Nr. 457 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 91 Bezugspreis» V erteltäljrLSO,—-JJii.monat;.10,— SRI. ftei ms saus, ooroue ab Idar. Post» lesufl SRonatlidi 10,— Ml» ecfL Au- ««llungsgedOhr. Unttc Strniübanb für OeuHdilonö und Otftemtdi IS, 0 Ml» Ur da« übrige Ausland ort laglich einmal. SnfteHuno 2150 Toftie* '(Hungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elawatei, Danenart, yollana,»ueemdurg, ächweden nd die Schwena— Eingetragen in die Post» �eüung«, Preisliste. er»Sßorroärts* mit der Sonntag» »tlage»Boll u. Reit* enchemt woetien- ■ h imetmol Sonntage und Zston- tng«'tnmou Telegramm-Adrestet ?o)ialfteinafrat Berlin" Abend Ansgabe Berliner Volksblntt (20 Pfennig) Anzeigenpreis» Sie achtgelvaltene SloncoreillejeUe loste S,— M., Teuernngs,«schlag 50°/> .Kleine Anzeigen", das tett- gedruckte Wort h— Di.(zuMsstg zwei 'ettgedruckte Wortes, iedes weiter« Wort 00 Psg. Stellengesuche und Schlafstelleneutzeigen das erste Wort 65 Dig. tedes weitere Wort 40 Psg. 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Ob dieser Zeit- Punkt nahe oder fern sei, hänge allein von Deutsch- l a n d ab._ Das Communiqu6 über fiix-les-öains. Paris, 13. September.(MTB.) Die gemeinsame Erklärung, die zwischen Giolitti und Millerand über die Zusammen- lunst von Aix-les-Bains vereinbart worden ist, hat nach HavaZ folgenden Wortlaut: Der tlalienische und der französische Ministerprösioerrt haben ihre Ansichten sowohl über die Lage Europas, wie über die poli» tischen und die wirtschaftlichen Beziehungen Frankreichs und Italien? in dem vertrauensvollsten und freund- schaftlichen Geiste ausgetauscht. Sic sind glücklich gewesen, die allgemeine Uebereinstimmung der Interessen der beiden Länder festzustellen, Interessen, di« in allen Puntten leicht miteinander vereinbar sind. Sie haben sich entschlossen, i n voller Uebereinstimmung miteinander die Prüfung der Lösung der schweren Probleme fortzusetzen, die der Krieg aufge- wocsen hat, und die durch den Frieden erst unvoll- ständig gelöst sind. Der Hauptzweck, den sie verfolgen, bleibt die allgemeine Wiederherstellung des Frieden? unter gerechten Bedingungen durch di« Achtung der Unabhängigkeit der Völker, und durch die Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Beziehungen unter Ausschluß jeden Gedankens an eine politische oder wirtschaftliche Herrschaft, die alle anderen ausschließt. Giolitti und Millerand haben erkannt, daß die erste Grundlage eines derartigen Friedens, der gerecht sein muh, um dauerhaft zu sein, die enge Uebereinstimmung der Alliierten: England, Italien und Frankreich in der ganzen Welt und besonders in Europa bleibt. Die Wiebecher- stellung der politischen und moralischen Ordnung beruht auf der gerechten und aufrichtigen Durchführung der grotzen Verträge, die dem Krieg ein Ende gesetzt haben, sowie der Verträge, die noch zu schlichen bleiben, um den Frieden Europas endgültig zu sichern. Dies« Verträge sind untereinander solidarisch. Sie müssen der Eckstein der neuen inter- nationalen Beziehungen bleiben. Die Sieger müssen dabei »Inen Geist wohlwollender Mäßigung mitbringen, und sie besitzen eine Loyalität ohne Einschränkung. Die Wiederherstellung des allgemeinen Friedens und die Wiederauf- richtung normaler und enger Beziehungen sind um diesen Preis zu haben. Die Ausführung des Friedensvertrages von Ver- sailles ist für Frankreich eine LrbenSnotwendjgkeit, und nur die gewissenhafte Erfüllung der von ihnen eingangenen Verpflichtungen gibt den L S n o e r n da? Recht, dem Völkerkonzert anzugehören. Um dieses Ergebnis zu erzielen, ist jetzt notwendig. Krtegen, wie er jetzt zwischen Ruß- land und Polen besteht, und den Feindseligkeiten, welche die türkischen Nationalisten und die Regierung in Konstantinopel trennen, und die die Durchführung des mit der Türkei abgeschlossenen Friedensvertrages verzögern, z u a l l« r- erst ein Ende zu machen. ' Ueber die folgenden beiden Punkte haben der französische und der italienische Ministervräsident ihre Gedanken ausgetauscht und ihre Uebereinstimmung festgestellt: Die Unabhängigkeit und Freiheit Polens, in seinen ethnographischen Grenzen ge- schilpt gegen jeden Angriff, ist daS Ziel, das beide Regierungen in gleicher Weise verfolgen. Sic halten an der Ucberzeugung fest, daß die edle polnische Nation bei den FriedcnSbedingungen, die sie den Sowjets vorschlagen wird, in ihrem Sieg« ebensoviel Mähi» gung und Achtung vor der Unabhängigkeit der Völker be- weisen wird, wie sie Entschiedenhctt in ihrer Verteidigung gezeigt hat. Giolitti und Mtllcrand sind glücklch gewesen festzustellen, das, ihre politischen Ansichten hinsichtlich der Türkei und ihre Integrität, sowie auch hinsichtlich der Mittel zur Sicherung des Vertrages von S<- v r e s miteinander in Einklang standen. Sie haben weitcrbin festgestellt, dasi die italienischen und die fran- zösischen Interessen in Klei n-A sie n sich parallel in freund- schaftlicher Zusammenarbeit der beiden Länder entwickeln mühten tinter Vermeidung der Konkurrenz ihrer Staatsangehörigen in Einklang mit ihrem Abkommen. Der allgemeine Friede kann üb«i««n« nicht vollständig ver- wirklicht werden, ohne daß die grossen europäischen Probleme ihre Lösung gesunden haben. An der Spitze stehen da die Wieder- aufnähme normaler Beziehungen zu Russland und die Regelung der Adriafrage. Die italienische und die französische Regierung achten die Handlungsfreiheit der Sowjetregiervng pnd sind sich in dem Wunsche einig, dah sich in Ruhland ein Zustand herausbilden prög«. der es diesem grossen Lande gestattet, wieder in das friedliche Konzert der Völker ein- zutreten und ben_ wirtschaftlichen Wiederaufbau in Angriff zu nebmen, der so nützlich für daS eigene Land wie für die ganze Welt ist. Millerand hat dargelegt, welchen großen Wert er auf «ine schnelle Regelung der Adriafrage durch»ine direkte ver- ständigiing zwischen den Interessenten legt, eine Verständigung, wie sie oon der italienischen Regierung beabsichtig» ist, und die geeignet völterbunö. sein muß. die gesetzmäßigen(Hier liegt wohl ein Ueber- setzungsfehler vor. Im Original heißt es zweifellos:„legitimes", d. h. berechtigten. D. Red.) Ansprüche Italiens, sowie die Interessen aller Beteiligten zu wahren, um zwischen den benachbarten Nationalitäten fteundschaftliche Beziehungen zustande zu bringen. Frankreich wird ein derartiges Abkommen mit tiefer Sympathie aufnehmen und gibt ihm vorher seine Zustimmung. Der französische und der italienische Ministerpräsident haben die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder sowohl nach ihrer wirtschaftlichen wie nach ihrer politischen Seite hin einer ge- nauen Prüfung unterzogen. Die Mittel, ihren beiderseitigen Interessen gerecht zu werden, sind ins Auge gefaßt worden. In einer Reihe von Spczialpunlten hat diese Prüfung zu der Fest- stellung geführt, wie sehr diese fteundschaftlichen Beziehungen für die Wahrung ihrer Interessen wesentlich sind. Die beiden Minister- Präsidenten sind der festen Ucberzeugung von der Notwendigkeit der Entente zwischen den beiden großen lateini- schen Ländern, einer Entente, die sich auf die gegenseitige Achtung vor ihren politischen Auffassungen und auf das gegenseitige Verständnis ihrer wirtschaftlichen Bedürfnisse gründet. Durch- drungen davon, daß diese Entente die Zustimmung der beiden Völker finden muh, sind die beiden Ministerpräsidenten dahin über- eingekommen, alle Mittel in Bewegung zu setzen, damit die k ü n f- tigen Beziehungen zwischen Frankreich und Italien von dem Vertrauen und von dem gegen- seitigen Wohlwollen beseelt werden, von denen zwei große Völker, die gemeinsam gekämpft und gesiegt haben, in der Entwicklung ihrer nationalen Geschicke beseelt sein müssen. » Dem Stil und der Länge nach könnte dieses Konmmnigue cbensogtut ein offizöser Leitartikel des„Temps" sein. Seine beinahe übertriebene Herzlichkeit war um so notwendiger, als in den letzten Monaten da? Verhältnis Italiens zu Frankreich aus allerlei Gründen ein sehr kühles geworden war. Ein großer Teil der italienischen Presse griff, namentlich seit Spa, die französische Re- gierung und den französischen Botschafter in Rom, Barrere, heftig an und dies hatte noch vor wenigen Tagen zu einem halb weh- mutigen, halb drohenden Leitartikel des.Temps" Anlaß gegeben. Di« Erklärung bewegt sich notwendigerweise in allgemeinen Ge- danken und Redensarten. Interessant ist daS Geständnis, daß der Friede die europäischen Probleme„erftunvollständig" gelöst f(at. Noch vor wenigen Monaten wäre ein solches� Bekenntnis im Munde eines sranzö- fischen Staatsmannes ganz unmöglich gewesen. Bemerkenswert ist ferner die Wendung:»unter Ausschluß jeden Gedankens an eine politische oder wirtschaftliche Herrschast, die alle anderen aus- schließt". Dies kann nur eine Spitze gegen England sein, denn aufwen sonst könnte sich dieser eigenartige Satz bezichen? Auch die Frage der Zulassung Deutschlands i n de n Völkerbund wird darin, wenn auch vorsichtig und unklar, berührt; es ist nämlich von den„Ländern" die Rede, di« nur nach gewissenhafter Erfüllung ihrer Verpflichtungen das Rech: erwerben, „dem Bölkerkonzert anzugehören". Dieser letzte Aus- druck, wie überhaupt die ganze Stilisierung der Erklärung, erintnert sehr an den dinloinatistfcn Wortschatz der Vorkriegszeit. Gemeint ist wohl der Völkerbund, aber Millerand wollte wohl daS Wort vermeiden, da nun einmal die französische öffentliche Mei- nung noch ganz auf die unbedingte Ablehnung einer Zu« lassung der besiegten Mächte eingestellt ist.(Vgl. in der heutigen Morgenausgabe die diesbezügliche Aeußerung des„Echo de Paris".) Der Satz über die den„Geist wohlwollender Mäßi- gung", der die Politik der Alliierten best-mmen werde, klingt recht verheißungsvoll, aber auch hier läßt die Erflärung Raum für den Zusatz:„Wie ich ihn auffasse." Es ist darin viel von„Gerechtigkeit", „Loyälnät" ufw: die Rede— Selbstlob kostet nichts—, aber sobald konkrete Probleme berührt werden, fällt dieser Wortschwall ganz von selbst in sich zusammen. Mit den„e t h n o gr a p h i- schen Grenzen Polens"'st natürlich nur die Curzon. Linie gemeint, und nicht etwa Danzig, Westpre.ußen oder Ost-Galizien. Hier kommt daS.SelbstbestimmungsrechtderVölker", vor dem an einer mtderen Stelle eine höfliche Verbeugung gemacht wird, natürlich nicht in Betracht. Da» einzige Novum in der Erklärung wäre der Satz über die „Wiedevausnahme normaler Beziehungen zu Rußland". Dieser Punkt gehört schon seit längerer Zeit zum allgemeinen Programm Giolitti?. Millerand dagegen hat sich bis vor ganz kurzer Zeit �gegen ein jedes Verbandeln mit den Bolschewiki entschieden gesträubt. Daß nun auck, die französische Regierung die HandlungSfteiheit der Sowjetregierung zu achten behauptet, ließe auf eine Bekehrung Millerandi durch Giolitti schließen. Und das wäre wenigstens ein postiip«? und erfreuliches Ergebnis der Zusammenkunft von Aix-les-Bains. Inwieweit aber die französische Regierung dabei aufrichtig ist, wird erst die Zu- kunft lehren. Den Italienern lag naiürkich am nächsten irgendeine be- sriedinertde Erklärung über die Adria-Frage, da man in Rom Frankreich beschuldigt, den juaoflawischen Widerstand gegen die italienischen Ansprüche zu unterstützen. Auch hier ist cS Millevand gelungen, eine F o r m e l zu finden, die beiden Teilen— Italien und Serbien— die Möglichkeit gibt, günstige Deutungen für sich zu beanspruchen. » Paris. 14. September.(TU.) Nach dem..Echo des Paris' hat Aiolitii erklärt, daß er an eine formelle Anerkennung der Moskauer Räteregierung nicht denke, wohl aber werde er den russischen Rätevertreier WorowSki empfangen. Ruhe im Sturm. Der sozialdemokratische Bezirkstag für Groß-Berlm hat der„Freiheit" den Eindruck gemacht, als ob der Sturm, der jetzt durch die Reihen der revolutionären Arbeiterschaft gehe, auf unsere Partei ohne Eindruck bliebe. Die fortgeschritten- sten Teile der deutschen Arbeiterklasse, klagt sie, rängen um die schwierigsten Fragen der Zeit, während aus dein„Sumpf der S. P. D." nur einige Blasen aufstiegen. Man denke dort an nichts als cm die Rückkehr zur alten Ministerherrlichkeit. Das alles ist nichts als gequälte Ironie, aus der der Neid spricht. Der sozialdemokratische Bezirkstag für Groß- Berlin stand allerdings in auffälligem Gegensatz M allem, was man im anderen Lager der Berliner Arbeiterschaft zur- zeit erlebt, aber es ist wirklich schwer zu behaupten, daß dieser Unterschied zugunsten des anderen Lagers spricht. Daß es noch eine Organisation gibt, die in ruhiger Entschlossenheit ihren vorbezeichneten Weg weiter geht, während alles übrige sich in Krämpfen wälzt und in innerem Zwist verzehrt, das mag manchem Berliner Arbeiter, der wie hypnotisiert auf den Kampf»Für oder gegen Moskau" starrte, erst durch den sozialdemokratischen Bezirkstag wieder zu Bewußtsein ge- kommen sein, und er wird sich dann kaum der Erkenntnis verschließen, daß der Bestand einer solchen Organisation für das Ganze der Arbciterbewegimg noch eine letzte Hoff« nung ist. Dem Kampf für oder gegen Moskau steht unsere Partei allerdings als ruhige Zuschauerin gegenüber, weil er für sie längst entschieden ist. Die Sozialdemokratische Partei hat sich von Anfang an auf den Standpunkt gestellt, daß für die deutsche Arbeiterklasse bolsäwwistische Methoden dor Machteroberung und der Sozialisierung nicht in Betracht kommen — und eben darum ist sie in einen so heftigen Gegensatz geraten nicht mir zu den offenen Kommunisten, sondern auch zu der Partei der Unabhängigen, die als G a n z e s den Sturm gegen die alte Sozialdemokratie mitmachte, obwohl sie, wie sich jetzt deutlich herausgestellt hat, nicht auf dem Baden stand, von dem aus dieser Sturm unternommen wurde. Die Krise, in der sich die Partei der Unabhängigen jetzt befindet, ist die Folge dieses inneren Widerspruches. Wenn nun auch die Sozialdemokratische Partei an dieser Krise glücklicherweife keinen Anteil hat, so ist es doch nicht richtig, daß sie den Kämpfen, in denen jetzt ein Teil der Ar- beiterklasse ringt, verständnislos gegenübersteht. Denn diese. Kämpfe entspringen dem Wesen der Arbeiter- b e w e g u n g, als deren Glied sich unsere Partei fühlt, und ihre Ursprünge lassen sich bis weit in ihre Geschichte hinein, bis zu den Kämpfen zwischen Marx und Bakunin verfolgen, ja, über diese hinaus bis zu den Auseinanderfetzungen zwischen utopistischem und wissenschaftlichem Sozialismus. Es ist eine Umkehrimg der Wirklichkeit, wenn die„Freiheit" aerade jenen Teil der Arbeiterklasse als den„vorgeschritten- sten" bezeichnet, der ans all den jahrzehntelangen Erfahrun- gen noch nichts gelernt hat, sondern eben erst am Anfang des ganzen geistigen Entwicklungs- und Klärungsprozesses ange- langt ist. Auf den Führern der Rechtsunabhängigen aber lastet der schwere VoNonrf, daß sie aus rein taktischen Grünben diese rückläufige geistige Bewegung mitgemacht und die grundsätzliche Unklarheit gefördert haben. Und auch jetzt, wo sie erkennen müssen, daß sie die von ihnen gegründete Partei durch ihre falsche Politik cm den Rand des Abgrunds gebracht haben, zeigen sie sehr wenig Neigung, aus ihren Fehlern etwas zu lernen. Noch immer zeigen sie das qual- volle Bemühen, mit der äußersten Linken den Wettlctuf in phrasenlriefendem Scheinradikalismus fortzufübren, der für sie nach der ganzen Sachlage vollkommen aussichtslos ist. Sie scheuen zurück vor der Erkenntnis, baß ihnen und dem Ganzen der Arbefterbewegiing nichts anderes mehr helfen kann als rücksichtslose Aufrichtigkeit. Noch immer beteuern sie, daß sie den Anschluß an Moskau wollen, nur nicht nach den aufgestellten Bedingungen. Das ist klägliche Halbheit und Unaufrichfigkeit. denn diese Bedingungen sind eben Moskau, sie entsprechen durchaus dem Wesen der russischen kommunistischen Partei und erscheinen von ihrem Standpunkt aus als durchaus folge- richfig und notwendig. Der russische Bolschewismus würde sein inneres Wesen nicht ändern, wenn er, was ihm nicht zu- zutrauen ist. die Bedingungen für die Aufnahme in die Dritte Internationale auS taktischen Gründen ein wenig mildern würbe. Durch die Aufstellimg der Bedingimgen hat er mit einer Auftichtigkeit, die an ihm zu schätzen ist. sein wahres Gesicht gezeigt. Und damit hat er zugleich die Frage auf- geworfen, ob irgendeine westeuropäisch« Arbeiterpartei, deren Polifik sich auf wissenschaftlich überprüfter Erfahrung und Kenntnis des eigenen Wirkungsgebietes cmfbaitt, mit ihm eine Verbindung eingeben kann, die auf eine Uebernahme ssiner Grundsätze und Methoden hinausläuft. Diese Frage ist von den deutschen Sozialdemokraten mit einem imzweideuttgen Nein, von den deutschen Kommunisten mit einem ebenso unMeidenfigen Ja beantwortet worden. Zwischen diesem Nein und diesem Ja stehen aber die Rechts- iincchhöngsgen noch immer imschlüsfig, mdom sie versichern, lje seien Wohl für den Anschluß an die Tritte Internationale, aber nur nicht unter den aurgestellten Bedingungen. Diese T ch e ii vorder Konsequenz ist ihr Verhängnis. Es Et heute schon vollkommen klar, daß eine Partei zwischen Toziatdemokratie und Kommunismus unmöglich ist. Auch ein Tieg der Rechten cnis dem Parteitag in Halle oder bei der Urabstimmung der. Mitglieder, wie sie die sächsische Landeskonserenz vorschlägt, vermöchte nichts daran zu ändern. er könnte nur den unvermeidlichen Klärungsprozeß aufhalten und das Dasein der U. S. P. als einer innerlich unhaltbaren Mitte! Partei um einiges verlängern. Die Rechte der U. S. P. aber muß die Erfahrung machen, daß der Kampf gegen die Sozialdemokratie von links ebenso schwer ist wie der von rechts, und daß auch er nach anfänglichen Scheinerfolgen zum Scheitern verurteilt ist. Noch bei den letzten Reichstag swablen konnte die U. S. P. gegen die Sozialdemokratie genxiltige Massen zum Angriff treiben und ihr dadurch erheblichen Abbruch tun. Aber seit» dem sind erst drei Monate vergangen, und was ist aus dem stolzen Angriffsheer geworden? Es ist selber i m A n st n r m zerschellt und löst sich in Trümmer auf. Auch die Zer- schmetterer und Niederreiter von links haben die Erfahrung machen müssen, daß die Sozialdemokratie keine„vorüber- gehende Erscheinung" ist. Ein Teil der bish-erigen Unabhängigem bat bereits die .Konsequenz aus dieser Lehre gezogen und ist zur alten Partei zurückgekehrt. Weitere tverden folgen. Auch von den heutigen Kommunisten wird später einmal der Teil, der deni Sozia- lismus treu bleibt— wir wissen nicht, wie groß«r ist—, seine Einordnung in die Reihen einer methodisch fortschreiten- den Arbeiterbewegung vollziehen, wenn er erst einmal die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen eingesehen und sich die Hörner abgelaufen haben wird. Tie Sozialdemokratische Partei hat als Partei Zeit zu warten, sie hat nur den Wunsch. zu verhüten, daß in der Wartezeit allzuviel Unglück über die deutsche Arbeiterklasse hereinbricht. Und dabei könnten'ihr die Rechtsunabhängigen lwUen, wenn sie den Mut fänden, die Wahrheit und das Interesse der ganzen. Arbeiter- bewegnng über die taktischen Bedürfnisse des Augenblicks zu stellen. Die verschobenen Fmkerscheme. Ein Leser unseres Blattes übersendet ims nachfolgende Zuschrift über eine Angelegenheit, in die er als früherer Ueb erwach ungsbeamter, der Reichszucker- stelle ganz besonders tiefen Einblick gewann. Die bier mitgeteilten Schiebungen sind so schwer, daß wir Bedenken tragen würden, ohne genauere Nachprüfung die Zuschrift zu veröffentlichen, wenn nicht unser Einsender mit seinem Namen die volle Verantwortung für die Richtigkeit seiner Behauptungen übernommen hätte. Unser Gewährsmann schreibt: Wiederholte Zuckerschiebungen durch die Firma I. K o st« r l i tz. O., Krantstr. 4-5, deranlaßten im Mai d.?. den Polizeipräsidenten von Berlin, dem Geschäftsinl aber, Isidor Kosterlitz, die Hmidelserlaubnis zu entziehen. Welches sind nun die Folgen dieser Maßnahme? Isidor Kosterlitz, selbst laidenh und gebrechlich, ist schon seit Jahren für das Geschäft ein toter Mann und wurde durch seine rührige Frau, Rosa Kosterlitz, vollständig. im Geschäft ersetzt. Fra>u Kosterlitz hatte alle Fäden in Händen und war„die Sesle des Ganzen", wie sie sich selbst so oft rühmte. Eine der letzten großem Schiebungen war folgende: die Firma I. Kosterlitz stellte Zuckerbezugscheine über Bie- nenhonig der Zuckerfabrik Stavenhagen zur Verfügung, zwecks Lieferung von 2000 Zentner Zucker an die Eisenbarndirek- ?ion Berlin, bzw. an das Eisenbahn Ministerium, mit der Bedingung, daß diese Scheine blanco, d: h. unausgefüllt an sie zurückgegeben werden, müßren, damit sie dieselben nochmals an eine andere Fabrik zur nochmaligen Belieferung benutzen könne, wofür die Firma Kosterlitz für je 150 Doppelz entner-'Scheine „Oer Unvalömajor". Ruhm ist etwas sehr Schönes. Reaktion jst auch sehr schön, be- sonders wenn man gegen die Regierung wutschnaubend Protest richten kann und sein weißes Flüge lkleid im Winde wehen laßt. Wir wissen alle, welch ein unschuldiges Lamm dieser bayerische Forstrat in Isen, der ehemalige Major Escherich ist, wie harmlos seine über ganz Teutschland und Oesterreich verbreitete Organisa- tion ist. Wir erwarten demnächst eine umfangreiche Biographie dieses Helden von Bialowies, der fern vom Schuß Wälder zerstörte uns ausgezeichnetes Hylz für die OffizierSuntenstände in Frankreich lieferte. Einen kleinen Vorgefchmack dieser zukünftigen Biographie gibt uns Frau Ilse Reick« in den.Münchener Neuesten Nach- richten", und es wäre eine Bersündigung, wollte man den Zeit- genossen das Mld dieses herrlichen Mannes vorenthalten. Man höre: l „Schon der Name ist von härtestem Holz, wie ein Wurfspeer fliegt dieser Name plötzlich in die Wresenstille schwärmerischer Ferientage, und da steht er wieder vor mir, er, den ich zwischen iagenhaften Baumungetümen, Wisenten und russischen Schnee- stürmen kennen lernte, der„Urwxrldmajor". Dorthin, wo der Schauplatz des Weltkrieges am wildesten war, hatte er sich ge- schlagen: in den Urwald von Bicrlowies... ein Urbajuware, sein Bayrisch mit leisem Anstoßen der Zunge daherpolternd, eine ge- drungene Statur, ein brünetter Rundschädcl, die Stumpfnase des Kraftmenschen, dunkle, zwinkernde Augen hinter Zwickergläsern. Scl.rosf, rauh, in herrischem Kommandoton begegnete uns der „Fürst des Waldes". Wenn er aufdonnerte, und'das geschah öfters, kurz, jäh, dann sprangen die Eichkätzchen von den Zweigen, die kleinen, grünen Forst leutnantS erblichen, die Pferde schraken zusammen und die Panjes sprachen stundenlang nicht weiter.... Der nächste Abend brachte ini großen Saal des Jagd- säloss.'s ein Abschieds sektmahl. Tanz wurde �daraus. Der Wäldergewaltige hatte sein Herz für das schöne Geschlecht entdeckt. war voller Witz, Huldigung und der verblüffenden Gewandtheit der großen Kraft. Er schwärmte v»n dem bayerischen Volksbrauch de? i.Feusterkns" und schleuderte einen beim wildesten Tanztempo auf seinem eisernen, federnden Unterarm hoch in die Luft über alle Köpfe weg. Als eine ihn fragte, warum er sich denn nicht der- heiratet hatte, es wäre doch schade, wenn«icht auch in Zukunft Escherichs auf bayerischem Boden wüchsen, da schmunzelte er nur und sagte:„Ich bin halt zu wild." Ein Prachtkerl, dieser„Fürst des Waldes", dessen verwüstete Millionen wir nun bezahlen, vor dem die kleinen, grünen Forst- leutnants erblichen find und der auf dem wildesten Schauplatz des Krieges Abschiedsiektmahle mit Schuhplattler und Jodler feiern kannte. Es ff't wirklich schade, daß in Zukunft keine Escheriche von diesem.Wäldergewaltigen" herua.laufen. Wir erlebten sonst sicher nach dem Wunsch Wilhelms IL ein zweites Tanneuberg. Aber 15 000 bis 20 000 M. erksieli; auch bei dieser Schiebung hatte Frau Rosa Kcsterlitz die Hand im Spiel. Nachdem nun also der formelle Geschäftsinhaber keine Handels- erlaubnis mehr besaß, verkaufte Kosterlitz sein Geschäft an seinen Schwiegersohn Nathan. Woher Nathan so schnell die Handelserlaubnis erhielt, ist nicht festgestellt. Festgestellt ist aber, daß Frau Rosa Kosterlitz nach wie vor im Geschäft tätig ist. auch kein: Firmenäuderung stattgefunden hat, jedoch an einer der vielen Schaujenfter- und Türschctben ganz fki«, hoch oben, zu lesen ist:„Jnh. Nathan". Wenn nun auch der Geschäfts- verkauf formell und gesetzlich in Ordnung vor sich ging, so sollte man doch zum mindesten annehmen, daß die in'Frage kommenden Behörden dieser Firma den Handel mit Zucker entziehen würden, da sie hierzu nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet sind. Weit gefehlt! Noch beute hat die Firma I. Kosterlitz die Verteilung von Hunderten von Zernner Zucker für die B e- Völker ung, noch heute Verkehren Leute bei der Firma Kosterlitz, mit denen sie Schiebcrgeschäite gemacht hat. Sollte sich auch hier das Sprichwort bewahrheiten:„Tie kleinen Diebe hängt, die großen läßt man laufen?" Hoffent- lich äußert sich die Behörde zu diesen schweren Anklagen. Bergarbeiter unü Kohlenablieferungen. Bochum, 13. September. Ter Gafamworstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands hielt unter Teilnahme des Perbandsausschusses und sämtlicher Bezirksleitungen in Bochum eine mehrtägige Beratung über die aktuellsten bergbauwirtschaft- lichen Fragen ab. Eingehend wurde die Durchsülrung des Koh- lenabkommens vcrn S p a besprochen und allseitig wurde be- tont, daß die Bergarbeiter willens seien, die Kohlenablieferungen zu ermöglichen, weswegen nun in fast allen Stein- und Braun- kohleiirevicren lieber schichten oerfahren werden. Eine dau- e r n d e Einrichtung könnten diese aber wegen des geschlvächicn Körperzustandcs der Bergarbeiter nicht werden. Wenn der gute Wille der Bergleute aber von der Entente mit Zwangsmaßregeln beantwortet werd n sollte, dann seien die Belegschaften fest entschlossen, sich mit allen Kräften zur Wehr zu setzen. Der Verbandstag der tschecho-slowakischen Berg- arbeiterunion sandte einen Bericht, wonach auch die dortigen Berg- lcute entschlossen sind, den Genfer Beschluß gegen die agressive Militärpolitik der Entente durchzuführen. Die Berichte der Bezirksleitungen lasse» weiter erkennen, daß die Berg� arbeiter die rasche Inangriffnahme der Sozial if i e r u n g des Bergbaues von der Regierung fordern. tzarmlofi? Solsthewifteti. In Mecklenburg-Schwerin war das Gerücht verbreitet worden, daß in das Gefangenenlager bei Parchnn 2 0 0 0 0 Mann von den im Osten auf deutsches Gebiet übergetretenen Boschewisten gelangen sollten. Hiergegen nahmen die bürgerlichen Zeitungen und auch Vereine Stellung. Das Ministerium wurde gebeten, dafür zu sorgen, daß dieses Unheil von Mecklenburg und insbesondere der Stadt Parchim und Umgegend abgewendet- werde, damit Mecklen- bürg und seine friedliebenden Bewokmer nickt in den Russenkrieg hineingezogen werden. Die Gefahr wurde so schwarz als möglich an die Wand gemalt und das bürgerliche Ministerium eilte nach Berlin und half der Gefahr durch eine längere Erklärung ab. die an alle Zeitungen des Landes gesandt wurde. Darin wird nun zur Beruhigung der geängstigten Landeseinwohner mitgeteilt: „Die Bedenken, die sich gegen den Aufenthalt der russischen Leute im Umkreise einer unserer Städte erhoben haben, mildern sich, wenn man Näheres über Wesen und Charakter dieser Jnter- nierten erfährt. Es sind Leute, die gewaltsam in die russische rote Armee hineingepreßt worden sind, in der größten Mehrzahl durchaus keine Kommunisten oder An- Hänger des jetzigen russischen Regimes und seiner Propaganda. Im Sinne der ietzieren suchen nur die bei den Truppen befind- lichen Kommissare zu ipirken, die bemüht sind, Anschluß an die deutsche kommunistische Bewegung zu erlangen. Diese Kommissare aber werden von den Truppen ab- neben der Orgesch haben wir ja die Orka, die Orhcuß und Orzentz. Ob das auch solche Kerle sind? Bayern ff't doch ein herrliches Land und Frau Reicke eine liebenswürdige Dame. B— d. Richard Strauß im Volkschor. Der„Berliner Volkschor" gab Montag einen der bisher gelungensten Beweise für die Solidität seines Könnens und die Gesundbest seines künstlerischen Bestandes. Pieser Richard-Strauß-Abcnd hätte auch verwöhnte Zuschauer reizen und befriedigen können, und das Programm, das der treffliche Dirigent Emil Zander hier zusammenstellte und bezwang, gab tatsächlich einen geschmackvollen Grundriß vom Schaffen des be- deutendsten lebenden Komponisten. Aus der Jugend stammt„Wan- derers Sturmlied"(Opus 14 auf einen dürftigen Text Goetheschen Anfanges). Das Tonwerk überragt den Vorwurf iauni, lohnt die aufgewandte Mühe nicht sonderlich. Was aber der ca. 500 Stimmen starke Chor da leistete, war besonders bezüglich der Intonation und der Beweglichkeit des Ausdrucks ganz vorzüglich. Welch ein großartig disziplinierter Sopran! Das Orchester verschlingt viel an Tönen und Kraft; vielleicht versanken dadurch die mittleren Stimmen oft ms Unhörbare. Von Josef M a n n, dem applau- vierten Lyriker der Tenöre, hörte man„Guntrams Friedens- crzählung",— ganz im Banne Lohengrinscher Stimmung prun- kendes Worttrmdrama. An dritter Stelle Opus 24„Tod und Ver- klärung"; und zuletzt Orchesterlieder und die Orchesterballade „Tailleser", die Ochs schon vor anderthalb Jahrzehnten heraus- brachte. Hier ist der Techniker Strauß schon ein Vollendeter, wäh- rend er in der sinfonischen Dichtung, also in der Mitte seines tünst- lerischen Schaffens, die Höhe seines reinen Musikantenkönnens erreicht hat. Auch das wiederum zu erkennen, bleibt ein Verdienst solcher Festabende. Der„Berliner Volkschor", wohl jetzt der nume- risch stärkste aller Berliner gemischter, Chöre, darf aus diesen Abend stolz zurückblicken. K. S. Staatliche Orchestcrschulen. Auf Einladung des Deutschen Musiker-Verbandes tagte in Berlin dieser Tage eine Sachvcrstän- digenkomnnsston zur Prüfung der Milte! und Wege, um die bisher arg daniederliegende Ausbildung des Musikernachwuchses in er- folgversvrechende neue Bahnen zu lenken. Infolge des Krieges ist in der Ausbildung guten Musikernachwuchses eine Unterbrechung eingetreten, die leicht zu einem völligen Niedergang unserer früher so hochstehenden Orchesterkunst führen kann. Die Konserenz kam einmütig zu der Auffassung, daß der gewünschte Zweck nur erreicht werden kann, wenn das ganze Musikerausbildungswesen in Zu- kunft schulgemäß behandelt und ausschließlich de» Ministerien für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unterstellt wird. Tie bei der Berliner staatlichen Hochschule für Musik einzurichtende Orchester- schule soll unter Mitwirkung und Unterstützung des Deutschen Musiker-Verbandes zu einem Musterinstitut für die Ausbildung von Orchesterinusikeni ausgestaltet werden. Es soll auch unbe- mittelten begabten Schülern die Möglichkeit gegeben werden, bis zur höchsten Stufe der Vollendung zu gelangen. gesondert und kommen nicht nach Mecklenbvrg. Die Truppen selbst solgen ihren Offizieren, die nicht ge- willt sind, in Deutschland Unruhe zu stiften. Daß die Internierten gutwillig sind, ergibt sich auch daraus, daß sie sich fast reibungslos baben entwaffn-n lassen, obwohl unsere deutschen Kräfte, die diese Emwasfnung vorgenommen haben, gegenüber der Zahl der nach Deuffch.'and übergeiretenen lächerlich gering gewesen sind. Tie Leute sind so- mit besser als: h r Ruf. Sf e werden bei ihrem Ausent- halt im Parchimer Lager als f r e i w i l l i g U ebergetretene und Internierte und nicht als Kriegsgefangene zu behandeln sein. So werden sie aus dem Lager vorübergehend in dessen Um- gebung und in die Stadt Parckin kommen können. Die B e- Völker ung braucht aber deshalb nicht beiorgtzu sein, daß ihr nun von dieien Leuten Läden und Geschälte in Parchim„ausgekauft" werden. Sie besitzen nicht die Mittel dazu, Geld st cht ihnen wenig zur. Verfügung. Nach Schilderungen aus Ostpreußen, wo sich die Internierten zurzeit noch befinden, bat man sie als auß'.orden:lia> harmlose, woblge» sinnte Leuten kennen gelern!, von denen nichts Ung'ünsti» ges z u befürchten fei. Obwohl die Bewachung in Ost- Preußen gering ist, sei dort nichts vorgefallen. Nur hegen manche den Wunsch, sich als Arbeiter auf dem Lande zu verdingen und somit aps der Jnternierung herau-s-ukommen. Die Aussicht>n Parchim erfolgt, wie jetzt bei deü früheren Kriegsgefangenen, durch Angestellte des Abwicklnnasamies. Verständnisvolles Zusammenwirken zwischen der Landc-tpolizei und den Ueber- wachungsorgancn muß hier die geeigneten Maßnahmen ergeben." Die Mecklenburger dürfen also beruhigt aufatmen. Ilnd man wird den Seufzer der Erleichterung wahrscheinlich in anderen beut« scheu Sandesteilen mitseufzen. Denn so sehr sich gewisse naiiona- listische Kreise wegen der Bolschewistensiege über die Polen gefreut haben, so gern sehen sie doch, daß diese S'ege— weit hinten in der Türkei erfochten werden. Sonst aber ist jeder Russe ein Bolschewik und somit eine Spießerscheuche. �abbi-Kamenews Antwort on Mönch- LlovS Georae. Amsterdam, 14. September. Wie der„Trlegranf" ans London meldet, hat das englische UnterhauSmitglied Kcnworthy der„Times" die Abschrift eines Briefes zugestellt, den er von K a m e n e w vor dessen Abreise aus London erhalte« hat. Ka- inencw beklagt sich in dem Briefe, daß Lloyd George während seines Aufenthaltes in London auf allerlei Weis» jeden Ber- such, über den Frieden zu unterhandeln, auf die lange Bank geschoben und zum Schlnft den Abbruch der Ber- Handlungen durch Beschuldigungen gegen Kamenew als Bertretcr der Räterrgierung maskiert hat. Kamenew weist alle vier- durch Lloyd George vorgebrachten Beschuldigungen zurück. Was seine Beziehungen zu dem„Attionsansschuß anbelangt, so habe er allen Mitgliedern dieses Rates die von ihnen gewünschten Mit- teilungen gemacht, ohne irgendwelchen Einfluß auf sie auszuüben. Kamenew schreibt�„Ich kam nach England mit der Absicht, i m Interesse der Arbeiter aller Länder Frieden mit dem britischen Reiche zu schließen. Ich hin bitter enttäuscht, daß die britische Regierung nicht den Mut ge- habt hat, offen ihre veränderte Haltung zu bekennen, und daß sie den Abbruch der politischen Verhandlungen durch unfaire Be- schuldigungen bemäntcl t." Der schwache Punkt in Kamenews Brief ist, so fügt der Londoner„Telegraaf"-Bcrtreter hinzu, der, daß er nicht bestreiten, kann, daß die Sowjctregiernng einem der Direktoren des„Daily Herald" die Unterstützung von 750 000 Pfung Sterling gegeben bat. Die englische Regierung werde die Antwort auf Kamrnews Brief nicht schuldig bleiben. Ter Privatsckretär Lloyd Georges erklärte, darüber sei noch viel zu sagen. Litwiuow— das Karnickel? London, 14. September.„Evening Standard" meldet, daß die Abreise Kamenews die Folge der zweideutigen Haltung Litwinows sei, der sein Bestes getan habe, um die VerHand- lungen Kamenews und Krassins unmöglich zu- machen. L i t- winow habe mit gewissen Arbeiterführern verhandelt, während -------........----."V Pilzentgiftung. Obwohl sich in den letzten Jahren die Unter- suchungen über die Entgiftung gifthaltiger Pilze gemehrt haben, war es bisher doch nicht möglich gewesen, eine wirklich zuver- lässige Entgiftungsmethode aussindig zu machen. Nun soll es aber neuerdings gelungen sein, und zwar durch ein verhältnismäßig einfaches Verfahren, die Giftstoffe der Giftpilze unwirksam zu machen. Die nach einem Bericht in der„Pharmazeutischen Central» halle" von Caesar erprobte Entgiftung bcstebt nämlich nur darin, daß man die Pilze etwa 15 Minuten lang in eine aus die Hälfte mit Wasser verdünnte und bis zum Sieden erhitzte Lösung von doppeltkohlensaurem Natron legt. Das Natronwasser ist sodann wegzugießen, Iveil man nicht sicher weiß, ob es durch die Ber- biudung mit den Giftstoffen nicht nun� etwa seinerseits vergiftet ist, woraus man die Pilze noch etwas mtt Essig säuert und dann in der gewöhnlichen Art verkocht. Die aus diese Weise erzielte Eni- giftung, die, nebenbei bemerkt, absolut sich wirken soll, scheint da- durch zustande zu kommen, daß die in den Pilzen enthaltenen gif- tigen Glykoside von dem alkalischen Natron gespalten werden und die Säure sich daraufhin in leicht lösliches Natriumsalz verwandekt.. Jedenfalls sollte man alle auch nur einigermaßen zweffelbaften Pilze vor dem Genuß diesem einfachen Entgistungsversahren un-cr- ziehen, ehe man sie mit den guten Pilzen zusammenkocht, da unter Umständen schon ein einziger Giftpilz ein ganzes Pilzgericht der- giften kann. Es versteht sich aber von selbst, daß man an Pilzen, wie dem Satans- oder Königsfliegenpilz oder gar dem Knollen- blätterpilz, die Entgiftung von vornherein nicht vornimmt, da der Giftgehalt dieser Pilze so groß ist. daß selbst ein kräftig wirkendes Entgistungsversahren bei ihnen versagen kann. Bittere Pilze kann man, um sie als nahrhaftes Hühnerfutter zu verwenden, durch Dörren entbittern, worauf der scharfe Geschmack fast ganz ver- schwindet._ Der.Nrfonst» im Deutschen Dbeater. Max Reinhardt wird als seine erste Neueinstudierung in dieser Spielzeit Goctbcs„Faust» m der ursprünglichen Gestall aufführen. Borträge. Am Freilag hält Dr Max D e r i im Monistcnbimd im Werner- Siemens-Realgymnasium, Hoheiistauscnstr. 47/48, 7 Uhr, einen Vortrag über„Das Weltbild der Mornsten". Ei» Theater der Bühnenleute. Der Gemeindcrat von Innsbruck hat das Stadtlhcaler dem Per/onal der Bühne in Pacht gegeben. Tie Bolkobübne Norden vc- anstallet am 5. ONober ihren ersten Tbeaterabend. an dem das Neue Vollslheatcr, das während des Winter- balbjabres sür wöchenilich drei Zvielabendc in Pankow verpstichtel ist, Hauplmanns„Bibcipelz" zur Aufführung bringt. Auch da« Slaat-lheater ist sür die Mitglieder des Vereins zu mehreren Aufführungen gewonnen. Ter deutsche Jugenieurtag. Vom 20 bis 22. September wird in Beiiin die SO. Haul>loersamm>ung des Vereins deutzcher Ingenieure tagen. Zum Teil in der Technischen Hochschule in Cdariostenbnrg. zum Teil im Oiigcnieurtauie werden eine Anzahl wnicuschasllichcr Vorträge und Veranstaltungen stallsinden. Hie dcut che che:eilichajt sür Vauistgenicurwesen veranstaitel am 21. d. Mts, vormutags. Vorträge des Geh. LbcrbauratS Schmick über den wirtichgstlichen Wert der Wassel lräfte, des Sladtktaurats a. D. Bcustcr über die Bauwirtichast der Uebergangszeit, des Pros. R. Petersen über Verlehrssragen bei Stadlerweilerungen. Krassin und Kamenew ihr Versprechen hielten, keine Propaganda zu inachen. Es sei auch Lttwinow gewesen, der sich mit dem Verkauf der kaiserlichen Juwelen uiub der Unterstützung für den„Daily Herald" befaßt habe. Ter russisch-lettische Friedensvertrag ratifiziert. Kopenhagen, 14. September.(WTB.) Wie das lettische Presse- bureau aus Riga erfährt, hat Rußland nunmehr den Friedensvertrag zwischen Lettland und Rußland rati- f l z i e r t, nachdem der Vertrag von lettischer Seite bereits am 2. September dur'b die lettische Nationalversammlung ratifiziert worden war. Die Labour �artp lebnt üie Kommunisten ab. London, 13. September. Der nationale Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei hat den Antrag der freien K o m m u n i st i- schen Partei um Aufnahme zurückgewiesen. Diese Partei tritt für das Rätcsystem, für die D i k l a t u r d e s P r o l e- t a r i a t S und für die Dritte Internationale ein. » In einem am 21. August im„Vorwärts".erschienenen Aufsatz über den„Kommunismus in England" hatte'Genosse Philipp S n o w d e n diese Wendung duKhblicken lassen. Er schrieb damals: �„... Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Labour Party diesem Anschluß zustimmen wird, nachdem der kommunistische Kongreß offen zugegeben hat, daß der Wunsch der Kommunisten, n ihr zu verbleiben, nur den Zweck verfolgt, den Ein- -luß ihrer Führer z u vernichte n." Durch diesen Gegenstoß ist die englische Arbeiterpartei am wirksamsten dem Moskauer Pian der Sabotage der bestehenden Gewerkschaften und Parteien entgegengetreten. Die Sihung öes vö'lkerbunürates in Paris. Vupen und Malmedy auf der Tagc<>ordnuniz. London, 14. September. Das Reutersche Bureau erfährt, daß Leon Bourgeois Vorsitzender der Versammlung des Völker- bundes sein wird, die am Donnerstag in Paris zusammen- ' tritt. England ist'durch den Lebensmtttelmin ister gif fei vertreten. Neben dem p o l n i sch- li t t o u i s che n Konflikt und dem Bericbt der internationalen Juristenkommission über die Aa- landsinscln steht ans der Tagesordnung die Frage von Eupen und Mnlmcdh. Man erwartet aber, daß der Bericht über die Aa- landsin'el» in dieser Sitzung nicht zur Sprache kommen wird, son- dorn in der bom 20. Öktvcer in Brüssel. Für Schweden garen nach Paris Branting, Baron Mark und v. Würtemberg; für Finnland Donner, Enckckll und Jdman, die finnischen Gesandten in London, Paris und Kopenhagen. Für und wider. Auf dem unabhängigen Bezirkstag für O l d e II b u rgaOstfrtcsland wurde nach Entgegennahme des Berichts von der Reichskonfereuz und eines Korreferats eine Reto- lution einstimmig angenommen, durch die die Moskauer Be- dingungcn abgelehnt werden.— In Düsseldorf nahmen die Funktionäre der tl. S. P. D. eine Resolution an, die sich weder für noch gegen Moskau ausspricht, sondern neue VerHand- I u n g e ii fordert.- Eine Charlottenburger Milgliedcr- versaininlung der Unabhängigen einschloß sich in ibrer Mehrheit s ü r den Anschluß an Moskau, während die Mitglieder des 17. Distrikts in Berlin mit ihren Beratungen nicht zu Ende kamen und sie aus den kommenden Sonntag vertagten.— Eine Generalversammlung der U. S. P. D., Hannover, beschloß die An- »ahme der Moskauer Bedingungen. Einih-ing bei Daimler. Gestern ist endlich eine Einigung in den Verhandlungen zwischen der Firma Daimler und der Ver- trctung der Arbeiterschaft vor dem Schlichtungsausschuß�über die Wiederein st ellung der Arbeiter erzielr worden. An- genommen wurde von beiden Parteien ein Vorschlag des Schlich- tungsausschusses, nach welchem die Firma den Betrieb in U n t e r t ü r k b c i m in den nächsten Tagen wieder eröffnen wird, und zwar mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 46 Sturzen entsprechend dem Äolleklivabkommen in der Metallindustrie. Verweigerung von Neberschichten. Eine Belegschastsversamm- lung der Zeche Hannc-v-er 3 und 4 bei Bochum beschloß wegen Ausbleibens der Fettrationen und der in Aussicht gestellten Textilwaren, keine Ueber schichten mehr zu verfahren. Auch wurden bedeutende Lohnerhöhungen gefordert. Ter erste sozialistische AmtShauptmann in Sachsen Die Ein- Weisung des neuen AmtSbauptmanns der Amtshauptmannschaft Chemnitz, Sdadtrgt Dr. Markus, wird voraussichtlich in den nächsten Tagen erfclgen. Dr. Markus ist der erste sozial- demokratische Leiter einer sächsischen Amtshauptmannschaft. Tic Hetze gegen Eiseiibergcr. Der kommunistische Abgeordnete Eis enberger� wurde aus dem Münchener Ostbahnhot bei seinem Eintreffen aus T r o st b e r g, wo er in einer kommunistischen Per- sammlung gesprockien halte, verhaftet.— Der Kampf des Staats- nnwalts gegen Eisenberger nimmt geradezu groteske Formen an nnd klingt wie aus Wilhelms Zeiten, wenn die neuerliche Verhaftlina mit—„Ausreizuug zum Klassenkampf" begründet wird. Hat der StaaisanwaU in Bayern wirklich nichts anderes zu tun? Für Moskau. Die deutschböhmischen Linkssozialisten haben sich für eine Verbindung mit Moskau ausgesprochen. Ter sächsische Wirtschastsminister Genosse Schwarz in Prag. In Prag vevanstaltete der Ausschuß der dortigen Muster- m esse ein Essen zu Ehren des sächsischen W i r t s ch a f t s- Ministers Genossen Schwarz. Es w'-i-tv-n sehr herzliche Ansprachen gehalten. GroßGerMl öerlins Sevö'lkerungszakt in den Kriegsjahren. Das„Statistische J'a hrbuS der Stadt Berlin", herausgegeben von dem Direktor des Statistischen Amts, Professor Dr Silbergleit, ist in seinem 34. und letzten Band soeben er- schienen. Tie Schaffung der neuen und größeren Gemeinde Berlin bedeutet das Ende deS alten Jahrbuchs. Selbstverständlich muß eS in neuer Gestalt wiedererstehen. Dieter letzte Band bringt die Berliner Statistik der Jahre 1915— 1919, teilweise auch schon des Jahres 1920. Der Stoff hat sich eilvos vermindert, weil in der Kriegszeir manche Feststellungen unterblieben sind. Da- gegen ist infolge der allgemeinen Verieneriiiig der Preis beirächt- lich gestiegen. sDer 34. Bai?d enthält 935 Seiten und kostet 60 M., der die Jabre 19>2— 1914 behandelnde Band enthielt 12!1 Seiten und kostete 28 M.) Die im Jahrbuch mitgeteilten Hauvtergebnisse der Voltszäblunqen von 1916, 1917, 1919 zeigen die tiefgehende Wirkung-ches Krieges auf Zahl und Zu- sammeiisctziing der Bevölkerung. Für Berlin hatte die VotlSzäblung vom I. Dezember 1910 eine orisanwcsende Bevölkerung von 2 071257 Personen ergeben. Dagegen wurden hier am I. Dezember 1916 nur 1 769 408, gm 5. Tezember 1917 nur 1 744 085. am g. Oktober 1919 erst wieder 1 902 509 orlsanwesende Perionen ge- zählt. Der Rückgang in den KriegSjabren, der,für die Zett bis 1917 sich auf 327 172 gegenüber 1910 belief, ist nur durch die Verminderung der männlichen Bevölkerung verursacht worden. In 1910, 1916, l9l7. 1919 wurden gezählt 994 206, 693 028, 666 812. 866 378 männliche Personen, dagegen 1077 051, 1076 330, 1 077 243, 1036 131 weibliche Personen. Bis 1917 verminderte sich infolge der Einftehungen zum Heere die männliche Bevö kerung allein um 327 364. Die weibliche Bevölkerung halle nach Kriegs- ichluß einen belrächtlichen Rückgang, größtenteils durch Wegzug in- inlge von Entlassungen aus der Arbeit. Aus der Zählung von 1916 bringt da? Jabrbnch eine die Bc- völkerung nach Geburtsjahren verteilende Uebersicht. Wir fassen die einzelnen Jahrgänge wieder zusammen in die drei Gruppen der Geburlsjabre von 1916 zniück bis 1898, von 1�97 zurück bis 1870, von 1869 weiter zuiück. Bei der männlichen Be- Völkerimg umfaßte die Gruppe von 1897 zurück bis 1870 die Haupt- masse der zum Heere Eingezogenen. An der Geiamt- bevölkeruna von 19l6 waren be'eiligt die in 1916— 1898 Geborenen mit 283 127 männlichen und 287 422 weiblichen, die in 1897— 1870 Gebotenen mit nur 220 586 männlichen, aber 539 060 �weiblichen. die in 1869 und früher Geborenen mit 189 315 männlichen und 249 898 weiblichen. In den Jahrgängen 1397— 1870 st and die männliche Bevölkerung hinter der weiblichen um 318474 zurückl Während des Krieges wurden die Ergebnisse der Volkszählungen ängstlich geheim geKalle». Da? deutsche Volk konnte sich keine auf Zahlen gestützte Vorüelluna davon machen, wie stark die männliche Bevölkerung zum HeercSdiensi heran- gezogen worden war. Wären ihm die genaueren Zahlen iwon damals bekannt geworden, so däiie es sich' wahrscheinlich vereinigt in dem stürmischen Verlangen nach schleuniger Beendigung des Krieges.. die öesehung See StaStbauratspoften. Aus der gestrigen Ausschußsitzung. Ter Wahlausschutz der Groß Berliner Sia-dtverordneieaver, sammlung erklärte sich in seiner gestrigen Sitzung, wie bereits kurz mitgeteilt, zunächst damit mrverstanden, daß zur Neufassung des Beschlusses über die Gehalrsfestsetzung eine Sitzung der Stadtverordneten am DonnerStog uniberaumt wird, während am TienStag nächster Woche eine Sitzung stattfindet, in der die Generaldebatte über di« Besetzung der Magistratsposten eröffnet werden soll. Voraussichtlich werden dann in der nächsten Woche mehrere Stadtverordnetensitzungeu abgehalten werden müssen, um die Wahl selbst durchzuführen, die infolge der Zettel- wavl rür jedes Magistratsmitglied sich sehr langwierig gestalten dürfte. Ferner nabm der Ausschuß davon Kenntnis, daß der Oberpräsidcnt Dr. Meier in einem an den Stadtverordneten- Vorsteher gerichteten Schreiben erklärt hat, die vom Wahlausschuß festgesetzte Besoldung für den zweiten Bürgermeister, der im Ge- halt den Fachstadträten gleichgestellt werden soll, beanstanden zu müssen. Der?lusschuß nahm hierzu eine abwartende Stellung ein, falls das Plenum dem Beschluß beitritt und der Oberpräsident dann die Beanstandung in aller Form ausspricht, soll die Wahl des Bürgermeisters zunächst ausgesetzt werden. Für die vier Bauratsposten lHochbau, Tiesbap, Verkehr und Maschinenbau) wurde eine große Reihe von Bewerbungen bekannt- gegeben. Von den sozialistischen Parteien und auch einem Teil der bürgerlichen Fraktionen wurde für den Hochbau Geheimrat Ludwig H o f f m a n n infolge seiner hervorragenden künstlerischen Bedeutung vorgeschlagen, obwohl auch von den Linksparteien aner- kannt wurde, daß er für das gelvaltige Gebiet des Sicdlungswesens nicht gerade geeignet sei. Zur Ergänzung wurde von unabhängiger Seite angeregt, ihm einen Generaldirektor für das Sied- lungZwesen zu unterstellen. Von bürgerlicher Seite wurde in erster Reihe für das Siedlungswescn Baurat B e u st e r vom Zweckvcrband vorgeschlagen, für das Verkehrswesen Professor G i e s e. Auch Professor Hermann Jansen, der bekannte Städtebaukünstler, wurde auf beiden Seiten genannt,. Berlin im Luftpostverkchr. f Im weiteren Ausbau des seit dem 3. August dreimal wöcheni- lich im Betrieb befindlichen„Europa-Nordwest-FlugeS"� zwischen Kopenhagen— Hamburg— Bremen— Ä m st e r d a m —(London) wird die Deutsche Luftreederei im Einvernehmen mit den Reichspostverwaltungen und den befreundeten Luftreede- reien der in Frage kommenden Länder vom 15. September 1920 ab auf der genannten Linie täglich in beiden Richtungen Flug- zeuge verleben lassen. Von diesem Tage an wind Kopenhagen- Hamburg in BetriebSgcmeinschaft mit der Danske Luftfartselskab direkt— also nicht mehr, wie bisher, über Warnemünde— geflogen, wodurch die Flugzeit um ca. 2 Stunden gekürzt werden konnte. Es bestehen demnach vom 15. September ab täglich Flugverbindungen zwischen Berlin— Warnemünde— Mal» mö— Kopenhagen und zwischen Ko pe n ha g e n— Ha m- bürg— Bremen— Amsterdam—(London) mit Anschluß von und nach" Berlin durch den Sabkatnig-Luftdienst in Bremen.— Für die Berliner Post nach Skandinavien werden bei besonders eiligen Fällen im Postamt W. 8 oder C. 2, Schalter 1, noch bis 9,45 Uhr vormittags Sendungen angenommen, welche einschließlich der siir Luftpost beschleunigten Zensurabfertigung das Mittags- ftugzeug tBerl in- Johannisthal ab 12,39 Uhr) noch erreichen, also bereits um 5 Uhr nachmittags in Schweden eintreffen. Für den Personenverkehr stehen täglich 2 Plätze in jeder Richtung zur Verfügung._ Kohle und Bausteine aus Schlacke. Der von det Friedr. Krupv-Akticngesellschast(Grusonwcrk) in Magdeburg erbaute Apparat„Magnetscheider Baurat Ullrich", der Brennstoffriickstände auf eleltro-magneti�chem Wege derartig aufzu- arbeiten imstande ist, daß die in ihnen noch vorhandenen Brenn- stoffe restlos gewonnen werden, ist auf Veranlassung des städtischen Gaswerks B e r I i n- L i cb t e n b e r g erprobt worden�. Die Deputation der städtischen Werke und der Magistrat empfehlen nun- mehr der Stadtverordnetenversammlung die Anschaffung eines Apparates, we-il die Proben eine ausgezeichnete Arbeit der Ein- richtung, und die Trennung von Schlacken, und Kohlenteilen eine fast restlose Gewinnung der Koble ergeben hätten. Auch die nutz- bringende Verwendung der restlichen Schlackcnmengen zur Her- stellung von sogenannten Schlackensteinen ist in einer Ziegelei bei Senzig erprobt worden. Die hergestellten Steine sind von gutem Aussehen, weisen eine sehr hohe Druck- und Bruchfestig- keit auf, sind porös und wiegen wie Ziegelsteine etwa 6 Pfunv. Der augenblicklichen Bausteinnot und dem dadurch Hervorgerufe- neu Arbeitsmangel könnte somit insofern abgeholfen soerden, als die wegen Kohlenmangel stillgelegten Kalksandsteinfabriken und Ziegeleien mit den aus Drennstofsrückständen gewonnenen Kohlen und Koksmengen in Betrieb gesetzt und neben Kalksanosteitien söge- nannte Schlackensteine angefertigt werden könnten. Eine Neuköllner Zentralstelle für Gesundheitsfürsorge. Ein„F ü r s o ig e h a u S" ist für Neukölln vom Magistrat be- schlössen worden und soll bei Zustimmung� der Stadtverordneten- versammbung im Mittelpunkt der Stadt baldigst eingerichtet werden. Es wird enthalten Räume für Säuglinge, für Tuberkulose-, GescblechtS- und Alkobolkranke. eine Fürsorgestelle für Krüppel, Be- haudlungsräume für Bestrahlung, und Lichttherapie, für Röntgen- Untersuchung, einen Saal für orthopädiubes Turnen, außerdem Schweilernwohnungen, viellfickä auch eine Rettungswache. Die auf 2 Millionen Mark veranschlagten Kosten wären aus einer neuen Anleih., zu decken Durch dieses Fürsorgehaus würde beionder? die jetzt außerordentlich stark in Anspruch genommene Tuberkulosen- fürsorgestelle gewinnen, die noch in ganz unzulänglichen MietS- räumen untergebracht ist. Auch die Säuglings- und Kleinkinder- fürsorgestepe in der Steinmetzstraße könnte dann ihre unzuläng- lichen Räume aufgeben und in das große Fürforgehaus übersiedeln. Ebenso bedarf der orthopädische Turnunterricht, der jetzt gastweise in einzelnen Turnhallen gegeben wird, einer gut eingerichteten Zentralstelle._ Aufhebung der öffentlichen Märkte in Lichtenberg. Der Pächter der ösfentlichten Märkte aus dem Boxhagener-, Trave-, Viktoriaplatz und in der Sophienstraße in Lichtenberg hat' den Pachivertrag mit der Stadtgemeinde zum 31. Dezember 1920 gekündigt. Der Magistrat ist zu dem Entschluß gekommen, der Stadtverordneten- Versammlung die Aufhebung der öffentlichen Märkte zu dem genannten Termin zu empfehlen. In der Begründung des An- träges wird ausgeführt, daß, w�nn man von dem nur einige Monate währenden Verkauf von Obst und Gemüse absiehfi eine Notwendigkeit für den Vertrieb anderer Waren auf den Märkten nicht vorhanden sei. Lebensmittel sollten andererseits aus Grün- den der Volktgesunidheit nicht aus öffentlichen Märkten gehandelt werden. Auch sei es von Wichtigkeit, daß z. B. der schönangelegte große Gärtnerplatz an den Markttagen nicht seiner eigentlichen Bestimmung als Erholungsstätte entzogen werde. Ein Vortrag Dr. Löwensteins vor dem Lehrervcrband. Der in Aussicht genommene Obersiadffchulrat Dr. Löwen stein wird am Donnerstag, den 16. September, abends 7% Uhr, im großen Festsaal des Lehrervereinshauses vor Mitgliedern der dem Lehrer- verbände angeschlossenen Vereine über„Grundfragen der Schul- entwicklung der Stadtgemeinde Berlin" sprechen. » Eine Versammlung der Nolksschullehrerschaft Groß-Verlins erhob in einer Entschließung entschiedensten Einspruch gegen die. in der Vorlage zum Volksschullehrerbesoldungs- gesetz enthaltene gesonderte Behandlung der Volksfchulunter- Haltung und verlangte eine das gesamte Schulwesen umfassende allgemeine und einheitliche Regelung der Lehrerbesoldung, der Schulunterhaltungen und der Schulverwaltungen. Eine Schwimmanstalt im Grunewald. Der W i l m e r s- dorfer Magistrat schlägt jetzt den Bau einer für den 9. Ver- waltungsbezirk(Wilmersdorj-BrunHoald-Schmargendorf) bestimm. ten Schwimmansialt im Gruncwalvsee mit einem Kostenanschlag von 1350 000 Mk. vor. Das Bedürfnis hierfür hat sich immer stärker herausgestellt. Die Anstalt soll ihren Platz aus dem West- u f e r des Grunewaldsee? südlich des sogenannten Bullenwinkels zimschen dem nach Pmllsborn führenden Schwarzen Weg und dem Seeuser mit einer Wassersront von 142 Meter erhalten. Die Bau- arbeiten können zu einem iv-'senilicken Teil auf Kosten der produk- tiven Erwerbslosenfürsorge ausgeffihrt toerden. Tie deutsch> böbmische Sektion im ösierrrichilch- dentsäiet» J-olksbunde bnusi luv Donncrsiag, den 16. d. M., in das Vereinsbeim, Prinz-Louis-Ferdinand-Str. 6, eine Versammlung ein, in der Dr. Mischlec über das tschechische Wehrgesetz sprechen wird.. Sport. Scheidemann und die Arbeiter-Sportvereine. Auf eine Rundirage des bürgerlichen ReichSauSschusseZ für Leibesübungen hatte Genosse Scheidemann seine Ansichten über den Wert der Leibesübungen kundgegeben. Die bürgerliche Sportpresse glaubie diese Aeußerungen für ihre Zwecks ausschlachten zu können, weil Scheidemann die Worte gebraucht batte: Der Sport sollte keine Parteisache sein. Um diesen Enistellungen den Boden zu entziehen, schreibt Genosse Scheidemann der„Arbeiter-Turnzeiiung: Die Stelle in meinem Antwortschreiben an den Deutschen ReichSauSschutz:„DaS sollte keine Parteisache sein" ist in sehr gehässiger und bösarliger Weise tendenziös ausgeschlachtet worden. Meine Ausführung soll natürlich nicht so verstanden sein, als hätte ich damit sagen wollen, es sei der Partei gleichgültig, ob ihre Mit« glieder den bürgerlichen oder den Arbeitei-Sportverbänden ange-, hören. Bei den bestehenden K l a s i e n u n t e r s ch i e d e n in unserem Volke halte ich es vielmehr für s e l b st V e r st ä n d l i ch, daß der organisierte Arbeiter, wenn er Sport treibi— und das sollte seder junge Arbeiter tun— überall da, wo Arbeiter- Sportvereine bestehen, sich einem solchen anschließt und nicht in den Verein seiner politischen Gegner gebt. Scheidemann. Der Berliner Zlrbeiter-Schachklnb veranstaltet in diesem Fahre iür Arbeiter« Schachipicler. die nicht Mitglieder des Vereins sind, ein Gäste« Tournier. Es wird ein Reugeld von 5,— M. und ein Eiirntz von 2,— M. erhoben. Spicllokal ist Prasser. Michaelkirchstr. 29g.. Meideichluß am>0. Ol- tober. Beginn am 24. Oktober. Anmeldungen sind zu richten an Oilo Lüdeke, N. 20, Wicsensir. 69. Auskünste iverden Sonntag vormittag bei Prasser erteilt. iAespleli wird jeden Sonntag von 10— 1 Uhr. Groß-Serliner Partemachrichten. Heute, 14. September: IS. biS 22. Abt. 71/, Uhr im„Paradlesgarten". Landsberger Allee 155: Funtlionär- und Kreisdelegiertenkonscrenz.(War irrtümlich jür gestern an- gezeigt.) Morgen, 13. September: Stadtkreis HallricheS Tor. 7 Uhr: D-legiertenversammlung im „Märkischen Hos". Admiralstr. 18 c. Vortrag des Gen. Friedrich Stampfer über:„Gent und Moskau". Zutritt nur sür Delegierte. Ehnrlotteiil'urg. 7'/, Uhr, 14. Gruppe: Versammlung im„Schult- heiß", Kanislr. 51. Pankow. Tl, Uhr: Versammlung sämtlicher Gruppmsllhrer bei Engel, Mühlenstr. 45. Potsdam. Zahlabend 8 Uhr in allen Bezirkslotalen. Tempclhof. Frauenabend Tl, Uhr im Zeichrnsaai des RealgymiiassumZ, Kais«rIn-Augusta>Sl:aßc. Reserenl: Genosse Puls. Gerichtszeitung. Der verschobene Möbelwagen.> Den Gipfel verblüffender Diebesfrechheit erklommen die drei Angeklagten, die vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts II standen, um sich wegen Diebstahls cm einem vollbeladenen Wagen mit Möbeln im Werte von etwa 300000 M. zu verantworten. Die drei Gauner, die dieses Kunststück zustande gebracht haben, sind: der Arbeiter August K n e p e l, der Futter- meister Otto S ch i n i e und der Arbeiter Rudolf N i e s n e r, denen sich der Schankwirt Peter Schmitz als Hehler zugesellte. Mit zwei von Schinke besorgten Pferden begaben sich die drei ersten An- geklagten nach dem Anhalter Bahnhos, wo sie die Pferde einfach vor emen der Firma Hermann G e r l a ch in TreKden gehörigen, bc- ladenen und an der Rampe stehenden Möbelwagen spannten, dessen Inhalt einen Wert von 300 000 M. darstellte. Der Wogen beher- bergte eine ganze Wohnungseinrichtung, bestehend aus Eßzimmer-, Herrenzimmer-, Schlafzimmer- und Kücheneinrich- tung, 14 Kasten mit Porzellan und Hausgerät, Dielenmöbel, einen Koffer mit Kleidern, mehrere Teppiche usw. Sämtliche Möbel waren mit Wäsche und Kleidungsstücken gefüllt. Der Wagen wurde zu dem Angeklagten Schmitz gebracht, von dort aus fuhren ihn die drei ersten Angeklagten nach der Gerichtstraße auf einen Lagerplatz. wo die Sachen ausgeladen in einer Remise untergestellt wurden. Die beim Abladen tätig gewesenen Personen haben sich verschiedene Sachen zugeeignet. Für die Möbel lprt Schmitz dem Niesner 10 000 M. übergeben, die sich die drei Diebe teilten. Die Geschädigte, eine Frau Reichel in Dresden, hat einen Teil ihrer Sachen wiedererhalten, jedoch einen Schaden von 50 000 bis 60 000 Mark erlitten. Mehrere Personen, die bei dem Verladen der Sachen mitgeholfen, waren mitangeklagt, sie wurden aber nach den Anträgen des Justizrats Dr. D a V i d s o h n und des Rechtsanwalts Dr. Puppe teils freigesprochen, teils wurde ihre Sache abgetrennt. — TvS Gericht verurteilte Knepel zu 2Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, Schinke zu 2 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, Niesner zu 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust und Schmitz zu 2 Jahren GejängniS. GewerksthsDbewLgung Die Unternehmer bauen ab! Die Unternehmer wartS.Vuchdrncktrel u, Verlagsanltall Paul Singer u. To Aerli.i Oinscnflr. 3. :: Walhalla-Brettl n < i am Rosenthaler Platz. || Das große Eroffnangs- Programm!| 1000 Mark Belohmmg! Am Sonnabend, ll. September, vormiNagz, wurde in der Srünslraße ein Seschällswagen mit Plan(Klappe iriigt Auf- schrill:„achter Braoft-ftosTee" Zulm» SiuNgys. Acker. strahe 160 TO), despannt mir braunem Ballach, Kennzelchen am unteren Kieler faustgroßer Knochenauswuch», gestodlen. Zitr Wiederherbeischaffuna de« Fuhrwerl» Ist obig« Beiahnung au«. ------- j-,----", 70. gel'S». jnlln» ituttan», Ackerstr 180____ BTeilzahlung.g Kronen ISM.PIomaen |,aii. Zahnzichco mit Cinspr. hOchst Z()l)n6 v 4»n tchmerzlind. Umarb.schlectus.OebisstPep Zlhnarz: Wolf sol. Pol8damerSlr.55. Hochh. Sprechz. 0-7. Oeutscher Schulvereln Tucbel, Wpr.(Pomorzcs. Die deuische Unterrichtssprache ist unseren Kindern In den bisherigen höheren Schulen nicht bewilligt worden•. wir muSsten eine eigene deutsche Prlvatst hule gründen. Die jährlich etwa Hü 000 M.(ca. 20 000 M deutscher Währung) betragenden Unterhaltungskosten können wir aus eigenen Mitteln nicht aufbringen Liebe deutsche Brüder, hellt uns I Bewahrt unserer lugend das deutsche Volks um 1 Schützt nislerungl— Geldspenden erhltten wir an sie vor der Polont_____. die Dresdner Bank, Berlin W56. Der Vorstand t P. Schlonskl. R. Heppner. WsMlIMkll jewahrlelstet große Lebeits-Persicherungs.Aktien-Descllsch, einem gewandten Werbebeamten i«m fllr Groß-Perlw di» Ausnlltzung eine« Vergünstigung»» «rtrages übertragen werden soll. Angebote, auch von Nichtsachleuten, unter L, K. 3319 an Ma.Hnasenatelo A Vogler, Berlin, erdeten. 84 18 Kuck's Höhere POvatschule u. Vor bcreitungs-Anstak, Vorschule— Pension. NOrnberg-r Str. 2, am Zoo. Elektro-Motore Le!tung»»Dt>namo»Drlihte In» stallat.»MatertaI taust lautend Elektromech.-Zentrnm.(Aler, 4782). Kurze Str. 18(«leg-PLZ. la Brenntorf Xi (größte Heizhratt) äußerst pre sw. fr. Keller L. 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