Nr. 473 ♦ Z7. Jahrgang flusgabe B Nr. 9? Abend-Ansgave � 20 Pfennig) Bezugspreis i L«rteliLl>rl.Z<>.— I>!!.monat>.10,— Mi. Mi in» öau». oorau» Zahlbar. Pow oe,u<> Monaill» 10,— MI. �u- ltellungrqedüdr. Unlir Kreu,band für Demlchiano und Oefterrrilb 16�0 Mi» für da» übrige Ausland oei laglich einmal.-Ullielluno 2150 ir. Polioe- stellungen nehmen an Oefteneidv Ungarn. Tschecho-Eloioatei, Dane- mari, öolland,.ulemdurg, Schweden und die Schweig.— Singetragen m die Bost- ielMng»-Vrei»Iisie. Der.Vorwärts" mii der Sonntag»- deilage.Voll n. Zeit" erlcheini wachen- 'äglich zweimal Sonnlag« und Montag«-nimal Telegramm-Adresie .Sejialliemotrat Berlin" Serlinev Volksblatt Anzeigenpreis: Die achtgelvailene NonvareMezeil« koftetZ,— M.Teurrung»zuschlag50>>ch. .kleine Anzeigen", das iett- gedruckte Wort V— M.(julülftg zwei lettgedruckte Wort«>.>ed«« weitere Wort 60 VfB. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da» erst« Wort KS Pfg. lide« weiter« Wort<0 Pfg. Worie über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerunaszufchlag 50«/» Familien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M. politische und ge- wertschastliche Verein»- Anzeigen Z,— MI die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n a chst e Nummer müssen bi» 5 Ahr nack mittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW J, Linden- ftratze 8, abgegeben werden,»ekffnei von 9 Uhr früh bi» 5 Uhr abend». �entralorgan cUr rozialdcmokratircbcn Partei DeutFchlands Neüaktion und Expedition: SW. 6$» Lindenstr. Z. -iernfprecher:«mr Morinvlatz. 9tr. 15190—15197. Donnerstag,. de« 23. September 1920 vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. bS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moripplap, Sir. 117 53— 51. Der internationale Gewerkschaftskongreß. London statt Drüstel. London, 23. September.(Tel-Union.) Reuter der- nimmt, dap der Internationale Gewerkscha.fts° kongreß am 22. November in London anstatt in Brüssel stattfinden werde. Diese Reutermeldung, wonach L o n d o n als Tagungsort des außerordentlichen internationalen Gewerkschaftskongresses neuerdings bestimmt worden ist, entspricht, wie wir an zu- verlässiger hiesiger Stelle erfahren, den Tatsachen. Der dies- bezügliche Beschluß der Leitung der Gewerkschaftsinternatio- nale ist in den letzten Tagen gefaßt worden. Das Programm des Kongresses. Rotterdam, 23. September.„Nieuwe Rotterdamsche Co«- rant" meldet, daß sich der Internationale Gewerk- schaftskongreß, der in London tagen wird, um über die Beschleunigung der Wiederherstellung Europas zu be- raten, mit der Frage der Erleichterung der iaternationaltn Verteilung von Lebensmitteln, Steinkohle« und Rohstoffe», der Stabilisierung der Währung«n»nd der Sozialisierung der Industrie« befassen wird. -- /■ Lloyd Georges Vermittlungsvorschläge. London, 23. September. Die Konferenz zwischen Lloyd George und de» Delegierten des Arbeiterdrribundes am Mittwoch abend dauerte 3)� Stunden. Die Delegierte« des Drei- bundes werdr» über die Verhandlungen in der Bollverfamm- l n n g am Donnerstag vormittag Bericht erstatten. Es verlautet, daß Lloyd George feinen Standpunkt aufrechter- halten habe, daß die Frage der Lohnerhöhungen einem Schiedsgericht zu unterbreite« sei. London, 23. Septemiber. Einer Reutermeldung zustÄge schlug Lloyd George bei der Konferenz mit den Delegiertem des Archeiterdreiibundes vor, daß die Bergarbeiter und Werks- besitzer sich dahin ein igen, daß die Erhöhung der Löhne von der Erzeugung abhängig gemacht wird. Er schlug vor, daß eine Mindesterzeugung festgesetzt wird und daß alle Ueberproduktion eine besondere Entlohnung zuij, Folge hat. Die Mindesterzeugung soll sich unter dem mtgercBIirf. lichen Stande bewegen. Dadurch würde«im« sofortige Lohn> erhöhung gesichert sein. Irland. Rotterdam, 23. September. Wie„Nieuwe Rotterdamsche Cou- rant" aus London meldet, hielten die Sinnfeiner den Post- zug Dublin— Sligo an und bemächtigten sich aller offiziellen Postsendungen. Paris, 23, September. Wie die Morgenblätter melden, haben Polizeibeamte gestern in Dublin in einem Hotel einen Sinnfeiner richter ermordet. Deutschlands Vertragserfüllung. Paris, 23. September. Nach einer Mitteilung der Wieder- gutmachungSkommisfion sind bis zum 1K. September 1920 von Deutschland insgesamt 1 944 SOS Brntto-Register- tonnen Schiffsraum abgeliefert worden. Scheitern der Gegenaktion derLinksparteien Paris, 23. September.(WTB.) Wieviel von den heute für Peret und Bourgeois abgegebenen Stimmen morgen noch auf Millerand fallen werden, steht natürlich noch nicht fest, doch ist sicher, daß die Zahl nicht unerheblich sein wird, denn als heut« vormittag die Radikalen und die radikal-sozialistische Gruppe der Kammer und des Senats ihre Mitglieder zur Beschluß� fassung zusammengerufen hatten, waren von den insgesamt 230 nur einige 70 dem Rufe gefolgt, und auch unter diesen gab es noch einige, welch« durch die neuerliche Erklärung Millrands befriedigt waren, m daß der Beschlutz, durch Stimmabgabe für Peret oder Bourgeois eine politische Demonstration zu veranstalten, noch gegen 7 Stimmen bei einigen Enthaltungen gefaßt wurde. » Die gestern in einem Havas-Telegvamm angeündigte Gegen- aktion der Äinksporteien gegen Millerand ist vor allem daran gescheitert, daß sowohl Leon Bourgeois w-i« auch Raoul P�ret eine Kandidatur abgelehnt haben. Hätte nur einer von den beiden angenommen, dann hätte er wahrscheinlich ebensoviel Stim- men bei der gestrigen Probewahl auf seinen Namen vereinigt, wie Millerand. wenn nichi sogar mehr. Allerdings hatte Millerand durch seine zweite Erklärung den schlechten Eindruck seiner ersten Kundgebung zum Teil wieder gutgemacht. Daß trotz alledem und nach der gestrigen für Millerand so günstigen Abstimmung sich ,0 diele Radikale darauf versteifen, ein« Demonstration gegen ihn in Versailles zu veranstalten,"beweist, daß Millerand nur des- fi a l Ö gewählt wird, weit die Linke keinen Kandidaten au stellen vermochte. vierzehn Tage Zinanzkonferenz. Paris, 23. September.(MTB.) Nach einer HavasmeWmng aus Brüssel rechne� inau damit, daß die Finanzkonferenz (die morgen anfängt. Die Red.) etwa 14 Tage dauern werde. Die. ersten Tage sollen zur Ausarbeitung der Geschästsord- nung verwendet werden. In den 33 Delegationen sind ungefähr j 150 Personen vertreten. Die Delegationen sind im alten Akademie- palast untergebracht. Die Vollsitzungen finden im Abgeordneten- hause statt. Spaltung in den elsäjftschen Gewerkschaften. Mülhausen, 23. September. Der Kongreß der Gewerk- s ch a f t e n von Elsaß und Lothringen nahm in seiner Schlußsitzung mit 53 000 die vom Bureau vorgeschlagene Resolution an, die auf dem Boden der Amsterdamer Internationale steht. Eine sehr große Minderheit, nämlich 52 000 Stimmen, trat für den bedingungslosen Anschluß an die Mos- k a u e r Internationale ein. 4300 Teilnehmer enthielten sich der Abstimmung. Litwinow droht mit dem heiligen Krieg. Kristiania, 23. September.(TU.) In einem Funkspruch an Litwinow droht Tschit scherin Großbritannien mit dem Heiligen Krieg. Es heißt darin u. cl, Lloyd George habe die politischen Verhandlungen mit Rußland abgebrochen. Er möge sich daher nicht wundern, wenn in Asien eine große Ma ssenbewegung gegen England losbräche. Im Orient- kongreß in Baku hätten die Räte den Herligen Krieg gegen den Imperialismus verkündet. 2000 Vertreter der Oststaaten hätten mit gekreuzten Schwertern(I) geschworen, den Hei- ligen Krieg bis zum Tode durchzuführen. Ueberall würden Ver- wünschungen gegen den englischen Imperialismus laut. Der polnische Heeresbericht. Kopenhagen, 23. September. Nach einem Telegramm aus Warschau besagt der polnische Heeresbericht vom 22. Sep- tembet, daß die polnischen Truppen jetzt an der Südfront da? ganze Gebiet bis zum Zbrucz erobert haben. Die Stadt Prushany ist in polnischen Händen. Die Litauer ziehen neue Streitkräfte zusammen. Joffe versonlich? Warschau, 23. September.(Tel-Union.) Wie ein Funk- spruch DombskiS aus Riga besagt, scheint die rnssische Dele- gation und befand� ihr Korsitzender Joffe jetzt im Gegen- sab zu der Konferenz in Minsk den ehrlichen Willen für einen Kerständigungsfriede« z« haben. Die nächste Plenarsitzung der Friedenskonferenz wurde auf Frejtag, den 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, angesetzt. Jlauer russischer Heeresbericht. Moskau, 23. September.(Funkspruch.) Russischer Kriegs? bericht vom 21. September: In der Gegend von Grodno hat der Feind starke Truppenkonzentrationen vorgenommen und die Offensive ergriffen. Auf einer Front von 50 Werst sind fortgesetzt Kämpfe tm Gange. In der Gegend von Wolkowysk wird mit wechselndem Erfolg gekämpft. Wir haben mehrere Maschinengewehre erbeutet. Nordwestlich von Prushany haben wir einige Ortschaften im Sturm genommen. Im Gebiet von Hu- siatyn haben unsere Truppen längs des Zbrucz Stellungen besetzt(!). Im Kr i m abschnitt halten die örtlichen Kämpfe bei Alexandrow an. Dazu ist der Zar noch gut genug«.. Kopenhagen, 23. September. Einem Telegramm auS Heising- forS zufolge teilte das finnische Konsulat in Rcval mit, daß gegen. wärtig in Rußland eine Massenfabrikation von falschen Zarenrubeln stattfindet, die den echten sehr ähnlich sind. Tschitscherin kommt nach Riga. Riga, 23. Septemiber.(Tel-Union.) Wie der Korrespondent der„Gazetta Warcszawska" aus Kreisen der russischen Friedens- delegation erfährt, wird die Ankunft Tschit scherins in Riga für Anfang nächster Woche erwartet. Im Lande der Zreiheit. Albany, 23. September(Reuter.) Drei von den fünf S o- zialisten. die aus der gesetzgebenden Körperschaft des Staates New Dort zu Beginn dieses Jahres ausgeschlossen und letzte Woche wieder hineingewählt worden waren, sind vvon neuem ausgeschlossen worden. Die anderen beiden, denen gestattet wurde, ihr« Mandate beizukehalten. sind so- fort zurückgetreten.« der Schissbruch der U. S. p. Was sich jetzt in der U. S. P. abspielt, gleicht den Szenen auf einem untergehenden Schiff. Mes hat den Kopf verloren und rennt durcheinander, es fehlt auch nicht an Ausbrüchen der Angst und der Verzweiflung. Der Parteivorstand ist bereits mitten entzweigebrochen, nachdem seine Mitglieder D ä u mi g, S t ö ck e r und Adolf Hoffmann mit ihrem Auftuf an die „Rote Fahne" gegangen sind und ein Flugblatt in gleichem Sinne zur Massenverbreitung gebracht haben. Als Antwort veröffentlicht der Parteivorsitzende C r i s p i e n heute morgen einen Aufruf„An die Mitglieder der Unabhängigen Sozial- demokratie�n der„Freiheit", die vorläufig noch rechts ist. ob- wohl ihr Geschäftsführer und der Vorsitzende ihrer Preßkom- Mission zu den kommunistischen Spaltungstreibern gehören. Crispiens Aufruf ist weniger der Ausdruck eines festen Willens, als vielmehr ein Ausbruch vollkommener Fassungs- losigkeit. Der Vorsitzende der in Trümmer fallenden Partei stellt zunächst noch einmal das bekannte Material zusammen, aus dem unwiderleglich hervorgeht, daß die Spaltung der U. S. P. planmäßig und mit Vorbedacht von der K. P. D. und ihren Agenten innerhalb der Partei herbeigeführt worden ist. Von der K. P. D. sagt Crispien mit Recht, sie sei „infolge ihrer schlechten Organisation und ihrer Putschtaktik nicht fähig gewesen, größere Massen zu sammeln". Daran dürste sich auch nichts ändern, wenn jetzt ein wesentficher Teil der U. S. P. in der Ki P. D. aufgeht. Organisationen, die bloß zu dem Zwecke gegründet sind, andere zu sprengen, haben keinen innern Halt, sie tragen so vjstl Zersetzungsstoff, so viel Sprengstoff in sich, daß sie eines Tages selber in die Luft gehen. Das hat die U. S. P. erfahren, aber auch die K. P. D. leidet bereits an Spaltungserscheinungen. Sie kann für den Augenblick die nach links fliegenden Trümmer der U. S. P. aufsaugen, es wird ihr aber nie gelingen, aus ihnen und ihren alten Beständen ein Ganzes zusammenzuschmieden. Einigen und Sammeln ist nicht ihr Beruf, sie kann nur spalten und wieder spalten, zerstören und wieder zerstören. Crispien sieht durch das gesammelte Material über die kommunistischen Treibereien den Beweis geliefert,„daß es sich um eine völlige Vernichtung unserer Partei handelt". Das bedeute aber Lähmung der proletarischen Energie. Aktions- Unfähigkeit zur Zeit der Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit und Massenverelendung. Dann fährt er wörtlich fort: Das darf nicht geschehen! Deshalb fordert von uns unsere Pflicht und unsere Einsicht, die Bedingungen des Moskauer Exe- kutwkomiteeS grundsätzlich abzulehnen. Jeder revoluiionäre Pro- letarier muß sich gegen de» Spaltnngswahnsinn erheben, und das verderbliche Werk fanatischer Sektierer verhindern! Das Ziel der Kommunisten ist aber unserer festen Ueber- zeugnng nach aussichtslos. Es ist nnm�lich, daß die entwickelte Arbeiterschaft sich Bedingungen auferlegen läßt, die jede Selöstbestimmung und Selbstbetätigung ausschließen, alles geistige Leben ertöten. Die Wirkung der Aufnahmebedingungen der Kommunistischen Internationale fit unbestreitbar die Bernich- tung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei. Die Befür- worter dieser Bedingungen versuchen diese Wirkung abzuschwächen oder ganz in Abrede zu stellen, um die Mitglieder unserer Partei mit verbundenen Auge» de« Kommunisten in die Arme zu treiben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Bestimmungen, die den Ausschluß aller Parteitagsdelegierten und aller Mitgliedschaften verlangen, die sich dem Diktat nicht unterwerfen, nur ans die Spal- tung berechnet sind. Es ist unmöglich, daß der Arbeiterklasse eine Politik von oben aufgedrängt wird in revolutionären Zeiten, wo die Selbstbetätigung und die Entscheidung bei den Massen selbst liegen muß. Es ist unmöglich, daß die deutsche Arbeiter- schaft auf die Selbstbestimmung verzichtet, wenn essichumTodundLebenhandelt. Wenn es sich um den Zeitpunkt der revolutionäre» Erhebung, wenn es sich um Krieg oder Frieden handelt, dann müssen die Massen sprechen und nicht ein« kleine Zahl von Führern bestimmen. Wir können keine Ha- sard Politik treiben, die von außen bestimmt wird. Die deutschen Arbeiter müssen Herren ihres' Geschickes bleiben! Deshalb muß die Unabhängige Sozialdemokratische Partei er- halten bleiben. Ihre Historische Aufgabe ist es, auf der unerschütter- lichen Grundlage des wissenschaftlichen Soziatismus den Kampf zur Eroberung der politischen Macht und für die Diktatur des Pro- letariats durchzuführen. Sie muß kämpfen gegendenSozial- reformismuS, gegen das Zusammengehen mit den bürger- lichen Parteien, gegen die Politik der Arbeitsgemeinschaften und gegen alle Verschleierung des Klassenkampfes. Aber sie muß auch die psendoradikale Pntschtaktik der Kommunisten bekämpfen, die daS Proletariat blutigen Niederlagen entgegenführen kann. Dazu muß sie sich stützen können auf kampferprobte und kampfbereite Massen, die wissen, was sie wollen, die zu Opfern bereit find, die aber auch selbst bestimmen über die Politik und Taktik ihrer Partei. Die Unabhängige Sozialdemokratische Par- tei wird �deshalb unter keinen Umständen ab- danken! Stärker denn je lebt in uns allen die Ueberzeugung, daß unsere Partei berufen ist. die proletarischen Masson unter ihrem Banner zusammenzufassen. Es lebe die Unabhängige So- zialdemokratische Partei Deutschland»; Wir glauben nicht, daß dieser Aufruf auf die Massen einen ßch für die Notwendigkeit, da? neue Deutschland in diesem Sinne besonders starken Eindruck machen wird, dazu ist sein Ton zu anzubauen, aus� Die Vereinigung plant die Schaffung eines jammerselich trägt er ZU sebr hen Stempel der absoluten Hilt- Organs,„Das freie Voll". Mitglieder, we sich im Sinne des lofigkeit. Daß die U. S. P. nach dem Abfall ihres linken..Völkischen Gemeininteresses der Sache anschließen wollen, sollen Nügels versuchen wird, ein selbständiges Leben weiterzuführen, sich bei einem Mindestbeiträge von 5 M. monatlick. bei einem Dr. H e n s e, der als Offizier der Handelsmarine ist ja schon bekannt; dieser Versuch wird aber bei den Massen der stärksten Skepsis begegnen, da sie zu begreifen beginnen. daß es zwischen Sozialdemokratie und K o m m n n i s- m u s kein Zwitter gebilde mehr geben kann. Crispien-spielt auch noch auf denTrümmern seines Partei- schiffs das alte Taschenspielexspiel mit der„Diktatur des Prole- tariats" weiter, ohne bemerken zu wollen, daß Diktatur und Selbstbestimmungsrecht der Massen einander ausschließende Gegensätze sind. Wo das Selbstbestimmungsrecht der Massen herrscht, da ist eben nicht Diktatur, sondern Demokratie. Eine innerlich demokratisch organisierte Partei kann aber wiederum nicht über Andersdenkende, die außerhalb ihrer Reihen stehen, Diktatur üben; wenn sie mit so brutalen An- sprächen auftritt, stößt sie die Masten von sich ab, die sie braucht, unterzeichnet, melden. Dos schönste aber ist, daß dieser Bund bereits eine B r o- * schüre veröffentlicht, betitelt..Ter Kommunismus, eine nationale � Notwendigkeit", offener Brief an Herrn Generalmajor �v. Lettow-Vorbeck, verfaßt von Justizrat Fritz Kruepf- ! g a n tz, Berlin-Lichtenberg, der den Ausruf ebenfalls unterzeichnet ! hat. Tie Broschüre fordert den General auf, im Sinne des Nationalbolschewismus sofort diesen Bestrebungen bei- gzutreten. Die Broschüre schließt: In dem Augenblick, in dem � dieses Schreiben erscheint, sind die Augen von Tausenden aus Sie �gerichtet, und das Land erwartet Taten, Herr General. Wie ■ werden Sie sich entscheiden? Die durchaus im Tone des �August 1914 gehaltene Ausforderung an den General.gewinnt um Macht ausüben zu können. An diesem innern Widerspruch, besonders dadurch an Interesse, daß Lauffenvcrg und Schicksale von Weißterroristen. Der gewesene ungarische Ministerpräsident Karl Huszor ist aus Amerika zurückgekehrt. Seine amerikanische Reise glich auf ein Haar dem Empfang, der dem Habsburgischen General Haynau, der die ungarischen Generäle in Arad 1849 hängen ließ, zuteil ward: er wurde nämlich dort von dem Arbeitern aus dem Land geprügelt. Die klerikalen Organisatoren der Reise hatten mehr als sieben hundert Volksversammlungen mit Huszars Teilnahme angekündigt. Huszar war überzeugt, daß die Dollars ihm für Horthh-Uugarn nur so zuströmen werden. Das Ergebnis: Huszar konnte in keiner einzigen Versammlung erscheinen; er sprach iiur in einer exklusiven Konferenz, wo er aber beinahe insultiert wurde. In fast allen größeren Stäbien und Industriegebieten der Vereinigten Staaten hiellen die ungarischen Arbeiter Maiscnvcrsanimlungen gegen Huszar iiiid den weißev Terror ab. Auch die amerikanischen Rumänen er- hoben ihre St/mme gegen Huszar. der während des Krieges in Kronstadt unschuldige rumänische Bürger hotte hinsiblachien lassen. diesem faulen Kompromiß zwischen Moskowitertum und West europäischer Auffostung von den Rechten der Persönlichkeit, muß auch der verbleibende Rest der U. S. P. zugrunde gehen. Die einzige proletarisch? Massenpartei, die es heute in Deutschland noch gibt, die Sozialdemokratische Partei, steht dagegen auf dem einfachen und klaren Stand- Punkt, daß die Demokratie, die innerhalb der Organisation eine Selbstverständlichkeit ist. auch außerbalb, im Staate, Anders- denkenden gegenüber, unbedingt zu respektieren ist. Sie will den Sieg des Sozialismus als einen Sieg d er Masse, der wirklichen Masse, d. h. der Mehrheit der Bevölkerimg. Eine Minderheit hat eben immer die Masse gegen sich, und es hilft ihr nicht, wenn sie die Augen schließt und mit Fäusten um sich schlägt. Crispiens Anklage gegen- die K. P. D. ist wütende Selb stanklag e. Denn alles, was die Kommunisten der II. S. P. antun, haben die Unabhängigen zuvor der Sozial- demokratie angetan, und die Lähmung des Proletariats, über die Crispien jetzt auf einmal heulf, weil es ihm selber an den Kragen geht, ist ihre eigene Schuld. Ist der verhängnisvolle Fehler einmal erkannt, dann darf nicht mehr Spalten, sondern nur Wiedervereinigen und Sammeln die Losung sein. Sie läßt sich nur verwirklilsten unter den Fahnen der alten Sozialdemokratischen Partei, die festgeschlossen dasteht und täglich an Mitgliederzahl wächst. Hier ist R e t t u n g für die deutsche Arbeiterbewegung! * Luise Zieh veröffentlicht- in der„Freiheit" eine Erklärung, in der sie bestätigt, daß sie in ihrer schon öfter erwähr on Versamm- lang von den Spallungstreibern gleich beim zweiten Satz ihrer Rede niedergeschrien worden ist. Sie beklagt sich über parteiisches Verhalten des Vorsitzenden und schließt wehmütig: „In allen Versammlungen in Berlin habe ich den gleichen Eindruck gehabt: Die Anhänger der Bedingungen sind fanatisicrt, sie wolle» nichts hören, schreien jede andere Meinung nieder und erwecken, da die Schreier gut verteilt sind, den Anschein, als seien sie in der Mehrzahl. Nicht umsonst sind manche An- Hänger der Bedingungen Gegner der UrWahlen, bei denen man Andersdenkende nicht niederschreien Hann."— Diese Methode ist uns nur allzu gut bekannt. Wolffheim demnächst also Gelegenheit haben werden, mit dem Die Rumänen forderten die Auslieferung des Huszar, der io Manne, schärfste ■der sie eingesperrt hat und den sie monatelang aufs bekämpft haben, in einem Verein zusainmensitzeii. Drei merkwüröige veremsbrüüer. Hamburg, LS. September.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Die beiden Hamburger Nationalbolschewisten machen das Unmögliche möglich. In Hamburg hat sich eine freie Vereinigung zum Studium des deutschen Kommunismus gebildet, die soeben einen Aufruf erläßt. Er ist unterzeichnet von den Führern der Hamburger Nationalbolschewisten Lauffenberg und Wolfs- heim, von einer Anzahl Offizieren, Landwirten und Pom- merschen Adligen, von Heinrich V«gler- Worpswede u- a. Der Ausruf der nationalbolschewistischen Tendenz erkennt und spricht Bus üer Reise nach Moskau. Im letzten Abendblatt haben wir den„Aufruf der linken U. S. P.", unterzeichnet von Däumig,- Koenen, Adotf Hoffmann und Stöcker, aus der„Roten Fahne" erwähnt, der sich gegen die Jen- ■tralleitung der U. S. P., insbesondere gegen die Verlegung des Parteitags wendet. Die„Freiheit" stellt in ihrem Abendblatt fest, daß dieser Aufruf ihr nicht zugegangen sei und daß sie von ihm erst aus der„Roten Fahne" Kenntnis erhielt.„Dieses Verfahren." sagt sie,„daß sich Mitglieder unserer Partei in einem Meinungs- streit innerhalb unserer Partei unter Umgehung der eigenen Par- teipresse an das Organ einer Partei wenden, die o� f e» a u f d i e Zerstörung unserer Partei hinarbeitet— dieses Versahren war bisher unerhört in der Partei." Die„Freiheit" ist im Irrtum. Denn seit die erster Spal- tungserscheinungen in der alten Partei sich zeigt.m. haben die jetzigen Führer der Unabhängigen ioer Welt gelehrt, daß nichts mehr unerhört ist. Die Spaltpilze, die sie damals gezüchtet, pflanzen sich jetzt unaufhörlich fort und es trifft die Unabhängigen heute nur die Rute, die sie damals selbst für die alte Partei gc- Kunden haben. Was an Treulosigkeit gegenüber Parteigenosien geleistet werden konnte, darüber unterrichten ja hinlänglich die Akten über den Spaltungsprozeß von 191(5! Inzwischen verzeichnet jede Nummer der„Freiheit" immer groß in Austiesernngsbegehren war. Auch die amerikanische Presse wandte sich schroff gegen Huszar. Es wurvcn Aufforderungen an das Arbeitsamt und das Aus- wäriigeAmt eingereicht, Huszar zu deportieren. Am 7. Auguit erklärte Huszar einigen Journalisten, daß er in zwei Wochen abzu« reisen gedenke, aber bereiis nach drei Tagen bestieg Huszar den Bord eine? nach Europa fahrenden Dampfers. Die„New Dort Tribüne" meinte, daß„seine Abreise, die er offensichtlich unbenwrkt zu machen gewünscht hat, auf einen Wink der Washingtoner Behörden zurückzuführen sei." Die Budapester Polizei verhaftete Herrn Abel B a r t b a, weil er einem Studenten fremde Valuta in beträchtlicher Höbe entlockt hat. Dieser Barlha war Minister der Szegediner gegen- revolutionären Regierung, also Ministerkollege des Horthy. und war bis zu dem Tage seiner Verhaftung der Präsideni der ungarischen royalistischen Partei! Abgeordneter Woldt im Kultusministerium. Genosse Richard Woldt, bisher beauiiragrer Dozent an der Uuivcrsiiäl Männer, ist. wie die„P. P. N." hören, in das preußische Ministerium>ür Wissenschaft, Kunst und Volksbildung berufen worden, um ein Re- ferat für wirischaftliche Hochschulbildung für Arbeiter einzurickuen und zu leiten. Das Dezernat wird sich mit dem Aufbau der Pläne beichäfrigen, die durch die Arbeiterakademie in Frankfurt a. M., durch den Anlrag der preußischen LandeSveriammlung oui volks- wirtichaftliche Mittelschulen und die Reformbestrebungen in Münster hervorgeruien worden sind. Den Lehraustrag in Münster wird Woldt vorläufig beibehalten. neue Berichte über Versammlungen, die Pen Anschluß an Moskau beschlossen haben. In ihrer letzten Nummer verzeichnet sie allein Tie Deutschdcmokratische Rcichstagsfraktton in Ulm. Die die idrtsvereine von Sarburg, Bitterfeld, Gotba, Magdeburg. Deutschdcmokratische Reichstagsfraktion ist gestern zu einer Köpenick, und die Gebie tS l er l a ng von Jena, die 5� r e i s- � er i e n i i tz u n g zusammengetreten. Der Fraktionsvorsitzende, konferenz des niederschlesischen Jndustriebezirks, den Bezirk'Nelchsmlmstsr a. D. Schifier, eröffnete dje politische Debatte. Prenzlguer Tor aus Berlin und den Bezirk Wittenau-■Borsigwalde ah haben. Es ist merkwürdig, daß alle diese Bezirke Resolutionen �i��s das erste Referat erstattete. Tie Fraktion schloß ihre Dann trat man in die eigentlichen Ver.hanslungcn ein. Die - �- 0 r_,-™. Besprechung der politischen Lage wurde aus Freitag vertagt. Man lolchg, die sich bedingungslos sur Moskau ontschieccn erörterte das Soziali sierungsproblem, worin Abg. von annehmen, die fast wörtlich übereinstimmen und aus einer Zentral- Beratungen noch nicht ab, da der Konferen�berichierstatter E r k e-- stelle zu kommen scheinen. lenz erst heute eintrifft und referieren wird. Die Grundstim- 'inung ist, daß eine Beteiligung der rNesamtheit an den Bergbau- erträgnissen gesucht werden mup, und daß die bisherigen Vorschläge den ernstesten Bedenken begegnen. Gegen die Annahme der Bedingungen haben sich nach der vorliegenden Nummer der„Freiheit" ausgesprochen der. Landesoor- stand Bayerns, die Mrtgliedprversammltmgen in Ooksnitz, Eilen- bürg, Georgenthal, Zwickau und Hof. Für den Anschluß an die> Postminister und Reichsverfassung. Zur Ergänzung einer von kommunistische Internationale sind auch diese Orte, vorläufig nur uns vor einigen Tagen gebrachten Mitteilung, nach der von der nicht für die Annahme der Bedingungen. Aber das ändert nichts P 0 stb e h ö r d e die Einsicht in die Personalakten, entgegen daran, daß der Parteitag wahrscheinlich eine x r h e b l i ch e> den Bestimmungen der R e t ch s v e r f a s s u n g. verweigert wor- Mehrheit von Kommunisten aufweisen wird und daß die den war, wird uns heute ein- weiterer-rall des gleichen Jngalis -1. v it e m„4., 1. n„D V.... �„ mitgeteilt. Wiederuum bctöbwert(ich ein Beamter, der icit Aprck Spaltung der U. S. P.»ne vollzogene Tatsache ist, selbst wenn sie O» e r post s ch a ff n e r und n och i m Di e n st ist. daß mau noch sur einige Monaie verkleisiert werden konnte. ihm die Einsicht in seine Personalakten, trotz Jnnehaltung des vor- -■ schriflsmäßkgen Dienstweges, rundweg abgeschlagen habe. Gegen die Munitioustransporte. Die Kuxhavener Lotsen- Glaubt der Herr R c i ch s p 0 st m i n i sr e r, hinsichtlich der Beach- s ch a f t erklärte, daß sie keinen im Kanal autgehaltenen Munitions-! tung der Reichsverfassung eine S 0 nd e r st e I l u n g in der Repu- dampter um Skagerrack herumlotsen würde. i blik einnehmen zu können? Die soziakististhe Silöungsarbeit. Die Partei und die Geistesarbeiter. Die Sozialdemokratie ist längst keine Partei der Handarbeiter mehr; erfreu�cherwcise haben sich auch die Geistesarbeiter, die. sa- genannten„Intellektuellen" in starkem Maße der Partei angc- schlössen. Das bedingt eine völlig neue Einstellung unserer Partei. Es genügt nicht, in den alten, ausgefahrenen Gleisen zu bleiben, es müssen neue Wege beschritten, es muß Raum für die Betätigung der neuen Kräfte geschaffen werden. Nun hat zwar die Partei die Bedeutung der geistigen Arbeit und der Wissenschaft von jeher an- erkannt. Von Bebel stammt bekanntlich das Wort, daß der So- zialismus auf allen Gebieten des menschlichen Lebens angewandte Wissenschaft ist. Aber eS läßt sich nicht leugnen, daß es an einem rechten inneren Verhältnis zwischen den Geistes- und Handarbei- lern noch fehlt. Beide Teil« sind noch nicht genügend aufeinander eingestellt, sie gleichen den beiden Königskindern, die nicht zu- sammenkommen können, weil t>aS Wasser zu tief ist. Es muß daher die Brücke geschlagen werden zwischen den Geistes» und Kopfarbeitern, beide Teil« müssen sich wechselseilig er- ganzen, voneinander lernen und gemeinsam zu aktiven Trägern des sozialistischen Wollens werden. Der Sozialismus ist mehr als ein bloßeS Parteiprogramm, er ist ein hohes Kulturziel, eine geistig- sittliche Macht; er kann sich nur dann durchsetzen, wenn er schöpfe- Tische Ideen auslöst und die reichen Gefühlswert«, die in ihm schlummern, zum starken seelischen Erleben zu steigern vermag. Sekten hat sich die Menschheit so demoralisiert gesehen wie nach dem grauenhaften Weltkrieg, selten hat sie aber auch so stark nach seelischer Erhebung, nach sittlicher Erläuterung verlangt, als jetzt. Ein« Partei wie die unsere, die sich die Befreiung und kulturelle Höherführung der arbeitenden Menschheit als Ziel gesteckt hat, kann an einer solchen Erscheinung nicht achtlos vorübergehen, son- dern muß die notwendigen Schlußfolgerungen daraus ziehen. Es fft daher ein dringendes Gebot der Stunde, daß die wert- vollen geistigen Kräfte und Ideen, deren Träger zum guten Teil die Geistesarbeit er sind, für den Sozialismus fortan viel mehr als bisher nutzbar gemacht werden. Diese Aufgabe ist freilich schwierig, ihre Lösung muß aber in Angriff genommen werden. Der Ge- danke liegt nahe, diese Ausgabe den Bildungsausschüssen als den Hauptträgern des geistigen Lebens der Partei zuzuweisen. Der Groß-Berliner Bezi r! s-Bi ldu ngsau sschuß der S. P. D. hat tatkräftig zugefaßt. Für letzten Sonntag hatte er zunächst eine erste Zusammenkunft mit den in der Partei organisierten Geistes- arbeitern, soweit ihm deren Adressen zur Verfügung standen, nach dem Charlottenbu rger Ratha-uS einberufen. Die Genossen Dv. Diederich und Horlitz sprachen über das Wesen ustd die Grundlagen sowie die praktischen Methoden der sozialistischen Bil- dungsarbeit. Die lebhafte Diskussion, die sich an die beiden Vor- träge anschloß, und die wohl alle Seiten unseres Bildungs-, ja PKrteilebens berührte, bewies, wie stark das Bedürfnis nach klä- renden Aussprachen und nach stärkerer aktiver Anteilnahme an der Kulturarbeit des Sozialismus unter den Erschienenen vorhanden war. Es wurde der einstimmige Wunsch geäußert, die Zusammen- künfte fortzusehen und auszubauen, auszubaiM, vor allem in der Weise, daß methodisch vorgegangen wird und die wichtigsten Bil- dungs- und Kulturfragen nacheinander behandelt werden. Der tiefere.Sinn und eigentliche Zweck dieser Zusammenkünfte wird freilich darin liegen, die Fragen nicht nur auizuwersen und zu diskutieren, sondern zugleich den Weg zur Klärung und Lösung zu suchen, Aufgaben zu stellen, an denen jeder einzelne je nach Neigung und Fähigkeit mitzuarbeiten hat. Die erste Zusammenkunft war nur von einem Teil der hier in Bewegung zu setzenden Genossen besucht; mögen in Zukunft, wenn zu weiteren Zusammenkünften eingeladen wird, alle, die es angeht, zu dieser wichtigen Arbeit für den Sozialismus sich zusammen- ftnden! Richard Weimann. Krifis im Gothaischen Lanbrsthcater. Die Etatschwierigkeiten des Gothaischen LandeSlheaters haben die Bühnenmitglieder dazu veranlaßt, die Angelegenheit in einer öffentlichen Versammlung zur Sprache zu bringen. Die Schwieriokeiten sind vornehmlich durch den Regierungswechsel in Gotha entstanden. Der Leiter der Gothaer Bühne Carl Strickrodt hatte von der Il.-S.-P.-Negie- rung einen jährlichen Zuschuß von einer halben Million zugebilligt bekommen. Auf Grund dieses Vertrages nahmen Strickrodt und die Schauspieler an, daß das Gothaer Landcstheater eine staatliche Bühne sei und daß etwaige Etatübecschreitungen vom Fiskus ge- tragen würden. Die neue Regierung erklärt nun, daß das Theater ein Privatunternehmen sei, und daß iie bereit sei, die zugebilligte halbe Million zu zahlen, aber nicht darüber hinaus. Die U.-S.-P.-Regierung hatte den Vertrag gezeichnet, obne ihn dem Landtag zur Genehmigung vorzulegen. Strickrodt sieht sich urner diesen Umständen außerstande, den Ausgabenctat, der ungefähr 114 Millionen Mark beträgt, zu decken. Die Kriegsgewinnler der Goldküste. Sogar die Neger werden Kriegsgewinnler und treiben einen bisher bei den Bewohnern des schwarzen Erteils unerhörten Luxus. Die Eingeborenen der West- afrikanischen Goldküste hoben mit dem Kakaohandel riesige Summen erzielt. Während des Krieges verkauften sie den Kakao zu zehn Pfund die Tonne und behielten große Vorräte, die sie nach dem Waftenftillitand nock viel günstiger, oft für das Sechsfache des Preises absetzten. So sind!>ie Neger in den Besitz großer Reichtümer gekommen und wollen sie nun auch„standesgemäß" an- legen. Mehr als 299 Eingeborene der Goldküfte besitzen oerräs elegante Automobile, und weiter« 299 dieser schwarzer. Krösusse warten aus die Lieferung bestellter Wagen. Viele habe» sich präch- lige Häuser ganz nach europäischem Stil gebaut, von denen manche 8999 Pfund und mehr kosten, und es wird jetzt Mode an Der Goldküste, wie ein englischer Kaufmann aus Westafrika berichtet,„sich zum Essen besonders elegant anzuziehen". Natur im Film. Um die künstlerische Bewertung des Kmos wird noch immer beiß gestiitten; seine sosiale Bedeutung ist allgemein anerkannt. Zahlreich sind die Versuche einer Veredelung. Einen solchen stellte die Aufführung dar, zu der die wislenickmsiliche Ab- leilung der Decla-Bioscop-Gesellschast gestern nachmitiag Presse und Jnteressemen ins Marmorhaus einlud. Vorgeillhrl wurden ausgezeichnete Bilder aus dem Leben der Wassertiere, der Jniekien»nd der zahmen Haustiere. Wobltuend beruhten die in gutem Deutsch abgefaßten leicht bumoristischen, nur zu zahlreichen Ueber- ichrmen als verbindender Text. Man sollte jedoch über dem. Kampf tu der Raiur nickt die gegenseitige Hilfe in der Tie>- Welt übersebcn, und die Auffassung Tr. W. Berndts, der einsührcude Worte sprach.„Graniamkeir und Erotik seien das einzige Jntcrcsianle m der Natur", geht entichieden zu weit. Die foliwäviende Be- tonung de> Momentes der Grausamkeit muß der beginiiendeii Gc- schmacksveredllliig durch die Möglichkeit der Erweckung nngeiunder Reize stark entgegenwirlen. Die wissenschaftlichen Bilder sind so gedacht, daß sie in unterhaltende Texte verstreut werden, iind das scheint auch ein gangbarer Weg, um endlich eine Veredliina des Ge'chmacks des Publikums und damit eine Beseitigung des Kino- IchundeS herbeizuführen._ wp. Gerhard Hai.ptman» te„Tie Weber» werden vom Eroß-Berliner S.-P.-D.-B i l d u n g s a u s s ch u ß am Tonntag nachmitiag im Cen tra l< Theater und Rose-Tbeater zur Aufführung gebracht. Tor Tchimmer im Abgrund. Henri Barbusie bat unter diesem Titel ein neues Buch geschrieben, das von Iwan Göll für den Rhein- Verlag in Basel übersetzt worden ist. Es wird ein flammendes Manifest an alle Denlendcn, die Ansage des unentrinnbaren Krachs, die unverfälschte Bilanz der bankrotten EescLjchastsordnung, zugleich der stärkste aller bis- heiigen Sammelrufe an die Werlleute des Kommenden genannt. Heinrich Eunows„Ursprung der Religion und des Gottes- | ataubrns" wird abermals vom Verlag der Luchbandlbug Vorwärts in tzleubrück auf den Vffrlt gebracht._«Preis 10 M.) Dies Buch ist eine an- cr lannt gute, durch Eunows Art übersichtlicher Zioffordnung und sachlicher Besiimmtbeit Icictt lesbar� gemachte Emiübrung in das Gebiet der Ret!- gionsgcschichle. Das Buch null dar» n, tasi nicht nur der Eoiles- und llnstcrblichkcitkglaube der Völker überall von gleiche» einfachen Grund- uorstcUnngeir ausgebt, sondern sich auch alle Rcligionsenlwicklung sircug geietzmätzig innerdalb gleicher Bahnen vollzieht. Tie Ausstellung„Geichmack im Alltag» im Schönebcrger Rat- bau? wird morgen nachmittag S Uhr eröffnet. Sie hat autzer WohnungS- einrichwngen und Kleidung auch den Wandschmuck des Hauses zum Gegenstand. Tie Jabrbundortscier des Naiurforschertagcs soll im Jahre 19:22 an der Stelle, an der die GelellschasI gegründet wurde, ovo in Leipzig, unier dem BoWtz von Gedeimrat Professor Dr. Planck-Berliu stailfinden. Ob auch im nächsten.Xadre eine Vcrianimlung abgeballen werden wird, soll der Vorstand noch Maggabe der Verdällnisse enlicke-den. Als Ort wurde jür diesen Fall Kiel bestimmt. Große Freude löste die Nachricht aus, dag iie italienische Regierung c.e zoologische Station in Neapel ihrem Besitzer Tohrn»„rückgeben will, der s.e wieder in Gang bringen»ifc. GroßGerllü �MSpiheS und] Ter B?ginn der beut'igeri Verhandlung, die gleich nach der offiziellen Eröffnung erregte Z u f a m m e n st ö h e zwischen dem Gericht und der Verteidigung bringt, verzögerte sich etwas, da der Ilngeklagbe Klüger, der täglich aus dem Rudolf-Virchow- Krankenhaus nach Moabit übergeführt wird, noch nicht zur Stelle war. Kaum hatte Landgerichtsdirekter Ernst die Verhandlung eröffnet, als fkfr Justizrat F r ä n k l erhob und im Namen der An- geklogtcA Schulz, Wrba, Wedow, Mehlberg und Kaaz dagegen P r o t e st erhebt, daß die Angeklagten auf dem Wege von und nach dam Untersuchungsgefängnis von den Beamten der Scchcrheits- Polizei bcsckinipst und beleidigt würden. Auf Befragen erklärt der Angeklagte Schulz: Ich bin aus meiner Soldatenze't her sehr nervös und kann bei den dauernden Beschimpfungen für nichts garan- tieren. Gestern abend sagte ein Beamter beim Abtransport:„Bei mir seid Ihr an den Nichtigen geraten." Dabei hob er den Fuji, als wenn er treten wollte. Heute morgen wurden fünf Genossen von den anderen abgesondert und ich hörte, wie der Herr da lauf einen Wachtmeister zeigend) sagte:„Aha, die Scharf- schützen." Derartige Ausdrücke verbitten wir uns. Noch ist uns nicht das geringste nachgewiesen Der Angeklagte Kaaz erklärt, er sei von seiner Mutter a n- ständig erzogen und brauche sich deshalb keine Gemein- heiten sagen lassen.— Rechtsanwalt L a m p: Ich protestiere dagegen, daß die Angeklagten durch die Beamten der Sicherheits- Polizei beunrubigt und nervös gemacht werden. Einer der Be- amten bat zu den Angeklagten gesagt:„Wer ausrückt, wird n i e d,e r g e s ch o s s e n." DaS ist ein Einschüchterung?» und Berwirrungsversuch. Einzelne Angeklagte sind raisächlich so verschüchtert, daß, wenn sie jetzt vernommen werden, kaum etwas aussagen können.— Justizrat F r ä n k l: Ich schließe mich diesen Aussührungcn an und erkläre, daß die Angeklagien durch die massenhafte An- Wesenheit von Offizieren und Polizeibeamten hier im Saal nur verwirrt gemacht werden.— Vors.: Ich bitte zu bedenken, daß diese Sache doch auch zwei Seiten hat. Wir müssen vor allen Dingen auch dafür sorgen, daß die Verhandlung nicht durch Störungen im Saal oder von draußen unterbrochen wird. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf einen Vorfall von gestern zurückkommen. Ich habe in den heutigen Morgenzeitungen gelesen, und es wurde mir durch ein Mitglied des Gerichts be- stätigt, daß bei der gestrigen Vernehmung des Angeklagten Liebs aus dem Zuhörerraum„Pst" gerufen wurde. Liebs ist darauf verstummt. Wenn ein derartiges EingreifSn der Zuhörer in die Verhandlung noch einmal erfolgt, baffe ist den Saal räumen. Selbstverständlich muß ich dann selbst die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffen. tlichkeit fortführen, wenw seitens der Zuhörer der Besuch gemacht wird, in die Untersuchung einzu- greifen.— Justizrat F r ä n kl: Ich babe von diesem Vorfall nichts bemerkt. Tie Gefahr einer Einwirkung durch die Po- lizei erscheint mir größer als die durck die Zuhörer. Gestern nachmittag hatte uns gegenüber ein Herr Platz genommen, der das Monokel einklemmte und uns fixierte, der dadurch-auch die Angeklagten verwirrte. Tiefer Herr war der Oberleutnant Hoff- mann ans dem Marloh-Prozcff, der dem Oberleutnant Marlvh den Befehl zur Erschiehang der Matrosen in der Französischen Straße überbrachte. Dieser Herr darf sich hier frei bewegen.— Vors.: DaS gehört wahrhaftig nicht zur Sache. Wo sollen wir hinkommen, wenn Sie dauernd mit Angelegenheiten kommen, die überhaupt nicht zur Verhandlirna gehören. Rechtsanwalt Dr. Bönheim- Tie Angeklagten versichern uns, daß der Zuhärerraum m:t einer Anzahl von Agenten der politischen Polizei besetzt ist. Ich bitte das Gericht, für Entfernung dieser Spitzel zu sorgen.— Vors.: Es sind im ganzen 20 Karten ausgegeben worden, eine besondere Auswahl ist nicht vorgenommen worden. — Rechtsanwalt Bönheim: Es ist doch aber leicht möglich, baß einer dieser Spitzel„Pst" gerufen bat, um so einen Ausschluß der O e f f e n t l i ch k e i t zu erzielen.— Justizrat F r ä n k I: Ich bitte doch um einen Appell zur Ruhe an diese Spitzel, da diese die Ruhe und Ordnung gefährden.— Vors.: Ich habe vorhin eine Ermahnung zur Ruhe an den Zuhörerraum gerichtet. Tamit ist die Sache für mich erledigt. Im übrigen möchte ich darauf auf- merksam machen, daß den Angeklagten Speisen wto sonstige Erfrischungen nur in der Frühstückspause gereicht werden dürfen. Es wurde dann in die Vernekmung des durch einen Rücken- schuß verwundeten Angeklagten Erich Krüger eingetreten, dessen Bahre zu diesem Zweck in die Mitte des Saales gestellt wird.— Vors.: In welcher Weise hat sich denn die Sache damals abge- spielt?— Angeklagter, der sebr stockend und leise spricht: Ich bin, als ich die Zustäuoe in Ber'in sah, in die K. P. D. ein- getreten, weil das die einzige Partei war, die für mich in Betracht kam. Tort hatte sich eine Kampforganisation gebildet, die sich mit Propagandatätigkeit und Zettelan kle- ben beschäftigte. Tie Deutschnabionalen haben ja auch solch«ine Organisation.— Vors.: Wie war denn diese Truppe eingeteilt?— Angeklagter: In Züge. Wenn�etwas los war, dann mußte ein Zug dorthin zum Zettelankleben.— Vors.: Es gab doch eine„Kompagnie Weißensee", deren Führer K a a tz war. Wer war denn nun Zugführer?— Angeklagter: Zugsüb-rer war Schulz.— Vors.: Und wie hießen die Gruppenführer?— Angeklagter: Ich hatte Fritz Falk als Gruppenführer.— Vors.: Und wer gehört« noch sonst zu den Mannschaften?— Angeklagter: Liebs, Dolnh, Cilinski, Burkert, Arndt und die beiden Franz.— Vor s.: Von denen war doch einer Kurier mit einem Fahrrad, nicht wahr?— Angeklagter: Jawohl.— Vors.: Die Kampforganisativn war also ganz nach militärischem Muster eingerichtet?— Singe kl.; Ja. In Zügen und Gruppen, aber nur zu Propagandazwecken und Zettelankleben.— Vors.: Sie haben doch früher auch von Gewehren gesprochen, die sich in Depots befinden sollen, von denen nur die Kompagnie- und Zugführer Kegntnis hatten,— A n g e k l.: Ich bin damals nicht recht bei Besinnung gewesen, das ist mir wohl sog üben Mund gelegt worden.— Vor s.: Es soll auch S p e z i a l- abteclungen gegeben haben, z. B. Maschincngewchrtruppcn, Train, Flieger, Funker. Das babei: Sie damals doch ausgesagt? — A n g e k l.: Davon weiß ich nichts. Jcki hatte zu jener Zeit starkes Fieber.— Vors.: Es ist doch komisch, daß Sie andere Punkte heute ganz genau wiederholt haben, wie Sie sie damals aussagten. Nur auf die wichtigen Tinge können Sie sich setzt mit einemmal nicht besinnen. Was war denn nun am Slbend des 20. August?— A n g e k l.: Als ich damals von der Arbeit kam, traf ich zwei meiner Genossen, die mich aussorderien, ins Restaurant Dröger zu kommen. Dort sagte mir.Michaelis, ich sollte noch einmal iriederkommen. Als ich nach einiger Zeit wieder das Lokal betrat, war dort anscheinend schon die Einteilung der Genoffen vorbei. Ich mußte mit den übrigen sieben Mann meiner Gruppe und meinem Gruppenführer Fritz Falk nach der Greifen-- bagener Strasi� Ich wußte aber gar nicht, um was es sich handelte. An der Ecke Grell- und Hosemannstraße sollte ich warten, bis de Waffen herausgeholt waren.— Vors.: Wer batte Ihnen denn etwas von den Waffen gesagt?— A ngekl.: Das weiß ich nicht. Wir sollten da jedenfalls Marien, bis der Befehl zum Holen der Waffen karn. Nach einiger Zeit ging Falk dann zur Straßenecke, und mit einemmal hörte ich eine Set, ießerei. Wir nahmen Deckung an einer Mauer, damit wir nicht getroffen würden, Plötz- lich blickten zwei Eisenbahnbeainte über die Mauer herüber und schrien: Halt, da sind sie ja! Ich stand ans und lies weg und im Rennen erhielt ich von dem einen Beamten den•öchuß in den Rücken.— Rechtsanwalt Dr. Bönheim: Ich bitte den Sinac- klagten doch zu fragen, ob er nicht trotz seiner Verwundung nach seiner Verhaftung von. den Sicherbeitspoiizisten mit Füßen gc- treten und ihm angedroht wurde, daß, wenn er niM aussage, er aufs b e st i a l l s ch st e mißhandelt würde.— Angekl.: Davon weiß ich nichts!— B ö n b e i in: Das hat uns der V a l e r des Slngcklagten mitgeteilt. Krüger war bei feiner Vernehmung io schwach, daß er nur aussage, um seine Ruhe zu haben. Er ist auch in den ersten Tagen nach seiner Verwundung gar nicht ärz l'ch behandelt worden)— Angekl.: Ich bin drei Stunden nach meiner Verwundung ins Krankenhaus eingeliefert worden. �Ta war ich eine Wock'e und dann wurde ich als geheilt entlassen. Als ich dann im Polizeigewahr so in war und»och Schmerzen an der Wunde hatte, sagte mir der Slrzt, ich solle nur kalte Umschläge machen.— Geheimrat Leppmann: TaS ist durchaus wahrscheinlich. Umschläge werden immer verordnet, wenn an der Wunde weiter nichts Erkennbares ist.— Vors.: Ter An- geklagte ist dann wegen Verschlimmerung seines Austandes nach dem Rudols-Virchow-Krankenhaus übergeführt worden. Der Verteidiger Krüacrs wünscht-dann eine Aufklärung darüber, weshalb der Verletzte tagelang nur mit eincmHcmd bekleidet transportiert worden sei. Der Angeklagte Krüger widerspricht auch hierin dem Slnwalt und erklärt, daß er schon am nächsten Tage von seinen Angehörigen mit Kleidung Verl b-n worden ist. Geistesschwache Kommunisten. Eine Uederraschung brachte die Vernehmung der Angeklagten Dolnh und Zilinski. Auf die Frage des Vorsitzenden, was sie von der Angelegenheit wissen, erklärte Dolnh, dag er sich überhaupt an nichts mehr erinnern kann. Et wisse nicht, W:e er in die\K. C. gekommen sei, und über die W�a f f e n s u ch e könne er nichts sagen. Er habe in der Husumer tSxaße gestanden,„da sei ein Mann mit einem Kinderkopf und krummen Beinen gekommen, der habe ihn gefragt, ob er Geld verdienen wolle. Dann hat der �llcann einen schwarzen Kater g e- schlachtet, und ich labe ihn übe� Ohr gehauen," Der An- geklagte gab diese Aussöge in verwirrtem und wci n c r- lichem Ton. Der Vorsitzende vernahm darauf den praktischen Arzt Dr. Koch mann, der Dolnt, seit seiner Geburt kennt. Als Kind sei der Angeklagte ein Vollidiot gewesen, der weder sprach noch antwortete. Nach der Militärzeit seien dagegen seine geistigen Kräfte reger geworden. Sein Benehmen eben sei jedoch gemacht. Derartige Vckrstellunaen, die er eben äußerte, habe der Slngeklagte zweifellos nicht. Geh. Rat Leppmann gab daraus «in aussührliches Gutachten über den Slugellagten, den er beobachtet hat. Er faßte seine Ansicht dahin zusamaren, daß Dolnh, der rechnen könn", und auch sonst keine außergewöhnlichen Zeichen geistiger Erlranlung zeigt, zwar geistig nicht gewandt und beeil,- stußbar ist, daß aber Unzurechnungsfähigkeit im Sinuc des§ 51 n i ch t vorliege.' (Fortsetzung iw der Morgen-Ausgabe.) öerlmer Kriegsschulöen. » Wie der Stadt die Auslagen für das Reich„erstattet" werden. Die alte Berliner Stadtvcrordnetenversamm- tung trat heute vormittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, hauptsächlich zu dem Zweck, über ein« dring- liche Magiftra.svorlage, betreffend die Gcnehmign-ng einer neuen mit 4 Proz. zu verzinsenden Slnieihe von 396 Millionen Mark, zu beschließen. Diese soll zur Begleichung der Aufwcn- düngen dienen, d.e aus Slnlaß des Krieges für die Fti milien- Unterstützungen.und für die Kriegswohlfahrtspflege von der Stadt gemacht werden mußten und vom Reich zu erstatten wärm Das Sie ich übernimmt die Verzinsung mit höch- stens iVi Proz. und eine Tilgung Von jährlich 1 Proz„ von 1932 ab soll aber die'Tilgung 2 Proz. betragen, so daß von da ab die Stadt mit 1 Proz. in Anspruch genommen wird. Zn der Vorlage s- ergriff niemand das Wort, auch der Kämmerer nicht, und sie wurde widerspruchslos angenommen. Einige Magistratsvorlagen kamen zum Teil mit Acnderungen aus den Ausschüssen zurück und wurden so angenommen. Den Standes beamtenhilfs st ellverstretern wurde eine Erhöhung des Tagegeldes aus 26 M. und 50 Proz. Teuerungszulage vom l. A.vril 1920 ob bewilligt. Für die Zentrale Buch wurden die Etatüberschreitungen aus 1919 mit fast 2 Millionen Mark genehmigt. Die Bevsammlung beschloß lieber- nähme des Vermögens des Vereins zur Verbesse- rung der kleinen Wohnungen in Berlin gegen Her- gäbe von 1 Mill.on Mark in Stadtanleihe, lehnte die Usbernahme der Schulden des Vereins aus einem noch schwebenden Prozeß ab und bewilligte ihm zur PetricHsweiiterführung bis zur tatsächlichen Uobergab: H Million Mark Zuschuß. Fuhrmann(Dem.), ein Führer des organisierten Hausbesitzes, warnte vor diesem„e r st e n Schritt zur Kominunalisierung des Wohnungs- wesen s".� Ihm erwiderte W i l d e g a n s(Soz.), zu denselben Bedingungen würde er der Stadt die Uebernahme des gesamten Grundbesitzes empfahlen. Ein Antrag von Mitgliedern der Teutschnationalen Volks- Partei und der Deutschen Volkspartei so-rdevie, Gesuche des V e r- bandes�der gemeinnützigen privaten Kranken. und Pflegean st alten, der Gemein dediakonissen- an st alten und verwandter Anstalten Groß-Ber- lins um Beihilfen in gemischter Deputation mit dem Ma- gistvat zu beraten. Streiter(D. Dp.j schilderte in der Begrün- düng die mißliche Lage der privaten An-stalten. Die Zahlung der. tatsächlichen Löhne, zu der sie bereit seien, werde ihnen durch Geld- mangel unmöglich gemacht. Tittmer(Soz.) betonte, daß auch das Personal privater Anstalten die in st äd tischen und staatlichen Slik st alten gezahlten tariflichen Löhne erhalten muß. Daher müsse hier die Stadt ein- greifen, wie weit die finanzielle Lage der Anstalten das erfordert. Untersuchen solle man, wie weit manche Kliniken, deren Einrich- tungen recht mangebhaj? und auch hygienisch nicht einwandfrei sind, überhaupt eine i?x. st e n-b:r echt igu ng haben. S&ich Dr. Wehl (U. Soz.) unterstützte den Antrag sowie die Forderung, daß eine Kontrolle ausbedungcn wird. Stadtrat D o f l e i n teilte mit, der Magistrat habe bereits Gesuche über Beträge von 20b-is30Mil- � lionen Mark erhalten. Eine Vorlage sei schon in Arbeit, sie werde dem neuen Magistrat überwiesen werden können. Fuhr- man(Dem.) setzte sich für die Erhaltung der Pri-vatkliniken ein, und D o b e iDetn.-) zerstreute etwaige Bedenken gegen die Ueber- Weisung an den neuen Magistrat. Der Antrag wurde dann ein- stimmig angenommen. Sie drohen mit dem Schulstreik. Wie die U.Z.-Korrespondenz zu melden weiß, werden die Elternbeiräte der höheren und Gemeinoeschulen zusammentreten, um zu der Wall Dr. Lcwensteins Stellung zu nehmen. Das Re- sultat einiger bereits stattgehabter Besprechungen soll die Pro- klamierung des allgemeinen Schul st reiks für Groh-Berlin sein. Der Elternbeirat des Hohenzollern- Gymnasiums in Wilmersdorf hat den Streik bereits be- schloffen. � Wir seben diesem Streik der„höheren Schüler mit aller Ge» mütsruhe entgegen. Tie maßgebenden Behörden werden ben Streich schon zu parieren Gissen. Zuckerschwindler. Tie große Zuckcrknappheit läßt die Geschäfte der Zuckerschwind- ler wieder bliinen Mchrvre Banden, die den Schwindel im großen betreiben, sind mit großem Erfolg an der„Arbeit". Trotzdem einige der Kriminalpolizei bekannt sind, findet diese keine Hand- habe, um gegen die Gauner einzuschreiten. Es liegt dies daran, wel die Betrogenen, selbst dann, wenn sie große Summen ein- gebüßt haben, davon Abstand nehmen. Slnzeige gegen die Betrüger zu erstatten. �Sie geben von der falschen Voraussetzung aus, sich i e l b st jt r a s b a r gemacht zu baben, und so fördern sie durch Unterlassung der Slnzeige indirekt das Treiben der gefährlichen Schwindler. Diese arbeiten mit ganz verschiedenen Kniffen. Eine Gesellschaft kemmt mit einem Fuhrwerk vor Kondito- reien oder Schantlokalen vorgefahren und einer von ihnen bietet den Zucker, der sich auf dem Wagen befinden soll, an. Finden sie einen Käufer, so schneiden sie in einen der Säcke, die mit dem Plan verdeckt sind ein Loch und an dieser Stelle fließt feiner Zucker heraus. Ter übrige Inhalt aber besteht, wie die Käufer zu spät merken, aus Salz. Eine ander« Bande„futtert" die Käufer erst an und liefert zunächst mehrmals klein? Posten von X bis 2 Zentner richtigen Zucker. Tann erscheint sie und sagt, daß sie einen ganzen Posten für 30 000 M. und mehr zu verkaufen hätten. Weil das Angebot günstig und der zuerst gelieserte Zucker gut war, so nimmt ihnen der Käufer auch das groß.' Ouantum ab. ohne die Säcke auf ihren Inhalt zu prüfen. Tie Gayner lassen ihm dazu auch wenig Zeit, weil, wie sie sagen, das St blöden sehr schnell vor sich gehen müsse, damit ihnen die Ware nicht beschlagnahmt»verde. Sluch jetzt sehen die Käufer zu spät, daß sie einer Gaunerbande ins Garn gegangen sind, denn nunmehr ertha'ten die Säcke auch wieder Salz. Slm raffiniertesten a-cht eine Bande vor, die den Zucker ad Bahnhof verkauft. Wenn sie einen Käufer für eine große Zuckersendun-- gefunden bat. gebt einer von ihnen mit dem Äaui- lustigen zureckst nacb einem Bahnhos und zeigt ihm dort in dem Güterschuppen lagernde Säcke. Tann ruft er einen Mann herbei, der, wie er dem Käufer sagt, der Lagerverwalter sei. Wenn er zu diesem gewendet sagt, er wolle sich mit ihm wegen des Zuckers besprechen, w antwortet er ganz grob:„Das geht mich gar nichts an. Ich kümmere mich nicht um lolche Geschäfte. Wen- den Sie sich an den Buchhalter, dahinten kommt er ja gerade." Dieser angeb'iche Buchhalter, ein Mann ohne Kopfbedeckung mit einer Dle!sed-.r hinterm Ohr, ist geneigter, auf das Geschäft einzu- gehen und iuck t mit den beiden ein in der Nähe liegendes Lokal auf. Wenn dort das Gcickäst yersekt geworden ist. nimmt der Buchhalter gegen Ouittung das Geld in Empfang und gibt einem „ausfällig" in das Lokal tretenden Kutscher, der zum Schein die Peitsche in der Hand trägt und den Buchhalter fragt, wo er noch eine Fuhr« habe, den Austrag, den im Schuppen lagernden Zucker nach der Wohnung de» Käufers zu bringe». Er schreibt auch noch einen Freigabeschein aus. den er dem Kutscher überreicht. So ganz sicher gemacht, geht der Käufer nach Hause, wo er aber vergeblich auf den Zucker wartet, denn aus den Bahnhos sind, wenn er sich erkundigt, weder der Lagerverwalter nach der Buchhalter und der Kutscher bekannt. Die Bande ist, wie die Kriminalpolizei fest- gestellt hat. in einigen Fällen soweit gegangen, daß sie ihrem Opfer gefolgt ist und. wenn sie sahen, daß dieser Anzeige machen wollte. das Geld zurückerstatete, um zu verhindern, daß die Polizei Unter- lagen für ihre Festnahme erhält. Ein sauberer Generalsneffe. Von der Berliner Kriminal- Polizei.wurde deck 26 Jahre alte, aus Paris gebürtige Franzose Jean M a r c a d e wegen Diebstahls, Zechprellerei und schwerer Scheckschwindeleien verhaftet. Marcade ist ein N e s f e d e s f r a n- zösischen Generals Conongc, dessen Name durch sein Buch„La grancke fverre" auch in Teutschland bekannt gewor- den ist. Ei» Sozialistrnfrksser vom reinsten Wasser scheint der Druck- s e h l e r t e ii s e I zu'-in. Streicht er da in unserer aestriqen Abendausgabe aus der Notiz über das Ergebnis der Kreis- lagswahlen in Niederbarntm einfach die ioria- l i st i scheu S'ye Heraiis. Das wird ibin aber nickns nützen. Trotz der mit ihm im Bande stehenden Reaktion ziehen 11 So- zialdemokraten und 8 Unabhängige in den Kreis- tag ein. Eine Kartcnbau-Ausstellung und Kleintierschau veranstaltet die Gemeinde Glienicke(Nordbahn), Bahnilationcn Hermsdori und Frohnau. vom 25. bis 27. Scvlcmber in den Lotnlen Batb, WilhelM'tr. 5—7, und Schneider. Lliingbornstr. 12—14 in Glienicke. Emtrittstarten: sür die Dauer der Slussicllung 3 M., sür einen Ausstellungstag 2 M. � Tie Tireklion des Zirkus Pu>ch legt Gewicht aus die Feststellung, daß der in verickiedenen Slad'.v'e. leln und Vororten auilauchcnde sog. Zirkus Büsch, ein ganz bescheidener Zeitzirkus. mit ihrem UrrlcrnehmeN nicht das geringste zu tun hat. Zirkus Bulch beginnt seine Zirkussaison in seinem bekannten Gebäude am kommenden Sonnabend. Er hat als besondere Slttraition den bekannten Zirkusmann Hans Stosch-Sarra- s a n i verpflichtet. Im Walhalla-Tncatrr gibt Wilhelm Hartstciir am Frc'taz abend T/t Uhr ein Gastspiel in seinem Schwank ,E. oder Er". Groß-Serlinee parteinachrichken. Extrabeitrag für die Jugendbewegung. Der außerordentliche Bezirkstag am 12. September hat be- schlössen, zur Untecstützung des Vereins Sl r b e i t e rj u g e n d pro Mitglied und Monat einen Beitrag van 10 Pf. zu erheben.(§19, Abs. 2 des neuen Statuts.) Bei Ausführung dieses Beschlusses bieten sich einige technische Schwierigkeiten, weil in oen Mitgliedsbüchern nicht mehr genügend Raum für die drcr Marken 4 10 Pf. im Quartal vorhanden ist. Um diese.Schwierig- feiten zu beheben und unnötige Unkosten zu ersparen, hat der Be- zirksvorstend beschlossen, die drei Marken 4 10 Pf. pro Quartal in eine Marke 4 30 Pf. umzuwandeln. Für diese 30-Ps.. Marke reicht der freie Raum noch aus. Die große Funktionärkonferenz am 21. September hat diese Maßnahme des Bezirksvorstandes einstimmig gebilligt. Es werden deShrlb vom 1. Qktober ab für die Jugendbewegung 30-Ps.-Marlen zur Ausgabe gelangen, die in den freibleibenden Raum des Mit- gliedsbuches zu kleben sind. Jede Marke gilt als Beitrag fürdreiMonaie. Der Bezirksvorstand setzt voraus, daß dieser obligatorische Bei- trag von allen Mitgliedern gern und willig geleistet wird. Die Jugend ist unsere Zukijnft, und kein Opfer ist groß genug, um ihre Bewegung zu fördern. Morgen, 24. September: 37.— 41. Abt.(Wahlkreis Tiergarten). Frauenabend 7'/, Ubr in der Brauerei Pavcnhofer. Turm- Ecke Slromsircne. Res. Genossin Henjclcitt „Die Kelchlechtslranthciten und ihre Folgen sür die Familie". Zehlenvorf und Nikolassee. 8 Ubr: Mitgliederversammlung im Lindenpart in Zehlendorf. U. a.: Zu- und Ersatzwahl des WteilungS- Vorstandes und Bericht vom außerordentlichen Bezirkstag. Resereut: Ge- nosse Holtz. OewerMastsbewegüng verbanöstag öer Töpfer. Meißen, 21. September. An erster Stelle stand hente die Beratung' zur Gründung eines Baugewertliundcs. Als Referent hierzu berichtete der Ver- bandsvorsitzcnde D r u n s e l über die schon vor zirka 1l) Jahren eingesetzten Bemühungen auf Schaffung eines Keramarbeiterver- bandes durch Zusammenschluß der Glasarbeiter, Porzellanarbeiter und Töpfer. Nunmehr sei der Bauarbeiterverbana mit dem Pro- jett des Baugewertbundes herausgekommen, das den Töpfern Ge» legenheit bietet, ohne Zerreißung ihrer einzelnen Glieder voll in diesem Bunde aufzugehen. Durch den vorliegenden Entwurf werde jeder Gruppe des Bundes die Selbständigkeit gewahrt, sie kann ihre gewerblichen Eigenheiten auch fernerhin lvahrnehmen, auch ist ihr Gelegenheit geboten, in der Presse des Bundes genügende Berück- sichtigung zu finden. Die vom Bunde gleichfalls in seinem Pro- gramm aufgenommene Sozialisierung des Baugewer- beS und der Baustofferzeugung hat bereits durch den Bauarbeiterverband durch Bereitstellung von ö Millionen Mark für diese Zwecke einen kräftigen Anstoß erhalten. Tiefer Teit des Programms findet auch in Töpferkreifen lebhaften Widerhall, der Verband sozialisierter Baubetriebe ist vor einigen Tagen mit dem Sitz in Berlin begründet worden, aus einigen Orten sind auch die Ofensetzer daran beteiligt. Die Gauleiter, der Beirat und Bor- stand des Töpferverbandes hätten sich bereits mit der Schaffung des Baugewerksbundes einverstanden erklärt, auch die Ofenformer, Scheibentöpfer und Steinzeugarbeiter auf im Juli dieses Jahres abgehaltenen Konserenzen. Möge nun der Verbandstag in gleichem Sinne beschließen. Genosse Paeplow vom Bauarbeiterverband führte aus, daß durch die sich stetig verhollkommnende Technik die verschiedenen Bauberufe immer mehr bei der Arbeit ineinandergreifen, deshalb müssen sich die Arbeiter im Baugewerbe und der Baustofferzeugung zusammenfinden. Fachgruppentage müßten die besonderen Ge- Werbefragen regeln, anschließend hätte der Bundestag das ganze zu behandeln. Außerdem seien Bezirkstage nötig. Jede Fachgruppe müsse Gruppenführer haben, denen die besondere Leitung der Gruppe obliegt. Die Hauptsache aber sei die S o z i a l i s i e r u n g im Baugewerbe und den Betrieben der Baustofferzeugung, die Sozialisierung der Wohnungen. Bei diesem großen Werke brauchen wir alle vom Ingenieur bis zum Arbeitsburschen. Zur völligen Durchsetzung des Sozialisierungsproplems gehöre auch die Sozialisierung der Kohle, des Grund und Bodens. Ter Zweck wird erst dann voll erreicht werden, wenn alle Voraussetzungen geschaffen sind. Die heute angestrebten Genossenschaften seien nur Vorarbeit, Mittel zur Erreichung des großen Zwecks. Wir werden über mit der Zeit zu einheitlichen Grundsätzen kommen, natürlich kann das Ziel nur erreicht werden, wenn alle dafür mit Lust und Tatkraft eintreten.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion traten bis auf zwei Redner alle für die Schaffung des Baugewerksbundes ein. Zum Schluß wuroe gegen die Stimme deS Kommunisten Pusemann- Berlin und eines Steinzeugarbeiters beschlossen, daß der Verbandstag mit der Grün- dung eines Baugewerksbundes e i n b e r st a n d e n ist. Der Vor- stand wurde beauftragt, mft an dem Zusammenschluß interessierten Veckbandsvorständen zusammenzutreten, das Sta:ut des Bange- Werksbundes zu beraten und zu beschließen und nach ev. Abhaltung eines allgemeinen Kongresses so schnell wie möglich den Zusam- menfchluß zum Baugewerksbnnd zu vollzielen. Hierauf wurde in die Beratung des PunfteS„Die Lohn- und Tariftakti!" des Verbandes eingetreten. Der Verbandsvorsitzcnde beleuchtete dabei das ganze Gebiet der Lohnverhältnisse, die Ferien- und Lehrlingsfrage. In der Diskussion wurden von der Opposition gegen den Vor- stand die üblichen Vorwürfe erhoben, so daß er vor allem in der Frage der Einführung der Lohnarbeit als Bremsklotz gewirkt habe, bei Lohnbewegungen nicht den richtigen Schneid zeige; auch der Redaftour wurde wiederholt angegriffen, weil er in einem Artikel die Akkordarbeit befürwortet hatte. Der Redakteur Schmit wies eme Anzahl Angriffe auf den Vorstand zurück und nahm auch für sich das Recht der freien Memung im Fachorgan in Anspruch. Wenn man den verschärften Kampf wolle, dann mögen die Mitglie- der auch die Konfeguenzen ziehen und dem Vorstand vie nötigen Mittel zur Führung des Kampfes bereitstellen. Die Diskussion über diesen Punkt wurde zu Ende geführt. Morgen wird jedenfalls nach dem Schlußwort des Vorsitzenden in die Statutenberatung eingetreten werden. Umkehr zur Vernunft. Am letzten Sonntag wurde in M a g d e b n r g die General' Versammlung der Metallarbeiter fortgesetzt, die sich mit der Auf- Hebung des Boykotts gegen die Magdeburger.Volksstimme' zu be- schäftigen hatte. Unser Bericht über die erste Generalversammlung am 12. September, in der der Unwille gegen die Brandes-Methoden so lebhaft zum Ausdruck kam, daß die Veriemmlung ein vorzeitiges Ende fand, hat bei der Magdeburger unabhängigen OriS- Verwaltung des Metallarbeiterverbandes ein so starkes Interesse ge- funden, daß am Vortage der letzten Versammlung das dortige un- abhängige Blatt zwei volle Spalten seines Papiers aufwand, um gegen unsere Partei und die Annahme de« Antrag« zu weltern. Auch der unabhängige Bevollmächtigte KaulferS, dem die Um- kehr zur Vornunft scheinbar sehr unbequem ist, versuchte in der Ver- sammlung, dem Antrage betreffs Aushebung des Boykotts die Spitze abzubrechen. Er brachte an Stelle des Antrages unserer Partei- genössischen Metallarbeiter einen verwässerten Antrag der Orrsverwaltung ein. Die beabsichtigte Schiebung glückte aber nicht. Trotzdem KaulferS in seinen Ausführungen darüber weimerte, daß die.Volksstimme' den Unabhängigst Alwin Brandes nicht etwa als Politiker, sondern als GewerkschastS- sührer angegriffen habe, vereinigten sich auf den Antrag unserer Genossen ö8S Stimmen, während der Antrag der unabhängige» Ortsverwaltung nur 816 Stimmen erhielt. Da- mit ist der Beschluß, die.Volksstimme' zu boykottieren, wieder aufgehoben. Kraftprobe öes Sergkapktals! Uns wird ans dem Ruhrrevier geschrieben: Bei den Mitzhelligkeiten»m Ruhrrevier handelt es sich um Vorgänge, die bis zur Zeit des Kapp-Putsches zurück- liegen. Auf einer Reihe von Anlagen sind zu jener Zeit Mit- glieder der Betriebsräte aus Angestelltenkreisen wegen ihrer Beteiligung an den Vorgängen entlassen worden. Durch langwierige Verhandlungen ist es gelungen, fast alle diese Fälle wieder beizulegen. Die letzten Differenzen wurden bei den Verhandlungen über das Ueberschichtenabkommen am 18. und 13. August zur Sprache gebracht. Die Unterzeichnung des Ueber- schichtenabkommens von feiten der Arbeitnehmer erfolgte unter der Bedingung, daß diese noch schwebenden Differenzen durch ein Schiedsgericht aüS der Welt geschafft werden, dem sich beide Teile fügen wollten. Dieses Schiedsgericht hat inzwischen getagt und sich einstimmig für die Wiederein st ellung der gemaßregelten Angestellten ausgesprochen. Nur ein Fall sollte später noch aufgeklärt werden. Die Einstellung ist inzwischen er- folgt, nur die Zeche Nordstern III/IV weigert sich, den Steiger Ackermann, die Zeche Arenberg-Forffetzung den Steiger Stein wieder einzustellen. Beide Angestellten haben sich bereit erklärt, im Interesse des Friedens auf einer anderen Anlage tätig zu sein, jedoch die Verwaltung bzw. der Grubenvorstand lehnt eine Wieder- einstellung und auch eine Vermittlung zur anderweitigen Verwen- dung ab. Die Verbände sowohl wie die Belegschaften dieser und der benachbarten Anlagen sind der Ueberzeugung, daß die Unter» nehmer eine Kraftprobe versuchen wollen, die von außerordentlichen Konsequenzen für die ganze Entwicklung im Ruhrrevier sein würde. Die Belegschaften haben bereits Stellung genommen, außerdem aber fühlt sich die gesamte Arbeitnehmer- schaft nicht mehr verpflichtet, das Ueberschichten- abkommen«inzuhalten, wenn die Voraussetzungen der Unterzeichnung durch emzelne Unternehmer nicht erfüllt werden. Die Organisationen sind augenblicklich mit der Beilegung des Kon- flikteS beschäftigt, die maßgebenden Instanzen sind ebenfalls in Kenntnis gesetzt. �Diese Differenzen werden, ob mft Recht oder Unrecht sei dahin- gestellt, mit der S o z i alt si e r u n g des Bergbaues in Ver- bindung gebracht. Einzelne Unternehmer sollen glauben,«ine Nichterfüllung des Ueberschichtenabkommen» mit nachfolgender Be- setzung des RuhrrevierS werde infolge der dann einsetzenden Hilfe des französischen Kapitalismus' die Soziälisierung zu Wasser machen. Und die Nichterfüllung des Schiedsspruches soll diesem Zweck dienen. Konfliktsstimmung in der Binnenschiffahrt. Zum Zwecke der Neuregelung der Löhne ab 1. Oktober fanden Verhandlungen zwischen den Partsien in der Binnenschiffahrt statt. Die Arbeitnehmer forderten eine Erhöhung der Löhne, weil die bisherigen Erhöhungen einen Ausgleich der gesteigerten Löbens- Haltung nicht herbeiführten und weiterhin eine erhebliche Steige- rung der Preise aller Bcdarssartikel zu erwarten ist. Die Arbeit- gcber verlangten eine Reduzierung der Löhne um 42,50 Mark pro Woche. In der Verhandlung ermäßigten die Arbeitgeber ihre Forderung auf Reduzierung der Löhne um 22,50 M, Die Arbeitnehmer mußten jode Reduzierung ablehnen, da keine Vevbilliguny der Lebenshaltung eingetreten, sondern mit einer Verteuerung zu rechnen ist. Da infolge der Haltung der Unternehmer keine Verständigung herbeigeführt werden konnte, haben die Arbeitnehmer beschlossen, das ReichsarbeitSmmisterium zum Zwecke der Vermittlung anzu- rufen. Gelingt es dem Reichsarbeitsministerium nicht, eine Ver- ständigung herbeizuführen und tritt gar ab 1. Oktober eine Re- duzierung der Löhne ein, so sind Störungen in der Binnenschiffahrt unvermeidlich; das würde eine Gefährdung der Kohlen- und Lebens- Mittelversorgung bedeuten. Bund der tcchntschcn Angestellten und Beamten. Am Freitag, den 2i. September, Lrtsvorständeversammtung abends �l|i Uhr in den Mufikerfestiälcn, Kaüer-Witbelm-Stn 31.— Fachgrupvenversammluna I e, Starkstrom: abends 7h, Uhr in den Musiterjestsälen, Kaijer-WUhelm- Stratze 31._ Wirtschaft Fortschreitende Konzentration. Die Deutsche Eisenhandel-Akt.-Ges. beicbloß die Erhöhung de? Aktienkapitals von 36 Millionen um 14 Millionen auf 50 Millionen vorzuschlagen. Die hierdurch neu geschaffenen Mittel dienen ledig- lich der Erweiterung des Konzerns durch Angliede« runq neuer Eisengroßhandelsfirmen. Zur Erweiterung der Linke-Hofmann-Werkc Akt.-Ges. Erhöhung des Aktienkapitals um 32 Mill. M. auf 64 Mill. M. Zur Begründung führt die Verwaltung das Folgende aus:.Durch die Transaktion mit den Lauchhammer-Werken werden die Linke-Hofmann-Werke, die jährlich rund 100 000 Tonnen Stahl verarbeiten, in ihrer raschen Liefersähigkeil und Leistungsfähigkeit für In- und Aiistand gehoben werden. Dia Lauchhammer-Werke verfügen neben einer Grau- und Stahl- g i e ß e r e i über Blech-, Stabeisen- und Rohr« Walzwerke und eine Radsatzfabrik. Schon in der wohlgeordneten Wirtschaft, wie sie vor dem Kriege in Deutschland vorhanden war, war die Abhängigkeit eines Verfeinerungswerkes von den Walzwerken zeilweise nicht angenehm. Tie politischen und wirtschaftlichen Verbältnisse, wie sie sich nach dem unglücklichen Aus- gange des Krieges gestaltet haben, haben diese Abhängigkeit schwierig gemacht. Nicht nur ist der laufende Fabrtkalionsgang durch nicht rechtzeitige Anlieferung der Walzprodukte wiederholt gestört worden, auch eine zeitweise scharfe Preispolitik der Schwerwerke hat die Lage der Verfeinerungswerke, insbesondere am Auslands« markte, ungünstig beeinflußt. Auch die Abteilungen für Loko« motiv- und Wagenbau werden in Zukunft ihre Aufträge zu einem bedeutenden Teile auS dem Ausland heranbolen müssen. Die rasche Lieferfähigkeit und eine gesunde Preispolitik wird dabei für den Erfolg ausschlaggebend sein. So manches Ver« feinerungswerk ist von Schwerwerken schon aufgenommen worden oder wird in ein Schwerwerk aufgehen müssen, um sich oas not« wendige Material zu sichern. Bei einem Verfeinern ngs« werk von der Leistungsfähigkeit und Größe der Linke-Hosmänn« Werke ist der umgekehrte Weg der gegebene gewesen. Das Kartoffelstärke-Syndikat gesichert— daS Trocken» kartosfel-Syndikat in Vorbereitung. Bis zu dem Meldungslermin am 20. September 1920 haben anstatt der vor« gesehenen M i n d e st b e t e i I i g u n q von 75 Proz. der gesamten deutschen Stärkeproduktion 83,6 Prvz. der deutschen Stärke« Produktion sich verbindlich zum Kartoffelstärke-Syndikat gemeldet. Für das Trockenkartosfel- Syndikat haben sich außer einer großen Landesgrupve genossen schnftlicher Trocknereien am 17. September d. I. in einer Enischsießung 60 Proz. der ProduktionSkrast der gewerblichen Kartoffeltrocknereien erklärt. Freigabe der Einsuhr für eine weitere Kiiffccmcngc. Wie auS dem ReichsernährungSministerium mitgeteilt wiid, ist der Kaffee» Einfuhr-Veretn ermächtigt worden, die zur Einfuhr von Kaffee zugelassene Menge aus daS Doppelte zu erhöhen; außer« dem ist eine beschränkte Menge zu sofortiger Einfuhr frei« gegeben warben. Die völlsige Freigabe der Kaffee. Einfuhr glaubt das Reichsministerium nach wie vor nicht vertreten zu können, zumal im Jnterc se der Finanzwittichafi die Einfuhr auf die wichtigsten Nahrungsmittel beschränkt bleiben muß. Vielleicht sorgt dos Reichsernährungsministerium auch dafür, daß den Verbrauchern die Preise für den einge- führten Kaffee auch bekanntgegeben werden, damit sie sich vor Wuchergewinnen gewissenloser Händler schützen lönnen. 10 Proz. Lohnabzug. Abzugsfreie Beträge beim Steuerabzug in Tabellenform von Jng. F. M. Hiisgen, Diisselborf-GerreSbeim. Selbstverlag des Verfassers. Postscheckkonto 23435 Köln. 3" 8 S. Preis 75 Pf. und 20 Pf. Porto. DaS Schritichen bringt die für den Arbeitnehmer und dessen untcrhaltungspfltchtige HmiShaltS- angehörigen— Ehefrau bezw. minderjährige Kinder— abzugs- freien Beträge, die dem Steuerabzug nicht unterworfen sind, in Tabellensorm, auS der sofort zu ersehen ist, welche Beträge bei der Lohn- oder Gehaltszahlung nicht besteuert werden dürfen. Vcrantw. für den redalt. Teil: Dr. Werner Pciscr, Charlotlenburg: für Anzeigen: TU. Giockc. Berlin. Verlag: Vvrwärls-Vertag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckerei u. Beriagsanlialt Vau! Singer u. Üo. Berlin. Cindenftr. 3. < I*.i>0jnjLjrc:tic;r Filcli* 436 ßeacQien Sie in meinen neuen ScOaufensiem die billigen Preise flir fertige Kleidung U I s i e r m Anfüge m. 350, 500.-5 Sehr preiswertes Angebot in Wettermänteln Stoffe r Paletots, Caincn-ftofläme, Meter 50.-, 100.-, ISO.-, 200. Mark. Nur langsährtge Verbindungen mit alidcwäbrten > ffabrtkanlen bürgen illr...... I Koch&S ffle yerrea-AozOge. Alster, palefa'_ cn illr preiswerte, gute Qualitäten. vs!!snci°n' b. H. Gegr-lSSZ. Oertraudtenstr. 20-21. Gegr.l8SZ.: n Tellzahlunj.SJ.Qarant. KronenlSM. Plomb. /ahnp 4 � 1,S0. Zahnziehen m.Einspr. höchst schmera- LullllU v. ü an jjn(j Umarb. schlechtsitz. Gebisse. Rep. sot Zahnarzt Wolf, PotsdamerStr. SS, Hochb. Sprechz, 9-7. 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