Nr. 475 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe B Nr. 100 Bezugspreis: B erteljöftcLSO,— aJÜ�monatUO,— Bit. fiei ms Saus, oorous lahlbar. Pou» bcsui? Monatlich 10,— Mt. e;fl.?u- itellunzsgedühr. Unter ÄteujbonO fix: Deiufchlano nnfl Oesterreich 16/ 0 MI. kür das übngi Tusland de: täglich einmal, ZuHelluno 21.50 Toft-f fteHungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Dane- mart. öollano..nrenxtnirg, Schweden und die Schweiz.—>5ingetraaen in die Voft-'eitungS' Preisliste. Oer„VorwaN?" mit der Sonntag»- beilage.Volt u.steir' encheini wachen- iaglich zweimal Sountaq« und Man- tags-inrna,. Tele gramm-Adreste .Sozialdemokrat Berlin** Abend Ansgabe Berliner PoIh�UUntt ( 20 Pfennig� Anzeigenpreis: Sie achtgeipaltene üionoareiOezeile toftetS,— M., Seueningszuichlag 50%. «Steine Anzeigen- das iett- gedruckte Won 1,— M. izuläfsig zwei »ettgedruckte Worte), edes weitere Won 60 Psg. Stellengesuche und Schlafitellenanzeigen das erste Wo« 63 Pfg. leöcs weitere Wort 40 Psg. Wone über 15 Buchstaben zählen für lwei Worte. Teuerunaszufchlaa 30°» �amilien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M. poiitiiche und»e- wertichaftliche Bereiüs■ An'eigen 3,— Ml. die gelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Ziummer Müssen bi« 5 Ahr nack mittags>M Sanotgeschäft. Berlin SW 3, Linden- Krage 3. adgegeden werden. iReäffnet oon 9 Uhr früh bis 3 Uhr abends. Zentralorgan der Ibzialdcmohrati feben Partei Deutfchlands Neöaktion und Expedition: SW. 68, Linden str. 3. Fernsprecher! Amt Morinvlan. Nr. RSl i»0— ISIS?. Freitag, den 24. September 15�20 vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. 68, Lindenstr.3. a-ernivrechrr: Amt Morinvlnn, Nr. 117 aZ— ii-l. Der Kampf um Groß-Serlm. Der Ausschuß Groß. Berlin der Preußischen Landes- Versammlung beriet über die zum Gesetzentwurf Groß-Berlin eingebrachten Abändern ngsanträge. Der dcutschnationale Abgeordnete L ü d e ck e verlangte von der Staatsregierung, daß sie de» Oberpräsidcntcn anweise, vorläufig den gewählten Ma- gistratsmitgliedern die Bestätigung zu versagen, bis die Be- ratungen über die Abänderung des Gesetzes erledigt sind. Staats- sekrctär Freund hielt das für selbstverständlich und wies darauf hin, daß ja ein Vertreter des Obcrpräsidiums den Ausschuß- Verhandlungen beiwohne. Bon sozialdemokratischer Seite wurden dagegen B e- denke» geäußert. Aller Voraussicht nach werde man mit den Beratungen bis zum 1. Oktober nicht zu Ende kommen. Dann würde dar Fall eintreten, daß in der neuen Stadt kein M a- g i st r a t, keine Instanz vorhanden ist, die die Geschäfte führen kann. Tie Verantwortung dafür lehnten die Sozial- demokraten ab. Durch die eingebrachten Abänderungsanträge sei im übrige,» eine ganz neue Lage geschaffen, so daß der Ausschuß seine Beratungen vertagen müste. In der Abstimmung wurde der deutschnationale Antrag, der die Ausführung des Gesetzes auf unbestimmte Zeit aussetzen wollte, mit 12 gegen 3 Stimmen der Rechtsparteien abgelehnt. Das Zentrum enthielt sich seiner Stimmen. Abgelehnt wurde auch der AbändcrungSantrag der Deutschen BolkS- partei, der das Gesetz erst am 1. April 1921 in Kraft treten lassen wollte. Sodann entspann sich eine Debatte über die Zusammen- s c tz u n g des Magistrats, namentlich über einen Antrag des Abg. Leid lU. Soz.), der verlangte, daß dem Magistrat mindestens 3 oder 3 oder Ist unbesoldete Stadträte angehören müsse». Diese Eventualanträge wurden jedoch sämtlich abgelehnt. Annahme fand dagegen ein Zcntrumsantrag, nach welchem der Ma- glftrat aus mindsstenS 30 Mitgliedern besteht, von denen mindestens 12 unbesoldet sein müssen. Gegen diesen Antrag stimmten nur die Sozialdemokraten, während der Bertreter der Un- abhängigen dafür war. Die Gewerkscbastsinternationale wehrt sich. Die Spaltungs- und Zerstörungsaktion der Tritten Intel nationale gegen die Gswerkschaften, die auf dem Mos- kauer Kongreß beschlossen wurde, ist mit der Veröffentlichung eines ellenlangen Aufrufes in Mehreren kommunistischen Blättern Europas eingeleitet worden, der die Unterschrift trägt:„Der Internationale Rat der Fachver- band e". In diesem Aufruf treten alle bekannten Anklagen der Linksradikalen gegen die„gelbe",„chauvinistische",„verrate- rische" Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale auf den Plan, die jedem, der einmal das zweifelhafte Vergnügen(je- habt hat, die ,Mote Fahne" auch nur drei Tage hinterein- ander zu lesen, zum Halse heraushängen. Schon aus diesem Grunde würden wir, auch bei besseren Raumverhältnisscn, uns und unseren Lesern den Abdruck dieses Aufrufes des .Internationalen Rates der Fachverbände" ersparen, den uns das Amsterdamer Bureau des Internationalen Gewerk- schastsbundes einsendet. Wir begnügen uns mit der Ver- öffentlichung der Antwort des Gewerkschastsbundes: Es liegt für den Internationalen GelverkschaftSbuni» kein An- laß vor. sich gegen diese unsinnigen Angriffe zu vertcidi- gen. die von etlichen Personen ausgehen, die nicht einmal den M u t aufbringen, ihren Namen darunterzusetzen. Immerhin soll darauf hingeU-iesen werden, daß dieser söge- nannte.Internationale Rat der Fachverbände" in Wirklichkeit nicht beste bt. Er bertritt niemanden; er ist nichts als Schwin- del und Bluff. Das geht säbon anI der Anmaßung hervor, im Namen der Getrerkjchasten Großbritanniens, Frankreichs, Italiens � und Spaniens zu sprechen. In Wahrheit sind die Gewerkschaften, dieser Länder ebenso wie die von 18 anderen Ländern dem Jnter. nationalen Gewerkschaftsbund angeschlossen. Die anonhmen Verfasser dieses Manifestes sind ent- weder bewußte Lügner oder armselige Ignoranten, die von den Grundsätzen, der Tätigkeit und den Zielen des Internationalen Gewerkschastsbundes keine Ahnung haben. Die Beschuldigung der Abhängigkeit vom Völker- bund und vom Internationalen Arbeitsamt liefert dafür den BeweiS. Der Internationale Gewerkschaftsbund hat seine Ui>abhängiqke>t gegenüber beiden Körperschaften stets streng gcwalrt und er hm sich wenn dies nötig war, gegen ihn gewendet, und er wtrd es auch weiter tun, wenn das Interesse der Arbeiter es erheischt. Di« Beschiikoigung, daß der?n*< rnationale GewerkschaftSbund macht WZ und eine Organisation von Gelben und Verrätern sei, wird widerlegt durch alles, was der Bund seit den wenigen Mona- ten seine? Bestandes getan bat. In Washington hat der Jnternmionale Gewerkschaftsbund den Völkarvund verpflichtet, dem deutschen und österreicht- schen Volke dieselben Rechte zuzusprechen, die sich die Arbeiter der anderen Länder erkämpft hatten. Als die österreichischen Arbeiter vor Hunger um- kamen, hat der Getverkschastsbund für Nahrung gesorgt und ihnen geholfen, ihre Organisation und ihre industrielle Kraft zu erhalten. Als der weiße Schrecken Ungarn zu Baden warf, war wieder der Internationale GewerkschaftSbund, der dagegen Alexander Millerand. Von I. Steiner-Jullien. Die französische Nationalversammlung— Kammer und Senat in gemeinsamer Sitzung— hat Herrn Alexander Millerand für sieben Jahre zum Präsidenten der Republik gewählt. Wenn man von einem politischen Ereig- nis hier sprechen kann, so doch nur von einem Ereignis, das von nicht sonderlicher Bedeutung ist. Die Rolle des Prysi- denten der Französischen Republik ist noch bescheidener als die -..des Königs von England. Die Wahl Millerands hat fedoch einschritt unv den Boykott über dieses Land verhängte. Und als insofern eine größere Bedeutung, als sie zum erstenmal in infolge der Situation zwischen Polen und Rußland neuerlich � �tten Republik auf Grund eines ausführlichen polt- ei» Krieg über die Welt hereinzubrechen drohte, war es gleichfalls fischen Programms erfolgte, mit dem der neue Präsi- der Internationale Gewerkschaftsbund und die ihm angeschlossenen �nt regieren zu wollen vor seiner Wahl angekündigt hat. Organisationen, dw den Transport von Waffen und! Die Neuerung ist nicht zu übersehen. Bisher waren es anderem Kriegsmaterial verhinderten.| in Frankreich die Regierungen, die nach ihrer Konstl- Einzig der Internationale Gewerkschaftsbund hat Taten auf- j tuierung ein Programm ausarbeiteten und es dem Parla- zuweisen, während seine Kritiker sich damit vergnügen, Mani- ment zur Billigung unterbreiteten. Künftig sind die Re- feste herauszugeben und sogenannte rep-olutwnz'-- zu � gierungen und die Kammern gebunden, das Programm halten. j M i l l e r a n d s auszuführen. Dadurch gewinnt die Stel- Der Internationale Gewerkschaftsbund wird auch in Zukunft lung des Präsidenten ganz außerordentlich an Bedeutung. bleiben, wcrs er in der Vergangenheit war. Er hat leine Jnstrnk- Und bei den Knmmerwnhlen, di-e in drei Dahnen stattflnden �.... xvixtz auch das französische Volk nicht anders können, als über das Programm Millierand abzustimmen. Wir müssen uns also etwas näher mit Herrn Millerand und seinem Programm beschäftigen. Der Politiker Mille- rand ist seit 1898, als er, der Sozialift, mit Gallifet, dem Schlächter der Kommune, in das republikanische Konzen- trationsministerium eintrat, das Waldeck-Rousseau bildete, eine so bekannte Persönlichkeit, daß man füglich sich ersparen kann, seine Biographie zu schreiben. Vom juristischen Beirat der Eisenbahnergewerkschaft hat es Herr Millerand zum ju- ristischen Beirat großer Kapitalgsfsllfchaften gebracht, worunter sich sehr wohl EifenboHngefellichoften befinden können. Ob das gerade ein Aufstieg ist, darüber darf man verschiede- ner Meinung fein. Jedenfalls spricht diese Tatsache für die Befähigung Millerands als Advokat. Derselbe Millerand, der 1896 die Ehre hatte, das gemeinsame Aktionsprogramm der damals noch— und bald wieder— nicht geeinigten Sozialisten zu verkünden, hat fetzt als Präsident der Republik das Aktionsprogramm der Bourgeoisie aufgestellt. Während dieses Vierteljahrhunderts hat Millerand mit wechselndem Geschick und Glück eine nicht unerhebliche Rolle 1 in der Geschichte Frankreichs gespielt. Es kommt ihm zweifel- ! los das Verdienst zu. die Sozialpolitik seines Landes modern isieist und in neue Bahnen gelenkt zu haben. Es ist ein Gesetz Millerand, das 1999 in Frankreich den Zehn- st u n d e n t a g für alle Betriebe, wo Frauen und Jugend- liche beschäftigt sind, eingeführt hat. Wir sind ja heute dar- über längst hinaus, aber damals war es, besonders für Frank- reich, ein gewaltiger Fortschritt. - Wenn man von Millerand spricht, denkt man unwillkür- lich an Briand und Viviani. Es charakterisiert die drei, wenn man sagt, daß die hauptsächlichste Reform, die mit Millerands Ministerschaft verbunden, der Zehnstundentag ist. Briand seinen Namen mit der Trennung von Staat und tionen zu empfangen, weder von rechts noch von links. Er wird sich jeder Diktatur widersetzen, komme sie nun von Moskau oder sonstwo. Er hat nur ein Ziel: die Befreiung der Arbeiter vom Joche ihrer Unterdrücker— ihrer politischen ebenso wie ihrer wirtschaftlichen. Der Internationale Gewerkschaftsbund wird der Moskauer Tendenz. die Arbeiter um politischer Zwecke willen zu entzweien, den proletarischen alten Schlachtruf entgegenstellen: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!" Das Bureau des Internationalen Gewerkschastsbundes: W. A. Appleton, Vorsitzender. L. Jouhaux, 1. Vizevms. C. Mertens, 2. Vizevors. E d o F i m m en, I. Oudegeest, Sekretäre. Ungarische Verseuchung(defterreichs. Wien, 24. September.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Da die ersten Enthüllungen der„Arbeiterzeitung" über die B e- foldung antisemitischer Hetzblätter und man- archistischer Inserate in Deutschöstrrreich durch die u n g a- rische Regierung von der Hortbli-Gesandtschaft bestritten worden waren, hat die„Arbeiterzeitung" Photographien der Dokumente veröffentlicht. Heute druckt sie den Brief einer christlichsozialen Zeitungskorrefpondenz an die Presscabteilung der ungarischen Gesandtschaft in Wien ab; der Brief bittet um E r» höhuug der bisher gewährten monatlichen Bei- Hilfe von 230 auf 500 Kronen mit der Begründung, daß die Korrespondenz Artikel»nd Notizen in der ganzen bürgerlichen Provinzprcsse verbreitet, die Ungarn nützen und die Leser für die Wiederherstellung der Monarchie zu gewinnen suchen. In einem weiter von der„Arbeiterzeitung" veröffentlichten"Schreiben macht das Ministerium in Budapest die Gesandtschaft in Wien darauf aufmerksam, daß das antisemitische Schmutzblättchrn „B o l k s st u r m" und das schwarzgclbe Offizicrsorgan„Staats-; �...., m r.:» wehr" mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie ein Kirche v�knupft Hot, Ehrend man auf Rechnung V'.vioni. österreichischer Oberst in Budapest berichtet habe. ES fei ein wich-! Wtzen kann. Und doch hol iß. Heran d bamit tigcS Interesse, den heutigen ungarischen Kurs durch geendet denn ljoher geht es Nicht mehr—, der Prasticnt materielleHilfefür diese Blätter zu u» t e r st ü tz e n. jedoch des nationalen Blocks zu sein und unter dem M.nisterium solle oas nicht durch direkte Geldbeträge, sondern durch A b- n n e- des- h e m a l l gen l.ur.stischen B e r a t e r s der Ellen- m e n t S geschehen! bahnergewerkschaft rst die lunstllche Aktion z u r A u f l o. sung des französischen Gewerkschaftsbundes und der Bcamtengewerkschaften unternommen worden... Doch kommen'wir zu dem Programm Millerands, nicht In dem ungarischen Militärlager von Zala-Egh- ? z e g ist aus übergelaufenen und verlockten österreichischen forderlichen Methoden befindet sich in der Nachbarschaft ein p o- l i t i's ch e s I n t c r n i c r t e nl a g c r... An der deutschöster- rcichischen Grenze hat Horthy eine ganze Armee zu Manövern zusammengezogen. Sein General Lang reist nach Paris, um die Ausrüstung und Bewaffnung für die ungarische Armee auszu- suchen. Diese dürfte gegenhunderttauscnd Mann stark sein, während das Friedensdiktat Nngarn nur 40 000 Mann zuspricht, und DeutschSsterrcich ans seine 30 000 Mann nicht nur beschränkt, sondern außerdem noch der schärfsten Kontrolle unter- worfrn wird., Aber ein französifch-ungarischer Geheimvertrag besteht natürlich nicht! firbeZterfrieöe in Italien. London, 24. September.(TU.) Die„Times" vernehmen aus Turin: Die Arbeiter der besetzten Fabriken stimmten gestern über die Annahme oder Ablehnung des mii der Regierung ge- 'chlosienen Vergleiches ab. Die Abstimmung ergab, daß 334 Fabriken für und 17 gegen die Annahme waren. begnügt sich nicht, in sein Programm die Ausführung des unausführbaren Vertrages von Versailles an erster Stelle aufzunehmen er verspricht sogar die v o l! st ä n d i g e(lvtä- xrsle) Ausführung des Vertrages. Gewiß kann semand, der Präsident der französischen Re- publik werden will, nicht anders reden, wenn er es nun ein- mal für notwendig hält, von der Tradition abzuweichen uno ein eigenes Programm aufzustellen. Wir wissen auch, und seit der Verkündigung des Programms von St.-Mand� weiß es jeder Franzose, daß ein Programm wohl große Worte � enthalten kann, ohne deshalb wörtlich genommen zu werden. Als Millerand von Spa zurückkam, sagte er in der Polemik, ! die sich zwischen Tardieu. Loucheur und ibm entwickelte ziem- ! lich unverblümt, daß der Vertrag von Verfalles unansfübr- ! bar ist. Man braudst also sein Programm in diesem P'mkte nicht tragisch nehmen. Nichtsdestoweniger kann man sicher sein, daß Millerand sich mit seiner massiven Hart- n ä ck i g k s i t Sinei Revision des Vertrages von Versailles widersetzen wird. , Es ist eine der Eigenschaften de? neuen Präsidenten der 'Französischen Republik, daß er auch eine schlechte Sache mit Hartnäckigkeit verteidigt. Und dazu muß man seine Be- mühungen rechnen, m il i t ä r i s che Bündnisse abzu- schließen. So ist es ihm gelungen, mit B e l g i e n ein Bünd- nis zu schließen. Man kann sicher sein, daß er niemals den Kampf gegen Sowsetrußland aufgeben wird. Nicht deshalb, well die Sowjetregierung keine demokratische Regierung nach dem Muster der Westmächte ist. Millerand ist frei von solchen ideologischen Anwandlungen. Er bekämpft Sowjetrußland, weil er die Erneuerung des Bündnisses mit Rußland erstrebt. Und deshalb unterstützt ex jetzt wohl Polen, ohne jedoch ein Bündnis mit ihm abzuschließen. In dieser Sucht nach Bündnissen erinnert Millerand stark an die Politik Bismarcks nach 1871. Millerand, der kein Deut- schenhasser ist, würde, wenn es ginge, selbst mit Deutschland ein Bündnis schließen.— �rnte irregeleitete Arbeiter! DaS Schicksal der etwa achtzig nach Rußland ausaewon- Herten deutschen Arbeiter hat in der deutschen sozialistischen Presse und Literatur eine eigentümliche Behandlung erfahren. Man sollte annehmen, daß jeder Sozialist, gleichgültig in welchem Lager er steht, vom rein menschlichen Gesichts- punkte aus tiefes Mitleid mit den durch falsche Lockungen verführten deutschen Proletariern empfunden hätte. Doch weit gefehlt! Gaben wir vor einiger Zeit schon aus der „Roten Fahne" Beispiele von Spott und Verachtung für die gutgläubigen Auswanderer, die doch nur ein Opfer jener demagogischen Phrasen geworden waren, so setzt Julian Borchardt in seinen kommunistischen„Lichtstrahlen" der unverhüllten Verhöhnung der Arbeiter die Krone auf. llÄer den Dittmannschen, seinerzeit von uns ausführ- lich behandelten Aufsatz„Mut zur Wahrheit" schreibt er: Was ist zu diesem Aufsatz zu sagen? Wir können nicht nachprüfen, ob sein JnhaW der Wahrheit entspricht. Aber wir nehmen das an(trotzdem also die folgenden Ausführungen! Red. d. vorwärts".), denn er enthält über die Zustchrde in Rußland nichts, was sich nicht jeder HalbwsgS intelligente Mensch schon vorher an den fünf Fingern abzählen konnte. Daß die Russen noch unsäglich schwer zu leiden, zu kämpfen und zu arbeiten haben, das ist schlechthin s«>l!bstverständlich. Nur ein Narr oder ein bis zur Blindheit selbstsüchtiger Egoist konnte etwas anderes er- warten. Und wenn deutsche Arbeiter wirklich hinübergegangen sind zudem Zweck, sich dort in ein warmes Nest zu setzen, so sind sie schlturmer als Egoisten. Die Russen können noch aus lange Zeit hinaus vom AuÄande nur solche Arbeiter brauchen, die ihnen bestimmte Qualitäten bringen, an denen sie Mangel haben. Wer heute nach Nußland geht, darf das nur tun in der bestimmten Absicht, den dortigen Revolutionäre zu helfen, mit ihnen zu ar- beiten, zu kämpfen, zu leiden und zu hungern, mit einem Wort: teilzunehmen an dem hevoischen Werke, in dem sie begriffen sind. Wer das nicht will, der bleibe gefälligst fern. Die Idee aber, daß die Russe« ja«un ihre Revolution gemacht haben, und daß es an- genehm und bequem sei hinzugehen und die Borteile der Revolution perflulich einzuheimsen und sich auf diese Weise zugleich von der Revolution in Deutschland zu drücken— eS w i d o r st e h t uus> diese Idee so zu bezeichnen, wie sie es verdient. DaS Sprichwort:„Wsr den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen," sollte man gerade deutschen ArbeitSgenossen gegenüber nicht anwenden, wenn man nur eine Spur proletarischenGemeinschafts- empfinden s besitzt. So kann man nur zu jenen der- höhnten Arbeitern das in vollem Ernste sagen, was Borchardt mit beißendem Hohn äußert: Arme, irregeleitete deutsche Arbeiterl Verlegenheitsgestammel. Fn der„Freiheit" veröffentlicht Adolph H o f f m a n n in eigenem Namen, da seine Freunde Däumig, Stoecker und Koenen sich„seines Wissens sämtlich auf Agitation befinden". eine langatmige Erklärung, in der er zu begründen sucht, weshalb der bekannte SpaltungSaufruf nicht in der„Freiheit", fon- dern in der„Roten Fahne" zum Abdruck kam. Um die Versendung Herbftsonntag an öer Güer. Von A rt u r Z i ck l e r. Ein glasklarer Sonntag. Wohlgemut zischt die Breslauer Dvambahn durch die blanken Straßen, die heute kein Werkeltags- lärm erfüllt. Die Arbeiter, die mit ihren Frauen und Kindern die Bürgersteig« entlanggehen, haben einen anderen Schritt und friedlichere Augen als in der Wochentagsfrühe, haben weniger Hast, weniger Sorgen und sind ausgeruht. Der Wind, der durch den schlenkernden Anhänger streicht, ivird fühlbarer, je weiter wir ins Außen land kommer». Eine Oderbrücke. Still bangen Krcmketten über dem tändelnde,» Wasser. Laubenkolonien. Endstation. Bauernfrauen mit Obstkörben. Drehvrgelg«:ön: Luftschaukeln, Ka- russells, Wurstbuden, Mngelbuden, Würfelbuden und Ausschreier. „Die allein echte Wan-Eta-Schokolade."—„So ein Hosenträger kostet im Laden alleene seine 40 M. Bei mir... Ihr wullt nich? Schlacht eich een Nagel ins Kreize.I" Ich steige in die Gondel einer Schaukel. Das«Mädchen von flamschen Blut" quengelt aus dem Drehorchester. Alles hebt und senkt sich: Blonde Kinderköpfe, Mädchenschürzen, grüne Wiesen. waldiM Ferne und die müde, helle Herbstsonne auch... D-chinten bleibt der Trubel Eine Ahornallee. Weidenbüsche drüben am Stromufer. An der Wegkreuzung kniet ein Alter, den bloßen Kopf von dünnen, toeißen. letzten Haaren überweht, und dreht einen winzigen Leierkasten, so groß wie ein« Kaffeemühle. Ein alte» Menuett, das sich selbst schon halb vergessen ha,, quält sich in den Wind. Alter, welche Straßen der Welt bist du einmal, so jung wie ich, gegangen, und an welchem Kreuzweg verwimmcrt einmal mein Lebenslied?... Zwischen den Weiden. Ein Boot mit Fuwganenschcnfracht treibt langsam die Oder hinunter. Einer spielt ein alles Wanderlied auf der Trompete. Man hört die Klänge in die fernen Wälder gehen. vorbei... Es duftet Herbst. Aus dem Heu. der Erde, den Bäumen, der Luft. An so einem Tage hat Heine vor so einem Lichte gestanden: Sonne, du klagend« Flamme! Die Birken hängen tief wie die Weiden, in rotem leuchtenden Laub. Der Mond, blaß wie ein Traum, wartet auf die Dämmerung, ein Bogel schreit wo, ein Frösteln kommt von den Niederungen. Der Strom gleitet bleich dahin. Bald umfängt mich die abendliche Schönheit der fremden Stadt. Die Mirandolma von Goldoni. Im Theater an der König- «rätzer Straße ist ein liebenSwücdig-heitereS Lustspiel de? venezianischen BuhnenversorgerS, den man etwa« übertrieben den stalieischen Moliäre deS 18. Jahrhunderts genannt hat, wieder auf- gefrischt worden und hat nicftt immer den verdienten Beifall g«- stmdeil. Es ist ei« roilokomäßig tändelndes, nettes, gut gebaute» habe er sich nicht gekümmert, so sagt er sorglos, während man doch annehmen sollte, daß bei der Versendung eines derartigen Schriftstückes allerhand Sorgfalt ausgewendet werden müßte. Dann schildert et den„einfachen Tatbestand", wozu die„Freiheit" la- konisch bemerkt, daß ebensowenig wie ihr selbst der„Leipziger Bolkszeiwng" der Aufruf zugegangen sei. Und das war wohl, trotz wohlstilisierter Gegenerklärungen, der Wille der Absender. Die „Parteigenossen" der U.S.P. handeln wirklich„parteigenössisch" gegeneinander! Tie Stellung der Organisationen. NuH zwei Versammlungen der Unabhängigen in Kassel wurde eine Resolution angenommen, die den Anschluß der U.S.P. an die Dritte International« fordert.— Aus Frankfurt a. M. ist nachzutragen, daß die Versammlung der Unabhängigen nach Re> feraten von Däumig und Crispien, in denen sich Däumig offen für eine Spaltung der Partei ausgesprochen hatte, mit 620 gegen 475 Stimmen den Anschluß an Moskau forderte; ebenso entschick» sich eine außerordentliche Kreisgeneralversammlung der Unabhängigen in Höch st— Homburg— Usingen.— Nach lebhafter Diskussion wurde von den Unabhängigen Sang er- Hausens nochmalige Verhandlung mit dem Moskauer Exekutiv- komriee gefordert.— Abgelehnt wurde der Anschluß an Moskau von der Mitgliederversammlung der U.S.P. in Schkeuditz bei Halle, während der siebente Berliner Distrikt von einer ent- scheidenden Resolution über die Frage der Internationale Abstand nahm. Die Spalwng vollzogen! Unter den Organisationsankündigungen der„Freiheit" finden wir eine kleine Notiz, die die Situation innerhalb der U.S.P. besser kennzeichnete als lange Leitartikel. Sie lautet: 8. Distrikt. Heute abend, Handzettelverbreitung zur Distrikts° Generalversammlung.— Sonntag, vormittags 10 Uhr, Distrikts- Generalversammlung in der Viehhofsbörse.— Sonnabend, abends 7 Uhr, zwei Fraktionsversamm- l u n g e n: für die Moskowiter in der Schulaula, Eckert- straße 16. Referent: Genossin Geyer. Für diejenigen Ge- nassen, die den Anschluß an Moskau glauben nicht vollziehen zu können, in der Schulaula, Riga er Straße 81. Referent: Genosse R« tisch lag. Der Zersetzungsprozeß in der U.S.P. ist also schon so weit ge- diehen, daß beide Fraktionen nicht mehr gemeinsame Versamm- langen abhalten. WaS wohl die„Moskowiter" zu dem leisen und nicht unberechtigten Spott der„Freiheit" sagen werden? Wo bleibt Sie Verfassung� Vom Vorstande des Bundes entschiedener Schul- reformer wird uns geschrieben: Nach Artikel 148 Absatz III der Verfassung soll jedem abgehenden Schüler ein Exemplar der Verfassung mitgogef»en werden. Wo ist dos bisher ge- fchehen? Weshalb sorgen Reichsminister des Innern und Kultus- minister nicht dafür, daß wenigstens in dieser Weis« die Verfassung beachtet, bekannt und geachtet wird. weShafb drängen nicht allenthalben in Parlamenten und Gemeindevertretungen die verfassunggebenden Parteien darauf, daß auf diesem Wege staatsbürgerliche Aufklärung in die Massen, besonders der„G-bildeten", getragen wird? Unsere ganze Hoffnung ruht doch in der Jugend! Konflikt in Oppeln. Oppeln, 24. September.(TÄunion.) DaS Gewerk söhqft S- kartell Oppeln wird sich heute in einer Sitzung mit der Er- schi-eßung deS Arbeiters Franz«! durch eine französische Militär- Person beschäftigen. In Oppeln herrscht starke Erregung. Seit gestern durchziehen französische Patrouillen die Straßen. Gegen die Führer der Gswerkschasten und der politischen Parteien, die die Protestkundgebung gegen die Neutralitätsverlctzung Qbcrschlesiens am 17. August in die Wege geleitet haben, u. a. auch gcgsn das Mitglied des Reichstags, Ehrhardt, ist«in Per- fahren vor einem interalliierten Sondergericht im Gange. Stück Mirandolina, worin die tüchtige brave Wirtin dem um- schwärmenden Aristokraten eine Nase dreht, den bärbeißigen, rauhen Verächter irre macht und dann sitzen läßt, um zum Schluß den ebenso tüchtigen Kellner zu heiraten. Gesunder bürgerlicher Geist, gemäßigte Fronde gegen den Adel geben die historische Situation der EnlstehungSzeit an. Man spielt das Stückchen immer, wenn man für die Wirtin ein« gute Besetzung hat. Die Duse. die Sorma, hat ihr ihre Feinheit und Anmut geliehen, jetzt heißt sie Else Heims, die vom Deutschen Theater herüberkommt. Sie gibt der Wirtin einen Schuß Robustheit und einen Stich in das holländische, derbere Sittenbild. Sie zeigt ibre ganze lleberlegenheit im Spiel mit den Puppen undlsteckt mit ihrer immer munteren Laune da« Publikum an. Die verschiedenen Typen des Reichen, des Armen und die des weiberhassenden Aristokraten waren durch die Herren Riemann, Brandt, Salfner charaktcristilch vertreten. Der Kellner tvar Ernst Pröckel. Man unterhielt sich recht gut bei den Versen Goldonis.-r- Der Gemischte Chor Groß. Berlin leine erst in diesem Jahre zusammengetretene Sängerschar) gab am DicnSiag in der Neuen Welt sein erstes Konzert, das dank der aukmerksamen Hingabe der Sänger sowie der sicheren umiiibtigen Leitung de« CfjormeisterS Hermann S ch e r ch e n mit Recht als ein Erfolg gellen kann. Der ganze romantische Zauber, der zart und duslig den klangrcin vor- getragenen Schöpfungen Schubert?, Schumanns, Löwes und Hegars entströmte, kam voll zur Geltung: namentlich in Schuberts .Lindenbaum". Außerdem brachte das Programm zwei russische Revolutionskompositionen vom Jahre 1005, von denen der„Rot- gardiitenmarsch" wohl kaum Begeisterung zu erwecken vermag. Eine Ergänzung fand da« Programm durch die Mitwirkung de« Schüben- Quartetts. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf eine häufig austretende Unsitte aufmerkiam machen: den störenden Beifall bei mehriätzigen Musikstücken. Die ganze Stimmung ging z. B. bei Beethovens Streichquartett verloren. Durch einen Hin- iveis auf Programmen ließe sich vielleicht allgemein dieier den Genuß beeinträchtigenden Unsitte steuern. E. Schiller-Theater: Bettins Verlobung, von Leo Lenz. Das Lenzsche Lustspiel, das in Berlin noch nicht gespielt ist, fand bei flotter Aufführung im Schiller-Theater eine sehr freundlich« Aufnahme. Ter Autor tonnte im Kreise der Tarsteller wieder und wieder erscheinen. DaS Stückchen, das im ersten Akt die Be- fürchtung erregte, es möchte ganz in der konventionellen Familien- blatiart stecken bleiben, gewann im weiteren Fortgang und nainent. lich in seinem hübsch erfundenen Schlußakt individuellere Züge. Tie alten Requisiten sind in so geschickter Weise umgestellt, daß man mit Anteilnahme verfolgt, wie der Verfasser die kleine Liebes- geschichte, deren Ausgang im Resultat jeder Zuschauer voraussieht, doch unterhaltsam über einen Abend ausspinnt. Sympathisch be- rührt die Einfachheit der Mittel, der Verzicht auf alles Heran- zerren errechneter Affekte, wie der Takt, mit welchem das Ver- hältnis des als verspäteten Werber? auftretenden SchwerennöterS zu dem bereits verlobten Mädchen und das Hinüberwechseln zu dem neuen Bund behandelt wird. Ein gedämpfter und auch warmer GesühlSton klingt da mit an; nach den Frivolitäten, mit denen man Komödi« heute aufzuschmiuleu pflegt, berührt er um s» Wohl» Milleranüs Programm. B e r s a i l l e s, 24. September. Nach der Sitzung der National- Versammlung übergab Justizminister l'Hopiteau Milleraud die Urkunde seiner Ernennung zum Präsidenten der Republik und brachte ihm im Namen der Regierung feine Glückwünsche dar. Millerand antwortete u. a.: Das siegreiche Frankreich muß seine Ruinen wieder aufbauen. es muß seine Wunde« verbinden, und um dies zu erreichen, muß es die vollständige Durchführung aller auf der Grund- läge des Bersailler Friedensvertrages ihm gegenüber eingegangenen Berpflichtungen erlangen. Eine neue Parole ist ins Leben gerufrn worden, die französische Demokratie muß im Einvernehmen mit ihren Alliierte» über den Fortbestand und ihre weitere Entwicklung wachen. Der Präsident der Republik hat die besondere Aufgabe, unter Mitwirkung der Minister und der Präsidenten der Kammern die Fortsetzung einer Außenpolitik zu sichern, dir unseres Sieges und unserer Toten würdig ist. Die Rede Millerands wurde mit lang anhaltendem Beifall auf- genommen. Tarauf begab sich der neue Präsident inS Ellstee, wo ihm der Justizminister das RücktrittSschreiben des Ka- binetts überreichte. In einigen bewegten Worten dankte l'Hopiteau dem gewesenen Ministerpräsidcntrn für das große Per- trauen, das er seit der Bildnng des Kabinetts dessen Mitgliedern entgegengebracht habe. Hierauf stattete Millerand den Präsidenten der Kammer und des Senats einen Besuch ab und empfing die Vorsitzcndcn der verschiedenen Parlamentsgruppen. Er erklärte ihnen, daß er zur Fortsetzung des unternommene« Werke? darauf zähle, mit den Mitgliedern dcS Parlaments in enger Fühlung zu bleiben. f)iie über Kohlenversorgung und Preisabbau Zürich, 24. September.(TU.) Reichstag Sobgeordncter Otto H u e aus Essen hielt gestern hier aus Einladung der deutschen Handelskammer in der Schweiz vor einer sehr großen, teils schwer- zerischen, teils deutschen Hörerschaft einen eindrucksvollen V o r- trag über die Kohlenversorgung mit besonderer Be- rücksichtigaing der Schweiz. Hue warnte u. a. davor, auf die Kohlenausfuhr aus Amerika, mit der die Schweiz gegenwärtig rechnen müsse, zu große Hoffnungen zu setzen. ES müsse im Interesse der europäischen Kohlenförderung auf alle Fälle vermieden werden, militärische Beunruhigung in da? Ruhrrevier und nach Obz-schlescen hincinzülragen. Deutschland wird sich ehrlich bemühen, seine Verpflichtungen zu er- füllen, um auch die neutralen Staaten entsprechend den abge- schlossenen Verträgen zu versorgen. Aber Deutschland sei nicht Herr seiner Kohle, da jede Tonne von der Entente kontrolliert wird. Die Entente müsse im eigenen Interesse Ver- nunft und Menschlichkeit walten lassen. Unter dem Druck von Versailles und Spo kann der deutsche Bergarbeiter unmöglich arbeiten. Es müsse Gewißheit dafür geschaffen werden, daß nichts Menschenunmögliches von den deutschen Ar- beitern verlangt wird. Tann werden sie es an ihrer Bereitwillig- keit nicht fehlen lassen. Hue vertrat den Standpunkt, daß der Abbau der Preise bei den Kohlen beginnen müsse. An den Vortrag schloß sich ein von der deutschen Handelskammer gegebenes Essen, auf dem Syndikus W i r t h besonder» die Schweizer Gäste begrüßte. Er betonie, daß die Schtveiz und Deutschland sich gegenseitig ergänzen und aufeinander augewiesen seien. De r kse n- Basel betonte, daß für eine gesunde Entw.ck» lung da» Verschwinden der retardierenden Elemente in den amt- lichen Vertretungen Teutschland» besonders wünschenswert, wäre. Ausweisung. Der Redakteur des kommunistischen„SZolkSrecht" in Aussig a. d. E., ein Reichsdeutscher nainenS Franke, wurde von Beamten der Prager Staatspolizei um 2 Uhr morgen« aus seiner Wohnung geholt und in einem Auto über die nahe Grenz« nach Sachsen geschafft, wo er freigelassen wurde. Derartige Verfolgungen sind natürlich nicht geeignet, die kom- mun-istische Agitation in Deutschiböhmen zu schwächen. tuender. Die Hauptfigur, die Alfred Braun vorzüglich heraus- brachte, sticht, wenn auch auf Mädckenschwärmereien zugeschnitten, von dem sonst in diesem Rollenfache hergebrachten Typus doch recht erheblich ab. Die selbstgefällige Eiteltcitsmanier des Salonlöwen liegt diesem im Grunde frischen und liebenswürdigen Burschen durchaus fern. Auch der entthronte Bräutigam und die Düpecie, mit der er von dem überlegenen Rivalen, den er für seinen besten Freund bält. heimgeschickt wird, sind s» gewendet, daß sich nichts Peinliches in das Gefühl der heiteren Schadenfreude mischt. Dieser korrekt diplomatisch« Streber erhielt durch Herrn Dietrich von Oppen eine charakteristische Verkörperung. Anneliese Würz qab eine muntere und lustige Bettina. Auch die Nebenrollen waren durchgehend gut besetzt. ät. Der Roman einer Frau. Das Trianontheater hat jetzt Lothar Schmidts so betitelten Schwank tder früher anders hieß) ist den Spielplan gesetzt. Eins von den Stücken, die alles, was sie sind und geben, aus dem Revier der ebelichen Seitensprünge holen. Eine Frau, die dies Revier liebt, schreibt einen Roman, bat Erfolg, bält ihre Autorsckmft gebeim, und all das führt eines Tage? in ihrem Kreise zu der Annahme, das Bankguthaben, das ihr aus den Romanhonoraren erwachsen ist, sei auf den absonderlichen Wegen jenes Reviers erworben. Mit allerlei in manchem sehr heiter dargestellter Komik wird dieser Irrtum erzeugt und wieder erledigt. Ohne tüchtige Spieler aber bliebe das Stück ein Nichts. DaS Trianontbeater konnte mebrere solche Kräfte einsetzen. Vor allem Ida Wüst und Rosa Valetti. Vollblut lebensvoller Komik die beiden: ihre Rollen federten vor Lustigkeit. Für den ohnungs- losen Gatten der Romanschreiberin fand Julius F a l k e n st e i n eine in etlichen Situationen spaßig wirkende Form. An Beifall fehlte es nicht. Es gibt eben ein Publikum, dem all da«, was ein Stück wie dieses bietet, ausnehmend gefällt. DaS neue Drama Ern!t Doller». Mass« Menich', welches bisher von der Zensur verboten war. ist, wie uns der Verlag Gustav Kiepenbeuer mittellt. nunmehr sreigegeben worden. Es wird noch in dieier Spielzeit an mehreren großen Bühnrn zur gleichzeitigen Urauf- sührung kommen. Hilda Weqnrr. durch die Rezitation der„Perlet' des Aiichvlo« im Bechsteiniaal bekannt, wird am 0. Oktober im Meistersaal das Mysterium . D er T o d Sl d a m S' des österreichischen Poeten Franz Spunds srei aus dem Gedächtnis sprechen. Walter von Dtolo bat sein neuestes Schauspiel»Die belle Nacht' zu» Berliner Erstaufführung dem neu gegründeten Theater in der Hardenbergstraße überlassen. Tie nengegrüdcte Hallesche ZZolkSbiihne zählt bereits 4000 Mitglieder. Friedrich Gundolf über Stefan George. Friedrich Gundolf von der Heidelberger Universität, der kürzlich eine Berufung an die Berliner Universität als Nachfolger Erich Schmidts ablebnte. veröstensticht demnächst bei Georg Bondi eine erste zusammenlaffende Gesamtdarstellung vom Wert und Wollen Stefan Georges. Gundolf gehört zum Kreise dieses Dichter». Rest Langer eröffnet Ihre dlesjzbrigen Vortragsabende mit zwei Heine-Abenden in der Berliner Sezession am 4. und 7. Ottober. Einstein in Leydeu. Die holländische Regierung genehmigte die Er- nennung von Pros. Dr. Einstein zum außerordentlichen Professor der Rawr- Wissenschaften an der U«iverfität in Lehden. GroßGerlm Pläne gegen üas»rote öerlin.� Die Deutfchnansnalen, die Volksparteiler und das Zentrum wetteifern anscheinend um den Ruhm, mit den besten und radikal� sten Borschlägen das gegenwärtige Berlin unmöglich zu machen Sie werden, davon sind wir überzeugt, nun, nachdem die Ma- gistratswahlen unter Nichtbeteiligung der Bürgerlichen erledigt sind, ihre Anstrengungen verdoppeln. Die Deutschnationalen de- antragen als Gegner des Gesetzes überhaupt, Vertagung des Gesetzes auf unbestimmte Zeit, die Volksparieiler neben anderem Hinausschiebung bis zum 1. Oktober l.S21, und das Zentrum hatte bekanntlich die Forderung gestellt, daß unter den SO Magiftratsmit gliedern 12 unbesoldete sein müssen und daß die erstmalige Er nennung der Bürgermeister der Bezirksämter durch den Berliner Magistrat wegfällt. Am 22. September brachte es in der preu- ßischen Landesversammlung plötzlich noch den Antrag ein, der einen Ausschutz von 28 Mngliedern mit der Ausarbeitung von Abände- rungsvorschlägeu binnen acht Wochen betrauen und bis zum 1. April 1021 jede finanzielle Ausgabe und jede Wahl eines Be- amten an d'e Genehmigung eines zwolfgliederigen Finanzaus- schusieS knüpfen will. Alle Vorschläge laufen also auf eine möglichst lange Ver- schlcppung des neuen Berlin und eine völlige Festlegung der ge- samten Verivaltung hinaus. Wohin das in der Praxis führen würde, ist unschwer zu erkennen. Offenbar ist dem Urhebern des Antrags nicht zum Bewußtsein gekommen, daß sich auch nicht eine der Grotz-Berliner Gemeinden eine derartig unwürdig«, die ganze Verwaltung hemmende Bevormundung durch einen Finanz ausschutz gefallen lassen würde TaS„Berliner Tageblatt" betont bereits in seiner Morgen» auSgabe vcnh 23. September, daß der Ausschutz der preußischen Landesversammlung, welchem die sämtlichen Anträge überwiesen würden, vor einer schweren Aufgabe nicht nur der Stadt Politik, sondern der Staats Politik gestellt sei. Eine glückliche Lösung hänge in der Hauptsache von der Haltung der Demokraten ab. Das Gesetz könne zwar ohne die Sozialdemokraten gemacht werden, allein Aufgabe der Demokraten sei es, dafür zu sorgen, daß das neue Gesetz mit der Sozialtdemokvakischen Partei zustande komme, deren Redner pch bereit erklärt habe, im Ausschutz mit» zuarbeiten, damit alle Parteien zu ihrem Rechte kämen. Wir müssen es unserer Fraktion in der Preußischen Landes Versammlung überlassen, inwieweit sie den bürgerlichen Abände- rungsvorschlägeu des Gesetzes Grotz-Bcrlin Folge zu geben geneigt ist. Daß die bürgerliche» Parteien mehr erreichen wollen als eine bescheidene Anteilnahme im neuen Berliner Magistrat, ist ohne Zweifel. Denn wenn man auch nur dem Geschrei der demvkra tischen Wortführer in der Preuhischen Landesversomimlung über die Unfähigkeit fast aller Neugewählteu Glauben schenken sollte, so würden die vor den Augen der Bürgerlichen Gnade findenden sozialistischen Magistratsmitglieder außerordentlich gering sein. Welche Matznahmen die Proutzische Lanidesversammlung gegen den ver- hatzten neugewählten Magistrat unternehmen wird, bleibt abzu» Warten. Zunächst macht die bürgerliche Presse die Regierung scharf, die am Donnerstag vorgenommene Wahl nicht zu bestätigen. Die Zeiten von ehemals, in denen das Wort N i ch t b e st ä t i g u n g in der Arbeiterklasse höchste Erbitterung auslöste, soll zwei Jahre nach der Revolution ihre Auferstehung seiern. RegievungS- Präsident und Minister des Innern sollen zu willfährigen Bütteln engstirniger Bureautraten herabgewürdigt werden. Noch können wir eS nicht glaube, i. daß der Gang der Entwick- lung Halt machen soll lediglich deshalb, weil eine bestimmte, bisher bevorrechtete Bevölkerungsschicht stch mit der Neuzeit nicht abzu finden vermag. K. W. ver Naubmorü in See Linienstraße. Aussage« über den mutmasslichen Täter. Das neue Kapitalverbrechen beschäftigte die Kriminalpolizei die ganze Nacht hindurch. Die ersten Ermittelungen erstreckten sich darauf, Personen ausfindig zu machen, die die Lebensgewohnheiten des erplovdeten Kaufmanns Engelmann und seinen Verkehr kannten, sowie auf solche, die am gestrigen Nachmittage irgend etwas Verdächtiges wahrgenommen haben. So wurde festgestellt, daß Engel» mann mittags gegen 1 Uhr zum letzten Male gesehen worden ist. Eine Frau beobachtete ihn um diese Zeit, als er sich an seinen BIu» men vor den Fenstern zu schaffen machte. Einen wertvollen Finger. zeig für die weiteren Nachforschungen der Kriminalpolizei ergibt die Beobachtung einer gegenüber wohnenden Geschäftsfrau. Tie Frau sah, als sie um iV, Uhr vor der Tür ihres Ladens stand, aus dem Hause Linienftratze 73, in dem das. Verbrechen begangen wor- den ist. einen Mannvon etwa28 bis 30 Jahren treten, der einen sehr verstörten Eindruck machte. Gerade sein unsicheres Wesen fesselte die Aufmerksamkeit der Frau. Der Fremde sah sich zunächst nach allen Seiten um und ging dann raschen Schrittes in der Richtung nach dem Rosenthaler Tor zu davon. Unter dem Arm trug er ein kleines Paket. Es ist leicht möglich, daß es der Täter mit seiner Beute war. Dieser Mann, der jetzt von der Kriminalpolizei eifrig gesucht wird, ist mittelgroß, hat einen kurz» geschnittenen Schnurrbart und trug einen hellen Mantel und einen hellen, weichen Hut. Der Kampf, den der Mörder mit seinem Opfer geführt hat, mutz sehr heftig gewesen sein. Unter der Leiche lag auch noch ein Hammerstiel. Verletzungen am Hinterkopf lassen darauf schließen, daß der Mörder dem Siebzigjährigen zunächst einen Schlag mit emem Hammer auf den Kopf versetzt hat, bei dem der Hammer sich vom Stiele löste. Das Messer, mit dem er dem alten Manne, der trotz seiner Jahre noch sehr rüstig war und einen viel jüngeren Eindruck machte,' die Kehle glatt durchschnitten hat, war ein Schustermesser, das ebenfalls neben der Leiche liegend auk- aeftlnden wurde. Der Blutverlust des Ermordeten war sehr groß Auch der Täter mutz sich stark mik Blut besudelt haben. Die Hände hat er sich im Zimmer gewaschen und an einem Handtuch abge- trocknet, da? gleichfalls stark mit Blut beschmutzt war und aus der Erde lag. Di« Beute des Raubmörders steht noch nicht genau fest. Dieser bar nicht nur alle Kästen und Schubladen durchwühlt und eine Kassette geleert, sondern auch, wie die offenstehende Weste er» kennen ließ, die Kleidungsstücke durchsucht. Die Uhr hat er seinem Opfer von der Kette gelöst. Die Taschen enthielten weder ein Portemonnaie noch eine Brieftasche. Nachdem die Leiche durch den Gerichtsarzt untersucht und durch den Erkennungsdienst photo- graphisch aufgenommen worden war, wurde sie nach dem Schau- Hause gebracht. In einer amtlichen Bekanntmachung, die heute an den Anschlagsäulen erscheinen wird, setzt die Kriminalpolizei auf die Ergreifung des Täters eine Belohnung von 5000 M k. Alle Personen, die irgendwelche sachdienliche Mitteilungen machen können, werden ersuckt, sich im Zimmer 52 bei der Mordkommission Engelmann zu melden., Der kleine Kapp in der Privatschule. Die größte Privatknabenschule in Groß-Berlin ist die von «.Ohmstede mit zwei Vorschulen. Sie hat 085 Schüler. Der Direktor erzielt nach eigenem Zugeständnis einen Be-l Die K. G. vor Gericht. Zum Beginn der heutigen Verhandlung gegen die Weißenseer Kommunisten verliestt der Vorsitzende ein Schreiben des den Ange- klagten Krüger behandelnden Arztes aus dem Virchow-Kranken- Haus. Der Arzt legt gegen die tagelange Vernehmung und Abwcsen- heit Krügers aus dem Krankenhaus Verwahrung ein und er- klärt, daß der Heilungsprozetz des Patienten, der immer noch Fieber habe, durch die ständige seelische Erregung beeinträchtigt werde.— Landgerichtsdirektor Ernst stellt ausdrücklich fest, daß er nach der Vernehmung Krügers diesen gefragt habe, ob er nicht in das Krankenhaus zurückgebracht werden wolle. Der Angeklagte wünschte jedoch ausdrücklich der ganzen Verhandlung beizuwohnen. —• Der sachverständige Geh. Mevizinalrat Leppmann bestätigt, daß die Aufregung im Gerichtssaal dem Kranken nicht zuträglich sei und der Angeklagte willigt schließlich ein, ins Krankenhaus zu- rückzukehren. Hierauf wird in de>. Vernehmung der letzten Angeklagten fortgefahren. Die Angeklagten Wedow, Dochow und Jakob bestreiten, irgend etwas von einer Kampforganisation zu wissen.— Der nächste Angeklagte Ernst Franz, der Mitglied der K. A. P. D. ist, gibt zu, die K a m p f o r g a n i s a t i o n vom Hörensagen zu kennen. Er selbst habe einer Sportvereinigung ange- hört.— In diesem Augenblick erklärt Rechtsanwalt Lump'„Der Angeklagte hat schon einmal gesagt— Vors. unterbrechend: Das habe ich alles auch gehört, was Sie sagen wollen.— Rechtsanwalt Lamp: Sie haben ihn aber nicht verstanden.— Vors.: Ich weise Ihre Kritik zurück und bitte, mich nicht zu unterbrechen. Der Ange- klagte.Krüger hat selbst zu Protokoll gegeben, daß der Angeklagte Ernst Franz bei der K. O. Soldai, Franz sen. dagegen Radfahrer- Kurier war.— Angekl. Krüger: Als ich das sagte, war ich nicht bei Besinnung. Es folgt dann die Vernehmung des Angell. Michaelis, der von fast allen Verhafteten als der Haupturheber bezeichnet wurde. Er sagt aus: Als icki aus der Kriegsgesangenichaft zurückkam und die Verhältnisse in Berlin sah, kam ich bald zu einer anderen Ueberzeugung, als zu Anfang des Krieges, als ich mich freiwillig inS Feld gemeldet hatte. Die Wirtschaftskrise machte meiner Existenz als Kaufmann ein Ende, meine politische Auftassung stand der der Kommunisten ziemlich nabe. Wäh- rend des Kapp-Putsches bekam ich in Weitzensee Anschluß an revoultionäre Arbeiterkreise und trat damals der sogenannten „Roten Armee" bei. Als diese dann als solche aufgehört hafte, schloß sich eine Anzahl revolutionärer Arbeiter, die mit der Haltung der Regierung unzufrieden waren, enger zusammen, um Matz- nahmen zu treffen, um einen zweiten Kapp- Putsch zu ver- hüten. Diese Vereinigung wurde dann als Sportverein in die K. A. P. T. aufgenommen, um dadurch den Arbciterkreisen näher zu kommen, die bisher bürgerlichen Sportvereinen angehörten. Ter Sportverein hatte als Aufgabe die körperliche Ertüchtigung der Arbeiterjugend, die Hebung des p r o l e t a r i f che n St an» desgesühls und schließlich auch die Verhütung reaktionärer Putsche. Da die Entwicklung des Sportklubs in einer mir nicht angenehmen Weise erfolgte, zog ich mit in einen internen Freundeskreis von 70 bis 80 Genossen zurück. Dieser Zirkel machte es sich zur beson- deren Aufgabe, reaktionäre Bestrebungen abzuwehren, sowie das S p i tz e l w c s e n. wie es sich in der M a gd e b u r g e r Zentral« und in der A n t i b o I sche w i st e n l i ga gezeigt hatte, aufzudecken. In Weißensee selbst konnte ich feststellen, daß sich die Einwohnerwehr wieder zusammengeschlossen hatte und auch mit einem Schnlerklub„Bismarck" in Verbindung stand. Ich wußte ferner, daß diese Kreise ein W a f ffe n l a g e r in der M i s s i o n s- laude an der Grellstraße besaßen. Ich setzte mich mit meinen Ge» nassen in Verbindung und teilte ihnen mit, daß in der Missions- laude fünf Maschinengewehre, 10 Gewehre und einige hundert Handgranaten lagerten, die der Einwohnerwehr gehörten, und daß diese Organisation ebenso wie die„Orgesch" bereits unter Alarrn steln'. Es wurde beschlossen, in der Nacht vom 19. zum 20. in die Missionslaube einzudringen und die dort lagernden Waffen unbrauchbar zu machen. Damit wir bei diesem Unternehmen nicht durch die anderen Laubcnbesitzcr gestört würden, bat ich meine Ge- nassen um Einrichtung eines umfangreichen Ueberwachungs- d i e n st e s aus dem Laubengelände. AIS wir um �>12 Uhr nachts in die Laube eindrangen, fielen plötzlich Schüsse. Im nächsten Augenblick kam einer meiner Ge- nassen und sagte UNS:„Macht, daß Ihr fortkommt, die SicherheitS- Polizei ist hier!" Ich ging darauf nach Weißensee zurück, wo ich am Antonplatz den Genossen Falk traf, der ganz verstört war und mir weinend erzählte, daß ein Sicherheitsbeamter bei der Schießerei verwundet worden id.�— Vors.: E? liegen nun Aussagen vor, welche bekunden, daß Sie für das Unternehmen eine vollkcm- men militärische Einteilung vorgenommen hatten.�— Angekl.: Das bestreite ich auf das entschiedenste.— Bors.: Wie kam es denn nun, daß überhaupt geschossen wurde, datz ein Beamter getötet wurde? Sollen das denn fremde Menschen gewesen sein? Angekl.: Das nehme ich an.— Vor f.: Die Schüsse kamen aber aus der Richtung, wo Ihre Leute standen.-»-Angekl.: Das waren wahrscheinlich Spitzel von der„Orgesch" die sich bei uns eingeschlichen hatten."— Rechtsanwalt Dr. B ö n- heim: Ein Spitzel, namens Reuter, ist hier ja schon genannt worden.— Angekl.: Reuter war wegen Unterschlagungen aus der Partei herausgeworfen worden. Zur Zeit des Vorfalles in der Grellstratze gehörte er nicht mehr zur Partei.— Vors.: Sie haben bei Ihren ersten Vernehmungen abgelehnt, Namen zu nennen.— Angekl.: Jawohl, und zwar deshalb, weil ich befürchtete, datz darauf mehr Leute verhaftet werden würde». Man hört in letzter Zeit aber soviel von kommunistischen Selbstmorden, die den anderen Genossen vollkommen unerklärlich sind, datz ich mich ni acht nehmen werde, eine» Namen zu nennen. Mir war von sicheren Gewährsmännern mägeteill worden, datz Besprechungen zwischen der Reichswehr, Major Äaupisch für die Sicherheitspolizei und den Linksparteien über die Verchinderung eines neuen Kapp-Putsches abgehalten worden seien. So glaubte'ich in diesem Sinne zu handeln. Im Anschluß an diese Aussagen kommt es wieder zu eniem heftigen Zusammenstoß zwischen Rechtsanwalt Lamp und dem Vorsitzenden.— Rechtsanwalt Lamp: Ich mutz leider sestellen, datz das Gericht gegenüber solchen Feststellungen taub ist.— Vors.: Diese Aeutzerung verbitte ich mir. Das Gericht sucht nur die Wahrheit.— Rechisanwalt L a m p: Wenn das Gericht allein die Wahrheit suchen will ohne die Verteidiger, w nenne ich das Eitelkeit des Gerichtes.— Vor s.s DaS verbitte ich mir.— Rechtsanwalt Lamp: Meine Tätigkeit ist die Kruft des Gericktes.— Vors.: So fassen Sie also Ihre Tätigkeit auf? Der letzte Angeklagte Coall, dem vorgeworfen wird, den Angeklagten General am 19. August zu dem Gastwirt Träger bestellt zu haben, bestreitet jede Scimld. � �, Nach einer kurzen Pause gibt Justizrat Viftor FranN folgende Erklärung ab: Es ist mir mitgeteilt worden, datz sich im Zuhörerranm Personen befinden, die sich Notizen machen, dann herausgehen und den als Zeugen geladenen Polizeibeamten die Notizen übergaben. Es handelt sich anscheinend um Poltzeiboamte, und zwar offenbar um Agenten der potiti scheu Polizei, also Spitzel. Ich erhebe öffentlichen Protest über dieses eigen- artige Benehme».. a,- Diese Erklärung ruft eine allgemeine Unruhe und Auf- regung hervor, im Zuhörerraum erheben sich mehrere Personen, rufen dem Gericht verschiedene Worte zu, die Verteidiger sprechen lebhaft gestikulierend durcheinander bis ein lautes„Halt" des Vor- sitzenden dem Tohuwabohu ein Ende bereitet. Aus Ersuchen des Vorsitzenden treten mehrere Personen aus dem Zuhörerraum vor den Gerichtstisch und bekunden, datz tatsächlich mehrere Personen im Zuhörerraum sich N o t i z e n gemacht haben. Herren, welche sich solche Notizen gemacht haben, werden näher bezeichnet und müssen ebenfalls nach vorn lretcn. Der eine„Spitzel" entpuppt sich als der Bnndessefretär des„Republikanischen Führerblindes", der aus Interesse zur Sache der Verhandlrrng beiwohnt. Der zweite Herr ist ein Leutnant der Reichswehr, der erklärt, datz er sich überhaupt keine Notizen gemacht hat. Die„Zeugen", die dies be- stätigen sollten, erklären jedoch, datz sie es nicht bestimmt sagen könnten, datz der Leutnant sich Notizen gemacht habe. Müller, welcher Ohrenzeuge des Gesprächs mtt�dcm Maior der Sicherheitspolizei gestern an den Beisitzer, Major Sch e m m c l. herangetreten sei und geäutzcrt babe:„Der Liebs ist nur umgc- fallen, um seine Genossen nicht hineinzulegen". Dies stelle eine völlig unzulässige Beeinflussung eines Mitgliedes des Gerichts vor. 'Major Schemmel äutzcrt sich sofirn dienstlich dazu und er- klärt, datz eine derartige oder ähnliche Aeutzerung überhaupt nich! gefallen ist. Auch der anwesende Hauptmann der Sicherhcitspolizc:, Müller welcher ÄhrenzAlge des Gespräcbs mit dem Majoe Schemmel war, erklärt, datz es sich lediglich um die Uebergav: des Protokolls über die Anschuldigungen gegen die Sicherheus- beanften an den Vorsitzenden gehandelt habe. Eine derart Aeutzerung sei nicht gefallen. (Fortsetzung in der Morgenausgahe.) triebsüberschutz von 6 0 000 M. jährlich in Wirkliistkeit natürlich viel mehr. Das ist ihm zu wenig. So benutzt er eine Forderung der Lehrer nach Gehaltsaufbesserimg dazu, die Gehälter um 20 Proz.. da« Schulgeld für die meisten Kinder um 662/a Proz. zu erhöben. Aber damit sind die Eltern nicht zu- frieden. Auf Antrag des Elternbeirats beschließt eine allgemeine Eltern- Versammlung, nur soviel zu zahlen, als für die Gebaltsausbesserung der Lehrerschaft erforderlich ist. Ein findiger Kopf, wie der Herr Direktor dieser Privorschule. weiß sich aber zu helfen. Zwei Vätern, die sich gegen die Forderung des Direktors ausgesprochen haben, wird das Schulverbältni« ihrer Söhne gekündigt, d. h. sie werden au» der Schule entfernt. Damit müssen die Väter au« dem Eliernbeirat ausscheiden. Aber noch immer gibt sich dieser nicht zufrieden; er beschwert sich. Auch daS Lehrer- kollegi um verlangt die Zurücknahme der rechtswidrigen Matz- regelung der Kinder. Jetzt zeigt sich erst der Direktor in seiner ganzen Größe. Er beruft eine Versammlung besonders geladener Eltern, die dem Elternbeirat ihr Mißtrauen und dem Lehrerkollegium ibr« Mißbilligung ausspricht smit 68 bzw. 66 linier- schliften). Daraufbtn entläßt der Direktor den Obmann des wideripenstigen Lehrerkollegium? ohne Kündigungsfrist und ohne Gehaltszahlung und trifft Vorkehrungen zur Neuwahl eines anderen Elternbeirats an Stelle des„ausge« lösten. Der Mann ist noch immer im Besitz seiner Konzession und erzieht die Kinder auch weiterhin zur Gottesfurcht und zum Gehorsam gegen die Gesetze! So geschehen im Jabr September 1920, zwei Jahre nach der Revolution, unter dem Mi- nisterium de» Genossen Harnisch. Die Waffenablieferung. In den Tagen vom 15. bis 21. Sep- tembcr wurden in Grotz-Berlin abgeliefert rund 14 000 Gewehre und Karabiner. 1500 Revolver und Pistolen, 170 Maschinen- g e w e h r e und Maschinenpistolen, 2 Geschütze, 425 000 Schuß Kleinmunition, 4700 Handgranaten, eine große Anzahl Wassenteile, darunter 3 Geschützrohre. Im Reiche ist das Bild im allgemeinen nicht ungünstig. Auch in Boyern wird abgeliefert. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Lankwitz. Für die Hiirrr der Bolkshochschulkurse findet am Sonnabend. 8 Uhr, in der Aula der Rückerischule(Raetterstratze) ein Vortrag über„Kunst und Arbeiterschaft" statt. Reseventin: Frau Müller-Ocstreich. Anschließend Besprechung über Besichti- gung der in der AusstelliingZhalle des Neuen Rathauses stattfin- denden Ausnellung:„Geschmack im Alltag". Vortrag und Besich- tigung ver Ausstellung unentgeltlich. Gäste willkommen. Das Reichsministerium teilt uns zu der Potsdamer Filmgeschichte mit, daß der Oberleutnant Natuschka lediglich im Auftrage seiner dienstlichen Borgefetzten gehandelt habe. Eine Eimvirkiing der früheren Kronprinzessin sei in keiner Weise vorgekommen. Damit ist natürlich durchaus nicht klargelegt, aus welchem Grunde die plötzliche Zurückzihung der erteilten Erlaub- n i s erfolgte, datz Soldaten an der Filmaufnahme teilnehmen dürfen. Feuer im Strafgefängnis Plöhensee. In der letzten Nacht wurde die Berliner Feuerwehr nach dem Gefängnis Plötzcnsce alarmiert. ES brannte dort auf dem Gelände der auSgedehnlen Strafanstalt ein langer Schuppen, in dem Flaschenverschlüsse lagerten und eine Wcrfftatt für solche Verschlüsse mit der Werk- stelle für die Flaschenbrennerei in großer Ausdehnung. Ter 15. Löschzug griff sofort mit vier Schlauchleitungen von der Haus- leitung wirksam an. Das Dach ist abgebrannt und die Innen- einrichtung stark beschädigt. Der Schaden soll erheblich sein. Tie Entstehungsursache war nickst mehr zu ermitteln. Die Gefahr wurde erst um 2>A Ilhr nachts, als die Flammen schon hell aus dem Dache emporloderten, bemerkt. Beim Aufspringen schwer verunglückt. Durch Aufspringen auf einen in Fahrt befindlichen Zug hat sich heut« früh auf der Slalioir Stralau-Rum melsburg wieder ein bedauerlicher Unglücks- fall ereignet. Ein Arbeiter wollte den bereit« fahrenden Eilen» babnzug noch benutzen und geritt durch Febltritt zwischen das obere und untere Trittbrett. Eisenbabnbeamte sägten sofort Teile der Trittbretter ab. Der Verunglückte lag aber so unglücklich daß auch noch Eisenteile entfernt werden mußten. Ob der Mann mit dem Leben davonkommen wird, mutz erst die ärz'» liche Untersnchiing feststellen. Der Verkehr ist um diese Zeit ein sehr starker, was bedingte. daß die Fahrgäste reilweise auf den Trittbrettern, zwischen den Wagen»nd sogar auf den Lokomotiven standen. Das da nicht mehr passiert, ist zu bewundern. Es kann nicht oft genug die Warnung wiederholt werden: Auf« und Abspringe» während der Fahrt zu unterlassen. Vor allem hätte aber die Eisenbahnverwaltung die Pflicht, bereils in den Morgenstunden so viel Züge einzustellen, daß eine Ueberfüllung vermieden wird. Denn zum Vergnügen fährt wohl niemand auf den Trittbrettern spazieren. Sport. Lichtenbergcr SchwimmMub»Neptun lh94". Am Sonnlog. den 26. September, Vcrcinsparlte nach dem Störitzsec Treifpunk! 7.00 vorm. Stralau-Rummelsburg, Babnsteig E. Fahrkarte bis Erkner lösen. Treffpunkt sür Nachzügler im Heideschloß Hohenbindc bis 10.80 voyn.— Montag, den 27. September, 8 Uhr abends. Fmiktlonärverlammlung im Reltaurant„Wtlhclmsburg", Lichtenberg, Wilyetmirr. 1. vi chetuen all« Funktionäre Pflicht. GewerGhastsbeVegung Die berliner Gewerkschaften im Fahre 7919. ' Der Jahresbericht der Berliner Gewerlschafts'tommissicm macht über die Mitglieberzahl der 48 Organisationen, die der Kam- Mission angeschlossen sind, folgende Angaben. Nachdem die Gesamtzahl der Mitglieder im Jahre 1916 mit IZ8 66S ihren tiefsten Stand erreicht hatte, stieg sie im folgenden Jahre auf 167 207, im Jahre 1918 auf 349 1S6, und bis zum Schlug des Berichtsjahres, 31. März 1929, war die Zahl der Mitglieder auf 691 263 gestiegen. Stegen das Vorjahr ist demnach eine Iii tgliederzunahme von 342 107 zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl hat sich also beinahe verdoppelt; sie beträgt genau 98 Proz. Die Zunahme für das Iahe 1919 gegenüber dem Jahre 1918 verteilt sich mit 216 394 auf die männlichen Mitglieder, 92 444 auf die weiblichen und 12 668 auf die jugendlichen Mtglieder. Von der Gesamtmitgliederzahl von . 691 263 entfallen 478 193 auf männliche, 198 159 auf weibliche und 15 991 auf jugendliche Mitglieder. Die Durchschnittszunahme der Mitglieder von 98 Proz. wird von den Jugendlichen erheblich über- schritten, und zwar beträgt bei diesen die Zunahme 542 Proz. Bei den männlichen und weiblichen Mitgliedern bleibt die Zunahme um 18,5 Proz. bzw. 19,4 Proz. hinter dem Durchschnitt zurück. Die Fluktuationsziffer beträgt bei den Männern 84 Proz. gegen 81 Proz. im Vorjahre, bei den Frauen über das Doppelte, nämlich 169 Proz. Im Frieden betrug die FluktuationsdurchschnittSziffer bei den Männern 38 bis 42 Proz. und war damit schon reichlich hoch. Bei einem Gesamtmitgliederbestande von 691 263 wurden neu aufgenommen 599 666. Immerhin hat sich der Prozentsatz der- jenigen Mtglieder, die länger als ein Jahr einer Gewerkschaft an- gehören, von 19 Proz. auf 27,6 Proz. erhöht. ES sind 199 597. Die überwiegende Mehrheit der Gesamtmitgliederzahl verteilt sich auf die 19 größten Gewerkschaften wie folgt: Metallarbeiter......... 177 923 Transportarbeiter........ 125295 Angestellte.......... 75 695 Gemeinde- und StaatSarbeiter... 44 634 Holzarbeiter.......... 85 995 Eisenbahner.......... 24 999 Fabrikarbeiter......... 31 848 Bauarbeiter.......... 19 949 Gastwirtsgehilfen........ 18 353 Buchbinder..........15163 Summa 557 846 Die Steigerung der Mitgliederzahl hat im VerichiSjahre sehr erhebliche Einwirkungen auf die gesamten Kassenverhältnisse ausgeübt und die Einnahmepositionen in erfreulicher Weise beein- flutzt. Tie Gesamteinnahmen der Gewerkschaften stiegen von 13 364 786 Mk. in 1918 auf die respektable Summe von 62 269 746 Mark. Den Gesamteinnahmen stehen gegenüber Ausgaben von inS- gesamt 52 769 904 M. Folgende Aufstellung veranschaulicht die«inzflnen Ausgaben und den Anteil an dem Gesamtbetrage: ' Mk, Streikunterstützung....... 25 365 916 Mastregelungsunterstützung.... 199 423 Reiseunterstützung....... 38 295 Arbeitslosenunterstützung..... 7 898 319 .grankenunterstützung...... 1 407 597 Sterbeunterstützung....... 280 364 Jnvalidenunierstützung..... 211 059 biechtsschutzunterstüyung..... 23 870 Besondere Unlerslützung..... 199671 An die Hauptkassen...... 7 216 793 Oertliche Ausgaben...... 8 374 885 Besondere Ausgaben,..... 1 649 497 Summa Ml. 52 769 994 In Prozenten: 48,11 Proz. 0,21_ 0,07. 14,98. 2,67. 0,54. 0,40. 0,01. 0,88, 18,63, 15,89, 3.11. 190,00 Proz. In der am Donnerstag abgehaltenen Vollversammlung der Gcwerkschaftskommission gab Vollmershaus mündliche Erläuterungen zu dem Ge- fchäftsbericht. Er verwies auf die vielseitige Tätigkeit des Aus- schusses. Es sei erforderlich, im Bureau besonder« Dezernate für die Erwcrbslosenfürsorge, die Jugendangelegenheiten, die Miet- ämter einzurichten. Sabath gab einen Ueberblick über die Arbeiten des Aus- schusses, der über die verschiedensten Fragen der sozialen Fürsorge mit Behörden in Verbindung getreten ist, besonders auch in der Frage der Erwerbslosenfürsorge. Die Arbeitslosenkommisiionen, sagte der Redner, suchen den Anschein zu erwecken, als ob sie die Einzigen seien, die sich der Arbeitslosen annehmen, und die Ge- werkschaften nichts für dieselben täten. Das fei unrichtig. Der Ausschuß habe mit verschiedenen Behörden über Verbesserungen der Erwerbslosenfürsorge verhandelt, in den letzten Tagen wieder mit dem Berliner Magistrak. Der Oberbürgermeister habe der- sichert, daß die für eine durchgreifende Erwerbslosenfürsorge auf- gestellten Pläne jetzt endlich ausgeführt werden. 369 Millionen seien dafür zur Verfügung gestellt. Die Geschäftsberichte wurden ohne Debatte entgegengenommen und dem Ausschuß Entlastung erteilt. Hieraus erfolgte die Beratung der neuen Satzungen. Der Ausschuß legte sincn Entwurf vor, der in formaler Hinsicht dem Umstand Rechnung trögt und, wie Vollmershaus sagte, der Neuzeit entsprechende Aendcrungen enthält. Z i S k a kritisierte an dem Entwurf, daß er den Rätegedanken nicht genügend berücksichtige. Da nach den Richtlinien des All- gemeinen Deutschen GcwerkschaftSbundes der Betriebsrätcorgani- sation eine gewisse Selbständigkeit gegeben werde, so müsse in den Satzungen der Gewerkschaslskommission zum Ausdruck kommen, daß sie mit den Betriebsräten zusammenarbeiten wolle. Weiter forderte der Redner, daß die Zahl der Delegierten zur Gewerkschaftskvm- Mission nicht nach den Berufsvcrbänden, sondern nach Industrie- gruppen festgesetzt werde, damit eine Majorisierung der großen Ge- werkschaften durch die kleinen verbindert werde.. Dieser Forderung traten mehrere Redner entgegen. Außerdem wurde darauf hingewiesen, daß der Satzungsentwurf dem Gedanken des Räteshstems Rechnung trage, denn unter den Aufgaben der Ge- werkschaftskommission werde aufgeführt: Unterstützung aller Maß- nahmen, die die Sozialisierung der Produktion UKd die Förderung des Sozialismus zum Ziele haben, sowie Organisierung. Schulung und Unterstützung der Betriebsräte. Der Entwurf wurde zur Durchberatung dem durch eine hesim- der« Kommission verstärkten Ausschutz überwiesen. Tic Sonntagsruhe im Frifcurgcwerbe betrifft ein einstimmig angenommener Antrag der Friseure. Der- selbe bezieht sich darauf, daß der Obermeister der Frifeurtnnung auf dem Innung tage gesagt hat, die Berliner Arbeiter wünschten, daß die Friseure deS Sonntags arbeiten. Der Antrag bezeichnet diese Angabe als u n z u tw e f fe n d und erklärt, die Vertreter der Berliner Arbeiterschaft sind für die von den Friseurgehilfen er- strebte volle Sonntagsruhe und ersuchen die Arbeiter, die Friseurgeschäfte des Sonntags zu meiden, um dadurch der vollen Sonntagsruhe zur Durchführung zu verhelfen. Beendeter Streik. Bei den Gelse-nikirchener Gußftahletsenwerken, Stammwerk Gelsenkirchen, Geksenkirchen, und Abteilung Hagener Gußstahlwerke, Hagen in Wests., ist die Arbeit gemäß der Vereiicharung vom 14. September zwischen der Generaldtrektion und den Gewerk- schaften wieder ausgenommen worden. Achtung, Einsetzer! Taut Branchenbeschluß beträgt der Lohn zurzeit 7,59 M. Die Kollegen sind verpflichtet, denselben dort, wo er noch nicht gezahlt wird, zu fordern. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß nur die Kollegen als Einsetzer vermittelt werden können, welche als solche eingeschrieben sind. Die Arbeitsvermittler sind angtwiesen, darauf zu achten. Deutscher Holzarbeite rverb and, Ortsverwaltung Berlin. Neue Tarifverhandlungen bei den Bernfsgenoffenfchaften Eine außerordentlich stark besuchte Mitgliederversammlung der im Zenträlverband der Angestellten organisierten Berufsgenossen- schaslsange stellten nahm Stellung zu den Beschlüssen des Arbeit- geberverbandcS Deutsch er BerufSgenossenschaften vom 7. September 1929. Diese Beschlüsse bringen die Verhandlungsbereitschaft de§ ArÄcitgeberverbandes aus veränderter Grundlage zum Ausdruck. Heilmann legte in seinen Ausführungen die Gründe dar, die den Arbeitgeberverband veranlassen, schon jetzt über einen Tarif verhandeln zu wollen, und besprach die Aussichten des möglitben VorhandlungSergebnisseS. Er kam zu dem Schluß, daß unter Be- rücksichtigung aller Momente die Scktivnsleitung der Versammlung den Eintritt in die angebotenen Verhandlungen empfehle. Nach ausgiebiger Debatte beschloh die Versammlung gegen eine Stimme in diesem Sinne. In einer demnächst einzuberufenden Funktonärversammlung sollen die Teilnehmer der Verhandlungskommission gewählt werden. Deutscher DranSportarbeiter-Verband. Bezirk Gross- Berlin. Branche der Schwer- und Leichtfuhrwerkskutscher. Betriebsräte, Obleute und Vertrauensleute. Am Sonnabend, den 25. Sept., abends 7 Uhr bei Fehfara, Melchiortr. 15, allgemeine Ver- rrauensmännerfitzung. Am Sonntag, den 26. Sept., vorm. 19 Uhr bei Boecker, Weberfte. 17, grosse Branchenoerfainmlung. Tagesordnung: Stellungnahme zum Ablauf des Tarisoertrages. VerbandZbuch legitimiert. Betriebsräte und Bctriebsoblcute der Arost- Berliner Metall- betriebe der Gruppe S e I t i o n V, Jnduslrieardciter. Montag, den 27. Sept., abends 6>i, Ubr, bei Karu«, Voltaftr. 37, wichtige Beiriebsräle- konserenz. Zahlreiches Erscheinen aller Betriebsräte dr.ngend notwendig. Legilimationskarie und Mngliedsbuch dienen als AuS.oeiS und sind am Eingang deS Lokals vorzuzeigen. Wirtschaft Se. Majestät der Betrieb. Wer von dem Wunsch beseelt ist, mit dem Mittel der �.S o- zialisierung einen Wirts chastlichen Erfolg im Interesse des notleidenden Teils der Menschheit zu erzielen, der davf dieses ungeheuer große Problem nicht immer nur als eine bloßch Formveränderung betrachten, sondern mutz sich ernstitch fragen, wo liggt eigentlich die Zelle, die das Leben des Organis- mus enthält, Der„Betrieb" ist die Zelle des Wirtschafts- körperS. Deshalb bedarf er des größten Schutze», sowohl gegen eine Ausbeutung gieriger Geldverdiener, die ihn abreißen und ins Arisland vcrteufcn, wenn der Preis lockt, als auch gegen solche Arbeiter, die aus Mangel an Ueberlcgung, unter der Gewalt der Leidenschaft und des Hasse» Hand anlegen an die Lebens- zelle. Wir kennen alle den Kampf in den Aktiengesellschaften zwischen Vorstand und Aktionären, wenn es sich um die Ausschüttung einer möglichst hohen Dividende handelt. Ten Aktionär, der heute die Hände voll Aktien zusammenkauft, um sie bald wieder zu verkaufen, fordert die höchste Dividende auch auf Kosten des Betriebes, um sich schnell zu bereichern. Aber auch die Arbeiter befinden sich tn Gefahr, auf Kosten der Lebenskraft des Betriebes oft Forkwrungen zu stellen, die das Mark des Be- triebes auffresssn. Daraus ergibt sich, daß, welche Form auch für den sozialisierten Betrieb gewählt wfto, der �Betrieb als solcher eines besonderen Schutzes bedarf, da die Angehörigen des Be- triebe» ihm die genügende Sicherheil nicht zu bieten vermögen. Wir haben es in der Gewerkschaftsbewegung der jüngsten Zeit erlebt, wie schnell diejenigen, die ihre Gewerkschaft als Betrieb mit aller Fürsorge gehegt haben, um ihn gesund und l e i st u n g s- fähig zu erhalten, von den Leidenschaften der Massen fortgesegt wln2>eli, und der Betrieb, der Wirtschaftskörper„Gewerkschaft" Spielball der Parteikämpfe geworden ist. Ter von den Arbeitnehmern gewählte Betriebsleiter ist ein Spiekball in ihren Händen, Dehalb wird er den Betrieb als lebenden Wirtschaftskörver nach rein sachlichen, wirt- schaftlichen Bedingungen nicht immer mit Sicherheit leiten können. Er wird auf Kosten der Allgemeinheit Isider seinen Wählern zu große Konzessionen machen. Aber auch die bisher üblichen Deputationen als Aufsichtsrä!« sind' noch höchst unvoll- kommene Organe in bezug auf ihre Interessiertheit an dem rein wirtschaftlichen Gedeihen der Unternehmung. Deshalb erscheint es wohl geboten, in der Sozialisierung erst den ersten Schritt zu tun, nämlich das Bestehende zu ordnen, organisch zusammenzufassen, unter eine e i n h e i t- l i ch e Oberleitung zu bringen, die die Gesamtwirtschaftspläne aufstellt, und das Interesse tüchtiger Unternehmer, die an der Er- Haltung und Entwicklung des Betriebes ein eigenes, Person- l i ch e s Interesse haben, solange zu erhalten als ein mindesten? gleichwertiger Ersatz gefunden worden ist. Sozialisierung ist„Neu- land". Die wirtschaftlichen Leistungen der staatlichen und kommunalen Betriebe befriedigen nicht, ihr W i r k u n g S- grad ist zu klein gegenüber den hervorragend getesteten Unter- nehmerbctrisben. Die Erfassung übermäßiger Unternchmergewinne ist eine Aufgabe der Steuerverwaltung, nicht ein wirtschaftliches Problem. Die Bedeutung des Sozialisicrungsvorschlages II, den W i f f e I l und Adolf Cohen unterzeichnet haben,' liegt darin, daß er den vorstehend dargelegten Erfahrungen der Praxis Rech- nung trägt. Mus aller Welt. Naubüberfall auf zwei Kassenbotcn. Auf die beiden Kassen- boten der Firma Karl Zeitz in I e n a. die den Auftrag hatten, von der Reichsbank 599 999 M. Lohngelder abzuholen, ist gestern mittag ein R a u b ü b e r f a l l verübt worden.� Zur Ausführung des Planes bedienten sich die Verbrecher, von denen zwei auS Leipzig stammen, eines Autos, mit dem sie zur be- stimmten Stunde in der Nähe der Reichsbank vorführen. Die Räuber wollten die beiden Kasienbolen zu Boden ichlagen, die Geldpakete an sich reißen und mit dem Automobil entfliehen. Das Uuternebmen rst aber rechtzeitig der Polizei bekannt geworden. Mit Hille der Leipziger K r r m r n a l p o l i z e i wurden dis> Ver- brecker fe st genommen und in ihrem eigenen Auto in sicheren Gewahrsam gebracht. Verantw. kür den redakt. Teil: Dr. Verncr Beiser, Charlottenburg: Mr Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Berlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck Bor- wäris-Buckdruckerei u. Verlagsanttalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindentir. 3. lyr Aufklärung! .Kukirol". das schnell und sicher wirkende Mittel gegen Kuhneraifsen, Hornhaut, Schwielen und Warzen ist in großem Format für die Käuier vorteii- hafter, als in kleinem. Ua..Kukirol" lange Zeit haltbar ist, so wird es von jetzt ab nur noch in großem Format hergcslelit, zumal der Preisunterschied nur 50 Pf. beträgt. 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