Nr. 40$■» 37. Jahrgang /lusgabe A Nr. 67 Bezugspreis: «-rteliSdrUM.- Ml.monatl.10.— M. frei in» Haus, voraus zahlbar. Poll» bezua Monatlich l<>,— MI. ejtL-iu» ftellunqsqebiihr. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich UUV Ulf. für da» librtge Ausland det tätlich e-mnal. Zustellunz 2150 M. Voltde» ftellunaen nekmen an Oesterrelch, Unzarn, Tschecho-Slowalel, Däne- wart, Holland, ruxemdurz, Schweden und die Schweiz.— Einzetraaeu in die Dol>-?eiwnq»-Prei»lisre. Der.Vorwärts� mit der Eonniazs- d erlöge.Boll u. geiN erichein» wachen- täglich zweimal Sonntage und Man- tags einmal. Teiegramm-A drelfer �Sozialdeuiolrot Scclin". Morgen Ausgabe Devlinev VolksblAtt � 2l) Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Ronoareilleze»« ioitelZ.— M.,Teuerung»zulchUlg 50°/». «ttloia» Anzeigen", das teil- gedruckte Won l.— M. Izuläwg zwei lettgedruckte Wonel, iede« weitere Wo« S0 Psg. Stellengesuche und SchlasNellenanzetgen da« erste Bon IS Psg. sedes weitere Wort*0 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Wone. Zeuerungszuschlag So»,» ffamilien-An-eigen für Abonnenten Feile Z— M. polirtlch« und gt- werlschastliche Vereins- Anreigen Z.— Ml. die Feil» ohne Aulschlag. Anzeigen sür die n ä ch st e Stummer müssen bi, S Ahr nachmittag» im Hanvtgeschäst. Berlin LW SS. Linden» ftrah« 3, abgegeben werden, ibeölsnel »m» g Uhr srüh bis s Uhr abend». Zentralorgan der rozialdcmokrati leben parte! Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. �ernfvreciirr: Amt Morivpla»,?t?. LSI SV— IS»»7. Dienstag, den 17. August 1VÄ0 vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. b8, Lindenstr. Z. aernivrechrr: Amt Morivplav, Nr. 117 32—64. Grgefths Entlarvung. Der Reichstvehr-Jpitzeldienst. Miiilbrliurg, 1K. August. lEigtucr Drahtbrricht de?„Bor- wärtS".) Auf die»?'eri,uKfordcr'.ing der RriciiSwehrbrigade IV ant- wartet der Oberprästdent.Hör sing mit einer Erklärung, in der es u. a. heißt: Tie Reichswehrbrigade IV bat in der Presse eine ErNärung veröffentlicht, um die schon in der Oeffentlichkcit gegen sie erhobenen Borwürfe zu entkräften. Da in dieser Erklärung sich auch Angriffe gegen mich befinden, sehe ich mich zu meinem Be- dauern genötigt, folgendes festzustellen: Nach den eigenen Angaben der Reichswehrsoldatcn Friedrichs und Mertens vom Nachrichtenzlig des ReichSwehrschützenregimentS 8 in Magdeburg hat die Brigade bis zu dem Zeitpunkt, wo sie für die Aktion gegen Hölz eingesetzt wurde, eine eigene Nachrichten st elle unter der Bezeich- nung„Pressestelle" unterhalten. Diese Pressestelle unterhielt einen eigenen Kundfchafterdienst. Kundschafter waren auch hie beiden vorgenannten ReichSwchrsoldaten Friedrichs und Mertens. Nach de� Rückkehr aus Plauen wurde diese Pressestelle aufgelöst und der Kundschaftcrdicnst auf Befehl offiziell eingestellt. Zur gleichen Zeit erhielten jedoch die bisherigen Kundschafter Befehl von dem Leutnant v. F o r m a n n, ihre Kundschaftcrtätigteit weiter wie bisher auszuüben, die Berichte aber nicht ihm, sondern Altmann zu über- senden. Formann hat nach» Aussage der Genannten weiter per- sönlich Auftröge gegeben. Friedrich und Mertens sollten sich nur in dringenden Fällen beim Nachrichtcnzug sehen lassen. Tie Genannten sind denn auch nur zum Löhnungs- empfang erschienen. Eine andere soldatische Tätigkeit alS den Kundschaftcrdicnst haben sie nicht chei der Reichswehr ausgeübt. Wichtig ist allerdings daß auch versucht wurde, diese Kundschafter- dieikst.e bei der Reichswehr zu verleugnen. Ter mit den Nach. forfchungen betraute Offizier der Sicherheitvvolizon, der sich deS- halb in der Kaserne des RcichswehrrcgimcntS Nr. 8 aufhielt, erhielt dort vom Leutnant Byngrz den Bescheid, ein Friedrichs sei hier unbekannt und Kundschafter gebe eS bei der Brigade über- Haupt nicht. Die gleiche Antivort erteilte in Gegenwart von .Hauptmann Nagel ein Bizcfcldwebel. Nur der Kompagniefcld- wcbel des Nachrichtendienstes, Kümmer, bei dem sie Löhnung emp- fingen, beging die Ungeschicklichkeit, geheimnisvoll zu erklären: Ja. wohl, sowohl Friedrichs wie Mertens sind Angehörige de? Nach- richtenzugcs und kommen nur zum Löhnungßcmpfang. Nachdem am 10. Nachfrage nach Friedrich und Mertens gehalten wurde, wurden diese am 11. nach Neuhaldcnslcben beurlaubt. ES wurde ihnen vom Feldwebel Kummer eröffint, daß sie aus Befehl beurlaubt würben. Dem Feldwebel war dieser Befehl vom Leutnant Grube erteilt worden. Tie Urlaubsscheine tragen da» Datum vom 3. August, sind aber nach Angabe von Friedrich und Mertens erst am 11. August geschrieben und unterschrieben. Auch die Ausweise für die Erlau- gung einer Militärfahrkarte nach Neuhaldrnsleben zweck» Urlaubs der auf den 11. August lautete, beweisen, daß hier eine öffentliche Urkunde seitens deS SchühenrCßiments 8 gefälscht wurde. Auf dem Urlaubsschein des IchützenregimentS stand sogar überschrieben der 13. August, denn nachträglich war die 3 über- schrieben worden, lieber den Grund gefragt, hat Mertens folgendes ausgesagt: Wegen der Veröffentlichung meines und Friedrichs Namen bekamen wir be'dc vom 11. bis 27. August Urlaub. Damit eS nicht so aussehen sollte, als wenn man unS von Magde- bürg verschoben hätte, wurde der 11. August in den 3. verwan- dclt. AlS am 11. August durch die Presse unsere Namen in Bei- bindung mit Altmann genannt wurden, sagte der Oberleutnant Grube im Beisein des Leutnants Hcbcrle, wir sollten sofort aus Massdeburst verschwinden. Wie die Reichswrhrbrigadc angesichts dieser durchaus glaub- würdigen Aussagen und durch amtliche Dokumente festgestellten Tatsachen de» Mut besitzt, da? Bestehen einer Nachrichtenstelle mit ihren Agenten und ihrem Zusammenhang mit Altmann abzulcug- neu, ist bewunderungswürdig. Ein(Scheimbefehl deS SandbnndeS. Halle, 10. August.(Eigener Drahtbcricht deS„S-rwärtS".) vcim hiesigen Geschäftsführer des L a n d b u n d e S, namens Deck. wurde eine Haussuchung vorgenommen, bei der ein Geheim- befehl beschlagnahmt wurde, in dem, lange nachdem der Reichs- kommifjar den Befehl'zur Auflösung der Einwohnerwehr und der Zeitfreiwilligen erlassen hatte, die weiter« Aufrecht- rrhaltung dieser Einrichtung angeordnet wurde, um sie im gegebene» Falle für den Kampf wieder einzusetzen. Die Lei- tung dieser neuen Formation sollte d-m Leutnant E g e r üb-rtragen werden. Dieser Befehl wurde laut beigefügtem BcrteilungSschlüsscl au alle möglichen Stellen weitergegeben, nur nicht an die zinzig S« ständige, nämlich das Magdeburger Oberpräsidium. Nun fragt eS sich, wie kommt der Landbund zu diesem Gcheimbefehl? Ter Landbund ist nichts anderes als die Zusammenfassung der be- waffneten Bauern und steht in enger Verbindung mit der Orgcsch. Magdeburg, 10. August.(Eigener Drahtbrricht des„Bor- wärtS".) Der Geschäftsführer des Landbundcs, Beck, hat an den Reichspräsidenten ein Schreiben gerichtet, von dem er Abschrift a» den Lberpräsidenten Hörsing gerichtet hat und in dem er sich gegen daS Borgehen Horsings wendet. In diesem Schreiben heißt es u. a., daß in der Provinz Sachsen und Anhalt die Orgesch 200 000 Mitglieder zähle. Weiter wird darin ganz naiv er- ! zählt, daß viele Leute aus Angst, eingesperrt zu werden, nach Bayern geflüchtet seien. Orgesch ist und bleibt verboten. Magdeburg, 16. August. Dem Oberpräsidenten ist, wie die Pressestelle beim Obetpräsidium mittelt, von dem Minist er des Innern folgendes Telegramm zugegangen: Tic am 14. Juli er- teilte Anweisung, gegen private'Sclbstschutzorganisationen vorzu- gehen, wird nachdrücklichst wiederholt. Die Bildung der Orgesch �ist ein B e r st o ß gegen die Verfügung des StaatSmini st eriumS betreffend die Auflösung der Einwoh. nerwrhren und daher«ngrschlich. Gegen die Orgesch und ähnliche Vereinigungen ist mit Verbot oder Auflösung vor- zugehen. Ordnungöblock siir Orgesch. München, l 6. August. MMütr Drahtbericht des„Vor'.väriS".) Der bayerisch« Ördnungs block hat an seine sämtlichen Zweigstellen und Kartellverbände im Reich über die augenblickliche Einwohncrwehrfrage eine Weisung gegeben, in der es heißt: Alle gegen die Orgesch gerichteten Verdächtigungen über separa- tistisebs, reichsfeindliehe und klasscnkäinpfcrische Tendenz sind voll- kommen unwahr und sind zu bekämpfen. Die Bundesleitung verbürgt sich im vollen Umfange für die absolute Lauterkeit der vaterländischen Absichten des Forstrates Escherich und seiner Mitarbeiter. Zurück, du rettest den Freund nicht mehr...!' Orgesch im Kreise Liebenwerda. Man schreibt uns: Wie ernst die Lage berzits durch die beim- liche Tätigkeit und die Wühlereien der Organisation Escherich geworden ist, zeige,, auf das allerdcutlichste die Nachrichten, die mit immer größerer Bestimmtheit au» dem Kreiie Liebenwerda in der Provinz Sachsen kommen. Dort besteht schon seit einigen Monaten besonders in und um Elsterwerda eine'starke Ab- teibnng der Organisation Esche rieft, deren Kern die Zöglinge des L e h rgr s e m i ii a rs El stc rw c r da bilden. Besonders die Seminaristen P a b st und H c.i m, ersterer Leutnant a. D, letzterer ehemaliger Feldwedel, arbeiteten für diese Organisation. Sie zogen agitierend von Ort zu Ort. Ihr Werben hatte auch de» ge- wünschten Erfolg; die Organisation soll zuletzt schon fast 300 Mit- Flieder gehabt haben, jedenfalls gelörtcn ihr fast alle Zöglinge des Seminars Elsterwerda an. Nur Rektor und Lebrkörpcr des Semi- nars wußten angeblich nichts davon l. Nebenher lief eine gbnlichc Wcrbetssligkeit deS L a n d r a t Z von Bor k,e. Auf den Gütcktn an der Grenze des Freistaates Sachsen soll es zu großen Wassenschieltungen gekomtben sein, und zwar muß es sich dabei um erst jüngst beschaffte Waffen handeln, da sie von der aufgelösten Einwohnerwehr nicht stammen können, gab es doch in Elstertverda und Umgebung keine Einwohnerwehr. Im engsten Zusammen- bonge mit diese» Vorgängen werden übrigens auch die Namen der Gillsbesitzer Grafen von der S chu l e n b u r g und eines Herrn von Rochow, letzterer Besitzer des Gutes Strauch im Frcistaatc Sachsen, genannt. Gras von der S ch u l e n b U r g soll sogar der eigentliche Leiter der Unternehmung sei». Alle diese Vorgänge riefen in der sehr zahlreichen Arbeiter- schaft fwu Lauchhammer große Allfregung hervor. Die allge- meine Beunruhigung wurde schließlich so stark, daß die Arbeiter- schaft mit Selbsthilfe droHe. Sie drohte, nach Elfte r.» w e r d a zu ziehen, um die dortige Orgesch aufzuheben. Tie Folge dieser Erregung war, daß die beiden Hauptagstatorcn Papst und Heim das Seminar verließen und flohen. Erst nachdem der Rektor der Anstalt erklärt hatte, daß er von ider ganzen Angelegenheit nicht! wisse, sie auch nicht bil- lige und er seine Anstalt jederzeit für eine Untersuchung zur Verfügung stelle, und nachdem bekannt wurde, daß der Ober- Präsident der Provinz Sachsen von Magdeburg aus zwei Beamte der Sicherheitspolizei geschickt'habe, die mit Unter- stützung des kommissarischen Lcmdrats Vog-l die ganze An- gelegcnhcit eingehend untersucht und bis nach Dresden hin verfolgt haben, trat wieder Beruhigung ein. Soviel in Liebenwerda von dem Ergebnis der Untersuchung bekannt geworden ist, wurde da? Besteben ciner Geheimorganisation, die der Orgesch wenn nicht angehört, so doch wenigstens nahesteht, einwandfrei festge- j stellt. Auf die Meldung davon hat der Oberpräsident die n ö- Itigen Maßnahmen getroffen. Reichsexekution! Zur Erzwingung des Ungehorsams. Wir leben in der umgekehrten Welt. An sich schon ist eZ ein erstaunliches Ereignis, lvonn die Reaktion die Hilfe des Reichs gegen Preußen anruft, nachdem sie jahrzehnte- long als das A uud'Q ihrer Politik»erkundet hat, daß das Reich von Preußen aus beherrscht werden müsse. Freilich galt dos nur, solange sie selber in Preußen herrschte. Aber diese Sonderlichkeit wird in den Schotten gestellt durch eine viel.größere, nämlich durch den Zweck, zu dem die Reaktion das Eingreifen des Reichs gegen Preußen sor- dert. Preußen soll nämlich durch das Reich zum U n g e- borsam gegen die Reichsgesetze gezwungen w e.r den. Das klingt wie aus dem Tollhaüs, entspricht abdr durch- aus den Tatsechen. Preußen Hot sich das ungeheure Per-' brechen zuschulden kommen lassen, den Reichsgeietzen Geltung zu verschaffen, während es nach reaktionärer Meirnmg feine Pflicht gelvefen wäre, die Reichsgesetze zu sobotieren. Das ist wirklich kein Witz. Seit dem 7. August 1920 gilt bekanntlich das Gesetz über die Entwaffnung der Bevölkerung, dessen 8 l- soweit er hier in Frage komirrt, lautet; All« Militärivasfcn sind bis zu einem von dem Reichskom- missar fiur die EnÄvasfnunig festzusetzenden Zcrtpunkt an di« von ihm zu bestimmenden Stellen abzuliefern. Von der Ablieferung der Waffen ist nnr die Reichswehr und die zur Ausführung ihres Berufs mit Waffen versehene Beamte«. schast befreit. Diese Sätze sind wohl vollkammen eindeutig. Sie ergeben, daß im Deutschen Reich sür bewaffnete Organisationen neben der Reichsirehr und der staatlich eingerichteten Sicherheitspolizei kein Raum und kein Rechtsboden vorltzmden ist. Außerde m ist schon vor Inkrafttreten des-(ilosetzes durch Erlaß des Reichs- Präsidenten vom 30. Mai 1920 hie unbefugte Bildung von bcivlrffneten Organisationen unter Zuchthaus st rase gestellt worden. Auf diese Reichsmaßnahmen hat der Bundesstaat Bayern unter seiner reaktionären Regierung mit der An- kündignng offener Widersetzlichkeit reagiert. Er hat erklärt, daß er sich die Eiiiwohnerrochren nicht nehmen ließe und hat die Organisation Escherich, eine pozeütierte Zen» trälisation der Einwohnerwehren und Zeitfreiwilligenver- bände, unter sein hejsnderes Protektorat genommen. Preußen dagegen hat getreu den Reichsbestimmungen die Einwohner- wehren aufgelöst. Und als unter dem Deckmantel der „Orgesch" von Bayern her versucht wunde, auch in Preußen Einwohnerwehren und Zeitsreiwilligenorganisalionen am Leben zu echalten, ist die preußische Regierung dagegen ein- geschritten. Die einwandfreie.Haltung des preußische» Ministeriums veranlaßt mm die Reaktion, das Reich gcgey Preußen anznrnwn. Schon am Montag morgen schrieb die volksparteiliche„Tägliche Rundschau" zu dem Per- bot der„Orgesch" in Preußen: Wieder zeigt sich, daß die preußische Regie- rung und die sozialdemokratischen preußischen Oberpräsidenten andere Wege gehen als die Reich srcgier ung und unentwegt ihre Pa'rtei- Politik überdie Reichspolitik stellen. Aber noch viel deutlicher wird in ihrer Montag-Abend- ausgäbe die„K r e u z- Z e i t u n g". die schreibt: So bedauerlich es ist, daß Preußen— einstz die Bormacht im Reich und das Musterbild staatlicher Autorität— genöügl ist, sich an das Reich zu wenden, in diesem Falle icheint es doch notwendig, um den innere» Zusammenhalt des Rciches nicht zu gefährden. Denn die.Orgesch" ist keine preußische, sondern eine das ganze Reich umfassend«Ein- r i ch t u n g. Es geht nicht an, dasi ein Bundesstaat sich dazu be- kennt, während in eincm anderen Staate aber die Teilnehmer mit schweren Strafen— unter Umstände» sogar mit Zuchthaus— bedroht werden. Das ist die Höhe! Weil ein Bundesstaat(Bayern) sich der Ausführung der Reicktsgesetze widersetzt, so wird nickt etwa das Reick, gegen den widersetzlichen Bundesstaat ange- xufen, sondern das Reich soll die Einheitlichkeit herstellen, i n- demesdiegesetzeStreuen Bundesstaaten auch zum Ungehorsam zwingt. Ist dies gleich Wahn- sinn, so hat es doch Methode! Wir l>aben zu der bürgerlichen Rcichsregierung ein sehr geringes Maß von Vertrauen. daS durch die Art, wie sie sich bisher in dem ganzen Konflikt um eine klare Entscheidung herum.ziidrücken gesucht hat, nicht eben verstärkt wird. Sic hat erklären lassen, daß sie die„Orgesch" niemals offiziell an- erkannt habe, aber dos ist rein negativ. Nvgativ ist auch die Erklärung, daß sich die Reichsregierung mit den Magdeburger Enthüllungen noch nicht befaßt habe. Zu einem klarenVerbotder„Orgesch" hat sie si weder in ihrer Gesamtheit noch durch den neuernarmten ReichSentwatfnungs- kommisfar— wozu ist er da?— aufgerafft. Aber eine solche Riesenblamage möchten wir der Reichsregienmg denn doch emstweilen noch nicht zutrauen, daß sie der preußischen Re- Wimm# öffentiid) erklären läßt: WeilVayernnichtge- horcht, da r f-P r e u ß en auch nicht gehorchen. Freilich. Sie st i l l e Sabotage des preußischen Vorgehens wird dafür um so lebhafter betrieben. Gir habe» schon gemeldet, daß der. Magdeburger Volksparteiler .t!» h l e» k a>n p t t die Entsendung eines Reichskommissars nach Magdeburg verlangt hat, der durch„unparteiische" lln- knuchimg weitere Aufdeckungen verhindern soll. Isi es doch auch die Reichsregierung, die es durch einen Erlaß des Reichs m i n i'st e r s des In n er n unmöglich gemacht chft. die Fäden des reaktionären Komplotts bis in die legten Winkel- nämlich bis in die Kasernen der N c i ch sw e h r— zu versolg/n. Gegen � den Lberpräsidenteu Hörsing, der niannhast in das reaktionäre Wespennest gegriffen bat/scheint ein be- wilderes Kesseltrerbeu im Gange. zu sein, dessen Hintermänner in gewissen R e i ch s«st e t l e n sitzen. Sckou drehen die be- rüchtigren Forinalsuristen aus dem unerschöpflichen Para- arapheiworrat die stricke, mit denen Hörnngs Arm gefesselt werden soll. Es ist hnmer dasselbe: Wenn eine.repnbli- kanisch zuverlässige Behörde von ihren Machtbeftignissen gegen die Reaktion Gebrauch macht, so stell! sich plötzlich her- ans, daß dieselben Machtbefugnisse, die im Kamps gegen dch �inksbolscheivisten niemand anzuzirnseln wagte.- plötzlich ti b e r a cht v e r s ch w u n den sind!— Wir stehen freilich ' aus dem Standpunkt: Wenn eine ungesetzliche und gar bewaffnete-Lrganiiation unschltdlich' gemacht iverden soll. mit der alle möglichen und unmöglichen Amtsstellen sich im geheimen Einverständnis befinden, wenn sich im Verlaufe der Aktion weiter herausstellt, daß diele geheimen Helfershelfer olle unteruoniemnen Schritte sabotieren, wenn man immer wieder erleben muß. daß vor Haussuchungen und Ber- Haftungen unerklärliche Warnungen an die Beschuldigten er- wlgen, dann darf nicht mehr ängstlich nach Paragraphen gc- schielt werden, dann muß, zug epa ckt werden. Tie Anrnsgng des Reiches gegen Preußen hat für die Re- aktionäre ireilich noch einen tieferen. Ziveck. der über den aktgenblicklichen Orge'chkonslikt herausgeht. Die-„Kreuz-Zei- timg" verrät ilm. wenn sie ihre Unzufriedenheit darüber aus- drückt, daß Preußen noch immer eine svzialistiich.de- ntokra tische Regier u n g lxche, während sie im Reich beseitigt ist. Tie rein bürgerliche Reichsregierimg soll ans- gespielt werden gegen die wenigstens gnr Hälite sozialistische preußische, um diese im Verlauf des Konflikts durch, eine gltzi'chialls rein bürgelliche Regierung ersetzen zu können. Im Reich lxzben die Unabhängigen leichten Her- zens die Beteiligung der Arbeiterschaft an der Regicriing preisgegeben und der- ilteaktion einen billigen Triumph der- schafft. Ter Fall„Orgeich" zeigt-jetzt deutlich die Folgen. Nicht niehr das Reich, sondern n n r» och P r e n ße n in i t seinen sozial! st i s cli e n Mini st e r n» u d Ober- Präsidenten ist das einzige und letzte Boll- merk gegen das U e b e r>v u ch? r n d. e r Reaktion. Hätten wir in Preußen eine ähnliche Regierung wie im Reich, dann wäre„O r g e f ch" h e n t e n i ch t i n P r e u ß e n d e r b o t? n, f o n d e r n ,.O r g c i ch" b e h e r r? ch t c Preußen..Und dieses M'nltat wird sich nicht vermeiden lasse», wenn die Arbeiterschaft bei den kommenden Wahlen ähnlich urtrilskos verfährt wie bei den Reichstagswablen, wenn sie ist dem Irrglauben radikal zu sein, mit uuab- t> ä n g i g e>i S t i in m z e l t e l ii der Reaktion auch in Preußen in den Sattel hilft. Einst war der Kampf um Preußen der Kampf um das stärkste Bollwerk der Reak- t i o u. Heute ist der Kampf mn Preußen der Kampf»m das stärkste Bollwerk der Arbeiterklasse in Doritschland. («irwchre in Hannover eingezogen. ttzie der Telkgravheii-Nnion vom Oberprösidium Hannover »utqeteilt niird, sind ii�lcr EntwaffnunftSaktion liishrr rund ZNUtM Gewehre in der Provinz Hannover von den Einwohnerwehren z u- sammenzezogen»nd unbrauchbar gemacht worden. Zröhliche Wissenschast. Von Dr. P. Gerhardt. Im.Vorwärts' Hand einmal ein kleiner Artikel unter dieser Ueberschrift. der Verfasser fragte schiichrern und zweifelnd, ob wir nut einer Erneuerung der fröhlichen Wissenschaft rechnen dürfen? dann wäre Aussicht vorhanden, daß Europa, daß Deuifchland sich von der Erschöpfung des langen Krieges eher wieder erholen könnte. Er führt Nietzsche an als den Finder dieses Wortes, der es einem Troubadour nachgebildet. Nietzsche, der Ucberdarwin. der mit dem Menschen nicht genug hatte, der gleich zum U-bermenichen vor- sprang, der blonden-Sestie. Nietzsche war ein Dichter, ein wunder- barer Diwter, aber da« Weh der Krankheit schwingt in oll seinen Werken mit. Daher lein maßloses Ucbertreiben. Er überdarwint, und ahnt nicht, daß die neue Naturforichnng in anderer Richtung weilerichreiiet als Darwin. Höckel ist sei» Fortietzer, aber auch über ihn schreitet die ErlennlniS weiter. Lefsing- Herders Erziehungsideen sind die Wegweiser zum Verständnis, und die Vitdung fröhlicher Wissenschaft ruht bei Herder, wenn er auch vjeneraliuperintcudenl war. auf sichererem Grunde al§ bei dem kranken Nictziche. Erstaunlich ist mir immer, daß die meinen Men- ichen gar nicht daran denken, waS sie alles der Nalurfoi schling verdanken. S i e ist die große Aufklärerin gewesen, die den Wust deS Mittelalter« zertrümmerte, das Mittelalter jedem wahrhaft Denke»- den als zu nbeiwindenden Standpunkt hinstellte. Wie die großen Aufklärer, ein Holbach, ein Diderot vor der sranzösijchen Revolution standen, so steht die neuere Natursorschung vor der jetzigen. Das war die Tragik des alten System«, daß e« nicht verstand, was ernsteste Wissenschaft ihm bot, daß das Reue, was Tarwin-Höckel be- gründeten riiid was der Riesenfleiß ihrer Schüler täglich, stündlich festigte und ausbaute, nichts anderes war als ein köstliches Evan- geliuin, eine wirkliche.fröhliche Wissenschaft', der ungeheuerste DieSseitsoplimiSmuS, der je ausgesprochen. Der vorsichtige Eng- länder zog nicht die Konsequenzen, der wahrheitSmulige Deutsche begann und siehe da, es fielen der Menschheil wirklich die Schuppen von den Augen. Höckel ist nicht nur ein Zertrümmerer, er ist ein gewaltiger Aiiibaiier. Wir brauchen seine Gedanken nur zu Ende zu denken und ein Evangelium hebt vor uns,. das Diesseits« e v a n ge l i u m! und die fröhliche Wisieiischast heißt Sozialismus, nicht ander?. Altruismus ist wissenschaftlich ersaßtsr Egoismus. EgoiSmuS ist nichts anderes als Selbsterhaltungstrieb. Der Trieb. der von der Zelle bis zum Zellhausen Mensch klar sichtbar ist. Die Gleichung Gott-Natur, die Erbschaft Spinozas muß nur eingesetzt werden in alles Geschehen und bell leuchlend ergeben sich folgend« Sätze:.Fröhlichkeit ist Golivertrauen! Wissenschaft iNaiurforichungi ist GotteS Offenbarung! Der Mensch ist ein Kind GotteSl Gott schuf die Welt aus sich.' Die Lehre Darwin?, Höckels, vorausgeahnt von allen Großen bis auf Herder, Leising, Goethe, die Entwicklungslehre, ist nichts als der bündiglie SJeweiS für diese Ahnungen. Der Glaube wird DieSseitSwissen. To« Jenseits scheidet aus als außerba�b der Erfahrung. Erst haben wir daS Diesseits z» durchforschen, alle-fsolgerungen zu ziehen, daS Glück eines Jeden zu begriurden. Im Menschen triit ein ganz NeueS auf den Plan, die Erkenntnis. Erstanden aus der wunderbarsten Erfindung, der „Keine Ehre." Ein Selbstzeugnis der„Täglichen Rundschau". Die.Tägliche Rundschau" hatte vor einiger Zeit den preußischen Kultusminister. Genossen Haenisch. heftig angegriffen wegen eines Artikels, den Haenisch für das deutsch- scindlicho holländische Blatt.Der Amsterdamer" geschrieben haben sollte. Eine Richtigstellung HaenischS, daß der Artikel eine Fälschung sei. und nicht von ihni herrühre. hatte nur den Erfolg, daß das Blatt der„scingeschliffenen Spülklosetts" seine Angriffe in noch gehässigerer Form wieder- holte und die Erklärung des Ministers anzweifelte. Eine zweite Erklärung des Ministers, in der er jeder Anzweiflung den Boden nahm, hatte wiederum- denselben Erfolg. Jetzt endlich, nach einer dritten öffentlichen Richtigstellung des Genossen Haenisch. schreibt das volksparteiliche Blatt mit größter Harmlosigkeit: Der Herr Minister ist also der Gerissenheit und II n b e- d e n n i ch k e i t eines holländischen Journalisten zum Opfer ge- fallen, der seinem Berus keine Ehre mncht. Der böswillige Nutznießer eine? Schwindels ist aber genau s o v e r ä ch t l i ch-w i e fein Erfinder. DeS- hab gilt die Bemerkung der.Täglichen Rundschau', daß der holländische Journalist seinem Berufe keine Ehre mache, auch in vollem Maße von derRedaktion der.Täglichen R u n d s ch a u" selber. Leipziger technische Messe. Ansprache des Reichspräsidenten. Am Sonntag wurde in Leipzig die Technische Messe er- ösfnet. Bei dem Empfang der Regierungovcrtretcr. die am Mon- tag*bie Messe besuchlcn, und M dem der Reichspräsident Eber t, der Rdchswirlschafismittijter S ch o l z, der sächsische Ministerpräsident' und andere sächsische Minister erschienen waren, hielt der Reichspräsident eine Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte: „Taß unsere Technik, einst die stolze Künderin deutscher Erfin- dungsgabe und systematischer Arbeit im Auslände, nun trotz der und aufgezwungenen wirtschaftlichrn und finanziellen Lasten den Mut und die Kraft in sich fühlt,:iüt einer besonderen technischen Messe vor das In- und Ausland ztl treten, daß die Musteraus- stellung von Maschinen, technischen und rlcktrotechnischrn Erzeug- Nissen durch ihren Umfang und ihre Bedeutung eine zeitliche und räumliche Trennung von der allgemeinen Messe notwendig gemacht bat, muß uns mit lebhafter Freude und fester Zuversichi erfüllen. Allen Beteiligten, Uitternebmern, Augestelllcn und Arbeitern, ins- besondere dem Rat der Stadt Leipzig, den» Meßami, seinem ver- dienten Porstand und seinem erprobten Arbeitsausschuß gebührt dafür der Tank der ReicftSreg-iening und des gesamten Vaterlandes. Diese Konzeuiration deutschen Fleißes, deutscher Tüchtigkeit und llnternehmungogeistes, diese Demonstration hochqualisizierter deutscher Arbeit ist uns die beste Gewähr für eine baldige Wieoer- crstarkuug unserer Volkswirtschaft. Das, was hier in den Leip- ziger Messen dargetan wird, rechlferiigt und kräftigt da« Vertrauen. daß Teutschlands Handel und Industrie alles einsetzen, um in fried- lichem Wettbewerb ihren Platz am Weltmarkt wieder zu er- ringen. Nur mit der Wiedererlangiing unserer Stellung im Welt- Handel können wir aus unseren innerwirtschaftlichen Nöten dermis- kommen. Verständnis der Arbeiterschaft für die wirtschaftlichen Notwendigkeiten unseres Taieins und soziales Pilichtgefühl der Unternehmer müssen hier zusammenwirken, denn hier bandelt es sich um eine Lebensfrage unseres-Volkes. Unerläßlich ist deshalb die unausgesetzte Anspannung aller wirtschaftlichen K r-ä f i e Deutschlands zu zielbewußter und einiger Arbeit."-. Rückgabe ües flbftimmungsbezirks. Zwischenfall in Allenstein. Allenstein, lö. August. sWTB.l Vormittags tl Uhr vernb- fckiedete sich die Interalliierte Kommission von den hiesigen Be. Hörden. Die Uebcrgabe der Verwaltung des Regierllngs- -b e z i r k e s Allenstein und des Kreises O l e tz k o an den Reich?- und Staatskommissar Freiherrn von G a y l leitete der Sprache, die erst daS sprechende Tier, dann den Mcnichen werden ließ, als er. nach Hegels Dialektik, seinen Gcgenbegriff Gott fand. Das Gefühl für Gott, ist Religion, das Gefiifil der ehernen Notwendigkeit, in die wir alle verstrickt sind. Die Erkenntnis GotteS ist die der Gesetze des Alls! Das wäre der Schritt über Darwin in Häckelschem Geiste. Der Kamps um» Dasein modelt, vernichtet, hebt empor' Ja, daran«st kein Zweifel mehr möglich. Aber die ErlennlniS, das Neue beginnt beim Menschen, und da lehrt das einfachste Gedankenexperiment. die einfachste Ueberlegung. daß Kampf zerstört, vernichtet, daß er oufzuböreu hat,- feine Zeit ist nm! Jetzt steht der Mensch dem Menschen gegenüber, nicht Tieren oder fremden Gewalten I E» ist der JesuSgedanke: Liebe deinen Nächsten al» dich selbst! Tu bist auf deine Mitmenschen angewiesen, wie sie auf dich. Hilf dem anderen, er hilft dir wieder I Sorge für das Wohl der Allgemeinheil, in deren Wohl ist dein Wohl mit einge- schloffen. Die Natur hatzun» zum Leben bestimmt, nicht zum frühen Sterben, oder zum Todschlagen. Nichts ist dem Menschen nützlicher al« der Mitmensch, da» lehr» schon Spinoza in Klarheit. Ist daS nun keine fröhliche Wissenschaft, die Entwicklungslehre? Die fröhlichste, die es gibt,- die nie übertrumpft wer- den kann, daS Evangelium der Arbeit als de« Mittels zur Ausbildung. zum Fortschritt! Arbeit ist Ertrag bringende Energie, die Sonne. die Erdenträgbeit nbelwindet, Leben heißt arbeiten! Und das ist der Punkt, den Höckel noch nicht ganz scharf, aber f'ch«t in genühender Deutlichkeit ersaßt, wo er über seinen.verehrten" Darwin hinauswächst. Kampf ums Dasein hört auf, wo Erkenntnis einsetzt beim Menschen I Da wandelt sich.der Kampf aller gegen alle in Arbeit aller f ü r alle! Hier wandelt sich Glaube, JenseilSgloube in DieSseitSwissen! lind Glaube verhält sich zum Wissen wie Faulheit zur Arbeit! Gott gab unS die Erde, er schenkte unS die Zeit, seine köstlichste Gabe noch Schiller! Begreifen wir unsere Aufgabe: den Sinn de« Leben? zu finden und auszugestalten. Wissenschaft ist Gölte« Offenbarung I Fichte faßte den Gedanken »uerst als er sagte: Wo« ist der beilige Geist?".De» Geist der Natursorschung. der unS in alle Wahrheit leitet.' FichteS Ernst mit unserer Fiöhlichkeit gepaart, das wird ein Führer sei» ouS dem Chaos zum KoSinqS. DaS Volk will glücklich sein, nicht soll nur die Oberschicht genießen! Die Frucht der Arbeit soll allen gleicher- weiie zugute kommen. DaS ist der Sinn der Revolution: die Mög- Iichkeit eines gleichen Glücks für alle! Das Volk bat praktisch betrieben, waö die geistigen Führer vorausgesehen. Vorwärts geht der Weg, das Temvo ist zu errechnen. Führen darf uns nur Wiffenschaik. ernst«, strenge, die aber hinausläuft auf wunderbares Menschenglück, begründet im Vertrauen auf die Mutter Natur, die unS gibt, was not-, und wohltut. Folgen wir ihr. be- folgen wir ihre Gesetze, so �wird das Menschengeschlecht endlich aufatmen. Notwendigkeit� wird Freiheit! Frei ist die Natur. Erkennen wir die Gesetze, folgen wir ihnen, wie wir ibnen folgen müssen, um gesund zu bleiben, um leben zu können, etwas, was ärztliche Erfahrung doch täglich lehrt, so hoben wir bewußt ihre Gesetze zu unseren gemacht, ihre Freiheit ist unsere geworve». Nehmt die Gottheit auf in euren Willen, und sie steigt von ihrem Tbron I Und damit wäre erwiesen, daß die.fröhliche Wissenschaft' etwas anders aussieht, wie Nietzsche sie sich vorstellt. Der blonden'Bestie maßlose Affekte haben wir im Kriege Ehef der Kommission mit einer Ansprache ein. Ter Reichs- und Staatskommissar nahm daraus die Vcrwalrung auS den Händen der Interalliierten Kommission zurück und führte in einer Ansprache aus, man werde nicht vergessen, daß die Interalliierte Kommission sich unter schwierigen Verlältnissen bemühte, die Verivaliun-g und die Abstimmung unparteiisch und gerecht zu leiten.� Im Anschluß an das gestern abend erfolgte Eintreffen des Regierungspräsidenten von Oppen und des Oberbürgermeister« Zülch, die von einer gelvaltigcn Menschenmenge mftS herzlichste begrüßt wurden, kam e» vor dem Rathause, wohin sich die Angc. kommen«» begeben hatten, zu Ausschreitungen händelsüchtiger Ele- mente(? Red.), die laut.Allensteiner Zeitung" den aus dem Hauptportal heransgetreteuen LÄerbürgermeister von der Treppe herunterzureißen suchten und ihn: einen Stockhieb über den Kopf versetzten. Tie Sicherbeitspolizei machte von der blanken Waffe Gebrauch und säuberte den Rathausplatz von den Rufestörern, die daraufhin in der Wilbelmstraße das Pflaster ausrissen mnd die Sicherheitspolizei mit Steinen, bewarfen. Durch Abgabe einiger Schüsse wurden die Ruhestörer zerstreut., Rhein oüer Kongo? 'Düsseldorf, 16. Augist.(23123) Ter Landrat von Neuss. Freiherr d. Lueninck, wurde am 13. August durch belgische Militärpolizei in seinem Bureau verhaftet, in Krcfelo zwangS- iveise vorgeführt und nach dreistündiger Vernehmung in Unter- suchungshaft genommen, aus der er Sonnabend morgen gegen Stellung von Kaution entlassen wurde. Ter Grund der Ver- Haftung ist darin zu suchen, daß Freiherr V, Lueninck Anordnungen der militärischen Stellen in mehreren Fällen, die sich nicht im Sinne der Bestimmungen des Rheinlandabkommens und der Rheinlandkommission hielten, nicht sofort ausgeführt, sondern zuerst Aufklärungen und Erläuterungen erbeten hatte. * Fronkfnrt«. M.. 16 August.(Eigener Drahtberickst de?.Vor- wärtS'). Die.VolkSstimmc" meldet aus Höchst a. M. Der Gc- schäftsführer unserer„Freien Presse" wurde Montag vormittag ver« hastet uud»an zwei französischen Gendarmen nach Wiesbaden tranS- pirtiert. Tie AnSweisungen im Saargebiet. Tie Betroffenen, außer Beamten meist Kausleuie und?lnfl«- stellte, wurden von ihren Bureaus oder aus ibren Wohnungen oder von der Straße weg vcrbas:et und abgesübrt, ohne auch nur Wäsche oder Kleidung wechseln oder sich mit dem Allcrnotwcndigsten vcrseben zu können. Die Leute wurden ins-Gesängniis oder Arresthaus ibrer Heimatorte gebracht und einige Stunden später noch Saabrückcn in das berüchtigte Arrestwkal der Tragonerkaserne befördert; selbstverständlich unter schärsster militärischer 23e- wachung. als gb es sich um Schwerverbrecher bandele. Nach kurzem Ausenthalt wurden die bedauernswerten Leute aus Last- autos verladen; die Fahrt ging nach GermerSheim, wo sie jenseits der R beinbrücke abgesetzt wurden. Nach den trüben Sinndcn'tat den Flüchtlingen der freundliche Empfang, der ihnen nun bereitet wurde, um so wohler. Tie Ausgewiesenen sind durch die Bank eingesessene Bürger, die entgegen der Regiecungskom- Mission, den französischen und ührkß'en ausländischen Beamten und Schiebern aus wohlerworbene Heimatsrechte pochen dürfen. AuS Saarlouis wurde der 66 Jahre alte Kaufmann Adolf Schceder abgeschoben, dessen Familie seit Gründung der Stadt angc- sessen ist. Er wie fast alle anderen Ausgewiesenen hat sich fo gut wie gar nicht um Politik gekümmert. Und für diese? geknechtete öand wird ein Wappen eingeführt, -das auch die— aufgehende Sanne zeigt. Solinger Radau. Bei einer Beratung von Vertretern dcZ Industriegebietes über Arbeitslosenunterstützung uiid Notstand'- arbeiten drangen kommunistische Abordnungen in den DitzungS- saal und forderten die Anerkennung ihrer Ansprüche. Die Sitzung mußte abgebrochen iverden. Bei einer zweiten Sitzung be- binderten englische Posten doS Eindringen in das Rathaus. Den Demonstranten wurde außer Unterstützung noch freie Mittags- tost au« der Volksküche zugesagt. schaudernd erlebt. Dieses Extrem des Krieges hat uns für alle Zeiten vor ihm befreit. Statt Kampf: Arbeit! Statt Asselt: Vernunft! Menschheit ohne Krieg ist wie der Mensch ohne tierisch« Affekte. Die EntwickftrngSiehre beweist den Aufstieg, beweist ihn unwider- sprechlich. Wer- nicht aussteigt, degeneriert, wird vernichtet! Folgen wir daher freiwillig, eilig, wohin wir müssen. Und begreifen wir endlich, daß die.fröhliche Wissenschaft' der Sozialismus" ist!_ Fortschritte der Flugpost. Der Flugpostdierfft hat her uns in neuester Zeit Fortschritte gemacht; so wird die kürzlich eingerichtete Flugverbindung mit Schweden zur Postbesörderung benutzt, und inährend der Leipziger Meise wird eine Flugpostverbindung von Berlin nach Leipzig organisiert. In England besteht icit einiger Zeit Flugpostverbindung von London nach Amsterdam, Brüssel und Paris. Die Flugzuschläge, die zu den gewöhnlichen Tarifen hin- zukommen, sind verhältnismäßig gering. Briefe, die von London nach Amsterdam im Flugzeug gebracht werden, werden von dort in der Luft nach Rotterdam weiterbesördert. und eS soll auch ein Flugpostdienft zwischen London und Glasgow sowie London und Marseille eingerichtet werden. Auch in Frankreich macht der Flug- postdienst Fortschritte. Von dem Fingplay Croydon aftS findet zweimal täglich eine Beförderung der Post statt. In England fo- wohl wie in Frankreich macht man aber bisher von dieser Neuein- richlung, die die Beförderung um wenigstens sechs Stunden be- schleunigt. sehr geringen Gebrauch. Das rührt daher, daß die Post- Verwaltung zri wenig für das Bekanntwerden des Flugpostdicnstes tut. Da« Publikum muß erst einmal über die Möglichkeit uno Vor. teile dieser modernen Beförderung unterrichtet werden. Auch bei uns ist das Publikum bisher über den Flugpostdienft nur unvoll- kommen unlerrichtct._ �,- Theater. Infolge der verzögerten Eröffnung de» Großen Schau- spiel Hause» muß die letzte Vorstellung de« ZldoiincmenlS tSIg/ed auSsallen. Die BillettS werde» Wochentag? von 16 bis 2 Uhr bis zum S. September zurückgenommen oder umgetauscht.— Im L e s s f n a. t b e a t e r findet om 19. die Erstaufführung der Komödie.Die Tänzerin' von Lengycl mit Leopoldini Konstantin in der Haupt- rolle statt. Der S. Deutsche Kongreß für Krüppelfürsorge hält unter dem Vorsitz von Pros. BiesalSki vom t.— Z. September im Preußischen Ministerium sür PollSwoblsahit in Berlin seine Tagung ab. Die Kinderkrüppellüriorge wird in vier DerbandlungSgruppcn behandelt, von denen die erste die geictz- geberischen Maßnahmen der neuen Zeit behandelt, die zweite fich mit der Vorbeugung und Bekömpsung der Knochen- und Gelenktubcrkulose beschöstigt. die dritte die Frage beanl'wortel:.Welche Forderungen sind an die er- zieherische Arbeit in den Kinderkrüppelheimen zu stellen?' Die vierte Gruppe beschäftigt sich mit der Berusseignunq. BerusSberätung und Arbeits- Vermittlung. Am letzten Nachmittag werden Filme für Aufklärung. Belehrung und Unterhaltung virgeführt wetden. Verbunden in mit dem Kongreß eine A u S st e l l u n g sür Vorbeugung und Bekämpsung der Knochen- und Gelenktuberkulose. Die Ausstellung wird nach Schluß de« Kongresses auch dem Publikum für einige Tage geöffnet sein. Im Zentralinftitnt für(Erziehung»nd Unterricht. Potsdamer Str. 126. finden unentgeltliche Führungen durch die Ausstellung.Schrift in der ArbeitSschute' jeden Montag, DienStag, Donnerstag und Freiiag, nachmittag« 3— S. statt. Da« Zentralinstitut veranstaltet vom 2«. August bi« IS. September einen Lehrgang sür Oberlehrerumen an Frauenschulca. !tt.408 ♦ Z7. Jahrgang Heilage ües vorwärts Dienstag, 17. August 1H2S GroßVerün Schwerer Zugzusammenftoß auf öer Hochbahn. Falsche Weicheustellung auf Warschauer Brücke.— Zwei Schwerverletzte, 30 Leichtverletzte. Ein schwerer Zugzusammenstoh auf der Hochbahn ereignete sich gestern nachmittag um Vzb Uhr auf dem Hochbahnhof War» schauer Brücke. Als der in Richtung nach dem Schlesischen Tor abfahrende Zug, auf dem nach der Warschauer Straste zu liegenden Gleis den Bahrhof verliest, fuhr ihm ein entgegen- lammender Zug in die Flanke. Dabei wurden die beiden Triebwagen schwer beschädigt und zahlreiche Personen verletzt. Zwei Schwerverletzte, ein Postbote und ein Tischler, wurden von der Feuerwehr nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die übrigen etwa 30 Personen, die grösttenteils durch Glassplitter verletzt wurden und Quetschungen erlitten hatten, wurden von Aerzten des RctlungSamteS verbunden. Sieben Verletzte, darunter die Zug« führer Holstein und R e u m a n n, sowie der Begleiter K o- r i tz I i fanden aus der Rettungswache in der Warschauer Straße die erste Hilfe. Auf der Unfallstelle wurde uns über den Zusammenstoß folgende« mitgeteilt: Der vom Stralauer Tor kommende Zug mußt« den aus entgegengesetzter Richtung«intreffenden an der Weiche kurz vor dem Bahnhof War« schauer Brücke passieren. Diese Weiche führt zu einem Nebengleis und wird nur für Rangierzwecke benutzt. Durch ein Versehen deS damit betrauten Beamten ist nun. dieie Weiche falsch ge« st« l l t gewesen und nur dem Umstand, daß der von Warschauer Brücke ausfahrende Zug sebr langsam fuhr, ist es zu verdanken, daß kein größeres Unglück geschah. Der A n p r a l l wurde infolge der langsamen Anfangsgeschwindigkeit des einen ZugcS abgeschwächt, war aber noch immer heftig genug, daß sich der Fahrgäste einen Augenblick eine Panik bemächtigte. Viele Unbesonnene waren im Begriff, au« dem Zug zu springen, wo sie ein Opfer deS elektrischen Stroms in den Zuleitungsschienen geworden wären. Da« Zug« personal erwies sich sehr umsichtig und verhütet« weisere« Unglück. Schwerbeschädigt ist vor allem der Triebwagen de« von Warschauer Brücke kommenden Zuges, in dessen Mitte sich der andere Zug fest hineingefahren hatte. t Sofort nach dem Zusammenstoß begann die Bergung der ver» letzten, nachdem der Strom auf der Sirecke ausgeschaltet worden war. Sie dauerte bis zum Einbruch der Dunkelheit, um welche Zeit sich auch, auf die Nachricht von dem Unglück eine drohende Menschenmenge ansammelte, die Miene machte, den Bahnhof noch dem schuldigen Weichensteller zu durchsuchen. � Die Hochbahugesellschaft gibt von dem Unfall folgende Darstellung: Auf der Station .Warschauer Brücke' fuhr heute nachmittag Ubr ein von der Station.Stralauer Tor' einlaufender Zug tnfolg« falscher Weichen- stellung auf«inen gerade ausfahrenden Zug, dessen erste Achse da« durch aus den Schienen gehoben wurde. Bei dem Zu» sammenstoß erlitten zwei Fahrgäste Fußverletzungen, ein anderer eine Verletzung am Arm.?>m übrigen handelt eS sich bei einer weiteren Anzahl von Fahrgästen um leichte Kontusionen und Haut» abi'chürfunaen. Bis zur Wiederaufnahme de« vollen Betriebes wurde der Zugverkehr vom Westen aus zunächst bis zur Station.Kottbuser Tor' durchgeführt._ Die Mutter ermordet. Ter BraudstiftungSfall in der Braudeuburgstraste. Das eigeniümliche Zusammentreffen eine« Frauenmorde« und einer Brandstislung in dem Hause Brandenburgstraße 4. über das wir im gestrigen Abendblatt berichteten, scheint, wie die neuesten Untersuchungen ergeben haben, auf einen Muttermvrd zu deuten. fln den Kleidungsstücken erkannte man, wie bereits erwähnt, in der Toten die im dritten Stockwerk des Seitenflügels wohnhaft ge» wesene 4S Jahre alte Frau Margarete T h o m, geboren« Owitz. Diese wohnte dort in Stube und Küche mit ihrem 20 Jahre alten Sohn Kurt zusammen. Ihr Mann lebt getrennt von ihr in Gera. Frau Thom wurde seit Freitag im Hause nicht mehr gesehen. Der Sohn hatte am Freitag auf dem zuständigen Polizeirevier eine Ver mißten an zeige erstattet und dabei den Verdacht ausgesprochen, daß sie wahrscheinlich verunglückt sei. Sie sei nach der Alerandrinenstraße gegangen, um dort wegen eines Wohnungstausches zu verhandeln. Von diesem Gange sei sie nicht wieder zurückgekehrt. Gestern vormittag war der Sohn wieder zum Revier bestellt, um nähere Angaben über das Verschwinden der Mutter zu geben. Er erschien dort auch. Unter- dessen entstand das Feuer. Wie nun Hausbewohner bekunden, haben diese auch den Boden nach Frau Tbom abgesucht, diese dort aber nicht gefunden. Nun besteht der dringende Verdacht, daß der Sohn die Mutter ermordet, erst vormittags die Leiche nach dem Vorboden gebracht und dann Feuer gelegt hat. Das Verbrechen hat der Sohn wahrscheinlich schon am Freitag abend verübt. An diesem Abend bat man Frau Thom schreien gehört. Wahrscheinlich hat der Sohn die Mutter erwürgt und dann zunächst im Bett unter der Decke versteckt. Der Sohn, ein arbeitsscheuer Mensch, lebte mit der Mutter ständig in Unfrieden und hatte immer wieder Geld von ihr verlangt. Der Vater hatte erst vor wenigen Tagen an die Mutter 150 M. gesandt. Dieses Geld, sowie ein« goldene mit einem Diamanten besetzte Uhr und der aus Dukatengold gefertigte Trauring der Frau fehlen. Nach dielen Feststellungen wurde der Sobn unter dem dringenden Verdacht, die Mutter ermordet und beraubt und den Brand angelegt zu haben, v.e r h a f t e t._ 143 OOO Mark im Postbeutel gestohlen. Gestern vormittag gegen 11'/� Ubr lieferten zwei Unterbeamte des P o st a m t e s 68 das überschüssige Geld des Amte« bei der Reichsbank ab. Das Geld war in drei Geldsäcken verpackt. Während nun der eine mit der Bewachung des Geldes beauftragte Unterbeamte mit einem anderen Beamten desselben Postamtes sprach, hat ein Unbekannter einen der auf der Erde stehenden Beutel an sich genommen und ist damit verschwunden, ohne baß der Diebstahl bemerkt wurde. In dem Geldbeutel befanden sich 143 000 Mark in Papierscheinen, und zwar für SS 000 Mark F ü n f z i g m a r k s ch e i n e, für 18 000 Mark Tausendmark« scheine und den Rest in kleineren Geldscheinen. Auf die Ergreifung deS Diebe« und die Wiederbeschaffung des gestohlenen Geldes ist von feiten der Oberpostdirektion eine Belohnung von 5 0 00 M. ausgesetzt. Der Täter, der von anderen ReichSbank- beluchern gesehen'worden ist, ist etwa 1.88 Meter groß und unge- fähr 30 Jahre alt, bat schwarzes Haar und trug einen dunkelyrauen Anzug. Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, sind an Kriminalkommissar Boeie beim Berliner Polizeipräsidium zu richten.— Ein ähnlicher Diebstahl an derselben Stelle und. wahrscheinlich auch von dem gleichen Täter ist vor ungefähr acht Wochen verübt worden. Der Dieb erbeutete damals einen Geldsack mit 20 000 M. Damals ist es nicht gelungen, des DiebeS habhaft zu werden._ Der Schneider als„Spezialarzt für Chirurgie". Z�er geineingefährlichen Praxis eines falschen ArzteS bat die Berliner Kriminalpolizei ein Ende gemacht. Seit einiger Zeit wohnte und praktizierte in Pankow«in.Spezialarzt für Chirurgie' Dr. Klaeden, zunächst in der Schulzestraße, dann in der Florastraße 5i6. Seine Patienten. an denen er auch Operationen aller Art vornahm, scheinen gar nicht gemerkt zu haben, daß sie einem Schwindler sich anvertraut hatten. So hätte der Herr.Doktor' wohl noch lange seine Heil, aber auf die Dauer wahrscheinlich viel mehr Unheil bringend« Tätigkeit aus- üben können, wenn nicht durch einen bösen Zwischensall der Kriminalkommissar Krüger bestimmte Akten in die Hand be» kommen hält«. Der Kommisiar erinnerte sich sofort des Namens Klaeden. Schon seit Jahren kannte er diesen.Herrn Doktor'«IS ständigen Kunden seines Betrugsdezernat«. Er ließ den»Spezialarzt für Chirurgie', der schon seit 13 Jahren als Schwindler bekannt ist, sofort festnehmen. Der Verhaftet« ist ein 33 Jahre alter aus Lübben gebürtiger Robert Klaeden, der da« Schneiderbandwerk eilernt, aber schon lange nicht mehr be- trieben hat, Schon im Jahre 1907 trat Klaeden als Mediziner auk. Damals noch als mit Band und Mütze geschmückter Kandidat. Viele.Schmisse' unterstützten sein« Betrügereien. Er hatte sie sich selbst mit dem Rasiermesser beigebracht. Nach Verbüßnng seiner ersten Strafe spielte er eine Zeitlang eine».Grafen von Helmstädt-Veblen' und vor einigen Jahren den Oberleutnant. Seine Schwindeleien brachten ihm Gesängnisstrafen 6t« zu 6 Jahren und auch schon 4 Jahre Zuchthaus ein. Sein« Patienten, die von ihm in der einen oder andern Art behandelt und alle betrogen worden find, werden ersucht, sich bei der Kriminalpolizei im Zimmer 10S— 110 zu melden. Erfolgreiche Tätigkeit des Wasser-NettungSdiensteS. Der von den Booten des RcichSwafferschutzeS' mit Hilfe deS Kommunalver« bandeS für�das RettungSivesen Berlin am Sonntag zum erstenmal auf dem Tegeler See und den anschließenden Gewässern aus- geführte Rettungsdienst konnte gleich am ersten Tage feine Noiwendigkeit zeigen. Gegen Abend wurde das dieiistbabende Boot de« Bezirks.Mark Nord', Nord 8, nach dem Kreis-Kraftwerk ge- rufen, wo ein junges Mädchen und ein Knabe beim Baden verunglückt waren. Es gelang, das junge Mädchen zu bergen und au« jemer schweren Ohnmacht zum Leben zurück- zurufen. E? wurde dann zu der in Tegel eingerichteien ReilungS« stelle gebracht uno während der Fahrt von dem Heilgehilfen an Bord weilerbehandelt. Das Boot kehrte dann mit einem weiteren Motorboot des Bezirks und Suchnetzcn zur Unfallstelle zurück, um die Leiche des Knaben zu suchen. Dieie Versuche mußten mit der Dunkelheit abgebrochen werden. Ohne die schnell« Hilfe durch das RettungSgerät, mit dem das Boot ausgestattet ist, wäre es wohl kaum geglückt, daS junge Mädchen dem Leben zu erhallen.' Papierlieferung und ZcitungSgcwcrbe, Die W i r t s ch a f t s- stell« für das Zeitungsgewerbe schreibt nnZ zu dem kürzlich veröffentlichien VerhaudlungSbericht in der Klagesache der Wochenschrift„Der Eigene':.Als klagevörbringend wird in dem Ailfsatz mitgeteilt, daß der Geschäftssührer der WirtichaitSsielle, Dr. Reimann, direkt Druckern verboten babe, die betresienden Zeitungen zu drucken, weiter, daß gegen Dr. Reimann schwere An- griffe gerichtet worden wären, und schließlich die Behauptung, daß man Papier in Hülle und Fülle erhalten könne, wenn man sich mit Dr. Reimann gut stehe. Diese Wiedergabe des Verhandlungsberichtes stellen wir dahin richtig, daß Dr. Reiß und nicht Dr. Reimann Geschäftsführer der WirtschaftSslelle für das Deutsch« ZeitungSgewerbe ist, rerner, daß das obencrwäbntc Klagevorbringen sich nicht gegen Dr. Reimann. sondern gegen Herrn Direktor Reiß wandte, wie ja auch die Klage außer gegen die WirtschaflSstelle gegen Herrn Reiß persönlich gerichtet ist.' Fahrraddiebstahl. Der Ortsgruppe Berlin des Arbeiter- Rad- sahrer-BundeS.Solidarität' sind in, der Nackt vom Sonnabend zum Sonntag au» dem Schiilgebäude in der Petersburger Straße 4 drei vernickelte Seelräder, Marke.Friich Auf' gestohlen worden. Bewohner der umliegenden Häuser, welche den Diebstahl vielleicht beobachtet haben, werden gebeten, an Ernst Secger, Berlin 0 34, Rominlener Sir. 30, Mitteilung zu machen. BezirkSbildungSauSschnst Groh-Berli». Die EinzcichnungSIiiten zum ktvonnemeiit für die iüiis nroßen Festkonzerte sind berauS- gegeben und liegen bei allen tzlbteiiungSsührcrn aus, ES finden sialt: 26. September 1920, mittags 12 Uhr: Nichard-Strauß-Konzert, Neue Welt I.November 1920, vorm, 11. Veetbouen-Konzert, 23. Dezember 1920, nachm. 2'/,. Weihnachis-Konzcrt, Alte Gamisonk.' 16. Januar 1921, vorm. 11. Wagncr-Liizt-Konzcrt, Neue Welt 13. Mär, 1921., 11. Mabler-Konzert, Der Besuch, aller sünk Konzerte tostet 17.30 M. Einzeichnungen «erden auch aus dem Bureau deS BezirtSbikduiigsaiiSichusseS. Lindcnflr. 3, 2. Hos IV, Zimmer 10, angenommen. tDcöffncl: von 9—4 Ubr, DonnerS- tag« von 9— 1 und 4—7 Uhr.) Die Eisten werden am Mittwoch, den 1. September d. I., geschlosien. Für die bereit? eingereichten Liften können dt» EintrittStaiten schon jetzt aus unserem Bureau i» Empfang genommen «erden. CSpettick. Die Jugendweihe war der Gegenstand einer. Be- sprechung, zu der der Obmann der Freireligiösen Gemeinde die Vertreter unserer und der Unabhängigen Partei geladen batie. Da allseitig da« Bestreben vorherrschie, parteipolitische Becinflussungen von der Jugendweihe fernziihalten, so gelang' eine glaue Ver- ständigung. Eine ausführliche Programniiassung erfolgr endgültig durch die Obleute der VllduiigSaiiSschllsie der beteiligten Organi- sationen. Der Preis der in der übernächsten Woche zur AuSgobe gelangenden Einlaßkarten betrügt für alle Teilnehmer, die nickt Mitglieder der Freireligiösen Geincinde sind, pro Person 1 M. Erwähnenswert ist, daß vom 18.. August' ab jeden Mittwoch von 5 bis 3 Uhr in der 2. Gemeiudeschule für alle an der Jugend- weih« teilnehmenden Kinder ein V o r b« r e r r n ngSunterricht stattfindet Nichtbeieiligung am Unterricht, der kostenlos erteilt wird, schließt von der Jugendweihe nickt aus. Jedock ist der die Weihe vorbereitende Unterricht zu empfehlen. Anmeldungen nimmt die„VorwärtS'-Expcdition, Kietzer Str. 3, eiilgegens An die Parteigenossen, besonders aber an imsere Genossinnen, richten wir das Ersuchen, durch bereitwillige Mitarbpit die Jugendweihe zu einer würdigen Feixr zu machen. 109] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun. Am nächsten Morgen kommt ein Mann an ihr Lager, ein blasser und vergrämter Mann, der die Brauen rimzclt, die Leute betrackstet und auf sie zugeht,„Bist du das, Andresen?" fragt er. Es ist Aronsen, der Kaufmann Aronsen: er hat nichts dagegen, von der Karawane heißen Kaffee und etwas zu essen zu bekommen, und läßt sich bei, den Männern nieder. ,�ch Hab, euern Rauch gesehen und wollte ergründen, was das sei," erklärt er. ,�zch dachte: du wirst sehen, sie schlagen Brennholz und fangen wieder mit der Arbeit an! Und nun seid nur ihr es!. Wo wollt ihr hin?"—„Wir wollen hierher."—„Was habt ihr in euren Säcken?"—„Waren,"—„Waren!" schreit Aronsen.�,,Wollt ' ihr hier Waren verkaufen? Hier wohnt niemand. Sie sind am SamStag abgezogen."—„Wer ist abgezogen?"—„Alle miteinander. Hier ist alles leer und verlassen. Und außer- dem Hab, ich Waren genug', den ganzen Laden voll. Ihr könnt bei mir kaufen." Ach. nun ist der Kaufmann Aronsen wieder übel daran mit dem Grubenbetrieb ist es zu Ende! Sje beruhigen ihn mit noch etwas mehr Kaffee und fragen ihn dann aus. Aronsen sckfüttelt ganz zerschmettert den, Kopf:„Es ist nicht zu sagen, es ist ganz unbegreiflich!" sagt er. Alles war sehr gut gegangen, er hatte Waren verkauft und viel Geld «ingenommen, das ganze Kirchspiel rund umher blühte und konnte sich weiße Grütze, ein neues Schulhaus und Lampen mit Prismen dran und städtisches Schuhwerk leisten. Da fanden die.Herren plötzlich, daß es sich nicht mehr lohnte. und sie mochten Schluß. Lohnte es sich wirklich nicht mehr? ES hatte sich dych seither gelohnt, nicht wahr? Kam denn nicht das Kupfererz bei jeder einzigen Sprenguvg zutage? DaS war einfach Betrug.„Und sie bedenken nicht, daß sie damit einen Mann wie mich in die größten Ungelegenherten bringen," sagte Aronsen.„Aber es ist wohl so. wie behauptet wird, daß der Geißler wieder an allem schuld ist. Er ist genau in dem Augenblick gekommen, wo die Arbeit stillgelegt wurde: es ist gerade, als ob er eS gerochen l)ätte?" .�ßst Geißler hier?" „Ob e: Her ist!. Er gehört erschossen! Er kam eines Tages mit dem Postschiff an und fragt den Ingenieur; „Nun, wie geht,s?"—„Gut. so.viel ich weiß." antwortet der Ingenieur. Aber der Geißler fragte nur noch einmal: „So, es geht also gut?"— ,�a, könnte nicht besser gehen, soviel ich weiß!" erwiderte der Ingenieur. Na, ich danke! Als die Post geöffnet wurde, war ein Brief und ein Tele- gramm an den Ingenieur dabei, daß sich die Arbeit äiicht nichr lohne, er solle Schluß mackscn." Die Teilnehmer der Karawane schauen einander an: aber der Führer, der schlaue Kerl Andresen, hat den Mi:t augenscheinlich noch nicht verloren.—.„Kehrt nur wieder um!" rät Aronsen.—„Das tun wir nicht," sagt Andresen und packt den Kasfeekessel ein.— Aronsen starrt alle drei einen nach dem andern an. jFhr seid verrückt!" sagt er. Seht, der Ladendiener Andresen kümmert sich nicht mehr um feinen früheren Herrn, jetzt ist er selbst Herr, er hat diesen Zug in ferne Gaue ausgerüstet, er würde an Ansehen einbüßen, wenn er hier auf dem Berge umkehrte.—„Aber wo wollt ihr denn hin?" fragt Aronsen erbittert.—„Das weiß«ch nicht," sagt Andresen. Aber er hat doch irohl seine Absicht, er denkt vielleicht an die Eingeborenen: daß er hier drei Mann stark mit Glasperlen und Fingerringen her- kommt.—„Kommt, wir wollen gehen!" sagt er zu seinen Kameraden. Nun hatte sich Aronsen eigentlich hiescn Morgen länger draußen auflialten wollen; da er einmal unterwegs war, wollte er vielleicht nochsehen, ob wirklich alle Gruben ver- lassen seien, ob es wahr sei, daß alle Menschen fort waren. Aber da diese Hausierer so eigensinnig sind und weiter wollen, wird er eigentlich an seinem eigenen Vorhaben ge- hindert, er muß ihnen immer und immer pieder von ihrem Porhaben abreden. Aronsen ist rasend, er geht vor der Karo- wan« her den Berg hinunter, er dreht sich immer im Kreise und. schreit ihnen zu, hält sie auf. er verteidigt sein Gebiet. So kommen sie zu der Barackenstadt hinunter. Da sieht es leer und trostlos aus. Die wichtigsten Ge- röte und Maschinen sind unter Dach gebracht, aber Balken. Breiter, zerbrochene Wogen, Kisten und Fässer liegen überall herum. An einigen Häusern prangt ein Plakat, das den Zutritt verbietet. „Da seht ihr!" ruft Aronsen.„Nirgends ein Mensch! Wo wollt ihr denn hin?" Und er droht der Karawane mit großem Unheil und mit dem Schultheiß; er selbst wolle sie Schritt für Schritt begleiten und zuseben, ob sie nicht unge- setzliche Waren verkaufen. Darauf stehe Zuchthaus und die Galeeren, bvm konstant. Plötzlich wird Sivert von jemand angerufen. Die Stadt ist also doch nicht völlig verlassen, nicht gan� ausgestorben. Ein Mann an einer Hausccke winkt ihnen. Sivert schwankt mit seiner Last auf ihn zu und erkennt sofort, wer es ist: Es ist Geißler. „Ein merkwürdiges Zusammentreffen!" sagt Geißler. Er bat ein blühend rosiges Gesicht, aber seine Augen scheinen in der bellen Frühlingssonne Schaden gelitten zu haben, denn er trägt einen grauen Zwicker. Er spricht lebhaft wie immer.'„Ein glückliclies Zusammentreffen!" sagt er.„DaS spart mir den Weg nach Scllanraa, ich liabe soviel zu besor- gen. Wie viele Ansicdlungen sind jetzt dort auf der Allmande?"—.Lehn."—„Zehn Ansicdlungen? Das ge- fällt mir, da bin ich zufrieden. Zweiundreißigtausend solche Männer wie dein Pater sollten im' Lande sein, ich Hab es ausgerechnet!" sagt er und nickt dazu. „Kommst du, Sivert?" ruft die Karawane.— Geißler lwrcht ouf und antwortet rasch:„Neint"—„Ich komme nach!" ruft Sivert und legt seine Last. ab. Die beiden setzen sich und reden zusammen; über Geißler ist der Geist gekommen, und er schweigt nur, so oft Sivert eine kurze Antwort gibt, dann legt er wieder los:„Ein ganz einzigartiges Zusammentreffen! Ich komme gar nicht davon weg! Meine ganze Reise ist so ausgezeichnet ver- laufen, und nun treffe ich dich auch noch hier und kann mir den Umweg über Scllanraa sparen!'Wie geht's zu.Hause?" —„Tank der gütigen Nachfrage."—„Habt ihr schon den Heuboden auf dem steinernen Stallgebäude aufgeschlagen?" —„Sa."—.La, ich bin sehr überlastet, die Gcichäfte wachsen mir allmählich über den Kopf. Sieh dir doch ein- mal an. wo wir jetzt sitzen, lieber Sivert? Auf der Ruine einer Stadt. Die /haben nun die Menschen ihrem eigenen ' Vorteil gerade entgegen aufgebaut. Eigentlich bin ich die Ursache von dem allem, das heißt, ich bin einer der Ver- mittler in einem kleinen Komödienspiel des Schicksals. Es hat damit angefangen, daß dein Vater im Gebirge einige Steine fand und dich damit spielen ließ, als du noch ein Kind warst. Damit hat es angefangen. Ich wußte ganz genau, daß dieie Steine nur den Wert hatten, den die Men- schen ihnen beilegten: gut, ich setzte einen Preis dafür fest und kaufte sie. Von da an gingen die Steine von Hand zu .Hand und plünderten die. Leute au?. Die Zeit verging. Vor einigen Tagen bin ick hier heraufgekommen, und weißt du, was ich hier will? Die Steine wieder verkaufen! lForts. folat.) Groß-Serlmer Parteinachrichten. Heute» 17. August: Z4. Abt. 7Mr bei Obiglo, Stralsunder Str. tt. Sitzung der Partei- funiiionälc, Betriebsvertrauenslcute und Elternbeiräte. Chart otteuburg. 7>/, Uhr im Volkshause, Rosi�nslr. 4(gr Saal), Mitgliederversammlung des WahlvcreinS. TagcSorduung: U. a. Vortrag des Genossen Rich. Fischer über.Kriegsgefahr und Neutialität». Genossen, sorgt sür zahlreichen Besuch. Juiigioztalistische Bereinigung. Grubve Lichtenberg: 7'/, bei Schlenkrich, Simplonslr. 42. Tagesordnung: Die AiiSgabiiiegesebgebung.— Gruppe T c m p e l h o s. 7'/, bei Brüse, Werder-, Ecke Kaiscr-Wilhelm-Str, Reuter-Abend. Morgen» 18. August: Arbeitsgruppe Südwest S.—«. Abt. Wichtige Sitzung der Ab- teilungSleimngeii 7'/, Udr bei Keusner, Hagelbcrger Sir. 20a. 9. Abt. Tl, Uhr Zahlabend. Stadtbezirke 79, HO, 81, 87 bei Walter. Elisabethufcr 85, 86 bei Zenz, Naunynstr. 67; 88, 89,4». 92 bei Gläser, Kottbuscr User 89/40, Kantine; 90 bei Kayser, Neichenberger Str. 154. Tagesordnung: Das neue Statut und Partciangclcgenhciten. Rcscrenten: Schmidt, Kiaulehn. SchmolinSky, Menzel. .'»j__;{«., 44. u. 45. Abt� 7 Uhr: Sitzung der Funktionäre ge- nannter Abtcilunacn bei Schenk, Swincinünder Str. 53., Gruppe Moabit(37,— 41.-, 3. u. 4. Abt.), Sitzung aller auf dem Boden der S, P. D. stehenden Elternbeiröte im Patzenboser, Gmtensaal, Turm- und Stromsiratzen-Ecke. 7, Uhr. Keiner darf scdlcn, Strglib. Milgliedcrvcrsamnilung 8 Uhr in der Aula der süralschule am Slubenrauchplatz, Florastr. Vortrag des Genossen Dr. Noscnjctd über Tages- und RechlSsrggcn in der Sozialdemokratie. Die BczirkSlciler und Funllionäre müssen bereits um 7'/. Ubr zu einer Sitzung anwesciid sein, Aeuköll». 2. Abteilung,'/»S Uhr Verlaminlung der tztbtcilungs- sunttionäre bei Marienseld, Kaiscr-Friedrich-, Ecke Iansailr. Zllr. Glien ickc-Falkcubcrg. 8 Uhr Zählabciid bei Meier, Falkciibcrg, Vortrag des Eencsscn Kausmaim über die Sozialisicruiigsjrage. Jugenüveranftaltungen. Heute'/zitt Uhr: Reinilkendorf.Wcst. Lokal Eichborniäte. Eichbornstr, 60, Disklifsions- abend.— Schöncbcrg. Zugeiidkeii»,.Ntibensür, Ecke Hauptstr Mädchen- abend,— Weifteusce. Jugendheim, Woclckpromenade iLedigcnheim), DiskussionSabend,— Brist. Jugendheim, Gcmeindcschuic, Chausseestr. 432: Borlrag:»Heinrich Heine". GerichtsZeitung. Um die Ersparnisse betrogen. Eine gemeingesäbrlickie Schwindlerin, die eine arme Zeitung«- anSträgerin um ihre in jahrelanger, mühevoller Arbeit gemachten geringen Ersparnisse gebracht halle, wurde gestern von der Ferien« strafkammer des Laiigerichls I unschädlich gemacht. Es war dies die schon mehrfach wegen Betruges vorbestrafie geschiedene Frau Klara L a b a t s ch e k,'welche sich jetzt wieder wegen Betruges in, strafoerschärfendeii Nückfallc zu verantworten halle.— Die Angeklagte wohnte mit einpr Frau Paaschs auf einem Flur zusammen. Als diese einmal verlauten lieg, dag sie sich durch Z e i t u u g s a u s- tragen in mehreren Jahren em paar tausend Mark sür das Alter erspart habe, sagte die Angeklagte den Plan, der armen Frau das Geld abzuschwindeln. Sie tam einige Tage später freudestrahlend in das Zimmer der P. gestürmt und erzählte, dag sie von ihrem in Leipzig gestorbeneii. geschiedenen Manne eine Erbschaft von 83 090 M. gemacht habe. In der Folge- zeit trat sie dann mit dem Versprechen, sie gut zu belohnen, wieder- holt an die P. mit Darlchnsgeiuchen Hera» und nnierstützte diese mit Briefen und Telegrammen eine? angeblichen Rechisanwalts Busse in Leipzig, die sie sich offenbar von einem rn Leipzig wohn- hailen Helfershelfer schreiben lieg. Auf diese Weise gelang es ,der Schwindlerin, der Frau Paaschs, wie diese vor Gericht unter Weinen und Jammern erzählte, die ganzen Ersparnisse in Hohe von 2300 Mark abzunchmen In gleicher Weise betrog die Angeklagte eine andere arme Frau um' zirta 1000 M.— Der Slaatsanwail beaniragie 2 Jahre Zilchihaus. Das Gericht erkannte auf 2 Jahre u n d 3 Monate Zuchthaus» 600 M. Geldstrafe und 3 Jahre Ehr- v e r l u st.,_ Sport. Die Ttadion-Arbeitcrsportkampfc. Die Arbeiteripoitler die zum Sonntag Anhänger der Sache und ihre Freunde in das Stadion luden, ballen ihren grogen Tag. Alle Beteiligten gingen mit Lust»nd Liebe an ihre Aiifgaben. die sie io erledigten, dag dem Arbciieriport ganz bestimmt neue Gönner. Freunde und Förderer erwachsen. DaS obwechselungS« reiche Programm wurde flott abgewickelt. Die Verschiedenarligkeit der Darbieiunge» war für die Zuschauer nicht nur ejne Augen- freude, sondern erweckle in vielen auch wohl den Wunsch nach eigener sportlicher Betätigung. So wurde der Tag nicht nur zum Berlünder de« Könnens der Arbeitersportler, sondern auch zum Weiber für die Jd�e. Nachstehend die Resultate: Männer: 100-Meter-Laus. 1. Kramme. Oberspree. 11,6 Sek. 400-Metcr-Laus. 1. Lippcrt, Lichtenberg, 56,8 Sek.— 1500» Meter-Laus. 1..Heuer, Wildau, 4,43,2 Sek.— Stabhochsprung. Trebut,»Fichten-Moabit nndKynast, Oberivree. 3,10 Meier.— 10X100» Bezirks sta fs e t t e 5. Bezirk 2,01,6 Min.— Schweden st afette. »Fichte'.Moabit 2,46,4 Min.— 75. Meter- Laus(alte Herren). Gunst, Fichte 8, 9,8 Sek.. Lieste, Fichs- 14, 10,4 Sek. Frauen: 75« 19t et er- Loa f. Grund. Wilmersdorf, 10,8 Sek.— 10X400- MeterLaus. Neukölln, 2,34,4 Min. Jugendliche: 1 0 0- M e t e r L a u s. Strowitz. Lichtenberg. 42.4 Seh PIcner, Fichte 40. 12.1 Sek.— 10X100- Meter. Laus. »Fichte'-Oft 2,13 Min.— H o ch i p r u n g. 1. Laube(Fichte 12) 1,30 Meter. — 800-Mcter-Lausen. John(Lichtenberg) 2,16 Min. Rosmarin wurde in Oesterreich an Rittmeister Weinschenk ver» kauft, der 700 000 Kronen sür den Sechsjährigen bezahlte,— Jockey Ackermann ist in die Dienste des Trainers I. Rosak getreten, sür den bislang der tödlich verunglückte Seelisch tätig war.— Bann wart wurde von dem Rennstallbesitzer Haniel an den Rennstallbesitzer Robilschek verkauft.— Lev a wurde von den Rennstallbesitzer» A. und C. von Weinberg an den Rennstallbesitzer Wagner abgegeben.— 5274620 M. betrug der Totalisator» umsatz am Sonntag in Karlshorst. Geschäftliche Mitteilungen. In vorbildlicher Weise verstand es die L e i t u n g und der De- triebsrat derMasiary Zigarcttensabrik, ihren Mitarbeitern ein S o m m e r I e st zu perannoilen. Eine Dompserfabrt bei herrlichem Wetter broihle die lunige Gclellichast noch Rauchiangwerder, wo bei Spiel und Tanz echte Sonnlagsilinimimg herrschte. Beim Festessen benutzle der Betriebsrat Gouger die Gelegenheit, um mit Haren Aorten die Gedanken »nd Wünsche der aeiamlen eingestellten und Arbe ter zum Ausdruck zu bringen. Die Inhaber, die Herren Gebr. Schlachhauer, haben es bisher verflanden, mit ihren Mitarbeitern harmonisch zusammenzuarbelten und einen Ausgleich zwischen Arbeitgeber und ülrbeilnehmern herbeizuführen. [ Theater�iehtspSele etej GroSes Seiiauspieihaus. Heute Juttas Cäsar* Mittwoch: Julius Cäsar. Donnerstag: LysJstrata. Deutsches Theater. Neu einstudiert; T'/a Uhr: Floh im Fanzerhaus. Karnrnersuicle. 8 Uhr! Weibsteutal. Kleines Seiiauspieitiaiis. Fasanenstn i(Nähe Bhf£001. 8 U: Buchse der Pandora* Schiller-Theater. 8 Uhr: Rabenvater. Theater 1* d» KSniggrätzerStraße Vj8 ubr Geständnis. Berliner Theater Ii:; Der letzte Walzer «• entrni-Thoriter Ü! Die yerschwnnlPauline, Oie Tribüne 8 uhr Bunbury. Kleine» Theater. 7 /au. Die Kunstkritik KoniiMclie Oper Un»: Gie Ffaü üfl Dunkeln. u!r ßerungetreae Ecketiarl iTle Iro pul-Theater. t'! im weißen Röss'l Neues Cenlral-Theater u:' Die Dame iin frack. Nffeaen Operectenliuii» Gesch ossen. In Voroereitung Die Cslkosbarones, IVeucii%'olUNthcater 7' äuhr Familie. Thaila-'l'heater 7v, u,, üoiieit Die Tänzerin. Theater den �Vestcua Freirag zurfi 1 Maie; Der ersten Liebe goidne Zeit. Von Gilbert. Th.aiu �ollendorf�iiatK u? Eine Kaciit im Paradies Wallner-Theatcr Morgen n/3 Uhr: Die Frau im Dunkeln* Walhalla- Thea ter. 7V, U .= Die internationale. - Admirais-Palast 7V, Uhr: Die lustixe Puppe; Volksbühne Theater am Bülowpiatz /'/aOhr: Zigennerliebc Lessing-Theater. SonimerMpicl/.rlt AllaoenAicn S Uhr: D.Glas d.JangfraQ Oentsolies Kiinstler-Tlieater Allabendiich 8-Uhr: Clubteute mit Max Adalbert. Re!e}isi!!ill.-!De5tcr Täglich T/, Uhr:, Stettiner Dönho'f-Bretin Am. öh, U. iisrien u. 6a»I/ Sonnt. SU. po»»a»mrr Str. SU | Die glühende| Kammer. Turmstrl. 12 Das Abenteuer des Kettle VoNkstsg im L'4N»-?srU Eintritt 1,50, Kinder 0,75 M. öb.e Extra- Bntree Brotiiors Niagara auf dem Tunnscil; um 7 und 83 4 Uhr 1 Groß Feuerwerk Doppel- Konzert s: Anfang 4 Uhr:: Casino-Theater g Arcbitekten Terzky. lothringer Str. 37.— Tgl. 3'.8: Das gr. Erölfnungsprogramm mit dem neuen Schlager; Rnorp's sei. Witwe und„Anschluß vcrpaUt". Singspiel mit Viktor Litzek. Sonnig. 3'/,: Gebrüder Zorn. Residenz-Theater. Stadtbahn lannowitzbrücke. Untergrundbahn Klostcrstr. Allabendlich 8 Uhr: Der irroBc Erfolgt Die RascIMs Sonntag 4: Der gute Ruf. Trianon-Theater. Bahnhof FrledrichstraBe Allabendlich 8 Uhr: Haosl Arnstädt in Untreu Sonntag 4: Der Störenfried Rose-Theater.. 7'/, Uhr. Der Gral von Luxemburg. Circus Busch' GebSude. Täglich?>,. Ulir-S Gr. Spezialiiät.-Vorsf. 7 Perlas? Theater a.Kottbus.Tor Tel.: Moritzplatz H814. Täglich 7'/, Uhr; Eiite-SRnger. . Vollständig neues Programm. Bltithgen-Konzcn, Beginn 7 Uhr. Vorvk. il-i,/,,4-6U. | Alcxandcrpl.-Passagef Sie drei Tänze der Mary Wiliord. | Friedenau, Rhcinstr. I4l Uclnll. Solitinz.cJ| in- Drei Nächte. BH Etatritt frei.] Adi-Hausl Taubcnstr.34— Zlr. 10S2 i Wiflter-Gailen Täglich 7.is Uhr: Variete-Spielplan Rauchen seatattet! CLHQGr-tlTHM Lewerri/ Franz Ronahn| Paul Matinett Totti Janowski Hertha Loewe/ Theo D'oiS fom Black/ Eugen M3ck| Lpcie Delburg Ann! Lehmann \. Liebans Meisterquart. S Hans Wllh. Bactimann Adolf Lleban Erstkl. Küche, ff. Weine I Mocca, Tee, Schokolade! Beginn 7 Ubr. Eintritt frei. I - In Kürze erscheint, herausgegeben vom TSesf- * enropäifdien Sefccinciat der Aommunistifssten Internationale liijbb Q. Sinowjew; Bericht des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale an den Zweiten Weltkongreß der Kommunist. Internationale. 40 S. Peel» 2 m. Bestellungen sind zu richten an die Buchhandlung der R. P, D., SieutöUn, SBotthcfir. 60, Arbelierbuchtzand- hing Berlin, Anncnftr. I. Buchhandig. A. Cechof öz Co., Berlin, Angusistr. 60, sowie an alle Buchhandlnngcn. �rnrneNh. ßkll88'M!tt lKIlem) Hasenheide tü. ��orzugs-�ra g e bot j Hl!" 19(1 K!f frbld. kosten iesc 4 garant. R c I n. p KU. IlU. Iub. Aluminium-Kochtopfe m, Deckel*, franko Nachi.anme direkt au Fabrik. Tgl. 8: Counhs-Mablcr! 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Für leichtoerkänilichen Arti? an Bureaus, Behörden usw, Propisionsvekiretcr sucht Hetnrirh vnschrnnnn. Minister l W,_ PütigarDiereriBtten solort gesucht. Meldungen 12— 2 Uhr mhttags oder 5—6 Uhr abends. A. Jandorf& Ca. BruoncnstraOc 19/21. Lehrmädchen im Alter von 14—16 Jahren für Verkauf suchen sofort Ä. Janrtorf& Co. Belle-Alliance-Str- 1/2. Meldungen: Personal- Verwaltung, IV. Stock, in Begleitung des Vaters oder.Vormundes, 9 bis 12 Uhr mittags, 5—6 Uhr . nachmitiags. Wir suchen zum recht baldigen Antritt 180, t (Inn»WM. Derselbe mutz sowohl in Agitation wie Organisation hin- reidiendc Erfahrungen besitzen,�«« die Parteiorganisation de« Freistaates zu leiten. In Frage kommt nur eine bewährt« Rrakt Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Tätigtest und mit Gchallssorderungen sind bis zum 4, September an ZnltnM Sehl, Danzig, Echllsseldamm 53—55. einzusenden. Ter Landcsvorstattd der Eozialdemokratischeti Partei des Freistaates Tanziq. Rheinische Warte, Koblenz. päiestens zum L Oktober, Zum baldigen Eintritt, wir einest tüchtigen suchen 180/5 zweiten Redaktenr, der in der Hauptsache den lolalen Teil bearbeiten loll und de» sähiot ist, den potiiische» Teil venrettinasweiie zu übernehmen, Es wird Acht gelegt aui eine selbständige, arbeitsfreudig, Rrast mit Erfahrungen auf tommunnipolitilrtiem Gebiet.®e- hall nach den Sätzen des Vereins Arbeiierpresse. Bewerbungen sind bis zum 21. August zu richten an den Vorsitzenden der Prctzkommisston Emil Scherber, Robicnz Rastorpsaffenstr. 22.____________ Tuchtifle Inseraten- Mquisiteore gegen Pievision und Fixum pon einer großen Berliner Tage»- zeituna gesucht. Sitetten unter D» an die Geschäftsstelle des»Vorwärts� Lindenstr. 3, * Größeres Werk Nähe Berlins sucht für ihren«nrosserlrbnn usw. einen UAliilijU LMieleciifeislek. Es kommen nur wirklich tüchfige»rdsfe in Frage, welche über prima Zetianlsse und Aefercnzen persügen.' Ansiührliche Offerten mit Gehallsa» prüchen unter J. K. >5028 an Rudolf Mosse, Berlin SW 19, erbeten. 15/ IS' Für unsere suchen wir sofort eine tüchtige Dame welche über die nötigen literarischen Kenntnisse verfügt und gleiche oder ähnliche Stellung bereits bekleidet hat. Meldungen: 1—2 Uhr mittags oder 5—6 Uhr abends. &. Jandort& Cu., Belle-Alliance-Str. 1/2. Sle88engesuche j Berufstätiger praktischer Landwirt, ehemaliger Rentengut»- bescher, empfiehlt sich...«. zur Lettung von Gutern u. landwirtichaft- lichen Großbetrieben, als Berater für GotS- besitzer, ländwirtschaftl. Genosseuschafteo u. Äorporatioiien. die bestrebt sind, ihre Betriebe ncuzeitig umzugestalten, die Pro- duktion und damit die Verdienstmöglichkeii im höchsten Maße zu steigern. Seit 25 Jahren Landwirt, hat der Unterzeichnete tu Deutsch land und Im Ausland(Amerita) Güter und landwirtschafllichi Drotzbclriebe mit dem größten Erfolg geleitet und ist nach süntz jähriger Ziviigefangensdiast tn die Heimat zurückgelehrt. Uebernehme auch die enlnnte vcrmitthixg nnh fnch- männliche Serntnna hei kauf und Deetoul oon Güter» und Liegenschnsten jedee Art. Bellr Orb, Wein-, Obst-, Futter-. Rartoffel-, Gettei»«- u. Rübcnbai» westhnsen,«reis Worms(Rhütt-Hessen). Der Gstkrieg. Englands Kriegsunluft. Friedliche Erklärungen Bonar Laws, Lloyd GeorgeS und Lord Curzons. London, 16. August.(Meldung dcS Hollanbsch NicuwS- bureauö.) Im Nntcrhausr erklärte Bonar Law, dast die RegicrungSpolitik in der Frage des russisch-polnischcn Kric- gcs gar keine Aenderung erfahren habe. Die Umstände, di& eS notwendig machen konnten, das Parlament früher zusammen- zuberusen, dürften nur eintreten, wenn es sich herausstellen sollte, dast die russischen Bedingungen für Polen unaufrichtig seien und wenn Rustland Bedingungen stellen würde, die mit der ll n a b- hängigkeit Polens unvereinbar seien. Falls dies der Fall sein sollte, würde die Regierung eine andere Politik durchzusetzen Wiste«, und eS müßten dann Maßnahmen zur Verteidigung der Unabhängigkeit Polens getroffen werden. Vorläufig liege aber noch kein Grund vor, mit dieser Möglichkeit zu rechnen. Der Premierminister habe einen Brief von Kamenew erhalten, in dem dieser versichert, dast die Be- dingungcn, die Rußland in ihren Umrissen bekanntgegeben habe, nicht abgeändert wurden. Unter diesen Umständen werde die eng- lischc Regierung keinerlei Aktion unternehmen. TaS Unterhaus könne davon versichert sein, dast die Regierung daS Land nicht in irgendeine KricgSoveration verwickeln werde, ohne dast sie die entscheidende Unter st Übung deS ganzen Land es hinter sich habe. Namens der unabhängigen Liberalen begrüßte A 8 g n i t h und namens der Arbeiterpartei Clynes die Erklärungen Bonar Laws. Tann nahm Lloyd George da? Wort. In erster Linie besprach er die Kritik, die ständig an dem Völkerbund geübt werde und sagte, der Völkerbund könne nicht in Tätigkeit treten, wenn nicht volle Einigkeit herrsche. ES sej ganz deutlich erklärlich dast nicht alle Alliierten der- selben Meinung sein könnten, waS die russische und polnische Frage angehe. Es wäre natürlich besser gewesen, die ganze Frage im Völkerbund, anstatt im Obersten KriegSrat zu besprechen. Rußland habe sich aber geweigert, eine Abordnung de» Völkerbundes zu empfangen, nnd die russische Regierung habe erklärt, daß sie unter keinen Umständen eine Intervention seitens des Völkerbundes dulden könne. Fm weiteren Ver- lauf seiner Rede sagte LloNd George, dast er und seine Kollegen ernstlich versuchten, den Frieden zu sichern. Er hoffe bald in der Lage zu sein, dem Unterhaus nähere Einzelheiten mitzuteilen. DaS Unterhaus sowie daS ganze Land könne davon überzeugt sein, dast die Haltung der Regierung'Polen gegenüber ständig die gleiche gc- wese» sei. Die Regierung sei kein Haar breit von der Politik ab- gewichen, die sie fortwährend in dieser Frage verfolgt habe. Im Herrenhausr sprach Lorb Curzon über den rufslsch-polnischen Krieg. Ejt sagte: Wir haben nicht genug Truppen oder Geld zur Verfügung, um unS in einen derartigen Krieg zu mischen. Tie öffentliche Meinung in England und in de» anderen Ländern verlange, sobald es möglich sei, einen gerechten nnd ehrenvollen Frieden zu sichern. Diesen Rät hat man der polnischen Regierung gegeben, und heute morgen traf noch eine Depesche vom italienischen Bundesgenossen ein, in der Italien erklärt, daß eS mit diesem Rat vollständig tin- verstanden sei. Aus eine Anfrage im Unterhaus erklärte Llopd George »och, eS wäre General Wrangcl vollständig deutlich gemacht, daß, falls er irgendeinen neuen Angriff gegen die Volschcwiki unternehme, er das auf s c i n�e eigene Verantwortung tun müsse. Seitdem habe Wrangcl nene KricgZoprrationen angefangen, für die die.Verantwortung nur auf ihn lastet. Mitteleuropäischer Staatenblock l W i e n, 15. August. Das„Neue Wiener Tqgblatt" meidet, daß bei den gegeirwartigen Zusammenkünften der Minister des Aeuheren Tschechiens, ZüdflavienS, Rumäniens, Deutsch- ö st e r r« i ch s eS sich darum banv�c, eine Union zwischen den vier Staaten zu bilden, welch« nach außen hin als eine geschlossene Phalanx auftreten solle, wenn die Rote Armee versuchen sollte, nach Mitteleuropa vorzudringen, und um Ungarn niederzuhalten, falls dieses versuchte, bcivassnetc Hilfe für Polen zu leisten oder die im Friedensvertrag vorgesehenen Grenzen zu seinen Gunsten abzu. ändern. Oe st erreich wäre in solchem Falle von der Waffen- Hilfe befreit, müßt« MUnitionsbe stände liefern, sonst aber strenge Neutralität bewahren. Des weiteren bezwecke die Union,. die Wiederkehr der Habsburger nach Ungarn zu ver- hindern und den Anfang einer mitteleuropäischen poli- tischen und wirtschaftlichen Konsolisierung anzu- bahnen., In Ungarn ist die Zensur gelockert, und manche Zeitungen be- ginnen, Polens Offcnsivschuld an seinem Untergang festzustellen und für Neutralität einzutreten. Die Zlucht üer Moslemin. London, 16. Anglist Die.Times" melden aus Simla: Die Gesamtzahl der Muhadschiri« sPtohammedaner, die nach einem unter .islamitischer Herrschaft stehendem Lande ziehen), die bisher nach Afghanistan ausgewandert sind, beträgt 20 V00. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeit, eine so große Menichenmasse zu ernähren, hat der Emir Befehl erlassen, weitere Muhadschirin nicht mehr nach Afghanistan passieren zu lassen. Eine Nationalversammlung für Mesopoto- m i e n wird von Großbritannien vorbereitet. Verbot einer polnischen Feier in Oberschlesien. Bon polnischer Seile war geplant worden, den Jahrestag des Augustausstandes>n Oberichieiien festlich zu begehen. Die Interalliierte ziommiisioi, hat sedoch sämtliche von den Palen in Aussicht ge- nommeoe Veranstaltungen verboten.— Eine Versammlung beimal- treuer Oberschlesier in Susl'etz(Kreis Pleß) wurde mit Gewehr- schüsien überfallen. Zwei Teilnehmer der Versammlung wurden getötet. Die Täler sind entkommen.— Räch Mitteilungen obcrichlesischer Zeitungen sind zurzeit l-4 000 SokolS in Oberschlesien organisiert, davon etwa ein Fünftel unter 16 Jahren. Mit Waffen seien alle ausgerüstet; der Ankauf von Gewehren und Munition werde eifrig betrieben. Die deutsch-lettischen Bezirhunzen werden demnächst durch gegen- festige Entsendung von Vertretungen wieder ausgenommen. Bcla Kbun ist nach ernem Petersburger Funkspruch dort eingetroffen. BeniseloS ist schon soweit wiederhergestellt, daß KrankbeitS- berichte nicht mehr ausgegeben werd-n. In Athen haben die Veni- selisten wüste Schandtaten gegen die Opposition verübt. A l l e n st e i n, 16. August.(WTB.) Nach einem dem„Allen- s steincr Volksblatt" zugegangenen Bericht haben die am 13. August 1 nachmittags in S o l d a u eingerückten Russen eine örtliche I Selbstverwaltung mit Ausschluß aller polnisch� gesinnten Elemente eingesetzt. Ein Antrag der Soldaucr Kommunisten auf Einführung der Sowjet Verwaltung wurde vom russischen ZivilkomMiffar abgelehnt» da sie für eine agrarische Bevölkerung nicht geeignet wäre. Ein großer Teil der im Kreise Neidenburg weilenden Flüchtlinge ist be» rcits heimgekehrt. Ein russischer Zivilkommissar traf am 14. August an der Grenze bei Koslau ein. Er erkundigte sich nach der Anzahl der:n Allenstcin befindlichen Truppen und fragte, wann die Entcntckom Mission Allenstcin verlassen werde. Er bat, möglichst bald den Eisenbahnverkehr mit Soldau wieder aufzunehmen und erklärte, dast die Russen den polnischen Korridor bis Danzig besetzen würden, um die Einfuhr von Waffen und Munition zu verhindern. Falls Danzig sich ne u- t r a l verhalte, würde es nicht besetzt werden. Königsberg, 16. August.(WTB.) L ö b a u ist von den Russen besetzt worden, die aus der Linie Strasburg— Lautenburg anf Graudenz vorgehen. Gostlershansen ist von den Polen g e- räumt worden, die sich auf Graudenz zurückziehen. Aus dem Räume PlonSk— Modlin erfolgen starke polnische Gegen- angriffe in nordwestlicher Richtung. Südlich von E h o l m leisten die Polen erfolgreichen Widerstand, Brody ist von den Russe» zurückgenommen. Posen, 15. Annnst.(WTB) Infolge der Verschlechte- rung der militärischen Lagc�vor Warschau haben auch die alli- ierten Militärmissionen, die Botschafter Jusserand und Lord d'Abcrnon Warscha« in de? Nacht vom 13. zum 14. August verlasse« und sich nach Posen begeben, wo bis zum Eintreffen der polnischen Regierung der Di- rektor dcS politischen Departements O k c n s k i sie gegenüber dem diplomatischen Korps vertritt. Der päpstliche Nuntius und der dänische Gesandte bleiben i« Warschau. Moskau, 15. August.(Funkspruch.) Tie polnische De- legation überschritt Sonntag die Froutlinic und sollt»: Montag Minsk erreichen. Ter Waffenstillstand mit F i n n l a wd ist in Kraft. Wilna, 16. August.(Litauische Telegraphenagentur.) Aus un- bekannten Gründen wurden vorige Woche auf Befehl der rufsi» s ch e n Heeresleitung in Wilna sieben litauische Bürger erschossen. Die litauisch: Abordnung der gemischten Kommis» sion legte aufs schärfste Protest dagegen ein, ebenso gegen die nachts erfolgte Verhaftung von etwa 100 jüdischen Ein- wohnern WilnaS. Nachstehender Funkspruch wurde am 13. August nach Moskau gesandt: „Auf Anfrage vom 12. August Nr. 1825. In Durchführung unserer Neutralitätserklärung werden polnische Truppen, die sich in das AbstimmlingSgebiet zurückziehen, interniert und entwaffnet. To sind bereits 2000 Polen, die am 30. Juli das Abstimmungsgebiet bei Prostken betreten haben, entwaffnet und bei Arvs interniert worden. In Abwesenheit des Reichsministers ( Hantel." Nach den„Times" ist Rodek Vorsitzowder der russischen Mimk-Ahordming. Eine geradezu versailldvische Demütigung für die polniss�e Mhicrungl' In Soldau wurden die Russen als Befreier vom polnischen Joch bejubelt. Tagegen haben die Polen Johannis- darf, eines der Dörfer auf dem rechten Weichselufer, die vom Obersten Rat Polen zugesprochen worden sind, besetzt. lim die Sympathie der Einwohner zu gewinnen, brachten sie erheb- liche Mengen von Lebensmitteln mit. In Warschau drängen sich die angstvollen Menschen in die Kirchen. Internationale Gegenaktion. Die TranSportarbeiter-Jnternationalc richtet den dringenden Apprll an die Transportarbeiter der ganzen Erde, sich jedem Trans- Port von Kriegsmitteln gegen Rußland zu widersetzen. Namens der rnglischen Labour-Panh hat Adamson an Fimmcn den bereits WirtstHaft Kapitalerhöhnng der A.E.G. Nachdem die Allgemeine ElektrizilätSgeiellichaft erst im Mai ihr Stammkapital um 100 auf 300 Millionen Mark erhöht hat, wird vom AufsichtSrat eine neue, ungewöhnlich starke Kapitalerhöhung an- gekündigt. In der A u f s i ch t S r a t s s i tz u n g, die am 16. August statt- fand, wurde beschlossen, der aus den 1 1. September einzuberufenden außerordenllichen Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals um 250 Millionen Mark sechsprozentiger kumulativer VorzugSaklien mit einfachem Stimmrecht vor- zuschlagen. Ein Betrag von 175 Millionen soll unverzüglich ausgegeben werden, während der Zeitpunkt der Ausgabe der«st- lichen 75 Millionen vorbehallen bleiben soll. Von den sosort auS- ziigebcndon 175 Millioncir wird voraussichtlich nur ein Betrag von 100 Millionen znr Subskription aufgelegt werden. Der Rest wird von inländischen Justiluten zur festen KapitalSanlage übernommen.— Wenn der Vorschlag des Aufsichtsrats von der Generalversammlung angenommen wird, erhöhl sich daS Altienkapital der A. E. G. auf 550 Millionen Mark. Umstellung von der Steinkohle zur Braunkohle. Den P. P. N. geht folgende Mitteilung zu: Nach den beim Neichswirtschaftsministerium und Reichskohlen- rat vorliegenden Mitteilungen ist die deutsche Industrie auf die Anregung, sich dort, wo es irgendwie angängig ist, von dem Verbrauche der Stcinkohle auf denjenigen von Rohbraunkohle umzustellen, bereitwillig und sofott eingegangen. Bei der Wärme- stelle des VeteinS deutscher Eisenhüttenleute z. B. sind in den letzten Wochen Gutachten, Nachfragen bzw. Anträge eingegangen, die den jährlichen Versand allein an rheinischer Rohbraun- kohle recht erheblich steigern würden. Unter anderem will z. B. auch Krupp Teile seiner Betriebe auf Verwendung von Rohbraun- kohle umstellen.' Natürlich sind vorher die Kesselanlagen entsprechend umzuändern. Die da und dort austauchen- den Befürchtungen, daß die verstärkte Verwendung von Nohbraun- kohle ihren Preis wieder nach oben beeinflussen würde, find nicht zutreffend. Die Erhöhitng der Rohbraunkohleförde- rung dürfte verhältnismäßig einfacher sein, als der Umbau der Feuerungen und die Regelung der Transportfrage. Di« Kohlenablieferungen an die Entente in dem Z bekannten Beschluß übermittelt, der einer antirüsstschen England- 1 Politik mit dem Generalstreik droht. Die Pariser Chauvinistenpresse meldet, daß bei der Lösung ' der schwebenden Fragen Hindernisse entstanden sind infolge der Tätigkeit des Aktionsausschusses der englischen Arbeiter- Partei, die nicht nur allgemein beschlossen hat, Delegierte nach Par'.s zu entsenden zum Zwecke von Beratungen mit den Vertretern der C. G. T., sondern den Zeitungen gegeitüber sogar erklärt bat, sie wolle auf die Außenpolitik Frankreichs einen Druck ausüben, und sich sogar zu der Drohung verstiegen habe, die Kohlen- lieferungen einstellen zu wollen. Das..Echo de Paris" wfist darauf hin, daß sich der Pakt der extremen Revolutionäre vor allem gegen Frankreich richtet. Anläßlich solcher Absichten spricht der„Figaro" die Hoffnung aus, daß die Delegierten des englischen Aktionsausschusses nicht weiter kommen als nach Boulogne, wo sie gebeten würden, nach England zurückzukehren 60 Mann des im New Dorkcr Hafen ausfahrtbereiten englischen Schiffes„E-a l a b r i a" haben den Streik erklärt, weil 800 polnische-Reservisten nach ihrer Heimat eingeschifft werden sollten. Nach der„Humanite" hat die f r a n z ö s i s che Regierung Protestkundgebungen gegen die Anerkennung Wrangcl verboten. Infolgedessen agitieren d!« radikalen und selbst die rechtsstehenden sozialistischen Blätter für einen M a s sc n p r o t e stst r e i k. Pariser sozialistische Sektionen hatten am Sonntag Kund- gebungen gegen den Krieg und für den Frieden mit Ruhland und die Anerkennung der Sowjets veranstaltet. Frankreich betreibt nach einem Moskauer Funkspruch einen Randstaatenbund; eine Kommission beim französischen 'Autzenministerium fordere alle baltischen Staaten, ferner Polen und die Staaten des Kaukasus und der Krim auf, ihre politischen Bestrebungen darzulegen und ihre Vertreter zu einer Beratung über ein Bündnis nach Paris zu schicken. Eine Militärpatrouille in Wien beichlagnabnite auf zwei Donauschleppern auS Bayern kommende Munition und Maschinengewehre, die unter falscher Deklaration verladen worden waren. Tschitscherin beschuldigt Frankreich. In einem Funkspruch erksärt Tschitscherin, nachdem er die Schuld für die Verzögerung der Waffenstillstandsverhandlungen auf die Polen geschoben lai: Hinter Polen steht Frankreich, da? in unveraniwort- I alter Weise den Krieg protegiert hat. Es ist bekannt, daß vier Milliarden Franke«, die für den Wirderaufbau der zerstörten Gegenden Nordfrankreichs von der französischen Regierung be- willigt worden waren, für die Intervention in Nußland verwen- det worden sind. Außerdem entdeckte man kürzlich auf sranzö- sischen«chiffen, welche russische Soldaten nach Odessa schafften, sechs Flugzeuge, die ohne Zweifel für W r a n g e l bestimmt waren. Als die russische Militärbehörde ibr Recht aus. übte und erklärte, sie würde nicht zugehen, daß diese Kriegs- konterbande den Hasen verlasse, erschien ein französisches G e- schwader vor Odessa, und. der französische Admiral drohte mit der Beschießung der Stadt. Frankreich trachtet danach, nickt nur Rußland, sondern auch Großbritannien, das eine Versöhnung wünscht, in ein« Falle zu ziehen. Frankreich versucht, die Ver- antivortung für die Verzögerung des Waffenstillstandes aus Ruß. land zu wälzen, es ist aber ersichtlich, daß Frankreich der wahre Schuldige ist. Zwischenfall in Schneidemüh!. Bei dem Ansturm auf einen Entcntezug in Schncidemühl, in dem übrigens Kriegsmaterial nicht gefunden wurde, erlitt ein französischer Offizier eine leichte Verletzung. Der Bahnhofsv-or- steher soll mehrfach angebotene polizeilich: Absperrung abgelehnt haben. DaS wäre von der Polizei weit besser unbeachtet geblieben! Ein polnischer Werbe.r wurde in Dittersbach bei Wal- denburg verhaftet. Er nannte sich Tr. B ä r d i n, auch Dr. v. Wesel. Mit ihm verhaftet wurden eine Perkäuferin Steiner aus Westfalen und ein Mann, der Geld unterschlagen hatte und nach Polen verduften wollte. in Spa vereinbarten Umfange gehen glatt vcmsiatten. Sie werden begünstigt durch die gegenwärtig noch gute TrauSpyrtlage und auch durch die allgemeine Absatzstockung auf dem Weltmarkt. Eine neue Börse. Am 4. September wird in Kiel die neue Börse eröffnet, die vorläufig jeden Sonnabend von 12—1 Uhr stattfinden soll. In erster Linie soll die Börse dem Handel mit wirtschaftlicken Produkten dienen. Daneben werden aber ouck Banken vertreten sein, um die Wertpapiere sckleswig-hölsteinischer Uutcr- nehmungen, die keine Börsennotierung haben, zu notieren. Erwerb von Braiinkohlenwcrken durch Rhcinmetnll. Die Zu- sammenichlubbewegung schreitet insbesondere in Westdeutschland auffallend fort. Jetzt sind die Betriebe des Braunlohlen- und BriteltwerkeS„Berggeist" Akiiengeiellschaft zu Brühl bei Köln a. Rh. und des Braunkohlen- und Brikettwerkes„Lucretia" G.m.b.H. zu Brühl bei Köln a. Rh. auf Grund eines Abbauvertrages auf die Rheinische Metallwaren- und Maschiifensabrik, Düsseldorf- Derendorf, übergegangen. AusführnngSbestimmungrn zur Teerbewirtschaftung. Nachdem die Tcerivirtschast einer gemeinwirtschastlichen Regelung unterzogen worden ist, erläßt der Wirtschaftsverband für R o h- leer und Teererzeugnisse eine Verordnung, in der be- stimmt wird: Die Erzeugung, der Absatz und die Ver« arbeitung von rohem Sleinkohlenteer sowie der in der Ver- ordnung genannten Erzeugnisse(Steinkohlenteerlreiböl, Benzolwasch- öl, Steinkohlenteerbeizöl und Bnkettpcch) unterliegen der Meldepflicht. Die Meldungen sind von den Rohieererzeugern(Ko- kereien und Gasanstalten einschl. Generatoren) sowie den Roh- teerverarbeitern(Voll- und Teildestillalionen) jeweilig späsestens am 6. eines jeden Monats für den vergangenen Monat an den Wirtschaftsverband für Rohleer- und Teererzeugnifie. Berlin, abzusenden. Die Meldungen der Rohteererzeuger sind in der bisher an das Reichzwirlschastsministerium eingereichten Form zu erstatten. Den zur Melhung verpflichteten Voll- und Teildestillalionen werden die dazu erforderlichen Vordrucke durch den Wirtschaftsverband zu- gesandt._. Letzte Nachrichten. Absturz des Warnemünder Postflugzeuges. Das Wassepflugzciug„D 42" der deutschen Luftreederei, daZ die schwedische Post für Warnemünde an Bord nehmen sollte, verun- glückte Montag morgen kurz nach dem Start in Kopenhagen. Durch Aussetzen eines Motors und böigen Wind kenterte es und stürzte aus einer Höhe von etwa 35 Metern ah. Die drei Insassen wur- den gerettet. GeVerMafisbewegung Achtung, Arbeiter- und Hngeftelltenräte! Donnerstag. 19.' August, abends 7 Uhr, findet in den Gcrmania-Sälen, Chausseestr. 110, eine gemeinsame Versamm- hing aller Angestellten- und Arbeiterräte der Afa und der Zentrale-In den Zelten statt. Tagesordnung: 1. Die Wiktschaftskrise. ihre Ursachen und Wirkung. 2. Der Aufbau der Nätezcntrale nach den Richtlinien des A. D. G. B. und der Afa. I Der gcschaftsfuhrende Ausschuß. I. A.: Hermann Bernard. S.-P.-D.-Betrieböräte! Zu den irreführenden Bekanntmachungen einer„Vereinigten BetriebSrüiezentrale' müssen wir feststellen, dag es 1. keine.»Ver- einigle Betriebsrätezentrale" gibt, L. daß kein Betriebsrat, der nicht auf dem Boden der Zentrale Münzstrage steht, zum Besuch von Versammlungen derselben verpflichtet ist. Wir fordern unsere Mit- glicder auf, in Ruhe die Entwicklung, die zur Zusammenfassung aller freigewerkschaftlichen Betriebsräte(mit Ausschlug aller Un- organisierten ujw) führen mug. abzuwarten. BetricbSräts-Sekretariat, In den Zelten 23. verkaufte Betriebsräte. Rachfolgende Schilderung soll allen Arbeitnehmern deutlich vor Augen führen, wie verhängnisvoll für sie der 8 87 des Betriebs- rälegeietzes wird, wenn das Untcrnchmertuin hickflchislos darauf ausgeht, ihm unbequeme Arbeiter, oder Angestellte aus den Betrieben zu entfernen. Bei der Deutschen Erdöl- A.-T., Berlin, Kur« sürstenstr. 112, sind, wie uns vom Zentralverband der Ange- stellten berichtet wird, in ganz kurzer. Zeit sämtliche Mitglieder bei ehemaligen Angestelltcnausjchusses und des Betriebsrates, meistens Angestellte, die mehrere Jahre im Betriebe, zum Teil in gehobener Stellung tätig waren, gekündigt und entlassen worden. Die Firma hat in allen Fällen die Weilerbeschäiligung der Betreffenden abge- lehnt und die nach obigem GesetzeSvararaph mögliche EnffchädigungS- Pflicht auf sich genommen. Das Geld spielt beim Unternehmertum keine Nolle, wenn man Angestellte, die ihr Recht als Menschen für sich und andere in Anspruch nehmen, los werden will. Einem Unternehmen, welches das ReichSnotopser auS dem Ueberschug deS vergangenen Jahres bezahlt und augerdem an die Herren Aktionäre sä Proz. Dividende verteilt hat. kann eS auf ein paar lumpig« tausend Mark Entschädigungssumme nicht ankommen. Für die Enl- lassenen, die ausnahmslos frelgewerkichaftlich organisiert waren, wurden ehemalige Offiziere eingestellt, deren politische Gesinnung (Deutsche VolkSpariei und Deutschnpiionale Bolksparleij einwandfrei fefigestellt ist. Bevorzugt scheinen dabei be- fonderS die Träger des Hakenkreuzes zu werden l Der Artikel 1(35 der Reichsverfassung garantiert zwar den Ar- beilnebmern die Koalitionsfreiheit; der Gesetzgeber hat jedoch im BetriebSrälegesey dem Unternehmertum jede Möglichkeit gegeben, dieses Grundrech: mit Füfien zu treten- und der Willtür Tür und Tor geöffnet. Die Entlassenen konnten dem Unternehmen- aller- dings bei zielbewußter Ausübung ihres Amtes als Betriebsräte im gewissen Sinne gefährlich werden. Es muß auch dem Harmlosesten zu denken geben, wenn man den Buchhalinngsvorsteher„gehen läßt", den Btlanzbuchhalter nach Holland abschiebt, den Bankbuch- baller enliäjzt und dem Steuerbuchhalter„sein Tätigkeitsfeld' entzieht.' Hier wird fy st ezna tisch das Wirken der Betriebsräte zur Unmöglichkeit gemacht. Niemand will bei der Firma sich wieder wählen lassen. Diese„LoskausungSklausel' muh aus dem Gesetz schleunigst verschwinden, wenn nicht weiteres Unheil angerichtet werden soll.' � Entlassung von Hilfskräfte» bei den Behörden. Am 15. d. Mts. haben zahlreiche Angestellte der Reichs- und Staatsbehörden die Kündigung erhalten. Auch Verwaltungsstellen, wie die Reichsgetrcidestelle. die ReichSkartoffelstelle usw., deren Ver« kleinerung oder Auflösung in absehbarer Zeit bevorsteht, haben einen erheblichen Teil ihres Personals entlassen. Zu einer Differenz ist es dabei zwischen den 4000 Hilfskräften dor sieben Berliner Zollämter und des Reichsfinanzminisieriums ge- kommen. Die Hilfskräfte in mittlerer und gehobener Stellung, etwa 4000 Personen, erhielten am 15. August die Kündigung zum 1. September, da die Zollämter in ihrem Bureaubetricb einge- schränkt werden. Die Gekündigten wandten sich, da viele von ihnen verheiratet oder Flüchtlinge aus den besetzten Gebieten sind, an den SchlichtungSauSschuh der Zollbehörden, und dieser entschied, daß die Kündigung durch das Finanzministerium unzulässig sei, da den Hilfskräften nur zum Quartal gekündigt werden könnte. Das ReichSfinanzministerium steht jedoch auf anderem Standpunkt, und so wollen die entlassenen Hilfskräfte nunmehr gerichlliche Eist- fcheidung gegen das Ministerium anrufen. Ter Neichstarif für die Angestellten bei den Reichs- bchörden. Im Laufe dieser Woche werden die Verhandlungen über den Manteltarif für die Angestellten bei den Reichs- und Staatsbehörden beendet werden. Die abschließenden Beratungen behandeln, da die materiellen Forderungen und Zugeständnisse bereits erledigt sind, lediglich die sozialen Bestimntungen und die Stellungnahme der Arbeitnehmervertreter zu den Aussührungsbestimmungen der Finanz- minister._ Geheimratswirtschaft im Preustischen Finanzministerium. Genosse Kurt H e i n i g ersucht uns unter Bezugnahme auf die in der Sonnabendabendnummer des.Vorwärts' veröffentlichte Zuschrift deS Verbandes der Gärtndr um Aufnahme folgender Fest- stellung: Ich bin vom 6. Juni bis zum 1. Juli im Preußischen Finanz- Ministerium nicht tälig gewesen. Die Verfügung, die die Umbildung der Gartenverwaltung veranlaßt hat, ist vom 19. Juni datiert. Ich habe also auf ihre Gestaltung keinen Einfluß gehabt. Ich habe im besonderen im Zusammenhang mit der Betriebs- räte-Angelegenheit nach dem 1. Juli mündlich und schriftlich in der eindeutigsten Weise meine Stellung formuliert und meinen Einfluß geltend zu machen versucht. Nachdem die Vollversammlung der Betriebsräte in Potsdam beschlossen hat, den Betriebsrat der vor- malö Kgl. Gärten zu beauftragen, erneut mit dem zurzeit noch von Berlin abwesenden Finanzminister zu verhandeln, kann ich keinen Anlaß sehen, mich in diesem Streite, bei dem ich auf der Seite der Arbeiter st ehe. schon jetzt zu äußern. Ter Zentralverband der Angestellten hat ein« beiendere ÄuStunftöstelle über Sreuerfragen eingerichiet,- Die Sprechstunde wird jeden Freitag bbend in der Zeit von 5— 7 Uhr abgehalten. Schriftliche Auskünste lo e r d e n nicht erteilt. Die Auskunft ist unentgeltlich gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. r Rechtsverbindliche Tarifverträge. Der zwischen dem Deutschen Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin, und dem Arbeitgeber- verband der Velbandmittelherfteller Groß-Berlins am 29. April 1920 abgeschlossene Nachtrag zur Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen der Arbeiter in der Verbandmillelinduftrie ist für daS Gebiet Groß-Berlin mit Wirkung vom 1. Mai 1920 für allgemein verbindlich erklärt. Die allgemeine Verbindlichkeit des zwischen dem Deutstfien Werkmeisterverband, Fachgruppe papierverarbeitende In- dustrie, in Berlin und dem Arbeitgcberverband der Berliner Brief- Umschlag- und PapierauSstallungssabrikanten am 5. Januar 1920 abgeschlossene Tarifvertrag nebst Zusatz vom 27. April 1920 zur Regelung der Gehalts- und AitstellungSbediiigungcn kür die Werkmeister, AbtcilungSvorsteher und Abtei lungSvorfteherinnen der Briefumschlag- und Popierausstaitungsfabriken beginnt für daS Gebiet deS Lande-- Polizeibezirks Berlin mit dem 15. Juni 1920. Der zwiicben dem Arbeitgeberverband der Pelzwaren« brauche zu Berlin E. V., dem Berein selbständiger Kürschner (Pelzbranchej für Berlin und Umgegend und dem Deutschen Kürschnerverband, Filiale Berlin, abgeschlossene, vom 2. Mai 1920 ab gültige Tarifvertrag(Manreltaris) nebst Nachlrag ist zur Regelung der Lohn- und Arbeiisbedingungen für die Kürfchncr in der Pelzwarenbranche für daS Gebiet der Orte Berlin. Schöncberg. Neukölln, Charlottenburg, Sieglitz, Friedenau und WilmerSorf vom 9 Mai 1920 ab für allgemein verbindlich erklärt. Zentralderband der Maschinisten und Heizer, GcschäsiSftell« Derlm. Mittwoch, den 18. August, abend» 6 Ubr, im GewcrkschastSbaus, Saal I: Versammlung aller Vertrauensleute und Betriebsräte des Zentral- verbände» der Maschinisten und Heizer. Deutscher Transportarbeiler-Berband, Bezirk Groß-Berlin. Be« trlcbsräte, Betriebsobleute und Funltionäre der Rollkuischcr und SpediiionS- arbeiter usw. Heute Dienstag, abends<3 Uhr, findet bei Böker, Weber- straße 17. eine Zulammenkunjt statt. Tagesordnung: Bericht über die Tarisverhandlung und Stellungnahme hierzu. Verbandsbuch ist mitzu- bringen. Kcllerarbeiter, Arbeiterinnen und Kutscher aus den Wcingrotzhandlungen. Lilörbclrieben, Mineralwasser- und Esstgfabriten! Mittwoch, den 18. August, abends>/,7 Uhr: Branchenoersammlung im Engliswen Hof, Aleranderstr. 27 b(an der Magazinstrage). Für die Belegschaft der Firma Schütte- Lanz, Könlgswuster- hausen, findet am Donnerstag nachm. 2 Uhr eine Versammlung im sAlicn Schützenhaus, KönigSwustcrhausen, statt. Da die Versammlung zu den Entlassungen Stellung nehmen wird, müssen alle enilassencn Arbeiter erscheinen. Zentralverband der Nngcstrlltcn. Allgemeine Funktionärversamm- lung um 18. August, abends 7 Uhr, in den Mufiker- Festsälen, Kaiser- Wilbrlm-Str. 3l.— Fachgrupoe 1011b(Putzbranche): Mitglieder- Versammlung beute DicuStag, den 17. August, abends 7 Uhr, im Schultheiß, Neue Jalobslrage 24/25._ Bus aller Welt. Der Transport de? Kommunisten Holz. Der Prager„Venkov' meldet: Dieser Tage wurde der veirnteilke Kommunist Hölz von DeieklivS aus Jitschin(Strafanstalt) nach Prag eskortiert. Auf den Bahnhof beglerteien ihn viele Kommunisien. Als das Zeichen zur Abfahrt gegeben wurde, erklärten die Reisenden, daß sie mit einem Mörder und Räuber nicht fahren werden und verlangten, daß der Waggon, in welchem Hölz fuhr, in der nächsten Station abgekoppelt »verde. Da die Aufregung gefährlich wurde, begab sich, als der Zug in Kopidlno einfuhr, der agrariiche Abgeordnete Bradatsch zum Siationsvorstond und machte ihn daraus aufmerksam, daß man nicht für die Aufrechterhaltung der Ruhe bürgen könne, wenn Hölz in demselben Zuge weiterfabren sollte. Infolgedessen ordnete der StalionSvoistand an, daß Hölz aussteige. Er wurde in den Warte- faal zweiter Klaffe abgeführt und Gendarmen wurde» geholt, um ihn zu bewachen. Dann setzten die Reisenden.beruhigt' ihre Fahrt fort. Schwedische Hilfe für Deutschland.„Dagens Npheter' veröffent- lichen eine Unterredung mit dem Prinzen Karl, dem Vorsitzenden des schwedischen Roten Kreuzes, über die nächsten Pläne dieser Institution. Danach tollen 150000 Kronen, welche der- schwedische Reichstag zur HilfStäligkeit in Deutschland bewilligt hat, solg'endetsmaßen verwendet werden: Das ichwedische Rote Kreuz beabsichtigt Schloß Sonnen- stein bei Bad Sulza zu kaus-n und als Erholungsheim für Kinder aller Klassen einzurichten, die durch den Krieg ihre Väter verloren haben; 10000 Kronen sollen zur Hilfe für not- leidende Kinder auS O f si z i e r S« und Be nmtenfamilien verwandt werden, 10 000 Kronen für die Selbsthilfe der deutschen Studenten und weiter« 10 000 Kronen für die Slistung der Kaiserin Augusta Viktoria zugunsten tuberkulöser Kinder. � Im übrigen entwickelte Prinz Karl einen Plan des fchwedlschen Roten Kreuzes zur Unterstützung der aus Rußland zurückkehrenden deutschen ufid österreichischen Kriegsgefangenen. Eine Hitzewelle in Amerika. Der New Aorker Berichterstatter der„Times' meldet seinem Blatte, daß die Stadt eine Hitze- welle erwartet, die van den Meteorologen bereits feit langem prophezeit wurde. Am Montag wies da« Thermometer in Cneco (Conneelicut) 114 Grad Fahrenbeit(---- 43 Grad Celsius) auf,«ine Temperatur,'die in den letzlen 40 Jahren nicht vorgekommen war. Im Schatten Hmschie eine Temperatur von 100 Grad. Mehrere Fabriken mußten wegen der Hitze ge- schloffen werden._ I WetteranSftchte» für das mittlere Norddentfchland bis Mittwoch mittag. Größtenteils trocken und vielfach heiter, nur im Küstengebiete vorübergehend stärker bewöllt bei meist schwachen, westlichen Winden. In den Tagesstunden überall ziemlich warm. Verantwortlich siir den redattionellen Teil: H. Lepöre-Hermsdors: Illr Anzeigen: IS. fflldife, Berlin. Verla«: VorwSrls-Verlaa G. m. b.Jö.. Berlin. Druck: Bor- wärtS-Buchdruckerei u. VertagSaniialt Paul Singer u. Co. Hierzu 4 vctlagc. Berti.,» Lmdenstr. S. vis eilte Massary-Zigarette Urteilen Sie selbst! Wer sie noch nicht geraucht hat, sollte sie probieren! Wer sie kennt, wird zum überzeugten Anhänger unserer Fabrikate. SozIaldemoHrat. Oerdh Berlin S. F. fl. 4t.«StcsluPB- Unser Mitglied, Post- I heiser krleli ZsHkrzgpf wohnhaft Verl in NW 21, MIheimehavener Etr. 58, b. ClKcn, ist am lt. August 1920, nachmittag» 3 Uhr, im Dienst durch Herzschlag verstorben. Ehr« seinem Andenke»! Di» Beerdigung erfolgt am 17, August 1920, nachm. 2'. Uhr. von der Halle des Kirch oote» der Heilande- gemeinde in Plögcnseel Zahlreiche Beteiligung er- wartet lKO'IZ Der Vomaml. Von der Reise xuillclc Dr# Richter, Kpexlalarr.t für Haut- u. aesctilechts- leiden 113/18 Torchatruße 16 (Sprech«.nden 3-e'/, Uhr). Spe�iaiarzi Dr. med. Korben Iii Huui-, Harn-, Fraueni., schwäche. Beh. schnell, ucher, schmcnl. ohne Bcrufsst., Blut- u. Harn untersuch(Fäden I.Harn) frißilriclistr.8l,ffinp"k- Rönisslrifi-gUÄ Spr. ifl-l,4-1/,7.äonnt. 10-1. Teilzahl. Separ.Damenzim j Deutsch, b. franz. Coonac-Verschnittj sowie WelafaraiukVersclmitt in nur la. Qualitäten In'/.-Ltr. 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Die Urliste derjenigen Personen, die nach den Bestimmungen der Titel IV und VI de» S>criit>t»venafsungsgescs,es für das Deutsche Brich zu drin Amte eines Schöffen und Deschmorenen für da» gaht 1921 berufen werden können, ist ansgeftellt und wird nach z 96 des Desetzes eins Vachs lana und zwar natu 21. blo cinichUefe- lirf» 21. Ifuguft 1920, an Den Vochrnkagsn not» ootmlttoBa 9 bis nachroilt-ss 2»tzc. om SonnlOB non notmittogo 10 Ott» ntlWogo 12»Hr. In» Wahl- bncran De» Ätagiflrnt». St.oiansc S trabe 44,45, 1. yof parterre rechts. zur Ewstcht öffentlich anstiegen. wegen hie«ichtlgleit oder Bollständigtrit der Urliste kann innerhalb der rmwöchigrn Anslegefrift schriftlich oder im L-ahibureau zu Prolotoll Einsprache erhoben werden. B e r I i n, den 19. Auzujt 1S2S. � ITgb. Ar. 1542 Wahl 20) WerMUth. greift jede Wanze WiMeU- sichern-- .j** Radikal- Schi nurmtt Schuhaort „SkmtingrelfT 3i> Drogerien er»6i in» Mlein.Fabrikant: Otta Reichel, Berlin 50.23. 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