flt.464» Zi.�ahrgang Ausgabe A Nr. 95 Bezugspreis: V ertrij 55 tl 30,— ant« monatl.10,— 3Rt. frei ine Staus, Daraus zahlbar. Paii- bezus: Monatlich 10,— Mt. erILSu» ftcIUinosgebüht. Unter Rteuilbonb für Deutschland und Oesterreich 16,50 Mk� für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21.S0 M. Poltde» Oellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tscheche- SIon>akei, Dane- mar!, Salland. üutemdu«g. Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Past-Zeitungs-Preisliite. Der„Vorwärts" mit der Sonntag»- beilage„Volt u. Zeit* ericheint wochen- laglich zweimal, Sonntags und Mon- tags einmal. Telegramm-Adreffe: „SozialOemotraf Berlin". Morgen Ausgabe Berliner VolKsblatt (30 Pfennig} Anzeigenpreis: Sie ochtgelpaltene Vor.oareiDezeile toste t3,— M„ Seueningszufdilag öi""» „Kleine Anzeigen". das»N- gedruckte Won 1,— M.(zuläfstg zwei fettgedruckte Lioriei, iedes weitere Won 60 Vfg. Stellengesuche und Schiafswllenanzeigen das erste Won 65 Pfg„ jedes weitere Wort 40 Pfg. Worte über Iii Buchsladen zählen für zwei Worte. Teiieninnszni'chlaa 50»,» chamillen-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2,— M., rolitildie und ge- wertjchaftliche Vereins-?l»iejgen 3,— Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Äiuiumer müsten bis 5 Ahr nachmittags im Stauatgefchäft, Berlin EW.3, Lindenstraße 3, abgegeben werden.(Beöffnei oon 9 Uhr früh bis 3 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokratircben parte» Deutfchlands Neüaktion und Expedition: EW. Lindenftr. 5. �ernivreriier: Amt Mortttpla«. Nr. I.',»!>0— 151 97. Sonnabend, den 18. September 1930 vorwarts-verlag G.m.b. h., EW. b8, Lindenstr. 5, Fernsprecher: Amt Morinplat:, Nr. 1 1 7."»a— 54. Attentat oöer Unglück? Die New Yorker Explosion. Ob Unglück oder Verbrechen ist noch dunkel. Tic folgenden Be- richte aus verschiedenen Quellen geben darüber noch keine Gewißheit. N e w U o r k, 17. September. lRcuter.) Es steht nunmehr fest. dast daS Ezplosionsunglück vor dem Bankhause Astorgan durch eine Bombe verursacht worden ist. die von zwei Männern im Auto- mobil geworfen wurde. Tic Bombe war mi't einem besonders star- kcn Explosivstoff geladen. Unter den Getöteten besinden sich 17 Angestellte der Bank Morgan. Ter Platz ist streng abge- sperrt. Die Börse sollte ffreitag wieder eröffnet werden. New o r k, 17. September. lHollandsch Nicuwsburcau.) Wahrscheinlich hat die Explosion bei den Erdarbeiten für die neue Börse stattgefunden. Tic Reste der zerstörten Gebäude flogen bis fünf St raßen weit. Im ganzen Finanzvicrtel ist keine Scheibe heil geblieben. Sofort noch der Explosion strömte die von panischem Schrecken erfüllte Menge aus allen Bureaugcbäuden. die bis inden Grundfesten erschüttert waren, auf die Straßen. Aus den Fenstern von Reuters Bureau in der Wallstreet konnte man eine Anzahl der Getöteten auf dem Pflaster in ihrem Blut liegen sehen. Sofort erschienen 100 Schutzleute, ebenso verschiedene Wagen der Feuerwehr, deren Klingeln und Tuten bei dem Versuch, sich einen Weg durch die Straßen zu bahnen, die allgemeine Aufregung noch erhöhte. Unter den Toten befinden sich drei schrecklich verstümmelte Frauenleichcn. Vom Personal der Firma Morgan sind 19 Personen verletzt. Hunderte von Fußgängern wurden nach alle» Richtungen auseinandcrgcwor- fen. Kriegsteilnehmer fühlten sich an die Schlachten in Frankreich erinnert. Morgans Haus ist am schwersten beschädigt, ebenso die Filiale des Staatsschatzamts gegenüber. Das Bctricbsamt(?) in Washington gibt die Erklärung ab, es handle sich um eine V e r- schwörung. Dies wird aber nicht bestätigt. Andere Be- richte sprechen aber ebenfalls von einer Verschwörung, die das Ziel haben sollte,, die Teilhaber einer der Fir inen, die unter Mor- gans Kontrolle stehe», die gerade bei einer Sitzung waren, zu töten. Es sind besondere Maßnahmen zum Schutze der Filiale des Schatz- amts getroffen worden, da dort alle Fensterscheiben zertrümmert sind. 800 Mann Bundestruppen sind dort aufgestellt. Sie werden die Bewachung der in den Kellern des Schatzamts aufgestapelten Vorräte an Edelmetallen übernehmen. L o n d o n, 17. September.„Time s" meldet aus New A» r k: Die letzten Berichte deuten darauf hin, daß der Plan bestand, Morgans Bankhaus zu zerstören. Sachverständige, welche die umherliegenden Bruchstücke untersuchten, sind der Ansicht, daß der Kraftwagen mit Zeitzündern versehene Bomben enthielt, die mittags explodieren sollten. Tic Explosion erfolgte genau 12 Uhr 1 Minute. Ein seltsamer Zufall wollte es, daß zu dieser Stunde gerade 9 Millionen Dollar i» Wold weggeführt wurden. Ein Raub wurde jedoch nicht versucht. Tic Teilhaber von Ällorgan, die in einem Zimmer im oberen Stock eine Besprechung abhielten, entgingen dem Zlnschlag, mit Ausnahme von Junius Spencer Morgan. New Bork, 17. September.(TU.) Die Zahl der bei der Explosion identifizierten Toten betrug 2 4, die Zahl der nicht identifizierten Toten 3. In die Hospitäler sind 120 Verletzte einge- liefert. Viele von ihnen werden nicht am Leben bleiben. Ter Schaden wird auf 3 Millionen Dollar geschätzt; es gingen außer- dem infolge der Panik der Angestellten für 300 000 Dollar Obligationen verloren. Viele von den Opfern wurden durch kleine Eisenstückc verletzt, während andere durch Bittersäurc cnt- seblichc Brandwunden erlitten. Augenzeugen behaupten, daß die Bombe auf einem Pferdegespann herbeigeschafft wor- den sei. Da sie mit Zeitzünder versehen war, explodierte sie, bevor sie noch an die vorgesehene Stelle gebracht war. tik des Rates zu beeinflusicn. Die einzige Politik, die über- Haupt erörtert wurde, sei die der S o w j c t r c g i e r u li g ge- Wesen. Außerdem seien die Beziehungen zu Polen und die Friedcnssrage im allgemeinen zur Sprache gekommen. * Nach einer Tll.-Meldung bat sich in Riga bereits die Schwie- rigkeit ergeben, daß die polnische Delegation Über keine aus- reichende Verbindung mit Warschau verfügt. Die Leitung kann infolge des p o l n i sch- l i t a u i sche n Kon- f l i k t c s nicht über Kolvno geführt werden. Man will eine stän- sdige Flugverbindung einrichten. London, 10. September.(MTB.) Einem offiziösen Tele- gramm aus Riga zufolge befindet sich unter den Delegierten Rußlands als Sachverständiger der General Poliwanow, der nach dem Sturze des Generals Suchomlinow russischer K r i c g s m i n i st e r war. � Nach einem Moskauer Funkspruch nehmen die finnisch- russischen Verhandlungen einen guten Verlauf. Warschau funkt, daß auch mit der litauischen Regierung in Riga Verhandelt werben soll. Der lettisch- russische Vertrag ist. ratifiziert. Die Heeresberichte melden keine wesentlichen Derände- rungen. vor öem Rigaer Kongreß. Von polnischer Seite kommou einschränkende Erklärungen über den Umfang des Beratungsprogramms— was kein gutes Vorzeichen ist. Ter Krieg begann doch mit dem Polnischen Vormarsch nach Kiew— und da soll die ukrainische Frage ausgcscklaltct werden, noch dazu, wo Polen mit Pelljura zu- sammenging und der K�erenskische Kriegsniinister Sawinkoff oon Warschau Fäden zu Wrangcl spinnt! Aus Riga meldet der„Sst-Erpresi": Nach dem Eintreffen der polnischen Delegation in Riga hat ihr Führer Dombski die Erklärung abgegeben, daß die litauischen Probleme nicht in die Verhandlungen einbezogen werden sollen. Diese Tatsache würde bereits eine wesentliche Beeinträchtigung der Berhandlungsbafi? darstellen, da die Solvjetregierung genötigt fein dürfte, ihren soeben mit Litauen abgeschlossenen F r i e- d e n? v e r t r a g. der bekanntlich den polnischen Wünschen wider- spricht, den Polen gegenüber in Riga aufrecht zu erkalten. Joffe versichert, um den französischen Treibereien entgegenzu- treten, daß die Sowjetregicrung nicht beabsichtige, be' den Rigacr Verhandlungen eine gemeinsame Grenze mit Teutschland anzu- streben. Der AktionSrat der britischen Arbeiterpartei veröffentlicht eine Erklärung über seine Beziehungen zu K a m e n e w. Darin heißt es. Lloyd George selbst habe den Rat a u f g e f o r- p e r t, durch Kamenew auf die russische Regierung Einfluß auszuüben. Der Rat sei zu diesem Zwecke mehrfach an Käme- jtem herangetreten. Dieser habe niemals versucht, die Poll- Drohung nach Suüapest. Tschitschcrin erklärt in einem an den ungarischen Ministcrpräsi- deuten gerichteten Telegramm, daß die angeklagten Balkskom« m i s s a r e unter Rußlands Schutz ständen. Gegen IvOO ungarische Offiziere, die sich noch immer in Rußland befinden, würden nach einem Konzentrationslager geführt und das Schicksal der in Budapest Angeklagten teilen. Das tschechische Wehrgesetz. Eine am Donnerstag abgehaltene und massenhaft besuchte Ber» sammlung der deutschböhmischen Sektion des Oesterreichisch-deutschen Volksbundes in Berlin gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kund- gebung der hier lebenden D e u t s ch b ö h m e n. Nach dem Referate Dr. M i s ch l e r S über das tschechische Wohnungsgesctz kam in der Wechselrede der einmütige Wille der Versammelten zum Ausdrucke, den Einberufungen nicht eher Folge zu leisten, als die tschechische Regierung ihre deutschenfeindliche Politik ändert, das M i l i z s y st e m einführt und dem deutschen Gebiet Autonomie erteilt._ Dilligere öutter? London, 17. September.(MTB.)„Times" meldet; Die britische Regierung hat mit der belgischen und der deutschen Regierung beiin Änkaus dänischer Bufter zusammengewirkt, um den Preis für die Verbraucher in jedem Lande so niedrig wie möglich zu halten.__ Scbweöens Reichstagswahl. Stockholm, 17. September.(W.T.B.) Bon den 230 Mandaten in der zweiten Kammer sind bisher 130 besetzt. Die Kokser- v a t i v e n haben 30 Mandate erhalten, 12 gewonnen und 2 verloren. Die beiden B a u e r n organifationen haben zusammen 14 Mandate erhalten und 6 gewonnen. Die Liberalen haben 20 Mandate erhalten, 4 gewonnen und 13 verloren. Tie Sozialdemokraten, die 31 Mandate besetzt haben, haben 3 ge- wonncn und 9 verloren. Die Linkssozialisten(III. Jnter- nationale) haben kein Mandat erhalten und ihre 2 verloren. Die noch ausstehenden Ergebnisse von Stockholm und Goten- bürg dürften für unsere Genossen günstig sein. Die tzeimkehrerftage. Kowno, 17. September. In Kalwarja begannen Verhandlungen zwischen Litauen und Polen über die Festsetzung der vorläufigen Demarkationslinie zwischen beiden Slaaicn. Kowno, 17. September.(Litainschc Telegraphen-Agenlur.) Hier ftndet eine internationale Konferenz zur Heimschaffung der Kriegsgefangenen statt. Don Vorsitz führt. Professor Nansen. Aus Deutschland sind sieben Delegierte eingetroffen mit dem Reichskommissar Stücklen an der Spitze. Rußland hat drei Delegierte entsandt. Die Verhandlungen gehen erfolgreich vor- wärts. Man hofft, daß die letzten(?) deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen in kurzer Zeit au» Rußland zurückgeschafft wer- den können. Als Transportwege kommen Lettland und Litauen in Betracht, obwohl der Durchiransport russischer Kriegsgefangener nach Rußland durch den polnischen Korridor wahrscheinlich in Warschau auf Widerstand(!) stoßen wird. 4 Endlich Wahrheit. Ein neues ärztliches Gutachten, das Millerand eingeholt hat, bezeichnet Doschanel als unheilbar g e» h i r n s ch w a ch. Reichszertrümmerung. In Bayern organisiert sich die monarchistische Reichs- zertrümmcrung unter dem Protektorat der französischen Re- publik. Die von der„Bayerischen Staatszeitung" der„Hu- lnanit6" entnommene und amtlich durch ganz Bayern ver- breitete Meldung, die f r a n z ö s i s ch e R e g i e r u n g habe gegen den Fortbestand der bayerischen Ein- wohnerwehren nichts einzuwenden, wirft ein helles Licht in die dunklen Treibereien, über deren Gefährlich- keit sich niemand täuschen soll. Auf der Konferenz von Spa hat die Entente,, wie schon zuvor in einer geharnischten Note, die Auslösung der Einwohnerwehr in ganz Deutschland ge- fordert und Deutschland hat sie zugesagt. Kann ans diesem Ganzen, das zwischen Teutschland und der Entente ahge- schlössen wurde, durch ein hayerisch-französisches Separat- abkommen ein Stück herausgenommen werden? Ein solches Scparatabkommen, mit dein sich die bayerische Regierung amtlich brüstet, wäre schon ein Zeichen dafür, daß sich Bayern unter seinem gegenwärtigen Regime nicht mehr ganz als Teil des Reiches fühlt, und zugleich wäre es eine Bestätigung der so oft ausgesprochenen Befürchtung, daß die französische Po- litik folgerichtig aus die Zertrümmerung der Reichs- e i n h e i t hinzielt. Die besondere Gnade, die der französische Sieger dem bayerischen Reichsteil angedeihen lassen will, kommt einer' Organisation zugute, über deren r e a k t i o n ä r e T e n d e n- z e n kein Zweifel bestebt. Offiziell hat das republikanische Frankreich und die ganze Entente den Uebergang Deutsch- lands zu freiheitlichen Regieriingssormen als eine Bürgschaft des Weltfriedens begrüßt, hintenherum fördert das niilita- ristische und nationalistische Frankreich die Wchederauf- r i ch t u n g d e r M o n a r ch i e, denn es schert sich den Teufel um die Erhaltung des Weltsriedens, die Vermehrung der inneren Unruhe, die dauernde Lähmung und Zerstückelung des deutschen Volkes ist sein Ziel. Dazu müssen ihm die Mon- archisten in München ebenso dienen, wie die Kommunisten in Berlin, denn je toller das Durcheinander ist, desto lieber ist es ihm. Dieses militaristische und nationalistische Frankreich fürchtet auch den Bolschewismus viel weniger als ein wieder gesundendes Deutschland. Ihm imponieren nicht die großspurigen Reden vom gemeinsamen Kampf Sowjet- Rußlands und Sowjet-Dentschlands am Rhein, und es glaubt, daß ein zum Teil bolschewistisch gewordenes Deutsch- land ebensowenig den bewaffneten Arm Frankreichs lähmen könnte, wie der bewaffnete Arm Polens durch russische Ansteckung gelähmt worden ist. Teile und herrsche, ist sein Wahlspruch. Ein monarchistisches Süddentschland, ein im Bolschewismus untergehendes Norddeutschland und ein französisches Westdeutschland, das ist sein Ziel. Wir haben in unserer gestrigen Abendausgabe Mit- teiliing gemacht von den Plänen der französisch privilegierten bayerischen Einwohnerwehren, ain 20. September d e n E r- krön Prinzen Rupprccht zum König auszu- rufen. Die reaktionäre Presse wird es diesmal schwer haben, unsere Warnung als blinden Lärm abzutun, zumal uns aus ihren eigenen Reihen ein Kronzeuge für die Gefähr- lichkeit der bayerisch-sranzösischen Treibereien entstanden ist. Die„Tägliche Rundschau" von gestern abend bringt folgen- den Artikel, den wir der Wichtigkeit des Gegenstandes wegen wörtlich wiedergeben. Er lautet: lieber die französischen Umtriebe in Bayern wird uns von unterrichteter Seite folgendes geschrieben: Organisiert wird die separatistische Bewegung durch die politische Propagandaabteilung beiin französischen M i- n i st e r p r ä s i d i n m, die sich„Eninn(PExpansion nationale" nennt. Der französische Gesandte in München, Dard, bat bedeutende Kredite zur Verfügung erhalten und bofft Unterstützung zu finden. Die Mitglieder der französischen Militär- Mission in München haben vvm französischen Miiiisterpräfi- dium gebet me Instruktionen zur Organisierung von Pro- pagandamittelpunkten im baperischen Hochadel und im batzerischen Bürgertum erhalten. Bestimmte Salons tu München sollen'diesem Zwecke dienstbar gemacht werden. Zur Erreichung ihres Ziels spielen die Franzosen die spartakistische Gefahr in Norddculschland aus. Sie hoffen damit durchzusetzen, daß der Adel und ein Teil der Bürger und mittleren Grundbesitzer Baperns der Treu- nung vom Reiche zustimmen und sich mit einer militärischen Besetzung durch Frankreich zur Verteidigung gegen den Bolschewismus einverstanden erklären. Man will dann unter französischem Protektorat einen unabhängigen F ö d c- rativstaat errichien, dem Bahern mit Franken, die Pfalz, die Rhetnlande und Luxemburg, vielleicht auch Oesterreich augehören würden. Zur„Belohnung" soll der?lnte1l Bayerns an der deut» fchen Kriegsschuld bedeutend herabgemindert werden. Die Anfacbung der Antipathie Bayerns gegen Preußen soll dabei helfen. Man bemüht sich, unter den Einwohnern der oben» genannten Gebiete Propagandisten anzuwerben, wobei man sehr sorgfältig zu Werke geHt. Als Zentrum der Propaganda- Kühr beteuert Reichstreue. Bamberg, 17. September. Anläßlich der LandcStagung der Bayerischen Bolköpartei in Bamberg hat Ministerpräsident v. Ka h r eine längere Rede gehalten, in der er u. a. ausführte: Innere und äußere Feinde, vor allem auch Feinde des Reichs sind emsig an der Minierarbeit, immer wieder den Teufel der Felonie und der separat! st is che» Bestrebungen Bayerns an die Wand zu malen. Wenn ich dazu ein Wort sagen darf, so kann es zunächst nur die Wiederholung meine? freudigen und rückhalt- losen Bekenntnisses zim einigen Deutschen Reiche sein, wie ich es bereits an anderer Stelle abgelegt habe. Wir wollen gute Bayer,, und gute Deutsche sein, in guten wie in bösen Tagen. Ebenso fest wie meine Treue zum Reich steht auch meine lieber- zeugung, daß das Reich nur föderalistisch sein kann, oder es ist überhaupt nicht. Föderalismus ist nicht gleichbedeutend mit Par- tilularismus und bedeutet keine Schwächung des Reichs. Wir ver- langen de» föderalistischen Aufbau des Reichs in allererster Linie, weil wir darin eine Lcbcnsnotwcndigkeit für das Reich sehen, im Jnrereffe des Reichs, und wenn diese Forderung in Bayern mit be- sonderer Zähigkeit erhoben wird, so sehe ich darin den Beweis dafür, daß dir Sorge für das Reich jn Bayern wieder lebendiger ist und daß das Reich in Bayern seine besten und treue st en Söhne hat. Wer etwas anderes behauptet, sagt die Unwahrheit, und Unwahrheit bleibt Unwahrheit, auch wenn man sie recht oft wieder« bolt. S» widerstrebt uns, auf derartige Fälschungen immer wieder die Reich streue der bayerischen Regierung zu ver- sichern. Unter anständigen Menschen genügt das Manneswort. Bon Wichtigkeit aber ist, wie der Außenminister des Reichs mir wiederholt und noch in allcrjüngster Zeit versichert hat, daß er auf die Rcichstreuc der bayerischen Regierung rückhaltlos vertraue. Wir denken gar nicht daran, Herrn Kahr so leichtsinniges Vertrauen wie der Außenminister des Reichs entgegenzubrnMN. Mögen noch so klangvolle Worte für ihn sprechen,— seine Taten sprechen gegen ihn! tzelüentaten im Preußenparlament. Tie Rechtsparteien tverden von der Futterkrippe der- artig angelockt, dech sie gar zu gern die Regierungsparteien in Preußen ailseinandcrbringeii möchten. Namentlich das Gesetz Groß-Berlin ist der Stein des Anstoßes. Ein deutsch- nationaler Antrag verlangt von der Landesversommlung, daß sie das Gesetz vorläufig nicht dnrchsiihren läßt. Wenn auch die Neigung der biirgerlichen Parteien groß sein mag, durch die Unterstützung dieses Antrages eine sozialdemokratische Grotzstadtverioaltung zu vereiteln, so babtzn doch die d e m o- k r a t i s ch e und die Zentrumsfraktion bereits bc- schlössen, den deutschnationalen Antrag abzulehnen, das Zentrum und die Tentsche Volksvartei baben aber eigene Verschlechterimgsanträge eingebracht: die Temokmtcn sollen angeblich noch mit der Deutschen VolkSpcrrtei verhandeln. Tie sozialdemokratische Fraktion kann sich durch all das nicht be- irren lassen: sie wird sich gegen jede Sabohierung der Vereinheitlichung Groß-Bcrlins wie gegen das Kirchenaustrittsgesctz in der am Tonnerstag von der bürgerlichen Mehrheit beschlossenen Fassung energisch wehren, Tie Führer der Regierungsparteien verhandeln dauernd über die Form, in welcher sich die V e r a b s ch i e d n n g der Verfassung und die Erledigung der sonstigen Aufgaben der Landesversaminlung ermöglichen läßt. Am Montag wird eine interfraktionelle Zusammenkunft der Re- gicrimgstwrteicn darüber stattfinden und die Entscheidung wird tvahrscheinlich am T i e n s t a g im Aeltcstcnrat fallen. Inzwischen baben die Dentschnationalen wieder einmal dein Vaterlande einen großen Dienst dadurch erwiesen, daß sie eine würdige Kundgebung der Landesversaminliing gegen die Drangsalierung Oberschlesiens und des Saargebiets ver- hinderten. Trotz weitesten Entgegenkommens selbst der Sozialdemokraten im Aeltestenrat bestanden sie darauf, daß eine ausführliche Debatte über die genteinsamen An- trage stattfinden sollt�. Tiefe Aussprache führte am Freitag! zu der unvermeidlichen Liebedienerei der Unabhängigen! gegenüber der Entente sunt Ausmarsch der Rechten und z e r- st orte so den Eindruck, den diese Kundgebung auf daZ Ausland hätte machen sollen. Reichstagswahlen im Abstimmungsgebiet. Verbindung mit den Preuszenwahlcn? Halbamtlich ineldet WTB.:„Das Reichskaoinet! hat iit seiner letzten Sitzung zur Ansetzung der Nachwahlen zum Reichstag in S chl c s w i g- H o l st e i n und in Ost � Preußen Stellung genoinmen. Eine Hinansschiebung dieser Wahlen, solange bis die Wahlen in O b e r s ch l e s i e n stattfinden können, scheint bei der Unsicherheit des Abstin» inungstertnins für Oberschlesicn nicht angebracht. Tagegen ist ein Wahltermin selbst noch nicht angesetzt worden, u>eil bei der herrschenden Wahl Müdigkeit innerhalb der Par« teicn nach Möglichkeit versucht werden soll, die Wahlen in Ostpreußen und in Schelswig-Holstein geineinsam mit den Wahlen zum Preußischen Landtag st a t t f i n- den zu lassen. Gemeinsame Wahlen zum Reichstag und zum Landtag haben sich bereits bei den letzten Reichstags« Wahlen in einer Reifte deutscher Länder durchaus bewährt. Voraussetzung für die Zusammenlegung ist, daß dadurch keine allzu wesentliche Verzögerung dtw Wahlen in Ostpreußen und Schleswig-Holstein stattfindet. Tie Reichsregierung wird deshalb, bevor sie ihre cndgültigS Entscheidung trifft, abwarten, welchen Abschluß die zurzeit in der Schwebe befindlichen Verhandlungen über den Zeitpunkt der Wahlen in Preußen finden." Tie Meldung legt die Vermutung nahe, als suche die Reichsregierung durch die Wahlverbindung einen leisen Druck auf Preußen auszuüben, damit die preußischen Wahlen— dem Wunsche der Rechten entsprechend— mög« lichst rasch angesetzt werden. Unser Standpunkt ist bekannt: Vor der Fertigstellung der preußischen Verfassung darf die Verfassunggebende Versammlung nicht auseinandergehen. Zu Erzbergers Erinnerungen. Tie Kaiserunterhaltuug vom SO. Juli 1917. Die.Freiheit", die wahrscheinlich nichts anderes zu tun hat, veröffentlicht eine neue, höchst sensationell aufgeputzte Anklage gegen Scheideinann. Er sei im Sommer 1317 in einer Verstimm« ,lung in München gefragt worden, ob Wilhelm II. bei seiner Unterhaltung mit den Abgeordneten am L0. Juli eine spitz: Be- merkung gegen die Demokratie gemacht habe, Tcheidemann Habs dies verneint, nun stehe aber diese Bemerkung(die Garde Habs den Russen �>en demokratischen Staub aus den Westen geklopft"). in Erzbergers Erinnerungen. Wir überlassen es dem Genossen Scheideinann, sich dazu zu äußern, wenn er es überhaupt für notwendig hält, können ober aus unserer Kenntnis der Dinge folgendes bemerken: An» Lv. Juli 1917 erschien nach einer parlamemarisiben Konferenz bei Helfferich, bei der sich der neue Reichskanzler Michaelis vorstellte, unerwartet Wilhelm II. Die Gesellschaft löste sich in Gruppen auf, der Imperator lief von einer Gruppe zur anderen und schwätzte unaufhörlich. ES ist also sehr gut möglich, daß Erzbcrger eine Be, merkung gehört hat, die Schcidcmann entgangen war. Alle Aussprüche, die der gekrönte Vielredncr bei dieser Ge« lcgcnheit machte, sind ja noch nicht gesammelt, und in Schwein?» leder gebunden veröffentlicht. Da wir aber schon dabei sind, sei eine wiedergegeben. Zu einer Gruppe von Abgeordneten, unter der sich auch Sozialdemokraten befanden, sagte Wilhelm II:«Na, was sagen Sic zu Rußland? Dort schießt jetzt einer auf den andern. Ja, Krieg und Revolution zugleich, das geht nicht!" Wahrscheinlich ist diese Acußeruny wiederum Herrn Erzbergcr unbekannt, er erwähnt sie in seinem Buch nicht. So kann man auch Scheidemann keinen Strick daraus drehen, daß er nicht alles weiß, was Wilhelm geschwätzt hat. b c w e g u n g wird der Salon des bekannten Maler? Franz Roubaud genannt, der Franzose von Geburt, sc:t Kriegsbeginn in Bayern naturalisiert ist und in München woynt. Daneben ist die Tätigkeit der Gräfin Höllenstein hervorzu- heben, einer geborenen Apoutkhin, die mit dem Chef der französi- schen Propaganda in der Schweiz, Grafen Ma r ti n p r e y, enge Fühlung unterhält. Ihr Sohn, ein ehemaliger deutscher Offizier. ist mit einein Fräulein v. Guesse, einer Russin, verheiratet, iyr Bruder, ein Ägent der ententcfreundlichen russischen Reaktionäre in der Schweiz, soll Beziehungen zum Generalstabe Wrangels unterhalten. Daneben hat eine Baronin Olga de Stackel«. berg, deren verstorbene� Vater Deutschbalte war, und deren Mutter der bekannten ruyischen Familie Golowin angehörte, und die zahlreiche Beziehungen zum bayerischen und rheinischen Hoch- adcl unterhält, ihren Dienst der Propaganda des„Cornite d'Ex« pnnsion nationale" angetragen. Das französische Konsulat in Lausanne hat ihr zur Erleichterung ihrer Aufgabe einen franzö- fischen Paß ausgestellt. Sie.hat sich damit vor einigen Tagen nach Paris begeben, um sich dort ihre Instruktionen zu holen. ES fällt uns nicht ein, uns die Behauptimg des natio- na listischen Blattes in ihren Einzelheiten zu eigen zu machen. Aber dar Schluß liegt nahe, daß wo von so vielen Seiten Ranch l>erkommt, doch ein weitverbreiteter Brandherd vor- banden sein muß. Es mag auch sein, daß die leitenden fran- zösischcn Staatsmänner von diesem Treiben per Agenten nichts wissen und es nicht billigen, wie sa auch die Regierung des.Herrn v. Kahr vorsichtig genug sein dürfte, diese ganze brenzliche Sackke nicht direkt mit eigenen Fingern anznrühren — was freilich nicht hindert, daß inan bereit ist, sich den „vollendeten Tatsachen" anzupassen, wenn es einmal soweit ist. « Tie Gefahr des Augenblicks wird durch ixen Umstand er- höht, daß diejenige Klasse, die am meisten an der Erhaltung eines republikanisch-einheitlichen Teutschlands interessiert ist. und deren Mission es ist, Republik und Reichseinheit zu verteidigen, die Arbeiterklasse, sich in ihrer Ak° tionsfähigkeit durch den elenden Führerstrcit ihres linken Flügels gelähmt findet. Wer kann erwarten, daß die U. S. P. für die Eventualitäten des 25. September'bereit ist, da sie doch wie hypnotisiert ans den 12. Oktober starrt als den Tag, an dem ihr als Partei das Zügenglöcklein ertönen wird. In derselben Lage befindet sich höchst unglücklicherweise auch die französische Sozialistenpartei, der-n Aufgabe es jetzt sein müßte, den französischen Begünstigern der deutschen Gegenrevolution das Handwerk zu legen. Auch sie ist durch den Streit um Moskau paralysiert, von allen an- deren Interessen abgelenkt. Hilfe haben wir von ihr kaum z u erwarten! So müssen wir damit rechnen, daß es die deutsche Sozialdemokratie allein sein wird, die den Stoß, wenn er früher oder später kommt, auszuhalten haben wird. Vielleicht erweist es sich in absehbarer Zeit als Glück und Rettung, das sich die deutsche Sozialdemokratie vor der all- gemeinen Verwirrung und Zersetzung belvahrt hat. Hoffen wir, und arbeiten wir dafür, denn es geht ums Ganze! * Im Zusammenhang mit den bayerischen Gerüchten und den Mitteilungen der„Täglichen Rundschau" gewinnt auch eine Mailänder Meldung des„Frank. Kurier" ein be- s anderes Gesicht. Danach will die Mailänder„Tribuna" aus zuverlässiger Ouellc erfahren'haben, daß am 19. August in Genf e in e�K o n f c ren z von etwa 3 0 Pe r s o n c n stattfand, die den monarchistischen Kreisen aller Län- der, vor allem aber O c st e r re i ch s und Süddeutsch- l a n d s angehörten. Auch die Königin-Mntter von Spanien habe an den Verhandlungen teilgenommen. Graf Berchtold und andere dort befindliche Persönlichkeiten des alten öfter- reichischen Regimes seien dafür eingetreten, den m o n a r ch i- st i s ch e n W jede r dufrichtn n gs ver such zu unternehmen! Internationale tzirnverwirrung. Von Walther Victor. Einmal laö ich auf einem Plakat von der„Internationale de» Geistes". Da wollte ich einmal besonders international und bc- sonders geistig sein und ging in einen Vortrag. Jn diesem Vortrag sprach Herr Kurt Hiller über„E l o r t e", die neue internationale Bewegung der Geistigen der Welt. Es war sehr schön. Hiller las vor. Eine Broschüre. Eine Broschüre, in der auch deutsche Worte vorkamen. Meist aber derart intellektuelle Satzschnörkel, gegcijtreichelte Wortspiele, sprachliche Neubildungen und Fremdwortc. Soviel ich verstanden habe, glossierte Herr Hillcr die Monarchisten, verhöhnte Demokraten und Sozialdemokraten, polemisierte gegen die Spartakisten. Es war sehr grotesk, wie er das machte. Tann verkündete er die Alleinherrschaft des Geistes, die Unan- tastbarkeit des. Menschenlebens und den Frieden. Da» war mir wieder sympathisch. , Ueberschrift:„Clart�". Zeitschrist und Weltbund gleichen Namen» in Paris. Seit jenem Abend lese ich(trotz Valuiabeschwerden) die „Elarte" s« regelmäßig, daß es mir heute.klar" ist, daß die fran- zösischen Leiter dieser Bewegung diese Ebenso gut„Kommunistische Partei der Geistigen" nennen könnten. Sie segeln vollständig im Moskauer Fahrwasser, Karl Radek ist ihr Mitarbeiter aus Ruß» land, und aus Deutschland schreibt unter„La vie internationale" ein Mensch für die internationalen Geistigen, der entweder beab- sichtigt, sie zu internationalen Ignoranten zu inachen oder selbst heillos unter dem Gegenteil von»Klarheit" leidet. Es ist mir nicht bekannt, was die deutschen Glieder der Be- wegung und Herr Kurt Hiller mit ihren sympathischen Grundsätzen zu der Entwicklung der Tinge sagen, vielleicht werden sie nach der neuesten Leistung der„ClartH"(Ausgabe vom 11. September) etwas von sich hören lassen. In dieser Nummer ist ein spaltenlanger SituationSbcricht über den deutschen Sozialismus enthalten. Mit diesem wird der inter- nationalen Verdummung geradezu die Krone aufgesetzt. Zunächst: Alle Weisheit dieses Menschen, der von einer immer« hin internationalen Tribüne aus zu gebildeten Menschen redet, ent- stammt einer uralten Nummer der„K. A. Z."(„Kommunistischen Arbeiterzeitung", Organ der Nationalbolschewistcn), und diese hat er noch dazu grundfalsch gelesen. Er faselt von einer„A. P. D." (Deutsche Arbeiterpartei), deren„diktatorischer Chef Legten" sei, sie sei„einer der Saboteure.der deutschen Revolution".— Die U. S. P. ist bei diesem gut unterrichteten Herrn„das marristjsche Zentrum". (Guten Morgen. Herr Stöckcr!) Sie habe..fckit die absolute Mehr- hcit". Ter Spaokakusbund ist dem AllcrwcliSwciscn„eine nach dem Hamburger Kongreß von 1918(?) abgespaltene Gruppe", die »von des Krundjätzen Kgrl AadekS abgewichen(!) und deren revo- lutionäre Flamme erloschen ist".(Armer Paul Levi, arme Klara Zetkin!) Tie einzigen„revolutionären Parteien" sind die K. A. P. D. und die Syndikalisten. Sonst gäbe es noch eine„Rätezcntrale Ber- lin", ein„sagenhaftes Gebilde, deren Presse von der Polizei bc- zahlt(!), dazu diene, das klassenbewußte Proletariat zu zer- splittern". ... Man verzeihe: Ich kann nicht mehr Rosinen aus diesem prachtvollen Gebäck, bereitet zur internationalen Hirnverwirrung, hcrausklauben. Es genügt wohl auch. Bei aller Verehrung für Henry Barbusse:� Diese„Elarte" ist mir zu dumm, sie ist nicht„Elarte"(Klarheit), sondern„Konfusion" (Unklarheit). Bestellen wir sie ab. Bertretertag der deutschen BollSbiihncnvercinc. Der Verein Volksbühne E. B.(Vereinigte Freie und Neue Freie Volksbühne) in Berlin ladet die Vereine, die gleich ihm die kunstinteressierten Kreise der werktätigen Bevölkerung zusammenzuschließen bestrebt sind, um für sie unter Ausschaltung aller Gewinnabsichten künstlerisch hochwertige Theatervorstellungen durch BcrufSschauspieler zu ver- anstalten und ihnen gegen feste einheitliche Vorstellnngsbeiträge zu- gänglich zu machen, die zugleich bestrebt sind, bei aller Wahrung der politischen Neutralität mit den Organisa: ionen der modernen Arbeiterbewegung zusammenzuarbeiten, zur Beschickung eine» Ver- tretertags der deutschen Volksbühnenvereine ein, der vom 23. bis 25. Oktober d. I. in Berlin im Sitzungssaal des Theaters am Bülowplatz stattfinden soll. Vorgesehen sind Referate über die Eirttoicklung der Volksbühncitbewegung und die Gründung eine» Verbandes der deutschen Volksbühnenvercine, über die Ausgaben der Volksbühnenvereine auf den versichedenen Gebieten der Kunst und über die Möglichkeiten.einer Sozialisierung des Theaters mit Unterstützung von Staaten und Gemeinden. Als Referenten wur- den gewonnen: Julius Dab, St. H. Döscher, D. Ellger, Leo Kesten- berg, Dr. S. Nestriepke, Dr. John Schikowski. Dr. Ludwig Seelig und Dr. Slekow. Ehemnitz An die Tagung soll sich eine öfsentliche Kundgebung anschließen. Es wird auf die Teilnahme von Ver» tretern aller Volksbühnenvercine gerechiret. Alle weiteren Auskünfte erteilt das Gcncralsckretariat der Volksbühne E. V. in Ber- lin C. 25, Linicnstr. 227. Pseudomodcrnitöt. An zivei Stellen— bei Nicolai in der Viktoriaftr. 26a und bei Re u ß u. Pollack am Kurfürstcndamm Nr. 220— sind zurzeit Ausstellungen des Maler» Leo Brochs w- n i k zu sehen. Dieser Künstler iit kein Jüngling mebr, aber er sucht dem modernsten Zeitgeist Rechnung zu tragen und bemüht sich, seinem Griffel und Pinsel expressionistische und monumentale Wirkungen abzugewinnen. Er stellt mehr oder weniger vermögen siilisierte Landschaften und Akte zu flächensüllenden Gebilden zu- sammen, die die Wände von Zimmern und Sälen schmücken sollen. Teils sind es direkte Entwürfe zu Wandmalereien, teils Tafelbilder im Stil von Wandmalereien. Soweit dicke Arbeiten sich in den Grenzen eine» konventionellen Geschmacks halten— wie der Irut- wurf für ein Kinderzimmer und das Bladt„Meeresspiegel" mögen sie mit tausend anderen ihrer Art xassicrcir. Soweit sie aber das Bestreben zeigen, neue, dem Künstler zlveifelloS wesensfremde AnSdruckSmittel in ihren Dienst zu zwingen, muß gegen das Ver» fahren protestiert werden. Tic weitestgehende Umgestaltung von Naturformcn ist im Kunstwerk gestattet, wenn der Organismus des Kunstwerks sie verlangt. Ein willkürliches Dcsormierer aber ist bloße Verunstaltung. Man wird nicht dadurch zum Expressionisten, daß män die natürlichen Farben einer Landschaft in grelle? Rot, Blau und Violett ummodelt oder einem harmlosen Aktmodell die Gelenke xiuSrenkt. Und wer— wie Prochownik aus dem Entwurf „Das rohige Leben"— Einzclgruppen slächcnartig neben- und unter-- einander anordnet, der schafft damit noch kein geschlossenes nionu« mentales Wandgemälde. Eine Fläche bedecken und eine Fläche beherrschen, ist zweierlei. Das erste kann jeder Stubenmaler, ein Kunstwerk aber entsteht erst dann, wenn jede Einzelheit im Ganzen aufgeht rmd das Ganze jede Einzelheit bedingt, d. h. wenn ein einbeitlicher farbiger und linearer Rhythmus die gesamte Bildflächa restlos durchringe und belebt. Pcochownits Kompositionen sind nicht von innen herausgewachsen, sondern äußerlich zusammen- gestoppelt, daher fehlt ihnen der lebendige Zusammenhang und ihre Teile fallen auseinander. Diese Schaffensart resultiert nicht aus einem inneren Zwang, sondern ist das Produkt kühler Berechnung, die sich eine Modekonzunktur nutzbar machen will. I. S. Die lustigen Weiber von Altpoderschau. HanS RcimannS „Drache" druckt aus einem sächsifcften Winkelblättchen folgende„Erwiderung" der Altpoderschaucrin Therese Wiese ab:„Als Augen- zeuge und im Einverständnis mit meinem Manne erkläre ich hier- mit. daß eö Tatsache ist und bleibt, daß Fran Balon meinen Mann geküßt hat. Er spaßte mit ihr, wie schon öfter und brauchte nur die wenigen Worte, komm, gib mir einen Kuß, mach, ein bißchen ordentlich. Schon wendete sie den Kops, spitzte den Schnabel und küßte meinen Mann direkt auf den Mund. Daß es da meinem Mann warm ums Herz wurde und er sie auch küßte, ist doch leicht erklärlich. Ob sie eS ans Spatz gemacht hat oder nicht, ist mir gleich, ich lege es nack meinen Ansichten aus, da sie schon einmal erklärt hat, meinem Mann könnte sie gleich gut sein. Mein Mann hat mir aber gesagt, daß ich das Küssen viel besser kann und ich küsse meinen Mann auch selbst, Diez ist die Wahrbcit, damit mein Mann nicht in ein schlechtes Licht gestellt wird." Bravo, Therese l Und der„Drache" hat recht: Das kann kein Humorist erfinden, Theater. Da» Theater der Königgrätzerftrage bringt die Erfianffühcung von G o l d o n i» Lustspiel„.Mirandolina" am LZ. September ber« aus.— Das Deutsche Theater bringt am 22. September HauvtmannS . E i n f a m e Menschen' in neuer Tinstudierung.— Die auf heute im Kleinen T b e a t e r angefetzte Uraufführung von ShrillianänS .Thronfolger' iit wegen Erlrankung eines Hauptdarstellers a b- gefetzt worden,- Aufgeführt wird die.PfarrbauSlomödic'.— Das Deutsche O p ernha us bereitet für diesen Monat noch„Die Huge- notten',„Eugen Onegin' und.Rigoletto' vor. Der Gemischte Thor Grast- Berlin, im Febniar d. IS. neu ge» arllndet. 240 Mitwirkende, hält am 2t. September, abends 7'/, Uhr, in der Neuen Welt iHaienheide 108) unter Hermann Scheichen iei» erstes Konzert ab Milwirkende: Schukert-Duarlrtt, Violinsoliilin Fran Zchnbcit; am Flügel Herr Schuizr-Ritlcr. Eintrittspreis(mit Steuer und Programm) 3 M. Raffeneröffnung ö'/, Uhr. Billetts nur noch in bcjchrüuller Zahl an der Lbendlajje. ttc. 464 ♦ 37. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, lS. September 1H20 GroßSerün planlose Ernährungswirtschafi. Berlin gegen den Wirrwarr der Rcglcrungsmasznahmcn. Tie außerordentliche Sinnlosigkeit der Maßnahmen, die die Regierung im Punkte der Ernährungswirtschaft zurzeit erläßt und im anmutigen Spiel der in ihr vertretenen unterschiedlichen Meinungen auch widerruft, veranlaßt den Berliner Magistrat zu der folgenden öffentlichen Anklage: „Nach den bisherigen Entschließungen der Reichsstellen sollte am 1.£f tober zugleich mit der Bewirtschaftung des Fleisches, nach- dem am l, August bereits der Handel mit Margarine freigegeben war, auch der Handel mit Schmalz freigegeben werden. Wieder- holt haben Vertreter der Städte entschieden gegen einen überstürzten Abbau der Zwangswirtschaft protestiert, solange nicht die Bersor- gung der Bevölkerung für den Winter sichergestellt ist.' Schon jetzt zeigr sich, daß der forcierte Abbau der Fettbewirt- irbäftung zu einem völligen Zusammenbruch f.ü h r c n muß. Tie Händler erklären, daß die Margarinefabriken z.ur Deckung des Bedarfes mangels geeigneter Rohstoffe nicht in der Lage sind. Fachzeitschristen ist zu entnehmen, daß die Fabriken schon, jetzt, wieder dazu übergehen müssen, zur Seifensabrikation be- stimmte Rohstoffe zu verarbeiten. Tie Freigabe des Schmalzes läßt sich aus Valutagründen, wie der Handel selbst zugibt, nicht durchführen.£b die Reichsstellen mit genügenden Vorräten der- sehen sind, erscheint fraglich. Ueber die Buttervcrsorgung im Win- tcr kann man sich leider keinerlei Illusionen bingeben. Ueberschuß- bezirke gibt es wohl überhaupt nicht mehr. Was der Bevölkerung bevorsteht, kann man an den Hamburger Verhältnissen ermessen, wo bereits jetzt monatlich nur einmal 50 Gramm zum Preise von 2,50 M. vertcilt�werden, also zu einem Pfundprcis von 25 M. An- aesichts dieser Sachlage scheinen jetzt auch die Reichsstetlen sich zu besinnen und vor der Durchführung ihres ursprünglichen Pro- gramms der Freigabe der S ch m a l z b e w i r t scha s t u n g am l. Oktober zurückzuschrecken, da sie die Versorgung t c r B e v ö l k e r u n g mit F e t t v ö l l i g i n s U n g e>v i s s e zu stellen doch wohl nicht verantworten können. Der Wirrwarr ist aufs äußerste gestiegen: die Folgen der bisherigen Kurzsichtigkeit sind nicht abzusehen. Aus Grund der bisherigen Erklärungen der Regierung haben die Kommunalverbände angesichts der Erfolg- losigkeit ihrer Warnungen ihrerseits alle Maßnähmest für die Be- seitigung der rationierten Fetlbcwitrschastung getroffen. Nun müssen sie Ivenige Tage vor dem 1. Oktober sich wieder unter dem Zwang der Verhältnisse anders einstellen. Wenn die Regie- rung aber glaubt, jetzt die Verantwortung wieder auf die Kommunen nach bewährter Methode abwälzen zu können und ihnen das Risiko der iEnfuhr aus dem Ausland zu überlassen, nachdem die Palutavcrhältnisse so überaus ungünstig sich gestaltet haben, so wird sie damit vor der O-effcntlichkeit'keinen Erfolg haben." Man darf gespannt sein, zu welcher neuen„Maßnahme" die Regierung jetzt schreiten wird, um die durch ihre Planlosigkeit heraufbeschworene Katastrophe fernzuhalten. vie �rbeitslssenöemonsicationen. Eine Warnung des Polizeipräsidiums. Wie die„P.P.N." aus dem Polizeipräsidium erfahren, hat bi'ber das Polizeipräsidium gegenüber den Demonstrationen der Arbeitslosen weitestgehende Zurückhaltung geübt und dst Sicher- heitsmanuschasten angewiesen, unter allen Umständen den Gebrauch der Waffe zu vermeiden. In neuster Zeit aber haben diese De- monstrationcn einen Umfang und Charakter angenommen, der die öffentliche Ordnung und Sicherheit schwer bedroht. Tie Leitung der Arbeitslosenbcwegung ist in die Hände u n v c r- a n t w or t l i ch e r und gewissenloser Elemente geraten, die die Arbeitslosen zu allerlei Angriffen auf Gebäude und Fa- brikcn mitreißen. .Tos Polizeipräsidium erachtet es für die Pflicht derjenigen radikalen Parteien, die die Organisation der Arbeitslosen ins Leben gerufen haben, nun auch dafiir zu sorgen, daß die Bewegung in den Grenzen bleibt, die mit dem öffentlichen Wohle vereinbar sind. Es ist Pflicht der Arbeitslosen und dieser Parteien, sich recht. zeitig die Leute genau anzusehen, die jetzt die Arbeitslosen führen wollen, und nicht etwa nach geschehenem Unglück das übliche Gc- schrei über Spitzel zu erheben. Man habe im Polizeipräsidium volles Verständnis für die Jlot und Erregung der Arbeitslosen, könne aber natürlich deswegen nicht auf den Schutz der Personen und der für die Allgemeinheit notwendigen Einrichtungen und Unternehmen Verzicht leisten. Eine Sitzungstvoche öes neuen Staötparlaments. Stadiverordnetenvorsteher Dr. Wehl hat die Mitglieder der neuen Berliner Stadtverordnetenversammlung zu sechs außer- ordentlichen Sitzungen, die hintereinander vom Mitt- wach, den 22. September, bis einschließlich Dienstag, den 2 8. d. M t s., stattfinden sollen, eingeladen. Diese außer- Staütverorünete und Hezirksverorünete! Sonnabend 6 Uhr im Biirgersaal des Berliner Rathauses, Eingang, von der Königstraße: Konferenz der Stadt- verordneten und Bezirksverordneten der neuen Stadtgemeinde Berlin. Da es sich um wichtige Mitteilungen handelt, ist das Erscheinen aller erwünscht. Es haben nur Stadtverordnete und Bezirksverordnete Zutritt. Als Legitimation gilt die amtliche Bestallung zum Mitglicdr der Stadtverordnetenversammlung oder einer Bezirksvcrsammlnnz, außer- dem das Mitgliedsbuch der zuständige» Parteiorganisation. Der vorftanü öer sozialöemokratischen Staütveroröneten-5rakeion. ordentlichen Sitzungen sollen im Bürgersaal des Berliner Rat- Hauses stattfinden und schon um 4 Ubr beginnen. Auf der Tages- ordnung stebt nur ein Punkt: Die Wahl von 30 Mitgliedern für, den neuen Berliner Magistrat. Sind die Wahlen beendet, soll so- fort deren Bestätigung beim Oberpräsidenten nachgesucht werden. Falls jede der 30 Wahlen nur eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, sind 15 Stunden allein für die Wahlen erforderlich. Schließen sich längere Erörterungen an die Wahlen an, dann ist die Dauer beute nicht zu übersehen. Sämtliche 30 Wahlen müssen nach der Städleordnung in getrennten Wahlgängen mittels Stimmzettel erfolgen. Tie Wahl der Stadtrate. Der Fünfundzwanziger-Ausschuß der neuen Bcr- liner Stadtverordnetenversammlung trat gestern zum 14. Male im Berliner Rathaus zusammen. Der Porsitzcnde, Tr. Wehl, bean- tragte, die 20 Stadträte geschlchsen zu wählen. Die Dcutschnatio- ualen und die Deutschen Volksparteiler widersprachen und ver- langten, daß über jeden Kandidaten besonders beraten wird. Als ihrem Verlangen nicht Folge geleistet wurde, verließen die Mit- glieder der Fraktionen der Deutschen Volkspartei und der Deutsch- nationalen Volkspartei unter Einspruch die Sitzung. Die Unab- häugigen, die Mehrheitssozialisten und die Demokraten blieben zu- rück. In erster Lesung wurden einstimmig gewählt: Stadtrat Loeh n i ng(Dem.), Tr. Si mon söhn(Dem.), ferner die Mehstheitssozialisten Stadträte Koölcnzer und Paul B o e tz s ch, Emil W u tz k i- Neukölln und Frau W r o n s k y- Berlin /von der Jugendpflege), außerdem von den Unabhängigen ebenfalls einstimmig der Stadtrat Karl Leid, August H i n tz e und Hermann Weise sowie Frau Dr. Wehl. Mit den Stim- men der beiden sozialdemokratischen Fraktionen im Ausschuß wur- den gewählt: Buchdrucker Wilhelm Aureus(S.P.D.), Kohl, Rat im Wirtschaftsministerium, und von den Unabhängigen der Stadtverordnete G ä b e l- Lichtenberg, der Gewcrkschaftssekretär Schöning- Karlshorst(Schifsergewerkschaft), der Bankbeamte Karl E m o n t s, Stadtrat Hermann R a d t k e- Neukölln, Stadt- rat Hermann Ranke- Berlin, Stadtrat Paul Brühl- Lichten- berg(M. d. 91.), Georg S t o l t- Schöneberg, Gemeindevorsteher Max Peters-Alt-Glienickc. Die zweite Lesung dieser Liste soll am Montag nachmittag sdattsindcit. Eine ZVK-Millionen-Anleihe. Der Magistrat hat soeben der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage auf Genehmigung einer Anleihe in Höhe von 306 Millionen Mark zugehen lassen. Diese Anleihe soll zur vorläufigen Begleichung des nach§ 50 deZ Landessteuergesetzes vom Reiche der Sladtgemeinde Berlin geschuldeten Betrage« für F a m i l i e n u n t e r st ü tz u n g e n und sonstige Kriegs- wohlfahrtsausgaben dienen und wird in Gestalt von Schuldverschreibungen auf den Inhaber mit vierprozentiger Ver- zini'ung berausgebrackn. Die Schuldverslhreibnngen sollen auf 10 000, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 M. lauten. Eine weitere Vorlage des Magistrats criucht die Stadt- verordneienversammlung um ihr Einverständnis damit, daß mit der Staatsverwaltung über unentgeltliche Ueberlasiung des zwischen TuSneldaallee und Ottostraße gelegenen Teils des Kleinen Tiergartens ein Vertrag geschlossen wird und daß ihr dem- nächst ein Plan über die Verwendung dieses Geländes zu Spiel- platzzwecken zugeht. Sicherheitsmeldesystem GrospBerlin. Das Berliner Polizeipräsidium plant die Anlage eines neuen umfangreichen telephonischen Sicherheits-MeldediensteS, durch den bei Einbrüchen und Ucberfällen sofort automatisch oder telephonisch ausreichend polizoibiche Hilfe herbeigerufen wird. Die Baupläne, mit deren Ausführung anläßlich einer ftabelverlegung in Schöneberg bereits begonnen worden ist, liegen gegenwärtig dem Ministerium des Innern zur Genehmigung vor. Wie die„P.P.N." hören, wird der Polizeipräsident seine umfassenden Pläne dem- nächst vor den Pressevertretern eingehend darlegen. Eine halbe Allillio« für abgelieferte Waffen. Tie Waffenablieferung nimmt einen immer größeren Umfang an. Auch die Biißtrauischen, die an den ersten Tagen noch mit ihren versteckt gehaltenen Waffen sich nicht recht bervor- t~ wagten, schleppen jetzt ihre„Kriegsbeute" zu den Sammelstellen.'\ Der Andrang ist hier an einzelnen Stellen zeitweilig so groß,__/ daß die Ablieferer Polonäsen bilden. Neben Gewehren aller Modelle, deutscher und ausländischer Herkunft, kommen Männer und Frauen mit Körben und Säcken voll Munition. Selbst mit Fuhrwerken kommen sie vorgesahren. Sll brachte gestern ein Wagen nicht weniger als 10 Maschinengewehre und 130 Handfeuerwaffen. Innerhalb des Landespolizeibe- zirks Berlin, dessen Bezirkskommissar für Entwaffnung der Ber- liner Polizeipräsident Genosse Richter ist, wurden bis gestern über eine halbe Million Mark für abgelieferte Waffen und Munition ausgezählt. Unglaubliche Zustände herrschen, wie uns mitgeteilt wird, bei der Waffenabliescrung in der früheren Dragonerkaserne B e l l e- A l l i a n c e- S t r a tz e. Als Wfertigungsraum benutzt man den nach der Straße und dem Hof offenstehenden Hausflur, in dem nur wenige Personen Platz'sinden. Tic Abnahme erfolgt durch Sicherheitsbeamte in wenig höflicher Form. Von einer eigent. liehen Leitung ist nichts wahrzunehmen. Nachdem erst ziemlich ver- spätet mit der Abnahme begonnen wurde, war gestern gegen �10 Uhr das Geld alle, so daß die noch aus Abfertigung wartenden Personen, gegen hundert, unverrichteter Sache wieder fort- gehen mußten, zum Teil sogar mit Maschinengewehren. Später sollte mit der weiteren Abitabme fortgefahren werden �hoffentlich ist dann das erforderliche Geld zur Stelle. Ob aber die Waffen- besitzer trotz der angedrohten hohen Strafen wiederkommen, ist frag- lich. Auf diese Weise wird die Waffencinziehung von den be- rufenen Stellen sabotiert. Tic Kreditierung der �-ernsprechanleihe. Die Tatsache, daß die am 1. Oktober fällige Fernsprechanleihe nicht nur in bar, sondern auch mit Hilfe der Deutschen Volksversicherung cinbczahlt werden darf, hat den Anlaß zu dem immer wieder austretenden Mißverständnis gegeben, daß der Fernsprechteilnehmer hierbei eine V c r s i»ch e r u n g eingeht. Das ist nicht der Fall; es handelt sich um einen Kr e d i t a u f t r a g. Ter Fernsprechteilnehmer, der die Aufhebung seines An- schlusseS vermeiden möchte, den Fernsprcchbeitrag aber auch nicht in bar zahlen will oder kann, erteilt den Austrag, den gesetzlichen Beitrag von 1000 M. für den Hauptanschluß und von 200 M. für den Nebenanschluß aus die Dauer von 10 Jahren für ihn bei der Post einzuzahlen. Der Teilnehmer verpflichtet sich als Gegen- leistung hierfür eine v i e r t e l j ä b r l i ch e Vergütung zurzeit von 8,75 M. für je 1000 M. zu zahlen sowie eine einmalige E i n s ch r c i b c g c b ü hr von 20 M. Hat der Das Lichk der Heimat. 16) von August Hmrichs. Immer nockt brennt die Sonne bcnmfccr. Tag für Tag, Woche für Woche glüht sie auf der Erde. Kein Tropfen Regen kommt. Die Augen schmerzen von dein einigen Hinaufstarren an den Himmel Hat Gott vergessen, daß hier unten alles ans ihn wartet? Taß Kraut und Halm fast verdursten? Weiß er nicht, daß die Erde auf Harm Kölkers Aeckern keine Fcuchtig- keit halten kann, daß die Schollen in Staub zerfallen, der ganze Boden nur noch ein trockenes Pulver ist, in dmn die feinen Wurzekchen zusammenschrumpfen, eintrocknen und verkümmern und nichts, nichts zum Aufsaugen für die ausgc- dörrten Zellen mehr vorfinden? Sieht er nicht, daß das Vieh matt und träge auf der verbrannten Weide steht und kaum noch Lust hat, mit dem wunden Maul die hartgetrocknetcn, verdorrten Grasstengel abzureißen? � Immer noch brennt die Sonne herab, rntbarmherztg starr und sengend. Harm Folkers steht an seinem Acker imd wühlt unter dem welken, verstaubten Kartoffelkraut im Sand. Tie paar Knollen, die er findet, sind nicht größer als Kirschen. Er geht mit gesenktem Kopf nach feinem Haferfeld— die Halme reichen ihm kaum bis an die Knie und tragen auf den braun- gelben Stengeln verkümmerte, frühreife Nehren. Mutlos sieht er darauf nieder. Was ioll nun werden? Meta kommt von der Weide. Tie weißgei'cheucrten Milcheimer hängen am Joch über ihrer Schulter, aber es ist nicht lwlb soviel Milch darin wie sonst. Als sie.Harm gewahrt, bleibt sie stellen und legt die.Hand über die Augen. Ta sieht sie auch drüben beim Poßbauern jemand im Haferield stehen �— das ist er. Sic sieht, das schwere Joch auf der Schulter, die eine.Hand an der Kette, die andere über den Augen, und sieht nach beiden hin. Nach beiden Feldern und nach beiden Menschen. Sie vergleicht die Felder. Ist das drüben nicht höher und voller? Auch so gelb und verbrannt ist es nicht, kommt ihr pgr. Als bätke eine unsichtbare Kraft im Boden die leben- spendende Feuchtigkeit festgehalten und nährte das Korn noch ans heimlicher Quelle. Jetzt, da ein leiser Wind es bewegt. fwbt sie deutlich, wie beim sanften Wiegen hier das Gelb einen braunen, dort einen grünlichen Unterton erhält. Sie schließt die Augen halb, daß alles zu schwintmen be- ginnt. Undeutlich schwanken die beiden gelben Felder und darin die beiden Menschen. Sie schließt ein Äuge ganz, da rückt Harm ferner und der Voßbauer steht näher, sie stehen nebeneinander. Und da sinkt.Harm ganz in sich zusammen und sieht müde, alt und abgerissen ans. Immer kleiner und häßlicher wird er. Und der andere wächst neben ihm hoch. wird immer größer und wirft den Kopf in den Nacken und lacht. Ganz deutlich hört sie das kräftige, selbstbewußte, harte Lachen. Dicht nebeneinander stehen die beiden. Wie grau und zusammengeschrumpft Harm ist— und der andere will immer noch tvachsen und trägt den Kopf immer höher. Aber sie duldet es nicht, sie zwingt ihn nieder, mit Gewalt, alle Kraft muß sie anwenden, um ihn herunter zu drücken. Aber er stemmt sich dagegen und lacht.« Ta reißt sie die Augen ans und schüttelt den Kopf. Harm steht nahe vor ihr und der andere weit hinten, unmöglich konnte sie ihn lachen hören. Sie wirst das Joch zurecht und geht. Aber ihre Knie schwanken, ihre Schultern schmerzen— sie fühlt, daß sie eine unendliche Last mit sich herumschleppt, die sie zu Boden drückt. Langsam geht sie unter ihrem schweren Joch dahin. In diesem Jahr war es nickst zu bezweifeln, daß des Boß- Hauern Felder die große Dürre am besten überstanden. Alle, die ihn solange verlacht hatten, mußten es zugeben, und der eine und der andere schlich so bei Gelegenheit zu ihm heran und fragt? um Rat, ob das Teufelszeug wohl auch für seinen Acker geeignet wäre. Ter Voßbauer schrieb an seinen alten Lehrer, und der Professor kam und hielt den aufhorchenden Bauern einen Vortrag über die Zusammensetzung ihres Bodens und die Ginge, die darin fehlten. Plötzlick war der Kunstdünger Trumpf im Torfe, und da einige Hartnäckige immer noch nicht an ihn glauben wollten, gab es Streit und Gerede darüber im Wirtshaus und das Kali war wenigstens in aller Munde. Man wußte, daß die Kalianteile mächtig gestiegen waren, und daß einig? Bauern reiche Leute dabei geworden waren. Dazu kam, daß die Fabrik nicht einmal genug liesern konnte, soviel wurde verlangt. Uebcrall wurde nach Kali gebohrt, und das Geld juckte den Leuten in den Fingern... Plötzlich hieß es, eine llnternehmergeiellschast habe in der Nachbarschaft große Geländestücke angekauft und wolle dort bohren. Ta kamen die Gemüter in Hitze. Sollte man denn alles den anderen überlassen? Mehrere aus dem Torf taten sich zusammen und schrieben an einen Rechtsanwalt, und bald zeigte sich einer und nahm die Sache in die Hand. Eines Tages kam der Pastor ganz aufgeregt nach Haus. Sein Bart sträubte sich wagerecht voraus, als er aus und ab durch die Stube raupte und Zahlen murmelte. Endlich konnte ers nicht mehr allein tragen:„Ah!" sagte er und schlug sich mit der Hand vor die Stirn,„wenn man jetzt Geld flüssig hätte! Jetzt wäre es zu machen!" Seine Frau sah ihn etlöas spöttisch an, weil sie dachte, es sei einer seiner gewöhnlichen Anfälle, wo er in plötzlichem Tatendrang irgendeine neue Dummheit unternehmen wollte., Da trat er dicht vor sie hin:„Weißt du, was der Uhl- Horner Amtsbruder mir erzählte? Ein Pastor im Schlohaujer Bezirk hat sich ein Landhaus am Rhein gekauft, soviel hat der an Kalianteilcn verdient." „So— imd was hast du tnir sonst davon erzählt?" fragte sie. Aber er tat es mit einer Handbewegung ab:„Früher— ja früher, da lag die Sache ganz anders, aber jetzt, da einem die Gelegenheit so unmittelbar aus die Nase gesetzt wird—." Und er erzählte ihr. daß der Anwalt bei ihm gewesen sei, daß man besonderen Wert gerade auf seinen angesehenen Namen lege— ab, es war zu dumm, daß er so wenig flüssig l>atte. Ein Landhans am Rhein— hinten in den illustrierten Blättern, die man im Winter las, waren öfter welche zum Kauf angeboten, mit Park und Wiesen— sie wurde ganz blaß. „Warum hast du nicht ans mich gehört, als du das Geld hergabst für die Heidestelle da draußen? Meta und Harm Folkers, die hätten es auch anderswo bekonkmen! Jetzt sitzt es fest." Er fuhr sich ärgerlich durch den Bart:„Ja, du hast recht. Aber konnte ick das abschlagen?" „So— ," sagte sie,„und deine Kinder, geben die nicht vor?" Und während er auf und ab rannte durch die Stube, hielt sie ihm in langer Reihe vor. was er alles an andern Gutes getan hatte, und jede gute Tat wurde zu einem Unrecht an seinen Kindern. Er war ganz zerknirscht. Was für ein Raben- Vater war er gewesen. Ja, das mußte anders werden. „Wenn ich jetzt das Geld kündige�— meinst du, daß eZ ihnen schwer fallen wird?"—„Ich will nichts dazu sagen," sagte sie.„aber sie können sich ja leicht an anders jemand wenden." Ja, das konnten sie vielleicht. Er wollte seden falls einmal mit Meta darüber sprechen.(Forts, folgt.) Jvsrttfprcdfiieilrit'rinirr bisfcn SrcbiMufttag" bei der Post gestellt, so fiirm er biiä weitere aoroarten. Tie Post zieht die einmalige Ein- schreibegebühr ein. ebenso die vierteljährlichen, postnumerando zahl- baren Vergütungen gleichzeitig mit den Fernsprechgebühren. Wenn der Ferniprechteilnehmer den Anschluß vor Ablauf der zehnjährigen Frist ausgibt, so zablt die P o st den Beitrag au die Deutsche BoltSversichcrung zurück und der Fernsprechteil- nchmer ist für die künftige Zeit von jeder weit er en Verpflichtung befreit. Cr kann seinerseits auch zu jedem Quartalsersten den Beitrag bei der P o st selbst einzaolen und d-adurch das Vertragsverhältnis mit der Deutschen VolkSvcrsicherung beenden. Unsere Sängerchöre. Vor einiger Adt beschlossen unsere Bezirksleitungen, die Ge- troffen aufzufordern, Sängerchöre zu bilden. Dieser Beschluß iit eine Abwehr ni aß nähme und hat ihren Grund in dem Verhalten der einzelnen Arbeiterchöre des A. S. B. Während früher ein Beschluß bestand, daß die S/ P. D. bei ihren Veranstalwngcn seitens der im A. S. B. organisierten Ver- eine zu bopkottieren sei, milderte man dieses Vorgehen nach außen insofern, als man den Vereinen freistellt, überall mit- zuwirken. Dies ist jedoch nur ein für die nicht informierte Oeffcnt- lichkeit berechneter Beschluß gewesen. In der Praxis dachte kein Mensch daran, in Zukunft auch die S. P. D. zu unterstützen. Ob- wohl in diesen Vereinen eine ganze Anzahl S.-P.-D.-Mjtglieder tätig sind, stimmt die Mehrzahl der Mitglieder stets gegen die S. P. D- Andererseits legten sie aber statutarisch auch ihren S-P.-D.-Mitgliedern die Pflicht auf, bei den Veranstaltungen der II. S. P. D. mitzuwirken. Parteigenossen! Berücksichtigen wir die erwähnten Vorgänge, so muß es uns sofort klar sein, daß die Gründung unserer Chöre eine Notwendigkeit ist. Eine Notwendig- kcit, um unseren Parteimitgliedern, die sich bei der Ausübung des Gesanges radikalen Zwangsmaßnahmen fiigen müssen, Gelegenheit zu geben, im Kreise ihrer Genossen zu singen, und um unsere F e st e durch Gesang zu verschönen. AuZ diesen Notwendigkeiten ergibt sich für jeden Parteigenopest die Pflicht, hinauszugehen aus den Chören mit radikaler Mehrheit, und zum anderen: Hinein in die Chöre d e r S. P. T.! Genossen! In allen Bezirken entstehen unsere Chöre. Einzelne sind schon fleißig an der Arbeit. Meldet euch bei euren Funktionärenl Tretet bei aktiv oder passiv! Zeigt, daß wir»och stark sind!_ P. H. Da? Werkzeuglager im— Maze«. Ein Geistesschtvacher, der sich im Gefängnis selbst operieren wollte, wurde in der Person dcS .Kraftwagenführers Willi Pa nsin der 1. Strafkammer des Land- gerichtS II vorgeführt, um sich wegen schweren Diebstahls zu ver- antworten. Der Angeklagte, der eine sehr abenteuerliche Ver- gangcnheit hinter sich hat, mar im Felde mehrfach verwundet wor- den. kam nach Ausbruch der Revolution nach Berlin und war hier längere Zeit Chauffeur bei dem Polizeipräsidenten. Er wurde dann späier bei einem Einbruch in ein Möbelgeschäft in der Belle- Alliance-Dtvaße abgefaßt. Mehrere mit Pistolen und Handgrana- ten bewaffnete Berbrechcr war»n im Auto vorgefahren und hatten die Kontorräume bereits erbrochen, als sie durch die Polizei über- rascht wurden. Es kam zu einem heftigen Feuergefechl, bei dem ein Einbrecher namens Winzer erschossen würbe. Pansin wurde in das Stadtvogteigefängnis eingeliefert und spielte hier den»wilden Mann", indem er einen, wie die Röntgenaufnahme ergibt, 13 Ze n t i m e t e r langen Löffelstiel, Nägel, Schrau- den und alle möglichen andere Dinge p e r s ch I u dt t e. P. weigerte sich, eine Operation an sich vornehmen zu lasten und wurde dann eines TageS blumberströmi in seiner Zelle gefunden. ES ergab sich. daß P. mit einem Messer, das er sich irgendwie beschafft halte, sich selbst den Leib aufgeschlitzt batte, um, wie er sagte, sich selbst zu operieren. Ter Staatsanwalt beantragte 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, während Rechtsanwalt Dr. Puppe unter Hinweis auf das Gutachten de?'Sachverständigen und die Tatsache, daß sich der Angeklagte, der sich in Lebensgefahr befinde, auf eigene Kosten operieren lasten wolle, eine milde Strafe und Haftentlassung fiir geboten hielt. Da? Gericht erkannte auf 3 Monate Gefängnis und hob den Haftbefehl so- fort aus. Ein Chemiker als Einbrecher verhaftet. In der Nacht zum LH. v. Nk. war ein Dieb in den Operationssaal der Fürsorge- erziehungSanstalt in Strausberg eingedrungen und hatte daraus sämtliche ärztlichen Instrumente gestohlen. Tie Nach- forschungen der Kriminalpolizei ergaben, daß der Chemiker Karl Bern seid diesen Einbruch ausgeführt hatte. Er wurde gestern von der Neuköllner Kriminalpolizei festgenommen. Die gc- siohlenen Instrumente hatte er bereits weiterverkauft, doch konnten sie wieder herbeigeschafft werden. Ein reisender Schwindler, der seit mehr als drei Jahren sein Anwesen getrieben hat. konnte jetzt endlich in Schönebcrg unschäd- lich gemacht werden. Der Verhaftete, ein 34 Jahre alier Hubert Ahrweiler, hatte es auf Familien abgesehen, die Angehörige lrn Auslande haben. Diesen stellte er sich als Zoll- oder auch Bankbeamter vor und machte ihnen die Mitteilung, daß aus Amerika ein Paket für sie eingetroffen sei. Außerdem händigte er ibnen noch Vollmachten auS, woraus sie einen gleichzeitig mit dem Paket eingegangenen größeren Geldbetrag ausgezahlt erhalten sollten. Er verlangte dann regelmäßig Ih bis 1l>0 M. für ihm erwachsene Unkosten, die ihm dann auch in der ersten Freude bc- xeitwilligst gezahlt wurden, um so mehr, als er den Leuten ver- sprach, für Uebersendung der Pakete und des Geldes weiter Sorge tragen zu wollen. Ter Gauner, der sich immer andere Namen beilegte, ist nach den bisherigen Ermittlungen in Karlsruhe, Stutt- gart, Liegnitz. Breslau, Leipzig. Schkeuditz, Görlitz, Frankfurt a. M. und Berlin aufgetreten. In Küstrin war es gelungen, den Schwindler einmal abzufasten. Weil dort aber seine anderen Straftaten nicht bekannt waren, kam er mit einer geringen Strafe davon. Nach deren Verbüßung nahm er sofort den einträglichen Schwindel wieder auf, bis cr gestern in Schöneberg wieder er. griffen wurde. Durch ein rasende» Auto, das dem Kommerzienrat L. vom Hohenzollerndamm gehörte, wurde gestern der Tischler Knie aus der Grünstraße in Charlottenburg an der Ecke der Bismarck- uns Fntschestraße überfahren und schwer verletzt. Mit einem Unterschenkelbruch und anderen Verletzungen fand der Verunglückte Aufnahme in der Rettungsstation.— Bei dieser Gelegenheit wäre die Frage erlaubt, ob gegen da? in letzter Zeit sich wieder sehr be- merkbar machende blinde Wüten der Automobile in den Verkehrs- siraßen nicht noch Polizeivorschriften bestehen, oder warum man gerade diese Bestimmungen seltsamerweise durch die Revolu- tion abgetan glaubt? Berloreue Stempelmarken. Einem armen Privatangestellten sind Stempelmarken, die ihm nicht gehörten, im Betrage von 41 481,50 R. von der Svandauer Sw. 5S bis zur Potsdamer Str. 127 und von dort nach der Leipziger Str. IS abhanden gekommen. Es wird gebeten, die Stempel- marken, die für dritte wertlos sind, im AnwallSbureau, Leipziger Str. IS, abzugeben. Tie Vin'ch Saison wird ervfsnet! Da der Direktor Stosch- S a r r a s a n i den sür das Frlibjahr in Aussicht geflellten Schiffsraum zur Ucbcrfiedelung nach Amerika jetzt noch nicht erhallen konnte, wird er am 25. September(ein Engagement i m Zirkus Busch mit seinem ge- samten Tiermaterial und seiner mehrköpsigen Künstlerschar antreten. Thcaterauffüvrunq. Am Sonntag, den 26. Septeuiber 1920, nachmittags 3 Ubr..Di« Weber" von Gerdard Hauptmann. Eintrittskarten a 3.30 M. im Bureau des BildnnqSauS'chiisses. Liiidenilrasic 3, II. Hos, IV, Zimmer 10. Geöffnet von 9—4 Uhr, Donnerstag von 9—1 und 4—7 Uhr Die Lieht bildcrvorträge über einheimische Pilze und ihre Ber- Wertung will Herr Roman Schulz noch zweimal, am DonnerSlag, den 23, und Sonnabend, den 25. September, abends 7 Uhr, im Märkischen Museum halten. Um einer Uebersülluug des CaaleS vorzubeugen, werden vom 18. d. MtS. ab in dcv Zeil von 10— 3 Ubr Eintrittskarten zu den Vorträgen unentgeltlich im Märksichen Muleum ausgegeben. Nur mit Karten versehene Personen babcn Zutritt. Die PilzauSstellung findet vom Mittwoch, den 15. d. Mls. bis Mittwoch, den 22. siatt. Bezirksdildniigsausschuii. Am Sonnlag, 19. September, vormittags 10 Uhr im Fesisaal des Charlottenburger Rathauses, Berliner Stratzc 72/73, Konferenz der örtlichen B i l d u n g s a u s s ch ü s s e. der Berliner BlidungSkommiision und der außerdem schrislllch eingeladenen Gcnoiiinncn und Gcnoücn. Tagesordnung: 1. Wesen und Grundlage der sozialistischen BildungSarbeit. Referent: Genosse Dr, ffranz Diedcrich. 2. Parteischule— Nolkshochschulc. Referent: Sekretär Albert H orlitz, Perband fozialiftifcher Lehrer. Heute 7 Uhr Sinter der Garnison- iirche: Vollsitzimg. Wichtige Entschließung. Federhalter und Gaulle mit- bringen._ Wohnungsnot unü Mbsitsnot. Aus Neuköllns letzter Stadiverordnetenversammlung. Die Stadtverordnetenversanimlung batte gestern nock eine lange Reihe von N a ch be w i l l i g u n g e n zu beschliehen, die meist durch Preissteigerungen und. Lobuerhöhungen bedingt sind.— Ter Spezialfonds, aus dem die Teuerungszulagen unid AuSglcichs- xn lagen für Beamte und Bedien st ete und die Gehälter für nichtständige A n g e st e I l t e ge.zahlt werden, wurde um tveitere 10 Millionen Mir! verstärkt. Sie sollen bis 30. September d. I. reichen und sind größtenteils bereits ausgegeben.— Dem neuen, aus den Beratungen der Berliner Großen Deputation her- vorgegangenen Lohntarif der Gemeindearbeiter wurde für Neukölln zugestimmt. Er gilt vom 1. April bis 31. Oktober d. I. und ist bereits in Kraft getreten. Die erforderliche Jahres- Mehrausgabe beträgt rund 3 Millionen Mark. Ohne viele Worte wurden dann zwei Magistratsvorlagen angenommen, die zur Bekämpfung der Wohnungsnot bei- tragen sollen. Bewilligt wurden 3)4 Millionen Mark zur Errich- lung von 18 Holzhäusern. Zugestimmt wurde auch dem großen Wohnungsbauprogramm, das(wie im„Bor- ivärtS" schon mitgeteilt ist) mit einem Kostenauiwand von 59 Mit- lionen Mark 641 Mahnungen schaffen will. Zunächst sollen 34'Vl(i Millionen aus einer neuen Anleihe bereitgestellt werden.— Die Fortführung der Rotstandsarbeiten(Brückenbauten, Krananlagen, Kanalerweiterung, Industrie- und Hasen- bahn usw.) erfordert weitere 12 Millionen Mark. Sie wurden bewilligt und sollen ans einer neuen Anleihe entnommen werden. In der Debatte erklärte aus eine Anfrage der Stadtbaurat Hahn, daß die Neuköllner II n t« r g r u n db a h n st r c ck c im Sommer 1921 fertig wird. Zu der Frage, ob bei Notstandsarbeitcn die über 6 Monate beschäftigten Ledigen durch ver- beiratete Arbeitslose ausgewechselt werden sollen, bemerkte Radtke(U. Soz.), der Direktor des Arbeitsamts: dieser Vorschlag ist von allen in Betracht kommenden Instanzen der Arbeiterschaft abgelebnt worden, ebenso der Vorschlag einer aus Stadtverordneten, Magistratsmitgliedern, Gewerkschaftövertre- tern und Betriebsräten zusammengesetzten Kommission, die Ar- beilszeit aus 0 Stunden zu verkürzen, um mehr Arbeiter einstellen zu können. Es bleibt zur Abb i! je nur das Mittel übrig, mebr Ar- beitsgelegenheit zu schaffen. Neu mann(Soz.) stellte fest, daß im Arbeitsamt der Auswechlelungsbeschluß von den Vertretern aller Fraktionen und auch des ArbeitSlosenrats einstimmig gefaßt worden und der Magistrat ihm einstimmig beigetreten ist. Er bedauerte, daß die Notstandsarbeiter, ihren früheren Abmachungen mit dem Magistrat zuwider, hinterber die Auswechselung abgelehnt babcn. Sie sei d r i n g e n d n ö t i g im Interesse der vielen Verheirateten. die seit langem auf Arbeit warten. Zu einer langen Debatte führten zwei Magistratsvorlagen aus Berueilftellung eines Kredits von 10 Millionen Mark für die Neu- köllner S t a d t b a u g e s e l l s ch a f t und eines weiteren Kredits von 8 Millionen Mark für die Neuköllner Groß Handels gesell- schaft. Den„MittelstandSvertretern", die ihren Verdruß über diese Schöpfungen der Stadt auch diesmal wieder bekunden zu sollen glaubten, traten Heitmann lSoz.l sowie Bürgermeister Scholz und Stadtrat Lange entgegen. Tie Kredite wurden be- willigt. Eine dringliche Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion forderte vom Magistrat Auskunft wegen der bei den Feuerwehren Groß-Berlins sich bemerkbar machenden Bestrebungen, die Feuerwehr zu v e r st a a t l i ch c n,� In der Begründung führte W e r m u t b(Soz.) aus, daß die Offiziere der Feuer- wehr den Wunsch haben, si« dem Einfluß der Kommunen zu ent- ziehen. Zu fürchten sei, daß bei einer Verstaatlichung die Man n- schaft en in das frühere Hörigkeitsverhältnis zurückgedrängt werden. Solche Versuch: habe der Magistrat abzuwehren. Stadtrat M i e r antwortete, das sei auch die" Ansicht des Magistrats, und der Leiter der Neuköllner Feuerwehr habe jene Bestrebungen nicht unterstützt., Aus den sonstigen Verhandlungen sei noch erwähnt, daß dem Projekt eines zentralen Für sorgeha useS für Neukölln zugestimmt und die Mfttel zur Bekämpfung der Rattenplage be- willigt wurden. Die Sitzung wurde vom Vorsteher Wer m u t h geschlossen mit einer A b sch i e d s a n sp r a ch e. In dieser letzten Sitzung vor dem Aufgehen Neuköllns in Groß-Berlin wies er auf die Stellung hin, die Neukölln unter den Groß-Berlincr Gemeinden eingenommen hat. Daß Neukölln sozusagen ein Reservair für die in Groß-Berlin Arbeitenden ivar, erschtverte der Gemeinde die Er- füllung ihrer Aufgabe. Trotzdem hat s i e Einrichtungen zu schaffen vermocht, die anderen Gemeinden Groß-BerlinS als Vorbild dienen können. Ans den lvcrb enden Betrieben, die Neukölln sich schuf, brachte es die Mittel für die Kulturaufgaben auf. Lichtenberg. Heimkehr der Kinder vom Landaufenthalt. Die Rückbeförderung der vom städtischen Wohlfahrtsamt zum Land- aufenthalt entsandten Lichtenbergcr Kinder soll in Begleitung von Lehrpersonen wie folgt stattfinden: 1. Kinder aus Ostpreußen am Donnerstag, den 30. September; 2. aus den Kreisen Ost» p r i e g n i tz am Mittwoch, den 6. Oktober, und Greifenhagen am Freitag, den 8. Oktober; 3. aus den Kreisen Ruppin und W e st st e r n b e r g am Freitag, den>i.. und Saimabend, den 0. Oktober 1920. Nähere Mitteilung gebt den Landgemeinden und den Eltern zu. Soweit einzelne Kinder im Einvernehmen mit den Pflegeeltern noch länger auf dem Lande bleiben sollen, ist dem WoblsahrtSamr baldigst Mitteilung zu machen. Die Beförderung erwlgt zum 4. Teil des Fahrpreises der 4. Klaffe in der 3. Wagenklaffe. Es ist Aufgabe der Eltern, ihre Kinder mit dem notwendigen Reisegeld auszustatten. Eine persönliche Rückmeldung der im Transport zurückkehrenden Kinder beim Wohlfahrtsamt ist nicht erforderlich; Lebens» mittelkarten können vielmehr bei der Ausgabestelle in der Schule— Scharnweberstraße— unter Vorlage des Stadlkinder- auswcises ohne weiteres in Empfang genommen werden. Groß-Serliner porteinachrichten. Heute, 18. September: 34. Abt. 8 Ubr, Parteifunktionäre und BetriebSvertrauenSleute, Sitzung bei Goldschmidt, Stolpische Straße 36. Iii. Abt. BetriebSvertrauenSleute und Funktionäre, 6 Uhr bei Beh- renS, Tegeler Straße 22. Eharloitenburg. Jeden Sonnabend von si,5— 6 Uhr im Sekretariat, Rosinenslraße 4, Juuilische Spiechslunde.— Die in dieser Woche geplanten Frauen-Les endende jallcu wegen der am Donnerstag im„DolkS- laus" stattfindenden Frauenversammlung aus. Neukölln. 5. Llbt. 7'/, Uhr, Funklionärsitzung bei Günzel, Mareschsir, 1. Morgen, 19. September: 6. Abt, Führung durcks das Museum' iür Völ, erkunde. Treffpunkt: vormittag 9 Udr am Eingang nöliiggrätzcr-. Ecke Prinz-Albrecht-str. Zlrbetter-.Ktndcr-Pniid Moabit.' RackuniltagS 4 Uhr, Erstes Sttf- tungsfcst bei Schmidt. Wiclefftrabe 17, Reigentänze, Deklamationen(Münchhausen in 20 Gedichten). GSste»wUllommcu. Neukölln. Fluzblattverbreiwnz für die Ersatzwahlen dev Elternbeiräte, Di- Genossen wollen sich recht zablreich daran be- tciligen, da das Flugblatt, welches zu einer allgemeinen Ettcrnocrsammlung am 21. September einladet, unter allen Umständen am«onnlag verbreitet werden muß._ �ugenöveranftaltungen. Heute'/,? Uhr wichtige Kassiererkonserenz Zentralsugend» heim, Lindcnsw. 3, 3, Hof I. 3 Tr. Sonntag, 19. September. Wanderungen: Britz. Königswusterhausen— Krüpclee, Trcffbuntt 5 Uhr Germaniapromenade.— FriedrichStiagen. Schmöckwitz, Treffpunkt 6 Ubr Booisüand,— Niederfchöneweide. Pferdcbucht, Sanssouci. Treff- punkt 7 Uhr Bahnhof,— Südwest. Finkenkrug, Treffpunkt 6 Ubr Blüch-iplar.— Westen. Finkenkrug— Nauen. Treffpunkt 6 Uhr Hoch- bahnhof Bülowstraße._ flus aller Welt. Ans Königlich-Ungar». In Szegedin wurde der Inspektor Adam Paleta wegen Ans» reizung zu sechs Mannten Kerker verurteilt, weil er im Mai v. I.. als die gegenrevolutionäre Regierung in Szegedin die natio» nale Armee anzuwerben im Begriff stand, mehreren Mitgliedern der neuen Armee zugerufen batte:.Legt diele Vageischeuchen» Adlerfedern ab. die Raten werden ja ohnebin bald hier sein!" Oskar L e v a i und seine drei Genossen wurden vier Monate nach der llrteilssällung hingerichtet. Während dieser Zeit wurde Levay entsetzlich gemartert._ In 26 Pfund schweren Ketten wurde er spazieren geführt, so daß er feine Ketten ständig gebückt schleppen mußte. Die zum Tode Verurteilten zu Tods zu quälen— dies ist die Art des unverfälschten Christentums der Hortbp-Leute... Die Budopester Boriierfrau Kirvan wurde wegen Beleibt» gung des Reichsverwe'ers in Haft aefetz». Im Zusammen» bang damit wurden auch der Fabriksbetriebsleiter Andrea? Sandor. der Eisengießer Josef Kemenp. der Privaibeamie Aladar Kiralp. der Tischler Ludwig Katono und der Kellner Josef Szanto verhaftet. Hglz in Teutfchösterreich. In Berlin find zuverlässige Nach- richten eingetroffen, daß Mar Hölz aus der Tschechoslowakei nach Deutschösterreich cnikommen ist. Liebe deinen Nächsten. In der berühmten niederösterreichischen Wallfahrtskirche von Msria-Zcll predigte am 1. September um 8 Uhr abends der Pfarrer B e r g e r aus Graz, Ter Gottesmann sprach über die— Wablen und sagte, wie ein Parteigenasse in der Wiener- Neustädter.Gleichheit" berichtet�.Ihr Anhänger des Christentums, hört, am 17. Oktober müssen wir die roten Hunde niederschlagen, und wenn es sein muß, mit Ge- w a l t..." In diesem Tone ging es auch weiter. Verurteilung eines Marokkaners. Fräulein Eva L, in Weisenau bei Mainz wurde am Morgen des 1. Mai 1920, als sie von der elterlichen Wohnung nach dem Bahnhof ging, um nach Wiesbaden -ur Arbeit zu fahren, von einem marokkanischen Posten in einen Fuhrpark an der Straße gc, zogen, zwischen zwei Wagen ein- gezwängt und dann vergewalftgt. Das Kriegsgericht in Mainz hat den Verbrecher, den Marokkaner Abdur Raoman, am 23. Juli zu 10 Fahren Zwangsarbeit, militärischer Degradation und 10 Jahren Aufenthaltsverbot verurteilt. Tie Diebstähle im Dresdener Schlosi. Die bcideir�kostbarcn P o r z e l l a n V a s e n, die vor einiger Zeit aus dem Dresdener Königsschloß gestohlen wurden, sind bei einem Berliner Händ- I e r ausgefnnden worden und demnächst nach Dresden zurückgesandt. AlS Diebe kommen ein gewisser H e i n e r t und drei andere Männer in Betracht, die unter dem ehemaligen„revolutionären S ch l o ß k o m m a n d a n t e n" Fries im Dresdener Schloß tätig waren. Fries s«bst hat sich viele Unterschlagungen zuschulden kommen lassen und wertvolle Teppiche aus dem Königsschloß gc- stahlen, verkauft und durch wertlose ersetzt. Sämtliche Diebe be- finden sich hinter Schloß und Riegel. Aus dem Gericht gestohlen. Tie 48 Eisenbahner, die vor der Düsseldorfer Strafkammer stehen, hatten u. a. auch große Mengen Stoffe gestohlen. Ein Teil dieser Tuche war jetzt zur Verhandlung ins Gerichtsgebäude geschafft worden. Frei- tag morgen machte man die Entdeckung, daß die Tuchballen ve r- schwunden waren. Sie waren«in der vergangenen Nacht g e- stöhlen wopden. Quäkerhilfe für dir Kinder des RuhrrrvirrS. Die C u 31 e r- Hilfsmission wird voraussichtlich bis zum nächsten Frühjahr fortgesetzt werden. Im Ruhrrevier wurden an unterernähne Kinder von Mai bis Mitte Juni täglich 150 000 Portionen, bis zum 1. August täglich 250000 Portionen und während der Ferien täglich 50 000 Portionen verabreicht. Der Gesamtbetrag der Aufwendungen für die unterernäbrten Kinder des Ruhrgebiets wird auf 35—-40 Millionen Mark geschätzt. Sport. Ein neuer Sport- und Spielplatz wird in nächster Zeit in Z c b l e n«. d o r s rntlledrn. Der Zehlendofter Turn- und Sportverein von 1839 c, V. bat zu diesem Zweck ein unmittelbar an den städtischen Ballsviclvlatz an der Spandauer Straße angrenzende» Gelände von etwa 200X125 Meter Größe erworben. Vorgesehen sind außer einer 41» Meter lanaen Aschenlauibahn ein Platz sür Fußball und Hockey, Tennisplätze usw. Mit der Herstellung des Sportplatzes ist bereits begonnen worden. Das deutsche Äteher-Terbv. Das neu gefchaffcnc klassische Rennen, das am Sonntag, den 19, Sepleniber. alls der Olympia» Radrenn- b a b n zum üluslrag gelangt, sübrt über die Strecke von 100 Kilometer und wird in 2 Läusen von 40 und 60 Kilometer ausgefahren. Ein Vorgabejahren mit zirka 30 Fahrern beschließt das reichhaltige Program. Die Rennen beginnen um 3 llhr. Freier Wanderbiind. Sonntag, den 19, Sevtember, Fabrt nach Wildpark, Absahrt lmorgcnS 5". Schlefischcr Bahnhof kStadtbahn), Potsdam umsteigen,'Abfahrt 6'° abnids Potsdamer Fernbahnhos. öriefkasten öer Neüaktion. Jeder Mr den Briefkagea bestimmten Anfrage kstge man einen Vackistaben und eine Nummer bei. Brirtlick c Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- tragen trage man in der Juristischen Svrcchstunde, Linoenstr. 3, 1. Kos parterre link», vor. Schrittstücke und Vertrüge sind mitzubringen, L. L. 21-.1>md 2. Ja,— P. P.<19. Nein,— W. H. 6». a) Ja. d) Sie sind zur Zahlung vcrpslichtct.— N. JiL. Die Kürzung darj erst von dem Zeitpunkte an criolgen, an dem eine Enttasfung nach den gesetzlichen oder vertraglichen Bestimmungen zulässig wäre. In Ihrem Falle lommt die 14tägigc Kündigungsfrist nur in Frage, wenn der Tarif- vertrag leine andere vorsieht.— Slargarb i. P. 1. Bis 65 M. 2. Wenn Ihr Hauswirt sich weigert, bleibt nur der Klagcweg übrig. Ihr Anspruch ist aber äußerst zweifelhaft. 3. Ihre Tochter muß ihren Austritt eben- fall» erllären. Bis zum Schluß desjenigen Kalendcrvierteljahr», in dem der Austritt erfolgt.— Meyer,»ontopv. Der Abzug ist bcrcchttgt.— Nr. 1. 1. Zweifclbast. Fragen Sie bei den Geftchlen an, 2. Nein.— M. 41. 1. Ja, wenn die Erbschaft zum Zwecke der Wahl des Pslichtt-Us ausgeschlagen wird. 2. New, 3. Die Halste des Erbteils, 4, Nein, sofern das Testament darüber keine Bestimmungen enthält,— I. M. 10«. 1. 1,10 M, 2. 1,40 M.—(f\ 9t. 75. Die Zahlung muß erfolgen. 83. M. 387. Die Geschäftsstelle des Arbeiler-SamariterbundeS bc- findet sich W 57, Dennewitzstr, 8 IV; dort ersahren Sie näheres. Wettern ufS i t«Ii t e n für da» mittlere N-rddeutfchland bis Sonntag mittag. Mitd und vielfach heiter, aber veränderlich, bei mäßigen südwestlichen Winden. Im Norden noch älter wiederholte, im Süden mehr oercwzelte, meist geringe Regensälle. §ür Gberjchlesien und das Saargebiet. Die Preußische Laüdesvcrsammlung erledigte am Freitag zunächst Kleine Anfragen. Auf Anfrage Haas(Soz.) über Anwerbungen für die fran- zönsche Fremdenlegion bestätigt ein Regierungsvcrtreter. daß solche Werbungen vorkommen. Die Regierung werde alles Er- forderliche zur Abhilfe tun und in Paris Vorstellungen erheben.— Auf Anfrage von Frau Arendsee(U. Soz.) erwidert ein Regie- rungsvertrctcr, daß sich die Entlassung von Buchbindern bei der Staatsbibliothek nicht vermeiden lasse, da die Bibliothek Finanzschwierigkeiten habe.— Entgegen einer Anfrage Lud icke (Dnctt. 33p.) erklärt die Regierung, daß in keiner Weise versucht worden sei, den S a l var s a ng e g ner Dr. Dre uw durch B e- stechung zu einer anderen Stellungnahme zu veranlassen.— Auf Anfrage Ludwig lU. Soz.) über den Schriftsteller M i n st« r, der heimlich aus dem besetzten Gebiet fortgeschafft und verhaftet worden sei, erklärt die Regierung, daß der Betreffende sich als Amerikaner bezeichnet und Handlungen verübt habe, auf die sich eine Anklage wegen Hochverrat stütze.— Auf Anfrage Schreck (Soz.) sagt die Regierung zu, der Anregung auf Schaffung von Jugendherbergen zur Förderung ocs Jugendwandcrns Folge leisten zu wollen. Es folgt die Beratung de-Z gemeinschaftlichen Antrages oller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen über Oberschlesien. Die Regierung soll die friedliche Berufstätigkeit der deutschen Stoaisbürger in der Provinz Oberschlesien vor polnischen, Uebcr- griffen und Gewalttätigkeiten unbedingt schützen und sichern, daß die Volksabstimmung unbeeinflußt von jeglichem Terror ruhig vor sich geht und Deutschland und Preußen davor bewahrt bleibe, daß die für das deutsche Wirtschafts- und StaatAcben unentbehr- liche Provinz Oberschlesien uns ohne Abstimmung von den Polen gewaltsam c n t r i f f en wird. Abg. Dr. Porsch(F.): Meine Fraktion hat einstimmig den dringenden Wunsch, daß jetzt jetzt keine Besprechung der oberschlestschen Bcirhältmsse stattfinde. Wir werden uns daran nicht beteiligen. Ich habe lediglich namens meiner Fraktion zu bitten, dem sehr berechtigten vorliegenden Antrage zuzustimmen. Abg. Conrad lDnat.Bp.): Wir halten im Gegenteil für not- wendig, daß einmal über die unhaltbaren Zustände in Oberfchlesien gesprochen wird. Auffallenderweiso hat General Le Rond noch keine Stellung zu dem Vorwurf genommen!, er habe der fran- zöstschen Regievung berichtet, daß die deutsche Regierung die Un- ruhen in Oberfchlesion provoziere. Er hat auch bis heute noch nicht klipp und klar erklärt, daß der bekannte Brief der„Brcslauer Morgenzeitung" eine grobe Fälschung sei. Vizepräsident Dr. v. Kries verliest ein Telegramm aus Sagau. daZ die Aufforderung enthält, dem verbrecherischen Treiben der Franzosen und Polen in Oberfchlesien mit allen Mitteln ein Ziel zu setzen.(Beifall rechts.) Mg. Scholich-Breslau(Soz.): Dos soeben verlesene Telegramm kann ich als Obevschlesier in seinem ganzen Umfang nicht billigen.(Lebhaftes Hört, hört! rechts.) Weisen Sie(nach rechts) doch einmal Verbrechen nach, die von den Franzosen in Oberfchlesien verübt wurden! Durch solche provozierenden Telegramme dient man der Sache Oberschlesiens nicht. Ein derartiges rmvernünstiges Vorgehen kann uns nicht weiterbringen. Ich habe als Oberschlsier -elbst das lebhafteste Interesse, daß Oberfchlesien deutsch erhallen bleibt, aber gerade deswegen darf nicht mit unzweckmäßigen Ucbertreibungen öder unbeweisbaren Behauptungen gearbeitet werden. Von dieser Stelle aus betone ich, daß wir oberschlestschen sozialdemokratischen Agitatoren genau das gleiche Recht haben, wie die Polen, und daß wir uns dieses Recht auch von Korianly nicht nehmen lasten. „Wir sind die Herren des Landes!" ist eine ungeheuer freche Anmaßung.(Sehr richtig!) Der Wunsch meiner Parteifreunde und der Gewerkschaften, eine paritätische Kommission aus Teuifcheu und Polen zu bilden, ist leider noch nicht erfüllt, so sehr wir uns auch darum bemühen, und deswegen herrschen Ammer noch Unruhe und Streik in Oberschlesien. Ich fordere die gesamte friedliebende Bevölkerung auf zum Kampf gegen das Banditenutm. Redner legi zum Beleg seiner Behauptung über verschiedene Vor- kommnista P h o t o g ra p h i e n auf den Tisch des Hauses.-— Ter deutsche Ab st i m mu ngskommistar hat erst jüngst ausdrücklich betont, daß die deutschen Parteien immer auf dem Boden der G e- setzmäßigkcit geblieben sind und auch weiterhin bleiben. Dem gab auch der sozialdemokratische Bezirkstag am letzten Sonntag Ausdruck, wo wir jedes nationlalistifche Treiben ablebntcn und die Forderung aufttelltcn, daß nicht Loslösung Oberschlesiens vom Reich die Parole sei, fondern die Gleichberechtigung aller Bewohner unseres Heimatlandes. Zur Abstimmung selbst fordern wir vollkommene Freiheit jeder Ueberzeugung und hoffen, daß kein deutscher Obcrschlesicr, er möge sonst stehen, wie er wolle, seine Pflicht versäume, sondern am Tag der Abstimmung sich ausnahms- loS zum deutschen Baterland bekenne.(Lebhafter Beifall.) Minifwrpräsident Braun: Mit inniger Anteilnahme und tiefer Empörung verfolgt die Regierung den Kamps der oberschlestschen Bevölkerung gegen die Polnische Soldateska und die aufgehetzte polnische Volksmenge. Die Regierung ist dauernd bemüht, die Oberschlesier zu schützen und diese wichtige Provinz dem Vaterlande zu erhalten. Das wird auch in Zukunft geschehen. Direkte Verhandlungen mit den Alliierten sind allerdings Aufgabe der Reichsregierung. Auch sie ist für Oberschlesien energisch eingetreten. Ob durch eine schärfere Tonart etwa mebr zu erreichen wäre, möchte ich im Hinblick auf die un- gleichen Machtverhältnisse bezweifln. Taten, wie sie in Breslau vorgekommen sind, helfen den Oberschlesiern jedenfalls g a r n i ch t. (Lebhafte Zustimmung links.) Die Vorkommnisse in Oberfchlesien zeigen, daß daS Bersailler Gcwaltdiktat nur der Völkerzerfleischiing dient. Der Friede wird hier zur blutigen Posse herabgewürdigt. Alle Nachrichten aus Oberfchlesien beweisen, daß die Polen ver- suchen, mit Gewalt zu erwerben, was sie durch Abstimmung nicht mehr glauben erlangen zu können. Sie scheinen wenig Vertrauen in die Werbekraft ihrer nationalen Idee zu setzen. (Sehr richtig!) Tie Interalliierte Kommission zeigt, daß sie nicht willens ist, das oberschlesische Volk vor polnischen Brutalitäten zu schützen. Wir rufen die Entente zur Erfüllung ihrer Pflichten auf, die deutschgesinnte Bevölkerung vor polnisehem Terror und den Schandtaten polnischer Mvrdbübcn zu schützen. lLebhaster Beifall.) Wir danken den Obcrschlesiean für die Standhaftigkeit, mit der sie die Fahne des Deutschtums gegen den Ansturm des Polentums hoch- halten.(Erneuter Beifall.) Mit dem Herzen sind wir bei ihnen. Wenn sie aushalten in diesem Kampfe, wird die Abstimmung sich zu einem Sieg des Deutschtums gestalten.(Lebhafter Beifall.) Abg. Grund(Dem.): Die Deutschen stehen recht- und schutzlos da gegen polnische Uebergriffe. Ein Bcrzweiflungsschrei ertönt aus Oberschlesien. Meine Freunde werden der Regierung bei allen Maßnahmen zum Schutze der Deutschen in Oberschlesien zur Seite stehen.(Lebhafter Beifall bei den Demokraten.) Abg. Zicgler(U. Soz.): Die Kreis«, die das Telegramm abgeschickt haben, sind eng in!! der „Orgesch" verbunden. Tie Stimmung der Arbeiterschaft in Ober- schlesien ist erst nachdem Streik für Teutschland ungünstig geworden, als Oberpräsident H ö r s i n g Maßnahmen zugunsten des Kapitalis- mus anordnete, wie sie jetzt den Polen vorgeworfen werden. Lumpen gibt es überall.(Ironische Zustimmung rechts.) Ich erinnere nur an die berüchtigte Folterkammer i m Generalkommando. Wir stimmen gegen den Antrag, namentlich weil er im ersten Teil nur von polnischen Uebergriffen spricht, und doch haben erst die deutschen Uebergriffe die polnischen provoziert. Abg. Pischkc(D. B.) schildert aus Grund' amtlichen Materials, das von polnischer Seite stammt, die von Posen aus für Ober- schlesien betriebene Propaganda, Es handle sich darum, daS für die Deutschen in Posen angewandte System auf Oberfchlesien zu übertragen. Der Antrag wird hierauf gegen die Stimmen.der Unabhängigen angenommen. Das Saargebiet. Es folgt der Antrag aller Parteien mit Ausnahme der Un- abhängigen, die Regierung möge mit der Reichsregierung unvcr- zügljch dahin wirken, daß die Saarbevölkerung' vor willkürlicher Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit bewahrt wird, die dem Friedensvertrag widersprechenden Ausweisungen zurückgezogen wer- den und die durch ihn und wiederholte Erklärungen der Saarregie- rung garantierten Recht« und Freiheiten unbedingt sichergestellt werden. Abg. Dr. Bell lZ.): Im Saargebiet wird rechts- und Vertrags- widrig verfahren. Das Beamtcnstatut hat den Beamten das Koa- litionsreckt genommen. Für den Belagerungszustand lag nicht die geringste Veranlassung vor, Alle diese Rcchtsbrüche sind nichts als brutale Frnnzösierungsbestrcbnngen. Unseren Ländsleuten im Saargebiet aber rufen wir zu: Eure Ge- sinnung ist unsere Gesinnung, Eure Leiden sind unsere Leiden, haltet aus in dem Bewußtsein, daß auch für Euch die Stunde der Erlösung kommt!. Abg. Reese(Soz.): Der Streik der Beamten und Arbeiter hat gezeigt, daß die Verhältnisse für die Deutschen dort unhaltbar'sind. Die Presse war darüber zu einem großen Teil ganz falsch informiert. Die Ursache des Srreiks war die Verteidigung der Rechte, die der„Frie- densvertrag" ausdrücklich zusichert. Es war bekannt, daß die Saarregierung ein neues Bcamtenrccht ausarbeiten wollte, was in der Beamtenschaft schwerste Beunruhigung hervorrief. Es war z. W. möglich, daß Beamte e nt l a ss e n ivurden auf bloße De- nuuziation hin. Auch das Koalitionsrecht der Beamten war be- engt und sollte noch sehr eingeschränkt werden. Den englischen und französischen- Gewerkschaften rufe ick zu, daß sie die geWerk- schaftlichcn Freiheiten der deutscken Angestellten und Arbeiter nie- mals anrühren lassen sollen. Die Elemente, die in allen Ländern auf eine Völkerverständigung Hinarbelten, müssen— das sage ich besonders unseren Freunden in den Entcnteländern — überall versuchen, auf ihre Regierungen im Sinne der Ge- rcchtigkcit und des Ausgleichs einzuwirken. Ministerpräsident Brau«: Die Bevölkerung des Saargebiets fühlt sich nicht mit Unrecht hart unterdrückt. Das Beamtenstatut entsprach nicht im geringsten den> feierlich gegebenen Zusagen, es nahm der Beamtenschaft das Vereins- und Koalitionsrecht, raubte ihr das geregelte Disziplinarverfahren und setzte sie der Willkür der Vorgesetzten aus. Ge- legentlich des Streiks ist mit den brutalsten Maßnahmen, ja sogar mit Ausweisungen vorgegangen worden. Leider ist der Regierung gegenwärtig eine �Einwirkung auf die Geschicke des Saarlandes zugunsten der deutschen Bevölkerung unmöglich. Wenn Beamte durch Maßnahmen der Franzosen Schaden' erleiden, wird die Re- gierung sich ihrer mis dem größten Entgegenkommen annehmen. (Beifall.) Die übrige Saarbevölkerung kann versichert sein, daß die Regierung bemüht sein wird, ihr nack Kräften in ihrer schweren Bedrängnis beizustehen. Das Saargcbiet war deutsch und wird allen Bedrängnissen der französischen Eroberer zum Trotz deutsch bleiben. Abg. Ommcrt(Dem.): Als Saarbrücker Bürger darf ich meine Freude über diese Rede ausdrücken. Das Saargebiet ist rein deutsch und Clemenceau hat seinerzeit gelogen, als er von einer französischen Bevölkerung sprach.'Die„Völkerbundrcgierung"� im Saargebiet ist in Wahrheit eine Militärdiktatur. Jeder noch so rückständige Kuli hätte es zurückgewiesen, wenn man ihm so ein Beamtenstatut zugemutet hätte. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Dienstag, 2 Uhr: Kleine Anfragen, 3. Lesung der Umlegungs- ordnung, des Kirchenaustrittsgesetzes, Ergänzungsetat. Sckluß: 7.20 Uhr. 8. Nachtrag zur Satzung der Allgem. Crtskrankenkaffe Niederbarnim in Berlin 3L Ottod» 15000 M. Im Absatz III(Satz O�imlsy'� beißen! Absatz II Satz 3 mutz heilen: «gr Milglied-r dcrstnigen Ersatzlasscn, für die eine Anordnung nach§ 518 Absatz 1 der R. P. O. getroffen war, haben die Arbrügcber ihren Deitragsteil unmittelbar an die Srsatzkassc abzuführen. � � Absatz I u. 2 werden gestrichen und an deren Stelle gesetzt: Die baren Leistungen der Äafft werden nach einem Grundlohn bemeffen. Als solcher gilt der nach der verschiedenen Lohnhöhe stufenweise festgesetzte durchschnittliche Tagesentgclt der«äffen- mUglttdorM«*).-� de« Grundlohne« werden die«affenmitglieder in eingeteilt: t In Eiufe I gehören die«assenmitglieder mit einem ufen 2,- M. tiigitchen Entgelt bi« oder«mein wöchenttichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen bis.............. oder einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen bis.............. oder einem monatlichen Entgelt bei 2o Arbeits- tagen bis.............. oder einem monatlichen Engelt bei 30 Arbeitstagen bis.............., «inschlietzllch der ohne Entgelt beschiisligten Lehrlinge. ?. In Stufe II gehören«affenmitglieder mit einem täglichen Entgelt von. über 2,— M. bi» «der einem wöchentlichen Entgelt bei 0 Arbeit»- tagen von...... über 12,— M. bis »der emem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeit,- tagen von...... über 14,— M. bt» oder einem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeits- tagen von...... über 50,— M. dis 100,— oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeits- tagen von...... über 60,— M. bis 120,— E. In Stufe III gehören«affenmitglieder mit einem täglichen Entgelt von über 4,— M. bis ober einem wöchentlichen Entgelt bei S Arbeits- tagen von...... über 24,— M. bt» oder etnem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von über 28,— M. bis oder einem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeits- tagen von...... über 100,— M. bis 150,— oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeits- tagen von...... über 120,— M. bis 180,— L In Stufe IV gehören«affenmitglieder mit einem täglichen Entgelt von. über 6,— M. bis oder emem wöchentlichen Entgelt bei 0 Arbeits- tagen von...... über 36,— M. bis oder einem wöchenttichen Entgeit bei 7 Arbeiis- tagen von...... über 42,— M. bis „der emem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeits- tagen von...... über 150,- M. bis 20,.- oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeits» tagen von...... über 130,- M. bis 240,- « gn stufe V gehören«affenmitglieder mit einem läglichen Entgelt von... über 8,— Aä bis 10.— oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen von...... Uder HS,- M. Pia 60,- 12,- 14,- 50,- 60,— 4,- M. 24,-. 28,-. 6,— 42,— 8,- 48,- 56,— oder einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von...... über 58,— M. bis 70,—„ oder einem monatlichen Entgeit bei 25 Arbeits- tagen von...... über 200,— M. bis 250,—, oder einem monatlichen Entgeit bei 30 Arbeits- tagen von...... über 240,- M. dis 300,—, 6. In Stufe VI gehören«affenmitglieder mit einem täglichen Entgelt von. über 10,— M. bis 12,—„ oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen von...... über 80,— M. bis 72,—„ oder einem wöchentlichen Entgelt be! 7 Arbeits- tagen von...... über 70,— M. bis 84,—, oder einem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeits- tagen von...... über 250,— M. bis 300,—„ oder emem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeitstagen von...... über 300,— 331. bis 360,—„ 7. In Stufe VII gehören«affenmitglieder mit einein täglichen Entgelt von. über 12,— M. bis 15,—„ oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen von...... über 72,— 231. bis»0,—, oder einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von...... über 84,— M. bis 106,—„ oder«inem monatlichen Entgelt bei 7 Arbeitstagen von...... über 300,— M bis 375,—„ oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeiis- tagen von...... über 380,— M. bis 450,—„ 8. In Stufe VIII gehören«affenmitglieder mit einem täglichen Entgeit von. über 15— 332. bis 18,—» oder einem wöchentlichen Entgeit bei 6 Arbeits- tage» von...... über 90,— 331. bis 108,—„ ober einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von über 105,— 332. bis 126,—« oder emem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeiis- tagen von...... über 375,— M. bis 450,—„ oder einem monatlichen Entgeit bei 3» Arbeits- tagen von...... über 450,— AI. bis 540,—„ 9. In Stufe IX gehören«affenmitglieder mit einem täglichen Entgelt von �. über 18,— 331. bis»21,—, oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen von...... über 108,— M. bis 128,—, oder einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von...... Uber 126,— 332. bis 147,—„ oder emem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeits- tagen von...... über 450,— 332. dis 525,—„ oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeits» tagen von...... Uber 540,—.332. bis 630,—„ 10. In Stufe X gehören Kassenmltglieder mit einem täglichen Entgelt von. über 21,— 332. bis 24,—, oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen von...... über 126,— 332. bis 144,—„ oder einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von...... Uber 147,— 332. bis 168,—, oder einem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeits- tagen von...... Uder 525,— 3)2. bis 600,—„ oder emem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeits- tagen von...... über 630,— 312. bis 720,—„ 11. In Stufe XI gehörM�Kaffenmitglieder mit einem täglichen Entgelt von. über St.— 332. bis 27,—„ oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeits- tagen von...... Uder 141,— 332. bis 162,—„ oder emem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeits- tagen von...... über 168,— 331. bis 189,—„ oder einem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeiis- tagen von...... über 600,— 331. bis 675,—„ oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeiis- tagen von...... über 720,— 3)2. bis 810,—„ 12. In Stufe XII gehören«affenmitglieder mit einem tägliche» Entgelt von über 27,— 3)2.... und mehr oder einem wöchentlichen Entgelt bei 6 Arbeitstagen von über 162,— 3)2....."....... und mehr oder einem wöchentlichen Entgelt bei 7 Arbeititagen von über ISS.- M.,.......... und mehr oder einem monatlichen Entgelt bei 25 Arbeitstagen von Uber 675,- 3)2......••••-)>"!> mehr oder einem monatlichen Entgelt bei 30 Arbeitstagen von über 810,— M............ und mehr Hiernach wird der Grundlohn bis auf weiteres festgesetzt: für die Stufe I aus II III IV V VI Vll Vlll IX X XI 2.— Mark 4.— 6.— 8— 10.- 12.— 15.- 18.- 21.— 24.— 27.— , XII... SOr-» t Im§19 Abs. 6 letzter Satz wird statt„10.— M." ,M>.— M." flefetzt.'§20 wird gestrichen und an dessen Stelle gesetzt: Als»rantenhilse wird gewährt: 1.«rantcnvlleae von Beginn der«rankheit an(vorbchaitlich der Ansgrüche nach§32 Bbs.l(letzter Satz. Z4u. 67 Ziffer 4); Aer'uiche� Behandlung und Versorgung mit Arznei sowie Brillen. Bruchbänder und anderen kleinen Hellmitteln«is zum Höchstbeirage uon 100— M. Die«äffe dar) auch größere Heilmillei dis zum Höchstbeirage von 100.— M. oder einen Zufchust bis zu dieser Höhe gewähren. Auch kann die«äffe Hilfsmittel gegen Berunstaliung und Berlrüvpelung, die nach beendigtem s,el!versal>ren nötig Und. um die Arbeitsfähigkeit des Kaffenmitgliedes her- zustellen oder zu erhalten, bis zur Höhe von 100 332. ge- 2 Krankengeld in Höhe des halben Grundlohnes für jeden Arbeitsiaa, wenn die Krankheit den Berstcherten arbeits- uniädia macht. Es wird(vorbehaltlich der Ansprüche nach §§ 27, 32 Abs. 1. letzter Satz, 34, 58-59 und 6. ckffer 4) vom 4. Krankheitstage. wenn aber die Arbettsunlahigkeit erst später eintritt, vom Tage ihres eintritt» ab gewahrt 32ach sechs monatlicher Wartezeit(§32 Abs.») wird vorbehaltlich der Ansprüche nach§§ 26, 32 Abs. 1, letzter Satz, 33, 67 Ziffer 3 und 4, Satz 1, 71 dieser Satzung und Kiffer VII der Satzung für die hausgewerbliche«ranken- Versicherung auch siir Sonn- und Feiertage Krankengeld B-t°Kr-nkheiten. die zum Tode führen, wird das«ranken- gelb vom erste»«rantheststage a'o gewahrt. Lehrlingen, die ohne Entgelt beschäftigt werden, wird Krankengeld nicht gewährt. Da» Krankengeld beträgt demnach für die Mitglieder der Stufe I II III IV V VI Vll VIII IX X XI XII 1,- 332. 2.— 4,- . 5,- . 6,- . 7,50 . 9.- . 10,50 . 12,- . 13,50 . 15,- Be! einer Krankheit, die Folge eines entschädigungspflichtigen Unfalls ist, wird für die Zeit, für welche Unfallrente ober Hettanstaltspflege gewährt wird. Krankengeld mir so weit ge» v'ä.hrt. als es den Betrag der Unlallrenre übersteigt. Dave! wird der Unterhalt in der Heiianstalt gleich der Bollrcnie ge- Die Krankenhilfe endet spätesten, mit Ablauf der sechsund- zwanzigsten Woche nach Beginn der Krankheit(sofern diese Zeitdauer nicht durch§§28 und S4 Ziffer 2 aus einen kürzeren Zeitraum beschränkt ist), wird jedoch Krankengeld erst von einem späteren Tage an bezogen, nach diesem. Fällt in den «rankengeldbeziig eine Zeit, in det mir«rankenpflege gewährt wird, so wird diese Zeit auf die Dauer des«rankengeidbe- zuges bis zu dreizehn Wochen nicht angerechnet. Ist Kranken- gelb über die sechsnndzwanzigste Woche nach Beginn der Krankheit hinaus zu zahlen, so endet mit seinem Bezüg auch der-Anspruch auf Krankeirpflege. § 22 wird gestrichen und an dessen Stelle gesetzt: Wird Krankenhauspflege einein Berstcherten gewährt, der bisher von seinem Arbeitsverdienst Angehörige ganz oder überwiegend unterhalte» hat, so wird— voröehaliiich der Ansprüche nach§§ 27, 58 vis 59 und 62 Abs. 3— daneben ein Hausgeld für die Angehörigen im Bettage des halben Krankengeldes gezahlt. Persicherten, für die kein Hausgeld zu zahlen ist, wird bei Anspruch ans Mehrleistungen(§ 32 Abs. 2 bis 4) neben der Krankenhauspflege ein Krankengeld in Höhe von einem Zehntel des Kraniengeldes gewährt. §31. Im§ 31 Abf. 1 mutz es heißen: Statt„32ach einmonatiger Wartezeit"„»ach sechsmonatiger Wartezeit". Das Sterbegeld btttägt demnach für Mitglieder Äffach 40fach der Stufe I.. 40.— 332. bez... 80,— 3)2. II.. 80,-„„.. 160,—„ Z„ III., 120,-„„.. 240.—' „„ IV.. 1GU,-„.. 320,-„ „„ V.. 200,-„„.. 400.-„ ,„ VI.. 240,-„„.. 480,-„ „„ VII..»0.-„„..«00,-„ „„ Vlll.. 360,-„„.. 720,-„ „„ IX.. 420.-„„.. 840.-„ „„ X.. 480.„„.. 960,-„ l„ XI.. 540.—„... 1080,-„ ,„ XII.. 600,-„„.. 1200,-„ § 32. In Abs. 2 wird statt einer Wartezeit von„einem Monat" „sechs Monate" gesetzt. § 4o. Abs. 1 mutz lauten:.,,,. Die Kaffenbeiträge werden ans sieben vom vundert des im§ 19 festgesetzten Grundlohnes bemessen. Sie be> tragen für den Arbeitstag in Stufe i..... 14 Pfg. „„ II..... 28„ „„ III..... 42„ l Z IV..... 56„ '„ V..... 70„ "„ VI..... 84„ „VII..... 105„ '„ VIII..... 126, Z„IX..... 147. ". X..... 168„ „XI..... 189„ „„XII..... 210„ Im Absatz 2 mutz es heißen: „jiatt 5,25 Pfg. 10,5 Pfg. Berlin, den 19. Mai 1920. St 1512/2559 L. S. Neubecker, Borsitzender. Genehmigt mit Ausnahme des§ 2o Ziffer 1, Abs. 1. 1. Charlottendurg, den 13. August 1920 Oberversicherungsamt Grotz-Berlin. L. S. Echwartz. Nr. II. B. K. 454/20. § 20 Ziffer 1, Abs. 1 genehmigt:„an« Chailottenburg, den 3t. August 1920. Oberversicherungsamt Sroß-Berttn. L. S. Menzel. II. B. K. 688)20. 418.20 welche die ärztlich empf. radioaktiven Neu-Ragoczy-Heil- quellen-Hauskur erzielen hervor- ragende Heilerfolge. Verlangen Sie Prospekte von den durch das Propaganda- Bureau der Bad??eU-RagocZY-AktieN-Gesellschaft Ul Halle a. Barfüßerstrahe 7(Telephon 4667) oder von Gerhard H. O. Iwan, Berlin- Karlshorst, Prinz-Heinrich-Straße 11.(Telephon Oberschöneweide 3201.) Ueberall erhältlich zum Preise von M. 2.00 pro Liter-Flasche frei Haus. «1/20- «»»»1 NN n»r,--n'77i»?winrnnnni INN""*■tjaaci riheater.iichtspiele etc. 1 ��■.■■ir»«rww.nrr«-«ynfVTnnr�ranrvw>fify>t/i Uhr und Sonntag nachm. 3 U.: Ellte-Sänget BUtthgen-Konzert Beginn 7 Uhr. Vorv.U-IVfci-ßUhr Käthe Blank Hans Bruckner Elena Scholz Walter Pintus Emmi Dlrsihs Hans Mathes Hella Bella Adolf Lleban |\di Liebans.Meislerquart,] Erstkl. Küche, ff. Weine Mocca, Tee, Schokolade Beginn 7 Uhr. | Eintritt frei. Winter- Gatten Täglich?.>! Uhr: Variete-Spielplan Rauchen gestattet! Fatzentiofer- Brauerei- Aktien. Nachdem die Verschmelzung der Patzenhofer- Brauerei> Aktlcngeseltschatt mit der Schultheiß� Brauerei-Aktiengesellschaft vollzogen ist, unter Abänderung des Namens der letzteren Gesellschaft in SchuUheiß-?atzenhofer Srauerei- Aktiengesellschaft fordern wir hiermit die Aktionäre der vormaligen Patzen- hofer-Brauerel auf, ihre Aktien— unter Beifügung eiiTfcs Nummernverzeichnisses, wofür Formulare bei den nachstehenden Stellen erhältlich sind— zum Zwecke des Umtausches in Aktien unserer Oesellschaft von heute ab bis zum 22, Dezember 1920 in Berlin bei der Deutschen Bank. „„, Commerz- und Privat. Bank Aktien* gesellschaft, „,„„ Nationalbank für Deutschland, „„, den Herren Jacquler& Securius, C 2, An der Stechbahn 3/4, „ Herrn E. J. Meyer, W 9, Voßstr. 16, während der üblichen Geschältsstunden einzureichen. Der Umtausch erfolgt in der Weise, daß im Tausch gegen je nom. M. 6000— Aktien der Patzenhofer-Braucrel mit Qewinnamcilscheinen für 1919/20 u. ff. je nom. M. 5000.— Aktien unserer Gesellschaft mit Gewinnanteilscheinen für die Zeit vom 1. September 1919 ab gewährt werden. Außerdem erhalten die Einreicher für jede zum Umtausch eingereichte Aktie der Patzcnhofer-Brauerei eine Barvergütung von 20 Proz. des Nennwertes.» Aktien, welche innerhalb der Zeit bis zum 22. Dezember 1920 nicht zum Zwecke des Umtausches eingereicht sind bezw. eingereichte Aktien, welche die zum Ersatz durch Schultheiß-Palzenhofer-Brauerei• Aktiengesellschaft- Aktien erforderliche durch M.6000.— teilbare Zahl nicht erreichen, und nicht zur Verwertung für Rechnung der Beteiligten zur Verfügung gestellt sind, werden für kraftlos erklärt werden. Die Aktien unserer Gesellschaft, die an Stelle der für kraftlos erklärten Aktien der Patzenhofer- Brauerei zur Ausgabe gelangen, werden für Rechnung der Beteiligten in GemäBiieit der§§ 305, Abs. 3 und 290 H.-G.-B. verwendet werden, Um den Besitzern von Aktien der Patzcnhofer-Brauerei unter nom. 6000.— bezw. von nicht durch M. 6000.— teilbaren Nennbeträgen den Umtausch zu ermöglichen, sind die Umtauschstellen bereit, den Zukauf oder Verkauf von Spitzenbeträgen von Aktien der Patzenhofer-Brauerel zu vermitteln zwecks Erreichung eines durch M.1000 teilbaren Nennwertes von Schulthelß-Patzenhofer-Brauerei-Aktien. Die Aushändigung der neuen Schultheiß- Patzcnhofer- Brauerei- Aktien nebst Gewinnanteilscheinbogen erfolgt nach deren Fertigstellung; der Termin der Ausreichung wird noch bekenntgegeben werden. Berlin, im September 1920. Schultheiß«Patzenhofer> Brauerei>Aktiengesellschaft. Dr. W. Sobernheim. Achtung! WWllMllM Achtung Tttontng, den 20. Sept. er., nachm. S Ahe, in(Broumanns Jeflfülen, Jtaunqnflc. 27: Betriebsräteversammlung. T ag esordnung: 1. Wahl de» Delegierten zum Betriebsrätefongreß 2. Stellung» nähme zur Arbeiierordnung. 3. Berschiedenes. Eintritt haben alle mit Ausweis oorsehenen oebenfllchen Betriebsralsmitgiieder, welche im Beiband der Buchbinder und Papierverarbeiter organisiert sind. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Vollzähligen Besuch erwartet Die Ortsnermalkung. Otlltmoch, d. 22. Sept. er, nachm. S Ahr, Im gr.Saal b.Gemertschastshanses. Engelnfer 15: Vierteljahrs generalversammluug« Tagesordnung: 1. Ouartalsbericht. 2. Bericht über die Angestelltenwahlen. 3. Bericht der Anstellungsprüjungslommission über Neuwahlen. 4. Berschiedenes. Zu dieser Versammlung haben nur lsie gewählten Dele- gierten Zutritt. Diese werden gebeien. vollzählig zu erscheinen. Die Ortsverrnaltung. Mbel Bar oder Kredit mit kleinster An- und Abzahlung siefert au jedermann, auch auswärts Möbel-Grotz Graste Zrnnksnrter Strnste 141 Znnalidenstraste 5. Eingang Aikerstrah« Bekanntmachung. 1. Es entfallen auf den Abschnitt 39 der allgemeinen Ledensmlttelknrke der Sind« Berlin 125 Gramm Nährmittel nach Maßgabe der vorhandenen Bestände an: Safergrsiße zum Preise von 0,87 M. das Pfund, Eago„„„ 1,60„„ Teigwaren„„„ 2,—„„ 2. Unter Ausschluß nachträglicher Annahme sind die An» meldeabschnitte vom Sonntag, IS., bis Mittwoch, 22. September 1920, bei den Kieinhändiern abzugeben. 3. Die Kleinhändler haben die Anmeideabschnitte zu der oben aufgerusenen Nummer bei den Großhändlern am Donnerstag, 23. September, abzuliefern. 4. Nicht abgeholte Bare verfällt mit dem 23. Ottober 1920. Berlin, 16. September 1920. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. Tgb.-Nr. 7483 Nä.___ auch zerbrochene, Stiftzahn 13,10-350, doch nicht unter 13,10, Knopfzahn 6,75, tauft von 10—6 Uhr lleban. Brihee Ste. 20. Hof links(flollbusec Brücke). Alte Gebisse Phorosan- Heilinstitut für Haut-, Geschlechtskranke u. Frauenleiden GroBbeereostr. 6T.• GoaorrhSe-Behandlung nach dem neuen schmerzlosen Phorosan-V erfahren. Syphiliskur. Streng wissenschaftlich. Spez.-äntl. Leitung. Separate Zimmer."Sprechstunden II— 5 außer Dienstag.— Kurdaaer siehe Broschüre:„Die Gonorrhöe und Ihre ZwöUtngekur" M. 3,—. Prospekt„V" gegen Porto. sucht Mitglieder mit 5—10 000 Kap. Steolergruppe Auskunft, Pläne!°f:-nio,. Dr. IVInzer, Waidmannslust, Kurbausstr. 5. wichtig fflt Bestestnng der Herbstpflanznng I Sgllller-llllgebot! 0»men8tiekel Ikg- cbeereau Hochscbatt R W« o«. Herrenstiefel]9g- moderne Form*wl#d m. Schaal, Schlafzimmer ERnimman Eiche, bestehend aus BQifett, Anrichte, CUZlfflUlcr Tisch, 6 Stühlen von 3500,- Mk. an. Eiche, kompl. mit Böden und Auflagen von 4000,— Mk. an. Herrenzimmer. Eiche, 2 m breit, mit Schreibsessel, rund. 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War es also schon aus den in der Sache selbst lie- gen den Gründen unzweckmäßig, den Vortrag zu verhindern, so müssen wir diese Rowdypolitik grundsätzlich aufs schärfste vcrur- teilen. Tie verrät kein großes Zutrauen in die übcrzeu- gende Kraft der eigenen Sache und würde, wenn in der Großstadt allgemein eingeführt, die Abhaltung nationaler Versammlungen zum mindesten nicht erleichtern. Auch ist cS falsch, die politische Energie auf Irrwege abzulenken. Manche Leute mögen sich ja wunder wie groß vorkommen, wenn sie mit HauS- schlüsseln und anderen L ä rin i n st r u m c n t e n wirksam gegen unliebsame Redner operiert haben. In Wahrheit ist die politische Leistung, die sie damit vollbracht haben, herzlich g e.» ring, und die nationale Bewegung tut gut. sich solche Rowdhpoli- tiker mit aller Entschiedenheit vom Leibe zu halten. Die Worte der„KreuzzeUnng" verdienen ernsthafte Beachtung. Leider muß aber festgestellt werden, daß die Deutsch- natwnalc Volkspartci ibre Anhänger bisher gerade im g c- genteiligen Sinne zu jenem politischen Rowdytum erzogen hat, das die.Kreuzzeitung" sich und ihrer Parte: nom Leibe halten möchte. Wir erinnern nur daran, wie die Deutschnationalen die grün st e und u n r c if st e S ch u l j u g e n d bei jedem Anlaß in d-en Vor- dergrund rücken, wie jede Unbesonnenheit und Eselei der von ihnen ausgestacheltcn jugendlichen Elemente dann in der deutschnationalen Presse als nationale Großtat gefeiert wird, selbst wenn es sich um keineswegs mehr harmlos zü neh- nvende Tinge handelt, wie Revolverattentate oder Beschimp- fung fremder Hoheitszeichen. Auch jetzt möge die„Kreuz- zeitung" einmal Betrachtungen darüber anstellen, mit welch grinsendem Behagen der weitaus größte Teil der d e u t s ch n a t i o n a l e n Presse die Flegeleien und Rü- vrleien in der Löwenstein-Dersammliing notiert, wie lie schmutzige Schadenfreude darüber, daß Löwenstein nicht hat reden können, jedes Gefühl von politischem Anstand und selbst jeden-sinn für politische K l u g lw i t im Keime er- stickt. Denn in ihrer ZirkuS-Busch-Dersammlung am Sonntag möchten die Teutschnationalen doch u n g e st ö r t sein? Stosttrupp mit Trillerpfeifen. Da'„Hamburger Echo" veröffentlicht folgende Einladung, die ihm zugeflogen ist: Hamburg, den 12. Scheiding(auf Deutsch: September! Red. d.„V.") 1920. Euer Hochwohlgeboren! Am 16. Scheiding will der Jude Dr. Magnus Hirsch- ield im Konventgartcn einen Vortrag halten. Sic werden höflichst ersucht, sich mit einer Trillerpfeife und son° st igen brauchboren Utensilien dortselbst pünktlich einzufinden. Bitte Galerie oder rechte Saalseitc! Stoßtrupp der Dcutscbvölkischcn Bünde. Inzwischen ist der 16.„Scheiding" vorüber und wir wissen nicht, ob«S dem tapferen Stoßtrupp gelungen ist, Herrn Dr. Hirsch' seid nicderzutrillern. Die Hamburger Hakenireuzler zeigen ihr tiefes Verständnis für alle Gebiete der Kultur), erst wurde Moifsi bei einem künstlerischen Portrag nicdergcbrüllt und nun kommt die Wissenschaft an die Reite. Deutsche Kultur im 20. Jahrhundert! Zeftgenagelter verleumüer. Teutschnationale schlügen vor Gericht. Bochum, 17. September.(Eigener Trahtbericht des„Vor- chirtS".) Vor der Bochumec Straftammer stand heute als Angc- klagt« der Konditor MennekeS aus Bottrop. Ter Anklage lag die Behauptung des Angeklagten zugrunde: Minister Sevcring habe für die Freigabe eines Waggon? Schokolade 32 000 Mark Schmiergelder erhalten. Vor Eintritt in die Hauptverhand- lang erklärte der Verle'digcr des Angeklagten, daß der Angeklagte sich von der Unwahrheit feiner Behauptung überzeugt habe, undj schlug dem als Nebenkläger erschienenen Minister Sevcring folgende . Erklärung des Angeklagten vor: Ich habe mich überzeugt, daß die Behauptung, Ministe'- Zevering habe für die Freigabe eines Waggons GenußmitiM 32 900 Mark Schmiergelder erhalten, vollständig unftalt- bvx ist, und zablr an die Armenkasse der Stadt Bochum 130' Mark a l s Buße, übernehme alle au» dem Prozeß entstände- neu Kosten, außerdem die BrrLffentlichung dieser Erklärung in, „Berliner Tageblatt", in der„Rheinifch-Westfälis>hen Zeitung" und im„Dortmunder Generalanzeiger". Minister Sevcring zog daraufhin als Nebenkläger den Straf- antrag zurück, da er kein Interesse au der Bestrafung der kleinen Schacher habe und die Hauptschuldigen in der R e d a k- tion de»„Freien Wort" und der„Freien Meinung' sitzen, die in den nächsten Wochen vor der Strafkammer in Essen bzw. Düsseldorf und Bochum als Gast erscheinen werden. Ausschlaggebend für die Zurücknahme deS Strafantrags gegen MennekeS war noch der Umstand, daß wegen eventueller Un- zusiandigkeftSerklärung der Bochumer Sirafkammrr die Stiche nur verschleppt'worden wäre. llanörat und Kommunist. Unter der Ueberschrift„Ter Landrat als kommunistischer Siimmzettelverteiler" bringt die„Deutsche Tageszeitung" am Frei- tag morgen einen Artikel, der den reaktionären Parteien für die am kommenden Sonntag stattfindenden KreiStagswahlcn Dienste leisten soll. In diesem Artikel bemüht sich der mit der Vcr- waltungSgesetzbarkeit offenbar sehr vertraute Redakteur d«S Jun- kerblatteS, den Nachweis zu führen, daß der„LandratSgenosse Schlemmingcr" überhaupt kaum deutsch zu verstehen scheine. Wei- ter wird darauf hingewiesen, daß der Landrat zu der von ihm be- liebten Auslegung der Bestimmungen der RcichSwahlord- n u n g nur kommen konnte, wenn er die dienstlichen Auf- gaben seiner Stellung mit denen eines Parteimannes völlig identifizierte. So gänzlich als Parteifunktionär fühle sich ein von der jetzigen Regierung bestellter Landrat, daß er auch die klarsten und kürzest gefaßten Rechtsbestimmungen nur durch die Parteibrille lesen könne, Bestimmungen, die kein Kind miß- z überstehen vermöge. Und nun die Ursache dieser Aufregung? Nach§ 81 der Reichs- Wahlordnung können die Landesregierungen nach Beneh- mea llvt de» Karteien bejtunmen, daß bis Stimmzettel emU /in öie öeutsihe /irbeitersthast! Der Krieg Polens gegen Rußland geht weiter. Also ist es auch weiter Eure Aufgabe, jeden neutralitäts- widrigen Transport von Waffen und Munition, der Deutschland passiert, anzuhalten. Die Neutralität Deutschlands muß strengstens gewahrt bleiben, auch Transporte für die heim- lichen Organisationen der Reaktion(Orgcsch, Ein- wohnerwehr usw.) sind festzustellen, mag es sich um große Scn- düngen oder um kleinere Waffen- nnd Munitiousmengcn handeln. Die Transportkontrolle wird auf der Eisenbahn durch die Eisenbahner, in den.Häsen durch die Transport- a r b e i t e r ausgeübt, überall im Einvernehme» mit den von den gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Ar- beitcr eingesetzten Kommissionen, die hinter den Eisen- bohnern und Transportarbeitern stehen. Diese haben jeden neutralitäts- und gesetzwidrigen TranS- Port festzustellen, die geeinte übriges rbcitcrschaft hat dafür zu sorgen, daß zu beanstandende Transporte gar nicht erst d c n E i s e u b a h n e r n ü b c r g c b e n werden. Arbeiter! Laßt Euch durch nichts irre nuulfcn! Schützt weiter nnd noch schärfer wie bisher die Neutralität Deutsch- laudS. Bekämpft weiter und noch energischer wie bisher die Bewaffnung der Reaktion. Sticht auf die Re- aierung, nur auf Euch selbst verlaßt Euch. Haltet überall die Augen offen. Allg. Deutscher Gewcrkschaftöbnnd. Graßmann. Sozialdemokratische Partei. Wels. ttnebhängige Sozialdemokratische Partei. Dr. C. Rosenfeld. Deutscher TranSportarbciter-Berbaud. Bender. Deutscher Eiseubahner-Verband. B r u n n e r. Bezirks-BetriebS-Rat. M i e tz. l i ch verteilt werden. Der Kreiswahlleiter des Wahlkreises 4. Herr Rcgicrungsrat Kreisch mar von der Regierung P o t s- dam, hat nun unter dem 31. lviai dS. IS. dem Landrat'den Auf- trag erteilt, Stimmzettel der Kommunistischen Partei(die er— Kvetschmar— außerdem.selbst dienstlich übersandle) an die W a h l v o r st c h e r zur Auflegung gemäß§ 48, Absatz 2 zu verteilen. Diese Aufforderung ist ausgeführt worden. Hierdurch erledigt sich jede? weitere Eingehen auf die Sache von selbst. Ter Zweck der ganzen Aktion ist allzu durchsichtig. Man wollte schnell noch vor den K r e i? t a g s w a h l e n den fruchtlosen Versuch machen, Verwirrung in die Kreise der Parteigenossen zu tragen. Ausgabe dieser wird es sein, bei den Wahlen auf diese Machenschaften die richtige Antwort zu erteilen._ Trübe Ernteaussichten. Der Unterausschuß des RcichSwirtschastSratcs für Landwirtschaft und Ernährung beschäftigte sich mit der Getreidewirtschaft. Der Präsident der ReichSgetreidestcllc, Geheim rat Kleiner, be- zeichnete das Bild, das nach den bisherigen Feststellungen von der neuen Ernte zu erwarten sei, als trüb«. Die Roggenarnte habe fast überall im Reiche stark enttäuscht. Die Reichs- getreidestelle schätze vorläufig die neue Ernte an Brotgetreide nur auf etwa 7 Millionen Tonnen. Im ganzen bleibe das Ernte- ergebniS hint« dem Bedarf wesentlich zurück. Deshalb fei die RcichSgctreidestelle gegen eine Erhöhung der Brotration, wolle aber eine Herabsetzung der Ausmahlung von 90 Proz. auf 85 Proz. zugestehen, jedoch nur bei gleichzeitiger B r o t st r« ck u n g um 10 Proz. Wir müßten im übrigen bis 2 Millionen Tonnen Brot- gctrridc importieren, hauptsächlich aus Amerika. Bei einem Durch- schnittSprelS von 5000 M. für die Tonne würde diese Einfuhr aller- dings 10 Milliarde» Mark erfordern. Eine Ucbernahme dieser Kosten auf den Brotpreis würde unsozial sein, nach Ansicht der Rcichsgetreidestelle müßten sie aus die Reichskass« übernoiirmen und durch allgemeine Steuern aufgebracht werden. „Deutsche Tageszeitung" gegen„Deutsche Tageszeitung". Freffende und nicht fressende Kühe. Die„Deutsche Tageszeitung" jammert über„neue-Vieh- «Pressungen", welch« die Entente auf Grund de» FriedenSver- träges von un? verlangt, namentlich handelt c§ sich dabei um M i l ch k ü h e. Da? Agrarierblatt bcbauptet dabei, daß die Sozial- demokrarie absichtlich die Härte des Friedensvertrages dem Volke verschleiere. Wir kennen nur ein Organ, daß die grausame Härte der Milchkuh-Ablicscrung dem Volke verschleiert, das ist die„Deut- sche Tageszeitung". Denn als wir vor kurzem Gelegen- heit hatten, durch das hochberzige amerikanische Geschenk Ersatz wenigstens für eine» Teil der abzuliefernden Milchkühe zu erlangen, da wies die„Deutsche Tageszeitung" haarklein nach, daß die Milchkühe Amerikas für unS keine» R»tzen hätten, den» Kühe hätten wir genug, nur an Futter fehlte eS. Tie amerika- Nischen Milchkühe würden daher nur den deutschen Kühe» daS Futter fortfressen. Da ja nun die an die Entente abzuliefernden Kühe wohl auch Futter fressen und nicht von Luft leben, so mußte gerade die„Deutsche Tageszeitung" bei der Entente den Eindruck erwecken, als ob sie mit dem Verlangen der Milchkuhablieferung der deutsche» Landwirtschaft nur«inen Gefallen erweis«, ebenso mußte im Volke der Glaube entstehen, daß die Ablieferung der Milchkühe gar nichts auf sich habe, da wir ja nicht einmal für geschenkte amerikanische Kühe Platz und Futter bei uns hätten. Wer hat also verschleiert?'_ Arbeitgeber Stresemann. Bewertung geistiger Arbeit., Folgendes Inserat findet sich in Nr. 437 der„Vossischen Zei- tung" 2. Beilage Seuc 4; Lehrerin (Studentin), zum Unterricht 2 Mädchen(7, 13 I.), sofort für 5 Wochen geg. fr. Station, evtl. Taschengeld, aus Laridgut ges. Stresemann, Tauentzienstraße 12a. 10— 11, 4— 5. Der Urheber dieses fürstlichen Angebots ist kein anderer als der Führer der Deutschen Volksvartei. Für freie Station und ein„eventuelles" Taschengeld würde Herr Stresemann nicht mal ein Dienstmädchen erhalten. Aber er, der dank seiner uneigennützigen Tätigkeil fürs öffentliche Wohl eine Wohnung in der Tauentzienstraße und ein Landgut sein eigen nennt, bietet so etwas einer Lehrerin mit akademischer Bildung an. Dafür ist die Deutsche Volkspartei auch die„Partei der G e b i l- deten"! Herr Stresemann aber wird weiter mit Emphase ver- künden, daß die Sozialdemokratie kein Verständnis für den Wert geistiger Arbeit habe und nur die Revolution schuld daran seit daß eK im Geijtedarbewwn, zo schlecht gelje*»� „Deutschwnös Zukunft." Gestern abend veranstaltete die Jungsoziali st ische Ver« c i n i g u n g S. P. D. Groß-Berlin im Lehrervereinshause eins starkbcsuchie Kundgebung mit dem Thema„D e u l s ch l a n d» Zu« k u n f t", die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben der Jugend. Als erster Redner führte Hermann Müller über die politischen Ausgaben der Jugend u. a. aus: Die Jugend von heute hat für die sozialistische Bewegung eine ganz be- sondere Bedeutung, weil sie schon mit 20 Jahren das Wahlrecht auS« üben darf. Deshalb ist mehr als sonst Schulung nötig, denn die Jugend neige stets dem Radikalismus, rechts wie links, zu. Für den Parteitag ivird diese Frage eine wichtige Aufgabe bilden, Nur mit Hilfe der Jugend ist der Wiederaufbau Europas möglich. Weun jemals wieder die deutsche Jugend iu einen Krieg gehetzt werden soll, so soll hier festgestellt werde», daß die Jugend imstande sein wird, diesen Krieg unter alle» Umstanden zu v e r« hint» er Ii. Der alte Militärstaat gehört der Vergangenheit an. Wir müssen jetzt uns Führer heranziehe», die erstens wissen, was sie wollen, und die zweitens auch Verantwortungsgefühl haben. Nur so kann die Jugend ihre Aufgaben vollbringen. Als nächster Redner sprach Rudolf Wisseil über die wirtschaftlichen Aufzabcn der Jugend. Klare Erkenntnis der Lage, wie sie sich aus dem verlorenen Krieg in ihrer ganzen Furchtbarkeit ergibt, tut not. Unsere Bevölkerung»- dichte ist verhältnismäßig größer geworden, der Bodenertrag wegen der verlorenen kleberschußgebicte geringer: dazu die neuen un. erhörten Lasten dem Auslande gegenüber. Jeder Wirtschafter denkt dabei heut nur an sich. Milliarden deutschen Geldes gehen noch immer ftiS Ausland für nicht lebeiisnotwendige Ware». Das allge« meine Interesse wird unberücksichtigt gelassen. Ungeheuer wird daher daS Drängen nach neuen Formen der Wirlschast. Tie Iu» gend soll dieses Neue vollenden und fortsetzen. Als dritte Redncrin sprach Frau Bohm-Schuch. Um dis Ziele, die die Vorredner gesteckt haben, zu erreichen, ist Erziehung der Jugend nötig, die durch die öffentliche Gesetzgebung zu erreichen ist. Vor allem aber ist Selbsterziehung notwendig. Man muß auch eine andere Meinung als die eigene vertragen können; man muß die Achtung vor dem Leben des anderen in �sich verankern. d. h. die unbediiigkc Ablehnung eines jeden Krieges. Selbsterziehung führt zur Kameradschaft, die besonders noch der weiblichen Jugend mangelt, sie führt zur Kameradschaft beider Geschlechter, aus der eine neue Menschheit erwachsen ivird. Nicht unter ordne» soll sich die Jugend, sondern e i n ordnen in den Gang der Dinge. Das Ber»ntwortlichkeitsgesühl gegen die Allgemeinheit mutz in der Jugend großgezogen werden; besonders aber auch in den Lehrern, die ein solches zum großen Teil heute noch nicht be« sitzen. Nur durch aktive. Mitarbeit am politischen Leben ist es mög« lich, eine neue Kultur zu schaffen, aber„der sittliche Wille gestaltet das Leben; aus euern Schustern traget ihr die Welt, ihr seid die Kraft". Die Aussührungeu der drei Redner wurden mit reichem Bei. fall gelohnt. Nach ruhig verlaufener Diskussion wurde die Ver-s sammlung geschlossen. Es geht auch so! Breslau, 17. September.(WTB> Das französisch» Konsulat wird in den nächsten Tagen seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Der vereinbarte militärische Akt bor dem Konsulat ist heute ohne Störung bei ausgezeichneter Haltung der Truppe vor sich gegangen. Gberschlesier auf öie Wartburg! Eiscnach, 17. September.(WTB.j Die Bereinigten Verbände heimatlrener Oberschlesier von Groß-Thüringcn haben augesicbtS der Vergewaltigung OberschlesieuS und mit Rücksicht auf da» Be« streben der Polen, die im Reiche wohnenden gebürligen Ober« ichlesier von der Abstimmung fernzuhalten, be- schloffen, alle gebürtigen Oberschlesier und alle mitfühlenden Kreise zu einer Kundgebung auf dem historischen Boden der Wart« bürg aufzurufen. Die Veranstaltungen beginnen am Sonnabend, den 25. September, abends 8 Uhr, der Festakt auf der Wartburg findet am Sonntag, den 26. September. 3 Uhr nachmittags, im Sängersaale statt. Hohe künstlerische Darbietungen. Führungen usw. sind vorgesehen. Aus die Beieiliguug weiter Kreise wird gerechnet. Anmeldungen zur Teilnahme nimmt Herr Clemens, Eisenaw, Kapellen. straße 18, bis zum 20. September entgegen. Gegen Korfanty. Ter Bund der Angestellten des polnischen AbstimmungS» kommissariats erhebt in einem öffentlichen Aufruf, den man zuerst zu unterdrücken versucht hatte, die denkbar schwerste» Vorwürfe gegen dir ganze Korsanth-Elique, die die Oberschlesier in blutige» slufstand gestürzt und sie dauernd verknechten wolle. Der Ausruf fordert, das, nur Oberschlesier das Land verwalten und die Ab- stimmilng leiten solle». Er wünscht paritätische Prüfung der Berhältnisse— ganz wie wir— und betont das gute Polcntum der Unterzeichner. Tschechoslowakische Parteikrise. Nach einer Drahtmclduug hat die ReichSkonfercnz der Tschechi» sehe» Sozinloemokratie das Ausscheiden der Kommu» n i st e n aus d« Partei gefordert. Eine Reich e nberger Kreiskonferenz gestaltete sich zu einem Vor pari ei tag der Linken i» der Deutschen Sozial- demokratie; auch die tschechische Linke war vertreten. Genosse; C e r m a k- Teplitz vom Parteivorstand beklagie vergebens die schon sehr weit getriebene Entfremdung innerhalb der Partei. eS gab Redner, die geradezu die Svaltung forderten. Schließlich wurde folgende Pression auf'dem Karlsbader Parteitag beschlossen: Nach den beiden Parteitagen der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie in der tschccho-slowakischen Republik werden die linksstehenden Abgeordneten beider Nationen zusammen- kommen und diesbezügliche Entschlüsse fassen. Die Kreisleitung Reicheuberg wird beauftragt, für den Fall der Ableh- n u n g des Aktionsprogramms nach den beiden Partei* tagen in Verbindung mit den Abgeordneten der tschechischen Linken eine Delegation nach Rußland zu entsenden. um dem Bureau der Dritten Internationale das Resultat des Parteitages mitzuteilen und im Einvernehmen mit dem Bureau der Dritten Internationale die notwendige» Beschlüsse über die weitere Taktik zu fassen. ES wird sich zeigen, ob die Gegner des bolschewistischen Köh-> lerglaubenS, der die gewaltsame Reaktion unweigerlich heraup« beschwört, sich durch diese Spaltungsdrohung zwingen lasse» werden._ MandatSniederlegung Hoffmann?(KaiserKlautern). Den sozialdemokratische Abgeordnete Hofsmann(Pfalz), der früh«« bayerische Ministerpräsident, legte sein Landtagsmandat nieder. Der Orgesch-Schnorrer. Vorn herausgeschmissen, kommt er hinten rein Als„Einwohnerwehr" aufgelöst, organisiert sich Orgesch unter dem Namen„S e I b st s ck u tz". So berichtet das Orgesch-Organ, die„T. U." freudestrahlend aus Braun- schweig. Wie lauge will man sich diesen Unfug nun eigentlich »och üKic&sa �... iu. GewerMastsbewegung vas bolschewistische Ideal. Di« Berliner Gewerkschaftskommission und die Räiezentrale in der Miinzstrage hatten zu gestern abend nach der„Neuen Welt" eine öffentliche Versammlung einberufen, in der einige der in Berlin weilenden Mitglieder der russischen Gewerksckaftsdelegation einen Ueöerblick über die Tättgkett der russischen Gewerkschaften geben sollten. Tie stark besuchte Versammlung hatte ein vor- wiegend kommunistisches Gepräge. Für die Stimmung in den Kreisen der„radikalen" Berliner Arbeiter war es charaktcristifch, daß die Verkäufer der kommunisttschen Literatur aller Schattierungen vor Eröffnung der Versammlung das Feld beherrschten. Einer von ihnen pries sein Papier mit Stenorstimms an:„Tie bolschewistische Weltrevolution. Wilhelm Dittmann als Schweine» .treib er Galifet s." Ilnd das ließen sich die Anwesenden etwa eine halbe Stunde lang bieten, ohne daß ein Unabhängiger den Mut gehabt hätte, gegen solche Schmähungen seiner Partei ein Wort zu sagen. Von der russischen Delegation sprach zunächst in russischer Sprache der Vertreter des Metallarbeiterverbaudes A n t o l o- witsch, der die Grütze der russischen Gewerkschaften übermittelte. Das eigentliche Thema des Abends behandelte das Mitglied des Präsidiums der russischen Gewerkschaftsräte L o s o w s k y. Auch er war der deutschen Sprache so wenig mächtig, daß er seine Rede, die einen Ausguß der bereits bekannten Richtlinien der Tritten Internationale über die Ausgaben der Gewerkschaftsbewegung dar- stellte, in mangelhaftem Deutsch ablas. Ganz im Sinne der Richt- linien wandte er sich scharf gegen die vermeintliche gelbe Gewerk- schaftsinternatt'onale m Amsterdam, wie überhaupt gegen die Tätig- Zeit der nichtrussischen Gewerkschaften und ihrer Führer. Ein Ge- ständnis verdient festgehalten zu werden, indem er sagte:„Wir verstehen, daß unsere Arbeit für Deutschland nicht als Vorbild angesehen werden kann." Da? werden die deutschen Arbetter um so lieber glauben, als er am Schlüsse seiner Ausführungen angesichts der Dittmannschen An- klagen nicht umhin konnte, mich über die Lage der russischen Ar- beiterschaft unter der glorreichen Sowjetrogierung emüge kurze -Sätze zu sagen. Auch er mußte zugeben, daß die Lage der Arbeiter sehr schlecht ist, betonte aber, daß der Glaube an den Sieg des Kommunismus die Arbeitevschaft aufrechterhalte. Ein Bild davon, wie trostlos die Verhältnisse in der russischen �Industrie sein müssen, geht aus einer Zahl hervor, die der Redner über die Bevölkerung Petersburgs gab. Diese Stadt, einige der wenigen Industriezentren des europäischen Rußlands, hatte früher eine Bevölkerung von etwa 2H Millionen Einwohner. H/e u te werden in Petersburg l000 Einwohner gezählt. Dank der„trefflichen" Leitung des Vertreters der Räte- zentrale N e u m a n n wurde die Versammlung, die dem russischen Redner lebhaften Beifall zollte, sehr bald recht stürmisch und tumultuarisch. Neumann würgte aus eigener Machtvollkommen- heit zunächst eine Diskussion ab, erlaubte aber gnädig, daß Fragen an die russische Delegation gestellt werden dürften. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen der K. P. T.- und K. A. P. D.-Leute. Nach lebhaftem Toben über die verweigerte Diskussion stellte einer die Frage, was die russische Delegation dazu sage, daß in Wittenau noch 1200 Mann Waffen her- stellen, mit denen die russischen Brüder bekriegt werden sollen. Ein anderer wollte von der russischen Delegation wissen, tvas sie dazu sage, daß die unabhängige Partei eine vom Arbeits- loscnrat beantragt« Demonstratio« wegen Verweigerung der Ein- - reiscerlaubnis für die russische Delegation sabotiert habe. All diese Tinge wurden mit Johlen und Rufen wie„Schiebung" und dergleichen begleitet. Nicht ganz mit Unrecht meinte in einer Geschäftsordnui'gsdebatte der Kommunist Walcher, daß die Verweigerung einer Diskussion, die übrigens auch von den rufst- schen Vertretern verurteilt wurde, Wasser auf die Mühlen der Gewerkschaftsführer und der„Leute um den„Vorwärts" sei. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, der je einem Vertreter der verschiedenen Parteien das Wort gab. Damit wurde erreicht, daß die einzelnen Redner, die wabrscheinlich keinerlei offiziellen Amtrag hatten, nach besten Kräften über die Unfähigkeit der anderen Parteien herfielen. Ucber die Referate und die Diskussion werden wir in der nächsten Nummer noch berichten. Jedenfalls hat der Verlauf der ganzen Veranstaltung der russischen Delegation nur ein Zerrbild vom Wesen und Inhalt der deutschen Arbeiterbewegung geben können. Denn glücklicherweise sind die Versammelten in der„Neuen Welt" nicht d i e deutsche Arbeiterschaft. Streikschlutz in Hamburg. Am Freitag hat eine große Anzahl Arbeiter, darunter auch Linksradikale, die Arbeit wieder aufgenommen. Infolge des Ham- burger Hafenarbeiterstreiks haben mehrere für Hamburg bestimmte Dampfer andere Häfen aufgesucht. Lohnbewegung der Apothekenarbeiter. Am Mittwoch, 16. September, fand vor dem SchlichtungsauS- schuß Groß-Berlin eine Verhandlung statt. Nach dreistündiger Be- rarung wurde ein Schiedsspruch gefällt. Danach erhallen die Jugendlichen einen Lohnausschlag von 25 Proz., die weiblichen Arbeiter 125 bis 145 M. pro Woche, die männlichen Arbeiter 206 M. vro Woche, lieber alles weitere wird in der Versammlung, die am Mittwoch, 22. September, T'/j Uhr. in Wittes Festsälen. Sebastianstr. 39. stattfindet, Bericht erstaltet werden, auch ist über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches Beschluß zu fassen. Tie Heimarbeiterinnen der Firma Richard Wittig, Chaussee- straße 8l. die den durch den Zwischenmeister Zichert vorgelegten Revers nicht unterschrieben haben, werden ersucht, sich am Monlag, den 29. September 1920, vormittags 10 Uhr, im Bureau des Verbandes der Buchbinder und Papicroerarbeiter, Engelufer 15, 2 Tr., Zimmer 39/40, einzufinden und ihre Arbeitsbücher mitzubringen. Deutscher Portierverband(Sektion VIl des Deutschen Transport- arbeitervcrbandes). Morgen Sonntag, den 19. September, vormittags 9*1, Uhr: Große Demonstration aller Groß-Berliner Portiers, Fabrstuhl- iudrer, Heizer, Wächter und Hausreinigerinncn. GesamtsammelvunN: Wittenbergplatz. Zcntralvcrband der Böttcher. Weinküser und Hilfsarbeiter. Montag, den 20. September, abends 6 Uhr, im GewerkschastShaus, Saal l, Engelnser 15: Mitgliederversammlung. Buchbinderverband. Achtung! Montag, den 20. d., Punkt 5 Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27, Betriebsräteocrsamm- lun g. Tagesordnung: 1. Wahl des Delegierten zum BetriebSrätckangreß. 2. Stellungnahme zur Arbeiterordnung. 3. Verschiedenes. Einttitt haben alle mit Ausweis versehenen ordentlichen Betricbsratsmitglieder. welche im Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter organisiert sind.— Mittwoch. den 22. d.. nachm. 5 Uhr, im großen Saal des GewerkschastsbauseS. Engcluser 15, VierteljahrSgeneralverjammIung. Tages- ordnung: 1. Ouartalsbericht. 2. Bericht über die Angestclltenwablen. 3. Bericht der Anstcllungsprüfungskommiision über Neuwahlen. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung haben nur die gewählten Delegierten Zutritt. Vollzähligen Besuch beider Versammlungen erwartet Die Orts- Verwaltung._ Wirtsthast Billiges Bier unh Konsumrückgaug. Die Fragen, ist das Bier Genuß, oder Nährmittel, ist es entbehrlich oder als Anregungsmittel unentbehrlich, ist ein Konsumrückgang unter Berücksichtigung unserer wirt- schaftlichen Notlage wünschenswert oder nicht, sind heiß umstritten. Es stehen' hier wirtschaftliche Interessen eines umfang- reichen Gewerbes der Brauer und Gastwirte im Vordergrund. Der kohe Bierpreis und die schlechte Qualität hatten einen star- ken Konsumrückgang zur Folge. Taraufhin wurde nun der Bier- preis verbillig: und die Qualitä: erheblich verbessert. Nichtsdestoweniger sind die Brauereiarbeiler von Betricbsein- schränkungen bedroht, weil der Konsum sich nicht heben will. Tie Brauereien liefern heute das stärker eingebraute Bier zun:, Preise von 1,30 M. das Liter, d. h. 65 Pfennig das halbe Liter. Hierzu kommen die Aufschläge der Gastwirte für den Ausschank. Während der Konsum von Schnaps höchst unerwünschterweise wieder stark zunimmt, gelt der Bierkonium zurück. Tas liegt nicht im Interesse der Erhaltung der Volksgesundheit. Es ist nun festzustellen, daß die gleiche Erscheinung, die über- all im Kleinhandel sich offenbart, auch im Gastwirlsgewerbe zutage tritt, nämlich der zu kleine Umsatz für das einzelne Geschäft. Der Grundsatz: Großer Umsatz, kleiner Nutzen, also billige Berka niSprcise, kann im Gast- Wirtsgewerbe nicht mehr zur Geltung kommen. Die Folge ist, daß jeder Besuch der Gastwirtschaft, einen schweren Eingriff in den Geldbeutel der Konsumenten bedeutet und viele, die gern ein Glas Bier oder einen kleinen Jmbis zu sich nehmen wollen, davon Ab- stand nehmen müsse n. Diese Teuerung bat aber auch eine weiter greifende Bedeutung, weil viele Arbeiter und Angestellte infolge der Eigenart ihrer Beschäftigung auf die Galt- Wirtschaft angewiesen sind und deshalb Löhne fordern müssen, deren Höhe wiederum die Bezahlung von wichtigen Tienstleistungen außerordentlich verteuert. Eine preiswerte Verpflegung in den Gastwirtschaften ist für die Bildung des Lohnniveaus vieler Berufe von so einschnei- dcnder Bedeutung, daß das Gastwirtsgewerbe alles daransetzen sollte, eine Veibilligung der Preise zu erreichen. Trotz der starken Konzentration im Braugewerbe stehen heute die restlichen Großbrauereien im a I l e r s ch ä r s st e n Konkurrenzkampf, nicht um Preis und Qualität, darüber hat man sich wohl verständigt, aber im Kundenfang. Hierin liegt wohl bauptsächlick die Hemmung für eine Gc- fundung der Verhältnisse im Gajtwirtsgewevbe, in dem zweifellos eine Ueberfüllung besteht. Entweder waren es die Braue- reien oder die Hauswirte, die zur Eröffnung immer neuer Wirt- schaften Geld vorgeschossen haben. Tas Hauptgeschäft der Braue- reien war die Finanzierung von Wirtschaften geworden. Ta bei der wachsenden allgemeinen Teuerung die arbeilenden Klassen an einer preiswerten Gasthausverpflegung ein ganz außer- ordentliches Interesse haben, könnte eine Ordnung, und die muß von außen kommen, durch eine Prodüktfonsgcmeinschast aller Brauereien als Sozialtrust unter kommunaler Kontrolle am ehesten durchgeführt werden. Wer die Bierbelieferung in der Hand hat, kann allein die gesamten Gastwirtsver- Hältnisse zum Besten der Berufsangehörigen und zum Besten der arbeitenden Bevölkerung ordnen. Zurzeit wird leider von ein- z e l n e n Gastwirten so gewuchert, daß das Ansehen des Standes schwer leidet. Ein gut geleitetes, sauberes und freundliches Gast- Haus soll aber wohl ein Ort sein, in dem die proletarische Kultur- arbeit ein« Heimstätte finden kann. Tas Prinzip der Wirt- schaftlichkeit muß aber in diesem wichtigen Gewerbe zur Turchftihrung gelangen. Zur Ucberwindung der Wirtschaftskrisis. Tie Mitteilungen des„R e i ch s b u n d e s Deutscher Tech- n i k" bringen einen Beitrag des Tipl.-Jng. Strauß, dem wir den folgenden Schlutztcil entnehmen: Solange die Preise stiegen, hat der Unternehmer bei jedem Zugang teueren RobinaterialS den Gesamtwert seines Roh- stofflagers für die Kalkulation mit dem neuen höheren Preiss eingesetzt. Er bat hierbei doppelt und dreifach oerdient, denrj zunächst war oas billiger eingekaufte Rohstosflager plötzlich höher bewertet, ferner aber wurde der G e w i n n z u s ch l a g prozentual diesem Höberen Wert eingesetzt. Als die Preise fielen, hielt umge- kebrt der Unternebmer ängstlich daran fest, die Rohstoffe mit ihrem wirklichen! Einkaufswert, der aus einer Zeit höherer Bewertung stammte, seiner Berechnung zugrunde zu legen. Er verhinderte auf diese Art den Preisabbau, der gemäß dem wirklichen Wert unbedingt in erbeblich stärkerem Maße bätte eintreten müssen, als geschehen. Tie Folge war, daß die Preisbildung der Fabriken den Preisbildung auf dem offenen Markt nachhinkt. Ein jeder weiß- daß Waren aller Art heute im offenen Markte erheblich billiger zu erhalten sind als beim Fabrikanten. Taber auch das Bestrebeni vieler, sich der Abnahmeverpflichtung des Abschlusses bei Fabriken zu entziehen. Dieses Bestreben ist natürlich nicht zu billigen, wohl aber ist es zu billigen, wenn der Abnehmer, der zu f r e i b l ei b c n» den Preisen gekauft hat, nun auch den Nachweis verlangt« daß der jetzt ihm abgeforderte Preis den�— auf Grunv der heutigen Marktlage ermittelten— Selbstkosten entsprich: und nicht für den Fabrikanten einen noch größeren Gewinn abwirft a.S der bei Vertragsabschluß gültige Preis. Tie Folge dieser Politik ist weiter, daß niemand mehr von den Fabrikanten Ware beziehen will, daß infolgedessen die Läger sich immer mehr füllen, oaß schließlich zu Notverkäufen geschritten werden muß, die ihrerseits wieoer ein Moment der Unruhe in� den Markt bringen. Wenn beispielsweise auf der Leipziger Technischen Messe eine normale M e s s i n g fa s sn n g zum Preise von 8 Mark bis herunter zu 2,20 Mark angeboten wurde, so liegt in dieser Un» sicherheit der Marktlage die Schwierigkeit der_ gegenwärtigen Situstton klar zutage. Auf der einen Seite derjenige, der� auf Grund teuren Einkaufs die Preise hochzuhalten sucht, auf der anderen Seite derjenige, der um jeden Preis Geld braucht und deshalb seine Ware verschleudert, in der Mitte derjenige, der auf Grund der heutigen Marktlage vernünftig kalkuliert. Nur wenn der deutsche Unternehmer sich entschließt, seine Läger. handele eS sich um Rohstoffe, um Halb- oder Fcrtigsabrikate, mit dem gegenwärtigen Wert in seine Berechnungen cinzu- setzen, kann es gelingen, die Krisis zu überwinden. Ter Reichswirtschaftsrat zur Spirituspolitik der Regierung. Der Ausschuß hatte beschlossen, daß Kartoffeln im Bettage von 60 Proz. des Brennrcchtes verwendet werden dürften und daß die Maisbrennerei gefö-.dert werden soll. Die Reichsregieruntz bat aber in ihrer Verordnung vom 7. September die Karioffelverwendung auf ein Drittel des Brennrechts beschränkt und die Mais- brcnnereien vollkommen übergangen. Die Branntwein- monopolverwaliungen werden infolgedessen nicht genügend Spiritus haben und vom Ausland zukaufen müssen- Außerdem aehcn der Landwirtschaft durch die Unterlassung der Maisbrennerei Futtermittel verloren. Nach einer Bekanntmachung des Reichsmorayolamts für Branntwein beträgt der Branntwein- Grundpreis gemäß§ 92 des Gesetzes über das Branntivcin- monopol 600 Mark für 100 Liter Weingeist, der Zuschlag zum Branntweingrundpreis wird für Branntwein, der innerhalb des Brennrechts"lediglich aus Mais hergestellt ift oder den der. Per- ein der Kornbrennereibesitzer und der Preßhefefabrikanten Deutich- lands von der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte zum Preise von 170 Mark für den'Zentner übernommen und oen Brennereien zur Verarbeitung überwiesen hat, auf 975 Mark für 100 Liter Weingeist festgesetzt. Wirtschaftsbund für Cile und Fette. Nach der„F r a n k f. Z e i t u n g" bealbsickftigt das Reichsernährunxsministerium voll- ständig freie Wirtschaft für Qel und Fett einzuführen. Temgegen- über''ordert die deutsche Industrie eine Plan wirt- Wirtschaft und will zu diesem Zweck einen WirtschaftS- bund der Qel- und �-ettindustrie gründen. Dieser Wirt- s ch a f t s b u n d soll vom Reich die rund 200 000 Tonnen betragen- Den Qell- und) Fetivestände. deren Selbstkosten sich auf über 414 Milliarden Mark und deren heutiger Weltmarktpreis sich auf 3*4 Milliarden Mark beläuft, einschließlich der noch vorzunehmenden Ergänzungskäufe übernehmen. Däöei soll der Nettoerlös aber nicht gleich dem R�e i ch abgeliefert werden, sondern dem Wirt- schartsbund verbleiben zur Finanzierung seiner weiteren Ankäufe, wobei der Wirtfchafts'buno sich verpflichtet, zur Sicher- stellung ausreichend großer Mengen Rohstoffe seinen Bestand auf mindestens 150 000 Tonnen zu halten. Maschinenfabrik Oberschöneweide A.-G, Die Gesellschaft, deren Aktienmehrheit im April in andere Hände übergegangen� ist, beruft eine außerordentliche Generalversammlung ein, die u. a. über die Abänderung der Firma, eine Neuregelung der Ent- schädigung der AufsichtSratZmitglieder beschließen loll. Ferner wird der V e r k a u f der durch Umzug freiwerdenten Grund- stücke und Gebäude sowie die Genehmigung von Fabrikalions- und Lieferungsverträgen beantragt. Unterwertigkeit des holländischen Gulden gegenüber Dollar und Peso. Tie Staatskommission für die Teuerung in Holland weist auf das hohe Agio(Auigeldj-hin, das zurzeit für amerikanische Tollars und argentinische. Pesos in Holland zu zahlen ist, zurzeit ungefähr 25 Proz. für den Dollar und für den Peso sogar noch mebr. Diese Entwertung des niederländischen Zatlmittels müßte, wenn sie in derselbe» Weise fortgehe, un- weigevlich auf das Preisniveau in Holland einen bedenklichen Ein- Duß ausüben. Für Brotgetreide uno P i e h f u t t e r von Uebersee bedeutet das einen Preisaufschlag in voller Höhe des Disagios. Jede Zufuhr amerikanischer Kohle zu dem Preis' satze des gestiegenen Dollars würde auf Grund der mit Deutsch- lcmd geschlossenen Uebereinkunft automatisch seinen Einfluß auf den Preis der deutschen Steinkohle geltend machen. Vcrantw. für den redaN. Teil: Tr. Werner Peiscr, Charlottendurg: kür An,-igen: Tl>. Gimte, Berlin. Verlas: Vorwärls-Verlaq G. m. d. H.. Berlin. Druck: Bor» wärls-Luchdruckerei u. Derlagsanltalt Paul Singer u. Co., Berlin. Llndenftr. Z. Hierzu 1 Beilage._ Areikag, 24. Sepl.. 10 Ahr aoem.: Versteigerung v. 4V.3V Pferden, Maul- tieren, ausschl. gut. Material aus vollem Betriebe, wegen groß. Betriebseinschränkung. Außerdem Landauer und Break. Mm. öttiiMöWbuS'A.'G. ZifÄi-Ä Oberlandesgerichtsrat außerd. iachgemiiße Rcchtsberalung, Abwicklung ichwierigfter Fälle. The. Alimenten, Verlrauenssachen, Ermittelungen. 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