Nr. 43S» 37. Jahrgang Ausgabe M Nr. S2 Bezugspreis i D ertellilhrl.W,— Mt..monatl.lc>,— Ml. Ire! tn»:''.aus. Doraue. zahlbar. Poft- demt, MonalUch 10.— Ml» exkl. Su« IlellungsgedUhr. Unter SrtmbanD für Seiufdjlana und Oesterret 16,c0 Ml» Ißt das udriqe Aus'.and dei täglich einmal, tztistestune'21 50 M. gjafte.. stellungen nehmen an Oesterreich. Ungarr, Tscheche-Clowale!, Däne» mar!, tzollund, rttremburg, Schweden und die Schwei,.—«ingetraaen in die Dost- semmns-PreisIiste. Oer.Torwärts" mit der Scnntags» beilade.Poll u. 3elt* etlchtim wachen» lagilch zweiin'r Sonntags und Man- lag»»�nnial. Teiegrarnm-Adrestet »So5ialv«molrol vorlln-. orgen-Ansgabe Vevliner OolksblAtt �Zopksnnig) Anzeigenpreis: Die achlgelpaliene Nonvat eiste, eil« lostet».— M.,Teuerung»juichIagba°i» «Kleina ilnzeiqan", das itti» gedruckte Wort ly— M.(julüfstfl»»ei fettgedruckte.Worte), jede« weitere Wort«0 Via. Stellengeluch« und Echialstellenanzeigen das erste Dort d» Plg. tede» weitere Wort«0 Plg. Worte Uder l!i Buchstaden ,SI>len lür zwei Worte. Teuerunaszuschlag so»/» ?omiIien-An,e>g«n für Abonnenten geile 2,— M» politiiche und lie- werljchaitlich« Vereins- An, eigen ».— Ml. die geil» ohne Aufschlag. An, eigen siir die nächste Nummer omksen di» S Ahr nachmittag* im Sauvigeschäsi, Berlin SW. i, Linden- straste 3. abgegeben werden,«eöffne! von 9 Uhr früh Iii» ö Uhr abend». Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands ItcdoPtlon und Expedition: SM. d8, Lindenste. Z. (tetttisvrrckiert Amr Morittvla«.?!r. KSlivO— KSlv7. Freitag, den 3. September 1Ä20 Kown-, 1. September(WTB.) Eine Note des Minister» des vuswiirtigen besagt: Als die Polen während ihrer Gegenoffensive nordwärts vor. rllSten, hat die litauische Negierung am 27. August eine Note nach Warschau gesandt, worin sie vorschlug, um jeden Konflikt zwischen den polnische» und litauische» Truppen zu vermeiden, eine pro- visorische Demarkationslinie festzulegen. Fast zur selben Zeit kam eine militärische Delegation aus Warschau nach Kowno mit dem Vorschlag, iiber militärische Fragen zu verhandeln und an erster Stelle eine Demarkationslinie zu ziehen. Die litau- ische Regierung war von der Aufrichtigkeit der polnischen Regierung um so mehr überzeugt, als die Polen wiederholt und erst kürzlich auf der Konferenz von Riga am 23. August erklärt hatten, daß Pole» dauernd von dem Wunsch beseelt sei, eine freund« schaftliche Lösung der strittigen Fragen zwischen Polen und Litauen zu finden, selbst dann, wenn die direkten Verhandlungen zu keinem endgültigen Resultat führen sollte«! Polen wäre ge- neigt, die zwischen ihm und Litauen bestehenden Streitigkeiten durch andere friedliche Mittel zu regeln, die bei zivilisierten Na» tionen gebräuchlich sind, ohne zu den Waffen zu greifen. Ohne auf die Note am 27. August geantwortet zu haben, und ohne die angefangenen Verhandlungen zu Ende zu führen, haben die Pole» indes heimlich Truppen in der Gegend von Augilstowo konzentriert und am 3l>. August plötzlich mit erheblichen Streitkräften schwache litauische Abteilungen angegriffen, die den Ka- nal von Zlugustowo bewachten. Tic Litauer haben sich, überrascht durch die überlegenen polnischen Streitkräfte, in die Richtung von Kalwanja zurückgezogen, nachdem sie Tote und Berwuuvete eingebüht hatten. Die oben erwähnte« Tatsachen beweisen klar genug, dah die polnische-Regierung litauisches Gebiet mit militärischer Macht be. setzt hat, nachdem sie eine freundliche und friedliche Absicht vor- grtöuscht hatte. Angesichts dieser Tatsache» bleibt Litauen nur übrig, sich mit alle» möglichen Mittel« zu vcrteidi- g c» und einen' neuen polnischen Einfall zu verhindern. Ein Blutvergtcsien kann nur in dem Fall verhindert wer- den, wenn die Polen sich zurückziehe» und die Festlegung einer proviforischen DcmarkctionZlinic abwartr«, die im Einvcr» nehmen mit der litauischen Regierung bestimmt wird. Polen schlägt Riga als BerhandlnugSort vor. Warschau, 2. September sTrl«Union.). Ter Minister des Auswärtigen Sapicha lieh Tschitscherin in einem Telegramm mitteilen, dast der Vorschlag der rnssiichcn Regierung, die Vcrhand« luggeii nach Estland zu verlegen, erst der polnischen Regierung zur Kenntnis gelonimeu fei, als diese die lettische Regierung bereits um die Erlaubnis ersucht hatte, die Verhandlungen in R i g a f o r t z u s e tz e n. Da die lettische Regicrung bereits ihre Einwilligung gegeben Patte und eS wünschenswert scheine, eine neuerliche Verzögerung der Verhandlungen zu vermeiden, schlug Sapicha vor, sich mit der Wahl RigaS als Berhandlungsort einverstanden zu erklären. Die polnische Delegation werde»ach Riga abreisen, sobald eine zu- stimmende Autwort der Sowjctrrgieruug ringe- uosfrn sei. Russische Offensive in Wolhynien— Rückzust bei Lemberg. Moskau, 2. September.(Durch Funkspruch.) Russischer Heeresbericht vom 1. September. Im Abschnitt G r o d n o, nörd- sich von Sololka, sind örtliche Kämpfe im Gange. Abschnitt Eholm: Unsere Abteilungen warfen den Gegner, der das rechte Ufer d-s Bug bei dem Orte Opalin erreicht hatte, auf das linke Ufer d-S FlusieS zurück. Im Abschnitt Wladimir- Wolynsk entwickeln unser« Truppen den Vormarsch. Nach der Einnehme von Grubcschow besetzten wir eine Reibe Ortschaften 10 Werst westlich dieser Stadt. Im Abschnitt S o t o i für un» erfolgreiche Kämpfe. Abschnitt Lemberg: Unter dem Drucke des Gegners gingen unsere Abteilungen etwas nach Osten zurück. An der K r i m f r o n t, in den Abschnitten BeriSlaw und Orechow, kämpften unsere Truppen mit dem Gegner, der hartnäckigen Widerstand leistet. Königsberg, 2. September.(WTB.) Im S u w a l k i gebiet ist seit dem Einmarsch der Polen die Lage u n v e r ä n d e rt. Bei Fili- powo, an der deutschen Grenze sind polnische Patrouillen aufge- treten. Nördlich von So.'olka sindcn Kämpfe mtt schwachen russi« schen Nachhuten statt. Die neue Offcnsipe auf dem Lnnenflügel der 12. Armee und der Armee BudjennyS begegnet erfolg« reicher polnischer A b w eh r. Die Armee BudjennyS selbst ist durch Flankcnumfvssung aus der Richtung Grabowstee und nordwestlich von Tomaszow in bedrängter Lage und hat den Rückzug eingeleitet. In der Gegend von Lemberg be- finden sich die Bolschewisten nördlich der Bahn Lemberg-Brody im R ü ck z u g e. Litwinow von Italien abgelehnt. Paris, 2. September.(WTB.l Nack, einer HavaSmeldung aus Rom wird der Sowjetdelegierte Woroöki wegen Krankheit nicht nach Italien kommen. Die Sowsetregiming habe anstatt seiner da» Agrement für L i t w i n o w erbeten. Graf Sforza habe es aber abgelehnt. D!e oberschlesische EntWaffnungsakN'on. �Weitere Leichenfunde. Beuthen, O.-Schl., 2. September. Die Bildung von Bürger- wehren auf paritätischer Grundlage schreitet unter großen Schwierigkeiten langsam fort, cinmal, weil Meldungen zu den Bürgerwehren spärlich einlaufen, hauptsächlich aber, weil die polnischen Ortö wehren, die sich die Polizeigewalt an- maßen, besonders in den östlichen Aufstandsgebieten, die Bildung von Bürgerwebren überhaupt verhindern können. In Beuthen dürfte die Bildung der Wehr deshalb unterbleiben, weil die Enlentekominission abgeneigt ist, die Koste» auf den allgemeinen Lande? etat zu übernehmen. Kattowitz, 2. September. Die EntmaffnungSaktion schreitet ungleichmäßig fort. Die Polen haben den größten Teil der Waffen über die©rrnze in Sicherheit gebracht. In den östlichen Kreisen des AufstandSgebikteS ist die VerwaltungStätigjeit weiter- hin empiindlich gestört. Die Tätigkeit der Gerichte, der Zoll- und Postämter ist in den Grenzbezirken fast vollkommen lahm- gelegt. Tie allgemeine Unsicherheit steigt von Tag zu Tag. Nachrichten über schwere Mißhandlungen, Plünderungen, lieber- fälle und Mordtaten laufen täglich ein. In Przelaika, hart an der Grenze, wurden jetzt die Leichen von acht Personen ausgegraben, die am 20. August erschossen, in die Brinitza geworfen und dann auf dem Cholcrafricdhof in Przelaika beigesetzt worden waren. In Baingow ist jetzt ein Grab mit sechs Leichen festgestellt worden, die anstheinend wie die Opfer von Josephstal ermordet worden sind. Unter den Opfern ton JosephStal befindet sich ein E l s ä s s e r uns vier Tschechoslowaken. Der englische Grubenftreik beschlossen! London, 2. September.(Reuter.) Auf der Koitferrnz der Delegierten der Bergleute wurde heilte vormittag auf Antrag des Vollzugsausschusses beschlossen, die S t r e i k e r k l ä r» n g in allen Distrikten in der Weise abzugeben, daß die Arbeit?« , in stell» n g bis 25. September allgemein durch- g e f ü h r t ist._ �rlanö. Dublin, 2. September. In Ballaghadercn wurden 5 Polizisten von 60 Bewaffneten überfallen. Ein Polizist wurde g e» tötet, zwei andere verwundet. Tie im Limerick-Gefängnis befindlichen Sinnfeiner, die die NabrungSaufnabme verweigerten, wurden, als sie doö Be- wußtsein verloren, in Freiheit gesetzt. Ein Abkommen MlleränÜKfforchp l Paris, 2. September.(W.T.B.) Aus London wird berichte� daß der.Daily Herald" eine Depesche au» Wien veröffentlicht' wonach»in französisch- ungarisches Handelsab- kommen abgeschlossen worden sei. Da« Abkommen sehe u. a. vor, daß im Notfälle eine sranzösisch-uiigarischc Militärallianz den Schutz de» DonauvcrkehrS übernehme. Dies ici, schreibt das gc- naniite Blatt, ein direlier Schlag gegen den britischen Einfluß auf den Donauhandel. Froukreich. das sich bemühe. Rumänien und Ungarn einander näher zu bringen, verfolge dabei den gro'en Plan einer Gruppierung der gegen revolutionäien Kräfte. Zu dieser Meldung erfährt der.Matin'. daß sie teil» Wahrheit, teils Irrtümer enthalte. In der Frage de Organisation eine« neue» Eutopa sei England mit den gt ße.i Staaten Deutschland und Rußland beschäftigt. Frankreich oe- mühe sich, entsprechend seinen Ucberlteserungen Hör» der klein en Nationen zu sein.__ Curat! über den italienischen Radikalismus. In einer Unterredung mit einem Sonderberichterstatter der .Dena" äußerte sich der italienische Genosse Turati, der be- kamttlich aus dem reckten Flügel der Partei steht, dahin, daß man den Einfluß der radikalen Richtung in der italienischen Arbeiler- ichafl nicht über ich ätzen dürfe. Die italienischen Linksradi- kalen besäßen kein klare» und bestimmtes Programm. Er glaube nicht an die Durchführung des russischen Bolschewismus in Italien. Die Frage.Königtum oder R e l' u b l i k* betrawtet Turati, angesickits der rein dekorativen Rolle de« italienischen Monarchen, als etwas nebensächlich. Die republikanische Staat»- form allein sei keine Garantie für eine wirklich demokratische Re- gierung, wie es da« amerikanische Beispiel zeige. Turali zeigte sich über die L u z e r n e r Konserenz und deren Ergebnisse ent- täuscht. Vonvärts-Verlag G.m.b.H.» SM. öS, Lindenftr.Z. Fernsprecher:«mt Morinvla«, Nr. 117 53— 5»». Die Strammsteh-ffammer! Ein Erlasi Seerkts zur Degradierung der Wehrkammcr. Im Reichswehrministerium hinter verschlossenen Türen tagen seit Tienstag die vereinigten Hauptansschüsse der Heeres- und Marinekammer. Wir haben schon anläßlich der ersten Tagung der Wehrkammer im August berichtet, in WÄcHer Weise dieses angeblich demokratische Instrument durch den Druck der Kommandogewalt und durch die gerissene Re- gie des NeichÄvchrministeriums in die jiarrikatur einer Ver- tretung umgewandelt wird. Aber da die Vertreter der Unter« ossiziere und Mannschaften trotz aller reaktionären Kniffe und Pfiffe immer noch nicht genügend stramm standen, so versucht man es bei der neuen Tagung mit gröberem Ge- schütz. Ein WTB.-Bericht meldete am Mittwoch sehr unauf- fällig und unklar etwas von einer Gvsclfäftsordniingsdobalti: über den parlamentarischen bzw. dienstlichen Charakter der Körperschaft. Es sieht noch dem Bericht so auS, als hätten die Mitglieder der Wehrkammer nach Dar- Icgnng der„Rechtslage" durch den Vorsitzenden und einen Vertreter des Reichswehrministerinms freiwillig auf den Cliarakter der Wehrkammer als einer parlamentarischen Körperschaft verzickstet. Tatsächlich sind die Vertreter der U n t c r of f i z i e r e und Mannschaften, die den Charakter der Kammer als einer s e l b st«r Bürger Berlins hätte sich nicht mit innerem Stolze des köstlichen Juwels erireut, das als Zoologischer Garten im Westen Berlins unsere Stadt um eine Sehenswürdigkeit be« reichert. Eine Stätte des Studiums für den Zoologen, eine Stätte der Erholung im Häusermeer der Stadt, eine Quelle der Freude und Belehrung für unsere Schuljugend. Leider hat der Krieg auch dieser Stätte seine Spuren aufgezwungen: Die Tiere erscheinen mager, unterernährt, viele Käfige find leer und die Tierhäuser teil- iveise geschlossen. Dazu droht der finanzielle Zusammen- bruch infolge der stark gesteigerten Unterhaltungskosten und damit die vollständige Schließung des Gartens. Eine verhältnismäßig hohe Summe erfordern neben den hohen Kosten für Futtermittel die außerordentlich hohen Ausgaben für Gehälter und Löhne der Arbeiter und Angestellten. Um ober den Glauben zu zerstören, als erfreuten sich die Angestellten fürstlicher Gehälter, sei gesagt, daß sich die Entlohnung eines Tierpfleger« auf ca. LOO M. wöchentlich beläuft. Es bleibt dabei zu bedenken, wie verantwortungsvoll und manchmal auch gefährlich gerade diese Tätigkeit ist. Zwar haben Staat und Kommune schon des längeren Zuschüsie zum Elnr des Zoos ge- leistet, auch eine Erhöhung der Eintrittsgelder ist erfolgt; all das reicht jedoch nicht aus, die finanzielle Misere zu beheben und die Verwaltung steht heute vor einem Defizit von bdovOOMk- Trotz aller Bemühung des Betriebsrates und der gesamten Arbeiter- und Angestelltenschaft, die größtmöglich st e Wirt- schaftlichkeit des Betriebe« zu erreichen, erwiesen sich die �erhältnisie stärker als der gute Wille aller Mitarbeiter. Die Gefahr der Schließung des Zoologischen Garten» ist für die Dauer nur zu umgehen, wenn eine Verstaatlichung oder Kommunali- s i e r u n g dcS Unternehmens eintritt, wie wir eS u. a. beim Botanischen Garten bereit« haben. Der wiflenschastliche Leiter de» Unternehmen?, der Zoologe Geheimrat Profesior Heck, feierte vor kurzem seinen 60. GefmrStag. Der Mann hat al« Mensch und Gelehrter eine Lebensarbeit an den Ausbau deS Unternehmens verwandt; keine größere Freude könnte diesem wahrhaften Freunde der Tiere werden, als die Gewißheit deS gesicherten Fortbestandes seines Lebenswerkes. Staat und Kommune sind es diesem Manne schuldig, die Existenzfrage des Unternehmens in günstigem Sinne zu lösen. Der neuen Gemeinde Groß-Berlin muß ihr Zoologischer Garten erhalten bleiben._ Die Aufgaben der Glternbeirate. Hierüber sprach am Mittwoch Genosse Dr. Erich Witte im Jugendheim vor den S.P.D.-ElternbciratSmitglicdern des neuen Verwaltungsbezirks HallescheS Tor. Er setzte auseinander, daß die amtlichen Bestlnrmungen nicht den sozialdemokratischen Anforderungen genügten, da die Ellern nicht daS Recht hätten, bei den Sitzungen des Elternbeirats anivcsend zu sein, und da die ElternbeiratZmitglreder nickt berechtigt seien, dem Unterricht bei- » zuwohnen. Der Referent schlug vor, alle Monate mindestens eine Tagung abzuhalten. Zur Behandlung eignen sich besonder? die folgenden ffiagsnstände: Hvgicn ische Einrichtungen(gute Heizung, Lüftung): Anregung, für die Schüler, welche nicht zu Hause ein Zimmer zur Anfertigung der Schularbeiten haben, eine Klasse zur Verfügung zu stellen; Verlegung des Religionsunterrichts in die erste oder die letzte Stunde; Antrag, aus den Schiilerbibliotheken die militaristischen, nationalistischen und by zant in ist i scheu Bücher zu entfernen; die richtige Bemessung der häuslichen Arbeiten, Ent- sernung ungeeigneter Bilder au? den Schulklassen. Wenn die Elternbeiratsmitglieder eine Beschwerde gegen einen Lehrer vor- bringen wollten, so täten sie gut daran, vorher mit demselben Rücksprache zu nehmen. Möglichst oft sollten Elternversammlun- gen einberufen werden. In diesen sollten nicht nur Fragen be- handelt werden, die für die einzelne Schule von Bedeutung seien, sondern in ihnen sollten auch Vorträge allgemeiner Natur gehalten werden lGesundheitSpsleye de» KindeS im schulpflichtigen Alter, die Einheitsschule, der Arbeitsunterricht, die Bedeutung der einzelnen Schulfächcr). Ferner trat Genosse Witte dafür ein, daß in der neuen Siadtgemeinbe Berlin aus allen Elternbeiratsmiigliedern eine Ortselternkammer und für jeden Schulverwaltungs- bezirk ein Bezirkselternbeirat gewählt werde. Jetzt sei es besonders wichtig, in den Sitzungen der Elternbeiräte und in den Elternverkammlungen dafür einzutreten, daß die Schulen im kommenden Winter nicht wieder zusammengelegt werden. Kirtoffelverteilung für Arbeitslose. Die Kartoffelverteilung findet am Montag, den 6., und Dienstag, den 7. September, statt und zwar für die Erwerbslosen der Geschäftsstelle: Kastanienallee— dortselbst. Bergmann st raße— Marklhalle am Marheinekeplatz. Memeler und Bötzow- itraße— Biehbof, Eingang Eldenaer Straße. Putbuser Straße— Schule Putbuser Str. 3 nljilgendbeim'. Lindenitr. 3. Vortrag über:„Arbeits. recht". Resercnt: Genosse Felgentreu.— Ortsgruppe Lichter- selbe: 7'/. Ubr im„Jngendbcim", Albrcchtstr. 53. Vortrag. Ebarlotteiiburg. 7'/, Uhr: Eltcrnvcrsammlung der 15. Gemeinde- schule, Rungeltr. 10. Scktoncberg. 7Y, Ubr: Crweitcrlc sZunktionärsihlMg in der Schulaula, stieurigitr. 57. Thema: Sozialismus und Kommunismus. Rcsercnt Gen. Dr. Schütte. Lankwitz. 7'/, Uhr: Oeffeutliche Frauenversammlung bei Lehmann, Kailer-Mtbelm-Strafie, Ecke Scadiipstrcfie. Res. Genossin Wochenheim: „Zweck und Ziele unserer Wohllahrtsvfiege". Alt-Glicnicke. 7'/, Ubr: Oeffeutliche Versammlung im Lokal von Franz Bahn, Grünauer Strafe. Thema: Neutralität Lbcrschlesicns und was tut die Regierung? Rcicrcnt Genosse Dr. Zcchlin. Buch. 7>/z Uhr: Mitatiede: Versammlung bei Piiowsli. Schönower, Ecke Bahnhoislraffe. Wabl der Delegierten zum Zlufferordenllichen Partei- tag und Stellungnahme zum Parteitag. Rcscrcnt Genosse Häuxler. Morgen, 4. September: 8. Slb». 7 Uhr: Bczirlssüffcersitzung bei Reim, Urbanstratze 29. Pünkltich erscheinen! 14. Abt. Tl, Uhr: Sitzung der Bezirkssübrer und Bclricbsvertrauens- lcute bei Krüger, Engcluser 13. Bezirksstihrerbücher sind mitzubringen. 2!t. Abt. lBötzow-Vicrlel.) 7ff, Uhr: Sitzuna der Bcznkssübrcr, Be, iriebSvcrirauenSIeute und Elternbeiräte bei Radcmacher, Elbingcr Str. 49. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer. Besuch der Gartenarbeitsschule Neukölln. Trcffvunkt 9'/, Ubr Rudowcr Str.. Eck- Kanal. Eharlottenburg. Die Gruppen 3, 4 feinichlic!! Plötzcusee) und 5, veranllaltcn im Lokal Bredschneider, Königsdamm, an der Otympiabadn. ein Familiensest. Beginn 4 Uhr. Das reichbaltiae Proaramm bietet Belustigungen für jung und alt, u. a. Tanz. Um regen Zuspruch wird gebeten. Montag. 7 Ubr, im PolkSvause: Funktionärkonscrenz. Stellung- nähme zum Bezirks- und Parteitag. Sport. Das Goldene Rad Vvn Berlin, das am Sonntag auf der Olympiabahn zur Austragung gelangt, hat eine Besetzung erhalten, die zu übertreffen kaum mehr möglich ist. Weltmeister Pict Dickentma-nn, Appelhans, Lewanow und Krupkat werden am Start erscheinen. Das Rennen wird in zwei Läusen von se 20 Kilometer gefahren und ist derjenige Sieger, der die meisten Kilometer zurück- �... gelegt hat. Bedeuten die Dauerrenncn ein Ereignis, so kann man � Vertretern stallsinden. dasselbe von den Fliegerrennen sagen. Im Vicrerländerkampf:n' drei Läufen nach Punktwertung werden die beiden Holländer Dedier und van Engelen sich mit Lorenz und Stabe messen. Auch das Zweisitzerbauptfahren, in dem u. a. so vorzügliche Mannschaften wie Lorenz-St-abe, Sonnecke-Dedier, Schwab-vän Engelen. Häusler- Tietz. Münzner-Keps teilnehmen, verspricht ebenfalls guten Sport. Ein Prämienfahren über 12 Runden vervollständigt da? reich- haltige Programm. Trotz der enormen Unkosten sind die Eintritts- preise nicht erhöht. Die Rennen beginnen schon um 3 Uhr. Rennen zu Grunewald, Donnerstag, den 2. September. 1. N i k l o t. Rennen." 16 000 M. 1400 Meter. 1. Feine(Br. Müller), 2. Döberitz sTarraS), 3. Oberau fNeumann). Ferner licken: Hcreniind(4), Inland(5). Wachtel(5), Meiiiexweilc Borbets e. Auer, Saxnot, Ein», Marschallin. Krön, juwcl. Tot.: Sieg 88:!0, Pl. yj, yo. 13.— ErmunterungSrennen e r S t u t e n. 16000 M. 1200 Meter. 1. Robenlocke(Schläsle). 2. Monika Parze sTanek). Ferner liefen Wirtschaft proöuktionskontrolle unö Setriebseinstellungen. Im ReichsarbeitSmini st erium haben in den letzten Tagen Besprechungen zwischen Minister Dr. Brauns, den zuständigen Referenten und Vertretern der Metallarbeiter über die Frage einer Produktionskontrolle durch die Arbeiter und die Stellungnabme der Regierung zu der Stillegung von Betrieben stattgefunden. Minister Brauns erklärte, daß das Kabinett sich mit diesen Fragen eingehend beschäftige, und daß er selbst auf die Notwendigkeit einer eingebenden Behandlung dieser allerernstcsten Probleme der absterbenden Wirtschaft hingewiesen habe. Auf eine Anfrage aus den Kreisen der Metallarbeiter- delegierten, weshalb eine Ausfuhr von Lokomotiven»ach Rußland nicht gestattet fei, erwiderte der Minister, daß die Ausfuhr von Lokomotiven nach Rußland nicht vom wirtschaftlichen Standpunkt zu behandeln sei. ES ständen vielmehr internationale Schwierigkeiten im Wege, die durch den Friedensvertrag hervorgerufen sind und für die die Regierung nicht verantwortlich gemacht werden könne. Auf die Sozialisierung eingehend führte Minister Brauns aus: Sie sagen, ich wolle die Sozialisierung nur bei Robprodukten. Wir müssen aber erst einmal irgendwo anfangen und werden dabei nicht st ehe» bleiben. Es ist meines Erachtens unmöglich, daß wir die Sozialisierung im ganzen durchiübrcn können. Auf die Arbeitslosigkeit eingehend sagte er:„Das Dringendste ist jetzt die Organisation lini'ercr W ir t s ch a s t. Sie können Ihren Leuten sagen, daß wir das einsehen und mit allem Ernst im Kabinelt behandeln." Nach dem Minister sprach dann ein Vertreter des Neichsarbeits- Ministeriums, der den Vertretern der Metallarbeiter mitteilte, daß über die Srillegung von Betrieben in nächster Zeit Verordnungen herausloinmcn sollen. Danach muß von dem Inhaber vor der beabsichtigten Stillegung dem ReichSwirt- schafisminiflerium Mitteilung gemacht werden. Die Schließung soll erst erfolgen, wenn eine bestimmte Zeit ver- flosien ist. In der Zwischenzeit soll mit allen Mitteln, durch Rohstoff- und Kreditbeschaffung veriucht werden, die Stillegung zu verhindern. Habe die freiwillige Hilfe keinen Erfolg, dann soll die Beschlagnahme der Maschinen und Rohstoffe er- folgen. Die Ausfuhr von Maschinen ins Ausland soll verhindert iverden. Weiterhin will das Wirlschaftsministerium die bei einet Stillegung beschlagnahmten Maschinen und Materialien anderen Betrieben zuführen. Notwendige Stillegungen könnten nicht verhindert werden, doch werde sich das RcichSaibeitsministeriuin gegen alle Schließungen von Betrieben wenden, die Lohndruck be- zwecken. Im Augenblick habe die Regierung keine Macht, Betriebs- einstellungen zu verhindern. In der Mehrzahl der Fälle lägen auch keine böswilltgen Akte der Unternehmer vor. Die Rcflierung fei nicht völlig passiv geblieben Sie habe zum Beispiel die Läger der Fabriken für landwirt- schaftliche Maschinen übernommen. 22 Prozent davon seien bereits bar bezahlt und Anweisung an die Fabriken gegeben worden, mit diesen Miltein weiterzuarbeiten. Es soll ver- sucht werden, den Kapiialmaiigel duich Konzentration der öffentlichen Gelder, Erfassung der Exportqewinne, durch produktive Darleben an kreditwürdige Unternebmer abzuhelfen. Nicht alle Sullegiingen würden sich vermeiden lasten. sogar von Regierungsseite müßten Stillegungen von Betrieben vor- genommen werden. Da« werde jedoch nicht unter Prosit esichls- punkten geschehen, vielmehr sollen alle Kräfte produkliv verwendet werden. In den nächsten Tagen soll eine weitere Aussprache nr: ckleiter- Gcgen den Abbruch von Betrieben. W.T.93 meidet: Neuerdings ist im NeichswirtichaklSministe: um der Entwurf e ner Verordnung fertiggestellt, die ungercchi- fertigten Stillegungen und Abbrächen der Be- triebe vorbeugen soll, soweit dies auf Grund der zurzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen angängig erscheint,z< Uhr: Gcsiändais. Morgen zum ersten Maie: nutimcJsterSoIness Schaufpiel von Henrik Ibsen (Alb. Steimück, Erika Giäßner, Kaie Hannemann, ROseVeldt- kirch. Gustav Botz, Heinz Stieda, Felix Rossertl Sonntagnachm.:(jesiändnis. Sonntag und Montag: Baumeister Solness. KomSdienhaus >/z8; Eine Nacht im Paradies. Sonntagnachm.: D. Biberpelz Berliner Theater '/jS Uhr: Der letzte Walzer Stg.nchm.: Wie einst im Mal. Centrnl-Thenter �Dieverseiiwiüiillaiilliie. Deutsches Opemhans s', uhr: SiegMeä. Friedr.-Wiihelmst.Tli. 7-/2 uhr: Der blDüde Tram Kleines Theater. u'h'r; Die Flarrliauskoaiötiie Kl. Schauspielhaus. u.- Der FlßliiaPanzer'iiaüS Komisehe Oper "Hiebe im Scte.BTO. Volksbühne Theater am Büiowplatz. 7''o Uhr: Eine Landpartie. Verwickelte Geschichte. U. Caslno-Theater Lothringer Str.'7— Tgl. 3/»8: Uas gr. Eröffn ogramm m t dem ne: hiaser: Knorp's st;. Witwe und„AnschluB verpaßt". Singspiel mit Viktor Litzek. Sonma. 3'/,: OebrDder Zorn. Rose-Theater. 7", Uhr. Die Ratten. SÜSb s.ffosenthaler PI. liustspielhnus Vfi Uhr: Arnold Rieck in Zwangseinquartierung. Hetropol-Theater. Geschl., morgen zum 1. Male: u.: Hollandweibchen Neues Ccatral-Theater Die ßanie im Frack. Aicnes Operettenhans 7", u.: Die Csikßsbarflness. Kcnes VolUsthcati-r 7-7- Uhr; Ber Biberpelz Schillcr-Theat. C'harl. u.! Mhan ßerWelse 'II* a 1 1 a-T h enter pi, u.; Hoheit die Tänzerin. Th.am?€ollciidorfpiatz Zum 1. Male: 7 u�; Wsnnlielio erwacht Theater des Westens SHererelEnliehegoltZeit Wallner-Theater u�r■. Die Frau im Dunkeln. Walhalla-Theater. 7-/2 u.: Die Internationale. Saison-Beginn; Donnerstag, den 16. Sept. Gastspiel ib«; SI; m.s. ktüill.DmiiiWt und das große Programm' Sonntag; 2 Vorsteliungen Residenz-Theater. Untergrundbahn Klcstersrr. M" Die Frenadia. Von Hermann Sudermann. Regie: Allred Rötter. Durieux.Toehe, Albers, Bildt, Biens eldt, Va lentin. Sonntacr: Der Störenfried |Adinirals-Falast| -; P.lGSt.PüM � ciiloSbrauerei Muedölgü Hauptstr. 121 Mi Dir.: E. Krämer. ] Fernsprecher: Stephan 1691 Heute Freitag, S.Sept. Täglich die gr. Endkämpfe. Der gr. Enischeidungskampi: Weber gegen Schwarz Welti. ir. Weltmstr. Hierauf der große Emscheidungskampf ; Pinetzki gegen De Souza Schwed. Illusionist nip�ez Da'bieturtf! xadaraeLaun d. to'lköhne Schönh. 4 Eitners ;-rahlseli-Luftakt. 2 Plaahs kom Rollschuhak1: Bonita Bero! •u vendl. Tänzerin Ciiung, Ling u. ileo ch-nes Paiod-sten Edler h. Nicki d rätselhaf'eRcdn r Sonnt. Zh. u bat jed lv Vachs I Kind freu iMzmm Theater am iollepilorfplatz i Eröffnung der Winterspielzeit:: Leitung: Herman Haller 7 Uhr Heute zum I.Male: 7 Uhr Wenn Liebe erwacht..." ?? In Szene gesetzt von Herman Haller" i Grete Frennd Erik Wirl a. G. Lori Lenx Gottfr-Huppertz Operette i. 3 Akten nach v. Schönthan u. Koppel- Ellfeld von Herman Haller und Rideamus Musik von Eduard Künneke Bühnenbilder: Ernst Stern. Musikleitung: Max Roth Tänze: Robert Negrel Claire Waldoff Carl Geppert Agni WiSke Mizzi Schütz Ausschneiden! gültig vom 3. bis 15. September für 1—6 Personen. Nur Wochentags. Dt-qIoq DI � II. Rang Tribüne 5— M. I.Rang..... 10— M. Kreise der rlatze: II. Rang...... 6.-M. I Ranghalkon 12.- M. —— II. Rangbaikon. 7.— M. Parkett-Faut.. 15.— M. Die Lustbarkeitssteuer ist in diesen Preisen einbegriffen. Vorverkauf taglich v. lO'/i— 1 Uhr und am Tage der Vorstellung V. 6 Uhr ab. Sonntag,„Des- Vielgedabte". Lesslng-Tneater. Aliabenolich T/2 Uhr: Bis Tästserln (Leopoldine Konstantin) Dsuisches RilGStler-Theatei Allabendlich VaS Uhr: BieScheidunnsrülss mit Max Adalbert und Trude Resterberg. Triaaon-fheäterT Bahnhof Friedrichstraße. Aliabendlich 8 Uhr: Hans! Arnstadt und Paul Otto in: Untreu Sonntag 4: Der> ute Ruf. Theater a.Kottbus.Tor Tel.: Moritzplatz 14814. Abends und Sonntagnachm. 3 0.: er. Heues Propumi! Nur Qualitätsware berzustellen und zu bevorzugen, ist heute jedermanns dreifache Pflicht: 1. weil die VerdauungSorgane, zumal die durch KriegSkoit ge- fchwäckiten, keine grobe Nahrung auszunutzen vermögen, vielmehr das Beste daraus unverdaut wieder abstosten; 2. weil weder Staat noch Kons»- ment mit Nahrungsmitteln lol- che Verschwendung treiben kön- nen, dast da? Wertvollste der genossenen Speisen unverdaut den Darm verlästt: 3. weil in QualitätSfabrilaten mehr persönlicher ArbeiiSfleist und dahermehrArbeitSlobn steckt als im groben Maichinenfniter. Wer seinem Körper und Geld- beute! dienen will, der genieste immer nur Qualitätsware, kauft also stets Reichardts Edelfabrikate! Erhöflfith in ben Re!chardtfil!nt«n: Anhalt. ftraftc 7; Seipr.iget Str. 104; Prfnzcnfir.34; StofcnthclcrStc. 43; Rqeinstr. I; Spittef. merft 14; GharloticnburA; Wilmersvorfcr Ströhe 40/41, foraic in allen an Schildern nnb Plalaten icnntlidjen Eeschiillen. Sonst biretter Versand ab Reidiardtwerl Wandsbek. <.! rneSi. jüJ- 0 s ßZrfj yt>- & 2. Woche! h Akt: nseli den gleichnamigen Roman na Fedorv. Zabeltitz Hauptrolle- Lotte Neumann Arr.o d auf der BrautscHau B. B. Lustspiel in 2 Akten mit Arnold Flleck : Der Erbe von Ccr.lngtort Schauspiel in 5 Akten mit Käthe Haack ✓ Epuno Kästner AS go I Tragödie der Macht in einem Vorspiel und 4 Akten von Hans ßrennert und Fri del Koehne Eegie; Hans Werkmeister DarsteTer; E. Jannings/ Hanna Ralph Gertrud WefoKer/ Erna Morena/ Ernst Hofmann H. A. v. 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September.(Eigener Drahtbcricht des„Vorm.") Am Mittwoch wurden die Verhandlungen zwischen der Streikleitung, dem Aktionsausschuß der Betriebsräte und der Regierung weiter- geführt. Die Unternehmer verharren auf dem Standpunkt, Vcr- Handlungen wegen der Wiedcrcinstellung der Ausgesperrten und Streikenden nur mit Vertretern der zuständigen Gcwerkschafts- organisation uud Betriebsratsmitgliedcrn zu führen. Ten Aktion?- ausschuß glaubten die Unternehmer als nicht kompetent, bzw. als eine vorübergehende Erscheinung einschätzen zu können. Eine Boll- Versammlung der Betriebsräte nahm zu dieser Sachlage am Mittwoch nachmittag Stellung und beschloß uach erregter Aussprache mit Mehrheit, einem Antrag des Aktionsausschusses entsprechend dem Verlangen der Unternehmer entgegenzu- kommen, und weitere Verhandlungen von den Vertretern der Gewerkschaften und Arbeiterratsmitgliedcrn der ausgesperrten Be- triebe führen zu lassen. Die Kommission soll jedoch für alle Streikenden und Ausgesperrten des ganzen Landes verhandeln. Bis zur Erreichung des gesteckten Zieles soll dir Arbeiterschaft nach wie vor im schärfsten Kampf verharren. Diese Zustimmung der Ver- sammlungsmehrheit wurde von radikaler Seite mit heftigen Pfui- rufen begleitet. In der Streiklage selbst änderte sich im Laufe des Mittwochs nicht viel. Während einige weitere Orte sich dem Streik an- schlössen, wurde an anderen Orten, z. B. Ravensburg und Geiß- lingen die Arbeit wieder aufgenommen. Die Firmen Bosch in Stuttgart und Maschinenfabrik Eßlingen versandten an ihre ausgesperrten Arbeiter und Angestellten Postkarten, mit dem Er- suchen, schriftlich zu erklären, daß sie mit der Durchführung dcö Steuerabzuges einverstanden sind, um Wicderrinstellung nachsuchen und außerdem die Bestimmungen der Gewerbeordnung, des Betriebs- rätcgefetzes einzuhalten sich verpflichten. Heute, Donnerstag, abends 5 Uhr trat die neugewählte Kommission in Verhandlungen mit der Regierung und den Arbeitgebern. Der bisherige Verlauf der Verhandlungen zeigt, daß sie sich ziemlich lange ausdehnen werde«. Dir Unternehmer hatten zu den Berhand- lungen bis jetzt keine Vertreter entsandt. Kein Generalstreik in Frankfurt. Frankfurt a. M., 2. September.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Ter als Protest gegen die gestrigen Vorgänge bc- schlossene Generalstreik ist abgelehnt worden. In verschiedenen Betrieben wurde passive Resistenz ausgeübt. Heute nachmittag wurde aber die Arbeit wieder vollständig aufgenommen- Die Lage in Augsburg. Augsburg, 2. September.(MTB) Nach den endgültigen Fest- stellungen der Polizeibehörde haben die gestrigen Unruhen im ganzen 4 Tote gefordert. Eine Feststellung über die an- geblichen Schüsse aus den Fenstern einiger Häuser liegt noch nicht vor. Die diesbezüglichen Zeugenvernehmungen dauern noch an. Die U. S. P. hat, wie der„Volkswille" mitteilt, die Betriebsräte auf- gefordert, als Protest den General st reik zu proklamieren. Sollten sich die Betriebsräte dieser Forderung widersetzen, so werde die Partei als solche ihre Massnahmen treffen. Vom Vollzugsrat der Betriebsräte und des Gcwerkschaftsbundes wurde ein Flugblatt herausgegeben, in dem die Arbeiter zur Ruhe und zur Fort- setzung der Arbeit crmahnt werden. Kommunisten wollen in öen Magistrat. Hanau, 2. September. lEigener Drahtbericht des„Vorwärts"). Nachdem der Magistrat die von der Stadlverordneten- Versammlung angenommenen Forderungen der städtischen Arbeiter abgelehnt hat, kam es heule vormittag in einer neuen Stadlverordneteiisitzung zu stürmischen Auflritten. Die K o m m u- nisten forderten den Rücktritt des Magistrats und er- llärten sich bereit, in einen neuen Magistrat einzutreten und Sozial- deniokraten mit hereinzunehmen. Ter NücklriltSantrag wurde von den Sozialdemokrateil unterstützt. Die Geschäfte in Hanau sind geswlosien. Für morgen wird der Oberpräsident zur Bermitltung h:er erioarlet._ Traub außer Verfolgung? Nach Meldung der„Deutschen Zeitung" ist das Ver- hrcn gegen den kappistischen Kultusuiinister Pfarrer T r a u b vom N e i ck> s g c r i ch t e i n g e sta l lt worden, eil Traub sich weder an der zivilen noch militärischen Vor- lK reitung des Kapp-Unternehmens beteiligt habe, sondern erst iin letzten Augenblick dem Rufe Kopps gefolgt sei. Als Kul- tusminister habe er keine Amtshandlung ausgeübt. Tie „Teutsch-e Zeitung" gibt der Erwartung Ausdruck, daß Traub, der ins Ausland geflüchtet ist, nunmehr nach D e p t s ch I a n ö zurückkehren werde. Trifft diese Meldung zu, so ist sie geeignet, das Ver- trauen des Volkes in die Rechtsprechung des Reichsgerichts ganz außerordentlich zu erschüttern. Nach jedem schlichten rechtlichen Denken ist Traub, der einen Ministerposten in der Kapp-Regierung bekleidete, ein Hauptführer und Hauptschuldiger des hochverräterischen Un- ternehmens. Daß dieser Mann jetzt unbelhelligt nach Deudsichland zurückkehren soll, ist einfach ein Skandal. ?lusschlußantrag gegen Nooke? Wolffs Bureau meldet auS Kiel, daß die Generalversammlung des dortigen Sozialdemokratischen Vereins beschlossen hat,„auf dem kommenden Sozialdemokratischen Parteitag in Kassel die Aus- schliessung Roskes aus der Partei zu beantragen, und zwar wegen de' von ihm verfaßten Buches„Von Kiel bis Kapp", das schwere Beleidigungen Kieler Genoffen enthalte". In dieser Form kann die Nachricht unmöglich stimmen. Die Kieler Genossen wissen recht gut, daß sie zwar einen Ausschluss? antrag stellen können, aber nicht„auf dem Parterlag", sondern bei dem Bezirksvorstand, in dessen Bezirk der Angeschuldigte organisiert ist. TaS Organisationsstatut schreibt das„Gerichtsver- fahren" genau vor. Im übrigen aber schetnt uns der Ausschluss- antrag an sich wenig opportun. Man kann die Politik Lloskes als ReichSwehrminister für falsch halten, wie wir das selbst getan haben, aber daß man ihm ehrlose Handlungen oder bewußte Schädigung der Parteiinteressen varwcrfen könne, wie das Orga- nisationsstatut als Bedingung für den Ausschluss fordert, scheint uns doch sehr fraglich._ Streit um da? Pvrzellangeld. Zwischen der sächsischen Regie- rung und der Reichsregierung entstand wegen des Porzellaugeldes ein Konflikt. Die Reichsregierung verlangt, daß Sachsen nur Scheidemünzen und nicht, wie beabsichtigt wird, auch Zwei-, Drei- und Fünfmarkstücke aus Porzellan in den Verkehr bringt. Der verkehrsminister sabotiert. In unserer Morgenausgabe vom 1. September d. Js. haben wir vier Verordnungen des Verkehrs- Ministeriums im Worflaut ohne jeden Kommentar ver- öffentlicht. Diese Verordnungen stehen im strikten Widerspruch zu den Zugeständnissen, die der Reichskanzler Fchrenbach der Reichstransportüberwachungskommission gegeben hat. Trotz der off.ensichtllchen Nechtsschmälerung enthielten wir uns jeder Stimmungsäußerung, um jede Schärfe in den in Aussicht genommenen Verhandlungen mit dem Verkehrsminister Groener zu vermeiden damit alles wieder ins rechte Gleis kommt. Dem stellt sich das Ver- kehrsministerium entgegen. Die Reichskommission hat am 1. und 2. September nichts unversucht gelassen, von dem Verkehrsminister empfangen zu werden. Doch vergebens. Er erklärte sich bereit. Wohl die Gewerkschaftsvertreter, aber nicht die der politischen Parteien zu empfangen, weil er— �achministcr sei. Das Verhandeln mit Vertretern politischer Parteien müsse er den zuständigen Ressortministern über- lassen. Die Reicklskommission. die aucki den Aufruf im„Vor- wärts" Nr. 422 vom Mittwoch, den 25. August, veröffentlichte, hat die Pflicht und nimnit demgemäß das Reckt in Anspruch, die Einhaltung der im Rcichskabinett getroffenen Verein- barungen zu überwachen und bei irgendwelchen Meinnnqs- Verschiedenheiten vermittelnd einzugreifen. Diese Kommisston zu empfangen lehnt nun Herr Groener mit fadenscheiniger Begründung ab. Während" dieser Zeit rollen nun Trans- Porte mit Munition und Kriegsqeräten, darunter schwere Ge- schütze in voller Ausrüstung. Minen. Granaten, Maschinen- gewehre und anderes mehr unbehindert von einer Station zur anderen. Waffenschieber und M u- nitionsschleichhändler haben freie Hand, weil man jedem Dritten mit dem Staatsanwalt droht, wenn er derartige Transporte auf ihre Rechtmäßigkeit prüft. Die Arbeiterschaft ist aber nicht gewillt, diese verkehrsministerielle Sabotage zu dulden. Sie macht von dem ihr zugestandenen Recht Gebrauch und hält gemäß den Aufrufen der Reichs- kommission. des Allgemeinen Deuffchen Gewerkschaftsbundes und der Gewerkschaftsinternationale alle ihr verdächtig er- scheinenden Transporte an. Daß es unter diesen Umständen zu Konstikten kommt, erscheint uns unvermeidlich. Die Ver- antwortung hierfür und für die daraus entstehenden Schäden trägt einzig und allein der sabotierende Verkehrs-Fachminister Groener. Die Reichskommission hat zur endgültigen Stellungnahme am heutigen Tage die beteiligten Organisationen zu einer Plenarsitzung zusammenbernfen. Dem Verkehrsministerium geben wir den guten Rat, alles zu vermeiden, was zu Kon- fliktcn mit der organisierten Arbeiterschaft führen könnte. Sankt Gstherich. Eine ostpreuftische Legende. Die aufgelegte Schwindelnachricht von der Anerkennung der Orgesch in Preußen spukt trotz ihrer sofortigen Demen- tierung in der reaktionären Presse weiter. Die„Kreuz-Ztg." dichtet bereits eine rührsamc Escherichlegende, die den mittel- alterlichen Legenden von den wundertätigen Heiligen in nichts nachsteht. Das Wunder des Sankt Escherich wird folgender- maßen geschildert:' 1 Als der Oberprässdent Siebr seinen Luftuf zur Bildung von OrtSwebren erlassen hatle, meldeten sich im ganzen 200 sin Worten zweihundert Mann). Minister, Staatssekretäre und Beauftragte reisten zwischen Berlin und Königsberg hin und her, hielten stundenlange Besprechungen ab und der Erfolg war— gleich Null. Es kam zu einer Einigung. Da erschien der Forstrat Escherich in Ostpreußen und in einer Stunde war die schwierige Lage behoben und eine volle Einigung erreicht. Diese schöne Heiligcnlcgende hat mit anderen ihres Schlages den einzigen Dehler, nicht wahr zu sein. Wäh- rend der gläubige„Kreuzzeiwngs"-Leser noch über St. Esche- richs Wunderkraft staunt, teilt der O b c r p r ä s i d e n t von Ostpreußen, Herr S i e h r, der Presse folgende Feststellungen mit: Forstrat Dr. Escherich ist bei Verhandlungen zwischen den oft- preußischen Parteien bzw. den in den P»ovinzialwehrberatungs- ausschuß bcrnfeneu Männern nicht zugegen gewesen. Der Ober- Präsident hat überhaupt nicht mit ihm verhandelt vielmehr hat zwei Tage nach dem Abschluß der Einigung Herr Escherich lediglich einen ganz kurzen Besuch bei dem Oberpräsidenicn gemacht, bei dem keinerlei Verhandlung gepflogen ist. Ferner ist die Orgeich für Ostpreußen nicht, wie die Ueberschrift der Notiz an- gibt, anerkannt worden. Im Gegenteil ist und bleibt sie aufgelöst und ihre Mitglieder sind in die von der SiaatSverwallung der Pro- vinz durch Erlaß des Obelpräsidenten Siebr gegründeten Orrs- und Grenzwehren auf dem Lande und in den Kreisstädten zum größten Teil eingeireten, während in den kreisfreien Städten die Ortswehren überhaupt nicht mehr be- st e h e n bleiben, sondern nur Eintragungen für Grenz- wehren erfolgen. Zum Schlußsatz ist zu bemerken, daß die maßgebenden Stellen in Ostpreußen niemals erklärt haben, daß Herr Escherich nicht dem Wohl des Ganzen dienen wolle, wohl aber standen und stehen sie auch fernerhin auf dem Standpunkt, daß sich die Orgesch für Ostpreußen jedenfalls in keiner Weise eignet und überhaupt hier nicht geduldet werden konnte nnd kann. St. Escherich hat das Pech, in ein weniger gläubiges Zeitalter geraten zu sein, als seine wundertätigen Kollegen aus dem Kalender. Die Entente unö üas Ruhrrevier. Ein eigenartiger Fragebogen. Die D e n a verbreitet folgende aus Essen datierte Meldung, für die wir ihr die Blrcmtworwng überlassen müssen, sowohl was den Inhalt wie auch die Tendenz anbelangt: In Mülheim a. d. Ruhr wurde heute ein Kaufmann Willy Kühl aus Brüssel verhaftet, der dadurch Verdacht er- regte, daß er sich verschiedentlich an Reichswehrsoldaten heran- mächte. Man fand bei ihm einen m französischer Sprache aibge- faßten Fragebogen, aus dessen Fassung deutlich hervorgeht, daß Frankreich das ganze Ruhrgebiet mit einem großzügig ange- legten Spionagesystem überzogen hat. Unter der Uoberschrift„All- gemeine Fragen" werden aus dem Fragebogen zunächst folgende Informationen verlangt: Bahnhofsplätze des RuhrrcvierS, Lagepläne der Eisenbahndirektionsgebäude, genaueste Erkundigungen über die Reichs-, SicherhcitS- und Einwohner. wehren. ES heißt dann ferner: „Politische Erkundigungen": Haltung der Arbeiterbcvölkcrung. Auf die Hirltun« bor Kom- munistrn, der Unabhängigen Sozialdemokraten und der Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei ist dag besondere Augenmerk zu richten. Was denken diese über die Reichswehr, die Sicherheitswehr und die Einwohnerwehren? Sind sie ihnen feindselig ge- sinnt?— In dieser Form geht es auf diesem Fragebogen mehrere Seiten lang. Dadurch ist einwandftei festgestellt, daß die Fran- zosen sich nicht scheuen, jeneS Gebiet bis ins kleinste ausspionieren zu lassen, auf das sie schon lange ein Auge geworfen haben. Insbesondere, wie würden die Arbeiter und Führer, d. h. die Ingenieure, die Direktoren usw. die Besetzung des Ruhr- reoiers durch die Entente hinnehmen? Würden sie annehmen? Wüvdcn sie Widerstand leisten und auf welche Art und Weise? Sind schon Vorbereitungen für einen Widerstand der Arbeiter getroffen? Dann heißt es weiter: Name, Stand und Einfluß der Regierungs- und Stadt- oberhäupter(Oberpräsidenten, Regie rungspräsi- deuten, Oberbürgermeister usw.). Welche sind uns feindlich gesinnt? Welche würden uns bei einem eventuellen Einmarsch freund- lich gesinnt sein. Adresse ihrer Bureaus? Besteht noch die Technische Nothilfe, der Heimatdienst oder irgendeine andere Organisation derselben Art? Wenn ja, geben Sie uns Name und Adresse des lsitenden Verwaltungspersonals am Wirtschaftliche Auskundschaftungen. 1. Bestehen noch Leben sm-ittclläger? Bezeichnen Sie dieselben: a) des Reiches(Stellen der Zwangswirtschaft), b) der Kommunen, c) der Unternehmer, d. h. die Warenlager, die insbesondere Uebe rschich tenmate r ial enthalten. 2. Geben Sie uns genaue und vollständige Adressen der Räume und wie die Waren untergebracht sind. 3. Bestehende Kohlenlager(Adressen der Lager). 4. Eisenerzlager. b. Lagepläne der bedeutendsten Firmen. Der Sprung ins Dunkle. Bedenken der Ernährungsminister. Berlin, 2. September. Im Reichsminffterium für Ernährung und Landwirtschaft hat am Mittwoch eine Konferenz mit den Er- nahrw-gSinnstern der Länder f.ottgeiunden, d.e zu eine-, ein- gehenden Lussvrache über die verschiedensten Gebiete da Ernährung führte. Die Verhandlungen wurden vom Reichsmniister Dr. Hermes •mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er darauf hinwies, daß in vielen Punkten der Ernährung eine wesentliche Aenderung der Ver. sorgung eingetreten sei._ Oelsrüchte und Kartoffeln seien freigegeben. Auf anderen Gebieten sei die zentrale Einfuhr ausgegeben, ivie für Fische, Obst, Gemüse usw. Der Abbau der Zwangswirt- s ch a f t, so fuhr der Minister dann fort, legt zwei Gedanken be- sonders nahe, und zwar erstens, daß wir bei Aushebung der Zwangs- Wirtschaft unter allen Umständen ein gemeinsames Vorgeben der Länder uud des Reichs erzielen müssen. Es würde äusserst bedenklich sein und nicht bloss das Interesse des Reiches sondern auch die Interessen der Länder gefäbrden, wenn Sonderaktionen sich bei dem Abbau entwickeln sollten. Mit der?lufhebung der Zwangswirtschaft wird die Verantwortlichkeit der deutschen Land- Wirtschaft eine grössere und unmittelbarere als zur Zeit der Zwangswirtschaft. Die Liindwirtschaft muß sich in allen ihren Glie» der» ihrer Verantwortung bewußt sein und für sich daraus die Auf- gäbe herleiten, einen Vcrbraucherschutz zu organisieren, d. h. das deutsche konsumierende Volk vor einer übertriebenen Pr e'i s- Bildung und vor einem Mangel an Nahrungsmitteln zu schützen helfen. Die großen Organisationen und ihre Führer haben uns ihre Mitwirkung in dieser Hinsicht in den letzen Wochen zur Verfügung gestellt uud ihre Mitglieder und Anhänger in Auf- rufen zur tätigen Hilfe angespornt. Es muß auch anerkannt werden. daß die Brotgetreideablieferung, die ja hierbei eine ganz besonders wichtige Nolle spielt, in den letzten Tagen eine Besserung erfahren Haft wenn sie auch noch nicht ausreicht, um die Brotreserve in genügendem Masse sicherzustellen. Aus dem Gebiet der Preisbildung werden die landwirtschaftlichen Organisationen ebenso mitwirken müssen, damit Mass gehalten wird. Die freie Wirtschaft, wie sie jetzt, namentlich in Kartoffeln eintritt, darf nicht dazu führen, daß eine wucherische Preisbildung Platz greift. Der Miuffter erstattete dann noch Bericht über die Konferenz in London, die voraussichtlich in den nächsten Tagen in Italien eine Fortsetzung finden wird, und eröffnete dann die Debatte über die einzelnen Punkte, die auf der Tagesordnung standen. Es handelte sich dabei zunächst um die Freigabe der Fleisch- Wirtschaft und der Bereitstellung einer Reserve an Aus- landfleisch, die ständig so gross gehalten werden soll, daß sie eine Wochenrativn für längere Zeit sicherstellt. Gegenwärtig sind öö 000 Tonnen Fleisch vorrätig. Der Bestand soll dauernd auf 30 000 Tonnen gehalten werden, so daß 16 Millionen Versor- gungsberechdigte 3 Monate lang mit 126 Gramm wöchentlich ver- sorgt werden können.— Von einzelnen Ministern wurde eine Reihe von Wünschen und Anregungen laut. Der preußische Staatskommissar regte an, daß die Kommunalvevbände bei Auf- Hebung der Fleischlbewirtschaftung noch für einige Wochen Fleisch- mengen sicherstellten, die auch nach der Aushebung der Fleisch- bewirtschaftung an die Bevölkerung ausgegeben werden können, um auf diese Weise Stockungen in der Uebe rgangs zeit zu vermei- den.— Der sächsische Minister sprach sich gegen die Ans- bebung der Bewirtschaftung des Fleisches aus, wogegen die weit überwiegende Zahl der Länder, einschliesslich Braunschweig für die Aufhebung eintrat. Im Laufe der Debatte gab der Reichsminiftcr die Erklärung ab, daß er die Verantwortung nicht übernehmen könne, die Frei- gäbe des Schlachwiehs ohne Sicherung einer Flaischrcserve»orzu- schlagen. Die Sicherung müsse geschaffen werden gegen Stockun- gen in der Anlieferung und gegen übertriebene Preisbildung. Auch die Sicherung der Brotrescrve, die zur Stell« sein soll, wenn die Floifchbcwirtschaftung aufgehoben wird, sei absolut notwendig für die Sicherung der Ernährung. Orgauis atwnszersplitterer an der Arbeit. Uns wird geschrieben: Unter dem Titel Deutsche Postgetverk- schaft versucht Dr. Hofle, ehemaliges Mitglied des Deutschen Beamienbundes, eine neue Zersplitterung unter der deutschen unteren Postbeamtenschaft hervorzurufen. Wohl jedem unteren Postbeamten ist'per Name Dr. Höfle vom letzten Kapp-Putsch noch in Erinnerung, wo er als Gegner der verfassungstreuen unteren Beamten und als Mitgto des Deutschen Beamtenbundes gegen die Arbeitsniederlegung gestimmt hat. In seinem Ausruf an die Kollegen und Kolleginnen will Dr. Höfle den unteren Beamten vorreden, eS wäre» Bestrebungen im Gange, dast untere Postbeamte, welche seit der Revolution bei der Sozialdemokratie politisch organisiert find, sämtliches Personal in den Deutschen Transportarbeiterverband überfütren wollen. Weiter wirft Dr. Höfle in seinem Aufruf dem Reichsverband deutscher Post- und Telegraphenbeamten vor, aast er seine Mitglie- der mit der Besoldungsreform enttäuscht habe. Wir erinnern uns an Dr. Höfles große Rosinen, welche er als Mitglied des deutschen Beamtenbundes auf einem Bezirkstage des Reichsverban« des deutscher Post- und Telegrapüenbeamten versprochen hat. Dr. Höfle war ein Gegner der 120 Proz. Teuerungszulage, die vom Reichsverband deutscher Post- und Telegraphenbeamten im Frühjahr 1020 für die Postbeamtenschaft gefordert und auch durchgeführt wurde. Den Versuchen Dr. Höfles, die untere Beamtenschaft durch seine neue Gründung zu zersplittern, werden die unteren Post- und Telegraphenbeamten encrgisck--' Wider- stand leisten._ Betriebsräte der Buchdrucker! Heute Freitag, findet im Jugendheim, Liudenftr. 3, 2. Hof HI, eine wichtige Sitzung statt. Tagesordnung wird eingangs bekannt- gegeben. Der Fraktionsvorstand. I. A.: Herrmann. Zentraler Tarifvertrag für die gemeindlichen Angestellten. Die in dem- Arbeitgeberverband DeutsSer Gemeinden und Kommunalverbände zusammengesciilossenen gemeindlichen Bezirks- arbeitgeberverbände und Einzelgemeinden und Kommunalverbände haben den Ab'chlust eines zentralen Manteltarifver- träges für die gemeindlichen Angestellten in Aussicht genommen. Die Verhandlungen mit den Angestellten werden demnächst eröffnet werden._ Tarifvertrag mit der �firma Hermann Meyer& Co. Zwischen dem Zentralverband der Angestellten und den sechs Tochtergesellschaften der Firma Hermann Meyer ch Co. haben erneut Verbandlungen stattgefunden, die endlich zum Abschluß des Tarifvertrages für die F i l i a l l e i t e r i n n e n geführt haben. Die Angestellten gelangen dadurch endlich in den Genuß der vereinbarten Zulagen. Der Tarifvertrag gilt bis zum 81. De- zember 1920._ Achtung, Nrbeitslosrnkommissiouen! Am Sonnabend, mittags vünktlicv 1 Uhr. jindct eine Besvrechung im Bureau des ArbcitSloscnrates, Klosterftr. 92. Ii. statt. Sämtliche Branchenkommissiviien müssen vertreten sein.— Arbeitslotenräte«Srost-Berlins k Am Dienstag, den 7. Sept., pünktlich abends 7 Uhr, findet eine Vollversammlung von Grost-Berlin statt. Buchbinderverband. Heute Freitag, nachm.'1,5 Uhr, im Saal 4 des Wewerklchastshauscs, Engcluscr 15: Versammlung der in Buchbinde- reien, Buchdruckereien, Kontobuchsabriken beschäftigten Frauen. TageS- ordnung: Entlassung der Frauen nach der Verordnung des Demobil- machungskommissarS. Achtung, arbeitslose Frisenrgehilfen! Freitag vormittag 10 Nhr GewertschaitsbanS, Saal b. öfscniliche Arbeitsloienversammlunz der Friseur- gchilsen. Referent: Genosse Böttcher oam Arbeitslosenrat Berlin. Thema: Die ArbeitSloscnsragc und die politische Lage. Allgemeiner Verband der deutschen Bankangestellten. Freitag, 3. September, abends 7 Uhr, in den„Sophienlülen", Sophienur. 17: Allgemeine Vertrauensmännerversanimlung. Bericht über die VerHand- lungen des 4. Ordentlichen Verbandstag«. Zcntralvcrband der Angestellten. Fachgruppe 4 a. Vertrauens. leuteversammlung der VcrsicherungScinnehmer 3. Sept.. abends 6 Uhr, im Restaurant Sasse, Noststc. 6.— Fachgruppe 10 II g(Bluse». Schürzen, Kupons). Oefscntliche Versammlung T/t Uhr abends, Musikersüle, Kaiser- Witbelm-Str. 31, Hochzciislaal.— Fachgruppe 12(Baugewerbe). Oefscntliche Versammlung 3.«ept., 7 Uhr abends, Verbaudsbureau, Zimmer 6, Belle-Allianee-Str. 7—10.— Fachgruppe l6d(Kunitdruckereieri). Sekllons- sitzuug 3. Sept., 7 Uhr abends, Berbandsbureau, Zimmer 6, Bellc-Alliance- Straße 7—10.— Die Mitgliederversammlung der lltechtsanwallsaiigestelllen findet nicht, wie angegeben, heute, sondern am Mittwoch, den 8. September, statt._ Silöungsveranftaltungen. Lichtenberg. Sonntag: Besuch der Nationalgaierie unter fach verständiger Führung, des Herrn Dr. MalkoivSky. Trefjpunlt: Etngani Miiscumstraste um 8'J, Uhr morgens. P'. eis M. Soziales. Brasilianische Siedelungen. Von einem brasilianischen Parteigenossen wird uns geschrie« ben: Die„D e ut s ch e Zeitung" von Sao Paolo teilt mit, daß die Staatsregierung von Minas die Vorarbeiten für die Errichtung, einer Staatskolon te im Munizip Pitanguv betreibe. Es handle sich um Gelände, das von der Paracatu-Bahn, einer im Bau begviffeuen Zweieslinie der Oeste-de-Minas-Bahn. durchschnitten wird. Diese Zweiglinie, welche erst in diesem Jahre begonnen ffff nimmt ihren Anschluß an die letztgenannte Bahn beim Bahnhof Mariinco Campos bei Pitanguy, welcher 8 01 Kilo- meter von N i o de Janeiro entfernt ist. Wie weit nun -das bewußte Gelände von Mariinco Campos entfernt ist, wird. nicht gesacft.(Die Ortschaften Pitanguy und Paracatu zeigt jeder bessere Atlas.) Es soll Land für 300 Familien vorhanden sein und soll das Klima Nordeuropäern, also wohl Deutschen, zusagen. Die Zahlungöbedingungcn für das Land, die Baulichkeiten, Ackergerätschaften, die der Staat liefert, sollen sich auf 10 Jahre erstrecken und außerdem würde jede Kolonistenfamilie für die Dauer von 6 Monaten Anspruch auf 30 Milreis monatlich haben. Man fragt sich, angesichts solcher Bedingungen, was man sich dabei denkt. In einem gänzlich wilden Gelände, das wahrscheinlich erst ge. rodet und gereinigt werden muß, sollen europäische Siedlew die die Verhältnisse erst kennenternen müssen, nach sechs Monaten auf ihre eigenen Hilfsmittel angewiesen sein. 801 Kilometer von der Küste entfernt, wo Lebensmittel allein durch die Bahnfracht ungemein verteuert sind. 00 Kilo Bohnen kosten ungefähr 18 bis 20 Milreis, 60 Kilo Reis ungefähr 30 bis Lö Milreis, niedrig gerechnet, von Zucker, Fleisch und dergleichen gar nicht zu reden. Kartoffeln sind dort überhaupt nicht zu haben, so daß auch, waZ Lebenshaltung betrifft, eine sofortige Umstellung nötig ist. Man kann Auswanderungslustigen in Deutschland nur raten, sich den Schritt, altgewohnt« Verhältnisse gegen daS gänzlich Un» gewisse in Brasilien einzutauschen, gründlich zu überlegen. Im übrigen verweisen wir auf die Tätigkeit des ReichAvande- rungsamtes, das Auswanderungslustige gern informiert, ehe sie sich einem Ungewissen Schicksal anvertrauen. Mus aller Welt. Lokov'.otiven mit Oelbcizung. Zum ersten Make verkehrte auf der Strecke L o n d o n— B irmingham ein Schnellzug, dessen Lokomotive mit Oel geheizt war. JugenöverLnstaltungen. Heute V-jS Uhr: KönigStv ilsterhausen. Jugendbelm Gcmeindefchule Klaffe Zd: Mit- plicdervcnammlung.— Moabit. Jugendheim Waidenserstr. 2l, Schul«, Zimmer 12.— Neukölln Nord und Süd. Jugendbcim Nozatstr. S3: Bericht vom Rcichsjugendtag in Weimar.— Niederschönhause». Jugend» beim 1. Gemeindcschule Blankenburger Straste 69/70: Mitgliederversamm- lung.— Nordosten. Jugend beim, Aula der Realschule, Pasteurstraste.— Osten. Petersburger Biertel. Jugendbcim Strastmannstr. 20: Mit- gliederversammlimg.— Reinilkeudorf-Ost. Lokal Ullrich. Sausotter« straste 43: Mitgliederversammlung.— Rosenthal. Jugendbcim Gemeinde- schule Kastanienallce: Tinnen und Mädchenabend.— Süden. Jugendheim, Jugendklubzimmer der Gemeindeschule, Wilmsstr. 10: Mitgliederversamm- iung. Trepiow.Baumschulenweg. Jugendheim Elsenstr. 3. Mitglieder« Versammlung. Vcrantw. für den redall. Teil! Dr. Werner Pelscr, Charlotteuburg: für Anzeigen: Dl. Ginitc. Berlin. Verlag: BorwärlO-Verlcia G. m. d. H., Berlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckerei u. Berlagsansialt Paul«inger u. Co., Berlin. Lindenltr. 3. Oirrzu 1 Beilage. Hornhaut-, Schv/feien u. Warden beseitigt schnell, sicher- u. schmerzlos IllsSiirOl lOOOOOO fach bewährt Preis Apotheken u. Drogerien erhältlich Vorsicht top Mäciiahmtmgen. 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