Nr. 447 ♦ 37. Jahrgang Msgabe B Nr. LH Bezugspreis: L srteIIilhrt.!»,-�Mt�>iu>natUU>,— M. frei in» vaus. oorau»»ahldar. Poft» dezuq Monatlich 10,— DU, e�L Ru- fUIIungoflebübt. Unter Rteujbonb für SeutidjlanD unfi Oesterreich 16�0 Ml, für da» übrige Ausland bei laglich einmal. Zustellung 21,50 M. Dostbestellungen nehmen an Oesterreich Ungarn, Tfchecho» Slowakei, Däne- mar!, voll and,.uremburg. Schweden unb die Schweiz.— iingettogen in die Post» �eimng», Preisliste. Der.Vorwärts� m« der Sonntag»- oeilage.Voll».Reif ericheini wachen- äglich zweimal Sonntag» unb Mon- tag»»inmgL Abend Ausgabe Teiegramm-Adeeste: �Sozialdemokrat verlin" 4 Veeliner VolKsblettt ( Lapksniilg) Anzeigenpreis: Me achlgefpallene Nonpareillezeile kosteiS.— Dl.. Teuerungszuschlag b»"/.. «Ulein« Anzeigen-, da» iett- gebrückte Wort h— M. jzulässtg zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort so Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzejgen da» erste Wort 65 Pfg. jedes weitere Wort 40 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungsztifchlag 50»/» ffamilien-Anzecgen für Abonnenten geile 2,— M. polttifch« und ge- wertschaftliche Pereins- Anzeigen Mi. big Zeile ohne Aufschlag, Anzeigen für die nächste Ziummer müssen bis fi Ahr Nack mittag« im Hauvtgeschäft.»erlitt Sffi ,3, Linden- ftratze 3, abgegeben werden. Deössnet von 9 Uhr früh bis ö Uhr abend«. �entralorgan der rozialdemokratircben partci Dcutfcblands Keöaftion und Expedition: Slv. 6$, Lindenstc. 3. Rerniurrrtier; ilmt Morisvln«, Nr. 15190—15197. Mittwoch, den 8. September 1Ö20 vorwärts-verlog G.m.b. h., EW. öS, Lindenstr. 5. Fernivrecher: Amt MoriUvlah, Nr. 117 55— 54. Sesthassungsbeihilfe für /lrbeitslofe. Wie in der heutigen Sitzung des volkswirtschaftlichen Ausschusics der Rcichsarbeitsmiiiistcr Tr. Brauns mitteilte, hat daS Reich für eine einmal ig c BeschaskungSbei- Hilfe an Arbeitslose 5li Millionen Mark aus- geworfen. Unter Hinzuziehung der auf Länder und Städte entfallenden Beträge soll jeder Erwerbslose, dessen Arbeits- losigkcit länger als acht Wochen währt, etwa 4 9 9 bis 459 Mark einmalige Beihilfe erhallen. Die Forderung nach einer einmaligen Bcschaffungsbci- Hilfe wurde von dem sozialdemokratischen Redner anläßlich unserer Interpellation über diese Frage im A n- fang August erhoben. Genosse Kürstcn hat damals auf die Wünsche hingewiesen, welche eine Konferenz von Arbeits- losen, die aus 26 Groststädten beschickt war, im Rcichsarbcits- Ministerium erhoben hatte. Tie jetzige Absicht der Regierung bedeutet also eine teil- weise Erfüllung der von den Sozialdemokraten bei ihrer Interpellation erhobenen Forderung. Der weitere Kom- missionsbericht folgt in der Morgeunummer l- Neuer polenaufstanü am 15. September! Der Sonderberichterstatter der B. L-Korrespondcnz- in Katto- witz meldet: Die Gerüchte von einem neuen Polenauf- stände erhalten sich hartnäckig. Nach zuverlässigen Meldungen hatten die Polen für den neuen Aufstand den 15. September ausgewählt, den Tag der Lohnzahlung. Wie- wir schon vor einiger Zeit berichteten, dürste es an diesem Tage zwischen Arbeit» gcbcrn und Arbeitnehmern wegen der Bezahlung der Streiktage zu Streitigkeiten kommen, und diesen Umstand dürften die Polen dann für sich ansnützen. Militärgerichtsurteil in Rpbnik. B e u t h e n, 8. September.?incn Angeklagten zu acht Monaten und einen zweiten zu vier Monaten Ge» fänguis bei sofortiger Verhaftung. Die weiteren Punkte der Anklage sLandfriedensbruch, Raub ufw.) wurden fallengelassen. Zeitungsverbote in Oberschlesien. Kattowitz, 8. September.(MTB.) Die drei im Verlage von Siwinna erscheinenden Zeitungen:.Oberschlesische Mar. gen-Zeitung", �Kattowitzer Zeitung" und Königs- hütte r Tageblatt" sind neuerdings auf unbestimmte Zeit verboten worden. volschewiftenaufftanö in vuchara. Moskau, 6. September.at durckfführen können. Bald nach der Beendigung des Putsche? erschien in der Zeitschrist der höheren Post- und Telcgraphenbeamten, den„Blättern für Post und Telegraphie", eine Mitteilung, nach der Herr Sönksen als vortragender Rat in das Ministerium versetzt und der vortragende Rat Gentzko zu seinem Nachfolger ernannt wor» den sei. Worin die Sühne für Sönkfens Verhalten bestand, wurde zur Ueberraschung der Beamtenschaft nicht bekannt. Wie sich der Minister Giesberts selbst über den eidbrüchigen Beamten aussprach, geht aus folgenden Wor- ten hervor, die er auf dem Verbandstag der unteren Post- beamten sprach: Darauf sagten die Söhne nach einiger Ucberlegung: „Vater, lehre sie nichts. Dann wird sie bis zum Ende ihrer Tage beständig wciiermelken. Zeige ihr nicht, wie di« gespannte Sehne durch ihr Zusammenziehen de» Pfeil wegschnellt, dann wird pe keine Lust zur Jagd haben. Verbirg ihr die Eigenschaft ver Fische, die einen scharfen Haken verschlucken, wenn er mit einem Köder beoeckt ist. sie wird dann nicht an doS Auswersen von Angeln oder Netzen denken. Lehre sie nicht, wie man einen Baum aushöhlt und damit nach der anveren Seite des See? fahren kann. Und laß sie niemals wissen, wie sie mit einem Blonden oder Braunen ein eigenes Haus und was dazu gehört bekommen kann. Laß sie dies alles niemals wissen, Vater, dann wird sie bei dir bleiben und die Milch deiner Kühe wird fett fein. Uns jedoch laß gehen, Vater, jeden nach seinem Wunsche!" So sprachen die«ohne. Aber der Vater, der ein sehr bor- sichtiger Mann war, entgegnete: „Ei nun, wer wird sie daran hindern, zu lernen, was ich sie nicht lehrte? Wie wird es werden, wenn sie die blaue Fliege auf einem treibenden Zweig fahren sieht? Wie wenn der ausgezogene Faden ihres Gespinnstes seine frühere Länge wieder bekommt und, schnell sich zusammenziehend, das Schiffchen ihres Webstuhls zu- fällig fortschleudert? Wie, wenn sie am Ufer des Baches den Fisch beobachtet, der nach einem sich krümmenden Wurm schnappt oder rn falsch gelenkter Begierde ihn verfehlt und an der scharfen Glieder- hülse des Riedgrases' festhakt? Und wie endlich, wenn sie ein Ncstchen findet, das sich die Lerchen im Maimond in den Klee bauen?" Die Söhne dachten nach und sagten: „Sie wird daraus nichts lernen, Vater! Sie ist zu dumm, um daraus Wünsch« und Erfahrung zu schöpfen. Auch wir würden nichts gelernt haben, wenn du es uns nicht gesagt hättest." Doch der Vater antwortete: „Nein, dumm ist sie nicht! Ich fürchte, sie wird aus sich selbst lernen, was ihr nicht ohne mich lernt. Dumm ist di- Thygater nicht!" Darauf dachten die Söhne wieder nach— diesmal aber tiefer und sagten: „Vater, sage ihr, daß Wissen, Begreifen und Begehren... sündig ist für ein Mädchen." Diesmal war der vorsichtige Vater zufriedengestellt. Er ließ feine Söhne ziehen auf den Fischfang, auf die Jagd, in die Welt. auf die Hochzeit... überall hin. Aber er verbot Thygater das Wissen, das Begreifen und das Begehren, die in Einfalt bis an ihr Lebensende wettcrmelfte. Und dieS tut sie bis zum henttgen Tag«. Historische Kommission für daS Reichsarch'v. Durch Erlaf� de» Reichspräsidenten vom 17. Juli ist beim Reichsministerium deS Innern für das Reichsarchiv in Potsdam eine historische Kom- Mission gebildet worden, der«« Aufgabe es sein soll, das Reichs» „Bei den vielfältigen Aufgaben, die mir jetzt obliegen, ist es mir nicht möglich gewesen, eher zu kommen, weil ich heute morgen noch die Sache mit dem einzigen ungetreuen Be- amten der Reichspo st Verwaltung, dem Oberpost- direktor von Berlin, erledigen mußte. Ter Berliner Ober- Postdirektor ist von seinem Posten entfernt worden(lebhafter Beifall!, den» ich werde eS keinem Beamten zumuten, ihn als Bor- gesetzten anzusehen.(Erneuter Beifall.) DaS Disziplinar- verfahren ist gegen ihn eingeleitet worden. Ich bcdaure, daß ein Mann, der 41 Dienstjahre hinter sich hat und im allgemeinen ein tüchtiger Beamter war, sich durch seinen Ehrgeiz zu solchen Schritten hat verleiten lassen. Für uns kann es nur eine« Stand- Punkt geben: daß wir uns auf den Boden der Verfassung stellen, unbeschadet unserer verschiedenen politischen Auffassungen." Zwischen diesen Worten des Ministers Giesberts und der B e H a nd l u n g des Herrn Sönksen lag ein un- übcrbrückbarer Widerspruch. Ein vortragender Rat ist s i n sehr hoher Vorgesetzter, und man kann es allerdings der Beamtenschaft nicht zumuten, sich diesem Manne unterzuordnen. Wir erwarten eine alsbaldige Aeußerung des Ministers Giesberts, die hoffentlich eine Klärung der recht dunklen Angelegenheit bringt. fluf dem Mar Moskaus geopfert. Die Kreisgeneralversammlung der U. S. P. D. de? Kreises Solingen entschied sich mit großer Mehrheit für den Anschluß an die Dritte Internationale unter Anerkennung der 21 Thesen Moskaus. Es wurde ferner beschlossen, wer sich nicht zu diesen Leitsätzen bekenne, solle seine Folgerungen ziehen, andernfalls erfolge sein Ausschluß. Darauf erklärte Reichtsags- abgeordneter Merkel, daß er die politische Leitung der ..A r b e i t e r st i m m e" in Solingen niederlege und sein Reichstagsmandat der Bezirksleitung zur Verfüg ung stelle, da er nicht Kommunist fein könne. Tie Versammlung verurteilte aufs schärfite die antibolfchc- wistische Propaganda des Abgeordneten T'.ttmann, weil sie gegen- revolutionär sei. Ferner verlangte die Versammlung von der Parteileitung die sofortige Proklamierung von p o l i t i sch e n Ar- beiterräten und deren Wahlen. In Solingen hat Wilhelm Dittmann jahrelang politische Auf- klärung auf sein« Art geleistet. In Solingen hat sich eine Spc- zialität für Parteischerbengerichte herausgebildet. Jetzt fliegt Merkel, der Verherrlicher der schönsten Toni und des„Raubtiers" Lcdebour. Wann folgen die Crispien und Ditlmänn nach? Liebesgaben für Agrarier. Die Frühdruschprämie, die in diesem Jahre 200 M. pro Tonne beträgt, statte bekanntlich den Zweck, die Ernte iür Brotgetreide schneller hereinzubringen. Trotz des starken Anreizes haben sich b:e in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt, wozu der fortgesttzt zunehmende Schleichhandel sowie die mangelhafte Kontrolle der Reichsgetreide stelle beitragen. Der Landbund, der eifrig bemüht ist, die Zwangswirtschaft zu sabotieren, tut das seinige dazu. Die Frühdruschprämie sollte am 15. September aus 100 M. gesenkt werden. Nimmestr stellen sämtliche bürgerliche Parteien im 5. Ausschuß deS Reichstags den Antrag, die Frübdnifchprämie im vollen l'mstrnge bis 1. Januar 1021 weiterzugewöhr«n. Das bedeutet bei den hohen Getreidepreisen eine ganz unberechtigt« weitere Steige- r u n g, die zu Lasten der Reichskasse geht. Die rechtsstehenden bürgerlichen Parteien haben während der Wahlagitation gegen die damalige Regierung den Vorwurf erhoben, daß sie die Reichskasse für di« Minderung der Preise der Lebensmittel enorm erhöht habe. Die gegenwärtige Re- gierung ist bereits über alle bisherige Belastung hinauSge- gangen, und es zeigt sich, wie wenig von dieser Seite das Ver- sprechen bei der Wahl erfüllt wird. So bleibt die Taktik von dieser Seite dieselbe, die uns früher schon bekannt war, d'e Millionen für agrarisch« Ansprüche herzunehmen, wo sie verlangt werden, aber immer auf Kosten der ärmenren Volksklassen. archiv in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zu beraten, die Ver- bindung des R«ichSarchivs mit der Wissenschaft herzustellen und über die Unabhängigkeil seiner Forschungen zu wachen. Aus Vorschlag des Reichsministers des Innern sind nunmehr erstmalig aus die Dauer von fünf Jahren die nachstehenden Persönlichkci'en vom Reichspräsidenten in die Kommission berufen worden: v. Bechrnan« Hollweg, v. BorrieS. Hans Delbrück. Freiherr v. Freytag-Lori.-.g. Hoven, Pros. Dr. Götz. Prof. Dr. Kehr, Dr. Lewald, Dr. Erich Marcks, Pros. Dr. Mcineck«, Dr. Hermann Onckcn, Prof. Dr. Schreiber, Prof. Dr. Schulte, Prof. Dr. Schumacher; der Präsident des Reichsarchivs Oberst a. D. v. M e r tz gehört der Kommission von Amts wegen als Mitglied an. Nach dem vom Reichspräsidenten erlassenen Statut wird die Kommission, deren erste Sitzung aus Ansang Oktober in Aussicht genommen ist, ihren Vorsitzenden selbst wählen. Wir würden«S für sachlich wichtig halten, in diesem Ausschuß alle Geschichtsauffassungen vertreten zu sehen. Unler den vom Reichsministerium des Innern vorgeschlagenen Gelehrten suchen wir aber vergebens nach einer Persönlickckeit, die den historischen Materialismus vertritt. Wir sind der Meinung, daß eine solche für die dem Ausschuß gestellte Aufgabe— z. B. die Ucberwachvng der Unabhängigkeit der Forschungen— durchaus in Betracht kommen muß. Eine Denkschrift zur Begründung freier WirkschaftShechschulen hat Dr. Felix Borchardt dem Reichswirtschaftsrat unter- breitet. Im Anschluß an organisatorische Borarbeiien, die bereit» im Sommer 1010 mit führenden Kreisen des Berliner Wirtschafts- leben? eingeleitet wurden, wird der Grundgedanke der Wirtschaft- lichen Ertüchtigung aller am Wirtschastsprozeß Beteiligten, sowohl Wirtschaftsleiter wie-Mitarbeit«, in allen Formen der Gemein- schaftsarbeit entwickelt und ein auf fachlicher Gliederung beruhendes prakttsch-wirtschaftliches Lehrprogramm aufgestellt. Ein wesenilicheZ Merkmal ist die Einstellung der Arbeit der freien Wirtschastshoch- schule aus solche Zwecke, die ohne Rücksicht auf die Gesellschaftsord» nung, im Wesen der Wirtschaft als solcher liegen, so daß sowohl die Unternehmungsweise wie die sozialisierte Wirtschaft in ihren prak- tischen Formen zu FortbildungSzwccken dienen. Dlieater. Im Kleinen TÄauspielhe.'.lS findet am Donnerstag die 75. Auffübrung der OJvoteSfe. D e r � I o b im VanzerbanS" aoa Robert Aoriler-Lairinnga statt.— Tic Erstauflüdrunsi deS SingidielS „Frau Barbe!.* non Fischer und«naga, die am 10. September im Zentrasthealer, Alte Jakob trm'e. stattfindet, beginnt viinltllch um 7 Ubr. Uljt dünkilich. in der Aula der 7. Ge mcindelchulc, Slallschreiberstr. ö4a; Branchenoersammlung. Bund der technischen Angestellten»nd Beamten. Am Donnerst tad. g. September, Mitgliedervcrlammlungen: Südwenen abends?>/, Ubr im Neslauran! Zur Bierglocke, Bellc-Alliance-Str. 106; Cbarlottcnburg I abends 7'/, Ubr im Lokal Tanroggcncr Straße, Ecke Kaiterin-Auqutta- Allee; Cbarlottenburg II abends VI, Ubr im Lokal Schillc, Penalozzl. strahe; Charlottenburg III abcns VI, Uur Deuliches Haus, Windichcid- Ecke Schillerilrage; Norden I abends'7�/, Uhr im Reilaurant Schwark, Feldslr. 3; Osten I abends VU Uhr im Hochbahnrestaurant, Slratauer Allee 4S. Sozia!??. versorgungsberechtigte und Militärversorgnngs- behö'rden. Die Militärversorgungsbebörden haben sehr viel Arbeit, um die bisherigen Bezüge der Versorgungsberechtigtcn nach dem neuen Versorguiigsgesetz zu regeln. Daneben ist noch über zahlreiche alte Aniräge von Vcriorgungsbercchtiglcn zu entscheiden. Ob- Wohl eS möglich wäre, durch Vermehrung des mit der Be- orbeitung der Versorgüngssachcn beschäsligten Personals eine be- schleuiriglere Erledigung herbei-uführen, jchreckl man davor zurück. weil an eine dauernde Beschäftigung der dazu nötigen Hills» kiäsie über einen gewissen Zeitpunkt hinaus nicht gc- dacht werden kann. Und doch wären viele Arbeils- lose froh, auch nur für eine Zeitlang Arbeits» und Ver- dienstmöglichkett zu erhalten, wodurch andereiseits die Ausgaben für Eriverbsloienuulerstützung etwas vermindert werden könnten. Inzwischen haben tauiende Versorgungsbcrechligte geduldig zu warten und werter zu bungetn. Was Hilst es, daß sie später allcS, waS ihnen zusteht, nachgezahlt erkalten, wenn sie in der Zwischen- zeit nichl wissen, wo sie das Geld sür d�e alleruotwendigsten Bedürfnisse hernehmen sollen. Nicht genug damit, haben sie allerlei Scherereien, Laufereien und selbst Ausgaben sür Porto uiw, noch obendrein, um die Erledigung ihrer Atmäge zu sördern. Zahlreich sind deshalb auch die Klagen. Daneben zeigen sich auch vielfach Mißstände, die darauf schließen lassen, daß von ordnungsmäßiger, gewrjienhafter Erledigung oft nicht gesprochen werden kann. Hiersür zwei Beripiele. die noch durch andere vermehr: werden könnten. Die Mutter eineS Vermißten hatte bis Ende 1918 Familien- unten'tützrrng bezogen. Diese wurde ihr dann einzogen, weil der Sohn für lor ertlärt wurde. Es wurde der Antrag auf Etleinrente gestellt, der nach einem Vierteljahr wieder- holt wurde. Die nötigen Papiere und Unterlagen wurden verlangt und beigebracht. Diese kamen im Februar 1920 zurück ohne einen Veicheid. Auf spätere Anfrage wurde mitgeteilt, daß die Aniprüche berechtigt seien; der zuständige �Magistrat— es handelt sich um einen auswärtigen— sei schuld an der Ver- schleppung. Darauf Anfrage bei dieienr, der am 28. April rniiieili, der Antrag sei zur weiteren Veranlassung an das KreiswohlfahnS- amt abgegeben worden. Letzteres schrieb dann am 6. Mai. daß der Antrag dein Versorgungsamt Posen als der zuständigen Stelle zur Entscheidung vorgelegt sei und nach wiederholter Erinnerung habe das Versorgungsamt Stettin, das die Dienstgeschäiie des Beriorguitgsamts Posen übernommen babe, mitgeteilt, daß der Antrag verloren gegangen und daraufhin unterm 27 Februar 1920 ein neuer Antrag vorgelegt worden sei. Vom VeriorgungSaml Stettin wurde dann mitgeteilt, daß der Antrag an das Veriokguiigsamt Allensletn weitergegeben wäre. Nach zwei- maligen Anfragen am 22. Juni und 23. Juli kam dann endlich von letzterem Amt die Antwort, der Antrag sei dotl in Beaibeitung. Bon der Antragstcllerin forderte dann die Polrzcibebörde ihres Wohnortes am 26. August auf- neue die Papiere ein. und io ist die Angelegenheit nach l1/- Jahren genau so weit wie bei der ersten Eiureichung des Antrags. � Ter zweite Fall läßt schlußfolgern, daß die Versoraungsbe Hörden oft selbst nichl wissen, wer für die Erledigung eines Antrages zuständig ist. Es bandelt sich um die W.twe eines im Juli 1918 gestorbcneit Kriegers. Auf Anfrage erhielt sie vom Veriorgungs gmt des L Arme�orps in Königsberg unterm 28. August 1919 die Nachricht, daß ihr Antrag an das Versorgungsamt des VIII. Armee kotps in Koblenr zitständigkeitshalber tiberiandt sei. Dieses sandte die Alten nach Königsberg zurück, und das dortige BerioratmgS- amt schrieb nun am 30. Dezember 1919, der Antrag sei zuständig- keitshalber an das Versoroungsamt Hannover geiandt. Ein halbes Jahr Ipäter. am 8. Jult 1920. wurde ßemt VeriorgungSaml Königsberg nochmals angefragt und von dort wieder geontwortet. daß der Antrag in Hannover sei. Darauioin wurde unterm 21. Jult brieflich beim Hauvtversorgungsamt Hannover ange'ragt. worauf dieses am 9. August antwortete, das Schreiben sei an die zu- ständige Behörde, Hgupwcriorgitngsomt Königsberg, abgegeben. Auf erneute Anfrage schrieb dann letzteres, daß sich der Antrag dort im Geschäftsgänge befinde und zur Beifügung der Kranken paviere am 31. Juli dem dortigen Versorgungsamt II übersandt worden wäre. Es hat also reichlich ein Jahr gedauert, bis dte Köiiig-Sbetger Vetsotgungsbehörde die richtigen Maßnahmen zur Erledigung des Antrages traf, und da Beschleitniaung veriprochen ist. wäre eS der in Beirachl kommenden atmen Frau zu wünschen, daß sie nicht noch einmal so lange auf die Erledigung warten muß. Diese Beispiele zeigen, daß eine Aendeinng in der Erledigung der Veriorgnngsiochen notwendig ist. Wenn die Vetsorgungsbe- Hörden so schweltällig und langsam arbeiten, ist es zu vetstcben, wenn die Antragsteller ganz verzweifeln und oft nicht wissen, was sie tun solle«. Ihnen aber zu helfen, tst doch auch Pflicht der Behörden._ Wietschast Neuregelung der Schuhverteilung. Wie die.P.P.N.' erfahren, kommen sür eine behördliche Verteilung gegenwärtig nur daS gebrauchte Milttärichiibwerk. ferner das von der Neichsichnbveriorguitg G. m. b H. mit Reichs- zuschüssen beschaffte Gebrattcksichtihwerk und das von der Allleder-Verwertungs stelle G. m. b. H. hergestellte Schuhwerk in Betiachi. Die Neichsichnhvcriorgung® m. b. H. verteilt das von ihr be- schaffte Schuhwerk und die Altleder- Verwerttingsstelle G. m. b. H. das von thr hergestellte und sämtliches gebrauchte Milttärichuhwerk selbständig. und zwar unter Aus- ficht einer besonderen Sachverständigen- Kommission. Diese Kommiision, die in Anlehnung an einen bei der Neichsschuhversorgung G. m. b. H. bereits bestehenden Ausschuß gebildet worden ist, hat dem Reichswirtschaslsminsstenuin gegenüber die Verantwortung für die Schubvenetlung übernommen. Alle Bliese in Schuh- verteilungsangelegenheiten sind künftig je nach der Art des in Betracht kommenden Schuhwerks an die Retchsichuhversorgung G. m. b. H., Berlin 8W 66, Leipziger Straße 123a. oder an die Alileder-Verwertungsstelle G. m. b. H.. Charlottenburg 2, Hardenberg- slraße 12. zu richten. Die SpirituSberteilung hat das Reichsmonopolamt für Branntwein, Berlin W 9, Schillingstr, 14/13 übernommen, die Kleb st offvert eilung, deren Aufhebung übrigens in Aussicht steht, die Reichsarbeitsgemeinichafl sür die Lederwirtichaft, Berlin W 9, Bernburger Str. 24/25. Sämilicke Ein- und Ausfitbr- angelegenheiten der Lederwirtschait werden ausschließlich von der Außenhandelsstelle der Lederwirtichaft, Berlin W 10, Vittoriastraße 12, bearbeitet. Die von uns in Nr. 440 des.Vorwärts"' veröffentlichte Schlamperei bet der Beschaffiing von 300 Paar Militätstiefel bezieht sich auf die jetzt zur Auflösung gebrachte Reichs st elle für Schuhversorgung, die nicht identisch ist mit der noch be- stehenden Retchsschuhversorgung G. m. b. H. Ei» russischer Lokomotiven au st rag an Deutschland Die„Kasse- ler Neuesten Nachrichten" melden, daß die Maschinenfabrik H e m- s ch e l 200 Lokomotiven für Sowjetrußland m Bau genommen hat. Amerika will das französische Tabakmonopol kaufen. Wie„In- ttansigeant" meldet, bat sich eine bedeutende ameiilanische Gruppe gebildet, die daS französische Tabakmonopol kaufen will. Zur Berbrlligung von Futtermittel». Von den Mitgliedern des Reich-wirischastsrats, den Landwirtichailsveriretern Weinberg und Trübenbach ist folgender Antrag eingebracht wotden: Der Reichs- wirtichaitsrat wolle beschließen, die Rcich-regieruiig zu eriuchen, Maßnahmen dafür zu treffen, daß die Preise für Futtermittel die jeweiligen Preise sür Getreide nicht übersteigen, gegebenenfalls die Mehrausgaben für eingeführte Futtermittel zu übernehmen Eine den gleichen Gegenstand behandelnde von selten einer Kölne? Großhandelsfirma an da- Neich-wiriichait-ministenum gerichtete Eingabe bittet darum, die Einftihrvergütung auf Mais nicht z u zahlen, weil infolge Deutschlands großen Einsuhr- bedatfs die Eiusuhrvergütung den Welimaiktprets für Mais hebe und somit Deutichland dem Ausland, das ja den Mais liefert, cinen Teil dieser Einfuhrvergütung zahle. Demgegenüber wird behauptet. daß die Weltmai-ernte wahrscheinlich sehr günstig ausfällt, und der Bedarf Deutschlands wohl nicht io stark ist, um die Welt- marltpreiie erheblich zu sieigent. Die Verb.tlltgungsaktton soll bekanntlich dem Zweck dienen, die Ablieferung de- Brotgetreide- sicherzustellen. Die Erwägung der maßgebenden Stellen in dieser Frage sind noch nicht zum Abschluß gebracht. Bub aikr wett. heftiges Erdbeben in?La!ien. Am frühen Morgen des gestrigen Tages wurde in CasteHtuovo- di-Garfagnana, Pier« Foscirno, Castiglione-di-Fosciano und Villa Collemaridino etn ziemlich heftiges Erdbeben verspürt. Die Zeitungen vernehmen, daß infolge des jüngsten Erdbebens die Tele- graphcn- und Telephonleitungen in mehreren Orten gestört wurden. In Preto sind zahlreiche Kamine eingestürzt. Die Kirch«.in V i a r e g g i o ist beinahe ganz zerstört worden. In E a st r o-> f r a n c o dt S o t t o stürzte die Decke per Kirche sin. Von dem Orten Rwerfano, Forni und Montignoso steten nur noch Ruinen. In Pontosievo gab es eine Anzahl Verletzter. In Marina und C a r r a r a wurden e nige Häuser beschädigt. In zahlreichen Orten entstand eine Panik. Die Bewohner sprangen vielfach aus den Fenstern und zogen sich dabei Verletzungen zu, teils erlitten sie dabei auch den Tod. Das Erdbeben wurde auch cm der ganzen Küste der R i v i e r a verspürt. Es ist kein Schaden zu verzeichnen. hochwaffer im oberbaperischen fllpenland. Aus Berchtesgaden wird gemeldet: Die Salach, die Aach und die Salzach führen starke» Hochwasser. Der Nonnen- steig in Bad Reichen hall, der neue Sietzenheimer und der Schwarzbachcr Steg wurden weggerissen. In Grilling brach die große Salzachbrücke, in Königssee die Grundmühlenbrücke und in Salzlburg die Edmundstuhlbrücke. Die Fluten über- schwemmten die Ortschaften Karlstein, Schellenberg und Unter- salzbcrg. In Berchtesgaden und Salzburg sitto die unteren Stadtteil«, serner in der Umgebung mehrere Straßen und verschiedene Ortschaften überschwemmt. Ter Verkehr von Berchtesgaden nach Königssce und Salzburg ruht vollständig. Berchtesgaden ist nahezu von der Außenwelt a b g e- f ch n it. t e n. Das Bezirksamt schätzt den Schade« auf über eine Million Mark. Hochwasser des In«. Der Wasserstand des Inn bei Mühl- darf beträgt nach den heutigen Berichten 3 Meter. Die Fluten führen allerlei Trümmer von Häusern und Wohnungs-' e i n r i ch t un gen mit. In C e r a ch hat das Wasser den Bahn- dämm überschwemmt und in einer Länge von 500 Metern weg- gerissen. R u h r b a ch steht noch völlig im Wasser. Bei Frauen- darf wurden zwei Wohnhäuser weggeschwemmt, wobei ein Kind in den Fluten umkam. T ö r f e n ist überschwemmt. Die Häuser an Ler Isar sind bis zum G cbel unter Wasser gesetzt. Zwei Er- wachsene und zwei Kinder werde« vermißt. Tie Einwohner retteten nur das nackte Leben. Tie unter« Stadt B u.r g- bausenS steht völlig unter Wasser. Der Schaden geht in die Millionen. ölltte. Gronfencr auf einer Krupp-Hütte. Aus der Kruppschen Frledrich-Alsre-l-HiUte in R Hein Hausen bpach ein Groß- feuer aus. Ter Schaden beträgt eine Milltosi Mark. Wieder ein Flugzeug in den Züricher See gestürzt. Gestern vormittag ist ungefähr an der gleichen Stelle wie vor einigen Tagen ein �Flugzeug in den See gestürzt, wobei es vollständig in Trümmer ging. Beide Insassen ertranken. Es sind nach den vorgefundenen Ausweisen der finnische Fliegerleutnant L e h e r und der italioniiche Pilot P i r a, die sich aus einem Fluge von Italien nach Finnland befanden. Die Leiche des italienischen Fliegers konnte geborgen werden. Erdrutsch an den Niagarafällen. AuS New D o r k wird ge- meldet: Während eine Tonristengesellschast, die die Niagara- fälle besuchte, sich gerade auf der Brücke>n der sogenannten „Windhöhle" unter den Horsbos-Fällen befand, siel eine Fels- und Erdmasse aus die„Brücke und tötete drei Touristen. Aeroplanabsturz bei einem amerikanischen Sportfest. Wahrend eines Tennisturniers in Forts Hills zwischen den beiden Cham- pionS Tilden und Johnson um die Meisterschaft von Amerika stürzte ein A e r o p l a n, der zum Zweck photographischer Auf- nahmen aufgestiegen war, infolge Motordefekts aus einer Höh« von etwa 200 Meiern ab. Zwei der Insassen, ein Marine- unp ein Landofsizier, wurden getötet. Vcrantw. für den retntt. Teil? Tr. Wrrner Plikcr, Charlottenburg: für Anteigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorlvärls-Vcrtag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Bor- wärlS-Bnchdruckcrei u. Verlaasanilalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lmdeiittr. 3. 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Im flrels- baufe in Berlin, griedrich- Sart-Afer S— Sreisiags- I flgcngsfaal—, Sagesorbnung: L(Scnehmlgung be« zwischen dem Verbände der Krönten- fassen im Bezirke de« Ober- oersicherungsami« Groß-Ber- Un und dem Zenirawerbtmd der Angeftellien. Bezirk Groß» Berlin, abgelchiossenen Tarii» oertraos. 2. Verschiedenes. Die Serren Auofchußmitglie- der werden zur Teilnahme an dieser Sitzung ergebenst einge- laden. 14«, 13' Berlin, den 6. Sepidr. 1920. Allg. Ortskrankenkasse Niederbaruim. Nettbecker, Vorsitzender. UteParssiteppIclie bis 3X4 aus Privathand gesucht. John Rosenthal. BertlnW. 8. Toubenstr. 10, Fernsprecher Zentrum!?9I. Pelzware» I Jetzt ganz be- deutend billiger, nur Gelegen- heirskäuf«: ilreuzfüchse, gobet- lüchfc jetzt 78, Posten Pe!z- ftegen, Peizmuffen jetzt 88, Herren-Pelzkragen jetzt 68 M. Riesenatiswahl in allen andern Pelzwaren jetzt fabelhaft billig. Pelzbesätze. Peizhiite. 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