Nr. 469 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 97 Abend-Ausgabe (20 Pfennig) BeznqsvretS: B»rteNähru 30,— JJ?U numatLlO,— 311 frei ms Haus, voraus'ahlbar. Poft- oemg Monatlich 10.— Mi» erfL �u- äellungsgeoühr. ünrer politilche unt»e- wertichastllche Verein»- An � eigen 3.— Ml. die Zelle ohne Ausschlag. Anzeigen lür dl« a a chil e atunimer müssen bis S Ah� nack nutlag« im Saupigeichä't. Berlin SW i. Linden- straße 3. abgegeben werde». Z>»offn»> pon S Uhr irüh bi» S Uhr abend«. �enlralorgan der fozialckmohratifchcn Partei Dcutfchlanda Ueöc.ü c-i unö Expedition: SW. öS, Linöenstr. Z. tteriii'.ii r i-ri Amt MorlUPln», Nr. I'> I!>» 1 7> I>»7 Dienstag, den ÄZ. September 1L>?50 vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. öS, Linüenstr. Z. «sernivrccüeri Amt Niprinvlan, Nr. IleJlt—.»t. Nilleranös Programm. Paris, 2l>. September. Milleraud machte der Agentur Havas folgende Erklärung: Ich kabc in meiner Rede vom 7. November 1919 die Poli. tik des sozialen Fortschritts, der Ordnung, der Arbeit und Einigkeit umschrieben, dir sich nack' außen hin kennZcich- nct durch die nncingeschränkte Durchführung des Berfa ill er 58 er träges nnd die Verteidigung feiner G r u n d l a ge n in Nebcrcinftimmnng mit unseren Verbündeten, nach innen durch die A n f r e ch t e r h u l t u n g derStaatsgesetze, die Wiederherstellung aller Wirtschaft- lichrn Kräfte, die Te,',entralisation und im gegebenen Zeitpunkt die auf E'rnnd der Erfahrungen notwendig werdende Verbesie- rung nnserer Staatsgesetze. Seit sechs Monaten habe ich, unterstützt vom Vertrauen des Parlaments, diese Politik me- thodiicki und nachhaltig durchgeführt. Ich glaube, und ich habe die Gründe dafür angeführt, das, ich dieser Politik nirgends b e ff er dienen kann, als in der Eigenschaft als Minister- Präsident. Wcnp aber die Mehrheit der beiden Kammern meineAnwesenheit im E l y s 6 e als nützlicher für die Einhaltung und Fortsetzung dieser nationalen Politik erack'tct, wenn diese Mehrheit gleich wie ich glaubt, daß der President der Republik, wenn er auch nie der Vertreter einer Partei, so doch der Vertreter einer Politik sein kann und muß, die in engster Zusammenarbeit mit seinen Ministern sestgcsetzt und durchgeführt wurde, sowcrdeichmichdrm Nu sc der Volksvertretung nicht eutziehen. MillcrandS Nachfolger: Briand�ckder Poincarck? Paris, 21. September.(MTB.) Die Wahl Millerands zum Präsidenten der Republik wird allgemein als sicher ange- sehen, und man beschäftigt llch bereits mit der Frage, wer der zu- künftige Ministerpräsident werden wird. An erster Stelle wird B r i a n d genannt. Nach einer Nadiomeldung werde Millerand die Minisierpräsidentschaft Puincare anbieten, während B ri and Minister des A e u ß e r e n werden solle. Paris, 2ll. September. Millcrand hat heute nachmittag dem Präsidenten der Republik in Rambouillet einen Besuch ab- gestattet. Nach seiner Rückkehr hat er den Text der A b d a n« kungsbotschaft des Präsidenten den Präsidenten des Senats und der Kammer zustellen lasten. « Wir haben schon bei früheren Gelegenheiten, z. B. nach den Verhandlungen von Spa, zum Ausdruck gebracht, daß Millerand unseres Erachtens das kleinere Ueb'el für Deutschland und für den Weltfrieden sei, im Vergleich zu einer Gruppe von Politikern wie Poincars, Tardieu, Loucheur, die den von Clenienceau eingeschlagenen Kurs in aller Schärfe und auf die Gefahr hin, in immer schwierigere Konflikte mit den übrmen Ententemächten zu geraten, fortgeführt sehen möchte. Und so. wie wir seinerzeit den Sieg Deslhanels über Clemmcsau. wenn auch ohne jede übertriebene Hoffnung, so dockt mit einer gewissen Schadenfreude aufgenommen haben, so glauben wir auch heute, daß das Problem der Nachfolger- sch-ist TesÄmels in einem für uns und den Weltfrieden g e- fährlicheren Sinne hätte gelöst werden können, wenn ein ariderer �als Millerand zum höchsten Staatsamt Frankreichs ge- langt wäre. So wurde schon, seit Monaten in den reaktionärsten Kreisen für eine militärische Kandidatur Stimmung ge- macht, und es wurden besonders der Marstfwll F o ch nnd der General de C a st e l n a u. von den Nationalisten und Royali- sten voraeschoben. Daß die gegenwärtige Präsidentenkrise ge- löll wurde, ohne daß diese Namen überhaupt ernstlich in Er- wägung gezogen wurden, ist ein verhältnismäßig beruhigendes Zeichen. inwieweit der ursprünglich« Widerstand Millerands gegen die Annahme des Präsidenten vostens aufrichtig gewesen ist. vermag man niebt zu beurteilen. Millerand war stets, ein sehr aktiver Politiker, während die Präsidentenwllrde bisher sozukagen als ein Begräbnis erster Klasse für die politische Laufbahn eines Staatsmannes gegolten bat. Vielleicht hätte er also tatsächlich lieber weiter als Ministerpräsident amtiert. und es bat womöglich wirklich eines starken Druckes seiner Freunde bedurft, um ihn von seiner anfänglichen Weigerung abzub ringen Die Erklärung Millerands enthält die übliche Reverenz vor dem Versailler Friedensvertrag, und damit werden auck» iene'Scharfmacher, die noch vor kur-em Mille- rand der Sck'wäck's gegenüber den Deut'chen in Sva ziehen. einitm-ilen belredigt fein. Wir baben Grund zur Annahme. daß Millerand in'"eiijem Herten schon länast tu der Ueber- zeugiing gelangt ist, daß das Werk von Versailles nicbt„un- eingeschränkt durchzuiiihren" ist. Aber'die Geister, die er rief, als er den„nationalen Block" vor den Kammerwablen gründete nnd zum Siege verhalf, wird er nicht mehr los; und io sieht er siib gezwungen, auch jetzt und trotz aller Er- fahrungen und Belehrungen von San Remo, Hythe, Brüssel. Spa und Aix-lcs-Bains. dieselben Worte im Munde zu führen, wie einst im November 1919. Daß Millerand am Donnerstag gewählt wird, steht nach seiner Kandidaturannahme fest. Offener und bei weitem noch wichtiger ist die Frage seiner Nachfolgerschaft als Ministerprä- sident und Minister des Acußern. Aber di e s e Frage in der deutschen Presse zu erörtern, wird erst zweckmäßig �sein, wenn das. Dilemma Poincarck oder Briand drüben gelöst sein wird: denn wir könnten höchstens durch eine freimütige Charakteristik der Person und der Vergangenheit Poincarcks zu seiner Ernennung indirekt beitragen.... Das Unrecht vollzogen! Amtliche Bestätigung der„Volksadstimmnng" in Eupcn-Malmedy. Paris, 21. September.(Havas.) Der Völker» b u n d s r a t hielt gestern seine öffentliche Schlußsitzung ab. Ter Rat wies die d e u t s ch c n P r o t e st e w c g e n d e r Volksabstimmung in Eupen nnd M a l m c d y zurück und erkannte den II ebergang dieser Bezirke an Belgien endgültig an. Der Rg� vertagte die Genehmigung des Budgets des Völkerbundes für 1921 auf die Oktobcrsitzung und genehmigte den Ankauf einer Liegenschaft in Genf als Sitz des Völkerbundes. £e Bond abberufen? Der nach Paris zur Berichterstattung berufene General L e Rand, der bisherige Borsttzcnde der Interalliierten Kommistiou für O b e r s ch l e s i e n, wird wahrscheinlich nicht auf seinen Posten zu- rückkchren. Pariser Blätter melden, Lloyd George habe die Absicht, die strittige Angelegenheit der Botschafterkonferenz zur Entscheidung vorzulegen. Außerdem werde wahrscheinlich eine ge- naue Untersuchung über die Vorgänge, die zu den französisch-engli» schen Zwistigkeitcn Beranlastung gaben, eingeleitet werden. Das „Oeuvre" betrachtet diesen Ausgang der Angelegcikhrit als einen Erfolg der deutschen Regierung in der oberschlcsischcn Frage. In- zwischen wird General Le Rond durch den italienischen Ge- neral De Martina vertreten. Joffe über deutsch-rusiistbe Seziehungen. Keine Sühne für Mirbach. Der Ost- Expreßdienst meldet aus Riga unter dem 21. Scp- tembcr: Der Borsitzcnbe der rnsfischen Friedensdclegation in Riga, Joffe, erklärte cincm Vertreter der„Rigaschen Rundschau" gegen- über, zwischen Deutschland und Rußland sei ein p r o v i» sorischer Friedensvertrag notwendig. Jndesten könne für de» Mord an Mirbach keine Sühne geboten wer- den. Die Beziehungen zwischen der U kraine und Sowjet- rußland können in Form einer-ßlntente corckiaie' geregelt werden, hierzu ist jedoch eine Abstimmung auf dem gesamten ukrainischen Territorium erforderlich, die aber erst möglich sei, wenn die Ukraine von den fremden Okkupntionstruppcn geräumt sei; doch müste diese Abstimmung mit Ausschluß der Bour. g e o i s i e stattfinden. Die Selbstbestimmung der Ukraine sei be- reits vollzogene Tatsache. Ncber die Frage der Weltrevolution erklärte Joffe, daß eS für ihre Ausbreitung günstiger gewesen wäre, wenn sie nicht von Rußland ihren Ausgang genommen hätte. Der Termin für den Beginn der Rigacr Bcrhaiidluugen— Dienstag, den 21. d. M., nachmittags— ist unverändert geblieben. Weißer Terror oder nicht? Genf, 21. September.(WTB.) Nach Mitteilung des Internationalen Arbeitsamtes ist seine auf Berlangep der ungarischen Regierung nach Ungarn entsandte Abordnung zurückgekehrt. Sie berichtet, daß sie v o l l e B e w e g u n g s- freiheit gehabt habe und überall ungehindert habe Er- kundigungen einziehen können, daß also die gegenteiligen Berichte nicht aus Tatsachen beruhten- Ueber die Frage der den G e- werkschaften zugestandenen Freiheiten ist ein besonderer Bericht fertiggestellt worden, der dem Verwaltungsausschuß des Internationalen Arbeitsamtes vorgelegf werden soll. Bei den amtlichen Besprechungen hat die ungarische Regierung den Wunsch ausgedrückt, Ungarn dem Internationalen Arbeits- a m t e anzuschließen. finarchiften-Bazzia in Chicago. London, LI. September. Nach einer„5CimeS"meldung aus Washington wurden in Chicago und anderen jOrten bei A n- archisten Haussuchungen abgehalten, wobei die Polizei zahlreiche Drohbriefe beschlagnahmte. praktische Gewerkschaftsarbeit. Von Dh. K o tz u r, M. d. R. Der am Sonnabend in später Abendstunde beendete außerordentliche Verbandstag des Deutscheu Eisenbaizne�vcr» banbes verdient in mehr als einer Hinsicht allgemeine Be- achtnng. Innerhalb des Verbandes ringen seit der vor 15 Monaten in Jena staltgefundenen Gcneralve>,samn>lung zwei Strömungen um die Führung und spiegeln dadurch die zerrissene politische Albeiterbewegung» wider. Im Hinter- gründe waren außerdem geschästige kommunistische Draht- zteher an der Arbeit, um die aus der wirlschastlichen Not der Eisenbahner entstandenen Bewegungen ihren politischen Zwecken nutzbar zu machen. Kaum war die erste Generalver- sammlung der jungen im Jahre 191b gegründeten Organs- sation vorüber, da setzte eine von der Opposition mit grgßer Zähigkeit geführte Propaganda zur Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages ein mit dem ausschließl-ichen Ziele, den Vorstand zu beseitigen. Zu den Kämpfen innerhalb der Organisation gesellte sich der 5iampf mit den gegnerischen Eisenbahnerverbänden aus der einen und mit der Eisenbahnverwaltung und Regierung auf der anderen Seile. Den Anlaß dazu gaben die lang- wierigeu lLerhandlungen über den preußischen Lohntarif nni der damit im Zusammenhang stehenden Schließung der Werk- statten, der Maßregelung der Funktionäre und der Wieder- einsührung der Akkordarbeit, ferner die Verschleppung der 5Vetriebs- und Beanrtcnrätewahlen sowie der seitens der Rc- gierung zögernd und mangelhast durchgeführten Besoldungs- reform. Aber alle Kämpfe und Schwierigkeiten hielten das Wachstum des Verbandes nickst auf, so daß er nach Verschinel- zung mit dem Deutschen Vcrkehrspcrsonalverband zur g r ö ß- tenEisenbahncrorganisationderWeltwurde rmd heute rund 659 990 Mitglieder zählt. Kein Zweifel, daß es für bcstinimte politische Parteien ein nicht zu untersckxitzcnder Mackstzuwachs ist, wenn es ihnen gelingt, die im D. E. V. organisierten Eisenbahner für sich zu gewinnen. Der Vorstand, der sich ursprünglich gegenüber dem Drän- gen der Opposition ablehnend verhielt, sah sich infolge der ver- änderten 5Lcrhältnissc aus Zweckmäßigkcitsgründen veranlaßt. schließlich doch eine außerordentliche Generalversammlung ein- zuberufen. Diese fand in der Woche vom 12. bis 15. September in Dresden statt und brachte die von der Opposition gewollte Auseinandersetzung mit dem Vorstand. Die Einleitung begann mit der Annahme von Anträgen der Opposition auf Erweite- rung der Beratungsgegenstände und der der Stellung von Kor- rcferenten. Bezeichnend ist nun, daß die„Dresdener Unab- hängige Volkszeitung" vom 13. September ihrem ersten Be- richt über den Verbandstag in großen Lettern die Ucberschrift voraussetzte:«„Opposistionclle Mehrheit auf der E i s e n b a h n e r t a g u n g". Aber schon der nächste Tag brachte ihr eine große Enttäuschung, denn der 6 Stunden in Anspruch nehmende, vom Vorsitzenden Scheffel erstattete Ge- schäftsbericht fand überraschenderweise stürmischen nicht enden- wollenden Beifall der gesamten Generalversammlung. Der Grund dafür ist Wohl in der überlegenen Sachlichkeit zu suchen, mit der der Vorstandsvertreter über eine stürmisch bewegte aber an Erfolgen reiche Tätigkeit berichtete. Demgegenüber hatten die Korreferenten einen schweren Stand, und manchmal schien es so, als handele es sich bei den Korreferaten inn Er> gänzungen zum Vorstandsbericht. Diesen Eindruck dürfte auch die Opposition gebabt baben. denn sie verzichtete darauf, den von ihr zum Pressebericht gestellten Korreferenten sprechen zu lassen. Nachdem sich in den ersten Verhandlungstagen nach leiden- schaftlichen Auseinandersetzungen die Kräfte der beiden Rich- tunaen gemessen.hatten, trat immer mehr und mehr der ent- schlosscne Wille in den 58ordcrgrund, unter Zurückdrängung aller volitischen Einflüsse streng gewerkschaftliche Arbeiten zu verrichten. Sehr deutlich zeigte sich das bei der Bestätigung des wegen andauernder Störung der gewerkschaftlichen Arbeit vom Vorstande ausgeschlossenen Kommunisten G e s ch k e. Mit großer Mehrheit machte sich die Generalversammlung den Vor- standsbeschluß. dem sich seinerzeit die Revisions- und Be-' »schwerdekommission angeschlossen hatte,, zu eigen. Die beiden letzten Verhandlungstag? standen völlig im Zeichen positiver ; aufbauender Gewerkschaftsarbeit. In erster Linie ist hier zu ' nennen, gemeinsam mit dem Deutschen Transportarbeitcrvcr- band unter dem Namen„Deutscher Verkebrsbuud" eine Ar- beitsgemvinschaft zu bilden mit dem Ziele, das ge- samt? Personal der vrivaten und staatlichen Verkehrsbetriebe cinschlrßlich der Polt zu oroanisierm. Der Bund, der seine Tätmkeit in kürzester Zeit aufnehmen soll, wird' rund l1/. Million Mitalicder zählen, zu denen durch in Aus- ficht stehende Verschmelzungen weitere Hunderttausende kommen werden. Mit der Schaffimg des„Deutschen Verkehrsbundes" auf freigewerkslbaftlieber Gnin'olaae hat sich das Verkebrsner- sonal einen Machtfaktor gesöhaffen, der bei den künftigen , Kämnfen um bessere Einkommens, und Dienstverhältnisse eine I ausschlaggebend« Bedeutung erlangen dürste. Erfreulich feie 6er vorstehende Beschluß fear auch das Er- gebniS der Vorstandswahlen. Beide Richtungen hatten sich auf einen gemeinsamen Wahkvorschlag geeinigt, der mit Ausnahme des Vorsitzenden Brunner die Namen sämtlicher bisherigen be- soldeten Vorstandsmitglieder enthielt. Unter diesen Umständen konnten die sich wieder zur Wahl stellenden wie auch die neu hinzukommenden Vorstandsmitglieder die abgegebenen Stim- men fast restlos auf sich vereinigen. Der aus dem Vorstand ausgeschiedene Vorsitzende V r u n n e r, der in jahrzehntelanger Pionierarbeit für die Eisenbahnerorganisation gewirkt hat, stellt nunmehr im Einverständnis mit den zuständigen Organi- sationen seine Kraft dem„Verkehrsbund" zur Verfügung. Zur aufbauenden Arbeit zählt weiter der Beschluß, beson- dere Sektionen für Arbeiter, Beamte und Jugendliche im Verbände zu bilden. Hierzu sind besond�M Richtlinien beschlossen worden, die den den neuen und den veränderten Verhältnissen angepaßten Satzungen beigefügt werden. Schließlich sei noch hingewiesen auf eine Reihe wichtiger Anträge, die sich an die Regierung un> Eisenbahnverwaltung wenden und die end- gültige Gestaltung des Besoldungsgesetzes nach großzügigen Gesichtsvunkten fordern. Hin Zusammenhang damit steht das entschlossene Eintreten für die Beamten- und Arbeiterpensio- näre, sowie ihrer Wifwen und Waisen. Ein Rijkblick auf die Verhandlungen zeigt, daß eine Ta- gung beendet wurde, die bei den Eisenbahnern das Bewußtsein auslösen wird: Dresden ist der Ausgangspunkt neuer Erfolge geworden. » Der R eichsv?r kehr S m i n i st er gibt an die Direktionen der Neichseisenbahnen einen Erlaß heraus, in dem gegen die Ein- griffe von Eisenbahnbeam-ten und Arbeitern, Gewerkschaften und Betriebsräten in die Beförderung der Herbstkartoffeln Einspruch erhoben wirb/' Er g-ibt dem Vertrauen Ausdruck, daß die Eisenbahnangestellten sich seinen Ausführungen nicht derschlie- ßen werden, da andernfalls eine Versvvgung der Bevölkerung mit den notwendigsten Lebensmitteln unterbunden werde. Dk rauhe Wirklichkeit. In der„Freiheit" nimmt Eugen P r a g e r nochmals Stellung zu der„Kommunistischen Diktatur". Aus der Na- mensänderung der K. P. D., die bekanntlich von jetzt ab sich als„Kommunistische Partei Deutschlands(Sektion der Dritten Jnternatiqsiale)" bezeichnet, zieht er den richtigen Schluß, daß derjenige Teil der Unabhängigen Sozialdemo- kvcrtischen Partei, dar die Moskauer Bedingungen akzeptiert, einfach in der Komunistischen Partei aufzugehen hat. Die Nameusänderung schafft aber auch für die Unabhängige Sozialdemokratie klare Verhältnisse.' Diejenigen unserer Parteigenossen, die bisher angenommen haben sollten, daß die Zustim- mung zu den Au fn ahm eosd i ngun gen der dritten Internationale nur platonische Bedeutung habe, werden durch die„Rote Fahne" in die rauhe Wirklichkeit zurückgerufen. Sie dürfen nicht glauben, daß sie die Unabhängige Sozialdemo. kratie er st spalten dürfen unp daß die ihnen verbleibenden Trümmer unserer Partei dann als selbständige Orga- nisation mit der Kommunistischen Partei auf gleich und gleich in Einigungs- oder VerschmelzumgSv�rhandluwgen sich ein- lasten könnten. Der Borgang kann sich dann nur so abspielen, datz olle Parteigenossen, ganz gleich, ob sie als Einzelpersonen oder i« ganzen Mitglicdschaftcn sich den Moskauer Bedingungen unter- Wersen, de. Kommunistischen Partei Teutschlands sScktion der dritten Kommunistischen Internationale) beizutreten haben. Der Verfasser kommt zu dem durchaus richtigen Ergeh- nis, baß die Kommunisten ihr Werk, die Z e r t r ü m m e- r u n g der Unabhängigen Sozialdemokratie, schon für voll- bracht ansehen und sich als S i eg e r fühlen. Zu der„N a° mensänderung haben die Mitglieder nichts zu sagen". Das heißt dann„Diktatur des Proletariats", indem das Proletariat bei der Beschlutzfassung der wichtigsten Änge- legenheiten einfach ausgeschaltet wird. Die Schleier sind gefallen, unsere Parteigenossen wissen nunmehr, was sie zu tun haben. Wer die Bedingungen von Moskau anerkennt, der hat alle Brücken hinter sich abzubrechen. Für ihn gibt es keine Verbindung mehr mit den Parteigenossen, mit denen er bisher Schulter- an Schulter gekämpft bat; er hat sich der Kommunistischen Partei einzuordnen für ihn hört jedes Sclbstbestimmnngsrechi auf, er darf fortan nur das ausführen, was von den kommunistischen Instanzen angeordnet wird. Sehr richtig, das ist eben jene„Disziplin", die die Mos- kauer fordern, weil sie längst erkannt haben, daß sie nur durch starr st es militari st isches System sind— oder nicht s i n.d. Viele aber von den Parteigenossen Eugen Pragers werden den Unabhängigen ebenso leicht- fertig den Rücken kehren, wie sie d i e a t t e Sozialdemokrat i e im Stich gelassen haben. Die Zertrümmerung räch/ sich an den Zertrümmerern; die rauhe Wirklichkeit bricht an. * Zu der bereits mitgeteilten Resolution des Landesvorstcmdcs der U. S. P. D. Badens, die den direkten Anschluß cm die dritte Internationale auf Grund der Moskauer Bedin- gungen verlangt, schreibt das Mannheimer Organ per Unabhängigen, die„Tribüne", es sei als Größenwahn zu betrach- ten, wenn ein La n d e S v o r sta n d sich anmaßt, einen solchen Beschluß zu fassen,'ohne die Mitglieder gehört zu haben. Außerdem seien in der betreffenden Sitzung von den 10 Landes- Vorstandsmitgliedern nur fünf anwesend gewesen, von denen drei für und zwei gegen die Annahme der Bedingungen gestimmt hätten. Die Nonarchisten in Sapern. In Ergänzung unseres Artikels in der Morgenausgabe des „Vorwärts" geht uns aus München folgender eigener Draht- b e r i ch t zu: Die Bayerische Volkspartei hat auf ihrem Bainberger Landes- Parteitag sich für emen Föderalismus ausgesprocheu, der das Reich hinter Bismarcks che Verfassungszustänoe zurück- wirft. Das Reich soll für die Kultur- und Steuerpolitik gleichsam nur Rahmengesetze erlassen, die die Staaten nach eige- nein Ermessen ausführen können. Weiter sollen die Staaten das Rocht erlangen, mir fremden Mächten Verträge zu schließen und be, ihnen Vertretungen zu unkerhalten, die nur nicht gegen die Reichsderfassung verstoßen dürfen. Die Reichsverfassung soll aber auch den Staaten das Recht gewähren, sich m o n- a r ch i s ch einzurichten. Gleichzeitig mit der Bayerischen Vokkspartei hat di« Demo- kratische Partei ihre Landeskonferenz abgehalten, die ge- mäßigte föderalistische Beschlüsse faßte, sich aber zur Reichseinheit bekannte. Da die Demokratische Partei in der Regierung vertreten ist, ergibt sich eine Unstimmigkeit. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" wenden sich gegen die Baun- berger Beschlüss«. Das Blatt sucht aber bereits eine Brücke zu bauen. Wenn die Bayerische Volkspartei erklärt,- das Programm habe nur für eine fernere Zukunft Geltung, nicht unmittelbar für die Gegenwart, dann würde ein Ausweg für das Zu- sammenarbciten vou Bayerischer Volks Partei und Demokraten möglich sein. Ter Vorstoß fer Bayerischen Volkspartei gegen das Reich ist auch in den: Sinne gefährlich, weil der Ministsrprästoent v. Kahr äls Landesvorstandsmitglied der Bayerischen Volkspariei der Tagung beiwohnte und dort das Wort nahm. Zweifellos sind die Bamberger Beschlüsse eine Auflehnung gegen das Reich und von ernsterer Natur als die Pläne der der- schiedenen Königsmachker, denen es nicht rasch genug ging. Die Bayerische Volkspartei arbeitet methodisch für die Wieder- aufrichtung einer Monarchie. Vertragstreue unü pommerscher Lanübunü. Im Regierungsbezirk K ö s l i n kam im Juli dieses JahreS mit großer Mühe und erst, nachdem in einzelnen Kreisen gestreikt worden war, zwischen den Landarbeitern und den Grundbesitzern /lus!anös- unö heimatsklänge. Konzert-Umschau. Dem Himmel sei Dank: wir kennen in der Kirnst keine ethnographischen Grenzen, keine nationalen Pfähle. Der Hauch einer guten Musik, der Ruf eines Meisters, die Erschütterung durch eine Tat reißt Barrieren ein, als seien sie aus Pappmatchee. Aber je stärker das Gefühl ist für die Unibegrenztheit einer einzigen, absolut einigen Welt, um so mehr ist aufzumerken, daß die gesunden Lust- schwinyungcn der Töne nicht parfümiert werden. DaS absolut und unweigerlich Gute der Auslandskunst sei uns von Herzen will- kommen; aber nur das Allerreifste und Würdigst« unserer eigenen Musik und Musikausübung soll drüben für. uns alle werben. Wir fühlen eS täglich und stündlich, daß wir wirtschaftlich vom Ausland abhängen. Künstlerisch ist die eigene Not weniger groß. Aber wenn wir für den Import von Fertigware und Rohstoff dankbar sind, wollen wir auf d:>r anderen Seite nicht klagen, wenn wir ein- mal mit Podium zicrden schlecht bedient werden. Unsere Musik- Valuta steht nun einmal hoch, sie ist unser Reichtum oder doch ein Stück unserer Weltgeltung. So müssen Güter gegen Geister, Ma- terialien gegen Ideen und Kunstideale eingetauscht werdsn, pxchfelweis. » Unsere Matador e zieht es nach dem Ausland; und das Aus- land leiht sie uns für eine Stippvisite. So den ruhmumrauschten Mifcho Eck m a n. Zwischen Rückkehr aus Amerika und Rückkehr nach Amerika schaltet er ein Berliner Konzert ein, das ihm kgum Spesen, aber sicher schnell 15 000 M. Gewinn abwirft. Der musi- kalische Gewinn ist niedriger. Das befremdet bei einem Virtuosen, der noch vor Jahresfrist mit den sechs glanzvollst«� Namen der europäischen Geigerwolt konkurrieren konnte. Aber sein Weg weist abwärts; für den Mangel an Stilempfinden in dern� klassischen S-inoll-Konzert von Vivaldi und für die allzu starke äußere Betonung einvs inneren Anteils am Spielerlebnis ist die Bravour de? Stakkato und die Sicherheit der linken Hand kein vollgültiger Ersatz. Der Ton ist weich und wunderbar klingend, ab» er.macht vor der Schwelle deS Her-ens Halt, und der Gelang seines schönen Instruments bittet auS Mangel an geistiger Durchdringung per- gcblich um Einlaß. Das Vicuxte-mps-Konzert A(rnoll mit seiner KonstrvaioriumS- und Schullangcweile sollte uns ein Elman nicht. ohne Orchester bieten;' daß er aber ein Spieler großen Formats dennoch gctblieben ist, konnte er an den schwierigen Ecksätzen dieses spezifischen Geigerstnckes aller Welt demonstrieren. Wie groß ist der Abstand seines Könnens etwa von dem der Spanierin Piona Lago. die gerade im Nebensaal musiziert! Hier ist im Klavier- spiel noch nicht die Zeit des Tastenschwindels überwunden. Ein Strahl von der Sonne des begnadeten Geigers Manen fällt zwar auf das schwarze Haupt seiner folgsamen Bogleiterin; aber der Solistin, die sich an Lrahmsschen Rhapsodie« abquält, und Scar- Irrt ti-■Sonaten noch vergeblich nach Ausdruck abtastet, sind die Flügel heute noch nicht gewachsen. Da fühlt man erst, wie trotz allem die Sehnsucht nach einem selbst vorsagenden Elman wach wird.... Eine dritte Ettäuschung: Edward Weiß, Amerikaner und Dusoni-Schüler, erbrachte bei dem Vortrag von Liszts Variationen über ein Bach- Thema und gar von Chopins B-n-.oII-sonate noch keinen rechten Beweis dafür, daß er als Pianist für Heimat und �Lehrer Ehr« einlegen kann. Ein leidlich guter Techniker, im Auf- trumpfen starker Noten nicht obne Glanz, wird seine Kantilene stumpf, sein Piano ausdruckslos, sein Ton schwebt nicht, singt nicht, ermattet sogleich. Nuancen des Trauermarschs hat er Busoni ab- gelauscht, aber wie bewußt, wie kindlich deutlich drückt er sie durch! Und dazu die schlechte Pedal-Behandlung: dieser virtuos umrahmte Kopf sollte feine Poesie von innen heraus gestalwn. Und Fingcr- geläufigkeit ist höchstens der Beginn nicht aber schon der Nächweis einer Künstlerbewährung. Zurück zu den Anfängen! Aufwärts geht es im Pianistenruhm Kurt Schuberts. Keine Kantigkeiten und herben Pedalschläge weichen einer inneren Samm- lu-ng, die in der„Benediction" von Liszt andächtig stimmt, eine weiche Bogenlinie zur Führung zwingt und geschmackvoll steigert, dämpft, hochklingt. Auch der Mephisto-Walzer bleibt bei aller Be- herzthert des Rhythmus klar, stark und sauber, wenn er auch deS letzten virtuosen Glanzes entbehrt. Den wird auch Lona Kor- n e l l s Stimme niemals hergeben. Fhr Sopran ist zart und zer- brechlich, die Tiefe noch■ unausgebildet. In einem künstlich über- füllten Saal der Singakademie wird das doppelt scblimm emp- funden. In unmodernen und dennoch immer wieder schönen Liedern von Jensen aber zeigt die junge Dame, daß sie musikalisch gewandt und im Ausdruck lebendig ist; ein gesund gestaltender Wille Lingt unverkennbar durch, und in der klaren Aussprache sollte nur der Vokalisierung(u, a) noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Das alles sind noch nicht die Heimatklänge, die im Ausland wie Glocken klingen könnten. N i k i f ch hat, auch wenn er„nur" Beethoven spielt, eine weltumfassenve Gebärde. Er sollt« unser diplomatischer Gesandter allerorts sein. Beethoven ist auch der Magnet, der in das Charlottenburger kalte Opernhaus lockt. Mit allzu groben Strichen zieht.Krasse lt die Linien der Eroika nach. Aher der Genius aller deutsch-sinsonischen Musik straft auch heute noch den so ganz anders gearteten Geist von Heldentum, Klage und Tragik Lügen. Noch unbegrenzter in Zeit und Raum schwebt Mozarts bekanntestes Es-dur-Konzert iurch den Saal der Phil- Harmonie, wo Edwin Fischer die Reize dieses klaren Sonnen- Werks fast zu kapriziös und eigenwillig heraushebt, ein seltsamer Stürmer und Dränger. Was wunder, daß selbst Mehrowitz und die Philharmoniker nicht genug Elastizität aufbringen, um jeder Nuance zu folgen! Vorher spielte er mit den Streichern, Cembalo und wenig Bläsern ganz reizende Tänze und Arien für Laute, Kleinovien des 16. Jahrhunderts, die der Italiener R e f p i g h i sehr geschmackvoll gesetzt, aber sicher nur für«in Kammerorchesterchen gedacht hatte. Vielleicht beschert uns Meyrowitz diese kleinen ein Tarifvertrag zustande. Nun pflegi man im gewöhnlichen Leben zu denken, Verträge werden abgeschlossen, um von beiden Teilen gehalten zu werden. Beim Pommerfchen Landbund lönts anders. Offen wagt er nicht, den Tarifvertrag, an dessen Abschluß er selbst mitgewirkt, zu brechen: er macht'S hinten herum. Wie uns von vertraucnswürviger Seite aus Köslin mitgeteilt wnrd. entblödet sich der Landbund nicht, diejenigen seiner Mitglieder, d'e sich an die Abmachungen des Vertrages halten und ihre Arbeiter nach den tarifmäßigen Lohnsätzen bezahlen, mit Gelbst ra'� zu belegen. Teiltveise sollen diese Strafen sogar die Höhe e'n�e fünf st elligen Ziffer erreicht haben. Wenn irgendwo Arbeiter in äußerster Not und Verzweiflung zu ihrer letzten Waffe, zum Streik, greifen, schreit die ganze agra- rische Meute sofort über Vertragsbruch. Bei den Herren vom Pommerfchen Landbund verpflichten feierlichst abgeschlossene Ver- träge nur die Arbeitnehmer— die Arbeitgeber dürfen. selbst wenn sie es wollen, Verträge nicht halten! Agrarische Treue! poftminifter unü Re-c�sverfafsung. Man schreibt uns: Ein Telcgraphenbeamter, der nach den vorliegenden Unterlagen zweifellos in nicht ganz ein- wandfreier Weise vor längeren Jahren pensioniert worden ist, hatte an die Nationalversammlung eine Petition gerichtet— Petition Tegeb. Nr. II 7710—, in der er unter Hinwels auf Artikel 129 der Reichsverfassung bat, ihm die Ein- ficht in die Personalakten zu gestatten, damit er die Mög» lichkeit habe, gegen das ihm. nach seiner Ansicht zugefügte Unrecht vorzugehen. Die Nationalversammlung hat in ihrer Plenarsitzung diese Petition der Reichsregierung zur Berücksichtigung überwiesen. sich hierbei auf den Standpunkt stellend, daß Artikel 129 der Reichs- verfassumg für alle Personen gelte, die Beamteneigenschaft besessen hätten. Das Reichspost Ministerium, cm das sich nunmehr der betreffende ehemalige Beamte gewandt hat, hat jedoch ohne wer- teres abgelehnt, dem Willen der Volksvertretung zu entsprechen. Es stellte sich auf den focmal-juristisch zu begrünoenden Standpunkt, daß der Gesuchsteller infolge seiner Pensionierung nicht mehr Beamteneigenschaft besitzt. Gegen eine solche Auslegung der Reichsverfassung seitens de? Reichspostministeriums muß auf da» schärfste protestiert wer- den. Damit werden wiederum der Willkür Tür und Tor geöffnet. Vor allen Dingen muß aber darauf geholten werden, daß in einem demokratischen Staate ein Minister nicht das Recht hat. mit einer leichten Handbewegung Beschlüsse der Volksvertretung bei- seiie zu schieben. Vielleicht äußert sich das Reichspostmini- st e r i u m zu dieser Angelegenheit öffentlich. Die Umbilüunst üer Polizei. Infolge vorübergehender Abwesenheit des Generals Nollet hat der Ueberwachungsausschuß der Entente sein Ur- teil über den Entwurf noch nicht abgegeben. Schwierigkeiten sollen jedoch, wie uns mitgeteilt wird, nicht mehr bestehen, und sämtliche beteiligten Beamtengruppen ihr Einverständnis er- klärt haben._ Das preußische Wahlgesetz ist, wie wir erfahren, soweit fertig, daß es auf Wunsch der LandeSversammhung alsbald vorgelegt werden kann. Ausstand der Lübecker Hafenarbeiter. Die Hafenarbeiter haben wegen verweigerter Lohnerhöhungen die Arbeit niedergelegt. Die Bremer Eisenbahner drohe» mit Selbsthilfe. Die Eisen- bahnbetriebsräte Bremens haben sich in einer Versammlung mit der Lage der allgemeinen Kartofselversorgung beschäftigt und eine Entschließung gefaßt, in der die Regierung zu sofortigen Maß- nahmen zwecks Herbeiführung der Verbilligung von Winter- kartoffeln aufgefordert pird, andernfalls wird Selbsthilfe angedroht. Ferner wird jede Beförderung von Kartoffeln an Brennereien abgelehnt, solange die Bevölkerung nicht mit billigen Kartoffeln versorgt ist. Die Eisenbahnbetriebsräte halten einen Preis von 15 Mark für den Zentner für angemessen. Sachen noch einmal im kleinen Raum; er wird doppelt Freude schaffen und Freunde gewinnen.' Dr. Kurt Singer. Der Herbst. Paul Rohrbachs Buch über Armenien bringt in deutscher Nachdichtung folgendes feine Lied des armeniichc» Dichters Dwenik Demirtschian(1878>: Herbst Hai schon sein Sterbelled bat sein stilles Lied begonnen, das durch alle Wälder zieht: von den Brunnen, die verronnen, von den Blüten, die verbtübt. von den kurzen Sommerwonnen, die in einer Nacht versprüht, von den Sonnen, die verglüht... Herbst hat schon sein Sterbelied, hat sein stilles Lied begonnen. Der neuute November. So nennt Bernharb Kellermann einen soeben vollendeten neuen Roman, der im Laufe des Oltober im Ber- lag S. Fischer ericheint. Da» Werk behandelt den deutschen Zulammenbruch. fiter Bürgerkrieg fn Fsrnnkreich, diese berühmte Schrist von Karl M arx über den Aufsland der Pariser Commune, Iii jetzt wieder w einer Sonderausgabe im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Durch A. ConradyS eingehende kritische Einleitung, deren Bert wir schon in anderem Zusammenbang bcrvorhoben, briefliche Aeuyerungen Marx' aus der Zeil der Kommune-Kämpfe und inbaltSreiche ergänzende Anmerkungen wird diese Ausgabe zum Range einer anerkennenswerten Leistung erhoben. Der PreiS ist ö Marl. Rudolf EuckenS LcbenSerinncruugen. Zu Weihnachten erscheinen im Vertag von F. A. Köhler in Leipzig die Lebenserinnerungen von Rudojs Euctens. Er hat fl« in Anlehnung an frühere Auszeichnungen im Sommer dieses JabreS niedergeschrieben und gibt ihnen den Untertile!„Ein Stück deutschen Lebens". Heinrich Vogeler.Worpöwede spricht am«. Oktober auf der Tagung der„Entschiedenen Schulresormcr" über Arbeitsschule und Menschentum, ilarten zu 1 Mark durch Dr. Franz L. Müller, Berlin- Lankwitz. Charlollenftr. öS. Die Akademie der Künste hat für die kommende Herbst» a u S fl e 1 1 u n g, die Werke der Malerei und Plastik unter besonderer Be« rücksichtigung des Porträts zeigen wird, den Anmelde- und Einsendung»- termin bis zum 10. bzw, 20. Oktober verlängert. Ausstellungspapier- i» Bureau der Akademie, Pariser Platz i. Märchen in der Dämmerstunde. Den ersten so b-iitelt-n Vortrags- abend oeranstatei die Äainmertunfl Berlin in der Sezession, Kurfürsten- dämm, am 25. Sept. 7'/, Uhr. Peter Harlan fingt zur Laute, Heinz Hilpert (Volksbühne) rezttiert."°"> Plastische Tänze bietet am 21. September, abends 7-/, Uhr im KIind- wortd-e-charwenta-saal Hedwig Noitebohm dar. Es handelt sich um plastische Bewegungsstudien, die in erster Linie vom musilaUschen. nicht vom rein tänzerischen«tandpunkte betrachtet sein wollen. Die Erotik im modernen Tanz bespricht Bustav Kell am 27. S-p tember im Mcistersaal. Bortrag mit Vorführung der neuen Modetänze. Ander? Zorn hat sein ganzes Vermögen dem schwedischen Staate vermacht Sei» Künstler hei« in Daleiartie» wird i» et» Zorn-Museum verwandelt. Volmfthe Zortschrz'tte. Marschall, 21. Septemiber. J-m Gen«vaIstaibSbericht vom Lv. September heißt es: Unser« Abteilungen nähern sich� indem sie den Feind zurückdrängen, d:>m Flusse Z b r u c z. In Wolhhnien «ahmen unsere Reiter in Verfolgung des sich zurückziehenden Feinde? R o w n o ein. In der Nähe von Klewcm ergab sich eines der Regimenter der Budjennyreiterei. Nördlich vom Pripjet eroberten unsere Truppen Prushanh und die Eisenbahnstation Li- riowa, wobei sich das 82. Infanterieregiment auszeichnete. Es wurden 1000 Gefangene gemacht, 30 Maschinengewehre und eine große Menge Munition erbeutet. Auf der Linie Prushany— Nowhwor geigt der Feind eine größere Tätigkeit, indem er an meh- reren Stellen dieser Front angreift. Alle Angviffe wurden blutig abgewiesen. Die Litauer sammeln neue Kräfte an der Linie des Flusses Marycha. An der Front des Njemen wurde die Ankunft neuer Sowjetdivissonen ans bct sibirischen Armee festgestellt. Der russische Bericht gibt den Rückzug zu. Moskau, 21. September.(Durch Funkspruch.) Der russische Heeresbericht vom 19. September besagt: Im Abschnitt Kobrin werden hartnäckige Kämpfe mit wechselnden Erfolgen fort- geführt. � Im Abschnitt Rowno finden blutige Kämpfe mit dem bor dringenden Feind statt. Fm Abschnitt D u b n o kämpfen unsere Truppen tapfer mit dem Feinde, der im Nordwesten von Dubno vorr ückt.(Der nächste Saß, der sich auf T a r.n o p o l bezieht, ist verstümmelt.) Im Krimgebiet, im Abschnitt Lrechow, dauern die Gefechte mit der feindlichen Artillerie an. Woher iveiftt Du?... Moskau, 21. September.(Durch Funkspruch.) Nach hier ein- getroffenen Meldungen' sind in Ostgalizien Aufstände ausgebrochen. Tie Aufständischen haben in den Karpathen starke Streitkräfte konzentriert und versuchen die Bahn- Irnie Lowotschnja— Strhj— Stanislawow zu besetzen. Die Auf- ständischen setzen überall ukrainische Verwaltungen ein. MoSkau, 21. September.(Durch Funkspruch.) Dor Kon- gieß der O st v ö I k e r hat einstimmig beschlossen, einen„Rat für Propaganda im Osten" zu bilden. GroßSerüu Die heutigen Demonstrationen. Vor einigen Tagen schon hat die„Rote Fahne" ihre An- Hänger für heute zu einer' Demonstration im Lustgarten auf- gerufen. Für folgerst� Forderungen soll dabei demonstriert wer- den: Sofortige Freilassung aller revolutionären Kämpfer und Niederschlagung aller gegen sie anhängigen Verfahren. Ein- stellung de? Verfahrens gegen die Weihenseer Genossen und Aufhebung aller Kriegs- gerichie. Entwaffnung unl» Auflösung aller konter- revolutionären Formationen, freie Einreise für die gesamte russische GewerkschasrSdelegation, sofortige Festnahme und Auslieferung aller konterrevolutionären Verschwörer gegen Räterußland an die Sowjet- regierung, Unterbindung jeder Herstellung und jeden Transports von Waffen und Kriegsmaterial und endlich Kontrolle über Erzeugung und Verteilung aller industriellen und landwirt- schaftlichen Produkt« durch Organe der Arbeiterschaft. Wir haben unsere Anhänger schon vor einigen Tagen vor diesen Demonstrationen gewarnt, die, wie selbst die„Rote Fahne" zugibt, der Konterrevolution Eieleaenheit geben können,„die Flinte schießen und den Säbel hauen zu lassen". Del� GeschäftSführsnde Ausschuß der U. S. P. für den Bezirks- verband macht sich In einem Aufruf in der heutigen„Freiheit" zwar die Forderungen der„Roten Fahne" zum großen Teil zu eigen, warnt aber dennoch vor der Teilnahme an der Demow- stration, da er noch vorliegendem Material auf da? bestimmteste weiß,„daß gerade der heutige Tag von Lockspitzeln dazu ausersehen ist, die Berliner arbeitende Bevölkerung zu sinnlosen Teilaktionen aufzuputschen, um der Reaktion den erwünschten Vor- wand zu geben, ein Blutbad unter dem Proletariat anzurichten". Daher wird vor jenen Elementen gewarnt, �»ie die begreifliche Verbitterung deS Proletariats und ganz besonder» der Arbeitslosen dazu benutzen wollen, der Konterrevolution Vorschüb zu leisten". Auch die Zentral« der Betriebsrat« warnt dor dieser Demonstration, da die Reaktion Vorbereitungen trifft, um diese Demonstration.zum Vorwand brutalsten Vorgehens zu machen". Trotz all- dieser Warnungen sah man heute um die zehnte Stunde vereinzelt Züge von zirka 40 bis 50 Demonstranten' durch die Straßen Berlins in der Richtung nach dem Lustgarten mar- schieren. Die Demonstration hat den Beweis erbracht, daß die Kommunisten keinen nennenswerten Einfluß auf die Berliner Arbeiterschaft haben. Der Versuch, die Arbeiter aus den Betrieben unter kommunistischem Banner auf die Straße zu führen ist m i tz I u n g e n. In Arbeit Stehende haben sich an der Demonstration nur in verschwindendem Maße beteiligt. Sie kamen aus einigen Kleinbetrieben. Ein paar tausend Arbeitslose, in der Mehrheft sehr junge Leute, die in geschlossenen Zügen anrückten, das war im rvesent- liehen alles. Was die Kommunisten aufbieten konnten. Dazu ge- sollten sich viele tausend Neugierige, die ohne innere Anteilnahme der Veranstaltung zuschaut«, und die kommunistischen Phrasen der vielen Redner lächelnd über sich ergchen ließen. Als die Raven beendet waren, verliefen sich die Neugierigen, während die eigentlichen Demonstranten, die im letzten Augenblick noch starken Zuzug aus den Vororten erhielten, sich zu einem Zuge formierten. Vor der Redaktion der„Freiheit" hielt man eine Zeitlang und erging sich in lauten„P f u i"- und sonstigen Rufen. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich in verstärktem Maße vor dem GebEudc des„Berliner Tageblatt". Bei Schluß des Blattes langte die Demonstration vor dem„V or w ä r t S"- G e � bäuve an, um dieselbe Komödie in höchstem Ausmaße fortzusetzen. Die Hochbahner gegen den Proteststreik. Die Funktionäre der Großen Berliner Straßenbahn hatten sich gestern an die Organisation der Angestellten der Hoch- und Unter- grur.dbahn gewendet, um zu erreichen, daß auch die Schnellbahn- angestellten sich an dem geplauien Proteststreik gegen Professor Giese beteiligen. In der letzten Nacht hat nun erne stark besuchte Versammlung der Hochbahner stattgefunden. in der mrt erheblicher Mehrheit, etwa zwei Dritteln, beschlossen worden ij{, sich an dem Proteststreik nicht zu beteiligen. Eiae»roße Spielergcsellschast wurde in der vergangenen Nacht von Beamten des Spielerdezcrnats in der Keithstr. 18 überrascht. In der Wohnung des Kaufmanns Geliert war eine Gefellfch� Der Kriegsßerichtsx Vor dem Außerordentlichen Gericht des Reichswehr- gruppenkommandos I Moabit begann beute vormittag der Prozeß gegen 24 Mitglieder der Weißenseer„Kommunistischen Kampforgan flalion". Wegen Vergehens gegen den§ 1 der Verordnung des Reichöpräsideuten vom 30.. Mai 1920(Teilnahme an verbotenen militärischen Organisationen) sind angeklagt: 1. Metalldreher Karl Liebs, 2. KuisGer Paul D o l l i ng. 8. Kutscher Willi Zilinski, 4. Gastwirt Hermann Drölger, 5. Expedient Fritz Falk. 6. Schlosseriehrling Erich V o ß, 7. Töpfer Franz Kaatz, 3. Schlosser Ernst Schulz, 9. Tischler Ernst Mehlbcrq, 10 Arbeiter Ernst G e n n a l, 11. Sattler Josef Wibal. 12. Maschinenarbeiter Paul Franz, 13. Werk- zeugmacher Richard Götze. 14. Tischler Willi Stern, 15. Kürsch- ner Willi 28 tut er, 16. Dreher N!ax B u r ke r t, 17. Mechaniker Theodor Pfeiffer, 18. Arbeiter Otto Wcdow,' 19. Schlosser Wilhelm D o ch o w, 20. Photograph Otiv Jacob, 21. Müll- kutschcr Erich Krüger, 22. Schlosser Ernst Franz, 23. Hand- lung?gehilfe Arthur Michaelis und 24. Tischler Etich Coall. Den 24 Angeklagten, die alle Arbeiter sind, wird zur Last gelegt, daß sie einer geheimen Kampforganisalion der Kom- munistischen Partei, also einem militärisch gegliederten Verbände, angehörten. Wie erinnerlich, kam es in Weißensee in der Nacht vom 19. zum 20. August dieses Jahres zu einer Schießerei zwischen einer Streif« der Sicherheitsvolizei und zwei Mitgliedern der Kampforganisation,. wobei ein Beamter getötet und ein Kommunist verwundet wurde. Die Ermittelungen der Polizei führten zu der Verhaftung der jetzigen Angeklagten sowie auch einer Anzahl von Vorstandsmitgliedern des Republikanischen FührerdundeS, denen die Teilnahme an. diesem Komplott vorgeioorfen wurde. Die letzteren mußten aber nach kurzer Zeit wieder auS der Haft entlassen werden, weil sich die vollkommene Haltlosigkeit der gegen sie erhobenen Beschuldigungen ergeben chatte. Die An- klage wirft den 21 Kommunisten ferner vor, Satz sie in jener Nacht ein Waffenlager der Weißenseer Einwohnerwehr, das sich auf dem Laubengelände an der Grellstraße, in der Nähe des Bahn- Hofs Weißensec befunden haben soll, ausgehoben hätten. Das Kriminalger-.chtSgekxäude war heute morgen m i l i t ä- ri sch verrammelt. Tie Legitimationen wurden streng geprüft, und selbst im Zuhörerraum sind Polizisten in Uni» form und Kriminalbeamte in Zivil verteilt. Man hielt eS sogar für nötig, Maschinengewehre bereit zu halten! I Die V e r t'e i d i g u n g der Angeklagten wird von den Rechts- anwälien Dr. Weinberg, Dr. B ä n h e i m, Dr. L a m p und den Justizräten B r o h und F r ä n k e l geführt. Kurz vor dem festgesetzten Beginn dgr Verhandlung betreten zwei Kranken- träger den Saal, die auf einer Bahre den Angeklagten Erich Krüger hereintragen- und vor dem ßlerichtstisch niedersetzen. Krüger wurde aus dem Rudolf-Vircholv- Kranken- Haus, in dem er an den Folgen des in der fraglichen- Nacht er- haltensn RückenschusseZ daniederlieigt, vorgeführt. Den Vorsitz der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Dr. Ernst, dem«lS Zivilrichter Geh. Justizrat Dr. H e n ck e l und LandgerichtSrat Jamrath zur Seite stehen, während als Militärrickuer Major Schern mel und Sergeant M e w S, beide vom Reichswehr-Jnsantcrie-Regi-ment Nr. 5, fungieren. Die Anklage vertritt Kriegsgerichtsrat Ramm in. Der Beginn der Verhandlung verzögerte sich ungewöhnlich lange, da, ähnlich wie im Hiller- iß rozeß, der eine mtli- tärische Beisitzer, der Sergeant Mews,'nicht erschienen war. Kur, nach �11 Uhr erscheint als Stellvertreter für den nicht eingetroffenen Sergeanten M e w S der Feldwebel R o gge vom Stab deS Reich'swebrgruppenkomm-andoS l. Urfter den Angeklagten sind auffallend viel Jugendlich«. Einige von ihnen scheinen nicht älter als 16 bis 17 Jahre zu sein. Die von der Verteidigung und der Anflöge geladenen 18 Zeugen, sowie die beiden medizi- nischen Sachverständigen Dr. Kochmann und Medizinalrat Dr. S t ö r m e r nehmen auf den Zeugenbänken Platz. Dann er- scheint der Gerichtshof, dessen Borsitzender die Aenderun-g in der Besetzung des Gerichts bekanntgibt. Verteidiger Rechtsanwalt Lamp erflärt das Ausbleiben des Sergeanten Mews, der sich anscheinend verlaufen hatte, nicht für genügend entschuldigt und protestiert gegen die Zusammensetzung des Gerichts. von 50 Personen eifrig beim Bakkaratspiel, als die Beamten Plötz- lich«.schienen, das Geld und die Spielgeräie beschlagn-ahmten und die Spieler sisststellten. Der Wohnungsinhaber und ein gewisser-- statteten die Beamten des Spielerdezernats wieder einmal der statteten die Becnnton des Kpielerdezernats wieder einmal der Wohnung der Frau Gold Hahn einen nächtlichen Besuch ab. Auch diesmal wurde wieder eine größere Gesellschaft airgetroffen, die je- doch in einzelnen Gruppen bei harmloseren Spielen zusammen- saßen. Keine Einschränkung der Bricfbestcllungcn. Eine Berliner Korrespondenz verbreitet die Nachricht, daß auf Grund neuer Be» sttmmungen des Reichspostministeriums die Zahl der Briefbestel- lungen weiter zu beschränken sei. Aus dieser Mitteilung wiro gesosgert, daß in Berlin fortan nur noch zwei Brief- bestellungen täglich stattfinden. Dies ist u n z u- treffend. Eine wettere Beschränkung der Bestellungen unter die jetzt bestehende Zahl ist nicht verfügt worden. An der Zahl der beispielsweise in Berlin vi e r m a l.w e r k t ä g l i ch stattfindenden Bestellungen ändert sich also nichts. Die Granseer Dampfziegeleien der Stadt Neukölln, welche vor Jahresfrist in das Eigentum der Stadtgemeinde Neukölln über. gegangen sind,. haben unter städtischer Leitung einen.b e d e u t e n- den Aufschwung genommen. Durch Ausbau der bestehenden Anlagen und Einbau neuzeitlicher Streichmaschinen ist ein in jeder Beziehung mustergültiges Werk von größter Leistungs- fähigkeit geschaffen worden. Das vorhandene Tonlager reicht für eine jährliche Produktion von 20 bis 25 M il- lionen Steine etwa 100 Jahre. Der gefertigte Stein stellt einen gut gebrannten HintermauerungSstein von besonders hoher Turckfestigkeit dar. Tie Produktton des Vorjahres wurde fast ausschließlich für die Ausführung umfangreicher Notstands- arbeiten in Neukölln zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot verwendet. Z Die Eharlottenburger Stadtverordnetenversammlung trat am 17. September zu der wahrscheinlich letzten Sitzung zusammen, um die Etatsüberschreitungen zu genehmigen. Nachdem eine Er- höhung der Vergütung für Jmpfärzte und verschie- dene Nachbewilligungen, welche sich aus Materialteuerungen und Lohnerhöhungen zusammensetzten, erfolgte, kritisierte Genosse Seifert die Lorlage auf Bürgschaftübernahme von je 50 000 M. für 50 Familienhäuier für die Baugesellschaft„Heerstraße", weil hler nur Bauten aufgeführt Iverden, welche für die minoerbemit- telte, dem Mittelstand sowie der Beamtenschaft angchörige Bevöl- kerung nicht in Frage k'etzm m e n. Der Redner betont, daß wir der Vorlage nur zustimmen, um der Arbeitslosigkeit zu steuern. Der endgültig vorliegende Jahresabschluß für 1919 zeigte«inen günstigen Stand, insbesondere Gas- und Elektrizitäts- werke haben einen Reingewinn von über 4 Millionen Mark, trotz der zurzeit bedeutend niedrigeren Preise als Berlin. Die Schlußrechnung ergab noch einen Heber fchuß von c a. 700 000 M., io dag Eharlottenburg noch mit einer Braut- gäbe in die neue Ehe mit Berlin eintritt. Für Errichtung von Notwohnungen wurden 4 Millionen bewilligt. Eine Vorlage, für den Bau eines Wohnhauses in der Kaiserin-Augusta- Allee 9 Millionen für 135 Wohnungen zu bewilliget, wurde vertagt. Folgende zwei Anfragen wurden von' unserer Fraktion gestellt und von Gen. Tost begründet; tozeß in Weißenfee. Dann erfolgte der Aufruf der Angeklagten und der Zeugen. Von den elfteren sind alle, biS aus den verwundeten Krüger und den Gastwirt Dröger, in Hast. Rechtsanwalt. Dr. Siegfried Weinberg gibt nach Aufruf der Angeklagten folgende Erklärung ab: Ich frage da? Gericht, od den Verteidigern das gesamte Aktenmaterial vorgelegt worden ist. Ich komme deshalb zu dieser Frage, weil sich bei den Akten ein besonder? verschnürtes Aktrnpakrt befunden hat, welches ausdrücklich den Hinweis trug: Dieses Akten- stück ist den Verteidigern nicht vorzulegen! Ich protestiere ferner dagegen, daß der Anklagevertreter schon vor Beginn der Sitzung den Herren Richtern eine Art Plädoper vorlegt. Anklagevertreter Renniell: Bei dem Aktenstück, von dem -der Herr Verteidiger spricht, handelt cS sich nicht um Akten, weldte dem Gericht übergeben werden sollten, sondern um Äu f z e i ch- n u n g e n, Ivelcke ich mir als Anklagevertreter gemacht hatte. Das sogenannte Plädoyer stellt weiter nichts dar,«ls eine Zusammen.. stellung der Personalien und Angaben über die Daten der c'.nzelncn Vernehmungen der Angeklagten. R.-A. Dr. Weinberg: Ich erinnere daran, daß«s dor 25 Jahren im Dreyfuß-Prozeß die größte Entrüstung erregte, daß Plötz- lich ein Aktenstück auftauchte, welches den Verteidigern bisher vor- enthalten war.— Vors.: Heute liegt dem.Gericht mir das vor, waS auch den Ver leidiger» vorgolegen hat. Ich sehe die Sache so an: Da es in diesem verfahren»ine schriftliche Anklage. nicht gibt, hat der Aiiilagovertreter einen Auszug aus den Akten gemacht, welckrer in der Hauptfach» nur die Personaliicii cnt- hält.— Jnsttzrat Viktor F r ä» i l: Gerade weil e» keine schriftliche Anklage gibt, durste der Sta«ttSanw«lt diese lZusammenstelluug dem Gericht nicht vorlegen.— Vors.: Ich l»ge hiermit den Vcr- terdigern das gesamte Material dor,»eiche?, dem Gericht vorliegt und vorgelegen hat-und erkläre serner, daß die Mitglieder des Gerichts von der Persvnalicnaufstellung, die«er Anklagevertreter an- gefertigt hat, keinen Gebrauch machen werden. Ich glaube, daß diese Erklärung genügt. Gerade als der Vorsitzende zu dem Aufruf der Zeugen schreiten will, stört e!« neuer Zwischenf«N die Verhandlung. Der Angeklagte General wird plötzlich von einem Wutkrampfanssall befallen, er schlägt auf der An- klagebant wütend um sich und wird v»n zwei Sicherheit?- beamten und de» Mitingeklagten gebändigt und muß schließlich aus dem Saale getragen werden. Justtzrat Viktor Fränkl betont, daß er schon mehrmals den Antrag gestellt habe, den Llugeklagten General«ls Haft uns ä h i g aus der Haft zu«nilassen, er wiederh»te biermit diesen An- trag. Das Gericht beschließt nach Aufruf»er Zeugen, den Sani- tätsrat Dr. Leppmann über diesen Antr«g zu hören. Beim Zeug'enaufruf fehlt» der Krimin«lk»»iniiss«r M a S l o k. Rechtsanwalt Sicgsr. Weinberg»rklirt, ixtß«««uf die Vernehmung des Kriminalkommissars auf keinen Fall verzichten könne, da in dessen Händen die ganzen Fäden dov Tpifeelweseng zusammenlaufen und er das ganze Raterial zusammengetragen hat.— Das Gericht beschließt, den Kommissar MaSlok«uf schnellstem Wege an Gerichtsstelle zu schaffen. Nachdem die Zeugen auf Mittwoch, 9% Ussd, bestellt worden find, erstattet Sanitgtsrat Dr. Levpm«nn sein Gutachten über den Angeklagten General. Dieser,«in Hysteriker, der außerdem Syphilitiker sei, sei ein geisttg minderwertiger Mensch. Er stelle als Sachverständiger den Antrag aus 8 91 der Strafprozeßordnung, den Ilngeklagten auf die Dauer von sechs Wochen in einer öffentlichen Irrenanstalt auf feinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Justizrai Viktor Fränkl: Da die Verteidigung auf dem Standpunkt steht, daß das Gericht als solches gar nicht geseymutzig ist, kann ich zu diesem Antrage nicht Stellung nehmen. Ich stelle ferner den Antrag: DaS Gericht möge sich für unzuständig erklären und das Ber- fahren abbrechen. Der Verteidiger bertritt in-längeren juristischen und politischen Ausführungen seine Ansicht. (Fortsetzung in der Morgen-AaStfabe.) Welche Gründe haben den Magistrat veranlaßt, den bisherigen Spielplatz in der Spree st r.(16. Gem.-Schule) als ,Holz platz einzurichten?— Kämmerer S ch o l tz erklärte, daß der Platz mit Zustimmung der Schuldeputatiin benutzt werde, da eine Notlage vorliege. De RäumungGetselben soll s o bald als möglich erfolgen. Die zweite Anfrage lautete: „Nach Zeitungßmeldungen hat das Preußistbe Fin«nzministerinm den Antrag der Versammlung,«uf den Roßwiesen im Schloßpart einen Sportplatz mit Sportbad und Ruderteich-en zu errichten, abschlägig beschieden. Ist der M«>istrat in der Lage, über diese kaum glaubliche Notiz Auskunft zu erteilen?— Der Magistratsvertreter mußte leider die Zeitungsnotiz bestätigen, und bemerkte, daß der ablehnende' Bescheid»hne jegliche Begründung erfolgt ist. Von allen Rednern wurde daS Berimlten des Finanz- imnistcriums verurteilt, weil die über 300 000 Einwohner zählende Stadt keine öffentliche Badeanstalt besitzt und die ganze Anlage den Schloßpart durchaus nicht als historischen Park verändert und auch als Notstan-dSarbeft für verschiedene hundert Arbeitslose Arbeit geboten hälft. Dem Magistrat wurde einmütig ausgegeben, in erneute Verhandlungen einzutreten, um für die Volksgesundheit förderlich zu wirken. Grosi-Berliner Lebensmittel. Neinickendorf.'/, Pscknd Kunsthonig(251). Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 21. September: Ju»gsozia!istische Vereinigung..'/,? Uhr ArbeitZauZschu!, inz VorwättZgebäude Sitzung.— Ortsgruppe Lichtenberg. 7»/, Uhr bei Schient- rich, Simplonslr. 42, UnftrhaltimgSabend.— Ortsgruppe Tempeibos. 71/, Uhr bei Butt. Werdctstrage. Ecke Koiscr-Vilhelm-Slraße, Vortrag über: Materwliltische Geichichtsaussassung.— Ortsgruppe Osten. 71/, Uhr bei Bombe, Stratzmannstr..?, DiZtussionsaben». Tieglit». Wichtige Sitzung»er Eliernvelrite stmtlicher Schulen(s. P. D.) im(Lescmgfaal, Flvrastisjje. Mvrgen, 22. September: 2. ftitt. lHallescheS Tor). 7'/, Uhr im Jugendheim. Sindenstr. 3, M!t- glledcrvetsainmlunz. Vortrag des Genossen Eberl. Die. Funktionäre werben gebeten, eine halbe Stunde vorher zu erjcheinen. 47. Slbt. Zahlabcnd 7 Uhr bei Senkel. Utrechter Eft. 10, bei Radzah, Brüsseler Str. 42, und bei Diener, Buchst'-. S. Tegel. 7 Uhr Mitgliederverfammlung in der Schulaul« Treskowstraße. Thema: Steuersragen. Ztejerent: Genosse Mituscheck. Vorträge, vereine und Versammlungen. Verein bettnattrener Oberschlesser, Ortsgruppe Neukölln. Viele Landsleute haben trotz aller ausgebotenen Mühe ihre Urlunbcn in der(Seschäslsslelle Kopsstr. 54 noch nicht abgegeben. Tut Eure Pflicht. Ihr erleitchcrt uns dl- Arbeit!— Berliner Handwerkerveretn. Sobhien- straße 18. Mittwoch 8 Uhr abends, Vortrag deS Herrn Hellmuth Menzel: Leben und Krankheit Ludwigs II. Mit Lichtbilder».—„Sizilien und daS Bultangebict TüditalicnS" lautet das Thema de» mit zahlreichen sarbigen Lichlbildern ausgestatteten Vortrages, den uerr Map Nentwich am Mittwoch, 22, September, abends 71/, Uhr, im großen Hörsaal der Treptow- Sternwarte hält.— Vereinigte LankwiNer Kleingärtner e. V. 95., 9«. und 27. September i» Lehmann« gesjszia«. Kaifar-ZSShalmsir. 29/81 in Lankwitz: Ausstellung tlewgirMert scher•cznttNifie tmi Mimheft. EeVorMastsbewegung verbanöstag der Töpfer. Meißen, 13. September 1323. Heute früh wurden die Verhandlungen im„Kaisergarten* eröffnet. Tie Verlesung der Präseu�liste ergab die Anwesenheit von Lg Telegierten. Der Zentralvorstand ist durch Drunsel. Bartsch und Lother, die Redaktion des„Töpfer" durch S ch m i t vertreten. Vom' Bundesvorstand sind die Genossen Grast- mann und H e i n k e(letzterer in seiner Eigenschaft als Sekretär für Bauarbeiterschutz) anwesend, der Bauarbeiterverband ist durch den Genossen Paeplow vertreten. Nach einer ziemlich ausgedehnten Gcschäftsovdnungsdcbatte, in der hauptsächlich die sogenannte Opposition, geführt von den Berliner Kommunisten Pusemann und Lemmböser, die Gestaltung der Tagesordnung zu beeinflussen versuchten, wurde in die Verhandlungen eingetreten. An erster Stolle wurde der Punkt Beitragserhöhung, Statutcnberatung und Bericht des Vorstandes verhandelt. Ter Kassierer Lothar erläuterte in ausführlicher Weise die mistlichen Kassenvcrhältnisse und legte eingehend die Not- wendigkeit einer Beitragserhöhung dar. Der zweite Vcrbandsvor- sitzende Bartsch verbreitete sich über die Art des Ausbaues der Unterstützungseinrichtungcn. An eine Erhöhung der verschiedenen Unterstützungen sei weniger gedacht, in der Hauptsache sei nötig di« Erhöhung der Streikunterstützung und eventuell der Bestat- tuugSbeihusc. An eine Beseitigung der anderen Unterstützungsarten, die von radikaler Seite verlangt wird, könne nicht gegangen werden, dies würde eine starke Mitgliederslucht zur sfolge haben und den Verband lahmlegen. Ter Verbandsvorsitzende Drunsel gab hieraus einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Zentralvorstandes seit dem vorjährigen Verbandstag. Der Redner wendet sich dabei auch gegen den Kommunisten Lemmhöfer- Berlin, der als Beisitzer des Zentralvorstandes rf'nen verleumderischen Bericht über den Verbandsvorsitzenden aus Ostpreusten in die„Rote Fahne" lanciert hatte, nachdem die-Frei- heit" die Ausnahme abgelehnt hatte. Lemmhöfer mutzte wissen, dätz die darin enthaltenen Verleumdungen nicht der Wahrheit ent- sprachen, trotzdem brachte er das Machwerk in das Kommunisten- blait. Im übrigen bat der Zentralvorstand alles versucht, durch entsprechende Maßnahmen und Eingaben die Arbeitslosigkeit im Ofensetzgewerbe zu bekämpfen. Trotzdem werde auch in dieser Frage vornehmlich � durch die Berliner„Opposition" gegen den Zentralvorstand in jeder Weise Stimmung gemacht. Zum Schlug bespricht der Redner noch die Mastnahmen des Vorstandes in der Frage des Bauarbeitcrfchutzes. s diese Aeusterung für einen Wink mit dem Zäunpfahl gehalten zu : haben, denn zu jener Zeit schwebten bereits Verhandlungen mit i dem Betriebsrat wegen�Entlassung von zwei gewerblichen Ange- stellten. Zu einem derselben sagte P. nach der Unterredung mit dem Direktor, er, P., könne 800 M. bekommen, wenn er der Ent- | lassung zustimme, aber das werde er nicht tun. Svätcr bat aber P. seine Zustimmung znr Entlassung des einen Angestellten ge- geben und der ani�re hat selbst aufgehört, weil er merkte, dast auch er die Entlassung zu erwarten hrbe. bat P. tatsäcktich 800 M. bekommen. Bei der Gehaltsregulicrun n Er behauptet aber, auch die Gehälter der übrigen Angestellten seien zur gleichen Zeit in dem- selben Verhältnis erhöbt worden, so dast er nicht bevorzugt sei. Unter den Angestellten der Frei« erregte.die Erhöhung des Gehalts des Betriebsratsmitglieds P. Aufsehen. Man hielt sie für auffallend hoch und bracbte sie in Verbindung mit der Neuste- rung des P„ er könne 800 M. bekommen, wenn er der Entlassung zustimme. Alf der ebenfalls dem Betriebsrat angehörende kauf- männische Angestellte Sp. nach längerer Krankheit zurückkehrte und diese Angelegenheit erfuhr, hielt er eS für seine Pflicht, der Sache auf d�n Grund zu gehen. Er befragte den entlassenen und den ausgeiretenen Angestellten sowie P. Tie beiden erstehen be- stätigten die Aeutzerung des P., dieser bestritt sie. Sp. sagte dann im Gespräch mit zwei Detriebsratsmitgliedern, P. babe die 800 M. bekommen, weil er der Entlassung der beiden Angestellten zuge- stimmt habe. Diese Bemerkung wurde dem P. und durch diesen dem Direktor überbracht. Darauf wurde Sp. ohne Kündigung ent- lassen, weil er durch die angeführte Aeusterung den Direktor be- leidigt Hab«. Das Urteil des Kausmannsgerilbts ging dahin: E§ lei nicht erwiesen, dast der Direktor dem Betriebsratsmitglied P, Versprechungen gemack.t habe für den Fall seiner Zustimmung zur Entlassung der beiden Angestellten. Das Verhalten des Betriebs- ratsmitglieds Sp in dieser Angclege.nheit sei zwar unkorrekt, aber die Absicht, den Direktor zu beleidigen, habe er nicht gehabt. Ein Grund zur kündigungslosen Entlassung liege nicht vor. Vom Borssvenden des Deutschen Eisenbahncrverbandcs, Gen. F. Scheffel.'crbalten wir folgende Berichtigung: Zu der Erklärung der 10 Genossen der Preustischen Landesversammlung in Nr. 4SI des„Vorwärts" zu meiner Berichterstatwng auf dem Verbandstag des Deutschen Eisenbahnerverbandcs habe ich zu be- merken, dast ich die mir zur Last gelegte Aeusterung nicht gemacht habe, wie daS folgende Stenogramm über diesen Teil meiner Rede beweist: In den sozialistischn Fraktionen, in erster Linie in der sozial- demokratischen, hatte man sich damals mir der Angelgenheit be- Es wurde dort ausae'procken. dast die Arbeitercntlassunaen fastt. WIM in den Eisenbahnbetriebswcrkstätten unier der Arbeiterschaft im „„.. allgemeinen eine graste Erregung hervorgerufen habe, und das mit Zu der letzteren» Frage erhält noch der Sekretär für Bau- Recht, weil reaktionäre Elemente dabei ibr freies Spiel getrieben arbeiterschutz H e i n k e das Wort. Es mache sich notwendig, diese i von der Absicht ausgehend, den Eisenbahnerverband zu zer- CV— t*-.-,. S. � � S. � � OT � � 1 1 r, kTN- lü. r."V*■ t 1 �,•• y_ t JC T.. n. f_y. r L v.—. om i... f.a � � Frage wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Die Statistik des Verbandsvorstandes über rheumatische Erkrankungen, Lungen- leiden, Unfälle usw. beweise die Notwendigkeit eines Ausbaues de? Bcmarbciterschutzes. Schon 1871 hätten die Hamburger Töpfer in dieser Richtung einen Vorstost unternommen, jedoch erst ca. 16 Fahre später nahmen die Bauarbeiter hierzu allgemeiner Stellung. Während sich damals die Vorschläge nur in der Selbsthilfe erschöpften, wurden endlich um die Mitte der neunziger Jahre gesetzliche Masz- nahmen gefordert. Die Forderungen verhallten jedoch ungehört, das Unternehmertum hatte dafür nur Hohn übrig, bis dann end- lich die<£?ache vor das Reichs gesundheitsamt kam. Die Kokskörbe wurden nach und nach beseitigt, in der Dichtusg der Wintcrbaujen wurden schätzbare Vorteile erreicht. Der Ausbau der Schutzbestim- mungen müsse weiter forciert werden. Baukontrolleure aus den Reihen der Arbeiter müssen überall verlangt werden, die Kon- trollcure selbst müssen eine hilfreiche Stütze in den Arbeitern und den Betriebsräten haben.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion vertreten Pusemann- und L e m m- h 3 f e r- Berlin den Standpunkt, alle Unter st ützungs- einrichtungen auster der Streikunter st ützung ab- zu schaffen. Dadurch würde auch an Verwaltungskosten gespart, es würden Mittel frei zur Führung der WirtschaftS- kämpfe. Für in Not befindliche Arbeiter.habe der Staat z« sorgen. Die jetzige Berbanbsleiwng müsse beseitigt werden. Kaulich- Hämbnrg glaubt, dast eine Beitragserhöhung allein nicht viel helfen werde, es sei nötig, austerdem noch Anschluß an den Bauarbciterverband zu suchen. Die Sozialisierung im Bau- gewerbe müsse mit aller Kraft gefordert werden. Hierauf wird die weitere Debatte auf morgen vertagt. Der unbequeme Setrkebsrat. In einer Feststellungsklage, die wegen der Entlassung eines Betriebsratsmitglieds der Versicherungsgesellschaft Freia vor dem Berliner Kausmannsgericht verhandelt wurde, ist folgender Tat- bestand festgestellt worden. Das Betriebsratsmitglied P. verhandelte mit dem Direltor und auf einer 4S0 Ouadratmeter großen Parzelle ausgestelll. Sie wegen Erhöhung der Gehälter der gewerblichen Angestellten, wird aus doppeUen Hotzwänden mit einem Pappdach Dabei forderte P. für sicki eine Erhöhung seines etwas über 400 ohne Unterkellerung errichiet. Tie Seitenwände werden ebenfalls durch Beuagelunq mit Pappe rsoliert. Die U n- Wirtschaftlichkeit dieser Lauben liegt u. E. darin, daß sse im Verhältnis zu den hohen Koüen wcht genügend Raum für kinderreiche Familien bieien, sich als stark rcpararur- trümmern. Tie Fraktion beschloß, sobald das Material vorliege, eine dringende Anfrage an die Regierung einzubringen. E? wurde weiter im Landtag ausgesprochen, dast einwandfrei festgestellt sei. dast Reaktioäre am Ruder seien, die entgegen der Erklärung des Eiseübahnministers ibnen unbeliebte Arbeiter auster Lohn und Brot brachten, um sie durch die Hungerpeitsche gefügig zu machen. Es wurde weiter kritisiert, dast man sogar so weit gegangen war, nach einzelnen Orten, wo alles ruhig war, Truppen angeblich zur Auf- rechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu senden; weiter, dast bei der Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter durchaus nicht stach den Anwessungen des Ministers verfahren wurde und dast dse Hauptschuld offensichtlich an den Amisvorständen und den Dienst- stellenvorstehbrn liege. Die Landtagsfraktionen beschlossen, alles aufzubieten, um die'entlassenen Arbeiter wieder in die Betriebe bineinzubringen. In einer Anzahl Fälle bat man auch das Men- schenmögliche dabei getan. Bei änderen wiederum mutzte man die notwendige Energie, und vor allem da» Interesse an den Ent- laffcnen, vermissen._ Deutscher Transportnrbeiter-Verbnnd. Branckc Einkasl lerer und Kasie nboten. femnciSIag, den 23. Sept., abends'i,7 Utr. im Einsiedler, Neue Promenade g/IO(am Babnbof Börset. Vertrauens- männerversammlung.— Freitag, den 24. September. abendsKUHr, im Lolal von Wegencr, Scvdesstr. 30, für alle in der Damenhüte- und Putzbranche beichäsiigtcn Kolleginnen und Kollegen Kruvpenvellammlung. Tagesordnung: t. Stclluno. nabme zum Lobntarif. 2. Dislussion.— Branche K l a s und Keramik. Millwoch, den 22. September, abends S Ubr, im �ewertschastshaus, Saal 3, (Truppenversammlung. Kündigen wir den Tarif? Wivifdyaft Unwirtschaftliche Notwohnungs�anten. Der Wohnungsverband wird im Norden Berlins auf dem Gebiet der Jungsernbeide lAfrikanisckie Straße) 200 W o b n I a u b e n das Stück zu 27 OOO M. veranicblagt. errichten. Jede Laube wird 8X6 Meter im Außenmast— 40 Quadrarmeier Grundstäckie haben Mark betragenden Monatsgehalts auf 800 M., die ihm, wie er sagte, nacb denr Tarif zuständen. Der Direktor erklärte, er könne die 800 M. nicht bewilligen, wenn nicht das gewerbliche Verson'al, für das nicht genügend Arbeit vorliege, verringert werde. P. scheint bedürftig und von unzureichender Lebensdauer erweisen werden. Bei einem Raum von 40 Ouadralmeter ist für eine Dmierwohnun'z ein trockener, beller Ketter nis Lagerranrn unentbehrlich. Wir glauben, daß an Stelle dieser unzulänglichen Laube bei rich- liger Disposilioil ein solider Sleinbau mit Keller sich billiger Kerstellen läßt. Dieser Sleinbau als„Kern" würde dem Inhaber die Erweirerung zu einem größeren Haus jederzeit gestalten. Swine lind genüge, d zu haben. Die projektierte Siedlung wird sicker nach Fertigstellung wie ans dem„ B a u k a st e n" anigebaut, gefällig erscheinen, aber wir fürchien, daß mit einem Jadr bei den ulizu» l än glichen Räumen aus der Siedlung au der Afrikanischen Straße ein afrikanisches D o.r f geworden rein w'rd. Tie Verzin'niig von 27000 M. zu 6 Peez, beansprucht jährlich 1350 M. für 40 Ouadratmelcr Raum. Würde die Stadt das Gelände einer gntgeleiteten Genossen- sch ast zur Berlügung stellen, ibr das vorhandene billige Holz. auch Sierne und ciueil Teil des Kapitals zur Verfügung stellen, dann würde die Arbeil�rsckaii i o I b st sich zu einem erheblich nie« drigeren PrciS eine zweckmäßigere Siedlung anlegen. Wenn- die 200 Wohiilauveu stall in der Jungiernheide ans je 4S0 Onadraimeier weiter draußen auf je 6 00 Ouatzratmeler er- lichtet würden, daitlr gewännen wir damit 200 neue Lebens- nrittelproduzcnten. Berlin muß entvölkert iveiden, weil die Zrigewmrderlen bier gar keine E p i tt e n z finden können. Wir haben vor den Toren Berlins noch Güter von 20— SuOOO Morgen Größe. Dort ist der Play, außerdem»stehen in den Kur- und Badeorten Hundentau ende von Wohnräumen ifeCj. Unter» b i n d u n g des Zuzuges nach Berlin und systemcr.ische Umsiedlung auf das Land, dann löst sich Vre Wohnungsfrage von selbst. Ein Notruf der Poslkartenindustrie. Alle Gewerbe, die nicht den l e b e n s!v> ch r i g e n Bedarf, sondern Luxus- und Kulturbedürlnisse berriedlgeu. vcr- lieren mit der Berarmmig eines Volke-, auch ihre Eristonzmöglichlert. Tauseude von Arbeiter» der Kunüdruckindustrre verlieren bei dem Perichwindcn des Jnlaridmarktes ihr Brot. ES rs: daher dringend notwendig, daß dre Arbeilerschaft des KimstdiuckgewerbeK. den. Zu i a ni m e n f ch l u ß der Betriebe zu mäcknigen Export» o r g a n t s o. l i o n c n fordert, denn nur mit aroß ir Milteln und tüchtigstem Veikaufsapparat kann das Wellmarklgrichä'l wieder in die Höhe gebracht werden. Es wird also Autgabe der Betriebs- rate fein, mit den Unt.rriehrne.rn ihres GvwerbSzwei:es wegen der Sckassriug eine- Exz'ortvereintgilng baldrast ru verhandeln, danrit Reisende in die Welt hu'.QUs.when, um für die Betriebe Auf- � rage zu holen._ Landhunger. Die Beschaffung von L»ro br iet trotz des SiedlungsgeletzeS die allergrößten Schwierigkeiten, Werl in einem geradezu c?» schreckendem Maße die Spekula rHMn sich de? Bodens bemächiigt. Die Güterpreise steigen ins Phantastische, von Hand zu Hand wanden der Boden. Daß die Siedl ungsgesellichasten unter solchen Berhällnisscn kein Land erwerben können,' ist klar. Die Regierurrg lädt e>ne schwere Schuld auf sich, daß sie diesen leichten V e s r tz w e ch s e l zuläßt und nicht mir fester Hand den Spekulanten, Sieuerhiiilerziehein und Schiebern zu Leibe geht. Hub öüer Weit. Die Stratzenbahnbriefkasten bewähren sich. Die seit dem 1. September in Hamburg zum ersten Male in Teutschland von der Rerchtpost. und Telegraphenverwaltung getroffene Neueinrich- tung der S t r a st e-n b a h n o r i e f k a st e n erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit.' Sie stehen dem Publikum kostenlos zur Verfügung, sowohl für Orts- wie auch für Fern» sendungen gedacht, aber nur sür Telegramme und Eil- bliese. An den HauptkreuzungSpunkren, Hauprbahnhof und Steplansplatz, sind ständig Boten aufgestellt, die sowohl die En!t lceruug der Briefkasten wie auch den unmitlelbaren Austausch dieser Sendungen vorzunehmen haben. Ab 3 Uhr abends teeröen die Kasten gänzlich geschlossen, damit alle Sendungen restlos ersastl werden können und eck etnxriges Lagern über Nacht ausgeschlossen ist. Seit dem 1. September sind 4000 Telegramme und durchschnittlich täglich etwa 460 Eilbriefe in dieser Weise befördert wor- den. Es sollen auch bereits Erwägunaen darüber schweben, ob diese Einrichtung nicht aus gewöhnliche Briefsendungen gegen eine Sonder gebühr von 60 Pf. auszudehnen sein wird, da schon jetzt ohne Rücksicht darauf, daß vorläufig nur Telegramme und Eil- briefe zugelassen sind, stets eine große Menge gewöhnlicher Briefe in den Kasten vorgefunden wird. Man gebt wohl in der Annahme nicht fehl, dast in aller Kürze andere Großstädte dem Muster Ham- burgs folgen werden. Ein neues grohes Erdbeben. Gestern nachmitlag registrierte der Seismograph der Erdbebenwarte des Taunusobs erva» torrums ein äußerst heftiges Erdbeben. Tie ersten Vor- ltiuser trafen um 3,67 Uhr 4. Sekunden ein. Tie Reihe der Haupt- wellen begann etwa 4,40. Uhr. Erst regen 7 Uhr abends waren die Instrumente wieder völlig in Ruhe. Der Erdbebenherd be- findet sich in einer Entfernung von über 15 000 Kilometern, also in der Nähe des.Cegenpunktcs, vermutlich im südl'chen Teil des StillenOzeans., Vcrantw. für Jeu rcSnlt. Teil: Dr. Werner Pcisir, Eharlotleirdrirg: für Slureuren: Tri. Glolkl. Berlin. Berlag: Porwöris-Berlao«. m. d. Berlin. Druck' Bor- würrs-Brnhpriickerei» Verl�asair!>olt Pnul Dinner» Co. Berlin Lindeiitw. Z. Tassrn: raomrm Jeder Eisenbahner der vorwärts strebt und nach dem Snindsoff: „Freie Bahn dem Tiichtigen" sich durch«in- schlagige Fachtiteratnr forrbildeu will liest »ur Vervollkommnung seiner Berufskenntnisse unsere ionkurrenziose Fachzcitschrist Sie iWMiaie Amtliches Organ de? Verbandes Deutscher Eisenbahnfachschuleu und technische Zeitschrift für alle Eisenbahner. Interessante Artikel. Lehrreiche Abhandlungen. Ans dein Inhalt: Demokratisierung im Eisen- bahnwelcn.— Die Entwicklung der Siemens- Werte.— Neuerungen im Signalwesen.— WWWWWW��W Boro- Meter.— Die Verwendung' van fluKsiiernen Lokomotiv-Feuerbsichsen.— Der Lokomotiv- testel.— Die Telegraph!«.— Elektrische Schnellbahnen— und vieles andere mehr. 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