i y KS Nr. 4?2 ♦ Z7.�ahraang Ausgabe A Nr. 79 Bezugspreis: D srteljährl.Za,— Me..mvnat!.ly,— Mt. fr« ins Saus, voraus zahlbar. Voll- dezug! MonatUch 10.— Mb. etfl. stu- siellunasyebühr. Unter Kreuzband für Deutjchland und Oesterreich 10�0 Mb. für das übrige Ausland bei täglich einmal,-fustellunq 21.S0 M. Vostbe- stellungen nehnien an Oesterreich, Ungarn, Tfchecho- Slowalei, Däne- n>ar!, Sollana. tiuremburz, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Dost-Üeitungs-Preisliste. Der..Vorworts*' mit der Sonntags- beilagt.Voll u. Zeit*' erlcheati wowen- taglich zweimal. Sonnlage und Man- , tags einmaL Telegramm-Adreste: .SozialOemaftal Berlin». orgen Ansgabe Verlilter Volksblstt � 3v pksnnlg � Anzeigenpreis: Die achtgeltialtene Nonrareillezeil« loste. 3.— M., TeuerungsznschlagSO«/� »kleine linzeigen'*, das fett- gedruckte Wort l,— Dl. lzuläfstg zwei iettgedruckte Worteh jedes weitere Wort SO Pfg. Etellengesuche und Schlafstellenanzeigen»as erste Wort kö Pfg..-edes weitere Wort 40 Pfg.. Worte Uber iü Puchstaben zählen für -wei Worte. Teuernnqazufchlaa äO»� Zamilien-Anzeigen für Abonnentest geile 2.—-SU. oolltifche und ge- wertichaftliche Pereins- Anzeigen 3,— Ml. die geste ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Zlummer mästen bis 5 Ahr nachmittag» im Siauotgefchält. Berlin EW 63, Linden- ftrahe 3, abgegeben werden. Seöstnet von i> Uhr früh bis ö Uhr abends. Zcntralorgan der fozialdcmokrat» fchcn parte» Deutfchlands NeSaktion unü Expsültion: EW. SS, Lin)enstr. z. lrernivreeher: Amt Moritivlati, Nr. Ilil SV— 1l>l i»7. vorWärts-verlag G.m.b. h.» EW. öS, Linöenstr. Z. Jrcrnijircdicr: Sinti Mariiiplan, Nr. 117 53—54. hü und Hott in Warfthau. Moskau, 30. August.(Funkspruch.) An den polnischen Dusjenministcr ist ein Funkspruch gerichtet worden, in dem es heißt: „Ihr Vorschlag, den Vcrhandlungsort von Minsk nach Riga zu verlegen, ist heute mit etwas Verspätung hier eingetroffen. Im Hinblick darauf, daß wir am 27. August an Sie den Vorschlag gerichtet haben, die Verhandlungen stach Estland zu verlegen, und daß wir sofort bei der estländischen Rrgrerung die hierzu ersor- derlichen Schritte getan haben, ist zu befürchten, daß ein von Ihrer Seite gemachter abweichender Vorschlag zu neuen V e r z ög e- r u n g e n führt. Die Konflikte, welche die polnische Abordnung in Minsk heraufbeschworen hat, wo die von dem Kriegszu- stände unzertrennlichen Schwierigkeiten ihr den Vorwand .zu allerlei Verzögerungen botest, und der Umstand selbst, daß Sie in Ihrer Tcpesche noch einmal diese Konflikte heraufbeschwören, läßt uns die Fortsetzung dieser verzögernden Machenschaften bc- fürchten, zumal Sic jetzt auf schon erledigte Vorfälle nochmals zurückgreifen. Gleichzeitig.mit Fhrcm Telegramm, das uns nach Niga einlädt, erhielten wir ein anderes vom Vorsitzenden des Ministerrates, Herrn W i t o s ch, der uns bittet, die technischen Schwierigkeiten der Verständigung zwischen Warschau und Minsk zu beheben, da letztere Stadt von ihm als Ort zu den weiteren Verhandlungen ins Buge gefaßt sei. Diese Verschiedenheit der Ansichten, die deutlich das Fehlen einer einheitlichen Ent- schließung der polnisstien Rcgiening beweist, ist ein Grund mehr, bei der Einladung zu bleiben, welche wir vor zwei Tage» ergehen ließen. Kampfpause im Osten. Königsberg, 30. Anaust.(WTV.) Von der ostpreußischcn Südgrenze ist nichts Neues zu melden. Uebcrtritte sind nicht mehr erfolgt.. Tie Umgruppierung der Polen hält an. Tie Frontlinie Grajrwo— Offowjrc— Bialtzstok— Brcst-Litowsk ist nur mit V o r t r« p p c n in der Richtung Oirodno— Wolkowhsk und nach Kvbrin zu überschritten worden. ES besteht nur geringe Füh- lung mit dem Feinde. Südöstlich von Eholm finden örtliche Kampf- Handlungen statt. Nördlich der galizischc» Grenze schreitet die Offensive der Armeen Budjcnnns in Richtung auf Samostje vor. Budjcnny hat den Hutzva-Fluß überschritten. Im Abschnitt Lemberg finden wechselnde Kämpfe statt. > Russischer Bericht. Moskau, 30. August. Die russische Armee hat in neuen Siel- luugen die Umgruppierung vollzogen und die> Offensive wieder aufgenommen. Sic hat bereits einige Ortsekursten in der Rühe von Bialvstok und Brest-Litowsk erreicht. In Galizien Hülben die russisch-tzkranrischen Armeen ebenfalls neue Erfolge gegen die Polew erzielt. Tie polni- fchcn Erzählungen über ungeheure Verluste der russischen Armeen gehören in das Reich der Fabel. Polnischer RcutralitsitSbrnch. Alle»stein, 30. August. lWTB.) Wie die„Allensteiner Zeitung" erfährt, betrat am 28. August abends eine polnische Patrouille deutsches Gebiet südlich von Willcnberg. Hierbei kam es zu einem Zusammen st»ß mit einer Wache der Grenzpolizei. ES entstand rin kurzes Gefecht, in dessen Vcr. lauf ein Grenzpolizist verwundet wurde. Aufnahme italienisch-ruslifcher öeziehungen! Nach einer Drnameldnnq wird in offiziellen Kreise» RomS versichert, daß die russische Sawjctrcgierung im Begriff steht, ihren bisherigen Vertreter in der Schweiz, den Ingenieur W o r o w f k tz, endgültig zum Gesandten in Italien zu ernennen. Tie gleichen Kreise sind auch der Ansicht, daß die Ernennung eines italienischen Vertreters für Rußland unmittelbar bevorsteht. Man spricht von dem Grase» deslaSoretta. Kamcnew fordert. London, 30. August.(O.E.) Kamcnew hat der englischen Regierung eine ne-ue Nole überreicht. Sie fordert: 1. Veröffentlichung aller englischen Bedingungen und Forderungen für einen sofortigen und endgültigen Frieden' mit Rußland, 2. Englischer Druck auf die p o�l n i s ch e Regierung für einen annehmbaren Frieden mit den Sowjets. In der Note wird gesagt, daß in den letzten Tagen die mili- tärische Lage Rußlands'sich beträchtlich gebessert hat und daß die Sowjets nicht nur imstande sind, Polen zu vernichten, sondern auch den Angriff auf anderen Teilen der Front zu beginnen, um einen sofortigen Frieden durch Waffengewalt zu erzwingen. Ter Grenzschutz für Ostpreusicn. Wie das Wehrkreiskommando in Königsberg Mitteilt, sind nunmehr sämtliche übergetretenen Russen in den Lagern Arys und Pr.-Holland vereinigt, wogegen für die Polen das Lager Ehdt- kuhn.cn bestimmt ist. Für die Gefangenenbenxichung sieben zur Verfugung bei Arys 3 Bataillone und eine Hundertschaft SicherheitS- Polizei, zu der noch eine berittene Hundertschaft hinzutritt. Ferner sind an der Grenze zwischen Willenberg und Lyck zum Auffangen und Weiterleiten übertretender Russen nach Arys insgesamt 4 Ba- iaillone, 6 Schwadronen, 3 Batterien, 2 Panzerzüge sowie mehrere Hundertschaften bereitgestellt. Um Bandcnbildung zu vcr- hüten, ist die Aufbietting von Orts- und. Grenzwehren beirrt Ober- präsiidmm beantragt worden.' Dem vom Oberpräsidcnten bc- rufenen Provinzialwehrausschuß gehört u. a. auch der Sekretär des Deutschen Landarbeitervcrbandes an. die Schweizer Neutralität. Bern, 30. August.(WTB.) Das Eiscnbahndepartemcnt hat 'in Einverständnis mit dem Bundesrat das Begehren des Schweiz«- rischen Eifenbahnerveribandes auf Einsetzung von Pcrsonalkom-. Missionen für die Uebcrwachung der internationalen Transporte abgelehnt. In Uebereinfttmmung mit seiner bisher befolgten Taktik läßt der Bundesrat den Dnrchtransport von Waffen und Munition nicht zu. Die dadurch notwendigen Untersuchungen des Inhalts der Züge sind vom Bundesrat angeordnet worden. Sie haben ausschließlich durch'das dazu bestimmte Personal der Zoll- und Bahnverwaltung zu erfolgen. Irgendwelche weiteren besonderen Maßnahmen könne der Bundesrat nicht zugestehen. Danzigs Wille gebrochen! Tanzig, 30. Augnst.(WTB.) In einer BerttaucnSmänner- sitzung der Tanzigcr Hafenarbeiter wurde bcschlrssen, sich den Tanziger Eisenbahnern anzuschließen und sämtliche Aus- ladungsarbeitcn gemäß den Bestimmungen des Frirdcns„vertragcS" auszuführen. Dienstag vormittag wird über diesen Beschluß der gesamten Hafenarbeiter eine Urabstimmung stattfinden. Sowjetfreiheit. London, 30. Anglist.(WTB). Die englische Arbeiter abordnnng, die kürzlich aus Rußland zurückgekehrt ist, bat den Schluß ihres Be- richtcs über die russische» Zustände veröffentlicht. Tarin heißt es n. a.; Die individuelle Freiheit und die Freiheit der Rede und der Propaganda sind in allen Fällen, stvo sie eine Bedrohung für das Sowjct-Rrgime bilden, streng eingeschränkt. Die Arbeit ist auf Grund sehr strenger Disziplin organisiert. Ten ms- fischen Bauern hat man für den Sozialismus nicht gewonnen. Großftreikgefahr in Cnglanü. Nachdem die Urabstimmung im Kohlenbergbau 406 000 gegen 132 300 Stimnien fiir den Streik ergeben hatte, der außer Lohnerhöhungen die Grubenverstaatlichung erzwingen soll, bat Genosse H« n d er s o n Lloyd George in einem Briefe aufgefordert sofort nach London zurückzukehren und in direkte Besprechungen mit den Bergorbeiler- gewerkschoflen zu treten. Henderson ist der Ansicht, daß sonst nicht viel Aussicht auf eine friedliche Regelung besteht. Irische Kämpfe. Londo*:, 30. August. lReuter.) In Belfast kam es Montag zu neuen Zusammenstößen. Es wurde mit Steinen geworfen und aus Revolvern geschossen; viele Kaufläden wurden zerstört. Mililär schritt ein, trennte die feindlichen Parteien und stellte die Ordnung wieder her. Im ganzen wurden drei Personen erschossen und 5ö verwundet. London, 30. August.(Hollandsch Nieuwsbüro.) Nähere Berichte über den Ausruhr in Oueenstown besagen, daß die schottischen Hoch- länder auS ihren Lagern mit Gewehren und schweren Metallstücken bewaffnet ausgebrochen sind und die Läden in den vornehmsten Straßen überfallen haben. Hunderte von Fensterscheiben wurden eingeschlagen, viele Gebäude überfallen und die Bewohner terrorisiert. Bis zum Morgen wurde geschosien. Die Bürger ans der Siraße wurden durchsucht und mißhandelt. Der Gemeinderat von Oueenstown ersuchte den. Marinekommondanten, statr der Soldaten nacbrs Matrosen patroullieren zu lassen. London, 30. August.(Reuter.) Montag>»ormittag brachen in Belfast neue Ausstände au»! es kam zu Schlägeriecn zwischen Unionistcn(Englandssreunden) und Sinnseinern. Zur fllanZfrage. Kopenhagen, 29. Auglust.(TU.) Dem englischen Parlament wurde ein We.ißbuch über die Alandsrage vorgelegt, in welchem die finnische und die schwedische Regierung ihren Standpunkt in der Alandfrage darlegen. Finnland spricht dem Völkerbund das Recht ab, sich in diese Angelegenheit einzumischen, und behauptet, daß sie überhaupt keine i n I e r n a t i o n a l c Krise darstelle, sondern nur einen innerpolitischen Konflikt. Nicht Finnland spi an einer Gefährdung des Weltfriedens durch diese Frage schuld. Di« s ch w'e d i s ch e Regierung weist darauf hi». daß mit der bedingungslosen. Anerkennuiig Finnlands noch nicht die finnischen Grenzen bedingungslos anerkannt loorden' seien. Man müsse der Bevölkerung Alands Gelegenheit geben, durchweine V vl k s a b st i m m u n g den Beweis zu ei Mietsteuer oöer Luxussteuer! Von Stadtrat Dr. C a s p a r i(Brandenburg a. H.). . I bringen, ob sie bei Finnland verbleiben oder wieder zu zurückkehren wolle. Schweden Der Entwurf des Gesetzes des Reichsarbeit? Ministeriums über die Erhebung einer Abgabe zur Förderung deS Wohnuugs- baucs ist, wie auch an dieser Stelle von Gen. Dr. Leonhard Holz dargelegt worden ist(„Vorwärts" Nr. 410), nichts weiter als die Verklausulierung einer allgemeinen'Mietsteuer. Mit Recht warnt Gen. Dr. Holz davor, sich durch angeblich soziale Redensarten von Regierungsseite blenden zu' lassen. Das Unsoziale einer allgemeinen Mietsteuer liegt so auf der Hand, daß' man sich wundern muß, daß ein Reichsministerium eine solche Steuer in Vorschlag zu bringen versucht. Die von allen Benutzern eines Gebäudes oder Gebäude- teils verlangte Abgabe von 15 Proz. der Friedensmiete sür das Reich und von weiteren 13 Proz. für die Gemeinden ist die schwerste Belastung weitester Schichten der Bevölkerung; und sie wird gerade diejenigen am härtesten treffen, die bereits jetzt unter der Not der Wirtschaftssührung und allgemeinen Lebenshaltung zusanimenzubreckwn drohen. Das Reichsarbeitsministrrnrm hat sich anscheinend auch darüber nicht Gedanken gemacht, daß die wirtschaftlich schwäch- sten Teile der Bevölkerung, die-Arbeiterschaft. Angestellten- schaft, Beamtenschaft und der kleine Mittelstand, versuchen werden, die Steuer von sich abzuwälzen. Man würde in den ohnehin sehr beengten Räumlichkeiten sich noch mehr Ein- schränkungen auferlegen; eine Erweiterung des Abvermietens nndi des Schlafgängcrwcsens würde Platz greisen. Weiss nian im Neichsarbeitsministerium nicht, in welchem Masse die typische Wahnungskrankheit, dje Tuberkulose, in den letzten Jahren zugenommen hat, und erwartet man dort nicht, Kass auf dem beabsichtigten Wege eine weitere Vermehrung dieser Volksseuche eintreten würde, wenn der Arbeiter und der kleine Beamte noch mehr Menschen in ihre ohnehin übet- füllten Räume aufnehmen, lediglich um die neue Wirtschaft- liche Mehrbelastung des Haushalts zu vermeiden? Auf das Widerspruchsvolle der Begründung des Reichs- arbcitßmimsterinms hat Genosse Dr. Holz zur Genüge hin- gewiesen. Der von ihm gezogene Schluss. dass nur die baldige und durchgreifende Soziali sierung des Bauwesens uns auf dem Gebiete des Wohnungswesens weiterbringen könne, erscheint mir in jeder Beziehung richtig. Ans der anderen«eite istz es aber fraglich, ob die Sozialisierung des Bauwesens' sich in so kurzer Zeit durchführen lässt, dass der vom ReichsarbeitSminisle- rinm erstrebte Erfolg, Behebung der WohnungS- not, bald verwirklicht werde. Jeder Tag' bringt neue Abhilfevorschläge auf dem Gebiete der Wohnungsnot. Es wird geschrieben und geredet, und all das Geschreibsel und das Gerede schafft die Tatsache nicht aus der Welt, dass in Deutsch- land heute Hunderttausende ohne eigene Wobnung sind oder in Räumen hausen, die aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen für den Aufenthalt von Menschen in keiner Weise geeignet sind. Was soll man dazu sagen, wenn in einer Mittelstadt wie Brandenburg mit einer Einwohnerzahl von etwa 50 OOO über 2 700 W o tz n u n g s u ch e n d e vorhanden sind, bei denen in über 700 Fällen höchste Dringlichkeit besteht? Wie die Verhältnisse hier, so liegen sie heute leider allent- halben in Deutschland. Andererseits steht fest, dass es heute in Deutschland noch genügend Menschen gibt, denen weit mehr alS hinreichend Wohnräume zur Verfügung stehen. Es ist auch nicht zu leugnen, dass»ie Rationierung der Wohnräume ans den verschiedenste» Gründen heraus ans erhebliche Schwierigkeiten stösst. Angesichts der Tatsache, dass auf der einen Seite Hunderttausende von Menschen keine oder ungenügende Wohnräume besitzen, dass aber ans der anderen ebensoviel Menschen Wohnräume besitzen, wie sie ihnen in dieser Zahl angesichts der bestehenden Notlage anderer Schichten der Bevölkerung nicht zukommen, drängt sich die Folgerung auf, dass wir zlvar nicht zu einer allgemeinen Mietsteuer, wohl aber zu einer W o h n u n g s l n x u s- st euer kommen müssen. Diese Steuer soll an einem Fall, der. jüngst auch die Presse beschäftigt hat, näher erläutert werden. Ein Millionär bewohnt mit seiner, Frau und seinen Bediensteten in Berlin am Knrfürstendamin eine Zwanzig- zimimerwohnung! Es dürfte wohl auch genügen, wenn diesen Leliten als Wohnungsnotbedarf etwa vier Räume zuge- billigt werden. Die überschiessende Zahl von Räumen wird stcucrilch so ersaßt, dass, wer sich heute den Luxus leisten kann, über den Wohnnngßnotbedarf hinaus Räume zu bewohnen(und denigemäss Bedienstete zu halten!), /jeden derartigen Raum an- gemessen versteuern muß. Eine angemessene Besteuerung wäre beispielsweise darin zu erblicken, dass jedes über den Woh- nungsnotbedarf hinausgehende Zimmer, von 100 M. angefangen. um weitere 100 M. versteuert wird, so dass also das erste Zimmer 100 M., das zweite 200 M., das dritte 300 M. usw. erbringen würde. Der erivähnte Millionär würde an Wohnungsluxussteuer pro Jahr 1-l 600 M. zahlen. Es könnte eingewendet werden, dass manche Leute schon aus der Friedenszeit grössere Wohnungen besitzen, die sie nicht ohne weiteres heute aufgeben können. Nun gut. dann - sollen diese Leute entweder die über den Wohnungsnotbe- darf hinausgehenden Räume zur Verfügung stellen, oder sie sollen, falls sie dies nicht wollen, die Luxussteuer zahlen. Die Tatsache, daß heute jeder Luxus treibt, der mehr Wohnräume besitzt, als für seinen Notbedarf er- forderlich ist, läßt sich nicht bestreiten. Ob diese Steuer reichsgesetzlich einzuführen wäre, steht dahin. Die preußischen Gemeinden können sie von sich aus heute angesichts des Kommunalabgabengesetzes von 1893 s§23) nicht erheben. Ratsam erscheint mir, die Steuer dem Reiche zu geben, das seinerseits die Einnahmen dort verwende, wo die Behebung der Wohnungsnot am notwendigsten ist. Es ist'durchaus gleichgültig, ob die von dem Charlottenburger Millionär gezahlte Steuer der Behebung der Wohnungsnot in Charlottenburg oder im Nuhrgebiet zugute kommt. Die Haupt- fache ist aber, daß bald ein Anfang gemacht wird, daß man den Plan einer allgemeinen Mietstener fallen läßt und dafür eine Wohnungsluxus st euer wählt. Sie erscheint mir als ein wertvoller Beitrag zu den Baukosten, die der Staat als Bauherr, um auf die Halzschen Vorschläge zurückzukommen, aufwenden müßte. Ueber die Einzelheiten wäre zu sprechen, sobald der Frckge der Einführung einer solchen Steuer ernstlich nähergetreten wird. Vorerst soll an dieser Stelle die An- regung dazu gegeben werden in der Hoffnung, daß dem ge- schriebenen Vorschlag bald die praktische Tat folgen werde. Der„imsihmlöige" Maretzkp. Vergeßlichkeiten bdsr„Täglichen Rundschau". Die„Tägliche Rundschau" bringt die Meldung,, daß das Disziplinarverfahren gegen den Bürgermeister von Lichten- berg, Dr. Maretzky, wegen Beteiligung am.Kapp-Putsch vom Bezirksausschuß Potsdam eingestellt worden ist, well der Bezirksausschuß der Ansicht ist, daß Mavetzky den Kapp-Putsch nicht nur gemißbilligt, sondern sogar zu ver- hindern gesucht hat und daß keine der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen erwiesen sei. Im Anschluß daran entrüstet sich das Parteiblatt des Herrn Maretzky über„die leicht- fertige und gewissenlose" Art, mit der die Gegner Maretzkys Beschuldigungen gegen diesen erhoben hätten. Wir kennen nicht das Beweismaterial, auf Grund dessen der Bezirksausschuß das Verfahren eingestellt hat, aber soviel wissen wir genau, daß wenige Wochen vor dem Putsch Herr Maretzky in einer Rede in Frankfurt a. O. ausgeführt hat, daß zur Gewalt gegriffen werden müsse, wenn die Regierung keine Neuwachlen aus- schreibe. Den gleichen Gedanken hat Herr Maretzky auch schriftstellerisch vertreten, wenn uns nicht das Ge- dächtnis ganz und gar täuscht— in der„Täglichen Rundschau"! Von„leichtfertigen" und„gewissenlosen" Beschuldigungen gegen Herrn Maretzky kann daher gar keine Rede sein. Denn selbst wenn Herr Maretzky wirklich an dem Putsch selber unbeteiligt sein sollte(was wir durchaus dahin- gestellt sein lassen), so hat er durch seine vorherige Aufforde- rung zu dem tatsächlich erfolgten Verbrechen jeden Verdacht gegen sich selber begründet. In ihren weiteren Ausführungen spricht dann die„Tag- ßche Rundschau" von der Notwendigkeit,„die dauernden B e- drohungen der Verfassung durch Sozialdemo- kraten und Kommunisten zur Verantwortung zu ziehen". Wir gestatten uns die öffentliche Anfrage, wo die„Tägliche Rundschau" etwas von Bedroljung der Verfassung durch die Sozialdemokratische Partei bemerkt hat. Es Ware ja auch ider vollendete Wahnsinn, wenn die Sozialdemokratie Plötz- lich die Verfassung umstürzen wollt«, die sie nicht nur selber geschaffen,. sondern unter Einsatz aller Mittel gegen die Putsche von rechtZ wie von links verteidigt hat. Aber das Blatt der„Gebildeten aller Stände" glaubt wohl der In- telligenz seiner Leser jede Narretei vorsetzen zu können. Im alliierten veutsthlanö. Bon Kurt Heinig. Der Aug fuhr in Wiesbaden ein. Die Bahnhofshalle •lax wie ein zu weit gewordener Anzug. Am ZeitungSstand ein •nicht unintelligcnt aussehender Marokkaner, er kauft daS„Echo im Rhin", da» Rheinecha. Die Zeitung der Sieger im besetze Lande. Ich mutz an die Bahnhöfe in Belgien denken. Sie sahen jahrelang genau so auS, viel zu groh, alle Matze verzerrt, und deutsche Soldaten kauften den„Belgischen Kurier". Er war auch nationalliberal.' In Brüssel habe ich manchmal versucht, mich in die Stim- ntung der Belgier gegen die deutsche Besetzung hineinzudenken. Ost bin ich erschrocken, wenn man mir, den man näher kannte, unverhüllt, lodernd von Hätz, in die wahren Gefühle einen Ein- blick gab. ES tat mir weh, weil die Erbitterung dem Lande galt, in dem ich geboren bin, das ich liebe. Aber ein Tag in WieS- baden genügt«, um jene Belgier ganz zu verstehen. AIS ich im VolkShauS einmal mit dem bekanntesten belgischen Gewerkschaftler über die deutsche Ausstellung soziale Fürsorge" sprach, ant- wartete er mir: Wir wollen Eure soziale Fürsorge gar nicht, wir wollen trockenes Brot essen, wenn Ihr nur wieder auS Belgien herausgeht..Ich kann mir vorstellen, datz Belgieu in Wiesbaden ähnlich sprechen würde. Wiesbaden ist keine hätzliche Stadt; vornehmes Aeutzere. breite Stratzen. Die Schutzleute müssen vor jedem Osstzier stramm salutieren, die Wachtparade zieht aus, die hohen General« haben di« besten Wohnungen; alles, waS man braucht, mutz die Stadt liefern, Posten mit aufgepflanztem Bajonett, vorsichtige deutsche Unterhaltung, überall sollen Spitzel sitzen, hin uiid wieder An- freundung d«S Militärs, hauptsächlich mit weiblichen Einheimischen. Verordnungen, Plakate. Dazu rasche Militärautos, hier stark auch von Damen mitbenutzt. In den Lokalen, im Kurpark ist die herübergekommen« Verwandtschaft, das französische Mädchen, der Vertreter des Handeis und der Valuta deutlich merkbar. Ich mützte laut lachen. Ja, daS war ja Brüssel unter deutscher Be- sstzung. Regiert wird wie in— Belgien. Bei uns droht« gleich daS Gefängnis, hier das Prisoß. Bei der'Militärmaschine oben manchmal ganz ordentliche Absichten, wenn nicht gerade Be- schränktheit und Siegergesühl dazu kommen, unten Gutmütiges und Bösartiges im Durcheinander der Charakter«, wie es sich nun gerade gibt. Beschlagnahme ist daS eutscheidende Wort, damit wird alles regiert. Die Stadt mutz Bordelle einrichten, Offi« zierSwohnungen besorgen, einquartieren, wegtransportieren, her» schaffen,— gegen Requisition»schein mutz alleS gemacht werden und geschieht alles. Die Spitze der fiosti! war mir immer di« Wachtparade. Ich Der unabhängige Zwiespalt. Stöcker und Däumig„fest eutschlossen". In der Debatte über den Anschluß an Moskau nimmt nunmehr in der„Freiheit" der Moskau-Delegierte Walter S t ö ck e r das Wort, der ebenso wie sein Mitdelegierter Däumig den Anschluß an die Tritte Internationale pro- Pagiert. Von dem eigentlichen Thema, den Anschluß b e- L i n g u n g e n, spricht Stockei vorsichtigerweise noch nicht, das behält er einem zweiten Artikel vor. Sein erster Artikel dient nur einer Erläuterung und Verherrlichung des kom- munistischen Programms, die so seicht gehalten ist, daß sie hier unerördert bleiben kann. Freilich: Wenn Stöcker schreibt: So will die Dritte International« das werden, was uns revolutionären Marxisten seit langem, insbesondere aber während des Weltkrieges(Persönliche Bemerkung: Ich lehne«S ab, auf die Dreckspritzer unanständiger„ Lorw ä rt s"-Journal i sten einzugehen.) als Ziel vorgeschwebt hat, so kann das denen, die den Krtegsberichterstatter Stöcker während des Krieges' verfolgt haben, nur Heiterkeit entlocken,- mag Stöcker auch solche für ihn unangenehme Reminiszenzen als„Dreckspriyer" bezeichnen. Stöcker sucht die Unabhängigen mit der Vorspiegelung zu locken, daß auch die f r a nz ö s i s ch e n und Schweizer Sozialisten dicht vor dem Anschluß an die Tritte Jnternatio- nale stünden, wobei er freilich selbst zugesteht, daß diese Par- teien vorher erst einen„A b i p l t t t e r u n g s p r o z e ß" durchzumachen hätten. Von der Größe der zu erwartenden Absplitterung zu reden, ist freilich peinlich für jemanden, der ja auch seine eigene Partei durch„Absplitterung" moskaurein gestalten möchte. Am Schluß seines Artikels versichert Stöcker, daß er wie Däumig„fest entschlossen sind, mit aller Energie und aller Entschiedenheit für den Anschluß der U. S. P. an die Dritte Internationale unter den fest- gesetzten Bedingungen zu kämpfen".— Da die Gegenseite ebenso entschieden erklärt hat, die Moskauer Be- dingungen a b l e lxn e n zu wollen, so dürfte die Krise in der U. S. P. nicht mehr aufzuhalten sein. Grgesch für Ostpreußen anerkannt? Unter der Ueberschrist:„Anerkennung der Orgesch für Ostpreußen" meldet die T. U.: In Anwesenheit und unter tätiger Mithilfe Dr. Eicherichs ist soeben in Königsberg eine alle Teile be. frletigcnde Einigung zwischen dem Selbstschuh Ostpreußen und dem Ober- Präsidenten erreicht worden. Der Schutz der Provinz ist durch ihre ver- fassunqstrenen Männer in schwerer Zeit sichergestellt. Gleichzeitig ist hierdurch bewiesen, daß auch die matzgebenden Stellen in Ostpreuhen sich d.avon überzeugt haben, datz Escherich sin Einklang mit seinem be- kannten Programm nur dem Wohl des Ganzen dienen will. Das Telographonbureau, das diese Meldung verbreitet- hat schon mehrfach der Orgesch als Sprachrohr ge- dient. Auch diese Meldung trägt ihren tendenziösen Charakter deutlichen der Stirn. Offenbar ist sie, wie der Schlußsatz zeigt, von Herrn Escherich selber lanziert worden. Dabei ist sie sachlich reichlich unklar ge- halten, so daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen erscheint, daß Orgesch hier wieder einmal die Oeffentlichkeit i r r e z u f ü h r e n sucht. Ein Selbstschutz für die ProvinzOstpreußen war bekanntlich auch seitens der Regierung� geplant, nur sollte er nicht dcr Orgeich übertragen werden. Trotz ihrer Ueberschrist sagt nun die Meldung an keiner Stelle klar, daß der gebildete Selbstschutz tatsächlich mit detz Orgesch identisch ist. Wir können dies auch trotz der Beteiligung des Herrn Escherich nicht aut annehmen, denn in diesem Falle würde der demokratische Oberpräsidcnt von Ostpreußen, Herr Siehr, im Widerspruch zu seiner vorgesetzten Behörde, dem Ministerium des Innern, gehandelt haben. Wir eiwarten eine amtliche Erklärung zu der Sache. sehe sie noch immer mit Pauken und Kling-Klang die Rue Royale in Brüssel heraufkommen, der Tambourstab quirlt wie wahn- sinnig geworden in der Lust bcrum— in Wiesbaden tst's. eine Trompete—, die Offiziere drücken den Degengriff und machen ernste, wichtige Gesichter, die Pcilus haben den Tornister auf dem Rücken und geben sich Mühe, damit alles klappt, datz keiner auf- fällt. Minutenlang glaubte ich vor dem Schloß deutsche Soldaten ihre Manöver machen zu sehen. Wie gleich ist doch in allen Ländern der Militarismus) Die Franzosen, die stets von der heut» schcn Okkupationsschande sprechen, sie haben nicht eine neue Idee in ihre Besetzung gebracht. Es sind sogar die gleichen Acutzeriich- keiten. Ich fand in der kleinen Kneipe den borsichtig mit einem deutschen Zivilisten tuschelnden dicken französischen Intendantur- offizier, und im MannschaflSquartier klebten an der Wand die nackten Frauenzimmer. Nur eines fand ich nicht: unter SV Mann hatte keiner eine sozialistische Zeitung auf dem Tisch. Auch einen Soldatenrat dürften sie kaum haben. Koblenz wirkt amerikanisch. An den Straßenecken müssen � die deutschen Polizisten den wild herantutenden Autos mit den Händen Wegweiserzeichen geben, als stünden sie in New Dock. lind ganz Koblenz rattert'dauernd, der Amerikaner kann, wie e? scheint, ohne Auto nicht leben. Auf dem Regierungsgebäud« weht es französisch, englisch, amerikanisch und belgisch. Es sind aber fünf Fahnenstangen. Die fünfte hat Frankreich noch extra für eine zweite Trikolore bekommen. Dafür können di« Amerikaner den Franzosen nicht riechen. Auffallend viele Mädchen sieht man mit den sportsmäßig ordentlich angezogenen amerikanischen Sol- daten laufen. Er trägt brav das Paketchen. Fast täglich wird getraut, die ameriimiischen Armeepfarrer haben zu tun. Mit einem sprach ich; er sagte mir, daß sich allein bei ihm schon 250 Soldaten und Offiziere verheiratet hätten. Als es noch verboten war, kamen die Bräute schwanger. Das genügte dann zur Heirats- konsens. Jetzt sind erleichterte Heiratsbesttmmnngen geschaffen worden. Das Schnapsderbot gilt für di« Amerikaner sehr streng, ich sah die jungen Männer dafür im Caft sitzen, Wein trinken, als wenn es Bier wäre und dann davontorkeln. Die Einheimi- schen empfehlen: ausweichen! An der Bordellstratze steht ein Schilderhaus, mit einem undurchdringlichen Gesicht wacht dort ein amerikanischer Soldat und hindert jede Uniform am Eintritt inS Paradies.(DaS offiziell erlaubte alliierte ist in Wiesbaden.) Das Entscheidende ist auch in Koblenz, datz natürlich am Soldaten verdient wird, datz damit viele Gesinnungen sich äußer- lich neu geben, manche'innerlich anders werden. Wer denkt nicht an die deuffche Flamenpolitit, bei der Geld und Bevorzugung eine große Rolle spielten. Der Rest ist in Wiesbaden und in Koblenz der gleiche: Unter den Einheimischen mächtiges Erstarken aller nationalistischen Gefühle, bis in die Reihen der Arbeiter hinein. Dem Weltfrieden dient die Besetzung nicht. Sie fft für jede Ver- söhnuvg und Beruhigung wahres Gift.— wz'e ein Freikorps Waffen„abliefert*. Unter der Ueberschrist„Wie Offiziere siedeln" wurde hier über das Freikorps K i e w i tz und seine merkwürdige SiedelungStäligkeit vor einiger Zerr berichtet. Von reaktionärer Seite wurde mebrfach bestritten, daß das Bataillon Kiewitz seine Waffen in die Siedlung mitgenommen habe. Wie das„B. T." mitteilt, hat das Bataillon aber nur die von der Marinebrigade empfangenen Waffen abgegeben, nicht auch die aus Kurland mitgebrachten. Tat- sächlich haben mitgenommen die M.-G.-K. Stieglitz 12 Maschinen- gewehre, die M.-G.-K. Maithes 8 Maschinengewehre, die Pionierlompagnie Aust etwa 60 Karabiner, 2 Maschinengewehre und Flammenwerfer. Die Waffen wurden in den Quartieren versiecki. Eine Untersuchung beim Abtransport auS dem Munsier- lager verlief ergebnislos, weil sie mit der beiennlen Oberflächlichkeit vorgenommen und außerdem durch die passive Resistenz der Baltikumer sabotiert wurde. « Wie uns Oberst Lange, der bisherige Chef deS Sicherheils-� wesenS yon Mecklenburg« Schwerin, mitleclt. hat er gegen die „Deutsche Tagesieiiung" wegen des auch hier erwähnten Artikels „Wozu der Lärm?" Slrafantrag- wegen Beleidigung gestellt. „Prügelstrafe*.' Ein erfundener Bescheid des Polizeipräfidente». Die„Berliner Montagspoft" zitiert aus der„Zukunft" einen angeblichen Bescheid des— sozialdemokrarischen— Polizeipräsidenten von Berlin auf eine. Beschwerde des Bankbeamten Hesterberg, der angeblich am Abend des 23. März in der Polizeiwawe an der Kaiser- Wilhelm- Akademie von Polizeibeamien mir Pfosten und Koppel gurren geschlagen worden sein soll. Auf seine Beschwerde soll ihm am 11. Mar der Polizeipräsident dahin beschieden haben, datz der Wachthabende berechtigt ge-� ivesen sei, ihm acht bis zehn Hiebe auf daS Gesätz zu verabfolgen, gemätz eines Befehle des damaligen Abschnitiskomman« veurSderReichSyiehrbrigade 15, dem die Sicherheitspolizei unterstellt war. Nach diesem Befehle seien bei. leichleren Vergehen und Dummenjungenstreichen zur Vermeidung unnötiger Härten eine gehörige Tracht Prügel angeordnet. Wie die„P. P. N." durchaus zuverlässig erfahren, hat der Ber- liner Polizeipräsident niemals einen derartigen Bescheid ergehe« lassen; er hat ihn vielmehr erst jetzt aus der Zeitung kennen ge- lernt und alsbald keinen Zweifel daran gelassen, datz ein solcher Bescheid seinen Anschauungen nicht im entferntesten entsprechen würde. Demgemäß hat er eine sofortige N a ch p r ü f u n g des Falles angeordnet und die Sicherheit-polizel angewiesen, ihm über deren Ergebnis Bericht zu erstatten. » Auch wir halten ein? restlose Aufklärung des Falles für dringend nötig. Denn nach der unzweideutigen Erklärung des Genossen Richter bleibt nur die Möglichkeit, datz entweder die „Zukunft" oder ihr Gewährsmann den Bescheid des Polizei- Präsidenten erfunden haben, oder datz eine untergeordnete Dienststelle den Namen de» Polizeiprästventen mißbraucht bar. In jedem Fall mutz der Fälscher zur Verantwortung gezogen werden._ Beihilfen zur Besoltmngßreforrn. Zu der Eingabe des Vor» standcs des Preußischen SläotetageS an die Preußischen Mini» sterien'oes Innern, der Finanzen und des Unterrichts, die sich mit der N obläge der städtischen höheren Schulen be- schästigt, erfährt der preußische Preffedierrst au» dem Kuläusmini- sterium: Von der Staatsregierung sind zur Ausführung der neuen Besoldungsreform über 60 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden, aus denen notleidenden Städten Beihilfen zur Durchfüh- rung der Besoldungsreform gegeben werden sollen. DaS Mini- sterium bat bereits Schritte getan um den Provinzialschulkollogien aufzugeben, die Verhältnisse bei den einzelnen höheren ftädnschen Lehranstalten zu prüfen, um danach die Höhe der Beihilfen be- messen zu können. Dabei muß allerdings bemerkt werden, daß n-cben djeser groß angelegten Beihilfeaktion gleichzeitig der Plan eines Abbaues der höheren Lehran st alten zur Prü- fung kommt. Am Zusammenfluß von Mosel und Rhein steht das berüch- tigte Kaiser-Wilhelm-Denkmal. ES ist aus blödsinnig großen Steinen aufeinandergetürmt, so wie wir Schuljungen«S mit unseren Bausteinen machten. Der Rhein schleppt Dampfer und 5Nihne, Arbeitslose lehnen neben mir am Geländer und klagen ihr Leid: Wir stehen da wie Vagabunden und wollen doch nur Arbeit.— Weder der deutsche Militarismus in Belgien wurde damit fertig, noch der alliierte am Rhein vermag das Elend zu beseitigen. E» ist verständlich, gehören doch beide zur anderen Seite. „Die Csikäsbariineß" im Neuen Operettentheater. Aus dem Theaterzettel ist zu leien:...... jede Frau braucht einen Man» zum lieben" usw.. zu haben bei den Logenschltetzern... und, als iveiterer TexiauszUg:„wenn die Sterne funkeln, kannst du ruhig munkeln, geh, Liebchen, im Slübchen lösch aus daS Licht". Auf diesem kaum unterbietbaren Niveau hält sich die Dichiung Grün- b a u m s nach einem nicht üblen Turfmotiv PsiöstS. Georg Jarno ichrieb die Musik, die ein Konglomerat von klischierten Wendungen, Couplets, SentimentS und Walzern ist. ungarisch angewürzt, opern- Haft aufgeblasen, dürftig, rasch und witzlos instrumentien. Nehmt ihr den nationalen Einschlag. daS Moll, die Pusta-Vorschläge und Sequenzen: das Werk zerplatzt wie eine Seifenblase. Ausgezeichnet war die Aufmachung an Gewändern und Szenarium, flott(bis auf daS von selbst vei ständliche Ausreißender Chöre) die musikalische Leitung(Jaks ch). Die Baronetz der I n g e van der Straaten konnte mit ihrer klaren, sicher geschulien Stimme und mir heißem Blut die Nützlaune über den letzten Verfall der Operette nicht aufhalten; auch der schauspielerisch wirk- same Eduard WaSsr nicht, dessen Organ gerade in der lyrischen Hingabe stumpf bleibt. Als ganz großer Erfolg ist nur zu melden: Das Publicum schien, solange mein Erinnern reicht, unbefriedigt. K. S. Ein riissisches Theater ist wieder einmal in Berlin inS Leben gerufen. ES spielt alle Sonntag nachmitlag im Theater deS Westens. Man eröffnete mit einem italienischen Lustspiele von Nicodemi „DaS Mädchen au« dem Volke", das ein netteS Thema (die konventionelle Gesellichaft und daS Naturkind) mit allerlei wirk- samen Kontrasten und komischen Parallelen behandelt. Aber wich- tiger als das Stück waren uns die Darsteller. Die Truppe hat in Wasili W r o n s k y einen außerordentlich charmanten, mit feinem Humor gesegneten, liebenswürdig-gewandten Darsteller. Da« Naturkind wurde von Tamara Duwan mit echter Natürlichkeit durchgeführt(vielleicht etwa» zu schwerblütig). Lydia Potie- ch i n a gab eine ulkige Charge mit starkkomii'cher Wirkung und ein reifendes Vögelchen war Lydia Lhdina. Nächsten Sonntag: echte Run'en(Tscheciow, Turgeniew).— r. Da» malerisch« Havelland. Max Brückner hat auS der Um- gegend de» Wanniees uns allen vertraute und liebe Motive mit seinem Stift in liebevoller Andacht zur Na'.ur auf Einzelblältern festgehalten und in einer Mappe vereint(Verlag: Fritz Heyder, Zehlendorf). Es ist gut. datz wieder solche Ansichten von Künstler- Hand Sinn und Geschmnck für Zeichnungen entwickeln» die über der Ht. 432 ❖ 37. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Dienstag, 3t.�!Vguft 1920 GroßSerlln � Jahrmarkt von heute. Ter sogenannte Jahrmarkt jährt sich nicht mehr, er quartalt sich, besser gesagt, denn viermal darf sast in jeder Stadt Jahrmarkt abgehalten werden. Diese Onartalmärkte haben niit dem guten ollen Jahrmarkt fast nichts mehr gemein, nur erscheint, als.seien sie stets von regnerischer Witterung begleitet. Was jetzt auf diesem Krammarkt zu sehen ist, ist streng— zeitgemäjz. In den Buden sieht man nicht mehr die einst vixl begehrten„Rosinen- und Pflaumenmänner' und st-rauen mit ihrer wohlfeilen Vanille, dafür unerschwinglich teure Suxigkeiten. Der alte Ausschreier mit seiner„unverwüstlichen' Glanzdecke und dem Taschenmesser mit den zahlreichen Klingen? Gott bewahre. Diese Artikel haben sich überlebt und„ziehen' nicht mehr. Die Lungen des Ausschreiers müssen für zeitgemäßere Dinge herhalten, „Nur � für Erwachsene, meine Herrschaften! Hochinteressante Ent- büllungen, jedes Buch 10 Mark!", hallt es aus seiHein Munde. Hat er sich um das Zehnfache heruntergcschrien, dann stürzt sich selbst- verständlich die Jugend mit gierigen Händen nach dieser Mark- und Markilektüre. Das Geschäft geht glänzend, denn es ist zeitgemäß. Daneben eine Bude mit dem„Schlagsahnenrasierschaum", und die Jahrmarktsbesucher stehen hier Polonäse wie nach Frischfleisch. Unter einem riesenroten Regenschirm der Clou deS Jahrmarktes: da balgen sich Jung und Alt. Was gibt es dort zu sehen oder zu kaufen? Zu kaufen gibt es hier nichts, aber wenn man eine Weile unter diesem riesenroien Dach gestanden hat, dann gibt einem das Gesehene und Gehörte zu denken.„Blulprüfungen, Plutunter- suchen, meine Herrschaften!" tönt es einem entgegen. Auf einem weiß gedeckten Tisch Instrumente, in einer Schüssel n>it rosa gefärbtem Wasser— ist es Sublimatlöiung oder vom rtesenrcrten Regenschirm gefärbtes Wasser, denn regnen tut es un- auihörlich— schwimmen Wattebäuschchen. Hinter dem Tisch der ,„Blutprüfer', daneben seine Gehilfin mit vielen Pusteln und Trauer- nägeln. Tie Blutprüfung kostet 50 Pf., und wie sie vor sich geht? Der Schrei nach der Polizei wäre die richtige Antwort. Die Diagnose wird sofort mitgeteilt: Wahllos ist man entweder leber- leidend oder magenkrank, oder sonst irgendeine„beruhigende' Prophezeiung wird den Jahrmarktmasien mit auf den Weg gegeben. Aengstlich verstörte Mienen, weinende Frauen kommen aus der „Jahrmarktssprechstunde" zum Vorschein. Zeitgemäß. Das Geschäft blüht, gleich daneben werden Herzkranke untersucht. Auf dem Tisch lange, blutrot und gelbgefärbte Flüssigkeit ent- haltende Glasröhren. Die„Patienten' haben das Ende dieser Röhren zu umfassen und je wilder das Wasser brodelt, um so er- schreckender und nervenzerrüttender lautet die Diagnose.„Mann, Sie müssen sofort ausspannen I' ruft der Diagnostiker.„Na, ich bin doch schon 1 Wochen arbeitslos, Sie Dussel und Schwindler I' Dem einen wird das Heiraten streng verboten, der andere leidet an einer schweren Hcrzeiweilerung, und dieser zeitgemäße Jahr- marktSiummel lockt Hunderlen und abermals Hunderten das Geld aus den Taschen. An einem anderen Stand werden harmlos Zigaretten verkanst, d. h., wenn die„Blauen" oder die„Grünen" herantreten. Sind diese außer Sehweite, dann werden Sachen, wie Betäubungsmittel, Opiumzigarctlen, ,»ur für Herren bestimmte Tamenringkampf- abbildungen ans die Menge losgelassen. Vcreinsamtstehende Schuh-, Knopf- und Spitzenbuden. Katharinchen, echte„Thorner", Lebkuchen- männer? Tempi pzs8ati! Baumelnde Affen, Blutprnfungen, Rasicrschlagsahne, Opium usw. Jahrmarkt 1920! O. tYi.> Achtung Arbeitslose! Von gewissen Elementen wicko versucht, die Arbeitslohn zu einer Versammlung nach dem Friedrjchshain zu locken. Wir warnen alle Arbeitslosen, sich daran zu beteiligen, weil wir in keiner Verbindung oaini: stehen.' Arbeiterrat der Erwerbslosen Berlins. Zwei RaubmorSe aufgeklärt. Schwere Schnstverlechung eines flüchtigen Verbrechers. Der Berliner Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, zwei Fälle schweren Raubmordes aufzuklären, die seinerzeit viel von sich reden' machten. Es handelt sich um den Raubmord beim Ber- I i n e r S p e d i t e u r v e r e i n in der Verlängerten Schöneberger Straße 15 und um das Berbrechenmn der Witwe Thiele- mann in der Köpcnicker Straße. In beiden Fällen konnten die Täter nach langen Beobachtungen verhaftet werden. Der Raubüberfall ans das Kontor des S p c d i t e u r v e r e t n s wurde bekanntlich am 25. Februar verübt. In dem am Bahn- Sezirksverband Groß-Serlin S. Z)- D. »Ks« Tagesordnung: Neutralität— Gber)RH!efien Was tut unsere Regierung l Heute Ticnstag, den St. August, abends 7 Uhr. Berlin: BraueretPatzenhofer, Turm-EckeStromstrasie. Brauerei Äönigstadt, Schönhauser Allee 10/11, Berliner Bockbrancrei, Chausscestr. 64. Berliner Vereins.- nnd Konzertsäle, Komman- dautenstraße 58/59. Andreas-Festsäle, AndreaSstr. 61. Charlottenburg: Großer Saal des Voltshauses, Rosinenstr. 3. Wilmersdorf; Aula der Hindcuburg- Oberrealschule, See- > park 36. Lichtenberg: Jahn-Realgymnafium, Marktstraße. Referenten:. Erwin Barth, Louis B r n n n e r, Ernst H e i l m a u n,' Gustav Heller, Franz K l ü h s, Ulrich Rauscher, Willi S i e r i n g, Dr. W. Z e ch l i». Mittwoch, den 1. September, abends 7 Uhr. Neukölln: Kliems-Festsäle, Hasenheide 13. Reinickendorf: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr.101/104. Tegel: Lokal Strandschloß. Cvpenick: Im Stadttheater. Referenten: Dr. Bendiner, Marie I« ch a c z, Ulrich R a n s ch e r, Dr. W. Z e ch li n. Henosien! Genoj�innen! Erscheint zahlreich. Ter Bezirksvorstand. gelände, ganz abseits vom' Verkehr, belegenen Kontor erschienen abends kurz vor ö Uhr plötzlich vier Ränder, die sich unkenntlich gemacht hatten, eröffneten ans den Kassierer und den Wächter, die noch allein im Bureau anwesend waren, ein heftiges Fener und raubten 33 000 Mark. Der Wächter und sein großer Begletthund wurden erschossen, die Kugeln, die ftir den Kassierer bestimmt waren, schlugen in dessen Pult und in die Wand hinter ihm ein, trafen ihn jedoch selbst nicht, so daß er wie durch eiw Wunder dem Tode entging. Die Kriminalkommissare Dr. Grünberg und Bün- ger, die mit der Aufklärung des schweren Bandenraubes beauftragt wurden, setzten sofort mit umfangreichen Nachforschungen ein und es gelang ihnen, auch schon im Mai d. I. drei der Räuber zu er- Mitteln, den 29 J«hre alten, zu Hamburg geborenen Bäcker Richard Schwarz, den 31 Jahre alten Dreher Richard Thierselder aus Berlin und den 29 Jahre alten, aus Linden bei Hannover stammenden Händler Heinrich Kowald, der zuletzt am Kott- buser Damm 95 wohnte. Als Anführer und gefährlichster Ver- brccher wurde der 32 Jahre alte Kutscher Karl G r o t h e festgestellt, der sich stöwdig verborgen hielt. Jetzt gelang es Beamten der N e u- köllner Kriminalpolizei, ihn ans offener Straße zu stellen und überraschend festzunehmen. Grothe bestritt, an dem UÄerfall beteiligt gewesen zu sein- und geriet in die größte Wut, versuchte sich aus die Beamten zu stürzen und griff, als ihm dieses nicht gelang, zu einer Schreibmaschine, die er voll- ständig zertrümmerte. Nur schwer c>elang es, den Tobenden zu überwältigen. Scheinbar wieder beruhigt sollte er wieder in seine Zelle abgeführt werden. Plötzlich gab er einem der ihn be- gleitenden Beamten einen wuchtigen Stoß gegen den Unterleib, daß dieser zusammenbrach: dann riß er sich los und suchte zu ent- fliehen. Der zweite Beamte setzte ihm nach und gab, als er auf seine Haltrstfe nicht stehen blieb, einen Schuß auf ihn ab, der den Verbrecher in � den Kopf traf und schwer verletzte. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde e�r als Polizeigcsangencr in die Eharite eingeliefert. Er wird kaum mit dem Leben davon- kommen. Als Täter und Mitwisser des Raubmordes an der Witwe Thielemann in der Köpenicker Straße hatte die Krimi- nalpolizei bereits einen 21. Jahre alten Landwirt Paul P o s e r und einen 23 Jahre alten Friseur Fpanz Heinrich festgenommen. Als Mittäter und Anstifter gesucht wurde noch ein Schlosser Otto Riedel, der zuletzt bei der Ermordeten als Schlafbursche ge- wohnt hat. Riedel war Funker gewesen. Er sollte von Spandau aus entlassen werden. Es ergab sich jedoch, daß er Heeressacheir verkauft hatte und sollte nun festgenommen wenden.'Als er das merkte, entfloh er und hielt sich in Berlin auf. Noch dem Morde begab er sich, wie die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergaben, zunächst nach Zossen und arbeitete dort in der Umgegend bei Land- Wirten. Dann begab er sich teils zu Fuß, teils mit der Bahn nach Stettin zu Verwandten, endlich nach Stargard in Pommern. Kriminalkommissar Dr. Schuppe und seine Beamten fanden überall seine Spur, aber nicht ihn selbst mehr. Gsstern veranstaltete nun die SichSrheitspolizei eine Razzia im„Weltspeisehaus" am An- dreasplast Beamte der Sicherheitspolizei erkannten den Verbrecher und nahmen ihn fest. Er wurde als gesuchter Fahnenflüchtiger zunächst der Militärbehörde übergeben, dann aber der Kriminal- Polizei zugeführt. Riedel hatte schon in den Zcinuigen gelesen, daß Poser ihn als den Urheber und Hanpttäter bezeichnete. Davon Ivill er aber nichts wissen, wenn er auch sonst im ganzen geständig ist. Jetzt bezeichnet er Poser als den eigentlichen Täter. Er' habe aus dem Hofe die Stiefel ausgezogen und sei dann auf der Treppe geblieben. Als im Zimmer die Lampe geklirrt habe, sei er davon- gegangen, während Poser mit Heinrich das Verbrechen ausgeführt. habe. Die Behauptungen beider Parteien werden von der Krimi- nalpolizei weiter nachgeprüft. * Auch das Verbrechen an dem Berliner Kaufmann I a c o b i, -der in Oberhof in Thüringen spurlos verschwunden ist, scheint seiner Aufklärung entgegenzugehen. Am Sonntag fanden Wan- derer im Walde bei Ob sr h o f die bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche des kürzlich dort ermordeten Berliner Kaufmanns Jacobs im Unterholz auf. Die Polizei wurde benach- richtigt, die wiederum die zuständige Staatsanwaltschaft in Gotha verständigte. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft erschien in Oberhof und nahm den Tatbestand auf. Demonstration gegen die Grostbecren-Feier. Von tiefem Eindruck war, wie uns aus Groß- Beeren mitgeteilt wird, die Gegendemonstration der gesamten Arbeiter- s ch a f t gegen die von einigen Kriegshetzern veranstaltete Sieges- feier der Schlacht von Groß-Beeren. In Massen waren die Ar- bester herbeigeströmt. Wie immer haste auch bei dieser Gelegen- heit die Reaktion dafür gesorgt, daß man den bösen Sozialdemo- traten begegnen konnte, indem ntan ein starkes G e n d a r m e c> e- kommando aufbot. Offiziell waren 10 dieser Herren zu sehen, und wie Ortseingesessene versichern, steckte noch eine große Anzahl auf den Höfen. Zutn größten Leidwesen der Herren Kriegs- nnd Pntschfreunde jedoch mußten sie sehen, daß zu einem Eingreifen kgine Gelegenheit gegeben wurde. Wie die Demonstration ihren Anfang genommen, so wurde sie auch in ruhiger und würdiger Weise beendet. Nachdem der U.S.P.D.-Redner in großen Zügen die Verwerflichkeit des Krieges im allgemeinen illustriert hatte, nahm der Redner der S.P.D. das Wort und erklärte, daß mit demselben Rechte, wie man hier den Massenmord feiere, auch der IG Mit öe? Etappe. Von Schalem Alechem. (Schluß.) Der reiche Mann tut Buße. Die Ponne neigte sich tief über den Berg, um in wenigen Minuten zu verschwinden, die Hitze ließ nach, und die Etappe näherte sich Gronow, der ersten Station ster Wanderschaft. Bevor die drei Arrestanten die Stadt betraten, stellten sie sich außerhalb der Stadt vor eine Windmühle, das Gesicht nach Rorden gekehrt, und verrichteten ihr Gebet. äciwrij stand, auf seinen Stock mit der eisernen Spitze' ge- stützt, die Mütze in den Nacken geschoben, und sah zu, wie die Juden wackelten und sich in die Brust schlugen. Am andäch- tigsten betete der Reiche. Schalem Beer Teplikcr aus Teplik hatte schon lange nicht so eifrig fein Gebet verrichtet, wie jetzt: er schlug sich wirklich in die Brust: Tich habe gesündigt, ich habe Verbrechen geübt! Ich habe geraubt!" kam es ans dem Innersten seines Herzens. Er bereute-, daß er an den Menschen Sünde begangen hatte, daß er armen Juden helfen konnte und es nicht getan hatte, daß er sie viAlcicht glücklich machen konnte nnd es unterlassen hatte. Warum? Er'wnßte es selbst nicht! Er begann sich mft dem Habenichts, dem roten Beril. zu vergleichen und schämte sich vor sich selbst. Obgleich der arme Teufel kaum so viel hatte, um einen Tag davon zu leben, war er nicht zu faul, für einen anderen einen weiten Weg zu Fuß zu machen, sich vor einem reichen Mann zu erniedrigen, sich de- mutigen zu laffcn, um einem armen Juden eine Gefälligkeit zu erweisen. Und er selbst?— Scholcm Beer Tepliker aus TejÄik wollte von fremdem Leid nichts sehen nnd nichts hören, er war immer kalt wie Eis geblieben. Nun tat es ihm leid, daß er es so weit hat kommen lassen, am meisten aber ver- droß ihm die Heiratssache während des Jahrmarkts in Geißen. Er fühlte, daß er, Scholem Beer, ein großer Schuldner dem roten Beril gegenüber war. Vielleicht hatte er gar an dem Tode seiner Tochter einen Anteil? Denn wenn er damals Berits Bitte erfüllt hätte, wenn er ihm wenigstens sein Mit- gefühl, ein wenig Liebe gezeigt hätte, während ihm das Messer an der Kehle lag, dann hätte seine Tochter vielleicht jetzt noch gelebt und wäre glücklich gewesen... Scholem Beer fühlte. daß. obwohl er das Verbrechen nicht verschuldet hatte, er jetzt gern ein Opfer bringen würde, um den Makel aus jener Zeit zu verwischen und das Versäumte gutzumachen... Er würde sich dadurch Erleichterung verschaffen. Nur wußte er nicht, wie er es anfangen sollte. Er vertiefte sich in sein Mbet: Sein ganzes Leben erstand vor seinen Augen, wie ein Grab. Zum erstenmal' im Leben grübelte er über diese Dinge, zum erstenmal be- trachtete er sich wie in einem Spiegel, er sah.sich bis ins Innerste und konnte nicht begrbisen, wieso er-bis' jetzt mit solcher Blindheit geschlagen war, wieso er sich für einen ehr- lichen Juden und anständigen Menschen halten' konnte, daß es-gonügte, wenn er jeden Tag betete und von Zeit zu Zeit einen.Sechser als Almosen fortgab... Und der Teplikcx Millionär, Scholem Beer Tepliker aus Teplik, begann sich zu erinnern, in welcher Weise er „Mmosen spendete", wie er mit jedem Groschen, den man ihm gewaltsam entreißen mußte� geizte. �Er erinnerte sich, wie er einmal eine Dhorarolle für die Synagoge spendete, weil er kinderlos war. Er wollte hiermit sein Seelenheil erkaufen, weil ja niemand für ihn das„Seelengebet" nach bem Tode verrichten würde. Er schrieb das obligate Schluß- wort in der-Thora, wie es sich für den Spender ziemte, gab ein anständiges Festessen, zechte die ganze Nacht, und als am nächsten Tag der Schreiber der Dhorarolle, Reb Samson, zu. ihm kam nnd ihn um eine Anleihe bat, wies er ihn wie einen Toten ab... Noch viele ähnliche schöne Dinge sielen ihm jetzt ein: heiße Flammep loderten in ihm aus vor Scham, die er für sich selbst nnd andere, ähnliche reiche Juden empfand, die aus ihr Geld so versessen waren und sich von ihm nicht trennen konnten. Scholem Beer fühlte, daß seine Seele iT" fttzt geschlummert, daß sein Herz bis zu diesem- Tage'sine unter einer Eispresse gelegen-hatte. Kein Tropfen Wärme, keine Spur von Mitleid. Wenn er jetzt etwas für BerU tun könnte, etwas, das seinen großen Fehler wieder gutmachen, seine Sünde verringern und seine Schuld vernichten könnte!... Aber er wußte nicht, wie er es anfangen sollte. Er schaute tief in sein Herz und in seine Seele hinein und begriff nicht, welchen Wert sein Leben hatte, was er bis jetzt geschaffen batte... Er hatte sechsundfünszig Jahre, also mehr als dreiviertel seines Lebens hinter sich, hatte um das Dasein gekämpft, Groschen aus Groschen gehäuft, anderen nichts gegeben und sich selbst mich nichts gegönnt. Wem würde er sein Vermögen hinterlassen? Kinder Halter nicht, die Verwandten haßten ihn und würden ihn in einem Löffel Wasser ertränken, wenn sie könnten. Scholem Beer hielt- Ueberschau über sein Leben und dachte darüber nach, warum er wohl so viele Feinde hatte: warum die Welt so wenig von ihm hielt? Lang vergessene Gedanken, die im tiefsten Innern seiner Seele verborgen lagen, stiegen anstund machten sein Herz beklommen: er ge- lobte sich, wenigstens imAlter ein besserer Mensch zuwerden, seine' Seele' weitete sich, sein Herz regte sich, seine Augen begannen zu leuchten und sahen, was sie bisher niemals geschaut hatten: er fühlte, was er bisher nie empfunden hätte, — er fühlte sich wie neugeboren, so frisch und lebendig wie noch nie i■ seinem Leben. Nachdem unsere Arrestanten ihr Gebet vrrichtet hatten, setzten sie den Etappenweg fort. Beril hüpfte auf einem Fuß und spottete über Ken ich, während der Reiche, in Gedanken versunken, immer schneller ging. In seinem Kops schwirrten ällerlei Gedanken, sein Herz floß von Geflihlen über! Etwas klärte sich, IDe sich, gestaltete'sich in ihm. „Was laust Ihr so?" fragte ihn der rote-Beril. ,�hr rennt ja so, daß ich mit meinem lahmen Fuß nicht nach- kommen kann." „Fällt es Euch schwer, zu gehen, Reb Beril?" ent- gegnete ihm der Reiche so weich, wie Beril es von ihm noch nie gehört.hafte. „Stützt Euch auf mich, nehmt meine Hand, wenn Gott gibt, daß wir in Frieden nach Hause kommen, dann sollt Ihr bei mir vorsprechen, und du auch, Henich, ich brauche Euch nötig, ich muß Euch etwas Wichtiges sagen."' Berit konnte sich nicht vorstellen, was für eine wichtige Sache Scholem ihnen zu sagen hatte und warum sie erst zu ihm kommen sollten. Warum sagte er es nicht jetzt gleich?- Warum war er plötzlich so weich geworden? Henich war überhaupt wie bestürzt, er sperrte den Mund weit aus und-konnte nicht begreisen, wozu ihn der Reiche ljatte kommen lassen. Er trat vor ihn hin und fragte: „Werdet Ihr Euch erbarmen, werdet Ihr David Leib befreien?" „Gleichviel," erwiderte der Reiche,..wenn er nicht lo?- kmnmenjollte, sorge ich ftir Euch: für Euch alle... Stützt IZuch auf mich, Beril, es fällt Euch schwer zu gehen." Als die Etappe in Gronow einzog, war die Sonne schön untergegangen und hafte nur einen breiten goldenen Streifen am weiten Himmel zurückgelassen. Unsere Leute wurden mit Musik empfangen, einem Elwr von guakenden Fröschen und meckernden Ziegen— und Schafherden, die eine dichte Staubwolke auftvirbelten. Das war ein Glück, denn dank der Gronower Ziegenherde ließen die Gronower Juden die Etappe unbemerkt vorüberziehen, ohne zuerkennen, wer durch die Stadt geführt wurde. Sonst bätten die Gronower Juden den Etappenzug angeglotzt nnd ihn mit ebensolchem Aufsehen hinviisbegleitet, wie es später in Michalowka, Mitschulia, Krasnopielke, Dschgkowiiz und in den übrigen Etappenstädten geschah, die zwischen'Teplik und Geißen gelegen waren. Mörder im Z>echt?'?uS das Recht habe� seine Mordtat durch ein Jubiläum unauslöschlich zu machen. Späler wollte es der Zufall, dak nach Schluß der Reden die beiden Umzüge sich begegneten, ge- -rade am Denkmal der Schlacht von Groß-Beeren! Begeistert stimmten selbst die Zuschauer- in� das„Nieder mit dem Krieg" ein, das bei dieser Gelegenheit der S.P.D.-Redner ausbrachte,«onder- barertvcise verließ mit der Abreise der beiden Redner aus Berlin von Groß-Beeren auch ein Teil der Gendarmerie den Ort. Sollt« das nur Zufall sein?_* Trotz Wohnungsnot! Das Berliner Wohnungsamt weiß nicht, wo es all die Woh- nungcn hernehmen soll, um die vielen Wohnungsuchenden zu be- friedigen. Nun, da könnte in dem Häuserblock Brunnen- und Voltastraße, den dieÄllgemein« Elektrizität s- Gesellschaft in den Fahren vor dem Kriege durch HauSkäufe nach und nach an sich gebracht hat, noch eine beträchtliche Anzahl Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Irren wir nicht, so wurden schon im vorigen Jahr in einigen dieser Häuser, an deren Abbruch und Ersetzung durch Fabrikgebäude ja einstweilen nicht zu denken ist, ehemalig« Wohnungen wieder als solche hergerichtet und vom Wohnungsamt an Wohnungsuchense gegeben. Wir erfahren aber, daß dort noch sehr viel Wohnungen frei gemacht und ihrem früheren Zweck wieder zugeführt werden könnten, wenn man die jetzt darin untergebrachten BureauS zu- fammenrücken wollte. Mit Schreib- und Zeichentischen sind die BureauS sämtlich ausgestattet, sie sind aber nicht voll mit Per- sonal besetzt und unter den jetzigen Verhältnissen darf man auch nicht darauf rechnen, daß sobald wieder volle Besetzung nötig wird. Trotz drückendster Wohnungsnot darf die A. E. G. diese Raumverschwendung treiben? Das Wohnungsamt sollte da entschlossen zugreifen._ Unfall oder Verbrechen'i Vermißt wird der Kriegsbeschädigie Franz Schröter, wohnhaft in Baumschulenweg, Marienthaler Str. 24. Vor einiger Zeit suchte er durch Inserat im„Generalanzeiger für Landsöerg a. W." eine kleine Wirtschaft oder ein Landhaus. Am 7. August kam zu ihm ein junger Mann, angeblich aus Schmach- t e n w a l d e bei Berlinchen, und bot sein Grundstück an. Schröter erklärte sich bereit, nock an demselben Tage mit dem Fremden nach Schmachtenwald« zu-fahren, um das Grundstück zu besichtigen. Um lib Uhr abends wollten beide vom Schlesischen Bahnhos abfahren. Seitdem hat Schröter, der 5000 M. mitnahm, nichts mehr von sich bören lassen. Auf dem Treptower Polizeiamt und auch auf dem Polizeipräsidium in. Berlin wurde der Fall als nicht bedenklich angesehen. Man betrachtete Schröter vorläufig als nur vermißt. Es erscheint jedoch ausgeschlossen, daß er, der seine Abwesenheit nur auf einige Tag« schätzte, seine Familie so lange Zeit ohne jede Nachricht gelassen haben sollte. Schröter ist 38 Jahre alt. Er hat im Kriege das linke Bein verloren, und auch der Gebrauch der linken Hand ist beeinträchtigt. Bei seiner Abreise trug er braunen Anzug und grauen Kiilzhut. Der Fremde wird als ein junger Mann von 26 bis 28 Jahren geschildert, der ein frisches, etwas sonnverbranntes Gesicht und kleinen Schnurrbart hatte und mit Soldatenrock, hohem steifem Kragen, dunklen gestreiften Bein-- feidern, braunen Stiefeln und dunklem Filzhut bekleidet war. Für Mitteilungen über den Verbleib Schröters wäre die ge- ängstigte Frau, dankbar._ Befreiung vo» der Angeftelltenversicheruugk Di« Volks- fürsorge schreibt unS:„UnS wird mitgeteilt, daß vom Renten- misschuß alle Angestellten mit ihren Antragen auf Besreiung von der eigenen Beitragsleistung abgewiesen werden, wenn sie nicht in der Lage sind, die notwendigen Dokumente jetzt sofort vorzulegen Ein derartiges Verfahren entspricht nicht dem Gesetz ung'wird Veranlassung genommen werden, Beftfilwrrbe zu führen. Wir empfehlen allen, dt« sich durch Abschluß einer Versicherung z. B. bei der Volksfürsorge von der eigenen Beitragsleistung zur Angestelltenversicherung befreien wovten und noch nicht im'Besitz des Versicherungsscheines sind, spätestens heute einen schriftlichen Antrag bei dem RententuSschuß Berlin abzugeben. Dieser Antrag muß angenommen werden, und ist damit die Frist gewahrt, da die Anträge auf Befreiung bis zum 1. September gestellt fein müssen." Die Massenentlassung bei der Berliner Parkverwaltuug. Der Arbeiterrat der städtischen Parkverwaltung hat seine Siel- lungnahme zu ter Frage der Arbeiterentlassungen gegenüber der Betriebsleitung in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, der wir folgendes entnehmen: Der Arbeiterrat erhebt gegen die. Maßnahme der Entlassung von 6SY Arbeitern entschieden Ein- sprüch. Der Grund liegt lediglich nach dem AuSspttztch der Be- triebsleitung in Geldmangel. Der Etat für dieses Jahr stebt bereits eins große Einschränkung vor, infolgedessen die Unter- baltungsarbeiten nicht wie gewünscht erledigt werden konnten. ES steh.zweifelsohne fest, daß es ausgeschlossen ist, mit den vorhandenen Kräften, die unbedingt notwendigen Arbeiten auszuführen. Es wird hierbei abgesehen,'saß viele durch die KriegSjabre unterbliebenen Ausbesserungen an Wegen, Pftnnzungert. Bänke, Gitter usw. nicht vorgenommen werden können. Andererseits ist«S unbegreiflich, daß in einem kommu- nalsn Betriebe, wo Arbeit vorbanden ist. diese Maßnahmen ge- trofien werden, um dadurch die allgemein« Arbeitslosigkeit nach zu steigern. Der Arbeiterrat bittet aus diesem Wege die Fraitio- neu der'SiadtverordneienversammluiHg, insbesondere die sozia. listischen, dafür einzutreten, daß die Entlassung nickt Wirklichkeit wird." Gin« pazifistische Feierstunde Hält am I. Sevtember, abend» ?'/, Uhr, der sozialistisch« Pfarrer B I e i e r in der Aula de» Kaiserin- Augnsta- AhmnasiumS, Charlottenburg, Cauerstr. ZS, ab. Er wird aus den Werken der Gelma Lagerlös vorlesen. .Das Einfteinsche Reiativttätspriuzip und'seine aftroiiamikche» Beweise-- lautet das Thema des Lichtbilderoorlrages. den Dir. Dr. Archen- bald am Mittwoch, den 1. September, abends 7'/, Uhr, im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte hält. Mit dem großen Fernrohr werden bei klarem Wetter von 2 bis 6 Uhr die Sonne oder die Venus, von« bis S Uhr Fix- oder DoppeMerne und von S bis ll Uhr der Mond beobachtet. Verband sozialistischer Lebrer. Heut« 8 Uhr, in der 8./ZS. Ge- meindeschule, Gipsslr. 2g a, Vortrag des Referenten Richard Müller über: „GewerkschaftS- und Rätesragen." Lärmszenen in der Friedrichshagener Gemeindevertretung Eine Arbeitslosen demonstratio» und das W i e d e r- erscheinen der Unabhängigen, allerdings nur als Ein- leitung eines neuen Streiks, bildeten den Auftakt der letzten Sitzung der Friebrichshagener Gemeindevertretung. Zunächst wurde über dt« als DrinAlichkeitsantrag behandelten Forderungen der Arbeitslosen drei Stunden lang verhandelt. Die Arbeits- losen hatten sich vorher in den Bürgersälen versammelt, sich dann zu einem Demonstrationszug formiert und erschienen vor dem Rathaus und im Rathaus. Zuhörerräum, Flur und Treppen waren überfüllt. Als Beauftragter der Arbeitslosen wurde Herr Rhode zur Sitzung zugelassen, um die Forderungen zu begründen, die schon vorher dem Gemeindevorstand unterbreitet worden waren. Nach der Begründung durch Rhode erörterte man eingehend die gestellten Forderungen. Allgemein anerkannt wurde, daß die Not der Arbeitslosen gemildert werden müsse. Namentlich traten auch unsere Genossen lebhaft dafür ein. Andererseits wurde betont, daß -infolge des langsamen Arbeitens der kommenden Verwaltung Groß- Berlins ei nicht möglich sei, irgendwelche Mittel s e l b st ä n d i g zu bewilligen.~ Schosse Hecker meinte, daß wenig Aussicht vor- banden wäre, daß Berlin noch wettere Mittel für NotstandSarbette« bewillige. Beschlossen wurde dann: Der Gemetndevorstand wird beauftragt, bei dem engeren Ausschuß zu beantragen, auS dem Ueberschußkonto von ISIS dem WohlsahrtSfosids 100 000 M. zur Verfügung zu stellen. ES erfolgt Speisung der Kinder der be» dürftige» Bevölkerung Sia»rbeit»i«se»rat nach dem Sa« trage der Arbeitslosen wild zugelassen. Au? den Gemeinde- grundstücken wird der Kinderspeisung Obst zugewiesen. Die Für- sorgekommission und die Erwerbslosenkommission haben die An- träge gemeinsam durchzuberaten. Hierauf kam der Fall deS unabhängigen Schöffen N a w r o ck i, der am 11. Juni den Auszug der Unabhängigen und ihren Streik veranlaßt hatte, erneut zur Verhandlung, wobei es im Zuhörerraum zu Lärmszenen kam, wie sie das Gemeinde- hauS von FriedrichShagen noch nicht gesehen hat. Die Unabhängigen der Gemeindevertrewng und Gemeindeverwaltung waren nach mehrmonatlichem Streik vollzählig erschienen. Ursache des Streiks war bekanntlich der am 11. Juni gemäß einem Antrage unserer Genossen gefaßte Beschlutz, dem Schöffen Nawrocki(II. S. P.) weitere Dezernate nicht zu übertragen, solange das gegen ihn wegen der Märzunruhen schwebende Verfahren nicht abgeschlossen sei. Die Amnestie hatte die Einstellung deS Versahrens zur Folge. Ein Dringlichkeitsantrag der Unabhängigen verlangte, zu beschließen, den Beschluß vom 11. Juni auszuheben. Der Antrag wurde durch Steuer(U. S. P.) begründet.— Gemeindevertreter Genosse M i t tenzw« i g wandle sich getzen den Antrag und machte u. a. geltend: Durch die Amnestie sei die Angelegenheit erledigt. Durch ihr Weggehen aus der Sitzung vom 11. Juni und durch den Streik hätten sich die Unabhängigen ins Unrecht gesetzt. S ö h r i n g als Vertreter der Bürgerlichen vertrat dieselbe Ansicht. Schöffe Nawrocki selber bemerkte: Die Gemeindevertretung hätte kein Recht gehabt, gegen einen, der sich politisch vergangen haben solle, solche Beschlüsse zu fassen. Die Unabhängigen seien nur wieder erschienen, um die Interessen ihrer Wähler wahrzunehmen, die in den verflossenen Monaten nicht wahrgenommen worden seien. Sie wollten die Streitaxt begraben, wenn jener Beschluß ausgehoben werde. Werde der Beschluß aber nicht aufgehoben, dann seien sie gezwungen, endgültig die Sitzung zu verlassen und die Sache der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Die bürgerlichen Vertreter hatten sich mit den Mehrheitssozialisten auf einen Antrag in folgender Fassung geeinigt: Die Gemeindevertretung nimmt Kenntnis von der Einstellung des Strafverfahrens(infolge der Amnestie) und da- von, daß der Beschluß vom Iii Juni dadurch gegenstandslos Geworden ist. Die Gemeindevertretung lehnte daraus einen An- trag der Unabhängigen ab und nahm den Antrag der Mehrheit an.— Nunmehr verließen die unabhängigen Ver- treter und dann auch ihr Anhang im Auhörerraum den Saal. Die Lärmszenen im Zuhöverraum, die schon vorher eingesetzt hatten. erreichten dabei ihren Höhepunkt. WaS an Verwünschungen, namentlich gegen unsere Parteigenossen ausgesprochen wurde, war hanebüchen.„Arbeiierverräter war noch das- geringste. An Drohungen fehlte es auch nicht. Ms zur Beendigung des LärmS mußte pausiert werden. Dann kam man zur eigentlichen Tagesordnung. Eine ganze Reihe von Notstandsarbeiten wurden beschlossen, die insgesamt ändert» halb Millionen Mark erfordern, wovon 377 000 M. als Zuschüsse aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge usw. zu erwarten sind. Unsere Genossen Gecke, Hecker und A ß m a n n traten ener- gisch dafür ein, daß die Inangriffnahme von Bauarbeiten. �Not. standsarbeiten usw. mehr als bisher beschleunigt werde. Selbst manche der bereits beschlossenen Arbeiten seien leider bisher noch nicht ausgeführt.— Beschlossen wurde noch eine Anleihe von 7 2S0 000 M. zur Deckung schwebender Schulden, die im Rechnungs- jähr 1910/20 entstanden sind durch Notstandsarbeitcn, Bauarbeiten. Siedlungstätigkeit, Gehalts- und Löhnerhöhungen usw. Alles übrige mußte der vorgerückten Zeit wegen vertagt werden. Britz. Die Gemeindevertrewng bewilligte in ihrer Sitzung vom 27. August der Baugenoffenschaft„Ideal" zum Zwecke deS Wohnungsbaues einen Zuschuß in Höbe von 315 000 M. Die Kosten für den Neubau'des' F euerwehrgebäudes in Höbe von 675 000 M., ebenso die für die Siedlung am Marienselder Weg in Höhe tum 515 000 M. wurden gleichfalls genehmigt. Bei letzterer Angelegenheit fordert Lindenberg namens der S. P. D Weiterführung der Straßenbauarbeiten auf dem Siedlungs- gelände, eventuell als Ncm'tandsarbeiten.— In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird leer Gemeinde vorstand aufgefordert, bei den maßgebenden Stellen für die Weitersülrung genannter Arbeiten zu wirken.— Ter Lohntarif für die Gemeindearbeiter wird nach dem vorlegenden Schieids- spruch einstimmig genehmigt.— Ein vom Dezetznenten vorgetra- genes Verhalten der Firma Potzling u. Co. bei Gelegenheit eines Wohnungstausches führt zur Annahme eines Antrages,'der das Wohnungsamt auffordert, mit allen Mitteln die Firma zur An- erkennung der in Frage komme noen Verordnungen zu zwingen.— In nichtöffentlicher Sitzung wird wegen Ankauf des W r e d e- sehen Rittergutes und über SiedlungSpläne am Metrien. seloer Weg verhandelt. Neuköllner OrtSclternbeirat. Nach dem Beschluß der allge- meinen Versammlung aller Elternbeiräte Neuköllns vom 22. Juli ist nunmehr der OrtSelternheirat, dessen Errichtung schon seit langem als durchaus notwendig angestrebt wurde, inS Leben ge- treten. Ihm gehören an: Otto Ho ff mann(U. S. P. D.), Brusendorfer Str. 8, als Vorsitzende:; Heinrich Schultz(S. P. D.), Bergstr. 139, als Schriftführer, sowie Otto F ö r st e r fit, S. P. D.), Wildenbruchstr. 6, Wilhelm Friedrich(S. P. D.), Schierke- straße 44, Oskar H ü t t I(U. S. P. D.), Jlsestr. 24. Johanna R e g g e(U. S. P. D.), Thomas str. 34, und Paul S te i n j cke (U. S. P. D.). Elb«str. 32. Für den Ortselternbeirat bestimmte Schriftsachen sind zu adressieren:„OrtSelternbeirat Magistrat Neukölln". ES muß nun erwartet werden, daß der Verkehr zwischen OrtSelternbeirat, Eltern, Elternbeiräten, Lehrerkollegien und Schulverwaltung ein lebhafter und anregenoer wird und sich zu fruchtbringender Arbeit im Interesse der Schule gestaltet. Groh-Berliuer Lebensmittel. Treptow. 250 Gramm Haferflocken. 3 Paket« Süßstoff S-Packung. Zucker für die Zeit vom 1.— 15. September 375 Gramm. Wilmersdorf. 7 Pfd. Kartoffeln. 375 Gramm AuSlandSzucker für Einmachezwecke. 125 Gramm Haferflocken. Für Kinder: 6 Stuck Milch. füßspeifen. 2 Päckchen Süßstoff. Für werdende Mütter: 4 Pfd. Näbr- mittel, 50 bis 200 Gramm TrockengaNzei. 1 Dole Malzextrakt 3 Dosen Kondcnsmillb. Für stillende Mütter: 2 Pfd. Nährmittel, 50 bis 200 Gramm Trockenganzei, 1 Tose Malzextrakt. Groß-Serlmer parteinachrichten. Heute,»l. August: 17. Abt. T Uhr in der 220. Knabengemeindefchule, Raglerftraße: Elternoersammlunz. Schöneberg. Mitgliederverfammlung 7'/4 Mr Uhlandschule, Kolonnenstraße. Thema: Neüsialitüt Oberschlesien« und was tut die Regierung? Referent: Genosse Kabelih. Marieudorf. 7'/, Uhr bei Hoch, Chansieestr. 44: Rezitation, Musik. Vorträge Karow b. Berlin. 8V, Uhr bei Verndt. Dorfsir. 4t: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenangelcgenheilen. 2. Bericht über den Bezirkstag am 3. und 22l August. 3. Verschiedenes. Jnuglozialistitche Bereinigung(®. P. D.). Ortsgruppe Lichten- b e r g: 7V, Uhr bei Schlenkrich. Simplonslr. 42. Vortrag über: Sozialii- mil» und Frau.— Ortsgruppe Tempelbos: 71/, Uhr bei Buse, Werder-, Ecke Käiser-Wilheün-Siraße. Bortrag über: Pazifismus. Mvrgen, 1. September: 33. Abt. 71/, Uhr bei Gillwald, Putbuser Str. 24, Bezirksführer- und Funklionärkonlerenz. S.-P.-D.-Elternbeiräte deS KreiseSp Friedrichshain. 7 Uhr: ElternbeiralSverfammlung in der Aula der 2. Handwerkerschul«, Andrea«- straße 1. Referent Genosse Dr. Lohmann. Thema: Richtlinien und Auf. gaben der Elternbeiräte. Schöneberg.?>/, Uhr Frauenalend. 1.— 5. Abt.: Ratbau«- säle(lleiner Saal), Marti n-Luther-Str. 69. Referent: Genosse EzeminSki. 6.— 8. Abt.: Groß, Sedansir. 17. Referent: Dr. Rofenfeld. 9. Abt.: Heinz«, Ruh»««, ifjijr �- 3U|tnat; Genosse Heitzjche. Dempelhok. Wohlverein 8 Ubr. in der Aula des Realgymnasiums, Kaiferin-Äugusia-straße: Oesientliche Versammlung. �Tagesordnung: „Unser Brot, Lebensmittelversorgung'-. Referent Genosse Ewald. Friedrichshage«. 7 Uhr. Sitzung des Gewerkschastskartells, der Betriebsräte und Obleute aller Brqnchen bei Thinius, Friedrichstr. 120. Potsdam. Wahlvereinsversammlung, 8 Uhr, bei Lecker, Lindenstr. 20. Wichtige Tagesordnung. Mitgliedsbuch legitimiert. . Jugenüveranstaltungen. Heute, St. August: Britz. Schule, Chausseestr. 132. Vortrag: Ferdinand Laflallc.— Pankow. Schule, Wollankstr. 131. Vortrag.— Schöneberg. Rubens-, Ecke Hauptstraße. Vortrag: Was ist Agitation? Sport. Ter Arbeiterscgelklub„Fratcruitas-- feierte am Sonntag auf seinem Grundstück in der Marienslraße zu Köpenick, unweit der Kolonie Wendenschloß, die Einweihung seines neuen Klub heims. Ungeheure Schwierigkeiten waren zu überwinden, um den schon seit Jahren gehegten Plan zur Ausführung bringen zu könne». Die trostlose Lage aus dem BaumarU tat ein übriges. Nur durch die selbstlose Allsopferung seiner Mitglieder, die selbst mit Hand anlegten, konnte daS Berk gelingen. Die neuen Anlagen, bestehend" aus: Sitzungssaal, VorstandSzimmer, Restauratwnsräumen und Wohnung für den Kantinenwirt fanden den Beifall der zahlreich erschienenen Wassersporwereine Vom Freien Ruder- verband sah man Boote der Vereine:„Vorwärts�,.Freiheit',.Collegia' und der„Freien Ruderoeremigung 1913'. Vom Berliner Wettsegelverband. in dem dt« Berliner Arbeiter-Segeloereine zusammengeschlossen sind, waren vertreten: der„Segel klub 1898' sowie Mitglieder der„Freien Vereinigung der Tourensegler'. Verschönt wurde daS Fest durch ein Doppelquartett der Friedrichshagener Liedertafel. Alle Segelboote hatten reichlichen §laflgenlchmuck angelegt. Der Arbeiter-Schwimmklub.Welle' ersreute die rschienenen durch seine Darbietungen in oem nassen Element. Der««gel- klub.Fraternita«--, der aus ein 29jäHnge§ Bestehen zurückblicken kann, zählt eine Flotte von 70 Booten und ist mit einer der größten Segel- vereine Berlins.- Gerichtszettung. Hunüeüiebstahl im großen, Ei» Hundcfreuud vor Gericht. Mit Jubelgebell können die treuen, vierfützigen Lieblinge der Menschen, die Berliner Hunde, Sie ja fast immer gewissermaßen „zur Familie" gehören, den Ausgang einer Verhandlung vor der Ferienstrafkammer des Landgericht« I begrüßen. Der Hundedieb- stahl floriert jetzt in Berlin in solchem Matze, daß man nach einem gestern gefallenen Ausspruch eine« Sachverständigen ohne weiteres annehmen kann, daß von den Hunden, die den Händler« zum Kauf angeboten werden, immer der zweite gestohlen ist. Der„Arbeiter" Ernst PeterS, der gestern vor der Straf- kammer stand, hatte sich mit zwei anderen Ehrenmännern, die in- zwischen schon abgeurteilt worden find, zu einem Großhandel mit gestohlenen Hunden zusammengetan. Sie durchstreiften die Straßen Berlins. wußten die Hunde, die aufsichtslos umherliefen, an sich zu locken und verschleppten sie dann, ohne auf das Gewinsel der nach ihren Gebietern sich sehnenden Tiere zu achten. Der Betrieb der unbarmherzigen Hunde- länger war sehr umfangreich, er erstreckte. sich nicht bloß auf Berlin, sondern auch auf Charlottenbutg und andere Bor- orte. In ihrer Leporello-Liste fanden sich Hunde aller Rassen und Größen: Airedali-Terrier, Dobermann. Schäferhunde, Polizeihunde, Wolfshunde, ja selbst ein alter blinder Pudel, an dem sein Frauchen mit zärtlicher Fürsorge hing, war den Unmenschen zum Opfer ge- fallen. Der Angeklagte war an 26 solcher Diebstähle beteiligt, doch dürfte seine Tätigkeit auf diesem Gebiete noch umfangreicher gewesen sein. Ein Teil der Hunde ist an die Hundehändler Albert Dollekchat und Siegfried Mackadt, sowie den Händler Walter Wille verkauft worden. Auf das Treiben der Angeklagten wurde die Polizei durch einen Pastor auimerlsam, dem der Hunde- Handel der drei Mitangeklagten verdächtig vorgekommen war. PeterS wurde wegen Bandendiebstahls zu IJahrIWoche efängnis verurteilt, die Händler wurden freigesprochen, da nen nicht bewiesen werden konnte, daß sie gewußt hatten, die Hundc seien gestohlen._ Mus aller Welt. Maffentod. Durch eine gewaltige Flutwelle wurden in Odomari auf der Insel Sachalin 200 Menschen getötet; 500 sind obdachlos. Großfeuer im Hafen von Genua. Nach einer Radiomeldung aus Genua ist im dortigen Hafen ein gewaltiger Brand ausgebrochen. Das Feuer, das noch weiter wütet, habe bereits für mehrere hundert Millionen Waren, hauptsächlich Oele und Benzin, vernichtet. DaS Feuer ist durch eine Explosion auf einem Fracht- kahn entstanden. 20 Frachtschiffe mit Waren find ver- nichtet worden. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Polnische„Ritterlichkeit". Aus Posen wird den P. P. N. be- richtet: Deutsche Arbeiter, die beim Artilleriedepot im Beklei- dungsamt der Fortiftkation und der Munitionsfabrik zum Teil seit 20 Jahren beschäftigt waren, sind an dem Tage entlassen worden, wo sie den letzten Pfennig der von ihnen für die pol- nische Kriegsanleihe gezeichneten Summe abgezahlt hatten. Unter den Entlassenen befand sich eine Fra«, die noch am selben Vormittag von einem polnischen Leutnant den anderen Frauen als Muster der Pflichttreue hingestellt worden war. Lettlands Einwohnerzahl. Nach der in Lettland vorgenomme- nen Volkszählung hat das Land bei einem Flächeninhalt von 64 000 Quadratkilometern 1 593 193 Einwohner. Voö dem Kriege wurde das Gebiet von ettva 2% Millionen Menschen bewohnt. Cholera und Hungersnot in China.„TimeS" meldet au- Peking: Nördlich von Hunan breitet sich die Cholera in das Gebiet von Tschili aus. Viele Dörfer in der Näh; der Peking— Hankau-Eiienbahn sind schwer heimgesucht worden. Ganz Nord- china ist infolge deS Ausbleibens der Frühlings- und Sommer- regenlälle von Hungersnot bedroht. Dazu kommen noch die Zerstörungen, die durch große Schwärme von Heuschrecken angerichtet wurden. Frage an das Schicksal. Wie ein bürgerlich-nationaleS Tschechen- blatt, der Prager„Den"(Tag) erzählt, leidet eine Stadt der Republik(es werden wohl mehrere sein) an argem Kohlenmangel. Alle Gesuche an daS Ministerium waren erfolglos. Schließlich ver- fiel man auf das einzig mögliche Mittel und richtete an das Ministerium folgende Anfrage:„Wir ersuchen um Bekanntgabe, w e n wir b e st e ch e n sollen, damit wir endlich unsere Zuteilung erhalten." Ja der tschechischen Arme« sind folgende ftanzönschen Offiziere „tätig": 10 Generäle. 63 Stabsoffiziere und 71 Subalternoffiziere, dazu Diener, Schreiber usw. Der Spaß kostet jährlich 13 700 000 tschechische Kronen. Ein französischer Gefreiter bezieht um 70 Kronen mehr als ein tschechoslowakischer Oberst. Lriefkasten üer Reüaktion. W. R. SS. Un« nichts davon bekannt; halten wir für unwabrfchewlich. H.<£. 113. Englische Zirkel gibt eS in der Humboldt-Akademie usw. „Daily Herold', London._ Wette raus sichten für daS mittlere Norddeutfchlaud biS Mittwoch mittag. Ziemlich trübe und kühl mit geringeren Regenfälle« und mäßige» nordwestlich eu Winden. Später besonder» un Nord«» etwa» auskiareud. Seamtenksttferenz. Die erste allgemein? Funkt ionärkonferenz der Beamten� und Angestellten, einberufen vom Bezirkswerveaus- schütz der Sozialdemokratischen Partei Teutschlands, tagte unter gnler Beteiligung am Sonnabend tn Haverlanos Festsälcn. Genosse Max Groger referierte über: Die politische Lage, die NeutraiilätserklärungDeutschlands und die Stellung der Beamten und Angestellten hierzu. Redner mochte es sich im ersten Teil seines interessanten Vortrags zur Aufgabe, die politische Lage in rhrcn Weltzusammenhängen darzustellen. In diesem Rahmen behaiedelle er dann die Fragen der Sozialisierung und Demolratisierung und ferner die Zteutralitölserklärung Deulichlands in dem Konflikt im Osten. Hierzu sagte er unter anderm: Mit aller Macht mutz die Steutratität aufrechterhalten werden. Dabei erwächst den Beamten eine ehrenvolle und grotze Ausgabe. Sie haben im stärksten Matze die Möglichkeit, die Neutralität zu kon- trollieren und zu ihrer Aufrechterhaltung beizutragen. Hier haben die sozialdemokratisch denkenden Beamten selbst Hand ans Werk zu legen, indem sie alles tun müssen, unter ihrer Kollegenschaft den sozialdemokratischen Geist zu verbreiten und so zum demokratischen Ausban der Verwaltung beizutragen. Es entspann sich eine ausgedehnte Debatte, nachdem der Vorsitzende die erschienenen Gäste, den preußischen Finanzminister Lüdemann und die Abgg. Heller und S t e i n k o p f begrützt hatte. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: .Die Versammelten erheben schärfsten Protest gegen die bisher bekanntgewordenen Referentenentwürfe der Beamtenräte- gesetze des Reichspostmimsieriums und des Reichs- Innen- Ministeriums sowie des Regierungsentwurss. Die sozialdemokratische Beamtenschaft und die Angestellten fordern ein Beamtenrätegesetz. das den Beamten mindestens die Rechte des Betriebsrätegesetzes gewährt, insbesondere ein dem Schlichtungsverfahren entsprechendes Disziplinarverfahren. Die Versammlung ersucht darum die Fraktion deS Reichstages, mit allen Mitteln für diese Forderungen einzutreten. um somit auf dem schnellsten Wege die Demokratisierung der Ver- waltung vornehmen zu können." Der Bericht über die Tätigkeit des Reichs- Beamtenbeirats mutzte wegen der vorgerückten Zeit abgesetzt werden. Der dazu bestimmte Referent, Genosse Max Grone- feldt, gab als Leiter der Zentralstelle nur kurz bekannt, datz es vorwärts gehe im ganzen Land und datz er nur Günstiges zu berichten hätte. Wenn jeder mharbeile, dann gehe es vorwärts und aufwärts t iLcbHäfter Beifall.) Sismarcks Weltkrieg-Prophezeiungen. Dem kürzlich im Verlag von L. W. Seidel& Sohn in Wien erschienenen Buche von E. C. Corti:„Alexander von Battenberg. Sein Kampf mit dem Zaren und Bismarck", das Material aus den Akten des ehemaligen Ministeriums des kaiserlichen Hauses und des Aeutzern enthält, entnehmen wir aus einer Unterredung Bismarcks mit dem österreichisch-ungarifchen Botschafter Grafen Szschsnpi am 14. Januar 1886 folgendes: Lediglich auf Deutschland gestützt, ohne Bürgschaft für die - Haltung der beiden Westmächte, sollte O e st e r r e i ch es auf einen Bruch mit Rußland nicht ankommen lassen. Wir könnten hierbei, se nach Gestaltung der Dinge in England und Frank« reich, einer russisch-englisch-französischen Koalition die Wege bahnen, der gegenüber der Stand der beiden verbündeten Kaiser» Höfe ein schwieriger und die Zuverlässigkeit Italiens fraglich werden könnte. Aber nicht nur über Italiens, auch über Englands Haltung im Falle eines europäischen Krieges verhieß sich Bismarck nichts Gutes. Ließ er doch amBl. August 1886 in einer ihm nahestehenden Zeitung erklären: «uno wenn Ägeuiicyiano rne Lair Des russpch-granzoflichcn Krieges auf sich genommen hätte, wie würde es dann mit der englischen Hilfsbereitschaft flehen'/ Es wäre der größte Schaden lind läge die stärkste Selbsttäuschung darin, bei einer ernsten deutschen Gefahr auf irgendeinen Grad rngki'cher Hilfe zn rechnen. Wenn England drn. wie es scheint/ unanfhaliiamen Fortschritt Rußlands im Orient hemmen will, so mag es den Versuch unternehmen, die m o h a nr m e d a n i> ch e ZsZetr wider- standsfähiger zu machen, aber es mag Deutschland mit der Zu- mutung verschonen, den Expansionsdraiig der herrschenden Klassen in Rußland aus sich abzulenken." Wenn aber alle diese Befürchtungen eintreffen und Deutschland einer übermächtigen Koalition erliegen sollte, dann war sich Bismarck erst recht klar, was das bedenten würde und er sprach im Reichstag am 11. Januar 1887:, Unsere Hoffnung auf Freundschaf! der drei Kaiser hat sich so weit verwirklicht, daß wir zu Rußland und Oesterreich im besten Verhältnis stehen. Die Schwierigkeil liegt in der Erhaltung des Friedens zwischen O e st e r r e i ch' und R u ß l a n d. dort liegen konkurrierende� Interessen vor, die es schwer machen, Frieden zwischen unseren Freunden zu erbalten. Diese zu ebnen ist unsere Aufgabe, ischwieriger liegen die Dinge mit Frankreich. Wir müssen vorbereitet sein, den historischen Prozeß zwischen Frank- reich und Deutschland wieder ausleben zu sehen. Unter- schätzen Sie nichl F r a n k r e i ch S M a ch t. Dirt lebt ein kriegerisches, tapferes Volk, und eS ist ei» Zufall, daß wir ihm 1870 überlegen waren. Wenn wir gmterliegen, der Feind vor Berlin stände, wie wir vor Paris, die Franzosen wären nicht die g e m ä ß i g l en Sieger, wie wir es waren. Sie würden uns bis zur Blutleere zu Ader lassen. Der Krieg von 1870 wäre ein K i n d e r s p i e l dagegen. Nicht vor einem Menschenaller dürften wir uns ausrichten. � Für Bismarcks späte Nachfolger war dies alles vergebens geredet... Die Freude des Qualitäisrauchers ist die •MafflMil* Dai neue SoHirnenl reiht«ich würdig denen der Vorkriegszeit an. Die edlen orientalischen Tabake, welche ausschließlich zur Verwendung kommen, geben den Manoli-Zigarretten das ihnen eigene prachtvolle Aroma und den beliebten reinen Geschmade. 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Berliner Theater Uhr: Der letzt« Walzer Oentrai-Theatcr u'- Die TersrtifiBil.PaiiÜRe. Dentarhea<#peruh»n» 7 u.; Prinzessin rTrspezunt. Die Trlh*nw s uhr: Bunbury. rrledr.-AVUhelmst.Tli. 7'/, uhr: Der hlontie Tranm. Kleines Tlieiitcr. 7',-u.: Elise Lensing. Koni lache Oper iv, uhr: Liebe im Schnee. T laTapielKaa» Arnold Rieck in: u�ZwMgs-flnprltEFiing ilkeuropol-Theater. Geschlossen, 4. September: äollandwelbchen. f'eueÄ Centrai-Theater u1] Die Dane Im Frick. Sieuea OperettOMkaus T/t u/Die CslKisliniisss. Äeues Tolkatheater 7', uhr: EolTiui ulSegen. »elifller-Th.st. Chsrl. uhrDerflelffeprlfte ThnUn-Tk.atei Tz, u.: Hoheit fie Tlazerin. Th*.a*n.\oUeBdarfplntc u.1 Eine Rächt I« Piratües Stg. 3V»: Der Vioteelleht«. Theater de» Wootena L';; Der ersten liehe jßld.Mt Wallner-Tkcater Uhr•. Die Frau im Dinheln. Walhallm-Theatar. 7v, u.: Die InternillBiiale. Apollo- | T1/» Theatop T1/-] i Dir. James Klein.| Letzte Tage Paul Beckers! Volksbühne Theater*irn Bülowplatz. 7-/- uhr: ztgeunerMebe Lessieg-Theater, AI laben i! ich TVj Uhr; VW'lätizerin (Leapoldine Konstantin, A. Haase, Hermann Thimig.) Deutsches Kiinstier-Theater Zum letzten Male, ff Uhr: Clubleute mit Mtix Adalbert. Mittwoch, z. 1. Male, 7 Uhr: DieScbeMimesreise Musikalischer Schwank. Inszenierung: Victor Palfi mit Max Adalbert und Trude Hesterberg. Gasiaa-Theater Lothrinprer Str. 37.— Tgl. 3,'�: Das gr. Eröffnungsprogramm mit dem neuen Schiacer: Knorp's sei. Witwe und ,,AnschltiB verpaßt". Singspiel mit Viktor Litzek, Sonnig. 3V?:(ich rüder Zorn. Triauva-Theater. ßahnho! Friedrichstraße. Ailabendiich 8 Uhr: Hansl Arnstadt in Untreu SonntajM: Der Störenfried Rose-Theater. 7V, Uhr: Der fraj von LnxemhDrg. Residenz- Theater. Stadtbahn Jannowitzty-flcke. Untergrundbahn Klosterstr. Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolg! Die RosciMs Sonntag 4; Der gute Ruf. Voranaseiice: Donnerstag, den 2. Sept. 1920, abends 7 Uhr, zum I. Mole „Die Freuadm". Von Hermann Sudermann. Regie: Alfred Rotter. Tilla Durieux, Carola Toelle, Hans Albers, Paul Biidt, Paul Biensfeldt, Herrn. Vallentin, Förster, Zimmermann. 60«acn»ra3> Winter- Garten Täglich 7.>8 Uhr: Variete-Spielplan Rauchen gestattet! « Theater a.Kotlbus.Tor X Tel.: MoHtzplatz 14814. 4| Täglich 7x/2 Uhr; lA.Elite-SänBer. ÖK'Ö' Volls ländig fBCH» neues Programm. II rW Blüthgen-Konzen, Ii If Beginn 7 Uhr. J4..0 Vorvk. 11-1'/,, 4-6 U. H6iehshall.-Theater Abends 7'/, und Sonntag Nm.Z: Slerilner Sängef Sinchmittag» daldc Prcih mit seiner urkom. I Varietd QeseilschaN I �SSSaBSSiSSSnäS IRStQ k Potsdamer Str. 38| Das Götzenbild der Wahrheit. Turmstr. 12 Carola Toelle TSteades Schwellen außerdem das Lustspiel Die d.rllncr Range 3. Streich.mit Hilde Wnmer. Frledenan, Rheinstr. 14 Henny Porten: Kohlhlesels Töchter. Alexanderpl.. Passage Artur Imhoft. und die übrigen ingüsi-Yanete- Sensationen. S cliloSIlrauerel fcl)öneberö!: HauptMr. 121/23. Dir.: E. Krtm.r. 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Meru*\ - ßr|ss elvseiWlele öeiloüiisK für\ ® MVMöiMZelMilW., K 1 TO& Morgen Uhr U rauf f ührung Des grossen Union- Füms der Ufa; Symuriiü nach der Pantomime von Friedrich Frekca bearbeitet von Ernst Lufoitsch u. Hanns Kräly Regie; Eriist L�bitscli Musik: Victor Hollaender Hauptrollen: Pols �Segri Jenny Hasselquist/ And Egede Nissen Paul Wegener/ Harry Liedtke/ Karl Clewing Ausverkauft! Ehren- und Freikarten angültig. EennenzuGrunewäld fUnloB'Klub) Dienstag, den 31. Angnst, nachm. Vh Uhr 7 Rennen. Rauchtabak frisch eingetroffen, paketiert und banderoliert, per Pfd. 18.�-, 23.-, 25.—, 20.50, 28,50, 30- Zigarren äußerst billige Preise: 42.-, 54.—, 60.—, 05.— bis 95.— Fritz A. Ziegler Berlin(üroßhandlang Berlin KochstraBe 30. Unland 4553. Beste Einkaufsstelle fGr Gewerkschaften und Kantinen. Prozesse, Rat, Beistand, mäßige Preise, Teilzahlung, Ehe-, Alimenten-, Straf 1 Sachen, Steuern, Gnadengesuche, j Landgerichtsrat Dr. v. Kirchbach, Gesellschaft m b. 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Basebawscher Krankheit geheilt.— 19. Fran E. Popp. Berlin-Lichtenberg, Garinerstr. 10. Bon chron. Leibe», Herzschwäche nnb Uerslapsnng 1 gehe!!!.— 2v. Herr A. Schlabltz, Berlin, Caprivi- strafte 24. Pon Geilchislnpus geheilt; vorher | mit Radium erfolglos behandelt.— 21. Herr A. hell- l wig. B.-Borslgwalbe, Ernststr. 25. Von Magen- gelchwnlsk, Verstopfung nnb Aervcnschwiiche gehellt,— 22. Herr Äiichhanbler Eckert, Berlin,! Greifenhagener Strafte 26. Bon gichtlsch-rheurna- j [ tischen Schmerzen in Bein und Fuftgeienf geheilt.— 23. Herr Gastwirt E. Michaelis, Char- ! iotienbnrg. Wallstr. 87.»on chronischem Leber» l leiden und GelSsnch» gehellt.— 24. Frau M.! Hnorr. Ber>in»Lichtenberg, Scharnweberstr. 62. Bon I Herzschwäche, Leberanschwellung geheilt.— I 23. Sohn JJoul de» Weichenstellers Herrn Withelm i yassner, Bcciiu-wesfenb Beamtenbaus. Bo» schwerem Belntelben geheilt. 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Er hatte für jedermann ein warmempfindendes, hilfsbereites Herz, und vielen von uns war er oft über die dienstlichen Interessen hinaus ein guter Berater. Seine Pflichttreue war vorbildlich. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Das Personal 143/15 der Allgemeinen Ortskrankenkasse der 8tadt JBcrlin-Schöneberg. S" SklWl LMM-MW Dienstag, den 31. August, nachmittags VzS Ahr, in Vökers Jestsalen. WederstraK� 17, großer Saal, MerM»«. MMMMMNlmg der Buchbinder. Die Wichtigkeit der Beschlüsse, welche in dieser Borsamm» lung gesaftt werden sollen, bedingt das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen._ Die Stoncheuleitung. (Elche) 1 Büfett, 140 br. 1 Anrichte m.So. 1 2-Zug- Auszieh- Tisch 4 Stühle, bepoist. SeMalzimmer&v; (Eiche) 1 Bibliotnek 160br. 1 Schreibtisch 1 Schreibsessel 3 Stühle 1 runder Tisch 1 Kiictie kS Mark 4581. und andere bedeutend herabgesetzte Schlaf-, Wohn», Speise- u. Herrenzimmer sowie Klubsarnituren. 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Juli 1S2V unter der Bedingung anzunehmen, daß. 1. die Ileberstundenvergüiungen feste Sätze bleiben. 2. die Arbeitszeit einschließlich einer halbstündigen Pause bei durchgehender Arbeit 8 Stunden täglich, am Sonnabend 6 Stunden, ohne Pause, beträgt, S. die Kinderzulagen auf eheliche(II) Kinder beschränkt werden, 4. die Unkündbarkeit nach 12 Dienstjahren fortfällt. Er hat sich ferner bereit erklärt, die Berheiratetenzulage, die der Schiedsspruch auf 1800 M. festgesetzt hat, in der bisherigen Höhe von 2ö80 M. zu belasse�. Eine vernünftige flnorönung. General von St. Ange in Magdsburg hat, wie der„Halleschen Zeitung'' mitgeteilt wird, eine Beiordnung erlassen, wonach samt- lichen Beamten der Sicherheitspolizei Mitteldeutschlands das Tragen von Hakenfteuzen auf der Zivillleidung verboten wird. Durch das Tragen von Hakenkreuzen werde, so heißt in der Verfügung, eine Tendenz bewiesen, die sich gegen einen Teil der Be- völlerung richte, und der Polizeibeamt� habe neutral zu sein. Man wird der Verordnung wie ihrer Begründung nur völlig beipflichten könne». Es wäre sehr gut, wenn die Verordnung nicht allein auf Mitteldeutschland und die Sipo beschränkt bliebe, WaS meint insbesondere Herr Geßler zu einer parallelen Verfügung für die Reichswehr!_ Die pfeifende» Nationalisten. In der„Täglichen Rundschau' teilt ein Leser mit, daß die nationalistischen Eltern„auf daS Ber- bot der Sedanfeiern pfenen'. Sie würden eben am 2. September ihre Kinder nicht zur Schule schicken,„ob daS dem Herrn Miiiister paßt oder nicht'. Der„Täglichen Rundichau', die dies wider- spruchslos abdruckt, und ihrem Einsender scheint unbekannt zu sein, daß eS in Preußen einen Schulzwang gibt und daß unberech- tigteS Fernhalten der Kinder vom Unterricht eine strafbare Handlung ist, DaS sind dieselben Leute, die heuchlerisch über den abnehmenden Respekt vor den Gesetzen lamen- tieren. phoiographiichen Wiedergabe außer Uebung gekommen war. Solche Mappen werden jetzt, wo wir auf die Nachbarschaft beschränkt sind, da» Gefühl für schöne Heimallandschaflen neu beleben, das durcki sie geschulte Auge wird die Natur mir gesteigerten Sinnen und vermehrter Genußfäbigleit anschauen. DaS Geheimnis ber Sphinx. Neben den Pyramiden von Dizeh steht bekanntlich die ganz avi„ein Felsen herausgehauene Riesen» statue der Sphlnr: ein Löwe mit dem Kopf eines Menschen, der die Züge des Pharaonen Chefrest trägt. Schon immer vermutete man, daß diese Kalossalftatue nicht massiv sei, vielmehr Gemächer enthafte. Jedoch erst der Professor Reisner von der Hnrvard-Unt- versität entdeckte oben auf dem Kopf der Sphinx«in völlig von Sand verschüttetes Loch. Dem Gelehrten gelang eS nach mühseli- gen Grabungen, in das Inner« der 20 Meter hohen Figur einzudringen. Er entdeckte einer Tempel mit einer Statue des Königs Mona, Dieser Tempel ist durch«inen langen Gang mit einem Gemach verbunden, daS sich in einem der Porderfüh« be- findet. Auch viele kostbare heilige Gefäße wuvoen gefunden. Pro- fessor Rersner har bisher Kopf, Brust»nd Vordersüße der Sphinx untersucht. Die Grabungen sollen jetzt fortgesetzt werden. Heine hinter Brettern. Die Barbarei marschiert, nicht die von unten, sondern die schwarz-weiß-rote; Männer wie Einstein werden zum Lande hinausgeekellj dem toten Heine hat man sein Denkmal so beschmutzt, daß man es vor weilercr Verunstaltung hinter Brettern verbergen muß. Das erste Mal hatte die Arbeiterjugend das Denkmal wieder reinigen könne», aber das zweite Attentat läßt sich nicht wieder gut machen. Viel« Jahre bat Heine kein öffentliche» Denkmal haben können/ jetzt, da e« in einem Jnnenhos in Hamburg steht, muß es wieder verhüllt werden— vor den ualionalen Schmierfinken und Totenbesubler», Theater. Im Theater in der Kön-ggrätzer Straße ist die Erstauffüh- rung von Ibsens„Baumeister Solneß' aus Sonnabend, den 4. Sevtember angesetzt,— Die Neueinstudieruna von Puccini«„Boheme' in der Staalsoper findet Freitag, den 10. September, statt. Musik. Acht Abonnements« Konzerte mit dem Blüthner. Orchester im Blüthner-Saal �dirigiert Kapellmeister Edmund Messel. unter Mitwirkung namhafter Solisten. Der erste Abend slndet am Ll>. Sept. als Wagner-Strauß-Abend statt. Ein öfterreichisch-italienischos«unstabkomme» regelt freund- fchastlich, Oesterreich gibt die itallensscheii Kunstwerke zurück, die ohne rechtmäßigen ErwerbZtiiel dabin aus Italien gekommen sind und um- gekehrt."Im Frieden von St, Germain war nur von italienischen An- svrüchen die Rede, nun bekommt Oesterreich aitch die ihm abgenommenen N'andobjekte sowie ibm von früher her zustehenden Kunstwerke zurück. An Stelle der Gewalt de« Sieger«, das von Belgien Deutschland gegenüber geltend gemacht wurde(stehe den Genter Altar), ist hier also da« Recht getreten. Skuslandshilfe kür«unst und Wissenschaft. Die Rot unserer Bibliotheken bat. in Nordamerila zur Gründung einer Gesellschaf! von Deulsch-Amerikanern gesührt, die uns mit amerikansschen Büchern versorgen will. Auch die Quäker werden sich aus diesem Gebiete betätigen,— Der dänische Schriftsteller Karl Larsen hat eine.DichterhUse' für notleidende deutlcke und österreichische Dichter WS Leben gerufen, „Die Großmächte«nd die Weltkrise-, Professor Kjellens, des bekannten schwedischen Historilers neues Werk, da« die Forlsührung seiner „Großmächte der Gegenwart' bildet, wird w Kürze im Berlage von B. A. Teubner, Leipzig, erscheinen. die Werkstatt üee Zitatenfälsther. Lassalle und die Deutschvölkische». Folgender Schriftwechsel wird uns übermittelt: Au den Deutschen Schutz- und Trutzbund Hamburg I„ Postschließfach 38. In den letzten Tage» wurde hier vielfach ein Zettel oerbixitet mit folgender Inschrift: ..Lassalle sagt:„Die Arbeiterbewegung hat sich fern zu halten von Kapitatisren und Juden; wo diese als Letter und Führer auftreten, da verfolgen sie auch eigene jüdische Zwecke.' ES wird hier vielfach beftvitten, daß Lassalle dies gesagt haben soll. Ich wäre daher dankbar für eine schleunige Mitteilung,, in welchem Bande und auf welcher Seite der Lassalleschen Tchriften sich daS-rw ahnte Zitat findet. Hochachtungsvoll gez. Foerder, Rechtsanwalt. Hamburg, den 2g. Juni 1920. Herrn Rechtsanwalt Foerder i Breslau. Ihre gewünschte Auskunft Eher den Ausfpruch von Lassalle können wir Ihnen nicht geben. Der Ausspruch findet sich in F-ritsch' „Handbuch oer Fudenfvage' ohne Quellenangabe. Auf eine Anfrage unsererseits beim Verlag. in Leipzig konnte Herr Fritsch die Quelle augenblicklich nicht angeben. Wir werden noch einmal versuchen, in den' Schriften von Lassalle selbst nach- zusehen. Wir wepden Ihnen dann die gewünschte Auskunft geben. Mit deutschem Gruß s Deutscht! ölki scher Schutz- und Trutzveriba nd. Hauptgeschäftsstelle Hamburg. gez. Unterschrift. Wir, haben starken Grund anzunehmen, daß die Suche ganz und gar vergeblich sein wird, falls sich nicht etwa der Deutschdölklsche Schutz- und Trutzbund eine Neuausgabe der Lassallefchen Schriften durch die Magdeburger Spitzelzentrale oder die Materialsammler des„Lokal- Anzeigers" besorgen läßtl_ De? Futterkrippen'"- Schwindel. Die deutsckmatwnale Presse, behauptet neuerdings mit Vor- liebe, daß daS be! ihr recht unbeliebte Kabinett Braun deshalb keine Neuwahlen ausschriebe, weil es noch möglichst viel Zeit herauszu- schlagen suche, um Sozialdemokraten in die Verwaltung hineinzunehmen. Und als Beweis wird, um den deutschnationalen Leser gebührend erschauern zu machen, behauptet, daß nicht weniger als 182 Landrats stellen mit Sozialdemokraten neu besetzt worden seien. Wenn dies der Fall wäre, so würde daS sicher kein Fehler sein, aber es ist nicht so. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, sind seit der Revolution von insgesamt et Iva 500 Landratsstellen im ganzen 134 Landratsämter neu besetzt worden. Davon 12 9 end- gültig und 65 kommissarisch. Hiervon sind 20 Mitglieder der S. P. T. endgültig ernannt und 12 kommissarisch. Unabhängige Sozialdemokraten mögen etwa 4 bis V zu Landräten ernannt worden sein. Der größte Teil der übrigen neuen Landräte setzt sich auS alten LerwaltungS- und' Kommunalbeamten zuiammen. Diese Tarsachen sind schon mehrmals der Presse mitgstchlt worden, aber die reaktionäre Presse wird auch jetzt weilerschwindeln. Polnischer Nlastenmorö. Nack der Bcuthener»Lstdeutschcn Morgenpost" ist im nahen Josephstal eiwt grauenvolle Mordtat aufgedeckt worden. Mehrere Deutsche, die aus Maczeikowih von einer Bande weg. geführt worden waren, wurden in Josephstäl erschossen; ihre Leiche» wurden verscharrt. Fünf Leichen sind bereitsgefun- den worden. Montag nachmittag wurde« in Gegenwart'einer Kommission ber Staatsanwaltschaft Beuthen die Körper der übrigen fünf Er- mordeten ausgegraben. Bon der Interalliierten Kommission waren ein englischer Major und ein englischer Hauptmann zugegen, ferner eine fron- zösische'Truppenabteilung. Etwa 100 Meter von der polnischen Grenze entfernt stieß man mitten im Wald« aus die angegebene Stell« und kam bereit? in 50 Zentimeter Tiefe aus die ver- scharrten Leichen. In dem engen Loch lagen die fünf Ermordet«« kreuz und ouer durcheinandergeworfen, wie verscharrte Vieh- k a d a v e r. Alle fünf waren nur mit Unterwäsche bekleidet. Selbst Stiefel und Strümpfe hatten die Mörder ihnen geraubt. Ein« so- fort vorgenommene Untersuchung der Leichen ergab, daß die Opfer sämtlich durch Revolverschüsse in den Kopf getötet waren. Die englischen Offiziere zeigten sich von dem furchtbaren Anblick aufs tiefste erschüttert und empört. Der Major äußerte, dag er eine solche scheußliche Untat nicht, für möglich gehalten hätte und daß er nach seiner Rnckkebr. nach England seinen Landsleuten von dieser Tat Bericht erstatten werde. Die Leichen sollen in Beuthen am Dienstag seziert werden, Aus den angestellten Ermittlungen erhält man bisher folgen de» Bild: Die zehn deutschen Arbeiter wurden am Sonnabend, den 23. August, in ihrem Schlafzelt in Maczeikowitz bei Kattowitz von bewaffneten Polen überfallen und gefangen über die Grenz« nach Polen geführt, wo sie erschossen werden sollten. Die polnischen Be. Hörden befahlen jedoch, die Festgenommenen nach Deutschland z u- rückzuschaffen. Am Montag, früh'wurden zuerst> fünf der Gefangenen bei JosephStal über die Grenze transportiert, während der Rest jenfeitS der Grenz« von Hallersoldaten bewacht wurde. In dem hart an der Grenze auf deutscher Seit« gelegenen Walde wurden die Gefangenen dann ausgestellt und niedergeschossen. Dann begaben sich die vier Polen wieder an die Grenze und holten die übrigen fünf Gefangenen ab. die sie dann, etwa 50 Meter von der ersten Stelle, in derselben Weise ermordeten. Die Henker ließen die Leichen im Walde liegen und begaben sich nach JosephKtal, wo sie sich ihrer Tat der polnischen Bevölkerung gegenüber rühmten und diese aufforderten, sich von den Leichen alle brauchbaren Klei- dungsstücke zu holen und die Körper dann zu verscharren. Tann zogen die Mörder nach dem Dorfgasthaus, wo sie an einer dort stattfindenden Hochzeit teilnahmen, tranken und tanzten, um sich in der Nacht zu entfernen, Di« Opfer dürften zum größton Teil Rheinländer sein. Bon den Mördern konnte bisher einer verhaftet werden. Die übrigen sind geflüchtet. Die Kleidungsstücke der Ge- töteten und die in ihren Tafchen befindlichen LegitimattonSpapiere sind weg, Selbst wäbrend der Anwesenheit de» englischen und franzö- fischen Militärs in JosephStal liefen dort Hallersoldaten in Uniform umher, ohne daß die Enlenteleut� eingeschritten wären. Montag nachmittag 4 Uhr fand in Breslau die Beerdigung.des Generaldirektors R a d l i ck auS Oehmitz statt. Radlik ist bekannt- lich von au ntührert schon Polen überfallen, mil Gewehrkolben miß- handelt worden und seinen Verletzungen erlegen. Die Beerdigung sollte am Sonuadend vom Trauerhause auS stattfinden. Darauf-! hin drohten die Polen mit gewaltsamer Störung iei Trauerfeier. Um daS zu verhindern, mußte man den Sorg heim- lich in der Nacht in den auf freiem Felde haltenden Zug kwer- führen, um ihn nach Breslau zu bringen. Der Preußische Pressedienst erfährt: Die Interalliierte Kommission teilt mit, daß von««er Auf- forderung des Obersten Rates zu Paris, Borschläge für eine be- schleunigte Abstimmung zu machen, nichts bekannt, sei. Die deutsche Bevölkerung Oberschlesiens verhält sich gegenüber dem Abkommen mit den Polen zum großen Teil skeptisch. Korfanth hat in den letzten Tagen Kundgebungen veranstaltet, auZ denen hervorgehe, daß er daS Abkommen als einen Sieg PolenS betrachte, daß er aber anscheinend den Vereinbarungen, die die Polen belasten, z. B. paritätische Zusammensetzung einer neu- tralen Sicherheitspolizei, zu entgehen versuchen werde. Von einer durchgreifenden Entwaffnung der Polen könn« auch heute keine Rede sein. Der Abtransport der Sicherheitswehr auS Oppeln, soweit sie aus Nichtoberschlesiern besteht, ist nicht ganz glatt vor sich gegangen. In der Nacht zum Sonntag fanden vor der Kaserne, in der die zurückgebliebenen SicherheiiSwehrbeamten ihr Quartier haben, patriotische Kundgebungen statt. Da wurde plötzlich bekannt, daß die Eisenbahner sich weigerten, die bereits verladenen Sicherheitswehrleute abzutransportieren. Erst nach längeren Ver- Handlungen konnte ixtS notwendige Zugpersonal beschafft und die Truppen gegen 7 Uhr morgens abtransportiert werden. Nach einer Meldung des„Echo de Paris" hat der Oberste Rat die Frist zur Entwaffnung der Bevölkerung bis zum 12. September verlängert. Die Entwaffnung ist eine generelle, infolgedessen werden von ihr � auch die neugebildeten paritätischen Orts- wehren betroffen. Nach dor„Dona' hat Korfanth in Anhalt, wo die polnischen Aufftändischen besonders große Verwüstungen angerichtet haben, offiziell fein Bedauern über die Vorkommnisse in Anhalt aus- gesprochen und gewissermaßen zur Sühne den Betrag von 32 900 Mark übettviesen. Im gesamten' oberschlesischen Industriegebiet arbeiten gegen 70 Prozent, im Bezirk Zabrze noch mehr. Kein Streik mehr. AuS Jndustriekreisen wird mitgeteilt: Die Aus- standsbewegung ist verschwunden. Die Arbeit ist durck» weg im Gange. Welchen materiellen Schaden oie Augustereignisse in Obcrschlesten angerichtet haben, ist noch nicht zu übersehen, doch wird man mit außerordentlich hoben Zahlen rechnen müssen. Fordern doch die Polen für ihre« Schaden in Kattowitz von der Stadt allein 6 Millionen Mark. Bei Ausbruch des Streiks am 19. August betrug der Hauptkohlenversand 112 000 Tonnen täglich, diese Ziffer war am 20, August auf 75 Proz., am 21. August � auf 33 Proz., am 28. auf 25 Proz., am 24 und 25. August auf 23 Proz. gesunken uno fing vom 26. August ao wieder langsam an zu stet- aem Der Ausfall vom 20. bis 26 August beträgt rund 409 000 Tonnen. Die Wirkung dürfte in erster Linie die Eisenbahn treffen, weiterlin die Industrie, die GaS. und Elektrizitätswerke, vor allem die Zuckcriodustrle, die bis Ende September zwei Drittel ihres gesamten Kampagnebedarfs gedeckt haben muß.... Polnische Uebergriffe. Marienwerber, 80. August.(WTB.) Am Sonntag wurden die beiden deutschen lleberleitungSkommissare in S ch w e tz und Thorn, die Organe des Reichs- und Staatskommissars sino, ver- haftet. Die Verhaftung de? Schwetzer UeberlettungStommiffarS ge- schah angeblich unter Spionageverdacht, Der Kommissar wurde nach der Staroftei gebracht, wo er feinen ebenfalls verhafteten Se- kretär vorfand. Dieser wurde am Nachmittag wieder freigelassen. Der Ueberleitungskommissar blieb bis zum nächsten Tage in Unter- suchung und durste Schwetz nicht verlassen. Der deutsche Ueberleitungskommissar auS Thorn wurde am 19. August bei einer Dienstreise nach Marienwerder in Roggen- Hausen aus dem Zuge heraus verhaftet. Einem polnischen Beamten war ein versiegelter Brief aufgefallen, den oer UeberleitungS- kommissar bei sich führte., Trotzdem er den Beamten auf die Ae- stimmungen deS Beuthener Abkommens und des von ihm mttge- führten polnischen Ministerpasses hinwies, wonach er berechtigt fei, amtliche Schriftstücke bei sich zu führen, und anheimstellte, Kenntnis von dem Inhalt deS Briefes zu nehmen, verhaftet« ihn der Ve- amte. Der Kommissar wurde darauf nach Graudenz zurückgebracht. Dort erkannte der Starost, dem er auf Verlangen vorgeführt wurde, den geschehenen Uebergriff an und stellte ihm neue Ausweise aus. Auf dem Bahnhof wurde der Kommissar jedoch sofort erneut von Bürgerwehrleuten verhaftet, welche den Ausweis des Dtarosten als nicht ausreichend befanden. Der Bitte, den Starosten vorgeführt zu werden, wurde nicht stattgegeben. Statt dessen wurve der Kam- missar in feine Kaserne gebracht, wo er die Nacht in einer Arrest- zelle eingesperrt verbringen' mußte. Erst am nächsten Morgen wurde er einem Offizior deS Generalkommandos vorgeführt, Hr ihn frei ließ. Daraufhin sandte der Slarost den Kommissar zum Zwecke der Fortsetzung seiner Reise nach Marienwerder in seinem Dienstauto und in Begleitung des KreiSrontrollöurS bis an die veuksche Grenze. Von Marienwerder aus geschah die Zurück« sendung deS Kommissars nach Thorn persönlich durch den polnischen Generalkonsul m dessen Automobil. Zuspruch nach Paris. Genf, 80. August, lFrankfurter Ztg.) Die.Humanit�' veröffentlicht eine Zuschrift deS Dr. Breitscheid, in der die französischen Sozialisten darauf hingewiesen werden, daß die be- ständigen Annexions- und JnterventionSdrohunge» der französischen Regierungspresse nicht wenig dazu beitrügen, die Hetze der All« deutschen zu fördern. Breitscheid erwartet, daß die sranzösi« s ch e n S o z i a l i st e n den Kampf mehr al« bisher in Uebpr- einstimmung mit den englischen Arbeitern gegen den Jmperia- l i s m u S in den Ententeländern führen. Hoffentlich hat Breiischeid auch nicht unterlaffen, zu betonen, daß die allerkräftigsls Werbeschrift der deutschen Reaktion jene» V e rs a i l l e r' D i l t a t ist. das von der Breirscheidparter gar nicht schnell genug angenommen werden konnte, Neberwachung von Eiscnbahnsendungen. Der RetchsverkehrS- miirister hat die Eisenbohndirektionen angewiesen, von jetzt ab alle Sendungen, die durch Verfrachter aufgeliefert werden, denen eine falsche Deklaration von Frachten nachgewiesen ist. grundsätzlich idurch Oeffnen der Verpackungen und dergleichen) daraufhin prüfen zu lassen, ob der Inhalt der Sendung mit den Angaben im Frachtbrief überein st immt. Die seit jeher be- stehend« Vorschrift, daß die Dienststellen sich von der Ueberein- ftimmuirg der Angaben im Frachtbriefe mit dem Inhalt der Sen- düng zu überzeugen haben, wenn der Verdacht einer falschen Deklaration besteht tst erneut eingeschärft worden. NeüeS Armeniermossaker? Nach einer H avas Meldung sind 400 Armenier, Männer, Frauen und Kinder, die sich in einer Kircke in Boli(Anatolien) e.ngeswlossen hatten, von einer Kurden- bände erschossen worden,— sDas k c> n n auch eine Tenoenz- mache gegen die, NationaWiSvormes sein. Rech) EewsrkschQfisbewegung Sne Jntecnatwnele öer Lebensmittelinöuftrie. Der zurzeit in Zürich tagende internationale Kongreß der Levens- und Genußmittelbetriebe beschloß, aus den drei internatio- nnlen Vereinigungen der Bäcker, Brauer und Fleischer einen internationalen Bund der Arbeiter und Ar- beiterinnen der Lebensmittelindustrie zu schaffen. Der Zusammenschluß tritt am 1. Oktober in Kraft. Zürich wurde als Sitz des Bundes bestimmt. Die amerikanischen Delegierten der Industrial Workers of theWorld verweigerten den B e i- t r i t r, weil die Abschaffung des Lohnsystcms und die Uebernahme der Produktion durch die Arbeiterschaft in dem Statut nicht genügend klar umschrieben sei. Als Sekretär des Bundes wurde Hans Schiffer st ein- Zürich gewählt. Als nächster Kongretzort wurde Brüssel bezeichnet. In einer Resolution wendet sich der Kongreß gegen die Nachtarbeit. In einer anderen fordert er die Soziali- sierung der Lebensmittelindustrie. Der Generalstreik öer englischen Sergarbeiter. Am 2. September wird in London eine Konferenz der Gr- werkschaften zusammentrete� um die Schaffung eines st ä n- digen allgemeinen Arbeitsrates(Work Louncils zu beschließen, der das jüngst gegründete Aktionskomitee ersetzen soll, Er soll 30 Mitglieder haben und bereits am 2. Sevtember fertig gebildet werden, um bor allem in den Konflikt der Bergarbeiter einzugreifen. Man hofft, dadurch einen allgemeinen Ausstand der Bergarbeiter zu vermeiden. Jtrstviscbcn vollzieht sich die Abstimmung der Bergarbeiter über den Generalstreik. Obwohl das endgültige Resultat noch nicht bekannt ist, unterliegt es nach einer Drahtmeldung aus London keinem Zweifel, daß eine Zweidrittelmehrheil schon erreicht ist, die den Streik als gerechtfertigt ansieht. Die öffent- liche Meinung'ist jedoch so scharf gegen den Streik, daß es ungewiß ist, ob die Führer der Forderung der Bergarbeiter nachgeben werden. verbanöstag öer Sankbeamten. Äm Montag wurde die Neuwahl des Venbandsvorstandes vor- genommen. Sie ergab die Wiederwahl der alten Vor- ita n d s m i tg li e d e r, ausschließlich der zur Opposition geHoven- den. E monis und Marx wurden als Geschäftsführer wieder bestätigt. Nach dcr Vorstandsiwahl verließen alle noch anwesenden Dcle- gierten der Opposition demonstrativ den Saal. Ein Antrag, die Delegierten, die sich der Erklärung der Württentberger angeschlossen und den Verbandslag verlassen hatten, aus dem Verbände auszuschließen, fand ein- stimmige Annahme. Dem Vorstande wurde anheimgegeben, auch gegen die O r I�s v e r w a l t u n g e n, die hinter den Ausgc- schlossenen stehen sollten, mit entsprechenden Maßnahmen vorzu- gehen. Es wurde bemerk:, daß die oppositionellen Mitglieder nur 'einen Teil der von ihneit vertretenen Mitglieder hinter sich haben. Der Berbandstag ging nun zur Behandlung des noch nicht er- iedigten Teils der Tagesordnung über.— Durch einen oinstimmig angenommenen Antrag werben die Michlieher verpflichtet, für die Feier des l. Mai durch Arbeitsruhe Propaganda zu machen.• Ein anderer Beschluß empfiehlt dem Vorstands, die freund- schaftlichcn Beziehungen zu den Berussorgamsationen der Bank- angestellten aller Länder schleunigst auszunehmen und die bereits aufgenommenen weiter auszuhanen. Darüber hinaus soll auf die „ArbeitSgemeinschast freier Angestelltenverbände" dabin eingewirkt werden, den Anschluß an die internationale, gewerkschaftliche Ar- bcitevbewegung herzustellen unter Wahrung dcr organisatorischen Selbständigkeit der Angcstelltenbewcgung als.solcher. Eine einstimmig angenommene Resolution begrüßt das zur Bekämpfung des Kapp-Putsches eingegangene Bündnis zwischen dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund und der Arbeitsgemeinschafs freier Angestelltenverbände Und beauftragt den Vorstand, die für eine organisatorische Zusammenfassung der ftri- gewerkschaftlichem Angestellten- und A ob ei tevbewe gu ng erfordcr- lick/en Maßnahmen zu treffen, wobei aber die Selbständigkeit der Afa aufrechterhalten bleiben soll. Tie Angliederung der B e- a m t e n o r g a n i s a t i o n e n an die sreigewerkschastliche Einheits- bewegung soll angestrebt werden- Die auswärtigen Gäste Allina-Wien und Dr. Freund- Prag beglückwünschten den Verbandstag wegen der zuletzt gefaßten Beschlüsse, durch die sich der Verband rückhaltlos zu den Grund- sätzen der klassenbewußten Arheitevbewegumg und zur internatio- naleu Solidarität bekannt hübe. ' Der Rest der TagungSzeit diente der Beratung von Anträgen zum Statut. Beschlossen wurde, im Namen des Verbandes das Wort„Bankbeamte" durch„Bankangestellte"" zu ersetzen. — Im übrigen wurden die Beiträge den Zeitverhältnissen ent- sprechend festgesetzt und einige andere Anträge organisatorischer Art beschlossen. , Ter 5?onflikt in den Buchbindereien.., Durch einen am 19. d. M. für rechtsverbindlich erklärten Schiedsspruch sind die Buchbinderei besitzer in den vier Tarifstädten Berlin, Leipzig,.Stuttgart und München verpflichtet, rückwirkend vom 19. Juli Lohnzulagen zu zahlen. Die Unternehmer weigern sich, diese Verpflichtung zu erfüllen. Sie bestreiten dem Deitiobilmachungskommissar das Recht, durch Ver- bindlichteitserklärung des Schiedsspruchs„im ihre privaten Aitge- legen-heiten einzugreisen"'und wollen den Klageweg bis zur böchstcn Instanz beschreiten, um ihrer Ansicht.Geltung zu verschaffen. Andererseits wollen aber auch die Arbeitnehmer kein Mittel unversucht lassen, um die ihnen zustehende Zulage zu er- halten._ In Leipzig, Stuttgart und München ist die Situation gogemvärtig nicht so günstig, daß die Arbeitnehmer eine Kamps- aktion unternehmen könnten. Sie wollen die Zulagen in j�dem Einzelfalle durch Klagen beim Gewerbegericht erstreiten. In den Berliner Großbuchbindcreien ist die Ge-' schästslage zurzeit nicht ungünstig, die Arbeiter haben deshalb be- schlössen, durch p a s s i v e ,R e f i st e n z die Unternehmer zur Be- solgung des Schiedsspruchs zu zwingen. Der Beschluß ist vorige Woche ausgeführt worden, darauf haben die Unter- nchmer mit weiteren Matznahmen gedroht für den Fall, daß am Montag(gestern) nicht wieder ordnungsgemäß ge- arbeitet werde. Da die Arbeiter nicht willens waren, den Kampf ohne Erfolg aufzugeiben. so war die Drohung der Unternehmer gleichbedeutend mit der A u s s p c r r ü n g, die denn auch am Man- tag tatsächlich eintrat, da die Arbeiter nicht in die Betriebe gingen- Im einer am Montag abgehaltenen Versammlung der, Ausgesperrten teilte die Branchenleitung mit, daß sich die Unternehmer zu neuen Verhandlungen bereit erklärt haben und daß die Branchenleitung an den Verhandlungen teilnehmen werde. Sollten die Unternehmer willens sein, nur die Nachzahlung zu ver- weigent, die laufende Zulage aber zu zahlen, so empsieblt die Orts- Verwaltung, von einer Fortführung, des Kampfes abzusehen und wegen der Nachzählung beim Gcwerbegevicht zu klagen. Am Lause der Versammlung ging die Nachricht ein, daß dcr Vorstand des Arbe i tgeberverbcmdes augenblicklich nicht zu erreichen ist, weil er eine Konserenz in Leipzig abbält. Der Syndikus des Arbcitgeberverhandes hat der Branchenleitung unverbindlich mit- geteilt, die Arbeitgeber würden sich wohl nicht weigern, die lausende Zulage zu zahlen, aber die Nachzahlung zu gewähren, sei ihnen nicht möglich, dech würde sich über diesen Punkt vielleicht eine Ver- ständigung erzielen lassen.— Die Mitgliederversammlung der Berliner Arbeitgeber, die gleichzeitig tagte, ließ mitteilen, daß sie den Kampf zu vermeiden wünsche, bindende Zusagen in Ab- Wesenheit ihres Vorstandes aber nicht machen könne, jedoch die Frist für die Rückkehr zur. Arbeit bis Dienstag verlängere. Die Versammlung, in der eine lebhafte Kampfstimmung herrschte, beschloß nach langer Debatte, falls die Arbeitgeber bis Dienstag abend die bindende Zusage geben, die laufende Zulage vom 19. d. M. ab zu zahlen, am Mittwoch früh die Arbeit wieder aufzunehmen.. Wegen der Nachzahlung wird der Klageweg vorbehalten. Achtung, Setriebsräte! Bon Dienstag, den 31. August, bis Sonnabend, den 4. Scvtcmbcr, werden die vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund für Deutsch- land herausgegebene» Einhcits-LegitimationSkarten für Betriebsräte in unserem Bureau ausgestellt. Inhaber von Lcgitimationskartc» dcr Afa brauchen keinen Umtausch vorzunehmen. Betriebsausweis er- forderlich. Teilnehmerkarten für die Kurse der Afa können in der Betriebs- rätezentrale der Angestellten, Belle-Alliance-Straße 7/19, in Empfang genommen werden. Die Hörgebiihr eines Kurses beträgt Ä. 6,—. Die Kurse beginnen Ende dieser und Anfang nächster Woche. Es werden sprechen: Georg Bernhard über„Aklienwesen und kapitalistische Entwicklung", Julius Kaliski über„Organisation der Wirtschaft", A.- Th. M ü t l e r- N e u h a u s über„Industrielle Betriebslehre", Fritz Naphtali über„Bilanz", Dr. Rudolf Hilferving über„Weltwirlschaft", Dr. Geoxg F l a t o w über „Betriebsrälegesetz und die danril verbundenen Gesetze". Betriebsrätezentral«, Berlin NW. 49, In den Zellen 23. Vorstände und Funktionäre der Gewerkschaften und der Afa k Mittwoch, den 1. September 1929, abends ö'/z Uhx, findet in der„Neuen Welt", Haseiihel�e, eine Versammlung statt mit dem Thema:„BetrtebSorganisationen und freie Gewerkschaften". Referenten: Fritz Schmidt und Z i s k a Der Ausschuß der Gewerkschafiskommission Berlins und Umgegend. Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände. Zum streik in dcr Zelluloidbranche. Durch den Streik ist es dem Zcntralverband der Angestellten möglich geworden, einnial gründlich in dies« Branche bineinzu- leuchten. Haarsträubende Blißstände werden jetzt ausgedeckt. So beschäftigt z. B. die Firma B. S u l mo n n u. E o., Ritterstr. 75, neben acht kcmfmännifchen Angestellten elf Lehrling« und einen Volontär. Wo ist der Gewcrbeinspektor, der dieser Firma einmal gründlich den Kops zurechtsetzt? Ausgerechnet diese Firma rief am Sonnabend die Sicherheftspolizei zu Hilfe und erreichte, daß oie jugendlichen Ausbcutungsobjekte mit polizeilicher Unterstützung ins Geschäftslokal geschleppt wurden. Da augenblicklich in Leipzig Messe ist, werden arbeiterfreund- liche Zeitungen in Leipzig um Abdruck gebeten. Buchbinderverband. Dienstag, den 31. August, nachmittag?.'1,5 Uhr, in Bökers Feftsälen, Webcrstrahe 17. großer Saal, außerordentliche Branchen- Versammlung dcr Buchbinder. Die Wichtigteit dcr Beschlüsse, welche in dieser Versammlung gefaßt werden'sollen, bedingt das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen, Deutscher Transportarbciterverband. Vertrauensleute der Branche des graphischen Gewerbes. Donnerstag, den 2. September 1329, abends flz7 Uhr, bei Feysara, Metchiorstraße 15, Vertrauensmänner- s i tz u n g, Deutscher Werkmeister-Berbaiid, Bezirksverein Berlin 15» Fach» gruppe: Papierverarbeilende Industrie. Vercinsoersammlung Freitag, den 3.«oeptember, nachmittags 5 Uhr. ischulthciß. Neue ZZakobstr, 24(25.— Metallschranben-Fabritation. Donnerstag, den'l. September, abends 7 Uhr im Schultheiß,-Nege Jakobstr, 24/25. , Zentrulverbaiid der Zlngestellten. Fachgruppe ß b. lspehitions- angestellte». Mitgliederversammlung mn� 31. August, abends 71/, Uhr, Musileifäle, großer Saal, Kaiser-Wilaelm-sttaße 31, Wirtschaft Das Währungsproblem. Wie wir bereits kurz mitteilten, ist Prof. Gustav Cassel- Stockholm vom Völkerbund beauftragt worden, ein Gutachten zur Behebung dex internationalen Währungsschwierig- leiten auszuarbeiten. Teile dieser Denkschrift werden nunmehr der Oeffcntlichkeit zugänglich. Prof. Cassel geht davon aus, daß die S ch w an kungen der Wechselkurse es völlig unmöglich machen, den Wert fremden Geldes auch nur einige Tage vorher abzuschätzen. Das ist eines der Haupthindernisse gegen ein Wieder- ausleben von Handel und Industrie. Die Wechselkurse müßten daher stabilisiert werden, und zw'ar in der Weise, daß die einzelnen Geldsysteme einen fixierten Wert erhalten, der sich aus dem Ver- hältnis der betreffenden Geldeinheit zu den wichtigsten Waren er- gibt. Die einzelnen Geldforten werden also nicht mehr noch den Vorkriegtzparitäten gemessen. Diese gehören einem vergangenen Kapitel der Wellwiitschastsgeschichte an. Slatt dessen wird eine Parität festgesetzt, die sich auf der Kaufkraft der. einzelnen Geld- sorten aufbaut, die„Kaufkraflparität". Auf die Be- ständigkeit des Wechselkurses kommt es an. nicht auf seine Höhe. Dazu müssen die einzelnen Länder selbst gesunde Währuvgen haben.„Vor dem Kriege konnte der Handel in Frankreich«nd England aus das intensivste betrieben werden, obwohl das ftanzö- sische Geld nur den 25. Teil des Wertes des englischen Geldes besaß. Dasselbe kann und wird der Fall sein für die Zukunft zwischen allen Ländern mit einer stabilen Valuta ohne irgendwelche Rücksicht auf das' arithmetische Verhältnis zwischen ihren ver- schiedenen Geldsystemen". v Bemerlenswert ist daS Urteil Prof. Cassels über Deutschland: „Um dringend»ölige Einkäufe in fremden Ländern zu machen, hat Deutschland während der letzten Jahre in außerordentlich großem Umfange deutsches G e l d ausgeführt. Gegenwärtig sind taisächlich Milliarden deutscher Mark in den Händen von Fremden. Das hat selbstverständlich den Wechselkurs der deutschen Mark erheblich unter seine'Kauskraiiparitüt heruntergedrückt. Es wäre ein glänzendes Geschäft gewesen, deutiche Mark zu den niedrigsten Werten zu kaufen und sie zum Kaus vou Waren an dem deutschen Markt zu benutzen, wenn diese Waren dort frei ausfllhr- bar gewesen märe». Fast olles hätte unter diesen Verhältnissen ans Deutschland ausgeführt werden können. Das Land war des- halb gezwungen, Maßnahmen zu treffen, um solche Exporte zu ver- hindern oder sie weniger vorteilhaft zu machen. Und diese Maß- nahinen erklären es, daß die Wiederherstellung normaler Wechselkurie dazu zwingt, niit der gegenwärtigen Praxis der Geldausfuhr zu brechen. Selbstvel ständlich muß der erste Dckiritt in dieser Be» Ziehung darauf hinauslaufen, alle im Auslände schwebenden Mark schulden in eine konsolidierte Anleihe um- zuwandeln. Fraglos sind auch andere Länder auf einem ähnlich» peinlichen Wege, und sie sollten gewarnt und ihnen sollte geholfen werden, bevor sie in ciiic solch kritische Lage kommen wie Deutsch- land." Hier ist zu bemerken, daß die Konsolidierung der Auslands» schulden in Mark bereits vor längerer Zeit erwogen worden ist, u. a. auch in der Denkschrift des Staatssekretärs Hirsch über gemeinwirtschaftliche Kapitalbildung. An der Gesundung der eigenen Währung durch Eindämmung der Papierflut. Förderung der Pro» duktion usw. ist man noch immer nicht weit über das Stadium der Beratungen hinausgclangt. Caflel fordert, daß alle Länder ihre Kräsie dazu verwenden, einer weiteren Entwertung ihrer Währung entgegenzuarbeiten, um ihr einen stabilen Wert gegenüber von Waren zu geben. Die vorliegenden Auszüge aus Prof. Cassels Denkschrift lassen ein Eingehen auf die wirtschaftliche Lastenverteilung durch den Friedensvertrag vermissen. Für Deutschlands Währungsgesundung ist diese aber von entscheidender Wichtigkeit. Caflel ist entschiedener Anhänger der Freihandelslehre und es ist daher von ihm nicht zw erwarten, daß er den Fragen der Wirtschaftsorganisation, wie sie für uns von ent'cheidender Bedeutung sind, das nötige Verständnis emgegenbringt. Er verurteilt daher auch die Regulierung des Außenhandels, die in Zeiten schwankender Valuta dos einzige Mittel ist, die Produklivkraft des Landes auf die Erzeugung wichtiger Ausfuhrgüter zu lenken und deren Verschleuderung am Weltmarkt zu verhüten. Bon dcr Rcichsbnnk. Wie der vorliegende Ausweis der Reich?» bank für die dritte Augusiwoche zeigt, stieg der Banknoten- uinlauf weiter um 191,4 Mtll. M. aus 59 653,2 Mill. M., da- gegen nahni d,er Ilmlaus an Darlehnskass enscheinen um 11l Mill. M. aus 13 981,7 Mill. M. ab. An den genannten papiernen Zahlungsmitteln zusammengenommen wurden al>o diesmal 8 9,4 Mill. M. neu beansprucht gegen 262,9 Mill. M. resp, 97 Mill, M. in der entsprechenden Zeit der Jahre 1918 und 1917. Im Vorjahre worin der 3. Auguitwoche ein Rückstrom an diesen Zahlungsmitieln in Höhe von 395,4 Mill. M. eingetreten. Dänische Balntasorgem Infolge der ungünstigen Lage der dänischen Valuta richtet die radikale und sozialistische Press« heftige- Angriffe gegen die dänische Regierung. Sie weist auf Nor- wegen hin, daß ungefähr in der gleichen Lage sei wie Dänemark, da? aber im Gegensatz zu Dänemark eine Einfuhrregelung durchgeführt habe, sowie auch auf Schweden, das sich, obgleich es viel besser dastehe wie Dänemark, bemühe, seine Lage zu verbesscri». Da? dänische Handelsministeniim hat die Einsetzung einer Kam- Mission veranlaßt, welche der Regierung Vorschläge zur Regelung der dänischen Valuta machen soll. Ein' französisch-bclgischcs Erznbkommen. Die französische und die belgische Regierung haben ein neues Abkommen über den Auslausch von Eisenerz und Kohlen abgeschlossen. Belgien liefert Frankreich monatlich 199 999 Tonnen Kohlen und erhält für deren Werl Eisenerze., Die deutschen Kohlcnlicferungcn an Frankreich aus dem Ruhr- gebiet und Westsalcii haben, wie„Journee Industrielle" aus Straßburg meldet, au Umfang zugenommen.' ES scheine, daß die Deutschen ihre Verpslichtungeii halten und die in Spa vor- gesehene Menge liefern. Ter Kamps gegen die Kohlennot. Im Bereich des nieder- sächsischen S t e i n k o h le n s y n d i ka t e s ist in letzter Zeit eine Anzahl kleiner Kohlen werke entstanden. Teils sind es neue Unternehmungen, teils aber bat man die Ausbeutung alter verladener Bortommen wieder begonnen. Die„Deutsche Berg- werkszeitung" zählt>3 solcher Werke auf, die neu in das wieder- sächsische Kohlensyndikat aufgenommen wurden, darunter eflw Reihe kleinster Betriebe. Lokomativanfträgc der Sowjetregierung für Teutschland. Die sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hart mann in Chemnis hat laut„Dena" einen größeren bolschewistischen Aus- trag aus Lokomotiven in Höhe von 39 Millionen Mark erhalten. Veranlw, für den redakt, Teil» Dr. Werner Peiser, Charlotlenburg: für Anzeigen: Tt>. Glockc. Berlin. Bering: Borwärts-Bertag Ä. m. v. H., Berlrn. Druck: Bei- würts-Luchsruckerei u. LerlagSanftait Pnul Singer u. Co... Bcrii.i, Lmdenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Hühneraugen Hornhacii", Scinvieien u.War».zer> beseitigt" schnell.sicher u. schmerzlos ftllkirol locooookacn bewährt Preis M.3,-Jn Apotheken u. Drogerien erhältlicll Vorsicht vor Mäcbabmungen.KukiPol steht einzig da. ZIGARETTE