Nr. 450 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. SS Bezugspreis: D'«eliLhrl. M,— Wl� monat>.10,— Ml. sr�i ms vaus. voraus zahlbar. Post« vemg- Monatlich 10.— ML. e??l. flu- bellunasgedühr. Unrer Kreuzband für Deutichland und Oesterreich 16,50 filr das übrige Ausland bei täglich e nmal. Zustelluno 21.50 M. Vostbe» stpllunqen nekmen an Oesterreich» Ungarn, Tschecho-Sloroakei, Däne- mar:, oollano. cu�cmcucg, Schweden und die Schweis.—«Eingetragen in die Vost- �eitungs« Preisliste. Oer.Vorwärts� mi! der Sonntags« beilage �Volt u. Zeil'- ericheiut wochen» täglich zweimal Sonnrags und Montags einma�. argen-Ausgabe Telegramm-Adreste' �Sozialdemokrat Berlin-. Devlinev VolKsblAti � Z0 Pfennig � Anzei«ruvreiS: She adjtstiMltt«» J)«nn«r»tnc?tile toftf.S,— an.,Smentn(iHU((l)la9äOc/o. »kleine Knjclaea', da» im- jfDrurtt« T5»n 1,— ZI.«ju lässig zwei iettgedrackle a»rie),»de»»eüere Wort S« Bf>. Ltillenzesuche uno Echlafsiellenenzeiien d« eelte Wort dö Ptg. ,ti>m mtKttm«.ti 40 Psz. »ort« übet 15 üu*ft«k«n|81)len für iwei Werte. Tenef.n»»;« schlag 50°/. SamiUm.Änwigen fit Ab.nnrnien Seile 2,— Z!.,»»litiiche und ge» werttchastliche Verein»- Anzeigen 3,— Ml. die Seile»sine Aufschlag. Anzeigen für die» a chsi e Älunimer müssen vi, 5 Ahr nachniittags IM dauvigeschtft. Neriin EW.3, Linden» strajje 3, adgegeden«erden.. Deiissnet von 9 Uhr früh die 5 Uhr abends. Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands Neöaktion und«Expedition; EW. 6$.£inden)lt. 3. �crnUircfftcr; Amt MortNvlatt, Nr. 1.�190—15197. / Mi I smi immA&rmm Tfthitjiherin kritisiert England. polnische ßronterfolge. Königsberg. 9. September. Vision zu unterziehen. Begründet wird dieser Antrag mit der Forderung des Moskauer Kongresses, die Partei- und Ge- werkschastsbewegung zu spalten und die proletarische Demo- kratie zu verleugnen. Aber genau wie bei den deutschen Un-e abhängigen handelt sichs für die schweizerische Geschäfts" leitung in erster Linie um die Demokratie innerhalb der sozia-e listischen Organisation, nicht um die Demokratie der Staatsform. Denn die gleiche Erklärung, die eine Ablehnung der in den bekannten sieben Artikeln formulierten Sowseidiktatur ausspricht, enthält ein Bekenntnis zur„Diktatur de? Prole- tariats" und zum„Räbesystem":„Die proletarische Dik- tatur... findet ihre Grundlagen in einer Räteorgonisation, die. aufgebaut auf der Zusammenfassung der werktätigen Bc- völkerung nach Betneben, Industriezweigen und, Arbeits- gebieten, den bisherigen Apparat des bürgerlichen Parlamen- tarismus ersetzt und an seiner Stelle zum Vollziehungsorgan der proletarilcheu Staatsgewalt wird." Man will also Dik- tatur und Rätesystem, ein Rätesystem nicht etwa neben dem Parlament, sondern als Ersatz der bisherigen Formen der Demokratie; nur will man von der russischen Form der proletarischen Diktatur nichts wiffen. Hier wie bei den deutschen Unabhängigen begegnet man also der erstaunlichsten Unklarheit. Statt zu begreifen� daß Rätesystem und prole- tarische Diktatur in Rußland sich mit innerer Logik und eiserner Notwendigkeit gerade zu den Formen der jetzigen Sawjetdiktatur entwickeln mußten, an deren oligarchischen und autokratischen Charakter man Anstoß nimmt, konstruiert man sich im luftleeren Räume irgendein Rätesystem, das an die Stelle der so verächtlich behandelten„formalen" Deino- krafie des gleichen Wahlrechts erst die wirkliche, schlackenfreie Demokrafie oller Werktätigen setzen soll. Statt aus den russi- schen Erfahrungen zu lernen und sich endlich einmal an die Tatsachen zu halten, phantasiert man sich noch immer ein lui- tiges Rätegebilde zusammen, träumt man von einer„Dik- tatur", in der zugleich der Massenwille seinen vollkomniensten Ausdruck finde. Man sollte doch endlich begreifen, daß die Bolschewiki wirklich die Berufensten sind, über die Diktatur und das Rätesystem ein sachverständiges Urteil abzugeben, da sie beides während mehrerer Jahre praktisch aus- geprobt haben, während die westeuropäischen Räte- und Diktaturapostel von diesen Tingen höchstens eine sehr unklare theoretische Vorstellung besitzen. Will man erfahren, wie ein„Rätesystem" in Wirklichkeit arbeitet, welche ökonomischen Wirkungen es hervorbringt und zu welchen KonsequenMn es führt, so lese man einmal auf» nierksam die Abhandlung über daS„Programm deS sozialistischen Wirtschafisaufbaus", die Radek in Heft 10 der„Komi munisfischen Internationale", des in vier Sprachen gleich» zeifig erscheinenden, von Sinowjew redigierten Organs des Exekutivkomitees veröffentlicht hat. Wer eS noch immer nicht wußte, wird dann einsehen, daß das Rätesystem, wie man es sich in Westeuropa vorstellt, ab solutexi st enzunfähig ist und zwangsläufig mit der Allmacht der Bureaukratie und der Diktatur der Wenigen über die politisch wie wirtschaftlich gleich entrechteten Massen enden muß. Und nicht etwa nur drüben in Rußland mit seinen unentwickelteren Wirtschafis- Verhältnissen, sondern erst recht auch in den westeuropäischen Industriestaaten, wo die wirtschaftlichen Verheerungen des „RätesystemS" noch viel schlimmere Wirkungen haben müßten. Nach der Vorstellung deutscher Rätepropagandisten, etwa Kurt Geyers, erhalten nach der Proklamierung der Dik- tatur deS Proletariats„die Betriebsräte nicht nur mitbestim- Menden, sondern entscheidenden Einfluß«mf die Be- triebe", während Bezirksbetriebsräte, Zentralbetriebsräte und endlich ein Zentralwirtsckiaftsrat die Leitung der Industrie- zweige und schließlich der gesamten Volkswirtschaft über- nehmen. Da sich eine solche minutiös arbeitende zentralisierte Orgamsaiton in Deutschland weniger noch als in Rußland nicht aus der Pistole schießen läßt, würden in der revolutio- nären Praxis erst einmal die Betriebsräte der einzelnen Be- triebe in Funkfion treten. Das ist auch die Ansicht Radeks. Die„reformistische(I) Losung der Demokratie in den Fabriken" sei jetzt die erste Phase der revolutionären Epoche außerhalb Rußlands.„Diese Phase dauert nach Ergreifung der Macht im Staate fort, sie verstärkt sich sogar." Und aus Grund der russischen Erfahrungen schildert Radek diese Phase folgendermaßen: „Allerorts schaffen die Arbeiter Fabrikkomete«».»ni dann von der Kontrolle über die Fabriken bald zur Leitung über- zugehen. Ueberall versuch«» sie für sich«ls Gruppe«der gar als einzeln« möglichsten Nutzen zu ziehen aus der Brfrviung von der Herrschaft d-r Kapitalist«». Darum ist die erste Zeit nach der Ergreifung der Macht«ineZeitver stärkten Wirtschaft- lichen Verfalls. Formell herrscht auch in diesem Zeitraum in den Köpfen der Arbeiterklasse die Idee von der Leitung der Industrie durch Kollegien, durch gewählte Vertreter jeder einzelnen Fabrik Da? fiihrtiiald zu jehr schweren Folgen. Jade Gruppe der Avbeitcrklafse. die d« Fabrik auf eigene Faust führt und die Produktion ohne Zusammen- hang mit den anderen organisiert, wird dabei mrr von den Interessen ihrer Gruppe geleitet." Das habe, sagt Radek, mit Sozialismus alles nichts zu tun. aber man müsse begreisen,„daß diese Erscheinung als Uebergangsstadium der Revolution unvermeidlich ist." Und wir glauben, daß Radek vollständig recht bat. wenn er behauptet, daß jede Rätediktatur eine solche Phase durch- laufen werde. Welches Elend aber eine solche Desorganisation der Volkswirtschaft über Deutschland bringen müßte, muß sich jeder sagen, der weiß welche Rolle für die ganze Volksexistenz bei uns die Industrie spielt. Wie nun suchte sich Rußland, nach Radek, aus diesem Zustand der Wirtschaftszcrrüttnng zu retten? Zunächst durch den Versuch, die Produktion den Gewer kschastsver- bänden zu übergeben. Aber auch das hatte nur den Er- folg,„cm Stelle voller Anarchie eine gewisse Organi- sation" zu setzen. Erst allmählich, nachdem die Industrien zum größten Teil zugrunde gerichtet, die Städte entvölkert waren, gelang es,„Räte für Volkswirtschaft" zu schaffen, die die„Rolle von Staatsorganen" spielten. In diesen Räten saßen zwar Vertreter der Gewerkschaften und„des Sowjets der Arbeitendeputierten" neben Fachleuten, die der ehemaligen Bourgeoisie entnommen waren, aber diese Organe. die nunmehr die Regelung und Leitung der Produktion über- nahmen, waren nicht die Beauftragten und demokratisch kon- trollierten Vertreter der Betriebsdemokratie, sondern eine souveräne Staatsbureauk.ratie, die aus eigener Machtvollkommenheit schaltete. Wie die Organisation der In- dustriezweige dem Mitbestimmungsrecht der betreffenden Ar- beiterschichien entzogen war, so auch die Leitung der einzelnen Fabriken. Früher führten drei oder fünf Erwählte der Bs- trieMräte dos Regiment im Betrieb— nunmehr würbe bie Leitung von der Staatsbureaukratie oiner ihr genehmen Persönlichkeit übertragen. Schon im April 1918 hatte sich Lenin für die Notwendigkeit einer„verantwortungsvollen, energischen Leitung" und gegen die„Kollegialität" aus- gesprochen, und im April 1920 bncht Radek über die Leitung durch einen Kollektivkörpcr vollends den Stab mit den Worten:„Die kollegiale Leitung ist gleich- bedeutendmitkollekttverVerantwortungs- l o s i g k e i t, denn sie nimmt jedem Mitglied das Gefühl der Verantwortung, welches vorhanden ist, wenn ein e i n z e l- n e r.sich bewußt ist, daß er und kein anderer für eine Sache die Verantwortung trägt." Die Betriebsautokrotie hat so die Betriebsdemokratie völlig mis dem Felde' geschlagen, im Einzelbetrieb wie in der Produktionsleitung überhaupt! Die Arbeiter haben also in der Fabrik keinerlei Mitbe- stimmungsrecht. Aber üben sie wenigstens durch die Ge- w e r k s ck af t e n ein solches Recht aus? Nun, Gewerkschaf- ten im alten Sinne gibt es in Rußland, wo ja das Streik- recht aufgehoben ist, längst nicht mchr. Die Gewerkschaften wurden in„Produktionsvcrbände" verwandelt. In diesen Produktionsverbänden aber haben die Massen selbst nichts mehr zu sagen. Hören wir Radek selbst: „Der Aderlaß der Verbände zur Zeit des Bürgerkrieg? ge- stattete die Herstellung ihrer Verbindung mit der Organisierung der Produktion nur durch Heranziehung der Führer der Beirx� gung. Die Vertreter der Produktionsvsrbände traten in den Bestand der Volkswirt schaftsräte und der F a b r i k l« t- tungen ein. Sie berieten sich in Fragen der Produktion mit den Leitungen ihrer Verbände. Di« Masse der Arbeiter aber bliebdiesenDingen fern... Die Rolle der ProduktionS- verbände im Organismus Sowjctrutzlands ist ein« ganzandere, als sie ihnen die Syndikalisten zuschreiben. Weder einzelne Produktionsverbände noch ihre Gesamtheit leiten die Produk- tion. Die Leitung der Produktion ist in den Händen von Organen. welche die besten Kräfte der Produktionsvcrbände und wissenschaftlich gebildete Kräfte, die uns der Kapitalismus hinterließ, mit Ber- tretern der Arbeiterngterung vereinigen." Die Eröbebenkataflrophe. Alt Ursache des Erdbebens in Italien kommt nach einer Mitteilung der Zentralstelle für Erdbebensorsibung in Jena eine weitere Schollensenkung lm Ostflügel der Umrandung des Molses von Genua in Frage, die eme gewaltige Ein- bruchszone der Erdrinde darstellt. Wieder einmal haben die zerstörenden unterirdischen Gewalten Unheil und Verderben über eine italienische Landschaft gevracht Die Erdbebenkatastrophe vor, Fivtzzano, der nach den bisherigen Meldungen auch noch eine Reihe anderer Ort« in der Umgebung von Svezia zum Opfer gefallen zu sein scheinen, ist zweifellos drS größte Unglück dieser Art seit dem Endbeben von Avezzano, das im Januar 1915 diese Abruzzenstadt zerstört hat. Vorher-aar eS, am 28. Dezember 1908, das furchtbare Erdbeben von Meffina, dessen Schrecken noch lebendig in unserer Erinnerung haften— kurz, eS vergeht kaum ein Jahrzehnt, in dem nicht der eine oder de? andere Deik JtalivnS der Schauplatz eines vernichtenden Bebens ist. Von altersher sind die Landschaften Italiens verheerenden Erderschüiierungen ausgesetzt gewesen, und besonders waren es die wundervollen Gestade Süditaliens und Siziliens,-die immer wieder von zerstörenden Beben heimgcsücht wurden. Diese Land- schaft ist über einem einzigen, riesenhaften Vulkan aufgebaut, dessen Lebcnsäußeruugen, völlig unberechenbar im Zeitpunkt ihres Auf- tretens und ihrer Intensität, fortdauernd das leichtlebige Völkcken der Süditaliener und Sizilianer mit Tod und Vernichtung be- drohen. Vesuv, Acina und Strombcli, die dcei ununterbrochen tätigen Vulkane, stellen gewissermaßen nur die Essen des ae- waltigen unterirdischen Herdes dar, und die auf ihrer Spitze stet? sich kräuselnden Rauchsäulen, die unaufhörlichen E.rpMuulen im Krater des Stroniboli mahnen an die nie schlummernden Gewalten im Schöße der Erde. Aber das Erdbeben von Avezzano wie die jetzige, npueste Katastrophe, von Fivizzano zeigen, daß auch Mittel- und Oberitalien niemals vor den unheimlichen Gewalten des Erd- innen, sicher sind, daß die ganze Apenninenhalbinsel ein nie völlig zur Rube kommendes Bebengebie! lnldet. Es stckd nicht eigentliche vulkanische Beben, die die größten Zerstörungen ,m Gesolg« haben, so hatte ja auch bei dem Erdbeben von Messina, dem verheerendsten dor Neuzeit, der Aetna kein- besoirderen Zeichen erhöhter- vulka- nischer Tätigkeit gegeben. Lluch die jüngste Katastrophe gehört wieder in die Reihe der zahlreichen t».! tonischen Beben /dr« sich Jahr für Jahr in größerer Zahl, wenn auch glücklicherweise meist nur in schwächerer Form, wiederholen. Diese tektonischcn Erdbeben sind ein: Elgen-ümlichkeit geologisch verhältilisruäß'g junger Erdgebiet?, die. in ihrer Entwicklung noch nicht zur Ruh? gekommen sind. Da? glühende Jnnöre der Erde schrnt oort noch bis in verhältnismäßig germze Entfernung von der Oberfläche zu reichen. Aber es kühlt sich fortwährend weiter ab. und die erkaltenden Gesteinsschichten, d".n ungeheuren Druck der darüber liegenden festen Erdkruste au'acsctzt, halten bei der durch die Ab- kühlung bewirkten Zusammenziehung diesem Druck.öcht stand. Es entstehen.interirdische Hohlräume, über denen sich die ungcheuriui Erdmassen schieben und zerren, bis schließlich die Massen oer Schollen dem Riescndruck nicht mehr widerstehen und nach innen Nichl der lebendig sich auswirkende Wille der Masten leitet also die Produktion, sondern ein Organ der Staats- bureaukratie, dem die obrigkeitlich beherrschten, behördlich reglementierten Massen als willenloses Objekt gegenüber- stehen. So mündete das Rätesystem, von dem man in West- europa soviel faselt, unerbittlich in die Allgewalt der massen- fremden Bureaukratie, die souverän die Geschicke des Volkes leitet. Und es mußte so enden, weil das Rätesystem selbst nach den russischen Erfahrungen nur zerstören, nicht aufbauen kann! Gleichwohl ist es die menschenfreundliche Absicht Radeks und der Moskauer Internationale, auch Westeuropa mit diesem unmöglichen Rätesystem und seinem Endprodukt, der Diktatur der Sowjetbnreaukratie, zu beglücken. Was das bolsllx wistische System Rußland gebracht hat, gesteht Radek selbst: „Die proletarische Revolution, geboren aus dem tiefsten Ver- fall des Kapitalismus, verstärk, diesen Versall not- w e n d ig e rw e i s e und vergrößert darum in ihrer ersten Periodedie Leiden desVolkes. Die russische Arbeiterklasse ist durch eine Hölle von Qual g e- gangen." Da erwarten unabhöng-ige und kommunistisch? Räte- sckwärmer. denen die demokratische Umwälzung dc? Kapita- lismus„zu lange dauert", vom Rätesvstem rasckre Erlösung. während ihrer, nach Radek selbst, eine„Hölle von Oual" harrt. „Aber nur für die erste Periodls", werden sie einwerfen. Nun, Radek zerstört unerbittlich auch diese Illusion, indem er fort- fährt: „Der sozialistische Aufbau ist das Werk langer Jahre, während denen das Lebensniveau der Arbcitermassen nicht höher, sondern tiefer sein wird, als i« den kapitalistischen Ländern." Und Radek sollte sich wirklich einbisden, daß daS westsuro- päische Proletariat sich nach solchen Zuständen drängte? Frei- lich. er glaubt, daß Weltrcvolution und Bürgerkrieg überall unaufhaltsam seien, und daß der Bürgerkrieg dann wie mit Naturnotwendigkeit überall denselben Verlauf nehmen müsse, wie in Rußland. Er übersieht nur, daß die russischen Erfahrungen allzu sehx schrecken und daß die Demokratie einem klassenbewußten, tatkräftigen und geschulten Prolotariat viel bessere Möglichkeiten bietet. das kapitalistische System sozialistisch umzugestalten, als die Räte-Anarchie und die bolschewistische Bonzen-Diktatur, die an Schwerfälligkeit und Korruption zugrunde gelsen muß. Be- weisen die sozialistischen Fübrer und Massen nur einiges Geschick im Gebrauch der demokratischen Mittel, so wird das west- europäische und insbcsondsre das deutsche Proletariat seinen sozialen Ausstieg und die Sozialistsrung d?r kapitalistischen Gesellschaft crkämvfen, ohne gleich dem beklagenswerter! missi- schen Volke eine Hölle von Oual durchschreiten zu müssen! demaaogie gegen sich selber! Selbstanklage der„Deutscheu Bolkspartci". Sich selbst zu backpstnken. um Dumme glauben zu machen, ein anderer würde gebockpfeift, das scheint neuerdings die Strategie der Deutschen Volksvartei zu sein. In der„Täglichen Rundschau" schinipft ein Herr M. L. fürchterlich über die„sozialdemokratische Beamten- und Futterwirtschaft" im Deutschen Reich. Schuld an der Mißwirtschaft seien das Zentrum, die Demokraten und die Sozialdemokratie,„die seit dem Umsturz im Reich regieren". Jetzt hätten wir den„sozialdemokra- tischen Staat" und nun sehe man, wie er ausschaue: alle Tage würden von der„regierenden Sozial- demokratie" neue Sozis an die Futterkrippe gestellt, die Reichspost, die ReichSeisenbahn, das Auswärtige Amt, kurz, alle Reichsstellen arbeiteten mit einem Uebermaß von faulen- zenden Beamten. Aus d«, Reihen der Regierungsparteien selber mehre sich die Zahl der Mahner und Warner, aber. stürzen. So bildet das ganze Tyrrhenische Meer einschließlich deS Liguri scheu Meerbusens, an dessen Küste sich die jüngste Kata- strvphe ereignet hat, ein nie zur Ruhe kommendes Gebiet tekto- nischer Beben. Einst war es Land, brach dann zusammen und wurde schlichlich vom Meere überflutet. Di« drei großen Inseln Sizilien, Sardmien und Korsika müssen einstmals mit dem italienischen Festland verbunden gewesen sein. Die katastrophalen Folgen tektonischer Beben zeigen sich naiür- lich um so verhängnisvoller, je dichter die davon betroffenen Land- striche bewohnt sind. Je massiver die Ortschaften und Städte gebaut sind, um so schwerer sind die durch die Erdstöße verursachten Verheerungen und die Opfer an Menschenleben. Deshalb baut man in Japan, das zu den unruhvollsten Ländern des Erdballs gehört, seit jeher der zahlreichen Erdbeben halber die Häuser meist auö ganz leick'tem Material-, die Gefahr, von einstürzenden Trümmern erschlagen zu werden, ist dadurch viel geringer. Auch in Italien kennt die Bevölkerung sehr wohl die Gefahr, die ihr droht. Man eilt, sobald man einen Erdstoß verspürt, in wilder Hast ins Freie, kehrt aber sorglos zurück, sobald tue Gefahr vor- über zu sein scheint. Tie seismologistchen Stationen und Erdbebenwarten' in Mittel- snropa haben den Zeitpunkt und die Intensität d«? Katastrovhe vom 1. September genau registriert. Die Jenaer Hauptstaiion für Erdbeben forschung, die bis zum Ende des KrieaeS in Strahburg gewesen ist, registrierte am 1. Seviember um 8 Uhr 68 Minuten 21 Sekun-den früb eine katastrophale Erdersckütterung in der Entfernung von rund 800 Kilometer', die Erdbebenwarte in Ingen- heim und die badiscbe Landcssternwarte auf dem Königsswhl" bei Heidelberg verzoickineien gleichSfnlls, diese in einer Entfernung von ISO Kilometer, daS Erdbeben Berei?« aus diesen beiden Angaben ließ sich vorauSseben, daß eS wieder Italien war, wo die Katastrophe stattgefunden hat. Nach neuen telegraphischen Mclduiuien wurde die Erderschütreoung auch in mehreren schweizerischen Stadien ver- spürt; in Jnterlaken waren am DieuStag früh um 7 Ilbr die Erdstöße scbr deutlich bemerkbar. Auch an der französischen Riviera ist das Erdbeben gemerkt worden. Ein Freilicht-Musenm. Ein? der schönsten deutschen Freilicht- Muketn hat der Verein für Hcimatpslege in dem Ammerlärrder Bauernhaus« zu Z w i sich e n a h'n(Oldeubürg) geschaffen, und zwar ist hier das Ideal eines„lebendigen Museum?" erreicht, in dem sieb ein eifrige? Tun und Treiben in diesem schönen Rahmen ent- faltet. In dem Hause twtd gewiktfchaftel wie in den. anderen Bauernhäusern des Ammerlandes, und io erblickt mau di- Gegen- stände der alicN Volkskultur in ihrer praktischen Verwertung. Einen befsndcrcn Wert ober besitzt dies Frülicht-Museum für die De- bölkerung noch dadurch, daß in ihm allsiihrlich da? Heimatfest gefeiert wird. Ucber den Verlaus de? letzten Zwischenahner Heimat- feste? berichtet D. Sieilcy in der Zeitschrift»Niedcrsachson". Hier wird wirklich Volkskunst für das Volt gebo-en.„An den Schätzen der Vergangenheit, an den ewig jungen und ewi'a schönen Volks- liedern, an den bunlou Trachten, an den Tänzen au? der Zeit, da der Großvater die Großmutter nalin, an der Sprache der leben- digen Seele des Volles freut und stärkt sich das gegenwärttge Ge- „nirgends in den Ministerien rbhrt sich eine Hand zur Verein- s a w ii n g und Verbitligung der Verwaltung, zur Säuberung von den Schmarotzern, die bloß wegen des Verdienstes ihres Parleibekenntmsies aus der Staatskrippe gefüttert werden." O, diese böten Sozialdemokraten! Aber halt— da fällt»ns ein: wer sitzt denn eigentlich in der deutschen Reichsregierung? Die Sozialdemo- kraten schon lange nicht mehr. Haben wir nicht seit dem großen„Wahlsieg" der Deutichen Volkspartei am 6. Hunt eine rein bürgerliche Regierung, in der die— Deutsche Volkspartei erste Flöte spielt? Wen klagt Herr M. L. in der„Täglichen Rundschau" also an? Uns scheinr, niemand anders, als die Partei der „Täglichen Rnnd'chau", die Deutsche Vo lksparlei, denn sie hat doch die Zügck der Regierung in der Hand, sie sitzt in den Ministerien, die„keine Hand rühren," um das angebliche Heer der Schmarotzer zu beseitigen. Man müßte sich eigentlich wundern, wie hier ein Organ der„Deutschen Volkspartei" seine eigene Parteibe- schimpft und vermöbelt. Aber dahinter steckt Methode. Das Blatt„für die Gebildeten aller Stände" schätzr nämlich die Intelligenz seiner Leser so hoch ein. daß es glaubt. sie werden bei diesem Schimpsanikel gegen die„regierende Sozialdemolratie" gar nictit merken, daß es in Deurschiaud keine regierende Sozialdemokratie, ionvern nur eine regierende Deutsche Votkspartei gibt. Bei aller Würdigung der Beschränktheit des deutschen Spießers glauben wir. daß diesmal die„Tägliche Riindschau" die Dummheit selbst ihrer Leser überschätzt- hat. Aber wie muß der regierenden Deutschen Volkspartei nach den großen Versprechungen, mit denen sie ihre Leser gesüttert hat, das Messer an der Kehle sitzen, wenn sie schon aus lauter Angst ihre eigene Regierungsstellung v er- leugnet und die gar nicht regierende Sozialdemolratie für die Regierung ausgeben mochte? 1 §ü'r die tteugesiaitung der Polizei. Eine Kundgebung der Polizeibcttwtcn. Vom Verband der Polizeibcamten Preußen? E. V. geht uns folgende Erklärung zu: „Die in Bln.-Sieglitz am 6. Scpicmber 1929 verlammeltcn Vertreter der kommunalen Polizei der Berliner Vororie pro» testieren in ihrer Eigenschaft als Beruisbeamle auf dos scbärsste gegen die Machenschaften gewisser Kreise, welche die Neugestaltunz der Polizei, die eine Miiwirlung von Vcrufsbcaintc» vorsieht, an- greifen und herabzuiepen versuchen. Wir sehen in der beadsichi-gten Nenorganisanon die einzige Relinng aus der Unsicherkeit und dem Polneiwirrwarr und die Grundlage zum Wiederaufbau unseres Vaterlandes." Die Hetze gegen die Neugestaltung geht bekanntlich von von der reaktionären Presse aus, der ini Kampf gegen Genossen S e v e r i n g und den Dezernenten des Polizeiwcscns Ministerialrat A b e g g jedes Drittel recht ist. Ain Mittivoch haben übrigens die Reaktionäre in der Kom- Mission der Preußischen Landesvcrsammlung bereits eine völlige Niederlage erlebt. Sie hatten einen großen Vorstoß geplant. Nachdem aber von Rcgierungsscitc vor- getragen war, um was es sich bei der Reorganisation eigent- lich handle, und nachdem sich herausgestellt hatte, daß der .Plan der preußischen Regierung nur eine loyale A u S- führung des Abkommens von Spa darstellt, wurde schleunigst abgeblasen, und nach einem kurzen Ver- legenheitSgeslammel löste sich die große Aktion der Rechten in Wohlgefallen auf._ Holland— Hohenzollcrnland. Wie Hollandsch Nieumsdureent meldet, dürfte Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder de? ErkaiserS, demnächst nach Holland kommen. Er wird angeblich über den Ankauf eines Landguts in der Gegend von Utrecht unter- handeln. schlecht und sammelt Kraft für den harten Kampf des Alltags."_ Im Mittelpunkt des Festes steht die Aufsühruna eines Volksstückes. Nach Bcendtgung des Spieles wurden>n den alten � kleidsamen Trachten zu den Klängen der Harmonika alte Volkstänze vorge- führt.„DaS Zwischenabner Heimaifest," so schließt der Verfasser, „töuchS sich bereits zu einem Volksfest des Ammerlandcs auS. Hier auf dem Boden der Heimat finden sich alle ohne Unterschied de? Berufes und Standes, des Bekenntnisses und der Parteizugehörig- keit zusammen. Die Heimat unterstreicht das. was alle eint, und daS ist in diesen stürmischen Zeiten notwendig." Da? Wirt sie sollen lassen stabn... Laut einer Mekdnng auS Melbourne hat die australisch« Bundesregierung die Ein. fuhr von Bibeln, Gesangbüchern und anderen religiösen Druck- fachen in deutscher Sprache, d!« bisler in den lutherischen Kirchen Australiens benutzt wurden, allgemein verboten. WcZ sagt die Britische Bibelgesellschaft dazu, die Bibeln in allen Sprachen verbreitet? Und wie steht es mit anderen deutschen Büchern? Darf Goethe— darf Marr noch in deutscher Sprache in das gelobte Land der Arbeiterrogierungen, der bürgerlichen usw. Freihri'en, der Schafzucht und der A ultra! neger eingeführt werden? Wir verlangen Gleichheit für alle? Deutsche in australi- scher Mißhandlung und warnen eine löbliche. Bundesrepierung ausdrücklich vor deutschen Büchern, die— ohne religiös im Kirchen- sinne zu sein— das Recht der Muttersprache wicht minder als MenschheitZrechte verteidigen. Da? Dakapo im Film. Stegreifwiederholungen erner b-fonbers ein'ckssagenden Programmnummer, wie es solche im Theater oder bei Konzerton gibt, waren im Kino bikAer unbekannt. Kürzlich aber mußt«, wie der„Filmbandel" berichtet, die Direktion des D K.-ÄinoZ in Breslau eine.solch« bewillligen. Bei der Erstaufführung de»„Films für alle" applaudierte das Publikum so andauernd und gab sich, als auch bereits die Tiiel des nächsten Filmstückes erschienen waren, n'cht eher zufrieden. h?s die Vorführung diese? FilmS w'eder eingestellt und der„Film für alle" nochmals vollständig abgerollt wurde. Dann erst konnte di-e Vorstellung ihren Fortgang nehmen. D!« VolfSllockischnle Erob-Verltn öeeinnt am 18. Okt. ihre dritte tzchivkriade E» babcn sich ihr Ncickölln und tzilmersdost als neu- Lehr- ttätlen angeschlossen, tluch In Weinenlee und Tegel werden emne ffurle nbzctalten. Arbettsvläne sind im Mewerklchattsbails, In der Suchdandlung Vorwärts, in der Buchhandlung der Freiheit und an den anderen durch tlusbunq kenriltcheu stellen zu haben. Der Kartenoerkaul beginnt am Mittwoch, den Ii Sept. Die ttntrrrichcsaiistalt des Kunftgrwerbemukeums beginnt d-Z Wintersemester am l l. ONoder. Die Anme dungeu Kaden daie bit vom 18. ii» 30. seviember von!0— 2 Uhr zu ersoigen. Herbei sind Arbcuen vorzulegen, die ein U'tcii uSrr die Beiagigung und über Art und Umjang der bisher genoss nen Borbildung gestauen. TaS deutsche Buch im iluSiand. Die«luZNellung„Das dentlche Such", die am S. Oit in Frankfurt a M eröffne! wird, bat im tluslande be«andere Beachtung gesunden.'-Voraussichtlich werden die einzelnen ierngen Bibtiothefen.*. B. die«ibliotbek ei,:es Bib iovdil-'n. einer Dame. eineS Arztes, eines Ingenieurs, des Chefredakteurs einer Tageszeitung, gesch ossen nach dem Auslände übergeiübr! und in verschiedenen europäischen Haupt« statten gastieren. Auch aus Nordamerika Uegt eme derartige Anregung vor. !tc. 450 ♦ 37. Jahrgang OMsße öes Vorwärts Freitag,?0. September 1920 GroßGerün »vet is Schummel". Der weMetennte Zirkus Soundso beehrte die Stadt T mit seinem Besuch. Dieses frohe Steigt, is war schon lange in Riesen- lettevn auf schteionden Plakaten zu lesen. Die Jungens der Stadt schäumten.über vor Freude. Der erste Pferdetransport verursachte ihnen eine schlaflose Nacht, bei den Aufbauarbeiten betätigten sie sich bereitwilligst als freiwillige Helfer, und als gar ein fremdes Tier(zu Neklamezweken) unter freiem Himmel geseift und ge- traschen wurde, da vergaßen sie ihre Schularbeiten vollends. Die Schwerarbeiter der Freiwilligengarde bekamen eine Freikarte und nüt Jubel ging es in den Zirkus. Die Jungens kannten die Ein- richtung ganz gnau. Sie blickten auf die einstmals weißlackiert ge- wesenen Stühle, die jetzt nur noch die Grundfarbe erkennen ließen und flüsterten hochachtungsvoll:.Das ist die Loge." Es war Regenwetter. Das Zelt war garantiert regendicht, das stand auf den Plakaten lieber den Frei Plätzen jedoch, ach nein, allerorts war es durchlässig, und man konnte sich an die Beaut- Wartung der Frage:„Weißt du wieviel Sternlein stehen?" bequem während der Vorstellung machen. Aus Programmnummer 12, den Bärenringkampf, fieberten die Jungen förmlich. Schließlich traten, unter dem üblichen Tamtam, der Bär und seine Partnerin in die Manege. Sie war stramm, forsch, kräftig und trug dieserhalb ltampfhandschuhe, er war altersschwach, zitterig und gebrechlich und kxttte daher, um nicht allzu sehr benachteiltgt zu sein, unverbundene Tatzen. Um die Sache gruselig zu machen, siegte dann der Bär. Da aber brach helle Empörung in den Jungens aus und weithin harte man ihre entrüsteten Stimmen:„Det is Schummel!"„De Clle hat sich hingeschmissen!"„Det ts Schummel!" Vergleichend kann man da an die polt tische Arena denken. Wie groß waren doch die Versprechungen vor der Wahl. Wenn dob nur erst die Sozialdemokraten aus der Regierung ausgeschifft wären, wie gut würde es dann werden. Und nun, wo wir die rein bürgerliche, alles Heil Versprochenhaben de Regierung bekamen? Außerrpoliiisch liebt man uns gegenüber noch immer die Diktat» form und innerpolitisch sind die Folgeerscheinungen des verlorenen Krieges genau so drückend wie sonst. Also, Explosionsstosf hier und dort. Wie aber sieht es mit Programmnummer 12 der Rechts- Parteien, der uns hundertmal versprochenen Verbesserung der Lebenshaltung aus? Der Versprechungen waren so viel«, daß, hätten sie Gestalt angenommen, ein Lastkamel unter ihnen zusam- mengebrochen wäre oder, wären sie in einen Eisenbahnwagen ge- packt, ein ArbeitSekefant sie bestimmt ntcht hätte von der Stelle be» kommen. Wie gestaltet sich denn aber jetzt die Wirtschaftslage? Schein- bar besteht das Brot nach wie vor aus Streusand oder Auffegmehl und knirscht zwischen den Zähnen. Und wenn man aus Pferde- butterknochen Bouillon kocht, dann hat diese Brühe auch kein einziges Fettauge. Ja, ja, man kann von Programmnummer 12, den der- sprochenen sagenumwobenen Fleischtöpfen Aegyptens, auch zu Recht sagen:»Det is Schummel!" S. B. Der teure �ttzug. Stosfknappheit und Geschästseröffnungcn. Mit banger Sorge sieht der größte Teil der großstädtischen?«- oMerung dem Herbst und Winter entgegen, da nun außer der Sorge um HeizungS- und sonstige Bedarfsartikel die B« k l e i- dungsfrage in allernächste Nähe rückt. Hat die Kriegszeit schon manche Belastung, Teuerung und Einschränkung auferlegt, so war doch der wirklich Bedürftige durch Bezugschein«— von den Kunststücken, die auch damit gemacht worden sind, soll hier nicht ge- redet werden— immerhin einigermaßen sicher, noch Kleidung zu erhalten. Ganz anders sieht es heut« auS. Stiegen schon gleich nach Aufgabe des Bezugscheinzwanges und Freigabe des Leder. Handels die Preise für Schuhzeug blitzartig ins Unermeßliche, so noch bedeutend mehr bei der ffe'en Textilwirtschaft die Kleider- preise. Ist die Sommergardervbe mehr oder weniger eine Luxusfrage, so gilt das für die Wintergarderebe, wo es sich darum handelt, den Körper gegen Kälte und Witternngsverhältnisse zu schützen, keines- falls. Das ist eine Frage der Not- Wenn vordem immer die Teuerung mit der Stosfknch>pheit und dem Mangel an Rolstoffen begründet wurde, so ist diese Ausrede längst hinfällig geworden. In allen Stadtgegeuden tauchen Geschäfte ü&er Geschäfte auf, um möglichst„oft" die Besitzer zu wechseln. Selbst kleine Schneidergeschäste sind nur nock, zu Schieberpreisen zu haben, die eben das Uebel nach sich ziehen, daß der neue Inhaber seine Existenz aus immer weiterer Bewuchervng der Kundschaft ausbaut. Namentlich das Zentrum und hier besonders die Prenzlauer Straße zeichnet sich durch Eröffnung von Stoffgeschäften aus. Wenn jn der Vorkriegszeit hier ruhige bürgerliche Geschäfte, kleine Kneipen usw. betrieben wurden, io sind diese jetzt größtenterls alle nach urio nach gewissermaßen über Nacht von der Mldfläche der- Me ilZMki; die NW meiiesm? Es ist nicht erforderlich, daß der Besitzer seine selbst abliefert. Die Person des Abgebenden wird nicht festgestellt, eine Legitimation wird nicht verlangt. Es ist des- halb auch ohne Belang, ob die Ablieferung in der Heimat- gemeinde oder an einem anderen Orte geschieht. schwunden, und wo man Beitte noch seine Zigarre oder sein Bier kauft, prangt morgen in der Frühe schon ein Schild„Gelegenheits» kaufe Resterhandlnny" usw. Die neuen Herren haben oft reich- liehen Abstand gezahlt, wobei 20- bis 26 0CK1 M. keine Rolle spielen. Wie gewinnbringend trotz dieser hohen Wstamdssumme der Stoff- Handel also sein muß, kennzeichnet schon vorstehende Schilderung, die auch noch dadurch bestärkt wird, daß die Geschäftsleute durch- aus die Konkurrenz nicht fürchten, sondern im Gegenteil immer mehr ihrer Leute nach sich ziehen, so daß die Straße, die nur 66 Hausnummern zählt, schon heute 32 Stofsläden ohne Etagen- und Hosgeschäfte aufweist und den Eindruck macht, als ob sich hier eine Messe größeren Stils aufgetan hat. Wann schon die Deckung der Unkosten immer vom kaufenden Publikum zu tragen ist und sonstige gesetzliche Verfügungen hier versagen, so sollte doch wenigstens das Mietamt ein schärferes Auge auf die Mißstände werfen, vielleicht würden dadurch bessere Verhältnisse geschaffen. * Nach Mitteilung der Kleider-Verwert.ungs-Gesell- s ch a f t tst durch umfangreich? Neuanschaffungen von Textilien im Werte von 1» Millionen Mark, verbunden mit dem in etwa gleichem Umfange vorhandenen Warenlager für den ersten Herbstund Winteranfturm Vorsorge getroffen. Eine Ausstellung in den Räumen der Kleider-Verwerinngs-Gesellichaft(Kommandanten- straßc 36/51! beweist, daß der Kundenkreis sich imiyer mehr er- weitert. Neben dem praktischen Gebrcmchsstiefel zum Preise von 96 M., der wiederinstandgesetzten Unterwäsche, den neugestrickten Strümpfen finden sich auch prächtig? Modeschövsungen, die heut zu billigen Preisen zum Verkauf stehen. Riesige Stiesel- b e st ä n d e sind von der jetzt zur Auslösung kommenden Reichs- schuhveriorgung übernommen worden. Diese Stiefel sind im Auf- trage der Reichsregierung angekauft und durch wesentliche st a a t l i ch e Z u s chü sse i st der Preis stark gesenkt worden. Die Stiefel werden ohne den lästigen Bedarfs- schein in der Kleider-Verwertungs-Gesellschaft verkaust. Die Kleider-Verwertungs-Gesellschaft beabsichtigt eine Neu- ordnung ihre? Betriebes vorzunehmen, um den immer stärker werdenden Anforderungen gerecht' zu werden. Es wird geplant, das Gesaintpersanal in zwei Schichten arbeiten zu lassen, um hier- durch zu ermöglichen/ die Räume von morgens 3 Uhr bis zum späten Abend offen zu halten. Der werktätigen Bevölkerung wird hierdurch Gelegenheit gegeben, außerhalb der Arbeitsstunden die notwendtge Bekleidung für den kommenden Winter tn der Kleio-er- Vecwertungs-Gesellschaft einzukaufen. Gegen übereilte Aufhebung der �leischbewirtschaftung. Die Lebensmitteldepurntion des Magistrats und der Siadt- verordneten von Berlin hat an den Volkstvrrtsckiaftlichen Ausschuß V des Reichstags ei» Telegramm gerichtet, in dem sie in letzter Stunde noch einmal ans da? dringendste bittet, von übereilter Aufbebung der Fleischwirtschaft abzusehen. Von den 2 Millionen Tonnen Getreide, deren Ansammlung ber Ernäkrungsaukschuß zur Bedingung der Aushebung gemacht hat, ist erst ein ganz kleiner Bruchteil vorhanden. Also besteht Unsicherheit und Ge- fahr auf den wichtigsten Ernährungsgebieten. Uuzweifelhatt wird die Freigabe ein sehr starkes Anschwellen des Preises vefttrsachen. Wir erwarten, wenn Nahrungsmittel und Teuerung. Kohlennot und Arbeitslosigkeit zusammeutreffen, einen de' schwersten Winter seit Kriegsbeginn. Wovon leben Staatsanwälte? Ein Leser unieres Blattes äußert in einem Brief an uns die Vermutung:„Ich glaube nicht, daß der Staatsanwalt noch am Leben wäre, wenn er nur von seinen zugewiesenen Nationen leben sollte." Das Bild eines nur mit den rationierten Lebensmitteln sich nährenden Staatsanwalts ist vor dem geistigen Auge dieses Uu- menschen aufgestiegen, nachdem er einen seiner Frau wegen Kartoffelhamsierns übersandten Strafbesehl gelesen � hafte. Jn dem Brief meldet er uns, daß eine Nachbariamilie von einem aus der Provinz mitgebrachten Zentner Kartoffeln mehreren Bewohnern des Hauses je einige Pfund abließ und daß dann auf Grund einer anonymen Anzeige ihr und den anderen je ein Strafbefehl zuging. Er schließt seine bittere Betrachtung über die Strafe, die hier hungrigen armen Leuten an?- gepackt worden ist, mit der oben wiedergegebenen Vermutung über die Ernährung des Staatsanwalts. Wem: darin etwa die Andeutung liegen soll, daß auch Staaisanwälte heimlich auf die Dörfer hin- ausgeben und ihren nach mühseliger Wanderung endlich ergatterten Sack Kartoffeln am Abend auf dem Buckel bcimschleppen. dann müssen wir das doch als schnöde Verdächtigung' zurückweisen. Staatsanwälte tun das nicht, und sie hätten dazu" schon deshalb gor keinen Anlaß, weil s i e nicht von Kartoffeln leben. Der Leichenfunö am Ireibaö Nannsee. Ein neuer Fund. Die Nachforschungen nach dem geheimnisvollen Paket» träger im Grunewald haben im Laufe des gestrigen Tages wesentliche Fortschritte gemacht. Bei der Kriminalpolizei meldete sich ein junger Mann aus Berlin, der gleich dem Ingenieur aus Nikolassee am Dienstag früh, kurz nach 7 Uhr. einen Mann mit zwei Paketen gesehen hat. Die Beschreibung, die er von dem Paketträger gab, st i m m t mit der des Ingenieurs vollkommen ü b e r e i n. Er erinnert sichauch, den anderenZeugenaufdemWege vom Bahnhof Nckolassee nach dem Grunewald gesehen zu haben. Ans seinem Spaziergang durch den Grunewald hat er dann den Gesuchten noch verschieden� Male g es e h e n, aber ohne Pakete. Am Bahnhof Grunewald traf er nochmals mit ihm zusammen und bat ihn, da er eine Zigarre rauchte, um etwas Feuer. Er konnte dann noch beobachten, daß der Mann sich eine Fahrkarte löste Wahrscheinlich ist er mit demselben Zug wie der Zeuge gegen %12 Uhr in Berlin eingetroffen. Die Personalbeschreibung, die der Zeuge von dem betreffenden Manne gegeben bat, dürfte, da er denselben wiederholt traf, An» spruch aus Genauigkeit machen. Es handelt sich hiernach um einen Menschen von 26 bis 36 Jahren, der ungefähr 1.76 bis 1,76 Meier groß ist, einen Jackettanzug, vielleicht aber auch einen kurzen Sport- paletot, schwarze Stiefel und einen geknifften Hut trug, dessen Vorder- krempe nach unten gebogen ist. Als sich der Zeuge Feuer geben ließ. gewahrte er noch, daß der Mann einen blaugestreiften Selbstbinder trug und Hände hatte, die, wenn sie auch nicht als besonders ge- pflegt anzusprechen waren, so doch erkennen ließen, daß sie keine schwere Arbeit verrichtet haben, eben'o. daß er einen kurz- geschnittenen Schnurrbart halte. Das Papier, in das die Leichenteile einge>vickell waren, ist zSr Feststellung des Herstellers oder Verkäufers im Schaufenster des Maichinenlagers von Otto Scheidt, Alexandcrstr. 12, ausgestellt worden. Jn der Schönhauser Allee 32 machte am Mittwoch abend ein Postbeamter einen Fund, der wahrscheinlich mit dem Verbrechen im Zusammenhang steht. ES handelt sich um eine große Tüte mit blutigen Kleidungsstücken. Die Tüte stammt von der Ebemischen Waschanstalt von Mbert Hetz, Koloniesir. Sl/93. Bemerkenswert ist. daß sich in einem der im Grunewald gefundenen Pakete unter dem EinwicklnngSpopier ein� Ausschreiben der Chemischen Waschanstalt und Färberei Spindler befand. Die Tüte enthielt eine schwarze Bluse, die an mehreren Stellen Löcher aufwies, die durch irgendeinen gewalt- iamen Eingriff entstanden zu sein scheinen, lerner zwei Damen- Hemden und ein Paar D a nt e n st r n in p f e, die stark mit Blut besudelt waren. Wenn dieser Fund mit dem Verbrechen im Zusammenhang sieht, ist anzunehmen, daß zwischen dem Mörder und ieinem Opfer ein Kamps stattgesunden bot. Das Lichl der Heimat. Slj von August Hinrichs. Ihre Hand, hart und verbrannt von Sonne tmd Arbeit, und doch schlank und wohl�eformt, legte sich schützend um das seidenweiche Haar des trinkenden Kindes. Jn diesen, durch ihre schöne Pflicht erzwungenen Ruhe- pausen ließ sie die Gedanken laufen, wohin sie wollten— bald weit voraus, bald wert zuriick. Man sollte sagen, eS gäbe vorauf nicht viel zu denken— war nicht selbst diesem trinkenden Kinde schon ein fester Weg bestimmt— viel zu arbeiten und, wenn eS gut ging, ein kleiner Heidebauer zu werde»? Und zurück— gab eS da s« viel, waS sie l»cke» kvnrite? O nein, das nicht. Kber es war nicht alle? eben, vieles in ihrem Leben war ihr selbst unklar geblieben in seinen heim- lichen Zusammenhängen, und nun liefen ihre Gedanken immer daran auf und nieder. Dan vergaß sie fast, daß sie ihr Kind an der BrusHiegen hatte, und mußte sich ntanchmal wirklich erst wieder besinnen, wenn sie aufstehen sollte. So achtete sie gar nicht darauf, daß der Mann, der vom Weg her in den Garten trat, nicht Harm war. Der Voßbauer aber, da sie ihn nicht bemerkte, blieb stehen und sah sie un- � verwandt an. Immer, wenn er a» Meta Heyen gedacht hatte und die Nacht, die er einmal mit ihr durchianzte, gab es ihm einen schmerzenden Stich. Teufel, war das ein Mädchen gewesen. Als er nun heute den weiten Weg nach seinem großen Heideland hinauslief, weil er plante, es mit der Zeit auf- zuschließen stockte er bei ihrem Hause. Schließlich waren sie Nachbarn, warum sollte er nicht einmal vorsprechen? Vielleicht war ihr bas Leben mit dem guten Harm auch langweilig geworden. Mit einem mitleidigen Lächeln war er ins Hoftor ge- tretvn— er, der gewichtige Bauer zu dem kleinen Kolonisten. Was für ei» armseliger Betrieb hier. Er schüttelte den Kopf, — na, was mochte au» dem stolzen Mädchen fiir eine Frau geworden sein— so ging eS dann— ichade! Und jetzt sah er sie plötzlich vor sich. Ganz still stand er und rührte sich nicht, schlaff sanken ihm die Anne herab. Ach, was für ein kleiner, elender, niedriger Kerl war er gewesen, dies Weib je zu beleidigen. O, Meta Heyen, ans Kreuz geschlagene, mütterliche Dulderin, was für schmerzenden Träumen sinnst du nach? O, du Königliche, wie weiß leuchtet deine Brust aus dem groben Gewand. O, du Stolze und Hohe— warum flohst du vor nur? O, Meta Heyen! Wie erbärmlich war es, sie zu belauschen, da sie ihn nicht bemerkte I Er wollte sich bewegen, sie anrufen, aber er konnte es nicht, weil er fürchtete, dies Bild zu verlieren. Und doch— hatte er nicht gerufen? Langsam wandte sie de« Kopf nach ihm hm. Und jetzt erkannte sie ihn. Ihn, an dem ihre Gedanken jedesmal hängen blieben, wenn sie rückwärts liefen, ihn, der sie hatte beleidigen, ihren Stolz demütigen, ihren freien Willen brechen wollen. Begriff sie nicht, wer da vor ihr stand? Unbeweglich starrte sie ihn an und war so überrascht, daß sie vergaß, aufzuspringen und in ihrer hilflosen Stellung, das Kind an der Brust, sitzen blieb. Dem Boßbauern kam rasch wir, Selbstbewußtsein zurück. Lächelnd trat er näher und wollte sie anreden, da richtete sie sich auf und stand groß und schön vor ihm, und der Zorn funkelte aus ihren Augen. „Meta"— sagte er etwas unsicher und wollte sich rasch verbessern, aber sie fiel ihm ins Wort: „Gehen Sic!— Gehen Sie!" Gebieterisch. Da begriff er plötzlich, erst jetzt, wie tief er sie bamgls verwundet hatte— wie stolz mußte sie sein! Sie stand hoch über ibm. „Gehen Sie!" „Meta— wollen Sie denn nicht endlich einmal der- gessen."— »Nie— niemals I" Ach, wie sie v«r ihUi stand. Er dachte an Dina, die ichlaff und welk war nach ihrem erste» Kind. Wie kraftvoll, wie schlank und groß stand diese hier ausrecht. Das forderte.seine eigene Kraft heraus. Nein, er durfte sich nicht demutigen lassen, er wollte nicht! „Meta, wir sind Nachbarn geworden"— Aber sie hörte nicht, sie wollie nicht auf ihn hören, ob- wohl sie sah, daß er nicht kam, um sie zu demütigen, daß seine Augen bettelten. „Gehen Sie!" Mit zuckenden Lippen stieß sie es heraus. Wie schön sie war. Er war fast stolz, daß ihr Haß sich to lange mit ihm beschäftigt hatte. Warum vergM sie ihn nickt? Oder konnte sie ihn nicht vergessen? „Meta, warum jagen Sie mich weg?" Seine Stimme klang zärtlich, ehrlich betrübt. „Gehen Sic!" Sonst konnte sie nichts sagen, sie brach! e nichts heraus. Das alte Siegerlächeliu spielte um seine Lippen. Er trat noch näher und sah sie unverwandt an. War das ein Verbrechen, ein so schönes Mädchen in den Arm zu nehmen?» Wie seine Airgen sie umsingen— sie fühlte seinen be- wundernden Blick und empfand mit heißem Schreck, daß sie noch immer mit halkentblößter Brust dastand. Scham und Stolz schlugen ihr jäh das Blut ins Gesicht. Einen einzigen Schrei stieß sie aus. Drohend, mit ans- gestrecktem Arm stand sie vor ihm und wies ihn zum Tor hinaus. Da fühlte er, daß er sich nicht überwände und wandte sich langsam um. Sie blieb unbeweglich stehen, mit ausgestrecktem Arm. bis er den Weg erreichte. Ohne sich umzusehen, ging er fort. Da sank sie auf die Bank nieder, mit zitternden Knien. und war ganz verstört und blas/ Das Kind weinte in ihrem Schoß, sie achtete nickst daraus. Sie vergaß, daß sie arbeiten mußte: unbeweglich, mit schmer- zenden Augen, sah sie über die Heide. Drüben über dem Busch des Voßbnuern sank die Sonne als feiierfarben? Scheibe. Die Wolken färbten sich gliihendrot — der ganze Himmel stand in Brand. � Mitten in diesem Glühen ging ein Mensch groß und aufrecht über die Heide, dem mußte sie nachsehen, wie ihrer: Schicksal.--- Als'der Voßbauer spät abends beim kam, fragte ihn seine � Frau:„Du mußt doch draußen an Folrers ihrem Hof vorbei- gekommen sein— hast du was von ihnen gesehen?" ..Harm war nicht da," sagte er kurz und setzte sich hm zu essen. cFortt. folgt.) Auherdkm Würbe der Kriminnlpott�ei nodö ein blutdeipritzler Horrenhul fibeibrarbt, der einem Reimiiun�siniliiul zur Säubeiunci übergeben war. Die Annahme, dah dieser �nnd mit dem Verbrechen im Zaiammenhang siebt besiäiigte sich nicht, er stammt. Wie festgestellt werden konnte, van anderer Seite. Ein Irauenmord in Potsdam. Arn Mitiwoch abend wurde die unverebeiichle. 62 jährige Agnes 'S t e i n b e t p au» Poisdam in ihrer Wohnung in der Verliner Slrasie auf dem Sota' liegend i o t aufgeiunden. Der Kvi'f war auf ein Sosalissen nebeltet. Um den Hal» war eine rote G a r d i n e n s ch n u r, durch diele wiederum eine Rouleauichnur neschliiiigen. die am Fersler befistiqt war. D>e Tote halle um v er Uhr noch au» dem Fenster geiehen. Es liegt ouscheineud Naubmord vor, weil sämtlicheSchmu et lachen fehlen, darunter eine goldene Damenubr mit Brillanlen, ein Br'llanl- arniband, eine Brivaiilbrosche. in- und ausländische Münzen- ©eitern vorinillag ei schienen der Eiste SlaaiSantvall Petzinger und der Untersuchungsrichter v. Bon in am Tatort. Ein Berliner Einbrecher in Lvtschen erschossen. Au einem schweren Feuerkampf kam es in der Nacht zum Donnerstag in Latschen im Kreise Teltow zwischen einer vicrköpfigen Berliner Einbrecherbande und einem Forstbeamten. Ter Beamte überraschte die Bande bei einem Einbruch im Dorfe. Ms er sie festnek-meit inMte, schössen die Verbrecher auf ihn, statt sich gelangen zu geben. Ter Forstbeamle, der nicht getroffen wurde, feuerte letzt auch auf die Einbrecher und traf einen so schwer, dasi er t o t zusammen- brach. Die anderen ergriffen jetzt die Flucht. Bei ihrer Verfolgung pelang eS, einen der Täter festzunehmen. Seine Persönlichkeit lieh1 sich nech nicht feststellen. Ter Erschosiene ist ein Arbeiter Hermann Büttner aus der Kaiser-Frieorich-Etrage in Neukölln, der der dortigen Kriminalpolizei als Einbrecher bereits bekannt War. Volkskunst in Lichtenberg.. Für den Winter 1920�21 plant der Stadiische Ausschuh für BolkSunterhaltung in Lichtenberg ein," Reihe von Volkskunstabenden und SonntagnachmittagSvcranstal� tungen, an denen folgende Kunstkräfte mitwirken werden: Blüibner- Orchester, Lichienberger Volkschor mit Orchester, Hecking-Trio sKammermusik), Trio der Herren Kestenberg-Lambinon.Aeelander, Ludwig Hardt, Josef Plaut, Dr. Mar Burgbardt, Emil Kühne, Direktor Friedrich Kahhler), Ludwig Wüllner, Eouard Mörike, Hilde Engel. Ter Eintrittspreis für den Einze�abend beträgt S,6l) Mark, doch können auch bis zum 26. September Vorzugs- karten zum Preise von 8 M. erworben werden, die den Besuch von 8 Volksunterlaltungsabenden zum«rmähigten Preise von 2,69 Mark sicherstellen. AuSsobcstellen für Vorzugs- und Eintritts- karirn find: 1. Städtische Schulabtestung, RalhauSstr. 19, Baracke 2. 2. Buchhandlung Sacritz, Frankfurter Allee 206. 3. Tbeaterküllett- verkauf, lvküggelstr. 2. 4. Buchhandlung Jacob, Marktstr. 1. 5. Buchhandlung Kühn, Wilhelmstr. 18. 6. Buchhandlung Most, Frankfurtex Allee 138. Groß-Serliner parteinachrichten- Heute, lv. September: 7. Abt. 7 Nbr bei Sauer, Ecke Bäiwald- und Bergmannstraße. Sidung der BezirkSsührer und VertraueiiSIeüte, Elteinbeiräre, fornie aller Delegierten zur Verlreteroeisaminlung deZ KreiSiaics. L7. Abt. 7 Uhr Mliglledeioersammimig im ArluShos, Perleberger Straße 26. Ref. Dr. Aechlln: Die inieinaiiciinle Lage. Sozlaldemokrati'cher M innerchor.(Prenz.auer Tor.) 71/, Ubr lUbungSflimbe bei Pieistn, Staigarder Sir. 3. SangeSkundige Genossen der 23, 24, 28. und 28.-32. Abteilung imlllommen. Mvrgen, II. September: Zeperntck-RSnigental. 7'/, Uhr Rütoliederversammliing bei Keß. Panischlog. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Mstglieder ist Pflicht._ ttÜ �ugenüveranstaltungen. Heute'/j» Uhr: Ebarlottenburg- Jugendheim Rosinenstr. 4. Leseabend.— Moabit- Jugendheim. Woldenjeislr. 21(Schule), Po'.Nag:.Erße H-Ise bei Uniallen». — tstiebcichönbaufcn: llugciidheim, 1.(Lemeindeichule, Blankenburacr •Slrage 69/70, TislussioiiSabcnd.— Nordosten: Juqendbeim. Realichule. Valii-uiftr.-l4itS, BorNag: ,Wa» ist und will der Sozia. iSmuS?'— Ollen rvetersdurger Viertel): Jugendhelm. Stiaßmaiinstroße 20, Vortrag c „August Bebel".— Pankow: Jugenddeim. Knabenmittelichiile. Wollank- 'irage 131, Vortrag.— Retnickendorf-Oft: Lokal Ulliich. HauSoitvstr. 43. istadchenabend— Süden: Jugendheim. Jugendklubzimmer,'ttemeinbe- 'chule. Äilmsstr. 10, Dlskusiiaiisabend:.Die volitische Lage".— Drepiow. Vai?iisch»le»weg: Jugendheim. Elienstraße 3, Portrag:.Schiller".— AZethensee: Jugendheim, Woelck-Promenade 1: Mitgliederversammlung. vortrage, vereine unö Versammlungen. »teichöbuild der Kriegsbeschädigten, Gau Groß-Berlin. Berlin SW.' Lwdenstr. 114. Sonistag Im Zenlial-Theater, Alte Jakobslr. 31/32, nach. milinn-S 3 Uhr, Tbeateroorslellung:.Veifluqt iei btr Acker", von Straston und Nespilal Karten Lindenstr. 114. Ill und an der Kalle zu haben.— Proleilversammlung Sonnlag vo> mittag 10 Ubr in der UnIonS-Dlaucrei. Haienheide 30.32, Mgeii die Schäden und Uiigerechllgkeit des neuen Reichs- veiiorgungSgesetzc.Z) Rejerent Kam. Bader.— Verband iozioliftücher Lehrer. D�e für beule augeiaglen M issenversamniiim-c» müssen aus. fallen.— Scnnabend Bestchligmig d»S S:ziebuiig«be!ms Lindenbof. Treff- plintt Batznhoj FriedrichSielde 5 Uhr. Elleinbeträie sind eingeladen. WtrtsthQft Stabile Dividenden., Gut geleitete kapitalistiiche Unternehmungen haben immer den grötzten Wert darouf gelegt, ihre Dividende zu stabilisieren. sie möglichst dauernd in g l e i ck e r Höhe auszuschütten, weil sie bierdurch am wirksamsten ein festes Vertrauen in die Solidilüt der Unternehmungen und der von ihnen ausgegebenen Aktien usw. be- gründen konnten. Unternehmen wie die A. E.©., die Deutsche Lank uiw. stehen beim kapitalistischen Publikum deshalb in be- ionderem Ansehen. Aengstlich werden von leiten der Aiiiengesell- schafien oft sehr wichtige Ausgaben, Jiivestierungen, unterlassen, wenn sie sich erst später verzinien und solche Ausgaben die AuSschüitung der nächsten Dividende beeinirächiigen könnten. Es ist eben das Kennzeichen der kapitalistischen WirlschastS- Weise, daß die Kapitalrente, und zwar die Erzielung einer möglichst hohen und gleichmäßigen, die wichtigste und vornehmste Sorge der Wirtschastssllhrer ist. Gegenstand viel ge- ringerer Soig'e Jüt den Unternehmer ist die Stabilität der Beleg« schuft. Abgesehen von dem unentbehrlichen Arbeiieistamm, wirb die Arbeiierichafi beliebig vermehrt oder veimindert, gerade Wie eS die Erhaliiing der Stabilität der Dividende erfordert. Für den kapitalistischen Uniernebmer ist der Arbeiter.Ware', die man kaust und wieder abstößi, je nachdem es den Kapital- interesien dienlich ist. Es ist klar, daß die Leichtigkeit. Arbeits- Iräfte zu entlassen, die auch trotz de» BetriebSrätegesetzeS besteht. dem Unternehmer die Möglichkeit bietet, der Siabilisierung der Dividende weit größere Sorge zuzuwenden als der Siabilisierung der B e l e g f ch a f t. Austräge, die keinen Gewinn versprechen, werden abgelehnt, weil sie zur Stabilisieiung der Dividende nicht beitragen und die Stabilisierung der Beleg« schuft nicht unter Fwang steht. Die Gesetzgefhing auch der nach» revolutioiiäre» Zeil Hai hier verlagt, es ist hier unterlasse» woiden, die AuSiebütiung der Gewinn« an bestimmte Bedingungen zu knüpfen, an die Bildung von Reserven mit der Bestimmung, daß sie z�ir Stabilisierung der Belegschaft zurück- gestellt werden müssen. Hiei durch wäre der Arbeiter au» seiner Stellung al» Objekt deS UnternehmerkapiialS, daS beliebig zur Stabilisieiung der Rente veiwendel werden darf, befreit worden. Heute erklärt der Unleniehmer, bei dem gegen die Enilasiung von ArbettSki ästen Eiiiiprnch erhoben wird, einfach, daß das Geld zum Durchbaiien der Belepfchait nicki vorhanden sei. Es ist eben rechizeiiig al» Gewinn der Uniernehmung entzogen worden. Die Bildung der Reservefonds geschieht gewöhnlich bück- mäßig, d. h. die B träge werden auf der Schuldenieite eingekctzi. Kommen die Uviernehmer in schwierige Lagen, dann sind die Ne'erven verichwiinden. Deshalb müßten solche Reseiven zur Stabilisierung der Belegschaft herausgezogen werden, wie die Gewinne herausgezogen werden und an sicheren Siellen in Beikiitchaii liegen. Heule etfiölt sie der Kopitalist, der. wenn da» Unteniebmen Geld braucht, sie als neues Kopital dem Unternehmen wieder zur Veriüpung stelli, damit die Rente wiederum Rente bringt. Aber»» steht in seinem Belieben, ob er die Renle demselben Unternebmen. daS ibm die Rente bei- dient Hai. Wieder zuführt, damii Arbeiier an ihm weiterbeschäfiigl werden können; er kann die Rente ebensogut zum Ankauf mexi- kaiiischer Sladianleihen verwenden oder sich damit in Sizilien eine Villa bauen. Eni Zwang für den Unternehmer, seine Belegschaft zu stabili- sieren, würde allerdings die Folge haben, daß Veirnebrungen der Belegschaft nur dann statifäuden, wenn dauernde Beschäftigung ge- sichert ist. Der jetzige Zustand, daß Riesendividenden ausgeschüttet werden und darauf die Arbeiter wegen BeschäftigungSmangel ani die Siratze fliegen, zeigt die ganze Ohnmacht de» ProleiariatS der kleinen Kapiialistenschicht gegenüber. Die bisberige Besteuerung der Gewinne ist völlig unzureichend, ihre Schoirung im Jnteresie einer Bildung neuen Kapital« nur dann gerechtfertigt, wenn Garantien gegeben sind für die richiige und soziale Verwendung dieser ouS nicht verbranchier Rente verbilebcnen Beiräge. Siabilisieniiig der Belegschaften muß die Forderung sein. Um sie zu ermöglichen, müssen alle Unlernehiniingen zu Rücklagen gezwungen werden, deren Einsetzung nicht von dem Profil- Hunger der Kopitalislen abhängig sein darf. Die Unier- nehmung, der Betrieb, muß al» Zelle der Gesamtivirlichast betrachtet und sichergestellt werden. Es könnte vieles ander« sein als eS heule ist, es liegt nur an dem Wollen. Auf dem Wege der Planwirtschaft, der Zusammenfassung der Wutichastsziveige und einer genieinwir'.schastlichen Verwendung der Piofite müssen wir dahin gelangen, daß zuerst für den Arbeiter, seine geregelie Be- schästigung und sein Wohl gesorgt ist, anstatt für dt« Dividenden und sonstigen Profite. Betriebsräte gegen Ist Proz. Dividende. Der Zcnlralrat der BeiriebSräie Nürnberg nahm Siel- l u n g zu der Verteilung einer Dividende von 49 Proz. durch die Tasel-Salin- und Spiegelglasfabriken A.-Ä. in Fürth und stellte laut.Köln. Ztg." bei», SlaatSministerium der Justiz den Antrag, die Siaatsanwalllchaft anzuiveisen, gegen die Firma sofort ein Verfahren auf Grund der W u ch e r g e s e tz- g e b u n g zu eröfinen. In der Begründung ist u. a. daraus hui- gewielen. daß die Geielltchast im Voi jähre 35 Proz. und in Jahre 1918 25 Proz, inSge'amt also in drei Jahren 199 Proz. Dividende ausschüttele und daß außerdem d'.e verösteni lichten Bilanzpollen er- kennen lasten, daß der eigentliche Gewinn der Firma ein be- deutend höherer sei._ Wo bleibt der deutsche Margarinetrust? In Nr. 444 de?.Vorwärts" brachten wir die Nachricht über die Gründung der.Deutschen JürgenSwerke Ak- t i en g e s e l l scha st" in Hamburg Hierzu erhalten wir folgende Einsendung: ..Das Interessanteste an dieser Gründung ist der angegebene Zweck d«S neuen Unternehmens: Sicherstellung der deut. schen Fettvers drgung. Diese Aufgabe hatte bislang der ReichsauSschuh für Oele und Fette. Nachdem das Reichs- ernährungSministerium zur Beseitigung der Zwangswirtschaft auf dem Oel» und Fetigebiet die Auslösuna des ReicheauSscbusseS gefordert hat. haben die beteiligten Industrien den Vorschlag gemacht, einen SelbstverwaltunaSkörper mit Unterstützung des Reiches zu bilden, um die Beschaffung der für die Oel- und Fettindustri« notwenidigen Rohstoffe, die fast aus- schließlich aus dem Auslande bezogen werden müssen, zu ermög. lichen. In den Industrien ist man überzeugt, daß in freier Wirtschaft die einzelnen deutschen Unternehmungen finanziell nicht stark genug sind und nicht über genügende Kredite ver- fügen lännen. um ausreichend- Rohstoffmengen zu beschaffen, dag vielmehr die deutsche Industrie von den finanziell in günstigster Lage sich befindenden großen ausländischen Konzernen über den Haufen gerannt werden wird. Obwohl die Regierung es sich angelegen sein lassen müßt«, die rem deutschen Unterneh- mungen lebensfähig zu erbalten, schon um sie nicht als Steuer- quellen— die Ausländer machen ihre Gewinne im Auslände und nicht in Deutschland— zu verlieren, scheint si« den deutschen Plänen wenig günstig gegenüberzustehen. Die Gründung der deu: schen JürgenSwerke A.-G. und die vor einiger Zeit erfolgte Gründung der Generaldireklion der van den Bergh-Werke in Berlin sind der Auftakt zu dem Vernichtungskampf gegen die deutsche Industrie,' dessen Ausgang infolge der Ungleichheit der Waffen nicht zweifel- hakt sein kann. Nicht lang«, und die gesamte deutsche Fcttver- sorgung liegt in der Hand der mächtigen auSlöndrschen Konzerne, die dann ein völlige? Monopol.zur Sicherstellring der deutschen Feiversorgung" aufrichten. Auch der deutsch« Ueber- seehandel dieses Gebietes ist bgnn erledigt, da die Konzerne den Robsiossbedars ihrer deutschen Fahrilen durch ihr« eigenen über. seetschen Einkaufsunternehmungen und aus eigenen Pflanzungen decken. Die Allgemeinheit ist an den Vorgängen aufs stärkste inter- essiert, und man darf wohl annehmen, daß sich auch der Volks- wirtschaftliche Ausschuß des Reichstages und des Reichs- wirtschafisrates mit dieser Angelegnheit baldigst beschästigen werden." Wir haben seit langem die Vertrustung der deutschen Margarineindustrie in Gestalt einer gemeinwirtschast- lichen Produkt ionsgemeinscha st gefordert, weil die jetzig« Eni- Wicklung vorauszusehen war. Heute ist es vielleicht schon zu spät, denn ein großer Teil der deutschen Fabriken und speziell große Vertriebs geschäfte sind heute schon völlig im Besitz des holläntnsch-englrsch«» Kapitals. Fortschreitende Konzentration.' Erste Jnterrsscnverriuigung deutscher Malzfabriken A.«. i. H. in Arnstadt. Unter vorstehender Firma giündeien eine Anzahl mitleldeuticher Malzfabriken unter Führung der Anisiädter Malzfabrik H. u S. WinveSheim in Arnstadt und der Attienmolz-abri! Cönneni eure neue GeffDicbast, welcbe unier Stillegung der schwächeren Betriebe die Malzkonlingente gemeinsam in den leistungsfähigen Fabriten de« Konzern« verarbeiten will.. Zu den neuen Verschmelzungen in der Dortmunder Lrauindustrie hören wir, daß die Dortmunder Unionbranerei außer der Dortmunder Biktoria-Brauerei auch die Dortmunder Löwen« Brauerei übernehmen wird. E. A. F. Kahlbaum A.-G. in Berlin. Durch die Einsührung des Branntweinmonopols und die Gestaliuna der politi» schen und winschatilichen Verhältnisse ieit dem Wassenstillstand und Friedensschluß bat sich die Lage der Sp.rituSindustrie von Grund ans geändert. Wie die Verwaltung in dem Piotpekt über?'/, Mill. Mark neue Aktien aussührt. hat die Gesellschaft es sür richtig ge« hallen, die Spirilusfabriken in Adlers hos und Lichtenberg zunächst für zehn Jahre an die Reichs- nionopolveiwaliung für Branntwein zu verpachten. Der Pachtzins gilt zugleich als Entschädigung für die Stillegung der der Gesellschaft verbliebenen Fabrik in Magdcbuig. sowie für die Ausgabe der der Gesellschaft" aus dem Branniweiiinioiiopolgesetz bezüglich der Reinigung von Spiriius zustehenden Rechte. Die Posen er Fabrik wird zurzeit sür Rechnung der Gesellschaft betrieben. Der Absatz bei der Ehe« mischen FabrikE A. F Kahlbaum G. m. m. H. sowie detjenlg« in den Wein- und Lilörstuben war bis vor kurzem zusriedenstellend. Mus aller well. T>« l�pfer von Maricnslel. Bei den AufrZumungSarbeiien an der llngkücfsstätte zu M a r, e n s i e l sind bisher IS Tote festgestellt worden, darunter die bereits gemeldeten iüns Feuerwebrleuie. Acht Leichen wurden bieher geborgen. Als schwerverletzt sind 12. nicht 21. zu ver- zeichnen, leichtverletzt einer. Die AufräumungSarbeilen find noch nicht beendet. ES besteht die Möglichkeit, daß noch zwei oder drei weitere Leichen unter den Trümmern liegen. Die Geiahr einer Weiierverbreilung des Feuers ist jetzt beseitigt und die Arbeit dürkt« Freiiag wieder aufgenommen werden. Die oldenburgische StaatSregierung protestiert beim Reichskanzler dagegen, daß noch immer MunitionSlaaer dicht an Städten liegen. Sie drahtet sehr treffend:»Die zuständigen Stellen wickeln ab und wickeln wieder auf und kommen nicht zu Ende. Alle Munilion ins Wasser zu werfen, wäre besser." Der brave Kartoffelbauer. Eine recht angenehm berührende Mineilung eines Gutsbesitzkr? liest man im»Melier Kreisblail": .Meine lieben, werten Arbeiter de» Kre'seS Messel Jch�Uitter- zeichneier, bin gern bereit, den Ueberschuh meiner diesjährigen Kartoffelernie, den Zentner iür 15 M., abzugeben. Tie Anmcl- düngen haben vom 19. bis 15. September zu geschehen. Die- jenigen, welche von mir Kartoffeln beziehen wollen, haben bann eine bebördliche Bescheinigung mitzubringen, daß eS ihnen wegen zu geringen Verdienstes oder Krankheit in der Familie schwer fällt, den festgesetzien Wucherpreis zu zahlen. Sollte«? einigen Familie» schwer fallen, auch diesen Prei« zu zahlen, so bin ich noch bereit, wenn sie den behördlich bescheinigten Nachweis er- bringen, eine kleine Ermäßigung eintreten zu lassen. Liebe Kollegen der Landwirtschaft des KieiieS Melle, ich richte an Euch olle die dringende Bitte, ohne Ausnahme diesem Bei'piel zu folgen, damit der Kieis Melle der erste Kreis ist, der au» christlicher Nächstenliebe die schweren Wunden, welche zwischen Stadt und Lans geschlagen sind, heilt. Folgen Sie meinem Beispiel! Wißmann in Westendorf bei RiehmSloh." Al>o von landwirtschaftlicher Seite wird hier der Wuchercharakier «er Kartoffelpreise offen zugestanden I DaS Geheimnis von Cretvehouse. Der Gehilfe N o r t b e l i f f S in der Leitung der englischen Kriegspropaganda. Sir Eampbel Stuart, hat die Geschichte der eng tischen Propaganda in den feindlichen Ländern während des Krieges unter dem Tiiel»Das Geheimnis von Crewehouie" erscheinen lassen. Au« dieler Darstellung geht hervor, daß der große Propaganda-Feldzug erst Aniang 1918 beschlossene Sache und vor ollem gegen Oesterreich gerichret war. Die Zentrale war im italienischen Haupiquarner. Von dort au» wurden in Flugzeugen die Flug« blätter in tschechischer, polnischer, kroatischer un» rnmänischer Sprache verleilt! ibr TeP wurde von Unterausschüssen festgestellt, denen VollSgenossen und U e b e r l ä u i e r de» z» beeiiiflusieiiden Truppen- teils angehöiten. Die Propaganda arbeitete auch mit dem Gram» mophon; zwischen den italienischen und österreichischen Gräben wurden die NalionaUieder der zu beeinflussenden Völker gespielt. Der Tod im Stollen. Auf der Konkordia-Grube bei Zabrze- Hindenburg gerieten, als im AndreaSflötz ein schlechter Wagen a»S- rangiert werden sollte, mehrere Förderwagen in« Rollen, rasten mit größter Schnelligkeit bergab und überraschten auf der Sirecke mehrere Grubenarbeiter, von denen drei getötet und zwei schwer verletzt wurden. Ans der Bergtour erfroren. Bei Besteigung de? Grünen Steine? in den Bergen OberbayernS sind'vier Münchener G v m- n a s i a st e n iii'olge de« starten Schneesturme? erfroren. Bis- her hal man eine Leiche auffinden können. Schwestser Soldaten»nr HeimkehrerhUfe. Eine große Anzahl schweizerische Soldaten gehen jetzt in? Ausland. Sie lallen an der Erpedinon teilnehmen zur Heimschaffung der noch in Rußland ver- bliebcncn Kriegsgefangenen. Der isammelplatz ist Berlin. Die fl.v.8Z.p.v, fRichirge unverfälschte Sowjet- Soldaten-Partei Deutschland») wird demnächst ein eigenes Organ herausgeben, das in Anlehniiirg an ein betaunle« italienische« Blatt.Der Meschuggero" heißen ioll.__ Sport. Rennen i» skarlsborst. 1. EggerSdorfer Hürdenrennen. Jl 000 M.. Disi-N, 2400 Meter. 1. Tanalan(£. Teichmann). 2. Orlo« lH. Scholz), 3. Landvogt(K. Müller). Ferner Men: Komponist(4), Ludoivita, Noibiemsc. Oberon. cSondlcr. Toto: Sieg 21: 10. Platz 12. 13, 14: 10.— 2. V r e i- v» n T-> m s e l. Edrenprei» und ll 000 M., Distanz 4000 Meier. 1. Da« Pupperchen!Hr. v. Keller), 2. Eberesche(Hr. v. Herder). Ferner liefen: Eonnenburg(ouSgebr.). Solo: Sieg 32: 10.— 3. Jubiläum». Jagdrennen. Threnprei» und 30 000 M., Distanz 4200 Meier. � 1. Frei(P. Lewicki). 2. Feierabend l.H. Teichmann). 3. Onix(Buchbol,). Ferner Uesen: Hcro<41, Minima�. Schipper, Pbanlast, Tivoli laes.), Flieger (angeb.). T- i o: Sieg 32 i 10. Platz 12, 12. 14: 10.—"4. Burg- graten..�üröcnvennen>6 000 M. Dinanz 3000 Meier. 1. Laub- iiosch(W. Müller). 2. Luciier(Dtzdr), 3. Hunue(Wurst). Ferner ttcicn: Laueelol<4). Wehrpflicht. Hngomaizzony. Mohammed, Grazioso. Naleweis,. Hexengold(ausgebe, und gej). Cdriswph(ges.). Toto: Sieg 4S: 10, Piatz 18, 17, 33; 10.— 3. P r e l» vom S t r a u» s e e. Ehrenpreis und 11000 M., Distanz 8600 Meier. 1.?hillvl(Hr. 0. Keller), 2. Robert ,Hr. v. Herder). Ferner liefen: W-ndekre>z(g�.). Dolo: Sieg 16: 10.— 6. Ost bahn- Jagdrennen. 1 1 000 M.. Distanz 3200 Meier. 1. D.lde (EDlct), 2. Salrop(Hr. v. Kellerl. 3. Landrat(H. Teichmann).-Urner liejeu: Larissa(4). Fabrwobt. Wilibena, Schakal. Theorie(gel). T 0 r 0: Sieg 40: 10. Pia» 14. ich 13: 10.-7. Jubtliums- Ausgleich. Ehrenpreis und 30 000 M., Distanz 2000 Meter. 1. Palestro(Danel), 2. Oioet,(A. Fischer), 8. Parlber. ID. Schmidt). Ferner Heien: Eoltbu« (4), Springer. Don»inlou,«igesui. Marmaro». Sieben»läier. Sailo Grotte, Othello, Schwerenöter. Toto: Tieg 103: 10. Platz 26. IS, 1b: 10 silrbctter-Radialirer-Brrein rttrofl Berlin. Sonntag früh 8 Ubr:- Tour nach Lrebeuivalde. Nachm. 1 Ugr: Mühteubeck. Start: Mariannen� platz. / Staötverorönetenversammlung. Die alte Berliner Stadtverordnetenversammlung"hatte gestern eine reichliche Tagesordnung zu erledigen, aber sie hielt sich nicht lange dabei auf. Ten meisten Borlazen wurde wortlo» zugestimmt. und nur bei einigen kam es zu Erörterungen. Zwei Lerhandlungsgcgenstände berührten die leidig« W o h- nungSfrage. Der Magistrat beantragte Uebernahme de? Ver- mügcnS deS Vereins zur Verbesserung der kleinen Wohnungen, der seit langem bestanden hat und jetzt seine Tätigkeit einstellt. Ein paar Führer des organisierten H a u S- Besitzes, die Stadtverordneten Bissing und Fuhrmann, polterten los. Man merkte die unfreundlichen Empfindungen heraus, mit denen selbst so bescheidene Versuche zu Eingriffen in da» Wohnung-gewerbe von den Hausbesitzern begleitet worden sind. Ernstere Debatten konnte man von dem Antrag der Unabhängigen erwarten, der sich gegen den Weiterbestand des WohnungSverbandeS richtete und eine ander« Organi- fation zur Bekämpfung der Wohnungsnot fordert«. Doch auf die Begründung des Antrages antwortete sofort Oberbürgermeister Mermuth mit der Erklärung, daß die neue Stadt» gemeinde Berlin die GesamtrechtSnachfolgerin des Wohnungsverbandes werden soll, natürlich unter Ausschluß der nicht zu seinem Machlbereich gehörenden Teile von Teltow und Niedcrbarnim. Die Unabhängigen hielten hiernach ihren Antrag für gegenstandslos und zogen ihn zurück. In derselben Sitzung wurde über einen bereit» am 17. Juli eingereichten Antrag der sozialdemokratischen Fraktion verhandelt, der auf Schaffung von Arbeitsgelegenheit abzielte und Fortführung des Baues der Nordsüdbahn mit Hilfe von Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge vorschlug. Auch er konnte nach kurzen Ausführungen unseres Rodners zurück- gezogen werden, weil inzwischen die Sachlage sich geändert hat und die Fortführung gesichert ist. « Den Vorsitz führt Brun» fSoz.s. Nachoem die bei den Etats ver Rieselgüter und der Herrschaft Lank« 1819 entstandenen U e b e r s ch r« i t u n g e n in Höhe von 10'� Millionen Mark ohne Debatte nachträglich genehmigt sind, kommt'Ctt AuSschußvorschlag zum Antrag der U. Soz. vom 26. Juli wegen angemessener Erhöhung der Entschädigung für die Beisitzer U. Sog., vie Entschädigung auf 25 M men der Antragsteller gesallen ist. Der Antrag B a r k o w s k i(Soz.) vom 17. Deputation über die festzusetzen, gegen die Stiin- Juli, in gemischter der MieteinigungZämter zur Verhandlung. Der Ausschuß hat mit allen gegr.? 1 Stimme empfohlen, den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, wonach cS grundsätzlich bei dem derzeitigen Satz von 6 M. verbleiben fall, für nachweislich ent- gangenen Lohn ohne Verdienst aber eine weitere Entschädi. gung-bis zu 6 M. pro Stunde zu gewähren ist. Dieser AuSschützantrag gelangt zur Annahme, nachdem ein Antrag der SosisIäcmolii'St. Verein! cichlerfeläe 5. P. D. Unser Genosse Hermann Schiller. Ist verstorben. 171/81 Shr«(einen Andenken I »cf-biflung am Freitag. 1 lv.Siptember. nachm. 5 Uhr, I Partsriedbos vi-biersetde. I zahlreiche Bcteillqung er- 1 wartet ver vorslond. Fortführung des Baue» der Schnellbahn Nord-Süd besonders mit Hilf« von Mitteln der Produktiven Erwerb». losenfürsorge zu beraten, wird heute vom Stadtv. Brückner namens der Antragsteller zurückgezogen, nachdem der ge- wollte Zweck, den Arbeitslosen Arbeitsgelegenheit zu schassen, dadurch erreich» erscheint, datz die beschleunigte Fortführung deö Baues in Aussicht gestellt ist. Tie Frage der Aufbesserung der zurzeit auf Tagegelder von 21,56 M. stehenden StandeSbeamtenhilfsstellnertreter, die der Magistrat auf 16 M. bringen will, soll in einem Ausschuh daraufhin geprüft werden, ob diese Erhöhung genügt. Zun Verbillignng der Milch für die Berliner Bevölkerung werden weitere 566 666 M. bewilligt. Mit der Festsetzung des Sachwertes der Anstaltsverpflsaung auf 7,75 M.(bisher 6,26 M.) pro Kopf und Tag erklärt sich die Versammlung einverstanden, nachdem Stadtv. Dittmer(Soz.) auch bei vieler Gelegenheit für die Verbesierung der Beköstigung des Personals plädiert hat. Die Vorlage betr. Uebernahme de» Vermögens des Vereins zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin und Gewährung von 566666 M. Zuschuß zur Fortführung seine- Betriebes gibt den Vertretern de» organisierten HauSbesitzeS Bissing und Fuhrmann(Dem.) Gelegenheit zu scharfen Angriffen auf die ihren Tendenzen entgegeuwirkenocn Institutionen und Veranstaltungen. Beide fordern AuSschutzberatung. Vom Mag!» strat und von Hintze(U. Soz.) wird darauf verwiesen, daß die ! Versammlung selbst den Magistrat zu den bezüglichen Verhanolun» ! gen aufgeforoert hat. Stadtv. Wiidegan»(Soz.) legt noch be- sonders die segensreiche Tätigkeit de- Vereins dar, rügt allerdings auch, datz der Magistrat von den 566 666 M. di« Hälfte bereits hergegeben hat, ohne die Versammlung zu fragen.— Die Au»- schutzberatung wird beschlossen. Dem vor Ablauf der Wahlzeit au- seinem Amte scheidenden StMmedizinalrat Dr. Weber, der als Präsident des Sächsischen LandeSgesundheitsamtS nach Dresden ' geht, widmet der inzwischen eingetroffen« Vorsteher Dr. Weyl für seine Amtstätigkeit Worte lebhafte: Anerkennung, die die ver- größter Beschleunigung die notwendigen Schritt« zu unternehmen, um an Stelle des auf Grund des alten DreikiassenwahlrcchtS or» ganisterten WohnungSverbandeS eine der Zusammen. icßung und den Interessen der Grotz-Berliner Bevölkerung ent» sprechen'»« Organisation zur Bekämpfung de? Wohnungsnot zu setzen. z Den Antrag begründet Weinberg M. So?.), Ver die Volks- feindlichen Betätigungen dieses ultrareaktionären Gebildes Revue passieren läßt und der Sozialisierung de! Vrund und Boden», die allein der WahnuuxSnvr radikal abhelfen werde, da» Wart redet. Auch die Mltzgriff, und unfvgialen Maßnahme» mancher Miete iMigunagämter unter- zieht Redner einer scharfen Kritik; dvn der meberne» Gestaliung der Einri.-Bhrng erhofft er eine grvtzzügige volÄtümliche Woh- MingSpolitik. Oberbürgermeister Mermuth lagt dar,»aß der Wohnung-- verband mit de« 1 Oktober seine veschaste nachden Weisuu- en de» Magist ratz der neue« Sradtgemeinde erlin zu führen bat. Weinberg zieht nach dieser Gtkliirung tze» Antrag als erledigt z u r ü i.(Heiterkeit und Zurufe.) Stadtv. D, v e(Dem.): Dann war eS wohl der eigentliche Zweck de» Antra»», daß wir die Rede de» Kollegen Weinoerg an- höre» sollten.(Heiterkeit unv Unruhe.) Weinberg Verivahvt sich gegen diese Insinuation: der An- trag sei keineswegs überflüssig gewesen. Schluß 8 Uhr.__ Hilüungsveranftaltungen. :rg. Die Vorstellung im Rose-Theater findet Sonntag, nach. , statt. Die nicht»crkaujten Billett» müssen bis Sannabend abgeiieseit werden. Der weitere»erkous erftigt ti 2 Uhr im Theater vor der Betlosunz. Lichtender i mittag« 3 Uhr, statt. WetterauSsichte» kür vaS mittlere Lkorddeutschland biS Sonnabend mittag. Vorwiegend heiter, meist trocken, am Tage wärmer� nachts sehr kühl bei schwachen öglichen Winden. Ilgen Hornhaut-, Schwfelwn u, Warzen besefHgt schnell.sicher o. sehmer-zlos Kliklrol lOOOOOOfacJiöswährt Pr-efs M, 3,-Jn ApoftieKen u, Drogerien ephäirifch Vor?icbt ver Narhahmunzen. Kukirol sieht einzig da. Einladung »ur ausserordentlichen Slusschnßsitzung Mg. Mrlmlevttlse LieilerdarnZU am Sonnabend, den t». September d.?».,«ach- milkag, 2 Ahr. Im«reis- häufe in Setlln. Friedrich. »arl-Aser 4—»rolskags- fihtingsfaal—, Tanesard nun«: 1. Sknkbmlllung de»»wischen dem Verbände der äranken» lassen im V»»irl« de» Ober. »ersicherungaam!» Gror-Ber» Un und dem ssenlralverbanb der AniicfteUten. Beztrt Groß- Verl.n, abgeslhlossenen Targ- »enraa». 8. Verschiedene«. Die Herren Auaschuzmllglle. der werden»ur Teilnahme an dieser Sthung ergedenst einge- laden. l»8/lS' Berlw, den S. Sevtbr. l0A. Allg. OrtSkrankcnkasse Niederbarnim. Rcubecker. Vd-Iigenber. Dqvsez. günst. Linksuk tzhpeiae» Zivr»'»»- u.«ehla». Zimmer Küchen sowie Sinzel�ldbel zu bedeutend herabEcselzien Preisen. S.Bora,wSr- (EcKeAUeSchönhaüs.Str.) Gsunmi-fiamei manigraa, hnrsbgwetxt»nt modr'arhen mit QOrtcl. früher 700»OR ietri 690, derselbe frür.tr 590, jetzt M. tuö prima Dubelmaolcl.... Irüh-T Itio � Pfilelols 535 Covercoat» la 4«»i aeuftalen Fasson» Irilher 1000, fetzt M. Hosen Ät"öbÄ FT v trüber»100 ' jetzt M. früher»»00 Jetzt M ■n, echt modern ward.. In»lies mdgl. 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Vesunde Rvtzkakao«. deren Herbei- schafsuna in EchiffSräume» gel«»g« ist. die»tcht nach Räucheripeck. Hering und Tran au» de« chrieg»tra»»v»rten riechen, sind nur in erster Wahl zu finden UN»»arum viel teurer. Für hie Ernährung ist da» Best««ver da»»orteil» hafleste, zumal wenn die«rzielun,»er HSchfi»« Rährwirkung bei der Berarbeitun» maßgebend war. wie die« vor allem im Retckardtwerl selbstverständlich ist. Avnsumenten, die bei Kakao und Schiiolad« VretSlockunze» verfallen, blitzen e« stet» an Nährwert und Gesundheit. Wer daher das wahrhaft vtligste, als« dai Vvrteilhafteste sucht. Reichardtsadritate erhiiltllch in den«erlaufsfilialen:«nhaltstr. T; Celnjince Str. 10«; vrinjenlir. SS;»osenthawr Sir. 4»: »hetnstv. l; SpUkelmarlt»4: Ehartatt-nburg, Vtlmeroborser Slrsd« 40,-41, sowi« in all.» an Schildern und Piataten tenntiichrn tbrschätten. Sonst dtrrkttr Versand a» Itetchardlwert«andobtk. Miheifürils geg.§£eSis@,f CenrRndet»«?« Berlin S. 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W o c h e 1 Algol von Hans Brennert . und Friciei Koehne Regie: Hans Werckmeister S. .Jhertl lMZ | DerMann auf der Flasche fl Akte nach der Sovello von Gustav Msyrink mltGrltHapesa, Fritz Greinar Die aiUcksfalle 5 Ikte ticch de1, gfeichnamieen Ronita von Fedorv.Zobeliitz Hauptrolle: Lotte Neumann Kakadu und Kiebitz Lustspiel in 3 Akten mit Ossi Oswalde Jle�nlttajsJmtBe��telfe. iiSTwiP erhält Jeder bei Jöbsl-GroO1 \ Große Frankfurter i Straße 141, llnvalldenstraße ß.i Jnnfle EHelente erHalten Profpett Uber Mutter. schuk unenfgeltlich. Stau Emma Zischer, Setiin- SHlmecabotl 139, Kaiserallee 168. 187-17' Metalle, Weihlager, Zinn, Quecksilber lausen lausend' Kösliner Strafte C Schulzendorf. Str.Ä. Alt« Wein Stuben' Friedrichstr.l! ,Brunnenstr.l74 neb. Gold-Busse, Gr. Frankfurter Str. 112 neben Jandorf, Invalldenstr. 164. Engros: N4, Berjcstr. 34. Tel.: Nord. 8214. 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Wir haben kürzlich davon Notiz genommen, daß der BreS- ltmer Staatsanwalt es fertig brachte, Anklage gegen den Re- dakteur unseres Breslauer Parteiblattes zu erheben, weil es die— Kappverbrechcr des Freikorps Aulodf„beleidigt" haben soll. Unier Breslauer Kollege veröffentlicht nun in der „Volkswacht" folgenden Offenen Brief an den Staatsanwalt: „Herr Staatsanwalt Sie haben es für recht und nötig befunden, gegen mich Anklage wegen angeblicher Beleidigung des brutalen Arbeitermörderz Aulock und seiner Sol- d a t e s k a, des Freikorps Faupel und der vertierten Vandalen- Horde der dritten Marinebrigade zu erheben. Die Art Ihres Vor- gehens festigt in mir die Auffasiung, daß Sie sich in der Lage fühlen, die Schuldlosigkeit von Verbrechern nachzuweisen, die in aller Ocsfentlichkeit als solche gebrandmarkt sind. Das von Ihnen gegen mich eingeleitete Verfahren ist ein einzigartiges Cha- rakterislikum von„RechtSauffassung", das durch keinerlei Leistung ähnlicher Art mehr zu überbieten ist und einen Abstieg zeigt, der sich bis in das finsterste Miltelalier verliert. Durch Ihr Vorgehen wird mir Gelegenheit gegeben werden, nachzuweisen, was die gerecht empfindende Bürgerschaft bisher von Ihnen erwarte:«: die ge- richtlich« Feststellung von Menschtieren und ge« meinen Mördern, denen Sre bisher„nichts nachzuweisen" vermochten. Deshalb wiederhole ich an dieser Stelle im Einverständ- n'Z mit jedem gerecht denkenden Menschen: Die Führer das Freikorps Aulock, Faupel und der dritten Marinebrigade sind Eidesbrecher und Meuterer ge- wohnlichster Art! Sie haben ihre Truppen mißbraucht! Sie lausten während der Kapp-Tag« wie die vertierte Soldateska des Dreißigjährigen Krieges! Sie gehören hinter Schloß und Riegel! Krieg, Mord und Zerstörung sind ihr ureigenstes Element. Zum Beweis dieser Behauptungen werde ich Ihnen BreS- lauer Bürger als Zeugen nennen, d>« das Wirken der Kappschen Folterknechte am eigenen Leibe verspürten. Und mit den Namen: Neichstagspräsident Löbe, Regierungs. Präsident Dr. I a e ni cke, Oberbürgermeister Dr. Wagner, Stadtrat Presch er, Landrat Dr. Menzel, früheren Ober- Präsident Philipp, Major Möhrenbach, Buchdruckeret- besitzcr S ch a tz k y, sowie sämtlicher Partei-, Distrikts- und Ge- werkschaftSsührer der sozialdemokratischen und freigewerkschaft- lichen Organisationen Breslaus nenne ich Zeugen, die Ihnen über die„Tätigkeit" der nunmehr unter Ihren Schutz ge- nommenen Verbrecher, die, wie mir scheint, notwendige Aufklärung geben werden. Erinnern Sie sich, Herr Staatsanwalt, auch jener acht gemor- deten Kronzeugen, die in den Märztagen den uniformierten Leichen- schändcrn zum Opfer sielen?" Man kann erwarten, daß der Prozeß endlich einmal vor einem Z i v.i l g e r i ch t Aufklärung über die Taten der Frei- schärler bringt. Umd wenn wir auch zu der Breslauer Justiz gar kein Vertrauen haben, so kann durch die Zeugenaussagen immerhin dem Reichsanwalt und.der Ocsfentlichkeit einiges authentisches Material geliefert werden. Der treuherzige Ironüeur. Gewifscnhafte oder gewissenlose Landwirte? vor einiger Zeit wiesen wir auf einen Aufruf des „I r a n d e n b u r g i s ch e n S e l b st i ch u tz" hin, der unter der drohenden Berufung:„Wir haben die Macht", auf- forderte, der von der preußischen Regierung angeordneten Auflösung äußersten Wider st and zu leisten. Hierzu ergreift der Vorsitzende des Selbstschutzes, Graf Kalck- r e u t h in der„Deutschen Tageszeitung" das Wort und sucht uns mit folgendem Hinweis zu beruhigen: Wir märkischen Landwirte besitzen, wenn wir von unseren ge- werkschaftlichen(l) Machtmitteln Gebrauch machen wollen, dank unserer gut durchgeführten Lrganisaiion in der Tat dre Macht, lebenswichtige Interessen unseres Berufsstandes gegen jeden verfassungswidrigen Eingriff zu verteidigen. Wir besitzen ober im Gegensatz zu manchen Industrie- und Transportarbeiter-Ge- werkschasten neben dem Bewußtsein unserer Macht auch ein starkes Bewußtsein unserer Verantwortung und unserer Pflicht, die Ernährung deS Volkes sicherzustellen, das uns nur im äußersten Notfall von der starken Waffe unserer gewerkschaftlichen Machtmitlel Gebrauch machen läßt. Nachdem er so gesprochen, fährt der wackere Frondeur fort: Wir boffen allerdings, daß der Minister und die preußischen Verwaltungsbehörden nicht allzu stark mit unserer Friedensliebe rechnen und die Meinungsverschiedenheit mit unS über Notwendigkeit und Berechtigung unseres ländlichen Selbstschutzes nicht auf die Spil.'e treiben werden; denn unsere Friedensliebe ist nicht die des Schwächlings, der sich frei- willig seiner Machtmittel entäußert und feige jede Vcrgewalügung seiner Reckte und seiner LebenSintereffen über sich ergehen läßt. Damit bestätigt Graf Kalchreuth unlere Auffassung ganz uud gar. daß sich der Selbstschutz das Recht anmaßt, behörd- lichen Anordnungen in u n g-e s e tz l i ch e r Weise Widerstand zu leisten, weil er die Macht dazu in stch fühlt. Wle es übrigens mit der Behauptung steht, daß die Agrarier nur im„äußersten Notfalle" von dem� Mittel des Licferungsstreiks Gebrauch machen wollen, das zeigt ein Blick in den Kreis Königsberg i. d. Neu mark, wo die Landwirte den Lieferungsstreik beschlossen haben, weil der frühere Landrat v. K e u d e l lt infolge feiner Teil» nähme am Kapp-Putsch abgesetzt worden ist. Aus Rache dafür senden die Landwirte des Kreises keine Milch mehr nach Berlin— der Ausfall beträgt ca. 2500 Liter täglich—, sie rächen sich durch den M o r d unschuldiger Kinder für eine ihnen unerwünschte be- hövdliche Maßnahme. So sieht das voy Graf Kalckreuth gerühmte„starke Bewußtsein unserer Verantwortung und unserer Pflicht, die Ernährung des Volkes sicher- z u st e l l e n", in der Praxis aus. « Die„Deutsche Tageszeitung" sekundiert Herrn v. Kalck- reuth, indem sie uns dem Staatsanwalt denun- ziert, weil wir den Slufn-f der Kontrollkommission Berlin- Brandenburg an die Eisenbahner abgedruckt haben, sich in ihrer Kontrolltätigkckt durch nichts beirren zu lassen. � Wir nehmen das dankend zur Kenntnis, bemerken aber, daß wir in der Kontrolle von Eisenbahntransporten reine strafbare Handlung sehen, im Gegensatz zu der Fronde des Märkischen Selbstschutzes, die gexlen die Verordnung des Reichspräsi- denten verstößt, welche die unbefugte Bildung militär- oder polizetähnlicher Organisationen mit Zuchthaus bedroht. Märchentante Grgesch. Trotz aller behördlichen Abschüttelung sucht die Orgesch immer wieder den Glauben zu verbreiten, daß sie sich der Genehm»- g u n g seltens der Regierungen des Reichs und der Länder erfreue. Besonders schmerzlich mußte ihr daher das Verbot durch die mecklen bürg: s che Regierung sein, die bekanntlich rechts- gerichtet-büra-erlich ist. Die„Deutsche Tageszeitung" bestreitet ganz einfach, daß das Verbot überhaupt erfolgt sei. Diese Lüge hat je- doch kurze Beine, denn in dem Erlaß der mecklenburgischen Regie- rung heißt es wörtlich: „Gesetzwidrige Verbände dieser Art sind demnach auch Selbstschutzverbände, wenn sie die Bewaffnung ihrer Mitglieder anstreben. Zu diesen sind die sogenannten Orgcsch-Brganisatlone» zu rechnen, sofern die vorstehende Vor- auSsetzung auf sie zutrifft. Da nur ein Narr bezweifeln kann, daß die Orgesch eine be- waffnete Organisation ist, so ist selbstverständlich mit diesem Satz die Orgeseh ü» Mecklenburg verboten. Geboren um zu sterben. Die„Hamburger Volkszeilnng", ein Organ deS Moskauer Flügel« der Unabbäugigen. gibt der Unabhängigen Paitei den guten Rat, sich in das Unvermeidliche zu fügen. Auch für sie gelle daS Wort:„Man muß zur rechten Zeit zu st erben wissen." Ein grausamer Rat für eine Partei, die gerade erst das ehr' würdige Aller von— drei Jahren erreicht bat. Wo sind die großspurigen Reden hin, in denen vor kurzer Zeit noch die Unab- härrgigen versrchcrlcn, daß sie die Parle» der Zukunft seien und bald in Deulichland Herrichen würden. Jetzt tönl aus den eigenen Reihen der Partei der Ruf: Versteht, zur rechten Zeit zu sler b en l Mancher freilich von den Unabhängigen wird bei dieser Auf« forderung ganz im Innern zu sich selber sprechen:„UnS wäre bester, wir wären nie geboren!_ Kurt Geper und der Spitzel. In der„Leipziger VolkSzeitung", dem Organ der Unabhängi- gen, au dem Kurt Eeycr lange Zeit eine führende Rolle spielte, ist folgende erbaulich« Geschichte zu lesen: „Wie vorsichtig die Genossen sein müssen, zeigt folgender Fall: Vor einigen Monaten wurde in unserer Parterbuchhand- lung ein Paket mit Broschüren abgegeben, ohne daß die Leiter der Buchhandlung wußten, von wem dieses gesandt wurde. Nach einigen Tagen kam Genosse Dr. Geher, fragte nach dem Paket und empfahl den Vertrieb der Broschüre, weil sie gut in seinem Sinne geschrieben sei. Daraus schloffen die Leiter der Buchhandlung, daß Genosse Geyer den Ver- fasser kenne und eine A b m a ch u n g mit ihm wegen de? Vertriebs getroffen habe. Die Broschüre wurde daraufhin auch vertrieben. Genosse Geyer hat natürlich keinerlei Zweifel in die Lauterkeit des Verfassers gesetzt und glaubt« gewiß, der Partei e nen Dienst zu erweisen. Jetzt stellt sich heraus, daß der Verfasser der Bro'chüre der im Dienste der Spitzelze>U»ale stehende, sich Kommunist nennende Rebentrost ist." Besorgt fragt ein andere» unabhängiges Blatt, bie „Magdeburger VolkSzeitung", angesichts dieses Vorkommnisses: „W' i« viele derartige Gestalten mögen sich in der Partei herumtreiben und die Massen mit radikalen Redensarten gegen alle jene Parteigenossen aufwiegeln, die ihrem niederträch- tigen Treiben im Wege stehen?" Wie viele? Ja, das möchten wir auch gern wissen. Christliche sozialistische Partei. Tie Arbeiter in den Mittelparteien. Von der Bayerischen Volkspartei, dem Zentrum, hat sich«ine ..Christliche sozialistische Partei" abgespalten, die nach ihrem Programm den Kampf„gegen den Kapitalismus wie gegen den materialistischen Sozialismus" führen will. Die Bewegung hat ihren Ursprung in Würzburg, wo ihr in dem Dolksvereins- sekretär Vitus Heller ein kräftiger Vorkämpfer erstanden ist. Er hat sein« Wochenschrift„Das neue Volk" in den Dienst dieser Bewegung gestellt. Als eine besondere Ursache für die Neugrün-dung wird dr« Abneigung gegen die partikularistische Politik des Zentrums angeführt. Die demnächst in Bamberg stattfindende Landes- konferenz der Bayerischen Volkspartei wird sich mit der Abfalls- bowcgung beschäftigen. Auch in den Arbeiterkreisen, die noch der Demokratischen Partei angehören, scheinen starke Bestrebungen zur Gründung einer demokratischen Arbeiterpartei im Gange zu sein. Daraus läßt ein Vortrag schließen, den der Vorsitzende der Hirsch-Dunckcr- schen, Herr Gustav Hartmann, gestern»n der„Generalversamm- rung der Arbeitsgemeinschaft deutschdemokratischer Vertrauensleute der Betrieb? Groß-BerlinS" gehalten hat. Herr Hartman» gab sich redlich« Müh«, seinen Leuten den Gedanken auszureden, daß die Bildung einer demokratischen Arbeiterpartei keine Aussicht aus Erfolg habe. Beide Vorgänge, die in Bayern wie di« in Berlin. zeigen, daß auch die Arbeirerkrerse, die noch den bürgerlichen Mittel- Parteien angehören, in Bewegung geraten sind. Die taktische Vor- sieht dieser. Parteien, die eine allzu offensichtlich« Rechtsschwenkung vermeiden wollen, erklärt sich vielleicht nicht zuletzt aus diesem Grunde. Monarchistisches aus der Republik. Vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Presse, Nach der die Eiscnbahndireklion Münster einige der ihr unterstellten Bahnhöfe telegrapbisch davon benachrichtigte, daß die ehemalige K r o n p r i n r e s s t n die Station im Salonwagen, der einem D-Zug angehängt war, passieren würde, und anoidnete, den Zug piinkttich durchzuführen. Diese Ausnahmestellung scbeint der ehemaligen Kronprinzessin aber nicht nur von der Eisenbahn- direklion Münster, sondern auch von dem Garnisonkommando Pols dam eiirgeräumt zu werden. Bon dort wird uns zuverlässig gemeldet, daß seit einigen Tagen im Palais Cecilienhof, das die ehemalige Kronprinzeisin hewohnt, ein aus Jägern bestehen- des Wachtkommando sich befindet. DaS Besitztum ist ringsum von Posten abgeichlosien. Die für die Handtungen verantwortlichen Personen haben sicher die Revolution verschlafen. Sonst könnten sie solche An- ordnungen nicht ergeben lassen. Die Hobenzollern haben lange genug auf Kosten des de u»scheu Volkes gelebt. Es hat nicht mehr das Bedüifni«, noch weiter für sie zu zahlen, und sei eS auch nur einen roten Piennig. Wir erwarten. daß die vom Grlde des Volkes bezahlten Soldaten uir- verzüglich von ihren Posten aus Schloß Cecilienhof zurückbeordert werden. Die'.hohe" Frau soll, wenn sie»nbedingl Schutz gebraucht, sirb dieieu ielbst beiorgem wie andere Erdenbürger da» auch tun müssen. Auf E b r e n p o st e n aber hat sie keinen Anspruch. DaS war einmal--. Arbeits lofenfürforge im Rusfchust. Der Vollswirt ckaitlia e Ausschuß des Reichstages beentcw am Donnersiag nachmittag die Aussprache über die ArbeitSIoien- ftirsorge. uiid zwar mit dein Eigebins. daß fast alle sozialdemotratrschc» und unabhängigen Anträge abgelehnt wurden Die Ablehiiuiig erfolgie zumeist mil 16 bürge- licheu gegen die 12 Slinrmeil der beiden sozialdemokratische» Paileien, hin und wieder auch mil IS gegen 13 Stimmen. Das kam daher, weil �as Z e n t r u in olle Arbeilervertreier, die es siüher für sozial- polnische Anträge delegierte, aus dem Ausschuß zurück- gezogen bat und bei den Demokralen nur der Abg. Erkelenz als Arbennehinerverlreler stimmte. Daß die beiden Nechlsparicien keinen Arbeiierverlreter in ihren Reihen zöblten. wird nian dem« nach verstehen. Fabritbrsitzer, Bcrgwcrlsdirckiorcn, Verbands- syiidici und dergleichen waren ihre Sachveistandigen rür Arbeiie- losenfragen. Kein Wunder, daß sogar die selbstverständliche Forde- rung, die Sätze der Erwerbslos enunterslützung den belonderen Bedürfnissen des Wiiners anzupassen, gegen die Stimmen der Deutichnalionaten erkämpfl werden niußle. Auch sonst fanden nur die Kompromißauiräae des Zentrums und der Demokraten Luiiabine, die eine beioudere Fürsorge für langfristige E r w e r b s l o s e»irid eine gesetzliche Gestaltung der bisher geltenden Verord-" nimgen und der prodiiinven Erwerhslosenunterstiitzung verlanaten oder au» die Inangriffnahme von Badn« und Konalbauten. Oed- landknliiiren, Siedelungen und die Senkung der Preise für Bau- stoffe und Düiigeiniiiel bin.nellen. Ancienommkii wurde ein Antrag Meyer(Soz.s, den Ländern mit besonders schweren Arbeitsloien« lqsten, wie z. B. Sachten, Hamburg und dergleichen, Erteichlerungen zu gewähren. Der Geist der Beratungen spiegelle sich in einem Ausspruch deS Volkspariessers Gebbardr von der Deupchen Volksparlei wieder, der auSfiihrie, wer nach 26 Wochen Arbenslosigleit noch keine Arbeit gesunden hat, der hat bewiesen, daß er nicht arbeiten will. Ein Ausspruch, der stürmische Enlnsshing bei den Linksparteien bervorrief. Am Ende einigle man sich dahin, daß die weiteren Maßnahmen deS Arbeitsministeriliins über die Erwerbslosenfürsorge mii einer kleinen U n t e r l o m m i s j i o n des AuSickusseS besprochen werden sollen, rn welche jede Pariei einen Abgeoidnelen einsendet. Schon setzl ergab sich t>� merkwürdige Verhällnis, baß die Zu- gcsiänbnisse des ArbcitSniinisleriums und des Staatssekretärs im Wirtschaflsmiiiistcrium oft weiter gingen als die Forderungen der bürgerlichen Parteien. Wen» sich diese den dringenden Bedürfnissen der Arbeitslosen in der Koinmiision»rchi geneigter zeigen, werden sie eine schwere Leranlwortung für die Gestaltung der inneren Verhälmisie Deuischlands auf sich laden. Am beuligen Freilog bcg'lini der Ausschuß die Beratung der agrarischen Anträge über Vcilängerriiig der F r ü b d r» s ch» Prämie und die Angleichung des Hafer- rind GerstenprciseS an den Roggenpreis. Bleibt die Haliung der bürgerlichen Mnglieder des Äusichnsses so„volksfreundlich" wie bisber. dann dürften die Abgeoidnelen der sozialdemokratischen Parteien die sofortige Einberufung deS Reichstages zur Nachprüfung der Ausschußbeschlüsse verlangen. Der italienische �rbeitskampf. Ein Bericht der„Berner Tagwacht" schildert die Ursachen der jetzigen italienischen Krise: Nach Ablehnung von Lohnforde« rungen der Metallarbeiter traten diese in die Obstruktion, daraus folgten Aussperrungen, und nun übernahmen die Arbeiter die WeherküHrung der Produktion durch Besetzung der Fabriken. Berg« und Eisenhünenorbeiter kamen ibnen durch gleiches Vorgehen zu Hilfe, um die Belieferung der M-tallfabriken mit Rohstoff zu sichern. Die Vermittlungsaktion der Regierung(und wie eS scheint auch der Sozialisten und Gewerkschaflen) gehl dahin, durch nachträgliche Gewährung der Lohnerhöhung diese Entwicklung rückgängig zu machen. Inzwischen werden aber schon blutige Zusammen«' stoße in Mailand und die Besetzung der öffentlichen Gebäude Turins durch die Arbeiter gemeldet. D'e Regierung soll die Wiedereinnahme dieser Gebäude augeordnet haben. Der„Avanti" veröffentlicht eine Kundgebung des �vermutlich sozialislischeir Red.) Bundes der Landwirte, in der die Land- arbeit er aufgefordert werden, die nicht oder nicht genügend be- bauien Landflächen am nächsten Sonnabend zu beietzen; dock sollen dabei Zusammenstöße mit der öffentlichen Gewalt vermieden werden. Der Rnglokohlenstreik. London, g. September. Der Lollzugsausichnß der Bergarbeiter berief iür Freitag abend nach Porismouih eine Rrichökonferenz der Bergarbeiterdelegierlen, um den Beiicht über das Ergebnis der Verhandlungen mil der Negierung entgegenzunehmen. Einer Reuter« Meldung zufolge vertief die Konferenz zwischen Bergarbeiiern und der Negierung erfolglos. Tie Forderungen der Bergarbeiter sind folgende: 1. Die ganze Kohlenindustrie wir? auch weiterhin für ganz Großbritannien einheitlich behandelt werden. Der Ver- band der Kohlengräber wird sich nicht mehr in distriktiveis« Verhandlungen einlassen. In allen Minen für dieselbe Arbeit dieselben Löhne. 2. Die Beaufsichtigung der Kohlenindustrie muß fortgesetzt werden. Die Arbeiter lehnen es ab, mit den Grubenbesitzern gegen die gesamt« Nation zu k o n s p i r i e r e n. Sie bestehen auf höheren Löhnen und auf niedrigeren Kohlenpreise«. 3. Sie verlan-gen eine Lohnerhöhung von 2 Schilling pro Tag und Herabsetzung der Kohlenpreise um 14 Schilling pro Tonne. Die Absichten der Regie- rung, 66 Millionen Psund Sterling aus dem Kohlenexport dem Finanzministerium zuzuweisen, müssen abgelehnt»verde». Tie Einnahmen müßten in erster Lrnre dazu verwendet werden, den Kohlenarbeitern ein IcHenSmögliches Einkommen zu sichern. 4. Die Kohlenpreise sind für das ganze Volt herabzusetzen. Moskau-Urabstimmung. Der Ständige Verwolningsausichuß der Sozialsstischen Partei Frankreichs hat sich in einer bis Minernacht währenden Geheimsitzung mit dem Bericht Frossardö über die Moskauer Bedingungen beschäingi. Es wurde beschlossen, die ganze Partei darüber entscheiden zu lassen. Neuwahlen in Sachsen. Die Wahl«» zum Sächsischen Landtag werden am 14. November stattfinden. Wilhelm läßt Köpfe fliegen. In Stefan GroßrnannS„Tage- buch" wird ein Brief eines aus Schloß Doorn heimgekehrten Junker? veröffentlicht, in dem folgendes erzählt wird: Ter Brief- schreiber habe Wikhelm II. beim Baumfällen gesehen, wobei er mit wahrer Wut auf die Bäume einhi.:b. Plötzlich sägte er:„So wer- de» die Köpfe fliegen rechts und links, wenn ich nach Deutsch- land zurückket.re."" Wilhelm II.»st bekanntlich der Meinung, daß er von oen Junkern verraten worden sei. Daß er aber diesen— wie freundlicherweise auch uns— ankündigt, er werde sie nach seiner Rückkehr köpsen lassen, zeigt ihn in seiner alten Größe als „Politiker", OswepLschsstsbewegURg Einheitsorganisation im Verkehrsgemerde. Auf einer in diesen Tagen abgehaltenen Konferenz von Ver> treiern der Gau« und Oitsvorstände im Deutschen Transport- arbeitervcrband hielt der Verbandsvorsitzende, ReichstagSabgeord« neter O. Schumann, ein instruktives Referat über die Not- wendigkeit der Sdbaffuitg eines großen Verkehrsbundes. Unter allgemeiner Zustimmung der von 150 Vertretern besuchten Konferenz betonte der Referent, daß es gwar schwer falle, von der unter großer Arbeit und Entbehrung geschaffenen eigenen Organisation Abschied zu nehmen, aber das Allgcmeininteresse der deutschen Arbeiterklasse, heische ein solches Opfer, und der festgefügte, 600 000 Mitglieder zählende Deutsche Transportarbeiterverband sei gewillt, zugunsten der zu schaffenden Organisation aus seine Selbständigkeit ■ou verzichten. Nachstehende Resolution fand einmütige An- nähme; Tic am 7. und 8. Sept. 1920 tagende 18. Konferenz von Ver- tretern der Gau- und Orlsvorstände des Deutschen Transportarbeiterverbandes.stimmt dem Anschluß des Verbandes an eine für das geiamte Transport- und Verkehrsgewerbe zu schaffende EinheitSorganisation grundsätzlich zu. Sie beauftragt den Ver- bandovorstand, die Verhandlungen über Schaffung dieser Einheits- organisatiott mit den Leistungen der beteiligten Verbände unver- züglich aufzunehmen und dieselben so zu fördern, daß der Zu- sammenschluß möglichst bald erfolgen kann. Um für die Uebergangszeit eine gemeinsame Förderung der Rechte und erfolgreiche Vertretung der Interessen der Mitglieder der beteiligten Verbände auf wirischa'tlichem, sozialem und gei- stigem Gebiete zu gewährleisten, hält die Konferenz die sofortige Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der interessierten Verbände unter dem Namen Deutscher Nerkehrsbund für unbedingt er- forderlich. Nachdem die stärlste der ijt Frage kommenden Organisationen ihre unbedingte Zustimmung zu der großen Verkehrsorganisation gegeben hat. liegt es an den anderen Organisationen, alles zutun, dem neuen Bund den Weg zu ebnen. Das liegt sowohl im Interesse der Verkehrsbeamten,-angestellten und-arbeiter, wie im allge- m tonen Arbeilerinleresse.» Ueberrumpelung! Eine Mitgliederversammlung des Holzarbeiter- Verbandes mr die Bezirke Süden und Südosten beschäftigte sich am 8. September nm der Neuwahl der Ortsverwaltung und der Äetricbsrätefrage. Bis auf einen verurteilten alle Redner die Be- schlüsse der letzten Geueralocrsamnilnng. Da die beschließende Ge- ncralversammlung aus Delegierten zusammengesetzr ist, müssen die dort vorzunehmenden Wahlen und zur Erledigung kommenden An- träge vorher in Mitgliederversammlungen zur Beratung gestellt werden. Die beschlossenen Maßnahme» der Generalversammlung sind aber nicht einmal in der Tagesordnung der Versammlungs- anzeige mitgeteilt, sondern von einer Anzahl Delegierten im geheimen festgelegt und durch Ueberrnmpelung der Delegierten und Verhinderung, einer offenen Aussprache durchgesetzt worden. Die Versammlung beschloß: die Wahl der Ottsverwaltung ist in der nächsten Generalversammlung für ungültig zu er« klären und eine UrWahl vorzunehmen, zu der jede Partei ihre Kandidatenliste ausstellt. Ferner wurde beschlossen, daß jede selb- ständige Räteorganisation grundsätzlich abzu- lehnen sei. In einem weiteren Beichlusie wurde die Verwaltung aufge« fordert, mit der Unterorganisalion in Unterhandlung zu treten und die Herstellung von einlachen Grbranchsmöbelri und Bauarbeiten nach den vont Reichsausschuß für das Baugewerbe festgesetzten Tyven und Normen zu vcrlaiigeu, damit die Arbeitslosigkeil in der Holzindustrie vermindert wird. RerchskonferenZ von Angestellten öer versorgungs- behö'rSen. Am 5. und 6. September d. I. tagte in Weimar eine vom Zentcalverband der Ange st eilten einberufene Reichs- tonferenz der Angestellten sämtlicher VeriorgungsbehordeN im Deutschen Reich, die von 180 Delegierten beschickt war. Aus dem erstatteten Ber'cht ergab sich, in welch umfassender Weise die Juteresien der Angestellten wahrgenommen worden find. Aus der Berichterstattung über den Teittarifvertrag ging hervor, daß der Abschluß des Tari'vertragc� seinerzeit, wenn er auch noch erhebliche Mängel aufweise, erfolgen mußte. Die ver- ichiedeneit Abzüge vom Tarifgehalt iührien dazu, daß ein erheblicher Teil von Angestellten bei den Versorgungsbehörden Gehälter bis zu 300 M. monatlich bezieht. Tie dadurch hervorgerufene No!» läge dieser Angestellten macht � auf das Reichsfinanzministerium keinen Eindruck. Die Konferenz gab in einer Entschließung ihrem Willen über diese unhaltbaren Zustände Ausdruck, in der es heißt: »Die Neichskonteren� erhebt gegen diese, die Lebensnot- wendigkeiten nicht berücksichtigenden Zustände, welche durch das starre Festhalten des Neichsfinanzministeriums an dem formal- rechtlichen Anspruch auf Rückzahlung der Vorschüsse herbeigeführt wird, schäristeu Protest. Die auf der Konferenz zum Ausdruck kommende Stimmung zeugt von der Entschlossenheit der An- gestellten, diese unhaltbaien Zustände unter allen Umständen und llnlcr Anwendung aller geweili'chastuchen Mittel, nötigenfalls auch der Arbeitsverweigerung zu beseitigen. Die Angestelltenschaft verlangt von der Leitung ihrer Newerk- schaft, dem Zentralverband der Angestellten, daß fglgende Forde- runq der Reaterung unterbreitet wird, und ermächtigt den Haupt- vorstand im Einvernehmen mit dem Reichssachausschuß ausdrück- Uch. die zur Turchtübrung der Arbeitsniederlegung erforderlichen Maßnahmen schon jetzt einzuleiten: Jedem Angestellten sind die Bezüge, welche er am 10. Juni 1920 erhielt, iinverzüglich weiterzuiiahlen. ohne daß eine Minde- riing durch Abzug von gewährten Vorschüsien oder der Gehalts- Zahlung von der Voraus- in die Nachmhinng eintritt. Di? Angestellten ballen diese Forderung für um so be- rechiigter. als dadurch die in Aussicht gestellte Erhöbung ihrer Bezüge, deren sie unbedingt bedürfen, noch nicht erfolgt.� Der Verbandsvorsitzelide Giebel entwickelte in seinem Referat den Aufbau der Organisation der Angestellten bei den Versorgung?« behörden. wie er im Zentralverband der Angestellten geplant ist. Der Vortrog wurde von der Konferenz mit gespanntem Jntercsie entgegengenonimen. Im Anschluß hieran wurde der Reichsfachaus- schuß der Angestellten neu gewähkt. Eine Resolution gegen jede Sondergründimg fand einstimmme Annahme. Mit dem Gelöbnis, treu zum Zentralverband der Angestellten zn halten und für Gewinnung neuer Mitglieder zu sorgen, schloß die anregend verlaufene Reichskonferenz. Nicht unters Joch! Der in Ronen tagende Nationalkongreß der französischen Textilarbeiter bat mit 5256 gegen 377 Stimmen dem allgemeinen Arbeiterverband sein Vertrauen aus- gesprochen und den Beitritt zur Dritten Jnternatio- nale in Moskau abgelebnt. Das Uebcrschichtcnabkommcn. In einer vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer einberiisenen Revierkonferenz in Essen wurde zum Ueberschichten- abkommen im Bergbau Stellung genommen. In einer bierzii angenommenen Entschließung wird u. a. gesagt:.Die gestellte Forderung, 100 Proz. Zuschlag kür Sonntags- arbeit, die gleichzeitiq bei dieser Verhandluna geregelt werden sollte. ist nicht in der gewünschten Form zur Regelung gekommen. Dagegen erkennt die Konferenz an. daß die getroffenen Vereinbarungen wesentliche Verbesse- r n n g e n bringen, und ist bereit, unter der Voraussetzung, daß sie gehalten werden, die Sanntagsarbeit in der bisberigen Form fortzusetzen. Nachdem die Vertreter bei den Verhandluna?» die Vereinbarung unterzeichnet haben, halten es die Delegierten ssir ibre Pflicht, Disziplin zu üben und stellen sich mit vollem Vertrauen' geschlossen hinter ihre Vertreter Weiter erklärt die Konferenz, daß dte Fviderung nach Vezablung der SonntagSarbeit mit t00 P r o z e n t n i ch t f a l l e n a e- lasten wird, sondern beauftragt ihre Vertreter, beim Abschluß de« Rabmenvertrages dieselbe wieder aufzunehmen und durchzuführen, sowie bei allen kommenden Verhandlungen energisch für die Interessen der Kollegen einzutreten.", In der Lohnfrage wurde der Standpunkt eingenommen, daß man einer neuen Kohlenpreiserhöhnng auf keinen Fall zustimmen könne, daß vielmehr ein anderer Ausgleich zur Deckung der durch die Lobnerhöhungen notwendig werdenden Aufwendungen gesucht werden müsse. Zur Lohnbewegung der Brauereiarbeiter. In der am Dienstag, den 7. September, statwetundenen Funktionärveriammluna der Brauereiarbeitcr Groß-BerlinS er- stattete Hodapp den Bericht über die zuletzt aepflogenen Ver« bandlnngen der Lohnkommissian mit den Arbeitaebern.■ Die Organisaiionsvertreter und die Lobnkommission machten in dieser Verbandlnng nochmals«eltend. daß die Brauereiarbeitcr sich mit dem Angebot der Arbeitgeber: 150,— M. Wirtschattsbeihilfe für die Zeit vom 1. Juli bis 31. August und ab 1. September dieses Jahres eine wöchentliche Lobnrnlaae von 15.— M.. nicht einverstanden erklären können. Erstens ans wirtschartlichen Gründen, da die Arbeiterschaft in den Brauereien insalae der teueren Lebensbaltung eine böbere Lohnzusage unbedingt benötigen, ,»m anderen müssen sich die Brauereiarbeiter Berlins im Interesse ibrer Kollenen im Reich dagegen wehren, in der Lohnböbe Vinter mittleren Städten in der Provinz zurückzustehen. Im Hinblick mff die allerseits gewünschte Autrechterhalrnng des wirtschaftlichen Friedens könne den Arbeitgebern nichr dringend aenng anempsoblen werden, dem Schiedssvrilch de« Schlicht!, ngSaiisschiisieS beizutreten. Nachdem die Arbeitgeber ihren ablebnenden Standpunkt begründet batten. zogen sie sich zu einer Sonderberatnng zurück. Das-Er- gebnis der Beratuna war folgendes: 1. Die Arbeitaeber im Berliner Braugetyerbe erhöhen die Löhne für gewerbliche Arbeitnehmer ab 1. September d. I. um 25 M. wöchentlich. 2. Die Bezüge der weiblichen und fugendlichen Arbeitnebmer werden schlüflelgemäß biernach erSäbi Die rechnerische Feststellung geichiebt durch die einaeketzte Nnterkommission. 3. Der Satz für U-b-rstunden erhöht sich im Verhältnis zu der ansgeiprochenen Lohnerhöbung für Ueberstunden, die ab 1. September d. I. geleistet werden. 4. Eine Erböbung der freiwilligen Leistung ans dem Ab- kommen über§ 616 B.G.B, findet aus Anlaß dieser Lohnerhöhung nicht statt. 5. Zum Ausgleich der Sohndifferenzen für die Monate Juli und August wird allen männlichen Vollarbeitern eine Wirtschaits« beihilke von 150 M. gezahlt: diese gelangt anteilig auch an weibliche und sugendliche Arbeitnebmer sowie an Vize, die in der Zeit vom 1. Juli bis 81. August d. I. in Arbeit standen, zur Auszahlung. 6. Die Zahlung der Wirtschaftsbeihilfen und der neuen er« höhten Lohnbeträge erfolgt erstmalig an den Lobntagen der nächsten Woche, die Höhlung der lleberstundendifferenzen an den Lohntagen der übernächsten Woche. Die Verrammelten stimmten nach längerer Debatte dem An« trag zu. das Angebot der Arbeitgeber anzunehmen. Einstimmig gelangte noch folgender Antrag zur Annahme: Es wird beantragt, bei der Festsetzung des Lohnabkommens die Bestimmung aufzunehmen, daß die Zulagen und WirtschaitS- beihilfen nur an solche Arbeitnehmer zu zahlen sind, die einer der tarifschließenden Arbeitnebmerorganisation angehören. Der Streik in den Asbestwerken W. Reinhold, Reinickendorf, Graf-Rödern-Allee, dauert seit nunmehr sechs Wochen unverändert fort. Trotz der größten An- sirengunaen ist eS der Firma bisher nicht gelungen, brauchbare Arbeitskräfte zu erhalten. Um ollen falschen Informationen zu be- gegnen, sei darauf hingewiesen, daß der Streik feiten» der unter« zeichneten Organisation wegen Maßregelung des Betriebsrats geführt wird. Albeiter und Arbeiterinnen, untei stützt die Streiken- de» in ihrem schweren Kampf. Haltet jeden Zuzug fernl Schützt Eure Betriebsräte! Verband der Fabriiarieiter, Ortsverwaltung Groß-Bcrlin. Tie Gärtner von Sanssouci. Vom Verband der Gärtner wird uns geschrieben: Am 30. August hat im Preußischen Finnnzministerium eine Besprechung mit dem Herrn Finanzminister Lüdemann stattgefunden, die zu einer Aufklärung der in Rr. 405 res„Vorwärts" erhobenen Beschuldigungen über Entrechtung des Betriebsrats bei der Garten- intendantur in Sanssouci geführt hat. Ter Herr Finanzminister wiesen, daß die durchgreifend« Umorganisation der gesamten Gartcnverwaltung ohne Hinzuziehung des Betriebsrats vor � sich gegangen ist. Ter Herr Minister bedauerte, daß bereits früher ergangene Verfügungen, die die Mitwirkmrg des BetriebSrals W solchen Fragen regeln, seitens der nachgeordneten Behörden nicht be a ch t e t worden sind. In der Frage der Pensionlerung de? leitenoen Beamten der der Intendantur unterstellten Gärten er- klärte sich der Minister außerstande, eine Aenderung eintreten zu lassen. Diese Pensionierung gehöre in den Rahmen emer- allge- meinen Auflösung der ehemaligen Hofhaltung und könne in diesem Fall eine Ausnahme nicht gemacht werden. Die von der Arbeiterschaft vertretene Auffassung, daß der leitende Bsamte für den Fall feiner Uebernahme in den Staatsdienst dem Staate noch nützliche Dienste zu leisten vermocht hätte, wird dadurch nicht berührt. Wenn, sich tünftia beim Fehleu einer einheitlichen Leitung der gesamterr Gärten Mißstände und Mißhelligkeiten herausstellen sollten, soll dies Gegenstand von Beratungen unter Hinzuziehung ches Betriebsrats fein. Der Herr Finmizminister hat ausdrücklich erklärt, daß«r die Rechte, die öem Betriebsrat durch frühere Ver- fitgungen des Finanzministers eingeräumt worden find/ nicht einzuschr ä n k e n beabsichtige, auch nicht soweit sie über die zwingenden Vorschriften des Beiriebsrätegesetzes hinausgehen. Wir betrachten damit die Angelegenheit als erledigt und stellen mit Befriedigung fest, daß sich unsere Befürchtungen, Genosse Lüde- mann biet« seine Hand zur Schmälcrung von Arbeiterrechten, glücklicherweise als nicht begründet herausgestellt haben. Ter Sohnkampf der Steinarbeiter. Seit dem 12. August befinden sich, toie bereits gemeldet, die Steinarbeiter der Bau- und Grabmahbranche im Streik, um eine: Herabsetzung ihre? Shmdenlofrnxs von 7,50 auf 6,50 M. abzuwehren. In der letzten Zeit schien es. als ob vre Unternehmer angesichts der sie drückenden Aufträge bereit wären, durch Ver» Handlungen'den Streik zum Abschluß zu bringen. Am 3. Sep- tember ersuchten die Herren die Streikleitung, den Wwehrstreik zu beeiidigcn. Drei größere tonangebende Firmen bewilligten die Weiterzahlung des allen Stundenlohnes bis zum 1. Oktober. Nach Ablehnung dieses durchaus ungenügenden Entgegenkommens wurde die Verlängerung des Vertrages bis 31. Dezember zugesagt. Diese Lösung Paßte aber den anderen mitbestimmenden Firmen nicht, und die Einigunglverhandlungen scheiterten. Offenbar ist es den Herren nur darum zu tun, die eiligen Arbcikn fertiggestellt zu belommen, um dann nach dem 1. Oktober von neuem Lohnkürzungen vorzunehmen. Jetzt glauben� nun die unter Arbeitermangcl leidenden Meister ihre mit Aufträgen vcr- sehenen Kollegen durch Aushilfsarbeit unterstützen zu müssen. Die Streikleitung bittet daher, daraus achten zu wollen, wer Grabdenk- mäler betaut und auf der Friedhöfen aufstellt, und alle solche Fälle im Bureau des Verbandes der Sie in arbeiter, Engelufer 15, Zimmer 7, zu melden. Di- zur Arbeit berechtigten Steinarbeiter führen ein« blaue Ardeitsbcrechiigungskarte. Wer diese nicht vor- weisen kann, ist Streikbrecher. In der Lvhnbewcgung der Hamburger Hafenarbeiter haben er- neut Verhandlungen stattgefunden, die aber zu keiner Einigung führlen. Die Lohnkommiision ist nun nach Berlin gereist, um mit dem Reichsarbeitsminister zu verhandeln. Aus Veranlassung dxr Leitung des Transportarbeiterverbandes haben während der Dauer der Verhandlungen die in Harburg in den Streik genetenen Hafenarbeiter den Streik a b b ch e n müssen. Die Lc-pzigcr Straßenbahner, die sich bereits seit acht Tagen im Ausstand befinden, haben eine vorbehaltlose Unterwerfung unter den zu erivartenden Schiedsspruch des Schlichtungsaus- schusses abgelehnt und beschlossen, bis zur restlosen Anerkennung im Streik zu verharren und die Arbeiterschaft des TranSportgewerbcs einschließlich der Eisenbahner zur tatkräftigen Uniecitüyung anzurufen. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe Sb>(Bodenmeistcr der Epeditionsbctricbe). Mitgliederversammlung: 19. September, abends 7 Uhr, im Verbandslokül stoter Saal), Belle-Alliance-Str. 7/10.— Fachgruppe 7 c lleitcnde Angestellte). Mitgliederversammlung: 10. September, abends 71;, Uhr, Musikersäle(Partei resaal). Neue Friedrich str. 35.— Fach- gruppe 10 II d(Putzbranche). Scktionssitziing: 10. September, abends 7 Uhr, Verbandsiokal, Dellc-Alliance-Str. 7/10.— Fachgruppe 15 b(Elektro- Kroßhandel). Müzliedervcriammlung: 10. September, abends 7 Uhr, Verbandslokal(blauer Saal), Belle-Alliance-Str. 7/10.) Tentscher TranSportarbeiter-Verband. tzbikenbranche. Sann- abend 5 Uhr im GewcrlschastsbauS(großer Saal), Engeluser 14/15: Voll- Versammlung. Bericht der Lohnkommissiom Soziales. Rentensätze der Militärversorgnug. Nach Z 25 Absatz 3 des Reichsversorgungsgesetzes wird die schwere Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheil einer Min- dernug der Erwerbsfähigkeit von 15 bis einschließlich 50 vom Hun- dert gleichgeachtet, wenn die Erwerbsfähigkeit nicht oder nur in ge- ringcrem Maße als um 50 vom Hundert gemindert ist. Hierzu sind jetzt durch eine Verordnung vom 1. September lReichS- Gesetzblatt Nr. 135) folgende AustührungSbestimmungen erlassen worden. Wer in seiner lörperlichen Unversehrtheit schwer beeinträchtigt ist. erhält ohne Rücksicht auf den Grad der Minderung seiner Er- werbssäbigkeit eine Rente nach folgenden Sätzen: 50 Prozent jiir den Verlust eines BeineS oder eines ArmeS oder des Kehlkopfs oder für den völligen Verlust der Nase: 20 bis 50 Proz. für abstoßend wirkende Entstellungen des Gesichts, die den Umgang mit Menschen erschweren; 40 Proz. für den Verlust eines Unterschenkels oder Unterarmes«der für Halbieitenblindheit(Hemianopsie)! 30 Proz. für den Verlust eines Fußes»der von drei und mehr Fingern einer Hand einschließlich deS Daumens. Die gleiche Höbe der Rente wird gewährt bei Verlust eines Kiefers oder des größeren Teiles eines Kiefers, bei erheblichem GewebSverlust der Zunge mit schwerer Sprachstöruni, bei Ttinknase(Ozäna), bei Ver« Inst eine» Luge», fall« ei» künstlicke» Luge nicht getragen »erden kann, sonst 20 Nr»z.; fern««>0 Proz. für Verlust»«n drei»der mehr Fingern einer Hand ausschließlich des Daumens, des Daumen» allern, der ganzen Kopfhaut(Skalpierung), des Gau- m»»s»der«ller Zähne, beider Ohrmuscheln, der Milz oder einer Niere»der bei widernatürlichem After, Urin- oder Darmfistel Andere Körperschäden, die den vorgenannten gleichzuachten sind, sind enliprechcnd zu berücksichtigen. Begründet die Minderung der Erwerbsfähigkeit eine höhere�Renle. so wird diese gcwäbrt, ebenso beim Zurnimnentreffen von Schädigungen der körperlichen Unver« iebrtheit und Minderung der Erwerbsiäbigkeit. Die Beeinträchti- gung der körperlichen llntzersehrheit allem wird nicht höher be« wertet als eine Minderung der ErwerbStätigkeit um 50 Proz., auch wenn mehrere Schäden zummrnentreffen. Vcrantw. für den redakt. Teilt Tr. Sirrncr Pclser, Cbarlotteirbnrg: für ilnz«Iacn: TP. Glockc. Berlin. Verlag: Lorirorls-Verlag G. IN. b. H., Verlin. Druck: Vor- würts-Vuchdruckcrei u. Verlagsanlialr Pa„i Singer u. Co.. Berlin. Lmdenstr. 3. Htrr,u i BtUagr. Xto-i gegen geringe Monatsgebühr; aul Ml Wunsch auch gasgefüllte Metalldrahtlampen mit und ohne Armaluren. Alrtgevrannfe Lampe» werden von uns kostenlos ausgewechselt; wöchentliche Lampenkontrolle. Vermietung elektrischer B ü g e 1 e i s e n.— K o s t e n 1 o s z w e i Wochen auf Probe. Man verlange unverbindlichen Vertreterbesuch und überzeuge sich von den vbrteilhaften Bedingungen. Elektrizität S bedarf G. m. b. H., Berlin O. 17. Fernsprechers KönigstadtNr. 8233