige Obmann deS Angestellten auSschusses das Recht auf seiner Seite weitz. In dieser unserer Annahme werden wir weiter bestärkt durch folgende uns mit der Bitte um Veröffentlichung übersandte Zu schrift eines jetzt noch beim Preutzischen Statistischen LandeSamt be schäftigten Beamten: »Ihr Gewährsmann spricht von Meineid und von Verfehlungen zum Schaden des Volksganzen des Heirn Präsidenten Tr Sacnger, erklärt sodann weiter, datz die Staatsanwaltschaft und die zu- ständigen Dienststellen von allen Verfehlungen Kenntnis haben und— berichtet von der Verfolgung des der Wahrheit nachgehenden Obmanns. Die Klagesache hat sich auch vor meinen Augen entwickelt. Der gematzregelte Obmann beschuldigte s. Zt. eine ganze Reihe von Mitgliedern und Beamten aufs'Schwerste. Er ist natürlich daraufhin peinlich gewogen und sachlich vollgelvichtig befunden worden. Seine Behauptungen haben danach euieil unerschütterlichen Grund erhalten. Alle Klagen und Anklagen versiegten aber bei den zu- ständigen Dienststellen und scheme» jetzt in der Oeffenllichkcit durch zubrechen. stür die Beamtenschaft ist der verdächtigte„Meineids"-Prästdent eine starke Zummung. Der Beamtenausschutz unternimmt aber trotz Aufforderung nichts zur Ehrcnretiung der Beamten. Deshalb habe ich vor etwa MonaiSüist den Herrn Minister Severiug gebeten. dem Herrn Präsidenten meine Personolsachen aus der Hand zu nehme» und dem Bcamlenausschutz jede Einmischung in meine persönlichen Angelegenheileu zu verbieieu. Nu» zwingt mich auch die gleichgültige Aufnahme der Veröffentlichungen zum Schrill in die Oeffentlichleir, zur Anzeige, betreffend melnc Selbiiieinigung. IlebrigcnS ist diele Klage nicht ein Einzelfall. ES gibt eine ganze Reihe dunkler Punkte beim Preutzischen Slalistischen Landes- ami, und manche Beschwerde, die beim Ministerium des Innern auf dem loten Geleise des Herrn Gehcimrals schliimmeri. Ich bitte Sie uin die Güte, im Interesse der Billigkeit, Ge- rcchligkcit und Wahrheit diesen Zeilen m Ihrem geschützten Blatte Aufnahme gewähren zu wollen." Wir wünschen, datz dieses dunkle Kapitel nun endlich auS dem Stadium der öffentlichen Erörterung in da» der ernsten Untersuchung und unzweideuiigen Klarstellung gerückt wird. Im neuen Deutsch- land darf von einem mitzhandeltcu Recht keine Rede sein. Öksicn die Nätcapostel. Hamburg, tg. August. iEigencr Drablbericht des.Vomtäri?".) Nachdem im Hainburger Metallalbeiterverband die Abstimmlingen über die Nichltinieii der Betriebsräte den Sieg der gemätziglen Richtung Bismarck ergeben baben, ist gestern abend in einer Mit- gliederversainnilung der Rücktritt der LrtSverwaliung erzwungen woldcn. Es wurde eine Resolution gegen ganz wenige Stimmen angenommen, in der gesagt ist, datz die OrtSverwallliiig zur Zer- spllitcrung der Orgauisatloii beigetragen habe, indem sie gegen die Richtlinien des Verbandstage« betreffend die Betriebsräte gehandelt babe. In Hainburg war ein Jndustrierat, der an die Hallesche Räteorganisation angeschlossen war. Aus diesem Umstände ergibt sich die Resolution, und die OrtSverwaltung, die sich aus Mugliedern der U. S. P. zusammensetzt, hat nunmehr die Folgen dieser Politik zu tragen. Hamburg, lv. August.(Eigener Drahtbericht deS.Vorwärts".) Heute»and m Hamburg eine Belriebsrätekonferenz der deutschen Seeichiffswcrflen statt, in der ebenfalls als Hauptpunkt der Tages- ordnung Unterordnung, Eingliederung oder selbständige Räte- organisation stand. Es wurde ein Referat für die Hallesche Räte- orgonisation und ein Korreferat siir die Richtlinien des Metoll- ardeilerverbandes lBiSinarck) gehalten. Tie Debatte war zum Teil sehr erregt. Eine Reioluiion von den Stettincr Betriebiräien, die sich für Anschkutz an den Berliner Zeniralrai in der Münz- stratze einsetzte, wurde abgelehnt. Angenoinmcn dagegen wurde eine Resoluiion, die besagt, datz die Zusammensassung der Betriebsräte eine selbständige BeiriebsratSorgmiiiaiion sein soll, die geeignet ist, die Einigkeit der ohnedies schon zu sehr zersplitterieu Arbeiierschast zu sördern und die soziale Revolution voranznlragen. Die ver- iammlung erklärte sich daher für die Zusammensassung der Betriebs- räte in engster Verbindung mit den Gewerkickaiten nach den Richt- linie», die vom Beirat des Deutschen MetallarbeilerverbandeS beschlossen worden sind. So ist an der Wasserkante die Vernunft im Fortschreilen._ Tarifvertrag der Vcrsicherungsauhenbeamten. Wie uns der Zeutralverband der Angestellten mitteilt, fand am gestrigen Dienstag im Reichsarbeitsministcriilm eine Sitzung mlt den Arbeitgebern über die tarifliche Regelung der Verhälinisse der Autzenbeamten im Versicherungsgewerbe stait. Den Vorsitz führte der Referent im ArbeilSministerium Geheiinrat Dr. Weigand. Nach längeren Verhandlungen kam eine prinzipielle Einigung über die grundlegende Frage des Mindesteinkommens für die Autzenbeamten. dem die Arbeitgeber bisher sehr abiebnend gegenübergestanden batten. zustande. Die Arbeitgeber gestände» unter Anrechnung aller Provisionen und sonstiger Vergütungen nach Abzug der Spesen aus das Diensteinkommen folgendes zu: 1. Bewährungsfrist von einem Jahre bei völliger Vertragsfrei- heit für diese Zeit. 2. Festhalte» an den Kündigungsbedingungen der früher fest- gelegten Richtlinien. 3. Festsetzungen des Mindesteinkommens abgestuft nach Branchen und Orlen in der Vereinbarung. 4. Das System der vertraglichen Besoldung bleibt weiterhin jeder Gesellschaft überlasten. Durch dieses gewitz materiell äutzerst dürstige und keineswegs befriedigende Zugeständnis ist wenigstens die Tür zu einer tan?- lichcn Regelung etwas geöffnet. Weitere Verhandlungen solle» nach Informierung des ArbeitgeberverbaiideS durch feine anwesenden Mitglieder in der zweiten Hülste deS September statisinde». Eine Reibe von Forderungen der Angestellten in bezug auf Urlaubs rcgelung und andere Fragen wurden den Arbeilgebern mir auf den Weg gegeben._ Streiksieg gegen Franzosenwillkiir. Frankfurt a. M., 10. August.(MTB.) Wie die.Frankfurter Zeitung" aus Wiesbaden meldet, hat der dreitägige Proteststreil ver Stratzenbahn angestellten mit einem vollen Er- folge gegenüber der französischen Behörde sein Ende gefunden. Der französische Kommandant hat zugesagt, bei General Degoutie die Erfüllung der Forderungrn zu befürworten, nämlich die srauzö- sische Gerichtsbarkeit milder zu handhaben und U e b e r- griffe französischer Fahrgäste durch ständige Patrouillen zu ver- hindern. Streik in der Dresdner Metallindustrie. Dresden, lv. August.(Frankfurter Zeitung.) In der Dresdner Metalllnvuttrie streiken eine Anzahl Beiriebe, da oie Uebernahmc des Steuerabzugs von den Betriebsleitungen verweigert wurde. Strcikdrohung der Landarbeiter in Nicderbaliern. Miinchtn, 10. August. An die landwirlschastlichen Arbeit- geberverbände der Oberpfalz und NiedcrboyernS soll, wie die „München-AugSburger Abendzeilung" mitteilt, von dem Gau- leiter Liebe l ein Ultimatum gerichtet worden sein, demzufolge von den Landarbeitern die Arbeil niedergelegt würde, ivenn nicht zu den tariflich geregelten Erntelöhne» für männliche Arbeiter eine Zulage von 150 M.. für weibliche 100 M. bezahlt würde. Im Falle eines Streiks in der Landwirtschaft soll die Technische Nothilse einsetzen._ Tic Erwcrbsloscnbewesinnst. Frankfurt a. M.. 10. August.(Eigener Trahttcricht des„Vorwärts".)- Tic(StwerbSlosen, die am Tienstaa morgen nach einer Bersanimkung, in der neue Forderungen gestellt wurden, stürmisch vor dem Ratbaus demonstriert batten und mit Waffengewalt vertrieben wurden, hatten am Nachmittag in der Stadtverordneten-- Versammlung die Tribünen beschlagnahmt. Während cer Be- sprcchung des Magistiatöantrages auf Erhöhung der«ätze uni 2 M. pro Tag und Kops kam es zu so stürmischen Austritten, datz die Sitzung zeitweise unterbrochen werde» mutzte. Tie Versammlung genehmigte einstimmig die MggjstratSvorlage, worauf die Erwerbs- losen unter Hochrufen auf die Räterepublik abzogen. Achtung! Buchdrucker. Montag, den lS. Auguit, nachm. 5 Nbr, SchuI'.beib-AuSschont, Gmlenlaal. Ging. EchmidNratze, V e r s a in m l u n g iämtllter ans dem Boden positiver GcwerlschastSarbeit stehender Vertrauen»- Icutc, Delegierten zur Generalversammlung und Betriebsräte. Anhänger und Freunde sind zahlreich cinzusühren. Ter FrutlioiisuuSichuß der S.-P.- D.-BclriebSrätc. Ludutig Löwe Se Eo. Hutienstrahe. Heute. Miltivochnachmitlag 4 Uhr Betriebsversammlung Wiclejslr. 24. Funtlioiiärsitzuug 12'/. Uhr im Männer- speisesaal. Deutscher Transvorkarbeiterberbanb. VerirauenSleuke au« der Goldleiücn-. Piano-, Kiilcn- und der gciamicn Holzindustrie sowie dem Möbeihandel. Am Donnerstag, den 12. August, abends 7 Uhr, im Lokal von Wegencr, Seydelstr. o0, wichtige Ttfcung. S c l t i o» 1(Tcxtilbranche). Packer, Hausdiener, Kutscher.?lrbcilcr und Arbeiteriime» aus den Betrieben der Poistermatcriaiicn-Handlungcii! Am Tonneislag. den 12. August. abeudS 8 Uhr, im Lolal von Wcgcnci. Seydelstr. 80, äutzerst wichtige Versammlung. Tagesordnung: Das Resultat der Tansvcrhandmugcn mit dem Verband der Potstermalcrialien- Händler. V o d c u l e g c r g.r n v p c. Am Freitag, den 13. August, nachmittags 5 Uhr, Versammlung bei Witte, Poststr. 2g. Tagesordnung: Tarissragen. parteinachrichten. Tie deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei hält dom 3. bis ö. Oktober in Karlsbad ihten Parteitag ab. lieber Programm und Taknk referieren Seliger- Tepliy und K r e i b i ck- Rcichen- bcrg. Seliger steht mit dein grötzten Teil der Parleipresse auf dein Standpunkt der demokratischen Eulwicklung zum Sozialismus, ohne sich ausschlictzlich und ewig auf den Parlamentarismus festzulegen. Kreibich und die übrigen Unterzeichner des Reichenberger Manisesics haben sich als Anhänger der III. Internationale belannt; noch auf dem vorjährigen Parteitag in Teplitz hatte Kreibich sehr entschieden gegen die Kommunisten gesprochen.— lieber Wirtschaftsfragen und die sogenannte Vollsernährung wird Genosse Pohl- Falkenau berichten. Unsere deutschen Genossen jenseits der Grenze können der steten Anteilnahme der Arbeiterklasse in Deutschland gewitz sein. Mus aller Welt. Tie Tpfcr auf Zeche Kaiserstuhl. Wie nnnmehr feststeht, hat das Grubenunglück aus der Zeche Kaisersiuhl 37 Opfer gefordert, und zwar 30 Tote und 7 Verletzte. Den unermüdlichen Bergungsmannschaflen war es möglich, in der ver- gangenen Nacht 18 Leichen zutage zu sördern. Es hat den Anschein, datz eine Leichenscha» wohl wegen der schweren Berslümmelung der Toten nicht erfolgen wird. Die Verwaltung hofft, auch die restlichen Toten alsbaid zu bergen. Tie Verunglückten waren zum weitaus grötzicn Teil verheiratet. Der Leiter der Unglücksseilfahrt hat Selbstmord versucht, ist aber gerettet.' Zwischenfall in Allcnstein. Zu einem bedauerlichen Zwischenfall kam es in Allen- stein, als mehrere betrunkene italienische Soldaten durch die Stadt zogen und von Beamten der Sicher- beitspolizci zur Ruhe aufgesordert wurden. Im Verlauf de? Wortwechsels brachte ein italienischer Soldat einem SicherheilS- beamte» durch z to e i D o l ch fr i ck e in den Halö schwere Ver- letzungen bei. Die aufgeregte Meng« griff gegen die Italiener Partei und cS entwickelte sich eine Schlägerei. Der Messerstecher wurde von einem hinzukominenden italienische» Ossizier festgenommen und in Gewahrsam gebracht.— Die Abreise der Italiener ist aus technischen Gründen verschoben worden. Eriunening. Wie der Minister des Auswärtigen auf eine Au- frage der Deutschen Vollspartei mitteilt, ist die deutsche Bolichaft in Pari« beanstragt worden, bei der französischen Regierung wegen Herausgabe der deutschen Ausstellungsgegenstände der Jnter- nationalen StädtcbauauSstellling in Lyon 1314 vorstellig zu werden. Eine Antwort der französischen Regierung steht noch aus. Die Rückgabe der auf der Leipziger Buchgewerbe- Ausstellung vorhanden gewesenen französischen Gegen- stände ist aus Grund des Diktats von Versailles ersolgt.— Ja, wie war das doch? Teutschland stellle in Frankreich aus, Frankreich in Deutschland... 'Die Neger rühren sich. Wie den„Daily NewS" an? New A o r k berichtet ivird, ist dort die erste grotze rnler nationale N e g e r k o n f e r e n z eröffnet worden. Sie ist da» Ergebnis der Bewegung, die das Selbstbestiminungsrecht für die Negerrasse iordert und nicht nur Afrika, sondern auch die westindlichni Besitzungen, namentlich Brilisch-Westindleii, umsatzt. Der Präsident der„Negro Jmprovement Association". Mr. Marcus H a r v e y, hielt auf dein Kongretz eine Ansprache, in der er sagte: Wir werden England. Frankreich. Belgien und Italien nicht fragen: Warum seid ihr hier? Wir werden ihnen einfach befehlen, ab zuziehen. Wenn die Engländer England für sich beanspruchcr., die Franzosen Frankreich und die Jraliener Italien, dann fordern die Neger Afrika als ihr Heimatland für sich und sie werden iür die Eifüllling dieser Forderung ihr Blut vergietzen. Wir werden eine Erklärung der Rechte aller Negerrassen und eine Verfassung für ihre zukünftige Entwicklung entwerfen. Ter blutigste Krieg kommt noch, wenn nämlich Europa sich mit Asien messen wird: dann wird für die Neger die Gelegenheit gekommen sein, für die Befreiung Afrikas das Schwert zu ziehen. VeraiiiwortlUli tllt den redalUonellen Deil! H. Lepsre»