Hr. 463■» 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 94 Bezugspreis: B»rteljLhrl. SV,— M monatl.10,— Mi. frei m» Saus, voraus-ahlbar. Pow de�ug Monatlich 10.-» ML e?fU stu« rellunqsgedühr. Unter Rreu�banb ffit Deuts chlano und Oesterreich IS�V ML iiir das übrige Ausland vei täglich einmal,.�utteliuno 2150 Posi�e» Prellungen nchtnen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho-Slowakel, Däne« marl, Sollano.>.uremdurg. Schweden and die Schtoeu.— öingetraaeu in die Dost- V.tungS' Preisliste. Der �Borroärts� mit der Sonntags- Beilage �Dolt u-�ett* erichcmi wochen- ägtlch zwelmal Sonn'aqs und Mon- tags-rnmal. Abend-Ansgab Telegramm-Adreffe� .Sozialdemokrat Vsrllti* berliner OolKsblstt (20 Pfennig� AuzetaenpretS: Sil adjtflctpaltene Nonvareillezeil. loficü,— M.,T«llerung,zuschIag SV»/» kleine Unjcigen**, das iett- g-druckte Wart lr- M. lzulälsig jtDei ftttgebtitittr Worte), itbc« weitere Wart 60 Psg. Stellengesuche anb Schlafstrllenanzeigeu das erste Wart »5 Pfg. iebe» weitere Wart«0 Plg. Worte über 15 Buchstaben täblen iür iwei Worte. TeuernnasMschlag 50°/» Familien-Anieigen filr Abonnenten Zeile Z— M. politische imb gewerkschaftliche Vereins* An'eigen 8,— Mk. die Zeile ohne Aufschlag, Anzeigen für bie nächste Nummer müssen bis S Ahr»achmfttags im Hauptgeschäft. Berlin SW 3. Llnben- taOBe 3, abgegeben werden. Geöffnet oon 9 Uhr trüh bis S Uhr abenbs. Zcntrzlorqan der rozialdemokratifcben partei Deutschlands Kcboftien und Expedition: SW. 68, Linöenstr. 3. �emiprc J.c; Jimt.?!orluvla», Rr. 15190—1511)7. —■—h»<.'eGjer■ 1 1, i Freitag, de« 17. September 19 ÜO vorwärts-verlag S. m. d. h., SW. 68, Linbenstr. 3. �ernsprrriirr: Amt Morinvla«, Nr. 117.Ist— 51. Königsmache in Hapern! In B a v e r n wird durch Wolffs Bureau und dvrch die glrichfalls oisiziZse„Korrespondenz Hossmann" folgende merk- würdige Tepcsche verbreitet: Die„Bayerische TtaatSzeituug" übernimmt eine Meldung der Pariser„Humanite", wonach der General von Metz. der militärische Adlatns deS französischen Gesandten in München, erklärt habe, daß die französische Regierung gegen den Fortbestand der bayerischen Einwohnerwehren nicht? einzuwenden habe. Tie Sozialdemokratische Partei in Bayern erhielt von verschiedenen Seiten aus einer Reihevon Einwohner- wehren die Mitteilung, day anläßlich des in München am 2b. September stattfindenden Landes schiepeus der Ein- wohnerwehrcn Bayerns der Kronprinz Rupprccht als König in Bayern ausgerufen werden solle. Es sc» Vorsorge getroffen worihen, daß die Reichswehr keinerlei Schwierigkeiten bereiten werde. » Die„Bayerische Staatszeitung" ist bekanntlich das amtliche Organ der bayerischen Regierung. Wenn dieses Blatt die von dem sattsam bekannten Grumbach stammende Notiz der„Humanitö" ohne Kommentar übernimmt, so gibt sie damit ein Einverständnis mit den Franzosen zu, oic nach der Reillfsversassung überhaupt nichts in München zu suchen haben. Stimmt dieie Annahme, dann sind die Mitteilungen, die unseren bayerischen Genossen aus den Reihen der Einwohner- wehren gemacht wurden, doppelt bedeutsam. Wir fragen: Weiß die Reichsregierung von den Treibereien in Bayern? Weiß sie vor allem davon, daß der französische General sich gegen die Verordnungen des Reichs und im Gegensatz zu dem Diktat von Spa sich für den Fortbestand der Einwohnerwehren ausspricht? Weiß sie vor allem von den Absickchen der reaktionären Einwohnerwehren Hinsicht- sich der Königsmacherei? Und wenn sie davon weiß, welche Mittel will sie anwenden, um diesen Hochverrat an der Republik zu verhindern, der geeignet ist, den schwersten Bürgerkrieg in Deutschland heraufzube- schwören? Sie kann doch selbst nickst glauben, daß die deutsche Arbeiterschaft still dazu schwiege, wenn die Königs- wacher in Bayern ungestört die Republik sprengen könne.:, während die Münchener Räterepublik mit der Reichs exe- k u t i v e niedergekämpft wurde. Wir erinnern alle Welt daran, daß soeben erst der B e- zirksparteitag der Sozialdemokratie Frau- kens in Bamberg gegen die separatistischen Bestrebungen in Bayern Stellung genommen und ein sichtbares War- nungsmal in folgender Entschließung aufgerichtet hat: Er verurteilt die reichsfeindlich« Politik der separatistischen Strömungen in Bayern auf da« schärfste. Bayerns wirtschaftliche und politische Gesundung hängt, von der Einheit de« Rei che? ab. Die Abtrennung Bayerns vom Reiche würde die Abschnü- rung Bayerns von der Lieferung der Kohlen und der wichtig- sten Rohstoffe und damit den Ruin der bayerischen Industrie bringen. Jeder Versuch der LvStrennung Bayerns vom Reiche und ein erfolgreicher Widerstand gegen die vom Reiche auf Grund de? Abkommens von Spa durchzuführende Entwaffnunng müßten deS- halb die LvStrennung Frankens von Bayern» zur Fvlge haben. Die bayerische Regierung ist bisher der separatistischen Bewegung in keiner Weise entgegengetreten. Der BezirikSverbandSitag v er- urteilt diese unentschieden« und zweideutige Hal- t u n g der bayerischen Regierung in schärfster Form. Ob die bayerische Regierung, die einmal übers andere ihre ReichStmie versichert, es wirklich aus die Zerreißung nicht nur des Reiches, sondern auch Bayern? ankommen lasten wird, bleibt eine Frage der nächsten Zukunft. Die sozia- listische Arbeiterschaft Bayern? und yanz Teutschlands wird die Haftung der Kabr-Regierung mit gespannter Aufmerk- samkeit verfolgen. • Wie wir hören, beabsichtigt die sozialdemokratische Reichs- tagSfraktion eine Interpellation über die Dvrchführung deS ElltwaffnnngSgesetze« einzubringen. Rie�enexplosion!n New tjort. 30 Tote, 200 Verwundete.— Attentat auf das Bank- Haus Morgan. Amsterdam, 17. September. Dem„Telegruaf* zufolge meldet„Times" aus New N o r k, daß bei einer furcht- baren Explosion, die zur Börsenzcit an der Ecke der Wallstreet und des Broadway, dicht gegenüber dem Bank- kontor der Firma Morgan stattfand, 3l1 Personen ge- tötet und ungefähr 2 Kl) verwundet wurden. Alle Fensterscheiben der Börse und zahlreicher Wolkenkratzer in der Umgegend wurden zertrümmert. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Vielfache Gerüchte laufen um. Es wird behauptet, daß zwei Personen in einem Kraft- wagen vor Morgans Kontor erschienen und dort eine Bombe warfen. Tatsächlich wurden auch die Reste eines vernichteten Kraftwagens gefunden. Es wird auch behauptet, daß ein Automobil mit einem Wagen, der Dynamit führte, zusammenstieß. Tic Verwüstung ist entsetzlich. Auf der Straße lagen die toten uud verwundeten Menschen und eine Anzahl von getöteten Pferden in großen Blutlachen um- her. Auch viele Gebäude wurden mit Blut bespritzt. Der Sohn von Picrpont Morgan gehört zu den zahlreichen Verwundeten. Viele Börscnangestcllte und Makler be- fanden sich im Augenblick des Unglücks ans der Straße. Ein großes Polizei- und Militäraufgebot hat das Börscnviertel abgesperrt. Die Börse wurde aus Befehl des Gouverneurs geschlossen. Ter Schaden beträgt mindestens zwei Millionen Dollar. Nach einer späteren Meldung der„United Telegraph Co." zurückkehven würde. Man möckte sich fast der Hoffnung hingeben, daß die am Mittwoch ihm überreichte deutsche Note über das Be- stehen der polnischen Geheimorganisation, welch« Note vgn entsprechenden Schritten in Pari«, Rom und London begleitet wurde, der Botschafterkonferenz die Augen darüber öffnen werde, wohin da? parteiliche Regiment Le Rond« schließlich geführt hat. Wahrscheinlicher aber ist e», daß die fron- zöstsch« Regierung eine Prestigefrage darin erblicken wird, den General nicht fallen zu lasse». Deschanels Selbstmorüverfuch. P a r i», 1«. September.(WS».) Wie„TempS" mitteilt, sah am 10. Septrmbpr gegen 6 Uhr morgens ein Angestellter deS Schlosses Rambonillet,«l» er fischte, den Präsidenten D e» ch a n e l a»f sich zukommen. Der Präsident wünschte ihm guten Erfolg und ging weiter. Plötzlich sah der Fischer den Prä» sideaten mitte« im Kanal, der glücklicherweise an dieser Stelle nicht tief ist. bis t«r Mitte feines KSrpers im Wasser. Der Angestellte rief um Hilfe, nad der Präsident wurde sofort in» Schiaß zurückgebracht, batte aber»an dem La»fall keine Ahnung mehr. Neuwahl am nächsten Sonnabend. Pari«. 1k. September.(MTB.) Wie„HavaS" mitteilt, ist Ministerpräsident M> ll e r a a d heute früh nach Paris zurückgekehrt. Morgen vormittag findet ein Ministerrat statt, in dessen Verlauf Millcrand feine Kollegen über die durch den Ge- sundheitSzustand des Präsidenten D e S ch a n e l geschaffene Lage unterrichten wird. Am Nachmittag wird Millcrand die Präsi/ aus New Bork gibt die Polizei zu, daß die Explosion auf einen dxnten des Senats und der Kammer empfangen, mit denen er sich verbrecherischen Anschlag zurückzuführen sei, der aus die Räume des Bankhauses Morgan verübt wurde. Ein Waggon Dynamit war mit einer Zündung verschen worden, dir, wie festgestellt werden konnte, einem A p o t h e- ker von New Jersey gehörte, der seitdem ver- s ch w u n d e n ist. Ermittelung de? i Dollar aus. Ter Bürgermeister Heiland setzte für die ichuldigen eine Belohnung von 1l)l oniangen, da ich heimlich des Nachts in dein Fenster klettne. ca ich dich im Wirtshaus, der Schönste die Schönste, nach der siegenden Geige drehte." Jetzt sahen sie am Rande des Teiche«"nv e« war nichts weiter nötig, als hineinzusteigen; eine kurze W e darin zu bleiben und jung und sehnig wieder herauSzutomnn». DaS Väterchen zitterte am ganzen gekrümmten Leibe vor Ungeduld. DaS Mütterchen aber. von der langen Wanderung über die Berge noch schwachen AtemS, hielt ihn an der Hand fest und sagte:„Warte noch ein wenig. Ich muh erst Kraft sammeln, um die Fieude ertragen zu können." „Mit der Jugend kommt so die Kraft,' sagte er, machte sich loS und begann sich auszukleiden. „Ich will noch sitzen und dir zniehn," sagte sie. Er stieg ins Wasier, und sie iah zu. wie seine weihen Haare sich färbten, bis sie golden i» dem leisen Wind wehten, wie seine *) Wir entnehmen diese tieübinige Legende dem in der dritten Auflage erscheinenden prächtigen Legeudenbuche„Der Wunderbaum" von Wilhelm Schmidtbonn. Sie wird jetzt besondere Anteil- nähme hervorrufen, da die Entdeckung de« ProfesiorS Sleinach Hofsiiungen und Wünsche erweckt hat, die seit Jahrhunderten in der Menschheit schlummern. Nachdem von vielen Seilen die soziale und medizinische Bedeutung der Frage erörtert worden ist, geben wir hier einem Dichter das Wort, der die ethische Seite des Problems beleuchtet. Die U. S. P. ist heute nur noch ein Chaos. Im Halle- schen iVolksblatt" schreibt H e n n i g: Zlach der Abstimmung für oder gegen zerreißt die Partei, gleich- gültig, welcher Flügel die Mehrheit bekommt. Wer dies Ent- schliche jetzt nock, nicht glauben wollte, betröge sich selbst. Die Dinge sind bereits so weit getrieben, datz nur dieser von uns vorgeschlagene Weg, erst einmal unsere Partei zu reformieren und dann den Anschluß an Moskau nachzusuchen, noch Reltung bringen kennte— wenn beide Seiten wollten... Wir wollen auf jeden Fall nicht mitverantwortlich sein für den entiey- l'chen, in seiner Furchtbarkeit und seine» unheilvollen Konsequenzen gar nicht auszudenkenden proletarischen Bruderkrieg, der nach der Abstin-niiing ausbricht. Der p> olctarisck»e Bruderkrieg ist längst entfesselt durch die U. S. P. Er kann nur beendet iverden durch die Selbst- besinnung der Arbeitermasscn und ihren festen Zusammen- schluß in der alten Sozialdemokratischen Partei! Wie wir sie auffassen! In-Halle machte in einer U.-S.-P.-Versammlung K ü r b s folgende Mitteilungen: Aber selbst wenn auf dem Parteitag die Annahme erfolgt«, so sind wir doch noch längst nicht aufgenommen. Dem ersten Kotau wird per zweite nächstes Jahr in Moskau folgen müssen. Auch dann sind wir noch, nicht sicher, ob es uns nicht wie den bereits angeschlossenen Italienern geben würde, denen man«ine ein- jäbrige Besserungspflicht auferlegt hat mit der Drohung, eventuell mit-einem Fußtritt wieder hinauszufliegen. Auch Dr. L e v i, der Delegierte der K. P. D. in Moskau, hat bei seiner Bcrichierstattung in Berlin in den Musikersälen die Angst seiner Parteigenossen beschwichtigt, von den U.-S.-P--Leuten an die Wand gedrückt zu werden, mit den Worten:„Wir werden die Bedingungen auslegen, wie wir sie auffassen, und werden sie viel schärfer stellen al« die N.-S.-P.-Leutchcn glauben, sie schlucken zu müssen." Wer Levi und seine Genossen kennt und sich ihre Politik vergegenwärtigt, wird das zu würdigen verstehen. Die Diktatur Levi— das ist„die Diktatur des Prole- tanats"! Srüüerliche Liebe. Der Streit um Moskau tobt sich auch in der nn- abhängigen Presse in immer schärferen Formen aus. Zu den Organen, die am ungeniertesten darauf looschreibeu, gehört die„Hamburger Volkszeitung", wo Wilhelm Herzog und Kurt Geyer— wie die„Leipziger Volkszeitung" sagte: die„lyrischen Jünglinge"— das RedaktionSzepter schwingen. In diesem Blatte konnte man vor einigen Tagen folgende Liebenswürdigkeiten lesen: „Der dialeltische Prozeh in der Geschichte zwingt die Halben und Lauen, dadurch auch alle Kleinbürger unter den Sozialisten, sich zn demaskieren. Die sogenannlen rechien Führer der Unabhängigen konnten ihr antibolschewistisches Herz nicht länger ver- leugnen. Trotz aller Solidarilätsbekenntnisse und VersammlungS- phrafen! Mit einem Ruck haben sich die E r i s p i e n e„ehrlich und loyal" zu den Scheidemännern, ja weit darüber hinaus, in die VekämpfungSphalanx gegen die Bolschewik: gestellt. Ja, sie haben immer„ehrlich und loyal" dem demokra- tischen Bürgertum und allen Feinden Sowjet-Rußlands für Monate, für Jahre hinauS Waffen und Munition geliefert. Auch diele» tlärt das Kampffeld, hellt es auf. Wir sehen: der Feind steht in unsern eigenen Reihen. Es ist der deutsche Spießbürger, der Re- vvlutionsphilister, der ungeistig bornierte Parteiboche." Am nächsten Tage konnte sich Wilhelm Herzog noch weiter in Freundlichkeiten gegen seine Parteigenossen ergehen. So hat er eS ihnen gegeben: „Kann man Mitglied der II S. P. sein und zugleich Anti- b o l s ch e w i st?— Man kann sogar Vorsitzender oder Mit- glied des'Zenlialkomitees sein und sich mit seiner offen be- kannten Feindschaft gegen die Bolschewiki brüsten. So was gibt'S. Die ReichSkonferenz, dieses neun Zehntel aus Stirn glatt wurde, feine Augen siroh. fein Mund rot, wie Schultern und Arme sich füllten. Er rief ihr mit einer ganz neuen, hellen und starken Stimme zu, dah sie erst erschrak, dann aber ganz von einer Freude überkommen wurde.„So warst du, als ich dich zum ersten- mal sah," sagte sie. „Komm," rief er. „Noch nickit," antwortete sie,„ich will noch ein wenig dich an- sehn." Sie faltete die Hände, und ihr Gesicht färbte sich rot vor Glück. „Komm," rief er wieder,„ich bin schon jung bis zu den Fühen. Sieh her!" Damit klomm er aus dem Wasser und stand als ein lackender Jüngling im Grase, schüttelte die Nässe von seinen Haaren ab, versuchte, als ob er lahm gewesen sei, die ersten Schritte. „Komm," rief er zum drittenmal und sah dabei nach einer Jung- srou, die eben schmal und gradbeinig aus dem Teich stieg und in Uebersreude an sich hinunterschaute. „Ach." sagte das Mütterchen,„was willst du Junger und Schöner mit mir Alten?" „Wie einfältig!" Sowie du in« Wasser kommst, bist ja auch du wieder jung." Er hatte einen fremden Stolz im Ton und sah sie wie au« fremden Augen an. „Ich habe dich lieb gehabt beim ersten Blick vor allen anderen," sagte sie,„du hast mich ausgewählt unter allen anderen. Wir haben im Feld nebeneinandergearbeitet und zusammen unsere Kinder groß werden sehen. Ich bin vollgefüllt mit Glück. WaS will ich noch mehr?" „DaS alles noch einmal hab,n sollst du!" Er zog sie am Arm. „ES kann beim zweitenmal nicht schöner sein." sagt« sie und löste feine Hand leise von ihrem Arm.„Ich will nicht in den Brunnen. Ich will, wie ich bin, nach Hau« zu Kindern und Enkeln und für alle sorgen." Er erschrak und wurde zornig.„Merkwür- digeS Geschöpf I WaS tust du? Du kannst jung werden und willst nicht?' Er hob sie in seine Arme und trug sie zum Wasser. Sie streichelte seine Hände, umschlang seine Knie, sah ihm WS Gesicht und bat und flehte. „Gut," sagte er endlich.„So bleib alt und krumm. Komm nach Hause." Er zog seine engen Kleider über den aufrechten Leib, so gut e» sich tun lieh. Bald zeigte ei sich, datz ihre Schritte zu kurz für ihn waren. Er lud sie auf seinen Rücken und schritt unter der Last lrästig dahin, sang Lied auf Lied, „Nun höre ich dich wohl," sagte sie,„aber könnte ich doch auch dein Gesicht sehen, statt immer auf deinem Rücken zu hängen." Als sie nach sieben Tagen ihr Haus sahen, sagte er:„Ich fürchte den Spott der Leute, wenn ich mit dir Alten aus dem Rücken daherkomme. Steig ab. Latz mich zuerst ins HauS." Die Kinder, älter als er, und die Enkel, fast ebenso alt wie er, sahen mit ihneu um den Abendtisch und sahen de« neuen, jungen Parteisekretären, Parteivonzen. Parlamentsmitgliedern zusammen- gesetzie Kollegium, enthüllte eine nicht unansehnliche Reihe solcher Figuren. Sie irleben Sclbsteiithüllung, Selbslentblöhung, als sie die Diktatoren von Moskau zu einhüllen und zn entblöhen glaubten. Es war eine geistig mittelmäßige Gcscllichirft beisammen. Diese Parleivertreter offenbarten die Begrenztheil ihre« Ge- stchtskreifes zu wiederholten Malen. Ihre Bedenken, die sie gegen die 2t Punkte der Aufnahmebedingungen änherien, banali- sierten die Forderungen der Russen nach Reinigung, verkamnen und verzerrten ibre Motive. Mit solchen Kämpen in einer Parte! zu sitzen, mit ihnen gemein- sam zu kämpfen, ist nach dieser Selbstschäiidung für jcdcn Revolutionär unmöglich. Jbr Niveau ist so niedrig wie ihre Argumente. Jiijrirten, Verdächtigungen gegen Andersdenkeude liehen sie durch die Luft schwirtcn. Ledebour, ein nur von sich selbst ein- genommener Giftspritzcr, schimpft Däumig einen Feigling, Crispien irfl Siöcker Uiiehrlichlea vor. Aus dieser Höhe des Meinung«- kampieS stand die Debatte." Zum Schluß fragt Herzog ganz pathetisch:„Hält man es für möglich, daß ein Legten nnt einein Crispien, ein Trotzki mit einem Dittmann zusammenarbeiten kann?" Wahrscheinlich meint Herzog, daß die Moskauer nur mit Leuten seines Schlages arbeiten können. Er muß es ja wissen, denn er hat sich lange genug bei ihnen aufgehaktem Die„Leipziger Volkszeitung" allerdings, die ja auch immer noch„unabhängig" ist, widmet dem Herrn Herzog in voriger Woche aus Anlaß eines Angriffes auf Kautsky folgende Abfuhr: „Diese Erklärung lKautSky« gegen Moskau. Red.) versieht da« Hamburger Organ mit der Ueberschrift:„KautSly entflieht", und am Swluh setzt es hinzu:„Danach hat alio Kautöky der Tap'erkeit besten Teil erwählt". Auch diese erbärmlichen Drcckwürfe überlassen wir der Verachtung der anständigen Genossen. Jutistisch verant« wörtlich ist für diese Gemeinheilen Ehreiifried Wagner. Tie politische Verantwortung wird man wohl dem ehren« werten Wilhelm Herzog zuweisen müssen, der die Chef- redaklion der„Hamburger VolkSzeitung" noch immer nicht nieder« gelegt hat. Dem Herrn ist in der„Wellbühne" vorgeworfen worden, dah er sich turz vor der Revolution von schwerreichen Kapitalisten daS Geld für eine Zeitung zu erschuorrcn suchte, die gegen den Bolschewismus gerichtet sein sollte. Auherdem hat ihm die„Welibübne" direkte kriminelle Vergehen schwerer Art vorgeworfen. Auf der Reichskonserenz ist erklärt worden, gegen Wilhelm Herzog werde die Anklage erhoben, er habe von einer Stelle eins Geldsumme für literarische Zwecke erhallen, von der er 4» 000 M- an die U. S. P. zu Händen de» Genosien Haas« abgeben solle- Haas« habe das Geld nicht erhalten. Weiter wiro Herzog beschuldigt, bei der Liquidation eines ZeitungZumeritehmenS. an dem er in irgendeiner Weise beteiligt war. Geld unterschlagen zu haben. Das Unternehmen, daS Anteilscheine ausgegeben halte, muhte liquidieren. Später gab Herzog tn einer Sitzung an. er habe noch eine gröhere Summe— 20- ober 80000 M.— von den Geldern des Unternehmens im Besitz. Bei dieser Angabe s cb l u g Genosse Däumig mit der Faust auf den Tisch und sagte:„Da bört aber doch alles auf; den Arbeitern konnten die Anteilscheine nicht ausgezahlt werden." Die„Leipziger Volkszeitung" ist der spießbürgerlichen Ansicht, daß ein Mann, der eine Vertrauensstellung in der Arbeiterbewegung bekleiden will, solche Beschuldigungen nicht auf sich sitzen lassen könne, sondern daß er gegen die„Welt- bühne" klagen müsse. Dieser Ansicht sei auch die Unter- suchungskommission, die den Fall Herzog bearbeite. Herzog aber hatte bis zur Tagung der Reichskonserenz die Klage nicht eingereicht, und ein Zuruf von seiner Seite habe gezeigt, daß er sich gern um die Klage herumdrücken möchte. DaS Leipziger Blatt ist der Meinung, daß Herzog wenigstens von der Leitung des Hamburger Redaktion zurücktreten ntüffe. Daß diese Ansicht eine„kleinbürgerliche" ist, wird den Leipzigern durch den Hamburger Bezirks- und Orts- vorstand der U. S. P. bescheinigt, der eine Erklärung ver- öffentlicht, wonach er hofft, daß die geforderte Unter- Kerl aus so hiljlosen Augen an, wie er sie. Al« er die Arbeite« für den nächsten Tag befahl, gaben sie Widerworle. In der Nacht hörte das Mütterchen, wie er leise aus dem Bett aufstand und zur jungen Magd in die Nebenkammer schlick. In der nächsten Nackt richtete daS Mütterchen der Magd ihr Ehebett her und legte sich selber ins Best der Magd schlafen. Sie putzte der Magd die Sckuhe, schöpfte ihr die Suppe in den Teller, er« trug gehorsam jede ihrer Launen. Als den beiden ein Kind kam, hütete sie das Kind wie ihr eigenes und freute sich, dah es im Gesicht dem Vater gleich sah. Er nahm eine neue Magd, ging die Näckt« zu den jungen Dirnen der Nachbarschaft. Wie eine Naturkrasi selber zeugte er mit allen gesunde, lärmende Kinder. DaS Mütterchen ging überall hin, brachte den Kindern Geschenke, streichelte ihnen da« Haar, pflegte sie, wenn sie krank waren. Endlich wurde da« Mütterchen schwach, legte sich auf ihr Stroh- bett und sagte:„Es geht auf den Tod." Sie schickte nach ihm. Aber er war mit drei jungen Dirnen zum Tanz gegangen. „Saht ihn," jagte da« Mütterchen,„es ist in ihm, er kann nicht ander«." Sie sing über und über zu strahlen an, bis sie ihr Aussehen wieber bekam, da« sie als junge« Mädchen gehabt hatte. Und al« sie so auf ihre Art auch noch einmal jung geworden war, tat sie den letzten ÄiemFug.__ „Ihre Hoheit— die Tänzerin"(Musik von W. Goetze, Text von Felix und BarS), die erfolgreich« Sommer-Operette de« Thalia- theaterS, ist jetzt ron dort nach dem Friedrich-Wilhelm- städtischen Theater übergesivdell. Die Neueinstudierung hatte am Donnerstag(von 148 bis 11 Uhr dauerte eSl) einen Bombenerfolg. Direktor Felix Meinhardt hat für eine höchst „splendide" Ausstattung(in farbenfrohem Nokoiostil) und eine erst- rangige Besetzung gesorgt. Als Herzogin-Tänzerin bot Elisabeth Balz er mit ihrer schönen Stimme und hingebendem Spiel c.ne Musterleistung. Sie war crufs beste von Gustav I a h r b e ck sekun- diert. Auch da« ander« Paar, da? herter kontrastierende, war voll Schmiß und Laune: keck in ihrer AuSgelaffenheit und reizend als Erscheinung Betty Fe i n e r, ein temperamentvoller Liebhaber Fritz Schulz. Eine köstlich'« Parodieftgur gab Kurt M i k u l« k i. i/O« Publikum wiegte sich in den schwellenden, üppigen Melod.en veS zweiten Akte»"(der erste ist viel zu breit) und erfreute sich der guten Orchesterleistungen unter Ewald Huth... Im Operetten- theater hat man glücklich Krieg und dergleichen vergessen, wir sind wieder im Jahre 1213._-r. Tie tik. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. di° erste seit 1213, beginnt am 19. September in Bad Nauheim. Es hat sich eine über Erwarten große ZabI von Tetluehmern. nicht nur aus dem In- land. sondern auch au« dem Ausland angemeldet. Sämtliche Teilnebmer können unentgeltlich untergebracht werden. Kunstchronik. Der„Berliner Künstlerbund" veranstaltet vom 20. Sevtember Bis Ende November eine Ausstellung von Werten seiner Mitglieder bei A. Wertheim, Leipziger Str. 132, IL Lanöarbeitcrnot in Gftelbien. „Schlimmer als Hunüe".— Keine /tborte unü kein Wasser!— vunghaufen im Wohnzimmer.— Hinaus aufs£a«ü! suchung bSHtgc Klarheit schaffen wird, daß er inzwischen aber den Herzog bestimmt habe, auf seinem Posten zu bleiben, weil er sein rückhaltloses Vertrauen genieße. Also: ein Mann, gegen den schwere Beschuldigungen erhoben sind, und gegen den ein parteionganisatorisches Untersuchungsverfahren schwebt, wird trotzdem auf seinem verantwortlichen Platz gelassen, weil er„volles Vertrauen" genießt l Das ist eine Moral, die nicht jeder versteht, die aber ganz zweifellos— unabhängig-bolschewistisch ist. Aufhebung einer Kommumftenversammlung In einer Gastwirtschaft in der Skalitzer Straße wurde am Freilag früh 4 Uhr durch die Sicherheitspolizei ein« Kommunisten- Versammlung ausgehoben, an der Personen aus verschiedenen Städten Teutschlands teilnahmen. Eine Anzahl Alten wurden be- schlagnahmt. Wie wir erfahren, hat der Polizeipräsident nach Prüfung der AngeleHenheit Rückgabe der Akten ar die Eigentümer angeordnet, da ein Grund zu strafrechtlichem Ein- schreiten nicht gegeben ist. Tie Aufhebung der Versammlung er« folgte wegen Ueberlretung der Polizeistunde. Ein heiteres Dementi. Das„Hamburger Fremdenblatt" dementiert unsere Meldung von den Waffenfunden im Lockstedter Lager. Es seien gar keine Waffen dort vorhanden. Dieses Dementi wirkt außerordentlich erheiternd, nachdem am Donnerstag abend WTB. offiziös mit- geteilt hat, daß die Auffindung von Maschinengewehren den Tatsachen entspreche und ben amtlichen Stellen längst bekannt sei, daß vom Lockstedier Lager aus ein schwunghafter Waffenhandel be- trieben werde. Wir kondolieret» dem reaktionären Hamburger Blatt herzlich zu seinem Reinsall. Blinder Eifer schadet nurl GroßGerüu dsr Kampf um vr. Loewenssein. Lehrer als Versammlungssprcnger. T.e Sprengung d«r gestrigen Versammlung, in der der Kandi- rat für den Stadtschulratsposten Dr. L o e w e n st e i n vor der Lehrerschaft Berlins sein Programm entwickeln sollte, hat die bür- gerliche Presse ein wenig in Verlegenheit gebracht. Die demo- » kratischen Llälter verurteilen diese antisemitische Radau- macherei und betonen, daß es sich dabei nicht um Angehörige des Lehrer st andes handeln dürfte. Tie Verurteilung dieser Radauszenen durch die bürgerliche Presse ist ein« Heuchelei, denn sie allein war es, die den Widerstand gegen Dr. Loewenstein entfachte und dem Kamps eine persönliche Note gab. Di« r c- a k t i o n ä r e Presse ist weit aufrichtiger, wenn sie mit allerhand hämischen Bemerkungen den Verlauf der gestrigen Versammlung begleitet und in Ueberschriften, wie:„Loewenstein nach Hause gegangen!" oder„Tie F l u ch t d e s Dr. L o e w e n- stein!", ihre Freude über die Früchte der vereinton bürgerlichen Hetzkampagne zum Ausdruck bringen. Die„Post" bemerkt, daß Dr. Loewenstein ihrer aufrichtigen Sympalhie sicher gewesen wäre,„wenn er für immer aus den Posten eines Lberschulrates verzichtet hätte, auf den«in Mann gehört, der zumindest„einen informatorischen Vortrag" halten kann und nicht vorher„kneift". Vielleicht hat dieser Mißerfolg seines öffent. lichen Auftretens einige Bedenken in ihm erregt". Das Bürger- tum mag sich gesagt sein, lassen, daß eS auf dies« Art und Weise seine Gegner nicht überzeugt, und kein Mitglied der sozia- listischen Parteien dazu bewegen wird, Dr. Loewenstoin fallen zu lassen. Ganz das Gegenteil wird man erreichen. Die Arbeiter- schaff ist entschlossen, von dem Recht und von der Macht, die sie durch die Wahl vom 20. Juni erreicht hat, auch nicht einen Deut sich nehmen zu lassen. Sollten di« Rechtsparteien versuchen, Groß-Berlin mit Gewalt zu erwürgen, so können sie sich aus den geschlossenen Widerstand dos Groß-Berliner Pro- letariats gefaßt machen, den selbst die Kapp und Lüttwitz nicht niederringen konnten. Wenn die bürgerliche Presse heut< versucht, die Schuld an den gestrigen Radauszenen im LehrervereinShauS von der Lehrerschaff auf Leute abzuwälzen, die dem Lchrerstande fernstehen, so wird ihr das kaum gelingen. Die L. L.-Korrespondenz weiß zu melden, daß sich sofort nach der gestrigen Versammlung der Vor- stand des Lehrervereins und der anderen Körperschaften mit den Vorgängen beschäftigt und festgestellt haben, daß, wie aus den der- teilteu Flugblättern, die zu einer Protestversammlung im Zirkus Busch aufforderten, hervorging, die Radaumacher dem Berliner Lchrerverein angehörten. Aus der Versammlung wurde Dr. Loewcn- stein von einer Tome zugerufen:„Und so was läßt man auf unser« Kinder losl" Nach den gestrigen Vorgängen allerdings wird der große Teil der Berliner Bevölkerung mit Bedauern gesehen haben, was man alles auf unsere Kinder los läßt. Der Wunsch nach einer gründlichen Reform der Schule wird in ihm lebendiger denn je sein. Arbeitsplan der Volkshochschule Grost» Berlin. Die Votkshockschule Groß-Berlin gibt soeben ihren neuen Arbetisplaa heraus. Im Umiang töö Seilen) gegen früher be- deuten» stärker geworden, ist er ein Beweis für da» innere und äußere Wachsen her Volkshochschule. Weit über 100 Kurse sind vorgesehen, darunter eine Anzahl ArbeitSgemein- s ch a i r e n. Die Zahl der Arbeitsstätten hat sich vermehrt. Neukölln und Wilmersdorf sind hinzugelreten— das neue Groß- Berlin macht sich erfreulicherweise auch hier bemerkbar. Der Lehr- plan ist übersichtiich gegliedert, jedem Thema sind einige erläuternde Bemerkungen über den Inhalt des Kursus beigefügt, so daß dem Jiiteressenteli die Entickeidung darüber, ob er sich an einem Kursus deieiligeii will oder nicht, leicht gemacht wird. In der Suswahl der Themen zeigt sich aber auch der s h st e- malisch« Aufbau deS Unterrichts. Ein gut Teil Kurse w:rd im Anschluß an frühere Kurie weilergeführt. Was aber die VollShoch- schule Groß-Berlin der Arbeiterschaff besonders werr macht, ist die Tarsache, daß diese in erster Linie aus ihre Bedürfnisse eingestellt ist und die großen Probleme unserer Zeit in ihren tieferen Zu- sammenhängen behandelt. So nehmen die wichtigen Gebiele Wirt- schaflS- und Betriebslehre, Staats-, Gesellschaftswissenschaft und Geschichte einen breiten Raum unier deii Kursen ein. Von einzelnen Themen, die behandelt werden, feien genanm: Sozialisterung, Volks- Wirtschaft der Gegenwart. Wirlschafisleben der Vereinigten Siaaien, Arbeilerbewegung in England, Belriebsräle. GelverkschaftSlehre, Liberale und sozialistische Staatslehren, Revolutionen der Neu- zeit u. a. Unter den sozialistischen Dozenten der Volkshoch'chule be- finden sich: Prof. Eunow, Prof. Eonrad Schmidt, Dr. Nenriepke, Grunwald fGeschichle der Sozialdemolraiie), Seidel. Rüben. Roienberg, Hermann Müller. Auch die Nalurwissen schaffen, Kunst und Literatur sind im Lehrplan gut vertreten. Die Kurse beginnen Mitte Oktober. Ein Uebersichtsplan über die Lehrgänge wird kostenlos an folgenden Stellen abgegeben: Von zuverlässiger Seite ist uns eine Fülle von Material überwiesen worden, das auf die Zustände ans den Gütern im Kreise Schneidemühl ein grelles Licht wirft. Aus Gründen des Raummangels sind wir nicht in der Lage, mehr als einen Bruchteil der mehr als 50 Schreiben mitzuteilen; doch kann der unbefangene Beobachter schon hieraus sich ein Bild über die trostlose Lage unserer Arbeitsgenossen auf dem Lande machen. Die Agrarier haben es seit jeher ver- standen, besonders laut über ihre Not zu klagen, und bei sämtlichen Regierungen der wilhelminischen Zeit fanden sie für ihre mehr als unberechtigten Beschwerden ein nur zu ge- ne gtes Ohr. Auch die jetzige bürgerliche Regierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Volksernährung den Agrariern auszuliefern; mit welchem Erfolge, wird der kommende Winter zeigen. Demgegenüber erscheint es uns angebracht, die Stimmen derer, die sich bisher bescheiden im Hintergrund hielten, auch endlich einmal zu Gehör kommen und ihre unerträgliche Not in alle Welt hinausschrcien zu lassen. In den folgenden Zeilen geben wir einige der uns zur Verfügung gestellten Briefe in unverändertem Wortlaut der Oeffentlichkeit zur Kenntnis und lassen im übrigen die Tatsachen für sich sprechen. K e g e l s m ü h l. den 15. 8. 20. Werter Kollege I Ich muß Dir auch mal mitteilen, daß in Kegelsmühl II die Wohnhäuser sehr in Unordnung sind, denn die Häuser fallen den Leuten auf den Kopf. Sie haben es ihrem Herrn schon paarmal gesagt, aber der läßt es nichtmachen. Die Wohn- Häuser sind alle baufällig und die Herren von Gottes Gnade be- handeln ihre Leute schlimmer als Hunde. Vielleicht kommt jemand von Euch rüber»nd sieht sich die W o h n u n g e n an, ob ein Mensch darin wohnen kann oder nicht. Werter Kollegel Wenn von Euch keiner rauskommen kann, dann schickt es an die 2 ch l i ch t u n g s st e l l e» damit der Herr G i e s e zum Termin herangezogen wird. (Konrod Giese in Kcgelsmühl H ist der Name deS Besitzers. Red. d. V.) Mit Gruß gez. R.... OrtSgruppenführer. An ciiiem weiteren Schreiben eines anderen Arbeiters wird zum Ausdruck gebracht, daß auf dem Gute Petznick für Familienwohnungen überhaupt keine Aborte vor- Händen sind und daß für sämtliche Familien nur eine einzige Pumpe zur Verfügung steht. Durch das Dach des Familienhauses dringt der Regen hindurch. Von Interesse ist ferner folgende Eingabe! H o f f st ä d t, den 4. 8, 20. Mißstände auf dem Gut Hoffstädt sind folgende: 1. Aborte müssen gebaut werden. 2. Hoffstädt hat 220 Morgen Land unbearbeitet. 3. Dobritzfelde 100 Morgen unbearbeitetes Land. 4. Pumpen müssen gemacht werden auf Dobritzseide. Sämtliche Arbeitnehmer müssen da« Wasser aus dem Fluß holen. wo sämtliches Schmutzwasser reinläufr. 5. Der Müller nimmt a Zentner Roggen 7,— M. Mahlgeld und 10 Pid. Metzkorn ab. (Folgen 9 Unterschriften. Red. d. V.) Die Klagen über fehlende Aborte und mangelhafte Wasserversorgung wiederholen sich aus sämtlichen Gütern; aus Hohenstein wird darüber Beschwerde geführt, daß die Wohnungen mit Rauch und Qualm angefüllt sind, wenn gekocht wird. Auf demselben Gute wurde ein dentscher Arbeiter, der um Arbeit nachsuchte, abgewiesen, während der Gutsbesitzer— natürlich wegen des niedrigeren Lohnes— einen Russen einstellte. Patriotismus der Landwirtschast! Wie es in Adl. S ch r o tz aussieht, zeigt folgendes Schreiben: Werter Kollegel Teile Dir hierdurch die Mißstände auf Gut Adl. S ch r o tz mit, zloccks einer Resolution an den Herrn L a n d r a t. 1. Die Wohnungen sind dermaßen schlecht, ähnlich den Schweineställen! Bei verschiedenen Wohnungen regnet es de» Leuten durchs Dach auf die Bcltcii. 2. Bei 25 Familien keinen Abort, und es ist eine s i t t- liche und gesundheitsschädliche Schweinerei. 3 Treppenbeleuchtungen bei den Bodenwohnungen fehlen, es können leicht Unglücksfälle entstehen. 4. fordern wir eine Leichenhalle. Die meisten Familien haben nur eine Stube, wo soll gegebenenfalls eine Leiche bleiben? 5. Die Brunnen sind gesundheitsschädlich. Mit kollegialem Gruß! (gez.) L... Allgemein ist die Klage über das hohe Mahlgeld und die Abzüge der Ws ü l l e r. AuS Rosenfelden wird dem Betriebsrat mitgeteilt, daß das Mehl, welches die Arbeiter von ihrer Mühle bekommen, viel Sand enthält! Ueber die grauenhaften, die Gesundheit der Landarbeiter aufs schwerste schädigenden Zustände auf Wassergrund gibt folgendes Schreiben Aufschluß: W a s s e r g r u n d, 2. 3. 20. Werter Kollege! Ich muß Dir mitteilen, daß 13 Familien keine Aborte haben. Die Dung grübe liegt 2 Meter vom Hause entfernt. Am Wege zur A r b e i t s st ä t t e, wo man täglich sechsmal vorbei- läuft, gehl eine Leitung vom Herrenhaus, wo der sämtliche Dreck der Aborte kommt und in ein Loch hin« einfließt und s i ch l b a r ist und einen furchtbaren Geruch abgibt. Mit Gruß gez. I... Mitteilungen über derartig ungeheuerliche GesundheitS- gefährdungen enthält auch ein Schreiben aus Neu- Strahlenberg. Der Dunghaufen liegt dort direkt vor vem Keller eines Arbeiters. Der ganze Dung dringt in den Keller, von dort in die Kammer und von hier aus in die Stube. Der Anspektor des Gutes wurde zweimal durch den Arbeiter aufgefordert, den Dunghaufen wegfahren zu lassen Jedoch erklärte er, daß er hierfür— keine Zeit gäbe!! Gleiches wird aus Stibbc gemeldet. Ueber das soziale Verhalten der Agrarier den Schulkindern gegen- über unterrichtet folgende Abschrist: Borke ndorf, den 3. 3. 20. Bon der Ortsgruppe Volzendorf wird die Abänderung des hohen Mahlgeldes gewünscht. Tie Stuben müssen vom Ver- band ans revidiert weiden, da sehr vieles ln Unordnung ist. Auch ist eS mit den Aborten das gleiche. Wenn jemand rauZtvmmt zur Revision, daß auch vom A r b c i t e r a u S s cb u ß jemand ran- gerufen wird, sonst dce Agrarier unterdrücken sehr vieles! Auch die Schulkinder werde» zur Arbeit hcrnngczogcn und müssen von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends arbeiten, ob eS dafür kein Gesetz gibt, daß die Schulkinder so arbeiten, wie erwachsene Per- sonen? Wenn einer was sagt, dann heißt eS. wenn ich doch den Aufhetzer möchle rauskriegen, sofort würde er rausgeschmissen «erden. Wie wir schon oben sagten, enthalten die hier wieder» gegebenen Abschriften nur einen Bruchteil der uns zugegangenen Klagen. Eine ganze Reihe von Gütern ist noch ge- nannt, auf denen die gleichen tro st losen Ver h ä l t- nisse für die Landarbeiterschaft herrschen. Vor einiger Zeit wurden die Großstädte mit Plakaten überschwemmt, auf denen zn lesen stand:„Fort aus den Großstädten, hinaus aufs Land!" und jeder Einsichtige weiß, daß eine Lin- derung des ungeheuren Notstandes des deutschen Volkes nur dann möglich ist, wenn die Großstädte entlastet und das Land besser besiedelt und damit besser bebaut wird. Wenn sich jedoch die G r o ß a g r a r i c r derartige Schweinereien — einen anderen Ausdruck kann man nicht gut für die oben angesührtenl Zustände finden— zuschulden kommen lassen, so kann MM von den städtischen Arbeitern nicht verlangen, daß sie zu den ländlichen Verhältnissen Zutrauen gewinnen, die ohnehin für sie eine gänzliche Umstellung ihrer Lebensge>v oh n Helten bedeuten. Wir hoffen, daß dieser kurze Hinweis genügt, um schleunigst auf sämtlichen Gütern eine gründliche, unter Hiiizuztehung der Vertreter der Landarbeiterschaft erfolgende Revision stattfinden zu lassen, die sofort die hier angeführten Uebel beseitigt. Nicht heimliches Verstecken von Handgranaten und M a- schinengeiv ehren auf den ländlichen Gütern ist der beste Schutz gegen den Bols chewismus, vor dem unsere Agrarier zittern, sondern die Schaffung einer m e n s ch e n- würdigen E x i st e n z für die deutsche Landarbeiterschaft. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, 1., Zimmer 15: Buchhandlung Vorwärts, Lmdenstr. 2(3—6 Uhr); Buchhandlung Freiheit, Breitestr. 8/9. Auch Hörerkarten sind an diesen Stellen erbälilich. ebenso der ausführliche Lehrplan, der 50 Pf. kostet und den wir allen Interessenten dringend empfehlen. Mögen alle, die nach Erweiterung und Vertiefung ihres Wissens strebe», insbesondere unsere jüngeren Parteigenosseii, von den sich hier bietenden Gelegenheiten reichen Gebrauch machen I Lehrgang für Spitzenklöppeln. Die seit einer Reihe don Jahre» in der 1. städi. WahlioribildungSschule für Mädchen und Frauen be- stehenden Kurse zur Förderung der Kiinst des SpitzenklöppelnS weisen eine rege Beteiligung auf. Der Unterricht bezweckt die Aus- bildung sunger Mädchen und Frauen im Klöppeln soweit, daß sie dieie schöne Kunst als Heimarbeit oder auch als Liebhaber- kunst verioerten können. Klöppelspitzen erfordern wenig Garn. In kleinen Mengen kann die. Schule dasselbe beschaffen. Das Schulgeld für einen vierstündigen Kursus beträgt halbjährlich 10 M. DaS Winterhalbjahr beginnt am Mituvock. den 6. Oktober 1920. Anmeldungen werden schon jetzt in der Geschäftsstelle der l. Wahl- foribildungSichuIe SW. 31, Johanniterstr. 8, täglich von 8 bis 8 Uhr entgegen genommen. Die Unterhaltsbeihilfe» für hochbesöhigte Schulkinder sollen laut Magistlatsveichluß vom 1. Oktober 1920 ab auf je 6 00 M. jähr- licb erhöht und zugleich für die Mädchen-Mittelschulen 3 0 neue Stellen eingerichtet werden. Durch den Haushaltselat für 1920 sollen die entstehenden Mebrkastcn bereitgestellt werden. Diese sollen betragen: a) für das Köllniiche Gymnasium und die Kaempf-Real- schule 80 000 M., d> für 25 Stellen an Lyzeen 3 750 M.. o) iür 26 Stellen an Mädchenpräparandien und Seminare 3 900M.. 6) für 30 Stellen an höheren Knabcnschulen 4 500 M., s) für 30 Stellen an Mädckien-Mittelichulen 9 000 M., k> für 20 Stellen, die zur Ver- sügung des Jugendamtes. 3 000 M., pü für 10 Stellen, die zur Ver- fügung der Schul-Deputation stehen, 1 500 M.. zusammen 55 350 M. Die Berlage hierüber ist der Stadtverordnetenversammlung zuge- gangen. Die Große Berliner Straßenbahn teilt mit: Am 21. Septem- ber d. I. tritt in der Linienführung der Linien 59 und 30 eine dauernde Aenderung ein, indem von dann ab L> n i e 59 durch die Prenzlauer Allee und Langhan» st ratze (cmstatt wie bisher durch die Greifswallder Straße), Linie 60 durch die Greifswalder Straß«(anstatt wi« bisher durch! die Prenzlauer Allee) verkehrt. Die Zeitkarten für diese beiden Linien, behalten aus der ursprünglichen Strecke für den lausenden Monat noch ihre Gültigkeit bei, die mit dem 2. Oktober erlischt. Am 21. September treten auch aus den Linien 59, 60, 62/132, 72 und 73 neue, gegen die bisherigen nur wenig geänderte Fahrpläne in Kraft; Näheres ergibt sich auch aus den Aushängen in den Wagen.._ Groß-Serliner partewachnchten« Heute, 17. September: Charlottenburg. Mitgliedemrlamtnlung der in der S P D. organi- fieitcn Beamten, Angestellten und Hilsskiäste 7'/, Uhr in der Aula der Leibnih-Obcirealfchulc, Schillctstr. 126/127. Tagesordnnng! Zweck der Ge- mcinichast. B. E. Genosse Schneider. Vortrag: PaziftsmuS und Sozialis- muZ. B. ffi. Pfarrer Bleicr. Morgen, 18. September: Fraucngruppc des Gcwcrkvereins der Metallarbeiterinne» Hirsch. Tuncker. 8 Uht bei'.Irland, Bcusselktr. SS: Verfammlung. Res.: Kollegin Zil«:„Abbau d r Zwangswirtschast und welche Folgen entstehen daraus für die Hausfrau?- Gruppe Südwest<2.-8.?lbt.) 8 Uhr bei G. Keufner, Hagelberger Straße 20a: Bildungsausschug-Konserenz. Novemberangclegcnheit. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Treptow- Slernwarte. Sonntag 3 Uhr:„Aus fernen Landen-. 5 Ubr:„An den Useru deS Rheins". 7 Uhr:„Bewohnbarkeit der Welten- (Lichtbildervortrag). DfenStag 7 Uhr:„Kometen und Sternschnuppen- (Vortrag mli Lich bildern von Dircllor Dr. Archenhold). Mittwoch 7'/, Uhr: „Sizilien und das Vultangel'let Süditalicns"(Votlrag mit Lichtbildern von Max Nenlwich). 25, September, nachm. 5 Uhr:„Japan und Leute-.— Ciue Obft-Nusftellung in Verbindung mit einer Obstmeffe und Vor« trägen veranstaltet die Tcutjchc Garte, ibau-Gefellschaft am Donnerstag, den 30. September 1920, in der Landwütschasttichen Hochschule in Berlin, Jnvalidenstr. 42._ Silüungsveranstaltungen. Potsdam. Vortragskursus über da» Erfurter Programm Montag tz Uhr im Lokal Ruminsti. Der Kurms wird etwa S bis S Abende m Anipruch nehmen. Voi tragender ist der Genosse Philippsborn» Berlin. Teilnehmergebühr für alle Abende beträgt nur 2 M. Weibliche Personen nd srei. GeroerkfchQstsbewegung Gine Landarbeiterinternationale. Wie die P. P. N. aus unterrichteten Kreisen erfahren, hat eine internationale Konferenz von Landarbeitern, die in Äinster- dam tagte und bei der außer den Franzosen und Tschechoslowaken alle wesentlichen Völker vertreten waren, die Gründung einer Landarbeiterinternationale beschlossen. Ter Tagung wohnte auch Dr. Palma Castiglione. der Direktor der landwirtschaftlichen Ab- teilung des internationalen Arbcitsbureaus des Völkerbundes bei, der in einer Ansprache auf den Donderkongreß des Bureaus hin- wies, der 1921 in Genf die Lage der Lairdarbeitcr besprechen soll, wie die Konferenz in Genua die der Seeleute besprochen hat. Die Errichtung der Lairdarbeuennternationale steht jedoch im Gegensatz zu den Absichten des Arbeitsbnreaus, bei dem, wie der Vorsitzende der Konferenz anführte, das Bestreben Vorlauben sei, die Land- atbeiter hinsichtlich der internationalen Gesetzgebung in eine Aus- nahmestellung zu drängen. Mangelnde Energie der Lanbtagsabgeordneten? �Mit Bezug guf den Bericht von der Geiteralvcrsammlung des Eisenbahner- Verbandes in der Abendausgabe des»Vorwärtskam 16. September erhalten wir von den Unterzeichneten der Sozialdemokratischen Fraktion in dex Preußischen Landcsversammlung folgende Er- klärung: In der Abendausgalbe des„Vorwärts" vom 15. septembcr d. I. wird von der Generalversammlung des Deutschen Etsenbahner- Verbandes aus Dresden berichtet, daß das Vorstandsmitglied Scheffel erklärt habe,„die Nichtwiedereinstellung der im Februar dieses Jahres entlassenen Eisenbahnarbciter sei auf die mangelnde Energie der beteiligten Landtagsabgeordneten zurückzuführen". Wir unterzeichneten Mitglieder der Sozialdemokratischen fraktion der Preußischen Landesversammlung bezeichnen d*se uSführungen des Vorstandsmitgliedes Scheffel— vorausgesetzt, daß der Pressebericht zutreffend ist— als mit den Tatsachen im Widerspruch stehend. Wir betonen, daß unsere Vcrm'.ttlungLaktton dem eigenen Antriebe entsprungen und mit aller Energie unserer. seits durchgeführt worden ist, während die Abgeordneten aller anderen Parteien einschließlich der lll. S P. sich um die Wieder- 'einstellung absolut nicht gekümmert haben. Die Verhandlungen haben teilweise, wie z. B. in Lingen, Osnabrück, Güttingen. Lein- Hausen. Sebaldsbrück, Siegen, Bethdorf, Harburg a. E., Lauban gute Erfolge gezeitigt. Wenn nicht Überall die Verhandlungen ein gleichgünstiges Resultat gezeitigt haben, so liegt die Schuld sowohl im Eiscnbahnministcrium, wie auch in einzelnen Eisenbahndirektionen und bei den Elementen, die eine Säuberung der Eisen» bahnwerksiäitcn auch nach Ansicht des Vorstandes des Deutschen Eisenbahner-Verbandcs notwendig machten. Bubert. Rosebrock. Woldt. Schräder. Hauschild. Schadow. Müllcr-Harburg. Otto Ewald. Adolf Thiele. sAnm. der Red. Ein Name war nicht zu entziffern.) Annahme des Schiedsspruchs in der Gesundheitsindustrie. Eine Versammlung der in der Afa organisierten Angestellten dtzr Gesundheitsindustrie(Gas-, Wasser- und Heizungsanlagen) stimmte am Donnerstag gegen eine starke Minderheit dem über ihre GehaltS sorderunge,, abgegebenen Schiedsspruch des Schlich- l wngsaasfchiisfes zu und beauftragte die Organisation, wegen der Ausvehnung des Schiedsspruches auf die jugendlichen Angestellten I und Lehrling« mit den Arbeitgebern zu verhandeln.— Es wurde mitgeteilt, daß die Arbeitgeber den Sch edsspruch bereits angenom- men haben und daß auch die dem G. � K. A. angehörenden Ange- stellten ihn höchflioahrscheinlach annehmen werden, f* daß al>o die Bewegung beendet ist. Tie Stillegung des Rcichswerkes Rcichertshofeu. Mit Bezug auf unsere Notiz über die Stillegung des Reichs- Werks Reichertshofen wirs uns von zuständiger Seite mitgeteilt: „Das Rcichswerk Reichcrtsbofen ist eine ehemalige Pulver- fabrik. Eine Umstellung für industrielle Zwecke würde Abreißen und völligen Neubau bedingen. Wenn auch genügend Gleise vor- Händen find, so fehlen für Waggonrcparatur doch die Hallen. Diese Hallen müßten gebaut werden. Es sind aber solche in ausreichen- dem Maße im Reichswerk Ingolstadt vorhanden, und diese sollen daher für Waggonreparaturen benutzt werden. Die Schließung des Werkes ist in vollem Einverständnis mit den zuständigen Stellen der bayerischen Regierung erfolgt, mit der seit Monaten über diese Umstellung und evtl. Schließung verhandelt worden ist. Die in Reichertshofen ansässigen Arbeiter werden, soweit dies irgend mög- lich ist, im Reichswerk Ingolstadt beschäftigt werden. Ter sozial- politische Ausschuß des Aufsichtsratcs der Deutschen Werke A.-G., dem Vertreter aller Parteien, insbesondere Arbeiterführer, ange- bören, hat sich von der zwingenden No.wendigkcit der Schließung überzeugt und sie wegen der völligen Unrentabilität einstimmig beschlossen."__ Wirtschaft Kündigung der Arbeiterschaft, infolge mangelnder Aufträge. Das Württembergische Portlandzemeniwerk Lauffen A.-G. kündigte ihren sämtlichen Arbeitern auf den 25. September, da keine Aufträge mehr vorliegen. Tie Geschäftslage der thürin- gisch-fränkischen Korbmacherindustrie hat sich weiter verschlechtert. 99 Proz. der Arbeiter sind beschäftigungslos. Die Industriellen fordern von der Rcichörogierung die sofortige Aurbebung des 50p rog. Auslandsaufschlags und der Luxussteuer auf Korbwaren. Anziehen der Futtermittelpreise in Hamburg. An der Ham- burger Börse mache sich ein« große Steigerung für FuUcr- mittel resp. Getreide aller Ar en bemerkbar. In einer Versteige- rung von 30 900 Kilogramm Rotklee tkür Aussaatzwccke) wurden 3400— 3050 M. per 100 Kilogramm bczablt. Dieser Preis wird in Fachkreisen als ein außerordentlich hoher bezeichnet. An der auf der Frankfurter Warenbörse abgekaltencn Fach- börse für Lebensmittel zogen die Preise für Hülsen- fruchte weiter an. Reis war knapp- Auslandsspeck, auch C o r n e d B e e f, in großen Posten gefragt. Gardincnfabrik Plauen A.-G. In der Generalversammlung wurde die Dividende, wie beantragt, auf 3 0 Proz., f.wie ei» B onus von 150 M. pro Aktie festgesetzt. Das Gcsck äst, das bei Drucklegung des letzten Geschäftsberichts etwas ruhiger ge- worden war, hat sich wieder belebt, insbesondere begen ansehnliche Aufträge für Stapelware vor. Bcrschmclznilg.Zvcrhandlungen in der Schuljiilditstrie. Die s-bou vor drei J'bren einmal eingeleiteten Vecbandliinaen zwiickssn den Bereinigten Fränkischen Schuhfabriken iu Nürn- b e r g und der Schuhfabrik Wessel Skt.-Tes. in Augs» bürg wegen einer Verschmelzung find jetzt wieder aufgenommen worden. Die Not in der Landwirtschaft. Ein Landwirt bittet uns um Ausnahme der folgenden Zeilen: „Dem von den bürgerlichen Parteien im V o l l s w t r t» schaftlichen Ausschuß des Reichstags eingebrachten Antrag aus Erhöhung der Ger st e- und Haferpreise stattgeben, hieße, der Vertüileruiig von Brotgetreide Tür und Tor öffneil. Ebeniogut könnte mau das Bersüttern von Roggen gleich gesetzlich erlauben. Siänden uns die Riesenmengen Raggen zur Verfügung, die im vergangenen Winter lvädrend der Zeit der irrenhaus mäßigen Haserpreiie v e r i ü t l e r t worden sind, währiich, der Städter brauchte beule nickt ein Gebäck zu esien, das den Namen Brot kaum noch verdient. Der größte Teil der Bauern in Hintervommern bat im letzten Winter die Pierde und Sckweine ausschließlich mit Roggens wrol gefüttert. Wird der Laudmann nickt ditekl da,u erzogen, wenn er, wie im letzten Wimer. für den Zentner Roggen 35 M., sür den Zentner Hafer aber 250 M. erhält? Der Men'ck ist nun mal kein Engel! Trieben es die Bauern, die meistens eigene Leute sind und keine Anzeige zu befürchten hatten, arg, so machten es die� Güter nicht bener. Das Schroten besorgt der Hofmeister oder sonst eine v>r- ichwiegene Seele, auf die Verlaß-ist; das Schrot wird mit edu j bißchen Ge'.stichrot und gequetschtem Hafer vermengt, und da foll mal einer sagen, es sei nicht nach den behördlichen Vo.ichriflen ver- fahren worden. Wer keine Swrotmühle besitzt, dem besorgt es der nächste Müller. Kleine Besitzer veriünern den Roggen auch vielfach in gelocktem Zustande an ihr Vieh. Aus diele Weite sind allein in Pommern Hunderttausende von Zentnern Brolgeiretde der Lolksernährung entzogen worden, und in andern Be» zirken wird es kaum besser gewesen iein. Ein Reichstag, der einem solchen Antrage zustimmen würde, müßte von«lleir guten Geistern verlassen sein. Wem gebt es heute besser als dem Landmann, sei er Büdner, Bauer oder Riltergutsbesitz-r? Freilich stöbnen sie auch dann noch, wenn man ihnen für den Zentner Getreide 500 i't. bewilligt. Von der großen N o l unseres Volkes spüren die Herrs.Kaiien doch ani eigenen Leibe ver- dämm: wenig. Der tleinne Bauer bat heute soviel Geld in Händen, daß er tatsächlich n i ch l weiß, wob in milden Scheinen! Vor dem Kiiege, als ein Kutschwagen 600 M. kostete. konnte er sich keinen leisten. Keine besitzt er deren zwei, wo der Wagen 10 090 M. kostet. Der K l e i d e r l u x u s, der heute auf den Dörfern getrieben wnd, muß auch dem unbefangensten Beobachter auffallen. Es geht dem Landmann heule so gut, wie e» tbni n i e ergangen ist. Wo soll deuii der Preisabbau eigentlich heainnen. wenn Mckt bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen. D.e Regietuuez mag die Piene nur ruhig herab setzen, trotz des Ge'chreies. Zu Grunde nerichtct würden dadurch bvchslcnS die Wirnckaflen, die in jedem Jahr einmal und in Schaltjahren zweimal ver- kauft worden sind, und um die ist es nickt weher schade. Wer den Morgen Sandboden mh 2000 M. und mehr bezahlt, darf nicht vom Staate erwarten, daß er ihm die Zinsen auibiingt auf Kosten der Allgemeinheit. Ter G ü t e r s ck a ch e r blüht heute üppiger denn je, trotz Sicherheitsbnvo'.hekcn und anderen Erschwernissen, doch ist daS ein Kavital für sich." SPcrcrntw. für den redolt. Teil- Tr. vrrncr Pllfcr. Cv-Iilottenburg: für Anieipen: TN. Glucke. Berlin. Verlag: VorwartS-Verlaq G.m.b.H.. s-i-Llin. Druck: Vor« warte-Buckpruckerei u Verlaasannalt Paul Sinae? u. Ca.. Verli.i. L»naenstr. 3. T*Ld�-~y aampit j**:<■ Dsr.Einkauft-Wegweiter Wer grolle ffinanilaile WortaHe i und folgende Tage gelangen zum Verkauf solange Vorrat reicht: Enabenstielei......§8.50«. m,em Damen-Halbschuhe... 98,50«. eü. Posten Berrenstiefel..... 185.88«. Et. Paste. lArbigs Damejlsljese! 163,75«. Jeder Weg lohnt sich nach Schnhhaus Enntze Hachii. Große Frankfurter Straße 83, Ecke Marsiliusstraße. Beachten hie meine 5 hehanfenater. Eriiienteiij Ooid— P?atm— Sitber» bmeh sahlt weit über TageHkni-H Glasberg, Erunnenstraße 24. Tel.; Humbo'dt 911. 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