Nr. 5S7 ♦ Z7.�ahry-. Wir haben unseren Standpunkt in dieser Angelegenheit wiederholt dargelegt und sehen keine Veranlassung, jede Phase dieses Kampfes, der mit fem 2>iämel>hcn„Kohlennot" jetzt nur noch künstlich dra- picrt wird, wiederzugeben. Polnische Bahnbofsräuber. Nach der Art polnischer Räuber, die früher schon wiederholt mit diesem oder ähnlichen Tricks./arbeiteten", verübte neuewdings wieder ein polnisches Klseblait einen Ueberfall, mit dem sich das Raubdezernat der Berliner Kriminalpolizei jetzt beschäftigt. Ties«!» gelang es mich bereits, den- Anstifter, einen 32 Jahr« allen, aus Warschau gebürtigen Tischler Abraham S ch im r scstzunebmen. Schnur beobachtete in einem. Lokal am S t e t t i n e r Bahn- Hof den 23 Jahre alten Dolmetsch Friedrich Schmidt, der aus der Ukraine staonnt und jetzt in Hamburg wohnt. Als er sah, daß dieser in seiner Brieftasche russisches Geld hatte, suchte er � seine Bekanntschaft, ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein und er- 1 Prozeß Scheiöemann-Prinz. Die vierte Ferienftrafkammer des Landgerichts I beschäftigte sich am heutigen Vormittag mit der Urkundenfälschung, oie dem jiul früheren Prozessen bereits bekannten ehemaligen Leiter des S.cherheitsdisnstes, den Kunstmaler Erich Prinz, zur Last gelegt wird. Prinz hatte vor einiger Zeil dem Rechtsanwalt Nübell ein Aktenstück übergeben, in welchem seine Erlebnisse während der Revolution ausgezeichnet sind. In diesem Schrift- stück behauptete Prinz, daß er-n der Nacht vom 3. zum 10. Dezember Dr. Liebknecht und Frau Luxemburg aus der Redaktiou der„Roten Fahne" in der Möckernstraße befreit habe, wo sie von dem aus dem Ledebour-Prozeß her bekannten Feldwebel Hasse o. Tyszka verhaftet waren und angeblich erschossen werden sollten. Prinz behauptete nun, er habe damals bei dem Feldwebel v. Tyszka zwei Dokumente beschlagnahmt. Das eine Dokument enthielt die Anweisung an alle Truppenteile der rcpubl.kanischen Soldaienwehr, den Anordnungen Thszkes in jeder Weise gehorsam zu sein, da Tyszka im Auftrage der Regierung handle. Das zweite Dokument, so behauptete Prinz, habe den Be- fehl enthalten, Dr. Liebknecht und Frau Luxemburg und den be- kannten Führer der K. P. D., Dr. Paul Levi, zu erschießen. Dem Täter sei in diesem Schriftstück außerdem Straslosigke-, t zugesichert wordene Unterzeichnet sei das Dokument von dem damaligen Bolksbcauftragten Philipp Scheidemann und G°org Sklarz gewesen. Rechtsanwalt Nübell fragte Prinz, um die Wahrheit se.ner Angaben nachzuprüfen, od diese Dokumente noch existierten. Prinz bejahte das und erklärte sich bereit, die Schriftstücke aus H a n- nover herbeiz il bringen. Prinz verließ dann Berlin und teilte Rechtsanwalt Nübell einige Tage später mit, daß er ihm die gewünschten Dokumente durch den Kraftfahrer Gaenner übersenden werde. Tatsächlich hat Prinz dem Gaenner ein Schriftstück aus- gehändigt und ihn beauftragt, dieses dem Rechtsanwalt Nübell gegen eine Zahlung von 600 Mark auszuhändigen. Gaenner fuhr jedvch nicht zu dem Anwalt, fondern ging zu dem Inhaber eines kaiiftnännischen Bureaus, Heinrich Sklarz, und übergab diesem das Dokument. Sklarz übergab das Schrift- stück der Staatsanwali schart und diese stellte fest, daß auf dem von Gaenner überbrachten Schriftstück die Namen Scheideman» und Sklarz gefälscht waren. Infolgedessen wurde gegen Prinz Anklage erbober? und der jetzige Oberbürgermeister von Kassel schloß sich dem Verfahren als Prtvatkläger aw In der heutigen Verhandlung war der Angeklagte'Prinz durch Recbts-anwalt Nübell vertreten. Scbeidemann, der per- sönlieb erschienen war, hatte Justizrat Werthauer mit der Führung der Klage betraut. Beim Aufruf der Zeugen, unter denen sich auch Dr. Paul Levi befindet, stellte eS sich heraus, daß der Kraftfahrer Gaenner inzwischen wegen anderer Delikte in Sagen in Westfalen verhastet worden ist. Der von der StaatSanwaltschlst geladene Haiiptbelastungszeuye Paetzold war ebenfalls nickt erschienen. Auch der als Zeuge geladene K r i- m i n a I w a ch t m e i st e r Kirschbaum, der aus dem Marloh- Prozeß bekannt ist, erschien nicht, da er sich gegenwärtig in Genne- rich a Rb. befindet. Der Angeklagte Prinz schildert zunächst kurz seinen Lehens- lauf: Er ist bevefts mit zwei Monaten wegen Nötigung vorbestraft, war früher Kunstmaler und hat die Akademie in Düsseldorf besucht. Bei Ausbruch des Krieges war er aktiver Soldat und wcrr zuletzt als Beamten st ellvertreter im Stellvertretenden Generalstab tätig. Er ist während des Kriegs zweimal verwundet und einmal verschüttet worden und besitzt das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse sowie die Fri edrich-Nugust-Medai lle. Die Anklage gegen Pvinz. lautet auf Urkundenfälschung und Verleumdung. Nach Verlesung deS EröffnungsbeschlusseS wird in die Vernehmung des Änge klagten eingetreten. Prinz bestreite� daß sein Vorgehen sich gegen Scheidemann gerichtet habe. Er habe auch nie behauptet, daß das Schriftstück von Scheidemann und Sklarz unterschrieben worden sei, sondern habe nur Rechtsanwalt Nübell erzählt, daß er diese Urkunde bei Hasso v. Tyszka gefunden habe. DaS Schriftstück habe gelautet: „Berlin, den K. Dezember 1318. Die Unterzeichneten vre- pflichten sich hiermit, für die Verhaftung und Unschädlichmachung von Dx. Karl Liebknecht, Rosa Luxcmberg und Dr. Paul Levi eine Belohnung von 130 300 M. auszusetzen. Völlige Straf- lostgkeit wird zugesichert. Philipp Scheideman«. Georg Sklarz." Prinz erzählt dann folgenden Sachverhalt: Er sei während setner Tätigkeit als Chef des Berliner Sicherheitsdienstes in der Nacht vom 8. zilm 3. Dezember 1918 von Dr. Karl Liebknecht angeru.sen worden, der ihm mitteilte, daß er mit Rosa Luxem- bürg in der Redaktion der„Roten Fahne" von einer Abteilung der Republikanischen Soldatenwebr verhaftet sei und erschossen werden solle. Daraufhin fuhr Prinz mit seinem Sekretär Bohen- Hagen und einem Kriminalkommissar mit seinem Dienstauio nach der Möckernstratze zur„Roten Fahne". Vor dem Hause, auf dem Hof und den Treppen standeii überall Doppelposten d e r R. S, W. mit aufgepflanztem Gewehr. I m Redaktionszimmer fand er die Verhafteten inmitten von Soldaten. Als Führer der Abteilung stellte sich ein Bizeselowebel.Hasse- v. Tyszka vor. Dieser erzählte Prinz, daß er den Auftrag habe, Liebknecht und Rosa Luxemburg zu verhaften und abzuführen. Von wem er den Auftrag erhalten habe, wollte er nicht sagen, ebenso be- stritt er da» Vorhandensein eines schriftlichen Befehls. Darauf wuroe v. T. für verhaftet erklärt und nach einem Depot der R. S.W. abgeführt. Dorr fand man in Thszkas Besitz ein Schrift- stück mit dem oben erwähnten Inhalt. Auf dem Kops des B'o g e n s hätten die gedruckten aber durchstricbenen Worte geskan- den:"„Reichstagssraktion der Sozialdemokratischen Partei". v. Tyszka habe auch 26 000 M. bei- sich gehabt als Anzahlung der oben erwähnten Summe, wie er behauptete, serner verschiedene Ausweise, nach. denen er mit Spezialaufträgen betraut sei und Autos und Mannschaften anfordern konnte. Am anderen Morgen habe der Stadtkommandant Wols und ein Führer der R. S. W. sich über die ganze Angelegenheit sehr erstaunt ge» zeigt und die Zugehörigkeit eines BizefeldwebÄs v. TySza zur R. S. W. entschieden bestritten. Inzwischen habe Prinz aber erfahren, daß v. T. noch am selben Morgen mit Heimaturlaub nach Oberschlesien geschickt worden sei. Dort sei er später verhaftet und in das ?Nilitärgcwahrfam Berlin, Dirksenstraße, eingeliefert worden, von dort sei er aber wieder spurlos verschwunden. Von den Schrift- stücken will Prinz dann nichts mehr gehört haben, bis mit ei reib Male ein Husar Frank ihm sie Urkunde für 100 M. an- geboten habe. Aus dem Geschäft wurde aber nichts, da Prinz wegen einer Strafsache inzwischen in Haft genommen wurde. Nach seiner Haftentlassung habe sich Frank ihm wieder ge- näbert und von ihm für das Schriftstück setzt 300 M. verlangt. Prinz sei darauf eingegangen, oa er sowieso mit einem der Brüder Sklarz, mir Heinrich Sk., wegen verschiedener Verfälschungen im Berliner Polizeipräsidium zu tun gehabt habe. Auf Empfehlung des Redakteurs«teinberg, der Prinz in einer Sache gegen Heinrich Sklarz als Zeuge gebrauchte, sei er an den Rechtsanwalt Nübell gekommen. Dieser habe zwar gleich geäußert, vaß das Schriftstück wahrscheinlich gefälscht sei, wollte eS aber sehen, um seine Echtheit zu prüfen. Darausiin sei er, Prinz, nach Hannover gefahren, um das Dokument von dem dort wohnenden Frank abzuholen. In Hannober fei ihm aber sein sämtliches Geld gestohlen worden, so daß er an Nübell telegraphierte und- ihn um 500 39!. zum Kauf des Schrift- stückes bat. Nübell lehnte das ab. schließlich habe Frank ihm eine Kopie-des-Originals ausgehändigt, auf der oben das Wort„Abschrift" gestanden babe und auf dem die Unter. schriften von Scheidemann und Sklarz wie auf dem Original ge- standen hätten. Dieses Dokument übergab Prinz fti Berlin einem »Chausfeiir Gaenner von der Sicherheitswehr, damit dieser«s dem Rechtsanwalt Nübell überbringe. Gaennert führte diesen Auftrag nicht ans, semdern ging damit zu Heinrich Sklarz. Daraufhin er- folgte die Anzeige gegen Prinz. Auf die Frage des Justizrats Wertbauer, wer denn baS Wort„Abschrift" von dem Bogen abgeschnitten habe, erwidert der Angeklagte, daß dies Wort noch auf dem Schriftstück gewesen sei, als er es dem Gaennert übergeben, habe.. Der als Nebenkläger anwesentde.Oberbürgermeister S ch e!- bemann, dem die Urkünde vorgelegt wird, erklärt, der Fälscktcr habe sich nicht einmal Mühe gegeben, seine Unterschrift ähnlich nachzuahmen. Auf die Frage des Staatsanwalts Hayner, ob denn die sozialdemokratische Fraktion Briefbogen mit dem oben erwähnten Kopf besäße, erwidert Sebeidemann, daß dies früher nickt der Fall gewesen sei, aber jetzt immerhin möglich wäre. Diese Brief- bogen lägen aber frei lerum, so daß sie jeder Beliebige mitnehmen könne. Auf Befragen des Justizrats Werthauer führt der Nebenkläger weiter aus. daß auch wir die Spur des Verdachtes der Beteiligung an dem Morde Liebknecht? genügen würde, um den betreffenden Mann be' der Arbeiterschaft ein für allemal unmöglich zu machen. Er könne sich keine schlimmere Beleidigung für einen Arbeiterführer beuten. Gr Habs immer sehr gut mit Liebknecht gestanden, trotz aller politischen Gegnerschaft. zählte ihm dann, daß er eine sehr günstige Gelegenheit wisse, russisches Geld gegen- deutsches einzuwechseln. Er kenne russische Arbeiter, die bei Erkner beschäftigt seien und für russisches Geld bedeutend mehr zahlen als die Banken. Schmidt, der 5600 Zaren rubel, 1400 Hund-ertrubelnoten, 1000 einzelne Rubelscheine und eine größere Anzahl von 5- und 25- Rubel noten- besaß, war natürlich gern bereit, den russischen Arbeitern sein russisches Geld gegen deutsches zu überlassen. Schnur schlug nun vor, daß man sich am anderen Tage wieder treffe, um gemeinsam hmauSzufahven. Schnndt fand sich zur festgesetzten Zeit auch mit dem Gelde, daß er in einer sckwarzen Ledermappe bei sich trug, ein. Schnur fuhr mit ihm nach Erkner und ging dort mit ihm in den Wald hinein, um zu den angeblich dort arbeitenden russischen Kolonnen zu ge- langen. Plötzlich trat ein lRann auf sie zu, der sich als Student der Medizin vorstellte und angab, im Dienste der Kriminalpolizei zu stehen. Er forderte den Dolmetsch auf,. ihm die Mappe zu zeigen, und als dieser sich nicht gleich bereiffand, drohte er mit der Waffe. Dann trat noch ein zweiter Mann hinzu, der/ sich eben- falls. als Kriminalbeamter ausgab. Als die„Kriminalbeamten" sahen, daß sich in der Tasche russisches Geld befand, erklärten sie die beiden für verhaftet. Sie führten sie sodann getrennt ab. Der eine fuhr mit Schmidt und dem Gelde nach dem Lehrter Bahn- Hof, tetepho vierte von dort aus und ging dann mit dem„Verhaf- teten" in ein Lokal in der Jnvalidenstraße, um nochmals den Fern- sprecher zu benutzen. Dann sagte er zu Schmidt, daß er ihn nicht einzuliefern brauche und schlug ihm vor, am nächsten Tage sich wieder in dem Restaurant einzufinden. Er werde ihm seine Papiere wieder zustellen und sehen, daß er ihm auch nach einen Teil des Geldos zurückerstatten könne. Natürlich ließ sich der„Kriminal- bcamie" nicht wieder sehen. Er erstattete jetzt Anzeige bei der Kriminalpolizei und dies« erkannte sofort in Schnur einen Spießgesellen der leiden„Kriminal- beomten". ES gelang ihr auch bald, diesen in der Wohnung seiner Geliebten ausfindig zu mache» und festzunehmen. „Durch Beschluß des Groß-Berlmer Wohmiugsverbandes ist die Miethöchstgrenze von 20 auf 30 Prozent erhöht worden. Auf laufende Verträge findet diese Wänderung nach den Bestimmun- gen der Höchstm-ietenanordnumg keine Anwendung. Diese Be- stimmuug bedeutet, daß für laufende Verträge die Höchstgrenze von 20 Prozent maßgebend bleibt. Bei Verlängerung alter Ver- träge oder bei?lbschluß neuer Verträge kann aber mit Zustimmung des Miete i n ig u ngSam t c S bis zu 30 Prozent gesteigert werden." Eine Schulfeier am„Sedantag" wird auch für die E h a r- lottenburger Kaiser-Friedrich-Schule dadurch er- reicht, daß man die Schüler am 2. September einen Ausflug machen läßt, so-daß der Unterricki ausfallen muß. Wir sind neugterig, wenn endlich gegen iMfe Provokationen derjenigen Volks- sckichien, die von Königen und Kriegserinmerungen nichts mehr hören wollen, mit der nötigen Strenge und RücksichtKlosigkeit ein- geschritten werden wird. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Poswuslage bei. Filmvorträge der Treptow-Sternwarte. Sonntag, den 29. August, 3 Uhr:„Europäische und exotisch« Jagden". 5 Uhr:„Durch den Schwarz» Wald ins Donautal". 7 Uhr:„Sitten und Gebräuche fremder Völker". Dienstag, den 31. August, 7 Uhr:„Die Sternbilder und praktische An- leitung zu ihrer Auffindung.(Vortrag mit zablreichen Lichtbildern von Direktor Dr. Archenbold.) Mittwoch, den 1. September, abends 7'/, Uhr: „Da? Einsteinsche RelativitätSprinzip und seine astronomischen Beweise" iVortrag mit Lichtbildern von Direklori Dr. Archcnhold.) Mit dem grofcn Fcrnrohi werden bei klarem Wetter von 7—9 Uhr Wega, von 9—13 Uhr Ringnebel in der Leyer oder Doppelsterne und der Mond beobachtet. Htzchstmieteu und laufende Verträge. In der Verordnung des WobnungSverbandeS Groß-Berlin vom 21. Juli 1320, durch die der Höchstmietenzutchlag für Wohnungen von 20 auf 30 Prozent erhöh: wunde, ist bestimmt, daß die �Verordnung auf laufende Verträge keine Anwendung findet. Da über den Begriff„Laufende Verträge" Unklarheit be- stand, hat der. Oberpräsident jetzt foigetede Effäuterung hier. zu gegeben: Groß-Serliner yarteiaachrichten. Heute, 27. August: EH«rlottenpurg. Die Gruppenführer werden gebeten, zwischen 5 li? 7 Uhr, die für ihre Gruppe bestimmten Plakate aud Karte» in Empfang z» nehmen, bz«. abholen zu lasten. Sport. Ringkämpfe in der Ichlotzdrauerei SclMlieitevg» Ate Mteigen Abend wurde zuerst der freie Ringtainps zwischen»citmeister Schwarz und De Souza fortgesetzt, Schwarz crwie? sich auch in dies er Kenepsar: seinem Gegner überlegen und siegte nach inSgesemt ciner Stunde iL Min. durch»ertchrten AuSheber.. Beim daraus solgende»»ntfcheidungskamps fieate P i n e tz t i über Ziaber nach 30«w. durch Ueberwuff. Zum Schluß gab e« noch einen unentschiedenen Kampi zwischen Hochdanen und Weber. Heute findet der Entscheidiwgskinnps Hochdanen— D« Souza ste** Ilzcher- dem ringen Weber gegen Pmetzki. GewerMastsbowegung Vke Aussperrung in Stuttgart. Wie aus Stuttgart gemeldet wird, wurde iu einer gestern abgehÄltene-n Versammlung der ausgesperrten Arbeiter die Ab- sendung einer Mordnung an die Regierung beschlossen. Sie der- langten die Zurückziehung der Bolizeiwehr aus den Betrieben, wodurch dann die Möglichkeit zur Einleitung von Ver- Handlungen über dem Steuerabzug gegeben seit Aus einer von den Fabrikleitungen der drei geschlossenen Betriebe in den Zeitun- -gen veröffentlichtem Erklärung geht hervor, dag die Regierung der- sucht hatte, die Arbeiterschaft auf gütlichem Wege zur Einwilli- gung in den Steuerabzug zu bringen. Erst das Scheitern dieser Versuche hat die Regierung gezwungen, die Betriebslei» lungen zur Schließung der Betriebe zu veran- lassen. In einer weiteren Versammlung der Daimler-Arbeiter wurde beschlossem, alsbald den verschärften General» streik unter Einbeziehung der lebenswichtigen Betriebe auszb» rufen, falls die Regierung die besetzten Betriebe nicht freigebe. Die Lage der Stickereiarbeiter. Der Arbeitgeberverband dej: Stickereiindustrie, E. V., ersucht uns um Aufnahme folgender Be. richtigung: In dem Artikel»Die Lage der Stickereiarbeiter"(in Nr. 41g Ihres Blattes abgedruckt) heißt es:»Der Demobil- machungsko mmi ssar erkannte am S. August diesem Schiedsspruch in Anbetracht der 4» bis LSprozentigen Lohnerhöhung als Zweifel- los der Billigkeit entsprechend an, lehnt« aber trotzdem dt« Ver» bindlichZeitketcklärung ab, weil ein behördliches Einschreiten zur Aufvechterbaltung des Wirtschaftslebens nicht im Frage kante." Diese Feststellung entspricht nicht den Datsachen. Der Urteilsspruch lautet wie folgt: »Nach der ständig von mir vertretenen Auffassung können Schiedssprüche, durch dt««tn Tarisdertrag festgesetzt wird, nur dann für verbindlich«klärt werden, wenn nicht nur die im SchiedS- spruche betroffen« Regelung zweifellos der Billigkeit entspricht, sott. dern auch weiterhin«in behördliches Einschreiten zur Aufrecht- erhaltung das Wirtschaftslebens unerläßlich ist. Diese zweite Vor. auSsetzung ist sedoch nicht gegeben. Obwohl anerkannt worden muß, daß die bisher gezahlten Löhn« im Verhältnis zu den teuren Lebensbedingungen sehr niedrig sind,_unb daß ein« Aufbesserung derselben durchaus ge- rechtfertigt wäre, so ist es doch fraglich, ob bei der schmierigen Wirt- ichaftSlage, welche andererseits auch für die Arbeitgeber besteht, die durch den Schlicht u ngSaus? ch u ß festgesetzte Erhöhung der Löhne um 40 bis 50 Prozent zweifellos der Billigkeit entspricht. Da ich nicht in der Lage bin, den Schiedsspruch durch Herabsetzung der Zuschläge abzuändern,' muß eine Lerbindlichkeitserklärung des Schiedsspruch» abgelehnt werden. Ich gebe jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeitgeber sich freiwillig zu«iner gewissen Er. höhumg der Löhne entschließen werden." Soziales. Verschiebung vo« Ersatzkasseu. Man schreibt unS: In unserer heutigen Zeit der Schieber- gelchäfie fällt e« säst nicht mehr auf. wenn jetzt eine großchgige Schiebung mit den Ersatzkassen(HilfSkt ankenkassen) der kausmännischen Angestellten versucht wird. Die Existenz dieser Kassen ist durch die Verhältnisse deS Krieges und der Nachkriegszeit recht un- sicher geworden, daher erscheint eS verständlich, wenn sie versuchen, sich durch eine groß angelegte Sanierungsaktion vor dem Zusammenbruch zu retten. Die Leitungen der Krankenkassen des Vereins der deutschen Kaufleute, des Deutschen Angestelltenbundes, des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen und des Kaufmännischen Vereins von 1858 find überein gekommen, sich zu verschmelzen. Nack den Vorschriften der Reichsversichcrungsordnung ist das jedoch unzulässig, man hat daher das Aussichtsamt für Prtvatversicherung und das ReichsversicherungSamt zur Hilfe geholt und sich von diesen Aemtern einen Weg beschreiben lassen, wie man dieses Hindernis nmgeben kann. Ob der vorgeschlagene Weg mit dem Buchstaben des� Gesetzes zu vereinbaren ist, tst zweifelhaft, dem Geiste des Gesetzes entspricht er nicht. Man beabsichtigt nämlich, den Versicherungsbestand der drei letztgenannten Kassen auf die Krankenkasse des Verein? der deutschen Kaufleute zu über- tragen. Dabei wurde den Herren von behördlicher Seite an- geraten, den Ausdruck.Verschmelzung" nicht zu gebrauchen und die ganze Arbeit möglichst unauffällig abzuwickeln, damit die Zwangs- kästen auf den Vorgang nicht aufmerksam werden. Die Ver- schmelzung ist bereits für den Anfang Oktober geplant. Die Mit- glieder der Kasten werden nicht erst gefragt, obwohl ein Teil von ihnen gar nicht mit auf die neue Kaste übernommen werden kann. Tatsächlich soll nämlich eine neue Ersatzkasie aus den vier Kassen unter dem Namen.Ersatzkaste des Gewerkschaftsbundes der Ange- stellten" geschaffen werden. Dabei müssen Satzungsänderungen vorgenommen werden, die unzulässig sind. Auch soll ein Teil der Mitglieder, die nach den gesetzlichen Vorschriften nicht übernommen werden können, abgeschoben werden. Der feine Plan wird erst dadurch verständlich, daß die Ver- schmelzung dieser Ersatzkassen die Grundlage für die Verschmelzung der vier� Verbände zu einer Organisation bilden soll. Bekanntlich hängt die Existenz jener Verband« zum größten Teil von dem Fort- bestehen dieser Ersatzkasten ab. Sie können sich ohne Verschmelzung der Ersatzkasten nicht vereinigen. Die Frage ist nur, ob die Mit- glieder sich wie Schachfiguren verschieben lasten. Merkwürdig ist auch die Mitwirkung des ReichSverficherungSamteS bei dieser Aktion. Wir nehmen an, daß man sich im Heichstag« noch mit diesen Vorgängen beschäftigen wird._ Wirtschaft• Die FSrderuug der britischen Banmwollproduktion. Zur Förderung der Baumwollproduklion in den britischen Kolonien find jetzt seitens des englischen Reichsbaumwollkultur- komiteeS unter Förderung der Regierung Maßnahmen geplant, die in vieler Beziehung für uns Deutsche interessant sind. Handell es sich doch dabei um Pläne, wie sie bei unS bei der Behandlung der gemsinwirtschaftlichen Kapitalbildung und bei den Vorschlägen zur Förderung der Landwirtschast in ganz ähnlicher Weise er- örtert wurden und wie sie heute zum Teil auch bereits ausgeführt werden. Die T. U. bringt darüber folgend« Einzelheiten: Eine freiwillige Abgabe der Industrie bildet «inen wesentlichen Teil des Planes für die Beschaffung der not- wendigen Mittel. Die Regierung wird 250 000 Pfd. Sterling, verteilt auf 5 Jahre, zur Verfügung stellen; die Abgabe von ö Penee per Ballen Baumwolle soll jährlich 100 000 Pfd. Sterling bringen. An die Spitze der Verwaltung des Fonds soll der Handelsminister selbst treten; weitere Mitglieder werden von den anderen interessierten Ministerien, von den Ver- cinigungen der Arbeitgeber. p>n den Gewerkschaften, und anderen Korporationen von gewissen Handelskammern ernannt werden. Der Arbeitsplan liegt in großen Züge» vor. Forschung und Heranbildung wird angeregr und ge- fördert werden, aber die Angelegenheit von zwingender Be-' deutung, die auch den größten Teil des verfügbaren Geldes ab- sorbieren wird, ist die Verstärkung der Fachleute in den land- wirtschaftlichen Departements der Kolonien und Protektorate, wo Baumwolle zu den möglichen Ernten gehört, damit sie ihre ganze Aufinerkiamkeit auf die Baumwolle richten können. Die Bc- mühungen verschiedener dieier Departements, die auf Verbesserung der Saatkörner abzielen, werden vom Komitee unter-frützt werden. Die Transportmittel werden ständig studiert, die Eiien- bahnen und Wasserwege in Baumwollgebieten sollen ausgebaut und verbessert werden. An vielen Orten ist bereits eine Unter- stützung in der Form gewährt worden, daß ein M i n d e si p r e i s bewilligt worden ist Diese Unterstützung wird nach Maßgabe ver Mittel auf alle Oualitäten und Beschreibungen von Baum- wolle auSgedehnr werden. An der Organisation ist bemerkenswert die Beteiligung der Arbeiter, die zusammen mit den RegierungSvertrerern und Arbeitgebern an der gemeinwirtschaftlichen Verwaltung der Milte! mitwirken. Man sieht auch an diesem Beispiel, daß in England. dem Lande des Liberalismus und der Freihandelslehre, unter dem Druck der Arbeitnehmer dieselben Wege wirtschaftlicher Selbst- Verwaltung beschritten werden wie in Deutschland, die von unseren Radikalen ijei ihrem geringen Interesse an positiver Gemeinschasts- arbeit so gern als»Verrat am Proletariat" geschmäht werden. Dmtffchlanbs Eisenerzversorgnng stellt sich, norf�e« die Ein- ftthr von frei nzösi scheu und luxeirrbuvgischen Mmetteerzen zurück- gegangen ist, stärker ans den Bezug schwedischer und spanischer Erze ein. Die sinkenden Seefrachten begünstigen diese Umstellung. Die Einfuhr spanischer Erz« ist im Steigen, die- jeniye schwedischer Erz« könnt« trotz des schwedischen Streike» auf gleicher Höh« gehatten werden und dürfte jetzt nach sein« Beendi- gung ebenfalls zunehmen. Preislalkulatione«. lleber Mißstände bei öffentlicken Submisfio- nen ist vielfach Klag« geführt worden. Oft unterbieten sich die Firmen im Preise derart, daß die billigsten Angebote niemals fach- gemäß ausgeführt werd« können. Welche Widersprüche da zutage treten, zeigt folgendes �Seispiel. Für Brückenbauten im nördlichen Rheinland, die seitens der Eisenbahnverwaltung ausgeführt werden sollen, wurden von 21 Unternehmern Preisangebote eingeholt. Obwohl die Firmen über Art und Größe der auszuführenden Arbeiten genau durch Ortsbesichtigung aufgeklärt waren, ergab sich bei den Angeboten ein kaum für möglich zu haltender Unterschied: DaS billigste Angebot lautete aul 1 931 305,50 M., das h ö ch st e auf 9 090 492,50 M. Bus alier Welt. Neue amerikanische Riesenschiffe. Eine amerikanische Dampfe» linie beabsichtigt mit einer New Dorker Schiffsbaugesellschaft einen Vertrag abzuschließen, der den Bau von zwei Passagierdampfern mit einer Länge von 600 Fuß und einer Geschwindigkeit von 20 Knoten vorsieht. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: H. Lep«rr-Herm»dorf: für Anzeigen Tb. Glocke. Berlin. Verlag: vortollrtS-Verlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Bor '' iger u. Co. wärls-Vuchdruckcrei n. Verlaasanstalt Paul Einger Berlin Lindenftr. Z Warenhaus äü Lachmann& Scholz T"rnis'r- 76 Wir geben vom 28. August bis 4. September Doppelte Rabatt �Marken Sämtliche Zutaten für Ullstein-Schnittmuster zu haben. Wenige Artikel ausge.chlos.en Sozialdemokrat. Verein Berlln-tegel. Unser Genosse Gast. Hanfschild ist nach langer Krankheit im Alter von SO Jahren verstorben. Ghr« sei»«««odenke» l Die Beerdigung findet am Sonnabend, 28. August, nachm. 3V« Uhr, von der Leichenhalle de» Tegeler Friedhofes au» statt. Um zahlreiche Betelll- gung ersucht Der Vorstand. 7ilm-?sls5t G. m. b. H. Ab 27. August 1920 1 Iii»Ii Kriminaldrama in S Akten von Hans Hyan. Ferner: Onkel Tom Lustspiel In 3 Akten mit Hilde Wörner(Berliner Range). Allgemeine Ortskrankenkasse fOt Berlin-Steglitz. Bekanntmachung. Die Vertreter der Arbeit- C" t und Versicherten im schuh werden hlermlt zu der am JreHag, den 3. September 1920, abend» 7 Uhr, im Wirtshaus„Hohenz ollern", Mittelstr.2, hier, stattfindenden MWWllllg eingeladen. It7/IZ Tagesordnung: 1. Tatzungsitndernngen. 2. VeichluBfaffung übet den Tarifvertrag mit den An- gestellten. 3. Aenderung der Dienstord- nung. 4. Kaffenangeleaenheiten. Verlin-Eieglitz, den 27. August 1920. 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