nr.472» 37>foj)ggong Ausgabe M Nr. yy Bezugspreis: v ert-Ij ährt. 30.— M!» monat�l»�— MI. sr«, ins 5?ou». voraus zahlbar. Polt- dezug: Monallich 10,— Ml» exkl. ftu- fttllunqsgedühr. UnicrKreuüband mr Deutichland und Oesterreich IS.'ll J!!» für da» itbriar Ausland v«> laqlich einmal. ssulleUung 21 50 VI. Pnttl'e» stellunqen ncdmen an Oesterreich. Unzaro, Tschecho- Slowakei, Dane- mark, Holland,»uremdurz, Schweden und die Schweiz.— Sinzeirazen in die Post-?»iMN»l>si». Der.Borwärts' mit der Eonniaz»- beilage»Volk u.geii� ericheini wachen- loglich zweimal Sonnlags und Man- tags einmal. Telegramm-Adressei .Sazioidemotral verlln». Morgen-Ausgabe Verlinev DoUiöltlatl (iÖPfemig) AuzeigenpretS: Di« achlgelpaliene?!onvao>"l!eie!l» toslrtst.— M.,Teuerung»zu>chlagd0ii/s. »Sieine Anzeigen-, das irrt- gedruiti» Morl 1,— Di.(juläjjifl zwei lettgedruchie©orte), itbes weitere Won 80 Pfg. Stellengesuche and Kchlassiellenanzeigen da» erste Wort 8ö Pig» tede» weitere©ort 40 Psg. Worte über 15 Buchslaben zählen üit swei Worte. Teuerunasziischiaa 50".� ssamilleii-Anzeigen silr Abonnenten gelle 2.— M» politilche und ae- wertschastllche Vereins- An� eigen l.— Mk. die gelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ä chst e Nummer müssen bis 5 Uhr nad mittag« im i>auolgeschäst. Berlin SW. i, Linben- straße 3, abgegeben werden. Seöffnel von» Uhr früh bis ä Uhr abends. Tentrslorgan der rozialdcmokratffcben parte» Deutfcblands Reöaktion und Expedition: SW. b8, Ändenstr. Z. �ernsvrrcher!«ml Morindla«. Nr. I!»«— lZl»7. Donnerstag, den ÄZ. September 1VÜ0 vorwärts-verlag G.m.b. tz., SM. b8, Lindenstr. Z. Zsernsprecker: Amt Moriqpla«, Nr.»»7 3!»— M. Sefltzsteuer unö Sozialisierung Beschlüsse des Reichskabinetts. Das.nÄbmett Fekii-mbach bat am gestrigen Tag unter bem Vorsitz deS Reichspräsidenten eine überaus wichtige Sitzung abgehalten, über deren Verlauf wir weiter unten'e- richten. Das Ergebnis ist, datz das Kabinett zusammenbleibt und sich, den Vorschlägen deS Reichsfinanzministers Dr. Wirth entsprechend, zu tief einschneidenden finanz« und wirtschafts- politischen Maßnahmen entschließt. Zu den ersteren gehört vor allem die sofortige teilweise Einziehung des Reichs- notopferS. Unrichtig ist dagegen die Behauptung einer Nachrichtenagentur, daß die Erlzebung einer Zwangs- an leihe aus dem Programm des Reichsfinanzministers steht, sie ist von ihm nicht vorgeschlagen und vom Kabinett nicht beschlossen worden, sondern wird allenfalls als äußerstes, letztes Mittel in Reserve gehalten. Unter den wirtsckzastlichen Forderungen Dr. Wirths� steht die Sozial» sierung des Kohlenbergbaues an erster Stelle. Ter Zwang der Not besiegt alle Widerstände. Noch in den Sitzungen des ReichstagsauSschusseS für auswar- tige Angelegenhelten, die sich mit dem Ergebnis von Sva b'- schästigten, standen die sozialdemokratischen Redner mit ihrer Forderung nach Sozialisicrung des Bergbaus allein, noch vor wenigen Tagen wurde diese Forderung in einer Sitzung des getchaftsführenden Ausschusses der Deutschen Volkspartei ein- mütig abgelehnt. Gestern ist ihre Erfüllung vom Kabinett einstimmig.beschlossen worden. Die Veröffentlichung des Gesetzentwurfs, dessen Aus- arbeitnng dem NeichSwirtschaftsministerium obliegt, soll binnen kürzester Frist zu erwarten sein. Die Sozialdemokra- t i s ch e P a r t e i wird ihn aufmerksam vriifen in der Absicht, nicht von vornherein verneinende Kritik zu treiben, sondevn etwas Positives zustande zu bringen, das der Gesamtheit frommt. Auch die fiskalischen Grundsätze des Reichs- sinanzministers, die sich in die Worte zusainmensassen lassen: «Strengste Ordnung und Sparsamkeit", fanden volle Billi- gung. Herr Dr. Wirth hat also ans der ganzen Amte gesiegt nnid geht mit einer verstärkten Stellung aus der Kabinelts- sttzung hervor. Daß er das vermochte, verdankte er nicht nur seiner persönlichen Energie, sondern auch der W»lcht der Tat- sacken, die er zur Begründung seines Finanz- und Wirt- ichastSplans aufmarschieren ließ. Seine Darlcguilgen zeigten unwiderleglich, daß wir uns auf einer schwindelnden Fahrt in den Abgrund befinden und daß uns nur schärfstes Anziehen der Breinie— vielleicht noch— retten kann. Das Kabinett ist ihm willig aui den Weg gefolgt, von dem er sich Rettung verspricht. Tie Parteieil wenden nicht umhin können, das gleiche zu tun, wobei Ueberprüfting von Einzelheiten natür- lich vorbehalten bleibt. Dabei mitzuwirken ist die Sozial- demokratie, auch außerhalb der unverändert bleibenden Regierung stehend, bereit. Es handelt sich um letzte Schicksalsfragen unseres Volkes, bei deren Lösung sich keine Partei der sachlichen Mitverantwortung entziehen kann. Die Sitzung öes Kabinetts. Amtlich wird berichtet: Heute nachmittag fand unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten eine Kabinetts sttzung statt. Gegenstand der Verhandlungen war die Finanzlage des Reichs. Di« BesoldungSfragc, in der die Scbwierigletten der Finanzlage in der letzten Zeit besonders deutlich zum Ausdruck kamen, bildete nur einen— politisch und materiell allerdings wich. tigen— Teil der Beratungen. Heber die Grundlagen der zu der- folgenden Finanzpolitik ergab sich ein« einheitliche Auf- sassung des Kabinetts. Zur Aufrechterhaltung de? von dem Reichsfinanzministers eingereichten Rücktrittsgesuchs lag keine Veranlasiung vor. Der ReichSfinanzminister leitete die Beratung mit einer ein- gehenden Darlegung der Reichsfinanzlage ein. Seine AuSsührun» gen geben wir weiter unten wieioer. Im Anschluß an dies« AuS- führungen erörterte da» Kabinett zunächst den Referentenvorschlag für die Besoldungsordnung. Di« Beratungen führten zu dem Beschlutz, datz der Referenten- Vorschlag mit Vorbehalt kleiner Abänderungen zur Grundlage des Gesetzentwurfs gemacht werden soll. Ueber die Notwendigkeit deS Erlasses eine» Sperrgesetzes, durch"welches eine ein hei t- lich« Regelung der Beamtendesolloung>m Reich und den Ländern gesichert werden soll, herrscht« Einstimmigkeit; die Vorlage wird dem ReichSrat und dem Reichstag alsbald zugehen. Ter Reichsfinangniinister entwickelte darauf in programmati- schon Ausführungen ei-ne Reih« von Forderungen, die er zum Zweck der Gesundung der Reichsfinanzcn als unumgänglich bezeichnete. Hierbei wurde als einmütiger Wille des Kabinetts festgestellt, daß die von der Nationalversammlung verabschiedeten Steuergesctzc unbedingt durchgeführt werden. Keinerlei Abschwächung der Steuergesctze ist beabsichtigt, ins- besondere gilt dies von dem Reichsnotopfer. Ein Gesetzentwurf, der auf der Grundlage des Reichsnotopfers einen erheblichen Teil seines Ergebnisses alsbald dem Reich zuführen soll, wird mit Be- schleunigung cingebrackt werden. Das Reichsstnanzministerium wird dem Reichstag sofort nach seinem Zusammentritt Nachweise über den gegenwärtigen Stand der Steuerveranlagung und Er- Hebung geben. Die weiteren Erörterungen über die programmatischen Dar- legungen deS'Reichsfinanzministers führten zu voller Eininütigkcit in dem Beschluß, die Stellung des NeichsfinanzministerS im Reichs. kabinett zu stärken und seinen Einfluß auf die Finanzgeharung des Reichs zu erweitern. Dieser Beschluß wurde wesentlich mit Rück« ficht darauf gefaßt, datz eine unbedingte Notwendigkeit besteht, zur Vermeidung deS Zusammenbruchs unserer Finanzen einen Still- stand und womöglich einen Abbau in den ReichSauSgaben herbeizuführen und alle Mittel zu ergreifen, um der weiteren Geldentwertung zu begegnen. Ueber folgende Grundsätze wurde ebenfalls Einstimmigkeit her- beigeführt: In den ordentlichen Etat 1921 sollen grundsätzlich keine neuen Ausgaben eingestellt werden. Eine systematische Ein- schränkung der bisherigen Ausgaben ohne Unterbindung des AusbauS von werbenden Anlagen soll in allen Etats durchgeführt werden. Neue Beamten stellen sollen nicht geschaffen werden. Weiter wurde beschlossen: Größte Sparsamkeit auf persönlichem und sachlichem Gebiete bei schärfster Nachprüfung aller Ansätze auf Kürzung durch daS Neichssinanzministcrium. Fortschreitender Abbau der bisher genehmigten Stellen. Erneute Nachprüfung des Bc- darfs in den einzelnen Ressorts unter Entsendung besonderer Kom-- inissare oder sachverständiger Beauftragter des Finanzministeriums. Scharfer und beschleunigter Abbau der bestehenden Kriegöorgani- sationen, insbesondere der Kriegsgescllschaften und KriegSstellen unter Mitwirkung und Mitkontrolle des Reichsfinanzministcriums. Schleunige Abwicklung des KriegSfondS und Abbau der noch bestehenden Stellen deS alten Heere?. Das RcichSfinanzministerium wird darüber bei Zusammentritt des Reichstags sofort eine Denkschrift vorlegen. Zusammenlegung aller Organisationen, welche gleichen Zwecken dienen; ein besonderer Sichert öie Entwaffnung! /lrbeiter! parteißensffen! DaS NcichSgcsetz übcr die Enttvassnung der Bevölkerung ist der Regierung der Deutschen Republik von der Entente in S p a aufgezwungen worden. Die deutsche Regierung hat für seine Durchführung zu sorgen mit dem Endziel, daß mir die Reichswehr und die in Ausübung ihres Berufes zum Waffen- tragen berechtigten Beamten im Besitz von Militärwasscn bleiben. DaS Gesetz ist veröffentlicht. Trotzdem denken die im Besitz von Waffen befindlichen reaktionären Kreise im Reiche vielerorts gar nicht daran, ihre Waffen ab- zuliefern, sondern cS werden noch dauernd Militärwaffen, insbesondere nach dem platten Lande, verschoben, von wo sie bei einer Neuauflage dcS Kapp-PutfcheS Verwendung gegen die verfassungstreue Bevölkerung finden sollen. Jene Kreise machen sich dabei die Ausführungsbestimmungen zum Eni- waffnungsgefetz zunutze, nach denen alleinlirgende Gutshöfc und Dörfer später entwaffnet werden sollen alö Industrie- bezirke und das übrige Land. So verstärken die Landbünde unter dem Deckmantel des Selbstschutzes die Bewaffnung des platten Landes. In dieser Bewaffnung des platten Landes liegt die größte Gefahr für die Zukunft der Deutschen Republik. Ein neuer Putsch gegen Preußen oder das Reich oder auch die Durchführung der rcichSfeindlichrn Bestrebungen der baye- rifchcn Srparatisten müßten Deutschland in noch viel schlim. mcre Wirren stürzen, als es der Kapp-Putfch tat. Wenn die Arbeiterklasse schließlich auch mit der Reaktion ebenso sicher fertig würde wie im März d. I., so würde doch der Wieder- aufbnu Teutschlands durch solche gewaltsame Störungen auf lange hinaus von neuem schwer gehemmt. Vor allem aber könnte aus dem platten Lande die Abwehr gegenrepolutio- närer Bestrebungen Zustünde zeitigen, wie sie Deutschland seit dem Isisährigen Kriege nicht mehr sah. Denn vielerorts würden die Landarbeiter die aus dem Lande versteckte» Waffen zu finden wissen und sie dann nicht gegen ihre Brüder in der Stadt, sondern gegen ihre reaktionären Bedrücker ge- brauchen. Wer die völlige Zersetzung Teutschlands verhin- dem will, muß deshalb ein wachsames Auge auf diese Vor- gänge haben. Unseren Parteiorganisationen erwachsen aus dieser Situation besondere Pflichten: Der Parteivorstand muß über die Sabotage des Eni- tvaffnungSgesetzcS laufend unterrichtet werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird die Re» gierung nach Zusammentritt des Reichstages über die Aus- führung des EntwassnungögesetzeS sofort interpellieren. Wir ersuchen deshalb die Parteiorganisationen allerorts, dem Parteivorstand, Adresse: Wilhelm Pfannkuch, Berlin SW. K8, Lindenstr. 3, sofort Mitteilung darüber zu machen, ob»nd wohin in ihrem Wirkungskreise Waffen ver- schoben und wo solche versteckt sind. Wir haben unter dein in der Deutschen Republik geltenden freien Gemcindcwahlrecht heute in den meisten Orten Gemeindcvertrctcr, die die Mög- lichkcit haben, sich über Waffenvcrschicbungen und-verstecke in ihrer Gemeinde zu unterrichten. Selbstverständlich sind nur solche Mitteilungen von Wert, die absolut zuverlässig sind und ganz konkrete Angaben enthalten; mit Gerüchten ist uns nicht gedient. Weiter ersuchen wir um Mitteilung darüber, ob und wo sich die verschiedenen Landbündc und Selbstschutz-Orgauisa- tionen weigern, die Waffen abzuliefern, damit wir die Reichs- regiernng zum Eingreifen veranlassen können. Diese Selbst- schutzorganisationen behaupten zumeist, verfassungstreu zu sein, sind aber nichts als die Stoßtrupps der auf Umsturz der Verfassung lauernden Reaktion. ES kommt nicht allein auf die Erfassung de» Waffen an, sondern auch auf das Aufspüren und Unschädlichmachen der Organisationen, dir rtztgcgcn dem Friedensverträge und ldcn Anordnungen der Reichöregierung immer noch im gc- Heimen aufrecht erhalten werden; in erster Linie der Zeit- freiwilligen-Formationeu, über die vielerorts Listen geführt und die von Professoren, Oberlehrern und verabschiedete» Offizieren geleitet werden. Diese Formationen sind durch- weg von Feinden der Republik geleitet. Wo sie nicht bcwaff- net sind, rechnen sie mit den übcrctatSmäßigen Waffen, die in den Kasernen lagern. Deshalb fordern wir von der Reichsrcgierung, daß die Reichswehr die übcretatsmäßigcn Waffen sofort abzugeben hat, damit sie nicht eines Tages von Rcchtsputschistcn gegen die Republik gebraucht werden können. Tie Entwaffnung der Junker und Jnnkergcnosscn muß gleichzeitig mit der Entwaffnung der Arbeiter vor- genommen werden. Wir müssen Teutschland, das zu seiner Wiederausrich- tung Ruhe braucht, davor behüten, zwischen Rcchtsputschcn und Generalstreiks bis zur schließlichcn Selbstvernichtung hin- und hcrgeworsen zu werden. Arbeiter, Parteigenossen! Unterstützt uns in unserem Bestreben, die Republik gegen alle Machenschaften von tcchts zu schützen, die schließlich nur Bewegungen auslösen müssen, wie wir sie im März d. I. im Ruhrgcbiet erlebt haben. Damit Teutschland eine ruhige Weiterentwicklung garantiert wird, ist in erster Linie die Entwaffnung der Reaktion erforderlich. Deshalb, Parteigenossen, habt acht! Die Sicherheit der Deutschen Republik hingt von der Wachsamkeit ihrer Arbeiter- klasse ab. öerlto, 21» September 1920. Der vorstanü öer Sozialüemokcatijchea Patte! veutschlaoös. A.-mmissar ncnt ReichSfii«n«zm!nistcrlUM wird sISBari» die Iv- jammcnlegungsnrbcit einleitrn. 2-aZ Reichskabinett ist der Auffasjun�, daß die Dcstitigiing de- Z'bl betrage? von 16 Milliarden bei der öisenbahn rtnd L Milliarden bei der Post mit allen Kräften angestrebt werden muß. lieber die norwendigen»nd bereits in Angriff genommenen Maßnahmen machte der Reichsverkchrsminister eingehende Mitteilungen. Schließlich trat das Kabinett in eine Erörterung der So. z i a l i f i e r ii n g s f r a g« ein und beschloß einstimmig, den Reichs- nstrt schaftsminister zu beauftragen, auf der nun vorliegenden Grund- läge deS Berichts der SoxialisierungSkommifsion umgehend den Entwurf eines Gesetzes über die Ssjialisicrnng des SergbaitS vorzulegen. Die lleberprüsting der Ernähr ungspolitik des Reichs ini Zusammenhang mit der finanziellen Lage und di« Weiter- behandlung der WirtschastSfragen erfolgt im Wirtschaftsausschuß des Rcichskabinetts, der Freitag die programmatischen Beratungen fortsetzen wird. Die o b e r s ch l e s i s ch e Frage hat das Reichskabinett heute nicht beschäftigt. Angaben eines Mittagsblaties, die von einem neuen vom ReichSministcr Dr. Simons ausgearbeiteten Plan für Oberfchlesien wissen trollten, sind völlig unzutresfen'd. wirth über öie JinanZnot. In der Sitzung des Reich Skabinetts führte Reichs- finanzministec Dr. Wirth aus: Wir stehen osfenkundtg vor der Notwendigkeit, uns über die finanzielle Lage des Reiches Rechenschaft zu geben. Es genügt aber nicht, sich nur die Tatsachen vor Augen zu halten und die furchtbare Wucht der Zahlen ins Gedächtnis einzugraben und Pro- bleme zu sebe», sondern wir müssen zu tveittrageuden Entschlüssen kommen und ein Wirtschafts-«nd Finanzprogramm für die nächste Zeit uns vornebmen. Schleckte Finanzen sind wohl auch der Ausdruck einer krankhaften Wirt sschaft. Es feien de-halb bc-ute nur wenige Zahlen wiederholt; die steigenden Größen spreiuen eine lelHmdige Sprache; niemand, insbesoiiderc die Be- a M t e n, sollten sich der Gewalt dieser Sprache entziehen. Im Juhce 1Ö1Ö stell le die ReichSfinaiizverwaltung einen HauS- halt auf, der ordenrliche Einnähmen und Ausgaden nach dem Soll in Höhe von 13, tz Milliarden halte, ferner außerordentliche Ein- nahmen und Ansgoben in der Höhe von AT,'2 Milliarden, somit gesamte Einnahmen und Nusgabcn in der Höhe von 63 Milliarden. Der Boranschlag fiir das Jahr 1920 sieht, wie er jetzt dein Reichstag zugebt, Einnahmen und Ausgaben in der Höhe von 39,8 Milliarden vor, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß diejenigen Reichseinnahmen aus Stcuergesotzcn, von denen ein Teil den Ländern und Gemeinden zufallen, mit dem vollen Aufkonnnen in Einnahm« und mit dem an die Länder und Gemeinden abzu- sührrndeii Betrage von 9,4?Rilliarden Mark in Ausgabe nachge- wiesen sind, so daß nach Adg�ig dieser Summe die eigentlichen Ausgaben des Reiches im ordentlichen Etat sich auf 30,4 Milliarden belaufen. Der außerordentliche Etat sieht Ausgaben vor in der Höhe von 39,7 Milliarden und Einnahmen von 2 Milliarden, bat also einen Fehlbetrag von 37 Milliarden. Iii diesen Zahlen sind die reichSeigenen Betriebe, Eisenbahn ' n n' d o st, nicht ni i l e n l ha I t e n. Für sie wird vislnishc ein besonderer Haushalt aufgestellt, bei dem jetzt für die Reichs- riieulmhiwernniltiiiig ein Fehlbetrag von über 16 Mil- Ilärden und bei der Post ein Fehlbetrag vo.ss über 2 Milliarden feststeht. Wenn es nun auch gelungen ist. den ordentlichen Haushalt bei höchster Anspannung aller Eiiiiiahiiic- quellen a u f d e m P a p ie r zu balanzicren, so verbleibt immerhin aus den nickt gedeckten Ausgaben des außerordentlichen Haushalts und der Post und Eisenbahnen ein sttesamtfehlbetrag von 33.7 Milliarden Mark. Bei den Ausgaben sind im außerordentlichen Haushalt allein Aufwendungen ans Anlaß der Durchführung des Friedensvertrages und Oer Seglückungsliterat. Bon HauS Natonek. Der bekannte Essayist Otto Norbert sitzt gerade über einem großen Essay»Das Prinzip der Beglückung als Welterlösimg'. Nun ja.»Der neue Aufschwung' wird ihn bringen, aber er zahlt schlechr, leider, denkt Olto Norbert, ind:Z seine geschätzte Feder übers Papier kritzelt. .Sir müssen unbedingt nnd immer gespannt sein von einem Willen zur Beglückung. Wir müssen innerlich leuchlen. Träger einer Radium-Eiiergir, die Glück und Liebe ausstrahlt. Glück— wie be- 'cheiden ist da?: eS beginnt damit, daß wir den Schmerz der ireatur, wer sie auch sei, nacti Kräften verhüten. Liebe— wie Be« .'cheiden ist da«: sie beginnt beim Gefühl für die Kreatur unserer 'nigsten Umwelt, bei kleinster Hilfe für alles Leidende. Nur so, ans nnicheinbarster Handlung unserer stets wachen Güte, aus dem Training -nierer Seele, bis sie nicht ander? kann als gut fein, reift Well- .rlösiing..." Nicht übel, denkt Otto Norbert, und macht eine kleine. Pause. Dann surrt die Feder wieder über'S Papier. Aber noch etwas anderes summt und iurrt im Zimmer; viel lebendiger als die Literatenfeder. Wie ein stummer Sckrei ist dieses Surreu; langgedebnt. qualvoll, entsetzlich, markerschütternd. Ein schönes, flügelzartes Jnselt hatte das Unglück, sich durch'? vfseue Fenster in diese Literalenstube zu verirren. Und wie es hineinschwirrte, plump». fl«g eS mit aller Wucht gegen eine Fliegen- :üle. Da klebt es nun fest in fürchterlicher Angst, begreift nicht, wa« plötzlich mit ihm geschehen ist und zerrt an seinen klebrigen Fe, sei». Der Körper des JuseklS ist ein einziger Oualschrei. Jetzt ist eS ihm gelungen, sich ein wenig loözuriiigen, eine halbe Wendung— da aber erfaßt der ekle Giftleim einen vibrierenden Flügel, jetzt den anderen, und die Kreatur hängt wie gekreuzigt mit dem Rücken auf oem Leimtüte. Olto Norbert wirft einen ärgerlichen Blick auf daS kläglich surrende Tier. Er hört die schneidende TodeSklage. das Anschwellen des summenden Schreis aus letzter Kraft, daS leise Verröcheln. Er steht nicht auf und befreit das Geschöpf oder tötet es. Er schreibt und ichreibt... über Beglückung... Güte... Erlölung. Und weiter lurrt die Feder um die Wette mit dem surrenden Ton unsäglicher Qual. Gegen Mitternacht erhebt sich Otto Norbert befriedigt und vc« gibt sich zur Ruhe. Der Esiay ist fertig. Und die Kreatur GotteS, von deren Glück er handelt, ist unter tausend Schmerzen verendet. Naturforfthertag. n. Bad Nauheim, den 21. September. Wohltuend stach die heutige Versammlung der naturwissen- schoftlichen Hauptgrupp« von der EröffnungSversammlung ab. Gestern konnte man stellenweise glauben, in einer politischen Ver- sammlung der Rechtsparteien zu sein, heute herrschte wieder « seiner Vorverträge für daS Rechnungsjahr 1929 2? Milliarden vor. gesehen. Dazu kommen noch die finanziellen Anforderungen an - das Reich für Entschädigungen an ReichSangehörige au? Anlaß des i Friedensvertrages, welche geschätzt werden auf 17 Milliarden für t Abtretung der deutschen Handelsflotte, auf 90 Milliarden für die i Liquidation des deutschen Eigentums im Ausland«, auf 10% Milliarden für Ablieferung von KriegSgeräl usw.. auf 13J4 Milliarden - nach dem Kriegsschädengesetz vom 3. Juli 1916 sowie nach den in - Porbercitung befindlichen Kriegsschädcngcsetz für Schäden im AuS- - land, in den ehemaligen deutschen Schutzgebieten usw. Die Ge- i samtforderung für Entschädigungen an ReichSangehörige in. folge de? Krieges beläuft sich auf 131 Milliarden, wobei das in den letzten Wochen erfolgte Sinken des Markwertes nicht be- rücksichtigt ist. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die Summen, z die das Reich für Lieferungen und Leistungen zu vergüten hat, die . als Wiedergutmachung im Sinne des Friedensvertrages � an die einzelnen Entcntcstaatcn bewirkt worden sind und weiter , bewirkt werden, und deren Gesamthöhe sich überhaupt noch nicht absehen läßt. Man muß sich nur diese gewaltigen aus dem Frie- : denSvertrag und infolge des Krieges sich ergebenden Ziffern einmal t ruhig überlegen, not die ungeheuren Lasten, die allein au? Anlaß : des Friedensvertrages auf uns liegen, ermessen zu können. Tie Ist- Ausgabe für da» Rechnungsjahr 1919 sowie für das erste Drittel 1920 und der voraussichtliche Bedarf für die Zeit vom 1. August 1020 bis einschließlich 31. März 1921 wird sich auf mindestens rund 34. Milliarde» belaufen, wobei betont werden muß, daß es sich zum größten Test ; noch keineswegs um endgültige Zahlungen, sondern nur um Vor- : sch l ä g e auf Entschädigungen handelt, deren Festsetzung oft - kaum noch begonnen hat. Eine Ziffer verdient noch besondere Beachtung, daß für den genannten Zeitraum allein für die Besatzungsheere, bcp Wieder- gutmachungsausschuh und andere alliierte Kommissionen 14,9 Milliarden erforderlich sein werden. Es ist deshalb nicht zu verwundern, daß die schwebende Schuld des Reiches gewaltig in die Höhe geht, und daß ihr Anwachsen und die damit verbundene Papicrflut lawinenhaft bezeichnet werden muß. Die schwebende Schuld des Reiches ist im Jahr« 1920, und zwar bis zum 18. Sep- tembcr um 47,3 Milliarden gewachsen. Die diSkon- tierten Schatzanweisuiigen und Schatzwcchfel beliefen sich am 18. September auf 132,3 Milliarden Mark, wozu sich weitere ZahlungSvcrpflichlniigcn aus Schatzanwcisunyen und Schatzwechseln sowie Sicherheitsleistungen in Höhe von 19,4 Milliarden Mark ge- sellen. Die Gesa-inischuld mit Sinrechnung der fundierten Schuld im Betrage von 91 Milliarden Mark beträgt demnach 242.7 Mil- liarden Mark. Dazu treten die den Ländern noch restlich abzu- nehmenden schwebenden Schulden und ZinSverpflichtungr» an die Länder auS Anlast der Nebernahme der Eisenbahnen im Gesamt- kapitalSbctrag von 23 Milliarden Mark und die von de« Ländern verauslagten Veträze für Familienunterftlltiungen, KriegSwohl- fahrtSpflcgc usw. in Höhe von 16 Milliarden Mark. Diese Zahlen rechtfertigen Wohl da» Urteil, daß unsere finanzielle Lage mehr als rafft bezeichnet werden muß. Biaii darf sich deshalb nicht verwundern. daß der Reich» fi nanzmmi fter der Erledigung der Be- foldungSordnung, die neue große dauernd« Lasten bringt, mit aller- größter Besorgnis enigcgensieht, vor allem dann, wenn feftzuftellen ist, daß allein die RvichSeifenba-hnverwaftung einen Zuschuß von über 16 Milliarden Mark in diesem Jahr erfordert. Das De- soldungsgesetz vom 30. April 1920 erfordert an Grundgehältern, Ortöziffchlägen und Teue riingSziffchlägcn(nach Durch- schnittffätzeii berechnet) jährlich 9,9 Milliarden Mark. Die Mehr- kosten einschließlich dessen) waS die Nationalversammlung noch zu- gefügt hat. in Höhe von rund 2 Milliarden Mark, betragen 7,8 Mil- liarden Mark gegenüber der früheren Besoldung. Der jetzt zu? Entscheidung stehende sogenannte Referenten- Vorschlag, der übrigens im Benehmen mit allen Ressorts und den Beamtenorgaiiifationen zustande kam, erfordert eine Mehr- aufwe'ndung von 824 Millionen Mark gegenüber dem Gesetz vom 20. April. Die jetzt noch geäußerten Wünsche der De- amten würden nach der Berechnung des ReichSfincmzministerium? eine weitere Mchrforderung von wiederum 863 Millionen Mark rund bedeuten, wobei diesen Wünschen gegenüber noch besonders echter wissenfchastlicher Geist, wie ich ihn seit 20 Jahren aus dieser ältesten und angesehensten deutschen wissenschaftlichen Wanderver- sammlimg kenne. Das' VcrhaiidlungSthma lautete:»Die neuen For- schlingen über den Bau der Atome und M o l e l ü I e Vortragende waren die Professoren D e b h e« Zürich, F r a n ck» Berlin, K o s s e l- München. Die unzer- iegbaren, unteilbaren Atome find die Bausteine aller Stoffe. Nack ihrem Gewickr wurden die Atome geordnet und ergaben eine Reihe, in der periodisch ckemiick ähnlicke Elemente wiederkehren, die zu Gruppen zusammengefaßt werden konnten. Die neuen Forschungen, die von den elektrischen und den StrahlungS- ersckeinungen ausgingen, haben gelehrt, daß da» Atom selbst noch ein sehr komplizierte? Gebilde ist, dessen wesentliche Eigenschaften durch Kräfte elektrischer Natur bedingt sind. DaS Atom wird ge- bildet von einem positiv elektrisch geladenen überaus kleinen Kern, um den Elektronen, da? sind negativ elektrische LadungSeinbeiten, in verschiedenen Entsernungen kreisen. Rur ganz bestimmte Entfernungen für diese Bahnen sind möglich, und der Nebergang eines Elektrons von einer Bahn auf eine andere mit anderer Entfernung ist immer mit bestimmten StrahlungSerscheinunoen verbunden. Wie ein solcher liebergang stattfindet, kann man sich zurzeit noch nicht recht erklären: jedenfalls geben diese Uebergänge und die rechnerische Verfolgung ihrer Begleitumstände in sehr schöner Weise Rechenschaft von einer ganzen Fülle dem Erperimente zugänglicher Tatsachen. Einen deutlichen Einblick hat man daher in den Bau deS ein- fachen WasserstoffatomS, bei dem nur zwei Elektronen um den Kern kreisen. Auch bei einigen komplizierter gebauten Atomen hat man sich bestimmte Vorstellungen bilden können. Natürlich wachsen die rechnerischen Schwierigkeiten und damit auch die der Vor- slellung mit der Zahl der vorhandenen Elektronen. Auch in den Bau deS Kernes bat man einzudringen veriucht, und es gelang dem englischen Physiker Rulherford vor einem Jahre, ans dem Kern des Sticki'ioffatoms den des WasserstoffatomS loszulösen. Von neuem hat hierdurch der Gedanke Nahrung gefunden, daß die ge- samt« Materie ans Wasserstoff als Ilrmaterie besteht. Elektronen und Wafferstoffkern würden sich dann als die Bausteine der ge- samten Welt ergeben; heute noch Hypothese, rief Debye auS, kann eS in einem Jahre vielleicht schon Wirklichkeit sein. Ii, gewissem Zusammenhang damit stand der Vortrag von Pro- icssor Rinne- Leipzig über da«»feinbaulicke Wesen der Kristalle". Erzeigte, anschließend an die Versuch- LaueS, wie die Kristalle in ihrer Struktur"gewissermaßen im großen den Bau aufweisen, den Moleküle und Atome im kleinen haben. Lt. Präsidentenwahl in Frankreich. Unerwarteterweise steht nun Frankreich wie die Vereinigten Staaten vor einer Präfidentenwahl, und eS bestehl eine gewisse Aehnlichkeit des Geschicks zwischen dem Unfall des eben erst zur höchsten Würde gelangten DeSchanel und dem von einem Schlaganfall gebrochenen Wilson. Nach einem stiir- mischen und häufigen Wechsel der Präsidenten in den Kindbeitstagen der Republik schien eS. als ob der von der Verfaffung festgesetzte siebenjährige Wechsel auf die Dauer regelmäßig«ingehalten werden würde. Auch als zu Anfang drese» Jahres der zehnte Präsident- finanzpolitisch rn Betracht kommt, daß sie auch in den Ländern und Gemeinden wiederum zu neuen Forderungen führen müssen unk» ebenso Rückwirkung auf die Tarifverträge der Angestellten sowie der Reichs- und Staatearbeiter äußern würden. Der Kampf um Groß-Oerlin. In der Preußischen L a n'd e S v e r s a in m l u n g, über deren Verhandlungen wir an anderer Stelle berichten, hat eS am Mittwoch sehr lebhafte Auseinandersetzungen über die deutschnationalcn und Zcntrumkanträge gegeben, die darauf hinauslaufen, das Gesetz über Groß-Berlin praktisch außer Kraft zu setzen. Der deutschnationale Abgeordnete L ü d i ck e- Spandau klagte beweglich über die Vcrgewaltigungspolitik. die in Berlin gegen das Bürgertum getrieben werde und sieht die vielen Millionen Berliner Einwohner bereits an die Moskauer Internationale ausgeliefert. Dem Zentrum hat es besonders der Dr. Löwensiein angetan, der zum Oberschulrat ausersehen ist. Ja, wenn dieser Löwenstein noch zu dem katholischen Fürsten- geschlecht Löwen st ein gehören würde, dann ließe das preußische Zentrum vielleicht mit sich reden, aber da er sich vom orthodoxen Juden zum Dissidenten gewandelt hat, so kann ein Zentrilmskatholik ihn nicht als städtischen Schul- beamten ertragen. Genosse Hei l mann, der im Austrage der sozial- demokratischen Fraktion sprach, erklärte in aller Deutlichkeit, daß die Sozialdemokratie an eine Vergewaltigung nicht denken könne. Sie halte fest an ihrem Versprechen, daß sie niemals sich rächen würde für die Vergewaltigung, die ihr vor dem Kriege und auch während des Krieges in io über- reichem Maße zuteil geworden ist. Sie habe versprochen und werde auch jetzt darauf achten, daß demokratische Gerecht! g- keit gelte. Indessen befinde sich die Partei in Berlin in der Zwangslage, entroeder einen Magistrat ohne die Unab- h ä n g i g e n bilden zu helfen, die doch in Berlin die größte Fraktion der Stadtverordnetenversammlung stellen, oder aber mit den Unabhängigen allein den Magistrat zu bilden. Da erscheine das letztere als das kleinere Uebel, denn die Unabhängigen von der Veranstvortung auszu- schalten, würde unverantwortlich sein. Im übrigen rechnete Heilmann wirkungsvoll mit den heuchlerischen Klagen ab, die von den reaktionären Gegnern jeder Demokratie jetzt über angebliche Diktatur erhoben werden. Nachdem noch der bisherige Schöneberger Obcrbürger- Meister D o m i n i c u s und der unabhängige L e i d_ gesprochen, wurden sämtliche Anträge dem Ausschutz über- wiesen. Wann sie wieder zur Beratung kommen werden, steht noch nicht fest._ Gegen üen Kartoffelwucher. Der Oberpräsident von Sachsen hat nach eingehenden Verhandlungen mit Vertretern der Behörden, der Kommunal- verbände und der Beamten- und Arbeiterschaft an die Reichs- regicrung den Antrag gestellt, den E r z e u g e r h ö ch st p r e i S für Kartoffeln aus 20 Mark festzusetzen, sowie strenge und hohe Be st rasung für UeKertretiiiig des Höchstpreises gefordert. Auf Eingreifen des hessischen LandeSernährungS- a m t e S wurde DienStag abend der Protest st reik der Arbeiter der staatlichen Ueberlandzentrale Wölfersheim beigelegt. Die organisierte obrrhessische Bauernschaft hat sich bereit erklärt, der Arbeiterschaft den Zentner Kartoffel» zu 2v Mark zu liefern. Die Arbeiter der Ueberlandzentrale hatten die Arbeit eingestellt, weil die Bauern einen weit höheren Kartoffelpreis verlangten. Wie weiter gemeldet wird, bereisen gegenwärtig norddeutsche Händler, besonders Hamburger, die Dörfer und bieten den Er- zeugern für die Kartoffeln Preise, die geradezu anSMärchen- h a f t e grenzen. In einigen Fällen wurden bis zu 75 Mark für den Zentner geboten. DeSchanel sein Amt antrat, durste man annehmen, daß er bis 1927 an der Spitze des Staates sieben würde. Nun ist sehr schnell eine Neuwahl nötig geworden. Sie ist in Frankreich nicht wie in Amerika mir einer daS ganze Volk aufwühlenden Wahlkampagne verbunden, der Präsident wird vielmehr durch die Senatoren und Abgeordnete» und nicht wie in Amerika von einer zu diciem Zweck besonders gewählten Körperschaft erkoren. Aus diesem Grunde kann also ein französischer Präsident in sehr kurzer Zeit aus der Tauie gehoben werden. Man muß sich nur auf einen oder einige wenige Kandidaten geeinigt haben. Wenn alio Senat und Abgeordnetenkammer in den nächsten Tagen versammelt sind, so haben sie nur die Amts- niedcrlegung des bisherigen Präsidenten anzunehmen und die Kandidaten für seine Nachfolge zu bestimmen. Ist dann der Tag der Wahl festgesetzt, so begeben sich die beiden gesetzgebenden Körperschaften nach dem Schlosse von Versailles, dem Ort der Präsidentenwahl. Der Wahlvorgang selbst dauert gewöhnlich nicht länger als ein oder zwei Stunden. Tlicoter. Die für beute im DentfchenTheater geplante Erllaussührimg von.Einsame Menschen" Ist verschoben worden. Dafür:.Und da? Licht scheinet in der FinsleniiS". Morgen:.Romeo und Julia". Die Ausstellung„Geschmack im Alltag- im Schöneberger RaihauS wird am Frciiag, den 24. Scplcmbcr, eröfsnel. Die Beteiligung ist so gut, daß die Sichtung sehr sireng erfolgen tonnte. Die Besichliguna erfolgt vom 25. September bis 10. Oktober, oormiltag? 10 bi? nachmittags 5 Uhr. völlig kostenlos. Führungen finden auf Wunsch statt. Eintrittstarten zur Eröffnung bei Frau Müller-Oeflrcich, Friedenau. Menzelstr. 1. Tie Deutsche Notionalbübnc(klassisches Theater(iir die höheren Lehronftallen Berlins) gibt für ihie Aufführungen, die Milte Oktober be- ginnen, übertragbare Stammkarten aus zehn Vor- st« l I u n g e n auS, und zwar sieben Schauipiel- und drei Opernvor- stelli'nocn. Die Ausnabmebedingungen sind erhältlich in den Tbeatertassen St. Werthcim? und in der«Äeichästsstelle, Werneuchcncr Straße 16. Im Leisiiig-Muicum findet beute ein Walter-v.-Molo-Abend statt.— Margarete Claojcc rezitiert aus der Dichtung„Luise". Die berliner Sezession bereitet ihre Hauptausstellung vor, die der Malerei und Plaitik gewidmet sein wird. Die Ecössnung dürste Voraussicht- lich Ansang Oltober sein. Noch ein Toktorhütchen. Der Wetteifer der noch doktorfreien Be- rufe, auch unter daS akademische Hütchen zu kommen, hat zu dem Autrage in der Preußischen Landesvcrsammlung geführt: Tie StaatSregierung möge für die Landmesser die Möglichkeit schassen, in der Geodäsie den Doktor- titel erwerben zu können. Ter Rhcin.Mainische Verband für Bolköbildung. der seinerzeit die erste gemeinnützige Wanderbüdne gründete, wird die Idee wieder aus» nehmen. Unter dem Namen.Frankfurter Künstlertbeatcr für Rhein und Main" befindet sich eine Bühne im Werden, die Milte Oktober die erste Spielzeit beginnen wird. Wandcrgebiet ist Hessen- Nassau und die südliche Rheinprovinj. Die Leitung hat Dr. Adam Kuckboff. früher Spielleiter am Neuen Thealer zu Frantfurt. DaS Theater wird auf feinen Fahrten eine besonders konstiuierte, zerlegbare Bühne mit sich führen. Sin nachgelassenes Werk Heinrich LantenfackS. Im D-rlag Rowoblt. Berlin, erscheint binnen kurzem auS dem Nachlas Heinrich Lautensacks ein heiteres Wert:»Leben, Taten und Meinungen deS>chr berühmten ruisilchen Dclektws Maximow". Dieser Deteltw ist Don Juan und verbrecherschreck in ein». !Tr. 472 ❖ 57. Fahrgang Beilage des VorVärts donnerstag» 25. September 192» Die Magistratswahlen. Nochmalige Debatten und lärmende Auftritte. In der Groh-Berliner Stadtverordneten- Versammlung begannen gestern die Magistratswahlen. Die in der vorhergehenden Sitzung beschlossenen Gehalts- festsetzungen sind, mit Ausnahme des Bürgcrmeistergehaltcs, vom Oberpräsidenten sofort genehmigt worden. Der Ober- Präsident hat damit gezeigt, daß er zur Verzögerung nicht beitragen will. Dagegen versuchten gestern die b ü r g e r- lichen Parteien nochmals lange Debatten zu entfesseln, um die Entscheidung möglichst hinzuziehen. Nach dem Stärkcverhältnis der Fraktionen stand ja das Er- gebnis der Wablen im voraus fest. Tie Deutschnationalen waren der Wahlhandlung ferngeblieben, aber die Demokraten, die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftliche Vereinigung führten für ihre besonderen Kandidaten noch einen erbitterten Wort- kämpf. Dabei kam es in der Debatte über Oberbürgermeister Werniuth zu einem sehr tumultarischen Zusammen- stoß der Unabhängigen mit Herrn v. Eynern(Deutsche Volkspartei), der sich eine höchst ungehörige Bemerkung er- laubt hatte. Mermuth und einige andere der vom Ausschuß vorgeschlagenen Kandidaten wurden von den bürgerlichen Rednern nach allen Regeln der Kunst heruntergeputzt. Bei den gestern vollzogenen acht Wahlen wurden selbstverständlich durchgängig die Kandidaten des Ausschusses gewählt, Kämmerer Boest und Stadtbaurat Hoffmann fast einstimmig, die anderen mit den Stimmen der beiden sozialistischen Fraktionen. Der Sitzungsbericht. Vorsteher Dr. Wehl eröffnet die Sitzung nach Vi 5 Uhr. Die rechte Seite des Saales ist schwach besetzt. Tie Deutschnationalen fehlen. Auf der Tagesordnung stehen die Magistratswahlen. �Vorsteher Dr. W e y l: Ich habe mitzuteilen, daß der Ober- Präsident die gestrigen Gehaltsfestsetzungs- beschlösse bereits genehmigt hat mit Ausnahme des Bürgermelstergehaltes, über dessen Festsetzung noch besondere An- ordnung ergehen wird. Ich erkenne die Promptheit der Genehmi- (jung an(Hört, hört! rechts) und bedauere nur, daß der Ober- prästdent nicht sogleich mitgeteilt hat, wie das Biirgermeistsrgchalt festgesetzt werden soll. Wir können daher den Bürgermeister noch nicht wählen. Wir beginnen jetzt mit d"- Wahl des Oberbürgermeisters. Zur Geschäftsordnung bemängelt v. Eynern(D. Vp.), daß Stimmzettel mit aufgedruckten Namen der vom Ansslbutz vorgc- schlagenen Kandidaten verteilt worden sind, wovon eine Gefährdung des Wahlgeheimnisses zu befürchten sei.(Widerspruch.) Vorsteher Dr. Wehl: Selbstverständlich ist eine solche nicht beabsichtigt, sondern nur eine Beschleunigung des Wahlaktes. In der Spezialdebatte über den vom Ausschuß zum Oberbürgermeister vorgeschlagenen Berliner Oberbürgermeister Mermuth wirft Dr. Saltzgeber(Z.) ihm vor, daß er be- ständig geschwankt habe. v. Eynern(D Vp.) wiederholt gegen Wermuth diesen Vorwurf in schärferer Form. Da er mehrfach d-u-rch Zwischenrufe der Unabhängigen unterbrochen wird, schreit er sie an:„Halten Sie den Mund, wenn ich rede!" Bei den Unabhängigen bricht «in Entrü st ungs stürm los, in'großer Zahl dringen sie wütend auf den Redner ein, der Vorsteher läutet andauernd, nur langsam' legt sich der ungeheure Lärm. Vorsteher Dr. Wehl: Die Ausführungen des Herrn v. Eynern waren im hohen Grade provozierend.'(Zustimmung links, Lärm rechts.) Ick» bedauere, daß ein Herr aus Kreisen, die be- sonderen Takt besitzen wollen, eine solche Aeußernng getan hat. Ich rufe ihn zur Ordnung und erwarte, daß er Achtung genug vor der'Würde dieses Hauses hat, die Aeußerung mit Bedauern zurückzunehmen. v. Eynern: Ich wurde so stark unterbrochen, daß ich in Er- regung geriet und mir die Aeußerung entschlüpfte. Ich würde sie zurücknehmen, wenn ich nicht dafür zur Ordnung gerufen wäre, wamst nach parlamentarischem Bvauch diese Entgleisung gesühnt ist.(Widerspruch.) Vorsteher Dr. Wehl: Ich habe nur im Interesse eines ruhigen Verlaufes unserer Beratung um Rücknahme der Aeußerung ße- beten. v. Eynern: Ich habe den Ordnungsruf hingenommen und die Entgleisung zugegeben. Die Würde des Hauses glaube ich hiermit gewahrt zu haben. Mehr tue ich nicht! . Während v. Eynern in seiner Rede fortfährt, verlassen viele Unabhängige den Saal. Er empfiehlt gegen Wermuth den Ober- Präsidenten Dr. S ch w a n-d e r, mit dem aber die Deutsche Volks- Partei nicht vorher Fühlung genommen habe. Dave(Dem.) vermißt gleichfalls an Wermuth die Festigkeit und empfiehlt Schwander.. In einer Bemerkung zur Geschästsordming kommt H u e t t ch en CD Vp.) auf den Fall v. Eynern zurück. Ms v. Eynern über Mermuths Verhalten in der Lebcnsmittelfrage sprach, habe Zu- beil gerufen:„Du hast Dich dick und voll gefressen." Gleich- zeitig.habe Frernd gerufen:„Blödsinnige Bande!" Zubcil(lt. Soz.): Ich habe gesagt:„Sie wohnen wahr- scheinlich im Westen, und da sind alle satt geworden!" F r e u i» d(U. Soz.): Ich trat eben erst in den Saal, als Herr v. Eynern seine Aeußerung tat. Mein Ausruf kann also nicht die Ursache geivesen sein. Einem anderen Stadtverordneten rief ich zu:„Ich habe Ihnen schon gestern gesagt, daß Sic blödsinnig sind." Schalldach(D. Vp.) bleibt dabei, daß Freund„Blödsinnige Bande!" gerufen haha. Die Wahl des Oberbürgermeisters wird dann vollzogen. Ab- gegeben werden IM Zettel, wovon 3 unbeschrieben sind. Es fallen auf Wermuth 107 Stimmen, aus Schwander bO Stimmen, somit ist Wermuth gewählt. (Beifall bei den U. Soz. Spöttisches„Hurra!" rechts.) Vorsteher Dr. W e y l: Ein Vertreter des Oberpräsidenten hat mir soeben telephonisch mitgeteilt, daß inzwischen der Ober- Präsident seine Bedenken wegen des Bürger- »n e i st er g eh a l t s hat fallen lassen. Ich habe schriftliche Mitteilung verlaugt, die schon unterwegs sein soll. Bis dahin muß die Bürgermeisterwahl ausgesetzt weiden. Ohne Debatte wird dann zur Wohl des Kämmerers ge- schritten. Vom Ausschuß ist Stadtkimmerer B o e ß- Berlin vor- geschlagen. Von 164 abgegebenen Zetteln sind 20 unbeschrieben. Gewählt wird Boeß fast einstimmig mit 142 Stimmen. Zur Wahl des Syndikus empfehlen Dr. N e u m a n n (D. Vp.) und Domin icus(Dem.) gegen den vom Ausschutz porgeschlagenen Stadisyndikus L a n ge- Neukölln den Stadtsyndi- kus S c m b r itz k i- Charlottenburg. Abgegeben werden 161 Zettel, 2 sind unbeschrieben. Mit 110 Stimmen wird Lange gewählt, 49 fallen auf Sembritzki. Bei der ohne vorherige Debatte vollzogenen Wahl des Stadt- medizinalrats werden ISO Zettel abgegeben, einschließlich 3 unbeschriebene. Der vom Ausschutz vorgeschlagene Schönek-erger Stadtmcdizinalrat Dr. Rabnow wirdgewählt mit 117 Stim- men. Auf Stadtmedizinalrat Dr. K ra u t w i g- Köln fallen 37 Stimmen. Zum Baurat für den Hochbau wird ohne Debatte mit 153 Stimmen nahezu einstimmig gewählt Stadtbaurat Ludwig H o f f m a n n- B e r I i n, der vom Ausschuß borge- schlogene alleinige Kandidat. Um die Wahl des Baurats für den Tiefbau, für die der Ausschuß Stadtbaurat Hahn- Neukölln vorschlägt, cnt- spinnt nch eine kurze Debatte. Als Gegenkandidat wird der Ber- liner Stadtbaurat Krause von Ladendorff(D. Vp.) nnid von Dominicas(Dem.) empfohlen. Auch ein an die Versamm- lang gerichtetes Schreiben der Beamten und Angestellten des Ber- liner Tiefbauan-tcs empfiehlt Krause. Bei 162 abgegebenen Stimmen tvird gewählt Habn mit 93 Stimmen. Krause er- hält nur 63 Stimmen, 6 Zettel sind unbeschrieben. Zum Dezernenten für das Verkehrswesen schlägt der Ausschuß Dr.-Jng. Adler vor, während unter scharfen Angriffen auf diesen die Deutsche Volkspartei durch Dr. Neu- mann und d:e Denwkroten durch D o m i n i c u s den Professor Giese empfehlen. Ihnen erwidert M ü n t n e r(Soz.) mit der Feststellung, daß Prof. Giese selber erklärt hat, er lege gar keinen Wert darauf, gewählt zu werden. Mit 108 Stimmen wird Adler gewählt.(Beifall auf der Zuhörer- tribüne.) Giese erhält 40, Schmidt 3 Stimmen. 3 Zettel sind un- beschrieben. Bei der Wahl des Dezernenten für das Maschinen-- Wesen stellen dem vom Ausschuß vorgeschlagenen Bergassessor Horten die bürgerlichen Parteien den Direktor Kühne von den Berliner Wasserwerken entgegen.(Ruf links: Ach Herrje, den!?) Nach der Debatte beantragen sie Vertagung dieser Wahl, dringen aber damit nicht durch. Gewählt wird Horten mit 113 Stimmen. Aus Kühne fallen 39. Auf Antrag der Demokraten werden die übrigen Wahlen ver- tagt. Die Donnerstugssitzung bringt die Fortsetzung der Wahlen. GroMerllQ Reform Sss Lerliner Verkehrs. Plane des neuen Verkehrsdezerncnten. Der neue Verkehrsde�ernent für/, Pfund Jnlandszucker auf zwei getrennte, den ganzen Monat Oktober über nebeneinander gültige Fuckerkarlenabscknitle, im ganzen also 2 Pfund, ausgegeben? für dieie 2 Pfund Zucker ergibt sich ein Durchschnittspreis von 7,50 Mark je Pfund. Das entheiligte Potsdam. .i>,- Die Deutschnationalen in Potsdam, die große Kopsschmerzen haben, werden am kommenden Freitag den Stadtverordneten fol- . genden Antrag unterbreiten: 1. Tie Benutzung der öffentlichen Gebäude zu i l m a ufnahmen zur Befriedigung französischer Eitelkeit und Schmeichelung französischen Grvßenwahnsinns zu untersagen, in den Fällen, in denen der Magistrat ein Unlersagungsrecht hat. 2. In den Fällen, in denen ein solches Recht nicht vorliegt, habe die Poltzeidireklion oder die zuständige amtliche Stelle dahin zu lvirken. daß die Genehmigung zu solchen Veranstaltungen, die die Potsdamer Bürgelschaft in ihren tiefsten und heiligsten Gefühlen(?) verletzen, versagt wird. Die Potsdamer Geschäftswelt sieht die Entheiligung Potsdams mit wesentlich anderen Augen an. Ste will beim Mag:- stra: vorstellig werden, um dafür Sorge zu tragen, daß den Film- gesellschaslen. die viel Geld:n die jetzt sehr einsame ehemalige Residenz bringen, keine Beschränkungen auferlegt werden sollen.— Die linksstehenden Parteien werden mit aller Entschieden« hett gegen den Anirag der Deutschnationalen stimmen. Die Stadtbibliothck im Marstallgebäude. Wegen Umzuges der Stadiblbliotbek aus der Zimmerstraße nach dem Marsiallge» bände am Schloßplatz wird der Lesesaal der Stadtbibliolhek am 2. Oilober. abends 9 Uhr, geschlossen. Die Bücherannahmestelle:m Lesesaal bleibt auch noch ferncrhm werktäglich von 10—5 Uhr ge- öffnet. Ueber Wiedereröffnung der Stadtbibliolhek werden Bekannt- mochimgen ergeben.. Dir Schulzahnkliziiken i» städtischer Berwaltung. Der Magistrat hat beichlossen, die von dem Lokalkomitee für Schulzahnpflege er- richteten vier Berliner Schulzahnkliniken am 1. Oktober in städtische Verwaltung zu übernehmen. Der Stadtverordneten-Versammlung wild eine Vorlage bieniber zugehen. Der Lchrervcrband gegen die Borgänge im LehrervercinS- Haus. Die Vertreterversammlung des Lehoerverbandes Berlin stellte in ihrer gestrigen Sitzung fest, daß die Abhaltung einer Lehrervcrsammlung mit Tr. Löwenstein als Redner in der ersten Versammlung am 6. September beschlossen worden ist, daß also der 18. Ausschuß nur einen Austrag oer Versammlung ausgesülrt hat. Die Vertreterversammlung verurteilte aufs schärf st e das Verhalten jener Teilnehmer, die durch ihr ungehöriges Benehmen die Versammlung gesprengt und das Ansehen der Berliner Lehrerschaft in der Oeffentlichkcit schwer geschädigt haben. Ter Bortrag Dr. LowenstnnS«n Verband sozialistischer Lehrer der für Freitag in der Neuen Welt angesetzt war, kann. wie uns der Verband mitteilt, nicht stattfinden. In Neukölln finden kerne abend 6% Uhr bier öffentliche Versammlungen des LehrervereinS in den Aulen Emser Straße. Realgymnasium Boddinstr., Lyzeum Berliner Str. und Müdebenmittelschule Tonaustr. statt. Tagesordnung: Der Entwurf des SchulunterhaltungSgesetzeZ., betreffend Besoldung der Lehrer und Lchrrrinncn an den preußischen Volksschulen. Große Kohlciiichicbungen sind von Beamten der RevisionS- abteUu» II der KohlenveiiorgungSsielle ausgeklärt worden. Man jjtme in Ersahruiig aebrachi, daß ein Koblenbändter A O si dat aus Sieglitz bei der Firma Tauber in der Tnrmstraße 64 bunterl Zciiiner zlols abgeladen baue, ohne vassir Koblenkarlen zu der- langen. Daiür waren aber die Preise um so höher. Ter Koks wurde von den benachrichtigten Kriminalbeamten bescklagnabmt. ebenio das Geld, daS der Händler hierfür erhalten baite. Bei einer Durchsuchung der Wohnung deS Kohlenhändlers wurde ein Geheim buch gesunden, in der dieser seine ganze Schleichhandels- licferungen eingetragen halte, ebenso waren darin die Wucherpreise verzeichnet. Alle BcleUigtei» werden von der Strasbehörde zur Rechenschaft gezogen. Eine Banderolen-Fabrik wurde von der Neuköllner Kri» minalpolizei in Jägernau bei Landshut in Baden ausgehoben. Der Polizei wurde bekannt, daß der Drucker Martin H o f f m a n n aus der Knesebeckstraße 24 zu Neukölln oft nach Ulm fuhr und von dort Steuerbanderolen für Zigarren und Zigaretten mitbrachte und sie hier verkaufte. Die Polizei verhaftete ihn und beschlagnahmte seine Korrespondenz, aus der hervorging, das Hoffmann mit einem Fritz Beck in Ulm in Verbinduna stand und von diesem die Banderolen bezog. Beamte der Neuköllner Kriminal- Polizei fuhren nach Baden und hoben die Fabrik aus. Wie weiter ermittelt werden konnte, hatte Beck bereits für 20 000 Mark Steuer- zeichen veräußert. Sprachfchule für Proletarier. Am 1. Okiober beginnen die neuen Winterkurse in Englisch und Französisch für An- fänaer ohne Vorkenntnisse. Anmeldungen: Donnerstag, den 23. 9.. Freitag, den 24. 9.. und Sonnabend, den 25. 9.. von 6—8 Uhr abends, und zwar für Kinder von 12— 14 Jahren(Nach- mittaaSkurse) in Zimmer 7 der 24. Gemeindeschule. Hinter der Garnisonkirche. Hot rechter Seitenflügel lNähe Babnbot Börse), und für Erwachsene tAbendkurse) in Zimmer 9 der Gemeindeschule Gipsstr. 23a(Nähe Rosenthaler Str.). BezirkSliildiinaSauSichuss Groß-Verlin kOrtSgrnpPen Wilmersdort, Schmargendorf. Grunewald). Am Sonntag, neu S>. September, nachm. 3 Uhr, findet im Zentral-Tbeater. Alte Iakobitraße 3l/Z� eine Sonde, Vorstellung siir Parteimitglieder statt, stur Aufführung gelangt „Die Weber' von Gertiait Hauptmann. Eintritt 3,30 TO. einschließlich Mardeiobe und Tbeater-eitci. EinirlttSkaiten beim BezirkSbildimgSauSschuß, Lindenitr. 3, und im WilmcrSdorscr Parteibm eau, Gast ein er Str. 12. Tie nngariichrn Arbeiter Berlins veranstalten— im wichttaen wirtschastlichen stntereise aller in Berlin wohnhaften Ungarn— eine Zu- iammenkunit am 21. d. TO., Freitag, abends 7 Uhr im GewerkschaftShauS, Engeluser 15, Saal III. Reinickendorf. Um die Preise auf dem Maß des Eriräglichen zu halten, aleich-eitig aber auch preisregulierend zu wirken, ist eine Reihe von Gemeinden durch Errichtung eigener Lebensmittelgeschäfte zur Selbsthilfe geschritten. Zu diesen Gemeinden gebort auch Rei» n i ck e n d o r f, das beute bereits II Verkaufsstellen besitzt. die sich eine« ständig steigenden Zuspruchs der Bevölkerung er- freuen. Auch viele, die diese Einrichtungen früher bekämpft haben, sehen wir setzt ihren Bedarf dort decken. DaS gleiche gilt von der BekleidungSstelle im WirtschaftSamt. An der arbeitenden Bevölkerung wird eS in erster Linie liegen, soweit sie ihren Bedarf nicht in den Läden der Konsumgenossenschaft deckt, die Gemcindeeinrichtungen so fleißig zu benutzen, daß diese Pionierarbeit aut dem Gebiete der Kommiinalisierung der Anstmg zu einem großen Netz über ganz Berlin werden kann. Auch auf die schon seit längerer Zeit bestebenden Holz» und Kohlen- Plätze wird hingewiesen, wo der Bevölkerung zu verhältnismäßig billigen Preisen sämtliche Arten von Brennmaterialien abgegcbeu werden. Ein Inserat der heutigen Nummer zeigt die Lage der Gemeinde- laden sowie der Holz- und Kohlenplätze an. Gemeinnützige SicdlungSgrnossenschaft.Lichtenberger Garte»- beim». Freitag 7 Ilbr, Aula, TOarktfir. 11: Versammlung für iämtiiche Siedler TOablSdorss. Tagesordnung: Wir und daS ReichSheimstästcngesetz. Tie freie Turnerschait Schöneberg veranstaliet anläßlich des zelm- jäbrigc» Bestehens der Kinderabteilling ein öffentliches Turnen sämtlicher Kinderabteilungen In der Turnbolle Belziger Straße sHobenzollernschuIe). Beginn 6 Uhr. Alle Freunde und Anhänger der freien Turnsache werden gebeten, den Verein durch zahlreichen Besuch zu unterstützen. Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 23. September: 19. Kreiö. Pankow sirrtünilich für gestern angekündigt). 7 Uhr Kreis. vertreterversammlung im Ratbaus, Sitzungssaal. 1. Ausciaben des KieiseS. 2. Wahl der Kreisleituna. Anträge mästen vor Eintritt in die Tages- ordnnng schristiich beim Burean eingereicht werden. 31. Abt. 7'/, Ubr bei Burg, Prenzlauer Allee lZS: Sitzung der Ab. teilungsfübrer und Kalsierer sowie deS BiidlmgSauSschusseS. Abrechnung von der Theatervorstellung. Jungsoziolistifche Bereinigung. Ortsgruppe Friedri 48. Hägen T1/, Uhr bei Schulz. Frtcdrichstraße, Ecke Lindenallee. Vortrag über.Werden und stiele der Jungsozialisten und die Aufgaben der kommenden Generation'.— Ortsgruppe Neukölln. 71/, Ubr Jugendheim, Nogatstr. 52. Vortrag.— Ortsgruppe Südwest. 7'/, Uhr in der Baugewerkschule. Kanlinenraum. Kirrsürstenstr. 141. Lileratiirabcnd.— Ortsgruppe Treptow. 7'/, Uhr im Jugendheim. Elsenftr. 3. Vortrag. Charlottenburg. 7ss, Uhr im VolkSbause. Rostnenstr. 4: Oessentliche Versammlung. Bortrag über: Di« Frauen und die KZ 218 und 21S deS StrasqesetzbncheS. Resercntin: Frau Todenhaaen. Renköll». Elternversammlungen: 7 Uhr siir die 6. und 37. Ge- meindelchule in GreiffS Fefttälen, Hermannstr. 166, Ecke Schlerkestr. Vortrag des Gen. Heyn; für die 15. Gemeindeschule bei Grieger. Lesffng-, Ecke Steinmetzftr.— Freilag 7 Uhr sär die 7. und 24. Gcmcindelchute in der Turnhalle der 7. Gemeindeschule, Mablower Str. Vortrag des Gen. Tbal Tbcma in allen Versammlungen: Die Ausgaben der Elternben äte. stur Wahl am Sonntag werden die Genossinnen und Genoffen ersucht sich zabl- in den bekannten Lokalen, welche durch die Abteilungen bekannt gemacht werden, einzufinden. 8 Uhr vormittags. Rosenthal. 7 Uhr in der Turnhalle Goetbestraße: Oeffentliche Protest. Versammlung gegen die Herauiletzung der Klassenzah. aus 60. Alle Partei- genossen und Eltern schulpflichtiger Kinder müssen hiergegen einmütig protestieren. Pflicht ist eS, zu dieser Elternversammlung zu erscheinen. Mvrgen, 21. September: 4. Abt. 6—9 Uhr: Abrechnung der BezirlSsührer bei Rickert, Stein- metzstraß« 36a. 10. Abt. 7 Ubr mißerordenlliche AbteilungSvelsammIung in der Aula, Reichenberoer. Ecke Förster Straße. Wahlkreis HalleicheS Tor. Obleute der E'ternbeiräte 7'/, Uhr bei Woiff. Forster Str. 44. Unbedingtes Erscheinen ersorderlich, im Ver- Hinderungsfalle Vcrirctung senden. Wahlkreis Tiergarten. Vorstandssitzung 7 Uhr bei Trümper, FlenS- burger Str. 3. PünkilicheS Ei scheinen notwendig. S.P.T. Elternbciräte deS Wahlkreises FriedrichShai». 7 Ubr in der Aula der 125. Gemcindeschzile, Lange Sir. 76, Vortrag deS Gen. Bruns über„Schuljragen'. Fragebogen mstdringen. S.P.D.-Lehrrr find hierzu eingeladen. Werbeansichnft der Gemeindcbeamten. 6>/, Uhr stn Zimmer 109 des Berliner Rathauses: Vollversammlung. Tagesordnung:„Agitalion und OrgattiSmuS in der EinheitSgemeinde.' Rejerent: Klukowjki. ?ugenüveranstaltungen. Heute, ÄS. September: Stralaner Viertel. Schule Nazlerstr. 3. Bortrag: Der TOen'ch der Vorzeit.— Steinickendorf-Wei». Eichborrsäle. Eichbo..>. 60. Boricgg: Fritz Revier.— Tchövliauier Bor lad« Iii. Schule Paopcl-tlllee 41/1'. Vortrag: Darwimsmus.— Südweit. Zeniraijugendheim Lindenslr. 3. Vortrag: Karl Marx. Wietschaft Tie deutsche Heringsbeschaffung. Auf eine Anttage erhielten wir folgende llnterrlfiitmg: Tie Deutsche HeringShandelS-Gesellswaft und der Verein DeuticherHeringSsischerei-Geiell- schafien in Bremen ietzen sich auS denselben Heringsfischerei» Gesellschaften zusammen. Die Deutsche HeringShandelS-Gesellschast fft eine G. m. b. H. und im wesentlichen die BerlaufSzentrale für die ihr angegliederten Gesellschaften, während der Verein Deutscher HeringSfischerei-Gesellschaflen lE. V.) die Wahrung ge- meiniamer Jnleresien setner Mitglieder gegenüber Behörden, Kor» porationen, Verbänden und Elnzelpersonen bezweckt; ein wittschaft- licher Geschäftsbetrieb ist bei ihm ausgeschlossen. Die Deutsche HertngShandels-Gejclljchast steht in bezug auf die Preisseststellung nicht unter Kontrolle deS Reiches. Grs bildet ihre Preise nach den Unkosten der Fischereien, der Lage deS auswärtigen Marktes, nicht zum wenigsten aber auch mit Rückficht auf die Lage der Verbraucher. In deren Interesse hält sie die Preise im Verhältnis zu den Unkosten und zu der Marktlage niedrig und eS wäre zu begrüßen, wenn die Heringsfischereien im allgemeinen Interesse noch weiter ausgebaut werden könnten, zumal der Hering der nahrhasteste und im Verhältnis zu anderen Fischen auch der preiswerteste Fisch ist. Ein privates Monopol befitzt die Gesellschaft nicht, sie ist nur eine tatsächliche Zusammenfassung der gesamten HeringSfischerei. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Salz» Heringsimporteure fdi« LOO-Prozem-Bereinigung) hat nach ihren Satzungen den Zweck, die SalzheringS-Einfuhr-Gesellichaft bei den für die Reichsfiichvcrsoraung durchzuführenden Geschäften im Auslände zu unterstützen. Während eS sich bei der Deutschen HeringShandelS- Gesellschaft um den verkauf deutscher Heringe handelt, besorgt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Salzherings» imporleure den Vertrieb der auS dem Ausland eingeführten Heringe und ,war ist sie das ausführende Organ der S a l z« beringS-Einfuhr-Gesellschaft. Diese ist an die Weisungen der ReichSfisSversorgung und diesi wiederum an die Wünsche deS Ministeriums für Ernährung und Landwirt- schast gebunden. Zur Gründung einer internationalen HeringSkomPagnie. Die Leitung de» in der Bildung begriffenen Unternehmens im Herings- gefchäft soll in den Händen der Firma Hille gart u. Co. in Altona liegen, die in daS Unternehmen aufgebt. DaS Aktien» kapital beläufl ssch auf 10 bis 15 Millionen Mark. Die Aktien bleiben im Besitz von Interessenten der internationalen Fischerei. Bon den Interessenten stammen fünf auS England, bis- her drei aus Norwegen und die übrigen auS Deutschland, Oester- reich. Holland und Schweden. Man bofft durch dieie Interessen- Vereinigung durch Ausschaltung der Transport schwierig- leiten und durch möglichste Ueberwindung der Valuta- schwankungen eine bedeutende Verbilligung der Waren herbeiführen zu können. Filialen, soweit bis jetzt vorgesohen, sollen in England, Norwegen, Schweden, Dänemark sowie an den Hauptplätzen Deutschlands errichtet werden. 133 Millionen Mark Verlust. Die Reichsver sicher ii ngsan st alt für Angestellte bat in Nr. 7 ihrer amtlichen Nachrichten den Bericht für das Ge- schäftSjahr 1919 erstattet. Danach sind im Jahre 1919 236 Millionen Mark an Beiträgen und 55 Millionen Mari an Zinsen vereinnahmt, BerwaltungS- und sonstige Unkosten 11 Millionen Mark, 13 Millionen Mark Teuerungszulagen an Beamte, so daß sich die BerwaltungS- losten auf rund 24 Millionen Mark belaufen. Die V e r w a l t u n g S- kosten sind im Vergleich zu den BeitragSeinnahmen recht hoch. DaS gesamte Vermögen ist bis auf einen verhältnismäßig kleinen Teil, der in Hyvolheken untergebracht ist, in A n l e i h e n deS Reiches und der Bundesstaaten angelegt. Darauf ist im Jahre 1918 ein KurSverlnst von 44 Millionen Mark zu verzeichnen gewesen. Im Jahre 1919 entstand ein weiterer KurSverlusi von 89 Millionen Mark, zusammen also 133 Millionen Mark, um den die versicherten Angestellten geschädigt sind. Mus aller Welt. �isenbahnkataftrophe in Hessen. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich auf der Streck? Göttingen— Bebra. Zwischen den Bahnhöfen Sontra und Cornberg lösten sich nachts von einem Güterzuge eine Anzahl Kss«r- wagen, ohne daß dies von dem Personal bemerkt«vurde. Di« av< gerissenen Wagen rollten mit großer Geschwindigkeit die ssark ab- fallende Strecke nach Sontra zurück und stießen in der Rühe deS Bahnhofes auf«inen ausfahrenden Güterzug. Das Maschinen- personal dieses Zuges konnte sich durch Ab ipri ugen retten. Der Zusammenstofz war furchtbar. Neber 50 Güterwagen»urden zertrümmert und die Güterzugmaschine die hohe Eisenbahnböschung hinabgeschleudert. Bier Eisenbahnbremser wurden unter den Trümmern begraben und getütet. Der Verkehr auf der Strecke ist gestört, die Nnglücksstelle ist ein wüsteS Trümmerfeld. Di« Wagen haben sich hoch aufeinandergetürmt, die unter ihnen liegenden Leichen konnten bis jetzt noch nicht freigelegt werden. Pilzvergiftung, Eine BreSlauer Familie ist nach dem Genüsse auf dem Markt gekaufter Pilze schwer erkrankt; ein 21 jähriger Sohn und eine 15 jäbrige Tochter sind gestorben; der Bater liegt im Sterben. Die vier anderen Kinder hofft man zu rette»; die Mutter, die nur wenig von den Pilzen gegessen hatte. blieb verschont. Kirchenbrand. Dienstag nachmittag ist die katholische P-obstei- kirche, das äiiefte Gotteshaus von Bochum, abgebrann». Der Turm ist in sich zusammengestützt. Flecktyphus ist im Durchgangslager Swinemünde aus- gebrochen, wohl aus Rußland eingeschleppt. Sogar von Todes- fällen wird geiprochen. Ei» Opfer seines Mutes. Als der von Stolp kommende Zu- m die Bahnhofshalle Labes brauste, eriaßte die Lokomotive eine ältere Frau, die versuchte, die Gleise zu überschreiten E r Eisenbahnbeamter, der im Augenblick der höchsten Geial hinzusprinien wollte, um die alte tame zu retten wurde ebenfall' von der Lokomotive erfaßt und voll ständig, ermalmt. Ti? alte Frau wurde in daS Krankenhaus gebracht. Der mutige Eisen- bohnbeamte hinterläßt eine Frau und vier Kinder... AilSwandererelend. Im Hzim der Heilsarmee Hamburg. Albert- straße, liegen seit Mac 93 Auswanderer aus Gelienkircken die seinerzeit ans dem Wege»ach Brasilien hierher kamen. Od-- ichon die Pässe seit Januar vissert und alle Vorbereitungen»nona:?- lang vollendet sind, die ReichSauSwanderungSsiellen ouch den Ll- tranSport zugesagt haben, liegen die Leute immer noch in Hamburg In welcher SlMalion sich die Auswanderer befinden, läßt sich leicht ei raten. vanbrnüberfall. In C a l l i e ß IPommern) e r f ch« k f e n drei Mäi.ner den Fabrikbesitzer Abraham in dessen Kontor. Die aus die Schüsse berb-i re:lte Ehefrau wurde von den ver- brcchern zur Hecausgobe des Geldes aus dem Kasscnschra"> ge- nötigt. Dem Toicn wiude noch die Uqr und die anderen Wen» gegenstände abgenominen. Sport. Kartell der freien Sportvereinignugeu. Kartell. DienSiag Ausgabe des TOitt-Blattes. Freie Turnerschaft Bert,,,. Sonmag: Spottlicke Weitkämpf« bei Männer. Frauen und Jugendlichen aus dem ftädt. Spielplatz Schönhauicr Alle««Exer»>erplatzi. girier Wanderbund. Sonntag: 1. Freienwald«— Baal««— Falken- berg. Abs. 6.50 Stett. Fetnbobnbos.— 2. Schwante— SommerSwalde— Oiantendura. Abs. 5.30 Stell. Vorottbabnh.— Kindettour sür Kinder über 11 Jadre: Finlcntrug- Spandau. Treffp. 7 Uhr Lehrier Fcrnbahnbos. Tourlsienveretn»Ralurirrunde», Ortsgruppe Berlin- Oübabn- vororte Sonntag: Treffadrt mit Ortsgruppe Töpenick am Nordend« des SlienitzseeS. Abi. 5.55 Schlei. Bahnhos bis FrederSdors. Abs. Sonnabend 6.25 Uhr.— Donnerstag, 30. Sept.: Musik- und Tanzabend im Jugend« heim des Ostens, Gr. Franlsurter Str. 16/17, 7 Uhr. «etternnSsichte» kür da» mittlere Rarddentschlan» bis Freitag mittag. Zeitweise ausklarend, jedoch überwiegend bewöUt,»iemlich kühl mit einzelnen Regensällen bei vorwiegend östliche« vurde» Msnahmerecht für Groß-Serlin! Tie Preußisch« LandeSvers ammlu�ng beschäftigten ran Mittwoch die Anträge zu dem Gesetz über Groß-Serlin. Tie Deutschnationalen beantragen den Zeitpunkt dcZ In krafttreten z des Gesetzes anderweit gesetzlich zu regeln und bis dahin die weitere Ausführung des Gesetzes e i n z u- stellen. Die Deutsche Volkspartei beantragt, dag die Sitze des M a g i st r a t s auf besoldete und u n besoldete Mitglieder zu der« teilen sind und fordert Aenderungen über die Bestimmungen hin- sichtlich der Bezirksversammlungen. Das Zentrum beantragt, daß der Magistrat aus höchstens 30 Mitgliedern besteht, von denen mindestens 12 u n besoldete sein müssen. Abg. Lüdicke(Dnatl.): Hoffentlich nehmen auch die Demokraten unseren Antrag an, um ihren Standpunkt zu revidieren, denn sie haben das Zustandekommen des Gesetzes verschuldet. Wir lausen in Berlin Gefahr, eine hureaukratischc Verwaltung unter«inseitiger politischer Beeinflussung zu bekommen. Nur durch die Teilnahmslosigkeit des Bürgertum? haben die sozialistischen Parteien gesiegt. Heute bestimmen in Berlin, die Unabhängigen, und die MehrheitZsozialisten unterwerfen sich ihnen. Ein unermeßliches Elend wird hemusbeschworen. In Spandau hat die Sozialdemokratie für die BezirksanrtSstellen geradezu die fünfjährige Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei vorgeschrieben. Abg. Leidig(Dt. Vp.): Berlin ist tatsächlich in die Hände der Moskauer Internationale gefallen, l Lachen b. d. U. Soz.— Die Abgg. A. Hoffmann und Sämisch werden wegen beleidigender Zurufe zur Ordnung gerufen.) Unerhört ist die Durchsetzung der Wahl Dr. AdlerS.(Slbg. Dr. Wehl ruft:- Seien Sie doch zufrieden, sonst hätten Sie heute nicht mit der Straßenbahn fahren können!) Groß-Bcrlin soll unter eine Gewaltherrschaft gestellt werden, bei der Stellenhcsetzung soll ledig- lich�dia Gesinnung maßgebend sein. Das zeigt die Beseitigung GieseS und ferner die Wahl Dr. Löwen st eins zum Stadtschul- rat. Berlin soll von Mittelmäßigkeiten und Unzulänglichkeiten re- giert werden. Unter Antrag soll dem blinden ParteisanatiZmuZ ein Ziel setzen. Abg. Dr. Faßbender"(Z.): Die Gewaltpolitik der Unabhängigen in Berlin ist beispiellos in der deutschen Geschichte. Unerhört ist das Vorgehen im Fall Löwenstein. Die Demokraten haben den Un- abhängigen die Steigbügel gehalten. Mg. Heilmann(ssz.): Man kann über die Zweckmäßigkeit einer Einrichtung und über die Geeignetheit einer Person recht verschiedener Meinung sein, auch über einen Beschluß in einer Stadtverordnetensitzung aber es ist etwas ganz anderes, ein eben getroffenes Gesetz wieder umstoße» zu wollen und dadurch eine eben in der Ausführung begriffene Umänderung von Grund auf durcheinaniserzubriugen. Unser prinzipieller Standvunkt ist einzig der der Sachlichkeit, ohne Rücksicht auf parteipolitische Zugehörigkeit. Der Magistrat soll das Spiegelbild der Stadtverordnetenversammlung und der Wähler sein. Wir verwerfen jeden Machtstanbpunkt. (Widersprucki und Lacken rechts.) Auch dann, wenn er sich als Vergeltung darstellt. Sie(zu den Bürgerlichen) sollten nicht leugnen, daß vor der Revolution ein Machtstandpunkt uns gegenüber ausgeübt wurde. Für unZ aber gibt eS keine Rache, sondern nur demokratische Gerechtigkeit. (Beifall bei dm Soz.) Meine Parieifreunde in der Stadtverordnetenversammlung haben es den Unabhängigen ausdrücklich vor Augen geführt, daß es unvorsichtig wäre, die Bürgerlichen auSzu- schalten, daß eS ungerecht wäre, einen erbeblichen Teil der Be- volle'.ung nickt in der Stadtregierung selbst sitzen zu lassen— die Unabhängigen haben erklärt, wir können«uck nicht zwingen, mit unS zu gehm, aber wenn ihr bürgerlich« Mitglieder in den Magistrat wällt, kommt für uns eine Mitarbeit nicht in Frage. Meine Parteifreunde sahen sich infolgedessen in einer Zwangslage. Da si« eS aber für gefährlicher hielten, daß der größers Teil der Berliner Arbeiterschaft nicht an der Stadtregierung beteiligt wird, als wenn die Bürgerlichen weniger beteiligt wären, da sie vor allen Dingen!ven Unabhängigen, die bereit waren, die Verantwortung mit zu übernehmen, diese nicht entziehen wollten— gerade angesichts der bevorstehenden schweren Zeit—, da sie es ferner für be- denklich hielten, wenn die Unabhängigen, befreit von jeder Vcrant- wortung, schrankenlos gegen einen aus bürgerlichen und mehr- boitssozialistischen Mitgliedern besiehenden Magistrat hätten Heyen können, so haben sie die Bedingungen der Unabhängigen hinunter- geschluckt, denen sonst unser grundsätzlicher Widerspruch hätte gelten müssen. Meine Freunde haben geglaubi, daß, wenn die Unabhangi- gen uickü im Magistrat säßen, die Demagogie noch gefährlicher wäre, als wenn die Rechts nicht vertreten wäre, diese Annahme scheint mir aber jetzt falsch zu sei,,(Heiterkeit und Sehr richtigl links.— Widerspruch recht?.), denn was die bürgerliche Presse, ins- besonder« die Rechtspresse sich an demagogischer Verhetzung gegen den„roten Magistrat"' leistet, ist noch nie dagewesen.(Wider. spruch und Beifall.) Und was ist daran berechtigt? Wenn d�e Un- abbänfligen nickt eine Politik getrieben hätten, vre sie als Prin. zipicupolitik ansehen, die�wir aber Prestigepolitik nennen, dann wäccn von den 12 politischen Stadträten nach den Mehrl.eitSver- Hältnissen 5 bürgerliche darunter— und in Wirklichkeit sitzen im neuen Magistrat 6 bürgerliche Vertreter (Oberbürgermeister Wermuth, Kämmerer BoeS, die Stadträte Loening, Simonsohn, Hoffmam, und Hahn) und da erzählen hier Abgeordnete, eS würde eine Ausschaltung aller bürgerlichen Ele- mcnte betrieben; was ist das anderes als eine lächerliche Ueber- ireibung und Demagogie? Meine Parteifreuiiioe haben sich trotz der allgemeinen Verständigung mit den Unabhängigen im ersten Wahlgang für Pros. Giese entschieden, lediglich weil ihnen dieser als der rüchtigere Fachmann erschienen war. AIS die Straßen- bahner Einspruch erhoben, sollten sich die drei Kandidaten in einer Sitzung vorstellen. Prof. Giese ist aber nickt ersckienen, sondern schrieb nur, wer ikm kennen wolle, der kenne ihn ohnedies ge- nügend, und wer ihn nicht kennen wolle, auf dessen Meinung lege er keinen Wert.(Lebhaftes Hört! hört! links.) Da? kann sich die Stadtverordnetenversammlung nicht bieten lassen. Der So- zialiSuniS verwirklicht sich in zwei Formen: 1. durch das allgemeine Parlament der Demokratie und 2. durch den Ausbau der Berufs- organisasion, den Aufbau de» RätesystemS.(Abg. Dr. Leidig (D. Dp.): Das haben Sie ja bekämpft!) Wir treten ein für die Sozialisicrung, d. h. aber nkbl Verstaatlichung. Ein sozialisierter Betrieb ist ein solcher, in welchem die Arbeiterschaft in zweckmäßiger Weise bei der Leitung mitwirkt.(Abg. Leidig: DaS ist Syndikalismus!) Nein, das ist das, was man in England GildensozialiSmuS, in Deutschland RätesoziakiSimlS nennt, und dafür haben gerade die Herren von der Rechten früher großes BcrständmS an den Tag gelegt oder wenigstens vorgetäuscht.(Heiterkeit.) In einem sozia- lisierten Betrieb kann man den Leiter nicht wählen ohne Zustim- mung der Arbeiterschaft. So ist eS auch beim Leiter des Verkehrs- wcsenS.(Zuruf rechts: Und der Siadtschulrat?) Mit Dr. Löwen- sie i n haben ich sowohl wie andere Kollegen in diesem Hause einige Jahre in der Charlotte nburaer Stadtverorduetenversammluiig zu- sammcngearbeitet und wir haben ihn als ruhigen, besonnenen. hochanstänldigsn Menschen kennengelernt.(Zuruf bei den Demo- k raten: Sehr richtig!) Er hat erklärt, daß er sich in seiner Amts- rührung streng an die beftebenden Gesetze halten werde.(Zuruf: DaS lst eine Selbstverständlichkeit!) Gewiß, aber in der Ocfsent- lichkeit stellt man eS doch so dar. als ob der einzige Dr. Löwen- stein imstande wäre, die ganze Schule zu vernichten, als ob es gar kerne Reichs, und SlaaiSgesetze mehr gäbe.(Zuruf reckt?; Für Dr. Giese gelten doch die Gesetze ebensol) Aber im Nahmen der Gesetze kann man Kcmslikle mit den Arbeitern haben.(Zuruf recht?: Auch m?t den Lehrern und Eltern!) Die Befürchtungen wegen der Wahl Dr. Löwenstein? sind Ucbertrviömigen. sie stellen sine gefährliche Demagogie dar'(Lärm rechts) und Hetzen vcr- schieden« Teile der Bevölkerung in unveraniwortlicher Weise gegeneinander.(Erneuter Lärm bei den bürgerlichen Parteien.) Trotzdem würde ich mich gosreut haben, wenn Dr. Löwenstein m'cht gewählt worden wäre, denn er ist ein Mann von jüdischer Abstanr- mung. Wenn man nämlich einen Dissidenten namens Schulze oder Müller gewählt hätte, dann wäre die Demagogie im Lande lange nickt so leicht gewesen. DaS Alter de? Kandidaten spielt keine Rolle. War dach auch der Bischof von Osnabrück zur Zeit feiner Berufung erst 36 Jahre alt und bat trotzdem Geistliche von 70 und SO Jahren als seine Söbne angesprochen. Ich hätte den Einspruch der Lehrer gegen Dr. Löwenstein entscheidend gesunden, wenn sie ilm überhaupt gehört hätten, und wenn nickt einige Rabauhelben, für die ich die Masse der Berliner Lehrerschaft in keiner Weise verantwortlich mache, die Versammlung vorzeitig gesprengt hätten. Auch so halte ich da? Votum der Lehrer für außerordentlich wichtig. Meine Fraktion denkt nicht daran, die Verantwortung für diese oder jene Wähl in Berlin zu übernehmen, genau so wenig, wie sie daran denkt, die Verantwortung für die taktische Zwangslage zu übernehmen, in der unsere Berliner Genossen sich durch die Schuld der bürgerlichen Parteien befinden.(Hört, hört!) Jn� Köln befindet sick ein« der wüstesten und schamlosesten Bsrdellstraßen in mMii! teilbarer Nähe des hehren Domes! Jeder Deutsche sollte sich dessen schämen, wenn er daran denkt, daß die feindlichen BesatzungStruppen dem schamlosen Treiben dorr zusehen. (Zuruf links: DaS"heilige Köln!) Aber ich denke nicht daran, zu verallgemeinern, wie eS die Herren vom Zentrum tun. Natür- lich sammelt sich in einer MMrmenstadt wie Berlin viel Schmutz an. Aber darum die LoSlösunqSbestrebungen zu fördern, daS halte ich für ein sckwere? Unrecht. Ich fürchte auch, daß die Wahlen in BerZin ihre Rückwirkung auf das ganze Reich batet werden. Wer das ist eben daS bittere Unrecht, das unS armen bescheidenen Ber- ltnern geschieht.(Große Heiterkeit.) Lassen Sie dach diese un- beliebten Berliner einmal ruhig in ihrem eigenen Fett schmoren. Gegenüber dem Vorwurf der Krivvenpolitik weise ich darauf hin, ; daß der dentschnationale Herr Lüdicke im Ausschuß dafür eingetreten - ist, möglichst wenig Magistratsmitglieder zu wählen, aber nur be» : soldete.(Hört, hört! links.) Im übrigen haben ja die Unab-häu- gigen bsa»trag-t. daß die AmtSdauer nur kurz sein soll, die Bürger- fachen aber haben 12 Jahre beschlossen.(Hört, hört! links.) DaS Zentrum will-jetzt- zwölf finanzielle Oberkontrolleure einführen. Warum beantragen sie nicht gleich, daß die Stadt Berlin ent- mündigt und unter Vormundschaft gestellt wird?(Heiterkeit.) Jeder einzelne der gestellten Anträge wird den Wirrwarr per- mehren und«ine Zerstörung anrichten, die größer ist, als alle Ver- Wüstungen, die die bürgerlichen Blätter von den Unabhängigen er- warten. Da? Gesetz muß, nachdem es einmal angenommen wurde, auch durchgeführt werden, wobei denen, die besondere Befürchtungen daran knüpfen, die Hoffnung gegeben werden kann, daß die Demo- kraii« jene Staatsform ist, die die wunderbare Kraft besitzt, die Fehler, die sie macht, auch wieder gutzumachen. ES geht nicht an, daß hier ein Ausnahmegesetz gegen Groß-Berlin gemacht wird, ganz abgesehen davon, daß sich darüber niemand mehr freuen würde, als die Unabhängigen, denen es die Verani- wortung abnehmen würde, und noch obendrein herrliche agita- iorische Möglichkeiten geben würde.(Sehr richtig, Heiterkeit bei den U. hevz.) Meine Partei ist damit einverstanden, daß alle Anträge einem Ausschuß übergeben werden, wir sind auch bereit, dort mitzuarbeiten, um einen Weg zu finden, der allen Be- Völkerungskreisen genügt. Wir sind aber unter keinen Umständeid gewillt, das Gesetz Groß-Berlin zu zerstören oder seine Aus- führung sabotieren zu lassen. Wir haben hier einen grundsätzlichen Standpunkt, und werden auch in dieser Frage unseren Standpunkt der Demokratie nun und nimmer verlassen.(Lebhafter, sich wieder- holender Beifall.) Mg. Dominicu?(Dem.): Abg. Heilmann hat mit seinen Aus- führungen gezeigt, daß seine Partei hier im Hause einen anderen Standpunkt einnimmt als ihre Fraktion im Rathause.(Wider- spruch d. Soz.) Wenn er erklärt, daß seine Fraktionsfreunde sich in einer Zwangslage befunden hätten, so ergibt sich eben daraus, daß sie die Prinzipien der Sachlichkeit,-Fachlichkeit und Gerechtig- keit verlassen haben. Den Wunsch, die U. Soz. in die Verwaltung einzuführen, teilen wir durchaus, aber das Hineintragen' poli- sischer Machtgedanken in die Stadtverwaltung ist ein Verhängnis- voller Rückschritt. Die hauptberuflichen Verwaltungsbeamten waren ein besonderer Vorzug des deutschen Verwaltungssystems, auf den die englischen Siädtevertrcicr immer neidisch waren. Sie (zur Linken) setzen sich aber darüber hinweg, und wenn Sie aus dem alten Magistrat einige Fachleute übernehmen, so tun Sie es nur, weil sie Ihnen unentbehrlich sind. Darum richten wir in völliger Uebereinstimmung mit den Deuischnationalen, der Deutschen Bolkspartei und dem Zentrum die schärfste Kritik gegen die Art und Weise, wie der Wahlausschuß der Stadtverordneten- Versammlung seine Leute ausgewählt hat. Ich befürchte, daß die große Mehrzahl dieser Herren— gegen deren persönliche Ehrenhaftigkeit ich nicht? habe— einfach nicht fähig ist, ihrrr Posten wahrzunehmen. Die Aniräge der Deutschnationalen und der Deutschen VolkSpariei, die keine praktische Politik enthalten, lehnen wir ab. Den Anträgen de? Zentrum? stimmen wir zu, behalten uns jedoch für den Ausschuß volle Freiheit vor. Abg. Leid(U. Soz.): Meine Freunde begreifen gar Wohl die Unzufriedenheit der bürgerlichen Parteien mit der jetzigen Rathausmehrheit. Es zeigt sich, daß es sich um nicht? anderes handelt, als um die Erhaltung einer Machtposition des Bürgertums und soweit dies nicht mehr möglich, um Verfälsckung des. Volkswillens. Die Anträge richlen sich gegen die werktätige Bevölkerung Berlins, sie sind ein Aus- nahmegesetz gegen die Berliner Arbeiter.(Sehr richitg! bei den Soz.) Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Eignung für einen Stadtratposicn nicht nur darin zu suchen ist, daß der eiiizelne be- sondere Examina hinter sich hat oder den Dokiortitel mitbringt, sondern wir meinen, daß es auch sehr viele Leute gibt, die sich im Leben und durch die Praxis genügend Kenntnisse angeeignet haben, um einen derartigen Posten auszufüllen. Aber bei den Bürger- lichen handelt es sich nur um die Sabotage unserer Sozialisierung in der Kommunalpolitik.(Sehr richtig!)?lng-st der Kapitalisten ist eS, daß im sozialistischen Berlin ihrer Ausbeutung engere Grenzen gezogen werden. DäS ist allerdings unsere Aufgabe, und das verlangen nicht nur wir, sondern die Mehrheit der Berliner Bevölke- rung. ES ist eine dringende. Notwendigkeit, bei der jetzigen Lage der Verhältnisse dieses Gesetz unverändert so schnell wie möglich durchzuführen. Sie(nach rechts) wollen durch Ihre Verschlechte- rungSanträge im Gegensatz zur Demokratie Ihren Einfluß ausrecht- erbalien. Da? werden wir mit allen Mitteln zu verhindern ver- suchen.(Beifall b. d. U. Soz.) ?lbg. Nollmann(Dt. Vp.): Auch mit den gnädig gewährten fünf bürgerlichen Mitgliedern des Magistrats sind wir keineswegs ohne weiteres einverstanden. Der Einspruch gegen Dr. Löwenstein ist fast von der gesamten Lehrerschaft erhoben worden, und zwar weil er nicht Fachmann ist. Wir haben doch auch Schulreformer, die nicht gerade parteipolitisch abgestempelt sind.(Beifall b. d. Dt. Vp.) Damit schließt die allgemeine Aussprache, die Anträge werde-« dem Ausschuß Groß-Bcrltn überwiesen. Ein Antrag Adolf Hoffmann(U. Soz.) auf Bewilligung neuer Baukosten- und UehertcuerungSzuschüsse geht nach kurzer Besprechung an den HaushaltSausschuß, worauf sich das Haus vertagt. Donnerstag 1 Uhr(große Anfrage des Zentrums über die Ent- stttlichung des Volkes durch Nacktvorstellungen). Schluß Oßl Uhr.__ parteinackrickten. Der Parteitag in Kassel. Wir ersuchen die gewählten Delegierten und sonstigen Teil» nehmer am Parteitage, sich zwecks Wohnungsbeschaffung an den Unlerzeickneten zu wenden. Um allen Wünschen nack Möglichkeit enigcgenzukommen. bitten wir, uns anzugeben, ob Privat» oder Holet'wobnuug gewünscht wird. Die Partei, agsteiluehmer erbolten ihre Wohnung bei ihrer An- kunfr in Kassel im Wohnungsbureail nackgewiesen. Das WohnungS- burean befindet sick im Nordflngel des Bahnhofsgebäudes vor Bahn- steig 1 und ist geöffnet von Freitag, den 8. bis Montag, den 11. Oktober einschl. Später Ankommende wollen sich in der Auskunfts- stelle im Tagungslokal(Siadthalle) melden. I. S t r u v e, Kassel, Spohrstr. 6. : 1 Neu ausgestellt:\ im ersten stoch; Neue gesteckte Samt- und j | Zylinderhüte| - in allen Modefarben.! i- im Erdgeschofl: Gesteckte j Tuch- u. Filzhüte I | u. Kappen.. ronMk. 48 an! | Samtformen T.Mk. 68 an| j WollkappenT.Mk.48 ' an Modellhaus fi&arkgmFen Str. 28 L •Oex f4 N .'-D: ..M S�i», LlUlleue vor äer leipmgeiztr WM i Neue Schleier i mit W ollstickerei, Seide und Gold von Mk. 15," an bis 200,- 1 Neue Strick- und j Flauschjacken und Westen 1 nur reinwoll. beste Qualität j - und aparte Ausführung 1 von Mk. 225,- bis 925,- Linon-Formen von Mk. 10,- an r Theater, ilcSits�iefe etc- EW»i.'"■ y,■'- �f�vw.rrrrrrx-rrr�-r-s�G�rr�� Opemhans. Boheme. 7 Uhr. ScäaQsplelliaQS. (Anßcr Abonwement) Peer Qynt. tl't Uhr. Direktion Max Reinhardt Dentscfees Theater. 7 Uirr, zum I. Mala: Kinsstnc ült-nnchen. Fng.: Einsame fAenschen. KamBierspiele. S Uhr; Die Brandstane. Frt T1/;; Büchse der Pandara. Gr. Scimaspielhaus (KarlstraSe) 7; Jallns Casar(auli. Abonn.) Frc: Julia» Cisar(au6. Ab.) Theater I. d. KoniasrätzerStraße 7 Uhr, zum I. Male: Mirandolina. Lustspiel von Carlo Galdonl. (Else Heims, Heinz Saliner, Joh. Ricniann, Julius Brandt, Ernst Pröcltl, Dora Schlüter, Eva Broch, Einst BehmerJ Freitag: Erdgeist, Sonnabend; Mlrundotlna. Sonntag; Mirandollaa. Eomödipnhhus >/z»: Eine Nacht Im Paradies. Berliner Theater '/zS Uhr; Der letzte Walzer mit Fritzi iVlassary. C en tral-T h eat er � u.; Frau Bärbel. Dentsehen Operuhaun 7u.:PriDzessin y.Trapezynt. Frletlr.-WiihclnjiSt.Th. vi, u.: Hctielt die Tänzerin. KIoineH Theater. uhr: Die Plarraauskofflöiiie Iii. �rh;iuNpSelhap.«. Ii? Der FlDBimfaiizeriians K.owiiwchc Oper 7'/, uhr: Liijje im Seiinee. Lu8t»i>ieiiiaiiN Vfi Uhr; Arnold Rieck in Zwangseinquartieruns. ISetroDoi-TlK'ater. u.Joiläudwelbchen Neues Ccntral-Theater u!f Dia Dane im Frack. Neues Operetten haus v/t a: Die Csikösbaroness. Xenes VolkHthcater 7", uhr Der Biberpelz Bchlllcr-Tlieat. C'uarl, vi, uhr; Betiinas Yerlotiung Tlialla-Tli rater vitxj.-. Der düEine Franz!. Tb. am tiollrndorfiilatv: 7 uhr: Wenn Llelie erwaoDt Theater des Westens L'! Ger erslen Liehe golil, Zeil Walluer-Theater Geschlossen. Sonnabend? U: Der Geiger von Lugano. Walhuüa-Theater. uh'rGastsp.Hartsteta Residenz- Theater. Untergrundbahn Klosters tr. Donnerstag 4 Uhr, kleine Pr.: Schiiccsvittchcn. M' Die Freundin, Von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr, kleine Preise: _ PI«? Fprnndln. Triaaon-Theater. Heute 7 Uhr, zum I.Male: Der Roman einer Frau Komödie v. Lothar Schmidt Ida Wüst, Olga Limburg, E.Burg, Valetti, Faikensiein. Rose-Theater. V i Uhr: Die Ratten. Gasino-Tlieater Lothringer Str..17.— Tgl.'/JSi Knarps sei. Witwe und„AnschluB verpaßt". Singspiel m.t Viktor Litrek Sonnig. J'/j: Oebrflder Zorn Tolies Capriee Morgen Freitag, VzS Uhr: Grstaufführun�! VersiclHiFiicggog. Ehehrach Eine uuruhige Nacht Lea'* Ohamacht mit Ferd, GrDnecker. VOrverk.N-2.auch b.Werthelm lÄömlrds-PalastS Fürt in St. Hioritz. Vt Volksbühne Theater am Bülowplatz. Mfc; Gütz yoa teHcbDpL Lfisslng-T'rteater. Direktion: Victor Bamowsky. Meute und Freitag; l'-JHeTättzenti (Leopoidiac Konstantin.) Sonnabend 7, zum Z. Malet Das Gelübde. Schauspiel in 3 Aufzügen von Heinrich Lautensack. (Konstantin, Laos, Klopfer, Lind.) Dcntscfecs Käflsder-lMer Altanendlich Va? Uhr:. BieSchelduugsreise mit Mbz Adalbert und Trade Hesterberg. 71/, Theater 7'/,I t Dir. James Klein. 1 Eröfinungsprogramiri Gastspiel t Jd. internal preisgekr.| Meister-Betekiivs Hannussen f m sein. einz. dasteh l Experim. u. Voriühr. Isearrasl d.best Akrob. d Welt TeptluM Schwed. Illusionist In niegez Darbietung L Madame Laur� d. tollkühne Schönh. f u. weit. Scnsatioacn. 1 lonntag ZV, U jeder I I Erwachs 1 Kind tfWrt f SelKlItindltaueli Im großen Schauspieiiiaus Bh.Friedrichstr. TeLNord 8643 Dir. Hans v. Wolzogen. Das gr. September- Progr. mit Kulissen d. Seele v. Nik. Nikoi?jew. Evreinoff. Hauptroll.: Hermann In im ix, Rob. Forster-Larrlnsga. A. Flügel: Kpmstr. Spolianski. Balaliilka. Orchester. Konzert 71/. Beginn B". 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Aach einem Breslauer Wolffberichte kann von einer allgc- meinen Beruhigung immer noch nicht gesprochen werden. Einzelnachrichten lauten: Bezirk Kattowitz: Die Grenzorte noch vollständig unter polnischem Terror. AuS Baingow sämtliche deutsche Familien geflüchtet. In diesem Kreise insgesamt 25 Tote, dazu die Verluste der Sicherheitswehr mit 10 Toten und 40 Verwundeten. M h s l ow i tz: Dort herrscht nur die polnische Polizei. für die die Stadtverordneten 120 000 M. bewilligen muhten. Kreis Pietz: Verhältnisse ähnlich wie im Kreis« Kattowitz. Bisher nichts getan, um die Grenze gegen Polen adzuschlietzen. In Wohlau(Kr. Pietz) seit dem Putsch eine eigene Republik mit einem Präsidenten. Vor einigen Tagen erst«ine italienische Patrouille auZ dieser Republik Wohlau heraus beschossen. Daraufhin 100 Italiener dahin gesandt. Kreis Beuthen: Aus Grotz-Dombrowka auch die letzten deutschen Familien geflüchtet! In Radzionkau (Kreis Beuthen) noch immer Schictzereien.. Aus Miechowitz, wo die Polizei noch immer nicht ihren Dienst aufnehmen konnte, etwa 300 deutsche Familien geflüchtet. Im Grenzgebiet Gewalttätigketten an der Tagesordnung. Im Durchschnitt täglich 5—10 Morde, Einbrüche, Ueberfälle. In S ch o p p i n i tz die Ab- stimmungspolizei mit Gewalt gehindert, sechs Personen, die an dem Raubüberfall auf die Löhnungsempfänger der Giefchegrube beteiligt waren, zu vethaftcn. In Eichenau die Wohnung eines Kaufmanns überfallen, die Frau niedergeschlagen, 12 000 M. und Gold- und Silbcrsachcn geraubt. Sonntag hielten auf der Stratze Beuthen— Tarnowitz drei Burschen einen Zug an und versuchten, unter dem Rufe. „DaS ist ein HeimatStreuer" einen Beamten aus Tarnowitz zu erschlagen. In der Nacht zum Sonntag der Güterbahnhof in Beuthen von einer polnischen Bande beschossen. In einem Zuge zwischen Beuthen und Tarnowitz ver- anlatzten Polen unter dem Rufe:„Vernichtung den Heimattreuen!" eine Schlägerei, bei der mehrere Personen stark verletzt. In AgneShütt« störte ein polnischer Stoßtrupp ein Hochzeitsfest und mißhandelte«inen Wachtmeister in fürchterlichster Weise. Er wurde nach Domb gebracht. Man hatte die Absicht, ihn zu ver- schleppen. AbstimmungSpsIizei konnte den Wachtmeister erst nach einem schweren Gefecht befreien. Sonnabend morgen wurde ein Postbeamter auf dem Wege von Schüglowitz nach Kriewald von einer bewaffneten Autobande übrfallen. 200 000 M. graubt. In Gatsch ein Arbester von Polen durch drei Schüsse getötet. In Niederschwierklau der deutschgesinnte Arbeiter Haiisch er- mordet. Fortgesetzt laufen neue Nachrichten von Plünderungen, Raub und Mord ein. ES hat den Anschein, daß all diese Gewalttaten durch die sogenannten BojawkaS verursacht werden, polnische Banden, deren besondere Aufgabe es ist, mißliebige Deutsche und deutschenfreundliche Polen zu beseitigen. Sie sind von pol- nischen Offizieren organisiert und befehligt. Der umfang- reiche polnische Spitzeldienst bezeichnet den Banditen ihre Opfer. Die Zusammensetzung des gemischten Beirates. Beuthen, 22. Septenrber.(WTB.) Der Beirat bei der Interalliierten Kommission in Oppeln auf Grund des Veuthener Abkommen? ist heute gebildet worden. Er besteht aus 6 Polen, 2 Zentrumsvertretern, 1 Demokraten, 2 Sozialdemokraten und 1 Volksparteiler. Deut- schersestZ gehören dem Beirat u. a. an. Pfarrer Ulitzka. Reichstags- abgeordneter Ehrhardt, Reichstagsabgeordneter Franz, Gcwcrk- schaftSsekretär B r i s ch, SanilätSrat Dr. Block und Landrat von Drockhusen. Die Le-Rond-5?ommission klagt. Gegen den verantwortlichen Redakteur der„Ostdeutschen Morgenpost'. Dr. K l« i n e r, ist von der interalliierten Kommission Strafantrag gestellt worden wegen eines Artikels, in dem eS heißt: „Einwandfrei sind an mehreren Orten Angehörige der pol- nischen Truppen festgestellt worden, Waffen sind in Mengen über die Grenze gelangt und was das schlimmst« ist, die f r a n z ö- fischen Truppen sehen nicht nur untätig zu, sondern sie verbrüdern sich mir dem Gesindel, das Oberschlesien ins Unglück stürzt." Werden über diese Beschuldigung auch französische Offiziere urteilen? Deutscher Nalmeüp-protest. DaS Preußische StaatSministerium hat heute beschlossen, die Reichsregierung zu ersuchen, beim VölkerbundSrat gegen die Entscheidung über die An- gliederung der Kreise Enpen und Malin edh an Belgien in Hinblick auf die hierbei begangene Verletzung des Ar- tikels 34 des Versailler Friedens„vertrages" Rechtsverwahrung einzulegen.__ Zranzösifther Lenin-Ersatz. Paris, 22. September.(TU.) Bezeichnend für die E r w a r t u n> gen, die gewisse Kreise mit der Präsidentschaft Millerond« ver- binden, ist der Ausspruch des Deputierten Paisant, es gebe nur zwei Staatsmänner, die wüßten was sie wollten: Millerand und Lenin. Frankreich wähle Millerand, weil eS Lenin verabscheue- Bourgeois lehnt die Linkskandidatur ab. Er will bei seinem Völkerbund bleiben(und sich nicht der Chauvinistenmebrheit unterWersen). Such P ö r e t erklärt, nicht gegen Millerand kandidieren zu können. In der Vorabstimmung entfielen von 813 abgegebenen Stim- ntürt auf Millerand 628, auf DourseoiS 113 und auf Peret 107 Stimmen. Millerand ist damit als alleiniger Kandidat auf- gestellt._ Die Zitronenpresse. Pari«, 2?. September.(HavaS.) Auf Anfrage eineS Senators nach der H ä h e der BefatzungSkoften im Rheinland und der van Deutschland bisher gezahlten Entschädigung antwortete der Finanzminister, daß die vefatzungSkosten bis Ende März 1920 1,8 Milliarde» Frank betragen hätten, und von Deutschland bis Ende Juli d. I. 1S8S047245 Mark bezahlt worden feie», was 402800530 Frank gleichkomme. Schickt Eure Soldaten noch Haus, wie wir. dann seid ihr die Koste« los! Die K. G. als Kappistenfrucht. Am Mittwoch um)�2 Uhr trat unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Dransfeld, den Landgerichtsräten Wendriner, Böttcher, dem Hauptmann Kaufmann und Feldwebel Rogge als Beisitzer, das Gericht in die Prüfung der Ablehnungs- antrüge ein, die nochmals begründet wurden. Der Vorsitzende vernimmt den Angeklagten V o tz, dem Land- gerichtsrat Jamrath angeblich Straftaten auf den Kopf zugesagt hat. Votz erklärt: Ich kannte den Namen des Richters, der mich verhörte, zwar nicht, doch vermochte ich ihn gestern sofort wieder zu erkennen. Herr Jamrath fragte mich, ob ich der Kampforgani- sation der K. A. P. D. angehöre. Ich erlviderte ihm, daß ich über- Haupt nicht organisiert sei, weil es mir an G e l d fehle. Der Richter sagte weiter zu mir: Mann, Sie haben doch auf der Rennbahn mit Holz-Handgranaten geworfen und Maschinengewehre eingeschossen. — Anklagevertreter Rammin: Die Ablehnung aus Z 23 St.P.O. trifft hier nicht zu. Im Fall Voß kann ein Verschulden des Land- gerichtsrats Jamrath nicht in Frage kommen, denn schließlich muß doch der Angeklagte vom Richter einmal gehört werden. Nach einer langen Beratung, die sich bis gegen 4 Uhr nach- mittags hinzog, verkündete LandgerichtSdirektor Dransfeld folgenden Beschluß beS Gerichts: Die Ablehnungsanträge der Verteidigung sind unbegründet. Tie Mitglieder des Gerichts, gegen welche sich die Anträge richten, haben in ihrer dienstlichen Acußerung erklärt, daß sie sich nicht bc- fange» fühlen, außerdem hat dos beschließende Gericht nach ge- nauester Prüfung der Sachlage nichts zu erkennen vermocht, was die Besorgnis einer Befangenheit rechtfertigen könnte. Ueber die Frage, ob das erkennende Gericht gesetzlich berufen ist, hat das be- schließende Gericht nicht zu entscheiden. Nach einer Pause von 6 Minuten nimmt das alte Gericht unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Ernst erneut wieder den Platz ein. Nun beantragt« R.-A. V ö n h e i m nochmals in längerer Rede, der Gerichtshof möge noch einmal in eine Prüfung seiner Zu- ständigkcit eintreten. Die Verteidigung sei der Ueberzeugung, daß dem Gericht bei seiner ersten Cntschctduirg ein Versehen unterlaufen sei. Bei der weiteren Begründung des Antrages kommt eS zu einem kleinen Zusammenstaß zwischen dem Verteidiger und dem Vorsitzenden. Als Dr. Bönheim sagt, der Vorsitzende habe in seiner Begründung der Zurückweisung des Ablehnungsantrages davon gesprochen, daß nach der fraglichen Verordnung jeder Minister in seinem Ressort die Entscheidungen und die Verordnungen zu treffen habe, z. B. der Justizminister die Entscheidungen für sein AmtZgebiet zu erlassen habe, unterbricht Landgerichtsdirektor Dr. Ernst mit den Worten:„Das habe ich nicht gesagt."— R.-A. Dr. Bönheim: Tonn hätten die sämtlichen Verteidiger sich geirrt.— Vors.(etwas unwillig unterbrechend): Welcher Antrag wird denn nun gestellt? Wir wollen doch endlich wcsterkommcn!— Dr. Bönheim bittet um nochmalige Prüfung der Zuständigkeitsfrage und um Gerichtsbeschluß.— Von Justizrat Dr. B r o h wird nochmals der Einwand des Mangels der Aktiv- legitimation des Gerichts wiederholt und begründet. Da? Gericht zieht sich zu einer kurzen Beratu'wg zurück und der Vorsitzende verkündet dann, daß kein Anhalt vorliege, noch- mal? die ganzen Fragen, die bereit? gestern erörtert seien, durch- zusprechen.— Ten Antrag des Staatsanwalts auf Ausschluß der Oeffentlichkeit bittet Justizrat Broh abzuweisen, da die Angeklagten, die klar und offen gehandelt hätten, kein Interesse an einer geheimen Verhandlung hätten. Lder fürchte der Staatsanwalt etwa, daß in diesem Prozeß sich Enthüllungen über Tpihcleien unsauberster Art ergeben werden, oder genügt ihm die Tatsache, daß der Staat sich unsauberer Spitzelcien bedient, etwa zur Stellung seines Antrages? Das Gerickii zieht sich zu kurzer Beratung zurück und der Vor- sitzende verkündet, daß der Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit abgelohnt werde.— Nach der• Anklage wird sämtlichen Angeklagten zur Last gelegt, an Verbände» mili- tärischcr Art teilgenommen und sich ohne Genehmigung der zu-- ständigen Behörden zu solchen Verbänden zusammengeschlossen zu haben. Die Angckl. Michaeli?, Falk, Schulze, Kaatz und Pfeifer werden außerdem beschuldigt, ohne Genehmigung der zuständigen Stellen Personen zu Verbänden militärischer und politischer Art zusammengeschlossen zu haben. Dem Angekl. Gastwirt Träger wird zur Last gelegt, den übrigen Angeklagten wissentlich Beihilfe ge- leistet zu haben. Ter Tatbestand wird von: Anklagevertreter'kurz wie folgt angegeben: Die Angeklagten mit Ausnahme von Träger waren Mitglieder der Kampferganisation der K. P. D. Diese Kampsorganisation stellt einen militärischen Verband dar. Sie war m Bezirke über ganz Deutschland eingeteilt, die Bezirke wiederum in Kompagnien und die Kompagnien in Züge, die Züge wieder in Gruppen von je 8 Mann. Die Angekl. Franz und Kaatz sollen die Führer der Kam- pagnie Weißensee gewesen sein, die Angekl. Franz. Burkert uird Winter Gruppenführer.(Bei dieser Behauptung lächeln di« Angeklagten zum Teil.) Die Kampforganisation habe verschiedentlich militärische Hebungen gemacht und militärische Märsche vom Lokal des Angekl. Träger unternommen. Auf der Rennbahn Weißensee soll ein Einschietzen von Maschinengewehren stattgefunden haben. Von dem Angekl. Michaelis wird behauptet, daß er der Führer eines Stoßtrupps gewesen sei und an dem fraglichen Tage mehreren der Angeklagten den Auftrag gegeben habe, auf dem Gelände der Missionslauben, wo ein Waffenlager sich befinden sollte, die Situation zu ergründen. Bei Ausführung dieses Unternehmens ist es dann zu einem Zusammenstoß mit Sicherheitspolizeibeamten gekommen, wobei ein Beamter erschossen wurde. Bei der Vernehmung deS Angeklagten Liebs, eines jungen, etwa 24iShrigen Mannes in blauer Matrosenuniform.' kommt er zu teilweisem Ge- ständniS. Als er die Namen der Führer nennen will, tönt aus dem Zuhörerraum ein warnendes Pst! und sofort verfällt er in seine anfängliche Taktik, sich an nichts mehr erinnern zu können. Liebs sdbildert, datz er nach seiner Entlassung vom Militär in d,e K. A. P. D. und zugleich in die Kampforganisation der K. A. P. D. eingetreten sei, die während des Kapp-P»tschrs gegründet und einen Monat später ausgelöst wurde. Am 19. August sei �er von einem Unbekannten zu 8ll„ Uhr abends in das Lokal Drägers gerufen worden. Da er dem Propagnnda-Ausschuß ange- hörte, nahm er an, datz er Plakate lieben sollte. AIS er naw den Plakaten fragte, wurde ihm von dem Angeklagten Michaelis be« deutet, datz eS sich darum bandele, auf dem Laubengelände der MissionSlauben ein Waffcnlagcr auszuheben.— Vors.: Hatte Michaelis Ihnen denn etwas zu befehlen?— Zeuge(zögernd): Nein. Wir nahmen in der Nähe des Eisenbahndnmrnes Ausstellung. Plötzlich hörten wir eine Schießerei, und auf dem Eisen- bahndamm tauchten zwei Beamte auf, die riefen: „Da sind welche!" Gleich darauf fielen mehrere Schüsse und mein Freund Erich Krüger wurde verwundet. Ich blieb bei ihm, wurde verhaftet und nach der Prenzlauer Wache oebracht. Dort schloß man mich in eine dunkle Zelle ein, in der ich mich nicht hinsetzen durste. Später kam ein Beamter, der von mir ein Geständnis verlangte und mich, als ich nichts sagte, verprügelte und mit dem Kopf gegen die Wand stieß.' Dadurch wurde ich gezwungen. Aussagen zu machen, die ich nicht aufrechterhalten kann.— Der Vorsitzende versucht aus dem Zeugen berauSzubekommen, wer derjenige gewesen sei, der bei Dräger die Mitglieder der Kampsorganisation einteilte und jedem spezielle Be- fehle für die Waffensuche gab. Der Anaeklagte behauptet, eS sei ein unbekannter Mann gewesen. Vorsitzender: Wie lautete denn Ihr Auftrag?— Angeklagter: Ich sollte die GreifSwalder Straße als Spaziergänger entlanggehen und aufpassen, datz uns niemand überraschte. Fritz Falk sagte mir...— Vors.: War Falk denn Ihr Führer?— Der Angeklagte schweigt.— Vors.: Haben Sie, als die Schießerei begann, nicht mehrmals den Ruf gehört: „Falk vor!" Der Angeklagte will sich nicht erinnern können.— Vors.: Was war die K. O.. was bezweckte sie?— Angekl.: DaS weiß ich nicht.— Vors.: In welchem Verhältnis stand die K. O. zur K. A. P. D?—• Angeklagter schweigt.— Vors.: Waren nur Leute der K. A. P. D. drin?— A n g e k l.(nach anfänglichem Schweigen): Wir gründeten die K. O. in Weißensee. weil die Kirppisten das Postamt, das Elektrizitätswerk uiw. besetzt hatten. Weiter haben wir nichts getan.— Vors.: Sie haben doch in der K. O. nicht nur Zigaretten geraucht?— Angekl.: Wir haben darauf gedrungen, daß die Kappisten Weißensee verließen und haben deshalb mit den Soldaten ver- bandelt.— Vors.: Dann hätten Sie Ihre Vereinigung Ver- Handlungsorganisation nennen müssen und nicht Kampf- organisation. Hat Sie denn niemand über den Namen K. O. auf- aeklärt?— Angekl.: Nein. Es war bei uns gcnnn so wie in dr» Freikorps, die sich in Deutschland herumdrücken. Aber wir sind nicht so schlimm wie die Weißgardisten.— Vors.: Wie wollten Sie sich denn gegen die Soldaten schützen? Mit Waffen?— Angekl.: Selbstverständlich. Wie du mir, so ich dir! Die K. O. sollte ein Arbeiterschutz sein, Wir können uns doch nicht alles gefallen lassen.— Vors.: Harten Sie denn Vorgesetzte?— Angekl.: Bei uns ist jeder sein eigener Führer.— Vors.: Sie jagten aber, eS wäre bei ihnen wie bei den Freikorps.— Angekl.: Ich kann darüber keure Niishp#t geben.(Nach längerem Zögern«: Ich weiß das nicht. AtS die Truppen Weitzcnsee verließen, lösten wir uns aus.— Vors.: Sie kamen doch aber später nocb öfter zusammen?— Der Angeklagte schweigt. Auf Antrag des Dr. Broh versucht der Vorsitzende durch Stellung bestimmter Fragen die Widersprüche zwischen der Aus- sage vor dem Landgerichtsrat Jamrath und den heutigen Be- kundungen aufzuklären. Dabei schränkt der Angeklagte seine früheren Aussagen erheblich«in. Er verneint auch, daß Uebungen mit.Holzhandgrcnraien vorgenommen worden sind. Auf Befragen des Justizrats Fränkl bestätigt der Angeklagte, daß er bei seiner richterlichen Vernehmung niedergeschlagen war und Furcht vor der Vernehmung hatte. Justizrat Fränkl beantragt die Ladung des Kriminalkommissars R e i m a n n, der de» Angeklagten Liebs zu- erst vernommen hat. Dr. Broh wünscht auch die Vernehmung des Landgerichtsrats Jamrath. Ter Vorstände erklärt hierzu, er sehe keine prozessuale Möglichkeit, ein Mitglied des Gerichts als Zeugen zu hören. Hieraus kommt es wieder zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen Rechtsanwalt Lamp und dem Vorsitzenden. Der Verteidiger stellt fest, daß der Vorsitzende wiederholt die Redewendung gebraucht habe: Schon wieder ein Widerspruch.— Landgerichtö- oirektor Dr. E r n st betont, daß er gerade auf Ersuchen des Justiz- rats Broh diese Widersprüche ,n den Aussagen des Zeugen fest- zustellen bemüht sei. Als Rechtsanwalt Lamp darzulegen versucht, daß es sich nicht um Widersprüche handelt, die sich aufklären lassen, wird er vom Vorsitzenden unterbrochen und auf das Plädoyer verwiesen.— R.-A. Lamp(zum Vors.): Ich möchte Ihren Sen- t i m e n t s nur meine Sentiments entgegensetzen.— Auf Befragen des Anklagevertreters gibt der Angeklagte zu, datz ihm während seiner Abwesenheit zwei Gewehre rns HauS gebracht wurden, die zwei Wächtern abgenommen worden waren. Er will aber nicht wissen, wer die Waffen gebracht lxrt und will auch mit niemand über ihr Verbergen in seiner Wohnung gesprochen haben. Er hat die Gewehre unter dem Bett versteckt. Aus die Frage des Vor- sitzenden, warum er die Waffen nicht au? dem Hause gebracht oder bei der Polizei abgeliefert habe, erklärt Liebs, datz er deshalb nicht zur Polizei gegangen sei, weil er glaubte, sestgenommen zu werden und die Waffen nicht leicht ohne Aushebens hätte entfernen können. Justizrat Broh: Datz ein Kommunist zur Polizei geht, wird der Vorsitzende doch selbst nicht glauben. Damit war die Vernehmung des ersten der vierundzwanzig Angeklagten beendet, worauf um HO Uhr abends die Verhandlung aus Donnerstag vertagt wurde. Der verschobene Schlapnikoff. AuS B o d ö(Norwegen) wird der Wiener.Rosta' gemeldet: Der Führer der Delegierten des russischen GewerkichaftSbundeS. Schlapnikoff, der in Stockholm festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht wurde, über den die Polizei jede AuS- tunft verweigerte, ist, laut dem.Nordlandeis Soeialdemokraten", unter polizeilicher Bedeckung von Stockholm nach Norwegen gebracht worden. In Begleitung eineS schwedischen Detektivs ist er SamStag in Narvik ,n Lappland angekommen, von wo ein norwegischer De- tekiiv ihn weiter nach Vaidö brachte. Sowohl die schwediiche. als auch die norwegische Regierung haben alles getan, um die Reise geheim zu halten._ die Streikabsicht gebilligt. Land an, 22. September.(Reuter.) Der kurze offizielle Bericht über die Konferenz der Brrgarbeiterdelegierten besagt, daß die Konserenz das Streikprogramm annimmt. Die Eisenbahner hielten eine lange Konferenz ab. Mitteilungen 1 über den Verlauf wurden nicht veröffentlicht. folgen üer Wohnungsnot. Mailand, 22. September.(Telunion.) Der.Corriere della Sera" teilt mit. datz in Rom erst vor kurzem erbaute Paläste von den Arbeitern besetzt wurden. Ferner wurden ein Geschäftshaus, ein Schulhaus, ein Asyl, eine medizinische Klinik und das Gebäude der Staatseisenbahnverwal- t u n g besetzt. Königliche Garde räumt die Lokalitäten. Zu Zusammenstößen ist eS dabei nicht gekommen. Es wurden die beiden historischen Villen des Fürsten Borlonia besetzt. Der Unter« staalSsekretär für Künste erbob beim Präfekten Protest. Der Präiekt spickte Militär und Karabiniere hin, die die Besatzungen vertrieben. Wege« Verleumdung des Herrn Waldemar Sklarz wurde am Mittwoch der Schriftsteller v. Gleichen auch in der II. Instanz zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. Gleichen halte, wie wir seinerzeit berichteten, die Tätigkeit deS Herrn Sklarz im Auswärtigen Amt mit Schiebereien zusammengeworfen. OewsrWhajwbewsgung 100 000 Ma?e �.rbeitergrofchen. Am Montag tagte in den Gcrmaniasälcn �cine Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde zunächst ein Antrag, sich an der Arbeits- loscndemonstration am Dienstag zu beteiligen, abgelehnt. Eine für die finanzielle Gebarung der Berliner Verwaltungsstelle recht unangenchmeWirkung hatderVeschlufiderunabhängig-kom- munistischen Mehrheit wegen der Kündigung von 11 Angestellten der Organisation gezeitigt. Wie der Bevollmächtigte Ziska mit- teilte, haben die gekündigten Angestellten den Schlichhuigs- auSschufi angerufen, der e i n st i m m i g zu einer V e r- urteilung der Organisation kam. Bei Nichtwciter- beschäftigung ist den Klägern ei.n halbes Jahr lang das Gehält weiter zu zahlen, das macht insgesamt über 100000 Mark. Ter Schiedsspruch ist nicht bc- rufungsfähig. Bei der beabsichtigten Neuwahl der 11 Angestellten machte Richard Müller manchem hoffnungSfreudigeu Kandidaten einen Strich durch die Rechnung. Er beantragte, die Wahl so- lange zurückzustellen, bis eine Klärung über die f�rage „Anschlusz an die Amsterdamer oder Moskauer, GewcrkschaftS- zentrale" herbeigeführt sei. Natürlich stimmten alle Delegierten, die lebhafte Sehnsucht nach Moskau haben— und das war die Mehrheit—, dem Antrage Müllers zu. Was inzwischen aus der ordnungsmäszigeu Berwaltung der Geschäfte der Orts- Verwaltung wird, kümmerte die Mostowiten nicht. Dem Kassierer Schmidt, der für das zweite Ouartal 1920 Be- richt gab.wurdcEntlastung erteilt. An Stelle eines ausscheidenden Revisors wurde der bisherige Beisitzer Heinrich Werle ge- wählt. Zu erwähnen ist noch die Annahm» eines Antrags, der bis zum ,31. Tezcnchcr d. I. den zur Bctricbkorganisation übergetretenen Mitgliedern die Rückkehr unter Anrechnung der dort geleisteten Beiträge ermöglicht. Praktisch wird der Antrag Wohl wenig Bedeutung haben, denn diese neuesten Zersplittcrer der deutschen Gewerkschaftsbcweaung können sich darauf berufen, daß sie nach Moskauer Ansicht eigentlich die „wahrhaft revolutionäre" Organisation vertreten. Und da mcschugge zurzeit Trumpf ist, werden wohl nur ivcnige Neu- mutige zurückkehren.__ Mion für sozialisierte Kohlenverteilung. Eine Aktion mit dem Endziel der sozialisieiien Verteilung der Kohlen bat begonnen und ist im weiteren Werden begriffen. Um den vorläufigen Bericht der hierfür am 9. September gcwäblten Kommission entgegenzunehmen, versammelten sich am DienSiag in den Jngendsälen die Arbeiter« und Angestelltcnräte des Koblen« grofehandelS und der Kohkenwirlschaftsbebörden Berlins, zusammen« berufen vom Deutschen TranSporlarbeiterverband und vom Zentral« verband der Angestellten. Betriebsrat Paul Koepcheir referierte. Die Kommission, die sich.Aktionsgruppe Kohle" nenne, babe zu arbeiten begonnen und mit den großen Organisationen sowie mit den Berlrerern der beiden sozialistischen Fraktionen sner[jn.5 Fühlung genommen. In der letzten Sitzung sei beschlossen worden, ein Projekt zur Sozialisierung der Kohlenverteilung, gleichlaufend mit der Soziallsierung des Kohlenbergbaues, auszuarbeilen. Daran arbeite man jetzt in einer kleineren Kommiision. Beschlossen habe man, die Verteilungsaktion für Berlin von der für das Reich ab- zulrennen und dafür einen besonderen Plair auszuarbeiten. Es werde nicht leicht sein, eine BedarfSorganisalion unter Beseitigung der Unternehmer ins Leben zu. rufen. DeSbalb müßten die Funkironäre zusammenstehen und sich eingebend mit der Materie befassen. Die Kommission müsse Fühlung nehmen mit den Stadtverordneten und sofort an die Deputation herantreten. Wenn diese, wie es heiße, nicht mehr arbeiten könne, dann müsse an den Magistrat und an die beiden sozialistischen Sladtverordnetenfraklioncn heran- getreten werden, um dasür zu sorgen, daß für die Arbeitslosen Brennmaterial sofort zur Verfügung gestellt werde. Jeden Monat einen Zentner Briketts und einen Zentner Kohlen mülle man ibnen mindestens zur Verfüguffg stellen, naiürlich unenigeltlich. Wenn dadurch die Belastung der Stadt zu groß werde, dann könnte man vielleicht einen Ausgleich schaffen durch Verteuerung der Kohle« tür diejenigen, die nicht stellenlos seien und etwas mehr Geld zur Verfügung hätten. Jungblut und Boebmer von der.Aktion Kohle" der« vollständigten noch die Ausführungen des Referenten in einigen Punkten. Der kapitalistische Einfluß in der Kohleverteilung in Berlin solle mit der Zeil vollständig ausgeschaltet werden. Bon heute auf morgen sei es natürlich nicht zu machen. Betont wurde von Boehmer, daß der Gedanke, den Kohlenbergbau zu sozialisieren. jetzt mehr an Wahrscheinlichkeit gewinne wie früher. Und im Be« richt der Sozialisierungskommission stehe, daß ihr das Recht ein- geräumt sei. den Kohlenhandel zu sozialisieren. Jetzt müßte man als erstes so schnell als möglich wenigstens die Kontrolle ein- führen. Als Beisitzer der Berliner Spezialkommiision wurden dann zwei Angestellte und ein Arbeiter aus dem Kreise der versammelten Betriebsräte gewählt. Deutscher TranSPortarbciter-Berband. Betriebsräte, Betriebs- oblcule. Vcrtrauenslcuie. Verwaltungsmilgltcdcr, sowie alle sonstigen Funktionäre DonncrStaa. den 23. September 1920, abends 7 Uhr, im großen Saale der.Neuen Welt", Hasenbeide 103/114, allgemeine Funktionär« Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Taktik der Uiilcrncbmcr bei den ictzien Kämpfen im Sandels-. Transport- und Vcrlehrsgcivcrbe. 2. Dis- tnision. 3 Verschiedenes. Als Legitimation dient das Mitgliedsbuch nebst Ausweis als Funktionär.— Gcichästs« und Laslkrastjabrer. Donnerstag, den 23. September, abends 7 Uhr, Branchenversammlung im Gewerl- ichastshauS, Saal 3. Zcntralvcrband der Angestellten. Ocffcntliche Versammlung aller Angestellten in kausmännischen und Lureaubelriebcn, heute, abends 7 Uhr, im Lcdrcrvercinshaus, Aler.anderstr. 40/41.— Fachgruppe 5 a sZicchls- onwallSangcstclltel: Mitgliederversammlung, beute, abends Vi, Uhr, im Zioscnthalcr Hof, Parterrcsaat, Rosenthaler Straße 11/12. Dcrannv. für den rednkt. Teil: Dr. Srrncr Peiscr, tzharlotlenburg: für Anzeigen: Th. Motte, Berlin. Verlag! Borwärtt-Berlag G.m.b.H., Verlin. Druck: Vor« irärls-Vuchdruckerci u. Vertagsankkalt Paul Singer u. Ho., Berli.r, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Bestellung des Geweindeblatts. Von de: OUobcrinimm:: d. I. ad beabsichtigen wir, bi» V?- stellung des Geaicindcdloils anderweltlg xu regeln, stur Etcherung einer plinktlichen Zu- stellung bitten u>1: untere(De- vicindemitglieder bring:nd, gc- sälligit tlmgehcnd aus euer Bosttarte Raulen, Vornamen, Geburtstag und-ort. sowie ihre Adresse: Stockwerk und, fall» sie innerhalb der lchten drei Jahre verzogen sind, auch die«rityere Adresse unserem Hauvldurcau, Bbteituna irr- pedltion des Demeindeblat!«. Oranienburger Str. 29 Ii, mit- zuteilen. 1):.7® VerNa, Im September 1920. Vorstand d. jüd. Gemeinde Kriegsanleihe wird mit 04% in Zahlung genommon. d�Mbruelt 333 per Gramm 10,—, 585„„ 19,-, 750„„ 23,-, 900„„ 31,-. 800 gest. per Gramm 1,00 aufwärts. fiatfo Tigcskars»owle sämtl. AltmsksUs kauft Sllborzentrale \\ihmh Händler Extrapreise, Fernspr. Amt Moabit 9354. Wlchllg für Frauen, Tachlcr und Schncideriraiun t Ein neuer Imlmk-, sU-Mlll' srösite- tüms beginnt am moE*«gi 4. Oktober. r Vorm-.Nachm-, Abendkurse. 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