Nr. 428 ♦ Z7. Fahrgang Ausgabe A Nr. 77 BezugSpteiS: B ecteljäljcL 30,—® U, ntonatLIO,— 3RL frei ins Haus, voraus»ahlbar. Pon- oewzi Monatlich 10,— Mi. exkI.Zu» lellungsgeoühr. Unter Kreivband für -Jeullchiand und Oesterreich 16/0 Mi. iir das übrige Ausland bei taglich «nmaL Zustellung 2150 illl. Pollve. •teüungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slotvakei, Dane» wart, Holland, �ugemburg, Schweden und die Schweu.— Eingetragen in die Post-ZeiMngS'Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- deilage»Voll u. Zeit� erscheint woiiien» täglich zweimal Sonntag» und Mo»- tags einmal. Tetegramm-Adrelsei »Zozialdeniotra» Der»»-. Morgen-Ausgabe Derlmer Volksblatt (30 Pfennig � Anzeist.cupreis: Sie adjtgeipaltene Nonoareillezetle loiteiZ.— M., Teuerungszuschlag 50°/» »kleine Anzeigen-, das lrtt- gedruckte Wort 1.— M. izulafsig zwei iettgedmckte Worte), sedes weitere Wort 00 Pfg. � Stellengesuche und Schtasstellenanzeigen das erste Wort 65 Psg. sedes weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für iwei Worte. Teuerungsznschlag 50°,> Familien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2,— M. politische und»e- werlschastliche Vereins-Anzeigen it.— Mi. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags im Hauvtgeschäst. Berlin SM 68. Linden- straße 3, abgegeben werden. Deöffnet von S Uhr srüh bis 5 Uhr abends. T�entralorgsn der rozialdemokratirchcn parte» DeutPchlands Neöaktion und Expedition: SW. 08, Linöenstr.?. Xeriisprecher: Amt Mortvvla«, Str. 151 SO— 13197. Sonnabend, den 28. August 1V20 Vonvarts-Verlag G.m.b. h., EW. H8, Linüenstr. 5. Fernsprecher: Amt Morinpla«, Str. I17SZ— 34. Kontrolle der Waffentransporte. i Arbeiter, Angestellte und Beamte von Berlin und der Provinz Brandenburg! Entsprechend dem Äustrag der Reichslommission, zur Siche- rung strengster Neutralität zur Bekämpfung der Konterrevolution alle Waffen-, Munitions- und Truppentransporte zu kontrollieren, haben die unterzeichneten Kärperichaften beschlossen, in Berlin und der Provinz Brandenburg an allen wichtigen Eisenbahn- knotenpunkten und Transportwegen Kontrollinftanzen ein- zusebcn. Diese müssen auf das strengste die Kontrolle aller Waffen-, Munitions- und Truppentransporte durchführen.- Eine Ausnahme bilden nur die auf Grund des Friedensvertrages erfolgenden Transporte der Entente, die nachweislich für die Besayungstruppcn bestimmt und als solche kenntlich ge- macht sind, jedoch muß auch über diese der untcngenannten Zentral- stelle sofort Mitteilung gemacht werden. Diese Kontrollstellen find nicht berechtigt, selbständige Entscheidungen von weittragender Bedeutung zu treffen, sondern find verpflichtet, in Zwcifelssällen fich sofort mit unserer Zentralstelle, lDcnossc.f>ermann Müller, Berlin O- 27, Schicklerstr. 5/G, Telephon Alex. 3007 und Äönigst. 3759, in Verbindung zu setzen. Wir ersuchen hie Kontrollinstanzen» ihre Zusammensetzung in derselben Weise vorzunehmen, wie sie von den unterzeichneten Körperschaften erfolgt ist und die Adresse des Obmanns unverzüglich an den Genossen Hermann Müller einzusenden. Arbeiter, Angestellte und Beamte! An Euch liegt es nun, dafür zu sorgen, daß entsprechend dem Aufrufe der ' Internationale und der Reichskommisfion der Konterrevolution keine Waffen und Munitionen gsclicfert werden und Deutschland nicht zum Tummelplatz chauvinistischer Element« von West- und Ost-Europa wird. Für die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutsch- lands, Bczirksvcrband Bcrlin-Brandrnburg, Brühl. Für die Sozialdemokratische Partei, Bczirksvcrband Groß- Berlin, Häusler. Für die Gewerkschaftskommission Berlin und Umgegend, Sabath. Für die Vereinigte Betricbsrätczentrale, Wegmann. Für die Betriebsräte der S. P. D., Rcinknccht. Für den Eisenbahnerverband, Ortsgruppe Berlin, Uhlich. Für den Transportarbeiterverband» Bezirksverwaltung Groß-Bcrlin, Klose. Für den Bezirksbctricbsrat der Eisenbahner, Marci. ür den Zentralverband deutscher Post- und Telegraphen- bedicnstcten, Bezirksverband Groß-Berlin, Hryn. Tschitscherin verzichtet. Die russische Antwort an Balsour ist rechtzeitig ein- getroffen. Sie verzichtet ans die Bewaffnung der polnischen Arbeiter, um den Frieden zu erlangen. Merkwürdig ist eine polnische Regierungserklärung mit einem Angebot an Sowjet- rußland ans gemeinsame Befriedung Mitteleuropas. Wir verzichten! Tie.Herrschaften haben mit sich selber genug in tun. Vcrniutlich dürfte auch Sowjetrußland dankend ab- lehnen, dem polnischen Imperialismus beizustehen. Lloyd George soll den polnischen Wünschen nach mehr als 50 000 Mann Soldaten ablehnend gegenüberstehen. Wenn Deutschland mir 100000 Mann habe, seien 50 000 für Polen genug. Aber Lloyd Georges Standpunkte zeichnen sich durch eine graziöse Beweglichkeit aus. Tie gestörten Verhandlungen. Warschau, 26. August.(Funkspruch.) Mit Rückficht auf die noch immer gestörte Funkverbindung mit der polnischen Abordnung in Minsk telegraphierte der Minister des Auswärtigen an den NnterstaatSsekretär Temb�kij, er möge nach Brest- Litowsk kommen, wo er Mitglieder der polnischen Rcgierung treffen werde und diesen über die Berhandlungen Vortrag halten. Während seiner„Abwesenheit in Minsk solle er vom Unterstaats- sckrctär WrobKwski vertreten werden. Die polnische Regirrung veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Ter Sieg der polnischen Armee ändert nichts in der Haltung der polnischen Regierung in der FriedenSsrage. Der Entschluß der polnischen Regierung,' eine gerechte Lösung des Zwistes mit der bolschewistischen Regierung herbeizuführen, ist niemals erschüttert �vortKn. Wir führen keinen Krieg gegen die russische Nation und haben es nie getan. Wir wünschen keines-' wegS, unS fremdes Land anzueignen; wir. find im Gegenteil der Anficht, daß freundschaftliche Beziehungen zur rusfischen Nation eine Grundlage für den dauernden Frieden Osteuropas find. Unsere Friedensbemühungen müssen aber der- geblich bleiben, wenn die Veobindung der polnischen Regierung mit ihrer Abordnung in Minsk durch technische Schwierigkeiten deS Funkverkehrs und der Kurierverbindung gestört wird. Die pol- msche Regierung muß verlangen, daß olle Schwierigkeiten der Verständigung mit der Abordnung in Minsk ohne Verzug behoben werden; denn allein eine direkte und regelmäßige Verbindung mit unserer Abordnung kann die Bedingungen schaffen, die zu einem befriedigenden Ergebnis der Bcrhandlungen führen., '• Der Verzicht Ttschitscherins wird in der bürgerlichen englischen Presse als unaufrichtig angesehen. Die Blätter meinen, daß der Verfasser der anmäßenden Note sich zu viel einbilde, wenn er amiehme, daß jetzt,!vo die unmögliche Bedingung aufgegeben worden ist, die Regierungen in London und Rom den Polen raten > verden, den R e st der boljchemistischen Bedingungen anzunehmen, da sie sonst von den Parteien der äußersten Linkeg der Unehr- lichkeit beschuldigt werden würden. allgemeinen finden die Blätter, daß es schwierig ist, zu sagen, wie eine vernünftige Rege- hing der Dinge erreicht werden kann, ohne«ine allgemein« Kon- serenz über die osteuropäisch« Frage, wie sie Lloyd George ur- sprünglich vorgeschlagen hat(und die Ttschitscherin ablehnt. Red.). Trotzdem ist man der Meinung, daß die Friedcnsaussichten infolge des russischen Rückzuges besser geworden sind. Lapt„Daily Mail" rechnet man in offiziellen Kreisen mit dec Einberufung einer europäischen Konferenz, um den Status der russisch-polnischen Gebiete festzusetzen, deren nationale Zugehörigkeit zweifelhast ist. Polnischer Bericht. 26. August. Nord front. Während, der Säuverung des Ge- bietes westlich der Linie Mlawa— Zjechanow wurden wieder 2666 Bolschewisten gefangen. Im Abschnitt der Stadt Leman befinden sich noch einige tausend Bolschewisten, welche fich hartnäckig ver- teidigend, zur deutschen Grenze zurückweichen. Es wurde „festge-stellt", daß unsere Abteilungen von zwei Batterien und Maschinengewehren der Bolschewisten beschossen wurden, die sich auf deutschem Boden befanden.(?) Aus der Chaussee Kolno— Mvsoynce erbeuteten wir 6 Geschütze, 10 Maschinengewehre, Fahnen und die Kanzlei der 10. bolicheVistischen Kcwallcricdivision. Abteilungen der Ai Legionär-Dibiston machten 1160 Gefangen«. darunter den ganzen Stab der S7. Sowjetdivision und erbeuteten 4 Geschütze und 12 Maschinengewehre. Wir haben Grajewo besetzt.> Russischer Bericht. 26. August. Unsere Truppen kämpfen hartnäckig um den Be- sitz der Festungsfront von B r e st- L i t o w s k. » Königsberg, 27. August. sWTB. Der polnische N o r d fl üge l ist nicht weiter über die Linie Grajewo— Ossowjez vorgerückt. Die Umgruppierung der zwischen dem Bug und der deut- schen Grenze stehenden polnischen Verbände ist im Gange. Ein Grenzübertritt ist nicht mehr eriolgt. Bei Binlysiok fanden heftige Kämpfe statt. Oestlich von Lemberg wird auf dem Westufcr des Bug gekämpft. Wie das„Allensteiner Volksblatt" meldet, sind am 26. August bei Geissen der Stab der 40. russischen Infanterie- Division und das Oberkommando der g. Kavallcrie-Division(beide zur 4. Armee gehörend) mit dem Führer General Gey überge- treten. Die ganze polnisch e�Grenzc ist nunmehr von den Polen gesperrt. Wrang« l meldet die Einnahme von Noworossist und Je- � katerinodar. Die Zahl der übergetretenen Russen beträgst übrigens nur gegen' 40 000. In dem polnischen Heeresbericht vom 23. August heißt es: Das bolschewistische Komitee in Sold au, das nach Teutschland geflohen war, wurde uüscren Truppen wieder aus» geliefert und bor ein Kriegsgericht gestellt. Hierzu erfährt MTB, von amtlicher Stelle: Bon dem bolsche- w> st i scheu Komitee, dessen Mitglieder sich auf ostpreußisches Gebiet geflüchtet haben, ist ein Mitglied namens Müller wegen Raubes von der deutschen Gerichtsbehörde verhaftet und in das Gerichts- gefängnis Neidenburg eingeliefert worden. Die anderen Mit- Aieder befinden sich auf freiem Fuß auf p stp r e u ßst sche m Gebiet. Die infolge des russischen Vormarsches am 13. August verlegte Transportstraße für den Eatentenachschub nach Danzig und Memel wird ab 26. August.tvieiicr auf die frühere Linie Kottbüs— Lissa— Possn— Teutsch-Eylau zueückverlcgt. Die Entente- kommission kehrt von Danzig nach Deutsch-Eyläu zurück. Der Abtransport. Durch die Vorarbeiten der zuständigen Stellen ip Ostpreußen 'ist es gelungen, den Transport der internierten Bolschewisten nach dem Innern des Reiches rasch vorwärts gehen zu lassen. Anfang der nächsten Woche werden täglich 2000 Mann izach Pillau abtransportiert werden. Di« Zahl wird bis Ende der nächsten Woche voraussichtlich auf 4000 Mann täglich, in der übernächsten Woche sogar auf 6000 Mann täglich gesteigert werden können. Zur Uebernahme und zum Abtransport der nach Ostpreußen übergetretenen Russen werden zwei Bataillone Reichswehr mittels Schiff nach Pillau transportievt. Ein tveiieres soll mit Bahn durch den Korridor nach Ostpreußen geführt werden, wozu das Einverständnis der polnischen Regierung nachgesucht ist. Wucherfreiheit. Die folgen freier �leischkvirtschaft. Die Nachricht, daß demnächst die Zwangswirt- schaft für Fleisch aufgehoben werden soll, hat in» ganzen Reiche lebhaftes Aussehen erregt. In Baden bat man die freie Wirtschast bereits eingeführt, lind die Bc- strebungen, nun mich in Preußen das Netz der Zwangswirt- schaft in die Ecke zu stellen, wurden immer stärker. Allerdings setzten sich nur diejenigen Schichten der Bevölkerung für e«ie freie Wirtschaft ein, die damit ein Geschäft zu machen ge- dachten. Zum Teil berief man sich dabei ans das Vorbild, das � der Freistaat Baden mit der Aufhebung sämtlicher Zwangsbcstimmungen gegeben hatte.� Es ist nun sehr interessant, aus Stimmen aus dcni deut- schen Blätterwald einmal einen Einblick in die geteilten Meinungen zu gewinnen. So finden wir in der„Krcnimencr Zeitung" folgenden Erguß eines F r e i h a n d e l s f r e u n- des, der aus seiner süddeutschen Heimat folgendes schreibt: „Ich las kürzlich, daß im tonang>zbendcn Lande Preyßcn die Hausfrauen sich und ihren Angehörigen mit der„Fleischkarte" immer noch die Tage' verärgern müssen. Im Freistaat Baden hat man mit solchen kriegszwangsmaßnaihmen hingst gebrochen. Der freie Handel blüht und dt« Fleischerläden von heute unter- scheiden sich in nichts mehr von denjenigen Anno 19t4. Die Freude bei alt und jung ist groß. Die Aufhebung der Fleischzwangsbewirt- schastung feierten die Metzgermeister von Säckingen durch ein'n Umzug, der von einer Musikkapelle eröffnet wurde. In der Mitte des Zuges befanden sich sechs mit F a h n e n g e s ch m ü ck t e Schlachttiere, und den Schluß macht»? ein mit vielen amtlichen Verordnungen ausstaffierter Wagen und eine magere Wurst- luh. Ich würde mich freuen, in Bälde von einer ähnlichen Kund- gebung in.Kremmen zu lesen." Es berührt ganz eigenartig, daß gleich stach der Auf- Hebung der Zwangswiretschaft sechs mit Fahnen ge- s ch n» ü ck t e S ch l a ch t fi c r e vorhanden gewesen sind, während man vorher dauernd über den V i e b m a tz g e l ge- klagt hat. Früher mußte der profitgierige Landwirt unter dem Zlvangssystem sein Vieh hintenherum verkaufen, um hohe Preise zu erzielen. Diese Vorsicht ist nun nicht mehr not- wendig. Jetzt steht Wucher und Preistreiberei von „Rechtswegen" in vollster Blüte, weil kein Mensch da ist, der dem Treiben der Händler und Aufkäufer einen Riegel vorschiebt. Wie preisvertenernd die doreilige Maßnahme in Baden gewirkt hat, geht aus Zeitungsnotizen hervor, die schon Ende Juli in ganz dürren Worten mitteilten: „Auf dcm heutigen Wochcnmarkt in Karlsruhe hatten zum ersdcn Male die Metzger ihre Fleischverkmusstäiid? aufgeschlagen. Das Pfund Rindfleisch kostete allerdings 11 Mark." Das ist eine Tatsache, die nicht zu leicht bewertet werden sollte! Wenn schon Ende Juli, also kurz nach der Freigabe des.Handels, ein so hoher Preis gefordert wurde, dann war unzweifelhaft anzunehmen, daß die Preise weiterhin rasend steigen und daß von interessierter Stelle kein Mittel unversucht gelassen würde, d»? günstige Gewinn- gclegcnheit für sich auszubeuten. Diese Annahme schlug nicht fehl, denn jetzt ist die„D e u t s ch e Fleisch e r fach- z e i t n n g" in der Lage mitzuteilen, baß sich gerade in Baden dei tollste Schieberhandel breit macht. Es lwißt dort: „Seit einigen Wochen' ist die Zwangswirtschaft in Baden am- gelhckben und landauf und landab kann man Händler in den land- wirtschaftlichen Anwiesen herumgehen sehen, die>» e u Bauern geradezu fabelhafte Preise für. ihr Vieh an- bieten und zahlen. SämlljicheS bis jetzt verladene Pich wurde an die Rh«ingr«nzstationenuiufgcgeben, was zu denken gibt. Daß aber Breisiach und nicht z. B. Freiburg> als Bestimmungsort gewählt wird, ist geradezu verdächtig. Als die, Fessel der Zwangsivirtschaft siel und in den Metzgereien wieder Fleisch markenlvs zu haben war. atmete alles auf. Aber wie'lange kann dieser Zustand anhalten, wen» ganze C r t r a z ii g e mit Schlachtvieh nach dem Elsaß verschoboy werden.' In absehbarer Zeit muh notgedrungen die Zwangswirtschaft wieder eingeführt werden, weil das badische Land ausver- kauft ist mis Schlachtvieh..." -Hier droht eine Gefahr, die nicht mkterschgtzt werden sollte. Hebt man die Zwangswirtschaft in einem Augenblick aus, in dem die Nachfrage unendlich größer ist als das An- gebot oder der Vorrat, dann sind derartigen Vorkommnissen wie in Baden Tür und Tor geöffnet. Darüber.sind wir uns all? klar: Die ZwangÄnirtschaft ist kein Ideal, und der„Zwang" ist für viele Händler nur dazu da, daß er durchbrochen wird. Weil aber im Falle des Erwischtwerdens doch der Strafrichter ein gewichtigeö Wort' mitzureden hat, organisiert man einfach den Generalsturm, um die gänzliche Beseitigung des verhaßten, verdienstbeschnei- denden. Systems diirchzudrücken. N i ch t e i n m-a l d i e N o t- tvendigkeit einer planmäßigen U e b e r g a n g s- w i r t s ch a f t s,o l l g e l t e n, s o n d e r n d i e A u s p l ü n- d e r u n g der'Konsumenten ohne irgendwelche Einschränkung ist das Ziel. Die Folge einer unbeschränkten„Verdien st"möglich- kcit für Viehzüchter, Händler und Zwischenhändler muß ohne hueitmS dazu führen, bo� eine große Unruhe in die DevZlke- rang getragen wird. Bekcmntlich hatte die Deutsche Ä olkspart ei vornehmlich die Aufhebung der Zwangs- Wirtschaft zu ihrer Wahlparole genracht imd dabei der- sichert, daß unter dem Freihandel ein Sinken der Preise ein- treten würde. Wie sehr man sich in dieser Annahme getäuscht hat. muß die„Deutsche Allgemeine Zeitung" jetzt ihren der Volkspartei nahestehenden Lesern mitteilen. Man findet dort folgendes Klagelied: ..Seit einigen Wochen«wr im Kreise Fischhausen.(Oft« Preußen) versuchsweise die ZnningsHswirtschcrftung für Fleisch aus- gehoben worden. Statt eines Sinkens der Preise machte sich ein geradezu unglaubliches Steigen bemerkbar. ES gab zwar überatl reichlich gutes Fletsch, aber die. Preise stiegen beispielsweise bei Schocwiefleifch bis zu 16 M. das Pfund. Per- gcbens verwarnte der Landrat die Fleischverkäufer, vergebens m a ch t e d! e F l e i s ch c r i n n Ii n g- i h r« n Mit- gliedern V o r h a lä.üng e n. Nunmehr hat der Landrat s ä nt t l i ch e Fleischereien zwangsweise geschlossen, und zwar zunächst bis zum 4. Oktober. ES ist die verschärfte Z w a u g s b c w i r t s ch a f r u n g wieder eingefichrt und das Strafverstchren hosten sämtlich? Fleischer wegen wucherischer Ausbeutung des Publikums eingeleitet morden." Es ist ganz selbstverständlich, das; sich nach den angesühr- ten Vorkhmmmssen. bei denen es sich nur nni ländliche (ßebietsteite handelt, die dichtbevölkerten Städte uird Großstädte ganz energisch gegen die Aufhebung der Zwangs- bewirtschaftlMg tuenden. Welctw Folgen die Aufhebung der . Fleischrationierung nach sich zieht, lwben die.Vertreter der Gipß-Berlmer Gemeinden und der Kreise Teltow und Nieder- l�-rnim in einer T e n ks ch r i s t niedergelegt, die sie der Reichsregierimg übergeben lioben. Es imrd dort frank und frei erklärt, daß die Gemeinden bei Aushebung der Zwangs- Wirtschaft nicht in der Lage wären, die bisherige Fleiscl)- vetsorgnng der Groß-Berliner Bevölkerung auch nur an- n alternd anfrechtznerhalien. Die Groß-Berliner Gemeinden lehnen jede Berantiuortung ab und erklären, daß die Fol- . g e n ii n.ji b e r s e h b a r seien. Wer mit einiger Verantwortimg ausgestattet ist, sieht nnt größter Sorge, wie sich die Reichs regierung ans ei». E r p e r i m e n t venteift. das die schlimmsten Wir- f im g e iß haben muß. Man soll der Regierung immer wieder die nnaiis-blechlichen Folgen vor Augen lwlten, die vor allem auch darin bestehon, daß der A r b e i t e r a n ß e r st a n d e ist. die ii n s i n n i g hochgeschraubten F l e i s ch p r e.i s e o n f z ii b r i n g e n. Dem Bemittelten wird das Leben er- leichtert, deni übrigen Volke aber in linvercmtwortlicher Weise erschwiert. Ein Gebiet, das mit dieser Frage in ureigenstem Zusammenhang Ztbht: ist die- kommunale B e tv i r t s ch a s- t n n g der F l e i s ch v e r s o r g u n g. Die Kommunalver- blinde haben bekanntlich auf Grund der Verordnung vom September 1915. die Fteischverjorgimg zentral zu regeln. Ebenso soll die WnrsthcrstcUung zentral erfolgen. Die kleinen Fleischerjneister haben es aber nainentlich in letzter Zeit vor- zügtich verstanden, mit viel Geschrei die Kommunen zu de- arbeiten, und haben auch in vielen Städten bereits-Erfolge erzielt. Wir können uns heute wirklich den LuxuS nicht leisten, daß z. B. in einer größeren Stadt, wegen der gezr iv�-n W u rst inä s je. die zur Verfügimg stslst, Zgv Fl e i scher meister ihren Wurstkessel anheizen, ihre M o- iä'r e und M a s«h i n e n laufen hrsjetp und. m nni» tTg» L l ch tv e r's ch w e n d u n g treiben. Bei einer derartigen K rä iteve rzet teln ng kann zudem gar nickst festgestellt werden, ob die der Allgemeinheit gehörenden Produkte auch tatsächlich der Bevölkerimg wieder in ordmmgsinämger Weise zugeführt ioerden. Es ist den Bestrebiingen der Fleischermeister gegen- über unter allen Uniständen abzndehnen, ihnen die- komniu- nalisierten Betriebe wieder zu übertragen, vielmehr ist ini Interesse der Wirtschaftlichkeit die Beibehaltung dieser K o m in n n a l b e t r i e b s e i n r i ch t n n g e n an- z n st re b e n. Man muß. immer wieder dstn Grundsatz festhalten, daß Die Zührungen in öen Staatsmuseen. Eiiw der ersten Sorgen der sozialistische» Rechermig im Be- reiche der Kunscherwaitlttng war es nach der Revolution, dafür zu sorgen, daß die Museen, die Sämtzkaumnern der Kultur dem Polke wirklich erschlossen würden. Leider bat der chronisch« Geldmangel es oerhindert, weitergebe ni>e 3t«foimen in den Musen durchzn- firTireii, ickSbeson-de-re aus der IIol«rsi'llle wechselnde kleine Aus- srelliiugen herauszuheben und bloß getihnes oder Bildungsgut vor dem lebendig Fortwirkenden zurücktreten zu lassen. Immerhin tvnrde mit. Gifer verbucht, duych die Orga-nisalian von Fühvun-zeu größere AnteitnalMe und erhöhtes Verständnis surid hoffentlich auch m mehrten Öknafc)-jn schaffen. Generaldirektor Bode erstattet in der„Voss. Ztg." dartihek Bericht iwarn.ni geht solches Material nicht allen Zeitungen zu?). Er seilt mit:..Eine glückliche Rcuerniig war die Ernennung fineö lwsonderen Beamten zur Regelunz der Führungen und Vorrrqge. Dstfe hatten schon vor dem Kriege lind baven sehr wieder jh zustenoinckierl, daß öhne genaue Kontrolle uri- angenehm« Kollisionen incht zu vermeiden waren. Sahen doch allein , Kn!.Kaiser-Ari«vrich-.Mus«um.im ersten HcUbjahr dieses Jahres »i-.ua 200 angemeldete Führungen stattgesunden, daneben noch zähl- reiche»-cht angemeldete, welche die.Kontrolle noch»wlir er schwerem „Mckivischen lwben wir wich sonst alles getan, um die„Papiilari. s-crung" zu steigern, noch über das Maß vor dem Kriege. Aber«S ficht mit der AuSführimg unserer Absichle u für die nächste Zell leider recht bedcnttich aus! Die Museen lassen sich nicht wieder bis zur Dunkelheit, sondern mir bis 4 Uhr, refp. 3 Uhr im Winter, ostneii, da für eine zweite Garnitur Aufseher jetzt kein- Mittel -mehr.vorhand-.n find." Herr Bode fürchtet, daß bei dem vorhandenen Kckhlenmangel wieder eine zeitweilig? Schließung der Museen im Winker sr- folgen muß. Daß einzelne Führungen schwache oder gar keine Be- wftignng fanden, ist in politisch erregten Zeiten nicht weiter auf- fallig. Im ganzen wird es an Besuch m'cht gefehlt haben. lHosftnt- Uch erscheint darüber ein zusammenfassender amtlicher Berichs!) freilich kann es gelegentlich an der mangelnden Geeignetheit der «führenden liegen, wenn die Teilnehmer ausbleiben. Es gibt bei uns sehr viel Kunschistoriker. aber wenige Führer zur Kunst! schlimm sieht es für die Zukunft mit der Popularisierung durch . d:e Schrift, durch Führer, Kataloge, AnsühtSkarten usf. aus.„Es ist zwar gelungen, im vorigen Jahr noch ein paar Handbücher und ,<ührer heDQuAMlbrinye'N, aiber di-e cmh l n i sch e n Geschäftsträger begeben und ihnen das Bedauern der deutschen Regierung über die Vorfälle in Breslau ausgesprochen. Mit dem Bedauern allein ist es allerdings nicht getan. Wir zwciieln nicht daran, daß weitere Nachrichten über die skandalösen Vorfälle uns noch sehr Pein- lich überraschen Werden. Inzwischen liest man, daß endlich auch der Auswärtige Ausschuß des R'eichstages.WjglNMntretcn soll, und zwar am kommenden. Mittwoch.. Es M Immer nöch' teichlich?pät.'Daß General v. Mcckt. der Cstct der HexreskeitunD. sich,..nach, Schle- -sien begibtt., wird, amtlich mitgeteilt.' Er will-angeblich dort Besprechungen mit den militärischen Dienststellen abhalten und die Reichsweltr besichtigen. Pilatus wäscht Sie tzänöe... Di« gesamte Rechtspresse bemüht sich eifrig, die Bres- lauer Exzesse zu verurteilen und von ihren tatsächlichen Urhebern abzurücken. Aber gerade dieser Eifer ist nur das Zeichen eines nicht sehr guten Gewissens. Die„Deutsche Tageszeitung" meint, daß-der hetzerische Ruf„Wo ist das polnische Konsulat?", der sozusagen das Signal zu den wüsten Amerika— hu hast es besser?„Tie amerikanische Freiheit und Demokratie sind nur noch Illusionen", so äußert sich in„Verdens Gang" ein Amerikaner, Miles Bouton, der Vertreter der„Zlsso- riated Preß" in Norwegen. Bouton. der seit vielen Jahren in Europa wohnt, hat kürzlich«ine Reise nach Amerika gemacht und er- klärte nach seiner Rückkehr:„Ich bin erschüttert über die Verän- deruug, die in den letzten Jahren drüben vorgegangen rst. Wissen Sie, daß 1500 Menschen nur wegen ihrer Ansichten im Gefängnis sitzen? Der Sozialist Debs sitzt für 10 Jahre im Zuchthaus. Ich habe von einem Mann in Missouri gehört, der wegen einer Aeuße- riing in seinem eigenen Hanse 13 Jahre Gefängnis erhiell. Aus dem Heere kenne ich Beispiele, daß ein Mann 15 Jahre Gefängnis bekam, weil er sich geweigert hatte, Wasser zu tragen. Die Ursache derürourigen Lage ist die erstaunliche Unkenntnis aller sozialen und politischen Fragen. Sozialist sein, heißt Per- brecher sein. Wenn ein Mann wie Hjalmar Branting nach Ame- rika käme, würde man ihm das Bürgerrecht verweigern. ES gibt keine Demokratie in Amerika, mir Plutokrati«, und die Presse wird aus denselben Geldquellen gespeistt, aus denen die �Parteien gespeistt werden. Natürlich haben diese Umstände«ine Gärung er- zeugt; aber, sie wiid niedergehalten. Man glaubt, daß man Ideen töten kann.'• Gewiß hak man aersncht liberal-radikale Politik zu inachen; bisher aber ohne Ergebnis. Es gibt keinen geistigen Grund, a-uf dem man bauen könnte. Die Angehörigen des unteren Mittel- standes. z. B. Lehrer, sind so unterdrückt, daß ste es nickt wagen, «ine eigene Meinung zu haben. Der bessergestellte Mittelftand ist durch und durch kapitalistisch, hat gutes Einkommen, aber keine anderen. Interessen als Autos und Sport. Es herrscht draußen eine schreckliche geistige Armirt; kaum jemand"hat Sinn für Kunst und Literatur; auf der Bühne sieht man fast nie ein Stück von literarischem Wert. Das ist das allerschlimmste: diese Gleichgültig- ke!t gegen alle Kulturwerte. In wirtschaftlicher Hinsicht ist es drüben ja erträglich, sofern man von Erscheinungen wie den„Stahl- höhlen" absieht, in denen 12 Stunden täglich sür einen erbärmlichen- Lohn gearbeitet wird.' Nein, das Schlimmste ist die ganze Atmosphäre dort drüben, die Brutalität, der Widerwill« gegen Auslätidsr. die geistige Ty- rannei.. Die Leute beginnen jetzt, aus Amerika auszuwandern. Die kehren zu Tausenden nach Europa zurück, selbst nach Deutsch- land. wo sie es doch so schwer haben. Amerika steht in der mensch- liehen Entwicklung weit hinter Europa zurück— man könnte versucht sein, zu sagen: um Jahrhunderte." DaS Erdölvorkommen bei Hamburg. Nachoem man bereits vor mehreren Jahren bei Neuengamme bei Hamburg Erdgas in großer Menge erbohrt hatte, hat man kürzlich ganz in der Näte ein« neue, sehr ergiebige ErdgaSquell« erschlossen. Bisher aber ist es trotz K-ieler Anstrengungen noch nicht gelungen, daS Erdöl, auf das die Anwesenheit des Erdgases schließen läßt, zu finden. W-e im„Prometheus", berichtet wird, darf man aber hoffen, auf Erdöl zu stoßen, we.nn nur erst, bis in die notwendige Tiefe gebohrt worden ist. Bei'oezi feit drei Jahren betriebenen Bohrarbeiten wuvden die Bohrlöcher bis zu 90C Meter heruntergeführt, und man stellte dabei fest, daß die ganze Umgebung Hamburgs von Exzessen bildete, von einem polnischen Spitzel stammte. Das mag schon sein, und das Organ einer Partei, die sich für die Entfesselung des Bürgerkrieges mit Vorlivbc der Spitzäl bedient, mag vielleicht instinktiv das Richtige ge- troffen haben. Aber alles Bedauern und Verurteilen der Breslauer Ausschreitungen wird die geistttge Nr-heber- s ch a f t jener Kreise, Parteien und Blätter nicht aus der Welt schaffen, die seit Jahr und Tag�am Werke sind, die Geister im wüstesten nationalistischen Sinne zu beeinslnssen und die bei früheren Borkommnissen dieser Art alles andere als Worte der nnzlweideutigen Mißbilligung-haben ertönen lassen. Wir erinnern nur an den Bubenstreich vom 1-1. Juli am Pariser Platz: war. es nicht gerade dse„Deutschs Tages- zeitung", die in den schmierigsten Ausdrücken die Belohnung kritisierte, die von den Behörden für die Ermittelung des Täters ausg-esetzt worden war? Geradezu grotesk aber mutet es an, wenn die „Deutsche Tageszeitung" die indtrekte.Schuld an den Vor- fällen der— Revolution zuzuschreiben versucht, indem sie schreibt: „Abre auch hier ist es doch die R e v o Igt t! o n, die die Massen zuerst auf die Straße geführt, die vor allein das Kon- tingent der„wilden Redner" geschaffen hat." Verzeihung? Lange vor der Revolution ha-ben wir „Massen"' und„wilde Redner" aus den Straßen gesehen, namentlich in den gewitterschwangeren Julitagen 1914, als alldeutsche Banden„Unter den Linden" mit kriegslüsternen Rufen durchzogen, vor den verschiedenen Botschaften demon- strierten und fremdsprachige Schilder herunterrissen. Ar- heiter und Sozialdemokraten waren dies nicht, sondern An- klänge'- und Leser der„Deutschen Tageszeitung". Uno eberfio blieben der Donnerstag-Demonstration in Breslau die sozialdemokratischen! Arbeiter fern, während die„natio- nalen" Kreise dort zweifelsohne vollzählig erschienen waren. U eb erHaupt machen sich allerhand-bedenkliche Reminiszenzen aus den Wahnsinnstagcn von 1914� in den jüngsten Tagen bemerkbar: Wilde Gerüchte durchschwirren die Luft, Greuelaeschichten werden kritiklos abgedruckt oder von Mund zu Mund verbreitet und genau wie damals sorgen die Feinde der Demokratie dafür, daß das Kontroll- recht der Volksvertretung nicht ausgeübt werde, ans die Ge- fahr hin, vor vollendete, nicht wieder gutzumachende Tatsachen gestellt zu werden. Die Wut der Rechtspresse richtet sich mit hesondem und vereinter Kraft gegen die Judenprcsse, weil das„Beilii.er Tageblatt" die Breslauer Meldungen unter der Ueberschrg't „Alldeutsche Ausschreitungen" veröffentlicht habe. Mag sich die' deütschnationale Presse noch so harmlos— oder dumm— stellen, ste wird die Tatsache nicht aus her Welt schaffen können, daß— nach dem in ihren Augen wohl unbefaizgenen Zeugnis des kappistischen WTB.— die Breslauer Ausschreitungen sich nicht allein gegen die Polen und die Franzosen, sondern auch gegen die Jude� gerichtet haben. Und dieser Umstand allein, mag er von der„Deutschen -Togeszeitung", der' ,Kreuz-Zeitung" und hgl. noch so kasuistisch bestritten und heuchlerisch bedauert werden, genügt, um scklvohl die g? ist ige, wie auch die tatsächliche Verantwortung her rechtsstehenden Kreise an den 'BtMaüer' Erzeükn festzunaaetn.■' Zwing-danzig. Ein Geschwader von vier kleinen cnzlischen Panzcrkrciizrrn in Begleitung von einigen Hilfsschiffen ist in die Danzigee Bucht einge- laufen und ankert auf der Reede unmittelbar vor Neufahrwasser. Im Hafen liegen zwei weitere englische Kriegsschiffe, sowie zwsi sranzöfische Panzerkreuzer. Der englische Marineministcr Long kommt gleichfalls nach Danzig. Nach einer Havas-Mrldung aus Antwerpen hat das amerikanische Schift„Marszawa" d.'n Hafen mit Muni- t i» n an Bord verlassen und ist nach Danzig abgefahren. einer sehr starken, nndnrchlässigen Tonschicht nnterlagcrt ist, über der große angeschwemmle Kies- und Sanomcngen liegen. Et'/ wenn man unter diese Tonschicht gelangt, wird man Erdöl in nennensioerter Menge finden. Daß bei Neuengamme Erdgas schon in 30O Meier Tiefe ckrbohrt wurde, ist darauf zurückzuführen, daß man bei'der Bohrung zufällig auf einen Riß in der Tonschickt traf, der dem Pias den Weg nach oben freigab. Es handelt sich nun darum, bis zu etwa 1200 Meter Tiefe hinabzugelen und die Tonschicht zu durchbohren, die bisbec das Erdöl so zäh verteidigt hat. Man dürfte dann ein sehr hochwertiges Erdöl erhalten, da es infolge des dichten Abschlusses durch die Tonschicht noch kaum entgast sein kann nno deshalb reichliche Mengen leicht flüchtiger Bestandteile, also Benzin, entlolten muß. Die Ernte der Dramatiker. Der Verlag Lesterhcld gibt einen Ueberblick über die Kassenexfolge seiner Auwren. Danach haben die Schauspiele„Hinter Mauern" von H. Nathans«»,„Jcltchen Gchert" von Georg Hermann und das zumeist im Ausland auf- gefti'hrte Drama„Am Vorabend" ,von L.'Kampf die höchsten, je 200 000 M. betragenden Tantieme-Einnahmen erzielt. Tie nächst- höchste Einnahme, 180 000 M., brachte W. W. Götze s musikalisckcr Schwank„Wenn Männer schwindeln". Darm folge» das Lustspiel „Ter gutsitzende Frack" von Dregelh, das Drama„Tie Warsckaucr Zitadetze" von&. ZapolSka und die Groteske„Nachtbeleuchtung" von E. Götz mit je 150 000 M. Tantieme-Einnahme. Einen guten Kassenerfolg, 130 000 M., tat E. Götz auch mit seiner Groteske „Menagerie" erreicht. Es gibt natürlich Dramatiker, die noch viel höhere Einnahmen erzielen. Immerhin gibt diese Ilebersicht einen nicky uninteressan- ten Einblick und mockst eS begreiflich, oaß der Drang zum Drama so lebhaft ist. Freilich kommt nur die kleinere.Hälfte der Autoren dieses Berlages über 100 000 M., die Mehrzahl bleibt-darunter. Im Deutschen Qpernbauke sind während der Fecien größere Um- bnulen im Orchester-roum ersolgt,'wodurch die Klangoerbältnisic im Zu- schauerraum verbessert sind. Der Fußboden des Orchesters hat eine Er» höbung erfahren, so daß der Orcheslcrllang sich srcier und leichter entfalten kann und den Sängern aus der Bühne, eine sicherere Unterstützung gewährt wird als bisher. Dheater. Als nächste Novität kommt im Friedrich-ZZilbelm- ftäd tischen Theater das Luiilpstk„Der blonde Traum" von Emcrlch Földe« zur Aufführung.— Ciaire. 2ux wird im Metropol-Theater am 4. Sept. erstmalig austreten. Goethe> Morgenfeier in Äkeukolln. Sonntag vormittag 8 Uhr findet in der Pcklipp. Melanchiboii-Wlchc eine Goethe-Morgenfeier statt, bei der Genosse Psarrer Dr. Piechowsli über:.ReligWe Morgenstunden bei Göcihe" spricht. Orgeloirluose Jeromin jpieli die Sarabande von Carp-Elert. Die Deutsche Bücherei tu Leipzig ist in ibrer Selbständigkeit bedroht. Man plant sie— zur Ersparung von Ausgaben— rillt der Unioersitälsbibliotbek zu verschmelzen. Dagegen hat der Vcrwaltungsrat der Bücherei in Verbindung mit verschiedenen BibliolhekSbeirälen Einspruch erhoben und betont, daß die Ausgaben der deutschen Kutturinflitule nur durch die Deutsche Bücherei in wirtschajtlichcr Weise durchgeführt werden könnten, und daß Reich, Staat und Stadt hie ersordcrlichen Mittel ausbringen mlkßien. In dem Hegel-GedächtniSartikel muß es heißen:.nach der Er- schütterung der philosophischen Welt durch Kant", nicht der politischen. ttr. 428 ♦ 37. Jahrgang Seilage des Vorwärts Sonnabenö, 28.Mguft 1�20 Eine Sotsthast aus Rußlanö. Von Peter Krapotkin. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung' veröffentlicht eine Botlchaft de? rusfischen Anarchisten Peter Krapotkin. die er der englischen Genossin M. Bondfield übergeben hat. Die Aussllbrungen des berühmte» rusfischen Revolummärs, au« denen wir einen AuSzug bringen, verdienen besondere« Interesse; der Verdacht, Konter- revoluttonSr ju sein, kann gegen ihn nicht erhoben werden. Wir brauchen nicht hervorzuheben, dag ffein Standpunkt nicht ohne weitere« der unsere ist. Rußiand durchlebt jetzt ein« Umwälzung, die genau so tief- gehend und genau so bedeutsam ist. wie sie da« englische Voll 1639 bis 1648 und Frankreich 1789 bis 1794 durchmachte; und jede Nation sollte es ablehnen, jene schmachvolle Rolle zu spielen, die England, Preußen, Oesterreich und Rußland während der französischen Revolution spielten. Mes in allem sollten nicht nur die Arbeiter, sondern alle fortschrittlichen Elemente der zivilisierten Nationen der Unter- stützung ein Ende machen, die bis nun den Gegnern der Revo- lution gewährt worden ist. Nicht als ob es gegen die Methoden der bolschewistischen Negierung nichts einzuwenden gäbe! Weit entfernt! Sondern weil jede bewaffnete Intervention einer fremden Macht naturnotwendig die Stärkung der diktatorischen Tendenzen der Regierenden zur Folge hat und die Bemühungen jener Russen unwirksam macht, die bereit sind, an Rußlands Wiederaufbau auf neuer Grundlage unabhängig von der Re- gierung mitzuarbeiten. Die Fehler, die der Parteidiktatur von Natur aus anhaften, sind aus diese Weise noch durch den Kriegszustand gesteigert worden, unter dem diese Partei sich behauptet hat. Der Kriegs- zustand bot eine Entschuldigung für die Verschärfung der dikta- torischen Methoden der Partei und ihrer Tendenz, jede kleinste Lebensäußerung in den Händen der Regierung zu zentralisieren — mit dem Ergebnis, daß ungeheure Arbeitsgebiete der Nation zum Stillstand gebracht worden sind. Die natürlichen Schäden des StaatslommuniSmus sind so mit der Entschuldigung verzehn- facht worden, daß alles Unheil unseres Lebens auf die Einmengung der Ausländer zurückzuführen sei. I chmuß überdies auch erwähnen, daß eine militärische Jnter- vention der Alliierten, wenn sie fortgesetzt wird, in Rußland ein Gefühl der Auflehnung gegen die westlichen Nationen entstehen lassen muß, und dieses Gefühl der Auflehnung wird eines Tages von ihren Feinden bei möglichen zukünftigen Konflikten auSge- nützt werden. Solche Auflehnung beginnt sich bereits bemerkbar zu machen. Noch ein Wort über die allgemeine Frage. Eine Erneuerung der Beziehungen der europäischen und amerikanischen Nationen zu Rußland darf sicher nicht die Zulassung einer Oberhoheit des russischen Volkes über jene Völler bedeuten, aus welchen das russische Zarenreich zusammengesetzt war. Das kaiserliche Ruß- land ist tot und wird nie wieder zum Leben erstehen. Die Zukunft der verschiedenen Provinzen, aus welchen das Reich zu- sammengesetzt war, liegt in der Richtung eines großen Staaten- bundeS. Die natürlichen Gebiete der verschiedenen Teile dieses Bundes sind jenen unter uns ganz klar, die mit der Geschichte Rußlands, seiner Ethnographie und seinem wirtschaftlichen Leben bekannt sind, und alle Versuch«, die grundlegenden Teile des russischen Kaiserreiches— Finnland, die baltischen Provinzen, Litauen, die Ukraine, Georgien, Armenien, Sibirien usw.— unter eine zentrale Regierung zu bringen, sind sicher zum Scheitern verurteilt. Die Zukunft alles dessen, was früher das russische Kaiserreich war, liegt in der Richtung eine? Staatenbundes unabhängiger Einheiten. Was nun unsere gegenwärtige und politisch« Situation be- trifft, so unternimmt es jetzt die russische Revolution, die eine Fortsetzung der beiden großen Revolutionen in England und Frankreich ist, dort einen Schritt weiter zu machen, wo Frankreich stehen geblieben ist: als es in die. Tat umzusetzen galt, was da- mals wirkliche Gleichheit(ögolite de fait), das ist wirtschaftliche Gleichheit, hieß. Unglücklicherweise wurde in Rußland dieser Versuch unter der stark zentralistischen Diktatur einer Partei unter- nommen— der sozialdemokratischen Maximalisten; und er wurde nach der Methode einer ausgesprochen zentralistischen und jako- klinischen Babeufschen Verschwörung unternommen. Ich sehe mich gezwungen, offen zu erklären, daß meiner Meinung nach der Versuch, eine kommunistische'Republik auf der Basis eines streng zentralistischen Staatskommunismus und unter der eisernen Herrschaft der Diktatur einer Partei zu errichten, mit einem Mißerfolg enden muß. Wir sehen an Rußland, auf welche Weise der Kommunismus nicht eingeführt werden kann, obgleich die Bevölkerung, des alten Zsegimes überdrüssig, dem Experiment der neuen Regierung gar keinen aktiven Widerstand entgegensetzte. Heute, Sonnabend, den 28. August, abends 7'� Uhr, in Haberlands Festsälen, Großer Saal, Neue Friedrichstr. 35: Mgemelve bemlefr und Augeskellleu-MMMoMenz. Tagesordnung: Bericht über die politische Lage sowie die Neutralitäts- erklärung Dentschlands und die Stellung der Beamten»nd Au- gestellten hierzn. Referent Genosse Max Groger. Bericht über die Tätigkeit des Reichsbeamtenbeirats. Referent Genosse Max Gröuefeldt. Bezirksverband Groß-Berlin. Beamtensekrctariat. Die Idee der Sowjets, der Arbeiter- und Bauernräte, zuerst in der versuchten Revolution von 1966 entstanden und durch die Revolution vom Februar 1917, als das zaristische Regime zu- sanimenbrach, sofort verwirklicht, die Idee solcher Räte, die das politische und wirtschaftliche Leben des Landes überwachen, ist eine hohe Idee. Dies um so mehr, als sie notwendig zu dem Ge- danken führt, daß diese Räte aus allen jenen zusammengesetzt sein sollen, die durch ihre eigene Arbeit tätigen Anteil an der Hervorbringung des Güterreichtums nehmen. Aber solange ein Land durch die Diktatur einer Partei regiert wird, verlieren die Arbeiter- und Bauernräte einleuchtenderweise ihre eigentliche Bedeutung. Sie werden auf jene passive Rolle beschränkt, die früher einmal die ständischen Vertretungen und Parlamente gespielt haben, als sie vom König einberufen wurden und gegen einen allmächtigen ftronrat ankämpfen mußten. Ein Arbeiterrat hört auf, ein freier und wertvoller Berater zu sein, wenn es im Lande keine freie Presse gibt; und in dieser Lage sind wir jetzt fast zwei Jahre— man entschuldigt es mit dem Kriegszustand. Und mehr noch. Die Arbeiter- und Bauern- rät« verlieren ihre ganze Bedeutung, wenn keine freie Wahlagi- � tation ihrer Wahl vorangeht— und die Wahlen werden unter> dem Druck der Partcidiktatur durchgeführt. Die gewöhnliche Eni- schuldigung ist natürlich, daß die Diktatur ein unentbehrliches Mittel zur Bekämpfung des alten Regimes war. Aber eine � solche Herrschaft wird naturgemäß ein furchtbares Hindernis von dem Augenblick an, da die Revolution zum Aufbau einer neuen Gesellschaft, auf neuer wirtschaft>licher Grundlage fortschreitet; ihr Bestehen spricht dem neuen Werke sein Todesurteil. Die Wege, die eingeschlagen werden müssen, um eine bereits wankende Regierung zu stürzen und sich an ihre Stelle zu setzen, sind aus der alten und neuen Geschichte wohl bekannt. Aber wenn es gilt, ganz neue Lebensformen, insbesondere neue Formen der Produktion und des Austausches zu schaffen, ohne dabei ein Bor- bild nachahmen zu können; wenn alles von Menschenkraft auf der Stelle vollbracht werden soll, dann erweist sich eine allmächtige zentralistische Regierung, die es unternimmt, jedem einzelnen Be° wohner jeden einzelnen Lampenzylinder und jedes Zündhölzchen zum Anzünden der Lampe zu liefern, als völlig unfähig, dies durch ihren Beamtenapparat zu bewerkstelligen— wie zahlreich er auch sein möge, es wird ein Uebel. Das ungeheure Werk des Aufbaues, das von der sozialen Revolution geleistet werden soll, kann nicht durch eine zentrale Regierung vollbracht werden, auch dann nicht, wenn sie, um sie bei ihren Arbeiten zu führen, wesentlich mehr besitzt als ein paar sozialistische und anarchistische Schriften. Es erfordert das Wissen, die Erfindungskraft und die freiwillige Zusammenarbeit einer Vielheit örtlicher und sozialisierter Kräfte, die allein miteinander die Mannigfaltigkeit der ökonomischen Probleme in ihrer lokalen Erscheinung zu bewältigen vermögen. Diese Zusammenarbeit zu zerstören und auf das Genie von Parteidiktatoren zu bauen, heißt alle selbständigen Entwicklungskeime vernichten wie die Gewerkschaften oder die lokalen Konsumgenossenschaften—, heißt sie in bureaukratische Organe einer Partei verwandeln, wie eS jetzt geschieht. Slber das ist nicht der Weg, die Revolution zu vollenden; das ist der Weg, ihre Verwirklichung unmöglich zu machen. Und deshalb betrachte ich es als meine Pflicht, euch ernstlich vor diesen Methoden zu warnen. GroßSerlw Nunö um Siesenthal. Biesenthal erreichen wir mit den Zügen der Stettiner Fern« bahn. Die Stadt liegt etwa eine Stunde vom Bahnhof entfernt. Ein guter Promenadenweg bringt uns dorthin. Bieientbal. die alte Stadt des Barnim, liegt an der Finow, deren Onellflüßchen im Süden und Westen der Stadt ent'pnngen. Von dem hohen Alter Biesenthals zeugen heute noch die Neste einer Feste, die auf dem Schloßberg zu finden sind. Auf dem in der Nähe liegenden Reierberg hat man sogar die Spuren eines Burgwalls, also einer Ansiedelung aus vorgeschichtlicher Zeit gefunden. Ein guter Weg bringt uns am Kcsseliee und Krummenpfuhl vorbei zum Großen Wukensee. Zurückickauend genießen wir den Anblick des schönen Bildes der am Bcrgeshang hingebauten Stadt, von ihrem einfachen Kirchlein überragt. Unmittelbar am Uier wandern wir bis zur Nordwestccke des Sees. Die Wasierfläche ist lieblich von Wald umrahmt, der hin und wieder Durchblicke auf die Stadl im Hintergrund gewährt. In nordöstlicher Richtung kommen wir durch den Kiefernwald, am Kleinen Wukensee vorüber, zur Straße nach Sophienstäd-t, die wir ungefähr da erreichen, wo eine Tafel mit der Aufschrift „Akazien-Allee" steht. Wir folgen der Chaussee, bis ein Weg in nördlicher Richtung abztveigt, und halten uns dann möglichst recht?. In der Gegend des Schwarzen SckZ erreichen wir den Rand des Finow-Brnchs. Der See ist fast völlig Verlandel; Wasser- und Sumpfgewächse haben seine offene Wasserfläche sehr verringert. Wir bleiben jetzt unmittelbar am Bruch. An seiner schmälsten Stelle führt die Pöhlitzbrücke über daS Finowfließ. Zu beiden Seiten stehen hochragende Pappeln, die sich gar seltsam abheben von dem Kiefernwald der Umgebung. Von der Pöhlitzbrücke führt der Weg gen Nordwest. Bald geht eine schnurgerade Straße nach Nordost ab, der wir eine kurze Strecke swlgen, bis uns ein Waldweg nach rechts wieder,zur Finow bringt. Auf einer einfachen Holzbrücke überschreiten wir dieses Wald fließ, dem es bestimmt ist, in seinem weiteren Lauf eine wichtige, länderverbindend'e Wasserstraße zu sein. Auf dem Ge» 8j Mit öer Etappe. Von Schalem Alechem. Mcch Mojsche Aron,' sogte ich,.warum schweigt Ihr?' .Warum soll ich schreien?' erwiderte er,.seht zu, Euch Rat zu schaffen, dam die Sache steht schlecht. Mit dem Tisch- ler, sulr er fort,.werdet Ihr nichts erreichen, er ist ein eigen- sinniger Mensch. Ich wollte ihm schon gestern eins mit dem Hobel über den Kopf schlagen!' Hört Ihr, was sich abgespielt hat?! Der Bräutigam ging vor meinen Augen hin und her, ich glaubte, daß mein Herz mir vor Leid springen würde, ich verging vor Schmerz, ich fühlte, daß ich es nicht aushalten, daß ich sterben würde... Da blickte ich zuin Gasthaus hinüber,— und wen sehe ich?— Reb Scholen: Beer Tepliker!.Gott selbst hat Erich her- gesandt!'— dachte ich mir. Nicht faul mit dein Mund, eilte ich zu Euch hinüber nnd bot Euch einen herzlichen Gruß zum Willkommen, genau so. als ob ich es jetzt täte. Was beab- sichtigte ich damit? Ich meinte, daß Ihr mich höchstwahrscheinlich fragen würdet, was ich eigentlich in Geißen mache, und ich darauf erwidern würde:.Eine Heiratsaugelog enheit!' Ihr würdet weiter fragen:.Was für eine Hnratsangelegen- hat?', und ich würde sagen: Mit dem Tischler Iankcl'. Dann würdet Ihr mich fragen, was ich als Mitgift mitgebe. rmd ich würde Euch antworten:.Das ist eben der.Haken, baß der Tischler einen Hunderter bar verlangt, und ich nicht ein- mal eine Spur von einem Hunderter habe.' Ich hoffte, es würde alles gut werben— versteht Ihr? Da es sich aber ganz anders abwickelte, und Ihr mich nicht einmal danach fragtet, wozu ich nach Geißen kam, war ich nicht faul und erzählte Euch selber, daß ich nicht zum Markt ge- kommen war, sondern in einer Heiratsanqelegenheit. Ich dachte mir, nun müßtet Ihr mich fragen: ,In was für einer Heiratsangelegenheit?'. woraus ich würde antworten:.Mit Fankel, dem Tischler Iankel!' Ihr würbet weiter fragen. was ich als Mitgift gebe, und ich würde sagen: ,Das ist ia eben die Sache!.. Aber wo!.Kein Gedanke! Ihr habt überhaupt nach nichts gefragt. Da überlegt« ich mir die Sache noch einmal und erzählte Euch selbst, wen die Heirats-ange- legenheit betraf. Ich lobte'den jungen Mann in den Himmel, wie er es in Wahrheit auch verdiente,— kurz, ich redete.— aber Ihr schwiegt immer noch! Ich sah, baß meine Worte Euch sehr wenig angingai, wie Pflegt man doch zu sagen: in ein Ohr hinein, zum anbern hinaus I Da dachte ich mir: Was soll ich hier lange Politik treiben, am besten iage ich Euch alles und ziehe, wie man zu sagen pflegt, den Zahn mit der Wurzel heraus! Aber was erfolgte? Ihr habt mir mein« Bitte abge- schlagen, mich, wie einen Toten, mit kaltem Wasser begossen!" „Ich habe Euch mit kaltem Wasser begossen? Was habe ich Euch denn gesagt?" „Wollt Ihr, daß ich Euch einen Beweis gebe? Eine Dummheit vergißt man nicht. Ihr habt sogar gefragt, ob ich den Euer Verwandter sei, baß Ihr einen Hunderter an mich fortwerfen solltet?" „Wahrscheinlich habt Ihr mir nickst gesagt, zu welchem Zweck Ihr das Geld brauchtet." „Und noch wie habe ich es gesagt! Ich will Euch gleich einen Beweis geben: Ihr habt mir damals nämlich erwidert: ,Und wenn Ihr den Einfall haben solltet. Euch mit Rotschild zu verschwägern?!...' Und als ich Euch sagte, daß der Bräutigam Geige spielte, fragtet Ihr mich:— eine Dumm- heit vergißt man nicht—.Warum gerade Gcjge? Warum nickst Trompete?' Ich kochte vor Wut, ich wollte aus der Haut fahren, lind Ihr habt gespottet und faule Witze gemacht I Wahrscheinlich wart Ihr in guter Laune..." Der Tepliker Millionär Scholem Beer TepUker aus Teplik hatte sich die Geschichte angehört, der Schweiß rann ihm vom Gesicht, aber er schwieg. So ausführlich erinnerte er sich der Sache nicht mehr, ober daß es sich um einen Hnn- berter gehandelt hatte, das wußte er bestimmt... Er schämte sich jetzt vor sich selbst, baß er damals einem armen Juden einen Hunderter abgeschlagen hatte, obgleich es für ihn eine Kleinigkeit gewesen wäre, ihm zu Helsen, weil er genug Geld hatte, während es für dar Juden von größter Bedeutung war, das Geld zu bekommen. Die Sache als solche interessierts ihn augenblicklich so sehr, daß er den roten Beril fragte: „Nun, und was ist damals ons der Hochzeit geworden?" „Gar nichts." „Was beißt: Gar nichts?" „Ter Tischler wollte nichts davon wissen, und wenn er auch dadurch das Schlimmste heraufbeschwören sollte." „Und Eure Tochter, das junge Mädchen?" ..Meine Tochter?! O weh mir! Sie liegt Won lange in der Erde! Ich selbst habe sie begraben, habe mein Kind ins Grab gebracht....DaS heißt... Was konnte ich dfckür? Ich konnte das Geld nicht schaffen! Ich wartete ein Jahr, ein zweites,— einen jüdischen Minister gibt es nicht... und die Stiefmuttor... Kurz, ich habe sie mit einem Buchbinder der- heiratet, einem frommen, aber sehr armen Mann, der kränk- lich war. an da Schwindsucht litt. Er quälte sich mehrere Jahre, bann starb er und hinterließ als Erbschaft drei Waisen- kinder. Sie hat sich von ibm angesteckt und starb ein Iabr später. Nun. versteht Ihr die Geschickste?... Und jetzt, nickst aenug, daß ich unberufen Kiaber aus beiden Ehen habe, muß ich noch für drei verwaiste Enkelkinder sorgen. Dafür sollt Ihr aber die Kinder sehen— unberufen! Ich weiß nicht, ob der reichste Mann so wohlgeratene Kinder hat, und wenn man in der ganzen Welt herumsuchen wollte! .Großvater, wohin führt man dich?' fragten die armen Kipdor, als man mich verhaften ließ. .Nach Geißen,' sagte ich,.ich reise aus einen Tag dorthin. Ich bringe euch von dort Schokolade mit...' Glaubt Ihr, baß sie nicht verstanden haben, daß ich eine Lüge sagte? Ihr hättet sehen sollen, wie sich alle drei um mich herunistelltcn, wie die Schäfchen,— aber geweint haben sie nickst! Nur ihre Aeußlein füllten sich mit Tränen. Ihr könnt Euch nickst vorstellen, was das für Kinder sind! Haman Jwanowitsch nahm aus seiner eigenen Tasche einen Gulden heraus und schenkte ihn den Kindern,'damit sie sich Süßig- ketten kaufen." Handeltvon demJünglingHenichund seinen Hausgenossen. Da rote Beril brach das Gespräch zur richtigen Zeit ab, erhob sich von seinem Sitz, reckte sein krankes Bein ein wenig, trat zu Henich heran und versetzte ihn einen Nasenstüber. „Hör nur, Schlanihl, hast du dich ausgeschlafen?" Henich mit den: Starauge fuhr bei dem Nasenstüber auS dem Schlaf, wischte sich die Augen und bemerkte, daß der Reichs auf ihn schaute. Da sprang er von der Erde auf und begann nach seiner Art zu stammeln: „Eingeschlafen war ich gar nickst, ich dachte nur, ich'dachte immer daran, so wahr ich ein Jude bin. daß mein Bruder David Leib älter ist als achtzehn... Und was soll mit den Kindern geschehen?" „Was der zusammenrgbet! Brennen soll er in da Hölle!" sagte der rote Beril zu dem Reichen,„ein wahrer Schlemibl! Könnt Ihr Euch vorstellen, daß ich im Vergleich mit ihm ein reicher Mann bin? Er hat es mir zu verdanken, daß sein Bruder David Leib jetzt eine gute Stelle hat und unberufen ein Gesindel von acht fressenden Mäulan ernähren kann." „Neun, müßt Ihr sagen!" verbesserte ihn Henich in seinem Kauderwelsch„Zwei Brüder und eine alte Mutter, ein drei- zehnjähriges Mädchen in Stellung, noch ein Brüderchen, ein kleines, in einem Geschäft, und noch ein Mädchen... zwei kleine... und ein Junge in der Schule, und dann, wo bleibe ich?" „Du bist in der Erbe!" erwiderte Beril,„warst immer an Pferd und bleibst ein dummes Tier. Wie Ihr Ilm hier seht," wandte sich Beril an den Reichen,„den Tölvel, hat er einen Bruder. David Leib, der im Vergleich zu ihm ein Minister ist. das heißt, sehr klug ist er auch nicht, er ist ein Durch- schnittsmensch also kein großer Geist und kein Narr. Eine Eigenschaft hat er, er ist ehrlich, das heißt, sie sind alle ehrlich und stehlen den Leuten auf dem Markt die Semmeln nicht aus den Körben.(Forts, folgt.) steil H ttKinbern wir weiter Bis zuw Ouergestell gg, dem wir eine kurze Strecke nach Süden folgen. Ein wunderlieblichcS Bild des Friedens bietet sich uns dar. der Samith-See liegt vor uns. Die stMe, glänzende, von Hochwald bekränzte Wasierfläche spiegel: die Bäume und den Himmel in.reinster Klarheit wieder; hier und da schwimmen Wasservögel. erheben sich oder fallen plätschernd ein, auch ein Nachen gleitet über den See. Genuhreich ist die Wanderung an dem Ufer dieses märkischen Waldsees. Bei jedem Schritt haben wir einen anderen Ausblick, eine andere Umrahmung des Naturgemäldes. Mächtige, über 6 Meter Hobe Wachholder stehen hier; sie sind wahre Natur- denkmälcr. Am östlichen Ende deS Samith-Sees liegt eine Niederung, der bereits verlandete Teil des Sees. Bäume und Sträucher beginnen von ihr Besitz zu ergreifen, jedoch ist die ganze ebene Fläche noch hier und da morastig und enthält an tcsonders tief liegenden Stellen Pfuhle, deren drei bedeutendsten der Kleine Samith-See, der Mittel-Pfuhl und der Hinter-Pfuhl sind. Eine hüglige und be- waldete Zunge der Hochfläche erstreckt sich halbinselartig in die Niederung und teilt sie in zwei Arme. Besonders schön ist der Hinter-Psuhl, ein ziemlich kreisrundes Gewässer, dessen Hintergrund der sanft ansteigende Wald bildet. Wenn die Abendsonne die Kiefern vergoldet, dann spüren wir die stimmungsvolle Weihe, die uns immer wieder treibt, hinauszu- ziehen, um die Schönheit der Natur aufzusuchen und uns an ihr zu erfreuen. Es scheint uns, als sähen wir hier die Vorlage zu einem„Waldaugr" des märkischen Meisters L e i st i k o w. lieber teilweise hügliges Gelände, immer durch schönen Wald wandern wir zum Bahnhof Melchow. Erst rechts, dann links der Eisenbahn führt uns der Weg zum Bahnhos Biesentbal zurück. Bis zum Ende unserer Wanderung bleibt uns der Wald treu. Tu»ch eine Lichtung erblicken wir noch einmal vie Türme Bicsenthals, das wir heute in weitem Kreis umwandert haben. Die Stettiner Fernbahn bringt uns wieder nach Berlin zurück ob. Mhuftemüe Aweiöeutigkeiten. Zur Frage der besoldeten Magistratsmitglieder. Das Nachrichtenamt des Berliner Magistrats versendet die fol- gende Notiz t „Zu der Frage, ob nach f? 11 des Gesetzes über die Bildung einer neuen Stadtgcmeinde Berlin dem neuen Berliner Ma- gistrat auch unbesoldete Mitglieder angehören müssen, war kürzlich eine anscheinend offiziöse Notiz verbreitet worden, wo- nach das Ministerium dies bejabe. Auf Erkundigung der städti- scheu Behörden wird jetzt im Ministerium des Innern erklärt, dass dort jene Antwort nicht vertreten werde und daß das Ministerium die in der Notiz angedeutete Stel- lung nicht eingenommen habe." Die ganze Angelegenheit mutet mehr als eigentümlich an und bedarf dringend der Aufklärung. Das Ministerium des Innern gibt durch die P. P. N. am 14. August eine Auslassung wieder, die zu der Frage, ob besoldete oder unbesoldete Mitglieder, eine Stel- lung einnimmt, die der der Mehrheit im Stadtparlament offen- sichtlich nicht entspricht. Vierzehn Tage später erklärte das Ministerium, datz es die„in der Notiz angedeutete Stellung nicht eingenommen habe". Das heißt also, entweder die P. P. N haben geschwindelt(wozu kaum eine Veranlassung vorliegen dürfte), oder das Ministerium hat etwas anderes„gemeint", als es auSge- sprachen bat. Vielleicht aber gibt es im Ministerium des Innern mehiÄ�' in dieser Frage kompetente und sich widersprechende In- stanzen? Das Ministerium wird jetzt nicht umhin können, sich zu dej�Avselezenheik in einer allgemein verständlichen Sprache zu äugern, die jede Zweideutigkeit ausschließt. Kein Temonstrationszug der Oberschlesicr'i Die vereinigten Verbände heimattreuer Obcrschlesier planen im Anschluß au die ain Sonntag, den 29. August, nachmittags 3 Uhr, im Lustgarten stattfindende Kundgebung einen Temonstra- tionszug durch die Straße Unter den Linden zum Brandenburger Tor. Trotz aller Svmpatbie, die der Berliner Polizeipräsident der genannten Kundgebung entgegenbringt, ist er, wie WTB. mit- teilt, nicht in der Lage, den Demonstrationszug zu dulden, la der Zug eine Verletzung des befriedeten Reichs- tagsbannkrcises bedeuten würde. Es sind die notwendigen polizeilichen Maßnahmen vorgesehen, um ein Ueberschreitcn der Bannkreisgrenze zu verhindern. Zugleich ist Vorsorge getroffen, daß die ausländlichen Missionen vor Zwischenfällen, wie sie sich am 96. August in Breslau abgespielt baben. wirksam geschützt werden. Ter Polizeipräsident vertraut darauf, paß die Berliner Bevölkerung am Sonntag ein genügendes Maß von Selbstdisziplin cm den Tag legen ivird, um jede Störung der öffentlichen Ordnung und damit ein Eingreifen der Polizeiorgane zu vermeiden. Ter viergleisige Ausbau der Strecke Berlin-Oranienburg ist nunmhr mit'dem Umbau des Bahnhofs Birkenwerder in Angriss genommen worden. Birkenwerder ist für eine ganze Reihe umliegender Ortschaften die Güterempscmgs- und Verscndestelle. Um'den bisher ztoeigleisigen Bahnkörper in einen viergleistgen ausbauen zu können, muß der Personenbahnhof, der bisler rechts der Bahnstrecke lag. provisorisch auf die linke Seite der Bahn. der- lext werden. Da gleichzeitig auch eine Reihe von Straßenkreuzun- gen beseitig! toerden sollen, muß der Bahnkörper un-d auch der neue Bahnhof hörergelegi werden Zunächst werden die beiden neuem Gleise auf dem erhöhten Bahnkörper fertiggestellt und dann fplgt die Erhöhung des jetzigen Bahnkörpers. Zur Verlegung des Barmhofs aus die andere Seite der Verschiebegleise sind die Arbeiten bereits in vollem Umfange aufgenommen worden. Ein Fach- werkbau, das vorläufige Eaupsangsgebäude mit Dienstraum, Stellwerk usw., ist bereits im Rohbau fertiggestellt, so daß voraus- sichtlich noch vor Anfang des W'nters mit der Inneneinrichtung begonnen werden kann. Der Zu- und Abgang der Reisenden er- trügt über einen hölzernen Uebergang, der schon den Verkehr vom cklten VorortbaÄiste'g nach beiden Seiten der Bahn vermittelte. Auch der n e u e B a b n st e i g ist zum größten Teil schon ausge- sthüttet worden Zwischen Birkemverder und Borgsdorf, der nächstem nach Oranienburg zu gelegenen Station, ist der Babnkörper für die foeftwn meuen Gleise bereits aufgeschüttet, so daß hier nur noch die Gleise gelegt zu werden brauchen, um die Einfahrt zum neuen Bahnsteig Birkenwerder zu bilden. Der Bahnhof Oranien- v n r g, wie er für die Trennung des Vorortverkehrs von dem übrigen erforderlich ist,'st bereits seit längerer Zeit fertiggestellt und in Betrieb genommen. Erst nach dem Umbau der Strecke Oranienburg— Birkenwerder wird die Strecke Birkenwerder— Frohnau viergleisig ausgebaut Die Kantoren der Berliner Jüdischen Gemeinde sind wegen p e ha l t s f r a g e n in Differenzen mit der Verwal- t u n g geraten. Tie ihnen für ihre Mitwirkung bei Trauungen bis- her gezahlte Vergütung, die zuletzt 10 Mk. pro Trauung betrug. wiüd seit 1. Juli nicht mehr gezahlt. Dadurch haben sie einen Ein- nahmevcrlust, der sich aus etwa 109 Mk. pro Monat belauft. Die Knauserei der Verwaltung ist um so weniger berechtigt, da die für Trauungen zu zahlenden Gebühren wiederholt und zuletzt noch vor wenigen Monaten erhöht worden sind. Die Verwaltung geht aber noch weite? und verlangt von den Kantoren, daß.sie Bureauarbeiten mitübernehmen und ohne Bezahlung leisten. Dies« Arbeiten wur- den bisher von besonderen Angestellten ausgeführt, die nun Wohl ihre Entlassung zu erwarten hoben. Den Kantoren, die solche Ar- beiten zu übernehmen sich Ivetgern, wird Gehaltsabzug angedroht. Um eine AnSgabenbeschränkung zu erreichen, werden hier Unter- nehmerpraktiken aus einen gottesdienstlichen Betrieb angewendet! Will man mit dieser Sparpolitik nicht lieber bei den oberen Verwaltungsbeomten anfangen? Vertagung des Groß-Berlincr Wahlausschusses. Die für gestern nachmittag in Aussicht genommene Sitzung des Wahlausschusses, in der die Beratung der Personenfrage begonnen werden sollte, ist abgesagt und ohne Festsetzung eines bestimmten Tages auf nächste Woche verschoben worden. Dafür wird am Dienstag, den 31. d. M., eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung statt- finden, in der die zweite Lesung der Magistratsfrage vorgenommen werden soll. Das Reichs-Kursbuch 24 Mark. Vom Reichskursbnch soll eine neueAusgabe mit dem Winterfahrplan erscheinen. Das Reichs- postministenum kündigt sie siix Anfang Oktober an. Wir hatten aber schon vor 8 Tagen mitgeteilt, daß der Winterfabrplan auf An- ordnung des Reichsverkehrsministeriums erst zum 25. Oktober in Aussicht genommen ist. Das Buch dürfte demnach erst Ende Ok- tober erscheinen. Es kostet nicht weniger als 24 Mk. Der hohe Preis des Kursbuches hat bereits zur Selbsthilfe geführt. So bat der VcrkehrSverband Jndustriebczirk' einen eigenen„Jnduftrieftzhr- plan" geschaffen, der nur 6 Mk. kostet und, abgesehen von den Fahr- Plänen des Bezirks, auch die Fernableilungen und alle sonstigen deutschen Schnellzüge enthält. Einbruch in das WilmcrSdorfer Stadthaus. In der Nackt vom 26. bis 27. August ist ein Einbruch in das neue WilmerS- Dörfer Stadthaus an der Kaiserallee versucht worden. Auf ihrem Rundgange wurden die Wächter morgens zwischen 2 und 3 Uhr durch verdächtige Geräusche, die aus einem Zimmer des Erdgeschosses drangen, aufmerksam. Die Wächter versuchten, die Eindringlinge zu stellen. Es gelang diesen jedoch, zu e n t- kommen. Sie mußten, ohne Beute zu machen, das Feld räumen. Möglich ist, daß einer der Einbrecher durch einen Sckuß verletzt worden ist, der von dem Wächter abgefeuert wurde. Aerzte und Unfallstationen werden bicranf aufmerksam gemacht und gebeten, verdächtige Personen beim Magistrat in Berlin-Wilmersdorf an- zuzeigen. Kirchew.'inbrcchcr in Reinickendorf suchten in der gestrigen Nacht die Dorskirche heim. Sie verschärften sich mit Nachschlüsseln Eingang in das Gotteshaus und stahlen daraus einen 2X3 Meter großen blaugemusterten schweren Teppich, einen ebensolchen 1 X 1h- Meter großen Läuser und ein Becken im Gesamtwerte von 10 000 M. Es scheint sich um eine neue Bande zu handeln, die planmäßig auf Kircheneinbrüche ausgeht. Kriminalkommissar Trettin. der mit der Aufkläiung dieser Einbrüche beschäftigt ist, hat sich bisher vergeblich bemüht, eine Spur von der neuen Bande zu finden. Wertvolle Anhaltspunkte gibt das Auftauchen der gc- raubten Sachen. Wer über sie irgendwelche Mitteilungen machen kann, wird gebeten, sich im Zimmer 62a des Berliner Polizei- Präsidiums zu melden. Einbrecher im Operationszimmer. In der Nacht vom 25, zum 26. d. M. wurde das Anstaltslazarett der Brandenburgischen Provinzialschul- und Erziehungsanstalt in Strausberg von Einbrechern heimgesucht lvorden. Die Diebe baben eine Fenster- scheibe zerschlagen, sind dann durch das Fenster, in den im Erd- geschoß liegenden Operations räum eingedrungen und haben hier nach Ausbrechen von verschlossenen Schränken sehr wertvolle ärztliche Instrumente gestohlen. Als gestohlen sind zunächst festgestellt worden: 1 Mikroskop mit Kasten für mikroskopische Prä- parate im Werte von etwa 6000 M., 1 Reflektor, 1 Augenspiegel- besteck. 6 Siieltupser, 1 Knochenfaßzange, 1 Sequesterzange, 1 Schere mit Zähnen, 1 Hohlmeißelzange, 3 Bauchdeckenhalter, 4 stumpfe Wundhaken, 4 scharre Wundhaken; l�'Hakenzange mit' doppelten Haken(gerade und gebogen), 1 Kiwckenhammer(Nickel), 1 Knochen- bohrer mit Ansatzstücken, 1 Haemoglobinomcter, 4 stumpfe Schielhaken, 2 Kocherklemmen, 4 Tuchklemmen, 4 Rasiermesser, 1 Rekordspritze, 1 Provazspritze(1 Kubikzentimeter) mit Kanülenkasten, 2 anatomische Pinzetten, 1 Lupe, 20 Zahnzangen. Für die Wieder- erlangung der Instrumente wird seitens der Anstaltsverwallung hohe Belohnung gewährt. Wahrnehmungen irgendwelcher Art werden an den Polizei-Oberwachtmeister Jung in Strausberg er- beten. Jlrühere Abfahrt des Tanziger tt-Zuges IZ. Wir verweisen aus das Inserat in der beutigen Moigcnaus ade, nach dem der D-Zug 13 Berlin salt z w e i Stunden früher verlägt. Im Tom beginnen am nächsten Donnerstag 8 Uhr wieder die von Pros. Walter F is ch cj: veranilaiteten Orgelkonzerte. Mitwirkende sind Jeanne Kocitier(sopran) und Armin Liebermann(Cello). Eintritt srei gegen Entnahme eines Programms. Tie Bolkskonzertc für September ausverkauft. Die Städtischen PolkSkonzerte des Philharmonischen Orchesters jür den Monat September sind bereits ausverkauft. Jlreireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Uhr im Stadthaus, Kloslerstr. 50: Vortrag von Dr. H. Halse: Raum für alle hat die Erde. Harmonium:»Wer hat dich du schöner Wild"(Mendelssohn). Gäste will- kommen. Am 12., IS. und 26. September im gleichen Saal Jugendweihe. Einlan karten in uincren Schuicn und in der Geschäftsstelle, Papvclallee 15. Jugendweihen Groß-Serlin. Hierdurch machen wir nochmals bekannt, dag die Einlaßkarten zur Jugendweihe», t,50 M. noch in solgenden Annahmestellen zu haben sind: Charlottenburg und w e ii t i ch c Vororte: Cbarlotlenburg. Partcibureau, Nosincnftr. 1; Schönebecg, Schiechc. Rubensstr. 27; Friedenau, Mahreuboiz, Nicderslr. IS; Witmersdors, Parteibureau, Kasteiner Str. 12; Steglitz, Sz>llat, Albrechtslr. 53 Lichtenberg und ö st Ii che Vor- orte: Baranowsktz,.0 112, Niedcrbarnimstr. 4; Arndt, Skandinavische Sir. 2; Gustav Kegel. Ziittergutstr. 25. S t a d t B e r l i n: Rüdiger, 17 58, Lychcner Str. 127(2—8); Wollstein, N0 18, Lietzmamisir, 5; V, Hag, Harzer Str. 417; A. Joseph, Berlin NW 21, Wilhclinsbavcner Str. 48. Neukölln und südliche Vororte: Parteibureau, Jägerstr. 66. Treptow- Baumschulenwrg. Die Oukkerspeisung, die in der nächsten Woche wieder beginnen soll, ist diesmal dadurch vorbereitet worden, daß sämtliche Schulkinder dem Arzt vorgeiüh-t sind. Die dabei getroffene erst? Auslese hat soviel unlerernäbrte Kinder ergeben, daß eine zweite Musterung vorgenommen werden mußte, um die Allerbedürfligsten festzustellen, da diesmal nur 650 Poitionen tür den ganzen Ort— gegen 1250 im Somrger— zur Verfügung stehen. Diese Sichtung fand derart statt, daß i» den beiden Orts- teilen sämtlich« mit der Quäkern nmmer 3 und 4 klatsifizierten Kinder gemeinsam einer Aerztelommiision vorgestellt wurden. Man glaubt dadurch die objektivste Auswahl der Teilnehmer an der Spei- sung sicherzustellen. Die Ausgabe der Speisen erfolgt auch diesmal wieder durch ehrenamtlich tätige Frauen aus der Bürgerichaft, während für die Herstellung und reu Transport ein fester Beitrag von 25 Pf. pro Mahlzeit, zahlbar wöchentlich im voraus niit 1,50 Mark, erhoben wird. Das Ende deS Steglitzer Luftbades. DrZ Luftbad des Vereins für Gesundheitspflege zu Steglitz, Bergstr. 45, daZ viel von sich reden gemacht hat. muß auk Anordnung des Gemeindevorstandes nun doch am 1. September abgebrochen werden. Der Vereinsvor- stand(Geh. RechnungSrat F. W. Kaeding) bemerkt hierzu ent- sagungsvoll:„Im höchsten Grade bedauerlich ist es, daß eine solche WohlsahrtSeinrichtung vernichtet wird, ehe Ersatz dafür geschaffen worden ist." Der Verein sieht sich nun veranlaßt, die ganze Ein- richtung deS Luftbades freihändig zu verkaufen; sowohl die' Umzäunung, die Gebäude wie die Sträueher, die Rohrleitungen und Stcwdrohre, die Schrankfächer, Turngeräte(Schaukeln, Recke, Barren), Wasserbassins usw. Groß-öerliner parteinachrichten« Heute, 28. August: 23. Abt. 6 Uhr wichtige Funktionärkonserenz bei Eichler, Gollnowstr. 13. Erslbeiiien aller Dczirkssübrer notwendig. 3«.. 3k. und 32. Abt. Der sür Sonntag geplante Ausflug nach Zepernick findet des ungünstigen Wetters wegen erst am Sonnlag. den 5. Sept.. statr. Charlottenburg. Die Gruppenführer werden gebeten, heute zwischen 5 bis 7 Uhr, die sür ihre Gruppe bestimmten Plakate und Karten in Empfang zu nehmen, bzw. abholen zu lassen, Morgen, 29. August: 2. Abt. Vormittags 10 Uhr Besichtigung des Botanisch«, Gartens unter sachlundiger Führung. Treffpunkt piazise S*/, Uhr im Wirtschastshos, Unter den Eiche» 110. Meldung bei Genossen Richter. 20. Abt. Familienausflug nach Friedrichshagen. Treffpunkt morgens 8-/, Uiir Bahnhof Friedrichshagen. Slraßenbabn Schöneiche. Vormittags Besichtigung des Wanerwerks. Nachzügler 1 Ubr Paradicsgarlen Rahnsdors. Wcltipielc der Kinder uiw. Tcilnehmcitarteii beim Abteilungsvorstand und bei Lenz. Slraßmannstr. 8, sowie bei den Bezirlsführern. Um zahlreiche Be- tcUtqung wird gebeten. Arbeitsgruppe Wcdding(42.. 43., 46., 47� und 48. Abt.). B-Iuch der Kunstausstellung am Lehrter Bahnbot Führung durch Genossen Hennicke. Die Teilnehmer treffen sich um 11 Uhr vormittags in Mt-Moabit (im Eingang zum Ausilellungspark. Britz. Familienausflug nach Schöneseld. Treffpunkt mittags 1 Uhr am Buschkrug. Abmarsch bzw. Abfahrt mit Linie 47 bis Rudow, Julius- park. Von da aus Mmlch nach Schöneseid, Gemeinsame Kaffeetasel, Prciskegeln, Spiele, bnmorisiische Vorträge; abends Fackelzug und Tanz. Gäste wiillommen. Aus zahlreiche Beteiligung wird gerechnet. Oberschöneweide. Gemeinsamer Ausflug nach Biesdorf. Kinder sind miizubringeu. Treffpunkt 12'/z Uhr an der Eoangel. Kirche. « Stndtwnblkreis Prenzlauer Tor.»lbteilungsführer werden ge- beten, iämtlichc Adressen von denjenigen Genossen, welche sich betreffs Gründung eines Gesangvereins gemeidet haben, an den Genossen Kühl- rcitcr, N' 113, Stotpische Slr. 45, umgehend einzusenden. Jugenöveranftaltungen. Heute, 28. August: Wanderungen: Prenzlauer Borstadt. Schule Senefelderflr. 6/7. Melchow— Samiibsee.— Westen. Kursürslenstr. 141. Eberswalde— Kloster Chorin. 8 Uhr Bahnhos Bülöwstratze. « Niederichönhause». Im Restaurant WilhelmShoi. Kaiser- Wllhelm- Strasic 67, findet um 7 Ubr abends ein Elternabend statt. Musik. Gedicht- Vorträge, Reigentänze und Singspiele. Wanderungen am Sonntag: Borsigwalde. Badepartie nach Baumwerder.— Charlottenburg. Wanderung.— Grunewald. Schwimmtour Fahrlandersee.— Neukölln. Erkner-Löcknitz. Treffpunkt 6 Uhr Rathaus.— Weißens ec. Birkenwerder— Oranienburg.— Tegel. Patzer Vordersee. Morgen, Sonntag, 29. August: Zentraljnqendheim, Lindonslr. 3. UnterhaltnngSabend.— Niederschönhansen, Schule Blankenburger Str. 67/70. Eilcrnabend. Grosics Waldfeft der Arbeitsgemeinichait Lankwitz— Maricndorf— Manenseldc— Tempelhos. Gemeiiisainer Treffpunkt'/,2 Uhr Bghnbos Lichten- radc. Teilnehmerkarte 50 Ps.— Arbeitsgemetnschaft Wedding, Gc> sundbrnnncn. Waldseit in Papenbcrge. Ausang st,3 Uhr. Treffpuntt Ncttclbeckpiatz(Normaluhr) um 8 und 12 Uhr. fliis aller Well. Teutschböhmische Tragikomödie. Um für die tschechische Schule in Obcralistadt bei Trautenau geeignete Räume ausfindig zu machen, war die Forlsetzung der am 28. Juli durch lätiges Eingrerfcn der Bewohner unmöglich gemachten kommissionellen Verhandlungen sür den 13. August anberaumt worden. Am 13. August waren eine beträchtliche Zahl von Gen- daimen zusammengezogen und von Trautenau brachte der Kom- missionsleiter etwa 40 Mann Militär mit. Das Schulbaus wurde verschlossen und der Schuldiener, der eben die Rci» nigiingsar beiten vollendet halte, war auf Sommerfrische gegangen. Ter Gemeindesekretär halte auch seinen gesetzlichen Urlaub an- getreten, und so war auch die im Schulgebäude untergebrachte Ge- meindekanzlci gesperrt Im Orte war inzwischen bekannt geworden, es möge sich während der kommissionellen Verhandlungen von 2 bis 3 Ubr nachmittags kein Deutscher auf der Gasse zeigen. Ein um V.z2 Ubr nachmittags einsetzender Gewitterregen trug bei, daß die Parole streng eingcbalten wurde. Nur einige neugierige Kinder und richechiiche Raufbolde aus Nieder alistadt zeigte» sich. Um 2 Uhr 16 Minuten»ras Sralihaiterelrar Dr. Tauer mit den KommirnonSmngliedern ein. nachdem schon etwa drei Minuten zuvor zwei Soldaten, mit Schießprügeln bewaffnet, einer davon beritten, vor dem deutschen Schulhause Posten ge- nonrmen. Als dem Kommissionsleiter mitgeteilt wurde, daß alle Türen verschlossen seien, gab Stanbaltereirat Dr. Tauer dem mit einem ganzen Bund Sverrhaken ausgerüsteten Soldaten den Ans- trag, die Türen z» öffnen. Weil das nrcht gelang, sollte der Ge« meindesekretär herbeigeschafft werden. Der hatte eben seinen gesetz- lichen Urlaub angeireieir. Jetzt sollte der berittene Soldat den Bürgermeister holen. Doch der halte den schönen Tag benutzt,»m in die Pilze zu gehen. Inzwischen hatte sich ein Unbekannter au» Trautenau der ganzen Kommiision angegliedert und war bald mit dem Fußsoldaten hinter dem Schulhauie verschwunden, um dorr den Einbruch zu versuchen. Bald halten die beiden ein offen- siebendes Abortfcnüer entdeckt. Ein Nochbar konnte beobachten, wie die beiden unter Zuhilfenahme eines Schubkarrens das Fensteraesims er- klommen. Errief aus vollen Kiäsien:„Einbrecher! Einbrecher!" Doch die beiden ließen sich in ihrem Handwerk nichr stören und veiichwanden im Innern des Gebäudes. Wie sich ipäier heraus« stellte, baben diese zwei Ernbrecher die verriegelte Abrchlußtür ge- waltiam gesprengt und kamen so in doS Schulbaus. Weil der Schlüssel der Haupttür steckte, konnten die Einbrecher diese leicht öffnen und um 2 Ubr 43 Min. der Kommission den Zutritt erlauben. Was die Herren im Innern trieben, konnte natürlicki nicht beobachtet werden. Doch wurde bei der um 7 Ubr abends durch den Ge- mein de- und Ortsschulrat vorgenommenen Besichtigung seit- gestellt, daß die Herren im Zimmer der zwei Mädchen« klaffen und in der einen Schulleiierkanzlei Umschau gehalten. daß die beiden Einbrecher die Abschlußlür und die Riegel- Halen stark ruin'ert hallen»nd daß der Schlüssel de? HaupltoreS. der doch steckeng-' bliebe» war, jetzt fehlle, weshalb die Anzeige gegen unbekannte Tätrr wegen Hansfriedensbruch un» Diebstahl erstattet werden wird. Um 3 Uhr t7 Min. nachmitiags verließen alle KommissioiiSmitglieder das Schulbaus durch das Haupttor, durch das als letzte auch die beiden Einbrecher an die Sonne kamen. (Wir entnehmen diesen Beiicht nicht einem Nalionalistenblatt, sondern dem linkssozialistischen„Trautenauer Echo". Red.) Millionendiebstähle im Hamburger Hafen. Die Hamburger Po« lizei verhaftete 30 Mitglieder einer großs» Räuber« und Hehler« bände, die in großem Umfange Diebstähle im Hamburger Hafen ausgeführt hat. Der Werl der gestohlenen Waren beziffert sich auf 30 Millionen Mark. Der iveilauS größte Teil des Raubes ist be« rcils ins Ausland verschoben. Schießender Ausreißer. Als in Roßlau(Anhalt) Freitag vormittag drei Schutzieule einen von der Staatsanwaltschaft per- folgten Kassenräuber auS Bitterfeld im Wirtshaus festnehmen wollten, tötete der Verbrecher einen Schutzmann und verwundete einen zweiten schwer. Darauf wurde der Verbrecher von dem dritten Schutzmann schwer verletzt. Der verleumöerfumpf öes �Lokal-Anzeigers". Enthüllungen im Prozeß Scheidemann/Prinz. Die gestrige Verhandlung des Prinz-Prozesses hat einen neuen Einblick in eine Verleumderzentrale geschaffen. Tiesmal ist ihr Sitz Berlin, aber, was die moralische Ouali- tat anbetrifft, reiht sie sich der Magdeburger Spitzelzentrale würdig an, überbietet ihre Korruption sogar. Diese Verleumderzentrale hatte sich zur Aufgabe gestellt, ihr unbequeme sozialdemokratische Politiker durch Schaffung von sogenanntem„Material" zu beseitigen. Namentlich auf Genossen Scheidemann hat man es abgesehen. Auf der Anklagebank saß gestern nur ein kleiner Schacher, ein Nevo- lutionsabenteurer, der allen möglichen Parteien gedient hat, vorübergehend auch in ein Amt gekommen ist, aber schwerlich mehr gewollt hat, als sich die Subsistenzmittel für einen locke- ren Lebenswandel zu beschaffen. Der Angeklagte Prinz war nur das Werkzeug höherer Mächte. Sein Rechts- anwalt N ü b e l l stellte sich als recht st a r k m i t b e l a st e t hemus. Er hat Prinz beauftragt, ihm Material zu beschaffen und ihm Geld dafür geboten. 2000 Mark konnte Prinz als erste Rate einstecken.„Ein Darlehen" sagt Herr Nllbell. Er wird Wohl selber zugestehen, daß ein Rechtsanwalt, der einem Prinz Darlehen in dieser Höhe gibt, reif ist, unter Ku- ratel gestellt zu werden. Wir behaupten, daß das Dar- lehen nur ein Scheingeschäft war und Herr Nübell nie- mals ernsthaft auf seine Rückzahlung gerechnet hat. Freilich, Herr Nübell hat das Geld nicht selber gegeben. Dieses Geld entstammte— dem„Lokal-Anze iget". Das unparteiliche Rentierblatt zeigt sich hier in ganz eigen- artiger Beleuchtung. Es ist der Geldgeber für die dunklen Machenschaften eines Prinz. Und hinter dem„Lokal-Anzciger" taucht die Deutschnationale Volkspartei auf als Geldgeberin für verleumderische Hetzbroschü- ren vom Schlage„Rattenkönig", dessen Verfasser für seine geringfügige geistige Arbeit, also in der.Hauptsache wohl wegen seines erstaunlichen Verleumdertalents, das exorbiante Honorar von 10000 Mark erhält. Eine nette Gesellschaft! Doch nur dieses Zipfelchen wurde klar gelüftet. Die Aus- sage des Hasso von Tyszka gab weitere Anhaltspunkte für die Aufdeckung des weitverzweigten Netzes der Verleumdung. Tyszka bekundete, er habe am 6. Dezember 1918 den Mord- befehl des Kommandanten des 2. Garde-Regiments er- halten und es seien von Regimentsseite schriftliche Mordbefehle mit der(natürlich gefälschten) Unterschritt Scheidemanns mehrfach ausgegeben worden. Ein Stück besitze er noch. Befragt, von wem er es erkalten habe, nennt er den Hauptmann Marx. Tyszka erklärt sich bereit, das Schrift- stück aus seiner Wohnung zu holen. Hier hätte sich vielleicht Gelegenheit geboten, einmal die ganze Angelegenheit mit allem Drum und Dran klarzustellen. Aber diese Möglichkeit scheiterte an der Haltung des Ge- r i ch t e s. Der Antrag des Justizrates Dr. W e r t h a u e r s, Scheidemanns Rechtsbeistand, den Tyszka unter Bs- wachung das Schriftstück holen zu lassen, eS jedenfalls zum nächsten Termin zu besorgen, wird vom Gerichl mit Stillschweigen übergangen. Auf Befragen bestätigt der Zeuge von Tyszka, daß er bereits im Vor- verfahren der Staatsanwaltschaft den Besitz des Schrift st ückes mitgeteilt habe. Aber der Staatsanwalt schien ganz andere Pflichten in sich zu fühlen, als dieses Schriftstück herbeizuschaffen. Er fühlte sich berufen, den Hauptmann Marx zu decken. In dem Moment, als der Zeuge von Tyszka diesen erwähnte, sprang der Staatsanwalt auf und erklärte, dieser sei ihm persönlich bekannt, er benenne ihn als Zeugen, daß die Angaben Tyszkas unwahr seien. Dar- auf kommt es hier nicht an, Herr Staatsanwalt, sondern dar- auf: Warum ist nicht schon in der Vor unter- suchung der Versuch gemacht worden, das S ch r i f st ü ck herbeizuschaffen, das von Tyszka zu be- sitzen behauptet? Aber noch viel katastrophaler als diese Unterlassung wirkt der gleichzeitig mit der Vertagung verkündete Beschluß des Gerichts, den Angeklagten Prinz aus der Haft zu enr- lassen. Das Gericht hält den Verdacht der Urkunden- fälschung nicht mehr für dringend. Nicht etwa, weil die Ur- künde eiht sein konnte, sondern weil Prinz behauptet, sie für echt gehalten zu haben. Die Verhaftung des Prinz war er- folgt, als er sich unter dem falschen Namen Plaumann mit einer Tänzerin auf Reisen befand. Angesichts dieses Um- standes gehört schon ein starkes Maß von Vertrauensseligkeit dazu, um anzunehmen, daß Prinz sich freiwillig zum nächsten Termin stellen wird. Hat das Gericht die Folgen bedacht, die aus einem Verschwinden des Angeklagten erwachsen würden? Dann bleibt den zum nächsten Termin geladenen Zeugen ihre Aussage erspart, und es dürsten sich darunter einige befinden, die das mit erleichtertem Aufatmen be- grüßen würden. Die restlose Entlarvung der Verleumder- zentrale würde damit unmöglich gemacht werden. Das wäre jedenfalls eine sehr bedauerliche Folge der Haftentlassung des Angeklagten. Wir beklagen lebhaft, daß diese Seite der Sache von dem Gericht anscheinend übersehen worden ist. Immerhin genügt das, was schon gestern festgestellt wurde, um das Gebahren des„Lokal-Anzeigers" und der Deutschnationalen Volkspartei bei der Samm- lung von„Material" öffentlich an den Pranger zu st e l l e n. Nachstehend lassen wir den Schluß deS Sitzungsberichtes folgen: Justizrat Dr. Werthauer erklärt, daß er auf eine Ver- nehmung des D e n n e r nicht werde derzickiten können. Der als Zeuge vernominene Heinrich Sklarz bekundet u. a.: Am 11. Juni feien bei ihm die Zeugen Alfred Pätzold und Otto D« n n e r erschienen und hatten ihm zwei Schriftstücke über- geben, die sie von Prinz erhalten hätten. Das eine sei das Original eines Mordauftrages gegen Liebknecht, die Luxem- bürg und Dr. Levy, unterzeichnet von Scheidemann und Georg Sklarz. Das zweite Schriftstück stelle die Abschrift dieses MordauftrageS dar und auf der Rückseite befinde sich der AuSzug aus einer Broschüre, welche Prinz an die Deutschnationale SolkSpartei durch Vermittluna des Rechtsanwalts Nübell zum Preise von 10 000 M. verkauft habe. Die Zahlung dieser 10 000 M. sei durch Scheck auf die Commerz- und Diskontobank in Gegentvart der beiden Zeugen erfolgt. Prinz habe ihnen gesagt, daß der Scheck, den Rechtsanwalt Nübell in Gegenwart der beiden Zeugen an Prinz übergeben, zur Bezahlung seiner Broschüre gegeben sei. Prinz habe dem Denner den Auftrag gegeben, zum Rechtsanwalt Nübell zu gehen, ihm das Original des beigefügten Mordauf- trageS zu übergeben und nach Vereinbarung 000 M. einzukassieren. Diese 000 M. sollten dann an seine Rdreffe nach Hannover tele- graphisch gesandt werden. Mit diesem Gelde wolle er dann nach Holland fahren und dort 31h Millionen Mark holen, welche von einer Plünderimg einer aus rumänischen Lei herrührenden Geldsendung sich dort befinden.— Der Zeuge verliest dann noch ein langes Schriftstück vom 12. Juli 1920, welches von Denner unterzeichnet ist. Darin heißt es u. a.: Prinz habe ibm gslegent- lich am 28. Mai erklärt, er habe eine große Sache vor, die ihm viel Geld einbringe; er wolle dem Sklarz, den er persön- lich hasse, ein? auswischen und ihm die Maske des Ehrenmannes vom Gesicht reißen. Er wolle eine Broschüre schreiben, die die Fortsetzung der bekannten, auch von ihm unerkannt verfaßten Schrift„Ter RattenkSnig" bilden solle. Der Abschluß dieser Schrift werde besonder? den Georg Sklarz und vor allem Scheidemann, die den v. Tyszka da- mals zu dem Morde gedungen haben, vor aller Oeffentlichkeit bloß- stellen. Da? werde natürl'ch eine ungeheure politische S e n f a t i o n geben. Diese neue Schrift verkaufe«r durch Ver- miftlung des Rechtsanwalt? Nübell an die Teutfchnationalc VolkZpartei für 10 000 M. Prinz babe im Hotel„Bayerischer Hos" in der Dorotheenstrasie in seiner Gegenwart die Broschüre geschrieben. Den Rest der Broschüre, der den Mordvrsüch an Liebknecht behandelte, habe er ihm in die Feder, diktiert.— Der Angeklagte erklärt hierzu, daß diese ganze schriftliche Erklärung des Zeugen fo klingt, als ob sie nicht von ihm herrühre, sondern ihm diktiert worden sei. Der Zeuge Georg Sklarz lehnt es enffchieden ab, mit dem betreffenden Schriftstück irgend etwas zu tun gehabt oder gar ein solches unterschrieben zu baben. Rechtsanivalt Nübell(als Zeuge): Der Angeklagte erschien eines Tage? bei mir und bot mir im Hinblick auf verschiedene De- leidigungsprozesse, die gegen Zeitungen schwebten, Material gegen Gebrüder Sklarz an. Ich verlangte, nur Tat-* fachen, die durch Zeugen belegt werden könnten, mitzuteilen.! Darauf brachte er mir eine? Tages eine Schrift, bei derem Durch-; blättern ich erkannte, daß wichtiges Material darin enthalten war. � Im übrigen bestätigt der Zeuge im allgemeinen das, was Prinz- über die weitere Entwicklung der Dinge gesagt hat. R'chtig sei es,! daß er dem Angeklagten schließlich darlehnsweise 2000 M. gc- � geben habe. Ter„Lokal-Anzeiger" als Geldgeber. Auf die Frage des Dr. W e r t h a u e r, woher dieses Geld stamme, nannte der Zeuge den„Lokal-Anzeiger", gegen dessen Re- daktenr Specht auch eine Klage schwebe, in der er diesen vertrete. Etwas sensationell gestaltet sich die Vernehmung des auS der i Strafhast vorgeführten Zeugen Bauführers Haffo v. Tyszka. Dieser bekundet auf verschiedene Fragen und Vorhaltungen u. a.: Ich war damals Mitglied der Republikanischen Soldatenwehr und Zugführer im Depot II 10. Ich bekam den Auftrag vom Kam- mando des 2. Garderegiments zu Fuß, Karl Liebknecht und Rosa Luremburg zu verhasten und unschädlich zu machen. Dieser Bc- fehl war mündlich und wurde mir am 3. oder 9. Dezember er- teilt. Ich nahm zwei Mann vom Depot mit, deren einer in Wahr- Heft„Falke", nicht aber, wie der Angeklagte irrtümlich angegeben, „Franke" heißt, mit und begab mich nach Liebknecht? Wohnung und forderte ihn auf, mit mir nach dem Depot zu kommen. Liebknecht erbat sich zunächst einen k u r z e n A u f s ch u b, um sich telephomsch mit Eichhorn in Verbindung setzen zu können. Nach kurzer Zeit kam Prinz in einey, Auto mit mehreren Matrosen und einem Zivilisten herbeigeeilt und fragte, nach welchem Befehl ich handle. Ich zeigte meinen Ausweis vor und Prinz nahm mich und meine Leute miteins Depot. Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge: Er besitze jetzt noch schriftliche, mit dem Namen Scheide- mann unterzeichnete Befehle dieser Art, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg unschädlich zu machen. Ich bewahre sie bei mir zu Hause und will sie, sobald ich auf freien Fuß wieder komme, in_ einer Schrift veröffentlichen. Von Dr. L e v i war darin keine Rede. Der Befehl war mit der Schreibmaschine gedruckt und trug die handschriftliche Unterschrist deS Namens Schei bemann. — Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Von wem haben Sie denn solchen Befehl erhalten?— Zeuge: Von dem Kommandeur durch die Nachrichtenabteilung, vom Hauptmann Marx. Ich könnte die Befehle, die ich noch habe, sofort bolen, gebe sie aber an niemand heraus.— Vor f.: Haben Sie an dem Abend, wo Prinz in der geschilderten Weise eingriff, den Befehl diesem gezeigt?— Zeuge: Nein.— A n g e k l. Prinz: Der Husar Falke hat ihn in der Hand gehabt, ebenso die übrigen Ausweise, die der Zeuge von Wels und von Fischer bei sich hatte.— Zeuge: Das ist entschieden unrichtig. Falke gehörte zu meiner Mann- schaft: wie sollte der imstande sein, meine Papiere durchzusehen? Das hier mir vorgelegte Schriftstück, um welches es sich in diesem Prozeß handelt, ist nicht übereinstimmend mit dem Be- fehl, von dem ich sprach.— Vors.: Sie können die Antwort auf folgende Frage verweigern: Haben Sie etwa eine solche Urkunde angefertigt?— Zeuge: Nein.— ReckstSanw. Dr. Werthauer: Ist denn damals Liebknecht nur gerettet worden durch doS E inareifen von Prinz?— Zeuge: Ich würde ihn nur nach dem Depot gebracht baben: ich erschieße keinen Menschen! StaatSanw.-Rat Hehn er beantragt die Vertagung, da er auf die feblenden Zeugen nicht verzichten könne und auch die Vernehmung des Falke für notwendig halte. Rechtsanwalt Dr. Werth« ii er schließt sich diesem Antrage an und regt an, den Zeugen Tyszkn unter sicherer Begleitung nach seiner Wohnung zu führen und zu sehen, ob nicht seine Aussage über die in seinem Besitze befindlichen Befehle doch bloß purer Schwindel ist. Der©erichtsbof beschließt die Vertagung. Zu dem neuen Termin sollen außer den beute erschienenen Zeugen noch geladen werden: die Kraftwagenführer Denner und Petzold, der Zeitungskorrespondent S t e i n b e r g, der Redakteur Specht vom „Lokal-Anzeiger", der Zeuge Falke und der Hauptmann Marx. Auf Antrag des Rechtsanwalts Nübell wurde der Haftbefehl gegen Prinz aufgehoben, weil der Verdacht der UrkundenfAschuug nicht mehr so dringend sei.— Der Angeklagte war im Laufe der Verhandlung immer da- bei verblieben, daß e r das Schriffftück für echt gehalten habe. Sriefkasten der Redaktion. H. 6. Entspricht den Gebührensätzen.— H. F. 2.?. Ja. Der Steuer- abzug bezieh! sich auf das lausende Steuerjahr.(1920/21.)— L. L. 13. 1. a) Die Mutter und die Geschwister, b) Nein c) Ja; die Mutter erhält 1li und die Geschwister erhalten 2. Unter Umständen ja. 3. a und o: Ja. b: 80 Proz. der Vollrente.— B. SS. IIS. Ja.— P. G. SO. 1. Nein. 2. und 3. Entspricht den gesetzlichen Bestimmungen. A. U. 8. Sie brauchen nur den vereinbarten Mletzin? zu zahlen.— N. 31. 25. 1. Ein Jahr. 2. Ja. 3. Ja; was üblich ist. 4. Ja. 5. Unier Umständen ja. 0. Nur aus Anordnung der Polizeibehörde.— O. W. 46. 1. Ja. 2. An die Krankenkasse.— C. B 1001. Unseres Erachte»? bestehen dagegen keine Bedenken mehr. Die Löschung ist sicherlich ersolgt.— SS. F. Zweitelhast. Versuchen Sie Ersatz der Kosten vom Vermieter zu erlangen. F. I. Sämtliche Zcittchrislen und Zeitungen finden Sie n i r- g c n d S ausgelegt; die bedeutenderen im Lesesaal der Staatsbibliothek (Unter den Linden) und in der öffentlichen Bibliothek und Lesehalle. Adal- bcrtstrasie 41.— E. D. 66. Die Ihnen abgesordertcn Steuern sllr Aprils» Inn! 1920 müssen Sie zahlen. Der Steuerabzug soll die künftigen Steuern im voraus sicherstellen. �...... � (Sntiiieiitil !3Ei Reifen die Qualitätsmarke mit der seit 50 Jahren bekannten Schutzmarke liefert jede KM- q. MhaiüH Am 26. August oerschied nach langem, schwerem Leiden der GeschästsMhrer der SIRgemeinen Ott». tranieakasse der Stadl v-rlla-SchSneberg, Herr Verwaltungsdirektor Hermann Dannefeldt. Wir betrauern den Perlust diese» seit 23 Jahren mit treuefter Hingabe sllr die Kaste tätigen Beamten, besten unermüdliche» Jntereste und warmes Herz sllr die Mitglieder, besten Wohlwollen leinen Mitarbeitern und An- gestellten gegenüber ihm ein dauerndes, ehrende» An- denken sichert. Die Beerdigung findet am Montag, 30. August, nach- mittag» 4 Uhr, auf drm asten Echöneberger Kirchhof, Hauptstr. 46, statt. 147/14 Oer Vorstaad. Danksagung. Für die anläßlich de. Dahin- scheiden» meiner lieben ffrau, tmserer guten Mutter erwiesenen Aufmertsamteiten sogen vir allen Verwandten, De- iannten und Freunden sowie lüiclern de, Hanse» unseren iefgefllhstesten Dank. 143/1 Berlin. 26. August 1320. IM. Stäche nebst Sindern. Doppelflinten Drilllnce, Pistolen, kauft I Frank, W 8, Markgrakenstr. SO. I HornhautbUdung entfernt mit obloluter Eichrrhest Reichels „voseo". Einzige» Radital- mittel für eingewurzelte und schmerzhafte Lewen. Eett vder 26 Jahren bewährt. M. 3,60 Otto Reichel, Berlin 43 Ettenbahnstr. 4. 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In einer Note an den polnischen Volksabstimmungsloinmissar K o r f a n t y sagt der Hauptausschutz der vereinigten deutschen Parteien und Gewerkschaften samt dem deutschen Abstimmungs- kommissariat, datz die bereits mitgeteilten polnischen Äorschläge die Z u st i m m u n g der Deutschen finden. Dabei ist nachzutragen, datz über Ausnahmen, die durch berufliche, geschäftliche oder sonstige billige Interessen der Betreffenden gerechtfertigt sind, eine paritätische deutsch-polnische Kommission unter dem Vorsitz eines Interalliierten entscheidet. Punkt 3 und 4 lauten wörtlich: ..Die Weigerung, die Waffen niederzulegen oder abzugeben, soll mit den schärfften Strafen, mindestens mit einjähriger Zucht- hausstrafe und mit Verlust des Ahstimmungsrechtes geahndet werden. Von den politischen Parteien und Gewerkschaften auf pol- nischer und deutscher Seite soll ein gemeinsamer Aufruf an die Bevölkerung zur Rückkehr und zum Frieden erlassen werden." Die deutsche Zustimmungserklärung bezweifelt, datz die Aus- Weisung aller seit dem 1. August 191Ö Zugezogenen nach dem Ver- sailler Text zulässig ist. Sie sagt weitet: „Es liegt im Sinne Ihrer Vorschläge, wenn wir im Jnter- esse des Friedens in Oberschlesien und der Sicherstellung dauern- der ungestörter Fortführung des Wirtschaftslebens noch folgende Punkt« hinzufügen: 5. Jeglicher Terror gegen Anders- denkend« hat zu unterbleiben, insbesondere ist jede Einwirkung durch Gewalttätigkeit oder Drohungen in Arbeitsbetrieben oder Privatleben, jeder Zwang wegen Zugehörigkeit zu einer poli- tischen oder wirtschaftlichen Organisation untersagt- Zur U e b e r w a ch u n g der Durchführung dieser Verein- barungen ist für das Abstimmungsgebiet eine paritätische deutsch- polnische Kommission unter Vorsitz eines Interalliierten einzu- setzen. Als ersten Akt des ernstlichen Willens beider Teile zur Durchführung der getroffenen Vereinbarungen halten wir die sofortige Veröffentlichung des unter Punkt 4 vorgesehenen Aufrufs für notwendig. Wir sind dazu bereit und erwarten von Ihnen das gleiche. Sie haben unseren Vertretern versichert, dätz ein Aufruf Ihrerseits den Frieden in Obrrschlcsien binnen 48 Stunden wiederherstellen würde. Sollten Sie daher zögern, so müßten wir daraus entnehmen, datz Sie den gegenwärtigen ungesetzlichen Zustand billigen und datz Sie zur Verwirklichung Ihrer Zusagen nicht gewillt oder nicht in der Lage sind." Die Verhandlungen über diese Note haben Freitag nachmittag begonnen. Inzwischen haben Korfanth und sämtlich« polnischen Organisationen einen Aufruf an öie polen erlassen, in dem«S heißt: „Die Sicherheitspolizei verläßt Oberschlesien. Es werden Bürgcrwehren gebildet, die bis zur Uebernahm« deS Sicherheitsdienstes durch die AbstimmungSpolizei Dienst tun werden. Die alliierte Kommission in Oppeln hat sich weiter darauf geeinigt, datz zugewanderte Deutsche, die in Obcrschlesi«n Unruhen und Pogrome gegen die Polen veranstalteten s??), ausgewiesen wenden. Ferner werden in allernächster Zeit polnische Kontrolleure bei den Behörden angestellt, die darüber wachen werden, datz in den Aemtern keine Waffen oerborgen und dort keine Pläne gegen die polnische Bc- völkerung(?) geschmiedet werden. Die Verhandlungen betreffend die Bezahlung der Streiktage werden mit den Arbeitgebern noch geführt. Bis dahin haben wir erreicht, datz infolge des Streiks kein Bergarbeiter geschädigt wird in bezug auf Urlaub, Deputät- kohle und Ueberschichten. Falls, die Arbeitgeber sich darauf nicht � einlassen sollten, sollen die Bergarbeiterorganisationen namhafte Unterstützungen zahlen." Weiter beißt es: „Die Lage ist derart, datz durch einen weiteren Streik und Un- ruhen unsere gerechte Sache nur- leiden würde. Wir rufen Euch deshalb zur Aufnahme der Arbeit auf, zumal die Gründe zum Streik nicht mehr vorhanden ssnd. Gleichzeitig rufen wir auch zur Abgab.' der Waffen auf. Diese sollen bis zum 28. August, mittags 12 Uhr, bei den Gemeindevor- sichern niedergelegt werden. Ferner müssen sofort alle Angriffe auf die deutsche Bevölkerung, die Revisionen in den Häusern, Straßenbahnen, Eisenbahnen und in den Straßen unterlassen werden, damit Ruhe eintritt. Ter Kampf, den wir geftihrt, war ein Kampf um die Gleichberechtigung, auf die die polnische Be- völkerung umsonst gewartet hat. Jetzt, wo wir das Ziel erreicht, müßt Ihr unbedingt unserem Ausrufe Folge leisten, damit wieder Ruhe und Ordnung in Lberschlesien eintritt." „Vir haben die Macht!" Die Drohungen des Märkischen Selbstschutzes. Mit welcher Frechheit der„Märkische Selbstschutz" sich seiner Auflösung widersetzt und mit welcher Selbstverständlich- keit er dabei offenen Ungehorsam und Aufleh- n u n g proklamiert, das zeigt ein Aufruf, der die ganze erste Seite des„Ruppiner Tageblattes", Nr. 193 vom 27. August 1920, bedeckt. Wir zitieren die besonders hervorgehobenen Schlußsätze: Uns schreckt kein Zuchthaus, keine Todesstrafe, den« auf unserer Seite ist das sittliche Recht und— Gott sei dank— die Macht. Thirun» bleibt der Selbstschutz bestehen, solange«ir rS für nötig halten. i�er Aufruf trägt etwa 40 Unterschriften. Sein Wortlaut läßt nicht den geringsten Zweifel, daß zur offenen Auf- lehnung gegen Gesetze und gültige Ver- ordnungen unter Berufung auf die physische. Macht des Selbstschutzes aufgefordert wird. Der Ausruf:„Wir haben Gott sei dank die Macht!" ist übrigens eine schöne Illustration zu der Behauptung der reaktionären Presse, daß die Waffen in den Händen der Arbeiterschaft seien. Unter den 40 Unterzeichnern, die erklären, daß sie kein Zuchthaus schrecke,-befindet sich übrigens ein Eulenburg auf Liebenberg. Sollte es Phili Eulenburg sein...? In jedem Fall liegt hier eine strafbare Auf- forderuug zum Ungehorsam vor. Was g e- denkt der Herr Staatsanwalt zu tun? Bewaffnung üer Technischen Nothilfe) In Nr. 424 vom 26. August 1920 brachten wir unter der -Ueberschrift:„Bewaffnung der Technischen Nothilfc?" ein Rundschreiben der Ortsgruppe Stettin der Technischen Not- Hilfe zum Abdruck. Die Haupt st ellederTechnischeu N o t h i l f e bemerkt hierzu: 1. Der Wortlaut des Schreibens ist in eini-zen, und zwar in wesentlichen Punkten, nicht richtig wiedergegeben. 2. Das Schreiben der Ortsgruppe hatte den Zweck, die Mit- glieder der dortigen Technischen Nothilfe darauf hinzuweifen, datz es auch für sie, wie ftir alle anderen Bürger, eines besonderen polizeilichen Waffenscheines zum Waffentragen be- darf. ES war bei dem klaren und bekannten Sachverhalt völlig unnötig datz das Schreibe« vom Ortsgruppewftchrer vertrau» lich abgefaßt Wochen ist und dadurch, nur den fälschlichen Anschein einer geheimnisvollen Wichtigkeit er- weckte. Im übrigen ist die ganze Angelegenheit bereits überholt, da im Verlauf der weiteren Bekanntgabe der Bestimmungen des Entwaff. nungSgefetzeS inzwischen angeordnet worden ist, datz sich die Dienst- stellen der Technischen Nothilfe mit der Frage der Bewaffnung überhaupt nicht dienstlich befassen, weil dies nach dem Entwaffnungsgefetz eine-rein private Angelegen- heit deS einzelnen geworden ist und, in das Zuständigketts- gebiet des Entwaffnungskommiffars gehört. Hierdurch sind die von Ihnen an diesen Einzelfall geknüpften Folgerungen hinfällig." Wir nehmen davon Kenntnis. Wie die„Hauptstelle der Technischen Nothilfe" selbst zugibt, war die geheimnisvolle Aufmachung des Rundschreibens durchaus angetan,. Verdacht zu erwecken._ Die Mecklenburger Waffenfunöe. Die„Deutsche Tageszeitung" hat unsere Meldung über Waffenfunde in Mecklenburg als eine Art, Kaffeefchwefternklatsch abzutun gesucht. Wir wollen ihr deswegen hier den genauen Sach- verhalt mitteilen» den wir von durchaus zuverlässiger Seite erfahren: Am Dienstag, den 17. Aiugust 1920, abends gegen 9 Uhr, be- merkte der Bahnwärter Göhrs aus Kleinen dort auf dem Wege, der von Kleinen aus über siklleniin durch den Wald nach' der Schwerin-Wismarschen Chaussee führt, etwa 100 Meter von dieser entfernt,«inen Kastenwagen. Züglcich sah er, daß sich mehrere Leute neben dem Wege im Holz zu schaffen mochten. Er teilte dies am folgenden Tage seinem Vater, dem Buschwärter Göhrs, mit. Auf dessen Anzeige wurden von der Genbarmerle Nach- forschungen angestellt, und im Walde vergraben 77 Gewehre 98, 30 leichte Maschinengewehre, 16 Kisten mit je 1450 Patronen und mehrere Kisten mit Zubehörteilen für Maschinengewehre gefunden. Am Sonnabend, den 21. August, äbertds, wurden von einer Patrouille der SicherheitSpolizel, die ebenfalls Ermittlungen an- stellte, an der Stelle, an der die Waffen vergraben gewesen waren, drei Personen mit einem Korbwagen getroffen, die angaben, daß sse gekommen wären, um Waffen in Empfang zu nehmen. Es war schon dunkel, und die Abholenden hatten sich wohl in der Person der SicherheitSbcamten geirrt, sonst wären sie kaum so Vertrauens- selig gewesen. Es waren die drei Volontäre Braun, Leo und Minke, von den dem Rittmeister von der Lülge gehörenden Gütern. Hornsdorf bzw. Eaaksow. Sämtliche drei Volontäre sind ehemalige Offizier«. Sie wurden festgenommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt. Am folgenden Tage wurden bei einer nochmals von Beamten der Sicherheitspolizei vorgenommenen Absuchung des Gehölzes 10 Gewehre 98 und 21 Mafchinengewehrläufe im Walde gefunden. Grgefck, Schieber& Co. Zu dieser Notiz in Nr. 414 deS.Vorwärt«" vom 20. August erhalten wir folgende pretzgesetzliche Berichtigung: 1. ES ist unwahr, datz die Nachrichtenabteilung in irgend- einer Beziehung zum Kapp-Putfch oder zur Orgesch gestanden hat oder steht. 2. Es ist unwahr, daß ich in Pridatdienstvertrag beim Jnf- SSWlZ,, LTV V..' � 3. Es ist iinwahr, dag unter memer Leitung mit Dienst- pkerden ein schwunghafter Handel betrieben würbe. ''4; Es'ist' endlich unwahr, dätz ich auf nnlautere Art mir Geld durch Pserdeverschiebung verschafft hätte. Kolberg, den 2b. August 1920. C. Mathv, Kapitänleutnant a. D. Wir nehmen an, datz unser.pommerschyr Gewährsmann sich hierzu äußern wird. Der fromme Rkeöel. Man schreibt unS: Der Allgemeine Eisenbahner-Verband fühlt sich veranlaßt, durch seinen Generalsekretär Riedel sowobl durch persönliche Ver- sicherung bei einer Verhandlung im ReichSverkehrSministerium wie auch durch einen Artikel im„Berliner Lokal-Anzeiger" unter seinem berühmren frommen Augcnauffchlag zu versichern, datz seine Mii- glieder ortig find und datz der böse Vorsitzende des Hauptbetriebs- raieS ohne Erlaubnis der übrigen Mitglieder des Hauptrates den Aufruf zur Kontrolle der Militärtransporte unterzeichnet hat. Demgegenüber stelle ich fest, daß in der Vollsitzung des Haupt- betritzbsrates am 7. August 1920, an der auch die Mitglieder deS Allgemeinen Eisenbahner-Verbandes teilnahmen, beschlossen wurde, leine Waffen- und MuuitionStranSporte, welche zu Kriegszwecken geeignet sind, durchzulassen.. Außerdem wurde dem Vorfitzenden Blanko-Vollmacht für etwa vorkommende Fäll«, erteilt. Weiterhin ist noch interessant, zu bemerken, datz die Zusammen- setzimg des Hauptbetriebsrates eine solche ist. datz gerade der A. E. V. die wenigst« Ursache hat, große Töne anzuschlagen: denn von. den 20 Mitgliedern deS HauptbetriebSrateS gehören ganze 2 dem A. E. V. an.'' Da außerdem sowohl Vorstandsmitglieder als auch ein großer Teil der A. E.V.-Mitglieder in'den sozialistischen Parteien organisiert sind, so wäre ich begierig, zu wissen, was dixse Miiglieber gegen die Handlungsweise ihres General- sekretärs zu unternehmen gedenken. Paul K l i bo r, Vorsitzender des Hauptbetriebsrates. ßorüerungen ües KohlenspnÜikats. Die Versammlung der Mitglieder des rheinisch-westfäfffchen KohlenshndikateS lehnte am Freitag den Antrag der Berg- Werksgesellschaft Her mann m b, H. auf Bewilligung der Ver- ka u f S b e t eil i g u»:g nach drm Ausland einstimmig ab. Die Versammlung erklärte sich ferner damit einverstanden, datz in der am 31. August stattfindenden Sitzung des Reichs- kohlend exbändeS ein Antrag auf P r ei S c r h ö h u n g um 9 M. pro Tonne gestellt werden soll, falls die Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den Arbeitnehmerorganisationen nicht zur Vereinbarung einer gicichmätzigen Verteilung der U« b e r a r b e i t-a u f d. i e e i n ze l n e u W och e n t a g e führen. Die Forderung des KvhlenfYndikatS käust darauf hinaus, daß anstatt der zwzi halben pflichtmätzigen Ueberschichten nach dem Ueberschichteitabkommen- täglich eine Stunde Mehrarbeit geleistet, d. h. der Achtstundentag im Bergbau wieder eingeführt wird. Durch die Drohung mit der Preiserhöhuny will man offen- bar' die Verbraucher für diesen Vorschlag gewinnen. Datz diese? Austreten des Kohlensyndikats im gegenwärtigen Augenblick ihrer Sache förderlich ist,' mutz bezweifelt werden. Der BefolduugSauSfchusi der LaudeSverfammlung beendet« die erste Lekung der Besoldungsvorlage. Bindende Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Der Ausschuß wird dieser Tage i« die zweite Lesung der Vorlage eintrete». Irischer tzilferuf. Paris, 27. August.(W.T.B.) Der diplomatische Vertreter der Irischen Republik hat einen Brief an'Millerand gerichtet, in dem er ersucht, die ftanzösischc Regierung möchte bei der eng- lischen zugunsten Irlands intervenieren. Millerand hat also, ein Kompenfat-ionsobjekt für Wrängel. In Belfast sind neue llnruhen ausgebrochen. An verschiedenen Stellen der Stadt wurde die Polizei angegriffen. Mau meldet auch mehrere Brandstiftungsversuchc. In der Grafschaft Cork wurden Polizeiagenten und Soldaten angegriffen und getötet. Der König von England hat nach Eingang mehrerer Tele- gramme, die er wegen Freilassung des Oberbürgermeisters von Cork erhalten'hat, einen Käbtr.-ettsrat einberufen..Die Re- gierung ist der Meinung, datz die Vergehen, die sich der Ober- bürgermeister von Eork hat zuschulden kommen lassen, so schwieriger Natur seien, datz man an eine Haftentlassung nicht denken könne, selbst auf die Gefahr' hin, daß er Hungers sterbe. Sowjetfreiheit. Der russenfrxundliche Bertrand Rüssel berichtet auf Grlmd seiner Reise nach Bolschewistien: Erstens wird abgestimmt durch Emp.orhebdn der Hände, so datz alle, die gegen die Regierung stimmen, gc- zeichnet sind. Zweitens kann kein Kandidat, der nicht Kom- munist ist, etwas gedruckt bekommen. Drittens kann er in keiner Versammlung sprechen', da die Hallen alle dem Staat gehören. Tie ganze Presse ist natürlich amtlich. In Landbezirken ist die angewandte Methode etwas anders. Man kann nicht garantieren, daß der Dorffowjet nur aus Kom- munisten besteht, da es im allgemeinen in den Dörfern keine Kommunisten gibt, aber wenn ich in den Dörfern fragte, wie sie in der Wollost öder dem Gouvernement vertreten seien, wurde mir immer geantwortet, datz sie überhaupt nicht vertreten seien. Ich konnte dies nicht untersuchen, und es ist vielleicht übertrieben. Aber alle stimmten.darin überein, datz, wenn sie einen nicht- kommunistischen Vertreter wählten,'dieser keinen Paß für die Eisenbahn erlangen und daher nicht an dem Wollost- oder Gouvernementssowjet teilnehmen könnte. Und das wollen uns auch die Herren von den Fürstenwaldc? Terroristen, die wie Ententc-Lockspitzel gearbeitet haben, bis zu Ernst Därning einbrocken!______ WirtfchQft Brauchen wir eiue Außenhandelskontrolle? Zu dieser Frage äutzert sich der Reichsbevollm»btigte der Außenhandelsstelle für Eisen- und Stahlerzeugnisse Dr- Reichert in einem Bericht folgendermaßen: „In der Sitzung des Autzenhandelsausschusses ist einmüiig der Auffassung Ausdruck gegeben worden, daß die Ausiubrregeluna. die sich im Kriege und der Revolution bisher so gut bewährt hat, nicht aufgegeben werden darf, solange nicht die deutsche Wwi- schaft zu ruhigeren Verhältnissen und namentlich die Markvalnla zu einem stabilen Wert gekommen ist. Manche Köpfe, die für eine Aufhebung der„Zwangswirlschait" in der Eutzen» Handelsregelung-einrreten. gehen von dem Gedanken daß die AuSbalanci erung der In- und Aus- landSP reife eine solche Regelung weiterhin uynölig mache.» Solche Äußerungen stellen nicht in Rechnung, datz ebensosehr Valutaänderungen eine Verschiebung in der Preisgestaltung herbeiführen können wie ein Wiedererwachen des Wettbewerbs der deutschen Ausfuhrfirmen untereinander. Sowie die deutsche Ausfuhrregelung mit den Aus- fuhrverboten aufgegeben werden würde, würden die Ausfubrver- bände verfallen und der Wettbewerb der deutschen Ausfuhrsirmen würde wieder zu einem lebhaften Kampf ausarten. Eine» solchen LuxuS der Bcrschleudcrung deutscher Werte lönucn wir uns ober uwn keinen Umständen erlauben. Daher muß unseres Erachten-: in volkswirtschaftlichen Interesse an der Außenhandel-?- r e g e l n n g f e st g e h alte n werden. Das gilr nicht, nur für die Ausfuhr, sondern auch für die Einfuhr, da gerade jetzt der Wettbewerb ausländischer Waren im Jnlande eine größere Rolle zu spielen beginnt. Dieser Wettbewerb ist durch unsere Zollpolitik nicht zu bekämpfen, da wir in der Beziehung durch den Versailler Friedensvertrag gebunden find. Daher müssen wir Meines Er- achten» auch unbedingt an den Eint uhrverboten fenhälftn, wollen wir unsere Industrie nicht dem feindlichen WetiScwerb opfern.__ Der PreiSauSgleich in der Düngemittelindnstrie. Die Um läge, die»eben den Höchftpreiien für st i ck st o f f« haltige und Phosphor säure haltige Dünge- inittel zur Erhebung kommt und einen Teil des Verbraucher« Preises bildet, dient in erster Linie dazu, die Mittel zu lchaffein um wirtschaftlich ungünstig arbeitenden We r.k.e n die W e> t e r a r b e i t im Interesse einer ausreichenden. Belieferung der Landwirtschaft mit künstlichen Düngentitleln zu e r m ög l ich e n. Die Umlage, hat ferner den Zweck, die Einfuhr von bestimmten Düngemittelarten und Rohstoffen, die zur Heisiellung künstlicher Düngemittel benötigt werden, zu fördern. Die Umlagebeträge werden, hiernach ausschließlich im Interesse der Landwirtschäft ver- wendet. Mit den auS der Umlage zur Verfügung stehenden Miireln ist es möglich gewesen, die Erzeugung von künstlichen Dünge- Mitteln bedeutend zu steigern. Frei« Maiseinfuhr. Mit Wirkung vom 1. September 1920 ist die Einfuhr von Mais freigegeben worden. Von diesem Tage., ob barf Mai« ohne weitere« aus dem Auslande eingesührl und i», Jnlande frei abgesetzt werden. Das gleiche gilr iür eine Re-He von Abfällen für Mais, soweit sie besonders werlvolle Krufikutier- mittel darsMen.''Die Vorschriften über die Einfuhr von Mais- Produkten bleihen,' ioiveit eS sich bierbei»m Erzeugnisse für die Menschliche Ernährung bandelt, unberührt. Wer aus dem Auslände Mais und die betreffenden Abfälle von Mais aus dem Ausland« einführt, ist verpflichtet, den Eingang der Ware binnen drei Tagen dem ReichSm>nister>um für. Ernährung und Landwirtichait imter Angabe de.r Menge und der Art anzuzeigen. Die Unterlaffung der Anzeige ist unter Strafe pestellr. Nebenbei werden die Grenz, ollftellen angewieien werden, über den Eingang von Mais- und Mgisiuttermitieln. sowie diese frei eingeführt werden dürfen, dem Reichsministcrillm für Ernährung und Landwirtschaft lautend zu berichten.' Die Frage der Vsrbilligung des eingeführten Maises bedarf noch her Prüfung. Abbau der Fetttewirkschaftuug.- P f In n z l i ch e und tieri» ich« Oele und Fette. jeder Art— mit Ausnahme von Bulter. Margarine und Schmalz— sowie Seifen, Lacke, Firnisse, Oel- und Fettsäuren, die auS dem.Ausland.eingeführt wurden, werden sorian nicht mehr öffentlich bewirtschaftet, unterliegen jedoch der Einfuhr- konrrolle. Die Hefebewirtschastuug wurde bis zum 30. September 1Y21 verlängert.''..... OewerMostsbewegung Konflikt zwischen öeamten unü Regierung. Das Reichsministerium des Innern hatte die Vertreter der V-eamtenortzanisationen zum Fveitcr« zu einer Besprechung über den Entwurf eines. Gesetze? über Beamtenvertretungen geladen. Zu dieser Besprechung fanden die Vertreter der gewerkschaftlichen Grohorganisationen— der Deutsche Beamtcnbund, der Allgemeine Deutsche GewevkschaftSbund und der Deutsche Gcwerkschaftsbund— auch Vertreter von Bcamtenvereinen, die sie nicht als Wortführer der Beamtenschaft anzuerkennen gewillt sind, weil sie den aus eine Bekämpfung der gewerkschaftlichen Entwicklung der. Beamtenorganisationen gerichteten Bestrebungen Vorschub leisten, In klarer Erkenntnis. der außerordentlichen Gefahren, die der Beamtenschaft aus einer Fortentwicklung solcher Störungen drohen, lehnten cS. die Vertreter der drei genannten gewerkschaftlichen Organisationen, ab, in Gegenwart jener Gegner ihrer gcwcrkschaft- lichen Politik zu verhandeln. Da der Verhandl�ngsleitcr, Staats- sekretär L e w a l d, jede Bcrücksichiigung dieser Erklärung unter schärfster Betonung des Herrenstandpunkts schroff ablehnte, ver- ließen die Vertreter der Gewerkschaften den Ver- Handlungsraum, nachdem sie nach durch eine kurze Erklärung festgestellt hatten, dag auch ein materielles Verhandeln nicht mög- lich gewesen tväre, weil das Reichsniinisterium des Innern das Material zur Verhandlung einem Teil der Grohorganisationen erst so spät, mitgeteilt hatte, daß eine Verständigung der Gewerk- schaften untereinander unmöglich gewesen war. Für den Konflikt, der aus diesem brüsken Vorgehen entstanden ist, muh dem Ministerium die alleinige Verantwortung zugeschoben werden. Die gewcrkschaftlickien Grogorganisationen sind jedenfalls nickt gewillt, sich durch eine solche reaktionäre Politik in dieser wichtigen Frage ausschalten zu lassen. Internationaler Metallarbeiterkongreß. Fünfter Tag. Kopenhagen, 24. August.(Eig. Bericht.) Der Belgier S o l a u sitzt der heutigen Tagung vor. Es wird die gestern unterbrochene Behandlung der internationalen Beziehungen— Verlegung des Sekretariats in. ein neu- trales Land— wieder aufgenommen. Der Zentralausschuh macht in dieser Sache folgende Vorschläge: 1 Ter Sitz des Bundes wird nach der Schweiz verlegt. Der schweizerische Meiall- und Ilhrcnarbcitcrverband wird gebeten, das Sekretariat zu übernehmen und umgehend die hierzu nötigen Vorbereitungen zu treffen. 2. Tie Verwaltung des Bundes lieat einem vom Kongreß zu wählGiden Vorstand ob, der aus dem Bundessekretär und drei Mitgliedern besteht. Diese werden unter Bexücksicktigung cker llbet Kongrehsprachen und ihrer Vertretungen gewählt. 3. Der Zentralaussckuß bleibt in seiner bisherigen Zu- sammensetzung und mit seinen bisherigen Zuständigkeiten be. stehen. 4. Ebenso werden die Kongresse als oberste Beschluhkörper mit ihren bisherigen Befugnissen leibchalten: Die Vorschläge werden Von Schlicke begründet, indem er darauf hinweist, daß das Mißtrauen, welches bei auSländiscken Kollegen jetzt gegen das Sekretariat besteht, nach der Meinung des s'r�ZontralausschufseS durch Berleoung in ein neutrales Land beseitigt werden könne. Als solches sei die Ick w ei,-in Aussicht ge- .. normen, weil dort für eine solche Organisation historischer Boden . sis und eine Reihe anderer Umstände, die ein ersprießliches Ar- beitcn wahrsckeinlich erscheinen lassen. Nach scbr lebhafter Diskussion, in der u. a. Merrheim in scharfer Weise gegen einen Versuch D i ß m a n n s, durch Berufung auf das Statut den Kongreß ansemanderzusprengen, polemisierte, wurden Vf e r r h c i m für das französische. Hansen für das skandinavisckw, D.i ß m a n n für das deutsche Sprachgebiet in den Vorstand geioählt. Den Engländern wird ein Sitz offen gehalten. Auf Antrag MerrheimS wurde eiste Entschließung zu- gunsken der allgemeinen gesetzlichen Durchführung der W a s h i n g- ton er Beschlüsse lAchtstmndentaa) angenommen. Damit war her Kongreß am Sckiluß seiner Arbeiten angelangt. De? Vorsitzende Sola» fBelgicr) hielt die Schlußrede, die-n Hoffnung auf Weitergedeihen der nun glücklich wiederbelebten Internationale ausklang. Merrheim dankte nach in sehr herzlicher Weise dem bis- berigen Sekretär Schlicke für seine jahrzehntelange Tätigkeit im Interesse der Internationale.' Unter den Khüngen der Internationale ging der Kongreß aus- einander. * Zur Lohiibeweguiig der Brauereiarbeiter. In einer am Freitagabend tagenden Vertrauensmänncrver- sammlung der Brauerei- und Mühlenarbeitcr erstattete Hodapp Bericht Über die Verhandlungen mit den Unternehmern. Be- kcrnntlich konnte eine Einigung über die Forderungen der Arbeiter nicht erzielt werden. Den vom Schlichtungsausschuh Grotz-Berlin gefällten Schiedsspruch haben die Unternehmer abgelehnt und auch der Demobilmachungskommissar tat de» Antrag, den Schiedsspruch für verbindlich zu erkläre», abgewiesen. In seiner Begründung der Ablehnung erklärte der Demobilmachungskommissar, daß zwar die getroffene Lohnregeluna im allgemeinen der Billigkeit entsprechen dürfte, daß er aber eine zwangsweise Festsetzung der Löohne nur dann rechtfertigen könne, wenn ein solches staat liches Eingreifen zur Aufrechterhaltung des Wirt schaftslebens. unerläßlich erscheint. Diese Voraussetzung treffe nicht zu. Nach dieser Ablehnung hat sich die Organisationsleitung noch- mals mit den Unternehmern ins Einvernehmen gesetzt. Diese er- klärten jedoch, daß sie für eine Ein gung kein Mandat besitzen und daß sie erst ihre Mandatgeber befragen müssen. Vor Dienstag könne eine Antwort nicht gegeben werten. Der Situation entsprechend empfahl Hodapp, vorläufig keine endgültige Stellung zu dieser Frage zu nehmen. Nach kurzer Diskussion ivurde einstimmig eine Resolution angenommen, die die Organisationsleitung verpflichtet, nach den Verhandlungen mit den Unternehmern unverziiglich eine neue Versammlung einzuberufen, die über die weiteren Maß- .nahmen entscheiden soll._ Streik im Stettiner Transportgewerbe. Wegen Lobnstreitigkeiten sind Freitag trüb in Stettin die Arbeiter des Transportgewerbes in den Ausstand getreten. Es kommen mehrere Tausend Arbeiter in Frage, die in der Spedition. im Warcnzrohhandel, auf den Kohlenplätzen und im Nollgewerbe beschäftigt sind. Der Grund des Streiks ist Verweigerung einer vom SchlicbtungsauSscbuh den Arbeitern zugebilligten wöchentlichen Lohnzulage von 1l> bzw. ö M. seitens der Arbeitgeber. Generalstreik in Ttuttftart? Tie TU. meldet: Eine Vollverlummlung der Betriebsräte der Stuttgarter Großbetriebe hat mit großer Mehrheit den v r s ch ä r f- ten Generalstreik, in welchen auch Gas-, Wasser- und Elek- trizitätsiverko sowie sonstige lebenswichtige Betriebe einbezogen werden, beschlosscw und einen Aktionsausschuß eingesetzt, der die näberen Bestimmungen über Umsaug und Tauer des Generalstreiks festsetzen soll. Tie Beamten der Derkehrsanstalten, von Post und Eisenbahn lehnen die Teilnahme am Streik a b. Transportstreik in Leipzig. Wvlff meldet: Durcb den Streik im Leipziger Transportgewerbe wird die bevorstehende Messe schwer geschädigt, da zahlreiche Meß- güier noch auf der Eissnbohn lagern und nicht abgeiabren werden können. Trupps Streikender durchzogen vormittags die Stadt und suchten jeden Transport von Meßgütern lahmzulegen. Es sind große Ansammlungen Streikender, vor allem am Hauplbahnhof und an den Güterbahnhöfen, zu bemerken, wo all« Transporte kontrolliert werden. Man schließe doch Frieden mit den Arbeitern, dann wird man nicht zu klagen brauchen.__ Angcstelltenstreik im Zclluloid-Grosjhandcl. Wegen Verweigerung der durch Schiedsspruch lestgesetztcn Ge- Haltszulagen sind am Freitag die Angestellten obiger Branche in Das neue ßOGRAHM derS.P.D.�'Ä"" dringlichste flieht aller Parteigenossen. Darum muß sich jeder mit den auf Anordnung des Partei Vorstandes herausgegebenen 28 Gutachten zur Revision des Erfurter Programms eingehend befassen:: Preis 8,75 Mark den Streik getreten. Die Arbeitgeber haben es scheinbar auf den Machtkampf ankommey lassen wollen, denn kaum war der Streik proklamiert, so hat sich eine der bedeutendsten Firmen sofort schrift- lich bereit erklärt, den Tarif mit allen Nachzahlungen ab 1. Mai anzuerkennen. Der Scharsmacher der Branche, Herr Simon K n o l l« r» konnte freilich dem Ausbruch des Kampfes ruhig zu- sehen, hatte er es doch verstanden, fein ganzes Personal geschlossen zum Austritt aus dem Verbände zu zwingen, um sie.individuell', d.h. noch unter dem November-Tarif zu bezahlen. Streik in den Mostrichmühleu. Die bei den Mostrichmüblen Kübne, Brunnenstr. 111 und Keil, Memeler Str. ö, beschäftigten Müller befinden sich seit dem 12. August im Streik. Der Stundenlohn der gelernten Müller be- trägt zurzeit 4.20 M., wohingegen der niedrigste Lohn der ungelernten Arbeiter 4,30 M. und derjenige der ungelernten Ar- beiler auf dem Eisigboden 4,73 M. beträgt. Andere gelernte Ar- beiler iin Betriebe erhalten 3.30 M. im Stundenlohn. Die Forderung der Müller gebt neben einer angemessenen Erhöhung des Lohnes auf Abschaffung, der neunten Arbeitsstunde täglich, die nicht bezahlt und auch nicht in Form von einer Pause ausgeglichen wird. Leider ist zu verzeichuen, daß,Lobnfuhrwerke Streikarbeit leisten und die Senskörner und Gefäße von der Fabrik zur Bahn resp. anderen Mühlen fahren und den fertigen Mostrich für die bestrerkien Firmen von dort wieder abbolen. Das muß unter ollen Ilmständen unterbleiben, und fordern wir hierdurch die in Betracht kommenden Kutscher auf, derartige Streikarbeit nicht mehr zu leisten. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeitcr. Verband der Buchbinder. Der Schiedsspruch für die Großbuchbindereien vom 13. Jaft als Nachtrag des ReichstarifS, welcher höhere Lohnsätze vorsieht, ist am 19. August als verbindlich erklärt worden. Trotzdem lehnen die Unternehmer die Bezahlung ab und behaupten, daß ver Reichs- arbeitsminister kein Recht halte, in die privaten Verhältnisse der Unternehmer einzugreifen. Was gedenkt der Reichsarbensminister zu tun, um seine Verfügung zur Durchführung zu bringen? Kollegen, übt Solidarität. n»hmt keine Arbeit in den Groß- buchbindereien an l Die Branchenleilung. Deutscher Transportarbcitervcrband. Technisches Bühnenpersonal. Sonntag, den 29. August, vormittags 9 Uhr.(SewerlschastShauS. Engel- user 14/13, Saal t, Branchenvcrsammlung. Bcrbandsbuch legitimiert. Sport. Rittmeister Weinschenck, der in Prag stürzte, zog sich einen drei« fachen Bruch des rechten Oberschenkels und eine Splitterung des Knies zu. Ter Arbeiter- Srgclklub»Fraternitas« feiert am Sonntag, den 29. d. M.. nachm. Ist, Uhr, die Einweihung i eines neuen Bootshauses aus dem Klubgrundstück in Köpenick, Marienstrahe. unweit der Kolonie Wendenschlog. An der Feier werden die verschiedensten Arbeiter-Wasser- iportvcreine teilnehmen. Es sind unter anderem auch Wasserspiele in und vor dem geräumigen Bootshasen geplant.— Freunde des Arbeiter-Wassersports sind willkommen. Arbeiter- Radsahrcrbund»Solidarität'. Ortsgruppe Berlin, 17. Abteilung. Sonnlag früh 3 Uhr und 12 Uhr, Bade- und Abkochtour nach dem Sleinitzsee.— Dienstag, abends 6 Uhr. Wcrbesabrt. Demon- stralion gegen die neuen Fahroerbote. Sämtliche Starts Fontane- Promenade IS. I» der Amol-Angelegenbeit. die der Obersten Rermbchörde zur Entscheidung vorlag, ist der iliechlsbe, stand des Nenustallbesitzers Billig von der Obersten Rennbehörde dahin verständigt worden, daß die'äußere Anwendung von Amol als ein Mittel, das die Leistungsfähigkeit deS Pferde» erhöbe und demnach verboten sei, nicht betrachtet würde. Die alte Arpile, 1907 in Frankreich gezogen, die viele Siege auf ihr Konlo brachte und ein unverwüstliches Pferd war, brach bei einem turz in Horst-Emscher ein Bein. Die Stute mußte erschossen werden. Gerichtszeitung. Ein„vorbildlicher" Amtsvorsteher. Aus Waldenburg wird uns berichtet: Ter Güterdirektor und Amtsvorstehcr Faber aus Neuhof im Kreise Striegau in Schlesien hatte sich vor der Strafkammer in Schweidnitz zU ver- antworten. Mm wurde zum Vorwurf gemacht, daß er ganz erheb- lichc Mengen von Brotgetreide, etwa 200 Zentner, teils verschrotet und verfüttert, teils gegen Köllen umgetauscht und so der allge- meinen Ernährung entzogen hatte. Ueber eine Anzahl Zentner beschlagnahmter Kartoffeln und den Verbleib von fünf fetten Schiveinen konnte der Herr vor Gericht eine nur wenig befriedi- gende Auskunft erteilen. Faber wurde zu 23 747 M. Geldstrafe verurteilt._ WcttcrauSsichten für das mittlere Nordbeutschland bis Sonntag mittag. Ziemlich tühl. im Westen zeitweise aufklarend und einzelne Regenschauer. Im Osten meist bewölkt mit wiederholten Regensällen. 2u beziehen durchi Buchhandlung Vorwärts, SW 68, LindenstraSo 2 i■ Berannvorllich iiic den redaltionrllen Teil! H. Lepsre-öermsdork:>Ur Anzeigen: Tb. üttocke. Berlin. Verlag: BorwSrtS-Berlag®. tn. b. H., Berlin. Druck! Vor« wärtS-Bucbdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Einger u. Co.. Verlia. Lmdenstr. 3. 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Warthestr. 69; Arbeitcrbuchhandlung, Berlin, Annenstr. 1, ,»nd der Bcrlaa Carl Hoqm Nachf., x>an>bnrg, Admiralitiitsstr. IS. „ffeuwirtfehaft" Liefcrungsvcremigimg derLandwirtschaft, Industrie, Stadt-, Land- u. Jndustrirarbeiterschast G.m.b.H. Berlin SW. 08, Lindenstraste 18.— Telephon: Moribplay Nr. 2863. Unter gemeinschaftlicher Mitaibeit von Landwirten und Landarbeitern liefern wir von sofort ab waggonweise Zentner Kartoffeln dirrtt igzod an Arbeitcrverbände, BctriebsorFanisatiouen, Gewerkschaften zu reellen lvrofthandclspreiscn oder im Austausch �egen ttohlcn, künstlichen Tünsscr, sowie Textilsachcn für Landarbeiter. aW- Schriftliche Anfragen sofort erbeten. Keine soilte verabsäumen, ausführlichen Prosvekt über hygienische Artikel kostenl.eirtzufordern. Auf Wunsch sachgem. Beratung Frau B. Koopmann, Berlin 220, Potsdamer Str. 104. welche, die ärztlich empf. radioaktiven Neu-Ragoczy-Heil- quellen-Hauskur SueiittlirlvW. nur in Wagenladungen, bat abzugeben TO. BrabanO. Rifige i. d. 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