ttr. 42H» Z7.�ahrgakg Msgabe H Kr. 73 Bezugspreis: V•rtctiSIjtLSO,— äKl„niona11.10,— SKI. frei INS Haus, voraus zahlbar. Poll» benign Monatlich 10,— Ml. erfL S>'* bellungsaeditbr. Untctfireuzhanö für TeuNchlcnd und Oesterreich IS�O Ml. für i>as übrige Tusians bei täglich e ninal. Zustellung 2130 M. Postoe- (tellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Ofchecho» Slowakei, Dane- mar', Hollana, au;emdurg, Tchrveben und l>ie Schweiz.— Eingetragen in die Dost-Zeitung». Preisliste. SO.«.Vorwärts" mit der Sonntags» beilade.Volt u. Zeit" ericheini wachen- taghch zweimal. Sonntags und Montags einmaii Telegramm-Adreffei jSogioOemoltaf Bectin". orgen Ansgabe Bctiiucc VolKsblAtt (3® Pfennig) SlnzeigenvreiS: Die achtgefpaltene Sionpareillezrile kokteiZ,— iUi.. Teuerungszuschlag Sil«/» .aloine linzoigon", aa, teti- gedruckte Wort l,— M.(zulässig zwei leltgednlckte Worte), sedes weitere Dort 00 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 63 Vfg. jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen für -wei Worte. Teueruugszuschlag SO0/». Zamilien-Anzeigen für Abonnenten Feile 2,— M.,»olitilche und ge- werkschastliche Verein»- Anzeigen Z.— Ml. die Feile ohne Ausschlag. Anzeigen für die n a ch st e bininm-r müssen bis 5 Ahr nachmittags in »auptgefchäft, Berlin CW 08. Linden- firaße 3,»bgegeben werden. Deäffnet von S Uhr früh bis 3 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratlfchen parte» Deutfcblands Neüaktion und Expedition: SM. 6S, Lindenstr. 3. aernfv recher: Amt Moriliplatt, Nr. l.sis?. Vonvärts-Verlag G. m. b. H., EW. öS, Lindenstr. 3. isernfpreeher: Amt Morivplat!, Nr. l 1 7."i:>— Reichsregierung und Gberfthlesien. Amtlich wird gemeldet: Aachdcm am Tonntag bereits eine Sesprchuttg bei dcm Reichspräsldcntcn stattgefunden hatte, br- fchäftigte sich die jiabincttSsitzung am Montag unter Feh reu- bachs ZZorsih wiederum mit der oberschlestschen Frage. ES wurde» aste Mittel erörtert, um möglichst bald ruhige Zustäude zu sichern. Nach dem Friedensverträge liegt es der interalliierten Kommission ob, Ruhe und Ordnung in dcm LbstimmungS- gebiet aufrechtzuerhalten. Tie Neichsregicrung bedauert aufs tiefste. daft weite Teile von Obcrschlesicn sich in der tatsächlichen Gewalt polnischer Insurgenten befinden und damit eine Lage ein- getreten ist, welche unsere schlcsischen Brüder in Bedrängnis bringt, die friedliche Arbeit— namentlich die Kohlenförderung— stört und die für das gesamte europäische Wirtschaftsleben so wichtige LoistungSfähizkeit des Lande? gefährdet. Tie ReichSregierung hat durch ihre Vertreter bei der interalliierten Kommission in Ober- schlcsicn und durch ihre Botschafter in Rom, London und Paris Vorstellungen erhoben und verlangt, daß die interalliierte Ziommissio» mit völliger Unparteilichkeit und mit alle» Mitteln gegen den von langer Hand vorbereiteten Aus st and vor- gehe und da? Leben und Eigentum der deutschen Bevölkerung schühe. Die interalliierte Kommission in Oppeln hat erklärt, basi sie den gcgdnwärtigr» Aufstand als eine Auflehnung gegen ihre RegicrungSgcwalf ansieht; sie sei entschlossen, mit Nach- druck gegen die Zlus ständischen vorzugelzen, ihre E n t- wassnung durchzuführen nnd für schleunige Herstellung gc- ordnctrr Zustände sowie für den Schuh der wehrlosen Bevölkerung Sorge zu trage». Tic deutsche Negicl'iilg hofft, hast eS der inter- olliirrfrn Kommission gelinge,, wird, diese Zusage zu erfüllen, um dem ihr anverfrantcn Lande in Kürze die Nuhc wiederzugeben. Sie richtet ihrerseits an die Bevölkerung von Obcrschlcsicn die ernste und dringende Bitte, sich ruhig zu verhalten und d'ioch keinerlei U n- besonne n hgit Borwände zu neuen Unruhe» zn lirfern. Tie Bevölkerung Oberschlesiens kann versichert sein, daß die deutsche ssirgierung die obcrschlesischcn Interessen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln vertreten wird, dasz sie sich auf Gedeih und Brr- derb mit Oberschlcf'icn verbunden fühlt und nicht still- schweigend hinnehmen wird, daß. auch nur ein Fuß breit ober- schlrsischcn BodcnS durch gewaltsame Maßnahmen entgegen den Bestimmungen des Friedensvertrags nnd gegen den LLillen der Bevölkerung vom Tcutschen Reiche getrennt wird. »» « Der Mufstand in Gbersihlesien. Von einem befannten Parteigenossen wird uns aus Oderschlesidn über die dortige Lage geschrieben: Tic Großpolen suchen das Experiment von �Poseit in Oberschlesien zu wiederholen und die Wc�l vor eine fertige Tatsache zn stellen. Sie genießen dabei den Schutz der En- tente, zum mindesten aber Frankreichs. Die Polen dürfen heute nicht mehr daran glauben, daß sie eine Mehrheit bei der demnächst stattfindenden Ab- stimmung finden. Tic Stimmung ist. ganz gründlich umgeschlagen und darum versuchen sie eS mit Gewalt, wobei die Franzosen die Rolle des Hehlers spielen. Am letzten Dienstag setzte sich die o b e r s ch l e s i s ch e Arbeiterschaft einmütig zur Wehr gegen dir Versuche der Franzosen, die Neutralität Oberschlesiens zu verletzen. Die Eisenbahner schoben in der Nacht zum Montag zahlreiche Münitions- und Transportzüge, die ans den ober- schlesischcn Bcsatzungsbeständen zum Kampfe Polens gegen Soivjctrusiland losgelöst werden sollten, ans tote Gc- leise und ließen sich auch durch Verhaftungen nicht ein- schüchtern. Ter folgende Tag brachte einen lückenlosen Generalstreik und DcmonstrationSkundgebungen für die Unverletzlichkeit der Neutralität, wie sie nie in Deutschland erlebt wurden. Der Generalstreik kam dem lang vorbereiteten Auf- standsversuch der Polen zuvor, dessen Pläne der deutschen Presse in die Hand fielen. Die von den Polen der- suchten Gegendemonstrationen scheiterten infolge lächerlich ge- ringer Beteiligung kläglich. Die demonstrierenden Arbeiter setzten den ProvokationSversuchen der Polen eiserne Ruhe und Disziplin entgegen.' Nur in Kattoivitz kam es infolge der provozierenden Haltung der französischen Truppen und der eingesetzten polnischen Stoßtrupps zu blutigen Zusammen- swßen, die sich drei Abende lang wiederholten. Es steht fest, daß aus dem Hause der polnischen Plcbiszitkommission das Feuer auf die demonstrierenden Menschenmassen eröffnet wurde. Daß dann die Leidenschast durchbrach und die Ge- bände der Angreifer unter schlimmen Exzessen gestürmt wurden, ist verständlich, wenn es auch nicht zu billigen ist. Bezeichnend aber ist das Eingeständnis dcS Studenten Pir. der im schwer verteidigten Gebäude des polnischen Plebiszitkommissariats gesangen genommen wurde, und der nach seiner Angabe bei dem Polenführer Korfanty Adjutanten- dienste verrichtet. Obwohl der Generalstreik ganz unvermutet ausbrach, ist er von Korfauth mit 4 3 S ch w e r b c w a f f- ncten als Stoßtrupp nach 5lattowitz gesandt.worden gegen einen Tagessold von ItXX) M. Würde das noch nicht genügen, um die polnische Vorbereitung zum Aufstand in Verbindung mit den veröffentlichten Geheimplänen zu er- weisen, so ist die überraschende Tatsache ein hinlänglicher Bc- weis für die polnischen Pläne, daß am Freitag die Orte MhSlolvitz, Laurah üttc, Schoppinitz und Eichenau von S o k o l S und regulärem polnischen Militär besetzt wurde. »> Im Gegensatz zu der streng gewahrten deutschen Neutralität pfeift also die polnische Republik auf die Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles, der die Neutralität Oberschlesiens garantiert, und die interalliierte Kommission scheint eS mit ihrer Vcrtragspflicht nnd ihrer Ehre verein- baren zu können, den Hehler d e S polnischen Ein- falls zu spielen, statt Hüter des Plebiszits und der Unoerletzlichkcit Oberschlesiens zu sein. Denn eS handelt sich wohlgemerkt nicht ollein um einen Aufstand polnisch- sprechender Obcrschlesier, der trotz des Heeres ein- gewanderter Agenten ein klägliches Ende nehmen müßte, es handelt sich um die Unterstützung des Aufstandes durch geschlossene reguläre H e c r e s v e r b ä nTiT c der polnischen Republik. Und damit wird daS großpolnische zn einem c n r o p ä i s ch c n' A b c n t e n e r. Denn Deutsch- land kann nicht ruhig zusehen, wenn ihm gegen denWillen der oberschlestschen Bevölkerung seine zweit- größte Jndustrieprovinz aus der Hand geschlagen wird, ohne die es nicht leben kann. In Kattowitz raffeln die französischen Panzerautos und die Kavallerie attakiert auf dem Bürgersteig. Jede Zusammen- knnft von mehr als vier Personen, auch in geschlossenen Räumtn, ist verboten. Nach 7 Uhr abends darf niemand auf die Straße. Mehrere Ge w e r k sch a f t s a n g e st e l lt e sind als Geiseln verhaftet., Ebenso das Plcbiszitkommissariat. Post, Tele- Phon und Telegraph und gesperrt. Der Belagerungszustand fvird in verschärfter Form durchgeführt nnd vor den Toren von Kattowitz marschieren unbehelligt von den französischen Hütern der oberschlesischen Ruhe und Ordnung die polnischen Legionen auf, um ganz Obcrschlcsien zn besetzen. Was sagt England und Italien dazu? Haben sie ein Interesse daran, daß polnische Abenteurer mit französischer Unterstützung den Versuch machen, Deutschland in einen neuen Weltbrand hin- einzuziehen? In den letzten Tagen bemühten sich Vertreter der deutschen Regierung gemeinsam mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen und den Werksbesitzern im ober- schlcsischen Bergbau um das Zlistandekomlnen eines U c b e r- schichtabkommenS, das derzusammengcbrochenen europäischen Wirtschaft monatlich liOOOOO Tonnen Kohlen zugeführt hätte. Ohne dieses Ueberschichtenabkonnnen ist die Erfüllung des Kohlenabkommens von Spa nicht möglich. Am 22. August sollten die Bezirkskonfercuzen der Organisation für die der- einbarten Richtlinien gewonnen werden, was in diesem auS- gewühlten Revier ohnedies eine Riesenaufgabe war. Jetzt wird das Friedenswerk, das ganz Mitteleuropa zugute gekommen wäre, durch P a n z e r a u t o s in Trümmer geschossen und der Rhythmus der Arbeit wird übertönt durch das Aufschlagen der Handgranaten größen- wahnsinniger Verbrecher. Tie Verantwortung für das Ausbleiben einer vermehrten Kohlenförderung hat das kohlcnarme Frankreich zu tragen, dessen säbclrasselnde Ver- tretcr allen Geboten der wirtschaftlichen Not zum Trotz eine Desperadopolitik dulden und mitmachen, die ganz Europa in den Abgrund reißen muß. Die deutsche Arbeiterschaft Oberschlesiens, die, wie der Generalstreik bewies, heute eine Vierfünftclmehrhcit der oberschlesischen Bevölkerung hinter sich hat, kann und darf dem polnischen Abenteuer nicht ruhig z uz e h e n. Aus den von den Polen besetzten Orten kemmen entsetzliche Hilferufe, Schon aus Sclbstcrhaltungs- trieb muß der deutsche Volksteil sich zur Wehr setzen, wenn die interallikrtc Kommission nicht einlenkt. Zwar wurden in Kattowitz die französischen Truppen durch Italiener ergänzt, die sich bisher als loyal erwiesen. Die nächsten Stunden können aber ganz Oberschlesien in ein Blutbad verwandeln, da die polnischen Agenten in allen Orten zum Aufstand Hetzen und zum Angriff übergehen. Die Regierung darf die oberschlesische Arbeiterbevölkerung und das deutschgesinnte Bürgertum nicht sich selbst überlassen. Sie mutz sofort auf die Intervention Eng- landS, Italiens und Amerikas drängen« damit dem Unheil gewehrt wird, ehe eS zu spät ist. Noch halten die Gewerkschaftskreisc und die Parteiführer die aufgeregte Bevölkerung klugerweise von gewaltsamer Selbsthilfe zurück. Jede Stunde deS Zögerns aber vergrößert die Gefahr und droht aus O b e r s ch I e s i e n einen Trümmer- h a il f c n z n mache n. In Oberschlesien wird augenblicklich nicht allein Deutschlands Schicksal, sondern das g a n z E n r o�i a s entschieden. Die deutsche Regie- rung mutz daher Europa ungesäumt auf die Riesengefahr aufmerksam machen und ihre Pflicht restlos tun. Bezeichnend ist. daß selbst politisch-radikale Kreise dringend den Einmarsch der Reichswehr verlangen, falls die Interalliierte Kommission die deutsche Bevölkerung nicht schützen kann— oder will. Das Unheil kann zur Stunde noch beschworen svcrden, wenn der Entente klar gemacht wird, daß sie dem Verbrechen der Polen entgegentreten nnd die A b st i m m u n g u n g e- s ä u ni t v o r-g e n o m m e n werden muß, wenn nicht ganz Europa die furchtbare Zeche zahlen soll. Nach den neuesten Meldungen aus Oberschlesien scheint sich ein Umlschwung in der Haltung der sranzösischet» Be- satzungstruppen anzubahnen. Und wenn diese.neueren Nachrichten richtig sind, ist sogar schon die Entwasfiiung der polnischen Aufständischen eingeleitet. Wir gäben aber trotz- dem der Zuschrift unseres Genossen Raum, wei'l sie ein grelles Schlaglicht wirst auf die UnHaltbarkeit der Zustände, wie sie sich in Oberschlesien herausgebildet haben, nickst zuletzt durch die lange HinauSzöaening der Abstimmungstermine. Es handelt sich in dem Jndustrierevier nicht allein um nationalistische Treibereien— obschon sie sich bei der Ge- spanntheit der Tituntion auch bemerkbar machen—, es handelt sich vor allem um die Rechte der Arbeiter- und An- gestelltenschart, die in Frage gestellt scheinen. Deshalb die dauernden Konflikte mit der französischen Besatzung, des- halb folgt der Justizstreik dem Generalstreik und dieser wieder jenem. Allerdings darf man nun nicht übersehen. daß in einer so überhitzten Atmosphäre auch die Giftblütcn der Tendenz-mgldunigen wuchern. Mau muß deshalb alle Meldungest aus dein.Fiainpfgebiet" mit der Vorsicht des klugen Mannes genießen, der durch die offiziöse Stimmungs- mache während des Weltkrieges von seiner Leichtgläubig- keit kuriert ist.. Der Redakteur des„Berliner Tagckblatt", Dr. Michaelis, ist gegenwärtig i'n Kattowitz und berichtet von dort in sei nein Blatte auf Grund der von ihm borge- nommenen Ermittelungen, daß an dem Kuirdgebmigestag die französische Neitersperrc zuerst beschimpft worden sei. Daraus hätten, sich die fürchterlichen Dinge erst ent- wickelt. Tie ersten S ch ü s s e der Soldaten seien o h n e iBef'ehl abgegeben worden. Kein Beweis liege vor. baß her nachher d n r ch M i tz h a n b l u n g schwer ver- letzte und dann in scheußlicher Weise totge- sch läge neu Dr. Milewski eine Handgranate auf Deutsche geworfen hatte.... Wir sind sicher, daß s o z i n I d e m akratische Ar- beiter an solchen Schandtaten nicht teilgenommen haben können. Es ist aber allbekannt, daß die sozialdemokratische «Bewegung in Oberschlesien leider immer noch jung und nicht -stark genug ist in diesem Lande, das von jeher vom nationalen Kampf zerwühlt wurde. ** Die Heruhigung Oberschlesiens. Am Sonntag beschloß in Beilthen oin: Versammlung von Führern aller politischen Parteien, eine Kommission zum frariza- sischcn Gcnoral' G r a t i e r zu senden, um ihm die Forderung zu unterbreiten, die Ruhe und Ordnung durch französisches Militär iviederk«zustellcn. Zu diesem Zweck soll l. die Entwaffnung der Bevölkerung allgemein durch- geführt werben, 2. nach Wieiderberstcllung von Ruhe und Ord- nung der Belagerungszustand sobald wie möglich auf- gehoben werben, S. da, wo Unruhen lnstehen, die Sicherheit durch eine unparteiische Sicherheitswehr aus bside» Volksteilen gewährleistet werden, 4. der augenblickliche Streik abgebrochen und die Arbeit am Montag überall iviedcr aufgc- diommen Vierden. Dort, wo Terror gegen Arbeitswillige versucht wird, soll die inleralliierte Kommission Schutz gewähren. General Gratier, der von einer Inspektionsreise durch den südlichen Teil deS JndustrieFebietes zurückgekommen war, erklärte. daß er überall Ruhe und Ordnung borgefunden habe, und daß die Polenführer ihm zugesagt hätten, für die Aufrecht- erhaltunf, der Ordnung sorgen zu wollen. Si« hätten ihm ver- sichert, daß die Arbeit am Montag überall wieder aufgenommen werden soll. So hoffe er, soweit er in der Lage sei, eine Zu- sich- rung zu geben, daß er den Wünschen der Kommission werde .Li achkommen können. Die in DcutKen abgebrochene Versammlung würbe abenbZ 1l> Uhr in Kleiwitz wieder aufgenommen. Die Versammlung be- scl'lotz. die Besprechungen mit der interalliierten Kommission fort- zusetzen.' Zum Schluß richtete die Versammlung an-die Bevölkc- rung Oöerschlcsicns das dringende Ersuchen, Ruhe und Ordnung zu halten. In einem Telegramm an den Reichskanzler sagen die vcr- einigten Verblende �cimattrcuer Oberschlesicr in Breslau: „Dem Versprechen der interalliicrien Kommission sind bisher keine ausreichenden tRaßnahmen gefolgt. Tic dsutschgesinnte Bevölkerung ist völlig schuhlos. Insbesondere richtet sich der töaß der Aufständischen gegen unsere Mitglieder, in deren Händen die wichtigsten Vorarbeiten für die Durchführung der Volksabstimmung liegen. Mord, Mißhandlung und Verschleppung sind die Mittel, mit denen bereits in zahlreichen Fällen gegen sie vorgegar.gen ist. Die gesamten Abstimmungsarbciten sind nicht nur aufs schwerste geiährdet, sondern auch weite Kreise der dcutschgesinnten De- völkerung fürchten, daß ihnen das Schicksat Velens aufgezwungen wird." Inzwischen sind P l c ß und S o h r a u von den Polen bc- sctzt worden. In Plcß soll bei der Erstürmung ces Gefängnisses ein polnischer Angreifer erschossen worden sein. Bis Montag mittag waren der ganze Kreis Rybnik außer der Stadt, der ganze Kreis Pietz, der Landkreis K a t t o w i tz, der Landkreis B e u t h e n und der Landkreis Tarnowitz durch- tveg in polnischer Hand. Tie Städte Gleiwitz, Kattowitz, Beuthcn, Königshütte nsw. bilden zurzeit noch wenige Inseln. Aus den besetzten Teilen unternehmen die Polen ständig Vorstöße nach diesen Orten. In dem besetzten Gebiet fordern Maueranschläge in zwei Sprachen zur Bildung von Selbstschutzkomitecs ans der heimischen ortsansässigen Bevölkerung auf. Die Führer dieser KomneeS verpflichten sich, mit allen ihnen zu Geböte stehen- den Mitteln für Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Orb- nung zu sorgen und die Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben in die Wcge zu leiten. Ter Verkauf von alko- b o l i s ch e n Getränken ist untersagt. Auf Raub, Plünderung sowie ähnlichen Verbrechen steht Todesstrafe. Alle Beamten der öffentlichen Dienststellen mit Ausnahme der bisherigen Polizeiorgan« und der Gendarmerie werden aufgefordert, ihren Dienst in der bisherigen Weise aufzunehmen. Im Beuthiner Gebiet zeigen sich bereits Anfänge in der Wiederaufnahme der Arbeit auf den Gruben. Die Richtlinien für üie Eisenbahner. lieber die am gestrigen Montag stattgcfundenen Vor- besprechungen zwischen der von den Eisenbahnbetniebsräten gewählten Kommission und der Reichsregierung über die aufgestellten Richtlinien für die Arbeiberschaft der- breitet die 15.-Korrespondenz einen Bericht, nach dem eine Aussicht aus Verständigung kaum bestehe. In diescin Bericht heißt es u. a.: Die Richtlinien der Eisenbahner über die Vcrkehrskontrolle sind außerordentlich scharf. Die örtlichen Ausschüsse haben danach die Verpflichtung, jeden verdächtigen Transport so lange anzuhalten, bis eine Entscheidung der Z e n t ra l i n st a n z in Berlin gefallen ist. Bei der Unzahl der Meldungen, die täglich über angehaltene Eisenbahntransporte ein- gehen, könnte sich die Absendung einzelner Züge oder Waggons mitunter mehrere Tag« verzögern und die Eisenbahn- Verwaltung würde schon technisch vor eine sehr schwierige Aufgabe gestellt werden, wenn sie nicht in der Lage wäre, über die Waggons frei Verzügen zu können. Bezüglich der Ententetruppen baben di« Eisenbahner besondere Beschlüsse gesaßt. An der Wcstgrenze und ebenso im besetzten Gebiet im Osten des Reiches sollen die Transporte, über die vorher eine Verständigung �iit den örtlichen Gewerkschaften hergestellt werden muß, bc- sondere Passierschein« erhalten. Am gestrigen Montag baben Besprechungen mit Eisenbahnvertretern im Reichs- wehrministerium stattgefunden, die eine Kkärupg der Der DijsiKent. Von Karl Lütge. Ersten» ist Dissident ein Fremdwort, und zioeitcnS weiß kaum einer, was es wirklich bedeutet. Wohlgemerkt: Gewicht gelegt auf das Bedeuten in dem Sinne, daß kaum einer eine Ahnung von der Schwierigkeit des Dissidentenseins hat. Und dann: konfessions- loS, religionslos u>w.— wie ich auch suche— alles sind Fremd- Worte. Ungläubig? Nein, ungläubig ist kein Fremdwort, scheint's mir! Aber es stimmt nicht ganz. Es d e ck t sich nicht! Ich bin Dissident und doch gläubig. Doch das gehört nicht hierher, a n was ich glaube. Außerdem ist Diisident eine Gesamt- bezeichnung für alle Personen und Religionsgemeinschasten, welche außerhalb der sogenannten Landeskirchen und de? Judentums stehen. In Polen heißen sogar alle Nichtkatholiken Dissidenten. Daraus erbellt also zur Genüge, daß die bösen Dissi« denten keine Heiden, Ungläubigen und derlei schlechte Menschen sind oder sagen wir— zu sein brauchen. Höchstens insofern, als sie sich um die Kirchensteuern drücken dürfen. Doch das ganz nebenbei. Sonst fallen mir keine Nachteile ein, die anderen Men« schen durch die Dissidenten erwachsen. Hingegen umgekehrt, wie ich zu meinem Schaden genugsam erkennen mußte.... Vorweg die Tatsache: ich. bin richtig getauft und christlich er- zogen. Mithin Christ gewesen. Bis— bi» meine Eltern au» der Kirche«u Straten und mich mit l» Iahren mitnahmen. Um gernrn z» sein— sie fragten mich! Krast meiner mir mit Iahren imiewohnenden Selbständigkeit und Klugheit sagte ich bewußt, daß ich ganz gewiß mit austrete! Seitdem bin ich Dissident. Die Rückgewinnungsversuche der Kirche scheiterten am Wider- stände meiner Eltern. Mich ließen sie unberührt. Ich war außerdem kaum gewillt, a.llein wankelmütig zu werden. Also blwb ich Diisident bi« zum Examen. Ich war darum ein schwarze» Schaf. Aber auch schwarze Schafe finden milunter Liebhaber und besitzen Freunde.— Genug: ich bestand! Der Weg war frei. Ja— wenn ei nicht inzwischen anders gekommen wä-c. Und nach zwei Jahren obendrein der Krieg. Nun mußte das Wörtcheu Dissi- dein wieder heran. .Eo. s»— Dissident? Ach— Dissident?' DaS war das erste. Sehr höflich— nur ein ganz klein wenig höhnisch war da». Aber eS kam besser. O, sehr bald. Der Herr Feldwebel: .Wa» ist der Kerrrl?!!— GottloZ, wa»? Na'n schöner Bruder!!", Aber auch das war noch leidlich. Nur Strafwachen während d-s Goiietdienste?, Aborireinigen und noch andere schöne Dinge sind am besten mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe zu be- decken... Ebenso Verwundetenpflegeerlebnisse und andere Krieg»- Tissidenten-Behandlungen... Sachlage jedoch nicht herbeigeführt haben. Man erblickt hier in der Kontrolle der Eisenbahner, die sich namentlich auch aus die MunitionsiranZporte für die Reichswehr erstreckt— die Eisenbahner wollen eine Kontrolle der Belieferung der einzelnen Truppen mit Munition, aiisäben— eine besonders schwere Gefahr. Eine Mitteilimg von gewerkschaftlicher bzw. Partei- genössischcr Seite l�leibt gegenüber dieser offenbar tendenziösen Darstellung abznlvcirten.' Solveit wir unterrichtet sind, stellen im Gegenteil die entworfenen Richtlinien das Minimum der Vorsicht dar, das die Arbeiterklasse in der gegenwärtigen Zeit zn verlangen berechtigt ist. Soweit nachweisbar die Transporte für die Reichswehr und die Sicherheitspolizei be- stimmt sind, sollen sie ohne weiteres durchgelassen werden. Diesen Standpunkt nehmen auch die Vertreter der U. S. P. in der Kommission ein. Aber beide Parteien und die Gcwerk- schaften stimmen darüber ein, daß Waffen- und Munition?- transporte, die für die Reaktion, ob Polen oder z. V. die S r g e s ch unter dem Deckmantel der Reicbsnxchr bzw. der Sipo bestimmt sind, nicht durchgelassen werden dürfen. Ter Fall des Mnnitionstransportes nach Königs- berg, der aus dem Stettiner Balmhof angehalten wurde, ist in dieser Beziehung sehr lehrreich: nach Rücksprache mit dem Königsberger Polizeipräsidenten Genossen L ü b b r i n g lS. P. T.) und dem Vorsitzenden des Gewerkschckstskartells Ostpreußen, Mertens(11. S. P;), die ursprünglich für die Turchlassiing des Transportes telegraphisch eingetreten waren, hat sich herausgestellt, daß die Meng? der von der Sicherheitspolizei angeforderten Munition weitgcringer ist als die Menge, die der Leutnant T a m s ch i ck in seinem Zuge führte. Es fragt sich nun, für w c n diese riesige Menge von Munition(es. handelt sich um 28 Waggons mit u. a. etwa einer Million Schuß Jnfanteriemunition und 40 VM Handgranaten!) bestimmt war. Man ist offenbar dank der Wachsamkeit der Eisenbahner des Stettiner Bahnhofes auf die Spur einer Waffen- und M u n i t i o n s- s ch i c b u n g größten Stils gekommen, deren Auf- klärung womöglich noch allerlei aufsehenerregende Momente zeitigen wird. Ob putschistische Zwecke oder nur nentralitäts- widrige Schiebergeschäfte init dem angehaltenen Tamschick- Transport verfolgt lvurden, wird die Untersuchung noch er- geben. Jedenfalls zeigt der Vorgang, wie berechtigt'das Vor- gehen der sozialistischen Parteien und der Gewerksckiasten ist. Mag die bürgerliche Presse, /einschließlich der demokratischen, »och so sehr wieder einmal über die„Nebcnregierung" toben, da nun einmal feststeht, daß allerlei verfassnngs- und nen- tralitätswidrige Machenschaften hinter dem Rücken der Rc- gierung, wenn nicht sogar mit der Koniplizität einzelner mehr oder minder untergeordneten Regierungsstellen. im Gange sind, werden sich die Vertreter der Arbeiterschaft durch diicses unaufrichtige Geschrei nicht kopfscheu machen lassen. »« Tie.Rote Fabne' batte bei Beipreckiiing der Festholtiing des cmf dem Sletlincr Bahnhof angehaltenen MiniilionstranspoiteS bc- banptet, daß Hauptmann M e n d e versucht habe, ans Grund von gefälschten Ausweispapieren den Transport freizubc» kommen. Hauptmann in der Sicherheitspolizei Men de, der dem Preußischen Ministerium des Innern zugeleilt ist, erklärt diese Bc- bauptuiig für unwahr. Er wird gegen die Redakiion der.Roten Fahne" Strafantrag wegen Beleidigung und böswilliger Ver- leumdung stellen._ weltaufruf für Neutralität. Die„Huinanitö" erhält a»S Amsterdam, w» seit einigen Tagen Mitglieder des Jnternaiionalen GewerlschaftsburcaiiS versammelt sind, die Nachricht, daß daS Bureau einen Aufruf veröffentlicht, der das Proletariat der ganze» Welt auffordert, sich ziisaiiimenzu- schließen, um eine unwiderstehliche Opposition gegen den Krieg zu erkläre» und sich bereit zu machen, mit alle» Macht- mittel» gegen den Krieg zu protestieren und- gemeinsam vorzu- gchtzn,»m Nach dem Kriege reklamierte ich die Steuer und mutzte nach- weilen, daß ich wirklich Dissident war. Und zwar genügte bier nicht. daß ich mein Büchlein„Von vielerlei Erlebnissen eines Diisidenlen als VaterlandSvertcidiger" im Manuskript ein« sandte. Es mußte das aintliche Schriftstück von 1909 fein. Das wiederholte sich nun in München, in Leipzig-Bohlis und Leipzig- Stadt. ES lvar ein lustiges Spiel. Zu erwähnen vergaß ich die oftmaligen Versuche, mich wieder taufen zu wollen. Während ich als Vaterlandsverteidiger etwa von Vierteljahr zu Vierteljahr versucht wurde, erfolgte eS nun im Frieden allmonatlich und öfter. Zuerst, als ich mich verlobte. Man überfiel nilb, und als ich hartnäckig blieb, meine Verlobte nun fast jede Woche. Und vor der standesamtlichen Trauung gar halbtäglich. Genug— endlich rückte ich unter dem Drange der Verhältnisie damit heraus, daß ich mich längst heimlich wieder in den Schoß der Kirche zurückbegeben bälte— längst schon... Als Verwundeter 1917...t dem Stabe ist bei Kamcrau über die Grenze gekommen und dcr Reichswehr mit etwa weiteren achtzig Russe» zugeführt worden. Er hat sich ge- weigert, über die Bewegungen der 18. Division Auskünste zn geben. Am 21. August nachmittag» wollte eine größere Menge Russen bei Ianow übertreten. Nach längeren Verhandlungen wurde er- reicht, daß die Rirfsr« bis Ehorzelc weiterzöge ir. Ungefähr 39 Mann kamen auf die Brücke bei Kamera», unter ihnen befandcir sich vier Chinesen nnd Tsösirkessen. Ein großer Teil dcr bei Kamerau biwaticrcndcn Trappen wollte übertreten. Ta die deutsche Bcsatiiing von Kamerau zu schwach war, wurde ein Zug Tragoncr ans Eroß-Schlaesken herangezogen, ei« nach Willcnhcrg in Fahrt gefetzter Panzerzug in Muschakcn angehalten und von diesem 13 Mann zur Hilfeleistung befohlen. Nach Heranziehung dieser kleinen Verstärkung wnrdc den Russen eröffnet, daß sie sich entweder zum Uebrrtritt entschließen oder gegen Morgen ihr Lager abbrcchen und weiterziehen müßten; biS gegen 4)4 Nhr früh traten ungefähr 89 Mann über. Bei Napierken find in der Nacht 133 Mann mit 118 Pferden, bei KleinkoSlau 22 Slussen mit 23 Pferden und die Bagage der Lrtillericdivision(?) 83 über die Grenze gekommen. Am Sonnabend war, wie die„Neidenburger Zeitung" meldet, der Verkehr mit Soldan vollkommen nnterbrechen. E» kamen keine Flüchtlinge mehr über» die Grenze. Tie polnischen Vorhuten sind Sonnabend früh gegen 8 Nhr in Soldau erschienen... Tie letzten russische» Truppen hatten in der Nacht um 12 Uhr Soldau verlassen. Am Sonntag waren etwa 4999 Russen bei Kamerau und Roggen über die deutsche Grenze gekommen; ihre Zahl wächst noch bestLndig. Die iibergctretcncn Russen wurden entwaffnet und mit zwei Sonderzügcn dem Jnternierungslagcr zu- geführt. Unter ihnen befindet sich eine Anzahl von Schwer- und Leichtverletzten. Ein Offizier sagte au»: Wir waren soweit, das» wir einfach nicht mehr kämpfen konnten. Acht Wochen befinden wir un» im Bormarsch. Tie Kavalleristen schliefen auf de» Pferden, die Fusttruppen brachen«ach dcr Schlacht bei Strasburg zusammen. Um dcr Gefangennahme zu entgehen, sind wir über die Acutsche Grenze getreten. Bisher sind annähernd 19 999 Russen übergetreten. Im Verlauf des MontagnachmittagS sind noch eine Schwa- dron und einige kleine Abteilungen über die Grenze gekommen. Südöstlich Willenberg fand nachmittags ein Gefecht statt, und zwar handelt es sich min abgeschnittene Teile des Kavallcrickorps, das früher auf Wlprlawek vorgestoßen war nnd cincn Durch- bruch versuchte,«m sich den Rückweg zu erkämpfen. Tic Polen richteten an diese Abtcilnng funkcntelegraphisch Snobismus des'Allcrmodcrnsten eine allseilS gesehene Plattform abgeben; und sie darf nicht zur protzigen Arena des Eigendünkel» einiger diktierender BildungSbönzen.ftnabgewnvdigt werden— nein, die wahre Volksbühne muß dcr Klaffe dienen, die bewußt nnd mit ihrer ganzen sozialsitllichcn Kraft der Träger des sozio- listischen Gedankens ist: sie muß aus allen Kulturcpochen und dramatischen Geschmacksrichtungen dcr Menschheit den fsjialcn Gehalt herausschälen und dem Arbeiter als Kultur-Haugut ver- Mitteln— und sie muß zu einer Hörerschaft sprechen, Sie ungehemmt, nach- freiem, eigenem Ermessen durch selbst gewählte und stet? wieder abberusbarc Acmtcrführer ihre künstlerische und wirtschaftliche Verwaltung führt." Durch daS Einwachsen in die Kulturwelt der Vergangenheit soll daS Proletariat»cn Stoff inr den Aufbau der eigenen Geiste». Welt gewinnen. In diesem Geiste soll die Volksbühne, die das edelste Gut aller Zeiten sich nutzbar machen muß, ihrem sozia- listischen Kulturzwcck dienen. Die Aufgaben deZ ReichskiinstwartS. ReichSminister de» Innern Dr. Koch hatte während feiner Anwesenheit in Köln mit führenden Persönlichkeiten dcr rheinische» Kunstkrcise eingehende Besprechungen über die Einführung dcS Neicbskunstwarts im Rheinland«. Er betonte dobe!, daß diese neugeschaffene Institution die Aufgabe habe, in den verschiedenen Gegenden Deutschlands Kunst. Mittelpunkt« zu schaffen, die unter Berücksichtigung von� Geschichte und Volkscharakter jeder Gegend dafür zu sorgen hätten, daß «ine weitgehende Förderung aller Volks- und LandeSkunst erreicht werde. Der ReichS-kunftwart solle ferner die Vermittlung zwischen der Künstlerschaft nnd den Kunstvercmigungen und den einzelnen Ressorts übernehmen. Ein neues Heilmittel gegen die Ruhr. Bei der in der Um- gegend von Eisenach grassierenden Ruhrepidemie wurde ein neues .dieilmi-ttel gegen die Ruhr mit großem Erfolge in Anwendung ge. bracht. CS wurde amtlich festgestellt, daß in allen Fällen, in denen das neue Mittel zur Anmendung gelangte, eine schnelle Besserung der Krankheit eintrat und Todesfälle nicht mehr vor- kamen. Wie verlautet, soll das neue Heilmittel, daS den Namen „Antidystcn" führt und von dem Eisenacher Arzt Dr. Köhler ent«. deckt wurde, nunmehr auch in anderen Gegenden zur Anwendung kommen._ Zn Ebren Prof. Rxhet», de? bekannten französischen Frieden»- freunde» und Nullmsoziolozcn, der am DomlciSlaz seinen 70.«Seburiöiag begeht, findet am gleichen Tage, abends 7 Uhr, citie Feier in der Aula dcS �kaisclin-Augnsta-GhmnasiumS(EbarlotUnburg, Cauerstr. 87) stall. Ansprachen hallen Psarrer Bleyer nnd Prof. Bergcr. Ein Mahlcr-ZvkluS in Wien. Da? Komilee zur Förderung sin- ionllchcr Muhl in Wie» veraniiallet anläßlich des 60. GebvristageS rou (Sultan Mabtcr vom"4. Sept. bis 18. Du. iti Wien einen Guilao-Äahler- Ztztlus. Die Sejamtieitung hat DStar Fried. Eine internationale statistische Rundschau soll noch in diesem Iabre zu erscheinen begimien unter dem Titel.At e t r o n». HerauSg-ver ist Proj. Lorrado Gini i» Padua(Italicil». Sic wird auch Arbeiten in deutscher Sprache ausnehmen. Die Zeltschrist will der AuZbildUnz dcr statistischen Methode» jür alle Zweige der Wisseuschast dienen. «c. 420 ♦ 37. �ahrgaüg Heilage öes Vorwärts dkenstag, 24. Mgust 1020 Groß-Serlins Grünflächenpolitik Von A. R e s s e l g e. ViZ jetzt herrschte, genau wie auf manchem anderen wichtigen Eebiete. auch auf dem der Grünflächen, sowohl im alten Berlin wie in den meisten Vororten eine vollsrändige Planloflgkcit. Eine Planlosigkeit nach zweierlei Richtungen. Erstens hat man fast nie fürsorglich beizeiten daran gedacht, welche Grünflächen inner- halb der bebauten Gebiete oder anschließend an diese unbedingt notwendig sind für den Gesundheitszustand der Stadtmenschen. Oft ließ man sich die besten Möglichkeiten. Grünflächen zu erhalten oder neu zu schassen, entgehen. Wo man endlich, der Not gehorchend. nicht dem eigenen Triebe, solche schuf, geschah dies ohne bestimmte rechnerische Unterlagen dafür, wie groß die betreffende Grünfläche sein mutz, um der Anzahl der arbeitendeu Menschen, die auf sie angewiesen sind, zu entsprechen! Zweitens kam es aber bisher nie dazu, von einem Weitblicken- den, für die Gesamtbevölkerung doch so notwendigen Standpunkt ouS organisatorisch den Gedanken eines Grünflächen systemS für ganz Berlin zu fasten. Der Ankauf des Grunewaldes durch den Zweckverband Groß-Berlin war nur ein kärglicher Anfang von dem seinerzeit so laut propagierten.Wald- und Wiesengürtel". Der FiSkuS hat den Grunewald Berlin teuer aufgehängt, dabei nützt dieser nur den wohlhabenden westlichen Vororten! Der Partiku- lariSmus- und die KirchturmSpolitik herrschten auch auf dem Gebiete der Grünflächen bisher im höchsten Maße. Ebenso wie das alte Berlin, so hatte jeder Vorort bisher nur sein eigenes Jntereste im Auge. Jede der jetzt zu Grost-Berlin gehörigen Stadt- und Landgemeinden mit wenigen Ausnahmen betrachtete seine öffentlichen Grünflächen nur als Mittel zum Zweck. Jeder bisher selbständige Teil Groß- Berlins betrieb seine, eigene Grünflächcnpolitik. Er wollie den anderen Vororten gegenüber glänzen und glaubte durch die Schaffung von Gartcnplätzen und Parkanlagen möglichst viel neue Einwohner zu sich heranzuziehen. So kam eS auch, daß bisher die ärmeren, von der arbeitenden Klaffe eng bevölkerten Vororte, die Grünflächen an, meisten nötig haben, öffentliche Parkanlagen sich bisher am wenigsten leisten konnten. So liegen die bisherigen Grünflächen Berlins und der einzelnen Vororte ohne jedes System wie einzelne Kleckse im Gesamtplan von Groß-Berlin. An einigen Stellen dichter zuiamniengedrängt, an den meisten Stellen ober ganz vereinzelt und ohne jeden Zusammen- bang mit irgendwelchen anderen Grünflächen des eigenen oder de» Nachbarortes. Das Schlimmste ist aber, daß man sich bis heute immer noch nicht losreißen konnte von der früheren konventionellen Art, die öffentlichen Grünflächen nur als Schmuckstücke der Stadt zu be- trachten und sie daher immer wieder als Zierflächen, Rasenflächen, deren Betreten verboten ist, mit Ziersträuchern und Blumenbeeten auszugestalten. Immer noch denkt man nicht daran, daß gerade in den eng bebauten Vierteln der Großstadt die öffentlichen Gartenplätze als Erholungsplätze und die Parkanlagen als Grün« flächen für die arbeitende Bevölkerung richtig zum AuSlummeln verwendet werden müssen. Auf den Mangel an wirklichen ruhigen und gegen die Straßen durch Pflanzungen geschützten Erholung'- � Plätzen für die Kranken(an Stelle der bisher üblichen„Renommier« Plätze') hat u. a. die Allgemeine OrtSkrankeukaise der Stadt Berlin in ihren bedeutungsvollen.Wohnungsuntcrsuchungen' schon lange energisch hingewiesen. Auch' wo und wie man bisher innerhalb Berlins Kinderspielplätze eingerichtet hat, ist das weiter nichts als ein ganz geringes, den städtischen Behörden abgerungenes Zu- geständnis an das Bedürfnis der Großitadtkinder, die tagsüber auf sich selber angewiesen sind, weil ihre Ellern schwer arbeiten müssen. Daß man innerhalb deS eng bebauten Berlins bisher immer nur noch an Zicrplätze dachte, daran sind zum Teil auch die Hausbesitzer schuld, die keinen Kinderspielplatz in der Nähe ihres Hauses wün- scheu, weil sie glauben, daß eine Steigerung ihre Miete erfolgt. wenn bei ihrem Hause ein Schmuckplatz liegt, und weil sie fürchten, daß die Ruhe ihrer besser zahlenden Mieter des Vorderhauses ge- stört werden könnte durch daS freudige Jauchzen der auf einem n________ i<______-Ii. Spielplatz sich tummelnden Kinder. Selbst der Schillerpark, bisher wohl der einzige„Bolkspark" Berlins, hat, neben seinen Volks- und Spielwiesen und seinem Blumengarten für den.Bürger', noch keinen wirklich vollkommen eingerichteten Spielplatz für kleine Kinder! Nur ein Beispiel für den Mangel an sozialem Verständnis für die richtige Verwertung der öffentlichen Parkanlagen für die arbeitenden Klassen vor dem Kriege: Im Humboldthain kostete vor dem Kriege der Wafferverbrauch sür den Märchenbrunnen der Stadt Berlin ungefähr 40 M. täglich. Mr die vielen umwohnenden Menschen, die auf die Benutzung dieses Parkes angewiesen sind, be- finden sich dort diel zu wenig Bänke. Die Stadt Berlin genierte sich nicht, die weiteren Sitzgelegenheiten im Humboldthain durch die Aufstellung von Stühlen an einen Unternehmen zu verpachten. Die Umivohncr, die teilweise den ärmsten Klassen angehören, waren, wenn sie sitzen wollten, gezwungen, an diesen Unternehmer fünf Pfennige pro Stuhl zu zahlen. Derselbe Mangel an Weitsicht zeigte sich bisher in Berlin be- kanntlich auch in der Förderung des KleingartenwesenS, da» doch für jede Stadt und erst recht für das engbebaute Berlin als Teil der Grünflächenpolitik betrachtet werden muß. Nu» allen diesen Gründen heraus kann auch für die notwendige und richtige Entwicklung dieser Grünflächenpolitik die Bildung von Groß-Berlin eine Erlösung bedeuten! Diese Erlösung wird aber nur dann kommen, wenn für diese Aufgaben der öffentlichen Grün- flächen sür das gesamte Grotz-Bellin jetzt eine Stelle geschaffen wird, die sich losreißt vom bisher üblichen Konventionell-Aesthetischen und die ihr gründliches gärtnerisches Fachwissen als Fundament zum Gestalten der öffentlichen Grünflächen zum sozialen Stand- Punkt aus im heutigen Geiste benutzt. Eine Stelle, die versteht, da? jetzt noch vorhandene wen'ge Grün in Berlin noch zu finden, zu retten und mit dem neuen Grün Volks mäßig zu verwerten. Die notwendigen Ausgaben der neuen Grünflächen- Politik Groß-BerlinS werden sein: 1. Umgestaltung der Schmuckplätze innerhalb der eng bebauten Stadtbezirke a) zu wirklichen Kinderspielplätzen für Kinder jeden Alters mit Sandkästen, Turngeräten, Trinkbrimnen, Aborten und Unter- lunftshallen und d) zu wirklichen von der Straße her abgeschlossenen Erholung?- Plätzen für Kranke und alte.Leute, die nicht erst mit der Straßen- bahn für teure? Geld au? Berlin herausfahren können. 2. Umgestaltung der bisherigen größeren Zierparkonlagen in wirkliche Volksparks mit Volkswiesen zum Tummeln, Plantschbecken, Trinkbrunnen und sonstigen ähnlichen Einrichtungen zu diesem Zweck unter Schonung de? alten schönen Baumbestandes, ober Entfernung alles unnötigen Buschwerks nnd Herrichtung der bisherigen Zier- rosenfläcken, deren Betreten bis jetzt verboten war, zu Volks- und Spielwiesen. 3. Erhaltung von Zierplätzen mit Blumenbeeten nur an den wenigen Stellen, wo eS wirklich angebracht ist, und wo die Menge der umwohnenden arbeitenden Bevölkerung nicht eine Verwertung auch dieier Plätze, wie unter t. und 2. gesagt, verlangt. 4. Erhaltung der bisherigen Laubengnrtcnflächen, soweit eS irgend wie möglich ist, kür alle Zeiten: denn diese Laubcngärten bilden sür alle armen Stadtmenschen eine notwendige Ergänzung ihrer Wohnung in wirtschaftlicher und gesundheitlicher Beziehung. Schnellstes und eifrigstes Bemühen, in großzügigster Weise und planmäßig ein Grünflächcnsystem für Groß-Berlin zu schaffen, in das die bereits vorhandenen Grünflächen, auch die Schloßgörten (Monbijou uiw.i, Wälder und Wiesen organisatorisch eingepaßt werden, und in dem vor allen Dingen die noch vorhandenen unbe- bauten Flächen im richtigen Verhältnis teils als Laubengclände, teils als Grünflächen zum Tummeln der großstädtischen Bevölkerung verwertet werden. Dieses Giünflächenjystem muß selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den übrigen iür die weitere bauliche Eni- Wicklung Groß-Berlin maßgebenden städtischen Verwaltungsstellen bearbeitet werden. Die Flachhaussiedlungen, die an den der- schiedenen Stellen Groß-Berlins in der näheren und ferneren Zukunft entstehen werden, müssen selbstverständlich in engem, geistigem und örtlichem Zusammenhang mit den neu zu schaffenden öffentlichen Grünflächen stehen. Und schon aus diesem Grunde ist eine Zu- sammenarbeit mit den übrigen Stellen Groß-Berlins notwendig. Maßgebend für die richtige Verwertung der bisher noch unbebauten Flächen zum Zwecke dieses Grünflächensystems dürfen, wie gesagt nicht wie bisher sentimental ästethiiche Fragen sein. Einzig allein maßgebend für die Verwertung dieser Flächen mutz die nackte Rechnung sein, wie viel öffentliche Grünflächen und Laubengarten- flächen brauchen wir für die jetzige und die ipäiere Bevölkerung Groß-BerlinS, damit wir endlich dazu kommen, die Wohnung!- Verhältnisse der Großstadtmenschen günstiger zu gestalten. Soziales Gefühl für die arbeitenden Klassen, ein weiter Blick und eiserne E n er g i e k ö n n e n die Grün- flächenpolitik für Groß-Berlin zum Ziele führen. Aber jetzt ist eS die allerhöchste Zeit dazu! GroßSerlw Die Mmburg. ... Auf einmal trutzt eine Burg über die Woltersdorfer Dünen schwarzgrau in die blaue Lust. Jtzenplitze, Zitzewitze? Nein— ein« Film-G. m. b. H. Im Tor steht noch ein Gegen- Wartsauto und dahinter wohlgezimmert Kantine mit offener Speise- Halle. Aber schon ist ein Negerkraaj da mit strohgedeckten Hütten. Auf einem Berg hohe Gerüste; das toird ein Schloß, sogar ein Schloß am Meer, denn unten liegt ein See. Einen anderen Hang hinauf mächtige Freitreppen; oben stand der Tempel, der in der -Herrin der Welt" vorschriftsmäßig einstürzen mußte. Aber um die Ecke ist noch ein Chinesengotteshaus da. Ein indisch Götzentor reißt gräßlich sein iKaul auf. Drüben der Fürstensitz ini schtvärzlichen Gemäuer. Nnd nun die Burg, nrecht im 1'2. Jahrhundert. Weiße Nonnen, stirn- und kinnumwickelt— Räuber, grauslich anzusehen. In der Kapelle wird seit Stunden geprobt. Sie sprechen die Rollenworte vor sich hin, damit die Geste echt wird; denn auf die Geste und den Blick kommt es an. Im Ilebereifcr springt der Spielleiter, der endlich „Achtung! Aufnahme— los!' komandiert hat, zum Altar, die Aebtissin nochmal» zu korrigieren. Da ist ein Filmstreifen kaputt. Denn mit gelber Jacke und Lcdcrgamaschen in d-r Burgkapelle der Riticrzeit?! Oa czpo! Inzwischen ist die Sonne hinter den Leinwandblenden lveilergelvandcrt und ihr Reflex auf den Altar- stufen erfordert einen Ausgleich aus dem Farbtopf.„Maler!" Im Burghof ein Blumerprangen, nichts von Draht und Papier; Zugbrücke und Pförtnerklause/ der Pallas reckt sich auf, drunten ist die Schenke, der Stall fehlt oben nicht, wo der Marschall über die Mähren schaltet. Alles hat der Architekt zeitgerecht ausstudiert; Bodo EbhardtS wilhelminische Burgrenovationen sind keine Wiedergutmachungen, auch fehlt'S in echten Burgen am Photolicht. Im Tal ein deutsches Städtebild, getreu wie nur. Wie in, guten Theater körperliche Szenerie statt Kulissen. Und Freilicht ist noch besser als Kuppelhorizont. Meint einer, der Spielnlm sei überhaupt Kitsch, weil er au» dem Buch nur die Handlung, nicht ihre psychologische Begründung ausziehen kann? Aber die Filmcrci muß den Menschen dienen, die sicki da» Theater nicht leisten können; sie lebt, Taufende leben von ihr— und der Lebende hat Recht. r. b. was heißt»Kunöenlifte!" (5s bilribt beim alten.— Lebensmittelkarten an Stelle der Flrischkartcn. Das scbr bedenkliche Experiment, das man zurzeit mit der Aufhebung der Rcichsfleischkarte plant, kommt seinen eigenen Ur. hebern selbst so wenig geheuer vor, daß man die sogenannte Kundenliste vorläufig beibehalten will. Die Kundenliste ist nun aber eine sehr fragwürdige Einrichtung, die keinerlei Gewähr da- für bietet, chaß der Verbraucher überhaupt Fleisch erhält. DaS heißt, er erhält welches, wenn der Fleischer, in dessen Liste er eingetragen ist, loclches hat. Anderenfalls erhält er nichts und 4? Mit öer Etappe. Von Tcholcm Alcchem. Hmich war von bflaffcr Gesichtsfarbe, schielte mit einem - Ange. hätte auf dem änderen den blauen �:tar und wackelte mit dem Kopf. Vor Schreck, daß man ihn so unerwartet aus dem Hause geschleppt hatte, ohne daß er wußte wofür, ge- bärdete er sich so wild, daß er auf den Polizcilcutnant den schlechtesten Eindruck machte. Es entspann sich ein kurzes, aber heftiges Gespräch; „Bist du Henich, der Nascher?" fragte ihn Plisietzki, indem er den Jüngling von oben bis unten anschaute. „Der bin ich, Henich, der- Nascher," antwortet? ihn, Henich wstig. Im selben Augenblick fiel ihm ein. daß man ihn wahrscheinlich wegen seines Bruders David Leib gerufen hatte. nnd er beantwortete die Frage, noch bevor sie an ihn gerichtet wurde: „Ich diu noch nicht achtzehn Jahre alt, so wahr ich ein Jude bin!" „So? Die Sonnabende und Feiertage nicht mitgerechnet." erwiderte Plissetzki und blickte dem Jüngling in die Augen, wobei er den Star bemerkte. Bei diesem Blick wurde Henich ganz finster vor Augen, ein kalter Schauer durchrieselte seinen Körper, sein Herz preßte sich ihm zusammen und traurige Ge- danken durchzuckten sein Hirn. „Aus mit dem Schein! Verfallen— David Leib!" dachte Henich. Er hätte dem armen Bruder so gern den Gefallen erwiesen— sich statt seiner zu stellen,— er ermannte sich also und begann plötzlich in einem Kauderwelsch zu reden. „Ich schwöre euch, daß ich nicht älter bin als siebzehn Jabre, vielleicht einen Monat darunter oder darüber. Ich soll so glücklich nach Hause kommen! Ich sehe älter aus? Ja? Da? ist aber nickt wahr. Acktet nicht drauf! Wir sind solche Nasse! Vom fünfzehnten Jähr zeigt sich bei uns schon Bart- wuchs'" Plisietzki schaute Henich an. schüttelte den Kopf und lächelte, als wollte er sagen; „Zu dem Star auf dem Auge und der totenbleichen Larve da? Bärtchen wahrhaftig gut!" Dann sagte er zu dem Diener, er solle Henich, während er die Papiere durchsah, hinunterführen Henich verlor plötzlich allen Mut. Sein Gesiebt wurde noch fahler, er begrub seinen armen Bruder auf ewig. „Ach, unglückseliger David Leib, es ist onZ mit dir!" * „Menschenski>rd, Vogelsratze, watschelnde Ente! Wie kommst du denn hierher! Was hast du denn angestellt? Wer bat dich angezeigt?" rief der rote Berit dem Ankömmling, dem Jüngling Henich, zu. Der reiche Scholem Beer Tepliker aus Teplik betrachtete ihn unterdessen vom Kopf bis zu den Füßen, als wäre er ein Dieb, den man soeben erfaßt hätte. Henich starrte seinerseits den Tepliker Millionär nicht weniger erstaunt an. Als er diesen Wichtigtuer, den reichsten Mann von Teplik, hier sah, begann er zu stammeln und wußte selbst nicht, was er redete. Ter rote Beril, der bekanntlich ein lustiger Kauz war und gern witzelte, auch iveun er keinen Heller für den Sabbat in dgr Tasche lchtte, tat vor dem Jüngling, als wäre er ein begüterter Manu und spottete über den töftielbasten Henich.— wie es seine Art war. wenn er armen Leuten begegnete, die noch größere Pechvögel waren als er. Uin dein reichen Mann Freude zu erweisen, stellte er sick auf dessen Seite. Unterdessen hörte Henich nickt auf zu stammeln: ,.O weh mir! Was ist mir da passiert... Ich weiß nicht für was... Mein Bruder David Leib.. Wenn sie etwa dahinterkommen, daß ich älter bin als achtzehn, dann ist er, Gott behüte, verloren.. „Was schnalzt du da mit den Lippen. Narr?" unterbrach ihn der rote Beril.„Sprich deutlich. Tölpel!" „Ich sage, was aus meinem Bruder David Leib wird", erwiderte Henich. Im selben Augenblick richtete er sich plötzlich auf und ftagte den roten Beril; „Sagt, wie sehe ick in Euren Augen aus?" „Wie du aussiehst? Du siehst aus wie eine rote Kuh", antwortete Beril. über seinen eigenen Witz lachend, und sab zu dem reichen Sckalom Beer hinüber, ob er mitlachte. Aber dieser lachte nicht, sondern war in den Anblick des Tölpels Henich versunken und wunderte sich, wozu ein solches ver- krüppeltes und entstelltes Geschöpf auf'der Welt lebte. „Nein," sagte Henich. indem er mit dem schielenden Auge den reichen Juden anstarrte und mit dem Stzarouge Beril ansah,„das meine ich nicht, ich meine, wie diele Jahre Ihr mir gebt?" «Was gebe ich dir?" „Jahre, meine ick. mein Herr!" „Ack. du willst wissen, für wie alt ich dich halte! Ich schätze dich, nicht älter als zweinudzwanzig, vielleicht etwas darüber." Henich stieß vor Zorn einen lauten Schrei aus. stürzte aus den roten Beril, als ob dieser ihn zur Schlachtbank führen wollte und kreisckste;„Verrückter Kerl, was fällt dir ein! Was redest du! Warte nur! David Leib iit erst vor kurzen: zwanzig Jabre geworden... daS ist richtig, zweiundcinh.üb Jahr ist er älter als ich, im ganzen zwei und ein halbes Jahr. Also, wie kann die Rechnung stimmen? Wie alt muß ich dann sein?... Nur, um zn reden!" Henich sah dabei so hilf- los und traurig aus, auf seinem Gesicht malte sich solche er- Ixinnenerregende Trostlosigkeit, daß selbst der Reiche für ihn Interesse gewann:md sich an ihn mit der Frage wandte: „Ihr seid zwei Brüder, wie es scheint?" „Zwei Brüder mid eine alte Mutter und ein Mädchen von dreizehn Jahren, die in Stellung ist: ein jüngerer Bruder ist im Geschäft angestellt, dann sind noch zwei kleine Mädchen und ein kleines Junge, der noch zur Schule geht... Für alle muß David sorgen... Wenn er, Gott behüte, genommen werden sollte, dann können wir alle in die Häuser, betteln gehen..." Henicb erzählte, wie die ganze Geschichte mit der Musterungskommission gekourmen war. Wahrscheinlich bafte jemand angezeigt, daß David über achtzehn Jahre alt war und sich noch nickt zur Musterung gestellt hatte, obgleich er bei der Thoro schwören kann, daß er, Henich, noch nicht achtzehn Jahre alt ist... Nur wie zum Trotz wuchs ihm schon der Bort, und alle Leute sagen, daß er wie zwanzig oder noch älter aussiebt. Wenn öS danach ginge, müßte David docb auch einen Bart haben. Indessen hat er keine Spur von Bart. Was werden sie aber anfangen, wenn David, Gott behüte, weg- kommt? Henich wandte sich mit seinem Staraugc zur Seite, hüstelte, schnäuztc sich und wischte sich die Augen. ..Bedauernswert!" entschlüpfte es dem Reichen unwill- kürlich. „Ein Trottel!" bestätigte der rote Beril dem Reichen mit einem leisen Lächeln,, das zugleich Spott und Mitleid, au?» drückte.„Dieser Henich." fuhr er fort,„wie Ihr ihn hier seht. ist ein Trottel, und sein Bruder ich kenne ihn— ist geradezu ein Garnichts! Er taugt zu einem Soldaten gerade so gut wie ich..." Und zum Beweis, daß er, der rote Beril. wirk- lich nicht zum Soldaten taugte, rückte er sein lahmes Bein vor. (Forts, folgt.) er darf noch nicht einmal zu dem nächsten Fleischer geeen, der vielleicht gerade üöcr einen Uebcrschutz verfügt; er ist mr da� Gc- schüft gebunden, in dem er eingetragen ist. Bercchtigtcrlveise macht sich dcslmlb in den Kreisen der Ler- �rauchcr, die der Kundeiilistc nicht recht trauen, eine Erregung bc- merkbar, da die Befürchtung einer ungerechten Verteilung der Fleischvorräte eben nicht von der chand zu weisen ist.' Die nach Aufhebung der Gültigkeit der ReichSfleischtartc Mir Anwendung kommnde Form der Verteilung soll ledoch, wie man uns an zustän- digcr Stelle mitteilt, nicht so besorgniserregend sein. Tie Festsetzung der neuen Art der Verteilung soll ohne Ftvang den ein- z einen K o ni in u n a l v c rb ä n d c n überlassen werden. In Berlin hat aber die Erfahrung geehrt, da st die Beibehaltunz der Kundenliste nicht im Interesse der Bevölkerung liegt, da dann nicht die geringste Garantie für eine gerechte Verteilung der Vorräte bestehen würde. Tie Folgen wären, dast der Magistrat die Kon« trolle über die Fleischer verlieren und diese nach ihrem Gut- dünken und bei entsprechenden Preisen die Verteilung vornehmen würden, bei der das kaufende Publikum nicht gerade glänzend abschnitte,� d. h. wenn c? dann �überhaupt noch etwas..vorn Horum" 511 kaufen bekäme. Aus diesen Gründen hat der Magistrat be- schlössen, an Stelle der Rcichsfleischkarte die Lebensmittel- karte zu setzen. Tie für einen Flcischöezug in Frage kommenden Nummern werden zu Anfang der Woche, m der sie gültig sind, bekanntgegeben. Tie Bekanntmachung erfolgt wie bisher durch Säulenanschlag. Tiefe Art der Verteilung hat den Vorteil, dast den Hausfrauen das„Anstehen" vor den Läden erspart bleibt. Tie .Hausfrau muß sich also zu ihren Fleischcinikäuscn mit der Grost- Berliner Lebensmittelkarte versehen. TaZ System der Verteilung ist nur mit dem Unterschied dasselbe geblieben, daß an Stelle der Fleischkarte die Lebensmittelkarte tritt und so eine Ersparnis an Papier zugunsten des Stadtsäckels erzielt wird. Die Befürchtung wertester Kreise der Bevölkerung, daß die Fleischverteilung zwar in der bisher üblichen Form weitergehen würde, aber ein An. spruch auf wöchentliche Zuteilung nicht erhoben werden darf, trifft nicht zu. Es wird jetzt ebenfalls die Höhe der vom Magistrat festgescpten Nation durah Anschlag an den Säulen bekanntgegeben. Jede Person, die im Besitze einer Grost-Verliner Lebensmittelkarte ist, hat nach wie vor Anspruch auf die sestgesetzle Wochenration. Im großen und ganzen stellt sich also die' Sachlage jetzt so gar. daß der Berliner Magistrat für seinen Vcrsügungsbereich sehr berechtigterweise ein« Korrektur der übereilten Fleischkartcn- aufhebung von„häherer" Stelle vorgenommen bat. Was uns aber eine solche Behördenorganiiatiou nützen soill, die in einer Art VerfügungS« und Revisionstaumel Bestimmungen erläßt, die von verantwortlicher denkenden Stellen sofort revidiert werden, mögen die Götter wissen. Groß-Serlin unö Sie Resiverbänöe. Das Schiedsgericht für Grost-Berlin trat gestern unter dem Vorsitz des Oberpräsidenien Tr. Maisr zu seiner zweiten Sitzung zusamen und hat, wie wir erfahren, folgenden Beschluß gefaßt: Zur vorläufigen Regelung des BerhältnisseZ der neuen Stadt. gemeinde Berlin zu den Kreisen Teltow- Niederbarnim und Ost- bavclland sowie zu dem Provinzialoerbande der Provinz Branden- bürg wird auf Grund de?§ 58 de? Gesetzes vom 27. April ky20 über die Bildung einer neuen Siadtgcmcinde Berlin bestimm!: 1. Bis zu den, Zeitpurckke, in dem die später durch Verein- barungen der� neuen Stadtgemeinde mit den Rcstverbänden oder durch Schiedsspruch deZ endgültigen'Schiedsgerichts festzustellenden Maßnahmen wirksam werden, verbleiben vorbehaltlich der gemäß |} 6 des Gesetzes zu bestimmenden Abschlagszahlungen aus die Ent- 'chädigungssuinme alle in der Verwaltung der Landkreise und dcZ Vrovinzialverbandez befindlichen Einrichtungen und Anstalten in der Verwaltung der Restvcrbände. 2. Folgende Krankenanstalten: im Kveis« Nieder- charnim das Kreisrrankcnhaus in Reiinckendors, im Kreise Tcltoiv daS Kreiskrankenhaus in Britz mit dem dortiger; Schwesternhaus, das Stubcnrauch-Krankenhaus in Lichterfelde mit dem dortigen Mutterhause und das KreiskrankenbauS in Eöpenick werden der neuen Stadtgemeinde Berlin zur Mitbenutzung zur Verfügung pe- stelll in Ansehung derjenigen Kranken, die in den aus den Kreisen ausgescbiedencn Teilen wohnen. Die VerwaltungSkosten werden den Landkreisen bzw. der nwien Siadtgemeinde Berlin nach den von ihnen in Ani'vruch genommenen VerpflegunyStagen zur Last ablegt. Hierbei bleiben die Beträae zur Verzinsung und Tilgung der für Grunderwerb, Ba» und Einrichtung ausgenommenen An- leihen, deren Auseinandersetzung der späteren Einigung oder der Beschlußfassung des endgültigen SckstodSgerichtS vorbehalten wird, außer Betrackit. 3. Der Provinzialverhand der Provinz Brandenburg stellt der neuen Stadivwmeinde Berlin in seinen zur Aufnahme von Per- tonen bestimmten Einrichtungen und Anstalten, mit Ausnahme der FürforgeerziehnngSanstalten, nach Mastgabe des Verhälwisses der ausscheidenden Bevölkerung zur Bevölkerung der Restprovinz Plätze zu seinen Selbstkosten zur Verfügung, wobei die Beträge zur Bcr- zinsung und Tilgung der für Grunderwerb, Bau und Einrichtung der Anstalten ansgenommenen Anlcibcn außer Betracht bkeibc!!. Die Erstattung der Kosten erfolgt vorbehaltlicb der enda-üktigen Auseinandersetzung nach Maßgabe der bereit gebaltencn Plätze. Die gleick-e Regeliing gilt für den Kreis Ost Havelland hinsichtlich des Ceoilien-KreiskrankcntauseS in Nauen. 4. Hinsicktlich der Fürsorgeerziehung San st alten de? Provinzialverbandes der Provinz Vraildenbnra übernimmt der Provinzialverband bis zu einer etwaigen abweichenden Einigung mit der neuen Stodtgemeinde Berlin keine Aufnahmepslstht für Fürsorgezöglinge aus dem Gebiet der neuen Stadigemeinde, be- bält aber die bereits in seinen FürsorgeerziehungSanstatten unter- gebrachten Fürsorgezöglinge aus dem Gebiet der neuen Stadl- gemeinde bis zu ihrer Entlastung aus den Airstalten gegen Ersatz der nach Verpflegungstagen berechneten Selbstkosten in diesen An- stalten. Auch hier bleiben die Beträge der Verzinsung und Tilgung der für Grunderwerb, Bau und Einrichtung aufgenommenen An- leihen außer Betracht. 5. In den Fällen 2,? und 4 erfolgt die Abreckmunr« und Zahlung vierteljährlich. Wangels Einigung über die Abrechnung enisckiechet das SckstedSgcricht, das vorläufige Zahlungen auszu- geben sich vorbehält. Groft-Berliner Erwerbslosenaktion. Arn Montag fand im Reichsarbeitsministerium unter Leitung des RegierungSratö Alvrccht eine Sitzung der Kommifsioy zur Be- schasfuüg von Arbeit für Groß- Berlin er Erwerbslose statt. An den Verhandlungen wanen beteiligt Vertreter des Reicks» ftnanzmimsterieimS, des Reichsvirtschastsministeriums, des Reichs- amtS für Arbcrtkvermittlunq. des Preußischen Ministeriums für VoltSwohlfahrt. dcS Preußischen Ministeriums für Landwirtschast, de? Oberpräsidemten als DcmobilmackmngSkommjjsar, dcS Land- arbeitsamteS Groß-Berlins und Vertreter der Erwerbslosen und der. Gemeinden. ES wurde eine Entschließung angenommen, nach der die Gemeinden Groß-Bcrlins bis zum 1, September beim ReichSarbe itSmi ni ste r i u in Projekte einzureichen babcn, die geeignet: sind, Erwerbslosen Beschäftigung zu geben und die sofort in' Angriff genommen werden können. In erster Linie haben Reich und"Land entsprechende Maßnahmen vorzubereiten. Im Vmolg dieser Entschließung werden in den nächsten Tagen Verhandlungen de? ReichSarbeitSministeriums mit den zuständigen Regierungsbehörden des Reiches und Prensteu« stattfinden. Tie beim RcichZarbeitSmmistenum eingehenden Projeftc der Gemein- den werden unter Beteiligung der Preußischen Regie, mngsbehörden geprüft toevden. Erforderlichenfalls wird die Zustimmung des Reichssinanzministeriums crbeienl, werden, um angesichts der sugenblicklichen Notlage übn die bestimmungsmäßigen Grenzen hinaus eine Förderung dieser Unternehmungen auS Mitteln der produktiven Erwerbslofenfürsorge zu ermöglichen. Eine ebenso wohlwollende Behairdluug werden selbstverständlich auch später eingehende Projekte erfahren. ES ist aber notwendig, daß bei ihrer Prüfung der bisher übliche Jiiftanzeuweg eilige- halten wird._ Beschlossene Auflösung des Wilhclm-5atte beschlosscu, init allen Mittel» gegen die oudertoeite Verwendung des Geländes des Wilhelm-Gymna- siums zu protestieren. Ties Gelände fei gerlkde für Schulzwecke ideal gccignct�da e» im Garten liegt, fern von Staub und Lärm, so daß im Sommer bei offenen Fenstern unterrichtet werden kann; auch hat das Gelände sehr Hove und große Klassenzimmer, breite Korridore und einen großen Schulhas wie kein anderes Sckulgebaude Berlins. Wenn die Schülcrzahl des jetzigen Wil- Helm-Gymnasiums zu klein würde, so täte man gut, andere Schüler. ?. B. des französischen Gymnasiums, bincinzuv'erlcgcn, aber einesfalls sollte man der Schuljugend da» gesundheitlich beste .Haus entziehe». Die Elternversammlung protestiert um iv leb- Iwftcr gegen den Plan des SchulkollegiumS, als bekannt ist, daß diese Behörde auch nur vorül>crgekend de? Schulhaus besitzen soll; es ist vielmehr der Verkauf an eine Großbank im Gange! Also soll daS gesundheitliche Interesse der Jugend spekulativen Zwecken geopfert werden!_ Heizt mit Tors? Den meisten Berlinern scheint unbekannt z» sein, daß die allcnt- halbe» in ihren Wohnungen vorhandenen Kachelöfen früher fast auS- schließlich mil Torf wirksam gebeizt wurden. Aber auch in Zentral- heizungskesieln erzielt man mit Tors, besonders mit Koks oder Kohle vermischt, überraschend gute Heizwirkung. Torf ist öffentlich nicht be- wirtschaftet und augenblicklich im freien Handel überall käuflich. Achtet man darauf, daß man gut luftrockene Ware ohne Sand- und Tonbeimengungen erhält, so wird man bald finden, daß der Torf mit seinem kangstammigen reinen Brand durchaus kein minder- wertiger Brennstoff ist. dem Braunkohlenbrikett an Nutzwärmewert nicht nachsteht, dagegen den Braunkohlen-Naßpreßsteinen um vieles überlegen ist. Außerdem bat die Asche des Torfes hohen Kaligebalt und eignet sich deshalb sehr als Düngemillel sür Heimgärlen. Wer in diesem loblenarmen Winter nicht frieren will, sollte sich recht- zeitig mit gutem Torf eindecken. Billige Fahrgelegenheit für den Mittelftand. Die teuren Fabrvrcise zwingen insbesondere den Mittelstand, ein« niedrigere Klaffe, meist die vierte, auf ihren Reisen zu be- nutzen. Die dadurch erstrebte Ersparnis wird aber, besonders bei weiten Reisen, dadurch vereitelt, daß die Fahrt in den Zügen 4. Klaffe meist iinverhältniSmäßig lange Zeit in Anspruch nimmt. Die hohen Reiiekosten verschlingt oft die Ersparnis an Fahrgeld. ES wäre deshalb zu wünschen, daß die 4. Klasse besonders auch in die beschleunigten Personenzüge aufgenommen wird. die über weite Strecken verkehren. Vielleicht läßt es sich auch er- möglichen, einzelne Schnellzüge in beschleunigte Pecionenzüge mit 4. Klaffe nmzillvandeln, wie dies zum Teil schon geschehen ist. Jeden- falls müßte in alle beschleunigien Personenzüge die 4. Klasse ein- gestellt werden._ Die Belicferunq»»» Einmachezucker. Nach der Bekanntmachung vom>7. August l920 wird an die Einwohner Einmachezucker ver- teilt. Allen denjenigen �Personen, denen eS nicht möglich ist, die Anmeldung bis zum 25. August zu bewirke», sei es, daß sie in Krankenaustallen oder verreist sind, wird der Einmachezucker nach- träglich geliefert werden. Zu diesem Zwecke ist die Nr. 4t der Groß- Berliner LebeuSmiitellarte bei Ausgabe 0» solche Personen, welche auS dem KrankenhaliZ eutlaffen sind oder von der Reise zurückkehren, zu belassen und mir dem Stempel„Nack- anmeldung" zu verleben. Da der allgemeine Verkauf deS NuSlandS- zuckers mit dem 7. September 1920 geichlossen wird, ist der AuS- landszucker nach dieser Zeit nur noch in den Geschäften der Konsumgenossenschaft, von Kaisers Kaffeegeschäft und von Emil Teng-lmonn zu beziehen. Personen, die nach dem 1. Oktober zurückkehren, haben keinen Anspruch mehr auf den AuSlandszucker. Einlösung von Anteilscheinen zur Kriegsanleihe. Die von der Berliner Sparkasse iväbrend des Krieges verausgabten Kriegs« oiileiheanteilichcine zu 1. 5, IV und 20 M. gklange» jetzt zur Ein- lösung. Dieselbe erfolgt in der Zentralstelle sür Anteiischeine, Poststr. 5. Hof links park., werktäglich in der Zeit von 9 Uhr vor- mittags bis 2 Uhr nachm. Die Rückmhkungeii sollen nach den Be- dingiinge» ans der Rück'ciie der Anteilscheine zum K u r S 10 e r t erfolgen. Di« Spa'kasic gewährt jedoch allen Besitzern von An- teilicheinen, welche die Einlöiung bis zum 31. Dezember d. I. be- wirken, den Nennwert zuzüglich 5 Proz. Zinsen. Von, 1. Januar 1921 ob könne» daher Anteilscheine nur noch zum KurSweptem- gelöst werden. Es liegt olio im Interesse jedes Besitzers von An- teilscheinen, die Einlösung bis zum 31. Dezember d. I. zn bewirken. Hierzu ist die Vorlage des Anteilscheins zusammen mit dem AusweiSlchein erforderlich. Fehlt eines dieser Teile, so ist der Verlust unter Vorlage deS vorhandenen Teils anzuzeigen. Di« Rückzahlung des Betrages erfolgt in bar oder durch tteberweisung aus ein Sparkasienbuck, Baut- oder Postscheckkonto. Wichtig für Pferdehalter. Nachdem vom IS. August 1920 ab der Haler durch die Neichsgetre'deoidnung vom 21. Mai 1920 be- ichlagnahmt ist, wird der Magistrat zur Unterstützung der Verlor- gilng dcS hauptstädtischen PferdebestandeS aus die Zeit vom 1. bis 15. September 1920 für alle Pferde ohne Unterschied der Größe 3 P f u n d H a f e r je K 0 p f u n d T a g zzir Verteilung bringen. Ausgenommen find nur die LuxuSpferde und diejenigen Pferde, die ausschließlich oder hauptsächlich zunr Verkauf gehalten werden. Ein Schulansflug am segcnannten„Sedantag" soll auch iiir daS Berliner L» r b e r! y z e u m geplant icin. Wir wiederholen hier, wo» mir bezüglich des Charlottenburger Momniiengymnosiums gegenüber der gleichen Anordnung saglen. Die Wahl gerade dieses TageS für den Schulaueflug halten wir nicht für Zufall, sondern sür Absicht. UnS wird gemeldet, daß mich im Lutderlyzeum eine Lehrerin ausdrücklich auf die Beziehung zwischen„Sedantag" und ZchulauSflng hingewiesen habe. Wir fordern, daß der Direklor deS LyzeumS schleunigst von seiner Dienstbehörde angewiesen wird, den Ausflug auf einen anderen Tag zu legen. Im übrigen scheint es uns dringend nötig, durch»ine allgemeine Vemiguna allen derartigen DemonstrationSverfticheil einen Riegel vorzuschieben. Gegen Feldbiebstähle drobten die Landbüne der Kreis« TeWow und Niedcrbarnim, wie wir in Nr. 412 festnagelten, dreist und goltesfürchtig den Gebrauch der Schußwaffe an. DaS würde bedeuten, daß seine Flurhüter ohne weitere» die Todes st rase verhängen und voll st recken. Unter Bezugnahme auf jene Mitteilung empfiehlt in einer Zuschrift an uns ein in einem Vorort der Görlitzer Bahn wohnender Genosse. daß die Gendarmerie und die Sicherheitspolizei in der Morgenfrühe die Vorortbahn Höfe be- 0 b a ck t e n sollten. Er erzählt, wie Kleingärtner und Lauben- lalo nisten nur zu oft am Morgen bei Besichtigung ihrer Aecker sehen müssen, daß man sie in der Nacht auf? schändlichst« bes stöhlen bat. Die Kartosselstauden sind ausgerissen, die großen Kartoffeln hat der Spitzbube mitgenommen, d>e kleineren noch uiu reisen liegen umher. Da kann enier in Wut geraten, tvgnn cv alles vernichtet sieht, was er'ich erarbeitet hat und als Zuschuß zu seiucu knappen und teuren Lebensmitteln vertvenden wollte. Ilusec Genosse schildert weiter, wie dem Bestohlenen zumute ist, wenn ec morgens um 5 Uhr aus dem Wege-zur Arbeit einem Trupp vcr- dächtigcr Gestalte» begegnet. Jeder schleppt auf dem Buckel seiuerr Sach mit zwei Zentner Kartoffeln zum Grünauer' Bahnhof Uind man siebt da wöchentlich mindestens dreimal dieselben Gesichter, so daß man nicht Diebstahl aus Nor annehmen kann. Lebensmüde. Ein aufregender Vorfall spielte sich gestenr abend auf dem Bahnhof Frankfurter Allee ab. Als mir II1/! Uhr ein nach Stralau-RummelSburg fahrender Zug einlief, warf sich ein junger Mann vor die Lokamotivc, wurde von den Rädern ersaßt und vollständig zermalmt. Der Selbstmörder wurde festgestellt als der 23 Jahre alte Korrespondent Kurl F ritsch auS Lichtenberg, am Stadtpark 1. Er war unverheiratet, Was ihn in den Tod getriebcu hat. ist nicht bekannt.— Ein vorsichtiger Selbstmörder war der 51 Jahre alte Former Gustav G r u h u, der von seiner Frau gesckiedc'u ist und in der Cbaussec» stratze 83 wohnte. Er verdichtete, bevor er den Gashahn öffnete, alle Türen und Fenster sorgfältig. So wurde der Gasgeruch erst bemerkt, als er bereits tot war.— Mit Leuchtgas vergiftete sich ferner der 32 Jahre alte Werlzeugmeifter Paul Limmer aus der Britzer Straße 35. Unheilbare Krankheit hat den Mann in den Tod geirreben.— Erhängt hat sich gestern der 38 Jahre alte. Kausinann Hugo H a as e aus der ZionSkirckssrraße 30. Tie Leichen wurden beichlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Der Post- und Telegraphenverkehr mit dem Saargebiet ist wieder in vollem Umfange ausgenommen worden. Die nächsten fünf Ttädtischen VolkSkm, zerre des Vbilharmo- Nischen Orchesters unter Leitung von Richard Hagel finden am Donners« tag, den 2. September. Freitag, den 3. Sevtcmder, und Dienstag, den 14.--eeptember, in den Gevmania.Feitiäle». Eyausjeestr. 110: aui Donnere- tag, den 16. Scptemder, in der Brauerei Königsladt.. Schönhauser Allee 10/11, und am Dienstag, den 21. September, in den Bnrwerei Happoldt, Haicn- heide 32/38. statt. Beginn der Konzerte 8 Uhr. Der D 0 r v e r! a u f zu den VolkSlonzerlen findet statt in der Zentralstelle sür VolkSwoblsahrt, Augsburger Straße 81. in der Berliner Gcwcrkschaftskommiision. Engel- uier 1b, im Zigarrengeichäft von Harsch und in den I-etreffenden Konzertsälen. Die im Borverknus nichi untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verlaust. Der Eintrittspreis beträAt 1 M. Kasscuerössnunz 7 Uhr. Die Programme werden rechtzeitig vcrofsenllicht. Treptow-Sternwarte.„Orientierimg«n Sternenbimmel" lautet das Tbema des LichtbildervorirageZ. den Herr Direktor Dr. Archenhold am Dienstag, den 24. August, abends 7 Uhr, hall. Mittwoch, den 25. Auguit, abends>/z5 Ubr. spricht Herr F. Nicolai über„Perlen der Mark: Rheins- berg und Sanssouci." Mit dem großen Fernrohr wird bei klarem Wetter am Tage die Venns, abends der Mond beobachtet. Führungen durch das astrononiische Museum finden täglich in der Zelt von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt. Die erste Zusammenkunft für Grast Berlin ber gewesenen politi- schen Inhaftierten nndct heute, abends S 11 br, in dem Restaurant Man- t e u I s e 1 st r. 7 2 statt. Desgleichen ist eine spätere— wenn mögliche— Zusammenkunft für evtl. Delcgierlc des ganzen Reiches geplant, und find v darum die gewesenen politischen Jnhaslierten usw. dort gebeten, sich gleich- falls in den einzelnen Oiten oder Bezirken zu vereinigen und sich in Ver- bindung zu setzen mit S. M. Wingerning, Berlin W 57, Stcimncßftr. 45, 2. Hos. IV. Slrbeiier> Samariter° Kolanne« Berlin e, V., AbteS. Osten. Mrupvensühreifitzung am Mittwoch, den 25. Angust, beim Gen. Bennewitz, Wilhelm-Ztolze-Tlr. 39._ Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 24. August: S.— K. Slbt. Sildunpsausichnßinttglieder! Aeußerst wichtige Sitzung um 7>/, Ubr bei Keusner, HagelSderger Str. 20 a. Im Behinderungssalle bestimmte Vertretung. II. Abt.« Uhr bei Geister. Skalitzer Str. 59: Sitzung der Bezirks- sührer. Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte. 'Arbeitsgruppe Gesundbrunnen. 33.-36. und 44. und 45. Abt. 7 Ubr, Schulaula, Battstr. 10; Versammlung der Eltern beträte. Treptow- Baumschutenweg. Mitglicderversammiuirg: 7 Uhr im Lokal von Hansel, Am Treptower Park f>7. Tagesordnung: Vortrag des Genofien Dr. Kallmann über: Die politische Lage. Bericht 00m Bezirlstag. Lichtenberg. Ter BUduugsauSchug hat die BilleUS zur erbcater- Vorstellung am 12. September im Roietheatcr ausgegeben. Dicjclbcn sind bei allen Funltiouären sowie im Bureau. Niedcrbarnimftr. 4, bei dein/. Uhr abends. Zahlabend in solgendcn Lokalen: Bezirke 727, 728, 733. 734, 735 bei Otto Echiribcr, Perleberger Str. 52: Bezirt« 729, 730, 73t, 732 bei Kart Tichammer, Ratbenomer Str. 74: Bezirle 736, 737, 733, 739 bei G. Boges. Lehrter Str. 18/19. 42. Abt. 7 Uhr, Zahlabend in folgenden Lokalen: Behrendt, Tegeler Str. 22; Nhtnebmcr, Trislstr. 49; Dohle, Nordbasen 6. Erscheinen aller dringend notwendig. Riedcrichoiieweidr. 7>ft Uhr, im Wirlsbaus Lorelev, kleiner Saal, große öfsentlichc VollSversanitnlung. Rcieient: Genosse Dr. Neslriepke. Thema: Die politisch« Lage. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Potsdam. FrauenlejeabeAd, 8 Uhr, bei Slurninsti. • 24). Abt. Der irrtümlich bereit» sür den vergangenen Sonntag an- gezeigte Ausflug, findet bestimmt am kommeuden Sonntag, den 2 9. A u g u st, mit demselben Programm statt. �ugenüveranftaltungen. Heute. 24. August: «ernan. Vortrag-.Heinrich Heine".— Ruchholz.?>/, Uhr im Lokal von Hennig. Paiewatler Sir. 56/57. Aufnahme der Miigiieder und Wahl deS Vorstandes der neugegründetcn.Aibeiterjugend Buchholz".— Gciundbrunne». Turnballe der Schule iöotenburaer Str. 2. Turn- abend.— Swöneberg. Rubensilr., Ecke Haupistr. Vortrag:„Märküche Pflanzen- und TierwcU.— Sveistcnjee. Ledigenheim, Woetckpromenade. Votl:az;»Wie soll man lesen." Borsussichtliche» Wetter bis Mittwoch mittag. Andauernd kühl und meistens bewölkt, mir leichten Regcnsällen; später langsami aus klärend bei schwachen nördlichen Winden. WirtfthM Krise und Preisbildung. Seit Wochen beschäftigt die Zurückhaltung der Käufer alle WirtschastS kreise. Die Verschärfung der Lage in Industrie und Handel, die gunehmende Arbeitslosigkeit Tauiender von Arbeitern und Angestellten nnd die vielen Versuche»nd Vorschläge zur Ab. Ivendung weiterer Not heben den Ernst der Wirlsthaflskrise nur noch stärker hervor. Die weitaus meisten dieser Versuche enthalten regel- mäßig eine Darlegung der Ursachen unseres heutigen wirtschastlichen Zustande-, und je nach der wirtschaftlichen Stellung des Verfassers wird dann entweder einem anderen Faktor die Schuld zugeschrieben, sicherlich aber die eigene Schuld weit von der Hand gewiesen. Da ist es denn interessant, cinnial einige solcher Rechtfertigung'- versuche etwa? eingebender zu betrachten und sich in die Gedanken» gänge dieser WirtschastSvolitiker zu versetzen. Eine mittlere Maschinenfabrik Niederschlesiens verschickte Anfang August an ihre Geschäftsfreunde ein Rundschreiben zur Marktlage, in welchem als wesentlichste Feststellung zuerst Beachtung verdient, daß d i e Kosten für L e b e n S m i t t ei inzwiichen weiter g e» legen sind, daß aber wesentliche Lodnsteigernngen seit Anfang Ifuni diei'eS Jahres nicht erfolgten. Eine bessere Widerlegung der von Unternehmerseite so beliebten Phrase, daß nur oder Haupt» sächlich die fortwährenden Lohnforderungen der Arbeiter an der Steigerung der Preise für die Lebenshaltung schuld seien, kann man sich nicht wünschen, zumal sie von der Arbeitgcbcrseite selbst kommt. Sodann wird eine Frage angeschnitten, die einer ein- gehenden Betrachtung unterzogen werden muß. Eine nach einer vorangegangenen Preiserhöhung iimerhalb von 4 bis 5 Wochen abermals vorgenommene Heraufsctzung der Preise um teilweise IA> Proz. wird als zu gering bezeichnet, weil diese Erhöhung noch erheblich hinter den E r g ä n z u n g S s e l b st k o st e n zurückbleiben soll. SBaZ� versteht dieser Unternehmer unter Ergänzungsselbst- kosten? Hiermit meint er in der Kalkulation die Einsetzung eines Sicherheit s zu schlage« zu den Material» preisen, die nach dem Tagespreis festgesetzt werden. Verbilligen sich nämlich chi- Rohstoffe, so würde also später bei der Verwendung teuer eingekauften Materials ein Verlust entstehen, wenn dann ebenfalls der reduziert« TageSpreis'der Kalkulation zugrunde gelegt wird. Soweit wäre theoretisch die Preispolitik der Unternehmer begründet; die praktische Durchführung steht aber loesentlich ander« ans und bedarf daher zur gerechten Beurteilung der Ursachen unserer wirtschaftlichen Not der Kritik.— Zuerst einmal ist e§ auffallend, daß ein plötzlich einsetzender Preisaufschlag von löl) Proz. nicht ausreichen soll, um den hier ge» wünschten Sicherheitsposteu zu schaffen. Dieser Aufschlag von IS» Proz. versteht sich auf den Verkaufspreis, der Material- losten. Löhne. Unkostcnzuschläge und Betriebsgewinn enthält. Alle? erhöht sich mit eiem Schlage ri in ISO Proz., obgleich etwa die Löhne kaum um 25 Proz. zu dieser Zeit(Februar lS2l)) aufgebessert worden sind und auch die Unkosten keine so ge» wältige plötzliche Steigerung erfahren haben. Diese wirtschaftlich völlig verfehlte Maßnahme führte dann zu einer ganz spontan einsetzenden Zurückhaltung der Käufer auf dem bisher so lebhaft gewesenen Maschinenmarkt dieser Branche, weil cbeit die Kaufkraft der Ab- tiehmer er'chöpft war.. AIS man die? merkte, riefen die Landwirte nach Erhöhung der Preis« für ihre Produkte(Getreide, Kartoffeln, Feit, Fleisch uiw.). Nachdem aber diese Preiserhöhung von einer nachgiebigen Regierung bewilligt worden ist, erklärt der Maschinen- sabrikant, daß der Landwirt nach wie vor streikt, oblv ohl sein« 'Kaufkraft durch die Gewährung auskömmlicher Preise g e st i e g e n ist. Weiter lvnd gefolgert, daß die kürzlich beschlossene Herabsetzung der Verkaufspreise um lO bis 2ö Proz. weitere Verwirrung augerichtet haben soll«, weil daraus allgemein geschlossen wird, daß ein weiteres Zurückgehen der Preise zu erwarten sei. Danach dürfte also der Preisabbau überhaupt nie einsetzen, iveil nämlich.Verwirrung" angerichtet werden könnte, obgleich der Konsument nach Ansicht des Fabrikanten bereits wieder kaufkräftig geworden ist. Wie weit besteht nun eine Berechtigung zur Deckung der Er- g ä n z u n g S felbstkosten? Zu Zeiten unglaublich schnellen Empor- steigenS der Preis« besonders für Rohstoffe wie Eiien, Holz usw. ist«S keinem Unternehmer eingefallen, seiner Kalkulation für Material die Preise zugrunde zu legen, die er wirklich aufge- ivendet bat, sondern auch hier wurden Tagespreise eingesetzt. die oft 1000 Proz. und noch mehr höher waren, wie die totsächlich . für sie bezahlten Preise. Man darf sich nur erinnern, daß Holz zur damaligen Zeil mir 500 M. eingekauft wurde/ jedoch B e- stände verarbeitet worden sind, die keine SO Mark gekostet haben. Hierdurch war für die jetzt cintrctendcn Konjunkturverluste längst ausreichend Vorsorge getroffen, und eS bedarf keiner Frage, daß der weitere Preisabbau möglich ist, ohne die Angehörigen des Betriebes arbeitslos zu machen. Führt die Preiw auf ein erträgliches Maß zurück und der Markt wird sich wieder beleben, der Konsinn wird sich ft«jgsr>i und auch die Hamsterläger werden wieder einmal frei werde' so daß der Erzeuger wieder neue Werte schaffen kann! Aber mach- endlich den Anfang und laßt in diesen schweren Zeiten den geineinw!rtschastlichen Standpunkt mehr gelten, als den privatkapitalistischeu, denn ohne Verdienst der Aktionäre und übermäßigen Gewinn zur Deckung erheblich gesteigerter, oft unnötiger Unkosten geht unsere Wirtschaft weiter, bei einem jeden Tag größer werdenden Arbeitslosenheer jedoch ist auch für die von der Krisis noch unberührten Teile unserer Wirtschaft zu fürchten. Ten Betriebsräten aber erwächst aus der Erkenntnis dieser Tatsachen die Pflicht, ihren ganzen Einfluß geltend zu machen, um bei der Preisbildung mitzuwirken. Bleibt die bis- berige Preispolitik der Kapilalisienverbände und kcbrt man nicht zu dem Grundsatz zurück, daß die Kalkulation in erster Linie für die PreiSbestiinmung maßgebend ist, so iverden wir nie auS diesem Ivirtschaftlichen Elend herauskommen. HauS Pohl, Gelsenkirchen. t Eine Verwertungsgesellschaft für Olaewerks-Ncbenprodukte ist in Frankfurt a. M. unter dein Namen„GaS-werkSnebenproduktcn- Verwertungsgesellschaft Deutscher Gaswerke" gegründet worden mit dem Zweck, den bei den Gasanstalten anfallenden Teer i» eigenen GenossenschaftSdestillatioiien zu V e r- arbeiten. Die„Telegrapben-lliiion", die diese Meldung bringt, inachl gegen das genossenschaftliche Unternehmen in gehässiger Weise Stimmung, tndem sie— wie schon bei anderen Gelegen- heiten— den Gaswerken die alleinige Schuld an der Verteuerung de« Rohtccro zuschiebt und dabei verschweigt, daß es gerade die wucherischen Zwistbengewinne der Teerhändler waren, die die Preise in die Höhe getrieben laben und schließlich zur gemein- wirtschaftlichen Regelung der Tcerwirtschaft Anlaß gaben. Wir haben für die privatkapitalistischen Sorgen der Nachrichtenagentur volles Verständnis.<-ie sind uns ein Beweis, daß die Organi- sation der Produktion, wie lvir sie unausgesetzt fordern, den Tccrhändlern und privaten Destillateuren schmerzhaft ist und der Allgemeinheii Vorteile bringt. Ter Seeverkehr Tanzigs hatte sich bis in den August hinein ganz bedeutend gehoben. Die politischen Ereignisse haben dann aber höchst nachteilig eingewirkt. Während in der letzten Juliwoebe 48 Schisse, mit Gütern in den Hafen einliefen und 38 hinausgingen, liefen in der zloeiten Augufttvöche nur 20 Schisse ein und 24 auS. An der Schmahrt sind Tanziger, deutsche, finnische, schwedische, norwegische, dänische, englische und amerikanische Reedereien be- lciligt. In Tanzig wird viel Holz, namentlich nach England, der- laden. �__ Mus aller Welt. fürstlicher Zechpreller. Aus Frankfurt c. M. wird uns gedrahtet: Vor der Straf- kammer hat sich am Dienstag der russische Fürst G o I i tz i u zu verantworten, der seinerzeit mit den deutschen Truppen an- der Ukraine nach Deutschland kam und sich in Charloticnburg nieder- gelassen hatte. Der Fürst, ein Mann von„blendender" Er- schcinung, fand bald Leute, die ihn mit Geldern unterstützten in der Hoffnung, dafür r ü s s i sch e Aufträge zugewiesen zu er- halten. Er verlobte sich auch mit einer Berliner Millionärs- tochier in Berlin, doch wurde nichts daraus. In Frankfurt a. M. machte er eine tägliche Hotelschuld v m 2000 M. In Homburg v. d. Höhe lebte er mit einer Altistin zusammen, die er als seine Frau ausgab und deren gesamte Ersparnisse er durchbracht«. Es weichen ihm Betrügereien in Höhe von einer Million zur Last gelegt. In den neun Monaken Untersuchungshaft hat er perfekt Teutsch gelernt,.fo daß er auf die Dolmetscher verzichtet. Außer- dem hat er eine Reihe beachtenswerter Gemälde geschaffen. Es ist nickt nachgewiesen, daß er nicht der Fürst Golitzin ist, doch glaubt die Behörde, daß er ron Rußland aus wegen über 00 Straf- taten gesucht w:rd.__ Eine bemerkenswerte Auswandcrcr-Zeitschrist. Die in Stuttgart im Verlag des„Ausland- und Heimat-Verlags" erscheinende„Jllu- strierte AuSwandererzeitung" will eine wirklich sackgemäße und zu- verlässige Beratung aller nach wirtschaftlicher Aufklärung strebenden AuSwanderungslustigen bieten. Sie beginnt jetzt mit der Veröffentlichung von Literaturlisten, die die wertvollste» und gründlichsten Bücher über einzelne Länder und AuiwanderungSziele bringen sollen. wobei auch dem Zeitungswe'cn� Aufmerksamkeit gewidmet wird und gute Karten der Länder genannt werden. Al» erste Liste erscheint die über Rußland, weil Rußland nicht nur im Vordergrund des JntereiieS der AuswanderungSlustigen steht, sondern überhaupt als wirtschahlicheS und politisches Problein in den Mittelpunkt der ganzen Weltpolnil gerückt ist. Auszebvbene Falschmünzer. Die Kaffeier Kriminalpolizei hob eine Fabrik für Fünfzigmarkscheiiie aus. Mehrer« hundert Falsi- sikate untren bereits in Ilmlauf gebracht. Ein großer Vorrat wurde beschlagnahmt. Tie falschen Scheine sind äußerst täuschend nach- geahmt. Mehrcrc galizische Flüchtlinge wurden als Führer der Gesellschaft verhaftet.. Ter Teisinger. Einige Zeit nach Kriegsende stmb der österreichische General Teisingcr. Er war Votsitzendcr der ambulanten Musterungskommission,»nd wir erinnern uns eine? Wiener Feuilletons im„Berk. Tagebl.", das den General als einen wahren Teufel hinstellte, der mit'cheußlicher Gtansamkeit selbst Schwerkranke an die Front geschickt habe. Di« Koinmission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzungen im Kriege hat die Be- schiverden gegen Teiüngcr untersucht. Ihre Berichte zeigen aber. daß Teiffngcr rücksichtslos Drückebergereien adliger Offiziere und hoher Protektionskinder aufgedeckt und beseitigt hat. IlnS interessiert da besonders der Fall einsZ Einjährig-Freiwillige» Sch. lder volle Name ist nicht angegeben), der für das englisch erscheinende Blau: „Continental Times" in Berlin reklamiert war und dann auf Verwendung der Erzherzogin Mgria Therese—— in die D o i m e t s ch e r s ch u l e des Armee-Oherkommandos kam. Teifinger ließ ihn untersuchen und der Arzt fand ihn frontdieusllauglich.... Slchiffsunglnck. London, 23. August.(Teltmion.). Ans Newhorl wird gemeldet� daß der D a m p f e r„S t> p e r i o r City"»ach einem Zusammen« stoß mit dem Dampfer„Willis King" auf See g e sutiken iit. 2 9 Mann der Besatzung kamen um» Leben. Infolge de? Zusammenstoßes erfolgte eine Explosion, nach ivelcher der Dampfer „Superior Ciiy„ in zwei Minuten sank. Trutiche Hilfe. Das Liebesgabcnkomitee in P a r a n ä(Süd- amerika) hol für 45kl Wilrei» Gaben zu quiltieren, wovon es über 3535 Milrei» bis jetzt verfügt. Dw bisher verladenen 20 Ktiieit enthielten 24 LiebeSgabenpakcle für gemeinnützige Zwecke, 380 Liebes-- gabcnpakcie für bestimmte Empsänger. Tie Tätigkeit und Sammlung wird out» eis, igst« fortgesetzt.— Der„Verband deutscher ÄieichS- angeböriger" i» Mexiko bat bis Mille Mai bereiü« 5709 Dollar» und über 300 000 M. zugunsten der noileidenden Jugend zusrnnmeii- gebracht. Sport. Ter Lichleuberger Schwtinmtlub„Neptun 1KS4- dielt am Sonntag, den 22.?lug»st sein VC. Sommerkchiviuiuüeü im Seebad Rum» »lelSblirg ab. bei sehr starkem Besuche und großer Zestnabme der einzelnen rtoiifun'cnzcii. ES beieiliglen(ich au den einzelnen Koiilurrenzcn die Vereine;„ViNion" Berlin...Welle" Berlin. A. i.„Nord" Berlin. VI. S. Köpenick und„Neptun" Weißensee. CS folgen die einzelnen Konkurrenzen: Lokales Knabenfchwimmen. 100 Meter beliebig. t. Heise, „Welle" Berlin. Feit 1.50%. L. Grüberl.„Neptun" Lichtenberg. Zeit t, 54. !!. Nikolai,„Union" Berlin. Zeit 1.37' j. 5 u t er n e Z M ä n n e r- schwimmen. 100 Meter. 1. K. Wilde,„Neptun" Lichtenberg. Zeit 1,43%. ä. R. Krüger.„Neptun" Lichtenberg. Zeit 1,41!. 3. E. LuxZ„Neptun" Lichtenberg. Zeil 1,30.— Lokale Mädchenstasette. 3X100 Meier beliebig. 1.„Neptun" Weißen'ee. Zeit 3,37. 2.„Neptun" Lichtenberg. Zeit ti.tk8..— VersuchSschwimmen für Mitglieder die im Jahre 1 S 2 0 d a S Schwimmen erlernten.») Knaben. 3 0 Meter. I. H. Tchmidl,„Nebtun" Lichlenberg. Zeit 54'/,. L.O.Johns» „Replun" Lichtenberg. Zeit 1,6%. 3. M. Nordmann.„Neptnu" Lichtenberg. Zeit 1,12%. b) M ä d ch e n. 30 Meier. 1. H., f riebe,„Neptun" Lichlenberg. Zeit 1.4. 2. W. Jürgens,„Neptun" Lichtenberg. Zeil 1,10%. 8. W.(iiieie,„Neptun" Lichtenberg. Zeit 1,18'/,. c) Jugend w e i b I. 14—17 Jahre. 50 Meter, l. H. Selchow,„Neptun" Lichlenberg. Zeit 1,U. 2. C. Koblinsti.„Neptun" Lichtenberg. Zeit 1,19'/, 3. L. Grün- derg. 1,21% ck) Jugend m ä n n I. 14—17 I a b r e. 30 M e 1 e r. 1. K. Wilde,„Neptun" Lichtenberg. Zeit 1,3. 2. W. Somalia,„Neptun" Lichlenberg. Zeit 1,4'/,. e) D a m c n. 50 M e I e r. 1.>b. Truwe.„Neptun" Lichtenberg. Zeit 1.39. k) Männer. 30 Meier 1.« fprung. 1. W. Krüger.„Neptun 94", Lichtenberg. Zeit 38%. 2. P. Jänifch,„Neptun 94", Lichtenberg. Zeit 40. 3. W. Hirsche...Nepliin 94", Lichtenberg. Zeit 41'/,.— Internes B r u st i ch w i in m e n für M a n n e r. 150 Mete. r. 1. A. Müller.„Neptun 9t", Lichtenberg. Zeil 2.48'/,. 2. W. Frädrich.„Neptun 94". Lichtenberg. Zeit 2,33'/,. 3. K. Wilde.„Neptun 94", Lichtenberg.. Zeit 3.6.— I n t e r» e« I u g e n d b r Ii it i ch iv i in m e n. l 0 0 M e l c r. 1. M. Schulz.„Neptun 94". Lichtenberg. Zeil 2. 2. K. König,„Neptmi 94". Lichtenberg. Zeit 2.6. 3. H. Wagner.."Neplun 94", Lichtenberg. Zeil 2.12.— Männer- wafserbatlspiet.„Welle", Berlin—„Neptun", Lichtenberg. Goal 0: 3. öriefkasten üee Redaktion. Jeher kür den Briefkasten bestimmlen Anfrage f!!a, man einen Buchstaben und ein« Nummer bei. Briefliche Auetunfl wird nicht erteilt. ikUige A». sraaen trage»>an in der Juristischen Svrechstunde. Ltndenftr. 3, 1. Hof parterre linke, vor. Lchriftstiick« und Tertriig« stnd mitzubrinoen. ?l. L. IÄI. BabyaussteUungen sind i» Berlin öster veranstaltet worden, aber zurzeit gibt es hier kriue.— KV 100. Ihre Fragen könnt»» von folgenden Zcillchriflen beantivortet ioerdeiii„JbiS". Iciiichrifl fii>' Tierkunde. Sebastianilr. 20;„Tierbörfe", Eöpentcker Str. 71;»Allg. Deutsch« Tlerzeitung" lAdreffe nicht betannli;„Haus. Hof, Garlen"(Beilage zum„Tageblatt"!. - 9k.«it». K.>. Nein. 2. In.— BS. St. 188(1. 1. Na» Rechtskraft des Urteils. 2. Nein. 3. Wen» Sic in Gütergemeinfchait lebe» wolle». niiisfen Sie eine» Ehevertrag ickließeii.— I. 2. 00. Unsere« Erachte»« sind �.ic zur Zahlung verpflichtet, da Sie das erste Heil des neuen Jabr- gangs angenommen haben.— it. 5. Ja. sofern die Satzungen utchis anderes bestimmen. Im Falle der Ablehnung wenden Tie sich beichwerde- führend an das Versicherniigsaml.— H.K. 1. Mit 65 Jahren. 2. Richtet sich na» der Höhe der Beiträge.— R. 10. 1.«no ii. Ja. 3. Nein.— äi). Polen. 1. Wenden Sie sich an das deutsche Konsulat in Polen. Ed. gehen Sie zum Hiesigen polnischen Konsul. 2. Erkundigen Sie sich bei er Post. livpler>2.� Messing 6- Quecksilber 65,- Weißlager b. 25,- Zinn b. 35,- Schulzendorfer Str. 2 Kosliner Str. 6. Achtung! Wigeniciiie gMMMkt S»Mw Ergänzung uiiierer am 19. August 19211 miigeteitien ing z» der am 2b. August 1920 ftattstndeuden auger» ordentlichen Äu.lchußstSung ist at» Punkt ö noch zu setzen: In Tageeordnung z» Aenderung der Tienstordnung. Ter Borftand. G. Richter, Borfitzendir. Lllmmi-tiümez mautKr»u» d«zr»bxeh-st»t itu5 inv6ef»rbeQ mit Qürtel.. trlid�r 790 jetzt M prSiaa Dabclo&itel.... früher 1450 jetzt M Paletots mwn!t�oi7erÄ Covercoat« in dpn neuesten Fassons früher 1000, jetzt il 315 ZW ©e© SZZ 825 Hosen QO jediett- Anzüge SSV ll®0 früher 1200 jetzt JA. früher 1400 jetzt M modern verarb., in allen uiöjji. Farbonstellangen früher 900 jetzt M. früher 1150 jetzt M. "früher«SO, jetzt M. 1250 CnSaway n.Weslc 525 Bozener Mantel ÄSÄ390 Wonene wasche, Sfnlzen. OberitemOen. iiraäen v. v. sehr nzius! Hur clneVerkgufulellt Basr�ohn Keine Filialen mehr Nur Chaussee-Straße 29-30 Nur % TheatertiichtspSeleetc�| Großes Setospielhsiis. 7: Julius CöSi>r(43. Abt...5>. Ah) Mtw 71 g-- Lysistrata HO A.S.A.) Deutsches Theater. 8 Uhr: Floh im Panzerliaus. Kammefsplele. 8 Uhr: Weibsteufel. 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C\l/ Sclle5lttiflticefir.4 Frankfurter Allee 14 Schönhauser Allee 61 O VV nahe Z a n d v r s l\J nahe Tietz am Bht- Nordrivg votiksi' KuKnKs We Aufforderung, s.ch zu ergeben. Tie ZZedingnngen ober wurde« von den Russen nicht angenommen. Nach der»Voss. Aty." babcn polnische Flieger wiederholt txe deutsche Neutralität verletzt, indem sie deutsche- Gebiet überflogen, um die übergetretenen Russen(und was sie sonst wohl zu sehen erwartet hatten) zu beobachten. Der polnische Nordflügel hat Bialystok genommen. Die Russen melden Räumung Brcst-LitowskS, Erreichung der Jlota Lipa(Qstgalizien) und Vorrücken gegen Wrangel.— Von beiden Seiten wird berichtet, daß die abziehenden Russen von polnischen Zivilisten bekämpft werden. Der polnische HeereSbcricht vom 23. behauptet, man habe den grösiten Teil der 4. Sowjetarmee und das ganze dritte Kavallerie- korps vernichtet. Die bisher im Abschnitt Lemberg �operierenden feindlichen Abteilungen hätten den Rückzug angetreten. * Die Ententepresse nennt Namen deutscher Offiziere, die im Sowjelheer dienen- Die deutsche Regierung hat sie jedenfalls nickt hingeschickt. Wundert man sich in Paris, London und War» schau, dag arbeitslose Kriegshandwerler dorthin gehen, wo es Krieg und Beschäftigung für sie gibt? Wenn die Entente den Herrschaften anständige Pension zahlen will, werden sie nicht zu Trotzch gehen. Tie Neigung, sie für das Polen Heer zu geivinncn, dürfte beiderseits gering sein. Weygand soll bremsen. Amsterdam, 22. August. Nach einer Londoner Meldung ent- wickelt sich die polnische Gegenoffensive so erfolgreich, daß in gewissen politischen Kreisen bereits die Besorgnis geäußert wird, daß Polen zu weit gehe. Lord D'A b e r n o n und Jusserand haben sich von Posen nach Marsch au begeben, um mit General Wey- gand, dessen Ansichten jetzt in Polen maßgebend seien, sich über die Möglichkeit der Festsetzung der äußersten Grenze des polnischen Vormärsche? zu besprechen. Marschall F o ch, v-ct zweifellos der Urheber der strategischen Pläne sei, soll, wie der- laute, gegen einen weiteren Vormarsch auf russisches Gebiet sein, ebenso wie er gegen den früheren Vormarsch gegen Kiew gewesen seu Er sei der Meinung, daß die Polln sich darauf beschränken müßten, da» ethnographisch« Polen von den roten Truppen zu säubern. London, 23. August. l„Fronks. Zig.".) Der Daily Expreß" er- bielt von dem polnischen Gesandten in London folgende Erklärung: Polen kämpft einzig und allein darum, die bolschewistischen Armeen vom polnischen Gebiet zu verjagen. Wir wünschen, daß der Frieden schnellstens unterzeichnet wird, aber wir nehmen Be- dingungen nicht an, die an unserer nationalen Unabhängigkeit rühren oder die ein: Einmischung Fremder in unsere inneren An- aelegenbciten verlangen. Dies ist der Standpunkt, den die polnischen Delegierten beständ.g im Verlaufe der Verhandlungen verteidigt haben und der durch die mtlitärischc n�Erei gm sie, ob sie für uns günstig waren oder nicht, niemals geändert wurde. Niickkehr mit dem Galgen. Breslau, 23. August.(T. U.) Nah hier eingegangenen Mcl- düngen haben die Polen bei ihrem Einzug in Bialystok zahlreiche Perliaftungen von Personen vorgenommen, die angeblich mit den Russen während der Besetzung sympalhisicrt haben sollen. Sie werden vor ein Kriegsgericht gestellt. « Fn den Kämpfen bei Strasburg wurden zwölf Deutsche, die angeblich mit der Waffe in der Hand in den Reiben der Bolsche- wisien ergriffen worden seien, erschossen. Wie von zuständiger Stelle itz Breslau der„Dctti" mitgeteilt wird, wurde der jüdische Kaufmann Erich Bock von den Polen verhaftet und am 1ö. d. M. 6 Uhr früh in Posen erschossen. Mecklenburg löst Sipo auf.. Tie Sicherheitspolizei in Mecklcnburg-Schwerin hat sich tvährend der Kapp-Tage unter der Leitung l>eS republikani- fcken Obersten Lange al» besonders zuverlässig für die «Sicherung der Republik erwiesen. Sie ist deshalb den Reaktionären seit langem ein Torn im Auge, besonders seit «sie gewagt hat, auch«vor dem Afrikaner Lcttow-Dorbcck nicht tns Mauseloch zu kriechen. Jetzt hat nun die neue Mecklenburg'Schwerinsche Re- gierung durch Erlaß die Auflösung d'c r Sicher- h c i t s p o l i z e i angeordnet, wie die naclKehende Draht- Meldung unseres Schweriner Korrespondenten mitteilt: Am Sonnabend wurde von der Sipo ein neue? großes Waffenlagcr cntveckt. In emeni Walde bei Bad Kleinen wurden vergraben aufgefunden: 3k> Maschinengewehre, einige NN Gewehre und etwa 2ö00st Sckmß Munition. Die Waffen waren frisch vergraben. Als Täter find festgenommen zwei Wirt- s cha f t S e le v e n, ehemalige Offiziere, von einem Gute Horns- darf, Besitzer Rittmeister v. Lühe. Das Gut liegt in unmittelbarer Nähe von Wismar. GutSnackbar ist der bekannte dcutscknatio- nal: Abgeordnete v. Gräfe. Tie aus Teutschnationalen und Deutschen Volksparteilern bestzhende mecklenburgische StaatS- regierung hat heute einen Erlaß veröffentlicht, nach welchem d i c Sipo aufgelöst wird und au deren Stelle eine Oronungs- Polizei tritt. Das Zusamimentreffen der Waffenentdeckung am Sonnabend mit der Veröffentlichung des Auflösung?» erlasse? am Montag ist— natürlich!— nur ein ganz- zufälliges. Es trifft sich auch nur ganz zufällig, daß die neue mecklenburgische Regierung lediglich aus Deutsch- n a bi o n a l e n und D e n t s ch- V o I k s p a r t? i l e r n be- stebt, also aus Reaktionären reinstev Wassers. Und daß diese Regierung ihre Existenz nur fristen kann aus Grund de? Tatsache, daß die— Unabhängigen ihr in d n Sattel halsen und sie darin festhalten. Diesen Umstand macht sich die reaktionäre Gesellschaft zunutze und löst die republikanische Sicherheitspolizei aus, um daraus eine „Ordnungspolizei" zu machen. Es sollte unS sehr wundern, wenn man nicht plötzlich entdecken würde, daß„leider" für die verdienten Führer der Sipo in der Ordnungspolizei keine entsprechenden Plätze frei sind. Vielleicht stellt man dafür die WirtschastZeleven ein, die so schön die Waffen vergraben konnten.'__ Neuer Spitzelspu?. SB. T. B. verbreitet folgende Meldungen aus M a g d e- bürg, die sckon angesichts ihrer Quelle nicht ohne Vorbehalt aufzunehmen sind: In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag drang in Schöne- b e ck a. d. Elbe eine bewaffnete Bande in die Gummi- tabrik von Wilop ein. erklärte, die Fabrik stehe zur Verfügung der roten Armee und entwendete ein Auto. Als die Sicherheitspolizei nacki der Auflösung einer kommu« nistischen Vers am mlun g in Schönebeck die kommunistischen Führer festnehmen wollte, kam es zu einer längeren Schießerei, Die Waffentransporte. In später Nachtstunde wird un? über da? Ergebnis der am gestrigen Abend im Rcichsranzlerpalais unter dem Vor- sitz des Reichskanzlers Fehrenbach stattgefundcncn Bc- sprcchung der amtlichen Stellen mit den Vertretern der Arbeiterschaft mitgeteilt: Es ist darüber volle Einigung erzielt worden, daß die für n c u t r a l i t ä t s- bzw. gesetzwidrige Zwecke bestimmten Transporte angehalten werden. Durchzulassen sind jene Transporte, die Teutschland auf Grund des Friedensvertrages vcr- pflichtet ist, fahren zu lassen, also auch die Waffen- und Munitionszüge, deren Inhalt an die Wcstmächte a u s g c- liefert bzw. zerstört werden soll. Ferner� sind die für die Reichswehr und die Sipo be- stimmten Transporte durchzulassen ans Grund einer von F a I l z i! Fall durch eine besondere Kommission zu er- teilende Genehmigung. Vertreter der Arbeite r sch a s t werden zu dieser Kommission herangezogen und über die Erteilung dieser Genehmigungen mitbc- raten und mitentscheiden. Besondere Reichspolizci stellen sollen zur strikten Durchführung dieser Abmachungen eingerichtet werden. Wir werden über die Einzelheiten der gestrigen Be- sprechung, die erst kurz vor Mitternacht beendet wurde, und ihrer Ergebnisse noch zurückkommen. n— rmCTU-m-m die mit dem Rückzug der Kommunisten endete. Dreißig Personen, die größtenteils aus Magdeburg ftammcn. wurden verhaftet. Am Sonnabend nacbmiitag kam e« in Staßfurt, trotzdem der Spartakusbund vor Gelvalitäligkeiten gewarnt hatte, nach Be- endigung einer von der K. A. P. D. einberufenen Versammlung zu Schießereien, in deren Verlauf das Rath aus mit Maschinengewehren gestürmt wurde. Die Gefangenen wurden befreit und Plünderungen wnd Erpressungen sowohl bei Privaten wie bei der K r e i S s p a r k a s s e und der Post vorgenommen. Alz eine Hundertschofl der Magdeburger Sicherheitepolizei eintraf, verschwanden die Kommunisten spurlos. Gestern nachmittag zwischen Z und 4 Uhr drangen sechs bewaffnete Männer in das Postamt in Staßfurt ein und forderten von dem Beamten mit vorgehaltenem Revolver die Herausgabe aller Werlsendungen. Den Beamten wurde gi�tattet, den Postdirektor herbeizurufen, der die geiordcrten Wertsachen her- ausgab. Darauf verschwanden die Banditen, von denen jede Spur fehlt. Alle diese Streiche tragen den Stempel der Spitzel- mache zn deutlich an der Stirn, als daß es sich lohnte, sich hierüber besonders aufzuregen: die Reaktion, die sich in ihrer Existenz bedroht sieht, braucht eben„Putsche", die ihre Not- lvendigkeit beiveisen. Und da die Arbeiterschaft sich dazu nicht hergibt, solche„Beweise"'zu liefern, verschafft man sie sich mit Hilfe aller möglichen dunklen Elemente. * Düsseldorf, 23. August. lWTB.) Infolge der kommu- nistischen Putschversuche der letzten Tage ist die Kon. trolle bei den Uebergängen in das besetzte Gebiet außer- ordentlich verschärft worden. Jede Person wird körper- lich untersucht, und zwar hauptsächlich nach Waffen und kommu- nistischen Zeitungen und Flugblättern. Gestern wurden auf der Slheinbrücke bei Düsseldorf acht Personen von dem belgischen Posten verhaftet, weil sie Waffen bei sich trugen. Waffen- fcheinc, die von-den deutschen Behörden ausgestellt sind, werden von den belgischen Posten nicht mehr anerkannt. Die U. S. p. schließt aus! Hamburg, 23. August.(Eigener Drahtbericht de!.Vorwärts".) Im Hamburger M c t a l l a r b e i t e r v e r b a n d ist, wie an dieser Stelle gemeldet, die U.-S.-P.-OrtSverwaltung zum Rücklritt ge- zwungen worden. Die Versammlungen, die zur Stellungnahme über die Neuwahl stattfanden, ergaben das Bild, daß der r a d i- k a l e Flügel der U. S. P. die Aufstellung einer reinen U. die tiefe Sympathie, die ans irr Gemeinschaft der Geschichte, der Sprache und Kultur wie des letzten Schicksals entspringt. Mag auch zur Stunde eine beachtliche Unwissenheit über Sie Verfassung der Welt schweben, das ist sowohl über den inneren Bestand der Entente wie über die Wirkungsmöglichkeitcn des Völkerbundes, so muß uns doch die eine Hoffnung leiten, daß in irgendeiner Form die Völkergemeinschaft Europas und der Welt politisch- Gestalt gewinnen und da- mit uns das Forum geschaffen wird, vor dem wir unsere gerechte Sache erfolgreich führen werden. Jedenfalls ist der Völkerbund die Keimform dieser neuen Organisation der Welt, und die Staats- regierung wird zu gelegener Zeit an die Nationalversammlung mit dem Antrag auf unsere« Beitritt zum Völkerbund herantreten. Dort werden, so hoffen wir zuversichtlich, zugleich unsere Wirt- schaftlichen Bedrängnisse überwunden und unsere nationalen Ideale verwirklicht werden ohne jeden Appell an die Gclvalt. Bis dahin wollen wir unter der Last, aber auch unter dem Schutze der Verträge an unserer inneren Wiedcraufrichiung arbeiten. Deritschösterrcich kann gewiß sein, daß in Deutschland sein Anschluß ebenso stark ersehnt wird wie drüben. Hat auch bisher der fast einmütige Wille unseres noch schwerer heim- gesuchten Brudervolkes noch nicht das geneigte Ohr der Großsicgelbcwahrer des SelbstbeslimniungSrechtes der Völker gesunden, so ist doch zweifellos seit dem Zusammenbruch das Bewußtsein unserer Zusammengehörigkeit mit den Deutsch- österrcichern stark gewachsen. Auch hier gilt in allen zeit- lichen Nöten das Wort des Anzengruberschen Steinklopfer- hanS, das wir hcnt hinüberrufen;„Tu g'hörst zu dem allen, und dös alles g'hört zu Dir— es kann Dir ja nix g'schch'n!"_ �ngloägpptische Unabhängigkeit. Pari?, 23. August. Nach einer Meldung des.Matin" ft'iS London soll sich die englische Regierung entschlösset haben, Aegypten die Unabhängigkeit zu gewähren. DaS Pro-" tekiorat vom 13. Dezember 1014 soll aufgehoben werden. Aegypten werde das Recht haben, selbständig im Auslände diplomatisch ver- treten zu sein und Mitglied deS Völkerbundes zu wer- den. Das englische Besotzungshecr soll zurückgezogen werden. Nur in Suez sollen noch englische Streitkräfte verbleiben, die den Zweck hätten, de« Suezkanal zu schützen. Die gewaltige Hebung der Wirtschaftslage auch der ägyptischen Bauern macht sie politisch ungefährlich. Da kann man schon so tun, als ob. Man lese nur: Nach der„Times" wird England die Integrität Aegypten» gegen jeden fremden Angriff sicherstellen.(Wer soll denn? Red.) Dagegen aber muß Aegypten England im Niltal eine bevorzugte Stellung einräumen und im Falle eines Krieges ihm jede Erleichterung auf ägvptifchcm Gebiet geben. England wird eine Garnison in Ilegypien in der Kanalzone unterhalten, deren Basis jedenfalls Cantara wird. Aegypten soll seine ausländischen Beziehungen„selbst" leiten unter der Bedingung, daß es keine Verträge abschließt, die sich nicht mit der englischen Politik ver« tragen. Aegypten werde auch das Recht'haben, diplomatische' Vertreter im Ausland zu halten, jedoch würden sie wahrscheinlich gegenwärtig auf die Länder beschränkt bleiben, in denen Aegypten Handelsinteressen habe. Die Kapitulationen werden aufgehobeit und die Kontrolle der Gesetzgebung über die Ausländer dem Ober» kommissar(der bleibt?! Red.) übertragen. Geglückter Alibibeweis. Wir hatten bereits in unserer Nr. 407 unseren Lesern von, dem Protest deS Herrn Friedrich Wagner gegen unsere Noliz„Revolveriournalistcn" Kenntnis gegeben. Herr W. hatte sich als das Opfer eines unglücklichen Zufalls bezeichnet, da er in der Zeit, in der die von uns kritisierte und Wagner zugeschriebene Sckmuynotiz über nniere Parteigenossen im„Kleinen Journal" erschien, von Berlin abwesend war. Wir bemerkten, daß wir die Rickiigkeit seiner Angaben nicht nachprüfen könnten und daß die betreffende Nummer des„Kleinen Journals" von ihm verantwortrich gezeichnet war. Herr W. erllärt dies durch ein versehen des Verlages und hat uns neuerdings Beweise dafür gesandt, daß er tatsächlich damals verreist war. Unter diesen Umständen sieben wir nicht an zu erklären, daß ein Zuiammenhnng zwischen seinem Privatbrief an Dr. Hclphand und der später erschienenen Schmuynolit offen- bar nicht besteht und daß, wie er eS übrigens selbst offen zugab, nur der Schein gegen ihn sprach. Den Gipfel der Unverfrorenheit erklimmt die Daimler- Motoren-Gesellschaft, indem sie einen von der Zeitschrist„Ter freie Angestellte" veröffentlichten Auszug aus dem Bericht der Prüsungs- kommission über ihre Geschästsgebarnng im Kriege als„grobe Fälschung" bezeichnet, ohne dabei den Bericht überhaupt zu kennen! Wir sind durch eigene Kenntnis des umfangreichen Be- ricktes und des fraglichen Auszugs in der Lage festzustellen, daß beide in allen für die Beurteilung wesentlichen Punkten über- einstimmen, daß also von einer„groben Fälschung" nicht dw Rede sein kann. Wo Unrichtigkeiten der Tarstellung vorliegen mögen, können sie oas Gestrmtbibs der Tannlerpraktiken nach keiner Richtung hin beeinflussen. Tie D. M. G. unternimmt also hier den nicht nur von ihr geübten Versuch, durch Diskreditierung des veröffentlichten Materials sich reinzuwaschen. Wir nageln das fest, um dem durchsichtigen Treiben des Vorstandes der Daimler- Gesellschaft von vornherein die Spitze abzubrechen. Deutscher Bolschnster für Frankreich. Tie Agentur Havas keilt inil, daß die iranzviiiche Regierung ihr AglLme»! zur Er- nemiuiig des Ministers Dr. Mayer zum deutschen Botschafter in Paris gegeben habe. Deutschlands SluslandSvertretu.ng. Ter bisherige CTbef der englischen Abteilung des Auswärtigen Amts Dr. Rhomberg soll die Gesandtschaft in Kristiania übernehmen. Für Buenos Aires ist der Gesandte Pauli nt Aussicht genommen, zuletzt Chef der amerikanischen?iöteilung des Auswärtigen Amte, für Rio de Janeiro der Generalkonsul Pleltn, der auf verschiedenen AuslandSposten derselben Abteilung tätig war. Für die Botschaft in Rom ist der Hamburger Senator Berenberg- Goßler auSerseJen. Die diplomatische Vertretung in Riga er- hält Dr. Weder, der zuletzt bei der Gesandtstbaft in Prag war. Der bisherige Leiter der Friedensdelegation in Paris. Ministerial- rat Dr Göppert, bat die Leitung der FriedenSabieilung der Recktsabteilung des Auswärtigen Amts übernommen. Er wird in Paris durch den Gesanuten v. M-i I im s ersetzt. Der Führer der Nöthener„Kommunisten" verhaftet. Aus Halle wird der„Frankfurter Zeitung" gemeldet: Der Führer de» Köthener KommunistcnputscheS, Oberlehrer Dr. Berg, wurde hier verhaftet, nachdem ibn hiesige Linksradikale, bei denen cr Unter- stützung und Unterschlupf suchte, abgewiesen hatten. GeWerMastsbewegung Tagung öes Jusschuffes der ft. d. G. STttt 17. und 18. August fand eine Tagung des Ausschusses des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbun-des in Berlin statt, die sich in erster Linie mit der durch da? Kohlenabkommen von S p a akut gewordenen Frage der Ueberschichten im Bergbau zu beschästigen hatte. Dsr Ausschuh kam nach eintägiger Aussprache über diese Angelegenheit zu folgenden Beschlüssen: Der BunbesauSschuh bringt zum Ausdruck, daß die Hebung der Kohlenförderung nicht durch eine dauernde Ueberarbeit der Bergarbeiter erzielt werden kann. Wenn trotzdem vorübergehend zu selchen Aushilfsmitteln gegriffen wird, so kann dieS nur für zulässig erklärt werden, wenn sofort versucht wird, durch andere Vorkehrungen die Kohlenförderung auf die unbedingt notwendige Höhe zu bringen. Der Bundesausschuh fordert deshalb von der Regierung, dah a) die Sozialisierung der Kohlengewinnung und-Verteilung in Angriff genommen und spätestens im- Oktober 1920 dem Reichstag ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt wird, K) die vor Inkrafttreten des Betriebsrätegesetzes bestandenen Rechte der Betriebsräte nicht geschmälert, sondern erweitert wer- den. Diese Erweiterung der Rechte muh sich besonders auf die Kontrolle der Produktion, des Absatzes, des Selbstverbrauchs und der Preisbildung im allgemeinen wie für die Nebenbetriebe und Hüttenzechen erstrecken. c] die Versorgung der Bergarbeiter mit Lebensmitteln dauernd und ausreichend sichergestellt wird, cht die technischen Vorbedingungen zur Einführung der Sechsstuirdenschickit für die unterirdischen Sreinkohlenbergarbeiter auf internationaler Grundlage baldigst erfüllt werden. Bis da- hin ist den Bergarbeitern die jetzt tariflich vereinbarte Schicht- zerr zu sichern. Etwa darüber hinausgehende notwendige Arbeit ist als Ileberschicht oder Ueberstunde zu bewerten und zu be- zahlen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurde dann u. a. Einspruch erhoben gegen die Absicht deS Internationalen Gewcrf- schastsbuudes,"' den diesjährigen internationalen Gewerkschafts- kongreh in B r ü s s e l abzuhalten, weil dadurch den deutschen Ge- werkschaften die Teilnahme sehr erschwert würde. Als Tagungsort wurde Kopenhagen vorgeschlagen und beschlossen, sich an einem Kongreh in Brüssel nicht zu beteiligen. An letzter Stelle wurde vor der Förderung deutscher Ein- Wanderung nach Sowjetrutzland gewarnt, da dort zurzeit für deutsche Industrie- wie auch Landarbeiter alle Voraus- setzungen erfolgreicher Betätigung und auch nur der Fristung der kärglichsten Existenz fehlen. Ruhland komme gewiß für die künftige Auswanderung ganz hervorragend in Frage, aber hierfür mühten die Bedingungen und Austiahmenlöglichkcilen erst durch Verhandlungen zwischen> den beiden Regierungen und- durch Sachver- ständigenausfchüsse geordnet und vorbereitet werden. De? Hamburger Verkehrsstreik beenüet. Hamburg, 23. August. fEigener Drahtbericht des Vorwärts.) Nach fast achttägiger Dauer ist der Ham- burger Verkehrsstreik heute beendet worden. Auf Veranlassung des hamburgischen Senats sind Vergleichsverhandlungen durch den Wirtschastsrat Groh-Hamburgs geführt worden, die am Montag nachmittag zu einer Einigung führten. Die Ar- beit wird am Mittwoch früh wieder aufgenommen. Es wird eine W i r t s ch a f t s beih ilfe im Betrage von durchschnittlich 100 M. gezahlt. Matzregelnngcn und Entlassungen dürfen nicht stattfinden. Bei den Verhandlungen wurde seitens der Leitung der Verkehrsbetriebe betont, dah ohne eine erneute Tariferhöhung Zulagen nicht bewilligt iverden könnten. Da die Forderungen der Streikenden, ebenso wie diese Tatsache als rechtlich anerkannt werden mußten, blieb nichts anderes übrig, als die erforderlichen Mittel vom Staate als Zuschüsse anzufordern. Der Vertreter des Senats erklärte, daß die Bürgerschaft und der Senat zweifellos zu dieser Maßnahme ihre Zustimmung geben würden, worauf der obengenannte Vergleich geschlossen wurde. Gas- und Wasscrarbeiterstreik. Die Arbeiter der städtischen Licht- und Wasserwerke sind am Montag in den Ausstand getreten. Tie Arbeiter haben neuer- dings die Forderung erhoben, eS sollten ihnen wieder wie dies in früheren Jahren der Fall gewesen ist. auf den Kopf 104 Hekto- liter GaSkokS jährlich zum halben Preis zur Ver- fügung gestellt werden. Die Vergünstigung wurde vom Magistrat und der Kommission der Licht« und Wasserwerke als unter den heutigen Verhältnissen undurchführbar imd gesetzlich unzulässig ab- gelehnt.__' Die kommunistischen Quertreibereien. Bekann:lich wurde die K. P. T. wegen ihrer Ouertreibercieu von den Verhandlungen der Arb�ünehmerorganisgtionen über die Durchführung der Neutralität Teutschlands ausgeschlossen. Dafür quittiert die„Rote Fahne" in ihrer Nr. 163 in einem Artikel /irbeiterjugenö, auf zum Reichsjugenötag in Weimar! Als vor wenigen Monaten dex Ruf unter der Arbeiterjugend laut wurde:„Auf zum Reichsjugendtag!", da lohte eine Flamme der Begeisterung in den Herzen der Tausende, die unter der Sturmfahne der Arbeiterjugendbewegung marschieren, auf, eine Flamme freudiger Begeisterung, wie sie nur aus dem mutigen Wollen kampfiroher Jugend emp irzüngelt. Jeder einzelne fühlte diesen Willen in sich brausen, fühlte seinen Willen als Funken im Riesenbrand des Wollens aller! „Es muh uns gelingen!" gelobten wir—„es wird uns gelingen!"— diese Zuversicht dürfen wir schon heute hegen. ES war dem Hauptvorstand wahrlich nicht leicht gewesen, in dieser Zeil ollen Hindernissen, die sich auftürmten, zum Trotz eine derartige Massenkundgebung vorzubereiten, so vorzubereiten, dah sie als erste gewaltige Kundgebung des Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deutschlands Geist und Wollen unserer Bewegung, Geist und Wollen der Arbeiterjugend wuchtig und würdig verkörpert. Noch eins war zu bedenken: Sollen unsere Forderunge«— denn Weimar wird eine Tribüne der Jugend sein, aus der sie fordernd ihre Stimme erhebt— sollen unsere Forderungen in ganz Deutschland nicht nur gehört, sondern auch beachtet werden, so dürfen nicht nur die Delegierten, so muh die Jugend selbst in Scharen herbeiströmen. Es dürfen nicht nur«in paar Hundert sein, die nach Weimar kommen— mindestens Tausend müssen erscheinen, als Vortrupp der vielen Tausende, di« kampsbereit hinter unseren Forderungen stehen. Wenn Arbeiterjugend begeistert und entflammt ist, ist es nicht eine Stichflamme, die aufflackert und wieder erstirbt— unsere Begeisterung ist ein Feuer, das Dauer hat, weil es geschürt wird von energischem Wollen— Kampfwollen für das Ideal des Sozialismus! So haben sich denn schon heut« achthundert Iugendgenassen für die Weimarfahrt angemeldet, zumal wir Fahrpreisermäßigung haben, wenn wir ye- schlössen von unseren Bezirksorten ausfahren/ Dah diese große Beteiligung schon bis Istute möglich war, obgleich bei der Arbeiter- fugend das Geld wahrhaftig nicht- beutelweise vorbanden ist, ist ein äußerer Ausdruck unserer Tatbereilschaft und gibt uns die Ge- w i h h e i t, daß noch viel mehr alS Tausend nach Weimar kommen werden!/ Sind wir in Weimar, erfahren wir alles Nähere: Luartier- frage. Sammelpunkt usw., im Bollsbaus, Vuttelstätter Straße. Wendet euch vom Bahnhof aus gleich dort hin. Jugendgenossen! Jugendgenossinnen? In letzter Stunde: fiuf nach Weimar! „Burgfriede oder revolutionäre Solidarität" unter anderem mit heftigen Angriffen gegen die JScrtreler des Eifenbahnarbeiterver- bandes in der Kommission. Sie schreibt: Die Eisenbahner aus den Wertstätten, die die Unterstützung der Spitzenorganisation verlangt fatten, waren iiber das frivole Spiel, das'Legten mit' der Arbeiterschaft getrieben-bat, er- biitcrt. Sic haben gegen de« Ausschluß unserer Vertreter pro- testiert, coie wissen, daß die Kommunistische Partei als die Vor- Hut des klassenbewußten Proletariats auf der-Wacht steht, um alle Waffensendungen zugunsten Polens, zugunsten der deutschen Könterrevolution zu unterbinden. Tie Ortsverwaltung Groh-Berlin des Deutschen Eisenbahner» Verbandes und die Bezirksbetriebsräte der Eiscnbahichirekiivn Berlin senden uns dazu eine Zuschrift, der wir folgendes ent- nehmen: Ter Vertreter der Eisenbahner stellte im Einvernehmen mit den anderen dort befindlichen Kollegen fest, dah bisher alle Kol- legen der verschiedenen Parteirichtungen in der Frage der Waffen- und Munitionsironsporte ihre Pflicht getan haben. Der Artikel in der„Roten Fahne" kxibe leider eine Perstimmung in einem großen Kreis von Kollegen gebracht. Sie sind der An- ficht, daß eine solche Handlungsweise nicht geeignet sein kann, eine geschlossene Phalanx der Arbeiterschaft herzustellen. Der Beweis einer Verräterei sei bisher noch nicht erbracht und sind solche Angriffe nicht gnl zu heißen, zumal ja der Vertreter der K. P. D. diesen Aufruf mit unterzeichnet hat. Trotzdem bat der Vertreter der Eisenbahner von Berlin tveiterbin mit der K. Pi D. zu arbeiten in der Erwartung, daß fernerhin solche grundlosen Angriffe unieröleiben. Man müsse unbedingt' voraussetzen, dah die: Unterzeichner auch persönlich für ihre Beschlüsse eintreten. Eine diesbezügliche Erklärung lehnten die Vertreter der K. P. D. ab. Tie Abstimmung entschied trotzdem für Ablehnung einer Zusam- menarbeit mit der K. P. D., bis Garantien gegebe« würden, daß solche die Geschlossenheit der Kollegenschaft schädigende Vorkommnisse unterbleiben. Von feiten der Eisenbahnerschast wurde«och festgestellt, sie wünsche, dah jede Kriegskonterbande oder Schieber- transporte im Interesse des Friedens zu unterbleiben baben. Ein« Reichskommission müsse gebildet werden, welche das Kontrollrecht über alle Trane-Porte baben müsse, weil sonst die einzelnen Be- triebsräte der Arbeit nicht gewachsen sein würoen. Buchbindervcrbaud. Vertrauensleute der in Buchbindereien, Buch- druckcrcien und Geschäitsbuchsabrilcn bcichäftigtcn Buiqbinder unchBuch- bindereiorbeiterinnen! Dienstaq, den 24. Äunust, nachmittags st.ö Ubr, im Saal 3 deS GewerkichaiiStauics, Engcluser 15: Vcrtranen-mSnner. konfercnz.— Briefumichlaqbranche, Donnerstag, 4'/, Uhr nachmittags: Branchenversammlung bei Krmimcmn, Naunhnftr. 27. Achtilng, Bnchvrucker k Im Restaurant Zimmerstrahe 34, neben Scherl, findet ab beute täglich von 4— 5 Uhr die Materialausgabe für die Beifitzertvahlcn zum Berbandsvorstand statt. Tie Vertrauensleute werden ersucht, reichlich Material abzuholen. Tcutschcr Transportardeiterverband. Hausdiener, Lagerarbeiter und Kutscher aus der Pavier- und Pappen-EngroS-Branche: Mittwoch, den 25. August, nachmittags 5 Uhr, in der Aula der 7. Gemeindeschule, Stall- ichreiberstratze 54 a: c�ruppenversammlimg.— Branche Alt-Metall-Handel. Am Mittwoch, den 25. August, abends 6 Uhr, bei Feysara, Melchior- sttaßc 15: Eruppenversammlunz. Herichtszeitung. Die Nervosität im Strasienbahnüiensi. Transportgefährdung durch einen Schaffner. Ein Augenblicksbild aus dem htzpernervös-hasterido« Berliner Verkehrslebcn entrollte«in« Verhandlung, welche gestern di« 9. Ferienstrafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen fahr- lässiger Transportgefährdung und vorsätzlicher Körperverletzung war der frühere Strahenbahnschaffner Fritz Schultz e angeklagt. Am 6. September V. I. befand sich der inzwischen entlassene Angeklagte aus dem Auhängelvagen der Linie 41 und war, als der Wagen an der Haltestelle aus der Jannowitzbrücke hielt» im Wagen- innern gerade mit dem Kassieren beschäftigt. Da es der �letzte Wagen war, strömte alles hinein und der in dem übersüllien Wagen schon nervös gewordene Angeklagt« forderte den ibin zunächst stehenden Unterwachtmeister Papendiek aus, dem Hinter- perron zu verlassen. Da P. einer der ersten war, die den Wagen bestiegen hatten, weigerte er sich begreiflicherweise, wieder ab zu- steigen. Es entstand der übliche Wortwechsel, den der Angeklagte durch eine recht außergewöhnliche Tat, beendete. Er kuppelte den Anhängewagen lvS in der Absicht, die Fahrgäste da- durch zum Aussteige« zu zwingen. Im nächsten Augenblick er- tönten laute Angstschreie, da der Anhängewa gc n sich aus der_