nk417«57. Jahrgang flusgabe B Nr. 71 BezuliSvreiS j C«cteltälirLSO.—.ji:_monQtl.lO,— Kt tti'>nf>>au« aorous ahtdai. voft- o-un-lücnatlu 10.— ML etfLSu- ftfnunasqebühr. UnntRrmjbanb für LiutichUmb ur.b Offterteich 16, 0 ML für bo» ubnjt Xuslanb o«t taslld) »tomaL SuMunc 2150 T-nOif OeOunqen nehmen in Oeftcrreidv Ungarn, Tschecho- Slowake!, Sane- mar!, iollonb..ucemburg, Schweben nnb bie Stbroeu.— �inqrtraont m bte Soll-setmno»-$cei»iiftr. Der„Sorroirtb* mit ber Sonmag» betlage.Soll u. Reit* ericheint woäien» töglid) jroeimr.i Sonntag« unbffion- tag«»inmaL Stlegramm-'HOreffe .Sajial&omolrct OctUo". Abend Ansgave Berliner VolKsblntt (20 Pfennig) AnzetsienvreiS: Sie adjtgelpaltcne älonoarelDeietle {oftriS.— M.. Teuerungszuschlag 50«/«. »aieine, Unjeigco". da»(ett- gebrudte ffiott 1,— M.(julblfig, zwei tengebnnfte ffiortel.:ebe» wettere ffiott 60 Pfg. Stellengesuche unb Schlafsiellenanzetge» das erste Wort 65 Psg. jebe« weitere Wort 40 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlaa 50°,» �amilien-Anzetgen Mr Abonnenten geile 2,— M. polltiiche unb ie» werkschaftliche Vereins• Anzeigen S,— Mi. bie gelle ohne Aufschlag. Anzeigen siir die nächste Nummer müssen b>, 8 Ahr nachmittag» im Hauntgeschäst, Berlin SW 66, Linben- strahe 6, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bie 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratlfcben parte» Deuttcblands Neöaktivn und Expedition: 6X0.6$,£inden|h. 3. «crnfnredier:?lmt Morinvia«, Nr. 15190—15197. Sonnabend, den 551 Augnft 1V550 Oorwärts-Verlag G.m.b.H.,€10.6$,£jnöenstr.3 Fernsprecher: Amt Morinplnn. Nr. 117 55— 54. Protest öer üeutsthen Regierung. Wie wir don guständiger Seite erfahren, bereitet die! Schwindel, daß die RÄerepiiMik im ganzen Rheinland und in deutsche Regierung eine Note vor, in der sie gegen die von der Entente erhobenen Verdächtigungen pro t e st i c r t, nach denen die deutsche Regierung an den Un- ruhen in Kattowitz nicht unschuldig ist. Angleich verlangt die Regierung, die Interalliierte K o m m s s i o n in Lbcrschlcsicn solle die ihr durch den Friedensvertrag ob- liegende Ausgabe eines Treuhänders in u n p a r t.e i i s ch e r und energischer Weise auch den Polen gegenüber durchführen. Kämpfe mit den Polenbanden. Kattowitz, 20. August. Bis um Mitternacht ist rS völlig ruhig. Normale Zustände dürften in kurzer Zeit her- gestellt fein. Tie BcfatzungSttuppen sind hier vollkommen Herr der Lage. Ter Landkreis Kattowitz befindet sich dagegen noch vollkommen in den Händen der polnischen Jusur- g e n t e n, die heute ihr Unwesen auf den Kreis P l e ß ausgedehnt haben. Hier wurde der Ort Anhalt in Brand ge- steckt, Jmilin und Benin sind bedroht. D i e Bevölkerung flüchtet hier und anderwärts aus Oberschlesien. An einzelnen Orten ist es zu schweren, verlustreichen Kämpfen zwischen Sicher- hcitSwehr und Ausständigen gekommen, fo in Bogutschüp-Süd, Laurahütte und M h S l o w i p, wo eine Hundertschaft ent. waffnrt und gefangen genommen wurde. Die SicherhcitSwehr ist an Zahl und Bewaffnung unterlegen und hat einen außerordentlich schweren Stand. Das Auftreten von reguläre« polnischem Militär scheint festzustehen. Der Belagerungszustand ist über Kattowitz-Land ausgedehnt worden und dürfte auch über den Kreis Pleß verhängt werden. Der Bahn- und Postverkchr im AuSstandSgcbiet ist gestört. Tie Streikbewegung der polnische» Bergarbeiter dehnte sich heute abend von den östlichen Krenzrevirren bis nach Hindenburg aus. Die RotstandSarbeiten werden, soweit Meldungen vorliegen, verrichtet. Bruthen» Gleiwitz und das ganze Oberschlesien westlich des Kreise« Pleß ist vollkommen ruhig. der kommuniftisthe Spuk von Velbert. Au« Elberfeld wird uns über den kommunistischen Spuk in Velbert, von dem wir schon im Morgenblatt Mitteilung wachten, noch telegraphisch berichtet: In Elberfeld fand auf dem Exerzierplatz ein« don der K. A. P. D. einberufene Versammlung statt, die don etwa 1500 Personen besucht war und in der hier unbekannte Redner die Arbeiterschaft aufforderten, sich zu bewaffnen und die Arbeiter in Velbert, Neviges, Iserlohn usw., die in schwerem Kampfe ständen, zu unterstützen. Das eVrhalten der unabhängigen„VolkStribüne", die sich erlaubte, durch Flugblätter die Arbeiter vor Unbesonnenherten zu warnen, wurde von den Rednern als Verräterei gebrandmarkt. In Velbert verbreitete die K. A. P. D. am Freitag vormittag Flugblätter auf den Straßen und in den Betrieben, in denen das Volk zum b e- wafsneten Kampf aufgefordert wurde und die in dem Schlagwort ausklangen, daß die Diktatur de» Prole» tariatS und die Räierepublik ausgerufen»verde. Der K. A. P. D. gelang eS, einzeln« Betrieb«, in denen meistens nur drei Tage gearbeitet wird, stillzulegen. Die Demonstranten zogen vor da? RathauS und dort wurde für Velbert in flammenden Reden die„Räterepublik verkündet'. Sodann wurden das Rat- hauS, die Post usw.„besetzt". Man argumentierte mit dem l Westfalen ausgerufen sei. In der Nacht zum Sonnabend wurden aber die Kommunisten, die unter Führung eines gewissen Graß standen, durch Elberfelder Sicherheitspolizei wieder vom Rathaus verlrieben und die verfassungsmäßigen Zustände wieder herge- stellt. Von den von der K. A. P. D. bei der Reichsbank„beschlag- nahmt«»" 1 100 000 M. fand die Sipo eine Million Mark im RathauS vor. Sämtliche Parteien, einschließlich der S-ist. D. und ll. S. P. D. haben sich am Freitag sofort öffent'ich gegen den kommunistischen Putsch erklärt. Außer in Velbert haben sich im Bergischen Lande im Verfolge der Arbeitslosendemonstration besondere Vorkommnisse nicht ereignet. Es herrscht überall Ruhe und in fämtöichen Be- trieben wird gearbeitet. « Zu dem Putsch in Velbert meldet WTB.: Düsseldorf, 21. August. Der Regierungspräsident teilt mit: Velbert, wo gestern die Räterepublik ausgerufen worden war, ist heut« in den frühen Morgenstunden durch Sicherheit«- Polizei Abteilung Essen genommen worden. 25 kom- munistische Aufrührer wurden verhaftet. Di« verfassungsmäßigen Zustände find in Velbert wieder Hergestellt. Putschversuche auch in Elberfeld. Köln, 21. Lugvst. Die„Kölnische Zeitung" meldet anS Elberfeld: Die Arbeitslose» veranstalteten gestern mittag wieder eine Kundgebung, bei der durch die Wortführer b«t Stadtverwaltung eine Anz-thl von Forderungen unterbreitet wurde'». Nachmittag» sevte ein mißglückter Pntschver- such eines Häuflein» Anhänger der K. A. P. D. ei». In einer Bersammlung auf dem Exerzierplatz hatten ihre Redner zum so- fortige« Handeln, znr Ausrufung der Räterepublik und Diktatur des Proletariat« aufgefordert, und etwa 1000 bis 1S00 Personen zogen zum Rathause; eS war vor de« Anrückenden aber rechtzeitig verschlossen worden, ein Trupp zweigte zum Polizei- gefängni» ab, um dort die Herausgabe der Waffen zu be- wirke». Man konnte sie jedoch durch gütliche? Zureden zum Abzug bewegen. Bor dem Rathause blieb bie Menge noch längere Zeit versammelt. Zur größeren Sicherheit war eine Abteilung Sicherheitspolizei herbeigerufen worden, die da« Rathaus mit drei Maschinengewehr«»« umstellten. Die Sicherheitspolizei konnte nach einiger Zeit wieder abrü/rn. Putschgerüchte ans Sluljalt. Magdeburg, 21. August. lWTB.) Seit gestern abend ist der Zugverkehr mit Köthen unterbrochen. Die Züge werden über Dessau geleitet, Personenzüge verkehren bis Wulfen. Gerüchten zufolge sind in Köthen kommunistischen«. ruhen ausgebrochen. (Augenscheinlich handelt eS sich in Käthen»vi« in Velbert um ein planmäßiges Zu-sommenarbeiten der Kappisten und Kapdisten, da« ja schon wiedevholt. wie in Sangerhausen, zu verzeichnen war. Di«.Ntachvichteustellen" müssen doch bewstsen, daß st« und rhve Auftvaggeber notwenditg« Sinrichtmigen sind.) Demonstrationen in Nürnberg. Nürnherg, 2l. August. Gestern nachmittag veranstalteten etwa 1000 Erwerbslose, wie der.Fränkische Kurier" berichtet, vl>r dem RathauS eine Kundgebung und verlangten Erhöhung der Unterstützungssätze. Eine starke Abteilung der Sicherheitswehr zerstreute die Teilnehmer ohne Zwischenfall. Ausweisungen aus üem Saargebiet. Knebelung der Presse. Saarbrücken, 21. August.(Tll.) Nachdem die RegrierungS- kommission das durch die Militärbehörde Über mehrere deutsche Zeitungen des Saargobietes verhängt« Verbot aufgehoben hat', Wurde die ihr mißliebige deutsche Presse dadurch mundtot gemacht, daß sämtliche Redakteur« dieser Zeitungen Befehl erhiel- ten, binnen 48 Stunden das Saar- bzw. das besetzte Gebiet zu o e r l a s s e n. Es handelt sich um den Verleger Richard Hofer, fern:r um sechs Redakteure der»Saarbrücker Zeitung", vier Re- dakteure der„Saarbrücker LandeSzeitung", zwei von der.Neun- kirchener BÄkszeitnng". zwei von der.SaarlvuiS-Zeituny" und einer von der..Saarzeitung". Außerdem befinden sich zwei Redak- teure der„Saarbrücker Zeitung" in Hast. Der ein« von ihnen wird beschuldigt, Spionagegelder empfangen und verteilt, die Sicherheit der französischen Armee gesäihrdet und sich an einem Komplott gegen die Saarregierung beteiligt zu habcn. Bemerkenswert ist. daß sämtliche Ausweisungsbefehl« von der französischen Behörde nach der Aushebung de» Be- lagerungszu stände« erfolgten. Nach dem letzten Berg. arbeiterstreik im Oktober b. I. hatte die Regierungskommission auS» drücklich erklärt, daß in Zukunft keinerlei Ausweisungen aus dem Saargebier mehr erfolgen würden. Anläßlich des Saavbeamten- streiks traten bekann-rlich die deurfchen Bergbea-mren der französi- scheu Saargrubeuverwaltuug in einen 48pfibigpi Stzmpachi-, streik. Di« französische Bergverwaltung hatte daraufhin 60 Steiger sofort ihrer Stellung enthoben. Di« Familien der Eisen- bahnbeamten, die zur Eiseubahndirektion Saarbrücken ge- hören und in Trier stationiert sind, müssen auf Befehl der Saar- regierung bis zum 1. September ihr« Wohnungen im Sa r gebiet geräumt haben. _ dentfchöfterreichs Verfassung. Wien, 20. August. Der Unterausschuß des VerfassungSauS- schusseS hat heute den Artikel über di« Zusammensetzung des Bundesrat» beschlossen. Danach sind die Länder im Ver- hältni« zu ihrer Einwohnerzahl in der Weise vertreten, daß das Land mit der größten Einwohnerzahl 12 Mitglieder, und jedes ander« Land st vi«! Mitglieder entsendet, als dem Verhältnis seiner Einwohnerzahl zu der erstangeführten Einwohnerzahl ent-: spricht. Zum Bundespräsidenten kann mir gewählt werden, »ver da« aklive Wahlrecht zum Natconalrot besitzt und vor dem 1. Januar des Jahres der Wahl das 24. Lebensjahr überschritten hat. Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind Mitglieder regierender oder ehemals regierender Häuser. Gewäblt ist, wer mehr al« die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Kommt ein« solche Mehrheit nicht zustande, wird der Wahlgang s o � lang« wiederholt, bis sich ein« unbestreitbare Mehrheit für � tust Perjonlichkett ergibt._' Solschewismus und Gewerkschaft Der Dolschelvisnrus hat sich min feit nahezu drei Jahren in Rußland am Ruder erhalten: er hat auch in anderen Ländern eine Schar begeisterter Anhänger gefunden, die ihre Blicke verzückt nach Moskau lenken, dem Mekka der neuen Lehre. Für den nüchtern Urteilenden ist aber die Geduld, mit der das russische Volk das bolschewistische Gewaltregiment trägt, noch kein Beweis für die Nichtigkeit der von Lenin und seinen Jüngern verkündeten Lehre. Die breite Masse der russischen Bauern erträgt den Bolschewismus mit der gleichen Geduld, mit der sie vorher den Zarismus ertragen hat. Der Bolschewismus ist aggressiv. Er stützt seine Herr- schaft in Rußland auf Gewalt, und mit dem gleichen Mittel sucht er sich neue Gebiete zu erobern. Die Lockrufe, die jetzt von Moskau ausgehen, um die w e st e u r o p ä i s ch e n G e- werkschaften für den Bolschewismus zu ge- Winnen, kann man nicht gerade als Sirenengesänge bezeich- nen. Sie zeugen von einem starken Selbstbewußtsein der russischen Propheten und erinnern ein wenig an die Metho- den, die Mohammed anwandte, um die Ungläubigen für den Islam zu gewinnen. Das gilt insbesondere für eine Schrift des Russen Schlapnikoff, die der Chemnitzer Kommunist Brandler dem deutschen Publikum vermittelt. Der Zweck dieser Schrift soll es sein, die Propaganda für den Anschluß der Ge- werkschaften an die kommunist ische Partei zu fördern. In der K. P. D. herrscht jetzt, wie Brandler im Vorwort mitteilt, Klarheit über den Weg zur Eroberung der Gewerkschaften.„Die Partei hat sich dafür erklärt, inner- halb der Gewerkschaften durch Fraktion?» bildung im Sinne der kommunjstischen Pa« rolen zu arbeiten. Die Gewerkschafren sollen Stüz- punkte und Organe der kommunistischen Partei werden: da- für soll das russische Beispiel vorbildlich sein. Nach einer vom ersten allrussischen Gewerkschaftskongreß beschlossenen Reso- lution sind die Gewerkschaftsorganisationen Organe, welche berufen sind, für die Diktatur des Proletariats und für die Verwirklichung des Sozialismus zu kämpfen. Von einer eigentlichen gewerkschaftlichen Betätigung der russischen Gewerkschaften weiß Schlapnikoffs Schrift, die „aus der Gewer k�chaftsbewegung in Ruß- landbiszurEroberungderMacht" berichten will, wenig zu erzählen. Das ist begreiflich: die sogenannten Ge- werkschaften in Rußland sind Kinder der Revolution, vorher gab es nur sehr schwache Ansätze zu einer Gewerkschaftsbewe- gung in Rußland. Heber die Organisationsform sagt Schlapnikoff, daß die Russen ihre eigene Erfahrung„wie auch die ganze Erfahrung dckr internationalen Gewerkschafts- bewegung" benutzten.„Und wir nahmen aus dieser Ersah- mng ihr letztes Wort— Vereinigung der Arbeiter nach Ar» beitsplötzen ohne Hinsicht auf Gewerbe und Beruf(Industrie- verbände)." Diese Darstellung zeigt, daß die Russen, die über eigene gewerkschaftliche Erfährungen nicht verfügten, auch die Erfahrungen der internationalen Gewerfschastsbe- wegung nicht benutzt haben. Das, was Schlapnikoff alS .�ndustrieverbände" bezeichnet, nennt man in Deutschland.LZetriebSorganisation". Sie besteht hier und auch in anderen Ländern, aber nicht als die höchste Stufe einer Entwicklung, sondern es waren reine Zweck» m ä ß i g k e i t s g r ü n d e, die zur Anerkennung dieser Or- ganisotionsform führten, netzen den Jndustrieverbänden, im deutschen Sinne dieses Wortes. Es sind auch nur einige, ver- hältnismäßig junge Gewerkschaften, wie Gemeindsarbeiter, Eisenbahner usw.. für welche die Betriebkorganisation zuge- lassen ist. In ähnlicher Weise sind die Gewerkschaften in allen übrigen Ländern aufgebaut. Die Organisationsfor-n ist überall Sache der Zweckmäßigkeit. Die Entstehung der russischen Gewerkschaften läßt die dortige For'm verständlich erscheinen. Aber weil sie das r u s s i s ch e T o r b i l d k n e l> tisch nachahmen, predigen auch unsere. deutschen Kom- munisten die Betriebsorganisation als gewerk- schaftlichcs Prinzipl Auf dem ersten allrussischen Gewerkschaftskongreß, an- fangs Januar 1918 waren 2 638 812 Gewerkschaftsmitglieder vertreten; ein Jahr später war die Mitgliederzahl noch Schlapnikoff auf 4 422 600 angewachsen. Dieses Wachstum wirkt nicht sehr imponierend, wenn man den an anderer Stelle der Schrift in Fettdruck wiedergegebenen Satz berück- sichtigt:„Besonders streng überwacktten die Arbeiter die Pflicht. Mitglied der Organisation zu sein. Sie brachten es so weit, daß ein Unorganisierter keine Arbeit bekommen konnte, und erreichten damit, daß sich jeder Arbeiter gewerkschaftlich organisie- ren mußte." In den ersten Wochen der Eristenz der Ge- werkschaften, also im Frübsahr 1917, war die Streikbewegung ganz außerordentlich lebhaft. Sckflnvmkoff rühmt den neuen Organisativnen nacki:„Alle wilden Streikbewe- gungen wurden von der Organisation in strengster Weife unterdrückt". Das war recht ver- vünstig und jollte unseren deutschen Konummisteg als Bus. bißi drenen. Aber gerade sie rechnen«S den Konzen' ote 'chwere Sünde an, Nxnn sie sich gegen wilde Streiks et- klären. ' Für die Entwicklung der eigentlichen Gewerkschaft� tatigkeit blieb den russiichen Gewertichasten nicht viel Zeit. Ganz richtig'agt Schlapnikoff:„In dein Augenblick, wo die politische Macht in den Händen der Arbeiterklasse lag, mußte sie aus das Schicksal der ökonomischen Organisation des Proletariats gegründet oder ricktiger von diesem übernommen werden." Es ist ganz natürlich, daß in der sozio- Ij st i s ch e n Gefells cha f t, und als idlche will doch die Sowjetrepublik angesprochen werden, den Golverkschaften g a n z andere�Aufgaben obliegen, c l s i m k a p i t a- l i it i s che n Staat. Tie Gewerkschastsorganisationen nehmen, wie Schlapnikoff berichtet, an der Leitung der ganzen Volkswirtschaft von unten bis oben teil. Tie Regulierung der A r b e i t s I ö h n e erfolgt in Äuß- land aus dem Wege der Gesetzgebung. Sie richtet sich nach dem Grade der'Schwere, Kompliziertheit und Quali- iikalion der Arbeit. Tas ganze Land ist in Zonen, je nach der Teuerung der betressendeu Orte, eingeteilt. Die ständig mach' ende Teuerung hat die Arbeiter vor das Problem der Bezahlung in Naturalien gestellt, doch läßt der herrschende Warenmangel eine Lösung dieses Problems nur wilaveise zu. Interessant ist, daß Schlapnikoff von den Ge- . werfMasten erzählt, daß sie die Verbesserung der m a- r e r r e l l e il Lage der Arbeiter von der Entwicklung der Produktionskräfte des Landes abhängig machen. Zu diesem Zweck haben sie in den Fabriken das Sy- stem der S t ü ck z a h l u n g eingeführt. Auch Prämierungs- 'ysteme wurden ausgearbeitet. Teutfche Gewerkschaften, die sich solcher Taten rühmen wollten, würden von unseren Nachbetern nissischer Vorbilder bös gerüffelt werden. Die russischen Gewerkschaften sind nach ihrer Geschichte und der Tendenz ihrer Entwicklung Organisationen, die sich von den Gewerkschaften der übrigen Länder wesentlich unter- 'cheiden. Während diese Kampforganisationen lind, die ihre Kräfte täglich mit dem Unternehmertum und einer ihnen im allgemeinen wenig wohlwollend, um nicht zu sagen feindlich, gegenüberstelwnden Staatsgewalt messen müssen, sind die russischen Gewerkschaften in gewisser Hinsicht Träger der Staatsgewalt. Sie tragen zu einem guten Teil die Verantwortung für die Entwicklung des gewerblichen und industriellen Lebens in Rußland. Ueber dessen Stand erfährt man aber von Schlapnikoff nichts, und was man aus anderen Quellen erfährt, ist für die-verant- wörtlichen Stellen, zu denen eben die russischen Gewerkschaf- ten gehören, wenig rühmlich. Die russischen Gewerkschaften glauben aber aus �der Tatsache, daß sich die Gewaltherrschzaft des Bolschewismus in ihrem Lande bisher behauptet hat. das Recht herleiten zu dürfen, als Lehr m ei st er für die Gewerkschafts- beweg ung, der ganzen Welt aufzutreten. Auch Schlapnikoff gefällt sich darin, sich über das„scksindliche Be- nehmen der alten Führer und Bureaukraten der Gewerk- schaftsorganisationen" zu entrüsten. Gegen den Krieg haben alle Arbeiterkongresse Resolutionen angenommen,„und den- noch stand die Mehrl)eit der Arbeiterorganisationen auf der Seite isirer Bourgeoisie und verriet den elementarsten Be- arifs der gemeinsamen Interessen des Weltproletariat". Gegen diese Selbstgefälligkeit, die übrigens keine Eigen- ftimlichkeit der Russen ist, sondern die sie mit ihren deutschen Nacbbetftn gemein haben, muß einmal ein deutliches Wort ae'agt werden. Wo war denn die r ü s s i s ch e A r- beiterbewegung beim Beginn des Krieges? .Hat man damals etwas von Kundgebungen gegen die Ent- nsselung des Krieges gehört? Im Gegenteil, die zaren- begeisterten„Schwarzen Hundert" beherrschten die Straßen der Hauptstädte. Wo sind die damaligen Hooligans, die Ver- austalter grausamster Pogrome geblieben, wo ist der pa- triotische Pöbel von damals? H e.u t e bekennen sie sich zum Bolschewismus uckd füllen die Reihen der gesinnungslüchtigen russischest Gewerkschaften. Und wenn i die Konjunktur wieder umschlägt, dann wird man sie in den Reihen derer finden, die mit Wollust über die bestegten Bolschewiki herfallen und sie an den Galgen liefern. ll n g a r n, das auch einmal eine Zeitlang bolschewistisch war ist dafür ein sprechendes Beispiel. In Deutschland ist es ähnlich. Hier gibt es manche „radikale" Führer, die erst in den Novembertagen ihr proletarisches Herz entdeckt haben. Vorher war mancher von ihnen kaisertreu bis auf die Knochen. Es gibt unter ihnen Leute, die mit Stolz die Orden trugen, die ihnen für ihre Schreibtischtätigkeit zur Förderung der K r i e g s st i m m u n g verliehen wurden, heute aber 1„voll edler Entrüstung" jene anklagen, die, als das noch mit i Gefahr verbunden war, für die Wahrung der Arbeiterinter- essen eintraten, die alles getan.haben, den Ausbruch des ! Krieges zu verhüten, dabei aber die Pflicht zur Verteidigung des Vaterlandes und der Heimat anerkannten. Das öoppelte Gesicht. Die„Germania" scheint zu bereuen, einmal an Hand der Statistik nachgewiesen zu haben, daß es um die .Parität in den Schulen unter dem neuen Regime besser bestellt ist als in der Zeit vor-der bösen Revolution. � Oder sollte sie einen zarten Wink von oben erhalten ha�en? Sie schreibt in der Sonnabendmorgenausgabe unter' der Ueberschrift„Genau wie fr-äher!" Die Stellend e s e tz u n g« n, die vom Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung vorgenommen werden, geben dem j katholischen Volksteil in Preußen nach wie vor zu den begründeten ! Beschwerden und schärf st er Entrüstung über die Nichtbeach- | tung der zu Hunderten Malen vorgebrachten Paritätsklagen An- laß. Im Ministerium des Herrn Haenisch herrscht noch der vor- ; revolutionäre katholikenfeindliche Preuhen- ge i st; man merkt wohl dabei einen sozialistischen Einschlag, sonst | aber ist alles beim alten geblieben. Wir müsien gestehen, daß uns dieser plötzliche Entrüstungsschrei, nachdem man erst einige Tacje vorher das Gegenteil festgestellt hafte, unerklärlich ist. Wenn im übrigen darüber geklagt wird, daß sich das Kultusministerium um den Parlamentärs- schen Staatssekretär des Zentrums im Mini- sterium nicht kümmere und daß im Kultusministerium kein einziger Katholik in leitender Stellung sei, obwohl das Zen- trum in Preußen an zweiter Stelle stehe, so dürfte dies doch wohl an dem betreffenden Herrn und an dem Zentrum selbst liegen. Jedenfalls wirkt diese nachträgliche Klage einigermaßen sonderbar._ Olmüer Eifer... Der Husarenritt des deutschnationalen Generalleutnants Keim gegen seine Kollegen von der Deutschen Polkspaftei lmt bei den Kettenbefreiern nicht wenig Aufregung hervor- gerufen. Man weiß nicht recht ist's Scherz, ist's Ernst und erwidert auf alle Fälle mit Zuckerbrot und Peitsche. Die„Deutsche Volkspartei" läßt durch ihren Pressedienst eine Entgegnung verbreiten, in der es heißt: Zusammenfassend sei gesagt, daß sich die Deutsche Volkspartei dem drängenden Appell ihrer Wähler nicht entziehen konnte, daß sie, nun einmal Teilhaberin der Regierung, alles tun wird, um ihren Einfluß zu verstärken, daß sie, um ihren Ansichten und Absichten den nötigen Boden zu verschaffen, des geschlossenen nationalen Willen? bedarf, an dessen Srzrelung ihr daher selbst am meisten gelegen sein muß, und daß sie Verdächtigungen und Anwürfe, wie sie sich Herr Keim in blindem Eifer gestattet hat, leicht abzuschütteln weiß. Wenn Herr Keim, der aus dem äußersten rechten Flügel der Deutschnationalen steht, seine Partei, mit der die Deutsche Volkspartei nach wi� vor im guten Einvxr» nehmen bleiben will, dazu verleiten möchte, ein altes Freund- ''chastsbündni? zu sprengen und unfruchtbare Opposition zu treiben, dann ist er mit solchen Artikeln auf dem rechten Wege. Man kann gespannt darauf sein, ob die deutschnationale Partei den Fehdehandschuh aufnimmt. Gauämter-Fusammenjchluß. Zwischen den Bauämtern der Städte Main:, Wiesbaden, Bicbe- rieh, Frankfurt. Hanau, Lffenbach. Bgd Homturx, Bad Neuheim, Höchst a. M., Schwanheim und der Eisenba hndir.tüon Frankfurt ist ein Uebereinkommen geschlossen worden demzufolge eine Zentralstelle für einheitliwe Prüfung von Banarbeilen und Baufragen eingerichtet wird. Tic Stelle hat den Sitz in Frank- furt und wird dem dortigen Hochbauamt angegliedert. In ereer Linie soll dieses Amt durch einen PreisprüsungsauZsckuß die Angebote für Hochbauarbeitcn aller städtischen Aemter, Lobn- und Materialpreissteigerungen, sowie auch die Prüfung aller E- schäftsunkosten für das Baugewerbe vornehmcu. Dank vom Hause Enspiesi. Wir lesen in der heutigen Ausgabe der unabhängigen ..Freiheil": Ein aus Antrag der Ortsgruppe Sieglitz vom Bezirk Teltow-Beeskow eingesetztes Schiedsgericht mit dem Genossen Krille al# Obmann fällte in Abwesenheit des Genossen Hein- rich Ströbel lderselbe war trotz mehrmaliger Aufforderung nicht erschienen) einstimmig folgenden Schiedsspruch: Genosse Ströbel hat sich in Wort und Schritt fortlaufend in einer Art und Weise gegen die programmatischen Erklärungen der Partei und ihre Politik gewendet, daß darin ein partei'ckstidigcndes Verhalten erkannt wurde. Aus diesem Grunde ist der Ausschluß Ströbels aus der Partei zu vollziehen. Ströbel hat den rechten Augenblick verpaßt, freiwillig den Abschied von den Sozialdiklatoren zu nehmen. Jetzt wird er, der zu den Mitbegründern der neuen Partei gehörte, hinausge- worfen, weil er nicht allen Unsinn mitmachen kann, der sich im Lager der Unabhängigen breit maibt. Wer ist der nächste, der Ströbel nachfolgt? §ür DufklLrunasbsüürftige. Unsere Mitteilungen in Nr. 403 des„Vorwärts" haben nicht nur einige höchst bezeichnende Notizen in dcrschicdenen Blättern, z. B..Vossische Ztg.", Dienstag, den 17. August, Morgenausgabe. und„8-Uhr-Abendblatt", Nr. 184 und 183, gezeitigt, sondern auch unserem Redaktionsmuseum Zuwachs verschasst. Wie der Artikel„Treibereien" beweist und wie unsere im?ln- schluß an ihn gebrachte Notiz in der Abendausgabe des„Vorwärts" vom 17. d. M. ausdrücklich darlegt, hat es sich für uns vor allegt darum gehandelt, zu zeigen, weiches Schicksal dem Ergebnis einer dreitägigen amtlichen Untersuchung über Vorfälle von prinzipiell sehr großer Bedeutung bereitet worden ist, durch Treibereien, die sich selbst charakterisieren. Wenn jetzt plötzlich anscheinend Be- troffene sich melden und so tun. als wüßten sie von nichts und von niemand, so muß man fragen, ob etwa im Mai an der Fürstin- Bismarck-Schule drei Tage lang über T. und D. verhandelt worden ist. Sollte das Gedächtnis derjenigen, die damals doch wohl genau gewußt haben, um was es sich handelte, inzwischen so stark nach- gelassen haben, so empfehlen wir denselben eine Rückfrage bei den zuständigen Behörden. Gewiß würde man dort so freundlich sein und bereitwillig Auskunst geben. Mit dem§ 11 des PrcßgcsetzeS, das sei zur juristischen Be- lehrung der angeblichen Vertreierin des Kollegiums der Fürstin- Bismarck-Schule uns gestattet zu bemerken, hat die AufklärunaS- bedürftigkeit über Namen nichts zu tun. Revanchepolitikern ins Stammbuch. Die„Freiheit" veröffentlicht einen Auiiatz über National- bolschewismus und Nevanckepolrtik, in dem sie ihre Stellung folgendermaßen charakterisiert: „Es ist eine Politik der Defensive, anbererreit? l e« ruhend auf der unabänderlichen Tatsache, daß von Natur Deutschland und Rußland zuiammengrbörcn, einerlei, wie sie regiert werden. Die de»iiche Sie- gierung muß sich vernünftig und stark genug zeigen. Enimischnngen in die inneren deiiischen Verhäliniffe zu verhindern, ant welchem Wege sie auch veisuchl werven... Das ist eine gleich-eirige und selbstverständliche Forderung für olle in Deuridland, welche den nationalen Gedanken in tick haben und zu- Gist, Gruber unö Grgestb! Fürwahr, es ist eine seltsame Zeit! Der gewöhnliche, sterbliche Europäer ichüttelt zuweilen trotz tausendfältiger Eigcnnöte sein Haust db der närrischen Welt und der Dinge, die in ihr geschehen. Eine Zeiningsmeldung berühret: 173 Waschen Gift wurden aus der UnirersitätSklmik zu Berlin gestohlen. 30 Flaschen davon enthalten ein Gift, von dem Vmoo Gramm genügt, ein SRensihcn- letren zu töten. O, da steigt die Pbaniasie: 3000 Menschenleben auf 1 Gramm: 30 Flaschen zu je 60 Gramm wiegen 13 000 000 Menschenleben auf! Und Professor Gruber in München schrieb doch vor kurzem einem Kollegen noch Berlin, wir hätten in Deutschland 10— 15 Millionen Menschen zuzeiten zuviel. Welch gewaltig' Missionsmittel in Händen von Spitzbuben. Was wollen dagegen alle erdenklichen Verjüngungsmeihoden besagen. Rgsi« Politiker erblicken ein weites Betätigungsfeld. Ja, wahrlich— und schnelle Hilf« tut uns doch nor! Warum sollten nun mal wen'« Perückenteutonen nicht auch einmal radikal sich gebärden— wo Doch alles nun schon ultra» radikal? Die Orgesch hat ja Flinten. Maschinengewöhre, Revolver, Kanonen, Flammenwerfer in Menge; sie könnten viel morden, wenn der Wahnsinn ihnen zu Kopse steigt— aber 15 Millionen ist ein wenig ungeheuer, die man überdies mit 60 Waschen Gist so prompt erledigt. Und letzten Endes treffen die Teufelsgeschossc nicht nur Bolschewisten und Juden, die man doch so gern los sein möchte. Man sagt: Offiziere haben besonderes Organisation«!- tolent und hohes siratsgisches Genie, sind geübt und. bewandert in allerlei Taktik— zumal, wenn es gegen verhaßte Arbeiter und Republikanerfarben geht. Vielleicht fand sich ein Genie, welches entdeckte, daß Wafsenmovden etwas Ueberholtes schon und brutale Gewalt immer den Schein des Unrechts in sich birgst das man vermeiden könnte mit dem probaten Mittel des Gifts. Alle Uebun- gdn und Waffenkammern fielen dann, man brauchte nur Zeirungcn und Cbirfres, nur lokale Opserlisten. Spitzel und Denunzianten Hütten alsdann«in großes Arbeitsfeld— und die sind doch nun mm deutsche, teutonische Elite! Bielen Schröder-Mahnkes bore sich G-i-genheit, in wollüstigem Rausch Reichs wgabgeordncien den „L'Sbesirani" zu reichen. Wie gut, daß die„Herren" Altmann, Friedrich und Konsorten „sitzen" und die„Magdeburger Zeitung" diskreditiert ist— sie här'-en am Ende Alarm geschlagen ob eines neuen Bolschewisten- putsches. Dieweilen die Antibolschewistianer aber schweigen, sollte es nicht verwundern, wenn eines Tages die Kunde durch die Press« «rht:.Orgejch siesert die Waffe» aus!"— denn mit Gift kann man sich einen um den anderen kaufen. Ein Leichtes es sei, stz«» Gramm in ein Glas Bier oder Wasser zu schütten. Und das wirkt sicker— denn großes, radikales Reden gibt Brand in den Kehlen. Was kann man dafür, daß ein so radikaler Hitzkopf an Herzschlag dann stirbt? Und der Erfolg? Am Ende will keiner mehr reden, niemand mehr Führer werden, und dann-- dann werden Offiziere und anderswie Abgehalfterte so opferungssreudig sein, die Retter des Vaterlandes zu werden? Und viel Volks soll's ihnen danken. Ich hege nur Bange, daß allzu lustigen Giftmischern'/-<»»> Gramm Gift an den»Fingern hängen bleibt— so daß auch die „Blüte der Nation". elend verreckt. Oder sollten sie klug genug sein, nur mit Handschuhen durch die Welt zu kommandieren— denn arbeiten mit Handschuhen an den-Fingern kann man doch nicht. Aber Baktl Phantasie zäume dich! Das Gift ist wieder da. Ein schwerer Alpdruck ist von uns genommen. w. b. Reinhardt und kei« Ende. Stefan Großmann stellt in seinem„Tagebuch" einige Betrachtungen über Reinhardts Schicksal an. Er wirft die Frage auf: warun, wrll Reinhardt gehen und findet die Antwort:„Berlin kann dem Robusten, dem Ausdauernden den Erfolg schenken, aber nicht mehr als den Erfolg. Wer wird hier warm? Wem wird es Heimat?... Dies fortwährende Treiben und Getriebensein der Geister, die?« von Plänen, Projekten, Unter- nehmungen geschwängerte Luft erzeugt zuletzt im besinnlichen und schöpferischen Menschen ein Gefüll bitterster Leerheit. Hier wächst der Mensch nickst in der Stille, hier wird er dauernd gestreckt, hier entgebt kein Talent der Kommerzialisierung. Da hilft nur die Fluckst.... Nirgendwo sind die gerstigen Kow'umenten und seine Worisührer unerbittlicher, nirgendwo wird der auch nur vorüber- gehend Ermüdete hast'ger und vorsckmeller überwunden als in dieser Stadt der prinzipiellen Treulosigkeist... Hier regiert ein kahles Heute. Dieser Zwang zur augenblicklichen Höchstleistung, gewiß, er peitscht auf. Aber wer kann heimisch werden in dieser Stadt der ewigen' Aurpeitschung?" Reiwtardr ist von dem Betrieb— von dem Großbetrieb des Theaters, in den �r sich locken ließ— ausgezehrt worden Was wird aus dem Beft-eb, der mir künstlerischer Beseelung nicht mehr zu vereinbaren war, wenn die Reinhardts scheiden? Großmann sieht die Erben— in der Filmindustrie.„Der Herr über das Deutsche Theater von morgen heißt: Davidsohn. Und ist Direktor der Union-Filmges-llschofst Edmund Reinhardt hat diese Entwicklung vorgeahnt, und er hat vor zwei Jahren, im Bunde mit mir, eine reitende Vereinigung der Berliner Theaterleiter angestrebt. Einfältigere und kurzsichtigere Gemüter haben sie hintertrieben. Heute streckt die Ufa nicht nur nach dem Großen Schauspielhaus Davidsohns sicher greifende Hand, auch andere Theaterleiter klettern zu den Hureaus der Ufa erlösungsuchend empor, zielbewußter als Peer Gynt, der so schlecht Verfilmte, in den norwegischen Bergen. Das Berliner Theater wird bcsichen als Adnex der deutschen Filmindustrie. Herr Tavidiobn wird bcstim- men, ob Max Reinhardt, der Regisseur, dem Teut'cken Tbeater er- halten bleibt. Der Fall gebt jetzt nicht nur die Direktoren an, mebr noch die Schauspieler, und oiesmal nickst nur die kleinen Leute.... Davidsohn wird, so weit es das Geschäft zuläßt, ein vorsichtiger und milder Herrfcher sein!" Reinhardt aber könnte das Salzburger Festspielhaus eine Heimat werden. So prophezeit Stefan Großmann. Wenn nun aber Reinbardt bleibt? Oder wenn statt der Verkinung die Berstadtlickung der Tbeater käme und die Kinos in den Dienst der Kunst gestellt würden? Es gibt einige übersehene Faktoren in dem Rechen- exempel. Frirdrich-WilhclmstädtisckieS Tbeater:„Back'. Grob sensationell bat A. Bernsleur-Sawersky Sstiiarionen, ohne Spur von innerem Zusammenhang und Ueberzeugungskrair. z» einem aneeblnven Snlenstück zusammengestelll I Der vom Baccaiar-Teiiiel besessene Held bat keinen Schimmer einer Eigen'chast, die irgend ein Interesse für ihn wecken könnte Ein bei aller seiner krankhaften Schwäche obendrein noch brutaler Lump, dem ein Freund und eine Frei» bin von womöglich»och größerer Unausneblichkeit zur Seile sieben. Schamlos beirügt und ly-annisiert er seine grenrenlvsverrrauens'elrae, airlmütige Frau. Das„Ovter", das sie schließlich ihrem Manne brrngt, frönt alle anderen Peinlichfeiten. Als er im Ariele wieder Geld verloren und kläglich nach Reltung jammerst läufr dieie exemplarrsche Gattin zu dem„Frerrnd", um durch Hingabe ibrer Franenehre von dem widerwärngen Ekel dre Summe ju er'nu'en I Dann dauert es noch einen ganzen langen Afr. brs sich der Ebrenmann endlrch vre Kugel durch den Kopi sch eßt. Gespielt wrrrde gewandt Hans J unk ermann baue die Rolle des iaralen Freundes übernommen. Herzlich und schlicht wirfie Julie Serdn in der Role der jungen Frau. Die Natürlichfeit ihres Svrcls ließ oit beinah' die vielen argen Dummheiten, die sie im Dialog zu iagen hast vergessen._» ckt. Erftonssührnnsen der Woche. Tann. Schillertheater:„Natban der Weise-. Urania. Sonntaa und Sonnabend:„In den Serien Tirols-.„Der Großalockne:-. Dienstaa mrd Donnerstag:„Van der Znaspche zum Watz- mann-. Millwoch:„Tdüringen-. Freitag:„Die Insel Rügen-. Das Kino lm Ztddtrliearer. Aus Anlaß der Schwieriafeiten in der Geldbe'chafsirna lür den Betrieb der beiden bädlischen Bühnen in Franfsurt n. 11. macht der Bürgeranslchnß den Vorschau die beiden Hmtfcr läglich von 3 bis 6 Ubr»u zweimaligen Kinooorilellungen bemieen zu lassen. Der Ausschuß errechnet dasür eine Einnabme von 4'/, M'll. M., von der allerdings die Kosten des rtichlbilddelriebes abzuziehen wären. »ine Bolkabübnr in Kassel. DaZ Kasseler Nesiderrzlliealer und das Reue Theater, die unter der Direflian Tarier stehen, werden mit Be. ginn der Winterspielzert zu einer Volksbühne größeren Stils vereinigt. gleich Begreifen, daß der national« Bolfche- »iSmnsimbestenFalle eineChimäreist. I Eine p elttische Propa ganda für RevanchekrieH gegen Frankreich ,u rreiben und dazu die dizxch den russtsch-polnifchen Krieg emstandeue oder möglicherweise noch ent- siehende Lage benutzen zu wollen, wäre ungefähr d a§ D ü m m si e, was überhaupt getan oder versucht werden könnte." Ist das nicht verhältnismäßig vernünfiig? Äber, Verzeihung wir haben uns versehen. Diese Ausiübrunoen stehen nicht in der „Freiheit", sondern in der—„Deutschen Tageszeitung" und sind von chuvit«? ronsns�Graf Ernst Reventlow gezeichnet! verhinüerte Waffenschiebungen. Die Verhinderung von Eisenbahntransporten nehmen immer größeren Umsang an. BiS zur Stunde ist über die Weiterführung des für die Sipo in Königsberg bestimmten Transportes noch keine Vereinbarung zwischen dem Ministerium des Innern und den Eisenbahnbetriebsrätrn getroffen worden. Das Ministerium hat den Eisenbahnern Konzessionen dahingehend gemacht, daß außer den AuerüsiungSstücken nur leichte Munition befördert wird und daß vie Geschütze. Minen und Handgranaten hier zurückbleiben sollen. Inzwischen erheben jedoch die Eisenbahner den Einwand, daß die von ihnen festgestellte Menge von Infanterie- munition, die sich bei dem Transport besinoet, erheblich größer ist, als es ursprünglich den Anschein hatte. Die Ber- Handlungen gehen deshalb weiter und es ist nicht abzusehen, wann der Zug Berlin verlassen wird. Neuerdings hat sich auch die G e- werkschaft deutscher Lokomotivführer Krsis 2(95er- l:n) auf den Standpunkt gcstellc, daß eine einheitliche Rege- ! u n g der Ueberwachnng bei Transporten von Heeresgut erforder- I:ch sei und hat in einer Versammlung den Beschluß gefaßt, keine Munirionszüge oder Waggoi-s mit Heeresgut oh« vorherig« Prüfung zu befördern. Die Verhandlungen zwischen den Regierungsstellen und den Betriebsräten der Eisenbahn haben auch insofern eine Verschärfung erfahren, al» geiiern neue Transporte in Groß-Berlin angehalten worden sind. Auf dem Bahnbof Westend haben die dortigen Eisenbahner lö Waggons unfertiger Munition festgehalten, da Absender und Empfänger vorläufig nicht festgestellt sind. Auf dem Schlesischen Bahnhof wurden vier Kisten beschlagnahmt, deren Inhalt als Blechwaren deklariert waren, während sich Stahlhelme darin befanden, als deren Empfänger Kreisrat b. Königscck. Landraisamt Preußifch-Holland, bezeichnet war. Weiterhin wurden 3 Kisten beschlagnahmt die als Feuerlöschgeräte bezeichnet waren und in denen sich Funkergerät befand, das nach Sie lisch an der polnischen Grenze an die dortige Jnternatio- nale Verkehrsanstalt adressiert war. Zivet Kisten an dieselbe Adresse, deren Inhalt als Hanswerkszeug angegeben war, enthielten Antennen. VSttemark»aö ök ,Sefreiten�. ••»MM1***, 20. August. Das Slaatsministerinin hat den n»rdsck>IeSwigschen Ausschuß des Rei chs t a g S für ansgelöst erklärt mit der Begründung, die Auflösung sei wün- schenkwcrt, um so wenig wie möglich Anlaß zu Sonderbesire- b n n g e n unter den Rordschleswigern zu bieten. Die nordfchleswigscben Landesreil« sollen nach einem dem Fol?«. tbing vorgelegton Gesetzentwurf der Regierung in sieb en Wahl» g>r u p p e n eingeteilt werden. Der Gesetzentwurf wird von der dänischen 9?auernfchait stark bekämpft. tzorthy-Unsarn verspricht. lSie». 20. August. Tie„politische Korrespondenz" meldet: Der ungarische Gesa n die Dr. Gratz erschien heute nachmittag im Scaatsamt für Aeußercs und-gab bei dieser Gelegenheit seiner schärssicn Mißbilligung über den Zwischenfall von Prellen- krrchen Ausdruck, wo 30 bewafftiet« ungarisch« Soldaten versucht hatte»,»on der Äcmeinde Prellenkirckien beschiagnabmte militä- ritcke Ausrüstungsgegenständ« mit Gewalt wegzuführen. Die ungarische Regierung habe zioar bis zur Stunde noch keinerlei um- mittelbare Kenntnis von der Greitzverlctzung, sie werde aber so- -ort die nötigen Vorkehrungen treffen, um den Sach. verhalt auch ihrerseits auszi: Raren. Es könne keinem Zweifel umerliegen, daß die ungarische Regierung, sobald sich die gemeldeten Vorkommnisse als richtig erwiesen, geeignete Maßnahmen treffen werde, um die Schuldigen zur Veranrwortung zu ziehen, sowie die Wiederholung solcher beklagenswerten Borsäll zu der- meiden. Rußlanö unö polen. Ter Polnische Heeresbericht vom 20. August meldet keine wesentlichen Fortschritte der polnischen Gegen- ossensiv«. An verschiedenen Stellen der Front scheinen sich die Russen sogar von ihrer Ueberrrasckung erholt zu haben und ihren Widerstand zu verstärken, so bei Plock und Ciechaicaw, wo erbitterte Kämpfe startfinden. Im Abschnitt Hrubieseow geht die Sowjetarmee sogar zum Angriff über. An Gefangenen hat sie nach dem polnischen Bericht l8 000 Mann verloren. Bemerkenswert ist, daß der polnische Heeresbericht Kämpfe des Kosakenführers Badiennv mit der Besatzungsarmee von Lemberg meldet. Demnach scheinen die Russen im Süden ihren Angriff bis an die Tore Lembergs herangetragen zu haben. Heber die Verhandlungen in Minsk meldet ein russischer Funkspruch eine zweite Zusammenkunft zwischen der russischen und polnischen Delegation. I u sise r a n d und L o rch d'Abernon, die Vertreter Fra-ik- reichs und Englands, befinden sich, nach einer Meldung des Hol- landslb Nieuwsbureails, wieder in Warschau. Si« haben ihre Gesandls-Kaftcn jedocb nach Posen überführt, wo sich das Per- sonal und die Archiv- befinden, aber sie selbst wünschen in ständiger Fühlung mit der polnischen Regierung zu bleiben. Tie proletarische Zlktion. Amsterdam, 21. August. In Groß-London ist laut„Tele- graaf" ein A k t i o n s r a t gebildet worden. Heute sollen große Kundgebungen für Rußland stattfinden. Sidney, 21. August. Der Arbeiterrat von Sidney hat besckrlossen, sich jeoer militärische� Intervention gegen Rußland zu widersetzen. • Danzig, 20. August. Die Verfassunggebende Ver- s a m m l u n g nahm heute den Antrag des Auswärtigen Aus- schusses, den Oberkommissar Tower zu ersuchen, fiir das Gebiet der künftigen Freien Stadt Danzig die Neutralität zu erklären, mit 62 gegen 21 Stimmen der Unabhängigen und Polen an. Eine m»n»rchistische Zeitung in Wien. In den ersten Tagen des September wird in Wien ein monorckistifkbe» Tage- b l a t t erscheinen, dessen politische Leitung in Händen von P a n tz, ehemaligem cheiftliib-sozialen Abgeordneten Dr. AlwinSzager. dem bekannten Vertrauensmann des Ertaiser? Karl und de« ehe- maligen Gesandten Dr. W i e S n e r liegt. Dem neuen Presse» >mter««hmen sollen bedeutende Geldmittel zur Verfügung stehen. Gerichtszstomg. Dunkle Nubelgechäfte. Vekrügcrischc Goldkäufer und falsche Kriminalbeamte. Ein«was dunkles Geschäft mit russischen Rubelnoten bildete die Grundlage einer gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts I verbcmdckten Anklage flogen den K ri m in a Iwachtm e ifter August M ützelberg und den Kaufmann Paul I a n k e aus der Hademairnstraße wegen Amtsunierschiagung bzw. Bethilfe. Ianke hatte durch einen Russen den russischen Leut- nant Höckel Vera kennen gelernt, der ibm nach seiner Dar- siellung anbot. Gescbasre mic russischen Rubelnoten zu vermitteln. Icmke erbot sich. Käufer für Rutbelnoten zu besorge». Als Ver- käuser solcher Werte wurde ihm der russische E b e r st l e u t- nant Sawolosf bezeichnet. Dieser hatte nach seiner Rückkehr aus dem Baltikum einen Betray von 100 000 Dumarubeln und 20 400 Zaren ruibeln als sein Eigentum mitgebracht und trug diesen Schatz in einer Mappe stets bei sich. Diese Rubelscbein« wollte Ianke durch seine Vermittlung verkaufen. Am 1. März abends erschien Hackeliberg mit dem Oberstleurnant Sawoloff in der Jan- keschen Wohnung. Nach der Behauptung des Angeklayien sollte da über den Verkauf verhandelt werden, während Sawoloff nur zu dem Ztveck hei Icmke erschienen sein will, um von diesem genau» Mittoiluttg über den Kursstand der Rubel zu erhalten. Als die drei etcva eine Vicrtelftunde verbandelt hatten, klopfte es plötzlich an der Tür und es erschienen zwei angebliche Kriminal- beamte, von denen der eine eine Erkennungsmarke vorzeigte. und erklärten, bei Ianke ein.' Durchsuchung nach Arzneimitteln vornehmen zu müssen. Ms Hacketoerg und Sawoloff befragt wur- den. ob sie Arzneimittel bei sich hätten, erklärte Sawoloff, daß er lediglich sein Privawerrnägen von 120 400 Rubel bei sich trüge. Dieses Geld erklärte der eine der beide«„Noam den" für be- schlag nahmt und beide entfernten sich, nachdem Sawoloff den Bescheid erhalten hatte, daß am nächsten Vormittag um 10 Uhr Beamte zu ihm kommen würden, um die Angelegercheit zu regeln. Als dies nicht geschah, wandte sich am nächstcn Tage Sawoloff an die Polizsi und erfuhr dort, daß dort von der ganzen Angelegenheit nichts bekannt fei. ES wird nun behauptet, daß Mützelbuvg einer der beiden Kriminalbsamten gswcfen fei und ein zwischen ihm und Ianke abgclarteteö Spiel vorgelegen habe. Beide bestritten mit aller Be stimm thoit ihre Schuld. Aus der anderen Seite hat Oberst- leutnant Sawoloff seinerzeit auf dem Polizeipräsidium den An- geklagten Mützellbury mit aller Bestimmtheit als den einen der beiden Beamten wieder erkannt wnd er blieb auch im gestrigen Termin dabei, daß jeder Irrtum seinerseits ausgeschlossen sei. Der Mitangeklagte Ianke versicherte, daß der Zeuge�sich bezüglich der Person des Mützekburg entschieden täuschen müsse. Leider konnte der Leutnant Häckelberg nicht als Zecigc vernommen werden. Er hatte M. gleichfalls.modererkannt, ist aber inzwischen nach Si- birien abgereist. Bei dem sehr lesthafton Bestreiten der Angeklayten hinsichtlich ihrer Schuld und der verschiedenen Einwände gegen die Glaub- Würdigkeit der russischen Zeugen hielt«S der Swa�anwalt doch für nötig, n«b weitere Beweiserhebungen anzuftelleu.— Der Siercchlshos beschloß dann auch die Vertagung und Vorladung weiterer Ztzugen, namemlich mehrerer Polizoibcamtzen, die über die Art Auskunft geben sollen, wie die Wiedererkennung deS Mühelburg durch Sawoloff znstairde gekommen ist. Der Haft- besichl gegen IsÄe soll ausgehoben werdm, wenn er eine Kau- tioa von 15000 Mark stellen kann. � GroßSerlw Oer ausgeöieute Sär. Kopfschmerzen um ei» modernes Stadtwappen. Die Zentralstelle zur Förderung des Fremdenverkehr« in Graß-Berlin hotte bercntZ vor dem Kriege auf Veranlassung de« Magistrats einen Wettbewerb zur Errichtung eines neuen Wahrzeichens für Berlin ausgeschriebeu, da der Bär allge- mein als unzureichend befunden wurde. Dieser Wettbewerb steht jetzt vor dem Abschluß. Die Künstlerschaft, die sich daran beteiligte, wird in zwo: Kategorien geteilt. Während der größere Teil sich auf eigenes Risiko daran beteiligte, erging vom Magistrat an 2b der namhaftesten Künstler eine Aufforderung zur Einsendung von Entwürfen, die mit 200 M. honoriert werden sollten. Insgesamt beträgt die Zahl der eingesandten Entwürfe 70. Die Prsisvertei- lung, die ursprünglich vorgesehen war, setzte einen ersten Preis von 3000 M. und zwei weitere von je 1000 M auS. Diese Preisfestsetzung soll jetzt eine wesentliche Aenderuug erfahren. Der ganze Wettbewevb kam» nach sechsjähriger Dauer jetzt als g e- scheitert angesehen werden, da kein einziges der eingesandten Modelle verwendet werden kann und so der Zweck der Veranstal- tung nicht erfüllt ist. Es liegt dieS weniger an der Leifwngsunfähigkeit der betei- ligten Künstler, als cm dem Umschwung, dcr sich mit der Revolu- tion vollzog. Die Diodelle verkörpern alle den Geist des rohalisti- schon Regimes, da sie größtenteils in den ersten Kriegsjahren ein- gesandt wurden. Um jedoch, den seinerzeit eingegangenen Verpflich- lungen den Künstlern gegenüber nachzukommen, hat der Magistrat beschlossen, eine Preisverteilung in der Form vorzunehmen, daß der erste Preis in Höhe von 3000 M., der zu einer Akzeptierung verpflichten würhe, fortfällt und nur zwei zweite Preise iu Be- tracht kommen. Trotz dieses ersten gescheiterten Versuches hat der Magistrat die Absicht, einen neuen Wettbewerb zu veranstalten, der allerdings die Bedingung aufftellt, daß iu den Entwürfen deutlich auf den Charakter der Stadt Berlin als Einheits- g e m e i n d e hingewiesen wird. Es sind bereits neue Vorschläge vorhanden, die unter andcrem aus d.e Verwendung des Branden- burger Totes als Sladttvappen hinzielen(was kJ�n« sehr glückliche Lösung wäre. D. Red.)» Diese Vorschläge tragen jedoch einige wese: lliche Bedenken in sich, da das Brandenburger Tor erstens ncht dekorativ gcnug ist, und zweitens in keiner Beziehung dem Charakter Berlins Rechnung trägt. Hoffentlich dauert dte Geschichte nicht wieder sechs Jahre, denn in diesem Falle könnten sich bcrechtiglenveise die PensionSansprüche des alten Berliner Bären bedeutend erhöhen. Die gestohlenen Gifte aufgefunöen. Das Paket in der Untcrgrnndbahil. Ter«r»ste Diebstahl gefährlichster Gifte aus dem L a b» r a- t» r i u m des Professors L e w i n in der Ziegetstraße scheint jetzt feiner AufNLrung entgegenzugehen. In einem Wagen dcr Unter- grnndbahn wurde von einer Frau ein Paket gefunden, das die Gifte, mit Ausnahme zweier Arsenikfläschchen, die Noch fehlen, enthielt. Wie uns oazu mitgeteilt wird, ist der Name der Frau, die das Paket an sich nahm und einen. Bahnbeamten ablieferte, nicht be- kannt. Es handelte sich um einen Zug vom Westen noch dem Pors- damer Platz. Als das Paket auf dem Fundbureau ahnungslos ge- öffnet wurde, um evtl. den Verlierer feststellen zu können, fand man darin die vermißten Giftfloschen, die bald darauf von Prv- fessor Lewin als das gestohlene Gift festgestellt werden konnten. Von den ebenfalls gestohlenen Apparaten fehlt zurzeit noch jede Spur. Die Diebe, die mit den Giften jedenfalls nichts anzufangen wußten, haben<3 so vorgezogen, sich ihrer zu entäußern, bevor es zu einer Entdeckung kam.- Verhaftung eines Einbrecherbandenführers. Der Schrecken von Weitzensee und Pankow war eine Einbrecher- band«, deren Führer jetzt unschädlich gemacht ist, während seine Spießgesellen noch von der Kriminalpolizei eifrig gesucht werden. Der„Einbrecherhäuptliug" ist ein Arbeiter Fritz�H o h e n d o r f, der aus Ostpreußen stammt und in der Lederstr. 65 zusammen mit seiner Braut, einer Arbeiterin Martha Ramlow, wohnte. Unzählige Einbrüche, besonders in Wohnungen, veranlaßteu die Weißenseer Kriminalpolizei zu besonderen Maßnahmen und durch diese gelang e-, dem Hohendorf aus die Spur zu kommen. AIS die Beamten seine Wohnung entdeckt halten und plötzlich in diese ein- drangen, suchte der Verbrecher durch die Fluch: zu entkommen, wurde aber verfolgt und gestellt. Aus dieser Flucht tvars er, wie er jetzt gesteht, eine Brieftasche mit ettva 11 000 M. in einem Laurengelände weg. Die Tasche mit dem Gelbe jst bis jetzt noch nicht gefunden worden. Es ist möglich, daß ein Spießgeselle von ihm in der Nähe lvar, dieser die Flucht beobachtet und die Tasche aufgehoben hat. Eine Durchsuchung der Wohnung förderte teilt ganzes Warenlager gestrchlener Sachen zutage: Kleidungsstücke, Wäsche, Säimticksacic: usw. und eine Einbrechcrausrüstung, wie sie besser if.id reichhaltiger kaum sein kann. Mit dieser Vorzug- lichen Ausrüstung ging Hohendorf mit seiner Bande auf Raubzüge aus und vergaß nie, einen scharsgeladenen Revolver zu sich zu stecken. Seine Braut, die um die Einbrüche wußte, wurde ebenfalls in Haft gcnmnmen. Bei der Vernehmung durch die Berliner Kriminalpolizei gab Hobcndorf nur zwcc Einbrüche zu. Aus dem Bestand des bei ihm beschlagnakanteu Warenlagers aber konnte er allein in 10 Fällen überführt werden. Nicht weniger als für 01000 Mark gellobicner Sarpen wurden wieder herbeigeschafft und den Geschädigten zurückgegeben. In einem Falle erbeutete die Bande außer cmderen Sachen eine schwere eisener Kassette, die 26 000 M rn Gold. Silber und Papier enthielt. Außer den der Bande be- wiesenen Einbrüchen hat sie wahrschemlich auch noch viele andere, darunter einen ausgeführt, bei dem ihr allein für 50000 M. Sachen in die Hände fielen._ Mieterpt otefte c«o«a EiAiguttsss-«»> Wohnuvsssärnter. In drei öffentlichen, vom Mieterverein Charlotten- b n r g-e. V. veranstalteten Versammlungen— im Volkshaus, in den Hohenzollern-Festsälen und in der 10. Gemeindeschule, Goethe- straße— fanden gestern abend große Protestkundgebun- gen der Charlottenburger Mieter schast gegen die Prat'is der Mret» einigungsämter und auch des Wohnungsamts statt. Nach lebhafter Aussprache fanden zwei Entschließungen einstimmige An- nähme, in denen die einzelnen Beschwcrdcpukikte kurz zusammen- gefaßt und schärfst« Protest gegen die Anwendung der neuen Höchst- mietende ro rdmrng des Wohnungsverbandes Groß-Berlin ans laufende Verträge sowie cwgen Entscheidungen, die mit dem Wort- laut und dem Geiste der Mteterschutzgesetzge«»ng w Widerspruch stehen, erhoben wird._ V»t*»rter»nd Bureans, dw in Wohnräumen untergebracht stirb, sollen im Hinblick auf die Wohnungsnot nach Möglichkeit ausquartiert werden. Bei den vielen Postämtern Berlins, die Wohnräume benutzen, würde die Ausquartierung schwer durchführbar sei». Wünschenswert wärt sie aber bei dem Postamt Berlin O. 112, das seit etwa crnder:- halb Jahrzehnten in einen: Wobnlxms der Gabelsberg er- straße uniergebracht ist. Das Postamt selber würde dabei Winnen, weil dort die Räume längst den Anforderungen des Ver- kebrs nicht mehr genügen, so daß Publikum und Beamte schwer unter der Beengtheit leidem Auf wiederholtes Drängew des Ausschusses wurde im vorigen Jahr der Vertrag gekündigt und der Aus- schuß wurde beauftragt, geeignete Räume zu besorgen. Er fand m der Frankfurter Allee modern gebaute Häuser mit Fabrikräumen und empfahl diese,.dock: der Herr Postbaurat hielt sie für nicht ge- eignet. ES wären etwa 10 000 M Umbaukosten entstanden, ober das allein war wohl nicht Grund genug zur Ablekmungl Man be- denke, daß bei Zustimmung der Ausschuß feinen Willen gehabt hätte! Der Vertrag über die bisher benutzten Räume in der GabclSbergcr- straße wurde mit dem.Hausbesitzer erneuert, und nun sitzt das Postamt weiter in drangvoll fürchterlicher Enge. Auf zehn Jahre soll, so ivird erzählt, der neue Verlrctg abgeschlossen worden sei». Daß dabei auch eine beträchtliche Zahl von Wohnräumen wecter ihrem Zweck entzogen bleibt, scheint die Oberpoftdirektion Berlin nicht zu kümmern. Die zum Wvhnungsverband Groß-Berlin zusammengeschlossenen Gemeinden müssen für Schaffung von Notwohnungen ganz andere Betröge drangehen als diejenigen, die hier für die Umlauten erforderlich geivese» wären._ (Sin falscher PostHtllähreukassierrr. In den letzten Tagen hat ein Schwindler versucht, seftgeietzten einmaligen Beitrag für die Fernsprechanschlllsse bei Teilnehmern in Berlin einzuziehen oder einen Beitrag von 2 M. zu den Kosten eines Ptotestunter« nehmenS gegen die Erhebung des Ferniptechbeiirages zu sammeln. Der Mann trug eine Postmlltze. Das RcichSpostministcrium weist deshalb daraus hin. daß die Fein'prechanstallen den Beitrag nicht durch Boten einziehen lassen werden, iondern daß an die Teilnehmer demnächst durch ein besonderes Schreiben dos Ersuchen ergeben wird, den Betrag durch Ueberweiiung oder durch Zahlkarte an das Postscheckkonto des zuständigen BermitkluNgSamiS zu entrichten. In dem Schreiben wird auch näheres' darüber ent- halten sein, wie die Teilnehiner zu verfabren haben, die den Beilrag durch Vermittlung der Deutschen Volksversichcrung A.-G. in Berlin-Schöneberg, Hähnelslr. 15a, bezahlen wollen. Lebensmüde. Em Tischler Adolf Prefkel aus Küstrin, ein Mann von 56 Jahren, mar als Patient in der Maria- Viltoria-Heilanstalt in der Karlste. 28. Gestern machte er dort ieinrm Leiden ein Ende, indem er sich in einem unbewachten Äugen« blick erhängte. Als man ihn auffand, war er ickon tot.— Im Tier garten erschossen ausgestinden Wut e der 85 Jahre alte, an« Leipzig gebürtige Buchhändler Johann Z e u n e r ans der FlotNvellstt. 10. Er Halle in der Nähe de? Goldsischieichcs selbst fernem Leben ein Ende gemacht. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Theater öer Vache. Vom i!2. bl« 28. August. VoltebShu«! glaenne'Ilcbe.— vpernhane! Seschlessen.— Schenip!«!',»»«: A-schlössen.— Deutsch«,! Theater! Dec Fleh im Panzerliaus.— Kamn>orst>icie: Wcidsteuiel.— s-r..Zchovspielhaus: 22—"i., 28., W. Julius Cäiar. 20.-27, LyAtrata.— Lrssiuathcatcr: Die Tünzerin.— Theater i. d. Ramgorätzcr Ttrass«: cs-ssSndnts.— Deutsches Opernhaus: 22. TannMufer. 22. u. 23. Die Prinzessin Vau Trapeznnt 2t. Migiicm. 25. Hoffmonns Erzählungen. 27. Der Frestchüz. 2S. Dce.sledennaa«. 29. Carmen— Schillertheater: 22.-25. Der Rabenvalcr. 25., 2S. u. 50. Ralhau der Weise, 27 u. 29. Ait-Heidclberg. l«« I l ch. Di« Tri taue: Bundurq.— Deutsche» Ztssnitlertheciter: Klub- Ifttle.—«erliuer Theater: Der iehte Walzer.—«leine» Cchauspitlhau»: Die Siichsc derPandvea.— Zrlaaon.Theatrr! Untreu.— Restdenztheater: Die Rasch- hoff».— Z«»tr»Irtze»trr! Die verichmundene Pauline.— Reue« geutraltheater: Sie Dame in, ss-cuk.- ssrtedrtch-Bilhrlmstädt. Theater: Bac.—«omijche Over: Liebe im Schnee.— Lossspielhaus: Bis 27. Der ungetreue Eckeharl. An 28. Iwangseinquaniemng— Metropoltheatsr: Im wriben Rdßl.- rlrur» Oyrrettr» Haus: Bis 27. geschlossen.— Ab 28. Die Csskosbaroneß— Thaliatheater: Hohen die Tänzerin.- Theater am Rollendorfplatz: Eine Nach, im Paradies.- Theater de»«esse»»: Der ersten L,ebe goldene geit—«leine» Theater: Elise Lenllna.—«allner- Theater: cheschlaffen.— Walhalla-Thrater � Internationaic. — Res« Theatrr: Der»rat von Luxemburg.-«asina-Thealcr:«norys scl. Witwe. — Lnssentheatrr: Da« Heiligtum de» Herzens.- Rene» Doltotheator: Die Hoff- n«»g auf Segen.— Admiratpalaft: 22, 29.. 25, 99. 38., 2». ffliri in L» Morih. 2». n. 27 Die lustige Puppe.-. Falle« chaprir«: Tiger, Vergangenhell. �>!e erste Rächt. Villa Venus. Zlach« m» g a»» rssell»n»«»."»IkodAhn«: 21, 22., 38. u. 20. Dtt Fledermaus.—«�»tschr» Opernhaus: 29. Hoffmanns Erzählungen.— Schiller- Theater: 29.«sshel» Tell.— Trtanaa.Thrater: 22. u. 29. Der Ctärensried.- Rrssdenz Thsatrr; 22. u. 29, Der gute Ruf.— Theater am Rollendorsplatz: 22. Drei alte Schachteln. 29. Der Iuxdaron.— Rose-Theater: 22. u 29. Gespeilsta.— «astuo. Theater: 22. u. 29. Debrüder gor».— Lutjen-Theater: 22. u. 2g. Stb »ich srei. GewerMastsbewegung Cm �ehlentscheiü. Der Verbanv der Brauerei- und Mühlcnarbeiter hatte gegen die Biomalzfcrbrik Gebr. P avermann in Teltow wegen tarif- l icher Tiffercnzen den Schlichtung-aubschutz Grog-Berlin ange- rufen, der durch einen Schiedsspruch enischied, dag der laufende Tarif auf zwei Monate verlängert werde, und daß den zur Zeit der Maifeier erkrankten Arbeitern die Lohndifserenz für den 1. Mai nachzuzahlen sei. Tiefen Schiedsspruch lehnte die Firma ab; die Organisation heantvogte daraufhin beim Demobilmachung-Lom» miffar für Groß-Berlin die Verbindlichkeii de? Schiedsspruches. Dieser Tage ging dem Verbände eine Antwort des Demobil- machungskommissarS zu, daß er den Schiedsspruch nicht für ver- bindlich erklären könne, denn, so heißt es in der Begründung,„nach der ständig von mir vertretenen Auffassung können Schiedssprüche, durch die ein Tarifvertrag festgesetzt ist, nur dann für verbindlich er- klärt werden, wenn die in ihnen getroffene Regelung der Billigkeit entspricht und fernerhin ein behördliches Eingreifen zur Auf- rechterhaltung des W i r t s ch a ft S l« b e n S'erforderlich ist. Diese zweite Voraussetzung ist jedenfalls nicht gegeben." Nach der Auffassung des DenrobilmackungSkommissarS scheinen also nur dann die Voraussetzungen für sein Eingreifen gegeben zu sein, wenn die Arbeiter erst durch Streik die„Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens gefährden". Nach vernünftiger Ansicht soll doch aber seine Tätigkeit vorbeugender Natur sein, damit nicht erst die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens in Gefahr gerät. Oder ist etwa die Zahl der beteiligten Arbeiter zu gering, so daß sie nach Ansicht des TemobilmachungSkommissarS nicht einen Teil de? Wirtschaftslebens darstellt? Noch abwegiger ist die Begründung der Ablehnung der Be- zahlung des Lohnes für den 1. Mai. Es heißt in dem Schreiben über diese Forderung: „Was den zweiten Teil de? Schieosspruches bezüglich der Nachzahlung für den 1. Mai angeht, so kann der Auffassung des SchlichtungSausschusses nicht beigetreten werden. Nach fs 2 des Tarifvertrages dürfen die in oie Woche fallenden gesetzlichen Feiertage vom Lohn nicht in Abzug gebracht werden. Ekn gesetz- licher Feiertag war jedoch der 1. Mai nicht. Nach§ 3 dcS Ver- trageS.erhalten ferner die Kranken die Differenz zwischen Lohn und Krankengclo während ihrer Krankheit. Da am 1. Mai sämtliche?lrbeitnehmcr die Arbeit ruhen ließen, ist ohne weiteres anzunehmen» daß auch die Erkrankten an diesem Tage nicht gearbeitet haben würden. Nach Angabe des Ver- treters des Antragsgegners haben die Kranken selbst zugegeben, daß dieses der Fall gewesen sein würde. Da für den 1. Mai-ein Lohn nicht gezahlt wurde, kann auch den Kranken eine Differenz zwischen Lohn und Krankengeld für diesen Tag nicht auSge- zahlt werden." Diese Deduktion schlägt dem Rechtsempfinden geradezu ins Gesicht. Es kommt doch nicht darauf an, was die Kranken getan haben würden, wenn sie gesund gewesen wären, sondern einzig maßgebend kann doch nur sein, welche Bestimmungen nach dem Tarifvertrage fir die Arbeitnehmer bei Erkrankungen maßgebend sind. Solche Fehlentscheide sind wahrlich nicht geeignet, das Ver- trauen der Arbeiter in die strenge Unparteilichkeit der SckiedS- instanzen zu fördern. Arbeitslosigkeit infolge PortoerhöhMg. Als man für einige Pfennige eine Ansichtskarte kaufen und mit einer Fünfpfennigmarke frankiert versenden konnte, hat sich die Herstellung von Ansichtskarten zu einer blühenden Industrie entwickelt, die Tausenden eine auskömmlich« Existenz verschaffte. Die Erhöhung de» Vostkartenpottos auf IVt und dann auf 10 Pf. hat der Ansichtskartenindustrie noch keinen großen Abbruch getan. Seit aber das Porto für eine Postkarte auf 30 Pf. erhöht worden ist, liegt die Ansichtskarteuindustrie völlig darnieder, die Arbeits- lostgkeit in diesem Industriezweig hat einen erschreckenden Umfang angenommen. Die Betriebsräte der Berliner AnsichiSkartenindustrie haben sich mit einer Eingabe an den Reichspostminister gewandt, um ihn zu bewegen, sich für die Herabsetzung des Portos auf 10 Pf. einzu- setzen, damit die Verjsndung von Ansich. starten und damit die Ar- beitSgelegenheit wieder zunehme. In einer Betriebsräteversamm- lung des graphischen Gewerbes wurde mitgeteilt, daß der Post- minister in einer Unterredung mit einer Abordnung der Betriebs- rate Verständnis für die Forderung auf Herabsetzung des PorioS gezeigt und gesagt hat, die Erhöbung der Portosätze habe der Post keine Vermehrung der Einnahmen gebracht, aber den Postvcrkehr so vermindert, daß 40 0'V0 bei der Post beschäf- tigte Personen entlassen werden müssen.— Da der Minister auS eigener Machtvollkommenheit das Porto nicht, her- absetzen kann, so riet er den Betriebsräten, sich an den Reichstag zu wenden, was sie denn auch getan haben. Ter Schilderanmacherstreik bansrt fori k Der Abwehrstreik der Schilderanmacher, Helfer, Kutscher und Arbeiter bat sich insofern weiter verschärft, als daß bei einigen weiteren Firmen die Arbeit eingestellt worden ist. Ein Teil der Arbeitgeber, die dem Verein Berliner Schilder- fabrikanten angebören, haben die schriftliche Erklärung abgegeben, daß ste dem Beschluß ihres VereinSvorstandeS, die Lohn- und Ar- beitsverhältnisse zu verschlechtern, nicht nachkommen wenden, son- dern sich strikte an den Abmackningcn, die mit dem Deutschen Transportarbciter-Verband vereinbart worden sind, halten. Streikarbeit konnte fast überall mit Erfolg verhindert werden. ! Nur in einzelnen Fällen ist solche ausgeführt worden, so unter i anderem im Engelhardt-Ausschank, Gleimstr. 21(Inhaber Herrn. | Lack), Patzenfofer Ausschank, Strelitzer Str. 34(Inhaber Herm. i Brunke), Volksgarten, Prinzenallee 55/56(Jnbaber Brandes). Die ] Inhaber dieser Lokale sind auf die Streikarbeit hingewiesen worden und aufmerksam gemacht, daß diese Arbeiten von ungeübten Kräften ausgeführt werden. Es ist ihnen weiter gesagt worden, daß die Schilder mangelhaft angemacht werden und daß die Gefabr des Hcrabkallens besteht. Da die betreffenden Inhaber das Anmachen nicht verhindert haben, so scheint ihnen an einer Dauerhafligkeii der Arbeit wenig gelegen zu sein. In einigen weiteren Fällen mutzte die Streikarbeit eingestellt werden, da die Inhaber die Aus- ! führung sich verbaten. ' Die Streikenden richten an die organisierte Berliner. Arbeiter- � schaft das Ersuchen, den Kampf der Schilderanmacher in weitestem Sinne zu, unterstützen und bei Schilderanmacherarbeiten sich zu ' vergewissern, ob solche von Arbeitern ausgeführt werden, die dazu � die Berechtigung haben. Nur wer im Besitze de« von der Organi- i fation ausgestellten und mit Verbandsstempel versehenen Arbeits- � berechtigungSscheineS ist, darf diese Arbeiten verrichten. Wer eine ! solche Bescheinigung nicht aufzuweisen hat, gilt als Arbeitswilliger und ist dementsprechend auf sein arbeiterschädliches Tun aufmerk- sam zu machen. v_ Generalversammlung der Transportarbeiter. Der Deutsche Transporlarbeiterverband(Bezirksverwaltung Groß-Berlm) bieli am Donnerslog eine G.e n e r a l v e r s a m m- l u n g ab, in!yr der GeschäflS« und Kassenbericht für das zweite Quartal gegeben wurde. Am 1. April betrug der Kassenbestand der Bezirks lasse öS 224 M. und der des V.-B.-G.-FondS 25 182.40 Mark. Einschließlich dieses Bestandes betrug die Gesamtcinnahme der Bezirkskasse im 2. Quartal 2 812 433 M. Nach Verrechnung der Ausgaben verblieb am 1. Juli ein Bestand von 95 448 M. in der Bezirkskasse und ein solcher von 24 882 M. im B.-B.-H.- Fond«.— Der Mitgliederbe st and hat sich im Laufe des Quartals erheblich vermehrt. ES waren vorhanden am 1. April 1)2 702 männliche. 22462 weibliche, 3273 jugendliche, insgesamt alio 138 437 Mitglieder. Dagegen betrug am 1. Juli der Mit- gliederbestand 122 780 männliche, 25 858 weibliche, 3807 jugendliche, insgeiamt also 152 445 Mitglieder.— O r t m a n n gab zu diesen Zablen verschiedene Erläuterungen und führte außerdem aus: Die Haupttäiigkeit während deS Quartals lag in den Verhandlungen. Angriffsbewegungen ohne Streiks gab es 132. bei denen 2123 Betriebe, mit 276 599 Beichätligten in Betracht kommen und durch die an Lobnerhöhungen 3 355 881 M. erzielt wurden.— Annriffsbewegungen mit Streik waren 6. die 113 Betriebe mit 3534 Beschäftigten betrafen und 166 902 M. Lobnerhöhung erzielten. — Der ArbeitSnackweiSbericht gibt kein erfreuliches BUd; gegen das vorige Quartal war eine Verschlechterung festzustellen. — Nach lebhafter Debatte wiirde dem Kassierer Entlastung erteilt. — An Stelle eines verstorbenen Vorstandsmitgliedes wurde der von der Sektion Straßenbahner vorgeschlagene Kollege Schaum» bürg in den Verbandsvorstand gewählt.— Als Settioneleiter der Sektion VI(Postaushetfer) wurde Fanß gewählt. '. Heber die Frage der Zusammenfassung der Betriebsräte entsvann sich eine lebhafte Debatte. Die Vertreter in der Eewerk- schafrskommiifion'ollen entschieden dahin wirken, daß eine Ver- ü ä» d i g u>i g mit der Ata erfolgt. Eine Zersplitterung inner» bald der GeDcrkicha'ien, die der Gewertschaflsloiunliiston an- geichlosien sind aarf, so wurde aiisgesvrochei!. wegen der Frage der Zuiammenjaiizrng der Betriebsräte nicht eintreten. Lohnbewegung der Wach- und Tchlie�angesielltett Groft-Berlins. Am Donnerstag vormittag beschäftigte sich eine von zirka 2600 Wächtern besuchte Versammlung im großen Saale des Gewerk- i schoftshauses mit den bevorstebende» Tanikündiglliigen und dcn zu > uellenden Forderungen. Nach Ausführungen des Referenten Leube � wurden nach eingehender Diskuisicn einstimmig folgende Lohnforderungen aufgestellt: iür Wächter und Wächterinnen«in Lohn von 250 M., für Oberwächter 260 M. und für Kontrolleure 275 M. pro Woche. Lohnzahlung jeden Freitag. Alle Woche eine freie Nacht oder Schicht. Da die Wach- und Schließangestelltcn in den Groß-Berliner Wach- und Schließgeiellschaften restlos hinter ihrer Organiiation, dem Deutschen TranSporlorbeiterverbaild, sieben, ist zu erwarten, daß es gelingen wird, die gestellten Forderungen zur Äueikennung zu bringen. Sollten wider Erwarten die Wachgeiellfchaiten lein genügendes Entgegenkommen zeigen, sind die Wächter gewillt, ihre berechtigten Forderungen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zur Anerkennung zu bringen. Wirtschaft Der Tchuhwarcnhandel gegen Preiserhöhungen. Der Verband Deutscher Schuhwarenhändler erläßt folgenden Protest gegen die Schuhpreiserhöhung: An alle an der S ch u h e r z e u g u n g und deren Ver- trieb beteiligten Gewerbszweige. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Preise für die zur Erzeugung notwendigen Rohstoffe und Vorfabrikate eine stet- gende Richtung«inzu schlagen beginnen, wodurch die Schuhwarenpreise anstatt der erwarteten Senkung eine weitere Steigerung erfahren müssen. Als berufene Vertretung des organisierten Schuhhanvels er- klären wir hiermit öffentlich, daß die Kaufkraft der breiten Schichten der Verbraucher für etwaige weiteranziehende Schuhpreise nicht ausreiefit. Die allgemeine Erschöpfung der Kaufsähigieit des Publikums hat mit Recht allenthalben Bestrebungen gezeitigt, die Preise noch tiefer zu senken, als es infolge der letzten wirtschaftlichen Entwickelung der Fall war. Wie die Vorgänge der letzten Zeit gezeigt haben, wird vor allem der Kleinhändler von dem Käufer für die Preissteigerung verantwort- lich gemacht. Diese irrige Auffassung hat sich bekanntlich in letzter Zeit sogar in Plünderungen der Läden und gewaltsamem Preis- abbau geäußert. Als die Vertretung des von weiieren Preissteigerungen in erster Reihe gefährdeten Standes müssen wir daher unsere war- nende Stimme erheben und hiermit öffentlich erklären, daß der Schuhhandel fest entschlossen ist, weiieren Preis- st e i g e r u n g e n für Schuhwaren den größten Widerstand entgegenzusetzen. Er fordert biermit aber auch alle an der Herstellung und dem Vertrieb der Schuhwaren beteiligten Kreise auf. gleich ihm die Ablehnung höherer Preise und den von ihm da- mit beabsichtigten Druck auf eine Preissenkung auch auf ihre Vor- lieferanten zu übertragen.__ Eine Genossenschaftsbank für das Mühlengewerbe. Der in Dresden tagend« Verband deutscher Müll er beschloß die Errichtung einer großen Genossenschaftsbank vorzu- bereiten, an deren Finanzierung auch die deutsche Landwirtschast interessiert werden soll. Die Frist zur Abgabe der Bcsitzsteuemklärung ist jetzt ebenfalls allgemein bis zum 30. September 1920 verlängert. Verannvortlich titr den redattionellen Teil: H. Lepirl-Hermsdorf-, jllr Anzeigen: TU.«(utfe, verlin. Verlag: vorwärtS-Verlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- Wörts-Vuibdruckerei u. Verlagianstalt Paul Singer u. Ca.. Berlin Lindenltr. 8. Reichel s MkllWskN {•.U über A Jahren erfolgreich «Rorodt und berltdmt durch ihre grohe Wirkung bei Magenleiden und Verdaunngadeilbwerden. Einzig echil„ IDar Nach- U- mit HeO ßO lahmungen Marke■" gewarnt Orig»Fl.1v. VM.,Probe(U,— M. Wo nicht erhäili.. wende m. s. an Otto Reichel, Berlin 4Ä Sy..«»senbohustraste» Verkäufe Pelzwarenwegner, Potsdamerstratze 43. Stpfei aller Billigkeit. Spottbilligste Sommer» preise für Damenpelzwaren, Serrenpelzwaren, Kinderpelz» waren,«velegenheit-löufe aller erdenklichster Peizarten.' Anzug, 1,70, Herbstvalekot »erlauft Lchijneberg, Mazien- stratze 2l. III r. Achtung! 300 Mark. Ele» gante Spart» und Ginsegnungs- Anzüge. Monath. 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