Nr.4Sg» 57. Jahrgang Mszabe B Nr. 67 Bezugspreis: S;rtelt5!)CL 30.—Ht;„nionntI10,— M. frei m» öous. oorous Zahlbar. Poll- Se*aB Monatlich 10,— M!» n;n. Su- ftenmutwebüht. Umer ürtulbanb füi Demlchlanli unb Oesterreich 16/0 DIU für bo« iibngt äluslonC bei loqllch einmal. SufteEuno 2150 M, Einftif fteOungen nehnttn an Oesterreich,. Unzorn, Tschecho- Slowakei, Dune- mari.'bollonb.-.nremburg. Schweben und Zie Schmeri,— Cinaeirooen m bie Post» leitnnq«- Preisliste. Der.Bbrwlirts� mil ber Eonmog» deiloge.Pol!». Zelt� erichelni mbchen- toglich zwelmn! Sonnloq» ililb Mon- tog»-iNMOl. Zeieoromm-Abreffe �»zlolveneotra« verlin-, Abend-Ansgare Oerliner VolKsblatt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis- Nie ochige'pollen» NonporeiEeeeil» loste il,— Pi„TeiiernngszuschIOftöO°/» «Sleine Anzeigen-, dos'Ol- gebrückte Wort 1,— M.(jnlüfitg zwei tettgebruckte Worte), jedes weitere Wort 60 Psg. SteEengesuchc unb.. Schiofstestenonz eigen bo« erste Won «5 Pfg, jede« weitere Wo« lO P'o, Sorte über 15 Pnchftoden zöstlen'Iii' iwe, Worte. Tetierunoszuschlog 50°' �omilieu-Ameigen für Abonnenten Feile 2.— M, routiiche an. je- wertichostliche Vereins- Anzeigen 3,— Ml. dir Feile ostne Aiistchiog Anzeigen für die nächste Stummer müssen bis 5 Astr nfltbmtttags im chonvtgefchEft. Berlin EJ868. Linsten. iiroße 3, obgegeben werden, tbeägnet 00N s Ilssr früh bis 0 Ubr ostenst», Zentralorgan der rozialdemokratlfcben partei Deutrchlands Redaktion und Expedition: EW. 68. Lindenstr. Z. Sernflirertier; Nint Morixpio«, Nr. llil i>0— Il»l»7. vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. 68. Lindenftr.?. Kernfpreeder: Amt Miirtstpla«. Str. 117 SA— St. warfthau gefallend Weiter unten veröffentlichen wir eine Drahtmeldung des' russischen Generalstabcs über den Fall von Warschau. In-: offizielle Berichte sprachen schon seit Tagen von Kämpfen in der Lstvorstadt Warschaus Praga. Der letzte polnische Heeres- bericht machte selbst Angaben, daß es den Russen gelungen sei, sich in Radzymin. das mit einer Lokalbahn von Warschau aus zu erreichen ist, festzusetzen. Es liegt also nicht außer dem Be- reich der Möglichkeiten, daß die russische Meldung den Tat- sachen entspricht. Auf der anderen Seite behauptet der polnische Heeres- bericht vom 16. August, es sei der polnischen Besatzungsarmee gelungen, sich nach Norden und Süden hin wesentlich Luft zu schassen. Im Norden habe man Ciechanow(Bahnlinie Warschau— Tanzig) wicdererobert, die russische Bclagerungs- armes, die hier schon bis dicht vor die Feste?!owo Gcorgiewsk vorfühlte, um ein beträchtliches zurückgeworfen, im Süden habe man lv Kilometer von Warschau entfernt die Russen bei dem Versuche eines Wcichselübcrgangs empfindlich geschlagen und bis halbwegs zum Bug zurückgedrängt. Wenn diese Meldun- gen aus polnischer Quelle mit ihren Einzelheiben auch nicht den Eindruck des absolut Vertrauenswürdigen machen. so wird man doch abwarten müssen, inwieweit sich die russische Meldung bestätigt. N e id« n b o r g, 17. Aligust. /Tena.) Der russische Geoeral- stob bat an den Stab der 4. Note« Armee in Wilna die offizielle telegrapsiischr Meldung gelangen lafle«. daß die Sowiettruppe« a« Abend des 15. August von Prag« aus nach schweren Siimpfe« ttt Warschau eingrrüikt feien. Str offizielle Bericht fügt hinzu, d-h dir Arbeiterschaft Warschaus dir russischen Truppen mit Jubel begriistt und gewaltige Demonstrationen für ein« Sowjctrepnblil Polen veranstaltet habe. Die Londoner,.Times" und Kopenhagener Blätter veröffent- lichen ähnlich lautend« Metdungen aus Kowno. Von anderer Seite � wird die Nachricht nicht bestätigt. polnische Gegenoffensive. Warschau, 17. August.(TU.) Polnischer HeereSberichl vom IS. August. Nordfront: Der weitere Verlauf der durch General Silorski begonnenen Gegenoffensive unserer Nordarmee entwickelt sich trotz schwieriger Umstände günstig für uns. Unge- achtet der sehr schweren Verluste und des erbitterten Widerstandes des Feindes, der auf diesem Abschnitt unseren Streitträften zehn Divisionen entgegenwarf, bewegen sich unsere Abteilungen auf der ganzen Linie vorwärts. Heut«, am 16. August, wurde C i o cha u o w von unS genommen, Der Feind beginnt bereits an mehrere« Punkten panikartig zurückzugehen. Unsere Flieger, deren Tätig- keit unsere Offensive vorzüglich unterstützt, beschießen die zurück- gehenden feindlichen Kolonnen unb mehren so die Verwirrung. Di« Zahl der Gefangenen ist bedeutend. Die Ersolge haben auf unsere Warschauer Abteilungen überaus gühstig gewirkt, zumal der feind- liche Druck auf Zogreh Demby bereits stark nachläßt. Hart- näckige Kämpfe tobten am 15. und 16. August in der Gegend Radzymin und auf dem nördlichen Abschnitt des Brücken- lopfes, der durch vortreffliche Posener Truppen verteidigt wird. Unter Führu,ng der Generale Rzadkowski, Zeligowski und des Obersten Burikhard brachten unsere Abteilungen alle feindlichen Angriffe zum Scheitern und gingen mehrere Male zu Gegen- angriffen über. Sie hielten nicht nur die eigene Linie, sondern trugen ihre Angriffe in die feindlichen Stellungen vgr. Zahlreiche Gefangene, darunter der Kommandeur einer bolschewistischen Bri- gade und ein bolschewistischer Kommissar fielen in unsere Hände. Mit besonderer Anerkennung ist der Heldentod des Feldkaplan? Jgnaz Skorupka von der 8. Jnfanterie-Division hervorzuheben» der mit dem Kreuz in der Hand den angreifenden Abteilungen voranging. .Mittler'? Front: Heute haben die Armeen die Gegen- offensive unter Führung deS obersten Heerführers ergriffen. Nach einem Marsche von 46 Kilometer längs des Wieprcz erreichten Ab- teitnngen der 14. Divnion mittags Carmolim und umzingelten so den Feind, der bei Mociesowice versuchte, heut« die Weichsel zu überschreiten. Tie Beute ist ansehnlich. Der linke Flügel der 4. Armee schlug 6 Gegenangriffe des Feindes bei Kock ab, wobei ein Geschütz, 14 Maschiiiengewehre und 266 Gefangene in unsere Hand fielen. Unsere Armeen gehen im schnellen Marsch vor. Südfront: Um den Feind, der bei S o k a l zwischen zkimienka-Stnim unb Buck aus da? linke Bugufer hinübergegangen war, zurückzuschlagen, wurde ein Gegenangriff befohlen. Nördlich von Zloozow und Zborow sowie längs der Strypa wurden örtliche Angriffe abgeschlagen. Fortschritte TSrangels. Kopenhagen, 17. August.(TU.) Truppen des Generals Wrangel sind zwischen M a r i a m p o l und Taganrog gelandet und haben mit Unterstützung der aufständischen Bevölkerung die Gegend von A le x a n d r o w S k und KrofchowSkh besetzt. Die verhanölungen in Minsk. � Krakau, 17. August.(TU.) Nach hiesigen Berichten hat gestern � die e r sie Begegnung der Waffen still st andsbele-i gationen in Minsk stattgefunden. Nach gegenseitiger Prüfung! der Vollmachten wurde von polnischer Seite sofort um die gekannt- � gäbe der russischen Vorschläge ersucht, welche mit einem eingehenden; Bericht der Delegation durch einen Kurier schriftlich nach Warschau übermittelt wurden. Mit dem Eintreffen des Kuriers in Warschau wird erst für morgen«Mittwoch) gerechnet, so daß vor Ende der Woche kaum«ine Entscheidung in Minsk möglich sein wird. Inzwischen erfährt man, daß der englische Gesandte Rum- b o l d t den Minister des Acußern S a p i e h a im Namen der eng- tischen Regierung eine Not« überreicht hat, welche folgende Haupt- punkte enthält: Die polnisch« Regierung darf während der FriedenSderfiand- lungen mit Rußland sich in kerne Diskussionen über Bedingungen einlassen, welche die staatliche Unabhängigkeit Polens verletzen könnten. In der Verteidigung der staatlichen Unabhängigkeit soll Polen zum weiteren Ausharren bereit sein und mindestens 22 Divisionen kampfbereit halten. Die Ententeregiernngen versprechen Polen Hilke zur Liefe- rung von Runition und Waffen und Entsendung von 'Offizieren. Die Entente garantiert,' daß Polen vom Westen nicht abge- schnürt werden wird. Ter' polnisch« Aber kViiin andern: darf keine anderen als mili» tärische Funktionen ausführen unb muß oen Ratschlägen der Entent'e Folge-leisten. Die Weich sei linie darf.nicht aufgegeben werden. Sur die Neutralität Gbersihlesiens. B eut h e n, 16. August. Sämtlich« Freien Gewerk- f ch a f t e n und sozialdemokratischru Parteien Ober. f ch l e s i« n s berufen für morgen abend Einspruchsversammlungen ein zur Abwehr der Versuche einer NeutralitätSperletzung Oberschlesiens. Tie Gewerkschaften und Eisenbahner fordern ein Verbot aller nicht kontrollierten Munitions- und Truppen- transporte. Sämtliche Betriebsräte haben diese Forderung«ufge- stellt. Die Kaufmannschaft wird aufgefordert, morgen mittag die Läden zu säiliesien. Sollte die Forderung zur Sicherung der Neutralität Obrrschleflens nicht angenommen werden, wird der A l l. g« m e i n o»«stand in Oberschlrsten angedroht. Gegen üen Krieg. Die proletarische Aktion gegen den Eingriff nichlbeteiligter Mächte in den ru'sisch-polnischeu Krieg, hie der erste wirklich posi- t i d e Vorstoß im pazifistischen Sinne ist, veranlaßt«ine Reihe von Organisationen zu folgender Kundgebung: Die unterzeichneten Verbände begrüßen mit Sympathie die jetzt in allen Ländern zutage tretende Tendenz, durch Vcrlveige- rung jeder praktischen Mitwirkung an kriegerischen unb terr» ocistlschen Handlungen, sowie der Vorbereitung dazu, die Möglich- keit der Krüge aufzuheben und somit bie Abschaffung der Kriege, wie de« blutigen Gewalt überhaupt durch die Selbst- bestimmung der Völker einzuleiten. Der Aufruf ist unterzeichnet vom Bund Neues Vaterland, von der Deutschen Friedensgesellschaft, dem Deutschen Monistcnbunb, Ortsgruppe Berlin, dem Republikanischen Führerbund, der Freien Arbeiter-Union, der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer, der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, den pazifistischen Stubenten- verbänden in Berlin, Frankfurt a. M, Freiburg i. Br�, der Huma- nistischen Gemeinschaft, der Internationalen Union, dem Bund der Kriogsdienstgegner, der Oesterreichischen Gesell icheft für Friedenserziehung, dem Russischen Verein„Mir i Trud"(Friede und Arbeit), dem Freiben kerverc in Schweinfurt, dem Bund der Konfessionslosen und von der Deutschen Gesellschaft für staatsbürgerliche Erziehung. A« der»reusiisch- polnischen Grenze nehmen bie Grenz- Übertritte polnischer Flüchtlinge immer größeren Umfang an. Im Korridor werden Plakate migeschlagen mit der bezeichnenden Aufschrist:„Behandeil die Deutsch«» besser." Tier Führer der Deutschen in Lissa ist plötzlich aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Täglich kommen nach Lissa 4 FlüchAingszüge; in Gnes«n. und Thorn sind Taufende von Flucht- lingen. In der ehemaligen Provinz Posen beginnen die Lebens. mittel zu mangeln, was von getvisser Seite auf die Deut» schen und Juden geschoben wird. Ter polnisch« Postpräsident fti Posen hat bestimmt, daß alle � Telegramme, auch aus dem Auslande, die den Bestimmungsor:! und die Straße nicht in polnischer Sprache tragen, als un- bestellbar behandelt werden. Dieser„Verkehrsfortschvitt" ist vorher nicht einmal öffentlich bekannlgemacht worden. I die Gstorientierung. Von Max Cohen(Rouß). Wir gehen den Artikel des Genossan Eohen als Das- kuisionSbeitrag zu dem im Augenblick wichtigsten Ppv- viem unserer Außenpolitik wieber. Im HubprgebniS, der strikten A u f r e ch t e r h a l t u n g u n s e r e r-N e u- iralität, stimmen wir mit Genossen Cohen vollkommcn nHerein, nicht dagegen in allen Einzelheiten seiner Be». weisfübrung, die zum Teil in der von ihm vertretenen, von uns avgeiehnten, einieitig mach Frankreich ovien- t irrten„Kontinentaivolltik" liegen. Red. d.„B.". Tolle imd phantastische politische Auffaswngen kann man gozenwärtig in Deutschland boren. Di« militärischen Erfolges der Russen, die ohne eigentliche schwere Kämpfe Warschau fährlich nalhegekonmien sind, haben all denen, ine• sich Außenpolitik nur in der Ausnutzung mehr oder minder g ü n stf g e r K o n j n n k t u r« n vorstelllm können, ein wenig den.Kopf verdreht.„Was ist uns Spa. im Osten wird Welt- gcschichte gemacht."„Mit Hilfe Sowjctxußlands müssen wir den B e r s a i l l e r Fri e d ensvertrag revidieren." So ungefähr lautet der Tenor derer, die der„ notion albolsch«- lmstischen" Parole solgeiid, den Leuten um Lauffenberg-Wolff- 'heim weitere rechtsgerichtete Kreise zuführen möchten, um mit Hilfe der russischen Sowjettruppen die Entente an: Rhein zu schlagen. Es broltcht nicht besonders betont zu werden, daß es sich hie? nur mn die Ideen einer kleinen Minderheit handelt, die, auch nfenn sie noch so lebhast agitieren würde, weder die wohl- erwogene, von der Reichsregierung erklärte Neutralität ins Wanken bringen könnt«, noch, wie man zuversichtlich hoffen darf, irgendeinen bedeutenderen Einfluß auf das deutsche Volk gewinnen wird. Nichtsdestoweniger dürste es am Platze sein, dieser nationalbolsck>swistischen Narrheit den Star.zU stechen. Und es scheint mir. ganz besonders notwendig zu. sein. daß dies auch im„Vorwärts" geschieht, der in der Morgen- ausgäbe vom 10. Augusts eine Zuschrift veröffentlichte, in der diese Gedankengänge, wenn sie auch letzten Endes abgelehnt wurden, dennoch ernstlich e r ö r t e r t wurden. Von dem leider nur mit drei Buchstaben zeichnenden Ver- sasser wurde dabei gesagt, daß wir bei einem gemeinsamen Vorgehen an Rußlands Seite„vielleicht die Fesseln von Ber- sailles los werden". Zwar ist sich der Versasier klar darüber. daß bei einem Krieg gegen die Entente das westliche Fndu- striegebiet mit seinen Kohlengruben zerstört werden würde, und man kann kaum im Zweifel sein, daß dieser„Tausch" für Deutschland auch dann noch viel schliminere Folgen haben würde, falls er nus vom Bersailler Frieden befreite.� Davon kann aber nicht einmal mit einem einschränkenden„vielleicht" die Rede sein. Der Kriog an der Seite Rußlands und die Opferung'des Kohlengebiets(wozu dann aber auch noch einiges andere käme) würde uns totsicher nicht vom Ver- sailler Frieden befreien, sondern das ganze Dentschland ver- nichten und zersetzen und sein Schicksal endgültig und unwider- ruflich besiegeln. Alle nastonalbolschewistischen Gedankengänge geben von einem Grunhirrtum aus: sie überschätzen die mili- tärische Macht Sowjetrußlands in geradezu im- verständlicher Weise. Gewiß, es hat Polen besiegt. Aber, was will denn das heißen? Die swlecht bewaffneten und geführten Polen haben sich erst jetzt zur Verteidigimg der Hauptstadt, zu ernsthaftem Widerstand gesammelt, ber freilich nunmehr kaum noch aussichtsreich scheint. Es ist aber doch gar nickt so schwer einzusehen, daß die i n P o l e n siegreiche russische Armee aus mehr als einem Grunde vor den E n t e n t e h e e r e n wie eine Seifenblase zerplatzen würde. Das russische Heer besteht zum großen Teil aus Bauern, die, angefeuert von natio- nalgroßrussischen Ideen, leicht gegen den polnischen Erbfeind zu führen sind. Das würde(ganz einmal abgesehen von]f»rcr rem militärischen Schwäche den Ententesoldaten gegenüber) beim Ueberschresten«der deutschen Grenze sofort anders werden. Es würde beim ersten ernsthasten militärischen Zu- sammenprall nachgeben und sehr schnell aiiseincmderbrecher, da keinerlei treibende geistige Kraft mehr hinter ihm stände. Oder glaubt irgend jemand, daß der russische Bauer siw für die bolschewistische Weltrevolution schlagen würde? Es scheint sogar, als ob die bolschewisrisck'en Machthaber selber nicht mehr so ganz an ihren Beruf, die Westrevolution zu eist- lachen, glauben. Denn m dem von der Sowjetregiernna über die rnssi lch-polini schon Beziehungen heransgegeben-en Rofbuch schreibt der Volkskommisiar des Auswärtigen Tschist-berin (ich zitiere nach der„Freiheit"): „Sowjetrußland zwingt niemanden... seine Verfassung und seine Grundsätze aus;«8 trägt auf den Spitzen seiner Bajonette nicht sine revolutionäre Ervungenschasten, zu denen die arbeitenden Massen eines jeden Volkes durch ibre eigenen Anstrengungen go- bangen rnüssen. Es erkennt unabänderlich an, daß jedes Volk sein eigenes Schicksal selbst bestimmen muß.". Das ist sicherlich schon deshalb vollkommen ernst gemeint, weil die Bolschewisten sich ihrer eigenen Schwäche sehr wohl bewußt sind. Es ist ihnen heute sehr viel wichtiger, von den. andere» Großmächten(besonders von England) anerkannt zu iöerdew-und in WirtschaftsbeziÄ'nmgsA mit Wo�teurop» zi. kommen, ols� den aussicht-lojen Versuch zu machen, irgend- einem Volk die bolschavistkschen Heilslehren mit Waffengewalt beizubringen. Aber noch ein zweiter nationaEolschewistischer Grundirrtum fei kurz erwähnt. Man glaubt vielfach, daß die inneren Schwierigkeiten England und Frankreich an der richtigen Ausnützung ihrer militärischen Kräfte in einem neuen Kriege hindern würden. Das könnte vielleicht bei einem Kampf auf polnischem Gebiet gegen Nußland zu- treffen, da die inneren Schwierigkeiten in den beiden alliierten Ständern sicherlich nicht gering sind. Das würde aber mit einem Schlage anders, sobald es sich darum handelte, einem vereinten Teutschland und Rußland auf deutschem Boden ent- gegenzutreten. Dann würden all die Dinge wieder lebendig und wirksam, die wir in der Weltkriegszeit genugsam kennen gelernt haben, und dann würde Deutschland in einer Weite niedergeschlagen werden, die es für alle Zeiten aus der Reihe der großen Nationen streichen und das klnis rjorrnamav (Ende Deutschlands) buchstäblich wahr werden lassen würde. Nein, das ist kein Weg, den Friedensvertrag von Ver- sailles zu beseitigen, sondern einer, der unser wahrlich großes Unglück noch größer machen müßte. Es gibt in Deutsch- land niemand, der die Bedingungen des Friedensvertrags von Versailles nickst als drückend und zu einem großen Teile als unerfüllbar ansähe. Milderungen an ihm aber können nur durch das eine einzige Mittel der Verständigung(besonders mit Frankreich) und auch nur dann erreicht werden, wenn die Entente sieht, daß wir die erfüllbaren Teile des Vertrages nach besten Kräften ausführen wollen. In dem jetzt tobenden Kampfe muß es bei der prokla- mierten strikten Neutralität nach beiden Seiten bleiben. Die neue Art der Ostorientierung, wie ich sie mir zu kennzeichnen erlaubt habe, ist keinen Pfifferling wert, sie ist ein Hirn- gespinst verglichen mit der wirklich durchführbaren Ostorien- tierung, die meine engeren Freunde und ich während des Welt- krieges vertreten haben. Damals haben die Hauptvertreter der jetzigen Ostorientierung sie abgelehnt und im Westen und Osten den„vollen Sieg" erringen wollen. Das ist vor- bei. Jetzt aber sollten sie schweigen, sie haben Unglück genug über das deutsche Volk gebracht. Reichsmmister Koch gegen tzö'rsing. Manöver zur Beseitigung" Hörsings. IlnS wird geschrieben: Die Magdeburger Enthüllungen über den Spitzelsumpf haben nach dem ersten Augenblick der Bestürzung und der Verlegenheit im Lager der Gegenrevolution eine groß- zügige Gegenaktion hervorgerufen, während vorläufig das' Hauptziel die B e s e t t i g u n g H ö r s i n g s als Ober- Präsident der Provinz Sachsen ist. Die Spitzelzentrale Orgesch, Reichswehr und sogar, wie es sich jetzt herausstellt, Reichs Ministerium des Innern, alles steht hier miteinander in wechselseiti- gen Beziehungen, alles arbeitet sich gegenseitig in die Hände. Es wird öffentlich in der reaktionären Presse gegen Hörsing Sturm gelaufen und vor allem unterirdisch in den Berliner Zentralstellen gegen ihn gehetzt. Mit welchen Mitteln mag man aus Nachstehendem ersehen: Das Reichsministerium des Innern hat an die„M a g d e- b u r g e r Zeitung", also gerade an jenes Blatt, das in der Spitzelgeschichte am meisten kompromittiert ist und daher an der Beseitigung Hörsings das meiste Juteresse hat, ein Schreiben gerichtet, in dem versucht wird, Hörsing und das Magdeburger Oberpräsidium zu diskreditieren. Hörsing wird nicht etwa wegen der von seiner Behörde durchgeführten Aufdeckung angegriffen, sondern wegen einer ganz anderen Sache, nämlich wegen der seinerzeitigen Verhängung des Belagerungszustandes über den Kreis S ch l e'u si n g e n. Aus eigenem Antriebe springt also das Reichsministerium bcS Innern der schwärzesten reaktionären Varjchau. Ws vor motu ehr 5 Jahren die deutschen Truppen siegreich in Warschau einzogen, ahnte wohl niemand, was das nächste Jahr- fünfter sozialdemokratischen Fraktion gesonderte sofortige Einberufung des Auswärtigen Ausschusses in einem gewissen Zu- sammenhang mit der O r g e s ch a n g e l e g e n h e i t. Wenn auch in erster Linie die Ereignisse im Osten den Anstoß zu der Forderung gaben, so ist man sich in Panteikreifen doch auch über die außenpolitische Seite der Orgeschangelegenheit klar. Da die Orgesch dem Entwaffnungsabkommen von Spa z u» w i d e r l ä u f t und sich den Befehlen der Regierung offen- kundig widersetzt, so kann ihr Verhalten zu schweren auswärtigen Verwicklungen evtl. zu einer B e- sctzung des Ruhrgebiets führen. Dem muß unter allen Umständen entgegengewirkt werden. Grgesch in Kassel. Kassel, 17. August.(Eigener Trahtbericht des.Borwärt»'.) ?aS„Kasseler ValkSblatt' hat wiederholt auf die Organisation des Oberleutnants Mahraun, deS früheren Kommandanten der OffüzierSkompagnie unseligen Angedenkens o-uS den Kapp- tagen, hingewiesen, ohne daß bisher gegen diese gemeingefährliche Verbindung vom Oberpräsidium ouS etwa» Wirksames unter- nommen worden wäre. Das Oberpräsidium hat Mar versucht, durch Zeugenvernehmung Licht in diese Dinge zu bringen. Aber wie das schon so ist: der Instanzenweg vom Oberpräsidium zu den aus- führenden Organen ist derartig langwierig, daß sich Herr Mahraun noch immer wie ein Fisch im Wasser tummelt, Versammlungen und Reden hält und den Oberpräsidentea, der sich zu der Energie seiner Mittelpunkt des Verkehrs bildet der Schloßplatz mit dem Denkmal Sigmunds III., wie Warschau überhaupt besonders schöne Plätze, Lustgärten und Parkanlagen auszuweisen hat. Eine der schönsten Schmuckanlagen inmiftcn der Stadt ist der von König August II. angelegte Sächsisch« Garten, den mau als ein würdiges Abbild des gartenbaulichen Kunstwerks von Versailles bezeichnet hat. Von außerordentkichem Reiz ist die eng um das Schloß gedrängt«?ltt- stadt mjt ihren engen, krummen Straßen und dem malerischen Gewirr, da» an mittelalterlich Städte erinnert. In diesen alten Stadtteilen an der Weichsel, auf dem Stare-Miasto, dem Alten Markt, und in seinen reizvollen Nebengäßchen weht, besonders an den Tagen, an denen sich in den bretternen Marktbuden klein- bürgerliches Leben entfaltet, so reckt der Geist des Mittelalters. Auch im Judenviertel, im Norden der Stadt, ist noch viel von dem Hauch längst vergangener Zeiten zu spüren. Die geschichtlichen Anfänge Warschaus gehen ins 13. Jahr- hundert znrüAr Im Jahr« 1234 wird die Stadt zum ersten Male urkundlich erwähnt. Bis zum Jahre 1526 war sie die Residenz der masovischen Herzöge. Im Jahre 1330 umgaben sie ihre Stadt mit Mauern; aber nahezu zwei Jahrhunderte später wurde War- schau von den Polen eingenommen und im Jahre 1550 von König Sigmund II. August zur Residenz erhoben. Seit dem Jahre l573 wurden auf der in der Nähe gelegenen Ebene von Wala die König« von Polen gewählt im Jahre 1600 wurde Warschau an Stelle von Krakau die polnische Hauptstadt. Im August des Jahres 1655 mußte es sich Karl X. von Schweden ergeben; es wurde aber im folgenden Jahre von König Johann Kasimir wieder erobert. Vom 28. bis 30. Juli 1656 tobte bei Warschau die dreitägige Schlacht zwischen der schwedisch-brandenburgischen Macht und dem König Johann Kasimir von Polen, deren Folge die Kapitulation der Stadt war. Während des Nordischen Krieges hatte sie sehr zu leiden; sie wurde später wiederholt von den Russen besetzt, und in dem Aufstand vom 17. und 18. April des Jahres 1704 wurde die russische Besatzung niedergemetzelt. Aber am 5. November desselben Jahres mußte sich Warschau nach der Erstürmung von Praga den Russen unter Suworow ergeben. Bei der dritten Teilung Polens wurde Warschau preußisch und blieb es bis zum Jahre 1806, in dem es die Franzosen besetzten. Im Frieden zu Tilsit muhte Preußen die Stadt abtreten; sie wurde die Hauptstadt des neuen, zum Rheinbund gehörenden Herzogtums Warschau. � Vom Wiener Kongreß wurde Warschau zur Hauptstadt von„Kongreß-Polen" gemacht; aber fünfzehn Jahre später tobten in der Weichselstadt die Stürme der großen polnischen Revolution, die mit dem Aufstand vom 30. November 1830 begann und am 3. September des folgenden Jahres mit der Uebergabe Warschaus an den russischen General Pastewitsch ihr Ende sand. Auch bei den Revolutionen der Jahre 1863 und 1864 war Warschau jedesmal der Mittelpunkt und Herd der polnischen Erhebung. Tann blieh die russische Herrschaft für ein halbes Jahrhundert»nun- gesochren, bis am 5. August 1015 die deutschen Heere in die Stadt einzogen. Einemviertel Jahre später begründeten die verbündeten Teudschen und Desterreichet das neue Königreich Polen., da» frei. lich niemals einen König gehabt wd»ie z« wirklich selbständiger Kollegen in Magdeburg, Hannover und Brandenburg nicht auf» raffen kann, einen guten Mann sein läßt. Tie Fußangeln, die be- hördlicher-seitch Herrn Mahraun gelegt werden, sind ja so harmlos und es finden sich stelZ Warner.... Das„Kasseler Volksblatt' veröffentlicht einen Brief aus Kassel vom 3. August: Sehr geehrter Herr! ?Iach den von allen Seiten zusammenfließenden Mitteilungen gestalten sich die Verhältnisse im Innern unseres Landes immer ernster, so daß es ein Gebot der Sclbsterhaltung ist, daß alle gleichgesinnien Kreise auch unserer Stadt zusammentreten und die Schritte unternehmen, die zur Ausrechtcrhaltung der Ordnung notwendig sind. Wir richten deshalb die ergebene Bitte an Sie, sich zu einer Besprechung im größeren Kreis« am Freitag, den 13. August 1020, abends 8 Uhr, in den Geschäftsräumen der Handwerkskammer, Hohenzollernstraße, einzufinden. Wir bitten Sie dringend, zu der Besprechung zu kommen und dft Angelegenheit durchaus vertraulich zu behandeln. Hochachtungsvoll . Ludwig Schmidt, Glasermeister. Tannheuser, Syndikus der Handelskammer. Hierzu oemerit das„Kasseler Volksblatt": Damit der Ober- Präsident nicht genötigt ist, sich über die Versammlung am 13. d. M. durch seine politischen Polizeikommissare Kenntnis zu verschaffen— Polizeikommissar Ludendorfst beglückt ja erst am 1. November das arme Kassel mit seiner Anwesenheit—, wollen wir die drei Hauptpunkte des Mahraunschen Referates zur Kenntnis des Ober- Präsidenten bringen: 1. Die Kasseler Industriellen haben für den ungesetzlichen Zweck der Organisation zusammen 70 000 M. gespendet. 2. Oberleutnant Mahraun hat ausdrücklich erklärt, er habe mit Escherich verhandelt, und der Jungveutsche Orden sei voll- kommen nach den Leitsätzen Eschcnchs aufgebaut. 3. Es wird eine Wirtschaftsorganisation der Aeltercn und eine Kampforganisation der jungen Leute geschaffen. Vielleicht wird der Oberpräsident jetzt endlich etwas aus seiner Ruhe gestört werden und der Kasseler Arbeiterschaft Kenntnis ge- geben, was er in Verfolg der Enchüllungen des„Kasseler Volks- blatteS" veranlaßt hat." Antisemitische Reichswehrexzeffe. .Im Badeort Twinemünde. Große antisemitische Kundgebungen fanden am Montag in Swinemündc statt, und zwar, wie der gewiß nicht reichswehr- feindliche.Lokalanzeiger' meldet, unter Führung von ReichSwehrsöldaten u». d Marineangehörige ic (die Folge der Marineverseuchung durch die Ehrhardtmeuterer!). Eme große Menschenmenge zog nach dem Bericht mit Musik und Gesang vor die vollbesetzten großen Vergnügungslokal«, wo „vaterländische" Lieder mit dem Refrain:„Juden raus!" gesungen wurden. Lln einigen Stellen wurden Ansprachen antisemitischen Charakters gehalten. Ten verstärkten Polizeimann. schaffen gelang es, durch sofortige Schließung der Lokale die An- sammlungen zu zerstreuen und ernstere Zusammenstöße zu ve» hindern. Die Arbeiterschaft veranstaltete gestern abend eine große Gegendemonstration. Es wurde»on den Rednern aus die Schädigung des Badelebens hingewiesen, die sich schon durch die Abreise zahlreicher Badegäste bemerkbar macht und diele hun- dert Gastwirtsangestellte usw. in ihrer Existenz bedroht. Der Stadtkommandant ist gegen die Uebergrisfe der Soldaten eingeschritten. Die Reichswehrangehörigen müssen abends in der Kaserne bleiben. Tie Hauptansiisier der Krawalle, ein polnischer Baron und ein 18jähriger(!) Jüngling aus Breslau, haben sich aus dem Staube gemacht. Keine Auflösung preußischer Universitäten. Den P. P. 31. wird mitgeteilt: Im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung werden keinerlei Pläne wegen Schließung einer preutzschen Universität erwogen. Davon ist. auch telegraphffch der Vorsitzende.der deutschen Studentenschaft in Göttingen verständigt Tie Meldungen über Truppenansammlungen im besetzten Ge. biet des Rheinlandes finden nach deutschen Erkundigungen keine B e st ä t i g u n g. Existenz gelangt ist. Beim Zusammenbruch der Mittelmächte im November 1018 wurde Polen Republik, und Warschau wurde die Hauptstadt diese» vdn der Entente verhätschelten und über Gebühr vergrößerten Staatswesens.__ Baldung im Staatsmuseum. Für da? Kaiser-Friedrich-Museum ist ein Gemälde des Hans Baidung Grien erworben worden, des eigenartigen mid oft großartigen deutschen Renaiffancemeisters aus der Nachfolge Türers und Grünewalds. Es ist Thisbe an der Leiche des PhramuS dargestellt, in cchfektvoller pathetischer Be. leuchtung. Das Bild ist ein charakteristisches Spätwerk dez Malere. Ein ganz einzigartiges Stück, das gleichfalls neu erworben wurde, ist nach einer Zeichnung des Baldung geschaffen, eine große Bild- Wirkerei mir der Bekehrung des Paulus. Sie wurde im Erdgeschoß deS Museums aufgehängt, in dem langen Saal an der Spree, in dem jetzt die schwÄbiichen Bildwerke aus der Zeit um 1500 aui- gestellt worden sind. Da sieht man nun die prachtvolle große Maria aus Kaisbcim, eine Arbeit des Meisters, der den berühm. ten Hochaltar von Blaubeuren geschaffen hat, ferner die Reihe der Chorgestühlbüsten des Augsburger Meisters Adolf Taucber- Die Kunst Baldungs zeigt das Museum jetzt in ihrer Vielseitigkeit: Altargemälde aus alle» EntwicklungSshrsen, das kürzlich erworbene Bildnis eines badischen Fürsten, farbenprächtige Glasgemälde nach Baldungs Entwurf in der Abteilung der Bildwerke im Erdgeschoß. Ta? Astaeisckie Museum in Dahlem, dessen WeilerfLhrung im vorigen Jahre gejöbrdct eiichicn, t!l in der letzten Zeit wieder gethrdert worden. Im kommenden ftrübjabr werden voraussichtlich wenigstens die beiden. Pavillons, die jür die ostasialisch« Kunslableilung bestimmt sind, be- zogen werden können. Ferucet» Bnsoni, dessen Berufung an die Mnsikhochschule erörtert wird, siedelt nach meor als fünsjährigem Aufenthalt in Amertka und tn der Schweiz wieder nach Berlin über. tilingcr- Gedächtnis- Zlusftrllung. Der Leipziger Kimstvereii» will am'Jb September die grosse EedürtitnislUisstellung für Mar Klincyr eröffnen. Viele Werke aus Leipziger und anderem Privatbesitz sind datür schon gesichert. ZHeaterpelitit im Reich. Der Finanzausschuß der(üsthaer Stadtverordnelenversammlung bat einem Lorschlag des Siadtrals zuqe« fiirnmi, wie im Vorjahr auch sür die kommende Svielzeit dos(Soibaer Landesthealcr von der Erhebung der Luslbarkeitssteuer zu befreien, und ausserdem den Zuschnss von 30 000 aus 100 000 Mark zu erhöhen.— Ter Deutsche Bübnenverein und die Genossenschast deutscher Bühnenangehörioer wollen dem Koblenzer Stadtlheater aus seinen Nöten heifen und haben sich zur Ueiernabme einer Fehl betragsbürgschast bis zur Höchst- grenze von 300 000 Mark für das Koblenzer Stadltheater und A>0 000 Mark sür das Orchester für die Svielzett 1020/21 bcreiterklärt. Der Fehlbetrag beläust sich aus I 200 000 Mark, so dass die Stadt noch 700 000 Mark zu tragen hat. Sssi««llbritischcr Theatertrnst. Die einheitliche Zusaminenschliessung der Theater, die in den englischen Dominions bereits grosse Fortschritte gemilcht hat. soll min in einer riesigen Vereinigung über das ganz- britische Reich ausgedehnt werden. Ter Präsident der„TranS-Kanada-Tbealer. Eesellichasi". die mehr als hundert kanadische Theater umsassl, lull miige- teilt, dass ein allbritischer Thcatertrusl im Entstehen ist, dem alle Theater. direktoren'und Theaterbesitzer in England, Kanada, Neuseeland und Süd. afrika angehören weiden. Aus diese Weit« würde eine Vereinigung ent. stehen, die 1200 Theater befitzt und über 5000— 6000 Theater einen est- scheid««»» Einfluß»usübl. / Nochmals: Treibereien. Wir ejfytlien von Herrn Direktor Dr. Burg von der Fürstin. BiZmartksischuIe in Charlotte nburg als„Berichtigung" eine Zuschrift, die den Inhalt deS Artikels.Treibereien" in der Abend- ausgebe des„Vorwärts" vom 13. d. M. in Bausch und Bogen als .,E n t st e l Lu n g" und„Verleumdung" bezeicknet. Eine solche * allgemeine Behauptung ist natürlich keine Berichtigung. Wenn Herr%t. Burg erklärt, ein näheres Eingehen auf die Sache ver- biete sich für ihn, weil sie Gegenstand einer schwebenden Untersuchung sei, io fragt sich, warum er denn die im Mai Äer dieselben 6legenstände schwebende Untersuchung mit allen Mitteln durchkreuzt hat, statt ihr Ergebnis in Ruhe abzuwarten. Er hat Abgcordne'e und den Unterstaarssekretär einer politischen Partei für sich in Beschlag genommen. Damit wurde eine Sache, deren schleunige Erledigung im Interesse der Schule offenkundig geboten w�r, einstweilen aufs tote Gleis geschoben. Statt auf die mit der llutersuchung betrauten zuständigen Stellen zu vertrauen, hat der Direktor uneingeweihte Machtfaktoren der Oeffentlichkeit für sich in Anspruch genommen und damit zweifellos, wenigsten» vor- läufig, Erfolg gehabt. Wohin soll es führen, wenn in dieser Weise die ordnungsmäßige Erledigung von internen Konflikten durch die zuständigen Behörden lahmgelegt wird und wenn der Beamte nicht weiß, wer seine Angelegenheiten schließlich ent- scheidet, diejenigen, denen er sich anvertraut hat, oder unver- antwortliche Personen. Das ist für uns zunächst der springende Punkt in diesem Falle. Um seine Bedeutung in der vorliegenden Angelegenheit klarzustellen, waren wir gezwungen, einige Einzel- heiten aus der Anführung deS Direktor» mitzuteilen, die wir, wenn der Kaum eS gestattete, noch auSgtebig ergänzen könnten, aber mcht im Sinne der oben erwähnten Zuschrift de» Direktors. I» der Entscheidung der Botschafterkinferenz über die Grenze Ostpreußen» werden die Ort« Roben st ein, Klein-Nappern -und Proszken von Deutschland abgetrennt und Polen zu- geschlagen. Tie Interalliierte Kommission in Allenstein hat aber bei ihrem Abgang diese Entscheidung mit keinem Wort er» wähnt und da» Abstimmungsgebiet einschließlich dieser Orte Deutschland übergeben I Der Geiieralrat des MaasdevartementS bat Raymond P o i n- carö einiiimmig zu seinen Präsidenten gewählt. In Graz boben Kundgebungen der organisierten sozial- demotranschen Arbeileischaft und der Kommunisten gegen die ein- heimische und ausländische Reaktion und für die Republik und die freiheillichen Einrichtungen staltgefundeii. GroßlBerlw Schlechtes Lrot und rohes Gbst. Zahlreiche Krankheitsfälle. Die schlechte Beschaffenheit des Berliner Brote» wächst sich zu einer ernsten Gesundheitsschädigung für die Bevölkerung aus. So häufen sich, wie man uns aus Aerztekreisen mitteilt, in letzter Zeit die E r k r a n l un g e n von schwerem Magen- und Tarmkatarrh oft mit tödlichem Ausgang. Zwei Ursachen kommen hierbei hauptsächlich in Betracht, das schlechte kaum g e- nießbare Brot und der Genuß von rohem Obst, insbesondere Pflaumen, die jetzt in ungeheuren Mengen hoch aufgetürmt auf der " Straße feilgeboten werden. Gegen die erste Ursache gibt es kein Mittel, man kann von einem Bäcker zum andern laufen, überall dasselbe Lied, dumpfes. vielfach übelriechendes, schlecht verdauliches Brot; die Bevölkerung ist also hier schutzlos der Gefahr der Erkrankung oder evtl. de» Tode» preisgegeben. Was sagt der unabhängige Stadtverordneten» vorsteheer und Arzt Herr Dr. Wcql dazul Der Magistrat ver- kündet zwar immer stolz in Zeitungsnotizen, daß bereit» gutes Mehl aus der neuen Ernle den Bäckern geliefert werde, die Bäcker aber behaupten wiederum, daß sie schlechtes verdorbenes Mehl ge- liefert bekämen und daher kein besieres Brot liefern könnten. Anders liegt die Sache beim O b st. Hier ist jeder mit Leichtig» keit in der Lage, sich vor Schädlichkeiten zu schützen, indem er sich zum Prinzip macht. Obst nur in gekochtem Zustande zu genieß e� Obst in rohem Zustande ist schon an und für sich schwer verdaulich und führt leicht zu Magen» und Tannstörungen. besonders wenn dazu Bier getrunken wird; dann aber lWzern auf dem Obst, das stundenlang dem Staub der Straße, der Be- schmutzung dukch Fliegen und unsaubere Hände ausgesetzt ist, soviel giftige Keime, daß dieses bei nicht ganz intakten BerdaunngSorganen unbedingt zu schweren Erkrankungen führen muß. Durch da» Kochen werden �a!� diese Keime vernichtet und dann ist das Obst ein gutes, wohlschmeckendes und gut bekömmliches Genußmittel. das hschbahnunglück auf Warschauer drücke. Fm Befinden der beiden Schwerverletzten, de» Tischler» Fried- nch G u t sch ke au» der Comeniusstr. 4. und de» PostschaffivrS Pwnl Mikiola, Pückleritr. Ig, die Arm-, Bein- und Rippen- bräche erlitten haben und sich im Krankenhaus Am Friedvichshain befinden, ist bisher keine Aenderung eingetreten. Kopfwunden und Quetschungen haben u. a. davongetragen die Herren Tchlun» dawes, Jagstdorfstr. 6 /Lichtenberg), Kabel sitz, Lichterfelder Straß« 2, K r i s ch k e, SÖcichfcIstr. 5(Lichteirberg), L e m b k e, Kronprinzcmstr. 53, F. Tegel, Simon-Dach-Str. 38, Stein- bock aus der TreSkolvstr. 45, Kranz ans der Retchenberger Straße 74, LuSky anS der Steglitzer Str. 45, W. May aus der Gärtnerstr. 3 in Lichtenberg, E. Otto, Müggelstr. 28, A. Kraut- baar aus der Nablitzstr. 6. fecner W- Lehmann, Frankfurter Straße 8, und Anton Fischer aus Rummelsburg. Außerdem mehrere Frauen und Mädchen, deren Namen aber recht un- genau angegeben werden, verletzt. Insgesamt dürste c» sich um an- nähernd 50 Verletzte Kande.'n. von denen aber viele nur leicht eurch GiaSsplitter verletzt sind. Von den Verletzten haben nur acht Ausnahme tn Krankenanstalten gefunden, alle anderen konnten»ach Iwa! Notverband wieder entlassen werden.> Die Ursachen dfh Zusammenstusies. Wie uns Direktor De t t« a r von der Hochbahngessllschakt über di« Ursachen des gestrigen Hochbahnunglücks vor dem Bahnhof Warschauer Brücke mitteilt, ist die Untersuchung zwar noch nicht. ganz�abgeschlossen, e« stett ,«boch feit, daß der Weichensteller du Schuld an dem Unglück trägt. An der Unfallstelle wurden zurzeit Ausbesserungsarbeiten verrichtet, so daß der Automat des Weichenstellers ausgeschaltet war. Dessen Pflicht märe es jedoch gewesen, sich von der Stellung der Weich« durch Augenschein zu überzeugen. Ter M a t e r i a l s cka d e n ist weniger bedeutend als der, den die Fahrgäste erlitien haben, denen eine Menge Sachen ab- Hände» gekommen sein sollen. Der Betrieb ans der Hochbahnstreckc bis Warschauer Brücke konnte bereits in vollem Umfange wieder aufgenommen werden, da die AusräumungSarBeiten im Laufe der Nacht schwell honstatten gingen. Ter Muttermörder i« der Braudenburgstrahe geständig. Außerordentlich schnell ist eS dem MordbereitschaftSbienst der Kriminalpolizei gelungen, das furchtbare Verbrechen in der Brandenburgskraße völlig aufzuklären, den Täter zu überführen und zu einem Geständnis zu bewegen. Ter LS Jahre'alte Sohn Kurt,«in liederlicher und arbeitS- scheuer Bursche, war von den Eltern einem Elektrotechniker in die Lehre gegeben worden. Aber schon die Lehrzeit beendete er nicht und lief seinem Meister davon. Als er dann ein Jahr im Felde getvesen war, trieb er sich arbeitslos in Berlin umher. In der letzten Zeit verlangte er häufig von seiner Mutter, daß sie ihm 'hre Uhr. das einzige Wertstück, das sie noch besaß, aushändige. Tie Mutter wies sein Ansinnen aber entschieden zurück und trug diese mit einem kleinen Brillanten besetzte Uhr ständig an einer Halskette auf der Brust. Kriminalkommissar Lehnerdt und Bezirks- oberlvachtmeister Ouootz fahndeten nun zunächs» nach dieser Uhr, weil sie das beste Bcweismaterial für die Täterschaft deS Sohnes bildete. Moser leugnete bei seiner ersten Vernehmung die Tat ganz entschieden. Nach dem Verbleib der Uhr befragt, gab er an, daft er sie zwar kenne, aber nicht wisse, wo sie hingekommen sei. Die Kriminalpolizei hatte aber schon nach wenigen Stunden ihren Verbleib sestgestellr und sie herbeigeschafft. Sie war im Besitz eines Uhrmachers am Grünen' Weg, der sie am Sonnabend von einem sungen, ihm unbekannten Mann« für 200 M. gekauft hatte. Jetzt fragte Kriminalkommissar Lehnerdt den jungen Thom nochmals nach der Uhr und wieder wollte er nichts von ihrem Verbleib wissen. Als ihm dann der Kommissar plötzlich die Uhr zeigte, wunde er kreideweiß und begann zu schwanken. Dann erklärte er, daß er jede weitere Aussage verweigere. Endlich aber mutzte er angesichts des erdrückenden BewciSmatcrials das furchtbare Verbrechen eingestehen. Er hat die Schreckenstat bereits am Freitag f r ü y begangen und zwar hat er die Mutter mit einem schmalen L e d e r r i e m e n, den diese als Strumpfband trug, erdrosselt. Die Leiche brächte er dann zunächst nach dem Bodenrmim und hat sie dort in einen Reisekorb gepackt. Am nächsten Tage ging er wieder auf den Boden und legte sie in einen fremden Bodenver- schlag in einer dunklen Ecke nieder. Tann begab er sich zum Polizei« revier und teilte mit, daß die Mutter von einem Ausgange nicht wieder heimgekehrt sei und betonte besonders, daß ihr wahrschein. lich ein Unfall zugestoßen sei. Gestern früh, bevor er wieder zum Revier ging, um nochmals darauf zu dringen, daß nach der Mutter überall-gesucht werde, schleppte er Brennmaterial auf dem Boden zusammen und zündete eS an. Zum Schutze des Nachwuchses. Tin neue» Erholungsheim für Kinder ist vom Jugendvflegeamt der Stadt Berlin mit Hilfe der Berliner Odd-Fellow- Logen auf dem Gm Öuifenbof bei Oranienburg eingerichtet worden. Die Odd-Fellow-Lvgen baben au» einer von ihnen veranstalteten Sammlung zum Besten unterernährter Kinder den Ertrag von 160 000 M. zur Äerfügung gestellt, der den Grundstock für den Betrieb de« Heims bildete. Die Betriebskosten eines Jahres. sind zunächst auf 2-85 000 M. veran» ichlagl, mitbin muß die Stadt im ersten Jahre 7ö 000 M. zuschießen. Sie bat für jährlich 20 000 M. da» 375 Morgen große Gut ge- pachtet, das sie weiterbewirtschaitet. In dem zum Heim umgewandelten Gutshaus werden SO schwäch- liche und bedürftig« Kinder je einen Monat unentgeltlich verpflegt, so daß dort im Lauke eine» ganzen Jahie« 600 Kinder sich erholen können. Die neu« Pssegestätte, die am 1. Au zust erössnel und rasch voll belegt worden ist, Murde gestern von Mitgliedern der Logen und Vertretern der Berliner Sladiverwallung besuch». Bei einem Gang durch die freundlichen Räume des HeimS. durch den großen GutShof mit leinen Wirtschaftsgebäuden und durch den ertrag- reichen Gemüse- und Obstgarten batlen die Gäste den Eindruck, daß die Kinder gut untergebracht sind. Kräftige Ernährung und reichlicher Schlaf haben bei einzelnen Kindern schon in den ersten vierzehn Tagen sichrbare Erfolge gebracht, hie an überraschenden Gewichtszunahmen zu messen sind. Die Kinder findeg Gelegenheit, sich an leichten Arbeiten de» GifctenbciueS und der Landwirischast zu beteiligen, so daß sie von dem Erholungsaufenthalt auch eine innere Bereicherung mitnehmen. Bei der Aufnahme der Kinder kann das Jngendpslegeami selb- ständig nur 26 Proz. der Stellen vergeben, für du übrigen 76 Proz. haben die Odd-Kellow-Logen tick ein Vorschlags- rechtauSbsdungem Wir nehmen an, daß dieser weitgehende Einfluß ihnen nur für das nächste Jahr zugestanden worden'st. Die Stadt wird ja später da» Heim grrnz aus eigenen Mitteln unter- halten müssen, Ivoinit jeder Grund zur Einmischung privater Per- soncn tvegfällt und dem Jugcndpflegeamtdte alleinige Entscheidung bleibt. Das wäre ein Zustand, den man nur wünschen kann. Bei dem Besuch des HeiinS antwortete auf eine Ansprache des LogengroßineisterS Müller der Stadtkämmerer Böß, der Magistrat werde nach Kräften diese Pflegestätte leistungsfähig zu erlmltcn suchen. W i r meinen, daß die Stadt tnchr tun und eine ausreichende Zahl rigensr KendererholungS-stätlen schaffen muß. Tie Repwahl der Kreistage. Mit der Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin verlieren die Kreise Teltow und Niederbarnim einen erheblichen Teil ihrer Gemeinden. Die Kreistage sind infolgedessen anderweitig zu- sammenzusetzen. Der Oberpräsident hat auf Grund des Gei'etzeS Groß-Berlin angeordnet, daß eine völlige N o üw a h l der Kreis- tage vorzunehmen ist. Zur Verteilung der ÄreiStagSfitze auf die Restkreiie tritt der Teltower Kreistag am Sonnabend, den 28. d. MtS., und der Niederbarnim er Kreistag am Sonn- abend, den 21. d. MtS„ zusammen. Diese Sitzungen werden aber voraussichtlich noch nicht die letzten vor der Aufteilung der Kreise sestti wahrscheinlich werden im Laufe des September die Abschied»- fitzungen stattfinden.— Im Kreise Teltow werden die Kreistags- wählen am Sonntag, de» 26. September, stattfinden. Bei einer dem Kreise verbleibenden Einwohnerzahl von 106 301 snach der Volkszählung von 1810) sind 40 Abgeordnete zu wählen. Der ver» kleinerte Niederbarnimer Kreistag wird aus 41 Abgeordneten be- stehen; zugrunde gelegt ist eine Einwohnerzahl von 112 821. Der Wahlverband der Städte erhält 10 Abgeordnete. Ti«(Gewerkschaften und der Heimstättengedanke. Sämtliche Spitzengeivertscharten Grotz-Berlins hatten sich in einer Eingabe an den Oherlnirgtrineistcr Berlins getvcmdt und gefordert, daß die Einheitsgemeinde Groh-Berlin da» Siedlung»- Wesen unmittelbar in die.Hand nehmen solle, und daß bei der Landvcrgevung durch die Stadtgemeinde die Heimstättenbewerber der Gewerkschaften berücksichtigt werden sollen. Auf die Eingabe bat jctzi der O G e r b ii r g e r»i e i st e r W e r m u t h dem Geschäftsführer des HeimstättenausschusieS de� Gewerkschatten Groß- BerlinS, Lubahn, eine Antwort gegeben, der wir folgendes ent- nehmen: „Die in dem Antrage der Gewerkschaften geforderte Zeit- t r a l i s i e r u n g des Kleingarten- und Siedlungswesens ist auch nach Ansicht des Magistrat» durchaus n o tüv e n d i g. Seitens des im Entstehen begriffenen Kle.»garten- und Siedlungsamtes der Stadt Berlin, zu dessen Aufgaben auch die Vorbereitung der Organisation des Kleinyarten- und LiedlungswesenS für die Ein- beitSgeineinde gehört, sind feit längerer Zeit bereits die hierzu erforderlichen Schntl« unternommen ivordcn. So dringend not- wendig die schleimige Herstellung von Heimstätten für die Groß- stadtbevölkerung ist, so laßt sie sich doch wegen des bestehenden BaumaterialienmangelS und der Finanzverhältnisse der Gemeinden in dem gewünschten Maße zurzeit nicht durchführen. Es wird aber erstrebt werden, eine Abgabe von Kleingartengelände zwecks späterer Errichtung»rrn Heimstätten, wie es in dem dortigen Antrage auch vertreten wird, zu ermöglichen. Die Foststellung der Ländereien, die sich für Heiwstättcw zwecke eignen würden, ist i» Gange. Nach Ermittelung dieser Ländereien wird auch mit Ihnen beroten werden, tn welcher Weise ihre Hergäbe zn Heimstätten, für welche die im Heimstättengesctz vom 10. Mai 1020 gegebene Form maßgebend sein würde, erfolgen solle." Ein Aemöldediebstahl im StfilnS Wilhelms zu Stuttgart- Cannstatt beschäftigt die Berliner K r i m i n q l p o l i z e t. In der vergangenen Woche verschafften sich E.nhrecher in den zur ebenen Erde gelegenen Bil�ersaal des Schlosses dadurch Eintr tr, daß sie den mit einem Trahtsieb versehenen oberen Teil der Tür eindrückten. In tcr Gemäldesammlung schnitten die Mebe, die nicht sehr wählerisch waren und wenig Kunstverständnis besessen zu haben scheinen, acht Oelgemälde aus den Rahmen. Du gestohlenen Bilder sind zwar sehr wertvoll, doch liehen die Ein» brecker andere noch weit kostbarere Gemälde unberührt. Gestohlen wurden: Mohammed Ali, Vizekönig von Aegypten, mit Gefolge, am Landungsplatz von Kairo,»1:35 Zentimeter groß; Favoritin aus dem Harem des Ibrahim Pascha mit Violine, 46: 36 ZentimÄer groß; Inneres einer Moschee, 46: 36 Zentimeter groß; Arzt bei einem Kranken, 46: 36 Zentimeter groß; Szene aus einem Sklaven* markt, ein Stabsoffizier handelt auf dam Sklavenmarkt von Kairo eine Sklavin aus dem Kredoian, der der Eunuch e das Tuch abnimmt und sie nach orientalischer Sitte in kalte! Wasser steigen läßt, um ihre Gesundheit zu prüfen, 16:36 Zentimeter groß; Türke in seinem Harem mit zwei Odaliske» und einem Mohren, 61: 47 Zenti- meter groß; Ausritt eines vornehmen Aeghpters bei Nacht, 46: 30 Zentimeter groß, sämtlich von tz. v, Mahr und«ine Ansicht von Foh ,n Oberägvpten von Th. Fröre, die 62: 30 Zentimeter groß. Da damit gerechnet wird, daß es sich um Mitglieder dir Berliner Schloßeinbrecher handelt oder aber die- Diebe»ersuchen werden, die Gemälde in Berlin abzusetzen, fahndet auch die Berliner Kriminalpolizei auf die Verbrecher. Ein tödlicher Fahrstuhlunfall hat sich heute vormittag in dem Hause Königstraße 20/21 zilgetragen. Dort war der Hilss- fahrstüblführer H e n s e l aus der Lehrter Straße 47 mit dem Last- fahrstuhl bis zum dritten Stocktverk gefahren. Als er abwärts fahren wollte, blieb der Fahrstuhl nach einem kurzen Anruck stehen, da infolge nicht ordnungsmäßigen SchließenS der Tür der Kontakt nicht völlig hergestellt war. Honsel versuchte nun den Fahrstuhl'da- durch in Gang zu bringen, daß er sich an« dem Kasten heraus» beugte und'die Tür an den Kontakt zu bringen versuchte. Plötzlich setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung und Hensel wurde zwischen der Decke de» Fahrstuhls und der Kante der Flurmauer einge» quetscht. Auf die Hilferufe des Verunglückten eilten Hausbewohner hinzu, die. da sie selbst Hilfe nicht br-ngen konnten, die Feuer- wehr benachrichtigten. Dieser, die schnell zur Stelle war, gelang es, den Fahrstuhlführer aus seiner ryt schlichen Lage zu befreien, Henkel hatte jedoch so schwer« Ouetschungen de« Brust- korbe» davongetragen, daß er nach wenigen Minuten' v e r st a r b. Ei» lächerliche Spielerei treiben manche KrieaSynrtschaftSstellen. Man meldet uns, daß die R e i ch S f l e i s ch ste I l e und die Re ickS kohlen sie II e Eiserne Verdien st kreuze unter ihre Angestellten verteilt haben.-Die Regierung soll Orden und Ehrenzeichen nicht mehr ausgeben, aber die Leiter jener hakbbehörd- lichcn Organisationen glauben, sich diesen Spaß noch leisten zu dürfen. Tic K o st e n schlagen sie zu den allgemeinen Verwaltungs- ausgaben, die schließlich der Verbraucher aufbringen muß. Groß-öerkiner partesnachrkchtea. Morgen, 1�. August: 6. Abt. Funktiornnfibrniq 8 Uhr bei Kellert, Kalser-Friedrich- Ecke HrrzbergNrasie. Ab 7 Uhr Ausrechnung, i.—H, Abt. Ärupoe Südweit-Wett. Abt,-Kasfierer oder Bildung-!- autfchutzmitglieder*ur Kartenerledigung für die Steuerabrechnung des Sommerfeste», 7'/. Uhr, bei Keussier, SW, Hagelberaerftr. 20 a. *3., 24., 26.-82. Abt. 7 Uhr Sizung der Niernbewät« bei vlefsin, Staraarder Straße a, AbtellurigSsührer und Mitglieder dee Lil- dungSkommilsion sind hierzu«Iiigeladen. RrutAll«. F»nktionarlnn-u sämtlicher Abteilungen 7>f, Uhr bei Puch» elfter, Boddinftr. 4.— 7. Abt, fsuntttonörkoiitcrenz 70, Uhr bei Lampe, essingslrab« Ecke Prinz-Handjery-Ltr. Ab 7 Uhr Abrechnung. Sport. Die Zchwimmkoukurrenzen beim Arbeiter-Sportsest. Zu unserem gestrigen Bericht tragen wir noch folgende« nach: Die einzelnen Konkurrenzen fanden beim Publikum großen Beifall. Besonders interessant war der Fahnenreigen, der von Mitgliedern des F-V. Welle geschwommen wurde. Auch das Männerspringen, welches hart bestritten wurde, gewann mit 134/« P. Zäbinsch vom Neptun Lichtenberg gegen Menschel und Mielhardt, Neptun Weißensee. DaS Kleider-Hindernis-Schwimmetz. eine stark besetzte Konkurrenz, fand großen Beifall, Da« Gruppenspringen, welches bon allen Brettern gleichzeitig gesprungen wurde, fand unter dein Publikum großen Beifall. Auch die anderen Konkurrenzen de« Tikgtfs waren gut besetzt. Resultate: F a h n enret' g en, geschwommen von Mitglieder« de» B. S, B, Welle.— Jugendlagen st assette 4 X 60 Meter. 1. Neukölln Zeit: 2. Rcpinn-Lichtenberg 3,12, 8. Neptun-Weißensee 3,I7',„.— M ä n n er I v r i n g e n 4 K u r s p r ü n g e n, d, Er. ö, 6, 7, 8. 1. Jädnisch, Neptun- Lichlcnberg S1, Pnnlle: 15«/,. 2. Mielhardt, Neptun« Weißensee IS, S, Menschel. Neptuil-Weitzensee II, 4. ttiesel, Potsdam 11'/,. — Kleiderhinderntsschwimmen 100 Meter(Schwimmen mit Jacke und Hase, Balken tibcrschlnimmen), 1. Dahle, S, B, Welle Zeit: t,57Jug«ndbr U>t schwimmen(14—17 Jahre) 100 Meter. 1. Müller, Potsdam 2,11/,. 2, Rosenberg, Neptun- Wetßenjee 2,6, 3. M. Cd-l, Fallcnhage»- Seegeseid 2.11'/,. 4. Rase- honi, Neptun- Lichlcnberg 2.15'/,,— Dame nbru st stasette 4 X 100 Meter, 1. Norden 7,56, 2. Ncplun< Weißense« 8'/,.— Schwimmen älter«rHerren n b e r 3S I a h r e, 1. M, Koelling- Neukölln 1,38'/„ 2. Kühn, Neplun-Lichtenberg gl 2.3'/,; über 40 Jahre. I. Steinickc-Rorden 1,1g. 2, Fuchs-Reukilln 1.62'/,. 3. Kästner, Fr. Schw. Charlotleuburg 2.15'/,,- M ä n n e r st a f e t t e 50, 100, 200 Meter b«. liebig, 1. Neukölln, l. Mannschast 5,10, 2. Neukölln, II. Mannschaft 5,24'/., 8. S.V. Welle 5,52»/,. W a s s e r b a l l f p t« l. 2X7 Min. 1. Neptun. Lichienherg 94— llnion-Berlin 2:0, 2. B, S.-K. Welle— Charloltenbura 0:0, 3. S.-V. Frcihell— Nepwn-Weißense« 2: 2. Ringkämpfe in der Schlostdraucrei Scyöueberg. Am Montag gab es zwei inieressame Enlicheidungstämpsc und zwar rangen zuerst Ritzlcr und Hochdanen, welche schon einmal b>« zur Polizeistunde gerungen ballen, Ter überaus spannende Kamps endcle mit einen UeberraschungS- sieg H o ch b a n e n S, welcher seinen Gegner, der im Begriff war. zur Miiie zu gehen, durw Ucberwurs aus beiden Schultern warst Der Sieg Hochvaurns muß lrohdein ais güllig betrachtet werden, da Seitens des KampslettcrS ein diesbezügliches Signal nicht gegeben wurde. Der Kampf hatte I Stunde und 12 Minulcn in Anspruch genommen. Dann siegte P e t i t j e a n über Erilien nach insgesamt 55 Minuten durch Hüstschwung. Heute smden zwei EnstcheidungSkämpse statt: Schwarz gegen De Souza und yetitjea» gegen Ritzler, außerdem ringt Hochdaaen gegen Pmetztt. OewerMastsbewegung Gewerksthastszerstörer. , Der Verlauf der in den leylen Wochen stattgefundenen General' dersammlungen der verschiedenen Zentralverbände hat unzweideutig erkennen lassen, dag keine Neigung besteht, den Vertretern des radi- kalen Wortschwalls die Führung in der Organisation anzuvertrauen Beinr Fabrikarbeiter- Ve> band, der graphischen Hilfsarbeiterschast, der Buchdrucker- Organisation u. a. hat es sich gezeigt, datz die Opposition auf diesen Tagungen eine Minderheit darstellte, die nur durch ihr geräuschvolles Auftreten die Ausinerlsamkeik der übrigen Aibeiterschait auf sich lenkte. Es kann die Arbeiterschaft nicht kalt lassen, ruhigen Blutes mir anzusehen, wie Arbeit- buider, die jahrzehntelang Schulter an Schuller für gemeinsame Ziele gestlitten. null vor aller Oeffenilichkeit sich gegenseitig anklagen und des Ver- ratS an Albeiteriniereiien beschuldigen. Die Delegierten der Opposition sind in keiner beneidenswerten Situation; ihren Anhängern erzählen sie, wie sehr Tarif und Ar- beiiSgemeinschaflen die Arbeiterschaft demoralisieren. Steigbügel- haller deS Kapitals und Wegbereiter des am 9. November 1918 zu- samniengebrocheNen Kapitalismus werden diejenigen genannt, die ihr Leben lang als Vertrauensmänner der Arbeiterschaft fungierten und deren Interessen ohne Rücksicht auf ihre Person wahrgenommen haben. Wie viele von diesen Worthelden geboren länger als ein paar knappe Monate ihrer Organisation an. Sie kennen den Gang der Gewerkschaften nicht, wisien auch nicht, Wieviel Schweißt, opt'en es gekostet hat, die Zentralverbände zu der heutigen Macht empor- zuhebcn. Früher Fabrikfcudakismus, heute gesetzlich gewährleistetes Mitbestimmungsrecht. In einem jüngst an dieser Stelle gebrachten Artikel bat der Genosse Lindow gezeigt, mit welcher Wollust die llnternehmer sich die Lähmung der Aklionskrafl durch solche zweilelhafien Strategen zunutze machen. Ein Blick in die vor uns liegenden Statistiken der Äewerk chatten zeigt augenfällig, welche« Maß von Kuliurarbeit von den»Bonzen' alten Siils erkämpft wurde. Die Verbands- generalversammlungen sind dazu da, vorhandeneMeinungsdifferenzen zll klären und den Weg für einheitliches und geschlosicneS Meiler- niarswieren freizumachen. Hat ein Flügel vom Berbandsparlament llnrecht erhalten, erfordert es die Disziplin, sich den Mehrhcits- beschlüssen zu fügen und nicht durch.weitcres Kraleelen die Köpfe der Mitglieder zu verwirren. Jeder ernsthafte Äensch mäße npn glauben, nach diesem Fiasko innerhalb d'er eigenen Organisation würden die Räteapostel mit etwas mehr Ernst und weniger Rabulistik an den Ausbau der Ge- wertschaften berangehen: weit gefehlt. In Nummer 332 der»Frei- heit' finden wir einen Vcrsammlungsberichl der Berliner g r a- phischen Hilfsarbeiter, der so recht typisch ist für die Art. wie gewisse»klassenbewußte' Arbeiter die Einheit der Gewerk- schaflsbewegung zu zertrümmern suchen. Ans ihrem im Juli statt« gehabten Verbandstag erlitt die Berliner Opposition dieses Ge- werbes eine Vernichlende Niederlage. Statt nun den Mut aufzu- bringen in sachliche Polemik gegen die Mehrheit der Verbands- kollegen seinen entgegengesetzten Standpunkt zu vertreten, muß persönliche Gehässigkeit die unaustilgbare Blamage verdecken. Wir lesen in der»Freiheit': »Ilm der Gewaltpolitik des Vorsitzenden zu begegnen, lehnt es die Berliner Mitgliedschaft ab, die Wahlen für die RevifionS- und Nedakrionslomiision vornehmen zu lasien.' Damit ist eine zeitweise Stillegung des Verbandsapparates beabsichtigt, die von unberechenbarem Schaden für die graphische Hilfsarbeiierichost Deutichlands werden kann. Gerade in dem Augenblick, in dem weltbekaunle Grobfirmen, wie Gittenield. Hermann u. a. drohen, rhre Betriebe stillzulegen und das Personal aufs Pflaster zu setzen, kommt ein« von Radikalismus triefende Zahlstellenleilüng her, treibt den Keil der Zwietracht in die Reihen der Mitgliedschaft und wird so zum willkommenen Handlanger der graphiswen Scharfmacher. Es ist an der Zeit, diesen Gewerkschafts- zerstörern das Handwerk zu legen und ihnen zu sagen: Wer in den großen Rahmen der freien, aber an MebrheitSbeschlüsie gebundenen Gewerkschasten sich nicht einsügeir will, ist in die falsche Organisation geraten._ Mißhandeltes Recht? Zu unserer Noiiz in Nr. 398, die sich, mit Vorgängen im prcußi- scken Statistischen LandeSami beschäftigte, erhallen wir vom. Mi. nister des Innern Genossen Severing folgende Richtigstellung: 1. Es ist durchaus unzutreffend, daß die vorgesetzte Dienstbe- höide des angeblich zu Unrecht bestraften Beschwerdeführers bisher nichts untcrnonimen tat. um�die von ihm vorgebrachten Beschwerden einer Nachprüfung zu unterziehen und die Wahrheit festzustellen. Sämtliche Beschwerdepunkte sind durch eine erhebliche Zahl meist -eidlicher Zeugenaussagen eingehend geklärt worden. Dabei hat sich ergeben, daß sie in wesentlichen Punkten einer Nachprüfung nicht standhielten, so daß dem Beschwerdeführer der Vorwurf nicht er. lpart werden konnte, leichtfertig und ohne gewissenhafte Prüfung feine überdies in der Form maßlos üfcertnöbencn Behauptungen amfgcstelllt zu haben. 2. Unrichtig ist ferner die in einer früheren Notiz don Ihnen gebrachte Angabe, daß das gegen den Beschwerdeführer eingeleitete Disziplinarverfälren eingestellt werden mußte, weil seine Behaup» tungcn nicht widerlegt werden konnten, daß er aber trotzdem in unzuverlässiger Weis- gemaßregelt worden sei. Vielmehr ist die Ein- stellung des Disziplinarverfahrens lediglich mit Rücksicht darauf er- folgt, daß er unier Verlennung seiner damaligen Stellung als Ob- mann des Angestelllenauss'chusses beim Staiistischen Landesamt ge. handelt hat, wobei ihm zugute g-halren wurde, daß er sich über den Umfang der ihm in dieser Stellung zustechenden Befugnisse an- scheinend nicht völlig klar war. Immerhin mußte er in eine erhebliche Ordnungsstrafe genommen werden, weil er mehrers Beamte des preußischen Staiistischen Landesamts„durch unbegründete Anschuldigung ehrenrühriger und strafbar«. Handlungen in ihrer Ehre schwer verletzt hat'. Unrichtig ist also auch, daß der Beschwerdeführer, wie Ihr Ge. währsmann behauptet,„peinlich gewogen und sachlich vollgewichtig befunden worden ist". Tie kurze Zeit nach dieser Bestrafung er- folgte Versetzung des Befchwcrd führers stellte keine Maß. regelung dar, sondern erwies sich'm oienstlichen Interesse als not- wendig, weil ein gedeihliches Zusammenarbeiten des Beschwerde« führers mit den ihm so schwer verdächtigten Beamten nicht zu er» warten stand. Da aber der Beichwe'-deführer seitber ununterbrochen in seinen vielen Eingaben immer wieder um seine Rück- Versetzung nach Berlin gebeten hat und seit der Bcrhängung der Ordnungsstrafe nalezu 1 Jahr d-rilossen ist, habe ich— und zwar bereits vor Erscheinen Ihrer Notiz'wm 11. August— angeordnet, daß er, zunächst versuchsweise.- wieder an das Statistische Landesamt zurückversetzt wird. 3. Unrichtig ist endlich auch die Behauptung, daß die vom Beschwerdeführer oder anderen Beamten des Statistischen Landes- amts an mich gerichteten Eingaben mir nicht vorgelegt würden, sondern„auf dem Wien Gleis des Geheimrats schlummerten". Bielmehr füllen die i'orgfällig gesammelten und geprüften Ein- gaben und die daraufhin oeranlaßten Untersuchungen gerade in- folge der übergroßen Zahl von Beschwerden des genannten Be- amren mehrere dicke Bände. Die Untersuchungen der erst in jüngster Zeit vorgebrachicn Beschwerden sind dabei noch nicht ein- mal abgescblossen. Sie wollen aus vorstehendem ersehen, dack es durchaus zu- treffend war, wenn Sie Ihre Notiz..Mißhandeltes Recht" mit einem großen Fragezeichen versahen. Wie diese Frage zu beant- Worten ist, dürft« nunmehr nicht mehr zweifelhaft sein.' Reaktionäres aus dem Berliner Magistrat. Der Verband. der Gemeinde- und StaatSarbeiter schreibt uns-: Ueher die Aufgaben der Betriebsräte in den kommunalen Kranken» und Pflegeanstollen wird gegenwärtig ein Meinungsaustausch zwischen ersieren und dem Magistrat gepflogen. Den einzelnen Ver- waltungen scheint es nicht in ihren Plan zu passen, daß die Be- 1 triebsräte„aus Grund des§ 66 des B.R.G. auch auf die Wirtschaft-! lichkeit der Betriebe ihr Augenmerk richten. Mit allen möglichen! Einwendungen, versuchen sie daber, die Betriebsräte auszuschalten� und deren Tätigkeit auf das früher übliche Maß des„guten Ein- Vernehmens" zü beschränken. Da der Erfolg ihrer Bemühungen � infolge des vernünftigen Standpunktes der Betriebsräte in den, meisten Fällen ausbleibt, so suchen die Herren Betriebsleiter beim Magistrat Verständnis für ihre Ansicht. Und merkwürdig; sie finden es dort. In einer Zuschrift an das städtische Obdach, unter- zeichnet von Reicks uns M i e r s ch, wird der Standpunkt der- treten, daß der Z 66 deS B.R.G. für diesen Betrieb nicht in Betracht komwe. weil in ihm angeblich keine wirtschaftlichen Zioecke verfolgt werden. Offenbar scheint der Magistrat bei Fällung dieses Urteils einer Begrisssverwechselung zum Opfer gefallen zu sein, indem er annahm, daß der wirtschaftliche Zweck eines Betriebes nur in einer Gcwinnerzielung zu sehen ist. Für diese Art Auslegung bietet in- dessen weder das.B.R.G. selbst, noch der Begriff Wirtschaftlichkeit eine Handhabe. Unseres Erachtens ist der wirtschaftliche Zweck eines Betriebes schon dan gewahrt, wenn die in ihm vorhandenen' Werte ihre richtige Verwendung finden. Durch richtige Vcrwen- dung resp. Verteilung der Lebcnsmiltelwerte u. a. wind aber auch die Ziffer der Gesundmeldungen in den Kranken- und Pflege- anstalten im günstigen Sinne beeinflußt.- Dotz diese Tatsache der � Kommune, also der Allgemeinheit auch materiell zugute kommt, � dürste der Magistrat nicht bestreiten. Uns will scheinen, daß der gegenwärtige Magistrat mit der Richtanwendüng des§ 66 für die Kranken- und Pflegcanstalten nur das frühere Prinzip der Selbst- Herrlichkeit der Verwaltungen aufrechterhalten möchle. Das darf jedoch im Interesse der Kommune unter keinen Umständen ge- � schaben. WaS für unermeßliche Werte durch diese Selbstherrlichkeit per Allgemeinheit Perloren gehen, mögen die folgenden Beispiele. {ehren;•.•. Dem Kinderkrankenhaus in der-Reinickendorfer Straße wurden 199. Kisten a 48-Büchsen kondensierte Milch überwiesen. Dem Be- triebsrat wurde hiervon keinerlei Mitteilung gemacht. Als er eS nach einigen Wochen durch irgend einen Umstand erfubr. forschte er nach dem Verbleib. Die Verwaltung wollte ihm erst mit nichtigen Redensarten über den Verbleib der Milch hinwegtäuschen. Als ihr Lies jedoch nicht gelang, versuchte sie, dem Betriebsrai den Zutritt zu den Lagerräumen, wo die Büchsen lagerten, zu verwehren, was ihr jeooch nicht gelang. Ter Betriebsrat mußte dapn wahrnehmen, daß die Misch infolge falscher Lagerung schlecht' geworden ist. 4800 Büchsen a 6 M. bedeutet einen Schaden von 28899 Mark. In einer Berliner Irrenanstalt werden große Mesgen Früh- kartosfeln eingekauft. Als dem Betriebsrat.durch dritte Personen hiervon Mitteilung gemächt wurde und er. die Lagerung der Kar- löffeln kontrollierte, waren viele Zentner versault. Ob solcher Zustände versuchen einige Mitglieder des wohllöb- lichcn Magistrats, die Reckte der BeirlcbSräte zu beschränken, nur i um der gottgewollten Selbstherrlickkeit willen, zum Schaden der Allgemeinheit. Wir können dem Magistrat im eigensten Jnieresse � nur raten, nicht über Dinge zu entscheiden, die außer seiner Kompc- tenz liegen.___ Die Brauerei, und Mühlenarbeiter nahmen in ihrer General- dersammlung am Montag den Quartalsbericht des Vorsitzenden H o d a p p entgegen, der unter anderem aus die Tarifbewegungen der verschiedenen Branchen einging Tie Brauereiarbeiter latten — wie im„Vorwärts' bereits mitgeteilt wurde— nach Kündigung ihres Lohnabkommens eine Lohnerböbung beantragt, die die lln. ternehmer abgelehnt haben. Ein Schiedsspruch des' SchlichtungS- aussckusses hat die Wochenlölne aus 24ö Mk. für gelernte und 249 M. für ungelernte Arbeiter festgesetzt. Di« Unternehmer haben auch diesen Schieosspruch abgelehnt, die Arbeiter haben ibn angenommen und beim DemobilmachungSkommissar die Verbind- lichkeitserklätung beantragt, worauf bis setzt noch keine Entschei- dung erfolgt ist,— Die Versammlung beauftragte die Ortsver. Wallung, gemeinsam mit den anderen in Frag« kommenden Ge- werkschaften Schritte zu tun, um eine schleunige Erledigung des �mTemobilmachungskymm� zu er- wirken.— Es wurde Betont, daß-ine endguLig« Ablehnung der Lohnerhöhung einen gewerkschaftlicheu Kamps zur Folge haben würde.'.._ Wirtsthast Die Abstellnug von Härte» im Kapitalertragsteuergeseh. Nach den unterm 17. Juli 1929 vom Reichsministcr der Fi? nanzen erlassenen Bestimmungen kann zur Vermeidung von Här- ten den e: n ko m me n sie u e r p f l i ch t i gen Personen, ine über 69 Jahre alt sind oder erwerbsunfähig oder nicht' bloß vorübergehend behindert sind, ihren Lebensunterhalt durch eigenen Erwerb zu bestreiten, und deren Einkommen sich Haupt- sächlich aus Kapitale inkommen und Bezügen der in§ 9 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes bezeichneten Art(insbesirndere Ruhegehälter, Witwen» und Waisenpensionen und son- sing« Bezüge für frühere Dienstleistung oder Berufstätigkeit) zu- sammensetzt, eine Erstattung der entrichteten Kapitalertragstauer in voller Höhe zugebilligt werden, sofern die Steuerpflichtigen nach den Borschriften des Einkommensteuergesetzes keine Einkommen- stauer zu entrichten haben. Die Heranszahlung erfolgt auf Grund eines Antrages nach Ablauf des Kalender- I a h r e s. Es� sei erneut darauf hingewiesen, daß entsprechende Anträge nur bei den zuständigen Finanzämtern zu stellen sind. Wer danach glaubt, Ansprüche auf volle Erstattung der Kapitalertragstcuer erheben zu können, hat entsprechenden Antrag bei dem für seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt zustän- di gen Finanzamt zu stellen, dagegen ist es zwecklos und bedeutet nur Zeitverlust für den Antragsteller, solche Anträge bei dem Reichs si nanzmi ni stc r iu m einzureichen. Preisermäßigungen für Müllerciwalzen. Die Handelspolitische Vereinigung von Walzengicßereien hat die Preise für Kalander- walzen um 29' Proz., diejenigen für M ü l l e r e i w a l z e n um 25 Proz. herabgesetzt. Sie vegrüuset die besondere Preisermätz:- gung für Müstereiwalzen mit dem Wunsche, ihrerseits zur Lebens- miitelverbilligung beizutragen. Wir vermerken �das. sine jedoch nicht in der Lage, diese Milteilung auf ihre Richtigkeit hin nachzu- prüfen und festzustellen, inwieweit allgemeine Konjunkturgründe auch bei diesem Preisabschlag mitspielen. Trifft sie zu, so wäre nur zu wünschen, daß die landwirtschaftliche Ma- s ch i n e n i n e u st r i e, die erst kürzlich erklären ließ, an einen umfangreicheren Preisabbau könne vorerst nicht gedacht werden. diesem Beispiel folgen würde. Soziales. e Pachtschntzordnung und AuSsühruugsunordnung? - Am 9. Juni 1929 wurde die reichsgesetzliche und am 29. Juli die landesgesetzliche Pachtsckutzordnung publiziert Es sollen Packt? einigungsämter bei jedem Amtsgerichl errickstet werben. Der Vor, sitzende wird vom zuständiaen LandesgerichtSpräsidenten ernannt, die Beisitzer aus den Verpächier- und Pächterkreiscn vom Landes- kulturaml. Aber wann diese Ernennung geschehen muß, ist« nicht gesagt. Und da bekanntlich„Pächter" etwas Gewöhnliches, etwas Alltägliches, nach Arbeit riechende Menschen sein könucn, um deren Wohl es sich handeln könnte, da hat es' keine Eile. Wie uns vom Arbeitersekveiariat Minden geschrieben wird, sendet der aufsichtk- führende Ricbter beim Amtgsencht Minden den Aniragst.-llcrn ihr? Schriftstücke zurück mit der Begründung:„Urschristlich, zurück ge? sendet mit dem Bemerken, daß das Pachtrinigungsamt erst in einigen Wochen errichtet wird.' Rechtsarnvälte schreiben:..... Ich macke Sie ausdrücklich.darauf auftnerksam. daß die gemäß Packt» fchutzordnung. vom 9. Juni 1929 einzurichtenden PachteinigungS» ämter noch nicht bestehen- und Sie zurzeit keine Rechte aus dieser gesetzlichen Neureaelung. herleiten können." 8 7 im preußischen LandeZgesetz Bestimmt, daß die Vorschriften rückwirkend« Kraft haben' und daß das Bachteinigungsamt inner- bald eines Monats nach Verkündigung dieser Verordnung angerufen sein muß. Hier ist also klar und deutlich die Frist gegeben; eS hat daber der Herr AmtsgerichtSrat in Minden dagcacn versioßen. Ebenso aber die Stellen, welche die Errichtuna der Pachleinigungsämter zu betreiben Batten. Der Landgerichtspräsident halte die Aufgabe, den Vorsitzenden sofort zu ernennen, das- Landekkulturamt hatte die Beisitzer unverzüalich zu ernennen, das so gebildete Institut mußte innerhalb eines Monats da sein und Anträge der streitenden'Par, teien entgegennehmen und auck bnldigst zur Erlediallnc, bringen. An sich ist die- schleunige Bearbeitung der vielcnyßgchtstreftig- keiten dringend notwendig. Kommen doch aus fast allen Orten Klagen Ober die unzeitig frühe Wegnahme der Pachtgrunestücke durch die Verpächter. Und ferner sollen diese Grundstücke recht- zeitig bearbeitet und bestellt tpetben. können. Durch die Verzögerung der Arbeit wird unwiederbringlicher Schaden unserem Wirt- schaftsleben zugefügt. Tax Pächter muß wissen, ob er.sein Grund- stück mit einer Herbstfrucht bestellen und im Spätherbst ernten darf, da muß er gegen die Willtür des Verpächter« geschützt werden. Ersterer muß ferne? für die Herbstbestellung sRoggensäcnl die Vor- bercitungen rechtzeitig treffen können. Hier gibt es auf jedem Tors mehr kleine Pachtwirtschaften als Vollwirtschaften. Neun Zehntel unserer gewerblichen Arbeiter wohnen auf dem Lande, haben alle etwas Packiland in Nutzung, um leben zu können. Und diesen Wied nun diese Pachtlandnutzung genommen mit der Begründung, die Arbeiter verdienen so diel Geld, die können nach Minden gehen und sich dort Gemüse, Kartoffeln, Obst, Beeren usw. auf dem Wochenmarkt oder beim Händler kaufen. Andere- Verpächter wollen aber fünf bis zehnmal soviel' Pacht-haben und sagen es.offen, her» aus, es ist mir soviel wert. Auf den weiter entfernten Ortschaften soll der Arbeiter, seine Frau und die Kinder für wenig Geld sich zur Arbeit verpflichten, bis zu 2 M. ohne Essen pro Tag, 19 Stun< den. alio vro Stunde 20 Pf. Arbeitslohn I_•_' Veraniwortlig, für den redaklionellen??!>: K. Sepdre-Sennsdars: für Anzefpen.' T». miorte. Berlin. Verlag: Vorwörts-Verlaa m. 6.®.. Berlin. Trink' Var- wärfs-Bifebdruckeref v Verlagsansfalt Paul Einaer n To Berlin Lfdenffr. 3. Elektro-Motore Leitunkis-Di>namo-Dräl>te. In- sfallat..Materiai lauft laufend Slektroinech.-Zentrum. lAlcr. «782t. Kurze Str. t« i Aier-Pi.). VerkäiikSM Silberfüchse 200,-. Alaska- Bfau-, Zobel- und Kreuzmchie, fowic alle anderen Pclzwaren sezt b>» zur Hüllte herabgesetzt. Sonderangebot:' Damen-Pelz- mäntel, Damen-iSarderobe, Hcrren-Seb- und Sporlpelzc, WagenpeUe. sterner Verkauf van ga cltanzligen. Cutaways. Paleto!»(keine Lombardmaren) zu bekannt billigen Preisen im Leihhaus Moritzvlatz S8s, Ber- Uns geätztes SpezialHaus dieser Art. �.zqarnltureu! 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