Nr. 414«37. Jahrgang Ausgabe M Nr. 70 Bezugspreis s 8«ftljBticLSO,— SDJt.monall.10,—«DH. frei m« oaus. voraus jablbac. Pott- besufl: Monatlich 10,— 3lt, nfU Ru* stellunzsAeduhr. UutecRreuibanb Kit Deutschiano und Oelldteiih 16�0 Mf, für das Ubrtge Lusiand bei täglich »inmai. RuNelluna 21.50 M. Potide, fteOungcn nehmen an Oefterteich, Ungoen, Tscheche- Siooatei, Aäne- tnotl, Gollaus,-membueg, Schweden und die Schweig.— Einaetraaen ra die Dolt-Reituna,>Ptei»l!!te. ©et �bnnärts* mit der Sonntaa» deiiage»Voll u. Reit* etidjeim wachen» täglich jweimnl Sonmaqs und Montag» einmal. Teiegrainm-Adresle: �Sozialdemotrat verlin». Morgen-Ansgllbe berliner VolksblAtt (ZSPSsnnis) Anzeigenpreis: ©ie nchtgelvaitene Nonpareillegeile toit? 3.— Pi.TeUettingszuschiag 50 «aielne Unzetge«». da« tut» georuckte©ort i,— M. ljulSsftg zwei ieitgedruchte W«r:ei. iebe« weitere Wari 60 Psg. Etellengesuche und Schialliellenanzeigen da« erste Wort 65 Pfg. iebe« weitere Wort<0 Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen Kit twei Worte. Teuerunasznichlaa äO«,» �amiIien»An, eigen K!r Olbonnenteit geile Z,— M, psiitiiche und ee- werkt chastiiche tverein»• Olmetqen 3.— Mt. die Reite ohne Ausschlag. Anzeigen fite dic nächste Nummer müssen di» 5 Uhr nachmittag« in» dauvtgeschäst. Beritn SW 63. Linden» straße 3. abgegeben werden, cheoffnet von U Uhr jrüh bis b Uhr abends. Zcntralorgan d«r rozialdcmokrati fehen partci Dcutfcb lande Neüaktion und Expedition: Ew. HS, Lindenstr. ö. Nerukprecher:«mt iviortvvla»». Sir. 15»»»7. Freitag, den 2t). August 1V20 vorwärts»verlag G.m.b. ß., SSO. öS, Lindenstr. 3. Sernsprtriict! Mm» Morivvlav, Str. 117 SN— 51. kleutralitätspraxis. Beratung der Organisationen. Anläßlich des bereits bekannten Falles auf dem Stettiner Bahnhof sAnhaltung eines Transportes für die Sicherheits» Polizei Königsberg) berieten am Donnerstag Vertreter der drei sozialistischen Parteien, der Berliner GenierkschaftSkom» Mission, de« Deutschen EiscnbahnerverbandrS, der Vetriebsrätc bei der Eisenbahndirektion und der sonstigen Betriebsräte; man beschloß, da der KönigSberger Fall noch nicht genügend geklärt war, diesen Transport vorläufig anzuhalten. Die gleiche Regelung wurde auch für alle anderen TranS» Porte von KricgSgerät»nd dergleichen getroffen. End» gültige Beschlüsse sollen erst am Sonnabend gefaßt werden, und gleichzeitig will man Richtlinien für dic TranSportgcwerbe nud fiir dir Jlidiistriearbeiterschaft auf- stellen, um gemäß dem bekannten Aufruf der drei sozialisti- schen Parteien und des Allgemeinen Deutschen GrwrrkschaftS- bundes die Neutralität Deutschlands zu sichern. Wenn eine Korrespondenz es so hinstellt, als sei bereits ein endgültiger Beschluß gefaßt worden, so ist diese Mit» teilung unrichtig. ES handelt sich lediglich darum, die AnSführnng des N e u t r a li t ä ts a u f r« f S im einzelnen zu sicher». Der königsberger Transport. Der Königsberger Polizeipräsident, Gen. L üb bring, sandte an die Berliner Eisenbahner folgendes Telegramm: .Hiermit versichere ich, dah die vom Stctliner Bahnhof zum Abtransport bestimmlen AusrüslungSgegensiände für die Sipo Ostprenszen bestimmt sind und auf keinen Fall gegen Sowjet- rustland verwendet werden sollen. Leutnani Tamichil ist von mir mit der Leitung des Transports bcanstragt worden. gez. Lübbring. Polizeipräsident, lvt. d. R. Die Nicbligteit vorstehender«»gaben bestätige icb hierniit. gez. Mertens, Borsitzender des GcwcrlschaflStartclls/ In der weiteren Berbandlung am Donnerstag nachmittag er- klärten die Vertreter der Eisenbahner, daß sie gegen die Absendung von Ansrüstungsgegenstäiiden, wie Uniformen, Wäsche usw. für die Sipo nichts einzuwenden hätten. Dagegen würde» sie auf keinen Fall zulaffen, daß Geschütze, Minen uiw. nach Königs- berg abgingen. Die 28 Waggons süc die Sicherheitspolizei in Ostpreujzen können also Berlin nicht verlassen. Zwei Delegierte reisen nach Königsberg zur Feststellung des Sachverhalts. « Brüssel, 18. August.(WTB.) Wie.Peuple' mitteilt, hat die Sozialistische gewerkschaftliche Kommission beschlossen, dag der Transport von Kriegsmaterial für ein Land, das sich im Kriegs- zustand befindet, jedem eingeschriebeneu Mitglied verboten ist, polnisthe Korriüorerfolge. Allen st ein, 18. August. sWTB.) Dem„Allenfieiner BolkS- Matt" geht auS Neidcnburg vom DonncrStagvormittng eine Nachricht zu, wonach sich die Einnahme von C j e ch a n o« durch di« Pole» iie- stätigt. DI« Polen haben Mittwoch nachmittag 6 Uhr Strasburg genommen und stehen 8 Kilometer von Lautrnburg entfernt. Eine Anzahl Flüchtlinge ist auS Strasburg in Kolau ange- kommen. Mittwoch nachmittag 4 Uhr wurde von einem polnischen Flieger eine Bombe auf den jüdischen Friedhof in Soldau abgr- worfen. Donnerstag vormittag S Uhr warfen polnische Flieger in der Nähe von Soldau'S Bomben ab, desgleichen über Soldan Flug- Mütter, in denen mitgeteilt wird, daß Soldau dem Erdbode» gleichgemacht werden würde. Die Polen haben den Russen bei der Einnahme von Cjrchanow und Strasburg die gesamte Bagage abgenommen. Die Russen, die in Richtung ans Soldau zurückgehen, versichern, daß auf polnischer Seite französisch« Truppe« aufgetreten seien. Bon einem Gewährsmann erhält das„AUcnsteiner BolkSblatt" noch tolgende Mitteilung: In Soldau hat sich eine Schutzwehr gebildet, dic aus Unabhängigen besteht. Die Mit- glieder der Schutzwehr, die Gewehre und rote Binden trngrn, haben die Grenze besetzt und verhindern die Ausfuhr von Bich und Getreide. Ter polnische Heeresbericht vom 18. August sagt u. a,: Nördlich von Modlin nahmen wir 13vic Leo Deutsch, Balmaschew, Mandelstamm und Silderfarb»an dic russische Grenze" auf ewig geschändet hatte. Die Regierung erklärt, ohne besondere Bezugnahme auf diese Anklage, noch keinen abschließenden Bericht aus Oberschlesien zu haben. Tie Kattowitzer Untaten. BrrSlan.lO.Ang. Nach einer Meldung der.Schles. Ztg."(dnat.I Red� au! Katlewiy befand sich unter der verhafteten polnische» Besatzung deS.Deutschen HcmseS' auch ein Gehilfe K o r f a n l Y s und ein polnischer Student namen» K o j. Bei diesem wurde ein Armee- revolver und gegen 50 Patronen gefunden. Im Verhör soll Koj gestanden haben, daß er mit vier anderen Polen auS Lomnitz' Hotel in Beuthen, nach Katiowitz gesandt worden sei, um die Schießerei zu insz-nterrn. Sämtliche Polen waren mit Schuß- waffcn ausgerüstet. Der anrückenden Feuerwehr und der Sicher- heilSwehr gelang eS. den Brand zu löschen und die Privatbewohner au« den oberen Stockwerken zu retten. Nun drang die Menge in das Hotel. Große Stöße von polnischen Flugbläitern, Zeitungen. Akten und Papieren wurden ans di« Straße geworfen. E» wurde ferner eine sehr große Menge von Miinitioil»nd Waffen erbeutet, die unter die Menge verteilt wurden. In» Laufe der Nacht wurden die Ge- ichäftSräume der.Gazeta Ludowa"(ValkSztg.) vollständig zerstört und eine Reihe polnischer Läden zertrümniert, eS müsse jedoch ausdrücklich betont werden, daß die Menge keine Plünderungen im landläufigen Sinne sich zuschulden kommen ließ. Sie ließ zum Beispiel di« Juwellerläden und andere Geschäfte mit kostbarem Inhalt, soweit bisher bekannt ist, unberührt und warf die aus anderen Geschäften enifernlen Waren eintach auf die Straße. Erst später wurden diese Waren von lichtscheuem Gesindel. unter dem sich auch Polen befanden, weggeräumt. Die Schießerei hielt die ganze Nachi an. Ruhe in Kattowitz! Beuthen, 19. August.st Von irber ein Feiertag.— eine Sitte, die, wie wir aus der Thora 'vissen, schon zu Pharaos Zeiten in Aegypten bekannt war. Pharao gab an seinem Geburtstag eine große Mahlzeit für alle seine Knechte,— der Truchseß wurde aus dem Gefängnis befreit, der Bäcker an einein Baum aufgehängt � gemäß dem Traum, den Joseph dem König drei Tage zuvor gedeutet hatte. Als der„Pristaw"— so lautete sein Rang in der amtlich russischen Sprache— nach Teplik kam, begann er zu allererst das. Städtchen zu reinigen. Was heißt reinigen?... Zunächst rottete er die Tepliker Pferdediebe, die in der ganzen Welt bekannt waren, in einem oder zwei Monaten aus. Nicht ein einziger für den Notfall blieb zurück. Sobald er gegen je- mand auch nur den geringsten Verdacht gefaßt batte, ließ er ihn ohne lange Umstände festnehmen und schickte ihn sofort per Etappe nach dem Gefängnis. Dort sollte mit ihm ab- gerechnet werden. Sodann nabm er die Straßen und die Juden vor. Er verlangte, daß die Straßen rein gehalten werden, der Kehricht aus den Häusern nicht auf den Tamm, den Leuten ins Gesicht liinuntergeschilttet werde, schmutziges Wasser nicht vor den Türen ausgegossen werde, und daß überhaupt auf Ordnung gehalten werde. Von den Juden verlangte er, daß sie am Sonntag bis mittag die Geschäfte schließen, daß die Lehrer ohne besondere Erlaubnis nicht unterrichten und daß der Draht, den die frommen Juden um die Stadt gezogen hatten, entfernt werde.... Es würde ohne diesen Telegraphendraht auch gehen, meinte er.... Auch wenn sich die Juden in der Synagoge herumschlugen und wegen eines Ehrenamts er- eiferten und sich mit Ohrfeigen traktierten, mischte er sich hinein. Solch ein Halunke war er! Daß die Geschäfte geschlossen wurden— ging ohne weite- res durch. Kani es einmal vor, daß einer nicht ganz pünktlich bis zwölf Uhr den Laden geschlossen hielt, so übersah er es.... Was blieb ihm auch anderes übrig?... Er tat, was er konnte, aber den Wächter für jüdische Geschäfte zu spielen und aufzu- passen, ob einer die Ladentür halb offen stehen ließ... daS war unmöglich! Wegen des Drahts hatte er in der ersten.Zeit Verdruß. Am Freitagabend wurde der Draht trotz des Ver- botcs gezogen, am Sonnabendmorgen ließ er ihn abreißen. Aber am nächsten Sonnabend tauchte ein neuer Draht auf, und so ging es mehrere Wochen hintereinander. Obgleich er den Wächtern befahl, aufzupassen, wer den Draht auszog, ge- lang es nickst, den Spitzbuben abzufassen. Da entschloß er sich, persönlich Wache zu stehen: er pflanzte sich in einer versteckten Ecke auf und stand die ganze Nacht grübelnd und singend da. Erst gegen Morgen faßte er den Sobn des Synagogendieners, Pejse, ab, als er gerade damit beschäftigt war, den Draht zu befestigen. Er packte ihn bei dem linken Ohr, führte ihn zum Polizeirevier und ließ ihn für einen ganzen Tag einsperren. Seit jenem Tage blieb Teplik bis auf den heutigen Tag ohne Draht. Die Einwohner machten sich nichts mehr daraus, mich ohne diese Vorrichtung ihre Taschentücher und Uhren am Sonnabend bei sich zu tragen, während ihnen das früher nur gestattet war, wenn ein Draht durch die Stadt gezogen wurde. Schlimmer war der Kampf, den er mit den Lehrern durch- führen mußte. Die Lehrer machten ihm dos Leben unglaublich schwer. Kaum hatte er einen Lebrer mit zwanzig Schülern in einer Straße abgefaßt und die Schule geschlossen, so fand er denselben Lehrer mit denselben Schülern am nächsten Tag in einer anderen Straße. Er schloß die Schule wieder und nahm ein Protokoll auf: aber kaum hatte er Zeit, sich weiter um- zuschauen, als der Lehrer sich auf einem Boden oder in einer Fraucnschule verkrochen hatte und von dort den Gesang feiner Schüler laut erscballen ließ. Ein wahres Unglück mtt den jüdischen Kindern! Sie waren nicht von dem Lehrer loszu- reißen! „Hol dich der Kuckuck!-Hast du dich mit deinen Schülern auf dem Boden verkrockicn. so pauke mit ihnen meinetwegen. bis ihnen die Köpfe platzen, aber mach wenigstens nicht solchen Lärm, daß ich es höre", sagte Plissetzki zu dem Lehrer und schwor, daß, wenn er ihn noch einmal erwischen sollte, er ihn innerhalb vierundzwanzig Stunden ans Teplik ausweisen würde. Der Lehrer hörte aufmerksam zu. verließ seine bisherige Zuflucht und stieg von oben in irgendeinen Keller hinunter. Dort unterrichtete er weiter, aber er ließ die Schüler auch singen, denn Unterricht ohne Gesang war ungefähr dasselbe wie eine kalte Kugelspeise, die die vornehmen Leute in der Großstadt am Wochentag aßen. Haman Jwanowitsch schlug sich so lange mit dem Lehrer herum, bis er schließlich wütend ausspie und den Kampf aufgab. Der Tepliker Millionär Schalom Beer Tepliker aus Teplik. Da Teplik hauptsächlich von Inden bewohnt war, hatte der Tepliker Polizeilcutnant ausschließlich mit Juden zu tun. Er kannte sehr bald sämtliche Einwohner von Teplik beim Namen, war in alle ihre Geheimnisse eingeweiht, sprach mit ihnen lxilb jiddisch und wurde zugänglich und weich wie WackS — mit einem Wort: zwischen ihm und den Juden hatte sich ein vertrauliches Verhältnis hcrausgebildet. Als die reichen, feinen Leute, die Wichtigtuer, die überall gern regierten. Merkten, daß der Beamte zugänglich wurde, begannen sie ihn zunächst mit einem Stiickcben Fisch, einem Glas Schnaps und einem Stück Mazze zu bestechen: dann ver- suchten sie es mit Schmeicheleien und steckten ihm vorsichtig etwas in die Hand zu. Das bekam ihnen aber io schlecht, daß sie ihre Kindcskinder warnen wollten, einem Polizeilcutnant niemals früher etwas zu geben, ehe man nicht genau wußte, wer und was er war. „Du glaubst, mich mit Geld bestechen zu können..Joßke", sagte er zu einem Juden auf russisch,„du bist also ein Be» träger! JMS Gefängnis mit dir!" Tie Worte:„Ins Gefängnis mit dir!" hatte er immer auf der Zunge. Das bedeutete, daß er die Leute einsperren oder mit der Etappc nach der.Gouvcrnemcntstadt schickte. Hatte er diese Worte einmal gesagt, so balf nichts mehr: kein König von Ost oder West hätte etwas ausrichten können. Ein merkwürdiger Patron war er! Weiß der Teufel! Traf er einen armen Mann, der nicht zu leben hatte, so gab er ihm auS seiner eigenen Tasche einen Rubel oder auch zwei und sagte zu ibm. halb jiddisch, halb russisch:„Da, nimm eine kleine Anleihe für deine Ausgaben!" (Fortt. folgt.) die Gültigkeit der Staötverorö�etenwahlen. Unter dem Vorsitz des Stadtrats Weise tagte am Donnerstag abend im Berliner Natdause der Wahlprüfungsausschusi der neuen Stadtvcrordnclenversammlung von Grotz-Berlin. Dieser Ausschuß hatte in seiner letzten Sitzung beschlossen, das Mandat der Sozialdemokratischen Partei für den Rechtsanwalt Dr. Holz, Wilmersdorf,, für ungültig zu erklären, weil er in dem Wahlkreis Berlin IX den Wahlquoticnt 7330 nicht erreibbt hatte. Stattdessen hatte man der S. P. D. ein Mandat zugestanden, und zwar den auf Stadtliste gewählten Stadtverordneten, es ist dies aber nicht der Oberlehrer Lehmann- sondern derselbe Rechtsanwalt Holz, der auch aus der Stadtliste der S. P. D. an sechster Stelle steht. Der Ausschuß nimmt sodann Kenntnis von dem Verfahren dcz amtlichen Wahlleiters, nachdem eine Reihe von Stadtverordneten auSzu'chciden haben, weil sie die Frist zur Annahmeerklärung versäumt haben. Die Prüfung der Stimmen hat ergeben, daß bei der Wahl der Bezirksverordneten die Vorstände der Stadtverord- netenwailen in den sechs Berliner Wahlbezirken rund 5000 Stim- men für ungültig erklärt haben. Hiervon wurden nachträglich rund ■1000 Stimme« für gültig erklärt. Diese nachträgliche GültigkeitZ- erklärung hat für die Mehrzahl der Wahlbezirke keine Bedeutung, mit Ausnahme des Bezirks Tiergarten, wo für die Deutsche Volks- Partei 307 Stimmen für gniltg erklärt werden mußten. Hier tritt eine Verschiebung ein, und zwar zugunsten der Deutschen Volks- Partei, die ein Mandat für Dr. Kohl erhält, während die Deutschen Demokraten das Mandat des Herrn Tows verlieren. Der WW/lprüfungSauSschuß hat sodann die Verteilung der auf der Stadtliste gewählten Stadtverordneten auf die einzelnen Stadt- bezirke vorgenommen Die Stadiverordneten werden fast aus. schließlich so verteilt, daß sie an ihren Wohnsitzen verbleiben. Nur auf besonderen Wunsch sind einige Stadtverordnete ausnahmsweise anderen Bezirken überwiesen. Met- unö Vvhnungswesen in Neu-Serlin. Die EiuheitSgemeinde wird auch von großer Bedeutung werden für� die Organisation der ErniguiigS« und Wohnungsänner. Der Zusanunenhang ist bisher nur recht locker. Wenn auch alle Gemeinden des WobnnngsverbandeS Groß-Beclin Generalvermietc- rinnen geworden sind— ich habe das in Nr. 178 vom 13. S. IS. k.Die Gemeinde als Generalvermieierin') dringlichst empfohlen—, so vermittelt nur selten eine Einzelgemeinde zugunsten eines Wohnuiigsuchenden in einer anderen Einzelgemeinde, eZ sei denn, daß Tausch vorliegt. Die Zwanzseiiiguariierung wird in der Praxis rcchr verschieden gchaodhabt derart, daß bald mehr die kullurelle Schädigung der übergroß Wobnenden durch die Zwangs- einquartierung, bald mehr die kullurelle Schädigung der Wohnung- suchenden durch die WohnungSlostgkeit betont wird. Die sozialistische Färbung der Genieindeverlretungen steht im umgekehrten Verhältnis zu dem Bekenntnis, daß die Zwangseinquarrierung, ein so behelis« mäßiges und begrenztes Kampfmittel sie auch ist, doch die schnellste und billigste Hilfe darstellt. Die Folge ist. daß der Wohnüberfluß in den westlichen Vororten, wo er keine bloße Ausnahme ist, z. Zt. auch»och den relativ stärksten Schutz erfährt. An Einheitlichkeit mangelt es ebenso im Mieterschutz- Wesen, so verdienstvoll sich der Berliner Magistrat auch darum gemüht hat. Trotz gemeinsam geplanter Richtlinien glaubte dock jede Gemeinde, ihren eigenen Weg gehen zu können. In Heizungssachen gibt es beinahe ebenso viel schwierige Formeln wie Schiedsstellen; und um nur einen Fall herauszugreifen, der Portier erfreut sich in der einen Gemeinde— ungeachtet, daß er nicht mit barer Münze. sondern mit seiner Arbeitskraft zahlt— des gleichen Schutzes wie andere Mieler; in der Nachbargemeinde ist er dagegen von den Wohliaten der Mieterschutzverordnung ausgeschlossen. Ein Hauprvorteil der Einheitsgemeinde wird die Möglichkeit sein, die Vergesellschaftung des Wohnungswesens anzubahnen, um au« der VerordnungSwirtschait mit ihrem Riesenapparal an amt- licher Kontrolle herauszukommen und an ihre Stelle die gesell- schaflliche Kontrolle der Miet- lBoden-) Preisbildung und Wohnungs- Verteilung zn setzen. Das Reich kann nach ß 2 des Reickssozialisi- rungsgesetzeS vom 23. März ISIS sR.-G.-Bl. 311) die Herstellung und Verieilung wirtschaktlicher Güter gemeinwirtschaftlich regeln und nach§ 3 dess. Ges. die gemeinwirtschaftlichen Aufgaben den Ge- rneinden übertragen. Hier kann Neu-Berlin zeigen, wie leistungs« fähig es ist. Die Wohngenoflenschaft oder Heimstätte(nach dem Vorbild deS Genossen Kampffmeyer) wird einen Komplex von Wohnungen zu einer WirtschaftS- und Verwaltungsgemeinschaft zusammenfassen- hier wird nach den wahren Selbstkosten die Normalmiete in ge- simdcx Rücksicht auf Alter und Zustand der Wobnungen festgesetzt und der für unseren Wohnungsbau unvelincidtiche Mietüberschud dem SiedlungSzweck restlos zugeführt. Mag auch das individuelle, in seinem Eigennutz Billigkeit verbürgende Interesse des Haus- besitzerS zum Teil verloren geben, so wird ungleich mehr gewonnen sein durch den Ausschluß hililoser Verwaliungsdiletlanlen sowie dadurch, daß eine zenlrale Allion geycu den Häuserverfall und WohnungSniedergang auf tragfähiger Basis unternommen werden kann, während die Hausreparaiurzuscküsse nach der preußischen Höchstmietenverordnuiig von der unglücklichen Mieter- schaft des einzelnen HauseS aufgebracht werden sollen, und i zwar adichlagwerse(!) während eines der Lebensdauer der einzelnen Reparatur entsprechenden Zeitraumes. An Stelle der Hi�hstmielenparagraphen, deren Unzulänglichkeit in der politischen Uuenischiedenheit wurzelt, ist Neu-Berlin politisch befähigr, eine soziale Tat ersten Ranges zu schassen. Gegen die Umgehung dcS Wohnungsamtes wendet sich eine soeben erlassene Bekanntmachung des Dezernenten des Lichten- berger Wohnungsamtes, die insbesondere auf die Ver- mehrung der Fälle in letzter Zeil hinweist, daß Vermietungen möblierter Zimmer und die Wohnungsaustausche ohne die Genehmigung des Amtes stattgefunden haben. ES wird unter Hinweis aus die Strafbestimmungen festgestellt, daß sämt- liche Wohnungen, auch möblierte Wohnungen und Zimmer, sowie alle zu Wohnzwecken verwendbaren Räume, die unbenutzt und durch Ablauf des Mietvertrages, Kündigung, kündigungslosen Auszug des Mieters usw. frei werden, nur mit vorheriger Zu st im- m u n g dcS städtischen Wohnungsamtes weitervermietet oder aus- getauscht werden dürfen. Inhaber von Wohnungen usw. können vom Wohnungsamt zwangsweise aus den Wohnräu- men entfernt werden, wenn sie dem Vermieter nicht srist- und formgerecht durch das?lmt zugewiesen worden sind. DaS Wohnungsamt in Lichtenberg hat diese strengen Maßregeln in letzter Zeit wiederholt unnachiichtlich durchgeführt. Verkauf von Auslandszucker. Die Zuckcrversorgungsstelle des Magistrats Berlin gibt bekannt: Auf Abschnitt Nr. 11 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte mit Aufdruck Stadt Berlin ist% P sd. Auslandszucker für Einmachczwecke abzugeben zum Preise von 7,00 M. je Pfuyd. Der Verkauf von Auskandszucker erfolgt in allen den Geschäften, die eine Karndenliste zum Berkauf von Kommunalzucker eingereicht haben. Der Bestellabschnitt Nr. 11 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte mit Aufdruck„Stadt Berlin" ist unter Vorzeigung der Zuckcrkarte vom 1. Juli bis 31. Dezember 1920 gegen Abstempelung des EmpsangSabschnittes in dem Geschäft abzugeben, in dem der Empfangsberechtigte zum Bezüge von Kom- munalzuckcr eingetragen ist, und zwar in der Zeit von Montag, den 23. August, bis Mittwoch, den 25. August 1920, einschließlich. Nach- trägliche Anmeldungen sind nicht zulässig. Jeder zugelassene Kleinhändler ist verpflichtet, den Verkaufsbeginn durch Anschlag anzuzeigen, vor Mittwoch, den 25. August, darf mit dem Verkauf nicht begonnen werden. Der Käufer ist verpflichtet, bei der Entnahme des Zuckers den Empfangsabschmtt und die Zuckcrkarte für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1920 vorzulegen. Der Verkäufer darf nur gegen Vorlegung der Zuckerkarte und Abnahme des Empfangsabschnijtcs Nr. 11 der Groß-Bcrliner Lebensmittelkarte den Auslandszucker ausgeben. Der Verkauf von Auslands- zucker findet nur in der Zeit von Mittwoch, den 25. August, bis Dienstag, den 7. September 1020 einschließlich, statt. In einer Versammlung der Bertraucnslcnte der Post- und Te- legraphenverwaltung wurde nach mehreren Referaten über die po- litische Lage und die Beamtenschaft ein« Entschließ u n g ange- nommen, in der von der Reichstagsfraktion und von der Partei- lxilung gefordert wird, mit allem Nawdruck dahin zu wirken, daß nunmehr schnellstens eine B e a m i e n r ä t e g e s e tz erlassen wird, durch das auch den Beamten die Möglichkeit gegeben ist, aus Me Gestaltung ihres Dienst- und Arbeitsverbältnisses mindestens den- selben mitbestimmenden Einfluß auszuüben, wie dies allen an- deren arbeitnehmenden Volksgenossen möglich ist.— Weitere Entschließungen. die gefaßt wurden, sprechen sich für die Erhaltung der Neutralität aus und versichern den im Saargebier streikenden Eisenbahnern und allen anderen Beamten die vollste Sympathie. Das nöchste städtische Bolkskonzert des Philharmonischen Orchesters unier Leitung von Richard Oagel finoet beute in der Pbil- Harmonie, Dernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Vorverkauf zn den Voikstonzerten findet statt in der Zentralstelle für Volkslvohlfahrt, AuvSburgerstr. 61, in der Berliner KewerlichaitSkommifsion. Engeluser 15, im Zigarrengeschäjr von Horsch und in dem betreffenden Konzerlsaal. Die im Vorverlaus nicht unlergebrachten Karten werden abends an der Kasse verlaust. Der EmtnltsprerS beträgt 1 M. Kassen- eröffnung 7 Uhr. Hroß-Serliner partelnachrichten« Heute, Ä0. August: 9. bis 11. Abt. 7 Uhr Sitzung der Abteilungsleiter im Reich enberg er Hos, Reichenberger Str. 117. Konserenz der erwachsenen Mitarbeiter in der Jugend. '1,8 Uhr im Zentraljugendheim, Lindensir. 3, 2. Hof, links 3 Tr. Jungiozialiftische Peretiiignng. Ortsgruppe Lichterseide. 7'/, Uhr im Kugendheim. Albrechtstraße IIa, Vortrag, evtl. Teilnahme in Ortsgruppe Süden.— A r b e i r s a u s s ch u ß 6 Uhr Sitzung im.Vor. Wärts'-Gcbäude. Morgen, 2t. August: Bernau. Mitgliederversammlung 8 Uhr bei Rothwald, Kasserstr. 82. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkstag und andere wichtige kommunale Angelegenheiten. Sonntagsveranstaltungen. 47. Abt. Sonntag Familienausflug nach dem Gorinsee. M fahrt 6,10 Stettiner Vorortbahnhos. Nachzügler 9,10, Treffpunkt Bahnh. Zepernick. Arbeiter-Kinderbund Moabit. Sonntag AuSfiug nach Plötzensee. Abmarich Wielesstr. 17. bei Schmidt, pünktlich>/,t Uhr mittags. Am Ort PreiSipiele, Deklamationen usw. Bei Dunkelwerden Feuerwerk. Gäste ivilllommen._ Jugenöveranftaltungen. Heute'/,« Uhr: tTharlotteubnrg. Jugendheim Rofinenstr. 1 tVolkshaus). Diskussion: Unsere Volksschule.— Moabit. Jugendheim Waldenserstr. 2l, Gemeinde- ichule, DiSkussionsabend.— Neukölln. Jugendheim Nogatftr. 53. Dis- lussionsabend: Jugendschutz und Jugendrecht.— Nordosten. Jugendheim. Aula der Reallchule Pasteurstraße. DiSkussionSabend: Bürgerliche Jugendbewegung.— Osten. Jugendheim Straßmannstr. 6. Außerordent- iiche Miigiiede, Versammlung.— Pankow. Jugendheim Knabenniiitei- schule, Wollankstr. 131. Vortrag: Ein Grenzabenteuer.— PeterShagen. Lokal Ballack, Hennickendorser Straße. Vortrag: Werden wir wandern?— Spandan. Jugendheim Oberlyzeum, ASkanierring. Vortrag.— Trep- low-Vaumichutcnweg. Jugendheim Elsenstraße 3. DislussionSabend; Herbslagitation._ Vorträge, vereine unö Versammtungen. Arbeiter-Nadfahrer-Bund Solidarität, Ortsgruppe Berlin, l. Abt. 21. August Nachttour Belzig— Wiesenburg— Lebnin. etart Sonnabendabend '1,11 Uhr. Absalnt Bahnhoj Ehartotlenburg 11.55. 22. August mittags 1 Uhr Lankwitz(Lehmann). Arbeiter> Samariter- Kolonnen Berlin e. B.. Bezirk Westen. Prüjnng deS HauStrankenpflegekursus heute abend 7 Uhr im Lokal Bor- bergitr. 11.-- Bund für Dreigltedening des sozialen Organismus, Pol-V—.-' r,. M9/39a, Ateiiergeb. III. 21. Aug. Vortrag von Mariin Münch: «ziale Wirtsch it— produktive Wirtichan'. Anfang 8 Uhr. Freie Ans. !prull,t. willkommen.— AUgem. Familiensterbekasse. Somiiag. den 2-2. August, Zahl- und Ausnabmelag von 2—6 Uhr in den Restaurants Gerichtstr. 12/13 und Adatbertstr. 24. Gerichtszeitung. Nicht Wucher, sondern Gefälligkeit. Eine Entscheidung'von prinzipieller Bedeutung fällte die Fe- rienstrasknmmer des Landgerichts II. Wegen Schleichhandels war der Kolonialwarenhändler Barinski aus Friedenau angektagl. Zu den Kunden des Angeklagten gehörte u. a. die Gattin des Re- giernngsbaumeisters Kache, welche, wie alle Hausfrauen heulzu- tage, hin und wieder auch etwas hintenherum kaufte. Als eines Tages zufällig Herr K. den auf Marken verkäuflichen Zucker in Empfang nehmen wollte, bot ihm der Angeklagte ein Pfund Echte- bcrzucker zum Preise von 10,50 M. an, da der MagistratSzucker noch nicht eingetroffen war. Kache brachte diesen Fall zur An» zeige, und die Folge war. daß B. vom Schöffengericht wegen ge- werbsmätzigen Schleichhandels zu e t n e in Tage Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Gegen dieses Urteil legte Rechtsanwalt Dr. E i s e n st ä d t Berufung ein und machte geltend, daß die erste Voraussetzung für einen Verstoß geg'n die Wucherordnung, nämlich die Erlangung etne-Z Gewinnes fehle. Der Angeklagte habe für seinen eigenen Haushalt 7 Pfund Zucker für 70 M. gekauft und dem Zeugen mehr aus Ge- fälltgkeit, ein Pfund abgelassen. Der„Gewinn" von 50 Pfennigen werde durch die bedruckte Tüte, welche heutzutage allein 15 bis 20 Pfennige koste, ferner durch die UtTtfatzsteuer, die bei 10 M. 15 Pf. betrage, und durch die allgemeinen Geschäftsunkosten, die bei 10 M. zirka 50 Pf. betragen, aufgehoben, so daß von irgend- einem Nutzen keine Rede sein könne. Das Gericht folgte diesen Ausführungen und erkannte auf Freisprechung, da ein Gewinn nicht als vorliegend anzusehen sei. Umschwung. Von Siegfried Berberich. Feierabend. Johann steigt vom Bau herab, wie seit dreißig Jahren, wäscht fich die Hände, zieht die Ueberlleider aus, hängt sie an den Nagel, brummt.Guten Abend' und gehl hinaus auf die Straße, allein, inmitten seiner Kollegen. Unzufrieden wie stets; man läßt ihn in Ruhe, kennt feine rauhe Art, respektiert seinen Haß, seine Wut: er ist der Eifrigsten einer in der Gewerkschaft— ein Alter! Vorbild und Muster: Einer von denen, die trotz Verfolgung und.Druck von oben" jahrzehntelang festgehalten haben an dem als richtig Erkannten! Miterkämpler der Erfolge, die einer jüngeren, leichtsimtigeren Generation als reife Früchte, wie Selbstverständlichkeiten, zugute kommen. Bis gestern hat man gestreikt; schließlich die Mindestforderung durchgesetzt. Ist selbstbewußter heute angetreten: die alte Rechnung auf das Exempel; es muß geh»! Gut, daß eS jetzt schon gegangen ist: Streikkasse und Spargeld waren aufgebraucht! Johann, denkt daran.— Dort die Wirtschaft. Trotz allem— wie immer nach der Arbeit! So viel hast Du noch. Das muß man sich leisten können! Du kommst noch früh genug heim! Was sollst Du dort! Die Frau, die näht; störe sie nicht! Und der Herr Sobn, der bleiche Asse! Hockt über den Büchern, sagt.aber Papa!"— Quatsch I Nobler Hund!— Spuckt au-. Nur auf ein Glas. Und dann das Blair. Düstres Licht, rauhe Tische, verrauchte Decke, Zapsenschlag, Bier spritzt; der Wirt mit den listigen Aeuglein, die fette Kellnerin, Karten fliegen dröhnend auf den Tisch, faule Witze. Tabaksqualm. schlecht« Luft, gemütlich-warm. Johann hat sein Glas Bier, sein Blatt, trinkt und lieft. Erst hohe Politik, Well, Reich; dann Land. Landtag; dann Stadt. Den Rest, Unierbaltung, schenkt er sich: Weiber� geschwäy� Liest genau, Wort für Wort; sie sind ihm nicht zu scharf ge- nug, zuviel Drumherum, wenig DraufloS I Liest.Lehrmittelfreiheit", als Forderung ferner Partei. Stimmt zu innerlich, ielbstverständlich' es käme ja auch ihm zugute und allen, die könnten und doch nicht können— hebt sich den Gedanken auf für den Heimweg; ist weit genug, Trambahn zu teuer, kann geipart werden— zahlt und geht. Sagt denen nicht.Guten Abend'. Die tun ihm zu wenig, spielen Karten, denken nicht nach, arbeiten nicht an sich selbst, lernen nichts dazu, gehen ins Kino oder Casö, spielen den Herrn in ihrer Frei- zeit, ruhen auf den Erfolgen aus, die unsereiner erkämpft hat. Leichtstnnige Bande I Sieht sie, modisch gestutzt, Mädel am Arm, Zigaretten rauchen, Kavalier spielen: Herren der Lage, ausruhen auf dem Erreichten! Unsinn: nicht vorwärts— heißt rückwärts I Quatschen vom Krieg, verlorener Jugend! Faule Bande I Als wenn Gefahr Arbeit wäre! Ist nie soviel gefaulenzt worden wie im Krieg! War doch selber dabei. Werden schon sehen! Leichtsinn rächt sich I Kommt zurück zu seinem Thema: Lehrmittelfreiheit. Betrachtet alle Dinge aus Gewohnheit von der praktischen Seite her, von sich aus. wie er sie kennen gelernt hat.— Sein Fritz ist heute dreizehn Jahre alt und— die Mutter war früher Dienstmädchen in guten Häusern— im Gymnasium, weil er begabt ist, wie seine Lehrer sagen. DaS Schulgeld ist ihm erlassen, aber die Bücher haben schon ein schönes Stück Geld gekostet, gewiß; so an die zweihundert Mark! Johann bedenkt, der Ertrag von drei bis vier Wochen Arbeit! Harter Arbeit bei Wind und Weiler. ungeschützt hoch■ droben auf dem Bau. Damit der Junge sich Bücher kaufen kann; lateinische und jetzt auch griechische und deutsche und Geschichte und so weiter. Die Kinder müssen viel lernen! Lernen ist gut: er soll's besser haben als ich! Aber schließlich.... Johann bleibt stehn. Es kommt ihm hart an. zu denken, was er jetzt iühlt, was er schon oft zu Hause gespürt hat, am Mittag, am Abend: dort sitzt die Mutter und näht, still, sauber, fleißig, stolz auf ihren Fritz, der vor seinen Büchern sitzt, aufsieht und von Cäsar erzählt und all den reichen Römern, oder von Plntatch. oder von dem Bau der Pyramiden; der von der Macht all der großen Männer schwärmt, die die Geschichte ausmacheit, mit rotem Kopf und froh deS Wissens und glücklich darüber, daß er uns davon er- zählen kann, die wir so dumm sind und von allem nichts wissen! Ist eS nicht Herablassung von ihm, sein Prunken mit Wissen!-- DaS ist dein Sohn? Schämt er sich nicht seiner ungebildeten Eltern?— Fühlt er sich ihnen nicht überlegen?— Und wenn du einmal etwas dazwischen warfst, etwa von der Sklaverei und Knechtichaft dieser Aegypter, die die Pyramiden zum Ruhm ihrer Kaiser bauen mußten, oder dieser Römer, die sich abplacken mußten, damit ihr« Führer in die Geschichtsbücher kamen— da? wollte er nicht gelten lassen; das siebt er alles anders, nicht menschlich, sondern so, wie eS geichrieben steht und wie eS sein Professor ihnen erklärt hat: vom Standpunkt der Reichen, der Besitzenden, der Herrichenden, der Bourgeois I Und hat«r dich nicht ausgelacht, als du Bourgeois so ausgeiprochen hast. wie es geschrieben wird, eben wie Burgoi? Und wollte er dir nicht weismachen, ein Demagoge wäre kein Volksverhetzer und Verführer, sondern— eigentlich, sagte er— ein Führer des Volkes?— Hat ihn sein Wissen dir nicht entfremdet, dir und uns allen? Ist er nicht selber auf dem Weg, ein Bourgeois zu werden, uns zu ver- achten, gering von uns zu denken, weil wir nicht so viel wissen als er?—. Johann spuckt aus, geht weiter, verbittert. Denkt: die? der Gang der Entwicklung! Du kaufst ihm die Bücher, ernährst ihn, ziehst ihn groß— denn bei all seiner Weisheit, dazu braucht er dich; darauf kannst du stolz sein, wenn du willst!— damit er, groß geworden, dich verlacht und zu deinen Feinden hilft! Langsam geht er seiner Wohnung zu, kommt an, klingelt, geht hinein, sagt.guten Abend!'— Und wohnt er nicht selber wie ein Bourgeois? Ekelhafte Ruhe und Reinlichkeit I Wozu noch streiten! Es ist erreicht! Für wen denn? Hat seine Frau je gefühlt wie er? Ist sie sich nicht immer besser vorgekommen? Nnd erst dein Herr Sohn! Hat sie ihn nicht angesteckt, ihm nicht eine rosige Zu« kauft eingeredet?— Wird ihm nicht übel, wenn er nur das Wort Proletariat hört?— Gewiß, er wird kein Proletarier mehr wie du; er ist über dich hinausgewachsen, mit Hilfe deiner Spargroschen, deiner Gewerkschaft, deiner Propaganda, deiner Streikerei, die er im Grunde verachtet— wie dich! Er wird eben ein Bourgeois. Das ist der Gang der Entwicklung... Und wenn sie die Bücher umsonst hergeben,.— und das müssen wir erreichen!— werden dann nicht womöglich noch viel mehr Arbeiterkinder Bourgeois weiden und'sich ihrer Eltern schämen...?— Wie er dort sitzt, bleich und gescheitelt, ich glaube, ich sollte ihn hassen— nicht als Vater: eS wird ihm besser gehen als dir!— aber als Proletarier! Vielleicht wird er ein Herr und bedrückt dann deine Kollegen! Durch dein Geld, mit dem er sich seine Bücher gekauft hat.... In Johann reckt sich der Vater: schließlich ist er doch dein Sobn, der Erbe deines BluieS! Wenn eS ihm besser geht ol« dir, dann waren die Lücher da« Opfer wert: drei bis vier Wochen Arbeil!— Und vielleicht redest du dir nur ein, daß er dich verachtet: vergiß doch nicht, daß er viel gebildeter ist als du...- Vielleicht sagt ihm sein Verstand, daß du recht gehabt hast mit deinen Ansichten— für dich: er steht an anderer Stelle. Und wäre eS nicht auch möglich, daß er eines Tage« fein Wisse« und Können in den Dienst des von dir Erstrebren stellt? Denke doch an all die Großen! Kamen sie nicht oft gar aus Beamtenfamilien? — Allerdings: Söhne von Proletariern sind seltener unter ihnen.. Sie kommen an— und ruhen sich aus... Die Nähmaschine klappert, die Schreibfeder kratzt. Johann philosophiert wie oft: Wir denken an uns, für da» Heute l Doch das Morgen: Jeder geht seinen Wegl Wirtschaft t>k Aufhebung öer startoffelzwangswirtschaft. Nachdem der Volkswirtschaftliche Ausschuh des Reichstages gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Parteien tue Aufhebung der Kartoffelzwangswtrtschaft beschlossen hat, hört, wie in amtlichen Erläuterungen zu der Verordnung bekanntgegeben wird, mit dem 1ö. September die Verpflichtung für die Kommunalverbände auf, die Bevölkerung mit einer bestimmten Kartoffelration zu versorgen. An Stelle der Kommunalverbände treten Handel und Genossenschaften, denen die Aufgabe obliegt, im freien Verkehr den Bedarf der Bevölkerung mit Kartoffeln zu decken. Damit der Handel in die Lage versetzt wird, am 15. Sep- tembcr dieser Aufgabe gerecht zu werden, wird beabsichtigt, bereits zu einem früheren Zeitpunkt, etwa am 5. September, die Verladung der freien Kartoffeln zu gestatten. In den durch Lieferungsverträge sichergestellten Kartoffeln sieht den Kommunalverbänden eine Reserve zur Verfügung, die sie befähigt, Notstände, die sich während der Herbst« oder Winter- monate ergeben sollten, zu beseitigen. Durch diese Reserve wird es insbesondere möglich sein, einem übermässigen Anziehen der Kartoffelpreise vorzubeugen. Soweit diese Reserve nicht ausreicht, ist die Reichskartoffelstelle in der Lage, mit der von ihr unmittel- bar bereitgestellten Reichsreserve von W Millionen Zentnern helfend einzugreifen. Demnächst werden für Brennereien, Trocknereien und Stärke- fabriken einschränkende Bestimmungen erlassen werden, durch die verhindert werden soll, dass durch die Ankäufe dieser Betriebe die Marktlage ungünstig beeinflusst wird. Die bisherigen Berichte über den Umfang des Anbaues und den Stand der Ernte berechtigen zu der Hoffnung, dass mehe Kar- toffeln als in den letzten Jahren zur Ernährung öer Bevölkerung im Herbst zur Verfügung stehen werden. Es kann daher damit gerechnet werden, dass sich im freien Verkehr ein Ausgleich zwischen Angebot. und Nachfrage herstellen und dadurch eine günstige Beein« flussung der Preisbildung erfolgen wird, falls nicht durch Ankäufe seitens der Grossverbraucher zu übertrieben hohen, durch die Markt- läge nicht gerechtfertigten Preisen eine Beunruhigung des Marktes eintritt. Im eigensten Interesse der Konsumenten muss dringend vor derartigen Ankäufen gewarnt werden. Nachdem diese Regelung gegen den Willen unserer Fraktion durchgeführt» möchten wir nur wünschen, dah sich der LptimiÄnus des Reichsecnährungsminlstcriums bewährt und dah nicht die Verbraucher als Leidtragende aus der Affäre hervor- gehen. Die bisherigen„Erfolge" des freien Handels sprechen aller- dings dagegen. Flcischdertcucrung durch Aushebung der Zwanswirtschaft. Die Deutsche Volkspartei hatte vornehmlich die Aufhebung der Zwangswirtschaft zu ihrer Wahlparole gemacht und versichert, dah unter dem freien Handel die Lebensmittel nicht nur reichlicher, sondern auch billiger werden würden. Jetzt muh die der Deutschen Volkspartei nahestehende„Deutsche Allg. Ztg." aus Ostpreußen folgendes melden: „Sei! einigen Wochen war im Kreise Fischhausen versuchsweise die Zwangsbewirtschaftung des Fleisches aufgehoben worden, da sowohl Fleischer wie Produzenten versicherten, dah sie die Preise so niedrig wie möglich halten und dadurch beweisen würden, dah die Zwangswirtschaft überflüssig geworden sei. Aber statt eines Sinkens der Preise machte sich geradezu ein unglaubliches Steigen bemerkbar. Namentlich in den Badeorten Cranz, Rau- schcn und Neukuhrcn. Es gab zwar überall reichlich gutes Fleisch, aber die Preise stiegen beispielsweise bei Schweinefleisch bis zu 1(3 M. das Pfund. Vergebens verwarnte der Landrat die Fleisdjferkäuser, vergebens machte die Fleischerinnung ihren Mit- gliedern Vorhaltung. Nunmehr hat der Landrat sämtliche Flei- schereicn zwangsweise geschlossen, und zwar zunächst bis zum 4. Oktober. Es ist die verschärfte Z w a n g s b c w rr l- s ch a f t u n g und die Rationierung wieder eingeführt und das Strafverfahren gegen sämtliche Fleischer wegen wuche- ri scher Ausbeutung des Publikums eingeleitet worden." TaS Rcichskurntorium zur wissenschaftlichen Förderung der deutschen Textilindustrie, dessen Leiter der Vorfitzende der Reichs- stelle für Textilwirtschaft ist, besteht aus Vertretern deS Reichs- fchatzministeriumS, des Reichswirtschaftsministeriums, des Reichs- Ministeriums des Innern, je einem Vertreter von Preußen, Bayern. Sachsen, Württemberg und Baden, sowie 9 Arbeitgebern und 9 Arbeitnehmern aus der Textilindustrie. Es ver- folgt weder politische noch Erwerbszwecke und dient lediglich der Wliienschaft, vor allem der wissenschaftlichen Erforschung der bisher verwandten Faserstoffe, der Auffindung und Nutzbarmachung bisher nicht bearbeiteter, einheimischer Faserstoffe und der Er- zeugung und Verbesserung künstlicher Faserstoffe. Dem Kuratorium steht ein wissenschaftlicher Beirat zur Seite, der aus Wissenschastlern und Sachverständigen besteht und in völliger Un- abbängigkeit und Selbständigkeit das Kuratorium berät. Sitz des Kuratoriums ist Dresden. Die Mark fällt. Die Mark geht feit einiger Zeit zurück. An der Börse führte diese Erscheinung wie immer so auch in den letzten Tagen zu Käufen von Auslandspapieren. Der Stand der Mark zeigt gegenüber unserer letzten Ausstellung folgende Veränderungen. Es kosteten am: ZI. 7. 6. 8. 18. 8. IS. 8. 100 holländische Gulden.. 1451,59 1539.— 1598,49 l648.Z5 100 dänische Kronen... 669,79 795,— 776,75 744,75 100 schwedische Kronen.. 895,49 991,— 994,— 1931,59 100 norwegische Kronen.. 665,79 795,— 724,75 749,25 100 finnische Mari.... 159,29 152,— 147,85 156,89 100 Schweizer Franken.. 729,75 765,— 896,79 831,65 100 österr. Kronen salteS). 24,99 23,78 21,47 21,47 100 deutsch-österr. Kronen. 23,99 24,15 22,22 22,92 100 ungarische Kronen.. 24,49 24,49 19,98 21,47 100 tscheSisch-slowak. Kronen 84,79 84,69 81,49 81,65 100 spanische Pesetas... 659.65 685,69 729,25 749,25 1 amerikanischer Dollar. 42,55 46,67 48,45 59,97 100 belgische Franken... 344,35 355,— 375,69 387,19 1 englisches Pfund... 157,95 168— 175,55 181,89 100 französische Franken.. 323,35 333,35 352,65 359,69 100 italienische Lire... 226,25 235,25 237,25 237,25 Der letzte Rückgang der deutschen Mark wird mit spekulativen Verkäufen ausländischer hauptsächlich amerikanischer B e- sitzer deutschen Geldes an den fremden Börsenplätzen be- gründet. Auch die Devisenhamsterer, die fremde Wechsel als Kapital- anlöge oder zur Spekulation kaufen, regen sich wieder. Die Nach- frage ist so gross, dass die Devisenverkäufer der Reichsbank die Gesamtbewegulig nicht aufhalten konnten. Auslandsaufträge für die deutsche Industrie. Ein grosser Aus- landsauftrag ist den ManneSmannröhrenwerkcn in Düsseldorf zugesallen. Diese haben in scharfer Konkurrenz mit amerikanischen Firmen einen Auftrag auf Bohrrohre für die Batavia- Petroleum-Gesellschaft erhalten. Die betreffende Abteilung des Werkes bat damit für ein halbes Jahr Be- schäftigung.— Die holländische Staatsregierung hat die Baueinrichtung einer grossen Ziegelei für die staatlichen Bergwerke bei Limburg an eine deutsche Firma vergeben. Soziales. Die Betriebssicherheit im Bergbau. Da? schwere Unglück auf Zeche Kaiscrstuhl bei Dortmund, bei dem am 8. August zahlreiche Menschenleben vernichtet wurden, hat die Auimerlsamkeit mehr wie bisher auf die Mängel der Seilfahrt gerichtet. Im Interesse de: Betriebssicherheit der auf den Zechen beschäftigten und mit Rücksicht auf Leben und Gesundheit der am Seile fahrenden Arbeiter und Beamten muss die veraltete Berg- polizeivcrorduung für den Oberbergamtsbezirk Dortmund vom 11. Januar 1911 einer grüudtichen Durcharbeitung unterzogen werden. Von einem Milgliede der Arbeiiskammer für den Ruhrkohlcn- bergbau erhalten wir in dieser Angelegenheit eine längere Zuschrift, der wir folgende Forderungen entnehmen: a) Der Dienst der Fördermaschinisten und der übrigen bei der Teilfahrt tätigen Personen darf nur mit der Seilfahrt beginnen. b> Strengstes Verbot aller Ucberschichten für das bei der Seil- fahrt tätige Maschinen- und fonstiae Personal. c) Wegfall aller Ausnahmebestimmungen, die ein Entgegen- kommen an die Werksvcrwaltungcn auf Kosten der Sicherheit für Leben und Gesundheit der Arbeiterschaft bedeuten. Hierunter fallen auch die im 8 90 Abs, 3 der Bergpolizeiverordnung genannten Aus- nahmebestimmnngen, da als erwiesen zu betrachten ist, daß alle bisher vorhandenen SicherheitZapparate im entscheidenden Moment versagen, diefc daher niemals das Vorhandensein eines zweiten Maschinisten bei der Seilfahrt zu ersetzen vermögen. /-8 Uhr: Berliner Theater Js8 U.: � Der letzte Walzer dentrnl-Tlieuter u� Die verscliwiiiül.Pauline. I�ent�che« Opex�ihnufii Sonntag b'/z: Tannhäufer Moni. 7; Prlnz.v.Trapczunt l>I« Tribüne s mr: Bimbury. Fr i ed r H' Uli eim.t.Tta. TU Uhr Da(, z. 1. Male: Dali. Kleinen Theater. 7'/-u.t Elise Lensing. KomlMch» Oper tu uhr: Ließe im Schnee. I.nntKiiicllinns uhVDefongetmieEckehaFt Kctropul-Theater. u.3: Im weißen RßssT Neues Central. Theater ü:? Die Danie im Fraek. ÄeneM Operctteiihana Geschlossen, In Vorbereitung. Die Cslkosbarones, Keues Volkstheater vv. uhr Familie. Tlialia-TheHter tu v.: Hoheit die Tänzerin. Theater den Weatens 7 Uhr, zum l Male; Der ersten Liehe . pldneZeit. Von Gilbert. Th.am X o 11 en<1» tn v'.\ Eine Baeht im Paradies Wallucr-Thentor um: Die Frau im Dunkeln. Walhalla- Theater. Th u.; Die internationale. Rose-Theater. 7J/a Uhr. Der Crai von Luxemhurg. Circus Busch Gebäude. Täglich ll/2 l'hrr Gr. Spezialität. Vorst. 7 Perlas? Potsdamer Str. 38 JOer Biiekllgre n. die Tünzerin. Turmstr. 12 Ilenny Porten im Lustsp. I Agnes Arnau u. Ihre drei Freier. I Aleranderpl.-Passage I Friedenau- Rhcinttr. 14 Bruno Kastner ! Schauso. Feuerreiter. SommErth.GReSS-ßEllLlll (KHem) Hasenheide 15. Tgl. 8: Courths-Mahler! Vom andern Ufer Schausp.v, Courths-Mahler (nach d. gieichnam. Roman in d.„Berliner Hausirau"). Ab51/,: Konzert u.hpezialit. Vorverk, ab 10 U. a d. K Volksbühne Theater am Bülowplatz. 3 Uhr: Fledermaus. JVjUhr;!Wkll!MiiLhe Besidenz- Theater. Stadtbahn)annowitzbriicke. Untergrundbahn Kiosterstr. Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolg! Die RascIMs Sonntag 4: Der gute Ruf. Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Tgl. s/.8; Das gr. Eröftnungsprogramm mit dem neuen Schlager: Knorp's sei. Witwe und„Anschluß verpaßt". Singspiel mit Viktor Lltzek. Sonnig. 3'/»: Gebrüder Zorn. Lessing-Theater. ISoninicrnpielzrlt Allabendlich J'/aUhr: Die Tänzerin (Leopoldine Konstantin, Born, Haase, Herrmann, Sternberg, Hermann Thimig.) Deutsches Könstler-Iiieaier Allabendlich 8 Uhr: Clubleute _ mit Mav Adalbert. Trianoa-Theater. Bahnhof Friedrichstraße, Allabendlich 8 Uhr: Hans! Arnstadt In Untreu Sonntag 4; Der Storcn?ried j£lP' 2. WcchQ] Dar I. eioHi-Fllffl ton I. loni/ E. i. Inpiwl Der weiße Pfau Tragödie einer Tänzerin mit Grit Heg es a und Hans Mierendorf Regie- E. A. Dupont lÄdinirais-Palast! Theater a.Kottbus.Tor Tel.: Moritzplatz 14814. Täglich 7'/j Uhr: Elite-Sßngsr. Volls ändig neues Programm. Blüthgen-Konzcrt, Beginn 7 Uhr. Vorv.k. II-!'/,. 4-6 U. Winter- Gatten Täglich 7.IS Uhr j- Varlelh-Sgielplan Rauchen gestattet! Mozartsaal: 3. Woche! vis goldene Krone ». d.gleichit. Roman Olga WohibrOck t. Benny Porten-Film 1920|2I H aupidarsiel ler; Henny Porten\l Hartmann/ Thimig/ Vall.ntln Regie: Alfred Halm Föhn ä; 1 Dramatischer Film In 5 Akten von HansBrennert und Wilhelm Rath ) Eegie: Hant Werkmaiater I Profeiscr ßehbeln radeltl iäl mit B.B. Lustspiel Leo Peukert 0 Der verbd�ene Weg EinDramamitgiücklichemAusgang Uit Edith Poska ✓ Lupu Pick John Gottowt Der Sprung Ins Dunkle Schauspiel in ö Akten Stella Hart /Arnold Marllng Regie: E. Reicher Figaros Hoch xelt Hauptrolle: Hella Mola Regie: Max Mach Verfasser: Hans Brennert Kakadu und Kiebitz Lustspiel von Schönfelder und Uhl Ossi Oswalda in der Hauptrolle Wochentags ab 7 Uhr Sonnt agsr Beginn 4 Uhr Eumumn Uraufführung am d. Sept. im UkA-BALAST sm Zoo Lampions Sonnt. 29.8.: I. NachmitL- Vorstellung z. halb.Preisen. Riesen- Auawahl billig Stocklaternen— Lichte dazu Sommer-u.Volksfestartik., Mützen, Scherz-u.Verlosunpsart�Spielwar. Feuerwerk 1"w' Land u. Wasser. Bongal-frVuer Wiederrerkäuler billigste Preise. Lagcrbesucb sehr lohnend! Versand nach auswürts sofort Scherzartik.-Fabrik A.Maas&Co. Berlin 35, Markgrafenstr 84, an derLIndenstr. Gr.illustr.Liste )r. med. Grfltering 3 Seltene Bücher nifÄufL Haut-, Harn-, Unterleibsleid b.Männ.u. Frauen, Blutunters, Invalldenstruße 35, Ecke Chausseestr, Stett. Bhf. Spr. Wochentäglich 11-1- V�->/,7 ble jedem große Freude und Rußen dringen werben. Naturstast-ReformvorschlLge zu ungeahntem Glück. 7,50, geb. 10. Tote leben! mit 32 Seisterphotographien. Pr."JM M.. geb. 10 M. Mit 78 Jahren noch Jung und kerngesund. Preis 1 M, Für jede Kausbibiioihef unentbehrlich. Silz Verlag, Leipzig-, Kogründot Versand nach allen Plätzen Deutschi. Ktöbelfabrib stöbert Seelisch 3 Minuten vom Bahnhof Frankfurter AUee Berlin O 112, Rigaer Straße 71-73 a empfiehlt gute Möbel-Einrichtungen zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Ganz besonders große Auswahl in Schlaf-, Speise-, Wohn- und Herrenzimmern jedem Geschmack entsprechend. IS4 Musterräume Baaiohtigung ohne Kaufzwang gestattet Lagerräume; 6696 □ Met groß- Zigarren Suche noch einige Dauer. abnehmsr jür Zigarren(feine gigarillos) in der Preislage 420 bis 900 pro Mille. liu und Vw, versteuert, Probe- Paket SSV Stück sortiert.[• 80 Kleinverkauf 100 Stck. 42.— 70, 100, 54.- 80, 100, 60.— 90» 100, 65.- L- 100 72.- 1.20, 100. 90. Zigarillos von 240-400 M. m A. Siedler, BetiiQßS.Homeso 1 Friedpichsroda Thüringer Wald 430-710 m üb. M. B oeii tL 5l(fler Eiuvcsreivngedvch Vier Kapttel, nieder- gekdsrieben im starken Nachklang des Erleb- ten. schildern da. Toll- Haus. Sn ihnen reißt Zicklers Schilderung Porhänge«useinan- der, hinter denen eine unbekaiinte Welt der Qual lebte. kämpfte und litt, eine Welt der Qual, ungleich furch- terlicher als olle tier- heerungen, die Kugeln und-Splitter in Men- schenleibsrn anrichtet. An, Herz packende Grotesken des Irr- finns. larmonantePro- phetien harmlos Der- rückter. Deutsch«, Yren- zofen, Russen, eine ganze europäische Ulli- anz des Wahnsinns. Zu bezieh, bei Voreins. vou3,— Mk.und 20 Pf. für Porto lScheckkonlo rlin 1243) durch die vuchhaudl. Vorwärts Berlin, �indenstr. 2 keliedtesker Sommer- u. Winterhurort TttüringeriZ mit Schloß u. Park Keinbardsbrunn. Alle hygien. Einrichtung. Voller Kurbetrieb. Prospekt: Stadt. Kurverwaltung PferdeYersteigerung. Am 23. 8. 20, vormittags 9 Uhr, werden auf dem Hofe Maaazinstr. 3—5 mehrere Fohlen meistbietend gegen sofortige Barzahlung versteigert. f'sicfi gpIi ol i z ci Polizel-Abteiluns Friedrlchshalir Dr. Georg Flatow: Kommentar zum Betrlebs- rätegeselz Ist für(ed. Interessent, unentbehrlich. i0.-7a.Tausend. Brosch. 9, gbd. II Mk. BocIbaadlungVoriilrtt, SW8B, Llodeiistr.Z muß heute die ganze Welt, jedoch garmancher wird davon besonders schwer betroffen. Er muß den ihm lieb gewordenen Beruf aulgeben und steht damit vor einer fast unlöslichen Aufgabe. Das beste Mittel, sich einen neuen Beruf, eine Umlernen bessere Stellung zu verschaffen, bietet die Methode Rustln (5 Direktoren höherer Lehranstalten, 22 Proiessoren als Mitarbeiter), ohne Lehrer durch Selbstunterricht unter energischer Förderung des einzelnen durch den persönlichen Fernunterricht. Wlssenschaftl. geb. Mann, Wissensch, geb. Frau, Geb. Kaufmann, Geb. Handlungsgehilfin, Bankbeamte, Einl.-Freiw.-Prütg., AblL-Exam., Gymn., Rcalgymn., Oberrtal- schule, Lyzeum, Oberlyzeum, Mittelschullehrerprüfg., Zweite Lehrerprüfg., Handelswissenschäften, Landwirtschaftsschule Ackerbausch., Präparand., Konservatorium. Ausführlicher Prospekt Ober bestandene Examen kostenlos durch Bonneß& Hachfcld, Potsdam, Posti. 224 J/ur foiujflnd! ' War am} Lesen Zie: Joh. Ferch, „Die Fiosiit vor dem Klnda" Preis Mk. 1,— u. 20% Buchhandlg. Vorwärts Lindenstraße 2. wnimniiimimiiiiummiüiiiiiiiiiuümuiiinvt Junge Eheleute erhalten Prospekt über, Mutterschutz unentgeltlich. Frau Emma Fischer, Berlin-Wll- mersdori 139, Kalserallee 169 Höbet Meiert zu herabgesetzten PrBisEn aui Teiizsitiung mit kleiner iSZSillütig. Bürg. Wohnungseinricht. Wohnzimmer, Schiai- Zimmer, Speisezimmer, tlerrenzimmer in großer Auswahl Binzeine Möbel Farbige Küchen ieüssr MWWMMD Kinder.Greise.Sfhwächlithe.lfranKe. Reconvalescenten. stillende Trauen, &Wöchnerjnnen.Bleichsüchtigef1?g?n Darm-Lunqen.Gemütsleidend'r zu haben in allen Apotheken gOrpgpnen SchöbelwerKe,Dresden-16 •*;? JK*•'ss**:-"r-.vY.'-. V Boppelflinten \ Drillinge. Pistolen, kauft) Frank, \V8, Markgrafenstr. 50. Platin kauft dringend iMEllElSt.-C.Bl.lll Frledricbstr. 168 (Nur 1. Etage.] MetalpÄ? Grüner Weg 80 zahlt höchste Tagespreise für Kupfer, Messlug, Biel, Zink etc. fite urch das Ralclis- Einkommansteuer- RUDOLF WISSELL gibt Ober die Bestimmungen des Gesetzes, wie; Lolinabiug u-Steatrhartt, steuerp/llchtlges u. steuerfreies Einkommen, Absage usw, unter Anwendung praktischer Beispiele und Tabellen sichere Auskunft Preis Mk. 2,50+ 20»/, Bnchhindliig Yonvärts Berlin SW H, Lindenstr. 2 von Haut-, Barn und Unterleibaleiden, ohne Bernfästörung. Aufklärende, bolehxende Broschüre für 1 Mk. portofrei in verschlossenem Umschlag ohne Aufdruck durch Spezialarzt Dr. med. Dammann, Berlin 11, Potsdamer Straße 123 B. Sprechzeit! 9— 11. 2— 4, Sonntags 10— 11. Kupfer 12, 50 Messing S- Quecksilber 65,- Weißlager b. 25,- Zinn b. 35,- Schulzendorfer Str. 2 Kösliner Str. 6. Rat, Beistand, mäßige Preise, Teilzahlung, Ehe-, Alimenten-, Straf- , Sachen. Steuern, Gnadengesuche, Landgerichtsrat Dr. v. Kitehbach, Gesellschaft m. b. H., 1 AtezanderstraB. 45(am Alexanderplatz gegenüber ' Tletz)(9-7) Glänz Erfolge f Buobachlg. Tel.: Königst. 3595. Prozesse, clfafj■ lothringischer Flüchtling. fuchlBefchiiftfaung gleich weicher ArL Da auch in Bureautiitfz- feit enahreii» käme«v!L auch Buchhalter» aber ftorrefpon- bentenooften in Frage. Gefällige Zufchtiften erb. Hiifsbunb für bis Clfatz. Lofhrwgsr im Reich, Berlin W 8, Tanhenftraße 34. Tüchtiger, selbständiger Fräser (Horizontal- u. Vertikal-) Werk�engfrllaer Revolverdreher SchlosHer als Kolonnenfütarcr für Präzisionsarbeit gesucht Schriftliche Bewerbungen erbeten an l L SeDeq G.ni.ii.H.. Werkzeugmaschinenfabrik Berlin NW 87. Neues Ufer 20—25, Waffen laller Art kaufen und! I verkauf. PrankACo. I 1 W8,Markgrafenst s: I preis 7,20 Mark Tuchtixe für die Abteilung sofort gesucht Meldungen: 12— 2 Uhr mittags, 5—6 Uhr abends. &. Jandorf& Co., Belle-Alliance-Str. t/2. TSchttge U3 20* MerSlWerjvven SÄTiÄW erste u. zweite Kräfte, i. Westen Berlin, bei geteilter Arbeitszeit verlangt durch Mebeifsnoch- niel» der Stobt Lee liu, Ructerftr. 8(8-3). Wo bleibt üie Reichsregierung? Tie„Deutsche Tageszeitung" für Rote Armeen. Wo� bleibt die Reichs recnerung? Diesen beweglichen Klageruf stößt die„Deutsche Tageszeitung" aus, indem sie genau wie vor einigen Tagen die„Kreuz-Zeitung" eine Art Reichsexekution fordert. Wir lesen da: W-a(ftcr bleibt die Reichs regierung? Wozu haben wir in der republikanifchen Verfassung die ausdrückliche Feststellung in Ar- iikrl 13, daß daS Rcichsrecht Landrccht bricht, und wozu die Be- stnntmrng in Artikel 15, daß die ReichSrogierung in den Angelsgen- Helten, in denen dem Reich das Recht der Gesetzgebung zusteht, die Aufsicht übt? Wer diese Sätze außerhalb ihres Zusammenhangs liest, müßte ganz selbstverständlich meinen, daß sich ihr Sinn auf B a y e r n bezieht. Denn Bayern weigert sich, dos Reichs- gesetz über die Entwaffnung anzuerkennen und die Einwohnerwehren gemäß diesem Gesetze abzsuchafsen. Hier also wäre die Erinnerung an das Aufsichtsreckst des Reiches voll am Platze. Aber nein, das reaktionäre Blatt wünscht die Reichsexekution nicht gegen das ungehorsame Bayern, son- dorn gegen die preußische Regierung, weil diele getreu dem Eniwafsnungsgesetz die Organisation Escherich auflöst und verbietet. Das soll nach der„Deutschen Tageszeitung" rechts- widrig, verfassungswidrig und Gott weiß was alles sein. Dabei beweift der Leitartikel der„Deutschen Ta- geszeitung", der den Genossen Severing und Hörsing wegen chrcr angeblichen Gesetzesunkenntnis die Leviten liest, daß ''ein Verfasser selber keine Ahnung von>der Rechtslage hat._ Er stützt nämlich seine Behauptung von der Rechts- Widrigkeit des preußischen Vorgehens darauf, daß das Reichsentwaffnungsgesetz noch nicht in Kraft 'ei. Ein fundamentaler Irrtum! Das Gesetz als solches ist i n K r a f t, es ist nur noch nicht in Wirksamkeit, weil der Reichskommissar bisher die notwendigen Ausführungs- bestimmungen noch nicht erlassen hat. Dieser Rechtsunter- schied mag dem Aaien klein erscheinen, aber für das Vor- gehen des preußischen Innenministers ist gerade die Tatsache, daß das Entwaffnungsgesetz in Kraft ist, von großer rechtlicher Bedeutung. Am meisten blamiert sich der Leitartikler der„Deutschen Tageszeitung" aber, wenn er die„Rechtswidrigkeit" des preußischen Vorgehens mit dem Art. 124 der Reichs- Verfassung begründet, der besagt: .Alle Deutschen haben das Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, Vereine oder Ge- sellschasten zu bilden. Dieses Recht kann nicht durch Vorbeu- gungS maß regeln beschränkt werden." Im Anschluß daran schreibt der Leitartikler der„Deut- scheu Tageszeitung" nämlich, daß nach diesem Artikel die Staatsbürger zweifellos auch das Recht hätten, Vereine zum Selbstschutz zu bilden. Ein Gesetz, das diese ver- bietet, gäbe es außer dem(nach seiner falschen Ansicht) noch nicht in Kraft befindlichen Entwaffnungsgesetz nicht. Der gute Mann scheint völlig zu vergessen, daß nach dem allgemeinen Strafgesetz die unbefugte Bildung be- waffneter Hansen als solche strafbar ist.§ 127 St.G.B. stellt die unbefugte Aufstellung bewaffneter For- mationen unter Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren. Wer also eine bewaffnete Organisation bilden will, bedarf dazu besonderer behördlicher Erlaubnis. Solche Erlaubnis hat der Orgesch für Preußen aber weder die Landesregie- ruug noch die Reich sregierung erteilt. Tie Or- gesch verstößt damit gegen das allgemeine Straf- gesetz und genießt daher den Schutz des Arükels 124 der Reichsversassung nicht. Bei einiger Ueberleg-ung hätte sich übrigens der Leit- artiklcr der„Deutschen Tageszeitung" sagen können, daß ge- mäß seiner Definition des Artikels 124 der Reichsverfassung auchdieSpartakistcndasvolleRechtzurBil- dung bewaffneter Selbstschutzorganisatio- nen haben würden. Das ist die unweigerlickie Konse- guenz seiner Versassungsanslegung. Es ist sehr interessant, daß hier die„Deutsche Tageszeitung" das Recht des Zusmn- menschlusscs aller Bevölkerungskreise zu bewassneten Organi- sationen verteidigt, damit also auch die Bildung Roter Armeen usw. ausdrücklich für gesetzlich undein Ein schreitenderRegierung dagegen für verfassungswidrig erklärt. Denn jedes Wort, das sie hier zum Schutze der Orgesch sagt, gilt auch zum Schutze der Roten Armee. Mag die„Deutsche Tageszeitrmg" selber daraus ersehen, wohin blinder Eifer und bodenlose Rechtsunkenntnis führen. (drgefch, Schieber& Co. Au8 Pommern wird uns geschrieben: Während der..Kapp"-Zeit florierte in Rsastett'n unter dem Kapitänleutnant M a t h y eine sogenannte Nachrichten abtei- lung mit einer großen Anzahl als„Kriminalbeamte für innere Angelegenheiten" tätiger Geheimagenten. D'e Nachrichrcuaötei- lung soll aufgelöst sein, einer der„Kriminalbeamten" läuft aber noch in Uniform und mit Waffen, mancknnal auch in Zivil, im Städtchen umher. Was er treibt, weiß man nicht. Sem ehe- makiger Chef, von dem man doch annehmen konnte, daß er gleich- zeitig mit dem Kapp-Putsch erledigt gewesen sei, ist beim Jnfan- terie-Führcr II in Kolberg auf Privatdienstvcrtrag für innerooli- tische Angelegenheiten angestellt. Vielleicht erkundigt sich daS Reichswehrministerium einmal danach, was daS für„mneroolitisch« Angelegenheiten" sind, welche die Anstellung ehemaliger Lsfizicre aus Privatdien st vertrag erforderlich macht, und wer die Mittel zur Besoldung dieser Sorte PrivatangesteUtcr hergibt. Die ehemalige Nachrichtenabteilung unter Kapitänleutnant Mathy hat, wie einwandfrei feststeht, einen schwunghaften Handel mit ihren Pferden getrieben, und die dabei von den Bauern vereinnahmten Gelder sind' zwischen Mathy. einem Leutnant a. D. R o e s e l e r, einem bereits verbasieten Feldwebel Graumann und mehreren Soldaten der Nachrichtenabteilung geteilt worden. Wegen dieser Schiebereien ist Graumann verhaftet worden. Mathy und Roeseler dagegen nicht. Der letztere, wie auch eine große Anzahl entiaflener Feldgendarmen, halten sich jetzt als „Gut er schütz" in Pommern und Westpreußen auf— Org-sch! Herr von Hertzberg-Lottin verfügt z. B. über einen gut bewaffneten„Güterschutz", bestehend aus einem Osfizicr und 25 Mann. In ähnlicher Art sind fast sämtliche Güter Pommerns durch die Orgesch„geschützt". Vielleicht wird beim Broßreinmachen auch dieser Unrat beseitigt._ Zur Erheiterung in schwerer Zeit. Großbritannien soll Aegyptens Unabhängigkeit proklamkeren wollen. Said Zaglul Pascha in London freuet sich bereits.— Die albanische Regierung, frie Valona von den Italienern zurückerhielt, will diese gegen inner« Schwierigkesten zu Hilfe rufen. �bbau öer Zwangswirtschaft. Vor einigen Wochen waren die ErnäbrungSminister der Länder in Berlin versammelt, um eine rein informatorische Besprechung über den Abbau der Zwangswirtschaft zu führen. Ueber dies« Besprechung sind bereits irreführende Veröffentlichungen in die Presse gekommen. Bayern und Laden sind sogar dazu ge- kommen, die Zwangswirtschaft für Fleisch und Vieh aufzuheben. Da diese Maßnabmen durch das Reich eingeführt sind, so bat lein Staat bas Recht, für sein Gebiet die ReichSvorschriflen auk- zuhcben. Die Staaten werden also genötigt werde», die Zwangs- Wirtschaft wieder einzuführen. Ueber die Frage der Aufhebung der Zwangswirtschaft für Vieh und Fleisch wurde nun im fünften ReichStagSaiisichuß einen ganzen Tag diskutiert, obwohl lein dahingehender Entwurf vorlag. Also auch diese Debatte, in der so ziemlich alle Argumente für und gegen Zwangswirtschaft vorgebracht wurden, hatte in der Hauptsache nur einen informatorischen Charakter. Am Schlüsse der Debatte wurden folgende Entschließungen angenommen: 1. Die Zwangsbewirtschaftung für Fleisch wird spätestens bis zum I.Oktober ausgehoben; die Einfuhr von Futtergetreide, insbesondere von Mais, soll sofort freigegeben und daS Reichsfinanzininisterium ersucht werden, ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, um durch eine Ver- billigung des Mais eine ausreichende Ernährung des Viehes zu ermöglichen»und die Verfütierung deS Brotgetreides zu ver- meiden. Das Reichsernährungsministerium soll alle Maßnahmen ergreifen, um bis zum 1. Oktober etwa zwei Millionen Tonnen Brotgetreide zu sichern, und eS ist nur dann die Freigabe der Viehwirtschaft zu empfehlen, wenn diese Siche- rung erreicht ist. 2. Die ReichSregierung zu ersuchen, bei der Freigabe der Fleischbewirtschaftung im Jnlande dafür zu sorgen, daß bei der R e i ch S f l e i s ch st e l l e dauernd die Gestaltung der Ein« fuhr von Fleisch überwacht wird und die Einfuhrmengen an die Hauptbedarfsstellen geleitet werden. Wir sprechen ferner die Erwartmig auS, daß auch künftig in den Hauptbedarfsgebieten Auslandsfleisch, nachdem eS aus Reichsmitteln verbilligt ist, ausgegeben wird. « I itr Volkswirtschaftsausschuß des Reichstags berichtete der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Her nies: Bis zum 15. August tuaren rund 162 000 Tonnen Brotgetreide abgeliefert gegen 280 000 Tonnen im Jahre 1919 und 275000 Tonnen im Jahre 1918(wobei die Mengen aus den abge- treten«» Gebieten bereits abgezogen sind). Wenn diese Zahl auch noch nicht voll befriedigen kann, so gestattet sie doch einen Rückschluß auf die zu erwartende Sicherstellung unserer Brot- getreideversorgung. Für die Beschaffung von Futtermitteln soll die baldige Regelung der freien Maiseinfuhr Erleichterung schaffen. In der Debatte erklärte der Minister, daß dem Landwirt Ein- schränkunge» beim Verbrauch von Hafer für seine eigenen Wirt- schaftszwecke nicht auferlegt werden dürfen. Die deutschnationalen Ausschußmitglieder haben einen Aufruf an die Landwirte erlassen, alles zu tun, um ihrer Ab- lieferungöpflicht von Brotgetreide zu genügen, um die Aufhebung der Zwangswirtschaft von Fleisch möglich machen zu können. Nach den Ausführungen deS Ministers ist augenblicklich eine Berbilligung von Kunstdünger nicht möglich. Die Industrie rüstet sogar zu einer weiteren Preissteigerung, der sich der Minister aller- dings widersetzen: will,� Durck Reichsmittel eine Verbilligung her- beizuführen, ist bei dem Bestreben, die Zwangswirtschaft abzubauen, auch nicht angängig. Der Minister vlant, die Düngemittelindustrie mit Kohlen stärker zu beliefern und dadurch ihre Produktion zu steigern. Er prüft die Frage, ob die Belieferung der Landwirtschaft mit Kunstdünger nicht in Verbindung gebracht werden kann mit der Ablieferung von Getreide. Den Abbau der Zuckerzwangswirt- schaft hält der Minister nicht für möglich, spricht sich aber für die Gewährung von Erleichterungen aus, z. B. Ueberlassung der Me- lasse an die Landwirte. 25 000 Tonnen überschüssige Stickstoff- düngennttel sollen nach dem Auslande ausgeführt und mit dem erzielten Gcwirrn eine Preisfcstigung herbeigeführt werden. Dieser Ausfuhr stimmte der Ausschuß zu. Mit dem erzielten llcberschuß soll auch eine Senkung der Preise angestrebt werden. Die Regierung sagt« die Prüfung der Gestehungskosten und Preise für Kunstdüngcmittel sowie der Gewinne der Industrie zu. deutsche Saarnote. Eine Note Deutschlands an die Saarkommission schließt auS dem Friedensdiktat, baß der Beamtcnkörper im ganzen in die neue Rechtsordnung übernommen werden sollte, unbeschadet des Rechtes der Rcgierungskommission, einzelne Beamte aus be- sonderen Grünben zu entfernen. Statt nun aber, wie nach Lage der Dinge geboten, die Rechts- Verhältnisse der Beamten zu regeln, hat die Regierungs- kommission den Abschluß eines allgemeinen Beamtenabkom- mens mit der deutschen Regierung abgelehnt, und auch� bie Verhandlungen mit den Bcamtenorganisationen haben infolge der Haltung der Regierungskommission nickt zu einer Einigung gc- führt. Der von der RcgierungSkominission außgestcllte Entwurf sieht vor, daß über die Entlassung und über die Unfähigkeit oder Ungeeignctheit eines Beamten nicht mehr im Wege eines orden t- lichen, gerichtlichen Verfahrens, sondern durch den Ausspruch des Borgefehten entschiede» wird. Der Entwurf will ferner den Beamten das Vereins- und Koalitionsrecht weitgehend einschränken, auch bietet er die Handhabe, die Einheitlichkeit des Beamtenkörpers durch Einstellung von Ausländern zu zer- stören. ES liegt auf der Hand, daß keinem Beamten zugemutet werden kann, sich mit einer derartigen Minderung feiner Rechte einverstanden zu erklären. Tie Gegenvorschläge der Beamten sind verworfen worden. Nack Bcrhängunq de? verschärften Belagerungszustandes hat die Regierungskommissson die Ciscnbahucn militarisiert und das Personal als requiriert erklärt, obtvohl die fortbestehenden deutschen Gesetze eine Requisition von Personen überhaupt nicht kennen. Sie hat weitere französische Truppcnmengen ins Land gezogen und einem französischen General wcitretckicnde Befugnisse übertragen, obwohl das Saargebiet nicht Okkupationsaebict ist. Sie bat gc- duldet, daß diese französischcn Truppen mit brutaler Gewalt gegen die Beamten vorgingen und wahre Jagden auf sie veranstalteten. Den Verbaftetci, wurde krieaSgericktliche Verfolgung angedroht, was dem Friedensverträge widerspricht. In einer Proklamation der Taarregicrung wird behauptet, der Streik sei von den Beamten vom Zaune gebrochen, und die Beamten seien Hetzer oder Werkzeuge von Hetzern, denen die deutsche Regierung mehrere Millionen für diese Agitation zur Ver- fügung gestellt habe. Daß diese Proklamation dm Tatsachen widerspricht, geht aus den obigen Angaben über die Uriachen der Streiks hervor. Hiervon abgesehen, muß aber die deutsche Regierung die Vorwürfe und Berdächtigungen, die in der Proklamation gegen sie erhoben wer- den, insbesondere eine Verdächtigung, daß sie den Streik gefördert oder gar finanziert habe, mit der größten Entschiedenheit zurück- weisen. In vollkommen irreführender Weise hat die Regierungskom- mission die Bewegung der Beamten mit der Tätigkeit einer Organi- sation zur Erhaltung des Deutschtums im Saargebiet m Zu- jammcnhang zu bringen versucht. Wenn die deutsche Regieruns für diese' Tätigkeit, die die Förderung der deutschen Musik, d«S deutschen Theaters, der deutschen Literatur und des deutschen Ver- einswesens zum Ziele hat, Mittel zur Verfügung gestellt hat, so wird sie sich ihr gutes Recht dazu auch künftig um so weniger be- streiten lassen, als es sich hierbei lediglich um die Abwehr der be- kannten, mit reichlichen Mitteln arbeitenden Bestrebungen handelt, die das Ziel verfolgen, den deutschcu Charakter des Saargeb�cts zn ändern. Wieder deutsch! Am Donnerstag ist da» preußische SlbstimmungSgebiet wieder in deutsche Verwaltung übernommen worden. Der Vizekanzler des Reichs, Dr. Heinze, und der preußisch« Minister des Innern, Genosse Scvcring, sind zu diesem Zweck ins Abstim. mungsgebiet gereist. In A l l e n st e i n wurden sie vom Regie- rungspräsidenten und den städtischen Behörden begrüßt. Dr. Heinz« hielt bei dieser Gelegenheit eine längere Ansprache, in der er der Freude und den Dank de» Reichs über das treue Festhalten der Abstimmungsgebiete an Deutschland aussprach und dann fort- fuhr: „Freude über den herrlichen deutschen Sieg in Ost- und West- Preußen schallt natürlich auch über die im Frieden von Versailles gezogenen Grenzen Deutschlands hinaus zu den Bewohnern der an Polen abgetretenen Gebiete, und es ist nicht zu verwundern, daß dort bei vielen sehnsüchtige und wehmütige Gefühle auS- gelöst werde» gegenüber ihren Brüdern in den Abstimmungsgc- bieten, welche über ihr zukünftiges Schicksal selbst haben entscheiden dürfen, Gefühle, welche vielleicht durch die jüngsten Ereig- nisse im Osten besondere Nahrung erhalten haben. Wir müssen uns immer wieder dessen bewußt bleiben, daß der Friede von Versailles, den wir unterzeichnet-haben, für uns b i n de n de N o r m ist. In Ausführung dieses Vertrages hat die deutsche ReichSregierung in dem russisch-polnischen Konflikt ihre Neutralität erklärt. Sie ist entschlossen, diese unter allen Umständen aufrechtzuerhalten und sich in keiner irgendwie ge- arteten Weise aus ihr herausdrängen zu lassen. Ich richte an Sie alle die dringende Bitte, die Negierung in dieser Haltung zu unter- stützen, welche sie in die Lage versetzt, dem polnisch-russiscken Kon- slikt in voller Objektivität gegenüberzustehen, und bitte Sie, ge- rade hier im Osten alles zu vermeiden, was nicht mit der Neutralität vereinbar ist. Das Ziel von uns allen ist das Wohl des gesamten deutschen Vaterlandes. Jede u n- überlegte Handlung der Deutschen, sei es hier, oder sei es im abgetretenen Gebiet, kann mit Leichtigkeit von unüberseh- baren Folgen für unser schwer geprüftes und hart bedrohtes Vater- land sein. Lassen wir uns durch nichts in unserer neu- traten Haltung beeinflussen. Halten wir überall auf Ruhe und Ordnung, vermeiden wir jede Aeußerung, die, mag sie noch so harmlös gemeint sein, von übelwollender Seite hetzerisch ausgelegt oder ausgebeutet werde» könnte." Die pariser Ausweisung. Paris, 19. August.(WTB.) Der Verwaltungsausschuß deS Allgemeinen Gewerkschaftsbundes erläßt einen Aufruf, in dem er gegen die Ausweisung der beiden englischen Arbeitervertreter Einspruch erhebt. Er übermittelt dem englischen Proletariat seinen brüderlichen Gruß und versickert eS der engsten Zusammenarbeit gegen den Krieg und für die Unab? hängigkeit der Völler. Die französsichen Arbeiter werden auf- gefordert, alles zu tun, um den Weltfrieden zu sichern. Der Ver- waltungSausschuß Inendet sich auch gegen die Hilfe, die die französische Regierung dem General Wränget zuteil werden lasse. Sollte das wirklich die ganze Aktion gegen die Ausweisung Adamionö und Goßlings sein? Bisher scheint sie wenig Wirkung zu hoben, denn: Nach einer Meldung des„Matin" ist der französische Geschäfts- träger in Bern Clinchant zum französischen Ober- k o m in i s s a r bei General W r a n g e l ernannt worden. Deuschlanüs Entwaffnung. Die englische Regierung erteilte im Unlethause folgende Auskunft über Auslieferung und Zerstörung deutschen Kriegsmaterials bis zum 5. August: Schwere Geschütze abgeliefert 5360. davon zerstört 2577. Feldgesckü tzc und Haubitzen abgelieiert 20 057. davon zerstört 15 893. Kleinere Waffen abgeliefert 1 570 958, davon zerstört 1 158 846. Flugzeuge und Wasserflugzeuge geliefert bis 31. Juli 1128, davon zerstört 813. Luft- schiffe ausgeliefert bis 31. Juli 1, davon zerstört 1. Bekanntlich ist aber auch schon ,1-. 72" an Frankreich ausgeliefert worden._ Unnötige Aufregung. Noch der L.8.-Korrespondenz behauptet eine Anzahl von Zeitungen, daß der Landrat von Spangeren aus Antrag des Kreistages Sangerhausen von seinem Amt ent- fernt worden sei, da ihm als wesentlichste Schuld zur Last gelegt wurde, daß er an einer Versammlung des Akodemtker- b u n d e s Sangerhausen teilgenommen habe. Der ReichSausschutz der akademischen Berussstände hat denn auch gegen diese Amts- «nthebung in einem Schreiben an den Minister des Innern Pro- tcst erhoben. Wie die P. P. N. dazu erfahren, kann überhaupt nicht die Rede davon sein, daß Landrat von Spangeren in dem oben erwähnten Zusammenhang von seinem Posten entfernt worden sei. Ter Landrat, der inzwischen in den Neichsftnanzdienst ein- getreten ist, ist bereits am 1. Mai aus allgemeinen poli- tischen Rück sichten beurlaubt worden. Von seiner Teilnahme an jener Veranstaltung hat das Preußische Ministerium des Innern erst n a ch der Beurlaubung des Landvats, und zwar durch jenen P r o t e st des Aakademikerbundes, die erste Kenntnis erhalten. Ein anerkannter Justizirrtum. Der Anfang 1919 vom besetzten Rheinland nach Belgien transportierte und von einem belgischen Zivilgericht wegen seiner Tätigkeit am Ende der Okkupation in Belgien verurteilte deutsche Oberleutnant�Wilhelm Hertz au» Köln wurde nach erneuter Prüfung der Sachlage, nackdcm die belgische Staatsanwaltschaft zum dritten Male den Freilassungsantrag gestellt hatte, auf dem Gnadenwege auf der Grundlage des Justizirrtums aus der belgischen Haft ent- lassen. Zu einer erneuten Aufnahme der Sache trug besonders das anerkannt würdig« Verhalten des Oberleutnants Hertz während der Haft bei. vor allem der Umstand, daß er, als tbm im Dezember 1919 aus Anlaß des Todes seines Vaters durck den belgischen Justizminister Vandcrvelde eine einmonatige Rückkehr nach Deutsch- land gegen Ehrenwort gestattet worden war, diese ehrenwörtliche Verpflichtung durch pünktliche» Wtedereinsinden aufs genaueste er- füllte. Hertz ist bereits nach Deutschland zurückgekehrt. Besteht ans seinem Schein! Die französische Regierung kün- d i g t e auf Grund des Friedensvertrages die Konzeision der in Baden gelegenen Linien der Straßburger Straßenbahngesellschaft von Bübl nach Kebl. sie verweigerte den Weiterbetrieb und ent« ließ 40 badische Beamte. Nack Anordnung deS ReickSverlehrS- ministeriumS übernahm die Eisenbabngeneraldireltion Karlsruhe die Wetterführung deS Betriebs und die Beamten. Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für das ReichSnot- opfer ist endgültig bis Ende September d. I. verlängert worden. EewerMoftsbsWegung Der Setriebsrätekongreß. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, daß die Gewerkschaften die Träger der VetriebSrätebewegunn nicht nur sein müssen, sondern auck) sind, so ist es die Tätigkeit, welche die Gewerkschaften bisher ausgeübt haben, um den Betriebsräten innerhalb der Gewerkschaften die Möglichkeit zur Ausübung ihrer Funktionen zu geben. Am 21. Mai 1920 ist der Aufruf des A. D. G. B. und der Ästt zur Erfassung der Betriebsräte erschienen. In schneller Folge wurden dann die Richtlinien, der Arbeitsplan, die Leitsätze und die Normalsatzungen für die geworkichastliche Betriebsräte, entrale herausgebracht. Nun mehr ist in der Albeilerpresse der Ausruf zur Einberufung eines BetricbSrätckongresses nach Berlin zum 4., ö. und 6. Oktober er- schienen. Schneller, als weite Kreise der Betriebsräte wohl selbst gedacht haben, ist der aus allen Teilen Deutschlands von der Arbeiterschaft und Angestelltenschaft geäußerte dringende und berechtigte Wunsch nach Einberufung eines solchen Kongresses Tatsache geworden. Durch diesen von den freien Gewerkschaften einberufenen Kongreß wird «ine durchaus einwandfreie Willensäußerung der Betriebsräte aller deutschen Gaue, aller Jndustriegruppcn-uiid aller Berufszweige währleistet. Als Delegierte mit Stimmrecht können nur BetriebSl räte gewählt werden, und zwar nur solche, welche als Mitglied einer freien Gewerkschaft die sreigewerkschaftlichen Prinzipien und die sozialistische Weltanschauung anerkennen und die gcivählt sind von einer Kollegenschaft, welche auf demselben Boden steht. Die Verteilung der Delegicrtensitze ist auf die einzelnen Ge werkschaften nach Maßgabe ihrer Mitgliederzahl bezw. ihrer Bt> deulung für das Wirtschaftsleben erfolgt. So bat man den Land- arbeilern, um der Bedeutung der Landwirtschaft für die Volfo Wirtschaft gerade in der heutigen Zeit gerecht zu werden, 200 Dele giertensitze und den Angestellten(Technikern, Werkmeister», Kauf leulen, freie Berufe), welche ebenfalls im Produktionsprozeß be sondere und wichtige Funktionen zu erfüllen haben, Ivo Delegiertensitze zugestanden. Da andererseits die Gesamtzahl der Delegierten, wenn alle Verbände ihre Delegation voll ausnutzen, ca. 1100 be- trägt, ist wiederum eine Gefahr der Majorisierung der anderen Gruppen ausgeschlossen. Durch die Verteilung der Delegicrtensitze auf die einzelnen Gewerkschaften, welche ihrerseits wiederum die Veneilung auf die einzelnen Jndustrtegruppen und Wirtlchafts- gebiete vornehmen, ist gewährleistet, daß alle Bcrufsgruppen, auch zahlenmäßig kleine Gruppen, unter allen Umständen aus dem Kongreß ihrer Bedeutung entsprechend vertreten sind. Die Wahlen erfolgen ausschließlich durch die Betriebsräte selbst. Durch, diese Art der Zusammensetzung des Kongresses ergibt sich ein vollkommen einwandfreies Bild, und die Beschlüsse, die auf diesem Kongreß gefaßt werden, können von keiner Seite ange- zweifelt werden. Sie sind richtunggebend für die weitere Entwick» lung der Betriebsrätebewegung und der Arbeiterbewegung über- Haupt. In erster Linie wird auf dem Kongreß Stellung genommen werden zur wirtschaftlichen Lage Deutschlands, sodann zu den politischen und ökonomischen Machtverhältnissen und zur Soziali- sierung. Hierin ist daS gesamte Arbeitsgebiet der Betriebsräte, deren Aufgabe es ist, sich in die Wirlschaft einzuarbeiten und die- selbe im Interesse dir Allgeineinheit zu übernehme», scharf um- grenzt. Die sich hieraus ergebenden Beschlüsse deS Betriebsräte- kongresses werden daher ebenfalls von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Betriebsrätebewegung sein. Die Schlußkolge- ruiigen hieraus sollen dann bei PunktZ der vorgesehenenTageSordnung „Die Aufgaben der Betriebsräte' gezogen werden, und im letzten Punkt der Tagesordnung.Die organisatorische Zusammenfassung der Betriebsräte' sollen dann die vom A. D. G. B. und der Afa herausgegebenen Richtlinien eine Sanktion erhalten unter Berück- sichrigung der Acnderungen, die sich eventl. aus der prakiischen Er- sahrung heraus für nötig erwiesen haben. � Der so zustandegckommene organisatorische Aufbau ist maß- gebend für sämtliche freigewerlschaftlichen Betriebsräte und für sämtliche Mitglieder der freien Gewerkschaften. Die dadurch erzielte Einheitlichkeit des Arbeilens ist dann als ungeheuerer Gewinn zu buchen. Kostbare Zeit ist bisher versäumt worden mit Streitigkeiten über die Organisationsform, Bildung be- soliderer BelriebSrätezcntralen usw. Alle diese, die Arbeitskraft vieler Betriebsräte bisher lahmlegenden Auseinandersetzungen kommen dann in Wegfall. Die praktische Arbeit, die uns aus der fetzigen Wirtschaftsform heraus und unserem Ziel«ntgeg«nführen soll, tritt ausschließlich in den Vordergrund. E« ist daher nunmehr Aufgabe der Betriebsräte, welche auf diesem Standpunkte stehen. im Laufe der nächsten Wochen innerhalb ihrer Gewerkschaften mit aller Energie den Boden vorzubereiten, damit zu dem Kongreß nur Vertreter entsandt werden, die durch Sachkenntnis in der Lage find, im Interesse der gesamten freigewerkschaftlich organisserten Arbeiter- und Angestellten und damit des gesamten Volkes zu wirken. _ Clemens N ö r p e l. Tie Krise in der Holzindustrie. Die Berliner Holzarbeiter hielten am Mittwoch in der Neuen Welt eine gemeinsame Versammlung der Ge ne rawc r sam ml u ngS- delegierten, Betriebsräte und Arbeitslosen ab. Der 2. Vorsitzende Zirkel berichtete über die Torifamtsvethandluiigen, die mit einem Schiedssprüche dek Tarifamtcs endeten. Von den Unter- wehmern wurde der Schiedsspruch abgelehnt. Die Berliner Un- te rnchme rorganisation hat die Berliner Verwaltung aufgefordert, in eine Verhandlung über die gegenwärtige Wirtschaftslage und Anpassung der Löhne oinzutreten. Das hat die Verwaltung ab- Partei- unö Hewerksthastsmitglieöer! Durch den Aufruf vom l8. d. MtS. ist der Oeffentlichkeit die Einberufung deS ersten freigcwerkfchaftlichen Betriebsräte- Kongresses zum 5. Oktober bekanntgegeben. Die Zahl der Delegierten wird etwa 1100 betragen. ES ist brabsschtigt, vor Znsammentritt dcö Kongresses jeSem Delegierten möglichst ein gutes Logis zu besorgen. Partei- und Gewerkschaftsmitglieder, die in der Lage sind, gegen entsprechende Entschädigung Delegierte vom 4.-7. Oktober anfzunehmen, werden erfocht, dieses unter An- gäbe ihrer genaue» Adresse und Zahl der Aufzunehmenden mit dem Vermerk:„Untcrknnft"(auf dem Bricfnnischlag) an die Gewerkschaftliche BctriebSrate-Zentrale deS Allgemeinen Deutschen GcwerkschaftSbnndes> ngs teilnehm er. Außer seinen gelegentlichen Ausfällen gegen die anderen Richtun- gen der Anbei terbewegung koimie er zu einem solchen Thema nichts anderes sagen, als RechtSsozialistcn und Unabhängige. Ausdruck- lich erklärte er aber noch, er wisse keinen Weg, wie den Arbeits- losen jetzt aus der Not geholfen werden könne. Wer daZ wollten die Arbeitslosen gerade hören. Er verwies si« auf die Befreiung vom Kapitalismus, forderte zur Tat auf, zur Gründung einer neuen Organisation und Wahl von politischen Arbeiterräten. Zum Schluß wurde«ine von Anhängern der Rät« zentrale der Münz- straße cingebrochee Resolution von der stark gelichteten Vcrsamm- lung angenommen. VerbandStage der freigewerkschaftlichen Gastwirts« gehilfcnvcrbände. Der Verband der G a st w irt S g e h i Ifen, der Bund der Hotel-, Restaurant« und Cafö-Ange st eilten sowie der Verband der K ö ch e berufen für Dienstag, den 19. Oktober und folgende Tage einen außerordentlichen VerdandStag nach Erfurt ein.— Gemäß der Beschlüsse des in Leipzig im April 1920 stattgefundenen FaSkongresieS tagen die Berbondstage zunächst jeder für sich, um die Schlußberichte ihrer Hauptverwaltungen entgegenzunehmen und sonst!» für die Auflösung jedes verbände? nötigen Formalitäten zu erfüllen.— Im unmittelbaren Anschluß an die Auflösung sollen die drei Verbände unter dem Namen: Verband der Hotel-, Restaurant- und Eafö- Angestellten als langersehnte Einheitsorganisation der gast- wirlschafttichen Angestellten wiedererstehen. ReichsverstcherungSanstalt für Angestellte. Am Miltwech abend fand im KriegervercinShause in der Ehausseestratze ein« Versammlung de« Beamten der ReichSversiche» rungöanstalt für Angestellte statt, zu der die Mitglieder des Di- rektorlumt und des Be r Wal tu ngS ra le S eingeladen, aber nicht er- schienen waren. Zum ersten Punkte der Tagesordnung,„Reorgani- saüon", hielt Höhle vom Betriebsrat ein längeres Referat und führte darin aus, daß die seit 1913 bestandenen Systeme, auch das jetzige, sich als unvollkommen und unburchsührbar erwiesen hätten. Dem Ruf deS Betriebsrates, selbst«in neues System auszuar- besten, seien sehr viele Kollegen gefolgt, und«s ließe sich mit Recht sagen, daß viel« Arbeiten darunter waren, die vollkommen durch- oacht und als auSgezoichnot zu betrachten sind. Fast ausnahmslos sei«in Markensystem gefordert worden. Eine Kommission, die daraufhin vom Direktorium bestimmt wurde, in der drei mittlere Beamte nur Sitz, aber keine Stimme hätten, beschloß,«in Marken- systrm auszuarbeiten. In der Diskussion wunde gefordert, daß in der Kommission statt drei fünf mittler« Beamte Sitz und Stimm« bekommen. Die Beamtenschaft erhebt auf das Mit- bestimmungsrecht Anspruch Beim Zwesten Tagesordnungspunkt,„Besoldungsrefonm', rollte der Vorsitzende Lu scher die Vorgänge nochmals auf und zeigte deutlich, wie durch die Verschleppungstaktik des Direktoriums die Beamtenschaft in Not und dadurch bogneiflicheriveise in Unruhe ge- bracht wurde, die sich dadurch noch vergrößert hatte, daß das Disziplinarverfahren gegen Mitglieder des Gewerkschrftsvorstandes eröffnet wurde und auch heute noch nicht cingeitellt sei. In der Diskussion wurde nochmals das reaktionäre Treiben de? Dirck- toriums gebrandmarkt und zum Schluß ein« Resolution augcnom- men. in der es u. a. heißt, daß die Beamtenschaft die gegen ihren Vorsitzenden eröfftietcu Disziplinarverfahren als auch gegen sich selbst eröffnet ansehe und sich alle gewcrlschaftlichen Ria ß nahmen voroohaltc. » Wie uns mitgoteilt wird, hat auch die gestern tagende Ver- ivaltungsratssitzung abermals die Sache der Besoldungsreform bis zum 10. September zurückgestellt, ohne der Veamtcuvertrewng auch nur ein« Mitteilung zu machen. Einissvngsverhandlungen im Hamburger Verkehrsstreik. Hamburg, 19. August.(TU.) lim den Abbruch des Hamburger VerkehrSftrcikS zu beschleunigen, hat der W i r t s ch a f t s r a t seine Vermittlung angeboten, die von beiden Parteien angenommen worden ist. Die Einigungsverhandlungen sollen Sonnabend bc- ginnen._ Der„Herr im Hause" schlicht den Betrieb. Die chemische Fabrik Calle u. Cie. in Biebrich wurde wegen Streitigkeiten der Arbeiter- schaft mit der Direktion nach Meldung des WTB. geschlossen. Sämtliche Arbeiter wurden entlassen, die Be» amten und Angestellte» der Fabrik einstweilen beurlaubt. Deuttcher Transportarbeiter- Berband. Betriebsräte, Betriebs» leiste und Funktionäre der Rolllutscher und SpeditionSarbeiter uiw. Montag, den 2Z. ilugust, abends 5'/, Uhr, bei Bökcr, Weberslr. t7: 8»- sammcnkunst mit den Funktionären der Angestellten der Soeditionsbranche. Tagesordnung: Aussprache über das gemeinsame Zusammenarbeiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Betrirgoriite, Obleute«nd Funktionäre der Deutschen gsilm- gewerkschaft, Ortsgruppe lSroü-Bcriin Sonnabend, den St. August, nachmittags 2>t, Uhr, im Alten ASkanicr, Anbaltstr. II: Vollvermmmlung. Tagesordnung' Stellungnahme zu den BelriebSrätesragen. Ncjercnlen beider Richtungen haben ihr Erschetiien zugesagt. WetterauSsichten kür das mittlere Norddentschlanb bis Sonnabend mittag. Zeitweise ausklarend, jedoch überwiegend bewölkt, mit öfter wiederholten, im Küstengeblet noch ziemlich starken Gewitterregen und weiterer Abkühlung. Verantwortlich fttr den redaklionellen Teil: H. Leptre-Hermedori: lttr Anzeigen! Tb. Glocke. Berlin. Verlag! VorwSrtZ-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck! Bor- wärtS-Buchdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer u. So., VerU.I. Lindensir. 3. Hierzu 1 Beilag«. �___» mtsn&eandX DUJARD/N e�Cf 0.m.b.n URDINGEN Rh. LÄPOC/ICLLE(co&nc-cmocNTt MM'tVJC Pfl rii irm 511 iraiiii® Aö Danp.VollfdtkdSic Pfd. 15" Danifch. Pdf käse- tflr Holland. Kakao-£0- Viktoria Erbsen- 2 Ii aferf locken• 2 50 Bu H er handlungen» Loitlcv, Union r Ladcwig �Rckhcll, Assmonn