f3 Nr. 421»37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 73 VeznqSPreiS: V irtel�ährl. 30.— M.. monaiuIO,— frer ms saus, oomus mhlbac. Pon- de.m? Monalllck 10.— ML. e�fL ttellungsqedühr. Unter Kreuzband für Demschland und Oesterreich 16.' 0 NL, für das übrige üuslanD vei laglich einmal. KufteUunc 2150'p Vorbestellungen nehmen an Oesterreich, Unzarn, Tschecho- Slowakei, Dane« mar:. Holland, �.u�emvurg. Schweden und die Schwerz.— Eingetragen m die Vost» eltungs- Preisliste. Der„Vormärt� mit der Sonntags» beilage.Voll u.Kett� erichernr wachen- täglich zweimol Zonntags und Mon» tags-rnmaü Abend-Ausgabe Teiegramm-Adreste- .So?ioldea»otrat Verliu- Nerliner Volksbleltt ( 20 Pfennig) AnzeincnvreiS: Die achtgeipaltene Nor>vareil>k,k!>e toite�S.— M.,TeuerungsiUichiagS0°/» «Klein« Anzoinen-. oas fett- gedrultie Wort t— M.(zulässig zwei settgedruckt« Worte), jedes weitere Wort S0 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeige» das erste Wort SS Pfg. side« weiter« Wort 40 Psg. Worte llber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungsznschlag 50°/» Familien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M., politische und ge- werkichastliche Verein»- Anzeigen I,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die II ä ch st e Nuuimer lnüssen bis S Ahr nachmittag» im Sauptgeschäkt. Berlin EW S8, Linden- strage ll, abgegeben werden. Geöffnet oon S Uhr sriih bi» ö Uhr abend». �enrvalovgan der rozialdemokratifchen parte» Deutschlands Neüaktion und Expedition: EW. 6$, Lindenstr. 3. "erniiiredicr: Am« MorlNviau. Nr. 15190—15197. Gegen Rußland. L u z e r n, 23. August. sNeuter.) Amtliches Communique. Lloyd George und iss i o l i t t i habe» der französische» Regierung eine gemeinsame Aktion der Alliierte» vor- geschlagen, die den Zweck hat, Polen die vollen aus dem Bertrage von Versailles sich ergebenden Rechte betreffend den freien Gebrauch und die unbeschränkte Benutzung des Hasens von Danzig und seiner Lcrbindnngzlinicn zu sichern. Mustland wortbrüchig? L u z e r n, 23. August. Dem Communique über das Resultat der Besprechung zwischen Lloyd George und G i o l i t t i eut- nimmt die Schweizerische Dcpcschenagentur u. a. solgcndes: Der McwibgnsaustMisch zwischen GioKdti und Lloyd Georg« back ihre vollständige Uebereinstimnbung über die vitale Notwendig- koit der Wiederher st ellung des Friedens in der ganzen Welt für einen möglichst frühen Zeitpunkt dargetan. Die erste Garantie für einen solchen Frieden findet sich in den»er- schiedencn bereits unterzeichneten Friedensverträgen und in der Art und Weise, wie diese Btrträge ausgeführt werden. Angesichts dieser Auffassung hoffen und vertrauen die beiden Regierungen darauf, daß das gut« Einvernehmen, das m S p a erzielt wurde, hinsichtlich der Methode der Ausführung des Verfailler Vertrages sich weiter entwickeln werde, so daß diese Methode alle noch ausstehenden Fragen umfassen werde, und daß das hoffnungsvolle Experiment, das dort versucht wurde, gerechtfertigt werde durch die getreu« Ausführung dos dort geschlossenen UobereinkommenS seitens aller Parteien. Bevor dir Friede wiederhergestellt ist, bleibt jedoch noch ein« Reihe von bedeutenden Frage« zu erledigen, deren Mehrheit mit dem Verlauf von Ereignissen, wie sie jetzt auf dem Gebiet des ehemaligen russischen Reichs sich abspiolen, unzertrenn. lich verbunden ist. Bevor nicht der Fviede zwischen Rutzland und der übrigen Welt wiederhergestellt ist, wird immer ein« Atmo- sphäre von Störungen der Ruhe die Welt weiter bedrohen. Aus diesem Grunde haben die britische und die italienische Regie» rung Schritte unternommen, selbst auf die Gefahr hin, falsch ver- standen zu werden, um eine Verbindung zwischen Ruhland und der tibrigcn Welt herzustellen. Es ist deshalb tief zu bedauern, daß sie soeben hören, dah die Sowjetregicrung trotz wiederholter gegen- teiliger Versicherungen, welche in ihrem Namen durch ihre Ver- treter in London abgegeben wurden, getrachtet hat, Polen Bedin- gungen aufzuzwingen, die nicht verein bar sind mit dessen nationaler Unabhängigkeit. Die Regierung von Polen ist aus der Wahl der ganzen männlichen Bevölkerung des Landes ohne Unterschied der Klasse hervorgegangen, und die sogenannte Bürgerarmee, welche nur aus einer Klasse herausgezogen werden soll, wie es der viert« Punkt der Bedingungen der Sowjetregierung verlangt, ist nur eine indirekt« Methode. um eine Gewaltorganisation zu schaffen, welche durch Ver» gewaltigung die demokratische Verfassung über den Haufen werfen und diese Verfassung ersetzen soll durch den Despotismus einiger weniger, welch« die Ideen des Bolschewismus in sich aufnehmen. Wir können nicht umhin zu befürchten, dah. wenn die detaillierten Bedingungen über die Zusammensetzumg dieser Armee, welche vor- läusig verheimlicht werden, bis Polen feine Armee demobilisiert hat, bekanntgegeben werden, man finden wird, dah sie nach dem Vorbild der russischen roten Armee konstruiert ist. Von einer Nation zu verlangen, dah sie als FriedenSbedmgung eine Armee organisiert zum Schutz von Leben und Ordnung, in der nur eime Klasse von Bürgern mit Ausschluh aller anderen ist, ist ein Eingriff in die Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstachtung dieses Landes. Dah man eine solche Be- dingung nachträglich trotz der Versicherungen des Herrn Kamenew an die britische Regierung, dah nichts ausgelassen ist, was nicht von nebensächlicher Natur sei, bei der Aufstellung der Bedingungen hin- zugefügt hat, ist ein grober Vertrauensbruch, und Per. Handlungen irgendwelcher Art mit einer Regierung, welche ihr Wort so leicht nimmt, werden schwer, wenn nicht unmöglich. Die Sowjet- vegieoung hat einen Vorschlag der bot tischen Regierung zurück. gewiesen, einen Waffenstillstand unter Bedignungen abzuschlichen. welch« das russisch« Gebiet gegen jeden Angriff sichergestellt hätte. Rußland wird seinem Vormarsch nach dem ethnographischen Polen mit der Absicht fortsetzen, dieses Land durch Waffengewalt für die Sowjetinstitution zu erobern. So wird es keiner freien Regierung möglich sein, die Oligarchie der Sowjets anzu- erkennen oder mit ihnen zu oerhandeln. Di« Welt im Osten und im Westen schreit nach Frieden, aber der Fviede ist nur möglich auf der Basis der vollkommenen Anerkennung der Freiheit der Nackionen. Die italienisch« und die englische Regierung sind beunruhigt durch die umbegrenzt« Verlängerung des gogenwärtigcn KonsliktzustandeS zwischen den Nationen. Den be- treffenden Völkern köimen diese Zustände nichts anderes. als immer wachsendes Elend bringen. Für die Völker der Welt im allge meinen bringen sie beständige Unruhe. Bevor diese Konflikte nicht aufhören, ist kein« Entwicklung für Landwirtschaft und Industrie möglich. Der Austausch der Erzeugnisse der Länder kann sich nicht fvei entwickeln infolge der hohen Preise. Angesichts der Gefahren, die eine Einschränkung dieses Austausches mit sich bringt, wird die Zivilisation� die durch fünf Kriegsjahre geschwächt ist, weiter erschüttert. Die britische und die italienische Regierung sind daher einig, daß alle Anstrengungen gemacht werden sollten,«m die gegen- wärtigeu Gegensätze zwischen de« Böller» zu beseitigen. Ein glückliches Lanö. Der AuSschnß für auswärtige Angelegenheiten kann vorläufig nicht zusammentrete». 1. West der Außenminister Simons auf Urlaub in der Schweiz ist. 2. Weil fein Vertreter Staatssekretär H a n i e l seit Sonnabend beurlaubt ist. 3. Weil zur v« r t r e t» n g der beiden Herren der Wiener Gesandte Dr. Rosenberg nach Berlin berufen werden mußte. 4. Weil Dr. Stresemaun, der seit der Neuwahl zum Reichstag Borsttzcnder des Ausschusses für auswärtige Angelegen- heiten ist. ebenfalls von Berlin abwesend ist und erst Ende diese« Monats nach hier zurückzukehren gedenkt.-� So wird das deutsche Boll jetzt regiert. Mögen sich allerhand Gefahren au unseren Grenzen sammeln, die Regierung ist„auf Urlaub". Und der Hüter der parlamentarischen Rechte, der Rote. Kettcnbrecher Stresrmann, erfreut sich des gleichen BorzugS. Da kann d-S deutsch« Boll ruhig schlafe». Ein Aufruf öer Gberschlesier. Benthe», 24. August. Die Deutschnationale Bolkspartei, die Katholische Bolkspartei(Zentrum), dl« Demokratische Partei, die Sozialdemokratische Partei, der Allgemeine Deutsche GewerkschaftS- bund(freie Gewerkschaften), die Arbeitsgemeinschaft freier Ange- stellenvcrbänbe(Afa), der Deutsche Gewcrkschaftsbund(christliche Gewerkschaften), der Gesamtverband deutscher Angestelltcngewerk- schaften, die Hirsch-Dunckerfche» Gewerkschaften und der Gewcrk- fchaftsbund der Angestellten erlassen folgenden Aufruf au die oberschlesischc Bevölkerung:. Unsere oberschlesischc Heimat ist in t i e f st c x Not. Deutsche und Polen stehen gegeneinander. Bruderblut ist geflossen. Dir Sühne der Verbrechen gehört vor die Gerichte. Wir wollen den Frieden. Die Interalliierte Kommission hat unS zugesichert, Ruhe, Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen. Wir haben am 21. August gefordert und General Gratier hat unS zuge- sichert: 1. die restlose Entwaffnung der Bevölkerung ohne Rück- ficht auf die Nationalität, 2. die Aufhebung des Belagerungszustandes, soweit eS die Bcrhälwisse gestatten, 3. die Hinzuziehung deutscher uud polnischer unbewaffneter Arbeiter zur Wiederherstellung des Friedens, 4. die Verhütung von Gewalttaten alle, Art. Tie Bewaffnung polnischer Bonden schreitet dennoch fort. Sie haben die Gewalt an sich gerisien und mißbrauchen sie. Dem muß ein Ende gemacht werden. Die gesetzmäßige Gewalt muß sofort wiederhergestellt werden. Da« ist unsere einzig« Forderung, sie wird heute der Interalliierte» Som- Mission ontrrbrcttet. Wird sie nicht erfüllt, dann sind wir ent- schlössen, den Friede« zu erzwingen durch den Generalstreik. Haltet euch bereit und wartet auf den Ruf der Führer. ES geht um unsere Heimat. Die Maßnahmen öer KommiPon. Benthe n, 24. August. Von der Interalliierten Kommisston wird mitgeteilt: Da feststeht, daß bewaffnete polnische Haufe» von jenseits der Grenze in den Kreis Rybnik e i n g e- falle« sind, Zusammenstöße mit der Bevölkerung gehabt habe« und Zustände entstanden sind, die nicht länger zu ertrage» sind, ist über den Kreis Rybnik der Belagerungszustand verhängt wvrden. Di« Militärbehörden sind mit allen Vollmachten zur Wiederherstellung der Ruhe versehen morde». Severins fährt nach Schlesien. Berlin, 24. August. Der preußische Minister deß Junern, Severins, und der Staatssekretär im ReichSwinisterium de8 Innern, Dr. Lewald, begeben sich heute aus Veranlassung des ReichskabinettS in Begleitung des LegationösekretärS Dr. Meyer nach Breslau, um sich mit Bertretern Oberschlesiens über die dortige Luge zu besprechen. Kermes in London. London, 24. August.(Meldung deS Hollandsch RieuwSbureau.) Der deutsche Minister Hermes und seine Sachverständigen sind in London eingetroffen, um mit dem britischen Ernährung«- minister über die Ausführung des Abkommens von� Spa zu konferieren. j vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. öS, Lindenstr.Z. Fernsprecher: Amt Moritzplaü, Nr. 117 53—54. vor neuem Kriege! Von Heinrich Ströbel. Die HimdStage des Jahres 1920 haben eine verzweifelte Aehnlichkeit- mit denen des UnglücksjahreS 1914. Wiesich damals der österreichisch-serbische Konflikt zu dem Wetter zu- sammenballte. das ganz Europa verheerte, so braut sich jetzt durch den russisch-polnischen Krieg ein unheilvolles Gewölk zusammen, das den halb zerstörten Kontinent von neuem in Brand setzen kann. Und>me vor sechs Jahren scheinen die Völker blindlings ins Verderben hineintaumeln zu wollen. Während genau lvie damals rücksichtslose Konfliklschürer am Werk sind, um eine Verständigung zu hintertreiben, haben die Massen keine Ahnung von dem Ungeheuerlichen, das die europäische Menschheit bedroht. Der Reichstag ist vertagt, die Minister und Politiker sind in Ferien, die Parteien liegen in trägem Halbschlaf. Soll das so weitergehen, bis der zündende Wetterstrahl sie aus ihrer Lethargie schreckt? Man wird mich der Uebertreibung bezichtigen. Der Reichs- tag sei zwar vertagt, aber der Ausschuh fürs Auswärtige werde demnächst zusanimentretcn. Uud der Minister des Aeuheren weile zwar in der Schweiz, verfolge aber gerade dort sorgfältig die Entwicklung der Dinge. Außerdem aber habe doch Deutschland seine strikte Neutralität proklamiert, um sich nicht in neue Kriegshändel verstricken zu lassen. So sei alles getan, was in Menschenkräften liege, und wenn sich dennoch die Gegenkräfte als stärker erwiesen und Deutschland wider seinen Willen in den Malstrom der Ereignisse hinein- gerissen werde, so sei das Schuld der anderen und die Tücke eines übermächtigen Schicksals. Leider liegen die Dinge nicht so. Denn leider sind— nicht nur sin Ausland, sondern bei uns selbst— vornehmlich die Kräfte rastlos tätig, die neuen Weltkrieg, neuen Bürger- krieg zu entfesseln trachten, nicht aber auch die Kräfte, die Demokratie und Sozialismus für die Sicherung des Welt- friedens, für die Verbreitung des Grundsatzes entwickeln sollten, daß alle Völkerstreitigkeiten nur noch durch friedliche Mittel zu schlichten sind. Die Bedeutung deS internationalen proletarischen lieber» einkommcns, keinerlei militärische Unterstützung Polens und des Generals Wrangel zu dulden, kann nicht hoch genug ver- anschlagt werden, aber seine Durchführung allein schützt unS noch lange nicht vor einer neuen Katastrophe. Denn es ge- nügt nicht, sich der Politik militärischer, imperialissischer Abenteuer zu widersetzen, sondern man muh zugleich mit voller Klarheit und mit äußerster Energie eine Positiv sozialistische Friedenspolitik verfechten, wenn man die An- schlage der Machtpolitiker unschädlich machen will. Von einer solchen Politik ist aber leider in Deutschland noch sehr wenig zu verspüren. Dafür entfalten die Anhänger der alten rücksichtslosen Machtpolitik um so leidenschaftlicheren Eifer. Unsere Mili- taristen und Nationalisten fiebern Tag und Stacht in Revanche- gedanken. Nicht die Erhaltung der Neutralität. die Sicherung des Friedens für Deutschland ist ihr Ziel, sondern die machtpolitische, militaristische Fruktifizierung des russischcholnischen Kriegs. Revidiert die Entente schleunigst den Friedensvertrag und schlicht sie mit der deutschen Reaktion einen Pakt, so sind unsere Militaristen bereit, an Polens Stelle den Bolschewismus niederzuwerfen; überwiegt jedoch Frankreichs und Englands Furcht vor dein deutschen Neu- Militarismus, so hegen unsere Offiziere und Studenten auch kein Bedenken, sich als Nationalbolschewisten zu maskieren und zunächst einmal mit den Sowjettruppen gegen Polen und die Entente zu schlagen— mit Hilfe der siegreichen Truppen glauben dann die Ludendorff und Vrussilow auch einmal mit Bolschewiki und Sozialdemokraten fertig werden zu können! Vorläufig setzen die Nationalbolschewisten alles an die Entfachung des nationalistischen Furors. Je mehr sich die Leidenschaften der Massen erhitzen und sich, wie jetzt in Oberschlesien, in Akten der Empörung entladen, desto größer ist die Aussicht, dah auch der französische Militarisnms pol- lends die Herrschaft über die Nerven verliert und sich zu der Verziveiflungsaktion einer Besetzung des Ruhr- reviers und Süddcutschlands hinreißen läßt. Das wäre aber der Augenblick, um die deutsche Volksseele zum Kochen zu bringen und das Waffenbündnis mit Sowjetruh- land durchzusetzen! Was dann folgen würde, hat Max Cohen kürzlich schon auseinandergesetzt. Deutschland wäre dann seines Kohlen- reviers beraubt, für das die oberschlesischc Kohle auch nicht entfernt einen Ersatz zu bieten vermöchte. Aber auch Buh- land könnte keinerlei Ersatz liefern, da seine Gruben im Donezgebiet sich in ähnlich verwüstetem Zustande befinden, wie das zerstörte französische Kohlengebiet. Nicht einmal mit Holz würde Ruhiand aushelfen können, vermag es aus Mangel an Eisenbahnmaterial doch nicht einmal seine eigenen Großstädte mit Brennholz zu versehen. Welche Zustände aber mühten sich entwickeln, wenn unsere Industrie lahmgelegt würde, wenn die Zahl der Arbeitslosen Millionen und Aber- Millionen betrüge, wenn durch die rapid gesteigerte Noten- ausgäbe das Geld vollends entwertet würde und ruffijcheS Elend auch über Deutschland hereinbräche? Die sozialredolu- tionären Erschütterungen und Verzweiflungsausbrüche der enormen Industrie- und Stadtbevölkerung, die nicht wie in Rußland ans dem platten Lande Unterschlupf fände, wären gar nicht auszudenken. Entweder be- kämen wir dann einen kannibalischen Krieg Aller gegen Alle oder eine Militärdiktatur, die mit unerhörter Brutalität jede innere Zuckung niederhielte und die Ver- zweistung der Massen dadurch betäubte, daß sie sie zu Millionen zur Schlachtbank eines neuen, noch wahnwitzigeren Weltkriegs schleppte! Möglich, daß dieser Ausbruch natio- nalistischcn Raseret sich schließlich auch furchtbar an Frank- reich rächte, aber welchen Gewinn hätte davon das zehnfach ruinierte deutsche Volk, das letzten Endes doch wieder unter dem weißen Terror verblutende deutsche Proletariat? Man sollte meinen, daß gerade die Linkssoziali st en die Gefahr dieser nationalistischen Machenschaften erkennen und durch eine doppelt besonnene und weitsichtige äußere Politik durchkreuzen würden. Aber wie lange hat es ge- dauert, bis die Unabhäugigen sich endlich zu Demonstrationen gegen den Nationalbolschewismus aufrafften! Obendrein aber sind diese Demonstrationen keinen Deut wert, solange die Linkssozialisten durch ihre blinde Verherrlichung und kritiklose Unterstützung der Sowjetpolitik unseren Nationalbolsche- wisten wirksam in die Hände arbeiten. Denn in der Wirkung kommt es ganz auf eins hinaus, ob die deutschen Militaristen das Bündnis mit Sowjetrußland anpreisen, um die Ketten des Versailler Friedens zu sprengen, oder ob die deutschen Kommunisten und Unabhängigen Sowjetrußland als die Vormacht der Weltrevolution feiern, deren Sieg und Ausbreitung auch Mittel- und Westeuropa vom Fluche deS Kapitalismus erlösen werde. In beiden Fällen erscheint Sowjetrußland als der Retter und Befreier. Frankreich und die Entente als der Feind, der niederzuringen ist. Wie sollen die breiten Massen da in der überreizten Stimmung dieser gewalttätigen Zeit die Unterschiede zwischen Nationalbolschewismus und„wirklichem" Bolschewismus smrber auseinanderhalten? Für Lauffenberg und seine An- Hänger fließen die Grenzen ja schon längst ineinander, und wir fürchten, daß im Ernstfalle sehr viele Sozialisten der verschiedensten Lager der Ideologie der K. A P. D. Lauffen- bergscher Richtung erliegen würden I Vor verhängnisvoller Konfusion und vor Katastrophen der ungeheuerlichsten Art kann sich der deutsche Sozialismus nur dadurch schützen, daß er nicht nur- dem deutschen National- bolschewismus, sondern auch dem russischen Original- Bolschewismus eine entschiedene Absage erteilt und sich klar und ehrlich zur Demokratie und zur friedlichen Austr«gu«z auch der Bölkerkon- slikte dekennt. Und das Bekenntnis zum unbedingten Pazifismus darf kein platonisches, passives sein, sondern muß mit kraftvsflster Aktivität zum Ausdruck gebracht werden. Es ist eine schlimme Halbheit, die sich bitter rächen muß. zwar intz Prinzip für eine friedliche Revision des Versailler Friedens- Vertrages einzutreten, sich daneben aber mit innerer Schaden- freude an dem polnischen Mißgeschick und den wachsenden Ver- legenheiten der Entente zu ergötzen und von der Bedrängnis Polens und Frankreichs Vorteile für Deutschland zu erhoffeu Diese kurzsichtige Betrachtungsweise übersieht ganz, wie leicht gerade ein totaler Niederbruch oder eine Bolschewisierung Polens das angstgepeinigte Frankreich zu„Sichcrungs"n>aß- regeln anderer Art, eben zur Besetzung des Ruhrgebiets und zut Abtrennung Süddeutschlands verleiten könnten, die Deutsch- land dann zwangsläufig dem Bolschewismus oder Nationabolschewismus in die Arme treiben könnte. Der Möglichkeit einer kleinen Ver- besserung der deutschen Lage stände also die Wahrschein- lichkeit einer grauenvollen Katastrophe gegenüber I Man muß noch völlig von dem Geiste der Bethmann-Berchtholdschen i Vabanque-Politik, ganz von der Hasardierwut eines Luden- 1 dorff besessen sein, wenn man wiederum um eines höchst um! sicheren und zweifelhaften Gewinns willen die ganze Existenz; des deutschen Volkes aufs Spiel stellen wollte. i Viele Linkssozialisten begreifen denn auch die Gefahr, der Deutschland auf der einen Seite durch ein rücksichtsloses Vorgehen Rußlands, durch eine etwaige Sowjetisierung Polens, durch das Spiel mit der„Weltrevolution"; auf der anderen Seite durch die Angstdelirien und die militaristische Sicherungstheorie Frankreichs ausgesetzt ist.. Sie haben volles Verständnis dafür, daß Deutschland durch die Ver- Wicklung in einem Krieg des Ostens gegen den Westen ent- weder dem revolutionären Chaos oder der Militärdiktatur zu verfallen droht, und daß deshalb jede Politik, die es zur Krise treibt, ein Frevel und ein Wahnsinn ist. Aber ziehen sie daraus auch die Konsequenzen? Treiben sie eine innere Politik, die. durch das aufrichtige Be- kenntnis zum demokratischen Sozialismus und zum Pazifis- mus, dem französischem Militarismus die Berufung auf die gefährliche Verwqrrcnheit der deutschen Zustände unmöglich machen würde? Oder bringen sie den Lenin und Trotzki mit der gebotenen Entschiedenheit zum Bewußtsein, daß sie die Schaffung eines neuen internationalen; Brandherdes in Polen für ein Verbrechen halten und die gewaltsame Verbreitung des Bolschewismus ablehnen? Nein, vor derartigen Forde- rungen schrecken sie ängstlich zurück. Mit der Ausrede, daß das ja doch nichts nützen werde, ergeben sie sich stoisch dem Schicksal. Vielleicht werde es doch nicht so schlimm, vielleicht ziehe das Wetter vorüber. Wie aber, wenn es anders kommt? Wenn neuer Weltkrieg, neue Ausbrüche der Volksverzweiflung Deutschland vollends, zugrunde richten? Dann trifft furcht- barste Verantwortung alle, die mit heimlichen Seuszern und zagen Hoffnungen dem Schicksal seinen Lauf ließen, statt mutig einzugreifen, als es noch Zeit war! der putsch üer Spitzel. Immer mehr stellt sich heraus, daß die neuesten„Putsch- versuche" in Velbert, Kothen, Staßsurt, Schönebeck usw. nicht nur im Sinne der Reaktionäre liegen, sondern auch von ihnen tatkräftigst gefördert würben. Der Leiter der„Kommu- nisten" von Käthen war, wie schon gemeldet, ein ausgewach- jener Oberleutnant und deutschnatwnaler Oberlehrer, der mit seinem„Nationalbolschewismus" einen kleinen Teil der Arbeiterschaft der anhaltinischen Landstadt einzufangen wußte. Daß er inzwischen verhaftet ist, haben wir bereits mitgeteilt. Noch deutlicher als in Käthen zeigt sich das Spitzelmach- werk in Staßsurt. Von dort erfährt die„Magdeburger Volksstimme" über den Spuk: Am Sonnobend haben Leute von auswärts Rathaus und Post besetzt und einen Raubzug unternommen. In der Post fielen-ihnen drei Wertbriefe von 7(K>d M. in die Hände, be» der Kreiskomwunalllasse erbeuteten sie 1700 M. und in einer Druckerei ein Portemonnaie und einen Ring. Auf das Rat- h a u s wurde eine Schießerei veranstaltet, dann die G e f a n- genen au? dem Amtsgericht befreit. Hierbei konnten drei der Putschisten verhaftet werden. Es gelang den Aufruhrern nicht, die Arbeiter a»S den Betrieben zu holen. Am Sonnabend abend hielt die K. A. P. D. eine Versaiwnlung ab, zu der nur knapp 1S0 Mann erschienen waren. Es steht fest, daß die ganze Aktion geleitet wurde von dem Spitzel Biittcher, der von der Magde- burger„Volksstimme" bei den Enthüllungen über die Spitzelzen- trale in Magdeburg genannt worden ist. Ob die Beraubung der öffentlichen Kassen auch im Pro. gramm der Spitzeldäter enthalten ist, oder ob die losgelasse- nen Kämpfer für die„Rötediktatur" hier auf eigene Faust Beute machen und das Eigentum der andern expropriieren, ist schwer zu sagen. Aehnlich �wie in Staßsurt liegen die Dinge bei dem „Putsch" in Schönobeck, einem Jndustriestä'dtchen, das dicht bei Magdeburg liegt. Der gefällige Wolsf-Droht hat auch über diesen Aufruhr in alle Welt einen in seiner jbürze be- sonders aufregenden Bericht versendet. Was dort in Wirk- lichkeit vorging, schildert ein Bericht unseres Magdeburger Pateiblattes: Am Nachmittag wurden von der K. A. P. D. Flugblätter in den Straßen verteilt. Die Arbeiter wurden darin aufgefordert. gegen die bevorstehende Entwaffnung mit der Waffe in der Hand Widerstand zu leisten. Als Hauptfitz der Put- schiften kam ein Lokal aus dem Breiten Weg in Frage; den ganzen Tag gab es dort zahlreiche Gäste, die ein und auS gingen. Aber es blieb alles ruhig. Am Abend änderte sich das Bild, als die Polizei nach der Polizeistunde Feierabend gebot. Der Ausforde- rung der Polizeibeamten wollte man zunächst nicht nachkommen. Deshalb zog die Polizei Verjtänkungen heran und räumte mir Gewalt das Lokal. Die Menge nahm eine drohende Hai- tung an. ES fielen R e v o l ve r s ch ü s s e, als sie auseinander- gedrängt wurde. Darauf machte die Polizei von ihrer Waffe Ge- brauch. Zwei Ruhestörer sollen verwundet sein, wurden aber von ihren Genossen in Silherheit gebracht. Ter größte Teil flüchtete in der Richtung auf die Zementfabrik. Bei mehreren von der Sicherheitsmache borgenommenen Straßenrevisionen würbe eine Anzahl von Passanten verhaftet. Wie sich bei den Vernehmungen herausstellte, hat man fast alle Spitzel und Putschisten gefaßt. Es wurden dann bei den Helfern der Reaktion Haussuchungen vorgenommen und Waffen, Spreng st offe und Muni- tion gefunden. Auch wurde eine Anweisung beschlagnahmt. die als Quittung gelten sollte bei einer Requisition der„roten" Armee auf die S t a d t k a s s e. Inzwischen stellte sich heraus, daß 14 verwegen« und gut bewaffnete Leute in die G u m m i f a b r i l eingedrungen waren. Sie erzwangen dort mit vorgehaltenen Waffen die Herausgabe eines Automobils, mit dem sie dann die Flucht ergriffen. Außerdem wurden die Telephondrähte durch- geschnitten, um die Verbindung nach außerhalb abzuschneiden. Es handelt sich also auch hier um ein Häuflein von Fa- nntikern, die sich v o n S p i tz e l n d i r i g i e'r e n lassen. Je länger die ruhige Entwicklung in Deutschland andauert, desto unangenehmer ist sie den Reaktionären, die einen getvalt- samen Zusammenstoß haben müssen. Zu dem Zwecke werden Lockspitzel unterhalten, zu dem Zwecke darf auch dip sage- nannte.�Kommunistische Arbeiterpartei" sich der weitgehend- sten Unterstützung der Reaktion erfreuen. Sie arbeiten für- einander und grüßen sich nicht unter den Linden...! Das Gespenst. Eigentlich ist es nicht ein Gespenst, sondern es sind mehrere Gespenster, mit denen die Schirmer der Reaktion und ihrer hewaftneten Helfershelfer drähen. um ihrem lieben Escherich aus der Klemme zu hälfen. Der Nechtsgedanke zieht nicht mehr recht, vbglleich Konteradmiral a. D. B r ü- n i n g h a u s im Pressedienst der Deutschen Vol'kspartei noch einmal alle Gründe ins Treffen führt, die wenigstens ein sofortiges Eingreifen gegen die Organisation Escherich hintanhalten könnten. Er selbst scheint aus die Stichhaltig- keit dieser Gründe nicht zu sehr zu bauen, denn er dreht den Spieß um, indem er die radikale Arbeiterschaft verdächtigt, sie werde sich gegen eine Entwaffnung sträuben. Leider ist die radikale Arbeiterschaft nicht in der glücklichen Lage der Escheriche, sich der Protektion ge- wisser wassenausliefernder Stellen zu erfreuen; sie würde sich einer Entwaffnung also größtenteils nicht widersetzen können, weil sie gar keine Waffen hat. Dagegen möchten wir das, was Herr Brüninghaus an die Adresse der radikalen Arbeiterschaft richtet, gerne den Escherichen und dem übrigen reaktionären Verschwörerklüngel ins Stamm- buch schreiben. Dann stimmt's eher. Herr Brüninghaus schreibt: „Nach allem, was wir bisher von radikaler Seite erlebt haben, kann man starke Zweifel hegen, ob die Absicht des Reichskom- missarS, der er in«inem einleitenden Referat Ausdruck verlieh, die Entwaffnung aus gütlichem Wege durchzuführen, sich verwirk- lichen lassen wird; die seinem Vorgehen zugrunde liegende Ten- denz, schwere Störungen unseres WirtschaftS- und Polk.slebenS oder gar einen Bürgerkrieg zu ver- meiden, wird man nur billigen können, dabei aber doch die Erwar- tung aussprechen müssen, daß der Staatskommissar sich nicht pslitijche Laubfrösihe. Sie quaken wieder— Gott fei Donk! Für kur,e Zeit nur hatte ihndn die Wucht der sich überstürzenden Ereignisse die Luit genommen. Jetzt, wie iiacki den letzten Donnerschlägen des ab- ziehenden Geivilters, hebt das Konzert ihrer melodischen Stimmen von neuem an. Erst waren es nur wenige, bald wurden es mehr, und schon beglückt unS ein ganzes Orchester mit einer gewaltigen Oualsiufonie. Sie quaken wieder— Gott sei Tankl Sie quaken im Vollbewußisein ihre? göttlichen Propheten« beruss, sie quaken die Wichtigkeit ihrer politischen Wetleraussagen in die Welt hinaus. Sie bequaken jeden, der bequakt werden will oder auch nicht will. Die Kaste der KriegSpropheten von Anno Vierzehn ist neu auf- erstanden. Der unsterbliche Philister feiert seine Wiedergeburt. Der'Talmipolitiker ergreift das Wort. Die politischen Laubfrösche sind eifrig an ihrer Phrophetenorbeit und quaken in ungeheurer Erregtheit: Bald Krieg, bald Krieg; Krieg mit West, Krieg mit Ost; Krieg. Krieg!— Soll man lachen oder weinen? Soll man gleichgültig bleiben- oder soll man am gesunden Menschenverstand verzweifeln? Soviel ist sicher, gleichgültig bleiben dürfen wir auf keinen Fall. Es war noch immer die größte Unklugheit, eine Gefahr, die man als eine solche erkannt hatte, zu übersehen. Und es i st eine Gefahr, wenn so und soviel mehr oder weniger einflußreicher Individuen Krieg prophezeien. Wer den Krieg prophezeit, glaubt an ihn, und an waS man glaubt, was man prophetisch verkündet, will man auch erfüllt sehen; schon um sich als Prophet gerecht- fertigt zu fühlen. Wer mit Bestimmtheit Prophezeiungen und Be- hauptungen ausspricht, beeinflußt seine Mitmenschen in diesem Sinne. Jeder, der sich nur wenig mit dem Wesen der Suggestion beschäftigt hat. wird das bestätigen. Darum ist die eilige Abwehr dringend geboten. In jedem KriegSpropheten, und mag er sich selbst auch noch so unschuldig suhlen, haben wir einen Keimträger neuen blutigen Elends zu sehen und zu belämpfen. Nur zu leicht könnten in« differenle Charaktere ihrem Einfluß unterliegen. Es fragt ja niemand danach, ob denn jene eifrigen Wahrsager jemals die kulturelle Einrichtung eines Schützengrabens zu schaue» Gelegenheit hatten. Es fragt niemand danach, ob sie jemals die anatomische Kunstarbeit einer Brisanzgranate bewundern durften. Politische Laubfrösche interessteren sich prinzipiell ebensowenig für den erschütternden Anschauungsunterricht einer Krüppeldemonstration wie für die seelischen Erleuchtung»« eines Henri Barbusse. Ach nein, thoe Ausgabe ist»ine höh« prophetische, sie habe» ti nötig, sich mit derlei Menkcblichkeilen abzugeben. Letzter Zweck bleibt ihnen, daß der Rechthaber auch Recht behält, daß dieser Prophezeiung auch wirkliöb der Krieg folgt,— Noch einmal, was ist zu tun? An der Gefahr vorbeikeben können wir nicht, noch weniger den Kampf hoffnungslos auigeben. Aber noch steht uns ja als Abwehrmittel der Spott zur Ver- fügung. Er ist noch imrner die schärfste Waffe im Geistesleben getvclen. Der Hieb der Lächerlichkeit hat noch immer am empfind- lichstcn getroffen. Also handeln wir danach, Setzen wir zunächst unseren politischen Wetterpropheten hübsch hinter GlaS, daß jeder Schaulustige sich mühelos an seiner, auf- geblasenen Exfftenz ergötzen kann. Auf einem Schildchen davor verkünden wir seinen Namen: fityls arborea Gemeiner Laubfrosch Klasse: Lurche Diese Aeußerlickkeit wird notwendig sein, damit man nicht etwa irgend einen wertvollen Gegenstand hinter der Scheibe ver- mutet. Haben.wir ihn dann derart der Mitwelt kenntlich ge- macht, so beginnen wir ein lustig Spiel mit ihm. Wir fangen ihm Grosmücken und Eintagsfliegen, an denen es heutzutage wahrlich nicht rpangelt(wie ja auch ausgewachsene „Enten" in großer Zahl die Atmosphäre bevölkern). Das Propheilein im Glashause läßt sich willig mit Neuigkeiten füttern. Unsere helle Freude haben wir daran, wie eifrig er nach jedem neuen Insekt schnappt und es mit Erhabenheit in sich aufnimmt. Die gewichtige Miene, die heldenhafte Figur, die er dabei zur Schon trägt, wollen wir nicht besonders lobend hervorheben; man soll nicht persönlich werden. Vielmehr wollen wir nur in Andacht seiner Eingebungen harren, durch die er uns allsobald die Geschicke der Welt verlünden soll.— Und siehe, mit Sorgenfalten im Antlitz, wie einem inneren Drange folgend(nicht etwa einem durch Mückenfett verursachten Magengrimmen I) plumpst er von Stuke zu Stuf« seiner Leiter berab bis auf den Grund be« Glases: Unwetter verheißt er; Sturm am politischen Himmel. Krieg! Krieg I Schrecklich wird eS unS jetzt offenbar, ja, eS gibt Krieg. Krieg so sicher, als der Gemeine Laubfrosch ein unfehlbarer Wetterprophet ist; Krieg so sicher, als Weltgeschichte an Biertischen und Grünkram- kellern gemacht wird; Krieg so sicher, als menschliche Amphibien sich der ganzen Enisetzlichkeit ihres Handelns bewußt sind. So sicher gibt es Krieg! Und wollt ihr noch mehr Argumente für den Krieg? Aus der Tiefe des Wasserglases töne» sie euch überzeugend entgegen: Quak, nicht quail— K. J. „Jedermann" in Salzburg. Auf dem Domplatz in Salzburg ist Hofsmannsthals„Jedermann" in Reinhardts Inszenierung mit fast 100 Mitwirkeniden aufgeführt worden. Die Wiener„Neue Freie Presse" feiert das EveiqniS ganz wie in allen Zeiten(woher hat man in Wien nur da» viele überflüssige Papier):„Ter Dom. platz in Salzburg mußte Rahmen sein, dieser wunderbare Platz, den italienische Meister nach dem Muster des MarkuZplatzeS zu Venedig angelegt haben und der in der Fassade von Solaris Bau. werk eine wunderbare Krönung erhält. Der Fürsterzbifchof von Salzburg hat schon seinerzeit anläßlich des von Max Reinhardt propanierten WcibnachtSspieleS. als er sagte, daß er bereitwillig da« Innere deS DomeS als Schauplatz eingeräumt hätte, bewiesen, wie sehr er der Ueberzeugung huldigte, daß der Kunst in der Kirche ein Heim nicht verwehrt werden soll. Sobald ihm aber einmal der Domplatz eingeräumt war, mußte Reinhardt darauf bedacht sein, daS Höchstausmaß von Mitteln auch tatsächlich zu gewinnen. Bei diesem Spiele erheben auch die Kirchenglocken Salzburgs ihre Stimmen. Nur sind die Klöppel umwickelt, damit der Klang ge- spensterisckcr und unheimlicher ins Ohr töne." Die katholische Kirche stellt so den Regisseur, der so viel von ihr gelernt hat, einmal in ihren Dienst. Die Aluminiumgewinnunz der Welt. Während des Krieges hat die Aluminiumgewinnung ganz gewaltige Fortschritte gemacht, da viele Gegenstände, di« früher au» anderen Metallen hergestellt wurden, jetzt auS Aluminium verfertigt werden. Außerdem haben auch die Metboden der Aluminiumgewinnung Fortschritte gemacht. Nach„Prometheus" wurden in den hauptsächlichen Produktionsgebieten 1917 176 200 Tonnen Gwennen(1914: 84 800). An der Spitz« stehen die Vereinigten Staaten mit 90 700 Tonnen, dann folgen in weitem Abstände Frankreich(20 000 Tonnen). Norwegen, Schweiz, Kanada. Deutschland muß Aluminium zum Teil auS dem Ausland einführen oder aus ausländiichen Bauxiten ge- Winnen. Der deuüche Bedarf ist nach französischer Angabe während des Krieges von 10 000 auf 40 000 Tonnen angewachsen und wird für die Zukunft auf 70 000 Tonnen geschätzt. Hegelfeiern. Die PhIIoiopbilche KeseMchait zu Berlin»eranilailet am 27. August an Hegel« 150. Gebuitsiage Feiern. Um 11 Uhr wird am Denkwal Hegel«(Darolbeeninahe) Prof. F.?l. Schmidt, um 12 Ubr an Hegels Grabe(Alter Dorotbcenstädlischcr Friedhof vor dem Oranienburger Tor) Pastor G. Lassan eine Ansprache halten Freunde Hegelscher Philo- sophie sind hierzu eingeladen. Immer wieder Buchverbole. Unter dem Titel„Anllaae der Ke- peinioten- bat Artur Zickler vor einigen Monaten im Verlag de«.Firn' Auszüge aus den Kriegs-Tagebüchern eines Sonit-itsieidwebels veröffentlicht, die an einem konkreten Lciiplel oit erörterte Berbältniffe in Lazaretten und Etappen lachlich schildern. Dem Firnverlag ist nun durch einstweilige Ver« ingling der weitere Vertrieb dieser Broschüre verboten worden. Dagegen ist Einspruch erboben. Sozialisierte Tchrater dürsten zuerst im rheiuiich. westfälischen Industriegebiet verwirllicht werden. Dort sind die Probleme besonders brennend, da m-g'ch» Tbeater schließen mußten. Es wird eine Jnduürie. stadt-TbeatergeseMchast gegründet, die auf der Bast» von Tbeatergemeinden mid einer Zusammeniassung der Etnzeltheater in einem Slädtebundtheatcr ein« Lösung bringen soll. sch e u« n darf, avs khm zur Verfügung stellenden Mittel zur Anwendung zu bringen, wenn etwa, besonders von denjenigen Ele- menten, die Gegner geordneter verfassungsmäßi- ger Zustände sind, aktive oder Passide Resistenz getrieben wer- den sollte. Wer droht mit schweren Störungen des Wrrtschafts- und Volkslebens, wer droht mit dem Bürgerkrieg? Ist vielleicht Herrn Brüninghaus ein gewisser Artikel des „Bayerischen Kuriers", Organ der Bayerischen VoÜksyartet und des Herrn Escherich, bekannt, in dem das G e s p e n st der Mainlinie an die Wand gemalt, in dein mit dem Gedanken einer Zertrümmerung des deutschen Reiches gespielt wird? Der Artikel schließt:„Bayern kann und wird seine Einwohnerwehr nicht aufgeben, darauf darf man in Berlin Gift nehme n." Hier alw ist die„radikale Seite", gegen die „alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Anwendung zu bringen der Staats-kommissar sich nicht scheuen darf". Alles andere ist lediglich Verdunkelung des Tatsachenbestandes. » München, 24. August. Nach der„Müuchen-Ausburger Abendztg." hat die R e i ch s r e g i e r u n g in der Frage der Eni- wafsnungsaktion eine Vorstellung an die Landesregierungen gc- richtet, wonach die bewaffneten privaten Organisa- t i o n e n, einschließlich der„O r g e s ch" nach dem Abkom- men von Spa bis zun» 30. Oktober zu entwaffnen sind. Tie Sozialdemokratische Partei München hat heute große Plakate in den Straßen der Stadt anbringen lassen, in denen Auflösung der Einwohnerwehren und eine unzweideutige Stellungnahme der bayerischen Regierung zu dieser Frage gefordert wird, weil sonst die Franzosen ein- marschieren würden. Hufruf öer GeWerkftbaftsmternationaie. Ter in unserer heutigen Morgienausgcrbe schon erwähn tv Aufruf des Internationalen Gewerkschastsbundes ist uns erst heute früh im vollen Wortlaut aus Amsterdam zugegangen. Er lautet: sin Sie Arbeiter aller Länder! In Anbeiracht des schweren Ernstes der politischen Weltlage fordert der Internationale Gswerkschastsb-und von dem organisierten Proletariat der ganzen Well,; e d e m Kriege seinen u n e r- schütterlichen Widerstand entgegenzusetzen. Tie organisierten Arbeiter der Well haben sich gemäß den Be- schlüssen der internationalen GewerlschaftSkongresse von Bern und Amsterdam bereitzuhalten, mit allen ihnen zu Gebote stehenden MitUeln den Krieg z u bekämpfen und vereint vorzugehen, um den Frieden zwischen allen Völkern end- gültig herzustellen Die Internationale der Gewerkschaften verurteilt auf Grund des Prinzips des SekbstbestimniUngSrechts der Völker sowohl jedes Eingreifen Fremder in die inneren politischen Angelegenheiten eines Volkes, als auch jede den gegenrebolutionären Armeen gewährte Unterstützung. Ter Internationale Gewerkschaftshund fordert alle Arbeiter aus, sich dagegen zu erheben und dementsprechend zu handeln. Diesen Grundsätzen entsprechend und in Anbetracht der Tat- fache, daß die russisch« Revolution durch Polen angegriffen wurde, verlangt der Internationale Gewerkschaftsbund die augenblickliche Beendigung der gegenrevolutionäcen militärischen Angriffe auf Rußland und fordert für das russische Volk Garantien gegen jeden weiteren Ueberfall.. Angesichts der Erklärung der russischen Regierung, die feierlich den WMen ausspricht, auf der Basis der polnischen Unabhängigkeit und des Selbstbestimmungsrechts des polnischen Volkes mit Polen Frieden zu schließen, er- klärt der Internationale GewerksckastSbund, daß aus dieser Grund- läge die brirdermörderische Massenschlächterei aufhören muß.. Ter allgemeine Weltfriede mutz ehebaldigst hergestellt werden, und zwar aus der Grundlage der A Erkennung der revolutionären Errungenschaften und der Unab- hängigkeit der Völker! Um dieses proletarische und durchaus mensckliche Ziel zu er- reichen, fordert der Internationale Gewerkschaftsbund alle organisierten Arbeiter auf, sich nicht als Helfershelfer de? kapitalistischen Imperialismus gebrauchen zu lassen, und energisch jegliche Beförderung von Truppen und Munition zu verweigern. Die zielbewußte Aktion der Arbeiter muß als Schutzwache der Menschheit die reaktionäre„Heilige Allianz" zertrümmern, die man bemüht ist, wiederaufzurichten. Nicht ein Zug mit Munition, darf verkehren, nicht ein einziges mit Kriegsmaterial beladenes Schiff den Hafen verlassen, nicht ein einziger Soldat soll weiterbefördert werden! Dem Kriege werde keine neue Nwlrung zugeführt! Der Internationale Gewerk- schoftsbund erklärt, daß die Proletarier aller Länder diese Aktion duribrühren können und müssen. In dem Bestreben, die Freiheiten der Arbeiter und die Eni- Wicklung der sozialen Errungenschaften zu beschützen und in der Ueberzeugung. daß nur der Wille der Arbeiter den Kriegen Einhalt zu gebieten vermag, fordert der Internationale Gewerkschaftsbund alle Landeszentralen auf, sich bereitzuhalten, um nötigenfalls durch Massenaktionen oder durch den Generalstreik ihren Entschluß durchzusetzen. Tie gewerkschaftliche Jnternanonale fordert überdies alle Or- ganisationen auf, Maßnahmen zu ergreifen, um in dllen Ländern der Erzeugung von Kriegsmaterial ein Ende au mack>en, damit endlich die allgemeine Abrüstung durch- geführt wird, die die Völler vom Miitarismus— von jeglichem Militarismus!— befreien und die Steigerung der Produktions- kräfte lerbeiführen wird! Kameraden! Im Jahre 1314 war unsere Organisation noch zu schwach, um sich dem Krieg zu widersetzen. Heute ist sie «'ne starke Macht von 27 Millionen Mitgliedern, stark vor allem, weil von einem viel entschiedeneren antikapitalistischen und anti- milttaristiseben, einem viel ausgesprochener sozialistischen und revolutionären Geiste besoelt. Heute muß sie in sich selbst, in ihren eigenen Kampfmitteln, dve Macht finden, der Welt die Erneuerung solcher Schrecken und Greuel zu ersparen! Krieg dem Krieg! Dies sei die allgemeine Losung, in der cille Arbeiter der ganzen Welt sich vereinigen! Tie Verweigerung jedweden Transportes für Kriegszwecke ist heute der Ausdruck der internationalen proletarischen Solidarität! Kameraden! Der Internationale Gewerk- schaftsbund zählt auf Euch! Der Internationale Gewerkschaftsbund: W A. Appleton, Vorsitzender. L. Jouhaux, 1. Vizevors. C. Mertens. 2. Vorsitzender. Edo Fimmen, I. Oudegeest, Sekretäre. Dieser Aufruf deckt sich, was Wesen und Zweck cm- belangt, vollkommen mit jenem, den die sozialistischen Par- teien und die Gewerkschaften Deutschlands bereits acht Tage vorher aus eigenem Antrieb erlassen hatten, und entspricht auch ganz der Politik, die die Sozialdemokratische Partei Deutschlands seit Beginn der aegemvärtigen Krise empfohlen und verfolgt hat. Es ist jedoch offensichtlich, daß seine Redl- gierung etwas einseitig vom � Standpunkt der Arbeiterklasse der— siegreichen— West mächte erfolgt ist und und der- schieden« Umstände nicht berücksichtigt, die das Preixtariat des besiegten ohnmächtigen Deutschlands nicht aus den Augen verlieren darf, sollte ihm nicht schwerer Schaden daraus erwachsen, den auch der Internationale GewerkschaftZ- bund zu verhindern nicht imstande wäre. Wenn es z. B. darin heißt, daß„nicht ein Zug verkehren, nicht ein einziger Soldat weiterbefördert werden" darf, so wird dabei der Umstand nicht in Rechnung gezogen, daß es einen Versailler Frie- densvertrag gibt, der uns Deutschen die buchstäb- l i ch e Durchführung dieser Parole verbietet, weil das Da- moklesschwert aller möglichen Repressalien über un- serem Haupte schwebt. Deutschland ist durch den Friedens- vertrag verpflichtet, gewisse Transporte auf seinen Schienenwegen zu befördern, di» für Ententekontingente bestimmt sind, die es lieber nicht auf seinein Boden sehen möchte.... Wie in allen internationalen Aktionen der Gegenwart, so ist also auch hier das deutsche Proletariat durch den Aus- gang de» Krieges und durch den Versailler Frieden leider zu einer verhältnismäßig pa s s i v e n Rolle verurteilt, im Der- gleich zu den Aktionsmöglickkeiten, die sich dem französischen, dem englischen und dem italienischen Proletariat bieten. Dies vorausgesetzt, werden die deutschen Arbeiter ganz in dem Geiste des Aufrufes des Jnterontionalen Gewerk- schastsbundes handeln, indem sie die Bestimmungen des von ihren eigenen Organisationen bereits erlassenen gemeinsamen Ausrufes strikt einhalten. * Die gestrige Besprechung. In der Besprechung über die Waffentrans- Porte, die am gestrigen Zlbend stattfand und über die wir be- reits in der heutigen Morgenausgabe schon kurz berichteten, vor- breitet das WTB. folgendes offiziöse Communique: Heute abend fand unier Vorsitz des Herrn Reichskanzlers eine Besprechung der beteiligten Stellen mit den Vertretern des All- gemeinen Gewerkschastsbundes, des Deutschen Eisenbahner- Ver- bandes, des Deutschen Transpariarbeiter-VerbandeS, der S.P.D., der U.S.P.D., dcs Zentraleisenbahn-Betriebsrates über die Frage der Beförderung von Waffen und Munition statt. Es besteht Einmütigkeit darüber, daß sowohl neutrali- t ä i S w i d r i g e als auch zu ungesetzlichen Zwecken be- stimmte Transporte unter allen Umstiinden verhindert werden sollen; denn die Regierung steht unabhängig von dem Gang der kriegerischen Ereignisse fest auf den Boden strengster Neutralität. Zur Durchführung dieser Grundsätze soll die Koy trolle verschärft werden. Andererseits ist es notwendig, um internationale Verwicklungen zu vermeiden, willkürliche Ein- griffe Unberufener zu verhindern. Die strenge Kontrolle aller Transporte soll erfüllt werden durch ein allgemeines Verbot der Beförderung von Waffen und Munition, das der R e i ch s k o m m i s s a r für Entwaffnung vorbereiten soll; hiervon sollen lediglich ausgenommen werden: a) Die auf Grund des Friedensvertrages für die Interalliierten Truppen fahrplanmäßig zu befördernden regd- mäßigen Ersatz- und Nachtransporte, b) die im Auftrage der Ver- waltungsstellen des Reichsschatzministeriums zwecks Verschrot- t u n g militärischen Materials auszuführenden Transporte. Di« vorstehenden Transporte sollen besonders gekennzeichnet werden., Alle übrigen militärischen Transporte, also solch« für die Reichswehr und die Sipo werden von einer besonderen, in jedem Einzelfalle einzuholenden Genehmigung des Reichswehr- Ministeriums bzw. der Zentralpolizeistellen abhängig gemacht werden. Bei der Genehmigung dieser Transporte werden Ver- treter der organisierten Arbeiterschaft betet- l i g t werden, um der Bevölkerung nur einwandZfreie Transporte zu gewährleisten. Bis zur endgültigen Regelung der Frage durch die in Aus- ficht genommene Verordnung sollen nicht örtlich zu regelnde Zweifelsfälle sofort den zuständigen Zentralbehörden gemeldet werden, die Pen Arbeiterorganisationen unverzüglich die notwen- dige Aufklärung geben werden. verlustreicher Rückzug üer Russen. Wärschau, 24. August. Aus dem amtlichen polnischen Front- bericht vom 23. August: Nordfront: Der Feind versuchte wäh- rend des gestrigen Tages sich der Umklammerung zu entziehen und nach Osten durchzubrechen. Zu diesem Zwecke griff er mit außerordentlicher Erbitterung unsere südlich Mlawa aufge- stellten Truppen an. Ein Regiment der 18. Infanteriedivision hielt den Ansturm unter schweren Verlusten auf. Das Armeekommando der 8. Armee passierten bisher 2l>()00 Gefangene, Mitt. lere Front: Abteilungen der 8. Infanteriedivision zersprengten in fünfstündigem Kampfe bei S n i a d a w o die 11. Sowjetdivision, die. mit Erbitterung kämpfte und mehrfach zum Bajonettangriff überging. Abteilungen der 1. Legionärdivision nahmen am 22. August früh Bialhstok. Nähere Angaben fehlem. Am 21. August griff der Feind Brest-Litowsk mit Panzerzügen an, wurde aber abgewiesen. Süd front: Im Räume von Dodrot- wor und Kamionka-Strumilowa gingen unsere Kavallerieabteilun- gen auf das rechte Bugufer über, um den Rückzug der Räte« armee Budiennys zu beunruhigen. Eine Schwadron feind- licher Kavallerie wurde zersprengt, Oestlich Lemberg verfolgen unsere Truppen im weiteren Verlauf die sich zurückziehenden Sowjetdivisionen. Südlich davon herrscht Ruhe. Wränge! etabliert sich. Paris, 24. August. Havas meldet au» Konstantinopel: General Wrangel hat im Einverständnis mit sen Kosaken-Atamanen einen Erlaß veröffentlicht, wonach er sich den Titel eines Ober- komm andierenden der russischen Armee und seiner Regierung den Titel Regierung von Südrutzland beilegt, Ende des Hamburger Streiks. Nachdem am Montag die zwisch: n dem Vorstand der Hochbahn und den streikenden Verkehrsange st eilten abgehaltenen Versammlungen zur vollen Einigung geführt haben, ist der VerkohrSausstand be- endet. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt am Mittwoch._ Groß�erün stlex in üer Sommerfrische. Alex, ein Rehpintscher von gewöhnlicher Weichheit, war sich seines Ansehens bewußt. Seine Herrin vergötterte ihn und Frauchens Freundinnen fanden, daß er entzückende Pfötchen,«in reizendes Schnäuzchen und wonnige Aeuglein hätte. Alex hatte, trotzoem er doch eigentlich nur eine Handvoll Ilnbedeutenheit war, einen sehr großen Mund. Das laute Wesen hatte er von seinem Herrn«genommen, denn der jagte, man käme sonst nicht voran im Leben. Da Frauchen sich unmöglich längere Zeit von Alex trennen konnte, so wurde er mit in die Sommerfrische genommen. Dort aber mußte er zu seinem größten Leidwesen erfahren, daß sich, trotz seiner Vornehmheit, nicht alles um ihn drehte. Sein erstes Abenteuer halte er mit einer gewöhnlichen Ziege zu bestehen, Die war meistens in einem dunklen Stall eingesperrt, das wußte Alex. Eines Tages aber kam sie auf eine Weide unp sprang darob in munterer Freude. Darüber ärgerte Alex sich. Warum blieb die nicht in ihrem dunklen Loch, was hatte die auf der Weide zu suchen, es wurde ja nahezu gewöhnlich, wenn jeder Licht, Luft und Sonnenschein genießen durfte, Alex klaffte darum die Ziege auch ordentlich an. Die jedoch machte eine ganz sonder- bare Bewegung mit dem Kopf und schob Alex in weitem Bogen tatsächlich durch die Luft. Alex rang nach Atem und war empört. — Schließlich aber dachte er an die kleine grüne Tänzerin. Denn Herrchen und Frauchen hatten ihn neulichst mitgenommen. Er saß damals auf einem Pvlsterstuhl und sah gleich allen andern auf die Beine der kleinen grünen Balletteuse. Es war schön, man sah alles, trotzdem jedoch schielte Herrchen erst ängstlich auf Frauchen und guckte dann durch sein Fernglas, das er sonst nur auf de« Rennbahn benutzte. Und genau solche Sätze, wie die kleine grüne Luftspringerin machte, hatte er. Alex, bei dem Zusammenstoß mit der Ziege jetzt auch gemacht. Die Sache an und für sich war ja nicht angenehm, doch hatte er auf jeden Fall(so redete Alex eS sich 'wenigstens ein) sich zu benehmen gewußt. Ein andermal traf er mit einer Katze ungünstig zusammen. Sie wollte gerade eine Maus fangen, als Alex sie anbellte.„Laß mich in Ruh, ich verrichte nützliche Arbeit", sagte sie. Er bellte desto wilder. Da gab sie ihm einfach links und rechts ein paar Ohrfeigen, daß ihm Hören und Sehen verging.— Er schmollte, nützliche Arbeit vorrichtete sie, nun sollen wirklich die Arbeiter mehr gelten als die Nichtstuer, daran ist doch sicher auch die Revolution schuld, über die Herrchen immer schilt. Bald darob hatte er großen Aerger mit einer Henne. Sie scharrte mühsam Körner für ihre immer hungrigen Küchlein zu- sammcn. Alex dachte:„Schrecklich, wie der Pöbel sich auf das Fressen stürzt.' Ich habe Fleisch, weißes Brot, Milch und Schokolade zu Hause und nippe nur dann und wann mal." Mit wütendem Gekläff fuhr er die Henne an. Die aber sprang ihm auf den Rücken und hackte kurzerhand auf sein reizendes Naschen.—-Nun ja, Pöbel", dachte Alex, als er sich wieder erholt hatte. Den letzten Zusammenstoß hatte Alex mit einem Ziehhuno. Den schikanierte er andauernd. Der große Hund beachtete ihn erst gar nicht, als ihm die Geschichte aber zu toll wurde, nahm er Alex, schüttelte ihn ein paarmal hin unv her und warf ihn dann in den Rinnstein.' Nachdem jedoch Alex in dem Rinnstein gelegen hat, weiß er, daß man in der Sommerfrische lein Verständnis für Würde hat, daß man dort ungebildet ist. sich nicht zu benehmen weiß, ja, daß man nicht das geringste Anstandsgefühl besitzt. Alex ignoriert jetzt alle und wenn die Lage irgendwie kritisch wird, sucht er sofort Deckung, das heißt— er kriecht unter Frauchens Rock. E. B. Zwanzig Munitionsschuppen explodiert. Im Artillerie depot auf dem Truppenübungsplatz zu Jüterbog wurden durch die Explosion eines einzelnen Schuppens, .der Munitionsvorräte enthielt, zwanzig andere Schuppen in Brand gesetzt, die gleichfalls durch Explosion der in ihren Räu- men lagernden Geschosse in die Luft flogen. Da sich während der Explosionen keine Personen im Umkreise der Schuppen befanden. sind Menschenleben nicht zu beklagen.. Die Hauptätig- keit der Betriebsfeuerwehr, die wegen der Gefahr weiterer Sxplo- sionen zunächst nicht eingreifen konnte, richtete� sich hauptsächlich aus den Schutz der in der Nahe liegenden Gebäude. Es gelang einen großen Teil der explosive Materialien-bergenden Gebäude unter Wasser zu setzen, so daß der Brand sich nicht weiter ausdehnen konnte. Immerhin zogen sich die L ö s ch a r b e i l e n bis in den Morgen hinein, da während der Nacht die �Explosionen � kurz hintereinander folgten und ein Betreten des gefährdeten Geländes unmöglich machten._ Späte Erkenntnis der �leischermeister. Wie bereits mitgeteilt, haben die Groß-Berliner Ladenfleischer cm den Magistrat eine Eingabe gerichtet, in der sie auf die Gefahren hirrweisen, die sich aus der Aufhebung der Vieh- und Fleischzwangs- bewirtschaftung für die Versorgung der Groß-Berliner Bevölkerung ergeben. Daneben wird in der Eingabe noch hingewiesen auf die dadurch drohende Gefährdung vieler kleiner Existenzen im Fleischer- gewerbe. Diese Erkenntnis der Schädlichkeit des freien Handels bei ungenügender Produktion kommt reichlich spät. Als in Berlin vor Monaten eine heftige Agitation gegen die Zwangswirtschaft einsetzte, waren es nicht zuletzt hie F l e i s ch e r m e i sie r, die durch Aushängen von Plakaten in ihren Läden und durch mündliche Agi- tation den Boden vorbereiten halsen, um di« Aufhebung der Zwang?« Wirtschaft durchzusetzen. « Während in Berlin der Mangel an Fleisch zunimmt, herrscht in Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Oldenburg und anderen Teilen des Reiches, wie man uns mitteilt, ein solcher Ueberfluh an Fleisch, daß die Preise dort zurückgehen. In Kiel waren am Montag alle Schlächterläden noch voller Fleisch, ob- gleich die Bevölkerung am Sonntag und Sonnabend tüchtig ein- gekauft-hatte. Die Preise für Fleisch waren ganz verschieden, nicht nur der Fleischsorte nach, sondern auch der Güte und der betreffen- den Gegend nach. Diese Verschiedenheit der Preise war auffallend und wurde mit dem strengen Verbot der Ausfuhr von Fleisch erklärt. Auf den Dahnhöfen und sogar in den Postanstalten fanden Kontrollen nach verbotenen Sendungen statt. Wohnungsnot und Wohnungsamt. Auf unseren in Nr. 373 vom 28. Juli veröffentlichten Angriff gegen das Berliner Wohnungsamt antwortet jetzt die Deputation kür das Wohnungswesen: „Das Wohnungsamt," schreibt sie,„muh sich energisch gegen den Vorwurf verwahren, bei der Genehmigung zur Errichtung von Bureauräumen im Hause S ch l e s i s ch e Str. 2 6 e für die Firma L i n d st r ö m gegen Gesetzesvorschristen verstoßen zu haben. Die Absicht der Firma Lindström, dort ihre VerwaltungS- bureauS einzurichten, bestand schon zu einer Zeit, als das Wohnungsamt kein Recht mebr hatte, gegen die Verwendung der Räume zu Dienst- oder Geschäftsräumen einzuschreiten, da die Räume schon, seit 18 Jahren zu Bureauzwecken benutzt wurden. Daß diese Wsichi damals noch nicht verwirklicht wurde, war ein Entgegenkommen der Firma Lind ström gegen die dort unter- gebrachte Gasrevierinspektion, die bis zum 1. Juli d. I. ihre Bureauräume behalten konnte. Die rechtlichen Fragen und Wirt- schaftlichen Notwendigkeiten hat das zuständige MieteinigungSajnt eingehend geprüft und es ist dabei zu dem Entschluß gekommen, Hit Kündigung als zu Recht bestehend anzuerkennen. Die Erwilderimg behauptet weiter, es wäre auch eine„unver- antwortliche Verschwendung städtischer Gelder" gewesen, dort Kleinwohnungen einzurichten. Die„in einfachster Weise vorgenommene Einrichtung der Bureauräume" habe über 333 300 Mark(in Worten: dreihunderttausend Mark) gekostet, und diese Summe hätte„noch erheblich überschritten werden müssen", wenn die Räume für Wohnzwecke aufgeteilt und eingerichtet worden wären. 303 303 Mark?! Von wem hat das Wohnungsamt sich das aufbinden lassen? Außer ihm w-ird daS kaum ein Mensch glauben. Amerikanische Menschenfreunde. In der letzten Woche haben sich Herr und Frau Ludwig Nissen in Berlin aufgehallen. Herr Nissen war der Ehrenvor- sitzende der kürzlich in New Vor! reranstalteten vierwöchentlichen Sammlung für die Notleidenden Deutschlands, die mehr als 25 Millionen Mark gebracht hat und deren erfreuliches Ergebnis schon begonnen ha!, in ddr Form von Milch und anderen Lebens- mittel njnuch das deutsche Note Kreuz zur Verteilung zu komme'n. Durch Empfang und AuSspracbe bei leitenden Persönlichkeiten und Aemtern wurde Herrn und Frau Nissen Gelegenheit gegeben, sich an massgebender Stelle über unsere wirjschaftl'chen und sozialen Notstände zu unterrichten und sich von der Dankbarkeit, mit - der die Hilfsbereitschaft unserer Stammesverwandten in Amerika hier begrüßt wird, zu überzeugen. Unter der Führung des Roten Kreuzes haben sie dann auch, in besonders'sorgfältiger Weise in das erschütternde Elend, das unsere Kinderwelt ncch immer bedroht, Einsicht genommen. Vor allem haben sie sich auch um die große, die Mütter- und Säuglingsheime unmittelbar bedrohende Not bekümmert, um eingehend in Amerika darüber berichten zu können._ Produktive Erwcrbskosensiirsorqe in Sichtcnbcrq. Nach Abschluß der seinerzeit von den städtischen Körperschaften beschlossenen Notstandsarbeiten unterbreitet die Lichten- berger Tiefbauverwaltung der Stadtverordnetenversammlung ein 'neues Arbeitsprogramm, das im Sinne der produktireg Erwerbslosenfürsarge ausgeführt werden soll. Folgende Arbeiten werden geplant: l. UmPflasterung des Fahrdamms Borhagener Strrße zwischen der sogenannten„großen Tonne" und Wismar- platz. 2. Umpflasteruna des Fahrdamms Ritte rgutstraße. 3. An- legung eines Löper-Playes. 4. Bllrgcrsteigbefestignng in der Möllendorfstraße vor den Grundstücken Nr. 3—5. 5. Um Pflasterung der Frankfurter Allee zwischen Gudounstraße und Ostbahn- drücke. 6. Kanalbauten an der Sclnmltzwasserdtuckrohrleitung Tasdorf, an der TaKdorfer Wildberieselung. an den Schmutz- uno Regenwasserkanälen Meißen leer Weg. 7. Anlegung eines Spiel- platz.S an der Hausfstraße. Die Gesamtkosten für diese Noistands- arbeiten werden auf 1689 Mg M. veranschlag: Sie sollen, soweit nicht Deckung durch Beiträge aus d-r produktiven Erwerbslosenfürsorge und von der Straßenbahn erfolgt, aus einer auszunehmenoen Anleih« bestritten werden. Ferner soll das der Stadt geborige Gutshaus des früheren Rittergutes Mahlsdorf kür die Unterbrinnung einer städtischen Wohlfahrtseinrichi ung hergestellt werden. Die aus 190 VOO M. veranschlagten Kosten sollen aus Anleihemitteln zur Verfügung gestellt werden. Der Plan, im Gutshaus« ein Säuglingsheim zu er- richten, ist durch den später ersolgten Erwerb des Hauses Raven- stein bei F r i e d r i ch s h ag e n als Säuglings- und Kinderheim überholt worden. Der Wohlfahrtsausschuß hat sich noch nicht darüber schlüssig werden können, ob das Haus als Altersheim oder als Wöchnerinnen- mü> Entbindungsheim Verwendung finden soll. Einen Siiil gering veranstaltet am Sonnabend, den 28. August, nachmittags 6 Uhr, das Volksbildungsamt der Gemeinde Pankow im Etablissement Bürgerpark. Mitwirkende Vereine: Gemischte Chöre: Gesangverein Volkslied, Kirchenchor bei St. Georg Berlin-Pankow, Chor der Hofsnungskirche. Wölfischer gemischter Chor. Pankower Oratorienvere'n: Männer chöre: Männergesangverein Deutsche Harfe Pankow 1853, Pankower Liederquartett 1911, Sänoerchor der S. P. D. Pankow, Pankower Lehrer-Gesangverein. Männergesangverein Liederfreunv und der Orchesterverein Berlin-Pankow. Eintrittsprois im Porverkauf 1,50 M. HermSdorf. Die letzte Gemeindevertretersitzriiig stand im Zeichen .G e v a l: s e r h ö h u n g des z. Zt. benrlauvien Amis- und Gemeindevorstehers Cbeemu". Wie in vielen Gemeinden waren auch hier, besonders während der lexren Kri-gsjahre. mancherlei Unregelmäßigkeiten, zum Teil bedenlticher An, vorgekommen, welwe zu stürm schen Volksveriammlungen geführt haben. Besonders schwer belastet war'ein im Lebeiismilleldurea!! bi«», die neueste Zeit täliger Gemeiiideietretär. Ein kürzlich veröffentlichter Arisfätz in»nseiem Bruderoraan,„Der Landbole". der seit einiger Zeil für die One an der Nordbahn erscheint, brachre den Siein ins Rollen. Er besichtigte den Genannten, inebeiondere Herrn Cheemu rrbebticher Verfehlungen und veionlaßte eine Unlersuchuiig durch die vorgeietzle Behörde, den Landrat. Es ergab sich daß die Anklagen deS Artikels im„Laudboten" begründet waren und daß die in der erwähnten Voltsversammlung zutage gesörderien Angriffe der Berechtigung nichr entbehrten. In der letzten Sitzung nun nahm, troydcm die Untersuchung noch nicht zu Ende geführt ist, der stellverireiende Gemeinde- vorileher Herr Dr. Bode den Autrag auf Gebolnerl öbung wieder aut und bcwirlte, daß dieses Kebalr rückwirkend von, 1. April d. I auf den Jahresbeiroq von 39 999 M.»nd den für das laufende Rechnungsjahr 59 Proz. des GebaliS betragenden TeuorungSiuschlag. insgesamt also au: 45 099 M. festgesetzt wurde. Zwar wurde der Antrag nur mit fünf bürgeklichen gegen tünf sozialistische Stimmen bei vier Slimmenthaliunaen(Zenirum und Demokralen) angenommen, und zwar durch den Herrn Dr. Bode, der sich nicht entblödete, trotz der allgemeinen und nicht unberechtigten Unbelieblbeit des Herrn Cbeemu, trotz de» noch nicht er'olgten Ab'chlusles der schwebenden Unter- suchung. trotz de« scharfen Einspruwes unserer Gmossen in der Gemnndeverlrelung, besonders des Siellv. Amtsvorsiehets Genosseu Pros. Neunzia und trotz deS wahrhaft beschämenden Ab- siimmungSergebnisseS die Enlicheidung für diese uiiver''ienle Be- lastung der Gemeindekasse zugunsten seines Freundes Cbeemu zu geben. Unlere Genoffen haben gegen dieses unerhörte Vorlouimms Einspruch beim Landrat erhoben. Die früheren Mitglieder der hiesigen Einwohnerwehr sind nun- mehr entwaffnet. An ihre Stelle ist ein O r t S s ch u y getreten, dem bereits 299 Mitglieder angehören, darunter auch sehr rahl- reiche Anhänaer der 11. S. P. Jede Nacht ziehen 19 Mann auf Wache. Der Ortsschntz ist auf» enaile der Polizei angegliedert und untersteht dem Amlsvorsteher. Waffen werden nur iür die Zeit des Wachdienstes ausgegeben und bei Beendigung wieder ab- gelieien. Der Wachdienst, von dem jetzt keine Partei mehr aus- geschlossen ist. arbeitel regelmäßig und zur vollsten Zuinedeuheit. Heimatstreue Oberfchlesier. Die Ortsgrudve Berlin Nord, Ott der deimatslreuen Oderichlesier hält am Freitag, den 27. Auguü. abends �l|, Udr, in der Bötzow-Braiierei. Prenzlauer Alice 242—247, leine Monats- versammlurrg ab mit einem Lich blldervortrag.— Grupve S ü d- O lt der Keimatstieuen Oberichleüer verannaltet am Freitag, den 27. Aiiqirlt. abends lltH U.>r, im Gewerllchiitsbaus, Engeluker lä, eine a rosse Persammlunq. Laiidsleute, denkt an die jüngsten Ereignisse in der Heimat und erscheint in Massen! Groß-6erliner Parteinachrichten. Morgen' 25. August: 29. Nbt. Zahla'cnd, 7 Uhr. Bezirke 517. 518, 519, 522,542,543. 044b, 5445. 544o. 545, 545. 547, 648 bei DIaie, Dunckerstr. h. Bezirke 523, 524, 541, 549. 559 bei Roch aus. Schliemannilr. 39. Neukölln. 7. Abt. VeUammlung. umfassend die Bezirke 42—44, 48. 49, 54—59 und 65 bei(Sonlrc, Hcrmaunilr. 199, 7'/» Uyr, Vortrag des Kcnosscn N:edat über»Echute und Erzichungssragen".' OewerGhastsbewegung Zusammenfassung öer Setrlebsräte. Die am Momag abend abgebattene Vollversammlung der Berliner G e w c r k s ch a f t s k o m m r> s i o n beichänigte sich ernenl nul der immer noch nicht erledigten Frage der Zu- saimnenfassnng der Betriebsräte. Der Referent V o 4 l m e r s b a n S nahm Bezug oui den Beichliiß der Geweikichailstommiisioii vom 22. Füll, der cur Bildung der piornioitichen Betriebs, äiezenirale gesühn hat. Es verwies seriicr auf dcn Beschluß der Gruvvenräte der Ära und der SPD., eine eigene ireigewerlschauliche BelriebsiLlezentrale zu schaffen und den am 18. d. M. gefaßten Beschluß der Veriammlimg der B irievs- räle der Ata und der SP.L., der erneme Verbandlungen mit der Gewerkichaiislon miision beiürwortet. Durch die'e Boraänge— ragie der Neierein— sei eine neue Situaiion aeichaffen, die die Berrreicr der Belriebsräie-entiale in der Müni- itraße vcranlasicn»inßie, sich dieier Sniialion a n z u p a i I c n, den Siandpunkr der Afa zu würdige», ani d e Erfassung der nichi freigewerlschaftl'ch oraanisierlen Beiriebs äie zu verzichten und da- durch eine vollstäud'ge Einigung mit den Gewerkschaften herbei- zilnihren. Im übriaen»er an dem Beschluß vom 22. Jtili senzu- dallen. Tie Einberufung des Betriebsrälekongresies duich den A. D. G. B. sei zu begrüßen. Es folgte eine sehr ausgedehnte lebhafte Diskussion. Die Gegensätze zwischen der Min ziuaße und den Gewerlichaflen sow e der Afa wurden nurs neue aufgerolli. Ziska lMctallarbeiterl verlangte sir kles Festhalten an dem Beschluß vom 22. Juli und griff die Verlret, r des Zeniralverba: des der Anaestellreir an. weil sie sich diesem Beschluß nicht gefügt, sondern in ihrer Organisation demselben entgegenaewirkl und den Standpunkt der Afa zur Durch'ührung verholsen hällen. Fritz Schmidt vom Zentralverband der Angestellten recht- fertigte die Halning der Aßr und betonte, die'e lönne sich nichr an einer Belriedsräleorganisalion beleilieen, die auch Gelbe, Deutsch nationale und Angehörige anderer wlrl- i ch a s l s f r i e d l i ch e r Organisationen aufnimmt. In der Aiigestelltenbeweauiig seien diese Elemente noch viel zahl- reicher wie unter den Aibeiiern. Da man mit'olchen Leuten ver- ein: den in nächster Zeit sich ver chärienden Klassenkampf» cht führen könne, so sei es für vi« Ata aukgeschloffe». sich bei provisorischen Beiriebsräie cutrale anzuichtiehen. Wznn wo» in Be'.lui jetzt in eine Sackgasse geraten sei. so trage die Münziiraie de Schuld l daran, denn sie Hobe mit den Betriebsräten politische Absichle« verfolgt, während die Nu'-aben der Betriebsräte nu. dann erfüllt werden löinien. wenn sie sich ans dcn Boden der freien Gewerk- schauen stellen. I n d e ni Augenblick, wo die Münz- st r a ß e Abstand n i m m l van der Erfassung von Mit- gliedern reaktionärer Organiialionen, wird auch die A s a m i t ihr zusammengehen. In der iveileren Diskussion betonten mebrere Redner, daß man nnler allen Umständen verüicheil müsse, zli einer Verständigung zu komme», der sich auch die Am anich'.iessen kann, denn das Bestehe» von gzwei Belriebsiälezentralen würde die Arbeiterschafl zer- fpliltern, die prailliche Arbeit hindern und da- durch zu einer großen Gefahr'ür die Arveiter werden Die Redner, welche die Holtnng der Münzstiaße in rechtfertigen iiichteu. ließen keinen Zweifel darüber, daß es sich für sie nichi»m eine Flage der Lraanisalion,'andern um einen prinzipiellen Gegensatz zum A. D. G. B. bnirdelt, dessen Politik sie be- kämpfen und daß sie mit der Gewerk'chaltskommrision zusammen- aehen in der Annahme, die Mehrheil den'-lbeir sei gegen die von Legien und dem A. D. G. B. veitretenen R chiiing. Die Versammlung beschloß gegen einzelne Stimmen: Der Ausschuß wird beausiragt: Aut dem Boden des Beschlusses vom 22. Jliir nochmals mit den in Frage kommenden Körper- ichafieir zu verhandeln, um eine Einigung zu erzielen. Hinsichtlich der Lohiizlihluiig bei verkürzter Rrieitszeit machte Lü dicke aufmerkiarn auf eine wenig bekannte Verordnung des Neichsarbeilsiirinrners vom 20. Jrili. welche besagt, wenn der Arbeitgeber wegen Verringeruiig der Arbeit eme Verkürzung der Arbeitszeit vornimmt, io bat er, wenn eine 14 lägige Kündigung besteht, iür die erste» 14 Tage der ver>ür,len Arbeitszeit den vollen Lohn zu zahlen, gleichgültig ob er die Kündigung ausgesprochen hat oder nicht. Kein Kriegsmaterial herstellen. Auf Antrag von Ortmann sTransponarbeiterveiband) de- schloß die Versammlung: Da es zur wirksamen Bekämpfung der Krieasgefahr nicht ge- nügt, daß die Transportarbeiter, wie sie eS auf Grund des Aufniss ihrer internationalen Organisation tun. den Transport von Kriegs» matcrial ablehnen, werden alle in Frage kommenden Gewerkicbaslen ersucht, ihre Mitglieder zu verpflichten, die Anfertigung von Kriegs- maierial zu verweigern._ Lahnvereinbarungen für die militärischen Betriebe. Wie uns vom Reichsarbeitsministerium gemeldet wird, fan- den dort unter Leitung des Ministerialrats Dr. Hausmann Verhandlungen mit den Spitzenorganisationen der Arbeiter der früheren und jetzigen militärischen Betriebe wegen Neufestsetzung der Löhne in der Provinz statt. Es wurde eine Einigung dahin erzielt, daß die Löhne der Betriebsarbeiter ebenso wie in Berlin auch in der Provinz den Eisenbahnerlöhnen angepaßt werden sollen. Mit Rücksicht daraus, daß die Lohngruppeneintei- lung bei den BetricbSarbeitern jedoch bisher nur fünf Gruppen umfaßte, bei der Eisenbahnverwatlung aber sieben Gruppen be- stehen, sollen gewisse Arbeiterklassen, die Schwerarbeit verrichten, sine Lohnzulage von 19 Pfennig für die Stunde erhalten. Es ist in Aussicht genommen, die Lohngruppeneinteilung für die Be- triebsarbeiler künftig der der Eisenbahnverwaltung anzupassen. Regelung der Ucberschichten. Wie aus Aachen gemeldet wird, sind nach den letzten VerHand- lungen der Arbcitsgemeinschast für den Aachener Bergbau, an denen als Vertreter des Reichsarbeitsministers Ministerialrat Dr. Bodeiistcn teilnahm, auch die Ueberfchichten für dieses Revier ge- regelt. Aehnliche Zulagen wie den Ruhrbergleuten werden auch im Aachener Bezirk bei Ueberfchichten gewährt; im Anschluß an die normale 7stündige Schicht wird täglich eine achte Stunde verfahren. Deritscker Werkmeister-Vcrdand, Fachgruppe IX �Lederindustrie) Durch Beschluß der Lederwar cnsabrikauten- Vereinianng von 29. Aug un ist unsere Forderung auf 299X1>1 V. Monat ab l. Mai 1929 anerkannt worden. Ter Vorstand. Fobritarbelier-Verband. Sriivve Meister Veriammlung den 25. d. Ins., ebends 6 Uhi, Rcichenbcrger Str. 142. Unser Uedeitiilt zum Welt- meiitcr-Verband. Die Ausfuhrregelung der elektrotechnischen Industrie. Wichtige Neuerungen hat der Autzenhandelsausschuß der Außenhllndelsstelle der Elektrotechnik in seiner Sitzung vom 29. August 1929 getroffen. Er hat beschlossen, eine Fachgrupve Handel und Export zu bilden, welche genau, wie die technische Fachgruppe, der Außenhandelsstelle zur Beratung der Preisbildung nach dem Auslande zur Seite stehen soll. Diese Fachgruppe wird paritätisch mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt sein. Hierdurch wird auch den Ar- beitnehmern die Möglichkeit gogehen, sich über die Marktlage im Auslande genau zu unterrichten und einen Einblick darüber zu. gewinnen, wie die Auslandspreise entstehen und welche Preise bei der Ausfuhr nach den verschiedenen Länder« gefordert werden können Bei der Besprechung der jetzigen Wirtschaftslage war sich der Ausschuß darüber einig, daß alles getan werden müsse, um augenblicklich eine Panik zu verhüten; der Außenhandelsstelle wurde aufgetragen, an den bisher befolgten Richtlinien festzuhalten. Nationalbank, für Deutschland. In der neuen Generalver- fanunlung wurde die Verschmelzung mit der Deutschen Nationalbank in Bremen beschlossen. Das Ver- mögen der Nationalbank für Deutschland geht als Ganzes mit dem Rechte zur Fortführung der Firma auf die Deutsche Zdatronalbank in Bremen über, die wieder ihr« Firma in Nationalbank für Deutschland, Kommand'tgesellschaft auf Aktien, mit dem Sitze- in Berlin, umwandelt. Das vereinigte Institut wird«in Kapital von 159 Millionen aufweisen, nämlich 182 Millionen durch die bisherigen Bankkapilalien von 09 und 42 Millionen; der Rest von 18 Millionen wivd durch Ausgabe von neuen Aktien be- schafft. Zur Bekümpfung der Kohlennot werden die bei Witten ge Icgenen, seit langer Zeit stilliegenden Zechen T e r e s i a und Nachtigall wieder in Betrieb gesetzt. Die Stadt Bielefeld be- willigte zwecks Inbetriebnahme der stilliegenden Zeche Dorn- berg im Landkreis« Bielefeld weitere 899099 M. Sport. Radrennssabn Ttrevtow.?im Freitag, d-n 27. d. Mis. findet der Rcvaricheklinrps zwischen dem dciiischen Meiiler Breiten lträ' er und dem däni che» Clmmoiou E ker o t b aus der Radreunbadu Treptow klatt. Die weiteren Kämpje des Abends find eure Begegnung zwischen den beiden Sinwörlern ouf de» Lcichtgewickime'sicititcl Kotützke regen Krdsnr und eine Begegnung in der Tellcigewichtstlosse zwischen Sport und Harry Deiters. Ringläinpfe in der Schlofibrauere! Zriiöneberg. Am gestrigen -Abend gnb es zwei unentschiedene Kämpfe und zwar Pinctzii gegen Hochdanen. und Ritz er gegen De Souza. sslnteressarit war dann das Hansikao, bei welchem Schwarz sich vervflichtet balle, leine drei Gegner. May, Schach- schneider riird PctNjean innerhalb 3' Minulen zu defieqen. Wäorend es Schwarz nelang, May und Schachschneider vor Ablauf der eiileir 15 Mi- nulen zu besiegen, aeneidiate sich der dritte Gegner Pctitjean derart geschickt. Lau Schwarz vor Ablauf der 39. Minute die Bedineungen des Handikafs nickt erlügen tonnte. Die Hälsle der 1590 Marl betragenden Summe erbie!t Schwarz', wäbrend die nndere Häiste unlcr den 3 Ringern oerlcilt wurde. Heule wird der freie.Ningtamps De Sonza gegen Schwarz sort« gcictzt. Pcistjean rwgt gegen Schachschncider und Emscherdmigskampf Naber gcaen Pinetzli. VeeannoorNich Iür den redaktionellen Teil: H. Leplre-Kennsdors: iür Anzeigen: Td. Glocke. Perlin. Verlag: VorioärtS-Verlng(5. m 6. H.. Perlin. Druck' Vor- wärls-Puckdruckerci n. 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