Kr. 400» 57. Jahrgang Ausgabe ik Kr. 63 BezunSpreiS: IS trtel j äStl 80,— aac monatllO,—® L frei ins Sjous, voraus zahlbar. Poil- bezagl Monatlich Ich— Mb. erkl-�u- stellungsgedühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich lS.iv Ml. für das libriqc Ausland bei täglich einmal. Zustellung SbSll M. Vostbe- stellungsn nedmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho-SIowatci, Däne» mar!, Solland, ru�emburg, Schweden und die Slbweiz.— Eingetragen in die Post-Zeirungs-Pceisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage»Volt u. Zeit�«richeint women- täglich zweimal. Sonntags und Man- tags einmal. Teligramm-Adresie: .Sozialdemotrat Verl in-. Morgen Ausgabe Berliner Volksblntt (�30 Pfennig} Anzrinenpreis: Die achlgelpastene Nonparrillezeile toits.S,— iv!..Teuerung«zuIchläg so«/«. «tileine Anzaigen-, das irtt- gedruSte Wort l,— M.(zuloifig zwei iettgednickte Boriel, irdes weinre Wort so Pfg. Stellengesuche»nd Schlofstellenanzclgcn das erste Wort »Z Psg. sedrs wettere Wo« tv Pig. Worte Uber IZ Buchstaben zählen>ür zwei Worte. Teuerunasznschian Sch><» shamilien-Anzeigen für Abonnenten Feile 2,— M., politische und st- wertschnftliche Berrin«- An>eigen S.— M!. die Feile ohne- Aufschlag. Anzeigen für d'e nächste Nummer müssen bis 5 Ahr Nackmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW SZ. Linden- ftrahe S, abgegeben werden, cheössnet von» Uhr früh bis 3 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben partel Deutfchlands Redaktion und Expedition: EW. HS, Lindenstr.?. itrrnsprecber: Amt Mortvvla«, Nr. VV— KSI V7. CSX Donnerstag, den 12. August 1920 Vorwärts-Verlag G.m.b. h., SW. öS. Linöenftr. Z. Kernsvrocher: Rmt Moritivlatt. Sir. II? äN— 54,. vor öm verhanölungen. Washinlfton, 11. August.(WTB) Das Staats- dcpartemcnt hat als Antwort auf cine Anfrage dem italienischen Botschafter eine Note überreicht, in der es heißt, das nincrikanische Volk wünsche die territoriale Integrität und die Unabhängigkeit Polens aufrechtzuerhalten. Die Bercinigtcn Staaten sähen in der Anstrengung gewisser Äreise, den Waffenstillstand hcrbcizufülircn, nichts Unange- hrachtcs, sie wollten sich aber an der Friedenskonferenz ganz Europas in dieser Frage nicht beteiligen. London, Ist. August.(Reuter.) Der A k t i o n s- a u s s ch u sz der Arbeiter, der von Lloyd Georges Rede nicht befriedigt ist, hat bcschlostcn, für Freitag eine n a t i o- nale Konscrc nz der Gewerkschaften rinzubcru- sen, um über die von der organisierten Arbeiterschaft zur Be- kämpsnng eines Gcgenkricges mit Sowjetrustland zu bcfol- gende Politik, die nötigenfalls auch die Proklamirrung des Generalstreiks umfassen wird, zu beraten. Paris, 11. August.(Hollandsch NieuwSbuwan.) In der„Humanit�" veröffentlicht der ständige Ausschuß der sozialistischen Partei cinrn Aufruf an die Arbeiterschaft, in der das französische' Proletariat alusgcfodcrt wird, dem Beispiel der englischen Arbeiterschaft bezüglich der Aktion der Arbeiterschaft gegen einen russisch-polnischen Krieg zu folgen. Die bereits kurz gemeldeten russischen Friedensbedin- gungen lauten nach dem„Taily Herald" genauer folgender- motzen: Die polnische Armee darf in Zukimst kein höheres JahreS- konkingent als öl) Mg Mann haben. Der polnische General- stab, sämtliche Offiziere und chlle Militäxbeamte dürfen zusammen höchstens 10 ggy Mann stark sein. Die polnische Armee wird sofort nach Unterzeichnung des Waffenstillstand'vcrtragcS demobili- siert. Alle Waffen und Munition, die für die Armee nicht er- forderlich sind, werden an Soivjetrutzland und die Ukraine aus- geliefert. Die Waffen, und Munitionsindustrie wird sofort st i l rtj e 1 e g t. Weder Waffen noch Kriegsmaterial dürfen aus dem Auslände nach Polen eingeführt werden. Die Eisenbahn Wolkowisk— Bialystok— Grajrwo wird Rußland zum Zwecke des Handelsaustausches von und nach dex Ostsee zur Bcrfiigiing gestellt. Die Familien aller in diesem Kriege verwundeten ober ge- fallenen polnischen Soldaten erhalten vom Staate Land. Gleichzeitig mit der Demobilisierung deS polnischen Heeres ziehen sich die russischen und ukrainischen Truppe» aus Polen zurück. Die polnische Armee zieht sich 50 Werst hinter die in der Note Lord Curzons vom 2g. Juli bezeichnete Waffenstillstem dslinic zurück. Die endgültige Grenze des zukünftigen unabhängigen polni- schen Staates wird ungefähr dieselbe sein, die in der gleichen Note festgesetzt worden ist, jedoch soll Polen besonders im Osten neues Land erhalten, hauptsächlich in der Gegend von Bialystok und C h o l m. Diese Bedingungen an sich kann man weder als unbillig, noch als imperialistisch bezeichnen und sie stehen zweifellos mit der Hauptforderung Lloyd Georges nach der Unab- bängigfeit Polens in keinem Widerspruch. Natürlich ist es eine andere Frage, welche Zukunft ein c n t w a f f- -netes Polen gegenüber Sowjctrutzland haben wird! denn unwahrscheinlich ist es nicht, datz nur noch der Krieg die so bitter geschmähte Landesverteidigung die Bolschewiki- Herrschaft aufrechterhält— neben'den Feindseligkeiten Frank- reichs, das sein dem Zarismus geopfertes Geld wiederhaben möchte. Die Bedingungen zeigen aber auch, datz Rußland nicht die Beseitigung des polnischen Korridors, sondern nur eine direkte eigens Verbindung mit Ostpreußen verlangt. Immerhin würde dadurch der deutsch-russische Verkehr� von dem Wohlwollen Polens und der Nandstaaten unabhängig werden, sofern er mehr und mehr den Seeweg nach und von Ostpreußen benutzt. Uebrigens haben jetzt die Polen die Freiheit und Sicherheit des deutschen Poswerkehrs mit Ostpreußen durch , den Korridor garantiert— oder sagen wir nach unseren Er- fahrungen lieber: versprochen. Frankreich anerkennt Wrangel. Nach einer HavaSmelbung beschloß die franziistsche Regierung angesichts der militärischen Erfolge, der festen Stellung der Regierung deS Generals Wrangel und der erhalten:» V e r s i«H e» r u n gen bezüglich der demokratischen Form der Verwaltung, diese Regierung als tatsächliche Regieruna von Sübrustland anzuerkennen. Nach einer Rostameldung Habm die Sowjetbehördcn in Odessa auf französischen Schiffen, welche russische Gefangene dorthin brachten. 23 Wasserflugzeuge beschlagnahmt, die für die Armee Wrangels bestimmt waren. kampfberlchte. lieber die Lage auf dem russischen Kriegsschauplatz an der Grenze Ostpreußens berichtet WTB» aus Königsberg: Mlawa ist pudgültig von de« Bolschewisten gcnWnmcn. Dia Polen haben sich auf Sold au zurückgezogen, in dessen Umgebung sie Befestigungen ausheben. sWenn nicht schleunigst Waffenstillstand eintritt, wird jene deutsche Gegend zum zweitenmal in Grund und Boden ge- schössen— um des Kampfes zwischen Polen und Russen Willeiii Die Red.) Die Industriellen des g alizischen Petroleum- gebiets von Trohohicz und Boryslaiv wollen auf eigene Kosten ein F r e i w i l l ig s n reg i m e n t. aufstellen, um die Petroleum- schachte und sonstigen Wcrkanlagen gegen bolschewistische Kavallerie und Bandenüberfälle zu schützen.. In Pom ereile n hat seit längerer Zeit eine Massenaus- Wanderung der Deutschen eingesetzt. Wie der Eraudenzer„Ge- sellige" mitteilt, sind allein aus Grand e nz bis jetzt WKO Familien fortgezogen. Die Warschauer amerikanische Gesandtschaft hat alle amerikanischen Bürger, die nicht aus dringenden Gründen zum Bleiben gezwungen sind, angewiesen, Warschau sogleich zu ver- lassen. Die Besetzung Tcschens durch tschcchosiowakischeS Militär ist nichts anderes als eine Aus- Nutzung der jetzigen Ohimiacht Polens, dem die Stadt letzthin durch die Botsch-afterkonfcrenz zugesprochen worden war. Diese Pariser Entscheidung Halle in das Feuer der Erregung, das seit Monaten wegen der Teschener Frage in der Tschechoslowakei brennt, Oel gegossen. Die Deutschen des ehemals österreichischen Ostschlesiens halten gegenüber Polen die Tschechoslowakei für das kleinere Uebcl, weil sie da zu einer sehr großen Minderheit gehören, in Polen aber von den che,»als preußischen Deutschen geographisch und volklich vollkommen getrennt sein würden. Das Tesche iicr Ge- biet selbst ist freilich überwiegend polnisch und wenig deutsch, aber Tschechen gibt es dort kaum. Ein polnischer Aufruf. Warschau, lt. August.(TU.) Ter Rat der nationalen Verteidi- gung hat einen Aufruf NN alle Völker der Welt erlassen, dem wir folgendes entnehmen: Die Sowjetregierung hat den ihr�von Polen angebotenen Waffenstillstand abgelehnt. Indem sie Ausflüchte inachtc. Telegramme nach ihrem Belieben sandte, der polnischen Delegation aber eine BerstLndigling mit ihrer Regierung verweigerte, verzögerten die Sowjets absichtlich die Unierhandlungen, um sie schließlich ganz unmöglich zu machen. Das polnische Volk lmt alles getan, um dem Krieg ein Ende zu machen, und zwar auf dem Wege, wie ihn die Gesetze des Völkerrechts und der Zivili- satiou vorschreiben. Diese Absichten wurden zur Unwirksamkeit verurteilt. Die Sowjetregicrung will sich Warschau bmächtigeit und dort ihre Friedensbeoingungen diktieren. Das polnische Volk wird niemals einen Schmachfriedc» annehmen, und wird sich bis zum letzten verteidigen. Das polnische Volk der Bauern und Arbeiter ist entschlossen, die Freiheit der Nation nur seinen eigene,, Blutopsern zu verdanken und die Eindringlinge nur über seine Leiche ins Land zu lässcn. Man beschuldigt Polen des Imperialismus. Seit dem?lugcnbl!ck, da der Weltfrieden Ihm den Gelvinn einer Unabhängigkeit gab, hörte Polen nicht auf, um seine Unabhängigkeit zu kämpfen. Ter Waffenstillstand war in Spa noch nicht unterzeichnet, als das polnische Lemberg bereits gezwungen war, um sein Dasein gegen einen Feind sUtraincr. Red.) zu ringe», au dessen Spitze ein österreichischer Erzherzog stand. Zu gleicher Zeit griffen im Süden die Tschechen Polen an, im Osten besetzten Solvjcttruppen Litauen und drohten durch den polnischen Korridor gegen Deutschland und durch Deutschland gegen den Rhein zu "marschieren. Lemberg verteidigten Kinder, nrii den Tschechen wurden Ab- kommen getroffen, die Angriffe der Sowjets wurden mit großer Mübo abgeschlagen. Pilsudski erklärte, daß das Volk dieser Länder selbst über sein Schicksal entscheiden sollte. Als er Düna- bürg eroberte, gab er es den Letten, die bereits ihre Unabhipigig. kcit proklamiert hatten. Er kündigle cine Agrarreform in Litauen an. Er eröffnete die UniHersität von Wilua. Man behauptete, er sei mit solchen Maßnahmen lediglich der Vollstrecker des W'llens der Grosigrundbcsihcr dieser Länder gewesen. Aber das Eigentum wurde den Großgrundbesitzer« genommen, nicht nur mit Worten genommen, sondern auch durch Taten. Das polnische Volk hat sich zu/etzt ctne Regierung gegeben, an deren Spitze ein Bauer, der Vertreter der größten Partei der Polen steht. An seiner Seite steht der Führer der polnischen Arbeiterschaft. Kann daß Gewissen der Welt angesichts de? Verbrechens schweigen, das an den Ufern der Weichsel die ebemaligen Generale Nikolaus k. unter der Leitung der Generale Wilhelm» II.(!) vorbereiten? Geht die polnische Frei- heit heute unter, ist die Eure morgen bedroht. Seid auf der Hut, daß der Fall Polens nicht das Zeichen für einen neuen europäischen Krieg sei! Menschheit, Gerechtigkeit, Wahrheit rufen Euch auf den Plan! Ihr zögert? Ihr fürchtet den Krie.g? Er kommt auch zu Euch, wie«r zu uns gekommen ist. Wenn er vor Euren Toren steht, wird es zu spät sein für Eure Verteidigung. ES ist nicht nur unser Schicksal, das sich heute an den Ufern der Weichsel eur- scheidet! Sozialöemokratie unS Staat. Von Heinrich Cunow.�) Der durch die deutsche Revolution liervorgerilfcnc lieber- gang des alten Obrigkeitsstaates mit seinem Beamten- und Polizeircgiincnt in einen ans dem allgemeinen Volkslvillcn beruhenden demokratischen Volksstaat imd die in weiterer Folge sich daran anschließende Umgestaltung des inneren Staatslebcns bedingen, daß auch die deutsche Sozialdemokratie in deni von ihr geplanten neuen Partei progr am nt in umfangreicherem Maße zu den VerfassungS- und Vcrwaltungs- sowie den inneren OrganisationSsragen des Staates Stellung nehmen muß, als daß im Erfurter Programm geschehen ist. Schon Friedrich Engels hat in seiner Kritik des Erfurter Programmciltwurfs(1891 geschrieben, aber erst Oktober 1901 im 20. Jahrgang. 2. Band der„Neuen Zeit" veröffentlicht) gerügt, daß die politischen Forde- rungen dieses Programms nicht enthalten, was„eigeut- lich gesagt werden sollte", besonders fehle jede nähere Angabe über die zu erstrebende Staats- und Verfassungsform. War das schon 1891, dem EntstehiMgSjahr des Erfurter Parteiprogramms, unzlveifelhaft ein Mangel, so noch weit mehr heute, nachdem inzwischen in Deutschland das parla- mcntarische System zur Herrschast gelangt ist und der fortschreitende Rcvolutionicrungsprozeß auch jene Klassen und Schichten, die der alte Obrigkeitsstaat von der tätigen Mit- Wirkung an der Staatsverwaltung ausgeschlossen batte, zur Äfttluirkung herangezogen hat. Zudem erfordert die große Aufgabe, die durch den Krieg in Deutschland herbeigeführten traurigen WirtschaftSzustände zu beseitigen und Deutsch- land wieder zu einer maßgebenden, seiner kulturellen Entlvicktung entsprechenden Stellung in der Weltwirtichaft zu veihelfen, die Vereinigung der ganzen Volkskraft zu gemeinsamem Schaffen und Handeln. Zur Er- rcichuNg dieses Zweckes ist aber dringend nötig, daß die sozial- demokratische Arbeiterschaft sich weit mehr als bisher des Z n s a m m e u h a li g e s ihrer L e b e n s i n t e r e s s e n mit deni Staatsgetriebc bewußt wird, daß sie die alte überlieferte S t a a t S f c i u d l i ch k c i t, die in dem Staat nur ein feindliches, energisch zu bekämpfendes Gebilde sah. aufgibt und die Demokratisierung der Staatsverwaltung als ein Mittel betrachtet, durch das sie nicht bloß zu einer mächtigeren politischen Rechtsstellung zu gelangen vermag, sondern das auch allein die Gewähr für die folgerichtige Durchführung sozialistischer Einrichtungen bietet. Noch ein anderer Grund drängt dazu, in dem neuen Programm die Stellung der Arbeiterschaft zum Staat und zu den Staatss armen näher zu präzisieren: die Zu- sttmmung, welche jene bakunistisch-bolschewistische Lehre teii- weise auch in der deutschen Arbeiterschast gefunden hat. daß der Uebergang zur sozialistischen Gesellschaftsordnung nicht auf demokratischem Wege, also nicht vermittels der Errichtung einer allgemeinen Volksherrschaft, erfolgen könne, sondern nur durch Zerbrechung des Staates und Aufrichtung einer prolc- tarischen Rätediktatur. Diesev Lehre gilt es) im neuen Pro- gramm offen imS Bekenntnis zur Demokratie entgegenzusetzen und diese als jene Regierungsform zu bezeichnen, auf deren Grundlage allein die Fortentwicklung zum Sozialismus als einer organisierten Gemeinschaftsarbeit im Dienste der Gemeinschaft möglich ist. Dies Bekenntnis zur Demokratie steht nicht, wie die An- Hänger der Rätediktatnr in falscher Auslegung des bekannten Marxschcn Ausspruches von der„Diktatur des Proletariats" behaupten,(gi Gegensatz zu den beiden Altmeistern des So- zialismus, zu Karl Marx und Friedrich Engel?, sondern im Gegenteil in voller Uebereinstimniung mit ihrer Auffassung des EntwicktungSganges des Sozialismus. Schon in den größtenteils von ihnen verfaßten KommissionSberichten an die sozialistische Internationale über die Treibereien Michael Vakunins und seiner„Allianz der sozialisli- schen Demokratie" wenden sich Marx und Engels energisch gegen den von Bakunin vertretenen und seitdem von Lenin wiederaufgenommenen Gedanken lbesonderS in seiner Schrift„Staat und Revolution"), es müsse nach einer proletarischen Revolution die erste Aufgabe des in den Besitz der Macht gelangten Proletariats sein, den Staat zu zertrümmern, daö heißt die Staatseinrichtungen zu zerbreche» und an die Stelle der bisherigen Regierungsform vom Proletariat er- wählte oder ernannte diktatorische Ausschüsse(Räte) und Pollzugsorgane zu setzen. Auch anderswo haben beide, sowohl Marx als Engels, wiederholt die Ansicht ausgesprochen, die rein demokratische Staatsorganisation sei cine notwendige Vorbedingung für die Durchführung des SozialiShius. So heißt es zum Beispiel schon im„Kommunistischen Manifest": «Wir sahen schon oben, daß der erste Schritt in der Arbeiter- revolution die Erhebung des Proletariats zur Herischenden Klasse, die Ertämpfung der Demotratie ist." Ferner sagt Engels in seiner Kritik deS Erfurter Proaramm- entwurfs(„Neue Zeit", 20. Jahrgang. 1. Band): ') Aus dem Gutachtenbande zum Parteiprogramm.(Verlag Buchhandlung Vorwärts.) .Wenn etwa? feststeht, so ist eZ da?, dast unsere Partei und die Arbeiterklasse nur zur Herrschast kommen kann unter der Form der demokratischen Republik." Und an anderer Stelle s„Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates", 9. Kapitel: Barbarei una Zivilisation) erklärt Engels: .... Die demokratische Republik, die in unseren modernen GesellschaftZverbältnissen mehr und mebr unvermeid- liche Notwendigkeit wird, ist d i e StaalSiorm, in der der letzte Entscheidungskampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie allein ausgekämpft werden kann." Soll das Deutsche Reich die ihm durch den Krieg ge- schlagenen Wunden überwinden und sich eine bessere Zukunft im Völkersystem sichern, so m u st der durch das Verfassungs- iverk in Weimar begründete neue Staat lveiter ausgebaut ivetden zu einem alle Kräfte organisatorisch zusammenfassen- den s o z i a l i st i s ch c n B e r>v a l t u n g s st a a r. Dazu aber ist nötig, dast die Arbeiterschaft selbst mit anderen Augen den Staat betrachten lernt, die vielfach lies in ihre Reihen eingedrungene Staatsfeindschast. das hcistt die Auffassung des Staates als eine ihren Bestrebungen feindliche Macht aufgibt und sich selbst als den Hauptträger des neuen dcniokratischcn Staatsgebildes fühlt, das nach ihren politischen und wirtschaftlichen Grundsätze»» auszugestalten ihre»vichtigste Aufgabe ist... Als Ferdinand L a s s a I l e seine Agitation in der deutschen Arbeiterschaft begann, erkannte er mit scharfem Blick, dast es nötig sei, in der Masse das Interesse am Staat zi» heben, sie für Fragen des Staats- und Perfassungslebens zu erwärmen und sich als wichtigsten„Stand" des Staates zu fühlen, als des„Standes", dessen geschichtliche Mission eS sei, sich einst der Herrschaft im Staat zu bemächtigen und diesen als Hebel für ihre Bcfreinngs- und Kulturzivecke zu benutzen, kurz,»vie er sich philosophisch ausdrückt, das„Prinzip des Arbeiterstandes" zum„herrschenden Prinzip" der Gesell- schaft zi» inachen. Er»var keineswegs niit dem preustischen Staat zufrieden und forderte dessen gründliche llmgestaltting, aber als Hegelschüler sah er in dem Staat das Gefährt, durch dessen Benutzung allein die Arbeiterklasse zu dem Ziel völliger Politischer Gleichberechtigung und im»vetteren zur Durchsetzung ihrer sozialistisch-wirtschaftlichen Forderungen gelange»» könne. In Würdigung dieser Bedeutung des Staates für de»» Aufstieg der Arbeiterklasse»vendet sich denn auch Lasalle ge- gen die englische Idee des„Nacht»vächterstaates", gegen jene Lehre, dast der Staat sich in das Spiel der sogenannten freien Kräfte nicht einzumischen habe. Vielmehr gilt ihm als Zweck des Staates, die„Entwicklung des Menschengeschlechts zur Freiheit zu vollbringen", und er definiert daher auch in seinem am IL. April 186L zu Berlin im Handlvcrkervcrcin der Oranienburger Vorstadt gehaltenen Vortrag, dem er be- zeichnendcrlveise den Titel„Arbeiterprogramm— lieber den besondere»� Zusammenhang der gegenwärtigen Ge- schichtspcriode mit der Idee des Arbeiterstandes" gegeben hat, den Staatszweck in folgender Weise: .Der Zweck des Staates ist also nicht der, dem einzelnen nur die persönliche Freiheit und das Eigentum zu schütze»», mit welchem er nach der Idee der Bourgeoisie angeblich schon in den Staat ein- tritt; der Zweck des Staates ist vielmehr gerade der, durch diese Vereinigung die einzelnen in den Stand zu setzen, solche Zlvecke, eine solche Stufe des Daseins zu erreichen, die sie äls einzelne nie erreichen könnten, sie zu befähigen, eine Summe von Bildung, Macht und Freiheit zu erlangen, die ihnen sämtlich als einzelnen schlechthin unersteigerlrch wäre." Diese Staatsauffassung Lassalles hat jedoch nur in den Kreis seiner engeren Anhängerschaft Eingang gefunden. Der gröstte Teil der Arbeiter»vie des kleinen Msttclstandes vcr- harrte in der Betrachtung des Staates oder richtiger der Staatsgewalt als einer blosten Unterdrückungs- und Z w a n g s g e»v a l t, als einer feindseligen Macht... Die Rovenibcrrevolutior» des Jahres 1918 hat dann die Stellung der Sozialdemokratie zum Staat völlig verändert. Konraö Ckhof. Zum zwcihundertsten Geburtstag. Von Dr. Edgar Gr o-st. Am 13. August 1720 wurde Konrad Ekhof in Hamburg als Sohn eines Sladtsoldaten in unscheinbarer Enge geboren; als einer der ersten Biihnendarsteller Deutschlands, als Eriüller einer fünft- lerisch-elhischen Mission starb er 1773 in Gotha. Die Jabre seines Wirkens, an entscheidende Ställen»vie Hamburg, Schwerin, Hannover u. a. gebunden, sind gleichbedeutend mit den EntivicklungS- jähren der deutschen Schauspielkunst in der Zeit der grasten Wandertruppen. Als der Stern der Neuberin seinen Höhepunkt über- schritten halte, fand Ekhof aus der Schreibstube des Schweriner Advokaten durch Sophie Schröder den Weg zur Bühne. In der Truppe de? berühmten Prinzipals Johann Friedrich Schöncmann, der er sich anschloh, sah er die nomhastesten Künstler seiner Zeit vereinigt; an LessingS Seite führte er, Jünger und Anreger des »rosten Kritikers zugleich, den Kampf um einen befreiten und nationalen deulichen Bühnenftil; als er von den wellbedeutenden Brettern abtrat, lenkte dort bereits der gröstte des JiHrhmrdertS alle Blicke auf sich: Friedrich Ludwig Schröder. So mitten in einer Epoche vielfältiger Entwicklungen stehend, Sohir»einer Zeit und Richtunggebender einer neuen, half er mit, die Fundamente zu errichten, auf denen die kommenden Jahrhunderle aufbauen konnten. Ei» Mann voll tiefstem dramatischen Empfinden, voll künstle- rischem Weitblick und seltener Selbstzucht, dank der er, obivohl von Gestalt klein und fast verwachsen, zum ersten Darsteller seiner Zeit emporwuchs, erfüllt vor allem von einer siltlich-pädagogischen Ge- saintauffassung der schauspielerischen Persönlichkeit, so durste«r es wagen, sich zum Vorbild und Erzieher seiner Kunstgenossen aufzu- werfen. Im ernsten und stetigen Schaffen lag seine Kraft. Wie er wildes Genietum im eigenen Leben verwarf, so mühte er sich rastlos, dem deutschen Thealer eine Grundlage fester künstlerischer und sozialer Stetigkeit zu schaffen. Diesem Ziel diente vor allem der Plan der berühmten Schau- spielerakadcmie, zu deren Verwirklichung er schritt, als die Schöne. mannfche Truppe 17ö3 in Schwerin spielte. Auf ein festes, von allen Mitgliedern genehmigtes Statut gestützt, veranstaltete er regelmästige Zusammenkünfte der. Kollegen, in denen die aufzu- führenden Stücke gelesen, einzelne Rollen und ihre Darstellung be- sprockien und weiterhin allgemeine Grundsätze der Schauipielkunst und ihrer Versittlichung gesucht wurden. So sehr Ekhof als geistiges Haupt des ganzen Unternehmens natürlich der Gebende war, so sehr wollte er selbst doch Lernender bleiben, um aus der lebendigen Erfahrung, aus der Zusammenarbeit aller eine.Grammatik der Schauspielkunst" zu gewinnen, die nicht nur dem künstlerischen Schaffen der Schönemannschen Truppe ein höheres Niveau geben sollte. Ihre Vertreter»n den Minister»?« und Parlamenten konnten nicht als Mitglieder einer Regicrungskoalition Gesetze be- schließen und Budgets vereinbaren, wenn die Partei an der überlieferten Staatsfeindschaft festhalten und ausnahmslos der Regierung das Budget veriveigern»vollte.... Es scheint mir deshalb dringend nötig, im neuen Partei- Programm der veränderten Stellungnahme der Sozialdemo- kratischen Partei zu dem inzlvischcn geschaffenen demokratischen Verfassungsstaat Ausdruck zu geben und ihre Forderungen an diesen Staat näher zu präzisieren, ohne deshalb in den Fehler zu verfallen, das Parteiprogramm zu sehr auszudehnen; denn Parteiprogramme sollen»richt alles enthalten,»vas eine Partei »vill und wünscht, sondern lediglich die Hauptforde- r u n g e n in knapper Satzfassung. Die Ausführung öes fimnestiegefetzes. Slnweisungen des preustischen Justizministers. Den P. P. N. wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Zu dem Amnestiegcsetz vom 4. August 1920 hat der preußische Jilstizmimster eine Ausführungsverfügung erlassen, in der die wesentlichen Gesichtspunkte des Gesetzes erläutert und den Staatsaulvaltschasten Weisungen für die Anwendung des Gesetzes gegeben worden sind. DaZ Gesetz Enthält nicht eine allgemeine politische Amnestie. Es gAvährt vielmehr in§ 1 mit gewissen Einschränkungen Str rf° freiheit sür drei Gruppen von Handlungen: einmal für Taten, die in Abloehr eines hochverräterischen llnternchmens gegen das Reich begangen wovden sind(Abs 1), sodann für die Mit- Wirkung an einein solchen Unternehmen(Abs. 2) und schließlich für Talen, die im Z n s a nr me n h a ilg»nit einem hochverräterischen Unternehmen oder mit seiner Abwehr begangen»vordcn sind (Abs. 3). Schlechthin ausgenommen von der Straffreiheit sind in allen drei Gruppen von Handlungen die Verbrechen gegen das Leben(§§ 211, 212, 214 St.G.B.), die Verbrechen der schweren Itörperncrlcbung(Z§ 224 bis 226), des schweren Raubes(Z 221) und der Brandstiftung(§§ 306 bis 308, 311). Zum' Verständnis des Gesetzes muß zunächst hervorgehoben »verden, daß daS hcchverrätcriche Unternehlnen, das abgewehrt oder an dem mitgewirkt worden ist, oder»nit dem die Tat im Zusammen- hang steht, sich gegen das Reich, nicht gegen eines der Länder richten muß. Jedoch wird die Straffreiheit nicht dadurch ausge- schlössen, daß sich dasselbe hochverräterische Unternehmen gleichzeitig sowohl gegen das Reich wie gegen eines der Länder richtet. Das Gesetz umfaßt alle vorbezeichnetcn Handlungen, die bis zum Tage seiner Berkündnng, dem 4. August 1920, begangen worden sind, ohne daß sür die Vergangenheit zcitlicheineSchranke ge- zogen»vorder» ist. Bei Prüfung der Frage, ob der Beschuldigte zur Abwehr eines hochverräterischen Unternehmens gegen das Reich gehandelt hat, werden die Vorstellung und der Wille des Täters, ein solches Unicrnehmen zu bekämpfen,»vesentlich sein. I» Zweifelsfällen wivd zu feinen Gunsten Straffreiheit angenommen werden müssen. Rädelsführer sind bei den zur Abwehr eines Hochverräte- rischen Unternehmens begangenen Straftaten von der Straffreiheit nicht ausgenommen.� Im Gegensatz hierzu sind bei denjenigen, die an einem hoch- verräterischen Unternehmen gozen das Reich mitgewirkt haben, die Urheber und Führer deS Unternehmens von der Straffreiheit ausgenommen. Unter letzteren»verden aber, wie der ReichSjnstiz- minister in den Verhandlungen»m Reichstag ausgeführt hat, nur die Urheber und Leiter eines gesamten hochverräterischen Unter- nchmcnS in seiner Totalität, des Zentralunternehmens, nicht auch Urheber und Leiter lokaler oder provinzieller Unternehmen z»r verstehen sein. Die dritte Gruppe umfaßt die breite Masse der Fälle, nämlich alle diejenigen, die mit einer Tat aus den beiden vorgenannten Gruppen im Zusainmenhang stehen. Urrtcr Zusammenhang ist ursächlicher Zusammenhang zu verstehen, der auch mittelbar sein kann. Dieser Begriff soll nach dem Zioeck des Gesetzes n i ch t e n g- he rz i g ausgelegt>»>erdeir. Es gehören hierher iricht nur Hand- An der Beschränklheit und moralischen Unreife seiner Kollegen mußte EkhofS großzügiges Unternehmen, wie alle ähnlichen Ver- suche in späterer Zeit auch, nach einjährigem Bestehen scheitern. Und nur dem Einfluß Ekhofs ist es zu danken, daß in den wieder beginnenden Wanderjahren der Truppe das Repertoire aufernster Höhe erhalten wurde, in dem sich neben der Erstaufführung von LessingS .Miß Sara Sampson" Stücke von E. Schlegel und Gellert, den Franzosen, Goldoni und Holbcrg finden. 1726 war Ethos durch Chr. Felix Weißes Vermittlung in Ham- bürg zum erstenmal mit Lessing zusammengetroffen, elf Jahre später fanden sie sich»vieder im Zusammenwirken bei der Hamburger Entreprise. WaS Lessing gewollt hat, so urteilt Ed. Devrient über die Zusammenarbeit beider Männer, daS trat bei Ekhof in künstle- rische Erscheinung. Beide»vollten dem Theater in einer eigenen nationalen Denk« und Empfindungsweise eine neue Grundlage geben, vom fremden Regelzwang suchten beide den Weg zur Natur. .Die Schauspielkunst ist: durch Kunst der Natur nachahmen," so hatte Ekhof in einer seiner großzügigen Akadenrrereden verkündet. Und ein so kurzes Leben der Entreprise auch beschieden war, der Weg zur nationalen und natürlichen Schauspielkunst war durch das Zusammenwirken zweier gleichgerichteter genialer Naturen, denen andere nicht zu unterschätzende Kräfte»vie die Ackermann», Borchers, Frau Hensel u. a. sich anschlössen, endgültig gebahnt. Wenn Elhof selbst sich, namentlich im Lustspiel, auch nie ganz von dem fronzö. fischen Jugendeivfluß srciinachen konnte, wenn er auch kein Dar- steller von der bedingungslosen Universalität eines Schröder oder Fleck war, so erreichte er doch in ernsten bürgerlichen Väterrollen «ine nie wieder überschrittene Höbe,.indem der Ausdruck von Rechtlichkeit ihm, als einem rechtlichen Manne, vollkommen gelang." Das Streben nach dieser Einheit t�r künstlerischen und sittlichen Persönlichkeit durchzieht denn auch»vie ein roier Faden Ekhofs ganzes Lebenswerk: Reformator in seinem innersten Wesen wollte er mit der ibm eigenen ernsten, von Pedanterie nicht immer freien Art die deutschen Schaupieler zu sittlichem Ernst, zur küustleriichen Wahrheit und Schlichtheit in Sprache und Mimik erziehen. Diese im letzten Sinne bürgerlich-männliche Natur mußte in dem jugendlich überschäumenden F. L. Schröder einen gesähr- lichen Antipoden sehen, dessen aufstrebendem Genie seine ruhige Kraft denn auch nicht mehr standhielt. So verließ er Ackermann, der nach dem Zusammenbruch der Entreprise wieder die Prinzipal- schaft übernominen hatte, und folgte dem Rufe SehlerS zu neuen Wanderfahrten nach Hannover, Osnabrück u. o. Städten, bis ihm 1773, wenige Jabre vor seinem Tode, das Glück zuteil wurde, als Direktor der ersten deutschen Hofbühne in Gotha seine künst- lerischen Grundsätze: Natürlichkeit in der Darstellung, Ordnung und ernsteste Arbeit unter den Mitgliedern zu verwirklichen. Er, der in der.Akademie" die Bedeutung der Moral für den Schauspieler so leidenschaftlich betont hatte, starb mit dem Plan, neben einer Pensions- und Witwenkasse einen Bund zur Förderung und Erhaltung der Standesehre zu gründen. lun-gen, die hochverräterischen Unternehmungen gegen das Reich oder ihrer Abwehr gedient haben, sondern auch solche Handlungen, die durch die politische Situation bedingt oder auch nur durch sie aus- gelöst worden sind. Insbesondere werden hierher— sofern sie nicht schon unter Absatz 1 fallen— regelmäßig die von den Angehörigen der' sogenannten Roten Armeen begangenen Handlungen zu rechnen sein. Eine Ausnahme tritt— sofern es sich nicht schon um ein von der Straffreiheit allgemein auSgerwmmeneS Verbrechen handelt— nur dann ein, wenn der Täter lediglich nicht bloß voNviegend, aus einem nichtpolitischen Beweggrund, der ihn zu einem gen» einen Verbrecher macht, insbesondere aus Roheit «der Eigennutz gehandelt hat. Daß dieser Ausschließungsgrund vorliegt, muß im Einzelfall festgelegt werden; besteht zwar die Möglichkeit seines Vorliegens, läßt er sich aber nicht nachweisen, so tritt Straffreiheit ein. Tie Anwendbarkeit des einen Absatzes twn§ 1 schließt die An- wendbarkeit eins» anderen Absatzes in demselben Falle nicht aus. Denn die Fälle werden nicht selten sein, wo Straffreiheit zunächst nach Absatz 1, sodann nach Absatz 3 und schließlich nach Absatz 2 «mtritt; so bei den Kämpfen, in dciieu zunächst die verfassungsmäßige Regierung des Reiches geschützt»vordcn ist, die aber dann nach Niederwerfung des hochverräterischen Urrtcrnehmens noch fort- gesetzt siird und durch die später sogar eine neue staatliche Ordnung gewaltsam erstrebt worden ist. Die Straffreiheit Ihat zur Folge, daß verhängte Strafen nicht vollstreckt, anhängige Verfahren eingestellt und neue nicht eingeleitet werden. Tie Einstellung der Verfahren erfolgt, wenn sie gerichtlich anhängig sind, durch gerichtliche Entscheidung, sonst durch Ver- fügung der Staatsanwaltschaft. Gegen Gerichtsbeschlüsse, inirch welche die Einstellung des Verfahrens abgelehnt worden ist, findet sofortige Besch»ver de statt. Bei dem Straferlatz ist hervorzuheben, daß, wenn aus mehreren Strafen, von denen nur ein Teil unter das Amnesticgesetz fällt, eine Gesamtstrafe ge- bildet»vorden ist, die unter!>is Amnestkegesetz fallenden Einzel- strafen»ficht verbältnismäßig, sondern in voller Höhe von der Gesamtstrafe in Abzug zu bringen sind. Das Gesetz enthält serner die Vorschrift, daß Vermerke über Strafen, die nach dem Gesetz ganz oder teilweise erlassen»verden, im Strafregister zu tilgen, d. i. aus ihnr� zu entfernen und zu vernichten sind. Zur Durchführung des Gesetze? sind dorm noch irrS Einzelire gehende Anweisungen erteilt, insbesondere ist den StaatSanuxilt- schaften die schleunige Durchsicht der Akten zur Pflicht gemacht worden. Neue skanöalöse Enchastung! Dresden, 11. August. Zu der Verhaftung dcS Leutnant? von Berger in Klingenthal wird oer Telegraphen-Union aus der Nach- richtenstclle der Stuatskanzlei folgendes mitgeteilt: Die Regierung hat durch ihren Beauftragten feststellen lassen, daß das Gericht in Klingenthal, ohne dem Justizministerium vorher Mitteilung geinacht zu haben, von Berger auf eigene Hand wieder freigelassen bar. Die Regierung hat darauf hin Sie nötigen Schritte getan. Ter Ministec des Innern hat sich ferner mit dem Justizmimster in Verbindung gesetzt, um zu erfahren,-aus welchen Gründen der Richter zur Freilassung Bergers gekommen ist. Aus dem, dem Minister des Innern bisher vorliegenden Material ist ein Grund zur Enthaftung einstweilen nicht zu erkennen; das weitere würde das Gesamt- Ministerium beschließen, das sich morgen mit dem Vorfall beschäftigen wird. Nach den Feststellungen, die das Ministerium de? Innern bisher hat treffen können, hat die Verhaftung und Wiedersreilassung von Bergers mit der bei Zwickau erfolgten Fest- nähme von 13 Koinmunisten nichts zu tun. - 7 Eine Stadt obnx Stadtverordnetenversammlung. In der Stadt Waldenburg haben sämtliche Stadtverordnet« ihre, Mandat« niedergelegt. Ilm eine ordnungsmäßige Weiterführung der kommunalen Geschäfte zu gewährleisten, mußte die Provinzial- regierung zu einer arißcrgeN-öhnlichcn Vertvaltnngsmaßnahm« ihre Zuflucht nehmen. Ter Regierungspräsident setzte eine aus sieben Köpfen b-estehende Kommission ein, die cinstiveilen die Funktionen der Stadtverordnetenversammlung auszuüben hat. Bedenkt man, daß es mehr als hundert Jahre bedurfte, ehe unsere Generation dazu gelangte, Ekhofs weitschauende Ideen al« Lebensnotwendigkeiten der Schauspielkunst und deS Schauspiclbe- rufeS anzuerkennen, so wird man begreifen, warum gerade diesem Manne in dem Annalen des Theaters ein Ehrenname von besonde- rem Klange beigelegt worden ist: Vater der deutschen Schau- spielkunst I_ Die LusibarkcitSsteuer und unsere Theater. Die Stadtverwaltung ist im Kampf um die Lustbarkeitssteuer eiivas ins Hintertreffen ge- raten. Naturgemäß, sie hat nicht die Beweglichkeit und nicht die Gewohnheit, auf ZeitungSerörterungen alsbald.zu reagieren. Immer« hin, der Stadtkämmerer Büß hat sich gegen einen Zeitungsmensch ausgesprochen. Er gibt die schlechte Lage der Theater zu. führt sie aber nicht auf die Steuxr, sondern auf den allgemeinen Wirt« sckaslliwen Rückgang zurück. Die Theater müßten, so rät er, mehr billige Plätze einführen, um den Besuch zu heben. Dadurch»vürde dann von selbst auch die LuslbarkeitSstener abnehmen, die sich nach dem Preise der Plätze richtet. Die Stadl Berlin ist aber auch bereit, Erleichterungen zu gewähren, sobald der ReichSrat daS Gesetz er- ledigt und Richtlinien aufgestellt hat. Die TadaS auf dem Kriegspfade. Die Dadaisten sind in offene Feindschaft mit einander geraten. Der Welldada, welchen Titel Richard Hülsenbeck, der'.Geschichtsschreiber" der.Närrischen Leute", sür sich beansprucht, liegt in Febde mit dem Oberdada Baader. Der Lberdada gibt eine.amtliche" Daistellung, die seltsam genug anmutet. Er ist reiner Absoluiist und duldet keine NebendadaS. Als er zu der Berliner DadaistenauSstcllung nicht eingeladen wurde, drohte er den ganzen Klamauk in die Lust zu sprengen. Darauf ließ man ihn zu..Bei der Eröffnung erschien am 30. Juni in Vertretung der Weltdada Hülsenbeck der Pipydada Mehting. Hülienbeck, der glänzende Weltdada, erschien erst vier- zehn Tage später. Seine Werke konnten nicht ausgestellt werden, denn sie wideistrebien den guten Sitten. Dies ist die Korrektur der Hülsenbeckschen dadaislischen Geschichtsschreibung. Im esoterischen Dada herrscht der Oberdada absolut und ausschließlich und auiokratisch allein."_ Theater. Im Rose-Theater findet Sonntag nachm. 3 Ubr »ine Sonderauffühinng von Ibsens.Gespenstern" statt.— Im Schiller- Theater Cbarlottenburg, in dem die Dinlerspiclzeit Ende August einsetzt, hat die Ausgabe der Abonnements begonnen. Meinhardt tn Salzburg. Neinbardt Hot den Schauvlatz seiner Wirk- samkeit während der Ferien, die er aus seinem in der Nähe Salzburgs er« wordenen Sommerfchlon verbringt, nach Salzburg verlegt. Die Salzburger Festipiele, die bisher immer den Werten Mozarts galten, werden diesmal Aufführungen von Hugo von HofmannSIhalS Mysterienspiel.Jeder- mann" bringen. Die Bübnc wird wahrscheinlich direkt vor dem Domvortal ausgebaut werden. Aus diese Weise ergibt sich ein überaus wirkungsvoller natürlicher Hintergrund. Die staatliche Sammlung alter Musikinstrumente in der Hoch- schule sür Musik, Fasanenstr. 1, bleibt auch in den Ferien Dienstags, Mstl- wachs und Sonnabends ll— 1 Uhr geöffnet. Tie Ticvolo-Frcsken tn Würzburg, der hervorragendste Krinst- befitz der Stadt, sind gefährdet. Seit Jahren schon beobachtet man, daß die Fresken in der Würzburger Residenz WittcrungSeinslüflen unterliegen, die allmäblich die Farbschichten angrMen. DaS bayer. Kultusministerium bat dcShaw eine genaue Unleriuchun? der Deckengemälde angeordnet und jür diesen Zweck 20,000 M. in den Etat eingesetzt. JTc. 400 ♦ 37. Fahrgaag Oeilage öes Vorwärts Vottnerstag, IS.Mguft 1020 Um Sücherkarren. DaS geistige Brot, das Buch, ist ebenso teuer geworden, wie daS leibliche Brot, und es gibt zahlreiche nach Bildung Hungrige, um eine Weltanschauung ringende, denen Hebbels Siebente Bitte: „Unser geistig täglich Brot gib uns heute" nicht erfüllt wird. Die Buchhändler klagen selbst darüber, dah die Käuferkreise, die ihnen »hr Geschäft aus einem einfachen Warenhandel zu einem geistigen Mittlertum machten, immer mehr verschwinden. Der Snob, der seine Luxusausgabe in Lederband kauft, die Studenten und Schüler, die ihre Lehrbücher nun einmal trotz der Riesenpreise baben müsien, die SchieberSgattin, die so wohlhabend ist, dah sie sich den neuesten Schundroman nicht in der Leihbibliothek zu borgen braucht— daS sind die Hauptbesucher der Buchläden. Alle die, die nicht die Mindest- summe gon 10 M. für ein Buch anlegen können, wandern in Berlin von der Buchhandlung zum Buchkarren ab. Die Zahl der fahrenden Bücherverkäufer ist in den Grobstädten sehr gewachsen. Die Spesen sind geringer? man kann auch beim Handel auf der Strohe leichter jenen vorsintflutlichen Bestimmungen entgehen, durch die die Orga- nisation unseres Büchermarktes das Buch so unnötig verteuert: vor allem aber strömt ein Teil der Altbllchermengen, die das Antiquariat abstößt, auf diese Karren, und so findet sich hier ein buntes Gemisch der verschiedenartigsten Druckerzeugnisse zusammen. das jedem etwas bringt. Um die Karren herum kann man jetzt die Leute mit dem grohen BildungSdrang und dem kleinen Geld- beutel sehen, und während man bei dem Bücherverkäufer der grohen Läden so oft daS Gefühl hat, dah er das gekauft« Werk nur alS Sammlungsgegenstand benutzt und nie seiner eigenen Bestimmung, dem Gelesenwerden, zuführt, ist man sicher, dah der Käufer am Karren das erstandene Buch nicht nur liest, sondern zerliest und verschlingt. Dach der Sucher am Bücherkarren trägt nicht nur Bildungs- mittel mit sich fort, sondern der Karren selbst ist bereits BildungS- mittel, und kann für den. der lernen will, so etwa? wie ein geistiger Mittelpunkt werden. Wenn man so eine halbe Stunde herumsucht, dann fallen einem eine Unmenge von Büchern in die Hand. Man darf sich nur vor staubigen Fingern nicht fürchten. Die Bücher» titel, die vergilbten Blätter, die alten Einbände reden eine anschau» liche Sprache, und man wird am Karren eine Literaturstunde erhalten können, die kostenlos ist und doch lebendigere Eindrücke vermittelt als die Vorlesung manches berühmten Profesiors. An den Eintagsfliegen der neuesten Literatur, die gleichsam die bunte Oberfläche der verschiedenen Bildungsschichten eines Bücher- karrens bilden, wird man mit raschem Ueberblick vorbeigeben. Auch die Unmengen veralteter Schulbücher, die höchstens noch einen Pädagogen interessieren können, schieben wir rasch beiseite. Mehr Aufmerksamkeit verdient schon der„eiserne Bestand' an mächtigen Folianten und schweinsledernen Bänden, die in die früheste Epoche der Karren-Literatur hineinführen. Ein Druckwerk des 16. Jahrhunderts verirrt sich nur selten in diese fliegenden Büchereien, und die Zeiten, wo man Inkunabeln auf solche Weise um ein paar Groschen erstand, sind für jeden, der kein aus- gesuchter Glückspilz ist, endgültig vorbei. Aber ein paar Juristen und Theologen aus der Barockzeit dürfen nicht fehlen, Vertreter jener weitschweifigen und kuriösen Gelehrsamkeit, die das polhhistorische Zeitalter auszeichnete. Schon die langatmige Würde des Titelblattes mit dem schönen Rotdruck zwischen dem tiefen Schwarz erinnert an Perücken und Puderstaub, und die schnüre Wucht der Formate läht die gelehrten'Fehden ahnen, die auf diesen vielen Seiten um manch Wichtiges und unendlich viel Kleinkram auSgeiochten wurden. Ein paar Klassiker werden auf den Karren nie fehlen, sei es auch nur in den netten Groschenbändchen jener berühmten Bibliothek, mit der der Hildburghausener Meyer die Aera der billigen Bücher einleitete. Goethe ist sehr selten, denn er ist am begehrtesten und geht weg wie„warme Semmeln"; Schiller und Lessing sind etwas häufiger; Wicland und Klopstock sind fast immer da, wodurch ihr« frühere ungeheure Verbreitung und das jetzige Nachlassen des Interesses bewiesen wird. Unter den„Klassikern von Cottas Gnaden", d. h. den Autoren, die er in seine Klassiker-Bibliothek aufnahm, stößt man immer wieder aus den unvermeidlichen Ladislaus Pyrker, den langweiligsten der Epi- gonen, den der berühmte Verlag dem deutschen Bürger in den Bücherschrank stellte. Romantiker fehlen; die„große Mode" der letzten Jahrzehnte hat sie rar gemacht. Desto häufiger aber sind die Vertreter des jungen Deutschland, und Originalausgaben von Anastasius Grün, Herwegh, Hoffmann von Fallersleben kann man noch immer finden und ebenso die Pracht- werke aus der Zeit der„Düsieldorfer Malerschule", der Geibel und Bodenstedt. Vis zum seligen Julius Wolff kann man sich so darüber unterrichten, welche Autoren einstmals am belieb- testen waren und nun auf dem Karren über die Vergänglichkeit des Ruhmes nachdenken. Die Dichter der jüngsten Vergangenheit, die noch nicht„frei" sind, sind naturgemäß seltenfr vertreten. Aber auch hier merkt man an dem verhältnismäßig häufigen Auftreten eines „Götz Kraft" oder„Jörn Uhl" den Riesenerfolg von dazumal. Unter geschichtlichen Werken herrschen die Becker. Rotteck, Raumer, Gervinus, Menzel vor. Ueberhaupt läßt uns die Literalurstunde am Karren in einem etwas verblaßt wehmütigen, aber noch deutlichen Spiegel- bild die Moden des literarischen Geschmacks erkennen. Dr. F. S. Mgell!ei!!eMliil!liskWmiiz!iklS.VL. am Freitag, den 13. August 1920, abeuds 6 Uhr, im„Lehrer- vcreiuhaus", Alexanderstr. 41. Tagesordnung:»Kriegsgefahr und Neutralität�. Ref.: Genosse Richard Fischer. Alle Parteifunktionäre, Betriebsvertrauenslente» Ange- stellten- und Bcamtcuvertrcter werden aufgefordert, vollzählig anwesend zu sein. Grüue Karten und Mitgliedsbuch gelten als Legitimation. Der Sezirksvorstand. GrofrBerlw n vollem Umfang verpflichtet. Der Umstand, das; der Vermieter keinen besonderen Neparalurzuschlag erbält, ändert hieran nichts. Glaubt der Vermieter, mit der Miele die Ncparaiurkosten nicht bestieilen zu können, so bleibt ihm nur übrig, den Weg des K 10 der Höchstmieienverordnung zu beschreilen und beim Mict- cinigungsamt den Antrag auf Zubilligung entsprechen- der Zuschläge zur Miete zu stellen. Im Anschlus; hieran fei darauf hingewiesen, daß dem Mieler die Möglichkeit zusteht, den mil der Vornahme von Reparaiuren säumigen Vermicler zur Absiellung unler Setzung einer Frist auszu forder n und nach �fruchllosem Ablauf dieser Frist die Neparaluren selb st ausführen zu lasien und dann gemäfo§ 8 der Ööchstmietenverordnung die aufgcivandten Beträge von dem MietziilS in Abzug z u bringen. (Sute Erfolge mit drahtloser Telcphonie. Das N e i ch s p o sl m i n i st e r r u m hat schon feit längerer Zeit durch das Funk-BetriebSaml unter Heranziehung der Fachinduftrie umfangreiche Versuche mit drahtloser Telephonie vornchmen lassen, die letzt das erfreuliche Ergebnis gezeitigt haben, das; es möglich ist. von einer Zentralstelle aus die Sprache befriedigend innerhalb ganz Deutschlands drahtlos zu übermitteln. Als Sendeslelle diente dieHanpifunlstelle Königs wu st erhausen. Die Nachrichten wurden von eiwa 30 Empfangsstellen oufgeiiomnien, die der Luftlinie nach 30 bis 600 Kilonieter von der Sendestelle cniseriil lagen. Die Lautstärke war selbst an den enlfermest gelegenen Orlen, wie in Friedrichshafen und Konstanz befriedigend. Die Zahl der Orle, die weniger als 50 v. H. deS übermittelten Wortlauts aufgenommen hatten, betrug vier, diejenigen, die weniger als 30 v. H. erhalten ballen, eins. DaS angewandte UebermittlungSver- fahrcn, zunächst den ganzen Satz vorzulesen und dann die einzelnen Worte— unter Buchstabierung der schwerer verständlichen— zum Nachschreiben zu diltieren, bewährte sich. Zwischen Männer« und Fraucnstimmen bestand, wenn eS sich um einigermaßen geübte Personen handelte, lein Unterschied, Im übrigen spielte neben den lechniichen Vorbedingungen, über die die Versuche wertvolle Auf« fchlüsse brachien. die individuelle Eignung der gebenden und aus« nehmenden Person eine noch erheblich größere Nolle als bei der Drahttclephonie. Besonders klare und anpassungsfähige Aussprache ist ebenso notwendig wie Gewandtheit des Aufnehmenden. Daher werden zu den weiteren Versuchen sprachtechnisch und im Aufilchmcn erfahrene und geübte Personen herangezogen iverden. Die Versuche iverden unler sorgfältiger Verwertung der erzielten Ergebnisse fortgesctzr. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß sie die erforderlichen technischen Grundlagen liefern werden, um bald auch dieses neue Nachrichtenmittel in den Dienst der Allgemeinheit stellen zu können. Ungebetene polnische Gäste in Berlin. Der russisch-polnischs Krieg hat der Stadt Berlin gleich in Massen einrückende und recht unangenehme Gäste beschert. Die Kriminalpolizei, insbesondere die Spezialdezernate für internationale Taschendiebe, Ningnepper und Palelotnrarder hat seit etwa drei Monaten mit einer wahren Flut von ungebetenen polnischen.Gästen' zu kämpfen, die, um einer zwangsweisen Einstellung in das polnische Heer zu entgehen, heimlich über die Grenze und dann dirckr noch Berlm kommen. Während ein gewisser Prozentsatz, heiien es an ArbeilSmöglichkesten mangelt, das Heer der Schieber verorößert, gerät die Mehrzahl der polnischen Deserteure bald au" das kriminelle Gebiet und betätigten sich als Tafchsnd!kbe. Die Folge ist, daß die Moabiler Gerichte sich täglich mit diesen Leins», die zum Teil recht sonderbare Namen führen, beschäftigen müssen. Gestern hatten sich vor der Felienstrafkaniiner des Landgerichts I drei aus Lodz stammende Angeklagte, Noab S tru s ch i t, Abraham N udowitsch uno Mendel Weißkohl zu verant- warten. Sie tvaren von der ständigen Taschendiebcskontrolle in der Zentralmarlihalle erwischt worden, als sie bei der Räuchcr« warenabteilung in dem Gedränge einem Händler die Brieftasche entwendeten. Die Beamten konnten es nicht verhindern, daß die wütenden in der Uedermachi befindlichen Händler die drei Taschen« diebe windelweich prügelten. Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Bandendiebstahls zujelJahr und 4 Mo- n a r e n Zuchthaus._ Der Kampf gegen die Spielklubs. Die Berliner Kriininalpolizei führt seit Monaten einen heftigen Kamps gegen die Spielklubs. Trotz schwerer Strafen sind die Spietklubunlernehmer unverwüstlich. Ein Beweis dafür, daß die erzielten sabelbaften Gewinne noch so schwere Strafen vollauf- wiegen. So wurde der Spielklubunternehmer P e g g a u, der einen Klub in der Potsdamer Straße 122 c: unterhielt, der von Beamten des Spielerdezernals des Berliner Polizeipräsidiums ausgehoben wurde, zu 6 Monaten Gefängnis. 10000 Mark Geldstrafe und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Spielleiter Andersen erhielt 5000 Mark, ein Garderobier 3000 Mark und der Kas- sierer 1000 Mark Geldstrafe. Trotz dieser recht empfind- lichen Strafen, die daS Gericht jetzt verhängt und trotz der vielen AnShebmigeit. die jede Nacht erfolgen, floriert das Spiel- Hubwesen wie selten zuvor. In der gestrigen Nacht wurden wiederum, d r e i Spietergss ellschaften von Beamtendes Spielerdezernats.gesprengt'. In der Schaperitr. 16 bei Otto Mattul wurde ein Klub bei vollem Spielbetrieb überrascht und das Bargeld und die Spielgeräle beschlagnahmt. Ebenso in der Harden- bergstr. 24 bei Lipper, wo ein Herr Maser den Klub leitete. In der Lietzenburger Str. 22/23 bei Leder waren die Spieler vorzeitig oiii daS Erscheinen der Beamten aufmerksam gemacht worden und znm größten Teil durch die Fenster entflohen. ES konnte jedoch der Gesellickast nachgewiesen werden, daß sie beim Daccaral und anderen Glücksspielen beisammen gesessen hatten. Ter Raubmord im Hotel„Müuchener Hof". Die Vernehmungen der Mörder des KauimannS Wolfner sind jetzt abgeschlossen worden. DaS Geschwistcrpaar N ä g I e r und ihr Neste Wilhelm Bock werden beute dem Untersuchungsrichrer vorgeführt werden, Nach dem Gesamtbild bat das Mädchen bei dem Verbrechen eine große Nolle gelpielt. Sie ist demnach keineswegs das willenlose Werkzeug in den Händen ihrer männlichen Spießgesellen gewesen, wie eS darzustellen versuchte. Die Übrigen Einbrüche und Dieb- stähle, die sie vermutlich begangen hat. leugnete sie auch gestern beim Endverhör noch entschieden. So auch den MuseumSdiebstahl in Braunichweig, bei dem sie, wie nachgewiesen werden konnte, eine Plakette siabl, die ihrer Meinung nach auS Platin gefertigt war. in Wirklichkeit aus Zinn bestand und deshalb von den Dieben in der Alten Jakobstroße für nur 36 M. verkauft wurde. Dir Entschädigung für die Beisitzer der MietSeinigungsämtcr' Ei* Stadtverordneten-Ausschuß zur Vorberatung der Magistrats' vorlade über die E r h ö h u n g der an die Beisitzer der Miets- emizungsiimter ,u zahlenden Entschädigung hat unter dem Vorsitz des Stadtrats L. Noienow beschlossen, der Stadtverordneten-Ber- sammlung zu empfehlen, den Magistrat um eine neue Vorlage zu ersuchen, nach der die Entschädigung für sämtliche Beisitzer in den Mielseinigilngsämlern grundsätzlich 9 Mark betragen soll, wie bish»?, darüber hinaus aber sollen die Beisitzer, Mieter� wie Ber- mieter, Arbeiter, Gewerbetreibende, Angehörige der freien Berufe eine weitere Entschädigung für nachweislich entgangenen Lohn oder Verdienst erhalten und zwar bis zum Höchstbetrage von 6 Mark pro Stund«. Keine Unterbrechung deS Verkehrs mit Ostpreußen. Wie die Königsberger Eisenbahiidirektion mitteilt, sind die Meldungen über etne Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs mit Ostpreußen völlig unrichtig. Bisher hat keinertet Zugaussall stattgefunden. Im Verkehr mit Polen einschließlich der an Polen abgetretenen früheren deutschen Gebiete werden eingeschriebene Brief- sendungen nur auf Gesabr des Absenders befördert. Dasselbe gilt für eingeschriebene Brieisendungen im Verkehr mir der Türkei, ausgenommen Sendungen nacb Konstanlinopel, für die die Post- verwalrung auch künftig die Haftung übernimmt. Jugendweihe Neukölln. Durch den regen Zuspruch veranlaßt. den sich unsere Jugendweihen von Hglbjahr zn Halbjahr erirenen. muß diesmal die Jugendweihe, die am 19. Scpiember stallfindet, in HoppotdlS Konzertsaal, Hasenheide 32/38, veranstaltet werden. Anmeldungen werden unter Zahlung von 1 50 Einschreibegcld noch bis zum 15. August im Parteifekmariat, Jägerstr. 66, entgegengenommen. 200 Millionen Mark Spareinlagen hat die Schönebcrger Spar- kasie am 4. August 1920 erreicht. Tie ersten hundert Millionen Mark wurden nach 17� Jahren Bestehen«— nämlich am 27. Dezember 1917— überschritten. Das zweite Hundert ist also in der kurzen Zeit von 2 Jahren und 7 Monaten zusammengekommen. BezirksbildungsaiiSichust Groß-Berlin. Di« EinzeichmmgSIisien zum Aboniicinent für die s ü i, j g r o ß e n siestkonzerle sind heraus. gegeben und liegen bei allen Abteiinngssübrern aus. ES finden iiatt: 26. September 1920, mittag« 12 Uhr: Richard- Strauß-Konzert, Neue Welt 7. November 1920, vorm. 1t, Veelhoven-Konzert,. 25. Dezember 1920, nachm. 2'/,, Weibnachts-Konzert, Alte Garnison?. 16. Januar 1921, vorm. 11, Wagner-Liszt-Konzert, Neue Welt 13. März 1921,. II, Mahler-Konzert, Der Besu-V aller sün' Konzerte toitet 17,50 M. Einzcichnungen werden auch aus dem Bureau de« BezirlSbiidungSaliS'chuise«, Liudenitr. 3, 2. Ho;lV. Zimmei 10, angenommen. iÄeöffuet: von 9—1 Uhr. Donner«. lag« von 9—1 und 4—7 Uhr.) Die Listen werden am Mitlwoch. den 1. Seplember d. I., geschlossen. Für die bereit« eingereichten Listen können die EmlnUslaitcn schon jetzt aus unserem Bureau in Empfang genominen werden. Die Genoflen der Arbeitsgruppe SchSnhanser Vorstadt ver- anstaltcn am Sonnabend, den 14. d. M., in der Brauerei König. lt a d t, Schönhauser Allee, ein Sommerfest. Konzert de« Blüthncr- Orchester«, Gesang, Kinderipicle und Tanz bieten ein reiche« Programm. Billett« zum Preise von 1,50 M. sind bei den Bczirkssührein fowie an der Tageskasse zu haben._ Groß-Serliner Partemachrichten. Heute, 12. August: Wilmersdorf. Zahlabcnd aller Abteilungen. Zlbteilung Halensee(1 u. 2.) tagt.Zohaiiii-Georg./öau«', Johann-Georg-Straße 19. Jungsozialiftiiche Bereinigung®. P. T., Ortsgruppe Fried- richshagen. 7'/, Uhr bei Scholz, Friedrichslrape, Ecke Lindenallee: Vortrag über Arbeitersport und Bürgersvort.— Ortsgruppe Neukölln. 71/, Uhr im Jugendheim, Nogntilr. 53: Vortrag über Erotik de« Wander- vogel«.— Ortsgruppe Südwest. 7'/, Uhr in der Baugewerljchule, Kursürstenslr. 141: Vortrag. Morgen, 13. August: 4». Zlbt. Wichtige Sitzung sämilichcr Parteifunttsonäre, Beirieb«- vertiaucnSleule und Ettcrr.beirüle 7 Uhr beim Genossen Pose, Kolonie- straße IS._ Wirtfchast Die Preispolitik m der Eisenindustrie. Zu diesem ulnstrittencn Kapitel bringt der B e r i cb t des Unterausschusses des Reick swirtschcrftsratcö über den Antrag des Gen. Wisseil follgenve interessante Darlegungen: Die Preispolitik des Cäs«nwirtschaftsbiuU>es ist vielfach-damit zu rechtfertigen versucht worden, daß noch erhebliche Schulden in Schweden zu tilgen sind. Tie von dort stammenden Erze durften während des Krieges nur auf Kredit bezogen werden. Gegen diese Auffassung ist der Einivand erhoben worden, daß die Eisen- indastrie auch während des Krieges ausgeführt und Devisen erhalten habe, die zur Abdeckung der Erzschulden in Schweden be- reit zu halten gewesen wären. ES sei unzulässig, die infolge der Va l uta verschlechtert! ng cingetretchien Verluste nun durch rücksichts- lost Ausnutzung einer vorteilhaften Konjunktur einseftig aus die deutschen Verbraucher abzuwälzen und dadurch deren Stellung zu uittergrahen. Ein großes Werk habe trotz einer das Doppelte seines Aktienkapiftals betragenden Verschuldung 8 Proz. Dividende alisgeschüttet. Der Eistuwirischaftsbund sei imstande, mit der Ausfuhr, die ihm bewilligt werde, in aus- reichendem Umfange Devisen zur Bezahlung der ausländischen Erz- bezüge zu beschaffen. Bei der Berechnung der Eisen- und Stahl- preist würden auch die Gewinne, welche die Eisenindustriellen aus der vielfach mit ihren Werken verbundenen Neben- Produktenverwertung zögen, nickt in entsprechender Weise berücksichtigt. Die Preise von Teer und Teeröl seien aber auf das Siebztgsache gesteigert worden. Von der Gegenseite wurde betont, daß erst ein Drittel der Schulden an Schweden abgedeckt worden sei und daß bereits Ermäßigungen der Eisen- und Stahlpreise stattgefunden hätten. Die Vertreter des Maschinenbaues erklärten aber, daß man trotz dieser Er- lnäßigunigeit noch nicht mit Erfolg im Auslände k o n- kurrieren könne. Die amerikanische und zum Teil auch die englische Konkurrenz könne Walzwerkprodufte zu niedrigeren Preisen erhalten. Noch schärfer als die allgemeinen Eistnpreissteigerungen sind die Preissteigerungen bei Spezialfabrikaten, z. B. Weiß- melall zum Ausgießen der Automobillager. Es kostete vor dem Kriege 4 M. pro Kilogramm, Ansang 1919 20 M., im Früh? jähr 1920 90 M. und j e tz t 1 5 8 M. Tors statt Kohle. Von zuständiger Stelle w'rd den„P. P. N." geschrieben: Lusttrockucr Torf guter Beschaffcnbeit bat einen Heizwert von viertausend Wärmeeinheiten uno mehr. Er steht also dem Braunkohlen-Brikett kaum nach, welches viertausend bis ftinftausend Wärmeeinheiten entwickeln kann. Dagegen erweist er sich dem Braunkohlcn-Naßprcßsteinen nicht unbedeutend überlegen. Genügend trockener Bvenntorf von guter Beschaffenheit ohne Sand und Tonbeimcngungen ist ein verhältnismäßig hochwertiger Brenn- stoff, der mit langer reiner Flamme brennt uno nur geringe Mengen gutartiger Asche zurückläßt. Der Brenniorf hat sich nicht nur im Hausbrand, sondern auch alz Brennstoff für gewerbliche und Jndustrie-Feuerungen bereits ziemlichen Eingang ver- schafft. Er ist im freien Handel und augenblicklich noch in größerer Menge erhältlich. Wenngleich der Torf keinen vollwertigen Ersatz für Kohlen bietet, so sei trotzdem im Hinblick auf die be- kannten Schwierigkeiten bei der Kohlcnvcrsorgung im kommenden Winter auf die rechtzeitige Eindeckung mit trockenem guten Tors als Bremistoff wiederholt verwiesen. Holzlicferungc» nach dem Friedensvertrag. Am 2. und 4. August haben in Paris Verhandlungen über die .Holzlieferunge ii auf Grund des Friedensver- träges begonnen. Ein deutsches Angebot über die Liestrung von 1 440 000 Festmeter Rundholz jährlich für einen Zeitraum von vier Jahren wurde von der Gegenseite als unzureichend abgelehnt, ebenso ein zweites, das unter Festhaltung an der Gesamtmenge von viermal 1 440 000 Festineter Rundholz dahinging, die auf die ersten sechs Bionate entfallenden Raten auf 240 000 Festmeter pro Monat zu erhöhen.— Eine Einigung konnte vorläuftg nicht erzielt werden. Die internationale Finanzkonferenz in Brüssel. In der Schlußsitzung des Völkerbundsrats in San Sebastian wurde der Zusammentritt der internationalen Finanzkonferenz in Brüssel auf den 24. September festgesetzt. Deutschland und alle übrigen ehemals feindlichen Staaten werden zur Teilnahme au der Konserenz eingeladen. Auch die Wiedergutmachungskommission wird aufgefordert werden, einen Vertreter zur Brüsseler Konferenz zu entsenden. Richard Blumcnfcld, Vrltcncr Ofcnfabrik A.-G., Velten. Eine Million Mark neuer Aktien sind zum Handel zugelassen. In dem Prospekt heißt es: Die Fabriken der Gesellschaft beichäftigen zurzeit 375 Arbeiter und Angestellte. Die Leistungsfähigkeit deS Niiteruehmens ist durch den Erwerb der Osenfabrik H. Leh- mann& Co, Vellen, wesentlich verstärlt worden. � Im neuen Geschäftsjahr ist die Fabrik bis jetzi stark b e f ch ä f t i g t ge- wesen, dock läßt sich BemnimteS über das zu erwartende Ergebnis im Hinblick aus die allgemeinen Verhältnisse nicht sagen. I. Bohrisch Bairische Bierbranerci A,-G. Stettin. JDie Tagesordnung der Generalversammlung enthält u. a. Anträge auf Ge»' nehmigung des mit der Wilhm. Courad-A.-G. in Stettin abge»� schlosienen FufionSverlrages. Die Hokzba«- und Holjvcrcdrlungs- Industrie. Die Fach- gruppe„Holzbau- und Holzvcredelungs-Jndustrie im Reichsvcr» band der Deutschen Industrie' hat eine Sitzung abgehalten, die aus allen Kreisen der holzverarbeitenden Industrie stark besucht war. Die Sitzung bedeutet einen vollen Erfolg der Bestre- bungen der Fachgruppe, einen Zusammenschi ß aller Verbände der holzverarbeitenden Industrie herbeizuführen. Die bisher zum Teil noch fernstehenden süddeutschen Organisa tionen haben ihren Beitritt erklärt, andere ihn in allernächster Zeit in Aussicht gestellt. AuS den Besprechungen sei besonders das Bestreben der Fachgruppe hervorgehoben, mit den Waldbe- sitzcrn eine Verständigung über die Fragen der Holzgeld- st u n d u n g und des Holzgeldnachlasses zu erzielen. Englisches Diamantcnmonrpol. Laut Bericht des britischen HemdelSkommissarS in Kapstadt sind nunmehr alle Diaman- tenfelder der Welt in englischem Besitz. Nur mit geringen Ausnahmen verfügen auch einige Alliierte über Tiainantenfclder. Mus aller lvelt. Unabhängige Kartoffelrcguisttion. Frankfurt a. M.. 11. August. iEiz. Drahlbcricht des„VorwärtS'.j 140 Mitglieder des Wahlvereins der U. S. P. Älein-Karben in der W c t t e r a u richteten ein Ultimatum au den Hessiichen Bauernbund ,n Kleiu-Karben, in dem sie zur Lieferung von 40 Zentnern Kartoffeln bis zu einer bestimmten Stunde aufforderten, andernfalls drohten sie zur Selbsthilfe zu greift». Als der Bauernbund infolge der Kürze der Zeit die Kartoffeln nicht liefern konnte, auch durck die dringenden Erntcarbeiten daran gehindert wurde, sich apof bereit erklärte, im Laufe der nächsten Woche den Einwobncru Kartoffeln zur Verfügung zu stellen, zogen 140 Mann mit Schub, und Handkarren und Stecken zu einem Landwirt und reguir irrten hier Kartoffeln. Bei der Verteilung der Frucht erhielten die Leute, die sich an der Demonstration nicht beteiligt hatten, leine Kartoffeln. llnterschlagimgen im Deutschen OffizicrSbund. Kassel, 11. August.(Gig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Auf Veranlassung der Berliner Kriminalpolizei wurde in Siorthcim der Geschäftsführer der Spar, und Da r l e h n s k a s s e des Deutschen Offiziersbundes wegen Unterschlagung von 60 000 M., die er nach und nach veruntreut hatte, festgenommen. Vom deutschen Känguruh. Wir sind gewohnt, dem Känguruh in unseren Breitengraden nur im Zoologischen Garten zu begegnen. und deshalb wirb es überraschen, daß seit einer Reihe von Jahren Känguruhe in Teutschland gezüchtet werden. Wir hören von dieser Tatsache zugleich mit der traurigen Mitteilung, daß die Känguruhzncht durch einen gemeinen Wilddiebstahl wieder stuft er gefährdet ist. Daß aus Australien stammende Großkänguruh hatte sich seit einer Reihe von Jahren in den Krieblowitzcr Forsten bei Canth in Schlesien vortrefflich eingebürgert und schien durch die klimatischen Verhältnisse nicht benachteiligt zu werden. Nun wird im St. Hubertus berichtet, daß sechs Muttertiere im Weihtrittstat. von Wilderern getötet worden sind. Ter Gechmack des Känguruhs ist dem des Hasen völlig gleich, und�vor dem Kriege konnte man in australischen Konserven nach Deutschland kam. Tie erste Kängu- ruhsarm in Deutschland war bereits vor längerer Zeit zu Aliböbern in der Lausitz eingerichtet worden. In neuerer Zeit war das Heimerrheimcr Revier am Rhein als das bedeutendste deutsche Känguruhrcvier sehr bekannt. Hier hatte man nicht das australische Riescnkänguruh gezüchtet, sondern das kleinere graue Känguruh und es wurden vortreffliche Zuchtcrsolge erzielt. � Dieses� graue Känguruh vermehrt sich so stark, daß eS im australischen Busch bald zur Landplage wuvde. Tie deutsche Sprache im Elsaß. Der Reftor der Straßburger Universiiät hatte bestimmt, daß der französische Sprachunter- richt in allen Schulen den ersten Platz einnehmen müsse; jedoch solle auch die deutsche Sprach« gelehrt werden, nur im erste Schuljahr solle kein deutscher Unterricht erteilt werden. Französisch sei die Kultur spräche, deutsch eine Sprache des„wirtschaftlichen Nutzen Gegen diese Auffassung wendet sich der größte Teil der elsässischen Presse. So schreibt die Straßburger sozialdernokra- tische„Freie Presse': Es sei empörend, daß man die deutsche Muttersprache zur Sprache wirtschaftlichen Nutzens degra- diere und den ABC-Schützen die Muttersprache wegnehme. Das Blatt stellt die Intoleranz der französischen Regierung in Gegensatz zu der Toleranz der früheren deutschen Verwaltung, die nicht daran gedacht hqbe, in den französischen Sprachgebieten Lothrin- gens den Sechsjabrigen ihre Muttersprache wegzunehmen. Auch die elsaß-lothringischen Abgeordneten haben eine Entschließung gesaßt, in der es heißt:„In Anbetracht der geographischen Lage des Landes ist die möglichst vollständige Kenntnis beider Sprachen von der größten Wichtigkeit. Der Schulunterricht muß die Tatsache berücksichtigen, daß in der großen Mehrzahl der Ge» meindcn das Französische nicht die Muttersprache ist.' Entschädigung durch— Medaille. HavaS meldet: Der Berichter« siatter der Kommission der bürgerlichen Strafgesetzgebung sprach sich für die Schaffimg einer Medaille au«. Diese Medaille trage die Inschrift„Fideliiv franyaüe'(französische Treue) und kann durch die Regierung an alle Elsaß-Lothringer verlieben werden, die mit oder obne Urteilsspruch durcb die deutschen Be- Hörden wegen ihrer Anhänglichkeit an Frankreich mit Verbannung oder Gefängnis bestraft worden sind. Jedes Jahr der obgesesienen Haft oder der Verbannung soll auf der Auszeichnung durch einen Stern kenntlich gemacht werden.— Kriegen diese Medaille auch die.erlösten' Etsaß-Lothriiiger, die Frankreich einsperrt? Alliierter Nepp. Da der Dollar setzt„nur' 47 M. kostet, er- halten die Obeisten und Präfeklen in Oberschlesien nickt 80 000 M., sondern bloß 38 000 M. monatlich. Die Armen I— Cburchill bat im Unierhause erklärt, daß gegenwärtig in Deutschland 13360 Mann englische Truppen stehen._ Üriefkasten der Neüaktion. jtftirt rtt den Drieflollen bestimmten Ankrage füge man eine» Buchstaden uno eine Rümmer bei. Briefiicke Auskunft wird nicht»rteill. Eilige An» lragen trage man in der Juristischen Evrcch stunde. Linden str. S, 1.£>of rar» teere link», ose. Cchriftftücke und PcrtrSae lind mittubrinaen. H. A. 26. Bentheim. 1. Volksbund sür Kriegsgeleugene. Berlin SW 68, Lmdenstr. 35. 2, Ja. Steigerung der Produktion Beratungen im Reichswirtschaftsrat. Der sozialpolitische und der wirtschaftspoli- tische Ausschuß des Reichs wlrtschaftsrais verwiesen am Mittwoch das neueingegangene Mietsteuergesetz an den gemeinsamen Unterausschuß, nachdem ein Antrag des Obcrbürger- meisters Tr. Luttex aus Ucberwcisung an einen besonderen Ausschuß abgelehnt war. Sodann trat der Ausschuß in die Beratung des Berichts des Unterausschusses über den Erwerbslosenantrag des Reichs- wirtschaftsministers a. D R. Wlssell ein? die in zwei Lesungen stattfinden soll. Abg. Kcinath, Vertreter des Großhandels, hielt die Aufstellung eines allgemeinen Wirtschaftsprogramms in dem Bericht für auf- fallend und unzweckmäßig, seinen Inhalt auch für unrichtig. Tie Industrie erzielt bei vermehrtem Personal eine verminderte Lei- stung. Wenn die Lohnforderungen auch berechtigt sind, so b e l a st e n sie doch die Wirtschaft so stark, daß wir nicht wettbewerbsfähig werden, wenn wir nicht die Arbeitsleistung stet- gern können. Tie hohen Preise sind ferner auch aus vorsichtige Kalkulation infolge der unsickercn Verhältnisse zurückzuführen. Di« Preissteigerung ist zu einem erheblichen Teil durch den Aus- fall infolge von Streiks veranlaßt In der Berliner Metallindu- strie hatten wir im vorigen Jahre lö2 Streiktage. Wir können die Spannung zwischen der Kaufkraft der Bevölkerung und den Warenpreisen nur durck eine Herabdrückung der Löhne und Gehälter beseitigen. Tem entgegnete der Abg. Wissell: ßerr Keinath habe sich kaum an der Beratung des Unterausschnsses beteiligt, obwohl er stellvertretendes Mitglied war, sonst hätte er gewußt, daß die Vor- schlüge nicht nur den Anschauungen der Arbeiterve r- treter entsprechen. l.Hört! hört!) Das haben auch die berufenen Vertreter des Wirtschaftslebens in Eingaben bestätigt. So schrieb uns die Handelskammer Brandenburg, daß die ungeheure» Preise für Nohstosfc und Halbfabrikate die wciterc Produktion ganz un- rentabel machte.(Hört! hört!) Tic Rohstoffe machen danach seht neun Zehntel der gesamten Gestehungskosten aus. Die 162 Streik- tage des Herrn Keinath kommen nur dadurch zustande, daß alle Streiktage voll gezählt werden, wenn auch nur eine ganz kleine Arbeitergruppe in einem tausendköpfigen Betriebe streikt. Das ist keine objektive Beweisführung! Wir haben nicht genug Waren, um dem Auslande die eingeführten Lebensmittel zu bezahlen. Wie soll uns da der freie Handel ein genügendes An- gebot der zum Leben notwendigen Waren schaffen? Wix müssen unseren Export sogar einschränken, weil wir die Waren, die wir erzeugen, zur Wiedergutmachung an die En- tente brauchen. Wir haben es durch das Exportverbot für die Schuhindustrie dahin gebracht, daß wieder Schuhe produziert und gekauft werden können. Ich habe de» Arbeitern immer auscin- arrdergeseßt. daß eine Lohnsteigerung ihnen nichts nutzt, sondern nur eine Mehrvroduk t i o n, weil dann etlvas mehr zur Ver- teilung da ist. Was jetzt vielfach im westlichen Deutschland vor- geht, daß man den Unternehmer unter Drohungen zwingt, die vom Gesetz auferlegten Steuerabzüge nicht vorzunehmen, ist geradezu ein Skandal, der unter keinen Umständen gebilligt werden kann. Der Unterausschutz konnte nach dem Sachverständigcngntachten zu gar keinem anderen Ergebnis kommen. sLebba�ter Beifall.) Abg. Kommerzienrat Wallcrstein(Schuhindnstrieller): Von un- angemessenen Handelsgewinnen tönne nicht die Rede sein, auch nicht in der Schuhindustrie. Die Zeit für einen Lohnabbau istnochnichtgekommen; zum Ausgleich für den Steuexabgug kommen sogar neue Lohnforderungen. Gegen den Vorschlag des Unterausschusses, daß ein Sachverständigenausschuß prüfen soll, ob eine Betriebsstillegung nicht zu vermeiden sei, läßt sich nichts ein- »'enden. Abg. Heinr. Kaufinann-Hamburg �Vertreter der Verbraucherschaft) bezeichnet als eine Lebensfrage für die deutsche Wirtschast, daß die 3! o t c n p r e s s e e i n g e st e l l t wird, wenn man es nicht zum Staatsbankrott treiben wolle- Tie Löhne könnten sogar mach erhöht werden, ohne uns wettbewerbsunfähig dem Ausland gegen- über zu machen, weil im Ausland die Löhne höber als bei uns seien. Vor allem müsse die Zwangswirtschaft abgebaut werden. Es � sei«in Irrtum der Arbeiter, daß der Abbau der Zivangswirtschaft � ein Rückschritt auf dem Wege zur liöozialisierung sei; die i Z w a n g s w i r t s cka f t habe mit Sozialismus nichts zu tun. Ein Allheilmittel gegen die Wirtschasisnot gebe es nicht, es müßten viele Mittel zusammenwirken. Der Bau von Wohnungen müsse von den Gemeinden vorbemtet werden. Staatssekretär Dr. Hirsch bestreitet, daß die Aktion für die Pirmasenser Schuhindustrie gescheitert sei, die Tinge nähmen jetzt ihren richtigen Perlauf. Gcheimrat Weigert s Vertreter des Reichsarbcitsministeriums) begrüßt die Borarbeiten des Unterausschusses. Produktive Erwerbs- losenfürsorge sei jedes Mittel zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Die NeichSregieumg habe beschlossen, das Zweieinhalbfache der ersparten Erwerbslosen- Unterstützung für Notstandsarbciten zu verwenden. Die Kurzarbeit er sollen von jetzt ab noch stärker unterstützt werde y als bisher. Tie Erwerbslosenunterstützung werde, von Ausnahmen abgesehen, über 26 Wochen hinaus ausgedehnt. Ter Vorschlag des Unterausschusses für den Zusammenschluß Erwerbs- loser zu Arbeitsgemeinschaften sei zu begrüßen, grundsätzlich werde danach schon jetzt verfahren. Abg. Dr. Nocsscke(Vertreter der Landwirtschaft) vermißt in dem Bericht des Unterausschusses zwei Ursachen der Preissteige- rungen: die mangelnde Ernährung und der K o h l e n m a n g e l. Die Löhne spielten eine um so. größere Rolle für die Warenpreise als die Arbeitszeit verkürzt sei. Ties sei ein Fehler gewesen, man bätte damit höchstens vorgehen können, nachdem Wohnungen für neue Arbeiter hergestellt worden wären. Ten Grundsätzen der Wissellschen Planwirtschaft, die zum T-ul den Vorschlagen des Unterausschusses zugrunde liegen, könne er n icht zustimmen, el'enso- wenig der Aufgabe der Beschränkung der Erwerbslosenunterstützung auf 26 Wochen sowie der Sozialisierung der Holzwirtsckast. Abg. Tarnow(Arbeitervertreter): Sticht die Steigerung der Löhne und Gehälter ist in erster Linie an der Teuerung schuld, sondern übermäßige Produktion zur Erziel ung von Hau- delsgewinnen. Das ist einwandfrei festgestellt. Die Ursache der Krise ist so einfach wie nur möglich. Die Masse kann nicht mehr kaufen, nachdem die Preise aus das 26- und 2öfache der Friedenspreise gestiegen sind, die Kaufkraft aber nur auf das sechs- bis achtfache. Daher müssen die Preise gesenkt oder die Löhne gesteigert werden. Wenn die Löhne gedrückt werden, ver- brei'tern Sie die Kluft zwischen Kaufkraft und Preisen noch mehr und hoben die Krise in Permanenz. Holz im Walde kostete vor dem Kriege 20 bis 25 M. d«r Kubik- meter, es ist jetzt auf 666 bis 866 M. gestiegen. Dabei haben weder Sonne noch Regen, die die wichtigsten Arbeitskräfte der Forstwirtschaft sind, ihre Löhne auch nur um einen Pfennig ge- steigert. Es wax die Sucht nach hohen Profiten, die die Teuerung herbeigeführt hat. Die Arheiterschaft erhoffte nach der politischen Revolution auch eine soziale Umwälzung. Hier aber sind die Ergebnisse geradezu niederschmetternd. In keinem Lande der Welt hat die Profitjucht solche Orgien gestiert und sich so ausgetobt wie in Deutschland. Die Arbeiter sehen, wie m ge« wissen Kreisen gepraßt und geschlemmt wird, sie sehen, wie der höchste Luxus auf einer Modenschau zur Geltung kommt, wähnend ihre Lebenshaltung sinkt. Wir, die wir grundsätzliche Gegner Hes kapitalistischen Systems sind, brauchten uns eigentlich gar«icht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie der Karren aus dem Dreck gefahren wird. Um so mehr sollten es die Unternehmer tun, wenn wir daran mitwirken, Wege dazu zu finden. Abg. Tr. Zcitlin(Schutzverband devficher Schriftsteller) ersieht aus dem Ausschußbericht leider wenig Möglichkeiten für praktische Arbeit. Abg. Redakteur Feiler weist darauf hin, daß„produktive Er- toerbslosensürsorge" nur ein neues Wort für Notstandsarbciten sei- daß aber Notstandsarbeiten wie Kanalbauten mit unserer Finanz» lag« nicht vereinbar seien. Das beste Mittel sei die Umstellung der Produktion auf dcn'dringend notwendig e-n Bedarf, damit nichts Ueberflüsfiges produziert werde. Wenn die Industrie nicht selbst dazu kommen könne, solle sie mit dem Mittel der Kohlenzükcilung dazu veranlaßt werden.(Abg. Wissel!: Also Planwirtschaft!— Heiterkeit.: Abg. Prof. Dr. Endrcs-München wendet sich gegen die im AuS» schußbericht empfohlene Sozialisierung der Holzwirtschaft. Abg. Schumacher(Arbeitnchmervertretcr � des Handwerks) spricht sich im Sinne der Vorschläge des Unterausschusses aus. Abg. Bankdirekior Dr. Schwarv wünscht, daß nicht die all- gemeinwirtschaftsprvgrammatischcn Beschlüsse des Unterausschusses, sondern nur die praktischen Vorschläge für die einzelnen Industrien zum Beschluß erhoben würden. Tie Wirtschaft müsse von jedem Zwange befreit werden. Damit schließt die erste Lesung des Berichts des Unteraus- schusses. Die zweite Lesung findet am Freitag um 1 Uhr statt. Sport. Das Dauerrennen um den„Grossen Presse Preis" sowie die neu ausgeschriebenen Fliegerrennen im Sporrpark Treptow mußten gestern des Regens wegen abgesagt werden) sie kommen beute abend 6 Uhr zur Enn'ibcidiing. Die bereits gelösten Eintritts» larten behalten ihre Gültigkeit. Zhartell der freien Tportvererniguniien. Freie Durnerscbaft Berlin. Freitag: Zusammenturnen Männer» Pserd-Riege, Frauen-Barrenriege, Turichallc Kopsilr. Neukölln.—' Sonnabend: Vereink-Varleljakrsveriammlung, Stralauer Strafte 3, 7 Uhr.— Sonnabend und Sonntag: 4. Jugend-ZIbteitung, Nachtlurnfahrt nach Tiejeniee— Strausberg. Turn-Sportvcrein Norden. Sonnabend: Vorstandssitzung im Vercinslokal. Tourtstenverein Nainrsreunde, Ortsgruppe Verlin— Oltbahnvor- orte. Sonntag: Durch den Krämer. Abs.'Steil. Vorortbhs. 7 Uhr seckh bis HennigSdois._ Vorträge, vereine und Versammlungen. vtemriliiiukige Siedlungsgcnosscnschaft„Empor-, Abt. Seege- bruch bei Oranienburg. Am Sonmag. den 15. August, nachmittags 2 Uhr, findet im Eichenwäldchen in Sregeb:uch ein Ernte- und Kiiidcrjest stalt. Für die Besucher iEenossen und deren Angehörigen sowie deflni Gäste) stehen zum Zune ab Stcitiiier Bahnhos-Vclten st 2 Uhr mittags) Leiter- wagen zur Verfügung.— Arbeitcr-Saiuariler-Kolonne» Berlin e. B. Abl. Weiten: Freitag, den lll. August, 7'/, Uhr, Uebungsstmide im Lokal Schöneberg, Vorbergstratze 11. WettcrauSsichten für daS mittlcre Norddcntschland biS Freitag mittag. Fortdairenid ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber ver- ündcrllch. im öülichrn Küiiengeviet Ncgenschaucr, sonst meist triidc.- bri mäjztgcn nordwestlichen Wmden.--nrn «bb Warenhaus' Kleidersfoige n. Leinen Kleiderstoff engl. Geschmact. Mtr. 9.50 Farbige Batiste geaückt... Mir. 9.50 Waschstoffe 1 Blusen u. 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Aermelplättbrett....... 9.50 2 Pat.-Kleiderbügel mit Hosenstrecker 9.50 6 Obst- oder Kartoffelhorden-, 9.50 1 Eierschrank.................. 9.50 6 Gläserteller mit Nickelrand...9.50 2 Teegläser mit Untersatz...... 9.50 1 Springform mit Weißblechraad..... 9.50 1 Roßhaarhandfeger........... 9.50 1 Kokosbesen.................. 9.50 Mengenabgabe-vorbehalten! Gardinen nnd Tapisserie Gardinen rem Stück, weiss gestickz,... Mtr. 9.50 Gardinenreste B/, Mtr. lang......... 9.50 Gardinen Mull gemustert. 90 cm breit..... 9.50 Küchentischdecken 2 Stack für...... 9.50 Leitungsschoner u. Stuhlsitz 1» LinoL 9.50 Scheibengardinen Paar............ 9,50 Leitungsschoner geieichnet.......... 9.50 Decke 6O/6O gross, Leinen geieichnet...... 9.50 2 Tablettdecken Leinen geieichnet..... 9.50 3 Quadrate Leinen geieichnet........ 9.50 6 Mtr. Küchenkante weise-bunt gewirkt. 9.50 Im Erfrischungsraum 1 Tasse Schokolade mit Gebäck..... 95 Pt 1 Tasse Bohnenkaffee mit Gebäck.. 95 Pt Schokoladen-Eis mit Waffel........ 95 Pt div. Puddings& Portion............ 95 Pt 1 Glas Frankfurter Apfelwein... 95 Pt Die gute Massary-Zigarette Wer sie noch nicht geraucht hat, sollte sie probieren! Wer sie kennt, wird zum überzeugten Anhänger unserer Fabrikate. Urteilen Sie selbst! Wir bieten ans ■V* hochfein, rein Qberseeisch, zu .m.yjmna—.. Pro M"le'okt. Steuer in pa. Holzkisten, grSBtent. V» gepackt- Probesendung In Höhe von 300 M. sortiert gern zu Diensten. Auftrage finden der Reihe nach Erledigung. Umsonst ist ein Besuch unseres Lagers nicht Ein Versuch mit unseren Marken führt bestimmt zu dauernder Kundschaft Tabakvartriebsgesallsch. m. b.H., Gneisenaustr. 65 Telephon t Morltzplata 9114. Zieinmesbeginn nnwiderrnflich morgen »UMrjUtUkAaji.W TheatsrglSchtspiaie kSc rctonoootx.�'iroiar'iooflaywXKyi.'Vri.Tr j�icvaojc co i Staatl. Schauspielhaus. (Operetten-Gastspiel) 7AÄf vle SfiraMtwe. Musik von Leo Blech. GreSes 7; Julius Casar(3A.Abt�3. Ab.) Frt.7: Jul. Cisar 137. Abt.. S.A.) Beatsches Theater. 8 Uhrl Wcfbsteufel. Kammerspisie. 8 Uhr: Notbrücke. iüeines Schfiaspföllians. Fasanenstr. I(Nähe ßhf. Zoo). 8 U.: Büchse der Pandora. TbeateröesWestens 8 Uhr: Ehemul. Leutsnat. Schiller-Theater. 8 Unr: Rabenvater. Theater I. d. EOmggrdtzerStraSe Vj-i Uhr: Geständnis. Berliner Theater •/i8 Uhr: Der letzte Walzer. Uentrnl-Theater VA DieyersetiwnElPaüline. Die Tribüne 8 Uhr Eanhary. Frledr.-tVUlielm st.Th. 8 Uhr: UlcincM Theater. n.u.: Die Kunstkritik Komiaolie Oper uh: Die Fraii im Dunkeln. l.aNtspicihau. thrDeftmgetreue Eekeliart Metropel-Thenter. u./2: Im weißen RossT Neues Centrai-Theater u? Die Dame im Frack. Neue» Operetten hu as 7-/- Uhr: Prinzessin Friedl. Arenes Volkstheatcr 7Vj Uhr: Familie. Thalia-Theater ?'/- u.: Boiieit die Tänzerin. Th.an« ollen dorfp In- tas u!: Eine Kaeiil im Paradies Walhalla-Theater. 7-/- u.: Die liiiernationale. Apollo- j?1/! Theater Dir. James Klein.[ Paiil Beckers! Volksbühne Theater am ßülowplatz. �uhrPerKahreigen Lesslng-Tiieater. (Svutmcrifpiclzrit Allaben-ilicn 8 Uhr: liH � D.Glas d.Jangfran Deutsches klinstler-Tliealer Allabendlich 8 Uhr: Clubteute _ mit Max Adalbert. Casino-fheater '..othriuger Straße 37, IVIctlcrcriiR'minj; Freitag, 13. August,>/.8 Uhr, mit dem neuen Volksstück; Knorp's sei. Witwe. Vorvei k. ab Afontag,*)■ Aug. Rose-TheatBr. T/i Uhr; Ein Walzcrtracm. Trianon-Theater. Bahnhof Friedrichstraße. Allabendlich 8 Uhr: Hnnsi Arnstadt In Untren Sonntag,: Der Störenfried Residenz-Theater. Stadtbahn lannowitzbrücke. Untergrundbahn Klosterstr. Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolg! Die Besctiticüs Sonntag 4: Der gute Ruf. Admirals-Palast 7'/, u.: Flirt In St. Moritz Winter- Gatten Tü-lich 7.1S Uhr: Variete-Spielplan Ranchen gestattet! " Circus Busch' Oebäude. Täglich J'/s Uhr; Gr. Spezlalliät.-Vorst. 7 Perle»? ReiclisbuIL-TIteater Täglich?>/- Uhr: Stettiner Sänger Dönhoff-Brettl I Ans. tt'/j U. Garten u.Saal/ Sonnt. 5 U. /■WeueWelti� 'Arnold Scholz, Hasenheide Jeden Donnerstag; GroSes Schlachten- und mit seiner urkom. | Variete- Cesellschaft[ 4 Millons Meister-Akrobaten Carl Relasch |J. preisgekrönte beste T Schulreiter u weitere| I 8 Angunt.Senimt. Theater a.koltbug.Tor Tel.: Moritzplatz 14814. Täglich 71/a Uhr: Elite-SSnger. 1 Vollständig neues Programm. Blüthgen-Konzert, Beginn 7 Uhr. Vorvk. 11-1'/,. 4-6 U. SGn!inerth.CHOSS-fiERLI!l (KUem) fiasenheide IS. Tgl. 8: Courtbs-Mablerl Vom andern L'fop Schausp. v. Courths-Mahler (nach d. glelchnam. Roman in d.«Berliner Hausfrau*). An ä'/,: Konzert U-Spczialit. Vnrverk. ab 10 U. a d. K Frcnten-Feiierwerk. Außerdem: Konzert, VorsteDutig und Tanz. Vollst, neues Programm! S Uhr Anfang 5 Uhr Das Feuerwerk wird ausgeführt vom Pyrotechniker E. Niclandt. 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August fand beim| Baden einen plötzlichen Tod der Angestellte des Saupl- dureauo, unser Kollege RodertMtzmsM Der Verband vertiert in dem Perstorbenen einen eifrigen, pflichttreuen Be- amten und liebenswürdigen Kollegen, dessen Andeuten wir in Ehren halten werden. Die Einäscherung der Leiche findet am Freitag, 13. August, um»>/, Uhr nachm., im Krematorium Baumschulenweg statt. Der Hauptvorstand de, Deutschen Holiarbeiter- Verbandes. 1590b Kupfer.. 11,50 Rotguß.. 10,50 Messing;..5,75 Blei, Zink 3,00 Onecksilber 65,oo SchuizendorferSt.2 Kösliner Str. 6 Doppelflinten 1 Drillinge. Pistolen, kauft I Frank, W 8, Markgrafcnstr. SO. ÜIGeld!!! Hit leb« Wertsache. Höchste Au- imifspttlie(üt Psandschein«, Brillanten. GoIdgege»N-tud», Tevpiche. Bstcher usw. WvIN. Frledricbstr.4> III.Eck»«»d>ftr. OivI SWggzlüng! Nes§leuersd?iiZ3 vom Ar-| beitslohn ist in der 3. Auf-I läge von Rudolf Wlstells] Fllitrer durch des' ReicEiseiukomufen-l Steusrgesatz� berücksichtigt./ rrtk Ulk. 3,56 a. 76°.', gaiebi. 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Bewerber muß verheiratet sein._. m, Gehalt geregelt durch Groß-Berlmer Besoldungsplan, Grum>e � ruhegehattsberechiigi und den Mililär» onwSrtern vorbehalten. Bewerbungen von Beamten aus den abaetretenen Gebieten werben beionder» derücksicht gt. E>e haben«ine beglaubigt« Ad'chrlft der Bescheinigung de» Für. sorgeanste» über ihr« Eintragung in die Bewerberitste vor- �en Bewerbungen sind Lebenslauf und Abschriften der Reugnisse, des glvilversorgungs- bzw. Anstellungsscheines beizuftigen. verlia-caufwitz, den«. August 1920. Ter tHemeindevorstanÄ. 861D Tuditi�e iaiiii für die Abteilung Kurzwaren und Posamenten sofort gesucht Meldungen: 12—2 Uhr mittags, 5—6 Uhr abends. &. Jandorf£ Co., Belle-Alliance-Str. 1/2. StraBenhänsiSer für den Osten von Berlin werde« sofort eingestellt gegen Lohn und Provision Hauptexpodition, Lindenstr. S(Laden). yyVorwärts((| Tagung üer Neichswehrkammer. Ei» wertloses Dekorationsstück. Am S. und 1». August fand in Berlin die erste Tagung der R-eichstneljrlammer hinter verschlossenen Türen statt. Obwohl die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war und ein Bericht über die Verhandlungen bisher nicht erstattet wurde, sind wir in der Lage. auf Grund sehr vertrauenswürdiger Mitteilun- gen einiges über den Verlauf der Tagung mitzu- teile n. Schon in der Unterbringung der Teilnehmer zeigte sich die Achtung bzw. Nichtachtung, die das Reichswehrministerium der Einrichtung entgegenbringt. Obwohl es die Wehrkammer für eine„dienstliche Einrichtung" erklärt und hiermit auch den AuS- schlutz der Oeffentlichkeit bei den Verhandlungen begründet, hatte man nicht einmal dafür gesorgt, daß die Teilnehmer dieser dienstlichen Veranstaltung Unterkunft und Essen erhielten. Eine Anzahl von ihnen lag nachts buchst üblich auf der Straße, obwohl es doch an militärischen Wohn- räumlichkeiten in Berlin nicht mangelt. Den ganzen ersten„Verhandlungstag" über, wenn dieses Wort überhaupt am Platze ist, mußten die Teilnehmer der Tagung Vortrag auf Vortrag seitens der Referenten des Reichs- Wehrministeriums über sich ergehen lassen. Zu eigenem Arbeiten und zur Meinungsäußerung kam die Wehrkammer überhaupt nicht, man wollte sie erst genügend mit den Ansichten des Reichs- wchrministeriums„beeindrucken". Am zweiten Tag wurde dann einiges verhandelt und disku- ticrt, aber es sollt« sich bald zeigen, was Beschlüsse der Wehrkammer wert sind. Zwei typische Fälle: Der bis- herige Vertreter der Unteroffiziere beim Untersuchungsausschuß deS Unterstaatssekretärs Stock hat sein Amt niedergelegt. Das Reichswehrministerium aber ordnete an, daß der Nachfolger von der Wehrkammer(nicht wie bisher von den sieben obersten Ver- trauensleuten) zu bestellen sei und, um von vornherein gewisse „mißliebige" Personen auszuschalten, aus den Mitgliedern der Wehrkammer selber. Die Wehrkammer wählte nun einen Nachfolger, mit dem Erfolg, daß erklärt wurde, der Herr Reichs- wchrminister wünsche den Betreffenden nicht. Ein andrer wird gewählt— der Herr Reichswehrminister behält sich seine Entschei- düng vor! Genau das gleiche Schauspiel in der Frage, ob die obersten Vertrauensleute beim Reichswehrministerium bestehen bleiben sollen. Tie Wehrkammer beschließt, sie sollen zur stän- digcn Mitarbeit in den einzelnen Abteilungen bestehen bleiben. Spornstreichs läuft ein nicht zur Wchrkammer gehöriger Referent des Reichswehrministeriums zum Reichswehrminister und kommt zurück mit der Meldung: der Herr Reichswehrministcr behält sich seine Entscheidung vor!, Aber das interessanteste ist vielleicht, daß man ganz mitten drin, nach einem scheinbar unverfänglichen Referat über Beklei- dung und Beköstigung die Wehrkammer mit der Entschci- dung einer hochpolitischen Frage überrumpeln wollte. Es wurde nämlich ein/Antrag gestellt, das neueingeführte Mühen- abzeichcn, den Reichsadler, wieder abzuschaffen, nachdem sich die Offiziersmitglieder der Wehrkammer ganz ungeniert über den J* u k u k", den„gerupften Vogel", die.Lrähe" usw. ausgeschimpft hatten. Die Kammer ließ sich überrumpeln und stimmte für Abschaf- fung. Nun aber kam eine weitere Debatte und Abstimmung dar- über, ob statt des AdlerS schwarz-weiß-rote oder schwarz-- rot-goldcne Kokarden getragen werden sollten. Wir betrach- ten cS als einen Skandal.daß diese Fckrge überhaupt offi- ziell in der Heereskammer diskutiert werden konnte, nachdem durch die R c i ch S V e r f a s s u n g die Rcichs- sarben schwarz-rot-gold festgelegt find. Die Abstimmung ergab— trotz aller Hetze der Offiziere— die Annahme von schwarz- rot-gold mit 27 Stimmen gegen 25 für schwarz-weiß-rot. Mehrere Teilnehmer hatten sich enthalten. Bon sämtlich--» Offiziersvertretern haben nur drei nicht für schwarz-weiß-rot gestimmt. Bezeichnend für den Geist, der von oben in die Tagung her- eingetragen wurde, ist auch die Art, wie die Aufhebung d"! Militärgerichte mitgeteilt würde. Der Vertreter des Reichs- wehrministeriums verkündete sie mit dem hetzerischen Zusatz an die Mannschaftsvertreter:„So, jetzt könnt ihr eure Ge- r i cht s kosten selber bezahlen". Ueber daS neue Reichswehrgesetz wurde noch nicht gesprochen. Aber es ist bezeichnend, daß bei der Besprechung finanzieller Fragen von oben her daraus hingewiesen wurde, die Reichswehr könne nichts durchsetzen, weil keine starke Wirtschaft?- organisation hinter ihr stehe. Trotzdem will man durch das neue Gesetz die Wirtschaftsorganisationen erdrosseln. Ueber die Zusammensetzung der Wchrkammer ist noch zu sagen, daß Schreiber ihr nicht angehören dürfen, offenbar weil man fürchtet, daß diese in die Schliche und Kniffe des Dienstbetriebcs zuviel Einblick haben. Vor einiger Zeit bezeichneten wir die Wehrkammer in ihrer jetzigen Zusammensetzung und mit ihren jetzigen Kompetenzen als wertlose? Dekorationsstück. Damals schrieb ein rechtsstehendes Blatt, für diese Behauptung fehle jeder Bewe's. Nach der Tagung vom 9. und 19. Augu st dürfte der Beweis wohl lückenlos erbracht sein. Krise in üer baperischen Volkspartei. München, 11. August.(TU) Aus dem„Bayerischen Kurier". dem führenden Organ der bayerischen Volkspartei, geht hervor, daß wegen der Haltung der Reichstagsabgeordneten Schirme». und Gerstenberger zum Entwaffnungsgesetz eine Fraktion?- und Parteikrijis in der bayerischen Volkspartci ent- standen sei. Verfassungsfeier in Hamburg. Hamburg, 11. August(Eigener Drablbericht des.Vorwärts"). Zum Jahrestag de» Inkrafttretens der Verfassung der deutschen Republik zeigten die öffentlichen Gebäude und viele Privothäuier die schwarz-rot-goldene Flagge. Auf dem Rälhaus war die Reichs- sahne gehißt. In der Bürgerschaft widmete Präsident Genosse Groß der Bedeutung deS Tages einige weihevolle Worte. f)ö'lz nicht ausgeliefert. AuS Celle erhalten wir folgendes Telegramm: Als Rechtsbeistand Max H ö l z' erhalte ich soeben von meinem Prager Vertreter die Nachricht, daß die tschechoslowakische Negierung Hölz Auslieferung abgelehnt hat; ihr Standpunkt ist der, daß Hölz keine gemeinen Verbrechen begangen habe, sondern nur politische Vergehen. Rechtsanwalt H e g e w i s ch. Lloyd Gevrge nnd Giolitti treffen dieser Tage in Luzern ein. Die Anwesenheit Simon« in der Schweiz soll damit nichts zu tun haben.— Deutschland ist bisher vom Zeitpunkt der Genfer Konferenz nicht verständigt. Engste Verbindung mit„Orgesch"«nd den militärischen Nachrichtenstellen. Tie„Voss. Ztg." ist in der Lage, sehr umfangreiche Mitteilun- gen über die in Magdeburg aufgedeckte Spitzelzentrale zu machen. Aus diesen geht auch namentlich hervor, daß die abgeleugnete Ver- bindung zwischen der Spitzelzentrale und Orgesch im aller- engsten Maße besteht. Außer in Magdeburg bestehen gleiche\ Lügenzentralen in einer Reibe anderer deutscher Städte, so z. B. in Essen, Hamburg, Berlin, y a 1 1 e. Ter Leiter der Magdeburger Filiale, der in Haft genommene Mtmann« ist wegen Betrugs, Unterschlagung, Er- rcgung öffentlichen Aergernisses, Zuhälterei und Beleidigung vorbestraft. Er bezog ein Monatsgehalt von 1999 M., außerdem noch tagliche Spesen. Für seine Agenten stau- den ihm monatlich 19 999 M. zur Verfügung. Außer ihrfl sind noch c I f, zum Teil angesehene Männer Magdeburgs, festgeuomnwn, aber nach ihrer Vernehmung wieder aus der Hast entlassen worden. Zu ihnen gehört ein Lehrer Z i e s e n i tz, der in der Organisation eine große Rolle gespielt hat. Die Festgenommenen haben bei ihren Vernehmungen ohne jedes Zögern eingehende Geständnisse abgelegt. Sie haben zugegeben, daß sie Protokolle und Briese gefälscht und das Material für die Falschmeldungen geliefert haben. Sie haben es verstanden, sich das Vertrauen-der linksradikaleu Organisationen, der U. S. P. D. und der Kommunisten beider Richtungen zu er- werben und haben, wie sie zugeben, ihre spärliche» Informationen für ihre Zwecke umgcfälscht. Geldmittel standen der Zentrale reichlich zur Verfügung. allein in diesem Fahre sind bisher 17 5 9 9 9 M. verausgabt worden, die meist von Magdeburger Fabrikanten stammten. Die Spitzel- zentrale arbeitete in engster Fühlung mit der Magdeburger mili- tärischen Nachrichtenstelle und war der Orgesch angeschlossen. Die Hauptlieferauten der Berichte über politische Parteien und insbesondikre über die Organisation der. angeblichen„Roten Armee" waren nach den Ermittlungen zwei R e i ch s w e h r s o l d a t e n.die auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu der Nachrichtenabteilung der Reichswchrbrigade Magdeburg Nachrichtenmaterial erhielten. Von Altmann erhielten sie für jeden Bericht eine größere Summe. Tie Berichte, die Altmann erhielt, gab ex sofort an Ziescnitz weiter. Dieser vervielfältigte sie und verschickte sie in Einschreibebriefen an andere im Deutschen Reich bestehende ähnliche Organisationen. Aus den bei Ziescnitz gefundenen Papieren geht hervor, daß folgende Stellen mit Nachrichten aus Magdeburg versehen wurden: Laumann in Essen, Balle und Mankirch in Hatnburg, Schneider in Hannover, E. Becker in Berlin, Am Karlsbad 19, und Franz Eger in Halle. Mit diesen fünf Stellen stand Ziesenitz in vegel- mäßigem Nachrichtenaustausch, wie aus mehreren Briefumschlägen, die man bei der Durchsuchung fand, mit Sicherheit hervorgeht. Ziesenitz empfing auch aus Berlin sogenannte.Vereinsnachrichten", die er bei seiner Vernehmung als Bereinsnachrichtcn der Orgesch bezeichnete. Nach den Angaben von Ziesenitz besteht ein enger Zu- sammcnhang mit der Orgesch erst seit kurzer Zeit. Er will erst seit etwa zehn Tagen in den regelmäßigen Besitz der Vereinsnachrichten der Organisation Escherich gelangt sein. Unter den beschlagnahmten Schviststücken befindet sich auch ein Brief des Ziesenitz an den Berliner Vertreter Becker, in dem Bocker Vorwürfe gemacht werden, daß er einen Artikel über Esche ri ch in der„Voss. Ztg." nicht verhindert iMbe! Zu bemerken ist, daß Akknann auch mit Offizieren der Reichswchrbrigade IV iu Magdeburg in Verbindung stand. so mit dem Oberleutnant Gräßner und dem Leut- nant von Vormann. Er übersandte diesen beiden Offizieren regelmäßig Abschriften der ihm zugegangenen Berichte und erhielt auch von ihnen durch einen Reichswehrsoldaten für ihn wertvolle Mitteilungen. In wie engen Beziehungen Altmann und Ziesenitz zu der Rcichswchrorganisation in Magdeburg gestanden haben, geht daraus hervor, daß die beiden eine AuSweiskarte des Garnisonkommandanten von Magdeburg, Generalmajor Ribbentrop, besaßen, die erst in den ersten Tagen des Juni ausgestellt worden ist, und die es ihnen crmög- Gewerkschaften unü Wiederaufbau. Haag, 11. August.(Hollandsch Nieuwsbureau.) Ter Sckre- tär des Internationalen Gcwcrlschaftsbundcs teilt in„Hct Volk" nähere Einzelheiten über den Brüsseler Kongreß mit. Mit Rücksicht auf die Wahlen in Amerika wird der Kongreß erst am 23. November zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht an erster Stelle die Verteilung d e r R o h st o f f e für die In- dustrie. Die Langsamkeit der Arbeit dcs Völkerbundes in bczug auf den Wiederaufbau Europas wäre besonders durch eine bessere Verteilung der Steinkohle z» beheben. Außerdem ist eine bessere Regelung des Transportwesens zu Wasser und zu Lande notwendig. Daher wird der Kongreß die S o z i a l i s i e- r u n g der ErzcugungLmittcl und der Welttransportuntcrnchmun. gc» verlangen. Weiter wird der Kongreß sich mit der Valuta- frage beschäftigen, weil der niedrige Stand der Wechselkurse einer der Hauptfaktoren der Arbeitslosigkeit ist. An vierter Stelle wer- den die Verfolgungen der Arbeiterbewegung iu den einzelnen Ländern behandelt werden, denn in Griechenland, Spanien und teilweise auch in Italien und sogar i» Frankreich wird die Arbeiterbewegung von neuem unterdrückt, weil die besitzende Klasse bedauert, den Arbcetern während des Krieges Zugeständ- nisse gemacht zu haben. Zur Förderung der Sozialisicrung wird der Kongreß ein Programm aufstellen, das für die sofortige Durchführung in Betracht kommen kann. Fm Lande üer Freiheit. Nach einer Meldung des Berner.Bund" ist in Chicago auf Bekehl der Washingioner Regierung ein sozialistischer M i l l i o n ä r v e r h a st e t und zu einem Jahr Gefängnis ver- urteilt worden, weil er die kommunistische Presse in den Ver« einigten Staaten unterstützt hätte. Er wurde der Ver- s ch w ö r u n g zum Sturze der Regierung beschuldigt I §ü'r Kontinentalpolitiker! Frankfurt a. M., 11. August.(Eigener Drahibericht des„Vor- wärts'h) Vor einigen Tagen trafen im Frankfurter Hauptbahnhof mehrere hundert Arbeiterfamilien aus dem elsaß-lothringischen Grtlbenbezirk bei Diedenhofen ein, die innerhalb 45 Stunden unter Zurücklassung aller Möbel ihre Wohnung verlassen mußten und nur die aller notwendigsten Habseligkeiten mitnehmen durften. Die meisten der Ausgewiesenen waren schon lange Jahre in dem Revier lichte, sämtliche militärischen Gebäude und Plätze zu jeder Tageszeit zu betreten. Bei ihren Vernehmu.n- gen haben sowohl Ziesenitz wie auch Altmann bekundet, daß sie auch mit dem Magdeburger Polizeiinspektor Egers dc-m Polizeipräsidium Magdeburg in Verbindung' standen, und daß-sie auch Beziehungen zu dem Syndikus der K r u p p- G r u s o n- jWerkc Dr. Lötz unterhielien. Bei den Vernehmungen Alt- manns und auch des Lehrers Ziesenitz wurde auch besonderes(■!> wicht auf die Beziehungen der Falschmcldezentrale zur Ov'g�sÄ gelegt. Ziesenitz msbesondere hat aus wiederholte Vorhaltuwuu. iinumschränkt zugsgebcn, d aß diese Beziehungen bestanden, und daß er durch den früheren Führer der Berliner Einwohnerwehr, Oberleutnant Jansen, regelmäßig die VcreinSnachvichten der Organisation E-scherich. er- halten hat. Die Ermittlungen werden noch sortgesetzt. Es dürfte imner- hin noch einige Zeit vergehen, ehe das außerordentlich umfangreiche Material völlig gesichtet ist und auch wichtige Einzelheiten für die Art der B:dchtetstattung der Zentrale Magdeburg veröffentlicht werden können. Aus den oben erwähnten Vereinsnachrichton geht weiter- hervor, daß man es besonders aus die Verleumdung dcs Republikanischen FührcrbundcS abgesehen Hot, von dem behauptet wird, er sei zu den Links- .radikalen abgerutscht, er unterstütze die Organisation der Roten Armee usw. Der Republikanische Führerbund wird als der schärfste Gegner bezeichnet.„Für den Verein," so hei�t es wörtlich,„kommt-cS daraus an, möglichst umfangreiches Material geg e n den Re p u b l i ka n-tsche n Führer- b u n d in Händen zu haben." Weitere Beziehungen bestanden zwischen der SpitzelzMtrale und der„Deutschen Wirtschaftshilfe�, der Nachfolgerin der Anti- bolschewistischen Liga. Nach dam Bericht der„Voss..Ztg." hat es die Deutsche Wirtschaftshilfe verstanden, auch mehrheits- sozialistische Funktionäre für sich zu gewinnen und in ihren Dienst einzuspannen. Wie weit die Funktionäre. g?ut- gläubige Opfer der Deutschen Wirtschaftshilfe geworden.- sind, müsse erst die weitere Untersuchung ergeben.(Wir erwarten, selbst- verständlich, daß hier auch die Partei die Dinge untersucht und nötigenfalls reinen Tisch macht. Red. d.„Vorwärts".) Weiter be- stand eine Personalunion insofern Mischen der Magdeburger Spitzelzentrale und der PinZerton-Gesellschaft in Berlin, als ,fich beide Organisationen derselben Personen für ihre Zwecke bchienten. Escherich, Partikularist und Reaktionär. Ueber die Persönlichkeit des Forstrats Dr. Esche rech, des Gründers der nach ihm benannten Einwohnerwehr- und Zeitfrei- willigenorganisation, wiro der„Brcslaucr Zeitung" von unter- richtcter Seite mitgeteitt: Dr. Escherich ist nicht nyc ein ausge- sprach ener Reaktionär, sondern auch ein bayerischer Partikularist schlimmster Art. Während des Kriege» war er Militärgouvcrneur in Bjelowjesch in Polen, und seine Haupttätigkeit bestand darin, binnen kurzer Zeit sämtliche preußische Beamte aus seinem Machtbereich zu entfernen und sie durch Bayern zu ersetzen, wobei er sich mit einem Stab br-yerischer Offiziere umgab. Leren Haupttätigkeit in dem regen Besuch, des v�- züglich geleiteten Offtzierskasinos bestand. Forstcat Esche eich mag forstvirtschastlich und schriftstellerisch ein tüchtiger Beamter sein, seine organisatorische Tätigkeit als Militärgouverneur von Bjelow- jesch Wied von allen nichtbayerifchen Kennern der V-erhältuissc während feiner Kommandozeit sehr abfällig beurteRt. Königschiesten bei Orgesch. Die„Münchener Post" schreibt: Der„Loisachbote" ins Garmisch berichtete aus Wildentvarth unter dem 23. Juni nach einem uns jetzt erst zugehenden Zeitungsausschnitt:„König Ludwig hat am Preisschießcn der Einwohnerwehr Wildentvarth teilgenommen und Labet den Preis auf dex Ehrenscheibe gewonnen."— Exkönig Ludwig scheint sonach Mitglied der Einwohnerlvehr geioorden zu sein, um auf diese Weise ein Bekenntnis zur Republik abzulegen. Tie Leistungen des Königsschützen berechtigen noch zu großen Erwartungen. .................... tätig. Wie die Äusgewiesenen berichten, setzt die franKsische Rc- gicrung an ihre Stelle Italiener, verschiedentlich auch tschechoslowa- tische Arbeiter. Die meisten dieser fremdländischen Arbeiter haben vom Bergbau und Hüttenbetricb nicht den leisesten Schimmer. Diesen Ausweisungen sollen weitere große Transporte folgen. Streikunruhen in Memel. Mcmel, 11. August.(W.T.B.) Im Laufe des Mittwoch wurde der Generalstreik allgemein. Die Arbeiter wurden aus den Betrieben herausgeholt. Es handelt sich um eine Aklion der „kommunistischen"(?) Betriebsräte(lies: volksverderbender Wirrköpse. Red.), deren Führer zum erheblichen Teil von aus- wärt? hierher gekommen ssind. Die Gcwerkschafte« sind voll- kommen ausgeschaltet. Die Verhandlungen mit der sranzösiichcn Besatzungsbehörde haben, zu keinem Ergebnis geführt. Memel ist ohne GaS, Wasser und Elektrizität. Die Zeitungen können nicht erscheinen. Ueber die Ursache des Streiks unterrichtet folgwider WTB- Bericht: Zwischen Demonstranten und der Polizei kam es zu Zu- s a m m c u st ö ß e u. Nach einer Ko mmun istenversamm lrnig wollte sich ein Zug nach der Wohnung des französischen Gouverneurs Odry begaben, um gegen die von diesem auSgesprochcwe Ablehnung der Forderung der Rückkehr von drei im Juni Ausgcwiese- neu zu demonstrieren. Die Polizei, die dem Zuge-entgegent-rat, wurde mit Steinen beworfen. Auch sielen aus der Menge zwei Schüsse. Die Polizei ging darauf mit der Waffe vor und trieb die Menge auseinander. Mehrere Polizisten und Demonstranten wur- den verletzt. Daraufhin legten die Arbeiter in zahlreichen Bs- trieben die Arbeit nieder, auch im Gas- und Elektrizitätswerk. Ein Abgang. Der Ministerialdirektor im Reichsfinmizministerium Dr. Maeder scheidet mit dem 1. September d. I. aus dem Reichs« dienst aus, um eine leitende Stelle in einem Privatunternehmen anzutreten. Sein Abschiedsgesuch hat der Reichspräsident unter an« erkennenden Worten für die dem Reiche geleisteten Dienste, in?- besondere bei der Besoldungsreform, genehmigt. Des Reichpräsidenten anerkennende Worte für Herrn Maeder sind wohl nur als Höflich- keitsfloskeln zu verstehen. An diesem reaktionären Sachwalter der Buieaukratie, der seine„wohlerworbenen Beamtenrechle" gegen den Sold der Industrie eintauscht, hat die Republik wenig verloren! Die wenigen freiheitlich orientierten Beamten und die Ängestelllen- schafl wird ihm keine Träne nachweinen. Am allerwenigsten die unteren Beamtdn, die bei dem ersten Entwurf der Bejvldungsreform schlecht davongekommen waren. OeVseMofisbewegung Ultimo. , Dieses Wort hatte, als wir uns noch in normalen Aeitläufen Erfanden, tllr hunderttausende von Angestellten einen gewissen Reiz. S» bescheiden auch ihr Einkommen sein mochte, sie konnten sich bei den relativ geringen Preisen für alle Artikel dcS menschlichen Be- darss doch einmal etwas antun. Damit ist eS längst zu Ende. Wer heute nur auf das angewiesen ist. waS er sich des Monats über erarbeitet bat, muß sehr vorsichtig sein, wenn Einnahmen und Ausgaben in Einklang gebracht werden sollen. Das; letzteres bei allen bescheidenen Ansprüchen an da« Leben heute bei den meisten Angestellten und Arbeitern unmöglich ist, dürfte allgemein nur zur Galüge bekan»t sein. Und wer daran noch zweifelt, dem wird die Schwierigkeit, unter der nur allzu viele in der gegenwärtigen Zeit ihr nacktes Leben fristen können, durch folgende Ausrechnung eines Vorwärts- lesers eindringlich vor Angen geführt. Unser Leser schreibt: Ich wohne am Schönhauser Tor, bin aber seit meiner Eni« lassung aus dem Heeresdienst— De,ember 1318— bei der Abwicklungsstelle des Proviantamtes Jüterbog als sogenannter qnali- fizierter Bertragsangestellter tätig, also gezwungen, täglich von hier nach Jüterbog und zurück zu fahlen. Fahr- uns Arbeitszeit zusammen 12 Stunden, Monatsgehalt nach dem Teiltarisvertrag für Angestellte bei Reichs- und Staatsbehörden Gritppe III, b. Tienstjahr, 26 Jahre alt, kinderlos verheiratet: 800.— M. (gehöre anerkannt in Gruppe IV, was aber gcmätz Ausführungs- bestimmungen des Rcichsministers der Finanzen unzulässig ist, da sonst evtl. ein Angestellter mehr verdienen-könnte, als ein Beamten- Anfänger.) Eon diesen 800 M. wurden mir heute abgezogen 1. Nach 10 Proz. Einkommensteuer vom Gescnmbelrag. M. 80,— 2. Aihgestelltenversicherung für Mai— Juli ä 13,30.., 38,90 3. Verträge zur Krankenkasse..........» 17,28 4. Invalidenversicherung............ 5. Voxschusi. 450, ♦- M. 588,18 Mein Kapital betrug zuvor noch 80 Pfennige, sodasi Jch also mit snge tind schreibe 212,62 M. die segensreiche Arbeitsställe ver- lasten habe. Am Anhalter Bahnhof löste ich mir für den nächsten Monat eine Karte. Preis nur 89,20 M., Strasienbahniahrt kann ich mir nicht erlanben, gehe also durch Berlin-J, zu Fuß und bringe meinet! Frau für den Monat August 128,42 M. nach Hause. Mit tvelchsa Gefühlen wir diesen.Schatz' betrachteten, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen! Also auch für August dieselbe Aussicht wie bisher, täglich blanke Margarine-Stullen, Fletsch haben wir schon wieder vier Wochen nicht gegessen. Wir haben kein FeuernngSmaterial, süllig sind 8� Zentner Kohlen, dazu fehlt Holz, dt« Miete mutz bezahlt werden, Verbands- und Parteibeiträge (Zentralverband der Angestellten und S. P. D.), Schuhe müssen dtingend besohlt werden und vieles vieles mehr. Da frage ich nun, wie soll ich durchkommen, bisher bin ich immer ehrlich gewesen, wird man aber bei solchen Verhältnissen nicht diiiekt auf eine schiefe Ebene gebrängt? Jch denke zwar nicht daran, nber nur durch die elende Bezahlung der Arbeitskräste ver- lieren die meisten ihr Gleichgewicht, Meine Frau als iolche bekommt keine Arbeit, ist aber auch infolge der Ernährungslage und des fast permanenten KrankheilSzustandeS gar nicht in der Lage dazu. Vovichud wird auch nicht mehr gegeben, da sich der Amts« vorstand auf die AuSfübruiigSbsstimmungcn des Finanzministers zu obigem Tarife stützt, worin gesagt wird, dah das Gehalt monatlich nachträgKich zu zahlen ist und Abweichungen hiervon unzulässig sind. Mir wir!» nun wohl nicht? weiter übrigbleiben, als mit einem Pfand- bau« Bekanntschaft zu machen, wenn die letzten Reserven von einer L'/z-Milla-Anleihe— verbraucht sind. Achtung, Zimmerer! Die Lohnbewegung der Zimmerer im Tiefbaugewerbe von Grosi-Berlin ist, nachdem die Ortsgruppe Berlin des Tiefbau- gewerbeS die Lohnbedingungen anerkannt hat, als beendet zu be- trachten. Die.Sperren über die bestreikten Firmen find aufgehoben. Am Dienstag vormittag nahmen die Streikenden in ihrer Ver- sammlung den Bericht entgegen und dann die Vereinbarung an mit dem Beschluh. daß. wenn die Löhne und Zuschläge nicht voll bezahlt werden, der Kampf sofort wieder aufzunehmen ist. Der rückständige Lohnzuschlag, ab 29. Mai pro Stunde 80 Pf. und 10 Ps. Werkzeuggeld bis zu dem Tage, wo der Streik begann, mutz von den Arbeitgebern bis spätestens 31. August abgehoben resp. gesondert sein? später gestellte Forderungen au« der Lohn- bewegung werden nicht mehr berücksichtigt. Der Lohn beträgt jetzt vom 1. Juli ab im Tiefbau 6,80 M. die Stund»}. Differenzen sind sofort zu melden. Zentralverband der Zimmerer Deutschland«. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Vom Reichspostmiuisteriuck. Vom Zentrelverband der Angestellten erhalten wir eine Zu- schrtfr, der wir daS folgende entnehmen: Das R'.eichSpostministeriltm führt in letzter Zeit einen Presse- feldzug ge�en seine männlichen Posthelfer, speziell bei den Post« fcheckämtern. In Artikeln, die die Runde durch die gesamte deutsche Presse machen, werden die Leistungen der Angestellten in ganz un- gerechter Weise herabgewürdigt. Die Angestellten der Postscheck- ämter sind fast ausschließlich auS den kaufmännischen Berufen hervorgegaitgen und eS mutet daher eigenartig an, wenn Bach« baltern, die' sich in jahrelanger kaufmännischer Praxis bewährt haben, nun Unfähigkeil vorgeworfen wird. Bemerkt fei, daß auf der einen Seite Angestellte mit FamiNen ihrer Erwerbsmöglichkeil beraubt werden, während aus der anderen Seite Lyzeumsschülerinnen eingestellt werden, die zum größten Teil nicht auf Erwerb angewiesen sind, um diese später zu Beamtinnen zu machen. Die Industrie, die sich in schwerer Wirtschaftskrise be- findet, ist außerstande, Angestellte aufzunehmen. Auf diese Weise belasten Staatsbehörden, die auf der einen Seite zu sparen vor- geben, die Erwerbslosenfürsorge in unverantwortliche Weise. Will sich der Reichstag hier auch weiterhin auf seine Anftagen mit nichts- sagenden Erllärnngen des R.P.M. abspeisen lassen? Tie Arbcitskammeruund Sichcrheitsmänner im Bergbau. In der am Montag in Essen abgehaltenen Gesamtsitzung der Arbeitskammer sür den Kohlenbergbau des RuhrgebictS wurde zu dem Erlaß des Ministers vom 6. Juni 1920— 1 6069— betr. SicherheitSmänner im Bergbau Stellung genommen. Die Arbeitskammer(Arbeitgeber-, Arbeiter- und An- gestelltengruppe) erklärte sich mit der Ausfaiiung der Reichsarbeiis- gemeinschast dahin einverstanden, daß.die Funttionen der SicherheitSmänner dem Betriebsausschuß als dem ausführenden Organ des Betriebsrates zu übertragen find. Nur in sollen Fällen soll die Tätigkeit der früheren Sicherheitsmänner auf die beiden Be- triebsratsvorsitzenden übergeben, wenn nach den Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes kein Betriebsausschuß gebildet zu werden braucht. Achtung, Buchdrucker! Die Vertraucnslcute aus den berechnenden Zeltmigsbelrieden Berlins werden gebclcn, Freitag, nnchmitlagS B Uhr, bei Ratbmann, Wtlhelmstrajze 118, zu einer wichtigen Besprechung zu er- scheinen. Arbeitsgemeinschaft freier Angcstelltcnverbände. SämIIiche Asa-Gruppenräte Versammlung Donnerstag Jugendsäle, Nosenihaler Straße 36, abends 7 Uhr. Aibeitcrgrupprmäte, die den freien Gewerk- schatten angehören, süid als Gäste willkommen. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Mitglieder- Versammlung N o r d e n I am Donnerstag, 13. August, abends Vi, Uhr, im Rest. Schwark, Feldstr. 3(am Garienplatz). Gastwirtsgewerbe. Heute, Donnerstag, nachts 12 Uhr, vier Versammlungen aller Angestellten: Restdenz-Festsäle, Landsberger Straß« gl: CasS Stern, Oranienburger Tor/ Friedrichstraße: Arminhallen, Kommandanlrnstr. 58; Gass Stern. Gbarloltenburg, Hardcnbcrgstr. 27. Ohne Mitgliedsbuch oder Karte der kartellierten Verbände kein Zutritt.- Verband der(3aftw»tZgchilsen. Deutscher Musikerverband. Ensembleseklion. Heute Donnerstag, den 12. August, vorm. 10 Uhr: Wichtige Gruppenvcrsammlung. Deutscher Tranßportarbeiterverband. Deutscher Metall- arbetterverband, Zcntralverband der Maschinisten und Hetzer. Versammlung aller beim Maglstrot Groß-Berlin beichäsligen Kollegen am Freitag, den 13. August, nachm. B>/, Uhr, in BölkcS Feslsälen, Weberilraße. Stellungnahme zu dem letzten WaglstratSbeschluß von, 10. August 1320. _ Die Ortsvcrwaltungen. Soziales. Der Verband Deutscher Gewerbe- und KaufmannSgerichtc wird am 27. und 28. September d. I. in Bamberg tagen. Die diesjährige Tagung hat um so größere Bedeutung, alS sie sich auch mbt den geplanten wichtigen gesetzlichen Aendcrungen auf dem Gebiete des Arbeiterrechts beschäftigen wird. Als vorläufige Tagesordnung ist u. a.: Der Gesetzentwurf betreffend ArbeilS» gcricht(Berichterstotter Magistratsrat Tr. Landsberger, Vorsitzen- der des Gewerbe- und ÄaufmannSgerichts Charlottenburg). Der Entwurf einer Schlichtungsordnung(Berichterstatter Stadlrat Dr. Boecker, Vorsitzender des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts und des Schltchtungsausschusses Königsberg i. Pr.). Das Arbeitsrecht an den Hochschulen(Berichterstatter Professor Dr. Erdel, Dozent an der Handelshochschule, erster Vorsitzender des Schlichtungsaus- schusses und stellvertretender Vorsitzender des Gewerbe- und Kauf- inannsfyerichts Mannheim). Die Behandlung dieser Beratung?» gegenstände ist geeignet, anregend und vorwärtstrcibend� auf die Gesetzgebung zu wirken. Letzteres erscheint um so wichtiger und notwendiger, als die letzte Verordnung über die Wahlen zu den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten zeigt, daß die maßgebenden Instanzen nur zögernd den Forderungen der Neuzeit Rechnung tragen und sich nicht scheuen, Bestimmungen festzusetzen, die mit der Verfassung in einem gewissen Widerspruch stehen. Das trifft beispielsweise zu bei der Frage der Wählbarkeit als Beisitzer zu den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten, die nicht, wie notwendig gewesen wäre, auf alle wahlberechtigten männlichen und weib- lichen Personen ausgedehnt worden ist. Die Aussprache über den Entwurf einer Schlichtungsordnung dürfte darüber wertvolles Material für die Weiterberatung dieses Entwurfs liefern. Die Referate find im wesentlichen nur zur Einleitung der Debatte bestimmt und werden auch diesmal den Haupttcil für die Debatte freilassen. Die Teilnahme an der Versammlung ist auch von Vertretern solcher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte erwünscht, die nicht oder noch nicht Mitglieder des Verbandes sind, oder von Verwaltungen, die Gewerbe- und KanftnannSgerichte zu errichten beabsichtigen usw. Erwünscht ist, wenn die Gewerkfchaftskartclle auf die Stadl- Verwaltungen einwirken, daß der Verbandstag möglichst zahlreich auf Koste» der Stadtverwaltungen mit Beisitzern der Gewerbe- und Kauftnannsgerichte beschickt wird. Von jedem Teilnehmer des Verbandstages wird zur Deckung der Unkosten ein Beitrag von 20 M. erhoben. Teilnehmerkarten sind vom 20. September ab in der GcrichtSschreiberei des Gewerbcgerichts Bamberg und wäh- rend der Tagung im Versammlungslokal(Harmoniesaal in Dam- berg) zu haben. Exemplare der Tagesordnung sind zu ersiatten von der Archiv- Verwaltung des Verbandes Deutscher Gewerbe- und Kaufmanns- gerichte zu Berlin W. 80, Motzstr. 69, wohin auch Anmeldungen zur Teilnahme an der Verbandsversammlung zu richten sind, Gerichtszeitung. Der hungernöe Millionärshaushalt. Ein Idyll vom Kurfürstcndamm. Eine Diebesgeschichte vom Kurfüvstendamm bildete die Grund» läge einer umfangreichen Anklagesache, die in einer vielstündigen Sitzung die Ferienstrafkammer des Landgerichts 3 beschäftigte. Angeklagt wegen Diebstahls bzw. Hehlerei und Begünstigung waren: die Wirtschafterin Hedwig Gorgas, die Wirtschafterin Emma Hüttenheim, die Arbeiterin Agnes Meyer, die Stütze Ella Müller, der Installateur Max Pflug macher, die Frau Marie Richter, der Automobilbesitzer Gustav L c u s ch- ner, dessen Ehefrau Erna L. und die Frau Therese Pflu>- in a ch e r. Der Angeklagten Hüttenheim war es, obwohl sie schon sechsmal vorbestraft ist, gelungen, eine Stellung in dem Haushalte deS Majors Aderholt zu erlangen, der als mehrfacher Millionär am Kurfürstendamm eine Zwanzigzimmerwohnung bewohnt. Nach der eigenen Angabe des Majors führte seine Frau ein ziemlich strenges Regiment, so daß die Hausangestellten eS nie lange aushielten. Wie die Angeklagten behaupteten, soll die eigentliche Ursache die gewesen sein, daß die Frau Major dem Personal nicht ausreichend zu essen gegeben habe, so daß die Stellenvermittleriiinen bzw. die Dienstmädchen sich gc- weigert hätten, für sie tätig zu sein. Obwohl vier Speise» k a m m e r n vorhanden waren, hätten die Wirtschafterin,� Dienst- mädchen oder Stütze, stellenweise der Hausehrr selbst. Pell- kartoffcln zum Frühstück bekommen. Diese allzu große Spar- samkeit hatte, als die Dienstherrschaft vom Januar bis August nach der Schweiz und Monaco reiste, zur Folge, daß das gesamte Personal in der großen Wohnung wahre Orgien feierte. Zu allem Unglück hatte der Major auch noch zwei Reichs wehr sol- d a t e n als Einquartierung und Diebesschutz in seine Wohnung genommen, die sich schon nach einigen Tagen ihrer Anwesenheit mit dem Dienstmädchen und der Stütze verlobten. Der Ange- klagte Pflugmacher wurde veranlaßt, die vier Speisekammern und> die Likörlammer mittels Dietrichs zu öffnen und nun begann der Verlobungsschmaus, bei dem der Wein i» Strömen floß. Ter Besuch schleppte außerdem noch Waschkörbe voll Lebensmittel fort. Am nächsten Tage öffne!« Pflugmacher sämtliche Schränke und Vitrinen in den beiden Biedermeierzimmern, im Ludwig-XVI.- Zimmer und im Barockzimmer. Wie die Anklage auf Grund der Anzeige der Frau Major behauptet, sollen die Angeklagten für insgesamt stöOOOO M. Sachen aller Art gestohlen haben. Die An- geklagten bestreiten die Höhe de» Wertes, ebenso die Versicherungs- gesellschaft.— Für die Frau Major hatte diese Sache insofern sehr unangenehme Folgen, daß im Laufe diese» Verfahrens zur Entdeckung kam, daß sie sich vor ihrer Abreise nach der Schweiz Tau send markscheine in ihre Klervun g hatte nähen lassen, so daß, wie der Vorsitzende mittetUe. ein Straf- verfahre» wegen Kapitalflucht gegen sie ctngelettet wurde. In der Verhandlung kam auch noch zur Sprache, daß der Major A. wiederholt selbst abwaschen, einholen und den Mülleimer her- untertragen mußte, wie die Angeklagten behaupteten. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Haupttäter Zucht. haukstrafen bis zu 1)4 Jahren und gegen die wegen Hehlerei und Begünstigung angeklagten Personen Gefängnisstrafen bis zu 1 Jahr. Von den Rechtsanwälten Justizrat Dr. Auerbach und Dr. Liebknechzt wurde die Höhe des Wertes der gestohlenen Sachen bestritten und um eine milde �Beurtei- lung gebeten, da die Verführung eine zu große gewesen sei. Da? Gericht billigte den Angeklagten mildernde Umstände zu, da sie einerseits gehungert, andererseits einem starken ileberslusseuwgen. übergestanden und der Verführung erlegen seien. DaS Gcricht erkannte gegen die Hüttenhcim auf 2 Jahre, gegen die Gorgas auf VA Jahre, gegen die Mayer akif 1 Jahr. gegen die Müller und P f l u g in a ch e r auf j e 9 M o n a t e und gegen die Richter auf 1 Monat Gefängnis, die übrigen Angellagten wurden freigesprochen. ?ugenüveranstaltungen. Heute'/,« Uhr: Gesundbrunnen: Jugendheim 208. SemelndesKuke, Jugendzimmer, Gotcnburger Str. 2, Vortrag:.Erste Hilfe bei Unglücksfällen', vtieder- schönewride: Jugendheim Gemcindeschule, Berliner«tr. St, Bortrag. Stralauer Viertel t Jugendheim Jugcndtlubzimmcr der 220. Eemeindce schule, Shrcnbergstr. 23. Vorttag:.Goethes Leben und Werke'. Reinickendorf-West: Lokal Eichbornsäle, Eichbornstr. 60, Vortrag: .Wie sollen wir wandern?' Schiindanscr Borftadt l: Jugendbeim Schule. Sonnenburgcr Str. 20, Vortrag:.Was ist Kommunismus?' Schönhauser Borftadt IS: Jugendbeim Jugendtlubzimmer der 222./23g. Gcmcindcsqule, Pappelallee 41/42, Mltglederverlammlung. Süd- «est: Zentraljugendhelm, Llndenftr. 2, 2. Hol links, Dlskusllonsabend: .Wie wünschen wir unser Helm?' Steglitz-Nriedeuau: Jugendheim Gememdeschulc, Ossenbachcr Straße, DiSlusjior.sabind. Verantwortlich fili den redaktionellen Teil: H. Lepire-Hermsdork: fvr Anzeigen: Th. Glocke. Berlin,«erlag: Vorwärts-Verlag S. m.». H., Berlin. Druck: Vor- wltrts-Buchdruckerei u. LerlagSanstalt Paul Singer u. S.o., Berti.», Lcndenstr. 2. Hierzu 1 Beilage. w/rle Lebensmittel '/a Flasche si, Flascht S Flaschen Hesserlweine M � ttntehlüutiih flucht ohne Sltutr Margarine 10° Pfund Cöcos-Fett 12" I a*Ja Plund Speise-Oel 12° Pfund Grösse blaue Pflaumen Kodiäpfel..................... Rhabarber................... Essäpfel....................... Essbirnen..................... Pfund l35 Plund 60 PI- Pfund H 6 Pf. Pfund � Pfund 1 Neue holländ. Kartoffeln..... Pfund 65 pi- Weisskohl.......................... Pfund 15pf. Grüne Gurken................... sm* 140an Mohrrüben........................ Pfund 25pf- Holländischer Rotkohl......... Pfund 45pi- Haferflocken....................... p�d 2 15 Tafel-Reis........................... pfundS 00 Weisses Maismehl(ßaduneho.... p;und4M Mandel-Rosinen-Pudding v« pm!90 Camembertkäse Pfund 67° Goudakäse II90 Pfund vierMt-noriiielaiie co. 50% Zucker Pfund Frischer ülC tiell fiSCtl Pfund 2 00 Frischer ColclbdrS.. Pfund 2 orofie Voll-Heringesi SQpr. 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