Nr. 4SI ♦ Z7.�ahrgang Ausgabe B Nr. LS BezunSvretSi » erttltäI)TL Mu. numotUO,— 5W. frei in» Saus voraus>ai>ldal. Post- dezuq Monariich 10,— Mi. erkl. ftu» itellungsaediivr. llnler KreundanS für Deulichlan» und Oesterreich IS�st MI. für da» udrigr Äusiand oei täglich einmal. Zustelluno 2150??, Posta e- stellungeu nedmen an Oesterreichs Ungarn, Tschecho-SIvivaiei, Lane- mari. Öottana..u emourg. öchweden und die Echweu.— if inaetraaen m die Dost- eirungs-Dreisliste. �er.Dormarist mii der Sonnrag»- aeilaze.Doli u. Zeir� ericheini wochen- agilch iweimai Sonniaqe und Mon- tags-inmar Al»end-Ansgabe Tel eq ramm-A dresi e Sozialdemotra» Verl in- berliner VolKsblstt � 20 Pfennig� SlnzetgeupreiS s Sie achtgefpaltene Nonpareivereiie loftei S,— M., Teuerungszui chlag SO«/» »Klein« Anzeigen-, das iei!» gedruckte Morl t— M. izuläfstg zwei iettgedrnSte Wortef, iei�s weilere Wort KV Pfg. Stellengesuche und SchiaMellenanzeigen das erste Morl KS Pfg. jedes weitere®ort 40 Pfg. JBoije über 15 Buchstaben zähleli für zwei Worte. Teuerunaszufchlao äO». Kamilien-Anzeigen für?lbonnenle>i Felle 2.~ 2)1. politifche und gewerkschaftliche Perems- dln riaen S,— Ml. die Feile ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächste Stummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW Z, Lixden- ftraße Z, abgegeben werden. Veostnel »an 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokrattfchcn parte» Deutfchlands Reüaktion und Expedition: ctD. 6$, Lindenstr. 5. Sernftirertier. Amt Moriiivla«. Nr. R:>I!MI— l."»! i»7. Freitag, den 10. September 19'40 vorwärts.-verlag 6. m. b. h., SW. H8, Lindenstr. 3. tkernivrechrr: Amt Mortüviav, Rr.»17,'>a—-ät. Der Neumärkifthe /lgrarierstreit. Ter preußische Minister des Innern, Genosse Severrng, hat den Regierungspräsidenten von Franksurt a. O., Genossen Bartels, noch am Donnerstag beaustragt, sosort mit den O r- ganisationen der Landarbeiter und Gutsbe- s i tz c r zu verhandeln. Diese Verhandlungen werden wahr- schcinlich Sonnabendabend beendet sein und dann werden dem Ministerium des Innern konkrete Vorschläge zur Beseitigung des L i c s e r u n g S st r c i k s vorgelegt werden. * Eine Berliner Korrespondenz �eilt weiter mit: Ter Lieferstreil der Landwirte im Kreise Königsberg in der Neumark, der die Abberufung des jetzigen kommissarischen Landrats, des demokratischen Regiernngs- und BauratS F i e h n bezweckt, hält an. Auch heute ist nur ein geringer Bruchteil der sonst nach Berlin gelieferten Milch hier eingetroffen. Inzwischen haben nun auch die vorgesetzten Verwaltungsstellen eingegriffen, um vor allem den jetzt drei Tage andauernden Lieferstreik zu be» enden. Am beutigen Freitag vormittag ist der Regierungspräsident Barthels aus Frankfurt a. O. in Königsberg eingetroffen, nach- dem er bcrcirs am Tage vorher eine Konferenz aller beteiligten Stellen angeordnet hatte. An der heutigen Besprechung, die vor allem der schleunigen Beilegung des Liefer st reiks galt, nahm der konimisfarisckic Landrat F i e h n, Vertreter des Land- l undcs, des Verbandes zur Wahrung der ländlichen Interessen des Kreises Königsberg, also der Streikleitung, des Landarbeiterver- bandeS sowie die Verbraucher teil. Tie Verhandlungen nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt. Wir behalten uns vor. auf die Angelegenheit, über die uns zahlreiches Material zugegangen ist, insbesondere auf die Rolle, die der„Lanb&unb" hierbei spielt, zurückzukommen. Schwere Unruhen in Dresden. Dresden, IV. September.(Tit.) Der Dresdener Vertreter der Telegraphcnunioa berichtet ols Augenzeuge über schwere Un- ruhen in Dresden Folgendes: Die bereits bekannten Borgänge am gestrigen Tage, verursacht durch die Verteilung verdorbener Heringe au die Arbeitslosen, waren der Auftakt zu grogen Unruhen und die entstandene Spannung fand gestern ihre Entladung vor dem Arbeitsnachweis. Bei Ansammlungen und Aufläufen der erregten Arbeitslosen in den Strafjen um den Post- plab ging plövlich die Gendarmerie in einer unnötig scharfen Weise vor, die die E r b i t t e r u n g unter den Massen aufs höchste steigerte. Die Polizeibeamteu drangen nach der Aufforderung auseinanderzugehen sofort auf die in dichten Massen umher st ehenden Grup- Pen mit blankem Säbel und Gummiknütteln ei» und schlugen auf die Leute, gleichviel ob Mann oder Frau und selbst harmlose Passanten loS. Es gab viele Schwer» erlctzte, und ich selbst bekam zwei Hiebe mit einem Gummiknüttel über den Kops, ohne daß ich als Strassen- passant das geringste getan hätte. Das geradezu unsinnige Vorgehen der Beamten wurde von allen Seiten verurteilt. Die Unruhen währten biS zum späten Abend. Die Vorgänge haben gezeigt, dass die Regierung, nachdem sie tagsvorhcr iu einem Aufruf energische Massnahmen angekündigt hatte,' der Lage nicht gewachsen war. AbendS beherrschte die Arbeiterschaft die Strasse» und die Gendarmerie hatte sich in die Wachen zurückziehen müssen. In einer Unterredung äusserte sich Wirtschaftsminister Schwarz über die Gefahren der Arbeitslosigkeit und erklärte selbst, nachdem er die Schlemmereien verschiedener Kreise des Bürger- tums verurteilt hatte, dass den Erwerbslosen nichts anderes übrig bleibe alS Selbstmord oder Diebstahl, und dass sich Verhältnisse entwickeln könnten, die in blutigen Bürger« k r.i e g oder in brutale Diktatur auslaufe« würden. • Wie die„Dena" zu den Unruhen in Dresden meldet, war nachts gegen 1 Uhr in der Sladt die Ruhe wieder eingetreten; auch heute ist die Sladt ruhig; jedoch wird eine Wiederholung der Zu- sammeustöbe befürchtet. Hoffentlich versagt die sächsische Regie- rung nicht wieder so vollständig wie bei den gestrigen Unruhen. Gummiknüppel und blanke Säbel müssen als ein höchst unge- e i g n e t e s Mittel bezeichnet werden, um die Erregung der Be- Völkern ug zu mildern. Wir erwarten schleuniges Eingreifen der Regierung und streng st e Bestrafung der schuldigen Polizeibeamten. Niga. Die polnische Delegation reisefertig... Paris, 9. September.(WTB.) Havas berichtet auS War- schau, daß in einem Radiotelegramm an Tschitscheria der polnische Aussenminlster mitteilte, daß die polnische Tele- gation mit Bollmachten zum Abschluß eines Waffen- stillstandes und der Friedenspräliminarien, evt. beS Friedens vom 12. September ab in D a o z i g zur Abfahrt nach Riga bereit sein werde. .... die russische aber nicht(?) Pari», 10. September. lWTB.) Wie„TcwpS" sich telegra- phisch auS London melden läßt, hat sich die S o w j e t r e g i e r u o g entschlossen, zu der neuen Friedenskonferenz nach Riga k e i n e D e- legierte zu schicken. Nach den bei Kamenew eingegangenen Nach- richten beklagt.sich die Sowjetregierung darüber, daß die lettische Regierung nicht auch dem Hilfspersonal dcr russischen De- legation Immunität gewährleistet hat. In London kennt man noch nicht die genauen Gründe der neuen Schwierigkeiten. Es beißt, dass die lettische Regierung gewissen Propaganda- a g e n te n und anderen unerwünschten Leuten, die die Sowjet- regierung ihrer Delegation beigegeben hat, m i ss t r a u t. Wir geben diese Meldung nur mit Vorbehalt wieder, da ste sich augenscheinlich aus ein inzwischen beigelegtes Hin- dernis bezieht, Polnischer Heeresbericht. Kopenhagen, 10. September. Nach einer Warschauer Meldung heißt es in dem polnischen Heeresbericht vom 8. Scp- tcmber: An dcrWlitauischen Front wurde» die angreifenden litauischen Abteilungen nach Norden hin z u r L ck g e- w o r f e n.?lm Narew haben wir durch einen kühnen Ausfall 500 Volschcwisten gefangengenommen. D>e Reste de? geschlagenen Heeres Vudjennps haben sich über den Bug in der R'ch- tung auf Wladimir zurückgezogen. Budjennf, bat sehr grosse Verluste erlitten. Am Tnjestr, Gnila Lipa und oberen Bug erfolg- reiche örtliche Kämpfe. Warschau, 3. September. GeneralftabSbertcht vom 8. Scp- .ember: Im Berede von Suwalki ist die Lage unver- ändert. Ein bolschewistischer Angriff auf Sidra wurde ab- gewioien. Unsere an mehreren Stellen der Front durchgeführte Ausiallaktion führte zpr Einnahme von Malorhto. Ter Feind führte Gegenangriffe aus. um die von uns beietzien Lr-e wieder- zuerobern, hauptsächlich jedoch, um den wichtigen Knotenpunkt Shabinka zu besetzen. Seine Angriffe blieben ersolgloS. Tie Bolschewisten führten bei ihrer Aktion gegen Shabinka sieben In» fanterieregimenter in den Kamps. Unsere Beute in diesem Kampf beträgt 3300 Gefangene, 53 Maschinengewehre, vier Geschütze, ein Waggon mit Artilleriemunition, viel Train mit Kriegsmaterial und Lebensmitteln sowie zwei Panzerzüge. Längs des Bug beider. fettige Patrouillentätigkeit. In Kleinpolen(G a l i z i e n) ist die Lage unverändert. Ein englischer Kreuzer für die polnische Delegation. London, 10. September(TU.) Die Polen, die Schwierig. leiten bei der Reise ihrer Friedensdelegation von Danzig nach Riga befürchten, haben die britische Regierung ersucht, einen eng- tischen Kreuzer zur Beförderung der Delegierten zur ver- fügung zu stelle iDer litanisch-polnische Streitfall. Kopenhagen, 10. September. Tie litauische Regierung hat Polen vorgeschlagen, die polnisch-litauischen Fragen in Riga zu- sammen mit polnisch-rus fischen Verhandlungen zu erörtern. Wie„Berlingske T'-keideS" Warschauer Korrespondent meldet, verhält die polnische Regierung sich ablehnend gegen diesen Vorschlag und erklärt, der polnisch-litauische Konflikt und die polnisch-russische Frage müßten gesondert entschieden werden. Das Erdbeben in der Toskana. 400 Todesopfer.— 1000 Verlesttc.— S.�voa Obdachlose. London, 10. September.(WTB.) Wie»Daily Chronicle" meldet, beträgt die Zahl der durch dos Erdbeben in Italien Getöteten 400, rund 1000 Personen wurden verletzt. Der Schaden beträgt mehrere Millionen. Ferner sind 25 00 0 Personen obdachlos; sie kampieren im Freien. Ein neuer Vulkan. Rom, 10. September. Die Zeitungen melden aus Spezia, daß am Gipfel P i s a n e l l o des apuanischen Massivs sich ein Krater geöffnet hat, dem Flammen und Rnuchsäulen unter gewaltigen unterirdischen Geräuschen und Schwefelgeruch entsteigen. Die Operette ohne Ende. Rom, 10� September.»Jdea Nazionale" erhält über Trieft Nachrichte» aus F i u m e, denen zufolge d'Aununzio den Freistaat Fiume proklamiert hat; ursprünAltch war als Grüodungslug der 12. September vorgesehen. Helgoland unter Ausnahmerecht- Von der Insel Helgoland wird uns geschrieben: Auf der Insel Helgoland herrschen eigenartige Ver- Hältnisse. Während im übrigen Deutschland schon im vorigen ! Jahre die'Neuwahlen zur Gemeindevertretung auf Grund i des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts � vorgenommen wurden, ist auf Helgoland noch immer die alte Gemeindevertretung am Ruder und l schaltet und waltet, wie es ihr beliebt. Wie sie ihr Amt ausübt, hat der Ausgang einer kürzlich stattgefundenxn Verhandlung vor dem Schöffengericht bewiesen� in der der Vor- sitzende des Sozialdemokratischen Vereins Helgoland wegen Beleidigung der Gemeindeveltretung angeklagt war. Er halte in einer vor einiger Zeit abgehaltenen öffentlichen Versammlung! behauptet, daß der Genieindevorsteher durch Vorspiegelung die Vertretung bewogen hätte, Gelder zu befviiligen, die die Vertretung, wenn sie von der wirklichen Lage in Kenntnis gesetzt worden wäre, nie bewilligt hätte. Weiter war der Vorwurf von ihm erhoben, das; der Gemeindevorsteher als Beschaffnngs- beihilfe für sich 2000 Mark und für die Beamten 1000 Mark und Kinderzulagen hätte bewilligen lassen, während die Angestellten davon ausgeschlossen wurden. Dem Angeklagten gelang es in der zweitägigen Verhandlung, den WaHrHeits- beweis für seine Behauptungen zu erbringen. Der Anklage- Vertreter mußte den größten Teil de.r Anklage fallen lassen. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten nach einstündiger Beratung kostenlos frei und betonte in der Urteilsbegründung, daß dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis gelungen sei. Die Gemeindevertretung habe sich derart gegen Vorschriften und Gesetze vergangen, daß eine weitere Verfolgung dieser Angelegenheit noch durch andere Stellen nötig sein würde. Die Regierung hat die Prozeßverhandlung steno- graphisch aufnehmen lassen. Wie weiter auf Helgoland gearbeitet wird, geht schon daraus hervor, daß man die Forderung der Arbeiter und der minderbemittelten Bevölkerung nach Errichtung einer Preisprüfungsstelle einfach glatt ablehnte. Es ist verständlich, daß unter solchen Umständen das Verlangen nach einer anderen Zusammensetzung der Gemeindevertretung immer stürmiscqer wird. In der schon erivähnten Versammlung wurde in geheimer Abstimmung mit über 500 gegen 12 Stimmen der sofortige Rücktritt und die Neuwahl der, Gemeindevertretung gefordert. Die Gemeindevertretung wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen. Es geht hier um ihre Vorrechte und für diese kämpft man mit allen Mitteln. So hat man unter anderem den Vor- sitzenden des Sozialdemokratischen Vereins mit Geld be- stechen wollen, wenn er seinen Kampf gegen die Gemeinde- Vertretung einstellen würde. Es hat sich weiter eine 2 5er- Kommission gebildet, die die Rechte der Gemeindevertretung verteidigen soll. Man will angeblich die Rechte der eingesessenen Helgoländer wahren. Wie liegen aber die Dinge in Wirklich- keit? Die Haupttreibe)' in der 25er-Kommission sind N a ch- kommen von eingewanderten Deutschen, die in den meisten Fällen sich aus Geschäftsleuten und Handwerkern zusammensetzen. Die wirklichen Helgoländer, die Nachkommen der seit Jahrhunderten auf Helgoland ansässigen Bewohner. darf man nicht mit den Geschäftsleuten vergleichen. Die wirk- lichen Helgoländer sind vielfach wirtschaftlich abhängig von den Geschäftsleuten, da im Winter die Einkommensverhältnisse darniederliegen und mancher gezwungen ist, sich.von den reichen Geschäftsleuten Barmittel vorstrecken zu lassen, die dann im Sommer wieder abbezahlt werden. Nun sind isi den Jahren vor dem Kriege und auch nach dem Kriege Arbeiter eingewandert, die jetzt mit Spren- gungsarbeiten der FestungS- und Hafenanlagcn beschäftigt werden. Diesen Arbeitern und Angestellten will man keinen Einfluß auf Helgoland gewähren. Man fürchte), daß dann manches ans Licht kommt, das besser im Verborgenen bleibt. Daher auch das Sträuben gegen eine Neuwahl der Gemeinde- Vertretung. Man droht mit dem Anschluß an England. Das ist natürlich blühender Unsinn. Das wirtschaftliche Leben Helgolands steht und fällt mit Deutschan d. Würde Helgoland englisch, so würde der Fremdenverkehr aus Deutschland aufhören, und aus England sind keine Fremden zu erwarten, da es für die Engländer viel bessere und noch schgner gelegene Badeorte gibt. Eng- lanb denkt auch gar nicht an den Besitz Helgolands, denn sonst würde es iiicht die Festungs- und Hafenanlagen zerstören lassen. Die Regierung hat, um sich über die Verhältnisse zu unterrichten, einen Geheimrar nach Helgoland geschickt. Dieser hat wohl mit der 25er-Kommission verhandelt, hat es ober nicht für nötig befunden, sich mit den maßgebenden Personen der politischen Parteien in Verbindung zu setzen. Die 25er-.Kommission hat mit England gedroht, unö die Regierung ist eingeschwenkt. Der Reichstag hat ein Gesetz folgenden Wortlauts beschlossen: Dem Llrnkel 178. Abkatz L. der Reichsverfasiung wird folgender Satz angefügt: Ml Rücksich: auf die Verhandlungen bei dem Er- werbe der Insel Helgoland kann zugunsten ijjrer einheimischen S?e» völkerung eine vom Artikel 17, Absatz I, abweichende Regelung ge- troffen werden. Dieier Artikel 17, Absatz 2, der Reichsvcrfassung lautet: „Die Grundsätze für die Wahlen zur Volksvertretung gelten auch für die Gemeindewahlen, jedoch kann durch Landesgesetz die Wahlberechtigung von der Dauer des Aufenthalts in der Gemeinde bis zu einem Jahre abhängig gemacht werden. Durch das erwähnte Gesetz soll also zugunsten der ein- heimischen Bevölkerung eine andere Regelung für die Wahlen zur Gemeindevertretung getroffen werden. Die Wahl- berechtigung soll an eine längere Dauer des Aufenthalts ge- bundifn sein. DaS bedeutet ein Ausnahmerecht für Helgoland und die gesetzliche Sanktionierung der Vorrechte nicht der wirklichen Hclgoländer, sondern der Geschäftsleute. Von den wirklichen Hclgoländcrn wird die Forderung nach der Neuwahl der Gemeindevertretung auf Grund des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts ohne eine längere Beschränkung der Aufenthalts- dauer unterstützt, weil sie wissen, dag dann auch für sie andere Zustände in der Gemeinde geschaffen werden. Die Entscheidung liegt jetzt bei der preußischen Negierung und der Landesversammlung. Durch Landesgesetz kann nach der vom Reichstag beschlossenen Verfassungsänderung eine vom Artikel 17, Absatz 2 der Verfassung abweichende Regelung getroffen werden. Die überwiegende Mehrheit der Helgoländcr Bevölkerung erwartet, dag von diesem Recht kein Gebrauch gemacht wird, sondern daß auch für Helgoland die im übrigen Preußen bestehenden Gesetze zur Geltung kommen. Die Mehrheit der Helgoländer will keine Vorrechte, will aber auch nicht unter Äusnahmerechten leben. Die eigene Schulü. Die Unabhängigen erheben jetzt, besonders angesichts der Uneinigkeit in ihren eigenen Reihen, ein um so lauteres Ge- schrei gegen die Taten oder Unterlassungen der gegenwärtigen Regierung. Insbesondere wenden sie sich gegen die Wirksam- keit des Ernährungsmini sterin ms, gegen die Preiserhöhung für Hafer und Gerste, die Frühdrusch- Prämie usw. und verlangen die sofortige Einberufung des Reichstages, damit�er zu den Beschlüssen des Volkswirtschaft- lichen Ausschusses Stellung nehmen und sie verhindern könne. Die„Freiheit" erklärt, die verantwortungslose Politik des Z e n t r u m s m a n n e s Hermes, des Reichsernährungsmini- sters, lasse befürchten, daß er auch dem neuesten Vorstoß der Agrarier auf Preiserhöhung keinen Widerstand entgegensetzen werde. Er sei ja einer der Diener der Agrarier und zu allen Liebestaten ihnen gegenüber bereit. In ähnlich aufgeregter Weise schilt das Zentralorgan der Unabhängigen über die Beschlüsse des Volkswirtschaftlichen Ausschusses in der Frage der Arbeitslosenfllrsorge. Zweifellos hat die„Freiheit" mit ihrer Kritik in fast allen Punkten Recht, besonders in bezug auf das Reichsernährungs- Ministerium, Es wird dort sicherlich eine rein agrarische Politik betrieben, denn Hermes steht ganz unter dem Banne der rheinischen Baucrnvercine, die nur eine katholische Abart des Bundes der Landwirte sind. Es ist z. B. ein Äandal, daß die Ankunft der von den amerikanischen Deutschen ge- stifteten 100000 Milchkühe f ü r Deutschland immer noch verhindert wird, weil die deutschen Agrarier von ihnen eine Beeinflussung der Preisgestal- t u n g für Kühe erwarten. Eine Milchkuh kostet heute in Deutschland rund 9000 Mk. Die amerikanischen 100 000 Kühe werden aber gratis gegeben. Es würden also nur die T r a n s- portkosten in Höhe von rund 2700 Mk. pro Stück in Be- tracbt kommen. Lieber aber, als daß man den deutschen unter- ernährten Kindern reichliche Milch durch amerikanische Kühe mfiihren läßt, weigern sich die Agrarier, diese Kühe nach Deutschland zu lassen, lediglich um den Preisstand für ihren eigenen Biehstapel hochzuhalten. Das alles ist so verwerflich, daß die schärfste Kritik und die energischste Abwehr nötig ist. Aber die Unabhängigen öuchbesprechung. Von Hans Bauer. Manchmal, wenn? gerad keiner steht, blättere ich in einem grünen Buch, das„Tienstuntercicht des Kgl. Sachs Infanteristen" heißt. In diesem Buche werden auf 272 Seiten die Pflichten de? Soldaten beh'mdelt und Belehrungen über Herrscherhäuser, Rang- und Gcadabzeichen, Orden und so gegeben. Diese? Buch ist eine Erinnerung an ISIS, an meine Rekruten» zeit und eS soll einmal meinen Kindern und Enkelkindern eine Erinnerung an— nun eben an jene Zeit überhaupt werden, in der auf 5 Seiten Seile 90— Ol') das Benehmen des Soldaten auf der Straße, auf 7 Seiten(Seite 63— 72) das gegen Vorgesetzte und auf 21 Seiten lSeite 145— 1611 die Reinigung des Gewehrs beschrieben wurde. Die Seite zu 66 Zeilen, die Zeile zu 20 Silben gercchnei. Ich blättere in dem Buche nicht spöttisch. Ich lächle nicht über seinen Verfaffer. Ich lese cS wehmütig. Lese wehmütig über Ord- nung und- Verhalten in den Kasernenräumen, über Verhalten in den Bürgerquartieren, über kameradschaftliche» Zusammenleben und schüttele dann leise den Kopst Da» gab eS! So etwas gab es, daß auf 272 Seiten zu 66 Zeilen zu 20 Silben über Dienftunterricht geschrieben wurde. Aus 272 Seiten I Und dann blättere ich weiter. Und«S ist mir die» alles wie ein Traum. Und einmal komme ich auf Seite 167. Die handelt über Reinigung deS Gewehrs, die nach 63 Einzclhandlungen vorgenommen zu werden hat. Nach Einzelhandlung 16:„Mehrmaliges Hin- und Herführen de» Wisch- strickeS" Nach Einzelhandlung 33:„Ersatz der Umwicklung des Rundholzes durch eine gleiche."(Durch eine gleiche!)„Fetten der Umwicklung." Nach Einzelhandlung 41: Fetten der Reibestellen in der Hülse letwaS stärker;). Nach Einzelhandlnng 61:„Abwischen deS Riemens"... Auf dieser Seite 167 ist auch eine Zeichnung reprodu- ziert. Weil doch eben die Aufzählung der 63 Einzelhandli�ngen noch nicht anschaulich genug ist. Diese Zeichnung stellt einen Soldaten dar, der mit einem Wischstock den Gewehrlauf reinigt. Dieser Soldat hat es mir angetan. Ich starre ihn oft Minuten lang an. Er trägt eine Schürze, lange Schaftstiefel, Käpsel und die Schürze ist blülenweiß und die Stiefel sind blitzend schwarz und das Käpsel sitzt ans Millimeter vorschriftsmäßig, lind der Soldat bewegt eben zum Einführen des WischstockeS die Hände und hat eine Miene aus- gestülpt und eS ist die Miene, die man haben muß beim Ein- führen des WischstockeS, und es ist d i e Armstcllung, die man dabei anzuwenden bat. Und er ist kurzum der Soldat. Ter VorschriftS- soldat. Der Soldat, der nie auffiel, nie Dienst versäumte, der seine unmittelbaren Vorgesetzeten ohne Stocken namhaft machen konnte, die Genealogie der Herrscherhäuser kannte, pünktlich aufstand. Der Soldat, der vorschriftsmäßig Hurra schrie, sich vorschriftsmäßig be- hoben am wenigsten ein Recht, darüber zu schelten. sie hatten die Möglichkeit, durch ihren Eintritt in die Regierung mit den Zozialdemokraten gemeinsam für eine andere Gestaltung der Rcgierungspolitik zu sorgen. Unter dem Druck der Kommuni st en außerhalb und innerhalb ihrer Reihen haben sie auf eine segensreiche Tätigkeit in der Regierung verzichtet und so den deutschen Arbeitern einen Teil der Macht genommen, auf die die Arbeiter Anspruch hatten. Wenn die Unabhängigen also jetzt unzuftieden sind mit dem, was die bürgerliche Regierung tut. so müssen ste an ihre eigene Brust schlagen und bekennen: Es ist unsere Tchuld, unsere große Schuld! von oben unö von außen. Zu dem Kampf um Moskau nimmt nochmals Hilferding, Chefredakteur der„Freiheit", dessen Hinanswurf aus der IT S. P. bekanntlich unablässig von den russischen Diktatoren und von ihren linksunabhänoigcn Nachbetern in Deutschland gefordert wird, in einem„Für daS Selbstbestimmungsrecht!"überschriebenen Artikel Stellung. Hilferdinas Auffassung ist bekannt. In seiner gegen Moskau gerichteten Argumentation verweist er vor allem darauf, daß bei der Fülle von Momenten, die bei der Fällung ernster po- litischcr Entscheidungen zu berücksichtigen sind, engste Fühl u/n g mit der M a sse und mit der Partei erforderlich sei. Hilferding schreibt: Deshalb ist es eine Unmöglichkeit, von außen her einer Partei ihr politisches Handeln vorschreiben zu wollen, obne die s�ch l i m m st e n Fehlschlüsse zu begehen. Es ist eine Gefahr, die sich gerade in revolutionären Zeiten noch ungeheuer steigert, daß eine Leitung von oben her die entscheidenden Entschlüsse faßt, statt daß diese durch den Willen der Masse der Parteimitglieder von unten her gebildet wer- den. Denn die Leitung ist dann stets der Möglichkeit ausgesetzt, daß sie«die Stimmung der Masse verkennt und deshalb von ibr im Stich gelassen wird, �wodurch die Niederlage gewiß ist. Aber diele Gefahr wächst ins Ungeheure, wenn nun gar diese Beschlüsse, die die bedeutsamsten Aktionen betreffen können, von außen bestimmt werden, wenn die Leitung, ohne- bin schon losgelöst von dein Bestimmungsrecht ihrer Massen, gar noch dem Druck einer auswärtigen In- stanz ausgesetzt wäre� Und die Gefahr würde vervielfacht, wenn diese Leitung selbst unter den, Einfluß ganz außerordent. licker Umstände, abgeschnitten von allen rascken Information»- Möglichkeiten, jahrelang ausgeschlossen von der unmittelbaren Berührung mü der übrigen Welt, in Moskau sitzt. Weiter wendet sich Hilferding gegen die Moskauer Forderung einer„straffen militärischen Disziplin", die nur Teilnahmslosigkeit oder Rebellion bewirken könnte. Hilferding erwähnt die Tatsache, daß außer der noch zu„reinigenden" italienischen Partei und den skandinavischen Linkssozialisten keine westeuropäischen Parteien der Tritten Internationale angehören und glaubt, das Verhalten Moskaus daraus erklären zu können, daß es von der Ueberzeugung erfüllt sei, die russische Sowjetrepublik könne sich nur dann behaup- ten, wenn der Sozialismus auch in dem entwickelten Westen mm Siege gelange. Eine Politik des S e l b st e r h a l t u n.g s- t r i e b S also. Sein« ablehnende Haltung begründet Hilferding folgendermaßen: Wir müssen die Moskauer Bedingungen deshalb ableh- n e n, weil s?e uns gerade dann, wenn es am nötigsten, der- hindern, selbst Mittel, Wege, Ziel und Tempo der Aktion m bestimmen. Die Moskauer halten die russiscbe Revolution und die Sicherung ihres Erfolge» für einen entscheidenden Inhalt der proletarischen Politik. Darin haben sie Recht. Falsch ist aber ihre Schlußfoloerung, daß sie deshalb, und sie allein, die vroletarifchs Politik in allen Ländern leiten und bestimmen können. DaS fft«in Anspruch, der unmöglich fft und, wenn durchgesetzt, nur allzu leicht zu einer Niederlage deS Proletariats dieser Länder führen kann. Denn die revo- lutionären Forderungen, di« sich gus der russischen Situation jeweilig ergeben und die naturgemäß die russischen Taktiker bestimmen, brauchen durchaus nicht mit den revolutionären Be- tätigungsmöglichkeiten der anderen Länder übereinzustimmen. An die links von ihm stehenden Parteigenossen richtet Hilfer- ding folgend« Frage: Wie ist es denkbar, daß irgendein Mann mit selb- ständigem Urteilsvermögen, irgend jemand mit einer geisterte und vorschriftsmäßig starb. Ich könnte jetzt daS Tintenfaß auf den Soldaten kippen: seine Schürze nähme die schwarze Farbe einfach nicht an. Seine Schürze und seine Gesinnung nehmen nichts an, waS vorschriftswidrig ist. Tiesem Soldaten sind diese 272 Seiten daS Leben selbst! Ihr müßtet ihn sehen, müßtet sehen, wie er in der borgesetztcnseitig erwünschten Größe. Breite, Bein- und Armstellung dasteht und mit ordnungsmäßigem GesichtsauS- druck ordnungsmäßig die ordnungsmäßige Einzelhandlung 16: Lauf- reinigen mit dem Wischstock an dem ordnungmäßig aufgeschraubten Gewehr ordnungsmäßig ausübt. Ihr müßtet daS sehen! Wenn man ihn jetzt in den Hintern pickte, so würden sich ganz gewiß die ordnungsmäßigen Denkvorgänge in dem zuständigen GeHirnlappen ordnungsmäßig absolvieren und er würde die ordnungsmäßig einzig mögliche, irgendwo ordnungsmäßig auf den 272 Seiten für diesen Fall vorgesehene Gegenhandlung ordnungsmäßig bewirken. Ich will nichts Neues sagen. DaS kann man hierüber nicht mehr. Ich will nur wieder einmal erinnern. DaS mutz man immer wieder. Immer und immer wieder. Und die Erziehung meiner Kinder zu freien, friedlichen Erdenmenschen werde ich einmal an Hand des„Dienstunterrichts des Kgl. Sachs. Infanteristen" durch dessen Negation ordnungswidrig durchführen. MachtS ähnlich, dann erleben wir kein 1S14 mehr! Die neue Zeitschrift„Volksbühne", die in Zweimonatsheften als„Zeitschrift für soziale Kunstpflege' erscheint, hat jetzt ihr erstes Heft herausgebracht. WaS daS neue Organ will, kommt durch dieses Heft sehr geglückt zum- Ausdruck. Es spiegelt die wachsende Bedeutung, die der Volksbübnenbewegung im deutschen Kulturleben zugefallen ist. An der Entwicklung der letzten zwei Yahre gemessen, wird sie zur Trägerin der Kunstinteressen werden, die in den Massen des Volkes, also den arbertenden Massen, ihren Würze lboden haben. Das zeigt sich auch tn der Ausnahme, die daS neue Organ sofort gefunden hat: schon ehe noch das erste Heft erschien, ist die Anzahl von festen Abnehmern doppelt so groß ge- Wesen als man im voraus veranschlagen zu dürfen meinte. Es ist wohl anzunehmen, daß das neue Organ ein weiteres Mittel ist, die vielen Tausend«, die sich in der Volksbühne als Kunstgenießer zusammenfanden, geistig immer enger zu verbinden. Die Volts- bühnenarbeit braucht zum Gedeihen solchen inneren Zusammen- schluß. wenn sie der große Faktor werden will, der sie im neuen deutschen Volksleben werden mutz. Das neue Organ wird zu den wichtigsten Fragen der Kunst- Politik Stellung nehmen, wertvolle Beiträge über all« Gebiete der Knnst vereinigen und in bemerkenswerten Proben auch die künstlerii'ch schöpferischen Kräfte der Zeit zu Warte kommen lassen. Das erste 40 Seiten starke Heft enthält Bruchstücke aus einer uN- gedruckten Idylle in Hexametern von Gerhart Hauptmann, eine amüsante Szene aus einem Komödienmanuskript Rene SchickelcS. Sonette von Ernst Toller, neue„Schauspielernotizen" von Friedrich Katißler.«inen Aufsatz von S. Nestriepke über die..�dee der Voltsbühne", einen anderen von Prof. Redslob, dem ReuhSkunst. Spur von Verantwortlichkeitsgefühl einer Partei angehören kann, der solche Bedingungen ausgelegt sind? Ist es denkbar, daß eine westeuropäische Arbeiterklasse gerade in revo- lutionären Zeiten sich einer solchen Lrganisanon unter» wirft, die jede Selbstbestimmuna, jede Selbstbetätiguna auS- schließ:? Ter Verfasser selbst beantwortet natürlich diese Frage.n ve r- »einendem Sinne, wird sich aber selbst keiner Täuschung darüber hingeben, daß es bei denen um Däumig, S t ö ck e r, Geher usw. nicht an demütigen Jasagern fehlt Der Streit in öer U.S.p. Di« große Auseinandersetzung über die Frage, ob die Unab- hängigen vollständig unterdas Joch Moskaus kriechen sollen. hat jetzt auch in der Berliner Funktionärsitzung der Unabhängigen ihre Fortsetzung gefunden. Am Tonnerstag mar- schierte eine große Reihe von Rednern für und gegen auf, zu denen, die gegen die Annahme der einundzwanzig Bedingungen sich aus- sprachen, gehörten u. a. Stadtverordneter Leid, Rudolf Breit- scheid, Luise Zieh und vor allen Dingen Emil Barth, der ehemalige Volksbeauftragte. Barth sprach in erfrischender Deutlich- keit, trotzdem er selbst sich rühmt, die deutsche Revolution„gemacht" zu haben, gegen die russischen Revolutionsfabri� kanten. Aach dem Bericht der„Freiheit" sagt? Barth wörtlich: Man mutz sich zu der ErlenntniS durchringen, daß das deutsche Volk eine Diktatur braucht. ES ist not- wendig, daß man in Deutschland Organisationen schafft, die eine Verantwortung tragen. Wenn man sagt, daß der Anschluß an Moskau unS stärker mache, so sage ich. daß das ganze Elend der deutschen Revolution von Rußland gekommen ist.(Bewegung.) Barth führt die Tätigkeit der russischen Kommissare wie Bucharin und Joffe an, die stets darauf drängten, an jedem Tag und an einem anderen Ort Aufstände zu inszenieren. Gerade d i« Genossen, die mit mir in der illegalen Organisation waren, haben auch mit mir diese Ansinnen zurückgewiesen, d.r sie wußten, daß eine Niederlage nur Bedrücktheit, nicht aber neuen Kampfesmut erzeugt. Am 9. November war Liedknecht bereit. in die Regierung einzutreten. Am 16. November, alö er mit Bucharin gesprochen hatte, lehnte er ab mit der Begründung, die Revolution wcitcrzutreiben. So hat man sich im voraus aller Stärke begeben. Diese Tatsachen sind von größter Bedeutung. Damals wurden alleDiktatevon Rußland. von Bucharin und Radek, gegeben, weil man sagte, das sei dis deutsch« Ksrenskiperiode und man müsse nun von außen anfanget» zu arbeiten.(Lebhaft« Unruhe.) Barth schildert die Vorgänge im M a i 1919, seine Verhandlungen mit Bebst u n) v. Oven, die er auf Beschluß der unabhängigen Vollzugsrat- 'Mitglieder unternommen habe. Da habe man ihn abge- schüttelt. Es kommt nicht Laraus an, daß man etwas macht. sondern es kommt darauf an, daß es auch i n d e r richtigen Stunde mit den richtigen Mitteln geschieht. Diejenigen, die immer für Aufstände, Gemalt, Terror sind, daS sind die, die nie eine selche Organisation schaffen, und wenn sie eine leere Patrone sehen, zu laufen anfangen.(Stürmischer Beifall.) Barth setzt sich unter starkem Beifall für die Autonomie des deutschen Proletariats ein. Leid erklärte, die Praxis habe gezeigt, daß deutsche Kom- m u n i st e n in nicht wenigen Fällen Aktionen deS Proletariats zerrissen und geschwächt haben, um dann um so mehr über die Verräter von Führern loSdonnern zu können. Wäre nur ein Teil dieser Kräfte den gemeinsamen Aktionen gewidmet worden, so stünde es besser um die deutsch« Revolution. Begreif- licherweise vergaß Leid hinzuzufügen, daß das, was er den Kommunisten zum Vorwurf macht, auch vollkommen auf die Unabhängi- gen zutrifft. Rudolf Breitscheid will den russischen Kommu» nisten vollste Objektivität wahren. ,LSir müssen unS gegenseitig ertragen in der Internationale." Er verlangt dasselbe Verstand- ins von den Russen auch für Deutschland, aber, so sagt er, die Russen wollen einfach die deutsche Revolution diktieren, sie wollen Teutschland opfern, um die russische Revolution zu schützen. Nach Breitscheid sprach ein Rodner in sehr scharfer und ent- schiedener Weise für den Anschluß und für die Anerkennung der Bedingungen. Nachdem er geendet, wurde in einer Geschäfts- ordnungSdebatte festgestellt, daß er kein Parteifunktionär sei, also sich in den KreiL der Debattierenden eingeschlichen habe. wart, über„Bübne und neue Zeit", einen Beitrag Julius BabS über„Slil des Dramas", eine mteressante Studie des amerikan:- sehen Prof. Otto Manthey-Zorn über„Amerika und die Theater- kultur" und einen längeren Aussatz des Direktors der National- galerie, Ludwig Justi. über die„Naticmalgalerie und die soziale Kunstpflege". Eine Reihe beachtenswerter Rundschaunotizcn er- gänzt diesen reichen Inhalt. Die Volksbühne hat den Preis des Blattes außerordentlich niedrig bemessen.(Einzelheft 1-30 M., Halbjahrsabonnement 3 M.) Bestellungen sind an das Generalsekretariat des Vereins, Berlin C. 26, Linienstr. 227, zu richten. Charles Nichcts FricdcnSgruß. Zur Feier von Charles Richets siebzigsten Geburtstag fand Ende August eine gemeinsame Feier der Mitglieder des FriedcnsbundeS der Kriegsteilnehmer und der» Berliner Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft in Charlottenbura statt, wo Charles Richet einst im März 1914 für eine deutsch-französische Verständigung gesprochen hatte. An- sprachen hielten Pfarrer Bleier von der deutschen FriedenSgeiell- schaft und Pros. Rudolf Berger, der Uebersetzer RichetS. der einst seinen Freund in Deutschland eingeführt_ hat. Dem Gefeierten wurde telegraphisch gehuldigt:„Dem ehrwürdigen Verteidiger und mutigen Verfechter der Völkerversöhnung." Richet hat nun auS Carquerranne im Departement Var geantwortet:„Ich b:n Ihnen sehr verbunden für Ihr Tympathietelegramm und ich spreche Ihnen alle Gefühle der Dankbarkeit auS. deren ich fähig bin. Fohren Sie Fort, für den wirklichen moralischen Frieden einzu- treten, der vielleicht weit bedeutungsvoller als der diplomat'iche Friede zwischen Frankreich und Deutschland ist; die beiden Völker haben wahrhastig vornehmere Aufgaben zu lösen, als sich immer nur gegenseitig zu morden." Wie hoch die Dämme sind, die diesem FriedenSziel heute noch in Frankreick entgegenstehen, läßt sick aus der eben eintriüenden Meldung erkennen, daß die Witwe B j ö r n s o n s, der ebensosehr ein großer Friedens-!v:e aus Kulturgründen ein Franzosenfreund war. keinen Paß ncch Frankreich erhalten konnte, weil chr Sohn Bjoern Björnson wäbreno des Krieges zu deutschfreundlich gewesen sei. In diesem Fall hatte das Schema der FMidseli�keit aller- dinaS ein« so offenbare Torheit veranläßt, daß man es für gera-en hielt, sie auszugleichen. Durch Vermittlung oeS norwegischen Gesandten in Paris konnte die Angelegenheit, wie gemeldet wird, er- ledigt werden._ Dteater. Tas Neue VolkStbeater bringt Donnerstag IS. Sevtember, eine Neueinstudierung von Ibsen«.Nora".— Tino P a t t i e ra wird demnächst im Deutschen Opernhause im .Troubadour'. ,To?ca" und.Carmen' gastieien. Die Opernhochschnle, die vom Deutschen Chorsänger- und Ballett- verband seit langem anoeklrebt worden ist, wird al« staatliche« Institut unter Leitung von Pi oicssor Hiizo Rädel im Ottober eröffnet und der Opernschule an der Staail. Alademtschen Hochichule für Mufft angegliedert. Verschärfung deS Wiener Theatorstreiks. Der Verband derMintcr- direttoren beschloh, allen Schauspielern, die tn den Streik getreten find. kündigen. Man erwartet, daß die Schauspieler aus diesen Beschluh hin»b alle Theater den Streik»erhängen wezpe». Luise Zieh meint, dag von der Entscheidung, die jetzt gefällt wird, nicht allein das Schicksal der Partei, sondern das Schicksal des Sozialismus abhänge, womit sie allerdings stark übertreibt. Denn der Sozialismus wird kommen, auch wenn Luise Zietz ge- meinsam mit Ledebour nach Moskau wanderte. Sie erklärt weiter, wenn sie der Meinung wäre, das Schlucken der Bedingungen würde die deutsche Revolution weitertreiben, so würde sie schlucken. Aber sie sei überzeugt, daß sie eine blutige Niederlage für das deutsche Proletariat heranreifen lassen. Von den Rednern, die für die Annahme der Bedingungen sprachen, ist besonders Adolf Hoffmann zu erwähnen. Er will die Einigkeit des Proletariats, aber keine Einigkeit, die.nur ein Sammelsurium" darstelle. Eine straffe internationale Diktatur könne helfen, wenn nötig, auch in der eigenen Partei. Ein anderer Redner, namens Schindler» erklärt, nach seiner Meinung müsse die Diktatur sehr oft gegen die Proletarier ausgeübt werden. Für diese Aeugerung erntete er— lebhafte Zustimmung. Der Bericht üebr den weiteren Verlauf der Debatte liegt noch nicht vor, infolgedessen auch noch nicht die Beschlüsse, die in Berlin gefaßt werden. Aber aus dem bisherigen Ergebnis ist zu erkennen, daß in Berlin wie überall die Unabhängige Partei- ein solches Ge- misch von Anschaungen darstellt, daß sein Fortbestehen nur bei der Gutmütigkeit der deutschen Arbeiter verständlich ist. Wiclange es andauern kann, ist allerdings eine andere Frage. Der ürohenüe Sergarbeiterftreik. Der Standpunkt der Regierung. Paris, tO. September.(MTB.) Wie der„Matin" aus Lon- don meldet, vertrat die Regierung bei den gestrigen Besprechungen mit den Bergleuten den Standpunkt, daß die Lohnfrag< von den Vertretern der Arbeiter und Arbeitgeber erledigt wer- den müsse, daß aber die Frage der Herabsetzung der Koh- l e n p r e i s e Sache des Parlaments sei. London, 9. September. sRcuter.) In» Lcrlaufe der Kon- f e r e n z zwischen der Regierung und den Vertretern der Bergleute weigerten sich diese, bezüglich der Herab- setzung der Kohlenpreise nachzugeben. I» bezug auf die L-Hnfrage weigerten sich die Delegierten ebenfalls, ein indu- strielleS Gericht anzuerkennen oder sich mit den Arbeitgebern zu verständigen. Ein Bericht über die Konferenz wird beute abend ver- iiffentlicht. Eine Wahlreüe Renners. Salzburg, 9. September. Staatssekretär Dr. R e nn« r sprach heute in einer Volksversammlung über die kommenden National- ratswahlen. Der Staatssekretär warf den Christlichsozialen vor. dgß sie in den großen Streitfragen kein Programm oder mehrere Programme hätten, und daß sie daher nicht die Eigenschaf- teu einer»oirklichen Staatspartei besäßen. Redner verwies im Gegensatz dazu auf die jüngst in Salzburg abgehaltene begründende Tagung der Großdeutschen Partei. In allen Fragen, in denen die Christlichsozialen zwiespältig seien, scheine sich die groß- deutsche Partei zu einer einheitlichen Auffassung und Haltung durchzuringen. Diese Auffassung— und das könne für Oesterreich von der größten Bedetung werden— fei di« einer Staatspartei. Sie derfchmähe die Habsburgischen Abenteuer. lehne das bayerische Abenteuer ab, sei für eine ver» nünftige Ordnung der Beziehungen zwischen Staat und Ländern. habe den wirtschaftlichen Wiederaufbau ermöglicht und habe sich schon jetzt bei den Verhandlungen über die Verfassung in den Kul» turfragen zugunsten einer modernen Schule und der bürgerlichen Freiheitsrechte entschieden. Die österreichische Sozial. demokratie habe niemals die Diktatur erstrebt. Sie wisse wohl, daß sie, wenn überhaupt, die Verantwortung nicht allein zu tragen haben werde, und sie werde es begrüßen, wenn das Bürgertum sich endlich auf seine historische Pflicht besänne.— Die Rede wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Labriola über Sie Jabrikbesetzungen. Der römische Berichterstatter der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" drahtet seinem Blatte eine Unterredung, die er mit dem reformsozialistischen Arbeitsminister des Kabinetts Gio- litti, Labriola, über die gegenwärtige Metällarbeiterbewe- gung in Italien statte. Labriola bestritt, daß die Bewegung einen politischen Hintergrund habe: die Schuld an der Zuspitzung der Lage trügen die Industriellen. Ueber die Besetzung der Fabriken befragt antwortete der Minister: „Der Staat hat nur ein Interesse daran, daß di« Sicher- heit der Straß« gewahrt bleibt, und bis jetzt ist auch diese öffentlich« Sicherheit nicht gestört worden, wenigstens nicht in einem solchen Umfang, daß der Staat hätte eingreifen müssen. Tie Besetzung der Fabriken ist juristisch als eine Besitz. ftörung aufzufassen, und die Industriellen kiinuen den Rechtsweg beschreiten. Sie werden sich vielleicht über dtese Auffassung wun- dern, aber berücksichtigen Sie folgendes: Wenn es sich um eine Massenbewegung handelt, sind andere Gesichtspunkte geltend, als wenn eS sich um einen Einzelfall handelt. Der Tot- schlag ist ein verabscheuenswertes Delikt, das Massentöten nennt man Krieg, und es gibt Leute, die auch diesen entschuldigen. Heute handelt eS sich für Italien um eine Bewegung von Hun- deriiau senden organisierter Arbeiter, da kann man den Auf- »uhrporagrophcn nicht mehr anwenden. Man mutz auch die mo- ralische Atmosphäre berücksichtigen, die Massennerdosität, die eine Folge des Krieges ist. Zudem sind dieArbeiteralle be- w a s s n e t. Bei den Unruhen in Ancona wurden 49 Maschinen. gcwehre im Besitz der Arbeiter festgestellt. Ein staatliches Ein. greifen würde unbedingt zu Blutdergießen führen, das leicht in ein« blutig« Revolution ausarten könnte, und daS muß unter allen Umständen vermieden werden. Kommt eine so- ziale Umgestaltung, so soll sie wenigstens mit dem möglichsten Mi- nimum an Schädigung des einzelnen eintreten und kein Blut- vergießen hervorrufen." Labriola meinte sodann, daß die Regierung Giolitti ein- stimmig der Ansicht sei. daß das beste Mittel, ein Ueber- greifen des Bolschewismus auf Italien zu ver- meiden, sei .dem Lande solche Einrichtungen und eine solche Rich. iung schon jetz: zu geben, die bei einer eventuellen Transformation der kapitalistischen Wirtschast in eine sozialistische Wirt- schaft sich schon vorfinden und sich als brauchbar erweisen. Mit Kanonen läßt sich eine Bewegung, die die Masse» erfaßt har und treibt, nicht bekämpfen." In diesem Zusammenhang besprach der Arbeitsminister den Gesetzentwurf über den„Obersten Rat der Arbeit" sConsiLlio auperiore del lavoro), der dem deutschen Reichswirtschaftsrat entsprechen und die Möglichkeit geben werde, «Ein Privatuntcrnehme» in kooperative Arbeit zu übernehmen unter Ausschaltung des früheren Eigentümers, von dem entweder die Fabrik gemietet wird, oder der auf Grund einer Abschätzung abgefunden werden soll, vorausgesetzt, daß die Arbeiter zur Führung des Unternehmens iähig sind und ein« wirtschaftliche Schädigung der Gesamtheit nicht zu befürchten ist." Wenn der Industrielle sein Eigentum nicht hergeben wolle, dann könne er gezwungen werden; das Allgemeinwohl steht höher als da? Wohl des einzelne»». Und ohne sogenannte Ungerechtigkeiten und Schmerze» für den einzelnen läßt sich«ine soziale Umwandlung nicht durchführen. Es kommt darauf an, daß da? Staats- getriebe als Ganzes gesund erhalten bleibt und in solche Bahnen langsam und vorsichtig übergeleitet wird, die dem neuen Geist und den Lebensbedürfnissen der großen Masse» entsprechen. Und das erhoste ich für Italien." Das erhoffen wir auch für Deutschland, befürchten aber, daß das Kabinett Giolitti-Labriola mehr für die italienische Arbeiterklasse leisten werde, als das Kabinett Fehrenbach-Raumer für die deutsche. Der„Sozialver- räter" Labriola scheint jedenfalls mehr positive Arbeit für das italienische Proletariat durchzuführen, als sämtliche„bolschewistische" Abgeordnete der sozialistischen Fraktion zusammengenommen. Was sagt aber Herr S t i n n e s, der Besitzer der„Deut- schcn Allgemeinen Zeitung" zu der Propagierung dieser er- freulich kübnen und weitherzigen Auffassungen Labriolas durch sein eigenes Blatt?... Vor der Einigung 1 Rom, 10. September.-e?hen werden könne. * Paris, 9. September,(MTB.) Wie.Libertö" aus Rom meldet, haben die Arbeiter in L» v o r n o einen Torpedo- bootSzer störer vom Stapel gelassen, auf dem sie die rot- schwarze Fahne hißten. Irankreichs Sabotageversuche an Genf. Paris, Ist. September(WTB.) Nach dem„Echo de Paris" hat der belgische Ministerpräsident Telacroix vorgeschlagen, die Neparationskommission in Paris zusamincn- treten zu lassen. In dieser Sitzung sollen die deutschen MweiiMWxilbeimMWilSWSe? Das Gesetz sichert jedermann, der in der Zeit vom 15. Sep- tember bis 1. November Militärwaffen abliefert, oder der vorgeschriebene» Anmeldepflicht nachkommt, Straffreiheit zu wegen unbefugter Aneignung sowie wegen Zuwiverhandluug gegen bisher erlassene Vorschriften über die Waffenadgabe. Delegierten über die deutschen Wiedcrgutrnachungspläne gehört werden. Am 15. Oktober soll in G c n f eine Kon- ferenz der alliierten Regierungschefs statt- finden, die die von der Reparationskommission auf Grtind der Beratungen mit den Deutschen gemachten Anregungen zur Kenntnis nehmen soll. M i l l e r a n d habe den Vorschlag Delacroix' bereits gebilligt. Es steht noch die Zustiin- mung von Lloyd George und Giolitti ans. Dtef-e Meldimg enthält verschiedene Unklarheiten, aber ihr etwas versteckter Sinn ist wohl, daß dieGenferKon- ferenz überhaupt nicht stattfinden sollte, wenig- stens nicht in der Form, die in Spa vereinbart worden war. Deutschland hat in Paris in der Person das Staatssekretärs Bergmann einen ständigen Delegierten bei der Repara- tionskommission. Offenbar soll'dieser. vielleicht unter Hinzu- ztehung weiterer deutscher Sachverständiger Vorschläge unter- breiten. Das Gutachten der Kommission würde von der Kon- ferenz der alliierten Regierungschefs in Genf geprüft werden und die Entscheidung dieser hohen Herren einfach der deutschen Regierung als„ck�aision", wie der schöne Fachaus- druck in Spa lautete, als Diktat mitgeteilt werden. Nur so kann die Mitteilung des„Echo de Paris" gedeutet werden, da bezüglich der Genfer Konferenz ausschließlich von „alliierten Regierungschefs" die Rede ist. Die französische Regierungspresse, die in letzter Zeit schamhaft gegen die Behauptungen von deutscher Seite pro- testierte, wonach Frankreich die Konferenz von Genf genau so sabotieren wolle, wie es seinerzeit versuchte, Spa zu sabotieren, scheint«ine elegante Lösung dieses Pro- blems entdeckt zu haben: die Genfer Zusammenkunft soll statt- finden— ohne die Deutschen! GroßVerlin Ungeklärtes Dunkel um üen Leichenfunü. Tie gestrigen Ermittelungen in der Leichenfundfache am Frei- bod Wannsee erstreckten sich in der Hauptsache darauf, festzustellen, woher di« blutigen Damenkleidungsstücke stammen, d:e in einem Hausflur in der Schönhauser Allee gesunden wurden, um so klarzustellen, ab sie mit dem Verbrechen etwas zu tun haben. Da auch schon, wie ermittelt werden konnte, vor acht Tagen in der Nähe ein ähnlicher Fm»d gemacht worden ist, so liegt di« Möglichkeit nahe, daß die Sachen von einer„weisen" Frau, di« dort wohnt, be.iette geschafft worden sind. Deren Treiben wird zurzeit näher nachgeprüft. Ebenso wird den Viesen Zeugenbekuniungen nachgegangen, die bisher gemacht wcwden sind. So wurde gestern nach» mittag auch ein Lokal besichtigt, in dem ein Zeuge am Montag einen widerlichen Branderuch wahrgenommen haben will. Bei einer Durchsuchung der Räume wurde jedoch nichts Verdächtiges ge- sunden Die zahnärztliche Untersuchung des Gebisses ist jetzt auch abgeschlossei». Nach Ansicht dieser Sachverständigen kann die ermordete Person bis zu 40 Jahren alt gewesen sein. Die Vorder- zähne sind regelrecht gezogen und da? Zahnfleisch ist schon längere Zeit verwachsen, Tie Weizenmühle von Solomon niedergebrannt. Die altbekannte. Weizenmühl« von Karl Salomon in der M ü h l e n st r a ß e 8, am Stralauer Tor, ist in der letzten Nacht durch ein Großfeuer zum größten Teil eingeäschert worden. Diese alte Berliner Mühle ist schon mehrere Male von Bränden heimge- sucht worden. Diesmal ist der rechte Seitenflügel mit dem mitt- leren Teil, dem Dachgeschoß und fünf Geschossen fast vollständig ausgebrannt. Es stehen nur rwch kahle Mauern, die zum Teil ein- gestürzt sind. Durch einstürzende Giebelwände»st die angrenzende Spritfabrik von R. Eisenmann, Mühlenstraße 0/7, stark be» schädigt und das Dach eines Aether- und Kollodiumschuppens durchschlagen worden. DaS Feuer wurde kurz nach Mitternacht von mehreren Personen bemerkt, als die Flammen schon hell, mit dickem Qualm vermischt, auS dem fünfstöckigen, auf dem.Sintergeläi»de des aus- gedehnten Grundstücks, das von zahlreichen Parteien bewohnt wird, emporloderten. Die Berliner Feuerwehr entsandte die� Züge 5, 7 und 8. Mit allen verfügbaren Kräften wurde unausgesetzt Wasser gegeben. Mehrere Dampf- und Motorspritzen entnahmen mittels langer Schlauchleitungen das Wasser direkt aus der Spree. Um 2 Uhr nachts ließ Branddirektor Reichel„Graßfeuer" an all« Kam- pagnien melden, worauf, bis auf einige Reservczüge, die gesamte Berliner Feuerwehr, die schon in Bereitschaft war, zur Brandstelle eilte und in wenigen Minuten»räch 2 Uhr schon zur Stelle war. Um an den Brairdherd zu gelangen und die übrigen Teile der großen Mühle zu schützen, wurden drei mechanische Leitern auf dem Hofe aufgerichtet und über diese ebenfalls der Angriff gegen das entfesselte Element mit allen zu Gebot« stehenden Mitteln er- öfinet. Di« schnelle Ausbreitung und große Ausdehnung der Flammen erklärt sich aus dem Vorhandensein von hölzernen Elevatoren, die vom Erdgeschoß durch alle Stockwerke bis zun» 3, Geschoß lausend, den Flammen nicht nur reich« Nahrung boten, sondern ihnen auch den Wag zu allen Etagen schnell bahnten. Gegen 3 Uhr nachts stürzten Giebelwände ein, so daß die Mann- schatten in Gesahr gerieten. Eine große Wand durchschlug das Dach eines großen Schuppens der Spriifabrik von R. Eisemnann, in dem Aetber und Kollodium lagerte. Diese Fabrik konnte zum Glück voll- ständig vor den Flammen geschützt werden. Auch di« gefährdeten Wohngebäude blieben verschont. Der Schaden ist bedeu- iend und dürfte mehrere Millionen übersteigen. Der braune Märker. Demnächst gelangt ein neuer Darlehnskassenschein zu 1 M. zur AuSgabe, der Phantasiebegabte an den aus_ dem Verkehr entschwundenen braunen Tausender ermnern dürfte, mit dem er wenigstens die braune Farbe gemeinsam hat. Die Vorder- seit eVnthalt auf hellbraunem Grund die Zeichnung; sie ist»u schokoladenbrauner Farbe ausgeführt und besteht aus Blattver- zierungen. die das Bild nach außen hin in geschwungener Linie vegrenKen. Im DberLn Teile öffnet sich tn«? Zeichnung und gibt Raum für die Worte„Tariehnskassenschrin Eine Mark" in beut- scher Schrift. Darüber befinden sich die bläulickj-rot gedruckten Reihen- und Uniernummern. lieber die Mitte des Scheines ver- bindet ornamentaler Scfmmck die beiden Seitenteile der Zeichnung. Darin ausgespart erscheinen link? der runde, in bläulich-roter Farbe gedruckte Kontrollstemvel mit dem Reichsadler und der Um- schrift„ReichsschuldenberwaUung". rechts der Trcckenstempel»n ähnlicher Ausführung. In der Mitte des Scheines steht Hellsarbig in dunkelbraun gedecktem runden Felde die Wertziffer„1" und darunter das Wort„Mark". Tie Rückseite trägt auf guillochiertem Grunde in silbergrauer Farbe die Zeichnung»n dunkelolivgrüner Farbe. Tie große Mittelrosette ist zu beiden Seiten eingerahmt von zwei Füllhörnern mit Blumenschmuck. Ober darüber steht leicht gebogen das Wort„Darlehnskassenschein", unten die Worte„Eine Mark". Die Bcrlausung erheblich zuriickgegnnnsn. Die Verlausung der Bevölkerung ist nach einer amtlichen Fesrstellung�enffchieden erheb- lich zurückgegangen. An vielen Orten ist sie völl'.g beseitigt. So ergab sich bei Gelegenheit einer Rundfrage der Medizinalabt»» lung des Ministeriums für Volkswohlsahrt über die Einmhrung einer Meldepflicht für verlauste Personen: Nur vler RegierungS- bezirke sprechen sich für eine bedingte Anwendung in einzelnen Kreisen aus. Alle anderen verneinen die Notwendigkeit der Em- führung der Meldepflicht. Sie wird deshalb einstweilen nicht ein- geführt. Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln soll aber auf eine völlige Beseitigung einer«wa noch bestehenden Verlausurig hinge- wirkt werden. „Volk und Zeit", untere illustrierte Wschensckirift, er- halten die Groß-Berliner Abonnenten mit diesem Blatt. Famllientragödie in der Pasteurstraße. Die unnatürliche Tat einer Mutter wird aus der Pasteurstraße gemeldet. Infolge angeblicher Untreue ihres Mannes vergiftete sich im Hauie Pasteur- siraße 12 eine Frau Graf mit ihren beiden 11- und 13 jähr»- gen Kindern durch Leuchtgas. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Die Rückführung der russischen Kriegsgefangenen. Heute abend begibt sich eine deutsche Regierpngskommisston unter Führung des Reichskommissars Genossen S l ü ck l e n nach K o iv n o, um dort mit einer aus Moskau kommenden russischen Kommission zusam- menzutreffen. Ter Zweck der Verhandlungen ist, die Gefangenen aus Sibirien aus dem L a n d w e g über Minsk— Wilna— Kowno— Ehdikuhnen zurück-utransportiercn. Dieser Weg hat den Vorzug, immer benutzbar zu sein, während die Benutzung des Seeweges im Winter ziemlich erschwert werden dürfte. Selbstverständlich wird nicht daran gedachl, etwa den Transport zur See aufzugeben. Mit der deutschen Regierungskommission reisen auch einige namhafte Vertreter vom Internationalen Roten Kreuz und Professor N a n s e n, der eine Organisation auf iniernationaler�Basis geschaf- fen hat, di« eS sich zur Aufgabe gestellt hat, die Fürsorge für jene Kriegsgefangenen— meist üsterreichisch-ungarische— zu übernehmen, die bis zum Winter aus Sibirien nicht abtransportiert werden können. Wahlkreis Prcizlaner Tor.(23., 24., 26., 28., 29., 30., 81.. 32. Abt) Versammlung sämtlicher Elternbeiräte Montag, den 13. September, Stargarder Str. 8 bei Vlesiin. Sämtliche Anfragen und Anträge pp. sind in Zukunft ,u richten an den Obmann Genossen R. Prczewslojsky, HO SS, Naugarder Str. 17._ Groß-Serliner paeteinachrichten. 4 Heute, 10. September: 24. Llbteilung. tt-i fteben den Mitgliedern für die Sonntagnach- mittag-Vorstellung im Zeniralibeater. Alte yakobstr., am 12. September: „Verflucht fei der Acker!*, noch ca. 30 fei ntvi Ii« tariert zur Verfügung. Wir bitten, von diesem febr vorleiihasien Angebot Gebrauch zu machen. Di« Karten bat der Genosse Moranz. Danziger Sir. 43 IV, in Händen. Jungsoztatistjsche Bereinigung. A r b e i t s a uS! ch u tz: Nach- mittags S'/, Uhr Sitzung im Vorwärisgebäude.— Orisgruvve Süden: 7st. Ubr in, Zeniraljugendbeim. Lindenstr. 3. Vortrag über Agrarpolitik. Ref. Genosse Franz Krüger, Mecklenburg.— Ortsgruppe Lich t ers el d e:?>/, Uhr im plugenddeim, Albrechlstr. 14». Vortrag. Grunewald. 71/. Uhr Mitgliederversammlung im Neslaurant„Linden- eck", Huberiusbader Siratze. Referent Genosse H ä u S l e r. Thema:„Auf- gaben des Parleitages in Kassel." Vorträge, vereine unö Versammlungen. Zentralverband der Invalide». Bezirk Norden kl. Donntag, den 12. Sept., vormittags 10 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von E. Schurzmann. Stettiner Str. 11. Gäste willkommen.— Neichshund der Kriegsbeschädigten, Bezirk 1(Süden). Soirniaa. den 12., vorm. 10 Uhr in der Union-Braucrci, Hasenheide, gross« össenrliche Proteswersamm- Iung vom Gau Gross.Beriin.— Schachspieler. Vom 12. Sept. d. I». ist der freie Schachverkehr Neukölln, Donauflr, 105, bei Gütig, wieder eröffnet. Dort auch Unterricht. Eintritt und Teilnahme für jedermann frei und GöVerMostsbewegung Dis Tagung öer Eisenbahner. Am 12 September beginnt in D r e s d e n die auherordentlichc l»ikenen U-Boo'.es iprechen. Aus dem U-Boot wurde erllärt, daß die Luit knapp würde. Der Dampfer funkte sofort nach allen Richtungen, so daß i'ebr schnell eine Rettungsfloltille an Ort und Stelle war und die Mann'chofr gerettet werden konnte. Kinderelend in Sachsen. Wie der„Frankfurter Zeitung" aus Sachsen berichtet wird, ist die N o t der Kinder auch in Sachsen groß. In sebr vielen Orten, sowohl Städten wie Dörfern, sind weit ausgedehnte ärztliche Untersuchungen über den Gesund- heitszustand der Kinder angestellt worden, und überall war das Ergebnis erschreckend. Die Zahl der kranken, unterernährten und im Wachstum zurückgebliebenen Kinder betrug nur selten weniger als 75 Proz. In dem Bezirk M i t t w e i d a waren von 4000 untersuchten Kindern alle ohne Ausnahme krank oder unter- ernährt! Wagqondachsitze erster� und zweiter Klasse. Budapest er Blätter berichten von der Sitte, daß die Reisenden, die im Innern des Bahnwaaens leinen Platz finden, massenhaft die Dächer besetzen. Die Schaffner brauchen deshalb viel turnerische Gewandt- heit, wenn sie die Kontrolle vornehmen. Man hält daiauf, daß auf den Waggondächern strenge Ordnung herrsche. Webe dem, der seine Beine van einem Dache erster oder zweiier Klasie baumeln läßt, wenn er nur eine Fahrkarle für die zweite oder dritte Wagen- klasie besitzt I Er wird unbarmherzig dazu verhallen, die Differenz nachzuzahlen. Bcrantw. kflr den redalt. Teil■ Tr. Wcrncr Pclllr, CbirtoUevburg: sLr ttnjeigen: St,.(Sloitc. Berlin. Verlag, LorioSris-Lerlag®. m. i. Berlin. Sruct: Vor. wärtS-Buchdruckerel u. Eerlagsanftalt Vau! Singer u. Co.. Berlin. Snieeniir. s. (Zcwinn-Auszug der 1«. Preufi.-TLdd.(242. Preutz.) Klass-n-Sstt-rie s Sias!« 1. Ziehmigslag g. September II 20 Aar Jede gerofen« Naninier sind iwei rlalch hotia(lawlnna aataiian, aad rwar ja elnar auf dla l.oae �leletifr.Xammar In den neiden Ahtellnnaen I und Ii Lhne Gewähr Zlachdrua Verbote» L- der Zlachmittagszichung wurde» Gewinne über 273 War! gezogen. 2 Cewicno ru ICOdCl IT 1-2052 2 Crw nne ru ICCO M 165317■ 14 Gewinne ru 603 il 2367B 71985 84378 103337 138391 178751 219760 32 Gewinne ru 400 M SCSI«81959 47853 43902 64614 99458 100198 100355 110523 1343S9 133633 135535 154158 163541 171277 182850 73 Gewinne ru 300 M 13330 23659 32659 35131 36343 43739 45959 47591 49331 61754 6738 79361 81337 89717 91215 114509 120735 122406 123333 129909 129945 132290 133371 139578 141522 143367 151339 133390 153539 154120 172729 133434 184569 192789 200134 203279 203307 214027 In der Vormittageziehung wurden Erwmue über 278 Marl gezogen. 2 Gew.nue ru 50000 11 7312 2 Gcw nne ru 20009 M 197033 2 Gewnne ru 6050 Jl 116611 4 Gewinne ru 1000 II 33179 15545« 14 Gewinne ru 300 U 71303 127764 137073 157959 177213 131791 196714 18 Gew;nn« m 400 M 52200 61611 38444 100238 111534 125937 145833 165432 208773 63 Geu nne ru 300 M 2712 3663 254"> 23122 48391 48243 45357 51356 63711 63343 67310 33233 63091 714'? 75432 76451 77397 90597 81912 8387? 6453' 8607« 95232 103141 115352 12:533 131079 132395 133984 134422 152333 133114 159374 165727 170404 175302 182538 136378 130221 192327 1913. 2 12,043 202520 210307 Fiim-Palast Koppenstr. 29, Kgst.4114. 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