Nr. 44S» 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. 87 BeznpSpretS; 55 zrtelj ä ptL 30,— üi!.. monatl.lO.— 2P,L frer ms Haue, voraus-ahldar. Poft» de.u« M onaili» lO.— Ml. erkl. Zu- ftellungsaeblltir. Unter Kreuiband nir Deutilitiand und Oeüerreich 16,' 0 Ml. für das übttgc Ausland tei taqlich emniai. Zustellung 2150?>nstif. ftfliunqtn nehmen>n Oesterreit� Unpacr, Tschechv- Clvwalet, Däne- inartl'ollaiia,.u-enivurg, Achmeden und die EidweK.— Cmnettaqen in die Post- �eirunas-Pre-sliste. Der.Bvrnmtts* mit der 6onmaas- beilage.Boll u-Zelt* etidiem; woillen» täglich zweiinal Sonniaa« und Man- tags-inmat. Margen-Ansgabe Teleacamm-Adreff«! �kozialdaniorral Berlin- berliner Oollrsbleltt (ZS�ksnnig) AnzetgenvreiS: Die achtqeipalten« No»i>aie>lle»e!l« loste l 3,— M., Teuerungszuschlag SO»/» .Klein« Nnzeixon", das lett- gedructte Wort B— M.(zulässtg zwei iengedruekte Worte),-edes wettere Wort 60 Pfg. Etellengciuche und Lchlakstellenanzeigen das erste Wort 65 Pfx. jedes weitere Wort 10 PIg. 0 Worte Uber 15 Buchstaben Mlen für -w« Worte. Teuernngsznichlaa 50«/» ttamilien-Aneeigen Mr Abonnenten geile 2,— M. poiltiiche und ge- werlichaftstche Bereins- Anieigen 3,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen lur die nächste Nunttner müssen bis ö Ahr nachmittags im Hauotgefchäst. Berlin EW Z, Linden- straße Z, abgegeben werden. Geöffnet von g Uhr früh bis 5 Uhr abends. �entralorgan der rozialdcmokratirchcn parte» Deutfchlands Neüaktion und Expedition: EW. 88, Lindenstr. Z. lllernivreeitar: Am: Morinvla». stir.>7,l iM->SL 97- Donnerstag, den 9. September 19�0 vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. 88, �indenstr.2. a-ernfprrcher: Ami Morittplan, Nr. 117 SZ—»4. Stillegungen unö Arbeitslosigkeit. Wie der Ardeitsministcr Dr. Braun am Mittwoch im Vottswirtschastlichcn Ausschuß mitteilte, wird dem Reichs- t a q bald nach seinem Zusammentritt eine Verordnung unterbreitet werden, die für Stillegung von Bettiebcn Meldepflicht vorschreibt und in besonderen Fällen die Beschlagnahme von Rohstofscu und Maschinen der still- gelegten Betriebe vorsieht. Ebenso wird dem Reichstag das neue Gesetz über Arbeitslosenversicherung bald nach seinem Zu- sammenttitt zugehen. Doch fügte der Minister hinzu, daß dadurch nicht die bisherige Arbcitslosenfürsorge überflüssig gemacht werden würde. Die Schlicht ungsordnung wird wegen des Widerspruches der Gewerkschaften einer neuen Durchprüfung unterzogen. Durchs die produktive Arbeitslosenversiche- rung, für welche vom Reiche bisher 130 Millionen Mark ausgegeben sind, konnten bisher 85 00(1 Arbeiter auf 4 bis�5 Monate vor der Arbeitslosigkeit bewahrt werden. Im Deutschen Reiche war die höchste Arbeitslosigkeit feit dem Kriege im Jahre 1910 mit 1 100 000 Arbeitslosen zu verzeichnen. Die Ziffer war am 15. Januar 1920 auf 447 000, im Juni 1920 auf 270 000 gefallen und am 15. August wieder auf 421000ge stiegen. Bon dieser sich täglich ver- größervden Zahl entfallen 40,0 Proz. allein auf Berlin._ Msckütteiung Vrangels. Moskau, 8. September.en Presse veröffentlichten Erörterungen über sozialdemokratische„Klüngel» und Vettern- Wirtschaft" keine Beachtung geschenkt hat, möchte ich mich zu dem vom„Berliner Tageblatt" veröffentlichten Schreiben des Herrn Otto in Kürze äußern. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 6. September 1920. An die Fraktion der Sozialdemokratischen Partoi in der Stadt» derordneienversammlung Berlin, zu Händen de» Herrn Ttadt- verordneten Mermuth(Neukölln): Die Verhandlungen in dem Wahlausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben einen Gang genommen, nach dem die Vermutung sich nicht von der Hand weisen läßt, daß be- züglich der Besetzung der Stellen in dem neuen Magistrat die Fraktion der S. P. D. ein bindendes Abkommen mit der Fraktion der U. S. P. D. unter Ausschluß aller anderen Parteien getroffen hat Hierbei sind m der Oeffent- lichkeit unwidersprochen auch Namen von Kandidaten ge- nannt worden, deren Wahl unS offenkundig den Jnter- essen der Stadt zu widerstreiten scheint. In dem Augenblicke nun, wo die Beschlüssie des WahlauZfchusseS noch nickt endgültig gefaßt sind, erlauben wir unS, die Fraktion der S. P. D. a u f d i e Konsequenzen aufmerksam zu machen, die sin derartiges Vor- gehen bei uns notwendigerweise auslösen mutz. Es ist selbst- verständlich, daß wir uns eine derartige Aus- schaltun g unserer Partei aus der Verwaltung von Berlin nicktgefallen lassen werden. Wir werden vielmehr genötigt sein, gegen diese Beschlüsse den aller- schärfsten Widerspruch zu erheben. Um diesen Widerstand einigermaßen erfolgreich zu gestalten, werden wir uns ge- zwungen sehen, mit allen übrigen nicht sozia» listischen Parteien und Fraktionen der Stadt» verordnetenversammlung Berlin auf das engste zusammenzuarbeiten. Eine derartige Konstellation wtrv dann zu Zusammen st äßen führen, die insbesondere wegen der völligen Abweichung von den RogierungSverhältnissen im Reiche und in Preußen auch für die allgemeine Politik des Lande? unter Umständen erhebliche Folgen haben werden. ES liegt uns selbstverständlich völlig fern, unsere Mitarbeit der Fraktion der S. P. D. irgendtvie aufzudrängen. Mit Rücksicht aber auf das Koalition SverhältniS, das unsere Partei mit Ihrer Partei im preußischen Staate unterhält, fühlen wir uns genötigt, Sie auf diese Folgen aufmerksam zu machen. Der Vorsitzende der deutsch-demokratischen Fraktion in der Stadtverordneten- Versammlung Berlin. I. V. O t t o. Zu diesem Schreiben sei zunächst folgendes bemerkt: Wir haben wiederholt in Verhandlungen mit den unabhän- gigen Vertretern zum Ausdruck gebracht, daß wie es für rat- iam halte, die bürgerlichen Parteien im Magistrat ihrer Stärke entsprechend zu berücksichtigen. Die Unabhängigen vertraten jedoch den Standpunkt, daß die Bürgerlichen, so- lange sie die politische Macht hatten, die Arbeiterklasse stets von der Verwaltung ferngehalten hätten: sie jetzt entsprechend ihrer Stärke zu berücksichtigen, sei des Guten zuviel. Soweit übrigens die demokratische Fraktton in Frage kommt, darf wohl bereits jetzt darauf hingewiesen wer- den, daß einige bewährte Kräfte des alten Berliner Magistrats — Angehörige ihrer Partei— als Kandidaten wieder vor- gesehen sind. Außerdem sind auch für einige Fachdezernate Bürgerliche vorgesehen. Die sozialdemokratische Fraktton konnte eS nur begrüßen, daß die Unabhängigen sich bereit erklärten, die gewaltigen Aufgaben des neuen Berlin mit lösen zu helfen. Welche Kon- stellation würde sich ergeben, wenn sie wegen der mit den Unabhängigen vorliegenden Differenzen die Koalitton mit diesen ablehnen würde? Eine Verbindung mit der Deutschen Volkspartei ist für die sozialdemokratische Fraktton ebenso unmöglich, wie für unsere Genossen im Reich. Die Demo- kraten und übrigen etwa in Betracht kommenden bllndnis- fähigen Gruppen sind aber so schwach, daß mit ihnen ein Magistrat überhaupt nicht gebildet werden könnte. Wir müßten also Gewehr bei Fuß stehen und zusehen, wie die bürgerlichen Fraktionen einen ihnen genehmen Magisttat gegen die 86 unabhängigen Stimmen zustande bringen. Unsere Wähler, und Parteigenossenschaft würde sicher den Vorwurf gegen uns erheben, daß wir durch unser Verhalten den Ma- gistrat den bürgerlichen Gegnern ausgeliefert hätten. Mit Sicherheit hätten unsere Parteigenossen gesagt:.Nun, da die Unabhängigen sich zu positiver Arbeit bereit erklären, der- ? i n d c r t ihr die Bildung eines in seiner Mehrheit a u S'S o z i a l i ste n bestehenden Ma- a i st r a t s." Eine solche Verantwortung können wir um so weniger übernebmen, als das neue große Gemeindewesen auf die Mithilfe namentlich der breiten Arbeiter- und Ange- r.elltenschaft angewiesen ist. In zahlreichen Willenskundgebungen der Änaestelltenorganisationen und Vertretungen der Arbeiterschaft in öen städtischen Betrieben wird gefordert, daß der Magistrat eine der gegenwärtigen Zeit entsprechende Zusammensetzung finden möge. Mir will scheinen, daß eine in ihrer Mehrheit aus Sozialisten bestehende Verwaltungs- lorpcrschast die Arbeiter- und Angestelltenschaft zu größerer Pflichterfüllung an'pornen kann als eine bürgerliche. Diese Motive unseres Handelns Gheint auch die„Sozialistische Korrespondenz" nicht genügend berücksichtigt zu Haben, denn sonst hätte sie sich nicht bereits verschiedene Male in recht be- 'rcmdlicher Weise gegen die sozialdemokratische Fraktion wen- den können. Daß die sozialdemokratische Fraktion� ernstlich bestrebt ist, den Magistrat nur aus tüchtigen Kräften zu bilden, bedarf wohl keiner besonderen Betonung. Die Fach- dezernate sollen durch erstklassige Kräfte besetzt� werden, und bei den übrigen Stadträten kommen Männer in Frage, die in? kommunalen Leben bereits erprobt sind. Im übrigen darf doch die Frage,' ob der Magistrat unter allen Umständen ein Spiegelbild der Stadtverordnetenversammlung darstellen soll, nicht so ohne weiteres bejaht werden. Man bat das neue Ge- meindewesen in Vergleich gestellt zu größeren deutschen Bundesstaaten. So wenig aber in diesen die gerade Herr- 'chende Regierung ein Spiegelbild aller in den Landesver- sammlungen vorhandenen Parteien darstellt, so wenig braucht dies beim kommenden Magistrat des neuen Berlin der Fall zu sein. Es wäre vielleicht ein Fehler, wenn die Ar- besten des Magistrats durch starke politische Meinungsver- 'chiedenheiten beeinträchtigt würden. Spaß macht es sicher iveder uns noch den Unabhängigen, die elende Konkursmasse des Krieges zu liguidieren, und es wäre vielleicht bester, die Ordnung der völlig zerrütteten Verhältnisse denen zu über- asten die ein gerüttelt Maß Schuld an ihnen tragen. Herr Otto deutet in seinem Schreiben an, daß die Vor- ' ige in Berlin eine Rechtsorientierung der Demo- traten in Preußen zur Folge haben könnten. Er zeigt eine gewisse Neigung die sozialdemokratischen Minister in tsteußen— natürlich nur bildlich gesprochen— als G e i s e l n .! bebandeln, falls die bürgerlichen Parteien bei der Berliner Magistratsbildung zu kurz kämen. Solche Hinweise sind ge- rode nicht geeignet, das Verhältnis zwischen den beiden Par- leien m verbessern, und sie können ans die Entscheidung der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion keinen Einfluß baben. Tie sozialdemokratische Stadtverordnetenfraftion trifft ii-> Entscheidungen unter schwierigsten Umständen nach bestem Ermessen im Interesse der Bevölkerung Berlins nach rein lommunalpolitischen Gesichtspunkten. Sie muß es den Demokraten überlassen, ob sie aus diesem ihren Verhalten Folgerungen sllr die Staatspolitik ziehen will, über deren Wirkung fiir die eigene Partei man im Lager der Demokraten '.lbst doch verschiedene Meinungen haben dürfte. oozialüemokratie und Regierung. Eine Einladung zum Wiedereintritt. Die„Gerinania" beschäftigt sich in einem Leitartikel mit Dine.n Aussatz, der dieser Tage durch süddeutsche Parteiblätter gegangen ist und der das Kabinett Fehrenbach einer sehr herben Kritik unterwirft. Zum Schluß dieses Aussatzes wird gesagt, die Sozialdemokratie könne irgendeine Verantwortung für die Fortdauer der gegenwärtigen Regierung nicht länger tragen. Die bürgerlichen Parteien sollten entweder offen gegen die Arbeiterschaft regieren oder aber Neuwahlen her- beiführen, um klare Mehrheitsverhältnisse zu schaffen. Die„Germania" schließt aus dieiem Auftatz, daß sich in der Sozialdemokratie.wieder die Lust zum Regieren" rege hdg£>!änöer Cinürücke. Von Josef K l i ch e. Dreißig Jahre sind es in diesen Tagen, seit sie Felseninsel Helgoland Deutschland übergeben wurde. Ehemals ein beliebter Piratenschlupfwinkel, ward das rote Gesteinslant» später dänischer und englischer Besitz und zum Schluß für die kommende deutsch« Flotte Stützpunkt und Bollwerk. Ein gewaltiges Hämmern und Schürfen, ein Graben und Sprengen begann aus der stillen Insel, die unter englischer Herr- schast lediglich Fischerdorf und Badeort gewesen war. Von der Süd- bis zur Nordspitze wurde die lange gegen England gelegene Felsen- front aus daS stärkste armiert. Der ganze Felsen wurde ausgehöhlt, innen für Kasematrenzwecke hergerichtet und oben mit Geschützen schwersten Kalibers bestückt. Dreifach übereinander wurden Räume geschassen. Alles im Felsgestein. Daneben wurden Kasernen und sonstige Anlagen gebaut. Gegen hundertzwanzig Millionen der- schlang nach und nach das rote Eiland. In zähem Kampfe mit der See wurde dieser der Hafen abgerungen. Mürrisch beobachteten die Helgoländer dieses Beginnen. Di« Engländer hatten ihnen die Straßen gepflastert und einen geringen Zins erhoben, sich sonst aber wenig um sie gekümmert. Unter preußischer Herrschaft war das alles anders geworden. Ihre Selbst- verwalUlNf, wurde eingeengt und das typische Beamtengeschnauze begann. Sie waren nicht gut auf hie neuen Herren zu sprechen. Trotz der großen Schutzmauer nicht, die zum Wohle der Insel gegen den Ansturm der brausenden und srependen Wogen gebaut wurde. sta, just dieser Stein- und Zementwall wurde, da er nicht fertig geworden, zu einem schweren Aergernis für die Insulaner. Er hört mitten in der See auf und gefährdet an dieser Stelle so un. gewollt die Insel um so stärker. Dann kam der Krieg. Helgoland»ar zum Vorposten in der Nordsee auscrschen. Aufs neue begann die Reichsverteidigung zu schanzen und zu bauen, zu rammen und zu befehlen. Helgoland wurde zu einer großen U-Boot-Station. In den tiefen Felsen- kammern lagerten umfangreiche Vorräte Torpedos. Die Boote ionnten hier ihren Munitionsbedars ergänzen. Große Hallen rurden ausgebaut und mit den modernsten Maschinen ausgestattet. Die Zivilbewohner aber wurden aufs Festland verpflanzt. Und heute? England hat Deutschland bezwungen, ohne daß den roten Felsen bombardierte. Ein Paragraph im Friedens- oertrag ist dem Schicksal Helgolands gewidmet. Und dieser Para- graph ist radikal und unbarmherzig. Im Frühjahr 1923 darf nichts wehr an das wilhelminische Helgoland erinnern. Soweit die Forti- fation in Frage fonimt, darf wortwörtlich kein Stein aus dem anderen bleiben. Kasernen, Dünen, der Hasen— alles muß verschwinden. Bereits heute sind vierzehnhundert Arbeiter tätig, die, zum größten Teil vom Festland stammend, bei einem Stundenlohn von 6,30 M. bohren, hämmern, sprengen oder sonstwie unter Aus- iicht der englischen Kommission tätig sind, inn die gewaltigen An- lagen restlos zuschanden zu machen. Und die Helgoländer? Sie sind zufrieden! Sie freuen sich dieser Abkehr und wollen gern wieder da» werden, was sie vor und daß sie deShald ein« RegierungÄrise und Auflösung des Reichstags herbeizuführen beahstchtige. Die„Germania" ist gegen die Auflösung, sieht aber keine Möglichkeit, sie zu ver- meiden, wenn nicht die Sozialdemokratie wieder in die Re- gieriing eintrete. In diesem Sinn schreibt sie: Allerdings ist die jetzige Basis für die Regievung zu schmal. Ihre Verbreiterung erweist sich als notwendig. Daher wird sich in der Tat die Sozialdemokratie zu Beginn der neuen Reichs- tagstagung vor eine Entscheidung gestellt sehen. Sie wird sich darüber schlüssig werden müssen, ob sie in die Regierung eintreten will, um dieser die Festig- keit und Dauerhaftigkeit zu geben, die unsere Lage dringend erheischt. Lehnt sie den Eintritt in das Kabinett ab, so würde allerdings, da seine Verbreiterung nach rechls nicht in Frage kommen kann, wahrscheinlich kaum ein anderer Weg übrig bleiben, als durch Neuwahlen die Grundlage für ein aus eine Parlamentsmehrheit gestütztes Kabinett zu gewinnen. Schwerwiegende Gründe sprechen gegen diese Wiederholung der eben erst hinter uns liegenden Volksbefragung. Sie würde, um das nochmals zu betonen, einer Politik der Verantwortung s- losigkeit zu danken sein, die ohne Zweifel auck bei den Wahlen ihr Echo finden würde, fteilich in anderem Sinne, als die- jenigen, die jetzt darauf hintreiben, zu hoffen scheinen. Zunächst sei gegen den zitierten Auftatz aus unserer Parteipvesse bemerkt, daß die Sozialdemokratie fiir das Be- stehen des Kabinetts Fehrenbach keine Verantwortung trägt. Diese Verantwortung tragen nächst den an der Regierung beteiligten Parteien die Unabhängigen, die durch ihre Weigerung, in die Regierung miteinzutreten, die Bildung eines rein bürgerlichen Kabinetts geradezu erzwungen haben. Tie Unabhängigen scheinen mit diesem Erfolc; auch ganz zufrieden zu sein, denn die rein bürgerliche Regierung erfreut sich einer unvergleichlich besseren Behandlung durch sie als die früheren Regierungen, an denen die Sozialdemo- kratie hervorragend beteiligt war. Solange das arbeitend.' Volk in seiner erdrückenden Mehrheit nicht einsieht, daß eine sozialdemokratische oder von Sozialdemokraten stark beeinflußte Regierung— wenn sie auch nickst alle Wünsche erfüllen und auf verrückte Raft'chläg« bör«n kann— besser ist als ein« rein bürgerliche Regierung, solange kann die Lust der Sozialdemokratie am Regieren oder Mitregieren nicht groß sein. Sie hat auch keineswegs den Wunsch, daß wir alle drei Monate eine neue Regierung und alle sechs Monate einen neuen Reichstag haben sollen, bamit bringt man bie Dinge auch njcht vorwärts. Die„Ger- mania" ist aber auf dem Holzweg, wenn sie glaubt, die Sozialdemokratie zum Eintrift in die Regierung zwingen zu können durch die kaum verhüllte Drohung, es würden sonst Wahlen gemacht werden gegen sie. Daß die Sozial- demokratie bei den nächsten Wahlen, wann und unter welcher Parole immer sie stattfinden mögen, wieder sehr große Fort- schritte machen wird, darüber herrscfst in unserer Partei nur eine Stimme der Zuversicht, seder Appell an die Wahlangst wird daher ungehört verhallen. preußische Richter. Beiträge zur Unparteilichkeit der Justiz. Die ganze Schönheit der preußischen Rechtsprechung kann man nur kennen lernen, wenn man sich genau in einzelne Fälle vertieft. Darum seien zwei dieser Fälle, die Genosse Heilmann bei der Beratung des Justizetats im Hauskaltsausschuß der Preußischen Landesveriammlung vorgetragen hat, hier kurz wieder- gegeben. Im Mai traten die Arbeiter des ostpreußischsn Städtchens Sensburg in den Generalstreik. Sie verlangten Entfernung des LandratS, der sich im März laut zu Kapp bekannt hatte, und zweier Landratsbeamter, loenen betrügerische Schädigungen der Allge- meininteressen nachgesagt wurde. Aus den Generalstreik ant- wartete das Bürgertum mit einem Gegenstreik, und an die Spitze des sogenannten StreikäbwehrkommiteeS trat der Amts- dreißig Jahren waren: ein stiller Badeort für zahlungsfähige Fremd«. Freilich dem Kenner der Insel bleibt ein schmerzlicher Eindruck nicht erspart. Die Bestimmungen des Friedensvertrages lassen leider gar keinen Schutz für die Fischerboote übrig. Der unter ge- waltigem Kraft- und Geldaufwand erbaute Hasen ist gleichfalls der Vernichtung bestimmt. An den U-Boot-Docks und den Molen ist bereits der Anfang gemacht. Den Hafen hätten die Lloyd Ge- orge und Millerand ruhig vor diesem Schicksal verschonen dürfen. Bei starken Nordtvestwinden ist der Schutz der deutschen Fischerei in den dortigen Gewässern gleich Null. Zahlreiche Fischcrkata- strophen find zu erwarten. Warum also die Durchführung einer für das wehrlose Deutschland so harten Maßregel? Nicht anders steht es mit den drei großen Kasernen. Auch diese müssen abge- brachen werden. Sollte es nicht möglich sein, diese zu erhalten und für Zwecke der Kindererholung nutzbar zu machen? Einflußreiche englische Kreise haben doch sonst bereits manches Gute für die schwergeprüften deutschen Kinder getan. Kindererholungsheime in gesunder Meerlust fehlen uns. In ein- zelnen Fällen hat sich die englische Kommission im Einverständnis mit ihrer Regierung bereits entgegenkommend gezeigt. So dürfen ein Test der Nordostmole und einige gegenwärtig militärische Ge- bäude im Unterland bestehen bleiben. Letztere um für Zwecke der biologischen Anstalt verwendet zu werden. Dringend erwünscht wäre, daß auch in der Hafen- und Kaserncnftage noch ein günsti- geres Resultat erzielt würde. Wie ich von maßgebender Stelle erfuhr, benehmen sich die Mit- glieder der englischen Kommission., die die Zerstörungsarbeiten überwacht, durchaus korrekt. Auch bei der Bevölkerung ist bisher keine Störung zu verzeichnen gewesen. Trotz der großen Demon- strationen nicht, die die dortig« Arbeiterschaft in letzter Zeit Sonn- tags gegen einen neuen Krieg abhielt. Das Badeleben ist durch die häufigen Detonationen und das ganze Drum und Dran des Ab- baue» nicht gerade ermutigt. Dennodj verzeichnet Helgoland eine verhältnismäßig gute Saison. In einer Ecke des Oberlandes, nur wenige Schritte von den Kasernen steht ein kleines Häuschen:.Villa Hostmann von Fallers- leben." Hier schrieb vor einundachtzig Jahren der freiheitliche, vom Preußenlum verfolgte Breslauer Professor sein viclgesungenes Lied „Deutschland über alles". Ein Jahr später wurde der Dichter seiner Professur für verlustig erklärt. Heimatlos irrte er durchs deutsche Land. Heute ist der, der dem volkstümlichen Liede einen mensch- heitsfeindlichen Sinn unterlegte, ob diesem Tun zu einem Ge- ächteten geworden. Und wie fein stolzes, ausgeblähtes militaristj- sches System, so fällt sein Symbol, seine Helgoländer Kriegsstation in Trümmer. Diese Gedanken beseelten mich, als ich Helgoland verließ. Gvühes«euentdecktez Jngendwerk. Die Joseph-Dichtung. in der Prof. Piper in Hamburg Goethes verschollene« Irgendwer? er- kannt haben will, ft't nach seine« weiteren Mitteilungen bereits 1894 in seinen Besitz gelangt— allerdings in stark beschädigtem Zu- stände. Es hat also 26 Jahre gedauert, bis Goethe als Urheber i» richter. Obwohl Reichsregierung«ich preußische Regierung wiederholt erklärt hatten, daß sie ein Streikrecht der Beamten nicht anerkennen könnten, war das Gericht von Sensburg Haupt,» akteur beim Gegenstreik. Selbstterständlich ist den Richtern, die in den Streik getreten waren, bis zum heutigen Tage kein Haar gekrümmt worden, es ist nict-t einmal eine Untersuchung gegen sie eingeleitet worden. Hingegen hat dasselbe Gericht, das den Gegen- streik leitete, gegen die Streikleitung der anderen Partei, nämlich die Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells, eine Vorunter- such un g eingeleitet! Derselbe Richter, der an der Spitze deS Strcikabwehrkonimitccs stand, wollte sie verantwortlich vernehmen; er hielt sich für unbefangen genug, um diese Strasvevsolgung durchzuführen. Selbstverständlich lehnten es unsere Genossen ab, diesen ausgesprochenen Feind als Richter anzuerkennen. Jetzt hat das Gericht ihre zwangsweise Vorführung angeordnet und wenn e? dazu kommt, dürfte-.n Sensburg wieder einmal Gene- raistreik sein. Ter andere Fall spielt ebenfalls in Ostpreußen. Leiter des außerordentlichen Kriegsgerichts in Tilsit war ein gewisser Land- gerichtsrat Siegfried, der den Eid auf die Reichsverfassung in unmittelbarer Monarchentreue abgelehnt hat. Unter seineitt Borsitz verteidigte einmal der Tilsiter Rechtsanwalt Dr. Schönfeld und erschloß sein Plädoyer mit der Wendung, seine Klienten müßten aus rechtlichen Gründen freigesprochen werden, aber ihre Verurteilung würde auch draußen im Volk nicht verstanden werden. Diese Redewendung verdroß den Landgcrichtsrat Siegfried so sehr, daß er dem Rechtsanwalt Schönscld daS Wort nicht mehr verstattete, ihm öffentlich eine grobe llngehörigkeit nachsagte und ihm schließlich einen Schreibebrief sandte, daß dem Dr. Schön- feld für die Zukunft die Befugnis entzogen sei, als Verteidiger vor dem außerordentlichen Kriegsgericht aufzutreten, da er durch die genannte Bemerkung die Politik in den Gerichtssaal getragen flabe. Schönfeld beschwerte sich darüber beim Landgerichtspräsüvntcn, der sich für unzuständig erklärte und ihn an die Militärbehör- den verwies. Nun be'chwerte sich Schönfeld beim kommandierenden General und beim Reichswehrmimsteft die sich ihrerseits sür unzuständig erklärten und ihn an die bürgerlichen Justizbehör. den verwiesen. Nunmetr beschwerte sich Schönfeld wieder bei diesen, und endlich bekam er einen sachlichen Bescheid vom Ober- landesgerichtspräsidenten in Königsberg, in dem anerkannt war, was Schönfeld juristisch nackgewiesen hatte, daß der Gerichtsvor- sitzende überhaupt kein Recht hat, einem Anwalt das Auftreten als Verteidiger vor dem außerordentlichen Kriegsgericht zu untersagen. im übrigen aber die Beschwerde des Dr. Schönfeld als unbe. gründet zurückgewiesen wurde. Der preußische Herr Justizminister fand zwar Erscheinung und Auftreten des Landge- richtsrats Siegfried, der inzwischen infolge einer parlamentarischen Aktion unserer Genossen wegen des verweigerten Verfassung�. eides pensioniert worden ist. wenig erfreulich, aber auch er weigerte sich, dem Dr. Schönfeld irgendwie zu seinem Recht zu verhelfen oder ihm Genugtuung zu verschaffen. Einzelfälle— tagen die unbedingten Verteidiger der neudcut- scheu Justizberrlichkeit. Selbstverständlich! Aber solcher und ähn- licher Einzelfälle gibt es Dutzende— man kann sie nur nicht alle auf einmal erzählen. Sönksen nicht im ftmt. Zu der Meldung, daß der frühere Oberposidirektor von Berlin, der Kappist Geh. Obcrpostrat Sönlsen, jetzt als Bortragender Rat im Reichspostniimsterium tätig sei, teilt W.T.B, mit: Dies trifft nicht zu. Herr Sönksen ist nach dem Zusammenbruch des Kapp- Unternehmens sofort krankheitshalber außer Dienst ge- treten und hat seitdem keinerlei Amtshandlungen mehr wahrgenommen. Da der wichtige Posten des Berliner Ober- postdirektors sofort neu besetzt werden mußte, Gebeimrat Sönksen aber bis zur Durchführung des gegen ihn alsbald eingeleiteten Di- sziplinarverfahrenS zunächst in einer anderen Dienststelle unterzu- bringen war, ist er von da ab in einer Stelle für Ministerialräte im Reichspostministerium geführt worden. Auch hier hat er keiner- lei Dienst versehen. Inzwischen ist Herr Sönksen wegen dauernder Dienstunfähigkeit zum I.Oktober iu de» Ruhestand versetzt worden. Anspruch genommen wurde. Uebrigens ist sie kein Prosawcrk, sondern in Versen(etwa HOOG) geschrieben, und zwar in Alexen-- drinern untermischt mit Arien in mannigfachen Versmaßen. Nach Goetbes Darstellung in„Dichtung und Wahrheit" hat er aber schließlich zu einer prosaischen Bearbeitung gegriffen, da er mit der Verssorm nicht zurechtkam. Falls das etwa auf 1764 angesetzt« Manuskript also wirklich aus Goethes Diktat beruht, wäre es nur eine Vorarbeit und die endgültige Fassung immer noch unentdeckt. Nach den veröffentlichten Proben zu urteilen, ist die Dichtung für einen Fünfzehnjährigen gewiß aller Ehren wert, aber doch mehr sür die Gocthephilologen, die auch seine Weinrechnungen herauszu- geben nicht verschmähen, als für die große Goethegemeinde von Bedeutung. Darf man im Theater demonstrieren? DaS Kleine Theater hat, wie erinnerlich, gegen Dr. Paul L e r ch. den Urheber der Lärm- szenen in der Aufführung der„Psarrhauskomödie" Klage erhoben. Das Landgericht I hat nunnrebr Dr. Lerch verurteilt, die wegen der abgebrochenen Vorstellung an die Theaterbesucher zurückgezahlten EinirittSgelder dem Kleinen Theater zu erstarten. In der Begründung deS Urteils w>rd ausgeführt, daß der einzelne Theaterbesucher nicht berechtigt ici, eine Thcaierauifübrung zu verhindern, und daß das Verhallen des Dr. Lerch ein in Kulturländern nickck übliches sei und gegen die Pflichten des Zuschauers verstoßen habe.„Die Psarrhauskomödie" stelle keineswegs eine Beschimpfung der katholischen Kirche dar. Nicht der Vriesterstcknd, sondern das Priesterium sei eine Einrichtung der katbolischen Kirche. Die Darstellung des Bruches des Keusch- heitSgelübde» drücke keine Mißachtung des Zölibats auS. Byzantinismus im Altertum. Die Antike ist bekanntlich für viele das unbedingte Vorbild für alles. Ein Fund, der neuerdings in Korinth ausgestelll wurde, beweist, daß im Bereiche der Schweif- Wedelei wir immerhin noch von ihr lernen können. ES ist eine viereckige Herme mit dem Kopf des Herodes AliicuS; dem Fund gegenüber lag ein Block mit der Inschrift:„Hier ging HerodeS spazieren." Schade, daß dieser Fund erst setzt bekannt wird: manche Leute hätten sich gern dadurch zu einem Denkmal anregen lasten. Einstein bleibt. Prof. Einstew wird— wohl unter dem Eitidruck der mannigsachen Vertrauenskundgebuiigen— seine Lehrtätigkeit in Beilin fortsetzen. Vorträge. Im Lessing- Mn'cum spricht Donnerstag Susanne Traut. wein über Anneite v. Droste-HüIShoss. AuS den Werken der Dichterin rezitiert Gertrud Nube. Dbeatrr. DaS Thealer i. d. Köniqgrötzer Sfrafjc bereitet ffiotdonis Lustspiel. M i r a n d o l t n a- vor. Für die Titelrolle ist Elia HeimS ge- wannen. Noch im Laufe dcS Monats September lolgt ein Einalleiabend von Georges C o u r t e I i n e mit Max Pallenberg urrd eine Neuctn- studierung von WedekindS„Erdgeist". Ja, die Titel. DaS bayerische Mlnistertum für Unterricht und Kultus hat 22 Mitgliedern deS Rationat-Theater�rchefterS de« Titel Kammervirtuose verlieben. Ter Wiener Schan'pielerstreir. der bisher au! vier Bübn» be" schränkt war, wsrd von Freitag ab aus drei weitere Theaicr auSgedebn' werden. Die StaatSthealer und die LoUsaper find aber nicht ftreckbedrohl. ITc. 44S ❖ 37. Jahrgang Oelmge öes Vorwärts GroßSerüu Verschärft üie Transportkontrolle! Die Konirollkommission Berlin-Brandenburg hat bei den mitgeteilten Verschiebungen von K r i e g's ni a t e r i a l schon des öfteren verhindert, daß Transporte dieser Art? ihren Bestimmungsort erreichten, und hat somit die Neutralität gewahrt, ohne daß sich Vorgänge wie in Erfurt daraus entwickelten. Für diese Vorkommnisie trifft in erster Linie die R e- gierung sowie den Reichsverkehrsminister mit seinen erlaffenen Verfügungen selbst die Schuld. Haben sie � doch bisher den von der Arbeiterschaft gewünschten Kontrollen � durch ihre eigenen Organe nicht stattgegeben und den ins! Leben gxrusenen Kommissionen ihre Anerkennung! versagt. Die Neutralität kann nicht besser gewahrt werden, als! durch Einrichtung eigener Kontrollstellen der Ar- b e i t e r s ch a f t. Den Kontrollstellen der Regierung sowie den höheren Eisenbahnbeamtcn steht die Arbeiterschaft mit Mißtrauen gegenüber, da nach den bisherigen Erfahrun- gen keine Gewähr gegeben ist, daß Transporte von Kriegs- Material nicht nach Polen besördert werden. Darum verweist die Konimission Berlin- Brandenburg nochmals auf den Ausruf vom Sonntag, den 5. September, und fordert die Arbeiter, Beamten und Eingestellten auf, sich in ihrer Kontrolltätigkeit durch nichts beirren zu lassen. Arbeiter, Beamte und Angestellte, die infolge ihrer Kontrolltätigkeit gemaßregelt oder gerichtlich be- st r a f t werden, sind der moralischen und mate- riellen Unterstützung der Groß-Berliner Arbeiter- sckoft gewiß. Arbeiter, Angestellte und Beamte, schützt die Neutralität! Wahrt die Solidarität? Die Kontrollkommission Berlin-Brandenburg. Schulverwaltungsreformen im neuen Sedin. Der Leiter des Voltssciiulweseiis in Verl in, Stadnchuiral Dr» Fischer hat einen Plan für die Neuordnung des Groß- Berliner Schulwesen ausgearbeitet. Er schlägt u. a. vor. statt der bisherigen 13 im alten Berlin 17 Schulkreise neu zu bilden, die sich mit den Grenzen der geplanten Polizeireviere decken würden und die auf die alten historischen Stadl' viertel sich erstrecken können so daß in Zukunft soioohl Schülkreise und Polizeireviere nach den Stadtvierteln die sie umfassen; Wedding, Tiergarten, Friedrich-Hain usw. benannt werden. CM MN Slk CliW SSMseN»Mg? Die Zeit der freiwilligen und straffreien Ab- liefcrnng erstreckt sich vom 15. September bis 1. November 1920. Den inneren 17 Schulkreisen sollen sich vorläufig 18 äußere anschließen, so daß Groß-Berlin zunächst in 36 Schulkreise ein- geteilt würde. Dr. Fischer tritt dafür ein, daß seder Verwaltungsbezirk einen Stadti'chulrat erhält, demnach müssen Lv Stadtschulräle für Groß-Berlin gewählt werden. Den Oberschulräten müssen indeZ B Dezernenten(Magisiratsschulräte) zur Seite gestellt werden, und zwar zwei sür das Volks-, einer für das höhere, einer für daS Fach- und Fortbildungsschulwescn und einer für die Jugendpflege. Die Bekleidung mit dem staatlichen Schulaussichisrecht hält Geh.-Rat Dr. Fischer für die Schulräte gleichfalls dringend eriorder- lich. Auch milder vom Minister Haenisch schon vorgeschlagenen Ernennung der beiden Oberschuliäte zu Mitgliedern des Provinz-Schulkollegiums ist Dr. F. einverstanden. Es werden also neue Instanzen durch diese Neuordnung nicht ge- schaffen, wohl aber die Geschäftsführung vereinfacht und erleichtert bzw. beschleunigt werden. Der neue Staütspnöikus. Der Fünfundzwanziger- Wahlausschutz der neuen Berliner Stadtverordnetenversammlung trat am Mittwoch abend unter Vor- sitz des Stadtverordnetenvorstehers Dr. Wehl zusammen, der die besonders geladenen Stadträte Dr. Lange- Neukölln und Stadt- syndikuS Sembritzki- Charlottenburg«inführte. Beide Herren hielten kurze Vorträge, worauf nochmals in di« Beratung über die Wahl des Stadts ndikus eingetreten wurde. Nach längerer Erörterung wurde Stadtrat Dr. Lange-Neukölln mit 1t Stimmen gegen 11, die auf Sembritzki entfielen, gewählt. Alsdann wurden nochmals die Gehälter der Mitglieder des neuen Magistrats eingehend beraten und festgefetzt. Die Ge- hältcr für den Oberbürgermeister und die Fachdczernenten blieben unverändert, d. h. der Oberbürgermeister soll 78 000 M. einschließlich der Teuerungszulage und die Fachdezernenten 3ß 000 M. einschließlich der Teuerungszulage erhalten. Der Bürgermeister soll nunmehr dasselbe Gehalt wie diese beziehen, das sind demnach 16 000 M. weniger als in einer früheren Sitzung beschloffen worden war. Die Stadträte sollen, wie schon früber beschlossen worden ist, l8 000 M. plus 60 Pwg. Teuerungszu schlag, also 27 000 Mark erhalten. Diese Gehälter bedürfe« noch der Zustimmung des Oberpräsidenten. Hierauf wurde in die Beratung über die Wahl de? Stadtschul- rat? eingetreten. Man beschloß abermals nur einen Oberschul- rat zu wählen. In Vorschlag gebracht wurden u. a- der Stadt- sä ulrat Dr. Reimann-Berlin, der Stadtverordnete Dr. Kurt Löwen- stein-Charlottenburg, ein Berliner Schuldirektor. Nach langer, ein- gehender Beratung wurde wegen der vorgerückten Stunde die weitere Beratung vertagt, ohne daß es zu einer Abstimnning über die Wahl des Oberschulrats kam. Die Beratungen sollen am nächsten Freitag fortgesetzt werden. Das Lichk der Heimak. 8s Bon August Hinrichs. Da trafen sie einmal auf eine Herde Heidfchnucken und Meta fragte:„Wem gehören sie wohl?" „Dem Voßbauern!" sagte Harm. Meto blieb erschrocken stehen:„Auch das Land hier?" ,Aa," sagte er,„an dieser Seite alles, bis ans Moor: und das gehört ihm auch noch mit." „Laß uns mMchren." Er sah, daß sie ganz blaß geworden war, da fragte er besorgt:„Bist du müde?" „Nein," sagte sie,„das ist es nicht." Sie ging sofort zurück. Da meinte er leichthin:„Na, er kommt hier das ganze Jcchr bald kein einziges Mal her." Aber sie fragte leise:„Kannst du das nicht verstehen, Harm. daß ich hier nicht gehen kann?" Etwas verlegen sagte er:„Ach so— ja— das ist wohl wahr." Sie wunderte sich im stillen, daß er das so leicht nahm, sagte aber nichts darüber. Nach dieser Seite ging sie nie wieder auf die Heide. Im Sommer hatte sie viel draußen mit gearbeitet, aber im Win- ter konnte sie bald nicht mehr mit hinaus. Dann saßen sie die langen Abende hindurch zusammen am Feuer. Harm'ah sie oft von der Seite an und fand, daß sie immer schöner wurde. Ein fraulicher Zug ließ sie setzt viel weicher und lieb- sicher erscheinen und das Herbe und Spröde war ganz von ihr gewichen. Harm hatte immer eine Arbeit vor sich, aber Meta ließ oft die Hände in den Scboß sinken und träumte. Die tiefe Rühe tat ihr wohl. In Gedanken durchlief sie ihr Leben und mitunter kam ihr die Frage: war sie nun eigentlich glücklich? Ja, das war sie. Saß sie nicht auf einem eigenen Besitz und hatte sie nicht einen Mann, der nur für sie lebte und arbeitete? Sie hatte ihn doch sehr lieb. War da? überhaupt nicht wie ein Märchen, daß sie beide hier so einsam, weir von aller Welt entfernt, zusammen am Feuer saßen? Sie sehnte sich wahrhaftig nicht zurück. Auch, daß Harm so schweigsam war, aefiel ihr. Wenn der Wind in der Eiche rauschte und cm Dach und Türen rüttelte, war es doppelt schön hier am Feuer. Und einsam— ach. einsam fühlte sie sich eigentlich nie, Sie hatte immer eine Liebe gehabt für allerhand Märchen und Geschichten, di« fielen ihr jetzt wieder Gefährdung unserer Milchverforgung. Der Magistrat meldet: Die Milcdvcriorguvg Groß-BerlinS ist � durch Vorgänge im brandenburgische n Kreise KöniaS- berg i. Neumark emvfindlich beiroffsn worden. Nickt weniger als etwa 3200 Liter, das sind zwei Drittel der täglichen Vollmilch- lieserungen auS diesem Kreise, sind gestern ausgeblieben. Dieses übereinstimmende Vorgeben der Müchlieseranten ist nach Mitteilungen aus dem Kreise auf einen Beschluß des Ver- bandeS zur Wahrung der ländlichen Jnieressen des KreiieS Königsberg zurückznfübren. Wie insbesondere von derKreisoerwalrung milgeieilt, wird im Kreise zu einem allgemein ländlichen Lieferstreik wegen der kommisiarikchen Neubesetzung des LandratSomts ausgerufen. Der Magistrat Berlin hal die staat- kicken Behörden dringend um Maßnahmen zur Wiederaufnahme der I Milchliekcrungen ersucht. HoffenUich finden diese die Macht, dem gekährl'chen Treiben der bäuerlichen Terroristen, die genau wie die Radikalinskis von links, nicht vor dem Tode zahlloser Säuglinge zurückschrecken, wenn es gilr, ihren Schädel durchzusetzen. Einhalr zu gebieten. Fleifchkundenlist. Die Fleischkundenliste ist aufgehoben, nur die Kundenliste besteht noch. Einst wird kommen der Tag, da auch sie hinsinkt. Und dann wird ein großes Wandern beginnen. Man wird sich erinnern, wie peinlich der angestammte F'eisch-r im Kriege da§ letzte bißchen Fett von der Ration weggeschnitten hat, ohne daß c? in der Zwangs- zugabewurst wieder auftauchte. Man wird den festlichen Blumen- schmuck deS Ladens am Geburtstag der Frau Meisterin vor sich sehen, und die längst zur Gewißheit gewordenen Vermutungen werden wieder auftauchen, woher und wofür diese Liebesgaben gekommen waren. Und es wird ein großes Wandern einsetzen. Denn von dein anderen Fleischer hat man eS nicht an sich selbst erfahren—, daß er es genau so gemacht hat, ein. Sie spann sie aus und dachte weiter und konnte so, die Hände im Schoß, stundenlang dasitzen mit einem leisen Lächeln und träumen. Aber Harm etwas davon.erzählen— nein, das brachte sie nicht fertig. Einmal im Herbst, an einem milden Abend, war sie mit ihm draußen gewesen. Da hatte sich das Abend- rot in den Fenstern ihre- Hauses gespiegelt, daß es�mit der dicken Stroydachmütz? und den rotglühenden kleinen Scheiben sonderbar heimelig im Abend stand, ganz zusammengeduckt unter dem großen dunkeln Baum, Da hing sie sich in seinen Arm und sagte:„Sieh nur, wie schön!"„Was ist?" fragte er und sah sich um.„Sich nur die Fenster an." Ganz verzückt stand sie, er aber meinte:„Ja. etwas größer �hätten sie wohl sein können."„Ach, das mein ich ja nicht. Siehst du nicht, wie das leuchtet, als wärs der Frau Holle ihr Backofen?" Da mußte er lachen.„Das macht das Abendrot, hoffentlich bringt's keinen Regen, ich muß morgen den> ganzen Tag mähen I" Und wenn sie sich über die feinen weißen Nebel freute. die so lustig und zart und still in der Dämmerung über die Heide zogen, und wohl einmal von Elten und schönen Feen dabei sprach, sagte Harm ganz verwundert:„Was du aber sür Gedanken bäst, Mctal" Nein, dafür hatte er keinen Sinn, für Geschichten. Schade, dacht« sie. Sie hätte so gern ein wenig ge- schwärmt. Aber wenn das Kind da wäre, das sie erwartet? — dem wollte sie all diese Tinge erzählen— ganz heimlich. Ja— das Kind! Darauf hoffte sie nun. Sie fühlte, irgend etwas fehlte noch zwischen ihr und Harm— irgend etwas— das Kind! Oh das auch so sein würde wie Harm? Ein klein wenig lusfiger durfte es schon werden. Sie versuchte, sich Harm ein- mal mit fröhlichen, lachenden Augen vorzustellen, aber dann wurde es ein ganz anderes Gesicht, das sie ansah_— dann wars plötzlich der Voßbauer.� Nergerlich furchte sie die Stirn, warum fiel ihr der immer wieder ein? Nein, so sollte es nicht werden, so nicht! Immer noch bäumte sich ihr Siolz dagegen auf und dann wünschte sie, daß auch Harm etwas stolzer und herrischer sein möchte. Dem stillte er nicht nachstehen. Als. der Schnee geschmolzen war und Harm die ersten Arbeiten draußen beginnen konnte, mußte sie sich legen. Es war eine Vorsrühlingsnacht, voll von dem When Geruch der Erde, die nach Brausen und Stürmen den Lenz erwartete. Als Meta nach schwerem Kampf und todähnlichem Ver- Donnerstag, September 192H Der Leichenfunü am Lreihaö Nannsse. � Zur Aufklärung des Verbrechens und zur Ermittlung des Täter? ist vor allem wichtig, die Herkunft der Hüllen der beiden Pokere festzustellen. Es haben sich schon eine ganze Anzahl Leute bei der Kriminalpolizei gemeldet, die. Männer mit Kartons gesehen haben. E? handelt sich aber hier, wie nochmals hervorgehoben wer- den soll, nicht uni eigentliche Pappkartons. TaS Pavier, in daS die Leichenteile eingepackt waren, ist von Papiersachverständigen bereits bcstchtigt, wird aber noch genauer untersucht werden. Es ist eine Packung, wie sie zu Ueberseesendungen verwendet wird. Nach der Beschaffenheit der vorhandenen Körherteile muß an der Stelle, an der der Mord verübt wurde, stark Blut geflossen und also auch wieder beseitigt worden sein. Auch hierauf ist bei den Fingerzeigen, die das Publikum der Kriminalpolizei geben kann, zu achten. Ebenso auch auf Brandgeruch beim Verbrennen der Leichenteile., Die Vernehmungen, die bisher schon in großer Zahl statt- fanden, haben noch keinen Anhalt geliefert, auch nicht die Ermtti- lungen über Personen, die als vermißt schon gemeldet waren oder jetzt erst gemeldet wurden. Der Obduktion der Leichenteile, die MiOwcch nachmittag von den Gerichtsärzten Prof. Dr. Strauch und Medizinai- rat Dr. Stoermer ausgeführt wurde, ging eine Röntgen- aufnähme des Sachverständigen Tr. B u ck r voraus. Die Röntgenbeleuchtung des Kopfes zeigte zwar keine Anhaltspunkte für die Todesursache, doch ergab sich schon hierbei, daß die er- mordete Person große Zahnlücken im Munde hatte. So feh- len im Oberkiefer die Borderzähne vollständig. Daraus kann ge- schloffen werden, daß es sich schon um eine ältere Person bandelt. Am rechten Unterkiefer fand man einen kranken Zahn, der seinem Besitzer heftige Zahnschmerzen- verursacht haben muß. Auch die Obduktion gab keine sicheren Anhaltspunkte dafür, ob es sicb um eine männliche oder weibliche Person handelt. Geringfügige Merk» male lassen auf eine weibliche Person schließen. Die Leichen- teile selbst und auch der Mageninhalt betätigen, daß das Verbrechen erst wenige Tage oder sogar nur Stunden vor seiner Entdeckung verübt worden ist. Auffällig war die Entdeckung, daß der Zwölffingerdarm mit einer Schnur abge- Kunden iit. Es hat dies der Täter geran, um den Ausfluß des Mageninhalts zu verhindern. Sckiarfe Einschnitte an der Kugel des Oberschenkels zeigen, daß der Täter sich bei der Zerlegung der Leiche eines scharfen Messers bedient hat. Knochen an den in den Paketen enthaltenen Fleischfetzen wurden als Schulterblätter erkannt. Sie zeigen, daß der Täter auch den Rumpf in ein- zelne Teile zerlegt hat. Für die weltliche Schule! DaS Kollegium, der 203. Gemeinde- schule(Gesundbrunnen, Gotheniburger Str.) entschied sich in a m t- sicher Konferenz mit neun von vierzehn Stimmen für die weltliche Schule und wandte sich an den Elternbeirat mit der Bitte, bei event. Errichtung einer weltlichen Bezirksschule auf dem Gesundbrunnen hierzu die 208. Gemeindeschule in Aussicht zu nehmen.— Der Elternbeirat will dem Wunsche des Kollegiums gern nachkomnien und entsprechende Schritte unternehmen. Eine öffentliche Mustertnrnstunde für ältere Herren(über 86 Jabrc) veranstaltet der Arbeiterturnverein„Freie Turnerschaft Berlin" am Sonnabend in Neukölln, Turnballe Kopfstr. 66. Aeltere Genossen, welche ihren Körper gelenkig und jung erhalten wollen, sowie die AlterSriegenturner Grotz-Berlins sind als Gäste sehr willkommen. Geturnt werden leichte Hebungen am Barren, Psßrd, Bock, sowie Freiüknu gen. Anfang 7% Uhr. Rudolf Mofse, der Begründer de?„Berliner Tage Blatts" und des Verlages Rudolf Most«, ist gestern auf fetnfot Gut Schenkendors im Alter von 77 Jahre« verstorben. Der Tote kam als junger Handlungsgehilfe nach Berlin, gründete in der Jerusalemer Straße eine Zlnnoncenexpedition, die erste ihrer Art in Berlin, und 1871 das„Berliner Tageblatt". Ein von ihm gestiftetes Kindererholungsheim befindet sich in Schmargendorf. Bertzeigernngen beim Staatlichen Leihamt( Jäger ftr. 04). Die vierteljährlichen Versteigerungen beginnen am 13. und endigen am 10. d. M. Zur Vereinfachung für das kaufende Publikum werden von jetzt ab sämtliche verfallenen Pfänder nur noch in der Jäger- ftratze 64 versteigert. Der Männcrchor„fyichte.Gcorginta" veransloUct Sonntag, nach- mittags 3h. Uhr, im Berliner Lustgarten ein öjfentiiches Konzert. sinken die Augen wieder aufschlug, stand die Wehmutter vor ihr und sagte:„Es ist ein Junge!" Da kam auch Harm, von Angst und Sorge gequält, und beugte sich erschüttert über sie. Sie tastete nach seiner Hand und sah ihn warm und gläubig an. Er saß lange an ihrem Bett und sah auf das winzige Weien, das an ihrer Brust lag. Sein Kind— er konnte es nur schwer fassen und hätte nickst gewagt, es zu berühren. Langsam erst wuchs ein ungeheure' Glücksgesühl in seiner Brust. Meta sah es an seinem Gesic und wartete draus, was er sagen würde, aber dann fielen st die Augen wieder zu. Mutter und Kind lagen in gesundem Schlaf, da stai Harm leise auf und ging hinaus. Nein, in Worten konnte c den Jubel, der ihn ganz erfüllte, nicht äußern. Er übersah sein Land, das in hellem Mondschein lag— es gab viel zu tun für ihn, wenn er olles bestellen wollte. Aber jetzt, nun er Frau und Kind Hatte, mit welcher Lust wollte er für sie arbeiten. Und plötzlich kam ihm der Gedanke, du mußt noch mehr tun als bisher, noch ein neues Stück Heide urbar machen. Leise schlich er in den Stall, holte den Spaten und fing an zu graben, um einen neuen Acker abzustecken. Wie hätte er jetzt schlafen sollen? Mächfig flog es ihm von der Hand, und als der Morgen kam, hatte er schon ein tüchtiges Strick.Heide herumgeworfen. So übervoll war sein Herz. Der Sammer färbte die Heide rot und das Kwrn wogie in satten, gelben Wellen in der warmen Lust. Meta richtete sich im Garten von der Erbe auf und lauschte auf die feine Stimme, die sie gebieterisch cm ihre Pflicht gemahnte. Da ließ sie die Arbeit liegen und nahm ihr Kind auf den Arm. Unter einem breitästigen Apfelbaum hatte Harni eine Bank gezimmert, da saß sie im Schatten, öffnete das Kleid und gab ihrem Kinde die volle Brust.■ r. Wie sie da saß, an den Stamm zurückgelehnt, über sich den grünen Baum mit gelben Früchten behängen, ein wenig. müde, die gebräunten Arme sorgend um dos Kind gelegt, da- in ruhigen Zügen trank, die Augen träumend in die Ferne gerichtet— schön und gesußd, in williger Hingabe an ihre Mutterpflicht, war sie ein Bild her Ende selbst, der Erbe— ewig schafsend, nährend ans beiligem Quell, ewig schön i'nd bei aller Erfüllung doch ewige Träume bergend in ver- schleierten Fernen.(Forts. joUit.) MiMonen für Wohnlauben. T?r Bcrl.ner Magistrat hat mit dem Wohiiuag?ver�a«d >.'..lin emcn Bertrag über die Errichtung von 2 0(1 Wohnlauben abgeschlossen, die pachtweise auf 6 bis M Jahre dr. I! ins- ige gegen eine jährliche Pacht von SOO Mark geg.'bcn werden sollen und zwar unter der Bedingung, dag sie ihre andere Wohnung dann aufgeben. Ter Wohnungsverband beabsichtigt zunächst für 30 Wobn- lauben vis zu SO 00 Mark für den Ausbau zur Verfü- gung zu stellen. Tie Kosten der einzelnen Wohnlaube sind bei faoritxiäßigor Massenanfertigung auf etwa 24 000 M. veranschlagt. Ter Uebcri.uevungszufchuß dürfte sich auf rund 14 000 M. be- I.nrfen, so dag nur 10 000 M. als Rest verbleiben. Für diesen Preis können Reflektanten eine Wohnlaube gegen eine Anzahlung 'i c n 2000 Mark erhalten. Es würde also bei 200 Wohn- lauben ein Rest von 1,6 Millionen Mark verbleiben. Der Ma- «istrat zieht es aber vor, die Wohnlauben auf 30 Jahre zu ver- Pacht!.». Zu jeder Wohnlaube soll ein Gärtchen bis zu 40 0 Lnadrat Meter Grösse mibverpachtet werden. Als geeignet für die Errichtung solcher Wohnlauben ist die Jung- f o r n Heide in Vorschlag gebracht worden. � Tie neuen und die alten Briefmarken. Bekanntlich gibt die Postverwaltung die Pfennigwerte der Postfreunarken au?" druck- technischen Gründen und mit Rücksicht auf Bestimmungen des Welt- Postverkehrs in neuen Farbentönen aus. Da die Farben der neuen Marken teilweise den Farben bisher anderSwertiger Marken gleichen kz. B. die rote 40-Ps.-Marke der bisherigen 10-Pf.- Marke), musste zur Vermeidung von Verwechselungen und zur Hintanhaltung von Betriebserschwernissen vor der Neuausgabe auf den möglichsten Aufbrauch der Marken bisheriger Art Bedachr ge- nommen werden. Taraus hat sich an Orten mit grösserem Verkehr zeitweise ein Mangel an häufig gebrauchten Marken ergeben, ob- wohl die Dienststellen angewiesen sind, Ungleichheiten in den Be- ständen unter sich durch Austausch auszugleichen. Mit der Heraus- gäbe der neuen Marken, die in ausreichenden Mengen fertiggestellt sind, ist bereits begonnen, sie wird in den nächsten Tagen in um- fassender Weise durchgeführt, so dah die hervorgetretenen Schwte- riakeiien, die bei dem Uebergang zu den neuen Postwertzeichen leider nicht zu vermeiden waren, bald behoben sein werden. Die Ada r k e n der bisherigen Arten bleiben vorläufig weiterhin gültig. Die ncxb vorhandenen Vorräte müssen ju; en der neuen Ausgabe aufgebraucht werden. Tw Ttadlviblillthek wird wegen ihres bevorstehenden Umzuges TTneron-dgabe am 14. September, abends 0 Ubr, auf etwa 6 Wr-eben schließen In dieser Zeit können keine Bücher verliehen werde.!?. Ter L« s e s a a.l bleibt bis auf weitere Anordnung noib. oki�en. In ihm wird eine Stelle eingerichtet werden, die vom 15 September ab werktäglich von 1— 3 Ubr geöffnet sein wird, um die bis zum 14 September verliehenen Bücher anzunehmen- Ein KindeSmord wurde Mittwoch im Schöneberger Stadlpark «ntdeci. Tort wurde im Teich die Leiche eines neugeborenen M ä d- chens aufgefunden, das, wie Würgemale am Halse deutlich er- kennen lassen, erdrosselt worden ist- Die kleine Leiche, die nach der Leichenhalle m Schöneberg gebracht wurde, war in schmutzige Lein- wand und Papierfetzen eingepackt. Tos Apollo-Theater bat in seinem neuen Programm dem Wunderbaren und den Illusionisten einen breiten Raum eingeräumt. Da ist Herr Eric Jan Hannussen, der Detektiv, der ein lustiges Jagen durch den Zuschauerraum veranstaltet und seine kriminalistisch- suggestiven(lräfle unerhört Wielen läßt. Mit Hilfe einer Wünscbel- r.ite entdeck! er die verstecklesten Periönlicbkeiten, um sie kurzerhand eines abicheulichen, ober nur angenommenen Verbrechens, über- tnbren zu können. Die Zauberer sind vertreten durch Chnng, L 6A-g- H o o und den Schweden T e g e t h o f f. Ein außergewöhn- licker Bauchredner ist Edler-NIcki, während Madame Laurs und ihr Partner in einer hnbich inspirierten illusionsreichen Szene vZrwegene Balanzier-Akte vorführen. Vorzüglich in seiner Fertig- ksi'. und vollkommenen Eleganz ist der Drabtseilakt der 4 Ei tn e r s. Ausserdem wären noch die Kraft-Equilibristen 5 Carras zu er- wähnen, die mit erstklassigen akrobattschen Produktionen verdienten Beifall finden. Tos Programm der Elite-Sänger(Am Kottbuisr Tor) findet durch das flotte und elegante Auslreten der Darsteller allabendlich lcbdaften Vcilall. Da auch die Preise der Plätze nicht all zu hoch bemessen sind, ist es auch den weniger Bemittelten möglich, sich einen genithreichen Abend zu versihafsen. Siwähnen wollen wir: Ferd. Joachim(Pompelmann als Growsk-Komiker), Franz Panther, ein Straheniänzer aus dem Mittelalter, und Possbii Waiden, der sich als Damenkomiker vortrefflich zeigte. Als öutzerst humornoll zeigte sich Schorsch Ruselli, der es in seiner sächsischen Mundart oeritcht, das Publikum zu fesseln. Auch Max Horst, unter dessen Regie oie vtlite-Sänger austreten, spielte seine Rolle als Herzog Karl August von Weimar und als Jobami Sanders ausgezeichnet. Eharlottenburger Sprachkurse. An der kaufmännischen S ch u le in Charlottenburg werden Anfang Oktober neue Sprach- kuns für Spanisch, Russisch, Englisch und Französisch eröffnet. Jungs Leute, die bereits Vorkenntnisse in diesen fremden Sprachen besitzen, können in die Mittel- und Oberstufe ausgenommen werden. .Dad Schulgeld beträgt für das Halbjahr 10 Mark. Anmeldungen werden schon jetzt in der Schule Wallstrasse 75, von 8 bis 1 Uhr täglich, Dienstags und Freitags von 6 bis 8 Uhr,«ntgvgenge- nommen. Ein Rcvolverschütze hat in Neukölln wieder einmal schweres Unheil angerichtet. Am Sonntag verweilte aus dem Laubenland an der Bouchö- und Harzer Strasse der Stadtsekretär W r i e d t, dgr in Neukölln, Weserstr. 131, wohnt und als kommissarischer Ge- nieindevorsteher für Buckow bestellt ist. Er hantierte mit einem Revolver, wobei vier Schüsse durch den Zaun gingen und ein Schutz den auf der Strasse vorbeikommenden Fabrikanten L e i d o l p h, Bouchestr. S3, in den Unterschenkel traf. Ein Freund Leidolphs suchte auf dem Laubenland nach dem Schützen und stellte Wriedt zur Rede, dieser aber beteuerte zunächst, nicht geschossen zu haben. Erst als ihm die Tat auf den Kopf zugesagt würbe, gab er den Revolver heraus und behauptete nun, er habe, in die das Lauben- land abgrenzende Böschung schießen wollen. Die Schüsse sind durch den aus dem Rande der Böschung stehenden Zaun gegangen, woraus es sich erklärt, daß Leidolph von unten her angeschossen wurde. Er hatte seinen neben ihm gehenden kleinen Sohn eben aus den Arm genommen_ das Kind ist vielleicht nur dadurch der Gefahr ent- rönnen, erschossen zu werden. Wriedt wurde durch Sicherheits- pesi v.cikeamte zur Polizeiwache geführt. Leidolph liegt mit einer bedenklichen Verletzung danieder. Tie Neuköllner WalderholnngsstStte Königsheide wird bereits am 66. September d. I. für den Besuch geschlossen, da eine Ausrechterhaltung des Betriebes in den Wintermonaten nicht er- wlec Tt? ungünstige Witterung der letzten Tage hat zwar die Be'uck'Z-iifer merklich beeinflußt, jedoch besteht immerhin die Tai- •' d'-j, sich die Einrichtung insbesondere während der grossen Ferien eines über alle Erwartungen hinausgehenden Zuspruchs er- srsulc. So wax es zeitweise nicht möglich, die vorliegenden Mel- düngen sämtlich zu berücksichtigen. Wiedereröffnung des Weltpanoramas Neukölln. Mit Be- end.stung- der«rossen Ferien hat auch das Wellpanorama der Stadt T i..', in. Ka i ser- F r i edrich-Stratze 8, seine Pforten dem allge- n.. neu Bcsuck wieder geöffnet. Zahlreiche Neuköllner werden dort O' 4 c gen he: t 5aben, die Schönheiten unserer engeren und weiteren Heimat, die sie im Lause des Sommers vielleicht aus eigener An- iUtUirg kennen lernten, nochmals im Bilde in getreuer Wieder- be zu schauest Der planmäßige Besuch des Instituts durch die '■"kT'itCr Schulkinder hat bereits begonnen. Für Erwachsene i sich in der Zeit von 3— 9 Uhr nachmittags Besuchsmöglich- t Ter Eintrittspreis beträgt 0,30 M., für Kinder 0,10 M. Treptow, Eine Elternversammlung für alle Gcmeindcschnlen findet heute, 7 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums, Berlin- Toevtow, Neue-Krug-Allee, statt. Tagesordnung: Rechenfchakts- bcricht über die Ferienwtele durch den„Ortselternvat"! Die Plenarsitzung tagt daselbst um 6 Ubr zur Beschlutzsassung in Sachen„Witte— Schütt"! Wiederaufnahme der kommunalen Tätigkeit der Friedrichshagener N'iabbänitigcn. Eine Erklärung der trotz ihrer Kampfantaae vor ackit Togen in der S'tzung der Gememeindeveriretuna vom 3. Sep- tember w'eder erfchienenen Kemeiudevertreter der U. S,P. betont kurz die Notweudi'eit, die Jntercsien der Wäbler wabrzunebmen. Eine aoichliesseiide Erledigung des bekannten Streit- folles— siebe unseren letzten Beiicht— bezweckt auch folgender neuer Dringlichkeitsantrag unterer S,-P.-D.- Fraktion:„Die Gemeindevertretung nimmt davon Kenntnis daß das Strakverfabren oegen den Schöffen Nawrocki durch den Amnefsieerlob anfaeboben und der Befchluss vom 11. Juni bierdnrch acaenstandslns geworden ist: der Besch Inn gilt dadurch als au'geboben" Das Wörtchen„dadurch� im letzten Paüils verstimmt? die Unobbängigen, sie stimmten des- balb auch nicht für den Anfrag, der mit grosser Mebrbeit an- aenommen wurde. Die klein? Verstimmung ändert natnr- kich nichts an der vollständigen Wiederaufnahme der kommu- nalsn Tätigkeit der Nnabbänaiaen, Hoffentlich tritt nunmehr trotz aller G-aenfätze ein freiindnachbarl'ches Zusamneenwirken beider sozialistischen Fraktionen in allen die Arbeiterschaft be- treffenden Fragen und tu allen Knltiiranaelegenheiten ein. Die Vorgänae, in der letzten S'tznna berüstrf? Gemeindevorsteher Ranz mit kolaenden Worten:„Gegen Vorfälle im Zuhörerraum, die in der ketten Sitzung vassierten, re(te ich noch nachträakich schärfsten Protest ein. Von eimaen Znbörern sind nn? schwere Beleidigungen durch schgrke Sch'mvsworte znqesügt worden, Wenn ich geaen die A:i?schre!t»noen nicht tokort Front gemocht Hobe so liegt es dgran, dass ich mir'nsolge des grossen Tumults kein Gehör berschgffen konnte. Ich ssible mich veranlasst, das takt- lose Benehmen der betr-ff-nd-n Znbörer nachträalich ernst- hast zu rügen. Ich hoffe, dass ein solcher Fall nicht wieder eintritt: ich mnsste �onst ru memem nrnssten Bedanern Massnahmen treffen, die geeignet waren, ähnlich? Vorkommnisse ein- lür allemal rn verhindern"! Den Elternbeiräten der Otorn-indeschicken, de? Ltnenrn? und de? Gvmngsiiim? werden s- 3�0 M. als Handkonds ssir sächliche Ausgaben rnr Verfügung gestellt. Dem?»'ter der FortbildnnoSfchiifen wird ab 1. Avrl ein Gebalf von 1200 M. be- williat. Für Vernnstastunoen der Schulen(Ausflüge) werden be- williaf: den beiden Volksschulen!e 1500 M.. dem Gymnasium 1000 M, und dem Ly-enm 600 M. Der llebernabme d-s ? v z e um? durch die Gemeinde ab 1. Avr'l t02O bai ietzt das Pravin-ial- Schnlkolleginm nach Ersn(T"na v-rlch'edener Bedinannoen endgülffg zugestimmt. Di- Gemeindevertretung fass»» estna» durch die Neb-rnabme nnt- wendig gewordene Belchlüff».— Pnk ein Schreiben der Eisenbahn- d!-elt!on. die efwgig? Neubesiimmuno der Eisenhabnstati-'nen inner- balb d-s n-uen Gross-Berlin? betielfend, wurde beschlossen, dass es unbedingt bei der Bezeichnung Friddrichsbagen und Hirsch- gnrten für die beid-n Babnbäs- der Gemeinde zu bleiben hätte. — Dem Befr'-bsrat der Otemefnde werden einmalig 150 M. als Aiikwandsenffchgdiann'' inr Sinne d-s h Oy bps Betriebsräfegesetzes bewilligt. Für df? öffentlich? Bibsfothek der Gemeinde sollen nach Fert'gstellnna Räume im Dachg-schoss d-r Turnballe bereitgestellt werden.— Auf Antrag d-r S. P. D. wird für das Winterbalbsabr der K nn st gemeinde ein Znschuss von 2000 M. bewilligt. Ein Teil davon fall den Arbeiislo'en die Teilnahme an den lünst- lirischen Veranstaltungen erniöalichen. ttkrost-Verltner"LestenImfttek. Lichtenberg, m�ronnrelduna aus 509 L., J., G., K., S. bis 11. September für'I, Pfund Auslandszuckcr. Groß-Serline? yarteinachrichten. Heute, N. September: Oeffcntliche Versa in mlung der Sipo- und Reichs- und Staatsbeamten 7h'., Ubr in der Aula des Torot.beenffädtiicheu Ot-iinnasiums. Torotboenstr. 13. Zchema: Was gehe in Deuifchland vor. Referent: Genosse Postfckretär Max si» r o n e fe l d.— Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. -Angehörige sind mitzubringen. Der Polizeibeamten-Werbeansschufi Gross-Berlin. Jnngsozialistitche Bereinigung(S.P.T.) Ortsgruppe Friedrichs- Hägen, 7',', Uhr bei Schulz, Friedrich fwasse. Ecke Lindenallee: Mitgliederversammlung.— Ortsgruppe Südwest. 7t'., Uhr in der Baugewcrlschule (Konica enraum). Kurfürsten str. 141. Thema:„Geichichte der Menschheit'. — Ortsgruppe Treptow. 7 Uhr ihr Jugendheim, Ellenstr. 8/4: Gründungs- veifammlung.— Die Ortsgruppe Aeutölln beteiligt sich an der Gruppen- Versammlung des Wablvereins in der Aula der Obe'.realschule. Emser Strasse. Lichtenberg. 7 st, Uhr: Miwliedcrversainmlungen. 1. Viertel: Logenkasino.'Kno;rvromcnade. 5. Viertel: �Lartburg, Frankfurter Allee Tagesckvdnuug: Wahl der'AbteilungSleilung; Stellungnahme zum Parteitag; Delegier tenwablcn mm Bezirkstag.. Friedenau. 7st, Uhr: Generalversammlung im Ratskeller. Tages- ordnung: 1. Geschäftliches/ 2. Referat:„Politische Tagessragen'. Referent Genosse Hass. Zldlershof. Ist, Uhr in der Aula der 1. Gemcindeschule: Monats- Versammlung. Morgen, Itt. September: Nrbeltsgrnppe Südost. 7 Uhr: Funklionärkonferenz im„Reichen- berger Hos", Reich-nberger Str. U7. Vortrag des Genossen Koblenzer über:„Kommunale Fragen". Die Abtcilungsfübrer der Kiuppe Südwest werden ersucht, die Legitimationen sür dle Kreisvcrtreterlonsercnz in Empfang zu nebmcn. Pankow. 7 st, Uhr: Vorstandssitzung Florastr. 73, bei KorwwSky. » 33.— 36. und 44.-45. Abt.(Arbeitsgruppe Gesundbrunnen. Rofenthaler Vorstadt). Sangcskundtge uenoffen, die gewillt sind, einem neu zu gründenden Ge!an,tschor beizutreten, werden gebeten, ihre Adresse beim Genossen Max Köhn, Hrrsstlenstr. 34, vorn 2 Treppen, mitzuteilen. Mus akssr Wdt. Das süddeutsche Hochwasser. Inn und S a l z a cki haben in Mühldorf. Wasserburg und anderen Orten schweren Schaden angerichtet. Die Babn- strecken sind vielfach unterbrochen. Ganze Dörfer und Stadtteile sieben unter Wasier. In Mübldorf und Erding wurden Häuser fortgerissen wobei auch Menschenleben zu beklagen sind. Auch Lech. W e r t a ch und Jller sind weiter gestiegen� Die Eisenbahn Augsburg— JngolstaM ist unterbrochen. Die Isar mir ihren Nebenflüssen sührl gewaltiges Hochwasser; der in ihrem Flussgcbiet angerichtete Schaden geht in die Million? n. Die Salzach übeifluleie die Salzburger Vororte Nonnthal und Leben. Aus dchn ttz berschwemiu ung? gebiet von Pjnzgau bis Oberndori' w uden vicl'ach Brnckeueinslürze, Strassen- und Dammrutsche sowie Swckungcn im Eiieubahnverkehr gemeldet' Ter Schaden ist enorm Der Re-n dauert nock lechl an. Spät abends wird gemeldet: Die starken Regenfälle im Ge- birge und die örtlichen Wolkenbrüche cruf der bayerischen Hockr» sbene haben aufgehört. Der Oberlauf der Jller, des Lech und der Isar sind im Abnehme n. Im Unterlauf der Flüsse und in der Donau dauert üai katastrophale Hochwasser fort Ter Skandal von Nepy. Die Zustände in der Frauenstrafccnstalt von Rspy beschäftigen die Oeffentlichkeit und das Parlament in der Tschechofiowcrkei. Eine lltttersuchungskommission hat folgendes ermittelt: Das Anstalsgcbäude ist Eigentum des Klosters der Barm- herzigen Schwestern und vom Staat nur gemietet,'ver für jeden weiblichen Sträfling 4 Kronen täglich zahlt und dem Orden gestattet, die Arbeitskraft aller Sträflinge auszunützen. Die Sträflinge werden meistens zu landwirtschaftlichen Arbeiten ver» wendet, dafür aber nur spärlich entlohnt. Die Nonnen leben sehr gut, während die Sträflinge eine elende Kost haben. Ter An- staltsarzt kommt statt täglich gewöhnlich erst jeden zweiten Tag, so daß manche Kranke 48 Stunden auf den Anstaltsarzt warten müssen. Beim Besuch der j u g e n d l i ch- n Sträflinge im Alter von 14 bis 18 Jahren wurde festgestellt, doss die Arbeitszeit 9 Stunden währt. Ein Teil wird mit der Anfertigung von Rosenkrän- ze n, ein anderer mit Gartenarbeiten.beschäftigt. In diesem Kloster werden als Disziplinarstrafen Zwängssacken, dann die sogenannte„Korrektion" und eiserne Fesseln ange- wendet. Die„Korreklion" besteht darin, dass Sträflinge in f e u ch- ten und kalten Kellerkerkern selbst bis auf die Dauer von 3 0 Tagen untergebracht werden Eine Frau erzählte, daß sie auf den Verdacht hin, zu einem Mann Beziehungen unterhalten zu haben, in diesen Kerler gekommen je', und zwar auf 30 Tage mit allen Zugaben das ist am ersten Tag früh Wasser und Brot, mittags die elende Anstaltskost, abends wieder Wasser und Brot. Am näckssten Tag« wird das nahe der Decke angebrachte F e n st e r mit Brettern vernagelt und der Sträfling, der also vollkommen im Dunkeln bleiben mutz, erhält überhaupt keine Nahrung. Das wiederholt sich abwechselnd während der ganzen 30 Tage. � Das Lager besteht in allen„Korrektionen" in einer sogenannten Pritsche, näixlich Brettern ohne Kopfpolsier. Nur sine elende Decke wird dem Sträfling gegeben. Von der Dunkelheit und Feuchtigkeit haben die Eingekerkerten ganz wunde und triefende Augen. Die Kommission entdeckte in einem Kellergewölbe eine Frau, die angeschmiedet war. Sie hatte schwere eiserne Fesseln an den Füßen, die mit einer kurzen Kette neben der Pritsche in der Blauer befeft'gt waren. Als sie gefragt wurde, warum sie in die Korrektion gekommen sei und warum ihr die Fesseln angelegt wur- den. emtivortete sie:„Wir haben es hier nicht aushalten können und unternahmen einen Fluchtversuch, Deskalb kam ich bierher." Sie bat, daß ibr wenigstens die Fesseln abgenommen Wersen, die sie schon seit 14 Tagen Tag und Nacht an den Füßen habe. Die Füße waren schon ganz geschwollen und sie litt sicher große Schmerzen. In diesem mittelalterlichen Gefängnis fehlen die einfachsten SicherheitSvorkebrungen. Es gibt keine elektrische Glocke, auf den Gängen ist kein Wachdienst eingerichtet. Munitronsexplosion. Im Laboratorium des Artilleriedepots bei Manen siel-Wilhelmshaven entstand beim Entschärfen von IS-Zeirtimeter-Granaten Feuer. Das Laboratorium brannte vollständig nieder. Von 50 Arbeitern ist der größte Teil ge- rettet. Bisher wurden 20 Verletzte gezählt. 8 Feuerwehrleute werden vermißt. Abends dauerte das Feuer noch an. Munitionsdicdstähle bei München. In der letzten Zeit sind auS der Munilionsfabrik Schleißbeim bei München grosse Mengen Munition verschwunden. Es wurde festgestellt, dah die Mu- nitionshäuser 11. 14 und 81 erbrochen waren. Der das Lager um- gebende Zaun war teilweise zerstört. Aus dem Lagerschuppen 14 fehlen etwa 10 000 scharfe Revolverpatronen. Die Schuppen 11 und 81 enthalten Nahkampfmitrel und Artilleriemunition, Es sind auch grosse Mengen Maschinengewehrpatroneu und Jnfanteriegewehrpatronen gestohlen worden, Der Poststempel als Werber. Seit einigen Tagen stempelt da? Hauptpostamt Wien die Briefe mit einem Maschinenstempel, der für das Kinderhilfswerl wirbt. Neben dem Tagesstempel steht da auffallend:„Helft Oesterreichs Kindern l Amerikanische Kinderbitfsaktion, Wien, Eliiabeibstrasse Nr. 9", und dann folgt einem Siempelabdruck derselbe Text in englischer Sprache mit der Adresse in Newyork. In Amerika hat man seit langem für alle möglichen Zwecke mit tem Poststempel geworben, so auch für Krieg und Kriegsanleihe. Zu Weihnachten 1919 führten dort Briefe den Poststemvelausdruck:„Bekämpft die Tuberkulose mit den Weibnachls- siegelmarken des Roten Kreuzes". Schweizer Briefe zeigen sehr häufig wechselnd derartige Stempel, die zuletzt in deutscher und französischer Sprache sagten:„Postgiro iparr Noten und Bargeld!" Briefe aus Tschechien trugen jetzt auch oft den Stempelaufdruck, den Kindern zu helfen. I« der deutschösterreichifchen Wehrmacht müssen nach einer Verordnung des Heeresamtes die Angehörigen des� Heeres, die Offiziere, Unteroffiziere und Wehrmänner außer Dienst mit»Herr angesprochen werden. Im Dienste werden die Heeresangehörigen bis zur Herausgabe der neuen Dienstvorschriften nach den bisheri- gen Bestimmungen angesprochen, nämlich mit der Ehargenbezeich- nung.?llle Zivilangestellten der Heeresverwaltung und das Kanzlei- Hilfspersonal sind in und außer Dienst mit.Herr",„Fran" und „Fräulein" anzusprechen. Sport. Rennen zu Karlsborst. 1, P r e i s v o n H o b en türm. 16000 Mark. Distanz 1400 Meter, 1. Königin der Nacht(Faltenbagen). L, Wächter (Herbert). 3. Tromniclichlaq(Viobl). Ferner liefen: Centrifugal(4), Hen- ricus, Sierra, Pension, Pu!wa, Töberitz, Federnelke, Wachtel. Mardonius (stehengcbl). Toto: Sieg 36: t0. Platz 20, 42. 40: 10.— 2, H a m i I k a r- Nennen. 22 000 Mark. Distanz 2000 Meter. 1. Trumpf(Polgar). 2. Der Mobr(Ztirmermaun). 3. Vergleich(Rastcnberger). Ferner tiefen: Moldau(4), Hamdani, CaroluS, Toto: Sieg 42: l0. Platz 24, 22: 10.— 3. Preis der Jährlings-Auktion. Ehrenvreis u. 27 000 Mark. Distanz 1200 Meter, t. Taifi(Rastenberger), 2. Pirol(Hellebrandt), 3. Finnländer(O. Schmidt). Ferner liefen: Käthi(4), Hecklingen, Snob (zurückgezogen). Toto: Sieg l8:t0. Platz 15, 36:10— 4. Neuen» Hagener Ausgleich, 22 000 Mark, Distanz 1600 Meter. I.Elb- Ichleicher(Huguenrn), 2. Südtirolerin(Tarras). 3. Moritz(O. Müller). Ferner licfen: Maus(4), Steriia, Koroby, Letzter Heller, Amanus. Offen- five, Toto: Sieg 59: 10. Platz 19. 18, 21: 10.— 5. O m n i u m. 45 000 Mark. Distanz 3000 Meter. 1. Galata(Polgar). 2. Persicus(Katper). 3. Wiegamnr(Kaiser). Ferner liefen: Honrla(4). Oneida. Prophetin, Wardar. Toto: Sieg 30: t0, Platz 12, 11, 14:10. 6. London-Rennen. 16 000 M., Distanz 1000 Meter. 1. Magelone (O. Schmidt), 2. Sinn-Fein(Aimmcrmann), 3. Bannstein(Polgar). Feiner licsen: Leonie(4), Belgrade. Halbmond. Maral, Onyx. Fmive* Sonntagsruhe. Tot.: Sieg 26: 10. Pl. 11. 11, 12: 10.— 7. Schleuderbau. Rennen. 27 000 M., Distanz 1600 Meter. 1. Bannwart CR. Fritschei, 2. Dunst(O. Müller), 3. Ambos(O. Schmidt). Ferner Uesen: Sultana(4.), Civilist. Tot: Sieg 20:10, PI t2. 17:10. Kartell der freien Sportvereinigungen. Kartell. Sonntag. 19. September: Führung durch Ali- Berlin durch Herrn Dr. Brendicke. Meldung bis 13. direkt an Hanptausschug s. L., Bay'cutbcr Str. 13 Freie Turnerfchakt Berlin. Freitag: 2. M.-Abt. Versammlung bei Feuei Herrn, Graunstr. 41.— Sonnabend: Wtersrlcgeu-Zusammcnmrnen in Neukölln, Turnhalle Kovsstratze.—�Nachdem Sitzung Zurn-2vortv. rein Norden. Sonnabend: Schülcr-Abt. Tnrnsahrt nach Birkenwerder. Freier Wnnderbnnd. sonntag: Ticsensce, nördt. wamengrnnd. Falkcubcrn. Abs. 6 Uhr Wriez ncr Bbj.— Bernau, Liepnitzsee, Bernau Abs. 5.40 Uhr Slctt. Vvrorlblst. Douristenverei« Naturfreunde(Ortsgruppe Berlin-Ostbahuoororte). Domierslag: Dluffk- i iid Tanzabend 7 Ubr Jugeiidbetm fes Osten-:, Gr. F entmrter Sl:. 16/17— Sonnt»»: Erkner. Wollersdorf Kallberge. Abf. Schief. Bbj. 6 Ubr bis Erkner.— Mclcyow. Nonnensl etz. Eb-rswafde. Abs Stell. Ferubbf. 5 49 Uhr bis Mclchow— M-ilwoch, 15. Sept.: Mitglieder» verfaiMiiiung 7 Uhr»Graues Kloster",.K.o>i rftr. 74. Wetteraiiefitfitril>iir das mittlere Norddrulfchlund bis Freitag mitlag. Zeitweife bester, cnvas wärmer, im Osten noch leichte Regenfchauer, fönst vorwiegend trocken bei mätzigen Äeuwinden. IVirtschQft 71, ö MiUiaröen Papiergelüumlauf. Zirka 2 Milliarden in einer Woche. Ter Au-weis der Reirbsbank für die letzie Augustwoche zeigt sowohl was dre Anlagekonten als auch den Zahlung» m itlelbedarf anbetrifft, wieder eine höchst ungünstige Entwicklung. Tie gesamte Kavitals« aniage stieg um 4977,1 aus 4g6ö3.2 Millionen Mark, die bankmäßige Deckung für sich allein genommen um 4993 auf 46 379,2 Millionen Mark. Da auf der anderen Seite die fremden Gelder eine tveieinlich geringere Zunahme und zwar um 3721,6 auf lS77l,8 Millionen Mark aufwiesen, errechnet sich für die Berichiswoche, ge- messen an der Bewegung der Anlage und der fremden Gelder eine Neuinanspruchnahine der Bank um 1255,5 Millionen Mark. An papiernen Zahlungsmitteln fBaiiknoten und Dahrlehns- kastenscheinen) nlußien in der Berichtswoche insgesamt 1932,7 Millionen Mar! neu in den Verkehr gesetzt werden. Im einzelnen stieg diesmal der Notenumlauf auf 53�91,2 Millionen Mark und der Umlauf an D a r l e h n s k a s s e n s ch e i n e n auf 13 266,4 Millionen Marl._ Fabrikanten und Händler. Generalsekretär Lüdecke schreibt in der..Deutschen Industrie': .Die Auffassung der Händlerschaft gebt dahin, daß zwar in den Kreisen des Handels eine gewisse Beunruhigung Play ge- griffen habe, weil die Kundschaft wegen der hohen Preise sehr zurückbäU, daß andererseits aber die Fabrikanten jetzl vielfach Auslräqe zur Ausführung brächten, die unler ganz anderen M a r k t V e r h ä l t n i s s e n erteilt wurden und an die die Händler überhaupt nicht mehr gedacht bätien. Man gebe zu, daß auch die Fabrikanten noch bestellte Rohstoffe abnehmen müssen, zweifle aber nicht daran, daß sie sich von alleren Abschlüssen befreien würden, falls die Geschäftsstille anhalte. Keinesfalls dürfe dem Handel das alleinige Risiko eines Preisrückganges aui- geladen werden. Zum Teil feien auch die Aufbestellungen auf die äußerst ichatfen Zahlung»- und Lieferungsbedingungen zurückzuführen. Hierzu muß bemerkt werden, daß für-die großen Bestellungen die Händler selbst verantwortlich sind. Sie haben sich dadurch nicht nur über kaust, sondern auch die Fabrikanten veranlaßt, große Materialabschlüsie zumachen, um den vorliegenden Aufträgen möglichst gerecht zu werden. Dadurch ist der Fabrikant Lieferungsverpflichtungen eingegangen, teilweise unter großen Au- zahlungen. die es ihm wirtichaitlich nicht gestatten, feine Auftraggeber aus ihren Verpflichtungen zu entlassen. Daß er dabei, soweit eS seine eigene Lage gestaltet, auf die wirtschaftliche Be- drängnis seiner Abnehmer Rücksicht nimmt, darf erwartet werden: diese Rücksichtnahme liegt letzten Endes in seinem eigenen Inlereffe.' Zwischen dem Arbeiter als Produzenten und dem Arbeiter als Konsumenten stehen Fabrikauteu und Händler. Wäbrend die Arbeiter, um zu leben, als ständige Verbraucher, ständig arbeiten müssen, können die zwischen ihnen stehenden Fabrikanten und Händler ProduktionS- und Absatz schwank ungen ertragen, weil sie das.Fettpolster' der Kapitalsrücklage besitzen, das wie der Windkessel der Haudpumpe den Ueber- druck, d. h. die Nebergelvinne ausnimmt, um sie bei Unterdrück abzugeben. Während die Uebergewinne sehr leicht vom Wind- kessel aufgenommen werden, verstopft er sich, wenn er zur Tra- gunq von Verlusten die Gewinne hergeben soll. Zum erheblichen Teil sind die Uebergewinne auch gar nicht mehr im Windkessel, sie sind aus den Betriebsvermögen in Form von Dividenden, Bonus- zablungen und sonstigen Ausschültungeu bereits ausgeschieden worden, zum Teil haben die verteuerten Materialien und Rohstoffe sie aus- gesogen. Die Kapitalserhöhungen bei den Aktiengesell- schaflen erfolgen in flottem Tempo, und wenn man die Pro- fpekte liest, so ersieht man aus ihnen, daß Aufträge genügend vorliegen. Um den Arbetterentlassungen vorzubeugen, muß g e- s e tz l i ch Vorsorge getroffen werden, daß die R e s e r v e n, die Rücklagen in hohem Maße verstärkt werden, anstatt sie als Divi- denden auszuschütten, was ja heute im Belieben jedes Unternehmers steht. Gelingt eine Erhöhung des Betriebskapitals aus dem freien Markt dem Unternehmer nickt, dann muß er gesetzlich gezwungen werden, das Reich als Teilhaber aufzunehmen, denn es muß unter allen Umständen produziert werden, wo es sich um lebenswichtige Produlle handelt, auch wenn sie im Augenblick nicht abgesetzt werden können. Aufgabe der Arbeiterorganisationen ist es, die g e s e tz I i ch e n Erhöhungen der Rücklagen aus Kosten der Dividenden zu fordern und die Beteiligung des Reiches an Privatbetrieben zur Pflicht zu machen, um Arbeiterentlassungen durch Fortsetzung der Produktion vorzubeugen. Früher hat man Gold als Kriegsschatz in den Juliusturm gepackt. Man packe heute ruhig Fertigfabrikate hinein; wenn sie im Augenblick nicht abgesetzt werden können, denn es ist besser, Arbeiter an der Herstellung gebraucks- oder verbrauchsfäbiger Waren zu beschäftigen, als ihnen für nichts Arbeitslosenunterstützung zu zahlen. astr. Wo liegt die größere Aufgabe? Die„Deutsche BergwerkSzeitung' nimmt in einem Artikel„Illusionen, Anpassung an die Forderun- gen von Millionen' Stellung zu den Ausführungen des Direktors Hans Krämer in der Zeitschrift des„Reichsverbandes der Deutschen Industrie", in dem sie schreibt: „Es muß u. E. auch bald etwas geschehen, um der Ansicht ent- gegenzuwirken, als wenn die verantwortlichen Führer der Industrie in den Raihenauschen Leitsätzen eine Form der Soziali- sieruug sähen, die keine Gefährdung unserer wirtschaftlichen Zu- kunft mit sich brächte. In der ganzen r h e i n i s ch- w e st f ä l i- s che n Industrie ist die Meinung über die Vorschläge der Soziali- sierungskommission eine der Raihenauschen und Krämerschen durch- aus entgegengesetzte. Man fragt sich: Soll denn dem Staat noch mehr aufgeladen werden, da er doch nicht einmal in der Lage ist, die schon seit langer Zeit sozialisierten Betriebe, die Eisenbahnen, Post, fiskalischen Berg- werke, mit Nutzen für die Allgemeinheit zu verwalten? Liegt es nicht viel näher zu fordern, daß erst einmal die Eisen- bahnen rentabel gemacht werden? Die rheinisch-westsälischrn Bergwerke fördern im Jahr 169 Millionen Tonnen Kohle. Nehmen wir an, daß der Staat nach erfolgter Sozialisierung pro Tonne 50 M. Gewinn erzielt. Dann hätte er eine Einnahmequelle, die ibm im Jahre 5 Milliarden Mark einbrächte. Bei der Eisenbahn aber verliert der Staat gegenwärtig im Viertel- jabr 5 Milliarden. Wo liegt da die größere Aufgabe: bei der Kohle oder bei der Eisenbahn? Das sind Fragen, die u. E. zunächst beantwortet werden müssen, ehe man weitere Pläne faßt, ehe man die Kohl» sozialisiert und dann die anderen Produkte in der Reihenfolge Zement, Kals, Eisen folgen läßt." Hierzu ist zu bemerken, daß die Kohle die Duelle unserer heutigen Wirtschaft ist und gerade eine g e m e i n w i r t s ch a f t- l i ch e Leitung der Kohlenerzcugung den notleidenden Wirt- schaftszweigen am ehesten Hilfe bringen kann. Das gilt auch für die Eisenbahnen. Daß die verantwortlichen Führer der In- dustrie sich der Sozialisierung entgegenstellen, statt an der U m- organisation mitzuarbeiten, beweist nichts als ihren völligen Mangel an Einsicht in die Gegenwartsbewegungen, dessen Folge nur eine weitere Radikalisierung sein kann. Die Worte Krämers:„Die Welt sieht aus Euch, deutsche Wirt- sch.after, in den kommenden Wochen, denn jenes Land wird der endgültige Sieger sein, das zuerst versteht, seine Wirtschaft der Neuordnung der Dinge anzupassen", werden hei den deutschen Unternehmern nicht viel Widerhall finden. Erst wenn all«» zu, sammenkracht wird bei unseren Unternehmern die Erkennt- nis des„Z u s p ä t" kommen. Erst die heimische Industrie. Entgegen der in Deutschland per- breiteten Auffassung, Frankreich sei williger Abnehmer solcher deut- icher Erzeugnisse, welche zum Wwderaushau der zerstörien Gebiete benötigt werden, muß nach einer Meldung der„T. U." festgestellt werden, daß den Unternehmern in Nordfrankreich die Erlaubnis zur Einsuhr derartiger Waren usw. aus Deutschland erst dann crleilt wird.�lpenn sie nachgewiesen haben, daß sie sich an mindestens fünf französische Firmen wegen Lieferung der betreffenden Materialien vergeblich schon gewendet haben. Vüüungsveranftaltungen. Bezirksbildungsausfchu�. Festkonzerte. Die Ablieferungsfrist für die Abonnementslisten wird auf Wunsch unserer Genossen bis Donnerstag, den 16. Sev- temb er. verlängert. 26. September 1320. mittags 12 Uhr: Richard- Strauß-Konzent, Neue Welt: 7. November 1329, vorm. 11 Uhr: Beethoven- Konzert, Neue Welt; 25. Dezember 1329, nachm. 2'/z Uhr: Weihnachts- konzcrt. Alte Garnisonkirche; 16. Januar 1321, vorn,.' 11 Uhr: Wagner Liizt-Konzert, Neue Welt: 13. März 1321, vorm. 11 Uhr: Mahler-Konzc Neue Welt. Aer Besuch aller süns Konzerte kostet 17,50 M. Einzeichnung werden noch«ms dem Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Linde. slraße 3, 2. Hjos IV. Zimmer 10, angenommen.(Meöffnet von 3— l Uhr. Donnerstags von 3—1 und 4—7 Ühr.) Für die bereits eingereichten Listen sind die Karten auf dem. Bureau in Empiang zu nehmen. 1. Einsührungsabend zum Richard-Strauß-Kon« z e r am Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr, in der Festhalle des Stadlhauses, Klosteritr. Vortrag und Demonstrationen am Klavier: Dr. Guttmann. Eintritt 9,75 M. Karten sind bei allen Abteilungs- kalsierern und in den Bildungsausschössen der Vororte, bei Harsch, Engel- user 15. in der Bnchbandlung Vorwärts. Lindenstr. 2, und im Bureau des Bezirksbildungstausschusses, Lindenstr. 3. zu baben. Theatervorstellungen: Sonntag, den 12. September, nachm. 3 Ubr, im Bernbard-Rolc-Theaicr, Grone Frankfurter Str. 132, und im Zcntraltbcater, lllltc Jakovstr. 31/32,„Verflucht sei der ülcker" von Starosson und Ncsvital. Einige Karten sind noch zu haben im Bureau des Bezirks- bildungsausschusses, Berlin, Lindenstr. 3. Niederschönhauken. 7>/z Uhr: Silning des Bildungsausschusses. Vertr. der Frauen und der Jugend. Im Lokal Koch, Treskow-, Ecke Blüchcrstraße. IngenömanftaZtmigen. Heute Va« Uhr: Gesuwdhrnnnen. Schule Gotenburaer Straße 2: Mitgliedervcrsamm- lung.— Neuen vagen. Schule Niedcrhaiden-Straße: Mitgliederversammlung.— Älicderschoneweide. Schule Berliner Str. 3l: Mitgliederverfamm« lung.— Gtralauer Viertel. Schule Naglerstraße 3: Vortrag: Sport- und Arbeiterjugend.— Neinickendorf-West. Eichbornsäle, Eichbornstr. 69: Vor- trag: Kar! Mann— Schmargendorf. Breite Sir. 36. l I: Vortrag: Was ist Agitation?— Schönhauser Dorstadt i. Schule Sonuenburger Str. 29: Mitgliederversammlung.— Südwest. Zentraljugendheim Lindenstraße 3: Mltaliederversammlnngr— Steglitz-Fricdenau. Schule Ofsenbachstraße: Milglicdervcrsammlurrg._ Kriefkasten Se? ReSaktisn« lledrr N!r den Brirfkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben uno eine Nummer bei. Briefliche Austunft wird nicht erteilt. Eilige An» kragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Hos par- terre links, vor. Echriftstücke und Verträge find mitzubringen. Zl. B. Der Preis Uir den halben amerikanische» Siibcrdollar beträgt hier 10 M.. obgleich der Dollar zurzeit einen Kursstand von 81 M. bei uns bat. Diese llnterbcwertung erklärt sich daraus, daß Silbergeld nicht aus- geführt werden dars, es im Jnlande also nur dem Silbergebalt entsprechend bezahlt wird. Ausläuser, die den Silberdollnr ins Ausland schmuggeln,»lachen leider aui diesem gesetzwidrig!» Wege ihre guten Geschäfte. Vor dem Verkauf sei daher gewarnt. Der Preis sür die Silber- münzen wird von der Rcichsbank wöchenllich festgestellt.— X. A. Z. Besten Dank!?!ber aus Raummangel nicht möglich.— K. L. 81. Das Verfahren ist ziemlich umständlich. Kn jeder Samenhandlung erhalten Sie gedruckte Aulcilungen: eine solche können Sie auch in unserem Sekretariat einsehen. Das ist öer Kneifer, öen Sie suchen! So fest sitzt er, daß Sie damit springen, turnen und tanzen können. So sanft sitzt er, daß Sie abends vergessen werden, ihn beim Zubettgehen abzunehmen. "Und was für Sie die Hauptsache ist und bleibt: Sie brauchen nicht erst zum' Optiker zu gehen, falls er nicht mehr gerade- oder festsitzt, denn Sie selbst können ihn regulieren mit einem leichten Fingerdruck, daß er fester oder loser, näher oder � weiter, höher oder niedriger, geneigt oder gerade vor den Augen sitzt, und doch können Sie ohne Furcht sein, ihn dabei zu zerbrechen. Aber selbst wenn dies geschieht, es tut nichts, Optiker Ruhnke garantiert dafür I Er wird Ihnen kostenlos den Kneifer innerhalb dreier Jahre reparieren- oder Sie erhalten umsonst einen gleichwertigen Ersatz dafür. Nur für Bruch der Gläser haben Sie zu zahlen. Semper fix ist leicht, unauffällig und haltbar wie kein anderer. Dabei ist seine Herstellungsart so klug ausgedacht, daß er auch in Gold-Doublö keine unechte Stelle zeigt. Aber die Neuheit liegt hauptsächlich darin, daß der Nasenfteg aus elastischem, aber dauerhaftem Draht hergestellt ist in Schlcisensorm. Sogar bei solchen Nasen, auf denen sonst kein Kneifer fest oder richtig sitzen will, hat er sich gut bewährt s ein Wundwerden ist nicht zu bcsürchlen, da der Druck sehr weich ist. Falls Sie Augengläser benöligen oder mit Ihren jetzigen nicht in jeder Hinsicht zufrieden sind, so quälen Sie sich nicht länger zwecklos, sondern besuchen Sie noch heute eines der 22 Geschäfte von Optiker Ruhnke. Es gibt Meisterwerke in Augengläsern. Eines Tages werden Sie auch danach verlangen. Von da ab tragen Sie keine andern mehr. Ihr Name ist Sanoi'cop. Slnd's die Augen, geh' zu Kahnkel Charlolkcnburq: Taucnf'iev.S trotze 15 Ecke Maiburgcr Ew. Ioachtmsthaler Swaß« 2 nahe Bhs. ßoo Wilmersdorf: Berliner Straze lg2-ZZ nahe Uhlanoftr. Schönebecg: Hauptsw. 21, Ecke Äiazienflr. Friedenau: Rhewstr. 18, Ecke Kwchstr. Neukölln: Bergstr. 4, Ecke gicthenstr. Spandan: Breitestr. 18, nahe Markt W Ariednch-Str. l9Za fts Zriedrich-Str. 106 Ecke Leipziger Str. Ecke Ziegelstr. CSpittelmarkk Ecke Wallstratze, Alexander-PIah nahe As chinger CVtr vclleAllianccstr.4 r* O W nahe I a n d o r s v» Leipziger Skr. 113 Eck'Aiauer-Etr. Llnk-Slr. 1 Ecke Potsdamer Ew. Oranien-Str. 44 zwischen Moritz- und Oranienplatz S Soktbuser Damm 10 nahe Warenhaus Iandorf Iianksurker Allee 14 nahe Tic; Znvaiiden-Str. 164 Ecke Brmmcnstr. Znvaliden-Str. 117 am Etettiner Bhf. MW Friedrich-Sir. 150 n W Ecke Dorotheenstr. M Lhaustee-Slr. 72 Ii nahe Miillerstr. Schönhauser Allee St am Phl- Nordring Sozialdem.ßezirbsverb. Berlin S. F. D. 9. Abteilung. Unser Mitglied »Ski Fahrow Reichenberger Str. 147 ist am Montag, 6. Eeptbr., v.räorden. Ehre seinem Andenke» I Die Einäscherung findet am Freilag.>0. Eeptemder, vorm. Iv Ii! r, im Krematorium lber.chlstratze statt. Zahlreiche Beielligung er» wartet Der Vorstand. Mejnelie'iclier Msnner- Chor. Mb D.A.-E.-B. EauBertin. Am 8. September ver- starb plötzlich unser lieber Sangesbruder, der Dailwirt Karl Fahrow. Ehr« feinem Andenken Einäscherung Freitag vor- mittag 10 Uhr im Krema- lorium Derichtstr. IbWd Um zahlreicheBeteiligung ersucht Der Vorstand. Sozislllem.ßezlrlizverh. Berlin S.F.D. 47. Abteilung. Unser alter, langjähriger Genosse Otto Voigt Echlofler.Mitglied seit April Ig-g. wohnhast Vriisseler Straße 21, ist am 6. E-pt. nach kurzer Krankheit per- starben. Ehre seinem Andenken 1 Die Einäscherung erfolgt am Freilag, 10. September, nackmi. 5 Uhr, im Arema- torimn Gerickitswaße. zahlreicheBeteiligung er- wartet Der vorstand. JHente, /Donnerstag, 8 Ulir Im Lehrer■ Vereinshause, Alexanderstr. 41: Vortrag über: Die SiiItnF(!iiIia!ien öer antöroposopliiscliEn Bewepng mit besonderer Riicksiclil aui die Erneuerung des Schulwesens von Dr. Walter Johannes Stein, Lehrer an der freien Waldorfschule in Stuttgart Anthroposophische Gesellschaft. Bund für Dreigliederung; des sozialen Organismus. 1694b Dr. med. Koeben für Haut-, harn-, Frauem.. Schwäche. Beh. schnell. sicher, schmerzt ohne öerufsst.. 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Wir sind gern bereit, sofort die Fracht- und die Ber- tcilungsangclegenheiten in die Hand zu nehmen und in irgendeiner anderen Weise zu helfen, die■nötig ist, um eine schnelle Lösung der Frage des Problems herbeizuführen. Der Reichscruährungsminister nahm zu diesem Tele- gramm Stellung und erklärte dem Roten Kreuz telegraphisch. daß er diese drahtlich Mitteilung nach Amerika n i ch t billige und das Rote Kreuz ersuch, in der Angelegenheit des Transportes der Milchkühe nichts zu unterneh- m e n. Bevor diese Ablehnung des Reichsernährungsmini- steriumS eintraf, hat sich das Rote Kreuz umgehend nach Schiffsraum erkundigt und war innerhalb kurzer �Zeit in der Lage, ein Angebot zu erhalten, zu etwa 2700 Mark pro Kuh. Hiervon cht chs Rote Kreuz der Reichs- regierung umgehend Mitteilung gemach. Das Verhalten der Reichregierung erschint nach dieser Darstellung äußerst befremdlich und bedarf dringend der i Aufklärung._ Nittelöeutstbe Kanalwünsche. Der Kampf nm die Linienführung des Mittellandkanals. Amtlich wird gemeldet: Gestern vormittag empfing der Reichs- f-inzler im Beifein des Reichsverkehrsmirristers die Wirklichen Ge- Heimen Räte Boden, Koch und Ministerialdirektor Münzel, die nonrens der Regierungen von Anhalt, Braunschweig, Bremen, Oldenburg, Sachsen und Thüringen die Wünsche bezüglich der Frage der Fortsetzung des Mittellandkanals vortrugen. Sie baten die Reichsregierung, die Kanalfrage als eine Sache des Reiches zu betrachten und schon vor Uebernahme der Wasserstraßen auf das Reich die Vorarbeiten und Planungen für die Fortführung und Vollendung des Mittellandkanals in An- griff zu nehmen und dabei den gesamten deutschen Volkswirtschaft- lichen Interessen und insbesondere der Bedeutung des mitteldeut- schen Industriegebiet? durch Berü-ksschtigung der Vorschläge für eine südliche Linienführung mit Anschluß an Bernburg— Leipzig Rechnung zu tragen. Der Reichsverkehrsminister be- tonte unter Billigung des Reichskanzlers, daß die Reichsregierung frei in ihren Entschlüssen sei und unvoreingenoinmen und objektiv an die Prüfung der Projekte herangehen werde. Die Angelegenheit soll nach Möglichkeit beschleunigt werden. (Das letztere scheint uns das wichtigste. Der wirkliche Bmi jeder Linie, welche es auch sei, ist weit nützlicher als der nicht endende Interessenkampf um die beste Linienführung, der jede Aus- führung immer wieder verzögert!) Das scklemmenöe Hakenkreuz. Ueber die Schlemmereien in dem„fudenreinen" Nordsee- b-id Borkum haben wir schon berichtet. Ein Redakteur un- iercs Mannheimer Parteiorgans hat eine Studienfahrt in dies„Paradies der Arier"' imternommen und schildert seine Beobachtungen in der„Volksstimme", aus denen wir folgen- des zitieren: Es ist so: die Antifenriten und Monarchisten betrachten diese Insel als„ihr" Eigentum. Und sie leben nicht schlecht dort; es gibt einfach dort alleSl Bntter, Fleisch, Milch, Zucker, Eier, Kuchen, Weißbrot usw. i« Hülle und Fülle. Wenn wir vom Idealismus zehren, die Leute dort leben vom guten Weißbrot. Man kennt ans dieser Insel weder etwas von Zwangswirtschaft noch von Brotmarken man weiß dorten nicht einmal, daß Krieg gewesen ist. Es gibt auf Borkum aber noch mehr: einen„Ofsiziersbund der Kurgäste auf Borkum", einen„Bund deutschnational gesinnter Kurgäste" und einen . Iugendbuuib dentschnationaler Kurgäste". Das Hakenkreuz des„Schutz- und Trutzbündnisses" ist das Vereinsabzcichen. Noch eine„Aufvegung" durfte ich auf Borkum miterleben. Die Insel hat für Kinder und Kranke— 200 Liter Mrlch zu beanspruchen, aber 2500 Liter wurden von Emden bzw. dessen Hinter- land angeliefert. Eines schönen Tages zogen die bösen Sozial- d?!uokroten von Emden auf einen Wirk irgendeines Unsichtbaren von Borkum auf das Milchschiff und holten die überflüssiecn 2300 Liter Milch herunter. Tagtäglich wurde nun kontrolliert, daß die Borkumer ja ihre 200 Liter Pflichtmilch täglich erhielten. Warum sollten die Kurgäste van Borkum nicht mich das Recht haben, aus die Sozialdemokralen und Juden zu schimpfen? Der Hallenser Professor Abderhalden hat es als schlimmstes Verbrechen bezeichnet, den Kindern und Kranken die knappe Milch zu entziehen, die ihnen ausschließlich zukomme. Die Hakenkreuzler auf Borkum haben ihr recht- mäßiges Milchgunatum ohne Gswissenbiise der z w i5 l f facht. Die 2300 Liter Milch, die sie täglich verichlemmten, bedeutete den sicheren Tod von mindestens ebensovielen Kronken und Säuglingen. Aber deren trauernde Angehörigen mögen sich trösten: die Milch, die die Verstorbenen gerettet hätte, ist von ganz rassereinen Pa... Pa... Patrioten getrunken worden! Das �nwerbungsverbst. Wie das Reichsministcrium es auffastt. Uns wird geschrieben: Nach den Kapp Ttagen wurde jedes Anwerben von Freiwilligen für irgendwelche Formationen von der Reichsregierung verboten und mit strengen Strafen bedroht. Am 23. April d. I. wurde nun in Ronneburg vom Staats- Ministerium Sachsen-Altcnburg ein Werber, ein Sergeant namens Schramm festgenommen, der versucht hatte, in Ronneberg zu werben. Man fand bei diesem Mann 26 Blankoausweise A und 26 Blanko- Erlaubnisscheine zum Lösen von Militärfahrkarten. Di« Schein« waren unterschrieben.von Schulenburg, Ober- leutnant und Komp.-Führer" und gestempelt.Freikorps von Mcifel, Stabskompagnie". • Elf Leute woran bereit» in Ronneburg geworben und da» StaatSministerium Sachfen-Aktenk�irg berichtete den Vorgang cm den Reichswehrminister Dr. Gehler. l, Schramm hatte den Auftrag, z« werben, dem dem B a t l. Brandenburg in Münster i. Wests, erhalten und setzte sich nach seiner Inhaftierung telegraphisch mit seinem Bataillon in Verbindung. Die Versuche des Bataillons und des Wehrkreis- kommandos 6, dem Batl. Brandenburg unterstellt war. Schramm frei zu bekommen, blieben wegen der korrekten Haltung des Staats- Ministeriums Sachsen-AIteuburg erfolglos. Man wollte den Mann nicht eher fteilassen, bis der R e i ch s w e h r m i n i st e r den Fall entschieden habe. Und die Entscheidung fiel? An das Staatsministerium, Abtei- lung des Innern, wurde am 13. Juli d. I. folgender Brief gesandt: ReichZwehrministerium Heeresleitung Allgemeines Truppenamt Nr. 121.7.20. T.I.III. Zum dortigen Schreiben I. J. vom 1. 7. 20 wird mitgeteilt. daß die Untersuchungen keine Anhaltspunkte für st ras- bare Handlungen des Batl. Brandenburg bzw. des Ser- geanren Schramm ergeben bat. Das Batl. hat am 10. 4. den Sergt. Schramm mit Vornahme nichtöffentlicher Werbungen be- austragt. E�war hierzu berechtigt, da feine Auflösung erst zum 1. 5. angeordnet war. I. A.: gez. von Schleicher. Einem Truppenteil, der am 1. Mai aufgelöst werden soll, wird vom Reichswehrministerium das Recht zugesprochen, am 10. April nach anwerben zu dürfen! So sorgt das Reichswehrminjsterinm für die Durchführung einer Reichsverordnung! berechtigte Klagen. Ein Mitarbeiter des„Temps" führt in ieinern Blatte Klage über die Ausbeutung der Ausländer in Deutschland durch die svgenannten Valutaaufschläge. Er erzählt daß z. B. im Münchener Residenz-Theater der Logendiener(ausgerechnet!) die Vorzeigung seines Passes von iknn verlangte, und er als Franzose fünfzig Mark Aufschlag für seinen Sitz nachträglich zahlen mußte. Der„DTmps"-Mitavbeiter sagt„Repressalien" an und teilt mit, daß die franzöfiiche Regierung bereits diesen Weg beschritten habe als Autwort auf die Ausbeutung der Deutsch- landreifenden durch die deutschen Konsularbehör- den. Die deutsche Regierung verlange fünfundfiebzig Franken für ein Paßvisum, während ein solches in Frank- reich bisher nur zehn Franken kostete. Jetzt hat die franzö- fische Regierung ihrerseits den Visumpreis entsprechend er- höht. Bei der französischen Abneigung gegen die Deutschen, denen noch immer die Einreise nur ausnahmsweise und auf ganz kurze Zeit gestattet wird, werden allerdings bei diesem System weit mebr Franzosen geschädigt als Deutsche. Aber daraufkam mt es nichtan. Wichtiger ist die Tatsache, daß Deutschland durch solche Praktiken in einen noch schlech- teren Ruf im Ausland kommt, als es leider bereits stehl. Das Argument der schlechten Valuta und des„A u s v e r- ka ufs" wäre nur dann stichhaltig, wenn die Aufichläge der Staatskasse zugeführt und der Hebung des W o h- les der Gesamtheit dienen'würden. Wie geistalten sich aber die Dinge rn der Praxis? Die einzigen Nutznießer dieses Systems sind in der Hauptsache die Besitzer großer Hotels, Theaterdirektoren. Luxus- Warenhändler und dgl. Dem Volk aber wird dadurch in keiner Weise geholfen. Die paar Tausend Mark, die durch Konsularbehörden für Paßviia und dgl. mehr erhoben wer- d«1», machen dos Kraut unserer Neuchssinanzen auch nicht viel fetter. Es liegt feimer eine grobe Ungerechtigkeit darin, daß der Italiener und der Franzose, deren Geld nur etwas mehr als den doppelten bzw. dreifachen Wert des unserigen besitzt, die- selben Aufschläge zahlen müssen, wie der Holländer, der Schweizer oder der Amerikaner mit elf- und Mölffacher Va- luta. Vor allem mußte im Interesse des Ansehens des deut- schen Volkes allem energisch entgegengetreten werden, was in dieser Hinsicht geradezu einer g e m c: n c n Prellerei gleichkommt. So wurde uns von einem italienischen Zei- tungskorresswndenten seinerzeit erzählt, und inzwi'chen von anderer Seite bestätigt, daß am Schauer des Badischen(also reichsdeutschen) Bahnhofes in B a i e l den Ausländern für eine Fahrkarte zweirer Klasse nach Berlin achthundert Mark abverlangt werden.(Der richtige Preis ist etwa 2ö0 Mk.) Das ist ein Verhalten, das übrigens bereits zu einer Beschwerde auf diplomatischem Wege geführt und einen unserer Reichstagsausschüsse beschäftigt'hat. Kohlenzwang unü Obersthlesien. Neue deutsche Note. Die deutsche Friedensdelegation in Paris hat der Friedenskonferenz folgende Note überreicht: Unter rücksichtKosen Eingriffen in die Versorgung der deut- schen Kohlenverbrcmcher Hot die deutsche Regierung alles daran gesetzt, nm die in Dpa übernommenen Kob l e n li e f eru ng s- verpflichtungen zu erfüllen. Ihre Bemühungen waren bisher von Erfolg gekrönt. Die täglichen Lieferungszahlen des Monats August lassen erhoffen, daß das Lieferu-ngSsoll in diesem Monat erreicht werden wird. Die dsutfchs Regierung hält sich jedoch für verpflichtet, die Aufmerksamkeit der verbündeten Regierungen mit allem Nach- druck darauf zu lenken, daß ibr die Erfüllung der von ihr ein- gegangenen Verpflichtungen unmöglich gemacht wird, wenn die Kohlenproduktion, die ihr zur Zeit der Verhandlungen von Spa zur Verfügung stand, eine Einschränkung erfährt. Dies- Vor- aussetzung ist durch die immer ernster werdende Lage in Oberschlesien eingetreten. Während die mit den Vertretern der Bergarbeiterorganisationen vor kurzem in Qherichlesisn geführten Verhandlungen volles Ver- sttindniS der Bergarbeiter für die überaus schwierige Lage Deutschlands und ihre Bereiiwilligkeit erkennen ließen, durch Mehrarbeit die oberschlesische Kohlenförderung zu steigern, haben d'e augenblicklichen Vorgänge in Schlesien bewirkt, daß im Gegenteil die Koblenproduktion erschreckend gesunken ist und daß von dem Deutschland belasseneu Anteil an der ober- schlesisckien Kohlenförderung nur noch verschwindende Mengen nach Deutschland gelangen. Ein Ersatz dieser Fehlmengen� durch eine weitere Kürzung der.Inlandversorgung ist nichi möglich Der deutschen Regierung ist durch den Friedensvertrag jede Möglichkeit genommen, kür eine Beseitigung der Gründe deS Rückganges der oberschlesischen Steinkohlenförderung Sorge zu tragen. Sie richtet daher au die verbündeten Regierungen nock>- malS die dringende Bitte,»avrrziiglich die. in den deutschen Noten vom 21. und 25. August geforderten Maßnahmen zu ergreifen. I Nach neuesten telegraphifchen Mekdunze« soll die Jnter- alliierte Kommission die Kohlensendungen aus Obcrschlesien überhaupt gesperrt haben. Wie die deutsche Delegation m Spa dargelegt und"w' dortige Konserenz durch Lloyd George und Delacroir ausdrücklich anerkannt hat, ist die Ausführung des Kohlenabkommcns vom 16. Juni d. I. abhängig von einer ausreichenden Belieferung Deutschlands mit oberschlesischer Kohle. Frankreich ist übrigens nach eigenen amtlichen Anga■ zurzeit genügend mit Steinkohlen eingedeckt. „Los von Korfantp!" Der„Gewerkschaftliche Nachrichtendienst" warnt eindringlich vor dem Glauben, durch Macht und Bluff Ober- schlesien beruhigen zu können. Er mahnt bei aller Brandmarkung polnischer Schandtaten die deutschen Arbeiter, sich nicht von den deutschen Nationalisten mißbrauck>cn Ml lassen, und sieht das Mittel zur friedlichen Lösung ausschließlich in einer gemeinsamen Parole der deutschen und polnisibe» Arbeiter:„L o s von Korfantn!". StanSrecht in Deutfthböhmen) Prag, 8. September.(WTB). Dir Regierung beschloß, zu? Bekämpfung der schmugglerischen Ausfuhr notwendiger Gegenstände für alle Grenzbezirke das Standrecht zu verhängen. Sofern das Standrecht wirklich nur gegen Schmuggler ange- wendet wird— über Karpathorußland soll z. B. viel Kriegsmaterial nach Polen gehen, wie über die Slowakei nach Horthy-Ungarn— wäre das zur Not begreiflich. Den fanatisierten Legionären in den deutschen Randgebieten aber das Standrecht in die Hand z geben, kann höchst gefährlich sein. Die üeutfth-böhmifche Sozialöemokratie. Vor dem Karlsbader Parteitag. Die deutsche Sozialdemokratie der Tschechoslowakei hält Anfang Oktober in Karlsbad ihren Parteitag ab, auf dem es voraussichtlich zu heftigen Richtungskämpfen kommen wird. Die Kreisexekutive von Reichenberg, die unter dem Einfluß der äußersten Linken steht, hat ein Aktionsprogramm aus- gearbeitet, das sie auf dem Weg über die Kreiskonferenz an den Parteitag gelangen lassen will. Dieser Programmentivurf segelt ganz im bolschewistischen Fahrwasser, scheint jedoch schon etwas älteren Datums zu sein, da er u. a. behauptet: Die bisherigen Erfahrungen, besonders die Eriahrungen der großen russischen Revolution, haben als die zweck. entsprechende Form des proletarischen Staates das Rätesystem erkennen lassen. Im proletarischen Staate werden an die Sielle der bürgerlichen Regierungen und Parlamente die Arteiteiräle treten. Zu den Verfassern des Entwurfs ist also die sonst schon allgemein verbreitete Erkenntnis, daß es in Rußland ein Rätesystem als Organ des proletarischen Selbstbestimmungs- rechts nicht gibt, noch nicht vorgedrungen, mögen sie sich von Dittmann darüber ein Privatissimum lesen lassen. Selbst- verständlich spricht sich der Entwurf auch für den Anschluß an die Dritte Internationale aus. Das Hauptorgan der kommunistischen Bestrebungen in Deutschböhmen, der Reichenberger„Vorwärts", sagt in einem Leitaufsatz, die Gruppe der Linken in der deutschen Sozialdemokratie der Tschechoslowakei werde mit allen Mitteln daraufhinarbeiten, daß sich der Parteitag der Dritten Jnter- nationale anschließt Mit den Unabhängigen Deutschlands ist der„Vorwärts� endgültig fertig: die sind in seinen Augen jetzt auch schon Verräter an den Grundsätzen der revolutiv- nären Arbeiterschaft. Jene deutschböhmischen Genossen, die eine Mittellinie zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Auffassungen zu finden hofften, stehen also nun auch am Ende ihres Lateins. Eine klare Entscheidung ist unvenneidlich; der politisch geschulte Sinn der deutschböhmischen Arbeiterschaft rechtfertigt die Erwartung, daß sie zugunsten der alten sozialdemokratischen Grundsätze ausfallen wird._ Die Schanüe Europas. In Budapest geht jetzt die Iustizkomödie gegen sine An- zahl Rätefunktionäre zu Ende. Angeklagte und Verteidiger wur- den vom Vorsitzenden, dem Ankläger und dem Pöblikmn um die Wette beschimpft. Die nach Wien geflüchteten Kommunisten und Sozialdemo- traten haben Unterstützungsgelder für d:e Tausende Jnbaftierter gesammelt und einem der Verteidiger, Dr. Michael N a g y, zu- kommen lasien. Nagy gab jedem Verteidiger zehntausend Kronen. Nun wurde vor einigen Tagen der Bote, der die Korrespondenz zwischen den in Wien lebenden Emigranten und Dr. Naiy ver- mittelte, von ungarischen Delektivs beim Besteigen des Schiffes in Budapest verhaftet. Man fand bei ihm mehrere Briefe. Der Verhaftete, ein Angestellter der Schlffahrtsgcsellschaft, namens Stefan Natonek, wurde zur Polizei geführt und nach fünf- tägigrn furchtbaren Foltern legte Natonek das Geständnis ab, daß unter den Briefen ein Brief an den früheren Volksbeauftragten Sigmund K u n f i, ein anderer an den früheren Wiener Gc- sandten Wilhelm Böhm bestimmt war. Beide Briefe habe er von Dr. Nagy erhalten. Seit diesem Tage ist auch Dr. Nag» spurlos verschwunden. Diese Angelegenheit benutzte nun der Oberstaats» antvaltsvertreter Dr. Aczel, der auch unter der Rätewirtschast amtiert hat, zu einer neuen Hetze gegen sämtliche Verteidiger. Ver- gebens verwahrten sich die Verteidiger gegen die Insinuationen des Staatsanwalts, auch der Vorsitzende nahm gegen die Ver- teidiger Stellung, so daß die Verteidiger sich gezwungen sahen, die Verteidigung niederzulegen. -\ Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des RcichswirtschaftSral-' soll nach einer Tll.-Mcldung erstmalig nach den Ferien zum Dienstag, den 31. September d. I., einberufen werden. An wichtigen Beratungsgegenständen liegen dem Ausschutz bis jetzt vor: 1. Bericht der S o z i a l i s i e r u n g s k o m m i s s i o n die Neugestaltung der Kohlenwirtschaft: 2. Anträge auf völlige Aufhebung der Ausfuhrabgaben bzio. der gesamten Außenhandels- kontrolle; 3. Einsetzung eines Untersuchungsausschusses für Außen- Handelspolitik; 4. Der Aufbau der WirtschastSorganisatron gemäß Artikel 165 der Rcichsverfassung; 5. Tie sinanzielle Notlage der produktiven Stände bzw. Maßnahme zu deren Behebung. Milde Justiz. Wegen Beleidigung des früheren württem- bergischen Innenministers, Genossen H e h m a n n, hatte sich vor der Strafkammer Stuttgart die bauernbündleriiche„Schwäbische Tageszeitung" zu verantworten. Der angeklagte Redakteur Körner entschuldigte sich damit, daß er in dem Artikel, der den Minister u. a. schamlos passives Verhalten gegenüber Demonstranten vor- warf, nur die schädlichen Einflüsse des Judentums hätte kcnnzcich- nen wollen und erging sich in antisemitische» Aussührunaen aller Art. Da? Gericht erkannte auf 200 M. Geldstrafe, nachdem der Staatsanwalt 500 M. bcant-agt hatte.— Unter dem alten Regime wurde die Beleidigung von Ministern nicht so milde geahndet. GewörGHQfiZbeVegung Brbeitslosenversommlungen. Die am 20. August im Lustgarten abgehallene Massenversamm« lung der Arkieuslosen halte elue Reihe von Forderungen beschlossen, die ioforl dem Oberbürgermeister W e r IN II l h vorgelegr und mir ihm besprochen ivurden. Bald darauf fand eine Verhandlung von Verlretern der Regierung, der Erwerb�losenfiirsorge und der Ar- beiisloien stall. Ueber das Ergebnis dieser Verbandlungen wurde den Arbeilslosen am Mutwoch nachmittag Bericht erstallei in fünf vom Ärbeltsloienral einberufenen Versammlungen. Hinsichtlich der ersten Forderung:.Beschaffung von ArBeitsge« legenheit" wurde versicherl. vasj sie soweit wie möglich erfüllt werden solle, allzu grojze Hoffnung dürfe aber darauf nicht geievt lverden, weil ja die Regierung nicht die iR'öglichleit habe, auf die Unternehmer, die ihre Betriebe schließen, einen Druck auszuüben. Die zweite Forderung:.Eininalige Beihilfe von 500 M. an alle länger als seckiS Wochen Arbeitslose"' wurde dahin erledigt, daß den über acht Wochen Erwerbslosen, die verheiratet sind. 200 M. a conto der zu gewährenden einmaligeil Beihilie gezahlt werden. Die geforderte Gleichstellung der Männer und Frauen in der Erwerbslo'cnunlerslütznng wurde mit dein Hinweis auf die ungleichen Löhne beider Geschlechter als unerfüllbar erklärt. Die Forderung:.Unenigeliliche Lieferung von LebenSmilteln, Bereit- slellung von Winteiklcidung und Heizmaterial' wurde den Gemeinde» überwiesen. Die Forderung:„Erböblmg der Renten aus die Sätze der Erwerbslo'erumterslüyung sowie die Festietziing der letzteren auf das vom Stalistilche» Amt ermittelte Existenzminimum' ist als un« erfüllbar bezeichnet worden. Die überiüllte Versammlung im großen Sole deS Gewerk« schafrshauseS nahm den Bericht mit lebhafter Unzufriedenheit ent» gegen, weil von de» Forde, ungen der Arbeilslose» soviel wie nichrs erfüllt worden ist Ein Metallarbeiter, der als Mitglied einer von einer Anzahl MetaLarbsneivecsammlungen aewähllen Kammtsnon mit dem NeichSarbslisminister iiber Beschaffung von A-.beiiSgelegeiiheil»ei bandelt hat, teilte mit. daß der Minister in dieser Hinsicht den Arbertsloien gar keiue Hoffnung machen sonnte, sondern sogar in Aussicht gestellt habe, daß im Winter viele Be- triebe wegen KohienmangelS werden schließen muffen. Aach langer Diskussion faßie die Versammlung folgende Be- schlüüe: Es wird gefordert, daß die Be'chaffungSbethilse jedem länger alS vier Wochen Arbeiislolen gewährt wird, ohne Unterschied ob er ledig oder verheiratet ist. Perionen, die neben ihrer BernsSarbeit noch ein Geschäft be- treiben, sollen sofort enilaffe» werden. Die Arbeit-' sollen die MuuiiionSfabrikalion in Wittenau so- fort unterbinden. D'.e Versammlung nnterstützt die Forderungen der gewesenen politischen Jnhailierlen und Gefangenen aus Wiedereinstellung in Arbeit, Emichädigilug für die erlittene Hast, Cenatz der GerichtS- kostcn, Freilasinng der etwa noch Jnbaslierteu. Bestrafung der Be- a.nren, welche Gefangene mißhandelt haben. Einsetzung eines Ge- fongeueiibeiraiS. Der LrbeirSlofenrat soll sich mit den Gewerkschaften und Par- tcie» wegen Lösung des Arbcilslo'enprobleins in Verbindung setzen. De? Neichstorifvertrfflg für öas öankgewerbe. Vom ReichSarbeitsmiilistelinm wird mitgeteilt: Bekanntlich bat da? ReichSoibeitSniinisterium einen TchiedSipruch über einen Reich«- tarisverirag für da? Bankgewerbe geiällt. Da die Zenlralveibände de« Bankgewerbe« diesen Schiedsspruch in seinem vollen Umfange bisher nicht angenommen haben, fandeii kürzlich auf Einladung des Meichsarbeiismimsteriums neue Verhandlungen über die seitens der Parteien gestellten Bedingungen slott. Mangels einer Einigung empfahlen die drei unparteiischen ScbiedSrichtk. Ministerialrat Dr. S l tz l e r. Münzdireklor Dr. P> ck e r t und ReichSgerichtSral Zeiler. eine Bereinbatiing, die die Annahme des Schiedsspruches mit einigen Aenderungrn inner Zmücksiellung der wciiergehenden Forderungen Vorsteht. Dies« Senderungen betreffen hauptsächlich die Haushaltung?- zulage, die Teuerungszulage für weibliche Angestellte und die Ver- gütung für Ueberstunden, die nunmehr noch festen Sätzen bemesien werde» soll. Die Parteien sollen sich bis zum 20. September über die Annahme dieses Vorschlages erklären. ES darf erwartet werden, daß eine Einigung auf dieser Grundlage zustande kommt und damit der seitens der Angestellten seit langem angestrebte Gedanke deS Reichsiarisvertrages endlich verwirklicht wird. Cine Mahnung an öie Eltern. Nach der gegenwärtigen Schulentlaffung werden zweifellos wiederum eine große Anzahl junger Menschen der Tätigkeit in Bureau, Kontor oder Berkaufsraum zuqesührl werden. Wenn die Eltern an den Abschluß von Lehtveittägen Herangehen, so diufte die Mabniing am Platze sein, nicht Übereilt zu handeln und nicht die Unterschrift zu Bestimmungen zu geben, die schließlich schon durch Tarifverträge günstiger geregelt sind. Ziehe daher jeder Er- kundiqungen über Geholt, Arbeitsbedingungen usw. ein, der Zentralverband der Angestellten gibt bereitwilligst Auskunft über alles. Und wenn sich später in den iieuen Lehrlingen das Verlangen regt, irgendwelchen Vereinen beitreten zu wollen, so ist eS wieder eine Pflicht der Eltern, darauf zu achtem welche Einflüsse sich dabei geltend machen. Häufig werben Arbeilgeber oder leitende Angestellte für Vereine, die den Interessen der Arbeiter und Angestellten direkt entgegenarbeiten. Als freie Gewerkichail kommt nur der Zentralverband der Angestellten in Betracht, der in seiner Jugendabteilung daiür syrat. daß die Rechte feinet Mitglieder gewabrt bleiben und auch die Bedürfnisse nach Bildung, Unterhaltung. Spiel und Wandern befriedigt werden. Hier bietet sich eine Srätie. wo die Jugend ohne Gefahr für ibr geistige? und kö-perlicheS Wohl ihre freie Zeit verbringen tann. Darum, Eltern, zeigt Euren Kindern die richtige Bahnl Achtung, S-P.-T.-Betriebsräte! Freitag 5 Uhr findet in den Musikersälen Kaiser-Wilhclm-Sir., eine � Versammlung der S-P.-D.-Betriebsräte der Metallindustrie statt, Tagesordnung: Stellungnahme zum Kongreß. Der Fraktionsvorstand. Internationale Sympathie. Rom, S. September. Wie.Giornal« d'Jialia' vernimmt, haben die gewerkichaftlichen Organisationen Englands den italienischen Allgemeinen Arbeiterbu?» um AnSlunit geb ten über die Bedeutung der Italienische II Metallarbeiter. bewegung. Wie sie erkläiten. hätten sie die Absicht, die nalieiii- schen Arbeiter zu unterstützen, damit diese den Sieg euingen könnten._ Minf Wochen ohne Strastenbahn. Hannover ist jetzt seit fünf Woche» ohne Straßenhahn, weil die Straßenbahner streiken. Vom deutschen Transportarbeiter- verband wird der.Dcna' nunmehr mitgeteilt: Tie neuerliche Ab- stimmung u»ter den streikenden Straßenbahnern ergab folgendes Resultat: Abgegebene Stimmen 21S2, für das Schiedsgericht 1174, für den Stre k£WS ungültig 23 Stimmen. Es ist also Aussicht vorhanden, daß der Sirelk in Kürze beigelegt werden wird. Arbeiterausspcrrnng in Brüsscs. Wie Brüsseler Blätter melden, haben die Emaillier- fabriken von Gosselie? ihre Arbeiter r-* leiverrt. weil dieie mit der vorgeschlagenen Lohne, höbung nickt.gfiieden waien. Tie Aussperrung umfaßt mehr al? 1500 Arbeiier. Zentrnlvcrband der Angestellten. Ocfsentllche Versamm- l u n g der Angestellten ln kansmännischei, und Bureaubetlieben Donner«- tag, den S. Sepiembcr 1920, abends 7'/, Uhr. in der Brauerei Künigstadt, Sitiönbauler Allee 9/11. Tagesordnung: Klaffenkampf oder Wlrilchasts. friede? Nef: Paul Lange.— F a ch g r»v p e 4d(Krankentaff-m.) Sitzung der BeltrauenSleut« und BetriebSiatSodleute, 9. September, nachm. 4 Uhr.>m Schulibeih, Eck« Schmidt- und Neue Jalobstrahe.— Fachgruppe kib. lMöbeltransporteure.) Mitgllederveijammlun-i, 9. Scp- tember, abend? 7 Mir, Restaurant Schirnr, Charlotten str.?.'— F« ch g r u p p e 10, II, d, e, f, h.(Konfektion.) Mitglied erverlammlmig. 9. Sev tcm.ber, abend? 7 Uhr. Verbandslokal, Roter Saal, Belle-Alliancestr. 7/10' — Fachgruppe 12.(Angestellten- und Arbetterräte des Koblengrotz» bände s und der Kohlenwirlschaftsbehörden.) Mitgliederversammlung 9. September, abends 7fl, Uhr, Sophienjäle, Saphtenstr. 17/18.— Fach- g r u p v e 15 o.(Berginännkonzcrn und übrige.) Mitgliederversammlung, 9. September, abend? 7 Uhr, Löwenbrauerei, Hochstr. 2.— Fachgruppe 17. IIa.(Zigarrenb andel.) Mitgliederversammlung, 9. September, abends T'i, Uhr, Be: bandslokal. Blauer Saal. Bclle-Alliance-Itr. 7/10.-. Fach- g r u P p e 17, I.(KontumgenoffenschastS-Angestellte.) Die für Donners- tag, den!>. Seplcmber. anberaumte Mitgliederversammlung lft oertagt. Teimin wird noch angegeben. Trutschcr Trousportnrbeiter-Berband. Vertrauensleute aus dem Buchhandel. Am Freitag, den 10. September, abends 7 Ilbr: Wichtige Sitzung bei Wicmer, Lülowitratze 58. Ztervand der Fabrikarbeiter. Funktionäre der chemlichen fflndustrl«. Montag, den 18. September, abends 6 Uhr, in der Schnlama, Dresdener Straße 113: Funttionäroersammlmig. Mitgliedsbuch und Funktlonärkane legilimierl! Zntriit haben nur Mitglieder der sreien Gewerkschajten. Porteinachrichten. Erfreuliche Entwicklung. Die Entwicklung des Bezirksverbandes Pommer» zeigt seit der Durchiührung des§ 2 des Statuts und der Gliederuna in Unter- bezirke eine Stabilität der Organisation. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1919 sind 217150 Wochenbeiträge für Männer und 59 765 für Frauen umgesetzt wordeo. Am Schluß des Jahres 1919 hatten wir im Bezirk rund 27000 zahlende Mitglieder. Den Listen nack waren es rund 31 000, jedoch sind die säumigen Mitglieder nicht mitgezählt. In dem erwähnten Vierteljahr wurden 2! 22 Aufnahmen gemacht; im ersten Quartal 1920— Januar/März— 1951 Neuaufnahmen. Diese Entwicklung und Festigung der Organisation hält im laufenden Onarial noch an. Obgleich noch eine Reihe von Ortsvereinen, darunter die einiger größerer Provinzstädl« die Abreckiitnngeit noch nicht eingesandt haben, sind bereits bis Mitie August dieles Jahres 2108S2 Wochenbeiträge für Mäniier und 39535 für Frauen umgesetzt. Neuausnahmen sind bi-hcr 3020 geraucht. Die Zahl der OrlSvereine stieg von Ende»0,9 von 271 bis Ende Juni d. I. aus 308. Die Einnahmen im Bezirk H-Irngen im Vierteljahr Januar— März 1920 als Anteil der Wockenbeilräg« für den Bezirlsvoi stand und Parteivorstand 36 440 M. Mit dem 1. Juli d. I. trat die B e i t r a g S- erhöbung auf 50 und 40 Pf. pro Woche für Männer und 30 Pf. für F'ouen in Kraft, so daß eine weitere finanzielle Kcäktt-. gung der Oraanisalion zu erwarten ist. Außerdem find für Wahlfond°marken zur ReickStagSwahl 22 453 St. und aus freiwilligen Sammlungen 10717,49 M. eiygegangen. Rückkehr z»r Partei. Genosse Heinrich Ströhe! cllen Auf nach- eberein- dem er schon zuvor in viel bemerkten Aufsätzen seine stimmung mir den grundsätzlichen Auffassungen unserer Partei kundgetan hat, auch organisatorisch seinen Wiedereintritt« sie vollzogen. Uilscrc Nordtirolcr Genossen hielten in Innsbruck eine Lande?» konferenz ab. Genosse Abram sagte zum Schluß seiner Er- öffnungslede: „Bevor wir nun in die Beratungen eingehen, bitte ich Sie. den von unS abgetrennten Deutsch iüdtiroler Brüdern unsere wärmsten Sympathien und unsere herzlichsten Grüße zu entbieten, wobei wir der festen Ueberzeugung Ausdruck geben, daß in abiebbarer Zeit unsere abgetrennten Brüder im ionnigeii Süden wieder mit un« vereint se»n werden.'(Lang- anbaltender Verfall und Händeklatschen.) Wir finden diesen Bericht unverfälscht in unserem Bozen er Parieiblatt. das unter italienischer Auytcht steht. Bcranlw. Mr den revott. Teil: Dr.«erner Peisc»,«harlottenburat für Anreizen: TS. S!l»ge. Berlin. Lcrlag: Vonvirts-BerlaA 9.«. b.ß.. 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