Nr.4SH ♦ Z7.�ahrgang Ausgabe A Hr. 103 Bezugspreis: S 8tttliai)tL30,— üRCmonatUO,— 9JK. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- dezug! Monatlich 10,— Ml. extl. Zu- stellungsgioühr. UnierAreutdand iür Deutschland und Oesterreich 16/0 Ml. für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 2160 M. Postoe- ftellungen nekmeu an Oesterreich» Ungarn, Tschecho-Slowalei, Däne- marl, Holland, ouremdurg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die PosMeitungS' Preisliste. ?er.Vorwärts� mit der Sonntag» deilage»Boll u.Zeit� ericheint Wochen- lägiich zweimal. Sonntags und Man- tags einmal. Telegramm-Adresse .Sojialbemotcal Berlin" Morgen Ansgabe berliner Volksblstt �Z0p?snn»g) AnzeiaenprciS: Sie achtgelpaltene Nonoareillezeile loste tZ.— üli.. Teuerungozuschlag 50i>. liamilien-Auzeigen silr Abonnenten geile 2,— M. politische und ge» werlschastliche Vereins- An eiaen 8,— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nach mittags im Hauvtgeschäft. Berlin SW Z, Lindeu- strahe Z, abgegeben werden. Geäffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der fozialdcmokratircbcn parte» Deutfchlands Neöaktion und«Expedition: SM. öS. Lindenstr. Z. Zernivrecher: Amt Morttivla», Nr. 15190—15197. Dienstag, den 28. September 1920 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW. 6$, Lindenftr.Z, Sernftttedier: Amt Moristplas. Nr. 117 5Z— 54. Aufstieg öer Sozialüemotratie. Der zum Parieitag erschienene Bericht des Parteivor- st an des zeigt, daß trotz aller Anfeindungen und geg�tteiligen Behauptungen die Partei im letzten Jahre eine gesunde und stetige Entwicklung genommen hat. Tie„Freiheit" glaubte freilich vor kurzem feststellen zu können, weil wir der Selbstzer- fleischung ihrer Partei mit überlegener Ruhe zuschauen, daß in der S. P. D. das geistige Leben erloschen sei. Das Gegenteil beweist die Fülle der zum Parteitag gestellten Anträge, namentlich zum Parteiprogramm und zur Wohnungsfrage. Es ist auch kein Zeichen geistiger Trägheit, wenn der vom Parteivor- stand herausgegebene Gutachten band zum Pragramm trotz seiner Auflage von 20 000 bereits wenige Tage nach dem Erscheinen vergriffen war. Nach dem stürmischen Wachstum der Parteiorganisation in den ersten Monaten der Revolution mutzte natürlich ein ruhigeres Tempo eintreten. Aber immerhin ist noch eine ansehnliche Zunahme der Mitglicderzahl auch im vergangenen Jahre zu verzeichnen. Nach dem ungeheuren Rückgang der Organisation in der Kriegszeit hatte das Jahr 1919 den ganz anormalen Zuwachs von 396 Proz. gebracht. Das konnte natürlich nicht ewig so fort- gehen. Immerhin war aber im Jahre 1929 noch eine Mitglieder- zunähme von 15,9 Proz. zu verzeichnen. Nach dem Bericht des Parteivorstandes zählt die Partei jetzt 1189 298 eingeschriebene Mitglieder. Den Zuwachs stellen absolut ausgedrückt 198 999 Mitglieder. Die Genugtuung über diesen Erfolg wird leider getrübt durch die Tat- fache, dah die Zahl der weiblichen Mitglieder abgenom- m e n Hai, Ansporn genug, diese Tcharte baldigst auszuwetzen. Tank des starken Mitgliederzuwachses haben sich die Beitrags- einnahmen der Hauptkasse mehr als vervierfacht. Sie stiegen auf rund 1434 999 M., oas ist die stärkste BeitragSabführung, die je zu verzeichnen war! Auch die sonstigen Beiträge haben sich mehr als verdoppelt, was hauptsächlich auf den Beschlutz des letzten Parteitags zurückzuführen ist, der die Parteigeschäfte verpflichtet, von ihren Reingewinnen 29 Proz.'an die Hauptkasse abzuführen. Der Erfolg dieses Beschlusses wäre noch grötzer, wenn alle Partei- geschäfte dieser Verpflichtung nachgekommen wären, wobei aller- dings die jetzigen schwierigen Produktionsverhältnisse den Sau- migen als MilderungSgrund dienen. Aber trotz der ungeheuren Berteuruug aller Rohmaterialien für die Zeitungsherstellung hat sich die Zahl der Parteiblätter im Berichtsjahre ganz wesentlich vermehrt, sie stieg von 95 im Vorjahr auf 147 Parteiblättcr im Berichtsjahr. „Neue Zeit" und„Wahrer Jakob" und„Gleichheit" haben einen Rückgang des Abonnentenstandes zu verzeichnen, nicht zuletzt wegen der leider notwendigen starken Erhöhung des Preises. Sehr gut entwickelt hat sich die Buchhandlung Vorwärts. Die Agitation hat olle Schwierigkeiten der schlechten Verkehrsverhältnisse, die Abberufung eingearbeiteter Funktionäre in amtliche S:ellen und auch die wüste Gcgenagitation von der äuhersten Rechten und äutzersten Linken überwunden. Bedeutende Erfolg« erzielten die besonderen Organisationszentralen für Lehrer und Beamte. Der Bildungsausschuh, der während der Kriegszeit seine Tätigkeit fast völlig einstellen mutzte, nahm diese itn Berichtsjahre wieder auf. Seine praktische Tätigkeit bestand in der För- derung der örtlichen Bildungsausschüsse. Auch die Jugendbewegung wurde neu belebt, mit welchem Erfolg, mag daraus ersehen werden, datz allein in einem Quartal die Anzahl der an Vortragskursen, Einzelvorträgen, Wan- derungen, künstlerischen Veranstaltungen, Spielen usw. beteiligten Jugendlichen 299 999 betrug. Von der Frauenbewegung ist schon gesagt, daß leider ein Rückgang ly der Zahl der organisierten Genossinnen zu ver- �zeichnen ist. Immerhin weisen 15 Bezirke eine Zunahme auf. Die verstärkte Anteilnahme der Genossinnen am öffentlichen Leben macht sich allerorts bemerkbar, in Reichs- und Landesparlamenten wie in Kommunalvertretungen haben wir eine große Anzahl weiblicher Abgeordneter und Bürgerdepulierter tätig. Eine organisatorische Neubildung von hohem Wert für die Ar- beiterklajse ist die Schaffung eines Hauptausschusses für Arbeiterwohl. Diese Gründung ist keine rein weibliche; doch sind die Frauen Hauplirägarmueu per Bewegung. Sie de- zweckt die Mitwirkung der Arbeiterschaft bei der Wohlfahrtspflege, insbesondere ihrer gesetzlichen Regelung und fachgemäßen Aus- führung. Zusammenstellungen über die Wahlen zum Reichstag, zu den Landtagen, den Gemeinde-, Kreis- und Pro- vinzialvertretungen vervollständigen den Bericht des Parteivorstandes. In einer Tabelle ist eine Uebersicht über die Vertretcrzahl unserer Genossen in den Kommunalvertretungen gegeben, aus der hervorgeht, einen wie starken Einslutz unsere Partei allein in diesen Stellen ausübt. Alles in allem: ein Bild regen Lebens und günstiger Auf- wärtSentwicklung unserer Partei. Allen Anfeindungen von rechts und links zum Trotz steht sie als granitener Fels im Meere poli- tischer Unstetigkeit. Allerorts sind unsere Genossen mit neuer HoffnungSsrcudigkeit erfüllt, von neuem Geist beseelt und zu ver- doppelter Parteitätigkeit bereit. Der Parteitag wird dazu ihnen noch besonderen Ansporn geben. Ein„(drgestt�-Iunü. Seltsame Verschwiegenheit des Oberpräsidenten. Halle,?7. September.(Eipner Trahtbcricht des„Vor- wärts".) Vor einigen Tagen wurde hier in einer Autodroschkc eine Aktentasche gefunden, die der Besitzer, der Geschäfts- führer des Landbundes in Halle, Beck, hatte liegen lassen. In der Tasche befand sich außerordentlich wichtiges Material über die G c h e i m o r g a n i s a t i o.n der O r g e s Ä und des Landbundcs, darunter auch der Wortlaut einer Rede des Forstratz Eschcrich, in der er versichert, baß die Orgesch ihre Ziele mit der Waffe in der Hand verfolgen werde, solange dicS notwendig sei. Sämtliche landwirtschaftliche Bercine der Umgeged, sogar Ziegen- und Kaninchenzuchtvercine, aber auch das Landtsökonomiekollcginm sind der Orgcsch ange- schlössen. In dem Material befand sich auch die Mitteilung des Geschäftsführers Beck in einer Versammlung, daß er binnen kurzem Material gegen den Oberpräsidenten ver- öfentlichcn werde, das zu seinem Sturze hinreiche. Wir haben uns an das Obcrpräsidium gewandt, um Einzel- Helten aus dem Material zu erhalten. Merkwürdigerweise ver- weigert das Obcrpräsidium jede Auskunft über den Fund. Welche Gründe zu dieser Geheimtuerei Anlaß geben, konnten wir nicht erfahren. Man sollte aber meinen, daß das so außerordentlich ge- wichtige und gravierende Material für die Oeffentlichkeit mehr Interesse hat als für die Aktcnschränke einer Behörde. Sollten die bekannten Wider st ände gegen den Oberpräsidenten Hörsing sich schon soweit perstärkt haben, datz man ihm sogar de» Mund verbietet, wenn es sich um die bewaffuete Geheimorganisation bandelt? Unsere öefatzungslaften. Durch MTB- wird bekanntgegeben: Nach einer Havasmeldung vom 22. September antwortete der französische Finanzmimster auf die Anfrage eines Senators nach der Höhe der Befatzungskosten im Rheinland und der bisher ge- zahlten Entschädigung, datz die Kosten bis Ende März 1929 1,8 Milliarden Frank betragen hätten und von Deutschland bis Ende Juli 1 388 947 245 Mar? bezahlt worden seien. Der Betrag vou 1� Milliarden Frank ergibt(nach dem Kurse von 490) 7,2 Milliarden Mark. Nach zuverlässigen Informationen handelt es sich bei dieser Summe von 1388 947 245 M. nur um die baren Geldleistungen, die bis jetzt an die französische BesatzungS- armee gezahlt werden mutzten. Der Wert der für die BesatzungS- truppen getätigten S a ch leistungcn ist noch gar nicht zu schätzen. Allein durch die Requisitionen der Bcsatzungstruppen dürste ein Kostenaufwand von mindestens 9 Milliarden Mark verursacht worden sein. Nach zuverlässigen Nachrichten wurde in der Nähe von Kaiserslautern erst jüngst ein wertvolles Waldgeländc von etwa 999 Hektar zur Errichtung eines Munitionsdepots beschlagnahmt. Die Gesamtkostcn hierfür werden auf mindesten? 119 Millionen Mark angegeben, deren Zahlung von Deutsch- land verlangt wird. Eine ebenfalls in der Nähe von Kaisers- läutern geplante große Bcnzintankanlage, deren Errich- tung von Deutschland gefordert wird, verschlingt weitere 49 Millionen. Beide Anlagen sind für die Versorgung einer Millionenarmee ausreichend. Auf der Gemarkung Euren-Zewen bei Trier planen die Fran- zosen ferner den Bau einer Feldbäckerei, die täglich zunächst 190 999, später 299 999 Brote, also den Tagesbedarf für 299(99 bzw. 499999 Mann herstellen soll; dazu einen Uebungsplatz für die Eisenbahntrupven. dessen Bau bereits begonnen ist. Hierzu werden 399 Morgen fruchtbarsten Ackergeländee, fast durchweg Klcinbesitz, beansprucht. Die Höhe der Kosten ist noch »'cht vb.riehbar Die alten deutschen Flugplätze im besetzten Gebiet reichen de» Franzosen und Belgiern nicht aus. Sie haben den angeblich all R e> e r v es l u g p l ä tze für den MobilmacleungSfall � werivolles Ackergelände von 899 Hektar beschlagnahmt. Der Ernteaus- fall und der schwere Schaden für den meist kleinbäuerlichen Grundbesitzer findet bei den französischen und belgischen Militär- befehlshabern keinerlei Verständnis. Die Belgier fordern weiter die Errichlung von vier großen Truppenlagern, deren Bau über 47 Millionen kosten wird. Davon aber wird in Brüssel nicht gesprochen; es ist ja für die Finanzlage belanglos..._ Mit(Trauerrand. Innsbruck, 27. September.(WTB.) Di« Blätter bringen an leitender Stelle Meldungen über die vollzogene Annexion Süd- tirols. Die Meldungen sind mit Trauerrand versehen. Die Stadt ist zum Zeichen der Trauer schwarz beflaggt. die internationale Geldkrise. Zur Brüsseler Kouferenz. , Von Adolf Braun. Man wird, wenn man nicht zu mutigen und ftrojzert Schritten deii Entschluß faßt, die Vergeblichkeit aller Beratun- gen in Brüssel und Genf erkennen niüsscn. Wir wissen, daß das Problem, um das es sich handelt, zwar von Advokaten und Diplomaten aufgeworfen werden kann, daß aber nur groß- zügige, vor noch nicht Dagewesenem nicht zurückschreckende Staatsmänner und Finanzpolitiker einen Ausweg aus der Zerrüttung der europäischen Finanzen finden können. Die Krise des Geldes, die Revolutionierung der Preisbildung ist international. Das Suchen nach einem Weg aus der Ueberfülle von j Schuldverpflichtungen und aus dem leider nur papierncn Geld-■ Überfluß kann natürlich sehr leicht zu Vorschlägen führen, die undurchführbar sind. Man kann nicht scharf genug abraten, auf dem Gebiete des Geldwesens unerfahrene und kenntnislose Leute operieren zu lassen. Gerade in revolutionären Zeitläuften hat man oft die bösesten Erfahrungen bei Experimenten! mit deni Geldwesen gemacht. Die Assignaten der franzö- fischen Revolution, die K o s s u t h n o t e n von 1849, die Noten der deutschen Revolution von 1849 sind warnende Beispiele. Darüber kann kaum ein Zweifel sein, daß mit weiteren ungedeckten Noten ein Weg aus dem schwankenden Geldwerte, aus der Unsicherheit unserer ganzen Weltwirtschaft, aus. der! Gefahr des Wertloswerdens unserer Noten nicht zu finden ist. Auch aus der ungeheuren Schuldenlast, über die uns in diesen Tagen der deutsche Neichsfinanzminister und sein Kollege in Paris unterrichtet haben, ist ein Ausweg zu suchcin Wir, werden ihn nur dann finden, wenn iicki auch die Staaten mit gesunden: und relativ gesundem Geldwesen! überzeugen lassen, daß auch sie die Ungesundbeit des Geldwesens der anderen Staaten unmöglich auf die Dauer ertragen können. Ein Beispiel: London war bis zum Kriege der Haupt, stapelplatz der Weltwirtschaft; der Reichtum Englands ist einerseits auf seine Kolonien, andererseits auf seine Handelsstellung weit mehr zurückzuführen, als auf dig, Produktion im eigenen Lande. Wenn Großbritannien wegen der Unsicherheit des Geldwesens der anderen Wirtschaften, weil es nicht mehr aicher Landes hergestellte Waren kaufen und verkaufen kann, seine Weltmarktstcllung verliert, so vermindert sich auch seine Welt- Machtstellung, so hören die Voraussehungen seines Wesens und seines Gedeihens auf, dann ist aber auch England nicht mehr in der Lage, die ungeheuren Verpflichtungen, die seine Staatsund seine Privatwirtschaften eingegangen sind, zu erfüllen. England, Spanien, die skandinavischen Staaten, auch Japan, vor allem die Vereinigten Staaten, haben einen gewaltig großen Gold schätz. Diese garantieren den Geldwert ihrer Noten. Dieser Goldsckatz wurde früher geschützt und gesichert imd als der Kern der Geldwirtschaft der natio- nalen und internationalen Handelsbeziehungen iedes Landes betrachtet. Höher als der Goldschatz der Zentralbanken j ist die Möglichkeit zu bewerten, daß man überhaupt welt-i wirtschaftlich wirken kann. Deshalb ist die Frage auszuwerfen,; ab nilüt das. was zu Napoleons III. Zeiten als ein utopischer' Vorschlag des französischen Kaisers betrachtet wurde, beute nicht trotz aller' egoistischen Einwendcmgen im Interesse der Goldschatz besitzenden Staaten dock: zur Gesundung des GeldweienZ der Welt einaefülnt werden könnte: das W e l t a e l d. Das Weltgeld oder, wie es vielleicht viele lieber höreir. das Völkerbundgeld wäre ein ganz neues Geld, gesichert durch den Goldschatz aller Nationen, über den nur eine Völkerbundnotenbank verfügen soll,'der durch die dezentralisierte Aufbewahrung vor etwgigen Zugriffen kriegführender Mächte möglichst zu sichern wäre. Dieser„Weltgulden" würde in Paiagonien und in Sibirien den gleichen Wert haben, die-, Wertschwaukungen wären nur bestimmt durch Transport- und Versicherungskosten beim Ausgleich internationaler Wechselverbindlichkeiten. Daneben würde vorerst während einer Uebergangszeit, die zu bestimmen wäre, chas Papiergeld der einzelnen Stataen weiterbestehen. Es würde natürlich, da es statt der bisher ganz unzureichenden Golddeckung gar keine Golddeckung hätte, absterben bzw. aegen Staatsschuldverpflick!- tungen auszutauschen sein. Es würde nur gesichert sein durch die wirtschaftliche Kraft der einzelnen Staaten. Das erscheint schon utopisch. Doch wenn man bedenkt, daß unsere Reichs- Banknoten eine kaum zweiprozentige Golddeckung und eine Pechseldeckung in den schwebenden Schulden des Deutschen Reiches und der Einzelstaaten baben, so muß man, da diese schwebenden Schulden nicht gleichgestellt werden können mit dem vor dem Kriege zur Deckung der deutschen Reichsbank- noten vorhandenen Wechselportefeuille, unser Papiergeld als e i n w e s e.n t l i ch ungedecktes bezeichnen. Alle internationalen Geschäfte werden in Völkerbundgeld abzuschließen sein. Es finden heute schon viele Geschäftsabschlüsse des deutschen Derkejhrs mit dem Auslände in Dollars und Sterlingvfunden statt. Der internationale Verkehr würde durch die Ausgleichung in Weltgeld in hohen? Maße gesichert, seiwtzs überwiegend spekulativen Charakters entkleidet und stark gefördert werden. Es wird von den über beträcktlichs Goldschätze versivg?nden Stoaien i�nd Volkswirt- irfwften zu erwägen sein, ob sie die Bereitstellung ihrer Goldschätze— natürlich unter Garantien verschiedener Art— mcht für vorteilhafter erachten, als deren werteren Besttz unter dauernder Störung aller iirternatronalen Wirchchast-ve- Ziehungen........ r Das internationale Geld würde vermutlich urmier mehr auch im inneren Verkehr der Länder an Stelle des nationalen Geldes treten, das nationael Geld vermutlich iroch inehr entwerten, aber auch wegen der Versiegelung der natiaMlen Bankiiotenpressen einen Rirhepnnkt herbeiführen, von dem!.die Gcsnndnng der Wirtschaft ausgehen könnte. Nicht nur die Schivankungen des Geldwertes hindern die. Gcsiindung unserer und auch vieler anderer Staatswirt- schrtten. In dieser Richtimg wirkte auch die alle Vorstellungen früherer Zeit in den Schatten stellende Schuldenlast der curo- päischen Wirtschaft. Wir glauben, es ist die größte Utopie. daß die Staaten diese Schulden dauernd verzinsen, einmal konvertieren oder gar, wenn auch noch so langsam, amorti- sieren werden. Alle Staaten des europäischen Kontinents, sedenfalls alle am Kriege. beteiligten Staaten gehen dem Bankerott entgegc n. und die nicht diesen! Schicksal entgegeneilenden neutralen Staaten leiden schwer unter den Wirfungen der Geldrevolntion und unter einem überaus harten Steuerdruck. Man muß die Schulden abbnrden, tvie es schon der große Solon vor mehr als zwei Jahrtausenden in Athen getan hat. Man innß, was. freilich bei den schiebenden Schulden und bei Banknoten wie Darlehnskassenscheinen schwerer ist, als bei den fundierten Schulden, die Schuldverpflichtungen unter llebergängen erlöschen lassen. Das kann man nur, ohne die sürchterlichsten Erschütterungen beflirchian zu müssen, wenn die Abbützdung der Schulden gleichzeitig von allen Staaten geschieht. Man könnte etlra erklären, daß vom 1. Juli ll>2l ab für alle Schulden der Staaten, die vor dem 1. Juli 1920 eingegangen wurden, in den 15 Jahren bis zum 1. Juli 1936 nur noch anderthalb Prozent Zinsen, vom 1. Juli l936 bis l. Juli 1951 bloß nocl) 1 Proz., vöm 1. Fnli 1951 bis zum 1. Juli 1966 bloß noch% Proz. und von da ab überhaupt keine Zinsen mehr gezahlt werden. Eine auch gewaltsam wirkende Rückführung der Welt- banknotenmenge auf die für den Verkehr notwendige Menge wurde die Druckwirkungen der Inflation, der Geldüher fülle aufheben und den Werl d. b. die.Kaufkraft des Geldes stei- gern, damit einen gewissen Ausgleich für die Verluste vieler Staatsgläubiger herbeiführen. Daß bei allen diesen Maßnahmen für die gegenwärtige Generation von besonders schützenswerten K l e i n r e n t- ii e r n Sicherungen gesucht werden müssen, daß für Staaten, die einen großen Teil ihrer Anleihen im Auslände nntergc- bracht haben, größere Schwierigkeiten vorhanden fein werden, als für die, die bloß im Inlands verschuldet sind, ist durch- aus klar. Aber diese Einwendungen finden doch ein Gegen- gewicht darin, daß mit der Zahlungsunfähigkeit der europäischen Staaten über kurz oder laug gerechnet wer- 'den muß. Alle Staaten, auch die Gläubigerstaaten, haben ein großes Interesse an der Verhinderimg unvorhergesehener katastrophaler Znsammenbrüche. Sie werden kluger Ueber- 'legung nach freiwillig Opfer bringen, um nicht zu unfrei- williger Entsagung genötigt zu werden. Auch für sie wird es einen großen Vorteil bedeuten, wenn die europäischen Wirt- Zchaflsförper nach schwerer Operation wieder gesunden, und wenn die Weltwirtschaft�an der Gläubigerstaaten noch stärker interessiert sind wie die Schuldnerstaaten, wieder in geregelten .Gang kommen kann.-v. Es sind große Mittel, die wir hier vorschlagen, natürlich nur Ausgangspunkte für eine Erörterung über die Möglich- keit einer Gesundung der europäischen Wirtschaft. Man möge die kostbare Zeit nicht verstreichen lassen, in- dem man mit kleinlichen Mitteln arbeitet, um zuletzt zur Erkenntnis zu komniei�. daß alle Konferenzen in Brüssel und Genf nicht ans den Sackgassen herausführen. Die Welt muß Das Tempo öer Pädagogik. Eine Entgegnung von Robert Breuer. „Ein Fachmann und Christ muß es sein"... Nämlich der Ober- schulrat von Groß-Berlin. Aber nein, Genossen, um dergleichen geht der Kampf nicht. Er geht um die Frage, ob es klug ist. etwas zu versprechen, ivas erfahrungsgemäß nicht gehalten werden kann; er entscheidet sich an dem Bewegungsgesetz der Pädagogik. Bekannt- sich gibl es Geschichtskemier, die die Katastrophen theoric aus dem Geologischen nicht auf das Gebiet des menschlichen Geschehens mechanisch übertragen wollen. Sie meinen vielmehr, daß alles geschichtliche Geschehen sich organisch entfaltet, daß Ausstieg und Perfall durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte hindurch sich vor- .ereitcn. Für die Agitation ist solche Philosophie des Kaltblütlers ewiß nicht gerade nützlich, aber das ändert gar nichts daran, daß ic für das Gebiet des Erziehungswesens unbedingt Gültigkeit hat. Die Geschichte der Erziehung kennt vielleicht einige Revolutionäre, aber ganz gewiß kennt sie keine Revolution. Sie kennt den Fort- schritt, die systematische'Wandlung aber sie zeigt nirgends Sprung oder Siurm. Fahrzehnle und Jahrhunderte buchstabieren an: Rousseau, Francke, Pestalozzi. Froebel, an Anschauungsunterricht, Arbeitsschute, rhythmischer.Körperübung. Man beachte zum Beispiel den Weg vom atten Jahn bis Dalcroze und denke zugleich an den itzurnunierricht in einer gegenwärtigen Dorfschule. Man besinne iich auf den Trubel, der vor wenigen Jahren mit dem Zeichnen nach der Natur arrangiert wurde und höre, daß heute recht kluge Zeichenlehrer das Zeichnen nach Holzkörpern wieder zu schätzen wissen. Eine Schulpolitik, die solcher Wirklichkeit vergißt, muß scheitern, Sie muß kläglich scheitern, wenn sie sich mit pathetischer Keilschrift kurzbesristete Wechsel ausstellt, oder wenn sie sich Partei- politisch engagiert; denn Parteipolitik will immer übermorgen die Erfüllung. Am allerwenigsten darf der Schillpolitiker sich an Jllu- sionen verlieren. Bei allem Erzieherischen ist das, lvas zwischen den Zeilen schwingt, das maßgebende. Selbstverständlich ist der Ballast an Bibelstellen, Kirchenliedern, hohenzollcrnschen oder sonstigen Ge'chicktszahlen Objekt jeglicher Schulreform; wenn aber hier Bilderstürmer« einsetzt, kann leicht geschehen, daß Hunderttausende das als notwendig Erkannte nicht tun, um Schutzwall gegen Be- drohung stehen zu lasten. Ein Kultusminister kann so gut wie nichts dekretieren, und ein Oberschulrat hat als lokale Größe kaum mehr Gewalt Alle Bewegung auf dem Gebiete der Erziehung entscheidet sich an der Gesinnung der Personen, der Landschaft und der Tra- dition. Der Schulregent besielt keinem toten Instrument; er hat es mit lebendigen Wesen, mit Lehrern, Eltern und Schülern zu tun. Attacken zu reiten, kann hier nur Niederlagen einbringen. Nur Generationen lassen Wandlungen erkennen. Keiner Diktatur wird es gelingen, von heute auf morgen die Gehirne der Lehrer umzu- schalten, oder auch nur die Lehrbücher„von Grund auf" zu er- neuern. Wäre nach dem der Pädagogik eingeborenen Tempo bei der Bestallung des Berliner Oberstadtschulrats verfahren worden, so bätte mit größerer Sicherheit daraus gerechnet werden können, daß die pädagogische Kritik, die sich seit Jahrzehnten und nicht erst seit der Revolution um deck Religionsunterricht, den Geschichtsunterricht« sick> entschließen, den fürchterlichen Problemen mit gcmz außer- gewöhnlichen Mitteln ohne Sentimentalität und ohne Phon- tasterei, mit der Bereitwilligkeit, große Opfer zu bringen, entgegenzutreten.__ Deutsche Denkschrift für Drüftel. Das erschütternde Zahlenmaterial der in B r ü s s e l vorgelegten deutschen Denkschrift soll tiefen Eindruck gemacht haben. Tie Schuldenlast des Reichs hat sich— obne Berücksichtigung der Schulden der Einzelstaaten— von 5 Milliarden Mark vor dem Krieg auf rund 210 Milliarden Mark erhöht. Die Dens entnimmt dem 22 Seiten starken Bericht folgende Einzelheiten. Die unverhältnismäßige Höhe der fortdauernden Ausgaben .für Heer und Marine gegenüber der Zeit vor dem Krieg ist in der Hauptsache durch den Friedensvertrag verursacht. Während ein Soldat vor dem Krieg jährlich durchschnittlich 700 Mark kostete. Verursacht der Söldner, wolbei allerdings auch die Geldentwertung«ine Rolle spielt, ein« Ausgabe von 12 170 Mark für den Kopf. Unter Einbeziehung der Berivaltungskosten belicfcn sich die Ausgaben für einen Soldaten vor dem Krieg auf 1200 M.; fetzt sind sie auf 24 300 M. gestiegen. Dazu kommen die Ausgaben für das Besatzungshecr, deren Höhe völlig unabsehbar ist. Nach den wiedergcg ebenen Zahlen aus dem Voranschlag für den Reichshaushalt 1920. ist ein Betrag von 37 661,2 Millionen Mark durch Anleihen zu decken. Damit ist indes noch nicht das ganze Defizit angegeben, denn in dem Voranschlag sind die rcichseigenen Betriebe nicht mitenihalten. Für sie ist viel- mehr ein besonderer Haushalt aufgestellt nach dem sich für das Etatsjahr 1920 bei der Rrichseisenbalm ein Fehlbetrag von 16,4 Milliarden Mark ergibt. Tie Steigerung der persönlichen Ausgaben erklärt sich: 1. aus der— vorwiegend durch den Achtstundentag— bedingten Pcrsonalvcrmcbrung, 2. ans der Verteuerung der Lcbensbedürf- niste sehr beträchtlich gewordenen Erhöhung der Bezüge. Tie starke A b wu tz u n g des gesamten Materials ist auch bei der Reichs- poft zu berücksichtigen, bei der mit einem Mindcrbetrag von 2330 Millionen Mark gerechnet wird. Hingegen wird beim Abschluß der Reichsdruckerei mit einem Uebcrschuß von rund 3 Millionen Mark gerechnet, der gegenüber den Mindererträgnissen von Eisen- bahn und Post kaum ins Gewicht fällt. Die Gestalning des Reichs- Haushalts für 1921 und die spätere Zeit ist beeinflußt durch das Anschwellen der Verzinsung für die vorhoudcnen Schulden und durch das weiiere Wachsen der Schulden selb st. Der Aufwand für die Durchführung des Frie- dcnsvcrtragS« z. B. für die Entschädigungen infolge von Liqui- d a t i o n e>i. ist noch nicht zu übersehen; beträgt doch die angemel- dete Entschädigungssumme für die konfiszierten Güter der Auslandsdeutsche« 131 Milliarden Mark. Die Eirmahmeseite wird beherrscht werden von dem Ergebnis der laufenden Steuern und dem Fortfallen der einmaligen Kriegssteuern. Zahlenmäßige Bilder können vorläufig nicht entworfen' werden. Der Papiergcldumlauf belief sich am 31. August 1920 auf 72 223 Millionen Rkark. Während früher das gesamte steuerliche Aufkommen in Deutschland mit etwa 3 Milliarden Mark zu veranschlagen war, 4 ist«S heute auf 36 Milliarden Mark gestiegen, und zwar obwohl vorher«ine scharfe Kriegsstcuergesetzgebung allen Vermögens- zuwachs besteu«rt hatte. Die Nontagsfitzung. Brüssel, 27. September.(Hollandsch Nieuwsburcau.) Auf der Internationalen Finanzkonserenz wunden heute die Berichte über die finanziell« Lage Deutschlands und Großbritanniens er- stattet. Einzelheiten diescr Berichte dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Dann eröffnete der englische Vizepräsident Brand die Aussprache. Er führte aus, die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten 100 Jahren, die Zunahme des Kapitalismus in Europa und die Zunahme der Bevölkerung waren allmählich derart gestiegen, daß die europäische Kultur sich selbst nicht mehr erhalten konnte und der Krieg die glatt funktionierende Maschine der internatio- nalen Finanzen und der internationalen Industrie vollkommen in Verwirrung brachte. Infolgedessen hätten sich Zustände ergeben, die zu dein den Unterricht in der Staatskunde, in der Weltgeographie und um dergleichen mehr bemüht, energische Auswirkung fände. Wir brauchen ganz gewiß neue Lehrer, neue Bücher, neue Methoden, neue Gerechtigkeit und neue Liebe in der Schule; aber das alles läßt sich nicht durch noch so rot geslaggte Tiradcn oder Kinderkreuz- ziige erzwingen, läßt sich vielmehr nur organisch entwickeln. Die Herausstellung des Dr. Locwenstein ist ein Fehler, weil sie das Tempo der Pädagogik unberücksichtigt läßt. Wobei noch nicht ein- mal in Erwägung gezogen wird, daß schon verwaltungstechnisch die Verheißungen jegliches neuen Schulherrn sich von heute auf morgen als unerfüllbar erweisen müssen. Eine Erkenntnis, nicht für Agitatoren, wohl aber für Regierende— die wir doch sein wollen. Münchener Rummel« Der Banzen kracht, der Bierbauch schwillt, Sie seiern Schützenfeste; Der große Durst wird kaum gestillt. Schon lächeln hohe Gäste. Der E s ch e r i ch haut auf sie drum, Und vieles steht zu hoffen. Bald zeigt sich das Mirakulum, Wenn ganz das Volt besoffen. Dann zieht es im erprobten Joch. Laßt seinp Knochen wägen Und wer sich sträubt— ei nun. ja doch, Den schlägt man vor den Brägen. Aus Bayern kündet das Fanal: Läßt uns den Geist begraben, Ihr Treuen, helft uns allzumal, Den Preußen, Sachsen, Schwaben. Dann tilgen wir mit Stiel und Stumpf DeS neuen Lebens Reste, Das deutsche Land wird wieder Sumpf— Wir feiern Schützenfeste. Schlarass. Die Unendlichkeit der Sternräume. Bis vor wenigen Jahren war die Mehrzahl der Astronomen geneigt, anzunehmen, daß die Sternenwelt aus einen begrenzten Raum beschränkt sei, welcher einigermaßen dem von der Milchstraße eingenommenen Gebiet entspricht. Wie Arrhenius im neusten Heft der„Umschau" berichtet, ist die Milchstraße nach neueren amerikanischen Messungen aus dem Jahre 1917 eine riesige' Spirale mit einem Durchmesser von 30 000 bis 100 000 Lichtjahren. Bekanntlich-st ein Lichtjahr die Strecke, die das Licht während eines Jahres zurücklegt, d. h. also, wenn ein Stern in der Milchstraße erlischt, wird es auf der Erde unter Umständen erst nach 100 000 Jabren wahrgenommen. lUnsere ganze Menschheitsgeschichte ist nicht älter als 7000 Jahre!) Nun durchläuft das Licht in der Sekunde 300 000 Kilometer, eine Strecke also, die 7ljmal so groß ist als der Umfang der.Erde, ChaoS führten. Brand schilderte dann die Lage in ziemlich graucn Farben und meinte, das erste, was man tun müsse, um unnötige Zahlung-- mittel zu vermeiden, sei die Herstellung eines Glciäigcwichts zwi- schcn laufenden Einnahmen und Ausgaben der Regterungen zu schaffen,(iWch Versailler Muster? Red.) das zweite, nicht produktive Ausgaben aufzugeben(durch Besetzung fremder Gebiete und Weiter- nissen? Red.) und nicht mehr Anleihen auszugeben« ja selbst die Ausgabe produktiven Kapitals nack Möglichkeit zu beschränken. Der wirklich einschränkende Faktor müsse nicht der Kredit, sondern das Kapital sein. Es sei völlig nutzlos, Geld für irgendwelche Zwecke zu geben, ja selbst gegen einen bohcn Bankdiskont, wenn andererseits die Zahlungsmittel durch schwebende Schulden und größere Geldzirkulation erhöht werden müssen. Tie Politik des bohcn Bankdiskonts, die Brand im übrigen empfiehlt, müsse mit der Erhöhung der Kauf- mittel und der Erhöhung der Produktion parallel gehen. Das sei oellrdings l e i ch t e r g c s a g i als getan. Tic Ziffern zeigten, wie die Ausgaben aller Siaalcn ganz ohne jedes Verhältnis zu den Einnahmen gestiegen seien. Ter größere Teil der Ausgaben könne zwar nicht gut beschränkt werden« z. B. die Beträge, die iür die öffentlichen Schulden, für Pensionen und für den normalen Arbeits- kreis der Regierungen notwendig seien. Es könnten aber große Ersparnisse gemacht werden, insbesondere auf dem Gebiet unproduk- tiver Ausgaben, z. B. der Bewaffnung, der Arbciterunterstüyuug und der Unterstützungen verschiedener Art. Eisenbahn- und Post- tariic müßten so erhöht werden, daß sie zum mindsten die Selbst» kosten decken. Das sei aber nur möglich, wenn die Politik so ver- ändert werde, daß man die Einflußsphäre der Regierung verklei. cre, statt sie zu vergrößern. Jetzt wolle man sie vergrößern, spreche von Sozialisjcrung, von Staatsmonopolcn usw. Die alten Weis- hciten aber lehrten, daß man die Staatssinanzcn nicht verbessern könne, wenn sich nicht gleichzeitig die Börsen der Bevölkerung im allgemeinen verbesserten. Das Wichtigste fiir den internationalen Verkehr sei, endlich einmal Sacherheil und Stabilität zu schaffen. Brand gab zu, daß selbst beim besten Willen ein günstiges Resultat nicht durchaus sicher sei, man müsse sich selbst aber wenigstens die Erfolgaussichtcn halten. Der belgische Ministerpräsident Delacroix antwor- teie formell böslich, sachlich aber ziemlich schar f. Er sagte, der Vorredner hätte sich auf politisches Gebiet begeben, hätte von Beschränkung der Bewaffnung gesprochen, von Vermeidung sozialer Matznahmen, die die Privatindustrie schädigen könnten, von Sozialisicrung nnd Ratio- nalisicrung. Auf dieses Gebiet könne Delacroiy ihm vor diesem Forum nicht folgen. Wohl aber lege er den größten Wert daraus, gerade hier zu sagen, daß ursprünglich alle Regierungen die Ab- ficht gehabt hatten» eine Vermögensabgabe zu fordern. Aber in Deutschland wie überall, sei man allmählich davon a b g c k o m- men und habe stattdessen ein Surrogat geschaffen, das mit einer Vermögensabgabe nichts gemein habe. Es segle zwar unter dem Namen einer Vermögensabgabc, sei in der Tat aber nur eine Steuer. Man belaste das Vermögen und räume dem Reich das Recht ein, diese Abgabe in langen Fristen bis zu 30 Jahren abzu- bezahlen. Praktisch bedeutet das, daß der Steuerpflichtige dies nicht vom Kapital, sondern vom Einkommen bezahlen werde. Am ehesten sei man der ursprünglichen Idee in Italien nahegekom- men, und zwar durch Einführung der Erbschaftssteuer, aber den richtigen Kernpunkt habe man nirgends erfaßt. Am Rachmittag setzte Ricci(Italien) auseinander» was sein Land getan habe» um die eigenen Schwierigkeiten zu lösen. A V e n o l(Frankreich) gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß gemeinsame Heilmittel gegen die traurige Lage der Welt ge- sucht werden sollten._ Groß-Serlin und öie Lanöesversammlung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Im Leitartikel der Sonnabend-Äummer hat sich Genosse Franz Krüger über die Sozialdemokratische Fraktion der Lan- desVersammlung und mich kritisch geäußert. Aus Rücksicht auf das Parteiinteresse möchte ich diese Debatte nicht öffentlich vor den Augen der Parteigegner fortsetzen. Aber ich bin jederzeit bereit» mich vor einer Funktionärvcrsammlung mit Genoffen Krüger über Groß-Berlin auseinanderzusetzen, und ich hätte nur gewünscht, er hätte diese Befragung der Berliner Partcigenvssenschaft recht» zeitig herbeigeführt. Ernst Heilmann. Ein« Lichtminute ist für den menschlichen Geist kaum vorstellbar. nun gar 100 000 Lichtjahre! Aber auch diese Räume haben sich für die Stcrnentvelt al» zu eng erwiesen. Shapley hat die Eni- fernungen der großen kugelförmigen Sternhaufen berechnet und fand Entfernungen einzelner Sterne bis zu 220 000 Lichtsahren. Noch weiter geht der schwedische Forscher Dr. Lundmark, der bei den Stcrnnebeln Entfernungen bis zu 20 Millionen Lichtjahren annimmt. Die Millionen von Lichtjahren, mit denen unser Ge- sichtskreis plötzlich erweitert worden ist, deuten darauf hin, daß keine Grenzen dem forschenden Geist gesetzt sind als diejenigen, welche in der UnVollkommenheit unserer Werkzeuge liegen, kurz, daß die Welt der Sterne nicht begrenzt ist, wie man bisher annahm. Amundsens Mißgeschicks Der kühne und bisher immer erfolg- reiche Nord- und Südpolkämpfer Amundsen ist auf seiner jetzigen Polreise andauernd vom Mißgeschick ver- folgt. Wie ein Fischereidampfer, der vom Eismeer nach Nome in Alaska zurückkehrte, meldet, ist Amundsens Sckiff .Maud" in der Nähe der Küste OstiibirienS so fest von EiSmassen eingeschlossen worden, daß das Schiff in Gefahr schwebt, vom Eise zerdrückt zu werden. Tritt dieser Fall ein, so muß Amundsen mit seinen Begleitern die Küste zu erreichen suchen und heimreisen. Das ganze weitsichtige Unternehmen, das 1918 begann, wäre damit in Frage gestellt. Die Erneuerung der Hochschule für Musik. Der Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung hat an die Staatliche Hoch- schule für Musik die Professoren E. N, v. Reznicek und Otto Taubmann für Komposition, Professor Albert Fischer für Gesang, Professor Waldemar Lütschg für Klavier berufen. Professor Carl F le s ch übernimmt an der Hochschule einen Sonder- kursus für Violine, der im Frühjahr nächsten Jahres beginnt. Der Wissenschaftliche Verein setzt trotz der Ungunst der Nerbält- nisie seine Bestrebungen, seinen Mitgliedern gute Vorträge zu bieten, fort. Der Jahresbeitrag ist auf nur 20 M. erhöht(weitere Familienmitglieder 15 und IV M.) In diesem Vinter sprechen u a. v. Lettow-Vorbeck(Ein- drücke von Land nnd Leuten in Afrika), Vros. Poll(Entwicklung ohne Be- srnchtung), Dr. Utbrich(Ameiienschlange). Pros. Freundlich(Kolloid- Cbemie), Pros. Schünemann(Ziele der modernen Musik), Prof. Wagner (Die Elektronenröhre). Einzclvorträgc 4 M. Näheres durch die Geschäft»- stelle SW. 7. G-orgenftr. 34/36. Klabunds Vortragsabend im Graphischen Kabinett. Kursürsien» dämm 232, der heute stattfinden sollte, ist aus den 5. Oktober verschoben worden. Der Landeöverein Preußischer Dechnischer Lehrerinnen» der setzt aus ein 25'ähriges Bestehen zurückblickt, tritt vom 2. vis 6. Okiober in Dortmund zur gemeinsamen Beratung zusammen. U. a. wird da» Turn- syslem Menscndieck in Vergleich gestillt zum deutschen Schulturnen..Den natul rundlichen Unterricht in der Hand der HauswirtschaslSlehrerinnen" bebandelt Frl. Baumert-Sagen. lieber den Ausstieg der.Begabten im Zeichenunterricht spricht Frl. Erna Meineckc-Dorlmund, über den.Nadcl- arbeitSunterricht im neuen deutschen Schulsystem' Frl. Brackebusch-Celle. Friedensdokumcute. Beim Umbau des neuen, am bistorischen Rat- bauS gelegenen StadtweinhauseZ in Münster, wurden wichtige archiva- rische Funde gemacht. ES handelt sich um Urkunde» auZ btc Zeit der westfälischen Frieden Sverhandlunge». Nr. 4S0 ♦ 37. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 2S. September 1920 GroßGerlln Wann tritt Groß-Serlin in krafi! Der von der Preußischen Landesversammlung mit den Aenderungen des Gesetzes Groß-Berlin betraute Ausschuß hat bekanntlich beschlossen, die Zahl der unbesoldeten Stadträte auf 12 festzusetzen und der Landesversammlung zu empfehlen, eine nochmalige Wahl der sogenannten 20 politischen Stadt- röte vornehmen zu losten. Tritt die Landesversammlung dem vom Ausschuß mit 15 gegen 11 Stimmen gefaßten Beschluß bei— woran nicht zu zweifeln ist— so wird die im Gesetz Groß-Berlin vorgesehene Inkraftsetzung der neuen Einheits- gemeinde über den 1. Oktober hinausgeschoben. Der Ausschuß hat daher in den ß 58 des Gesetzes über die Nebergangsbestimmungcn einzufügen beschlossen, daß die in Betracht kommenden Magistrate und Gemeindevorstände ihre Amtsgeichäfte so lange fortzuführen haben, bis der Ma- gistrat von Groß-Berlin gewählt ist. Tie Landesversammlung wird sich aller Voraussicht nach in dieser Woche mit den Vor- schlagen des Ausschusses beschäftigen. Jedenfalls dürfte es noch einige Zeit dauern, bis die nochmaligen Wahlen vorge- nommcn werden können. Die Veranlasser des neuen Ausnahmegesetzes gegen das rote Berlin dürften nicht gerade große Freude an ihrem Flickwerk haben, denn daß der Magistrat nunmehr ein viel anderes Gesicht bekommt, ist doch wohl nicht zu erwarten. � Die bürgerlichen Parteien werden entsprechend ihrem Stärkeverhältnis 5 unbesoldete Sitze bekommen, und da unter den schon einmal gewählten Dutzendstadträten sich bereits 2 Bürgerliche befinden, ist in den Reihen der Unabhängigen bereits die Frage aufgeworfen worden, ob dieselbe in die Zahl K einzubeziehen seien. Die Sozialdemokratische Fraktion hat fich bei der Wahl dieser beiden Herren lediglich von sachlichen Motiven und Billigkeitsgründen gegenüber der Demokratischen Partei leiten lassen. Das Verhalten der letzteren in der Preußischen Landes- Versammlung hat jedoch auch in unseren Reihen� eine starke Mißstimmung ausgelöst. Im übrigen braucht wohl an dieser Stelle nicht besonders betont zu werden, daß der gegenwärtige Zustand des Hinaus- schiebens der Einheitsgemeinde die Führung der Geschäfte in allen Orten erheblich erschwert. Die Stadtverordneten- Versammlung und Gemeindevertretungen sind zum großen Teil bereits außer Tätigkeit und für die Verwaltungen selbst ist ein Disponieren beinahe unmöglich. Darüber sehen die Leidig, v. Eynern und Genossen mit Gleichgültigkeit hinweg. Pflicht der Regierung muß es sein, auf schnelle Beseitigung des gegen- wältigen Zustandes zu drängen. gefahren ist, um im Tiergarten den Tod im Wasser zu suchen. Die Ermittlungen sind daher auch noch nicht abgeschlossen. Die Ausgestaltung des Bahnhofs Friedrichstraste. Bekanntlich sollte durch den Umbau des Bahnhofs Friedrich- straße ein neues Monumentalvauwerk geschaffen werden, und dieses durch die Freilegung auf der Nordseite für die mit der Stadtbabn in Berlin eintreffenden Reisenden besonders zur Gel- tung gebracht werden. Aus verschiedenen Erwägungen heraus hat nian sich neuerdings entschlossen, den ursprünglichen Plan, so weit abzuändern, daß die Kosten erheblich niedriger werden. In den technischen Einzelheiten bleibt es bei dem ursprünglichen Pr»- kWMsliM des MledsMelmMes. Die Betricbsrätezentrale des A. D. G. B. und der Afa veran- staltet für die Delegierten deS ersten BetriebsrälekongresieS Deutsch-- lands am Montag, den 4. Oktober, abends 7 Uhr, im großen Saal der»Neuen Welt", Hasenheide 103/114, einen Empfangsabend. Mitwirkende: Konzertmeister Lambinon, Violine, Paul Conradi iDeutsches Theater), Rezitation t das Blüthner-Orchesier. Musikalische Leitung: Chormeister Thilo. Die Männerchöre:»Namenlos" und .Solidarität"(Mitglieder des Arbeiter-Sänger-BundeS). Begrüßungsansprache: Rudolf Wissell. Eintrittskarten für Gäste zum Preise von 3 SO M. bei der Berliner Gewerkschaftskommission, Engel« ufer IS, I, Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände. Belle- Alliancestr. 7—10, und im BetriebSräteselretariat, In den Zelten 23. Der Mord in der Bülowstraste, bam die Schauspielerin Klemm zum Opfer fiel, hat noch keine Aufklärung gefunden. Nachdem der Geliebte der Ermordeten, der nach allen bisherigen Feststellungen nur allein als Täter in Frage kommt, als gowerbsmätziger reisender Tcnchcndi�b entlarvt worden ist, sind Beamte der Taschendiebespatrouillc stündig unter- wttzS, um seine Spur zu suchen. Man hofft, des Gesuchten bald habhaft zu werden, um so mehr, als Bilder von ihm beim Erlen- nungsoienst vorhanden sind. Der Fall zeigt wiederum, wie ein- träglich die„Geschäfte" der gewerbsmäßigen Taschendiebe sind. Pomoczny hat auf diese Weise so viel„verdient", daß er sich mit dem„Nimbus" eines„Schiebers" umgeben konnte. » Dem Leichenfund im Tiergarten liegt nach den bis- herigen Feststellungen wobl kein Verbrechen zugrunde, wenn auch die Angehörigen einen Selbstmord des jungen Mädchens für un- wahrscheinlich halten. Fest steht, daß der Mann im Kahn, ver von einen: Zeugen gesehen worden ist, nichts mit dem Tode des Mäd- chens zu tun hat. Es ist dies ein P a r k a n g e st e l l t e r, der Fischerlaubnis hat und die von ihm gelegten Reusen untersuchte» Auffällig bleibt es immer noch, daß das Mädchen nach der Aus- einandersetzung mit der Pflegemutter von Steglitz nach Berlin jekt, drei Bahnsteige, ton denen der eine, nördliche für die beiden Richtungen des Vorortverkehrs bestimmt ist. Aus dem mittleren Bahnsteig werden sämtliche Züge nach Westen und vom Osten ab- gefertigt, während die Fernzüge aus westlicher Richtung und nach dem Osten aus dem südlichen Bahnsteig abgefertigt werden. Ter Zugang zu den Fernbahnftergen erfolgt von der Nordseite her, wo die Fahrkartenschalter und die Gepäckannahme angeordnet sind. Der Ausgang der ankommenden Reisenden ist jedoch nur nach der Südseite möglich, hier sind auch die Gepäckabfertigun- gen, die großen Droschkenhalteplätze von jeher gewesen. Im großen Ganzen werden nach dem. neuen Plane die ursprünglichen Funda- mente, Mauern usw., die ursprünglich durch Eisenbetonkonstruktio- neu ersetzt werden sollten, für den Umbau benutzt. Danach wird die Südseite des Bahnhofes in dem jetzigen Zustand erhalten bleiben. Nur die Ausführung de? Dienstgebäudes aus der Südseite wirb eine Veränderung des Bildes bringen. In diesen: sollen Post und Polizei sowie c:ne Bahnmeisterei und einige Dienstwohnungen untergebracht cherden. Der umgebrnlte Bahnhof Friedrichstraße wird wenigstens vom Norden her den Eindruck eines Monumental- baues machen._ Die Cöpenicker Kleinhaus-Siedlung. Die unter großen Mühen fertiggestellte Cöpenicker Kleinhaus- Siedlung wurde von dem leitenden Unternehmer. Kommerzien- rat Haberland, der S:adt übergeben. Die Siedlung, die etwa 1S0 Häuser umfaßt, deren jedes einen elwa 300 bis 800 Ouadraimeter großen Garten besitz, ist dadurch ganz be- sonders bemerkenswert, daß sie mit Friedensmaterial hergestellt worden ist, das seinerzeit rechtzeitig erstanden wurde. Aus diesem Grunde konnten die Häuier zu verhältnismäßig sehr billigen Preisen abgegeben werden. Für minderbemitrelre Kriegsbeschädigte und kinderreiche Familien betrug der ermäßigte Kaufpreis für den kleinsten Typ mit drei bewohnbaren Räumen 1S000 Mark, der nichtermäßigte bis 23 000 Mark. Die größten Häuser mit sechs bewohnbaren Räumen sind mit SS 000 M. verkauft worden. Die Häuser machen, außen wie innen, den denkbar besten, wohnlichen Eindruck. Formen und Farben zeugen von hohem, künstlerischem Geschmack, die Anordnung der Räume von vollendeter vraltiicher Geichicklichkeit und Erfahrung. Bürgermeister und Baurat von Cöpenick verfehlten die günstige Gelegenheit nicht, vor den versammellen RegierungS-, Presse« und Gemeindevertrerern ihr schmerzliches Bedauern darüber aus- zusprechen, daß die über 700 Jahre lang selbständig geweiene Stadt nun diese Selbständigkeit verliere und in den Ortsverband Groß-Berlin übergeben müsse. Wenn Cöpenick letzten Grundes nichts weiter als eine 700 jährige Tradilion gegen die Eingemein- dung in Groß-Berlin ins Feld zu führen hat, fo möchten wir da- zu nur bemerken, daß unsere Zeit über zabllo'e ebenso alte oder noch allere Traditionen an einem einzigen Tage mit einem Schlage fortgeschritten ist. In Erinnerung an dieses welthistorische Ge« schehnis dürfte der Sradt Cöpenick das Aufgeben ihrer Selbständig- keit nicht ganz so schwer fallen. Das Ende des Tcltower Kreistages. Die letzte Sitzung des Teltower Kreistages hatte noch eine Reihe wichtiger Punkte zu erledigen. U. a. beschloß der Kreistag, den Ruhe lohn und die Hinterblieüenenversorguna für die bei den Äreisstraßenbahnen beschäfligten Personen nach den Sätzen der Großen Berliner Straßenbahn zu regeln. Für die Festangestellten wird nach dem Muster des Tarifvertrages für die Arbeiter die im Falle der Erkrankung gewährte Weiterzahlung des Lohnes auf 26 Wochen verlängert. Bei Gelegenheit des Be- richtes über die K r e i s s p a r k a s s e, der Girokasse und der Kreis. kommunalkasse gibt der Abgeordnete Nathan einen historischen Rückblick über die Finanzgebarung des nunmehr zu einem erhsb- lichcn Teil in Berlin aufgehenden Kreises. Die Ausführungen des bürgerlichen Abgeordneten gipfeln in dem Ausspruche:„Bis hier- her war die Entwicklung des Kreises Teltow gut, der Rest ist Schweigen", Die beantragte Entlastung wird erteilt. Der Aus- tausch von Flächen am Teltowkanal mit der Stadt Teltow wird antraggcmäß beschlossen. Die Wahlen von Schieds- männern, von A m t s v o r st e h e r n und Amtsvorsteher-Stell- Vertretern werden nach den Vorschlägen des Wahlausschusses er- ledigt. Bei der Wahl des zum Amtsvorsteher vorgeschlagenen Rittergutsbesitzers Wrede enthält sich die S. P. D. der Abstimmung und bedauerte einen Gegenkandidaten nicht vorschlagen zu können. Herr Wrede bestreitet, daß:n seinem Betriebe gegen die Versiche- rungsgesetze irgendwelcher Verstoß vorgekommen sei, seine Be- triebskrankenkasse sei vorbildlich. Der Landrat schloß den Kreistag als den größten, der in -Preußen je bestanden, der bewiesen habe, daß auch ein Kreistag, der nach politischen Parteien zusammengesetzt sei, fruchtbare wirt- schastliche Arbeit leisten könne, Ausscheidende Stadträte. Stadtbaurat, Stadtältester Dr�Jng. Bredtsch neider und Stadtschulrat Dr. N e u f e r t, beide bisher im Charlottenburger Magistrat tätig, treten am 1. Oktober in den Ruhestand. Stadtbraurat Bredtschneider ist an: 1. März 1888 in den städlischen Dienst getreten und wurde am IS. März 1893 zum Stadtbaurat für Tiesbau gewählt. Ter AuSbau der Kanalisation. der Brücken, die A:rfschließung ganzer Straßenzüge und Stadtteile, vor allen Dingen aber die Bismarckstraße sind sein W?rk. Bis zur Einrichtung der Bezirksvcrwaltung wird Stadtbaurat Bredtschneider seine bisherige Tätigkeit weiterführen. Stadtschulrat Dr. Ne ufert gehörte seit dem 1. April 1399 dem Magistratskollegium an. Er hat u. a. die Waldschule degründet. Schönebergs letzte SiaStverorönetensitzun�. In der Schönebcrgcr Stadtverordnctensttzung wurden vor acht Tagen van dem Unabhängigen P e t e r s o h n bei einer Vorlage gegen das Wohnungsamt und gegen das Miet- einigungSamt h.e f t i g e Angriffe gerichtet, die auch den Angestellten galten. Zu Beginn der gestrigen Sitzung verlas Vor- sicher Czeminsk: ein langes Schreiben der Angestellten, durch das sie die Angriffe zurückwiesen. Sie verlangen Wiederherstellung ihrer Ehre, andernfalls wollen sie die Arbeit verlassen. Vorsteher Czeminski erklärte, das Schreiben dem Stadtverordneten- ausschufi überweisen zu wollen, der zur Untersuchung der behaup. teten Mißstände eingesetzt ist. Der IluSschuß habe schon eine viel- stündige Sitzung gehabt, sei aber einstweilen nicht weit gckommest. Die künstige Bezirke-Versammlung für Schöneberg werde einen neuen Ausschuß einsetzen müssen, der die Untersuchung weiterz«- führen hat. Die Stadtverordneten nahmen Kenntnis von dem Bericht deS Magistrats über die Entwicklung des Schöneberger K l e i n g a r t e n w e s e n s. Sie bewilligten 40 000 M. für einen Grundstock zur Förderung des Kleingartenwesens und 270 000 M. für Arbeiten auf dem Kleingartengelände, die als Notstands» arbeiten gelten und Arbeitsgelegenheit schassen sollen.— Zur Veranstaltung einer kommunal-hi st ort scheu Ausstel. lung, die weiten Kreisen das Schöneberg früherer Tage zeigen soll, wurden 13 000 M. bewilligt.— Zur Mehrung des Wohnungs- angebotes beantragte der Magistrat, für die Deutsche Erdöl- Aktiengesellschaft die Bewilligung von 3 Millionen M., die als B a u k o st e n z u s ch u ß den wegen der hohen Kosten ringe- stellten Ausbau des neuen Bureauhauses der Gesellschaft ermög- lichen sollen, wodurch die jetzt von den BureauS der Gesellschaft in anderen Häusern benutzten Woh räume wieder frei Wik- Das Licht der Heimat. 24j von August Hinrich». Frau Kasten hatte«in« Waschküche im Haus. Da stand sie in einer Wolke von Wasserdampf und musterte ihren Besuch, ohne die kräftigen Arme aus dem Trog zu nehmen. Meta trat dicht an sie heran und sagte, sie hätte gern in einer ernsten Sache ihre Meinung gehört. Frau Kassen warf ihr nur einen raschen Seitenblick zu und, ruhig dabei weiter waschend, sagte sie, daß sie jetzt keine»Zeit hätte und daß Meta heut abend wiederkommen solle. Meta war ärgerlich und beleidigt, aber zu Hause dachte sie: Nun gerade! Die nimmt es ernst mit ihrem Geschäft, von der kannst du am besten lernen. So ging sie abends spät nach einmal hin. Sie kam in ein nett und sauber qe- haltenes Zimmer. Frau Kassen hatte gerade die Hose ihres Aeltesten vor� der nun in Unterhosen neben ihr stand und sich, so gut«S ging, hinter dem Tisch zu decken versuchte. Aber er wurde hervorgezogen und mußte, so wie er war, ins Nebenzimmer. „So"— sagte sie dann,„wenn Sie setzt was auf dem Herzen haben, reden Sie nur. Fetzt Hab ich Zeit, aber bei Tage kann ich mir das nicht leisten." „Fch will anfangen zu waschen," sagte Meta ohne Um- schweife,„und wollte Sie fragen, auf welche Weise ich am besten«in paar Kunden bekomme." Frau Kasten nähte an ihrer Kose weiter. Endlich sah sie auf. Sie trug jetzt beim Nähen eine Brille und warf über diese hinweg Meta einen mißtrauischen Blick zu. Endlich lachte sie auf, kurz, fast spöttisch:„Und da sollte ich Ihnen wohl meine Kundschaft abtreten, was?" „So meine ich das nicht," sagte Meta,„nur Ihren Rat wollte ich haben." „Mein Junge hat mir schon von Ihnen erzählt. Sie sind doch die Frau Folkcrs— und Ihr Mann— naja, ich weiß schon, er kann die Stadtluft nicht vertragen." Meta sprang auf. „Bleiben Sie ruhig sitzen! Meiner konnts auch nrcht. et hat sich gründlich unter die Erde gesoffen und war sonst die Gutmütigkeit selbst. So— und jetzt wällen Sie waschen?" ,/Ja," sagte Meta,„ich muß was verdienen." ,�ch denke, Sie gingen auf Stunden." /,Ja, aber das langt nicht." Eine Weile schwieg Frau Kassen, dann, naa, einem schnellen, prüfenden Blick, begann sie vorsichtig:„Ich habe jetzt allerlei Kunden, die mir die Wäsche ins Haus bringen. Wie wäre das— wenn Sie mir hier helfen wollten— dann würde ich Sie dafür bezahlen und Sie hätten nichts mit den fremden Leuten zu tun." Da merkte Meta, daß sie eine zähe und kluge Geschäfts- frau vor sich hatte, die sich von einer anderen nicht die Kunden abnehmen lassen wollte. Aber sie wollte aus jeden Fall wlö- ständig sein. .Lieber nicht," sagte sie nur ,Fch möchte selbst zu den Leuten hingehen." „Es ist nicht so leicht, wie Sie denken— von Morgens bis Abends in einer zugigen Waschküche stehen— und dann die Hände, ich hob sie erst oft genug blutig gehabt— und dazu die Behandlung von den Leuten— es ist weiß Gott nicht leicht. Und wers nicht nötig hat—" ,�ch muß es aber," fiel Meto ihr ins Wort. Frau Kassen sah auf und sah die fest zusammengepreßten Lippen in Metas Gesicht— sie merkte wohl, daß da außer dem Müssen auch«in Wollen war. Sie gedachte ihres eigenen'chweren Anfangs, da sie ihren Mann aufgegeben hatte, der Kinder wegen, und sich allein auf ihrer Hände Arbeit verlassen mußte. Mitgefühl und Gcschästsklugheit stritten in ihrem Herzen miu-'nander. Endlich abm nannte sie Meta doch ein paar Kundin, an denen ihr selbst nickst viel mehr lag und die sie chne Schaden abtreten konnte. Meta sollte sie einmal ansuchen un) cs bei denen versuchen. Soviel Entgegenki.n neu batr: Meta mch: ciumgi er- wartet. Als sie am andern Tage bei allen vorgesprochen hatte, konnts sie zufrieden'ein sie hcr�te sofort mehrere Tage für die nächsten Woch-n besi'tzt. Run mutzte sie ihren Hau? hakt cnders anfast'n. Mor- genS in aller Frühe richtete sie das Esten für den ganzen Tag. so daß Dierk es nur warm zu machen brauchte. Sie selbst kam erst spät am?7be-:d zunick. Mit tapferem Herzen begann sie ihren neuen Beruf. Aber Frau Kasten hatte Recht, es war wirklich nicht leicht. Die Füße schmerzten von dem langen Stehen, der Rücken tat ihr weh; und wenn sie abends heiinkam, war sie müde zum Umfallen. Aber sie brachte jedesmal das bare Geld mit heim! Das heiße Seifenwasser griff ihre Hände an, sie umwickelte die wundgeriebenen Stellen mit altem Leinen und wusch weiter. Vor Schmerzen mußte sie oft die Zähne zusa.,-,nenbeißen— aber sie hielt durch. Die ersten Wochen waren die schlimmsten. Die besten Kunden hatte Frau Kassen nicht fortgegeben, beim einen war die Waschküche ein dunkles Loch, beim andern war da� Wasser mühsam ein paar Treppen herauszuschleppen, so'ab es überall etwas, was unangenehm war. Aber wie sie Müdigkeit, Schmerzen und wunde Hände überwand, so überwand sie auch dies. Nur sich unterkriegen lassen, sich demütigen lassen, das wollte sie nicht. Und als sie einmal in hochfahrendem Ton sehr von oben herab behandelt wurde, band sie mit einem raschen Entschluß ihr« Schürze ob und ging nach.Haus. Da schlug der Ton Drohungen und Schimpfen, und als das nicht half, in Bitten und Betteln um. Aber sie hielt den Nacken steif und setzte ihren Willen durch. Und war selbst erstaunt, wie die Menschen einen festen Entschluß schließlich wider Willen achten mußten, und wie nur die Feigen, Schwachen und De mutigen von allen getreten werden. Das gab ihr Zuversicht und Kraft. Sie selbst aber wa- pünktlich und zuverlässig, es dauerte nur ein Paar Woche- da hatte sie alle Tage der Woche besetzt. Nun-begann sie, sich ihre Kundschaft auszusuchen und ließ die Unangenehmsten fahren. Sie-war über den Berg hinüber.. Nur, da� sie die ganzen Tage von Hause abwesend sein mußte, war schmerzlich für sie. Dierk trieb sich ohne Aus- sicbt auf der Straße herum, und Harm nickte weiter und weiter von ihr ab. Je mehr sie verdiente, desto mehr mutzte sie im.Haushalt mit verbrauchen, denn Harm brachte immer weniger mit beim. Nur mit Mühe und Not Konnte sie hm und wieder einen Taler in da? versteckte Schachtelchen tun' ach, e? wollt? und wollte sicki nickst füllen. Sie verdiente gut, aber sie hätte gern mehr gehabt, um für die Zukpnft sorgen zu können. Aber wie sollte sie das anfangen, da sie doch jetzt schon tagtäglich von früh bis spät arbeitete? Sie nahm den Sonntag zu Hilfe. Oesters hatte eine Plätterin Leute von ihrer Kundschaft im Stich gelassen,)a war sie eingesprungen und hatte am Sonntag gepläftet. Sie hatte nur ihren Tagelohn dafür genommen, aber sie merkte bald, daß diese Arbeit besser bezahlt würde, wenn sie nur mehr dafür verlangte.(Forts, folgt.) dt«.. Die soz!aldemo?ratisck>e Fraktion stimmte schweren? erzen Z zu, wie ihr Redner Dr. C h a j e s ausführte. Die lange Debatte über diese Magistratsvorlage wurde..belebt" durch den Tcutschnatio- Halen Kunze, der sejn ,.a n t i k a p i t a l i st i s ch e s" Herz cnt- deckte gegen die Unterstützung der Gesellschaft wetterte und unter Angriffen auf den Magistrat die Notwendigkeit dieser Maßregel bc- stritt. Auf seinen Vorschlag, den Ausbau zu erzwingen, ant- wartete Oberbürgermeister Dominicus scharf:„Das der- st c h e n Sie nicht, es gibt hier keine Möglichkeit des Zwanges." Im übrigen konnte der Oberbürgermeister mitteilen, daß der von der Stadt erbetene Zuschuß aus der produktiven Srwerbs- l o s e n f ü r s o r g e ihr inzwischen zugesagt worden ist. Herrir Kunzes Bedürfnis, in dieser letzten Sitzung der Schöncbergcr Stadt- derovdnetcnversammlung noch einmal sein Licht leuchten zu lassen, wurde von der sozialdemokratischen stzraktion durch?l l b r e ch t, Kaspar und E r d m a n n gebührend gewürdigt. Tie Vorlage wurde angenommen, ebenso ein Antrag der soz'aldemokra- tischen Fraktion, d�r Magistrat solle den Wohnnngsverband Groß- Berlin veranlassen, alle über 300 Quadratmeter großen Geschäftsräume festzustellen und ihre Ausnutzung zu prüfen. Nach Erledigung der Tagesordnung ergriff Oberbürgerrncister Dominicus das Wort zu einem geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung der Stadt Schöneberg, die nun ein Teil der neuen Stadtgemeinde Berlin werden soch Er rühmte die Leistungen besonders auf dem Gebiet des Schulwesens Und des Gesundheitswesens, wobei er das Wirken des Stadtrats Rabenow hervorhob. Er gedachte dann der Revolutionszeit, in der die Hal- tung des• Magistrats einwandfrei gewesen sei. Er erwähnte die langjährige Tätigkeit der ältesten Stadtverordneten und nannte als den dienstältesten unseren Genossen Obst. Dr. Schneider (Deutschnational) dankte dem Vorsteher Czeminski für die llnpar- teilichfeit der Leitung.(Beifall.) Vorsteher Genosse Czeminski dankte in einem Schlußwort dem Magistrat und sprach die Soff- nung aus, daß es möglich sein werde, auch in der künftigen Bezirks- Versammlung das Gemeinwohl Schöncbergs zu fördern.(Beifall.) Neuköllner Arbcitsmarkt und Erwerbsloscnfürsorge. Tie Zahl der Neuan träge auf Erwerbslosenunterstützung ist in Neukölln� in den Monaten Juli und August von 4250 auf 6410 angewachsen. Mit der ertöhten Inanspruchnahme der Fürsorge ist auch ein ebenso starker Andrang zum städtischen Arbeitsnachweis zu beobachten, inSgesanu meldeten sich in der Zeit vom 1. Juli bis 31. August dort 6141 Personen beiderlei Geschlechts.�um ihre Eintragung zu beantragen. Tie Zahl der offenen Stellen betrug im Juli 1825, im August' konnte nur noch 1269 Arbeitnehmern eine Stellung angeboten werden. An Unterstützungen zahlte die Stadtgemcinde in den beiden Monaten annähernd 214 Millionen Mark. Abfcrtigungsverkchr im städtischen Kriegsfürsorgcamt Neu- kölln. Mit Rücksicht auf den außerordentlich gestiegenen Publikum- verkehr in der städtischen Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und .Kriegshinterbliebene, der an eirzelnen Tagen bereits eine Ab- fertigung von über 250 Antragstellern erforderte, werden die Ab- fertigungszeiten für den Publitunwerkehr vom Freitag, den 1. Ok- tober ab auf Montag, Dienstag. Donnerstag und Freitag von 9 bis ZZ Uhr festgesetzt. Mittwochs und Sonnabends bleiben die Bureaus geschlossen. Britz. Bei der Quäkerspeisung hat sich im Lause der Zeit eine recht bedauerliche Erschein una eingestellt. Viele Eltern haben anscheinend geglaubt, daß das Ouäkeresien ein Ersatz für eine häusliche Mahlzeit sein soll. Nichts wäre so falsch und so unrecht, wie diese Auffassung. Die Quäkerinission weist immer wieder darauf hin, daß nur dann die Speisung Lriolg an den Kindern haben kann, wenn durch sie keine andere häusliche Mahl« zeit verdrängt wird. Die Ellern mögen also auf diesen Um- stand Obacht geben und in Ankunft den an der Quäteripeirnng teilnehmenden Kindern keine häuslichen Mahlzeiten vorenthalten. Ter Moralunterricht in Reinickendorf. Nachdem die Arbeits- oymeinschafl der Reinickendorfer Lehrer für Moralunterrichh bereits zwei aufklärende Vorträge veranstaltet bat, findet der dritte Vortrag dieser Art am Mittnwch, den 29. September, in der Aula der 1. Gemcindeschule iiftlö am 30. September in der Aula der 5. Schule statt. Beginn 714 Ilbr. Lehrer Meiser n-ird das Thema: „Die weltliche Schule" vom pädagogischen Standpunkt aus behau- dein. Eltern und Erzieher sind eingeladen. Sarrasani bei Busch. Vor ansvcrkauftcm Hause wickelte sich am Sonnabendabend erstmalig das glänzende Programm des Zirkus Sarrasani im Buschgebäude ab. Eingeleitet wurde der Abend durch eine nichtendenwollcndc Prozession all der zweibeinigen und vierbeinigen Künstler, die nach Berlin gekommen sind, um ein wirklich erstklassiges Können zu zeigen. Wenn man be- denkt, daß sämtliche Pferde des Zirkus während des Krieges ebenso wie die Elesanten. Kamele und Zebras scheuere Arbeit leisten muß- ten, so erscheinen deren Leistungen noch um so'bewundernswürdiger. Alle Tiere sind in der denkbar besten Verfassung und fesseln das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute. Besonderes Auf- sehen erregen die 14 indischen R i c s e n e l e f a n t c n, die als Akrobaten und Artisten ein Höchstmaß von Dressur zeigen. Nicht weniger interessant ist das exotische Potpourri. Kamele, Dromedare, sibirische Trampeltiere, Zebras und Zebroiden vereint- gen sich in ibm mit dem ersten dressierten Nilpferd, lieber alles Lob erhaben sind die P i e r d e d r e s s u r e n. Aber nicht mir die Vierfüßler kommen zu Worte. Eine angenehme Abwechslung bic- reu Art! st e n, ein r u s s i s ch e r S ä n g e r ch o r, der seine schwer- wütigen Weisen singt, eine ganze Gesellschaft Sudanneger, die sich in ihren heimischen Tanzbunsten produzieren. Aber auch das Sarrasaui-Ballett kann sich sehen lassen. Dazwischen fehlt es nicht an lustigen Episoden, hervorgerufen von den nun einmal zum Zirkus gehörenden Spaßmachern. Es würde zu weit führen, alles das aufzuführen, was der Gast des Zirkus Busch zeigt. Alles' in allem kann man aber ohne Ucbertreibung sagen, daß die Leistungen einzig in ihrer Art dastehen, zum größten Teil für Berlin Neuheiten sind und in Verbindung mit niedrigen Eintritts- preisen der Direktion die Sorge um den Erfolg abnehmen werden. Das Theater„Fol>es Caprice" in der Friedrichstraße amüsiert ■fein Publikum mit drei Einaktern, wie sie an dieser Stelle geliebt und gepflegt werden.„Eine unruhige Nacht" enthält die Schlaf. ■wandlererkursionen eines Ehemannes und ist selbst für dieses Theater allzu skrupellos in der Wahl der' Mittel.„Leas Ohnmacht" ist ein amüsantes Intermezzo von der Verführung eines Gerichts- Vollziehers, der ganz vorzüglich und in einer hier ungewohnten Charakteristik von Georg Erich Schmidt dargestellt wird.„Vcr- sichern ng gegen Ehebruch" bildet in der Verwirrung aller mög- lichen Tollherien d:n Höhepunkt des Programms. Zu nennen ist als Meister der Jargonrollen vor allem Ferdinand Grünecker «md als prachtvolle; Typ in ihrer burlesken Zsrt Mari e Grün- ecket- Joflh. K. Yinmaligc Unterstützungen im Betrage von wenigstens ZO M. sollen aus der unier Verwallunq der slädtischcn Stistungsdepulation stehenden Oiakob-Zeillrr-Stbiung an solche Weber und Stuhlaibeiter(d. h. Weber, Wirker, Naschmacher, Zeügmacher, Tuchmacher, Strümps, und Seidcnwirker) und auch andere Handwerker, Meister und Gesellen vergeben werden, welche sich in Geldverlegenheit befinden.(Siehe Inserat in der vorliegenden Ausgab-.) tSinc Neuerung auf dem Gebiete des wissenschaftlichen Films wird am Mtltwoaz, den 6. Lkiober, auf der Tagung der Enli-biedeneii Schulresormer vorgcsübrl werden. Man wird dort die psychologischen Mc- tboden der Menschen ölonomie und Produstionssleiaerung zeigen. Neben Veranichaulichungcn des Tanlorihstems stehen wichtige Themen wie Ermüdungsbelämpsung durch Ucbung der einsachsten Bewegung und Be- tricbsauslcie der Tauglichen im Mitlclpunlt Di« Vorführung findet in der steslhallc Lankwitz, vormittags 12 Uhr, als Abschluh der öffentlichen Sitzungen stall. Ausjührlichc Programme zur ganzen Tagung durch Dr. Franz L. Müller, Berlin-Lankwitz, Gluckstr. 11. Tie Volkshochschule der Gemeinden des 17. Bezirks der neuen Stadtgemeinde(Bcrlw-Lichtenberg— Friedrichsselde- Karishorst— Biesdorf— Kaulsborf— MahlSdors— Marzahn— Hellersdorsi hat ihr Vorlesungs- Verzeichnis für das Vierteljahr Oktober> Dezember 1329 berauS- gegeben. Lebrstälten find: Rciorm- Realgymnasium, Cecilren« Lyzeum und Üahn-Realgvmuastum in Lichtenberg und das Kant-Realaymnasiunr in Fricdrichsfelde-Karlsborst. Unentgeltliche Vorlesungsverzeichnisse, die nc- naue Angaben über die Veranilaltungrn und Anmeldungskarten entbalten. sind u. a. in sämtlichen Lichtenberger und Friedrichsseldcr Vcrkaussslcllen der Konsumgenossensibast, deS Veamten-WirtichaftSvereins und bei den Me- meindcverwallunasstellen in Biesdorf. Kaulsdors, Mahlsdorf, Marzahn, HellerSdors und Stralau zu haben. Sprachbeilkurie. Auch im Winterhalbjahre werden an der Städtischen Forthildungsilkuilc siir Schwerhörige und Ertaubte. Markusitr. 49. Heil- kurie iür spracbleidende.tortbildungsicbüler und Erwachsene beiderlei Gc- irfrsofftfiS hm+ov Optfttrm hetnUhritHr nfirrpftrtlfp.tt. fttthpn Groß-öerlmer Parteinachrichten. Parteifunktionäre! Freitag, 1. Oktober, abends 6 Uhr, findet im„Deutschen Hof", Luckaner Straße 15, eine Allgemeine Funktionärkonferenz statt, in der Stellung zu den Berliner Kommniialvorgängen genommen werden soll. Wir bitten, an diesem Tage von anderen Beranstaltunge» ab- zusehen._ Der Bezirksvorstand. Heute, 28. September. Kreis Friedrichshai«. Voxstandssttzung 7 Uhr bei Schitkert, Rüders- dorfcr Slr. 3. Jungsozialistisch Bereinigung(S.P.D.). Lichtenberg. 7 Uhr bei Schlenkrich Simvlonstr. 42, Vortrag über Franensragen. Tcmpelhos. 7 Ubr bei Boie, Werder-, Ecke Kaiser-Wilbclm-Straße. Lcseabend. Wcistensee. 7 Uhr Lokal Stärke, Charlottenburger Straße 3. Kreisversammluna. Die aus der letzlen Generalversammluna gewählten Deleaierlcn, die Mitglieder des enaercn Vorilandes und die Mitglieder der Fraktion sind bierzu eingeladen. Referent Häußier. Buch. Oeffentliche Volksversammlung 7b» Uhr im Lokal von Möpsert. Thema: Sozialismus und Bolschewismus. Referent: Gen. Dr. Zechlin. Bezirk Woltersdorf. Mitgliederversammlung abends 8 Uhr im Lokal „Zum Damysbool". Karow b. Berlin. 8 Ubr bei Berndt, Dorsstr. 41, Mitgliederversamm- Imtg. Tagesordnung: Bericht über die Kreisvcrireterversammlung und Lrganisationssragen. Morgen, 2S. September: 13. Abt. 7 Uhr Zablabend bei Slclnke. Riitcrstr. 115, Riespodzianl, Brandenburastr. 54. Ioneleir. Aleyandrinenstr. 134. Alte 13. Abt. Abends 8 Uhr bei Kroße, Blumcnstr. 88, Sitzung der Funitionäre. BeliiebSoertraucnsleute nnd Elternbeiräte. Aussprache über die Neueintcilung der 15. Abteilung, Abrechnung der Funktionäre, die zur 16. Ableilung übergehen. 25.(neue) Abt. 7st, Ubr Mitgliederversammlung im Bürgcrheim, Alte Schönhauser Str. 23/24. Bericht vom Bezirkstag, Wahl der AbteilungS- leituna uiw. 49. Abt. 7 Ubr Funktionärkonfcrenz bei Priller. Berlühingenstr. 7. Wahlkreis Halleschcs Tor.'/-L Uhr bei Droggc, Dicffcnbachstr. 57, Vorstandssitzung., Friedenau und Friedcuauer Qrtsteil von«chöneberg. Oeffent- liche Versammlung der S P.D. im Bürgcriaal des Friedcnauer Ratbnuses. Ken. Hemrick S t r ö b e l spricht über„Moskau und die Unabhängigen". Vollzähliges Erscheinen aller(Genossen wird erwartet. Nicderschönhausen. 7'/, Uhr Mstgliederoersammlung deS Sozial- demokratischen Wahlvereins in dcn�Wilbelmshallen. Kaiscr.Wilhelm-Slr. 64. Vortrag deS-Gen. Breuer über Sozialismus und Bolschewismus. Einge- sührte Gäste willkommen. Jugenüveranftaltungen. Heute, 28. September: Ybarlottenburg. Rosinenstraße 4. Volkshaus. Vortraq:„Wilhelm Liebknecht".— Moabit. Schule Waldcnscrstraße 2!, DiSkussionSabend: „Erfurter Programm". Vorträge, vereine unü Versammlungen. Zentrale sür Einigung der Sozialdemokratie.(Ortsbczirk Neukölln.) Heule, abends'jß Ubr, im Loial voim. Balewski, Isar- ilraße. Ecke Boddinilraize: Milgliedciverjammlung. Tagesordnung:„Zur Lage". Gen. Neilich und Ciupalsli. 2. Antrag aus Auslösung des Bezirks. 3. Verschiedenes. Reichsbund der Kriegsbeschädigten. sOrtSgrnppe Steglitz.) Heilte'jß Uhr in der Aula HeesestraU: Ordentliche Milglicderversammlung. Reserat des BundcSvorsitzcnden.— Gemeinschaft sozialdemokratischer Beamten»nd Angestellten EharlottrnburgS veranstaltet heute abend 7>/z Ubr eine Große Versammlung in der Aula der Leibniz-Obcrrcalschule. Chärlottenburg, Schillcritr. 125/127. Tagesordnung: Beamtenrätc und Beamten recht. Referent: Landrichter Rüben.—„Arbeiter- ichaft und Völlerbund�. lieber dieses Thema spricht heute abend 8 Ubr im Restaurant von Dorn. Friediichsielde, Vrinzenallec 35, Dr. Kumbel vom Bund Neues Vaterland in einer Versammlung des Friedensbundes der Kricgsteilncbmer unter besonderer Berücksichtigung der Völkerbunds- Vorschläge des Grasen Harry Keßler.— Rhetorischer Berein Berlin. Heute abend 7'/, Uhr in der Aula des Französischen Gymnasiums. Reichs« tagSuier 6: Vortrag von Dr. Hompf üb-r: Form, Quelle und Zweck der reien Rede. Eintrilt 1 M.__ Soziales. vie Gemeinwirtjchafi im Saugewerbe. Am 16. September ist in Hamburg der Verband sozialer Baubetriebe gegründet worden. Seine Autgabe soll die Gründung und Förderung gemeinwirtschastlicher, genossentchattlicher und sonst nicht auf privalkapttaltstttcher Grundlage tätiger Baubetriebe sowie ihre Vertretung gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften: Reich, Staat und Gemeinden sein. Der Verband hat die Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung! als Gründer treten die Verbände der Bauarbeiter. Steinsetzer. Maschinisten und Heizer. Fabrikarbeiter, Maler. Töpfer, Dachdecker, Asphalteure und Zimmerer sowie der Bund der technistbeir Angestellten und Bc- amlen auf. Außerdem nahmen als vorläufige Vertretung der etwa 100 bestehenden sozialen Baubetriebe IS solcher Betriebe auS allen Gegenden Deutschlands an der Gründungsversammlung teil. Diese Betriebe sollen jedoch nicht dauernd Gesellschafter des Verbandes bleibe», sondern nur Platzhalter sür die später zu gründenden Bezirks- oder Provinzialverbände sein. Das Gesellschaftskapital deS Verbandes beträgt einst- weilen 5 Millionen Mark, wovon der größte Teil(rund 4'/« Millionen) vom Deutschen Bauarbeiterverband gezeichnet worden ist. Der Fabrikarbeiterverband als Vertretung der Arbeiter in den Baustoff- betrieben hat 300 000 M.. der Malerverband und der Bund der technischen Angestellten und Beamten je 100 000 M. zur Verfügung gestellt. Die anderen beteiligten Verbände und die einzelnen sozialen Baubetriebe haben sich mit geringeren Summen bis herab zu 1000 M. beteiligt. Jedoch haben mehrere Verbände eine höhere Beteiligung in Aussicht gestellt, sobald sich ihre Generalvetsamm- lun gen bzw. Verbandstage mit der Frage befaßt haben. Einige andere Verbände, die sich ohne vorherige Zustimmung ihrer General« Versammlung an der Gründung nicht beteiligen konnten, haben ihre spätere Beteiligung in Aussicht gestellt. Der Verband sozialer Baubetriebe soll eine durchaus gemein- nützige und g e m e i n w i r t sch a f t l i ch e Körperschaft sein. Er soll nur Baubetriebe gründen und fördern helfen, die selbst gemeinnützig und von dem Grundsatz geleitet sind, möglichst gute und billige Bauten für die Allgemeinheit herzustellen. Diesem Zweck ist auch durch die Bestimmungen über die Verwendung des Geschästsgewinnes im Gesellschaftsvertrage Rechnung getragen. Von einem etwaigen Geschäftsgewinn sind zunächst 10 Proz. in eine Rücklage so lange einzustellen, bis diese die Höhe von 20 Proz. des Stammkapitals erreicht hat. Von dem alsdann verbleibenden Rest werden bis 10 Proz. nach Beschlutz des Aufsichtsrates zum Wohle der Angestellten verwendet. Der schließlich der« bleibend« Rest fließt in eine außerordentliche Rücklage zur Ver- stärkung der Betriebsmittel. Im Falle der Auflösung des Ver- bandes haben die Gesellschafter nur den Nennwert des eingezahlten Kapitals zurückzufordern. Der etwaige Ueberschuß muß zu gemein- nützigen WohnungSfüriorgezwecken verwendet werden und fällt mit dieser Bestimmung der dafür zuständigen Reichsstelle zu. Die Organe deS Verbandes sozialer Baubetriebe sind: n) die Geschäftsführer, b) der AussichtSrat, o) der Beirat, 6) die Generalversammlung. Als erster Geschäftsführer des Verbandes wurde der bisherige Schöneberger Stadtbaurat Dr. Jng. Martin Wagner, als weitere, vorläufig ehrenamtlich tätige Geschäfts- führer der Leiter der„Bauhütte", Soziale Baugescllschaft m. b. H. in Berlin, T h i e l i ke, und der Genofle A. Ellinger in Ham- bürg gewählt. Letzterer soll insbesondere zwischen dem Verband sozialer Baubetriebe und den beteiligten Gewerkschaften die Ver- bindnng aufrechterhalten. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist der Vorsitzende des Deutschen Bauarbeiterverbandes, Genosse Fritz Paeplow. sein Stellvertreter der Vorsitzende des Fabrikarbeiter- Verbandes, Genosse August Brey. Der Beirat besteht nebenden Geschäftsführern aus 10 Mitgliedern, er ist ausschließlich aus Ver- tretern sozialer Baubetriebe entnommen. Mit der Gründung des Verbandes sozialer Bautriebe sind die Vorarbeiten abgeschlossen, die im Februar dieses Jahres auf der Konferenz der Leiter sozialer Baubetriebe in Hamburg zur Zusammen- fassung der bestehenden sozialen Baubetriebe und zur einheitlichen und tatkräftigen Förderung der baugewerblichen Sozialisierung ein- geleitet worden sind. Der neue Verband soll zum Träger der gesamten baugewerblichen Sozialisierung werden. Sein Ziel ist die Einführung der Gemeinwirtschaft im Baugewerbe durch die Ueberführung der gesamten baugewerblichen Produktions- mittel in die Hand von Selbstverwaltungskörperschaften aus Kopf- und Handarbeitern unter dem Mandat von Staat und Gemeinden die Verbilligung der Bauten durch Steigerung des Arbeitsertrages und Ausschaltung der privaten Unternehmcrgewinne, die Schaffung sozialen Kapitals. Wir erwarten angesichts der bohen gemeinwirt- schaftliiben Ziele de? Verbandes seine tatkräftige Unterstützung durch Reich, Länder und Gemeinden. Sport. Tie sportlichen Wettkömpfc der Freien Turnerschasr Berlin am Sonntag wurden mit Gesang und gut wirkenden Freiübungen eröffnet. Dann begannen die Wettkämpfe der Männer, Frauen und Jugendlichen im Weitsprung, Dreisprung, Kugelstoßen und 100- bzw. 75-Meter-Lauf. Auch die älteren Turner über 35 Jahre stellten eine Riege und zeigten, daß selbst in den vierziger Jahren noch ganz gute Resultate erzielt werden können. Den Ab- schluß bildete ein Fußballspiel der 1. Männerabteilung gegen Fußballklub Union. Letzterer war infolge seiner jüngeren und flinken Spieler gegenüber der älteren Mannschaft der Fr. Turner- ichaft Berlin sehr im Vorteil. Tie schwache Stürmerreihe der Fr. Turncrschaft Berlin konnte gegen die gute Verteidigung der Union nicht aufkommen und vermochte kein Tor zu erzielen. Die Ver- teidigung der Fr. Tubnerschaft Berlin kam wiederholt in Bedräng- vis und mußte Union vier Tore überlasten. Trotz oftmaliger Schärfe wurde das Spiel korrekt durchgeführt. Resultate. AlterSricge: Karz, 4., 61 V.: Kauf, 1.. 57 P., Pnyist, 4., 44 P.: Stcrnberg, 1., 49 V.; Fuhrmeister. 1., 31 P.—Männer: Löschte, 1., 4t P.: List, 1.. 36 P.: Drunsel. 3.. 35 P.; Keift R., t.. 34 P.: Stredlow. 1., 33 P.— Jugend: Lewi. 3., 44 P.; Kniebel, 2., 42 P.; Nogort, 1., 41 P.; Lewnnd, 3., 41 P.; Jude, 3., 35 P.— Frauen: Schau, 3.. 41 P.; Schmidt, 3.. 37 P.; Kchring, 8., 37 P.; Strempel. 1., 36 P.; Schaas, 3., 34 P.— 4 X 100-SKcter. Stafette: 1. Männer- Abt. 56 Sek.. 3. Männer-Abt. 56'/, Sek., 3. Jugend-Abt. 57«/, Sek., 1. In- gend-Abt. 62'/, Sek., 3. Fraucn-elbt. 68 Sek., 1. Flanen-Abt. 79'/, Sek.— Stafette 10><50 Meter: 3. Franen-Abt. 89'/, e-ek., 1. Frauen- Abt. 90'/, Sek.— B e st e Einzelrcsultate: 199-Mcter-Lau!: Kits- bock. 1. 13 Sek.; Dreisprung: Loeschke. l., 11,25 Meter; Weitsprung: Kohl, 3., 5 Meier; Kugelstoßen: Geist, 1., 7,95 Meter. Daucrruder» des Freien RuderbundcS Verlin. Am Sonntag vormittag stellten sich die Mannschaften der Berliner Arbeiterruder- vereine zur Prüfung über die dem Wanderruderer besser liegende lange Strecke. Und man kann sagen, daß die meisten der Mann- schaften die f7 Kilometer in guter Verfassung durchfahren haben. Zu wünschen wäre allerdings noch eine allgemeinere Beteiligung, besonders bei dem größten der Vereine, dem„Vorwärts", der dies- mal nur zwei von den gefahrenen sechs Rennen gewann, während die anderen vier Siege den kleineren Vereinen zufielen. Falsche Bescheidenheit und Scheu vor der zum ersten Male wieder„friedens- mäßigen" langen Strecke hielt wohl manchen zurück, der bei einer Beteiligung vielleicht recht gut abgeschnitten hätte. Gleichfalls zwei Siege hat die Privatruder- Vereinigung.Ruderfreunde", die den Doppelzweier für alle Herren und den Doppelzweier ohne Steuer- mann gewann.„Collegia" und„Freie Nudervereinigung 1913" er- rangen je einen Sieg. Nachstehend die Resultate: Doppelzweier mit Steuermann(Mindcstalter 35 I.): 1. Priv.-R.-V. Ruderstcunde, Noack, Lange. St. Löfflcr, in 87: 35 Min.: 2. Rvg. 1913.— Einer ohne Steuermann: 1. Nvg. l9l3, Sault, in 92: 34 Min.: 2. Frei« beil.— Doppelzweier ohne Steuermann: 1. Priv.-Nvg. Rudersreunde, Riemer. Mikat, in 89: 27 Mtn.; 2. Pichelsberger R.-G.— Zweiter Vierer: 1. R.-V. Collegia, Wolf, Ziegenbalg. Karbow I u. Il, St. Rost, in 74: 47 Min.; 2. R.-V. Vorwärts, Schramm. Hohlfelb, Keste, Müller, St. Mayer, in 74: 58 Min.: 3. R.-V. Freiheit. Sieben Poote im Rennen.— Doppelvierer: 1. R.-V. Vorwärts, Juppe, Jowe, VciSkcr, Beitin, St. A. Wolff, in 71: 29 Min.; 2. Collegia. King. Schulz, Nawrott, Brünnel, St. Müller, in 74: 14 Min.: 3- R.-B. Freiheit.— Erster Vierer: 4. R.-V. Vorwärts, K. Scharffichwcrdt, Allier, E. Richter, R. scharffichwerdt. St. Kißner, in 72: 22. 2. Vorwärts, Glcißberg, Lehmann, Bach, Michel, St. Palm, 73: 29 Min.: 3. Fr. Rvg. 1913. Rennen zu Karlshorst. 1. Jtnmergrün-Jagdrennen. Preise 16 000 M. Distanz 3000 Meter. 1. Kieser(Kränzlein). 2. Irene lThielau). 3. Toni(E. Lüneberger. Ferner liefen: Roiendorn(4.), Offen- live, Trzschocha. Propulsor. Mirakel, Poesie, Mondsichel, Notbremse(ges). Toto: Sieg 40: 10, Platz 14, 13. 16: 10.— 2. Ehrcngard-Hürden- rennen. Preise 30000 M. Distanz 3000 Meter. 1. Wehrpflicht(Wegener). 2. Lceana(Schuldt). 3. Döberitz(Edier). Ferner liesen: Laubstoich(4.), Krolle, Hugomaßzony, Erstling(ausacbr.). Toto: Sieg 75: 10, Platz 21, 21,22:10.— 3. Preis von Charlottenbos. Ehrenpreis und 18 900 M. Distanz 3400 Meter. 1. Ophelia(Herr v. Herder). 2. Märchen (Herr v. Keller). 3. Ucas(Herr v. Krüger). Ferner liesen: Rosbart(4.), Rufa kangeh.). Toto: Sieg 14:10, Platz 11, 12:10.— 4. Großer Preis von Karlshorst. Ehrenpreis und 115 000 M. Distanz 6500 Meter. 1. Eid er S Glorie(Bismarlsi 2. CarlSmünde(Dyhr). 3. Eichwald (W. Müller). Ferner liesen: Sabine(4.). Freilaus, Waldsrieden, Feier- abend. Artillerieseuer, Hunding(ges.). PillaS(gel). Ostry(ges.). Toto: Sieg 40: 10, Platz 17, 24, 28: 10.— 5. Preis von Grüna u. 24000 M. Dinanz 3600 Meier. 1. Bimbam(Bismark). 2. Waereghem(E. Lüneberger). 3. Satrap(Herr v. Keller). Ferner liesen: Landrat(4.), Radwla(ges.), Lauscherin(ges.). Toto: Sieg 40: 10, Platz 24, 36: 10.— 6. Bor werk- Jagdrennen.� Ehrenpreis und 16 000 M. Distanz 3600 Meter. 1. Wetterscheide(Herr Krüger). 2. Carlo(Herr K. v. Westernbagen). 3. Bathseba(Herr R Hilgendorff). Ferner liesen: Marc Aurel(4.), Callisto, Sandale. Prärie II, Irene II(angeh.), Maro(ges.), Olimpio, Darling(gel.). Toto: Sieg 37: 10, Platz 18, 26. 41: 10.— 7. PreiS von Mönche- berg. 18000 M. Distanz 2000 Meier. 1. Finboge(H. Lcwicki). 2. Scala (Neumann. 3. Landratte(Tarrai). Ferner liesen: Gondler(4.), Jffland, Schalal. Toto: Sieg 53: 10. Platz 25, 25: 10. Strasanträge im Weißmfte-Prozeß. Im Kommunistenprozetz bekundete der Zeuge Bassin weiter: Mir selbst wurden eines Tages aus der Straße von einem Unbe- bann:»:„Bleistifte"(Revolver) angeboten. Auch in dem Verkehrslokal der II. S. P. D. habe eines Tages ein Mann ver- sucht, ein Paket mit Waffen abzugeben. Mclhrere Zeugen, welche bekräftigen sollen, daß Angekl. Liebs bei dem Zusammenstoß mit den Gutswächtern an der Rennbahn nicht zugegen gewesen sein konnte, bestätigen diese Behauptung. Tie den achtern abgenommenen Gewehre wurden spätex in der Wohnung des L., unter dem Bett versteckt, wiedergefunden. Liebs behauptet, daß sie Von einem Unbekannten, vielleicht auch von einem Spitzel, in seine Wohnung gebracht worden seien. Es wird hierauf nochmals Ariminaloberwachtmeist:r Schiller dernommen, nachdem ihm von dem Polizeipräsidenten die Geneh- nrigunz zur Aussage über die angc>blick>e Beteiligung von Lock- spitzeln erteilt worden war. Er erklärt,»bm sei nicht bekannt, daß in der vorliegenden Sache in irgendeiner Form Lockspitzel tätig ge- Wesen seien. Er müßte, wenn dies der Fall sein würde, dies auch erfahren Huben.— Nechtsanwalt F r ä n k l: Ist dem Zeugen der Name eines Spitzels Reuter bekannt geworden?— Zeuge: Nein.— Justizrat F r ä n k l: Ist Ihnen der Name eines Spitzels Gralla oder Galrand oder so ähnlich bekannt geworden?— Zeuge: Nein, ich habe den Namen Reuter hier erst in der Ver- Handlung gehört.— Justizrat Btoh: Vielleicht hat der Zeuge doch nicht so die Fäden der Ermittlung in der Hand gehabt und weiß deshalb nichts. Ist dem Zeugen bekannt, daß von Spitzeln ver- sucht worden ist, den Gluippenlokalen oder Anhängern der K.A.P.D. Waffen zuzuschieben?— Zeuge: Nein. Bäckermeister Emil Schubort, Galvauistraße. ist Bezirks- sührer der Kommunisten und bekundet, daß seinerzeit zur Abwehr des Kapp-Putschcs eine rote Armee gebildet worden war, die nach Beendigung des Putsches sofort wieder aufgelöst worden sei. Es wurden dann die Sportabteilungen gegründet, die aber, als st?, besonders in Weißcnsee, zu sehr bespitzelt wurden, im April wieder ausgelöst wurden.— Vors.: Die Möglichkeit, daß aber trotz der Auslösung Leute im stillen die Ber- bindung aufrechterhalten haben, besteht?— Zeuge: Das ist dann natürlich eine reine Privatsache der Betreffenden. Das kann ja jeder machpn ,w'ie er will, wenn es ihm Spaß macht. Im der Parteileitung ist jedenfalls von dem Bestehen einer bcwaff- nctcn„K. C." nichts bekannt. Großer krach. Nach der Mittagspause erhob sich Rechtsanwalt Tr. L a m p zu folgender Erklärung: Ich möchte hier von einem schweren Vergehen des Vorsitzenden Mitteilung machen, das mich zu einer Ablehnung des Vorsitzenden wagen begründeter Befangenheit veranlaßt.(Sehr erregt):� Ich hoffe, daß ein Ruf der Entrüstung-sich aus diesem Saale fori- pflanzen wird in alle Welt, in der man noch Gefühl für Gerechtig- kejt lwt. Tos Gericht hatte zu Beginn dieser Verhandlung beschlossen, die Äusavbeitungen, die den Richtern über diesen Fall vom Staatsanwalt überreicht worden waren, nicht zu benutzen, nachdem nur flüchtig davon Kmntnis genommen war. Die 24 Ar- freiter auf der Anklagebank haben dieser Versicherung des Gerichts Vertrauen geschenkt. Ich hatte allerdings damals gleich Mißtrauen und erklärte, daß es besser sei, diese.Schriftstücke dem Anktagevcr- tretcr zurückzugeben. Das ist abgelehnt worden. Jetzt habe ich nun festgestellt, daß diese 2t Arbeiter von drei Männern im Tatar und zweien in Uniform belogen und betrogen worden sind, denn das heilige Versprechen, das man ihnen gegeben hat, ist gebrochen worden. Einundsiebenzig Anmerkungen sind vom Versitzenden an. den Rand dieses Aktenstückes gemacht worden..Nach Feststellung, dieser Tatsachen glaube ich dem Vorsitzenden nicht nrehr, daß er von diesen Akten nicht Gebrauch machen wird...(Fast schreiend): Ich glaube Ihnen nicht mehr, Herr Vorsitzender, ich glaube, daß Sic voreingenommen sind und ich lehne Sie wegen Bcsangenbcit ab! V o r i.: Aber ich verstehe Sie gar nicht, Herr Rechtsanwalt, das sind ja nur meine persönlichen Notizen und, wie sich jeder überzeugen kann, fabe ich nur die Seitenzahlen der Akten, auf denen sich die Personalien befinden, den Tag ihrer Haftenlassung durch das Gericht, sonst nichts, daraus notiert. Das Aktenstück selbst ist gar nicht benutzt worden. Ich habe das Aktenstück ganz acht- los hier auf dem Tisch liegen lassen und infolgedessen konnte Herr Tr. Lamp in der Pause auch Einsicht darin nehmen.— Dr. Lamp: Das ist ja gerade der Fehler unserer Justiz, daß alles glatt auf glatt geredet wird, daß man nicht mit der Schlicht- heit und Einfachheit spricht, wie sie in unserem Rötestzstem zum Ausdruck kommt. Von unten heraus muß die Erneuerung kommen, auch in unserer verrotteten Justiz.— Vors.(sehr scharf): Ich verbitte mir solche Ausdrücke.— Rechtsanwalt Dr. L a in p (schreiend): Sie haben Ihr Wort gebrochen!— Vors. lunter- brechend): Ich muß das zurückweisen, hören Sie jetzt endlich aus damit, das gebärt sich nicht. Ich muß das ganz entschieden ab- lehnen.— Rechtsanwalt Tr. Lamp: Sie sind abgelehnt! Und zwar wegen Befangenheit! In der Mittagspause habe ich dieses ungeheuerliche Vergehen festgestellt.— Vors.: Unterlassen Sie solche Ausdrücke! Von einem ungeheuerlichen Vergehen ist gar keine Rede.— Rechtsanwalt Lamp(schreiend): Sie sind ab- gelehnt!— Vors.: Das geht ja jetzt gar nicht.— Rechtsanwalt Lamp: Sie sind sich ja gar nicht bewußt, wie ungeheuerlich Sie gehandelt haben.— Vors.: Aber so lassen Sie sich'doch sagen, ich habe das Aktenstück gar nicht benutzt.— Rechtsanwalt L a m p:- Das war ja Ihr Leitsaden bei der. ganzen Vernehmung� lind von dem geheimen Aktenstück müssen Sie auch Kenntnis ge- habt haben.— Vors.: Ich weiß nichts von geheimen, Akten.— Rechtsanwalt Lamp(höhnisch lachend): Ja, das können Sie' ja jetzt wohl sagen, aber wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.— Vors.(sehr laut und scharf): Herr Nechtsanwalt, Ihr Benehmen ist vollkommen ungehörig.— Rechtsanwalt Dr. Lamp(unter- brechend): Nein, was Sie machen, ist ungehörig.— Dr. Lamp will noch weiter sprechen, wird aber vom Vorsitzenden, der ihm an Stimmkraft überlegen ist, unterbrochen und zur Ruhe verwiesen. Nach kurzer Beratung über,, den Antrag auf Ablehnung des Vorsitzenden lehnt das Gericht■ die Beschlußsassung darüber ab, da er jetzt nicht mehr gestellt werden kann. Ter Vorsitzende betont dann weiter, jeder vernünftige Mensch müsse einsehen, daß hier nur eine äußerliche Benutzung des Aktenstückes vorliege. Er könne die amtliche Erklärung abgeben, daß er von dem sachlichen In- halt des Schriftstückes' keine Kenntnis genommen habe. Mit aller Entschiedenheit müsse er die höchst ungehörigen Ausführungen des Verteidigers, die bisher in einem Gcrichtssaal unerhört gewesen seien, zurückweisen.— Nach einer nochmaligen kurzen Vernehmung des Bäckermeisters Schubert, in der nichts.Wesentliches'wehr zur Sprache kommt, wird die Beweisaufnahme geschlossen und' der Anklagevertreter Kriegsgcrichtsrat R a m m i n ergreift das Wort zu seinem Plädoyer. Er erklärt, daß der Umfall des Hauptzeugen V-si zwar an und für sich ungewöhnlich sei. Für geistig unzurechnungs- fähig könne er ihn jedoch nicht halten.. Tie Angeklagten sind viel- leicht alle krank: Sie leiden unter demselben Uebcl, das uns alle hier befallen hat, sie kranken an der Politik. Dieses Zuviel der Politik, das in den letzten Jahren'auf uns eingestürmt ist, hat I auch die Angeklagten verführt, gegen das' Gesetz zu handeln. Ter ' Staatsanwalt beantragte dann gegen Liebs 1 Jahr Z Monate Gefängnis, Dolnp 1 Jahr Gefängnis, ZilinskI, 1 Jahr Gefängnis, Falk 1 Jähr« Mo- natc Gefängnis, Voss 1 Jahr Gefängnis, General 1 Jahr <> Monate Gefängnis und Beobachtung seines Geisteszustandes im Jrrcnhause, W r b a 1 Jahr K Monate Gefängnis, P. Franz 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, gegen den Gastwirt D r ö g: r wegen Beihilfe k Monate Gefängnis und gegen den Angeklagten Michaelis, als intellektuellen Urheber des Vergehens und B?- gründcr der Kampforganisation 2 Jahre Z i; ch t h a u s. Dagegen beantragte der Staatsanwalt für die Zlngeklagten final?, Schulz, Mehlberg, Götz, Stern, Winter, Bnrkcrt, Pfeiffer, Behlow, Tvchow, David und E- Franz Frriftwechnng...? Jüstizrät B r o h fährt' in' seinem Plädoyer aus, daß- die. An, geklagten keine Mörder seien, aber wenn sie alZ solche vor diesem Ausnahmegericht ständen, dann hätten sie die größte Aussicht, ftei- gesprochen zu werden, wie es ja der Prozeß gegen die Mörder Liebknechts, der 29 Matrosen und des Gardesüsiliers Helm hake siezeigt hätten. Ter Verteidiger appelliert cm die Richter, noch in letzter Minute ihre Mitarbeit bei diesem Aus- nahmegericht zu verweigern, und beschärtigte sich dann mit der Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. Mai 1920. Dazu sagt Justizrat Broh.u. a.:. Herr Eberl bildet sich c�n, daß er der Lenker des Staates ist, während'« in Wirklichkeit nur der Kutscher des Staatswagens ist. in dessen Fond die Großkapitalisten, wie Stinnes und die Deutsche Bank, sitzen. Cbert fährt sie spazieren und bildet sich dabei ein, er sei ihr Führer.— Trotz aller Mahnungen, sachlich zu bleiben, ließ sich der Redner nicht. beirren. Er fuhr fort, ich möchte den Richtern nahelegen, daß sie diese Schlam- pereicn des Herrn Ebert, wie diese Verordnung, nicht mit ihrer richterlichen Autorität stützen, lieber Herrn Ebert wird ja die Weltgeschichte bald zur Tagesordnung übergehen, wenn er erst seiner Kutscherwüvde entkleidet dasteht. Vorsitzender(unter- brechend): Ich bitte zur Sache; wir sind hier nicht in einer Politischen Vprsammlung. Justizrat Broh: Herr Landgerichtsdirektor, es wäre besser, wenn Sie meine Ausführungen in sich ausnähmen.— Der Verteidiger sprach dann von der ungeheuren Kluft zwischen Richtern und' Angeklagten.(Xere seien tan letzteren genau so Fremdlinge, wie die Franzosen im Jahre 1813 den Anhängern Jahns und den übrigen Teutschnationalcn. Als der Vorsitzende gegen den Ausspruch„Fremdlinge" protestierte, rief Rechtsanwalt Dr. Lamp höhnisch dazwischen:„Ja, das ist Ihnen was Neues!" Die Ausführungen Brohs erlitten dann eine längere Unterbrechung, als dieser davon sprach, daß die Polizeiheamien die Zlngeklagten wie Tiere in einem Käfig behandelt hätten, daß die Verneh- mungsprotokolle Ekel erregten, weil sie auf ekelhafte Weise' zustand« gekommen seien. Bei diesen Worten erhob sich der Staats- anwnlt und beantragt gegen Justizrat Broh wegen Verletzung der Ehre der Polizei beamten eine Ordnungsstrafe von 199 Mark. Nach längerer Beratung beschloß der Gerichtshof, dem Verteidiger diese Strafe aufzuerlegen, und zwar sowohl für die beleidigenden Ausdrücke über den Reichspräsidenten wie für die über die Polizei- beamten. Justizrat Broh äußerte auf diesen Beschluß, daß er die Auserlegung einer Geldstrafe mitten in seinem Plädoyer als unzu- lässig und taktlos bezeichnen müsse. Für diesen Zlusspruch bc- anlragte der Staatsanwalt sofort eine neue Ordnungsstrafe von 190 Mark. Das Gericht gab diesem Antrage statt, mit der Begründung, daß er mit äuszerster Langmut und ungeheurer Ge- d»ld eine Woche lang die Anwürfe d?r Verteidigung ertragen habe, jetzt aber, nachdem diese auch Aus?cnstehendc beleidige», Anlaß zum Einschreiten habe. Broh nahm das mit der Bemerkung aus, er wisse, daß ein Beamter den andevcn schütze, ganz gleich, ob dieser Reichspräsident oder Polizeibeamter sei. Nach den bis in die neunte Abendstunde sich ausdehnenden Plädoyers der Verteidiger Böhnheim, Tr. Weinberg und Lamp vertagt der Vorsitzende die Beratung des Gerichts über das zu fällende Urteil auf Dienstag dVi Uhr. Mus aller Welt. Weiftcnseeproze�. liinder .Abenteurer .Provokateure Denunzianten. Das Kanaltunnelprojckt gescheitert. Der Plan einer Verbin- dung Englands und Frankreichs durch eine Untertnnnelang- des Kanals kann für absehbare Zeit als gescheitert betrachtet" wer- den. Wie die Telegraphen-Union erfährt, ist nämlich die zur Aus- arbeitung der Tunnelpläne gebildete englische Militärkommission ausgelöst worden und damit die Inangriffnahme des bedcuj- sauren Werkes fürs erste aufgegeben. Sieben Arbeiter bei einer Explosion getötet. Bei einer Explo- sion an Bord einer mit'Oel beladenen Barke im Kai von Millwall an der Themse wurden sieben Arbeiter getötet und mehrere verletzt. In der Nachbarschaft wurde erheblicher Schaden angerichtet. Hochwasserschaden im Bern« Oberland. Infolge Ueberschwem- mung ist der Bahnverkehr V i sp— Z erma t i eingestellt. Ter auf dieser� Linie angerichtete Schaden geht in die Mi l l ioy eu. Alle Holzbrücken im Saas-Tal sind weggerissen! Im ZetmarftTäk'.'sM die meisten Brücken über die Vjsp weggeschwemmt. Die tele- sih o n isch e Verbindung mit Bern wird voraussichtlich wochenlayH unterbvockicn bleiben. Die Lötschberg- und die Furka-Bahn haben schwer gelitten. Strafresterlaß. Dem Landrat a. D. von S ch-l e n t h e r in Ndl. Baubeln, der am 13. September von Memeler französischen Kriegsgericht zu zwei Monaten Gefängnis und öOO Frank Geldstrafe verurteilt worden war, ist der Rest der Gefängnisstrafe, die' er bisher in einer Kaserne verbüßt hatte, erlassen worden. Aus einem Vorwerk des Gutes Schlenthers war ein von deutschen Trup- Pen im Herbst 1919 zurückgelassenes Flugzeug gesunden worden. Das Eiseiibahmmglück bei Sontra. Der beim Eisenbahnunglück bei Sontra lKreis Eschwege) entstandene Materialichaden beträgt schätzungsweise 15 Millionen Marl. Die Unfallstelle ist noch nicht geräumt. Der Verkehr ist noch auf einige Tage gesperrt. Eine Leiche befindet sich noch unter den Trümmern. 25. September, abends, entschlief sanft nach kurzem Krankenlager unser peliebter, treusorgender Mann, Vater und Schwiegervater, der Graveur 21/9 Hermann Guttmann j im Alter von 66 Jahren. in tiefer Trauer für die Hinterbliebenen Flora Guttmann geb. Cohn, Berlin M, Brunnensy. 9. Beisetzung: Donnerstag, den 30. Sept., II Uhr vormittags, von der alten Halle des jüdischen Friedhofs in Weißensee. Von Beileidsoesuchen bitten wir abzusehen. Spezia!-Arzt für Haut- u. alle Harnleiden, Harn- und Blutuntersachungen. Or. med. Karl Reinhardt; Potsdamer Straße 117, usiz" ftraße. Sprechstunden:>/,lZ— 2,>/z6— t/zw abds.. Sonnt.'M 1— 1 Uhr Aufklärende Broschüre mit Beschreibung sämtl. Hellver- fahren in verseil 1. Kuvert geg. Einsend, v, 2.— M. nortofrei Rat, Beistand, mäßige Preise, Teilzahlung, Ehe-, Alimenten-, Straf- , Sachen. Steuern, Gnadengesuche, Landgerichtsrat Dr. v. Kirchbach, Gesellschaft m. h. H., Alezanderstraße 45(am Alexanderplatz, gegenüber Tietz)(9—7) Glänz. Erfolge I Beobachtg. Tel.: König'st. 3593. Prozesse, Brillanten Perled, Platin. Gold Bruch —'- kauft „Veritas" Jägerstr. 10. <#> Spezial-Behandiung+ v. Saut-, Sern-, Untctlcibsfeiben, itcrobfcr Schwäche. Größte Scücrfotgc! Besonders f. Kranke, welche anderwärts nicht aus- oeheüt worden sind. 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Tagcsordnung: 1. Bericht der Lohnfommission. 2. Diskussion. 67/2 tue- Mitgliedsbücher und schriftliche Ausweise durch die Betriebsräte sind zur Kontrolle mitzubringen. Ohne diese Aus- weise fein Zutrift.— Das Erscheinen aller Kollegen in dieser Versammlung wird hierdurch zur Pflicht gemacht. __ Die Lohnfoinmfssian der obengenannten Verbände. Anbiete ircidlcibenb ü Makko-Trikothemden mit Eins, von 57 M. an. SSID O. Zimmermann, Stuttgart, Poststraßc 1. OrtsMeDkasse lUrdas Maurergewerbe zu Beiiin, c. 25. liankestr. 4. Die infolge ber Verordnung vom 30. 4. 20(91,®.«LS. 769) über»erausieining des Grund- lohne und Ausdehnung der Ber- sicherungspsiicht in der Kranien- Versicherung notwendig gewordene iX. Sahungsabanderung ist vom Obcrvcrsicherungsamt Groh-Bcriin am 22. Sept. 1920 genehmigt worden. Geändert sind die§§ 2, 18, 19, 32 und 47. DnidftUtfe der Abänderung sind vom Montag, den 4. Of- tober 1920 an im Kasienburcau erhältlich. 12ä2b ver Vorstand A. Vogel, R. Freund, Vorsitzender. Schriftführer. Buelihandlueg Vorwärts G. m. b. H. Bärün SW.ES, UndenstraBe 2 Friedrich Slampfer: Religion ist Privatsache Erläuterungen zu Punkt 6 des Erfurter Programms 31.— 40. Tausend. Mk, 1.80 3m Teilzahlung.SJ.Garant. KronenfäM. Plomb. m- 1,50. Zahnziehen m.Einspr. höchst schmerz- an lind. Umarb. schlechtsitz. Gebisse. Rep. sof. Zahnarzt Wolf, PotsdamerStr. 55, Hochb. Sprechz. 9-7- M Met eine ftone WM. 5000 kleine Schachteln Raucherheil umsonst! Wir möchten gerne jedem, der das Rauchen aus Gesundheitsrücksichten oder aus Sparsamkeit einschränken möchte, eine Probe unseres Raucherheils zukommen lassen. ES macht das Rauchen leicht entbehrlich, selbst dem leidenschaftlichsten Raucher. Im eigenen Interesse eines jeden Lesers dieses Jnserats.der seinen Tabakgenuß ohne Entbehrung und ohne unnötigen Willensauswand bequem einschränken will, wünsche ich, daß er Raucherheil versuchen möge. 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Frau Bärliel(Operette) l>eiir.HclieK Opcrnhnn« einstige Wellierv.WInilsor F rledi-.-WiLh diu»t.Th. vi, u.: Bolieit Iiis Tänzerin. 'Kloinos Theater. ühr: Die Pfarrliauskninöilie K.I. Hchnaspiciliau«. L1.'! Der Floh im Panzerhans KomlNChe Oper vi, uhr; Liehe im Schnee. IjUstHpif.DiaaK V/t Uhr: Arnold Rieck in Zwangseinquartierung. 9Ietr«»pol-Tli«kafer. u; Hollandweibchea Neues Central.Theatcr v!f Die Dame im Frack. Neuee» Opcrettotihnn« v/, u.: Die Csikösbaroness. Aiene. Volhwtheater 7 /. uhr; Der Biberpelz Mchlller-Thent. Chnrl. a- Nathan der Weise Thalln-Thonrer vuu.-. Der ilumme Franzi. Th.ain XollrndorfiplatK 7 uhr; Wenn Liehe erwacht Theater de« Westen« Lv: Der ersten Liehe gollZeit Wnllner-Thenter lu: Der Geiger voi Lugano. Walhalla-Theater. uh'r GastspJartsteiu Residenz- Theater. Untergrundbahn Klosterstr. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: ftichnecwltrhcn. Täglich»/,« Uhr; Die Freundin. Mittwoch 4 Uhr zum I. Male; Strnwclpetcp. Trianon-Thcater. Bahnhof Friedrichstraße. 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Geöffnet oon 9 bis 6 Uhr. Ehaelottenbueg II: Taueoggenee Str. 14. Eharlottenburg IN: Albert Ioachiml.«aiser. dämm 101. Geöffnet von 9—6 Uhr. Eharlottenburg IV: Regensburger Str. 10. Eagersborf: Sthßnfiert. Landsberger Str. 10. Eichwalde, Schmöckwitz: Ott» Krone, Eichwaldc, Stuben- raudlstraße 136. Erkner: Albert Farntcke. Friedrichstr. TL Fichtenau. K e e ß k«. Walbstr. 28. Friedeuau: Rheinftr. 27, Ecke Rönnebergstraße. Feedersdoef-Petershagen: Ufienwaiier. Peteeshagen. Felebrichshagen, Hieichgarten: H o f( m a n n. Friedrichs» bogen. Kurze Straße U Grüna«: Franz Klein, Frtedeichstr. 10. Saleniee, Grunewald: N»« ck. Hal-nfee. Katharinen sie. 4. Gartenbaus vaet. Her, seihe: Martin Smolibowsii. Hennigsdorf: E m m U i a t, Rathenaustr. 7. ZohannisthaL Alwin Gammtlch. Bismarckstr. 8. Karlsborst: Frau S tanke Senlw''r. 32. voea acr:.:re. «autsdork! W. Scholz Glefestr. 86. «önigS-Susterhaufen, Niederlehme: Friede. Banmann. Könlgs-Wusterhaufen Luckenwalber Str. 6. Köpenick: Schlag, Kietzer Str. Ii(Laden). Geöffnet oon »-8 Uhr, Lichtenberg 1, Feiedelchsfefde: Lichtenberg, Wartenbergste. L Geöffnet oon 9—6 Uhr. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: Lichtenberg, Box. Hagener Str. 62. Geöffnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg III: Feankfurler Allee 185. Laden. Lichtenrade: Max Salzmann, Siedlung, Heimweg 8. Lichterfelde Oft. Lankwitz: ft. Wenzel. Lankwitz. Kaiser» Wilhelm-SIr. 3. Lichirrfelbr-West: Schaerdel,«Shlerftr. 1. Mahlsdorf: Emil Rausch. Semkestr. 39. Aialliow: Frau Reuter, Slafotvftr. 1. Mariendorf: A u a v st L e i v Ehauffeestr. 29. Marienftlbe: Arndt, Berliner Str. 2. Neucnhage» W e n, k«. Kieaelstr. N. Reukölln: Neckarstr. 2. Geöffnet von 9-8 Uhr. Neukölln-Britz: Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von 9—8 Uhr. Riederfchöncweide: Ha r: r a mp). Brückenftr. 10 II. »iederlchönhaufea, Rordend: G. Schltebeoer, Trcs- kowstr. 14. Rowowes: Karl Kretz»», eg Eifenbotznstr. 18. Oranienburg: Friedrich Glaser, Bernauer Str. 2. Vdcrschöueweide: Robert Paul. Malhildenstr. 5. Pankow: R i ß m a u a Mllhlenstr. 79. Potsdam: M. B i« r l t ch. Schockstr. 23. Rahnsdori: T e!»« r t Foeststr. 7. Reinickendoef-Ost. Schönbolz: Altert Wetzl». Provinz. flrake 56'SabctO Retufckeudors.Roleuthal! S. 8 H 8 8, Prtnt-Hetnrtch.Str. 84, Schmnroendoef: R«tz« b, Preite Sir.>... Schöneberg: Beiziger Str. 27. Geöffnet von I— 8 Uhr. Senzig; F r i e d e w a i d. Ehaufieeiir. 64. Siemcnsstadt: Stein. Nonnendamm-All«« 93 a., Spandau: Preuß. Wasserftt:. 5. Südende- Ludwig Kaisfeste. 88. Steglitz: Sehe icke, Scbildbornftr. 12. Tegel, voriigwalde, Aitienau. Ziorf»We(l, Wald- mannslu«, Freie Scholle, Hermsdorf und Birkcnwerd«: Borsigwalde, Rälllchnr. 10. Geöffnet von 9—6 Uhr, Teltow: Krüger, Schönow, Dorfstr. 9. Tempelhof: Kalfer.Wtlhelm.Str. 13. Temveltzof: Holz. Hodenzollern-Korf» t. Trebbin: Goring, Dahnhofstr. 62. Treptow: G r a m e n z BteftzoUftc. 412, dorn 1 Sit. Weißenfee:. Berliner Allee 61. Wiidau.Hoheeletzme: Rud. Lotto w. Wiltzelmotzagen. Heffenwinkel: Arthur Lchiefk». Wil» tzelvisbagen. Deendurgstr. 2L Wilmersdorf: Holsteinische Str. 19. Wolteredorf: Schurbaum, Eichendamm 22. iletzleudoei. Schlachteniee.»ilolaolee: Wetz« er.»etzlen- dorf. Annaste. 16. Reuthen, Mierodoeft Ernst Wiotorfold. Reuthen« ' Kursürstenste. 46. A-ffen: Albert Stein, Mittenwalder Str. 17. Simllich« Literatur sowie all, wiffenschaftltche» «erden geliefert. eoautag, find ti» Sefchiftostelle»«eschlO»». polnische Erfolge. Königsberg, 27. September. WTB. Zur Äuge wird berichtet: In Galizien östlich von Tarnopol ist der Ausgang der Kämpfe noch unentschieden. Zum Angriff auf R o w n o be» reitgestelltc bolschewistische Truppen wurden von den Polen z e r- sprengt. Im Raum östlich von Prushany stehe« die Polen nach Einnahme von Kartuskaja Peresa und Roshany in einer Linie östlich der genannten Orte. Die Verfolgung der Bolsche- Wiste» nördlich des Njemen dauert an. An der litauisch-polnischen Front haben die Polen im weiteren Zurückdrängen der Litauer die Linie Wishainy— Trufkeniki erreicht. W il n a, 27. September.(Sit. Telegr.-Agentur.) In einer außerordentlichen Sitzung wegen der neuen polnischen In- v a s i o n richtete die litauische Nationalversammlung einen Ausruf an das litauische Boll. Dieses ist bis auf den letzten Mann bereit, mit Harle, Sense und Axt die polnischen Ein- dringlinge von der litauischen Erde zu vertreiben. Tic Polen besetzten Aisiski östlich von Orany. Wilna, 27. September.(Litauische Telegraphenagentur.) Der polnische Außenminister Sapieha sandte an das litauische M- nlstevium des Aeußeren eine Note, durch die er eine neue Kon- frrenz Zwischen Litauen und Polen in Suwalli zum 29. September einberufen will. Das Ministerium des Aeußern hat sich bereit er- klärt, den Direktor des politischen Departements, Baluti, nach Sü walk i zu senden. Warschau, 26. September.(Hovas.) Ter Minister für Aus- 'wartiges hat den polnischen Bevollmächtigten in Berlin beauf- tragt, energisch gegen die Haltung der deutschen Behörden zu protestieren, da diese den bolschewistischen Banden in Ostpreußen alle H a n d l u n g s s r e i h e i t und die Möglichkeit lassen, sich an der Nordosigrenzc zu sammeln. Hierzu wird von zuständiger Seite bemerkt: Wie bereits am 26. September d. I. gemeldet worden ist, sind die nach Deutschland übergetretenen bolschewistischen Soldaten sämtlich nach Lagern im Innern des Reiches abtransportiert wor- den. Die Annahme, daß bolschewistische Banden in Ostpreußen Handlungsfreiheit und die Möglichkeit, sich zu sammeln, hätten, ist daher gänzlich haltlos. Sowjetrußlanö und Deutschland. Leipzig, 27. September. MDB. Einem Mitarbeiter der„Leip ziger Neuesten Nachrichten" in Riga erklärte Josse u. a., die, Gerüchte über Rußlands geheime Beziehungen zu Teutschland seien unwahr und aus Machenschaften der den beiden Ländern feindlich gesinnten Staaten zurückzuführen. Die Beziehungen zu Deutsch- land seien immer gut gewesen und es sei Aussicht vorhanden, zu einer Verständigung zu gelange». Dazu sei aber eine gemeinsame Konferenz gar nicht erforderlich. Lettland und Litauen hätten Rußland bereits einen freien Transitverkehr nach Deutschland ga- rantiert und hoffentlich werde Polen dasselbe tun. Sollte eine Einigung nicht erzielt werden, dann werde Rußland seine Aus- und Einfuhr im Verkehr mit Deutschland über die baltischen Hafen- städte Riga. Libau, Windau und Reval leiten. Auch sei im litauisch- russischen Friedensdertrage die Frage der Schiffbarmachung der Düna bis zur russischen Grenze angeregt worden, und früher oder später werde das Projekt ausgeführt werden, wenn mit Polen der Frieden geschlossen sei. Dann werde Rußland seine eigene In- dustrie wiederherstellen, um olle notwendigen Waren bei sich zu Hause zu produzieren und nicht aus dem Auslande beziehen zu müssen. Rußland brauche in erster Linie Maschinen, Werkzeuge usw. Es könne aber auch sehr viel geben wie Holz und Holzpro- duktc, Felle, Naphtha und alle Zdaphihaerzeugnisse, Flachs, Getreide und viele andere Rohstoffe. Deutschland habe keine besonderen Vorrechte zu erwarten, denn Rußland werde keinem kapitalistischen Staate irgendwelche Vorrechte einräumen. Rußland werde beim Abschluß von Handelsverlrägen sich nur von wirtschaftlichen Jnter- essen leiten lassen, die ihm selbst zugute kommen. Di« Gerüchte über Angriffspläne Rußlands in Persien und gegen Indien seien aus den Fingern gesogen. In Persien sei kein bolschewistisch-russi- scher Soldat und die Abteilung, die Enseli besetzt hatte, sei zu- rückgezogen worden. Indien interessiere Rußland nicht und ein russischer Einsall in dieses Land sei ein altes englisches Gespenst. Nach englischer Meldung haben �owjettruppcn Buchara in Zentralasicn besetzt. Sowjetgold. London, 27. September.„Time§" meldet, verschiedene schwedische Handelshäuser, die von Sowjetrußland Gold in Zahlung genommen hatten, hätten sejtgesiellt, daß das Gold B i s m u t und andere Legierungen enthielt, so daß der Wert um 18 Proz. vermindert sei. Teltow-9eeskow-Moskau. Die Generalversammlung der Unabhängigen- Organi- sation im Kreise Teltow-Beeskow hat am Sonntag mit einem ent° schiedencn Sieg der Moskauer Richtung geendet. Zwar soll die Wahl der Kandidaten zum Parteitag durch Ur w a h l e n erfolgen. Daß aber die Generalversammlung überwiegend kommu- u istisch gesonnen war, geht daraus hervor, daß der Bezirksleiter Richard K rille ein Mißtrauensvotum erhielt und ge- zwungen wurde, sofort sei» Amt als Bezirkssekretär niederzulegen, weil er die Gegner der Moskauer Bedingungen aufgefordert hatte, sich zur Erziclung eines günstigen Resultats bei der UrWahl zu- sammenzuschließen und die Mitgliederlisten und Kassen vor den Moskowitern zu sichern, damit sie nicht.in� deren Hände kämen. Die Absetzung Krilles erfolgte mit 47 Stimmen gegen 27 Stimmen, an seine Stelle trat Klamet. Dieser berichtete, daß die letzte Sitzung der Prcßkommission neuerdings der Redaktion der„Freiheit" ein Mißtrauensvotum ausgesprochen und sich dann aufgelöst habe, weil die Reaktion nicht die Konsequenzen daraus zog. Hierzu nahm die Versammlung einen Antrag Wcgmann an, wonach die Distrikte schleunigst zu dem Mißtrauensvotum Stellung nehmen sollen, damit die Stimmung der„Frcihcit"-Leser zum Ausdruck kommt. Zum Parteitag wurde ein Antrag Sievers angenommen, der Hinausschiebung des Parteitages und Urwahlenfür das ganze Reich verlangt. Werden diese Forderungen nicht berücksichtigt, so sollen die Delegierten des Kreises Teltow-Beeskow verpflichtet sein, die Ablehnung aller Parteitagsdelegierten zu verlangen, die ihr Mandat keiner UrWohl verdanken. Für die Ur- Wahl der Delegierten wurden dann zwei getrennte Vorschlagslisten beider Richtungen aufgestellt. Die Liste der Moskowiter führen Berta Braunthal, Wegmann und Richard Müller, die Liste des rechten Flügels führt Z u b e i l. Außerdem enthält sie u.- a. Frau Nehmitz, Emil Barth usw. Braunschweig gegen Moskau.— Ter Kleber Eckart. Braunschweig, 27. September.(Eigener Trahtbericht des„Vor- wärts"). Der Bezirksparteitag der Unabhängigen Partei Braun- s ch w e i g s lehnte am gestrigen Sonntag den Anschluß an Moskau unter den 21 Bedingungen mit 79 gegen 20 Stimmen ab. Ferner wurde der für den Bezirk Braunschweig gewählte unabhängige Rcichstagsabgeovdnete Eckart zur Niederlegung seines Mandates aufgefordert, daersystematischgegcndieunabhängige Partei arbeite. Eckart lehnte die Mandatsniederlegung ab und behauptete, darüber verfüge uur der Rcichspartcitag. E. war vor Sozialöemokratisthe Rick Der Parteworstand hatte, wie schon berichtet, eine Reihe von Genossen, die durch ihre Ersahrungen besonders dazu besähigt sind, zu einer gutachtlichen Aeutzerung über die Agrarpolitik Fusgesordert. Den Niederschlag ihrer Beralungrn bildet der soigende gemeinsame Vorschlag an den Kasseler Parteitag: Um.der land- und forstwirtschaftlich tätigen Bevölkerung eine auskömmliche und gesichert« Existenz zu schassen und um die aus- reichende und gesunde Ernährung des ganzen Volkes unter er- träglichen Bedingungen sicherzustellen, muß die Land- und Forst- Wirtschast durch die' Einsicht, den guten Willen und durch die Tätigkeit der in der Land- und Forstwirtschast wirkenden Bevölke- rung selbst gefördert werden. Diese muß dauernd unterstützt werden durch die Regicriungen und vor allem durch die organi- sicrte Arbeiterklasse. Ter Parteitag begrüßt da» große Juteresse. daS die Ge- nassen und Genossinnen den agrarischen Problemen entgegen- bringen. Der Parteitag�stellt für die politische und wirtichaftliche Wirksamkeit im Interesse der ländlichen Bevölkerung daS fol- gends st st: 1. Tie zur Gemeinwirtschaft reifen land- und forftwirt- schaftlichen Betriebe sind zu sozialisieren. Die übrigen Be- sitzverhältnisse sind nicht zu stören. 2. Die Vorteile des Klein-, Mittel- und Groß- b e t r i e b e s in der Landwirtschaft sind unter Berücksichtigung der Bodcnbeschaffenheit, des Klimas, der Möglichke:ten von Boden- behandlung und Bodenbearbeitung zu beurteilen.' Eine ll eberein- stimmung über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Größen- klaffen der landwirtschaftlichen Betriebe ist jetzt nicht möglich. 3. Von Reich, Staat und Gemeinde hat alles zu ge- schehen, was die Produktivität und einen intensiveren Betrieb in der Landwirtschaft steigern kann. 4. N i ch t b e a r b c i t u n g sowie unwirtschaftliche Der- Wertung und Raubbau des Bodens hat die Enteignung nach sich zu"ziehen. 5. Jede Svekulation mit land- und forstwirtschaftlichem Grundbesitz ist zu unterbinden.' 6. Der Handel mit land- und forst Wirtschaft- li ch e m Grundbesitz ist zu sozialisieren.___ 7. Die,© iedlungs Politik ist zu fördern und unter be- sonderer Berücksichtigung der Kultivierung der Oed- und Heide- ländereicn, deren rationelle Bewirtschaftung unter Zuhilfenahme der technischen Errungenschaften nach den Leitsätzen dieses Aktions- Programms zu sichern ist. Die von Kriegs- und Revolution�- gewinnlern erworbenen Ländcreien sind zu Siedlungszwecken zu enteignen. 8. Tie Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion er- der Revolution in der Braunschweiger Arbeiterbewegung völlig unb ekannt. Er war unter der, Mergesherrschast Minister für revolutionäre Verteidigung und spielte besonders in den General- streiktagen im April 1919 eine mehr als zweifelhafte Rolle. Es iß ein offenes Geheimnis, daß E. mit kommunistischen Kreisen in Verbindung steht und systematisch eine Hinübcrführung der unab- hängigen Massen in das kommunistische Lager anstrebe. Tobenüe tzanswürfte. In Frankfurt a. M. hat der Alldeutsche Verband seinen 30. Verbandstag abgehalten. Daß die Leute, deren säbelrasselnde Politik Deutschland ins tiefste Unglück gestürzt hat, überhaupt noch wagen, sich öffentlich zu zeigen, ist«in Beweis für die unverwüstliche Dreistigkeit dieser Gesellschaft. Auch diese Tagung stand unter dem Stern aller alldeutschem'Veranstattungen: entsetzlich viel Maul und entsetzlich wenig'Gehirn. 'Das gqnze Treiben kann nur alß'däs gemeingefährlicher Narren bezeichnet werden. In dem Bericht der»Deutschen Zeitung" wird die alldeutsche Tagung ausdrücklich �Kriegs rat" und„B e- fehlsausgabc gemannt und damit die Kriegshetze unterstrichen. Offenbar will man den Franzosen Material zu noch stärkerer Hetze gegen Teutschland liefern. Der Alldeutsche Verband, der im Weltkrieg Deutschland mög- lichst viele Feinde auf den Hals geladen hat, sucht sich auch inner- politisch möglichst gründlich verhaßt zu machen. Um die Wette wird geschimpft auf Polen, Juden, Katholiken, Sozialdemokraten, Demo- kratcn und Liberale; nur ein kleiner Teil der Deutschnationalen findet Gnade vor den Augen der Alldeutschen. Die Sprache der Alldeutschen ist von einer urwüchsigen Kraft, die Adolf Hoffmann neidisch machen müßte. Zum Beweise, daß ein Jude nie ein Deutscher werden kann, erklärt der Hauptredner der alldeutschen Tagung, ein Ziegenbock wäre noch nicht dadurch ein Renner edlen Blutes, weil er zufällig in Trakehnen auf die Welt gekommen sei. Der Pferdestall ist und bleibt nämlich das höchste all- deutsche Ideal. Wenn der alldeutsche Redner fortfuhr, die Milch- kühe hätte man Deutschland genommen, die»Ochsen" aber gelassen, so ist dies die einzige Erklärung dafür, daß der Alldeutsche Verband noch besteht. Auch eine besondere antisemitische Note fehlte nicht. In seinem Referat über Rassen- und Führergedanken(ein neckischer Druck- fehler der»Deutschen Zeitung" macht daraus„Kassen- und Führer- gedankcn") machte der Freiherr v. Vietinghoff-Scheel Mit- teilung von einem welterschütternden Beschlutz der deutschen A d e l s g es e l I s ch a s t. Danach hat die Genossenschaft beschlossen, niemand mehr aufzunehmen, der sich mit jüdischem Blute versippt hat. Eine neue Adclsmatrikel unter Ausschluß aller zu stark(Wie stark ist erlaubt? Red. d.»V.") mit jüdischem Blut be- hafteter Familien, insbesondere aller seit 1899 geadelter, deren Stammvater ein Jude gewesen ist, wird angelegt. Wie viele Adels- familien tverden da noch übrigbleiben, die sich bisher ohne Blutauf- frischung durch jüdische Bankierstöchter durchs Leben geschlagen haben?! Ter Hauptredner Heinrich Claß verband Chauvinismus mit Reaktion. Er proklamierte die Jrredenta und verlangte Rückkehr der Monarchie. Alles übrige war noch mehr unter diesem Niveau. Ein Kriegsrat in Metz. Die„Telegraphen-Union" erfährt von besonderer, mit amt- lrchen amerikanischen Stellen in engen Beziehungen stehender Seite, daß vor einigen Tagen in Metz unter dem Vorsitz von F o ch «ine Art Kriegsrat getagt habe. Foch habe dort betont, die Sicher- heit Frankreichs verlange unter allen Umständen die baldige Be- setrnng des Ruhrrevicrs. Größere Truppenverbändc seien zu diesem Zweck nicht erforderlich. ES genüge, wenn eine Anzahl Panzerwagen mit dem nötigen technisch geschulten Personal an die verschiedenen zu besetzenden Plätze entsandt würden. Diesen würde u. a. auch die Aufgabe zufallen, eine großzügige I n d u- striespionage in dem besetzten Gebiete zu organisieren, ins- besondere gegen die Firma Krupp. Belgische Transporte mit Munition und Absperrmaterial seien nach den Depots in der bel- gischen Zone'öes besetzten Gebietes abgegangen. Daß die französischen Militärs das Ruhrgebiet besetzen möchten, ist bekannt, daß Foch sich auch für Industriespionage besonders interessiere, ist weniger sicher, daß aber die Besetzung des Ruhr- gebietes nicht ohne ganz ander« Folgen bleiben würde, als Herr Foch erwarte« mag, ist um so gewisser. »tlim'en der Agrarpolitik. fordert vor allem den Ausbau der Volksschulen sowie der land- wirtschaftlichen Fortbildungs- und Fachschulen. 9. Die Verkehrsverhältnisse sind durch Ausbau der Kleinbahnen, Land- und Wasserstraßen unter besonderer Be- rücksichtigung der Bedürfnisse de: Land- und Forstwirtschaft gründ- lich zu vexbessern. t9. Licht-, Kraft- und Wasserversorgung ist der ländlichen Bevölkerung zu sichern. 11. Die Produktion und Verteilung der für die landwirischaft- liche Erzeugung notwendigen Maschinen, Werkzeuge, Roh- und Hilfsstoffe, besonders der kiin st liehen Düngemittel und der Kohlen ist zu sozialisieren. 12. Alle Maßnahmen, wie Bodenverbesserung, Um» legung der Grundstücke(Flurbereinigung), Saatzucht, Bekämpfung der Pflanzenschädlinge, der Tierseuchen usw. sind kräftig zu untcr. stützen. Die Ausführung dieser Maßnahmen ist zu sichern durch Anstellung von praktisch vorgebildeten Krejslandwirtschaftsanspek- toren und durch Einrichtung von Landeskulturstellen bei den unteren Bertvaltungsbehörden unter paritätischer Hinzuziehung aller landwirtschaftlichen Organisationen und Vertretungen. 13. Die Ausschaltung des Zwischenhandels mit landwirtschaftlichen Produkten ist zu beschleunigen. 14. Die kredit-, betriebs- und absatzgenossen- s ck> a s t I i ch e Zusammenfassung der Kleinbetriebe ist nach jeder Richtung kräftig zu fördern. 15. Tie engste Zusammenarbeit der Großeinkaufs» gesellsckaft mit den landwirtschaftlichen Ge» n o s s e n s ch a f t e n ist auf das lebhafteste zu begrüßen. 16. Die Kleinbauern, Pächter und landwirtschaftlichen Arbeiter siibd gegen tleberarbeit und Unfallgcfahr zu schützen. Ihnen ist eine gesunde Wohnung und befriedigende Lebenshaltung zu sichern. Die Arbeitsbedingungen sind durch Tarifverträge, Schiedsgerichte und Arbeiterschutzgesetze festzulegen All« Zweige der Sozialversicherung sind den Bedürfnissen der Kleinbauern, Pächter und landwirtschrftlichen Arbeiter anzupassen. 17. Sozialisicvung aller Zweig« des land- und forstwirtschaft- liehen Versicherungswesens. 18. Schaffung einer erschöpfenden, zuverlässigen land- itnd forstwirtschaftlichen S t a t i st i k, 19. Die Aufklärung der land- und farstwirffchaftlichen Be- völkerung hat unter Festhaltung unserer Parteigrundsätze z» ge» schehen. 29. Im Rahmen dieses Aktionsprogramms können für Ge» biete mit besonders eigenartig vorherrschenden Betriebs- und Be- sitzsormcn in der Land- und Forstwirtschaft ergänzende Forde- rungen. aufgestellt werden. Sie sind vor ihrer Veröffentlichung dem Parteivorstand zur Bestätigung vorzulegen. Drei Sklarz-prozesse. Vergleich— Verurteilung— Vertaguug. (Schluß aus dem Mvntagabendblatt.) In der weiteren Verhandlung wird gegenüber Behauptungen des Zeugen Journalist Steinberg aktenmäßig festgestellt, daß die� Verfahren gegen Heinrich Sklarz wegen Betrugs, Urkunden-- sälschung, Konkursvergehens usw. sämtlich wegen mangelnden Be- weises eingestellt worden seien. ES wurde dann Eichhorn als Zeug« vernommen und bekundete u. a.: Heinrich Sklarz habe sich am 19. November bei ihm gemeldet. Bis dahin habe er ihn nicht ge- kannt. Sklarz habe ihm gesagt, daß er ihm helfen könne, damit die Leute etwas zu essen bekämen. Das sei dankbar angenommen und Sklarz die Verpflegung der Soldaten überlassen worden."Er habe sich dann im Polizeipräsidium ein Verpflegungsbureau ein- gerichtet, von wo Anweisungen auf Brot, Mittagsmahlzciten usw. ausgegeben wurden. Er habe manchmal mit Sklarz scharfe Dnsd» rcngen— aber nicht materieller Natur— gehabt, weil er sich um Dinge bekümmerte, die ihn nichts angingen. Sklarz sei dann aus dem Polizeipräsidium weggegangen., aber er sei nicht weggegangen > vorden etwa wegen Darlebnsschwindels(wie Steinberg behauptet hatte). Dem Zeugen war ein paarmal mitgeteilt worden, daß Ver- fahren gegen Sklarz schwebten, er sei eine anrüchige Persönlichkeit und dergleichen. Er habe darauf nichts gegeben. Bei der Speisung der Soldaten habe Herr Sklarz nichts mit Geld zu tun gehabt. Im allgemeinen könne er�nur sagen: Es hatte sich in jenen aufgeregten Tagen im Polizeipräsidium eine ganze Menge sogenannter wilder Bureaus gebildet, die schwer herauszubringen waren. Mit Beschlagnahmen hatte Sklarz nichts zu tun. Allen Bureaus seien durch ihn Kri- minalbeamte beigesellt worden. Die Differenzen mit Sklarz be- zogen sich darauf, daß Sklarz sich in Fragen des Soldatcnrats der Sicherheitswehr, Löhnuirgsfragen, Dienstzeit usw. hineingemischt habe.— Schließlich erklärte der Angeklagte L a chm a n n zu Proto» koll:„Ich habe nicht die Absicht gehabt, den Privatkläger zu belei- digen. Ich gebe zu, daß der von mir veröffentlichte Artikel auf einer Information beruht, die in entscheidenden Punkten Unrichtig- ketten ausweist. Insbesondere hat nach nteiner Ueberzeugung die Verhandlung nichts ergeben« daß Heinrich Sklarz aus eigen» süchtigen Motiven gehandelt hat; die»Bekundungen der vcrnom- menen Zeugen sprechen für das Gegenteil." Bei dem zweiten Prozeß handelt es sich um einen am 39. in der„Berliner Morgenzeitung" erschienenen Artikel unter der Ueberschrift„Ermittlungsverfahren gegen sklarz". Der Ange- klagte erklärt dazu, daß er nicht Heinrich Sklarz, sondern Georg Sklarz habe treffen wollen. Der als Zeuge vernommene Journalist Kurt Sochaczewski schildert einen Besuch, den Sklarz bei ihm gemacht habe, um die Veröffentlichung weiteren Materials zu unterdrücken. Sklarz behauptet demgegenüber, daß er Sochaczewski davon habe überzeugen wollen, daß er den Aussagen eines Geistes- kranken iSonnenfeld) zuviel Glauben beigemessen habe. Rechts- anwalt Dr. Cohn nahm in seinem Plädoyer für den Angeklagten den Schutz des§ 193 in Anspruch. Das Gericht billigte dem An» geklagten in der Hauptsache den Schutz des§ 193 zu, erblickte aber in eiyzelnen Ausdrücken die, Ab ficht der Beleidigung und verurteilte ihn deswegen zu 100 Mark Geldstrafe. Die dann folgende Verhandlung gegen den verantwortlichen Redakteur der�.W a h r h e i t", der wegen eines Artikels unter der Ueberschrift„Streiflichter" angeklagt war, endete mit der Ver- tagung, da der angeklagte Redakteur der„Wahrheit" den Antrag stellte, den Rechtsanwalt Leo Pasch, den Vorsitzenden deS jü- oischen Jugendbundes, als Zeugen zu laden, von dem er seine In- formationen erhalten haben will. Im BerfassungSausschnß der Preußischen Laiidesvcrsammliing hielt der Staatskommissar für Verwaltlinqsrcform Dr. Drews einen ousführliclien Vortraa über die Autonomie der Provinzen. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache. Die Not- wendigkeit, die Autonomie zu verstärken, wurde von allen Seiten anerkannt, eine entgültigc Formulierung aber bei der Schwierigkeit der Materie noch nicht vorgenommen. Deutschnatiouale Jugcndgruppe Hindcnburg. Nach einer Meldung der T.U. erteilte Generalfeldmar'chall Hindenburg in einem be» sonderen Schreiben der Eriurter Ortsgruppe des Deutschnationalen Jugendbundes die Erlaubnis, sich künftig.Hindenburg" zu nennen. Der Vorgang spricht zwar dafür, daß der Feldmarschall sich sein kindliches Gemüt bewahrt hat. aber nicht für die oft wiederholte Behauptung, daß Hindenburg außerhalb der Parteien stände. Lit»i»»ss, der Unerwinschte, darf auch nicht nach Italien hinein. « OeVerMostsbewegung Stuttgart gegen Moskau. Nach dem Moskauer Diktat sind alle der Kommunistischen Internationale angehörenden Parteien verpflichtet,«einen harr- näckigen Kampf gegen die Amsterdamer„Internationale" der gelben Gewerkschaftsverbände zu führen. Sie müssen unter den geWerk- schaftlich organisierten Arbeitern die Notwendigkeit des Bruches mit der gelben Internationale nachdrücklichst propagieren". Diese Kriegserklärung an die Gewerkschaften ha: natürlich auch diese gegen Moskau auf den Plan gerufen. Selbst der radikale Metallarbeiterverband will-trotz seiner Unzu- frieden heit mit Amsterdam nichts von Moskau wissen. In der letzten Nummer der„M etallarbeiter-Zei- t u n g" finden wir einen umfangreichen Leitartikel gegen die Dritte International«. Ganz energisch wird darin gegen die „kommunistischen Z.ellen" angegangen, die eine„Organa sation in der Organisation" und„die FraktionLbildung nicht nur auf Tagungen, sondern als ständige Einrichtung" bedeuten würden. Das Ganze wird als„V o r st u f e zur Spaltung" abgelehnt. Darum heißt es in Ahnung kommender Ereignisse: „So kann es auf dem nächsten Vcrbandstag kommen, datz kommunistische Funktionäre gewählt werden. Zur. Aenderung der Statuten reicht die Stimmenzahl aber nicht aus, dann müssen die neuen Männer ebenfalls im Sinne der- Sta- tuten ihre Tätigkeit ausüben, die großen Hofsnungen werden nicht erfüllt, ebensowenig wie die Phrasen in der Praxis realisiert werden kön- nen. Das Absägen beginnt von neuem. Vielleicht lassen dann die Kritiker den neuen Männern mehr Gerechtigkeit Widersahren, als dies gegenwärtig gegenüber den verlästerten„opportunisti- schert U.S.P.-Männern" geschieht. Die Bildung der„Zellen" oder Fraktionen muß notwendigerweise zu Reibereien im Verband führen, die zur Lähmung der Stoßkraft beitragen und letzten Endes zur Spaltung treiben." Und zu der Moskauer Forderung nach„Säuberung" der Ge- werkschaften von reformistischen und opportunistischen Elementen lesen wir: «Vielumstritten war die Führerfrage schon immer. Wo Demagogen die Massen falsche Wege führten, ihnen durch ihre unverantwortliche Handlungsweise schweren Schaden zufügten. brachten sie zu ihrer eigenen Rechtfertigmig es fertig, einen Sündcnbock zu suchen, und der war in allen Fällen der Gewerk- schaftsangestellte. Die trüb st en Erfahrungen wurden gesammelt, und wohl auf keinem Gebiet ge- fchehen größere Ungerechtigkeiten, a l s in der Beurteilung der Tätigkeit der Verbandsfunk- t i o n ä r e." Wie unendlich viel wäre gerade dem Metallarbeiterverband erspart geblieben, wenn man im Oktober des vorigen Jahres auf fast dieselben Worte gehört hätte, die damals von den so sehr der- haßten„Bonzen" warnend den Radikalinskis zugerufen wurden? Damals war es gerade D iß m a n n, der zuerst das Wort„F r a l- t i o n" in den Saal warf und seine Freunde alle Augenblicke zu „Fraktionsfitzungen" zusammenrief. Heute weiß man auf einmal, daß bei der Beurteilung der Verbandsfunktionäre die größten Ungerechtigkeiten geschehen. Ueber diese späte Erkenntnis könnte man sich freuen, wenn der Schmerz über die ungeheuren Schäden, die die Unabhängigen mit ihrer Säuberung der Gewerkschaften von all den alten und bewährten Funk- stivnären, die sich nicht mit Haut und Haaren der U.S.P. ver- 'schreiben wollten, über die Arbeiterbewegung gebracht haben, nicht so tief säße. Heute, da man das Messer an der eigenen Kehle .Verspür:, erklärt man plötzlich, daß die Angestellten nur„die Aus- führenden des Willens der, Mitgliedschaft" sind und daß von dem„Recht auf Kontrolle der Führer" nur darum so wenig Ge- brauch gemacht werde,„weil die Argumente, die kolportiert wurden, in den meisten Fällen nur haltlose Verdächtigungen waren, die keiner ernsthaften Prüfung standhielten". Wenn man doch nur immer so gewissenhaft geprüft hätte! Um aber nur nicht die Meinung aufkommen zu lassen, daß die jetzigen Führer des Metallarbeiterverbandes ihre Fehler von gestern eingesehen haben, heißt es am Schlüsse des Ar- tikels: „Besonders der.Metallarbeiterverband wurde in seiner Tä- tigkeit gehemmt, auf seinem Buckel wurden die Räte- wirren ausgetromme.lt, und aller Voraussicht nach wird er auch wieder das Versuchskarnickel der neuen Tak- t i k sein. Als Gewerkschafter haben wir zu prüfen, ob der Ver- band weitere Wirren noch ertragen kann. In der jetzigen po- litifchen wie wirtschaftlichen Situation müssen wir uns vor einer Schwächung der Gewerkschaften hüten. Nicht die Führer waren schuld,.wenn es nicht vorwärts ging, son- dern die Massen, die zu leicht geneigt waren. sich von Demagogen auf Irrwege führen zu lassen. Mit Ruhe und Besonnenheit muß das Für und Wider erwogen werden." Wir haben lange genug die Arbeiterschaft davor gewarnt, die Arbeiterbewegung zum„Versuchskarnickel der neuen Taktik" zu machen. In der Hauptsache waren es die bekannten„Führer" des Metallarbeiterverbändcs, die als stramme Unabhängige jeden Hinweis auf die Spaltungsgefahr zurückwiesen, die so lange revo- lutionäre Phrasen gegen die Vernunftsgründ« der alten: bewährten Funktionäre schleuderten und die Massen damit fütterten, bis sie in Stuttgart ihren Einzug hielten. Heute, da sie einsehen, daß die großen Hoffnungen, die fie erweckt haben, ebensowenig er- füllt,„wie die Phrasen in der Praxis realisiert werden können", bringen diese Leute den Mut auf, den Massen die Schuld am Stillstand der Organisation aufzubürden, weil sie„sich von Demagogen auf Irrwege führen" ließen. Gescheiterte verhanölungen im Versicherungsgewerbe Di« in den letzten Tagen über die Forderungen der Versiche- rungsangestellten geführten Verhandlungen sind gescheitert. Die Unternehmer haben die Forderungen ihrer Angestellten ab- gelehnt und einen Gegenvorschlag eingereicht, der einem Ah- bau der Löhne gleichkommt. Um diese Herabdrückung der Lebenshaltung der Angestellten auszugleichen, wurde alz Win- terzutage ein Monotsgehalr bewilligt. Tie Ablehnung der Forderungen veranlaßt den Zentralverband der Angestellten, den Gesamtverband deutscher Angestelltengewerkschaften, den Gewerkschaftsbund der Angestellten und den Allgemeinen Verband her Versicherungsangestellten, einen gemeinsamen Aufruf zu erlassen, dem wir folgendes entnehmen: „Diese Herausforderung der Arbeitgeber beantworten die Ver- bände mit der geschlossenen Einmütigkeit zum Kampfe um menschenwürdige Daseinsbedingungen. Die Verbände haben beschlossen: 1. Unverzüglich das Reichsarbeitsministerium zu er- suchen, einen Schlichtungsausschuß einzusetzen. 2. Als Kampfesmaßnahme ist in allen Direktwnsbetriebcn und Verwal- tungsgeneralagenturcn sofort jede Art von Ueberarbeit, insbesondere jede Ueberstunde und Hausarbeit absolut zu ver- weigern. 3. Ueber alle organisierten Arbeitgeberbetriebe ist hiermit die Sperre verhängt, mithin können keinerlei weitere Neueinstellungen genehmigt oder geduldet werden. Für die Provisionsgeneralagenturen ergehen Anweisungen, sobald die Erklärung des ArbeitgcberrcichSverbandes deutscher Ver- stcherungsvertreter vorliegt. Die � Verbände erwarten von jedem organisierten Versiche- rungsangestelltcn, besonders aber von den Betriebsräten und Bc- tricbsvertrauensmännern, die- strengste Durchführung dieser Abwehrmaßnahmen zu überwachen. Wer Ueberarbeit leistet, begeht damit eine genau so wie Streikbruch zu verurteilende schimpfliche Handlung, gegen die die Gewerkschaften die satzungsgemäßen Maßnahmen rm einzelnen anwenden. Je geschlossener die Durchführung der Verweigerung jeder besonderen Arbeit, um so deutlicher werdet ihr dem Arbeitgeber- verband die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Aufbesse- r u n g der Gehälter begreiflich machen. Kolleginnen, Kollegen! Steht im Kampfe zusammen! Wahrt Solidarität! Achtet überall aus strengste Einhaltung unserer Kampfesmaßnahmcn durch jeden Angestellten." Zum Ttreik bei den Raiffeisen-Genoffenschaften. Der Zentralverband der Angestellten schreibt uns: Die Bcmübungen des Demobilmachungskommissars, den Streik bei der Handelsgesellschaft Raiffeiienscher Genossenschaften betzu- legen, sind an dem Verhalten der Direktion und des Arbeitgeberverbandes(Shttdikus Dr. Engels gescheitert. Der Arbeitgeberverband hat versucht, die Gewerkschaften anSzu- schalten, doch haben die Angestellten e i n st i m in i g sich erneut auf den Boden der Gewerlichatten gestellt. Die Herren der Firmen- leilung samt thtetn getstlichen Aufsichtsrat und dem Arbeitgeber- verband icheinen sich der Hoffnung hinzugeben, daß die Angestellten noch vor dem 1. Oktober zu Kreit te kriechen müssen, da namentlich die verheiratete Kollegenichaft am Ersten Miete und Gasgelder usw. ,u zahlen hat. Die streikende Kollegenschaft denkt gar nicht daran, ist sich vielmehr darüber schon einig geworden, daß der Streik auch über den 1. Oktober hinausgeht, rnlls den gerechten Forderungen nicht Genüge geleistet wird. Trotz deS eifrigen Bemühens der Direktton ist es ihr bis heute nicht gelungen, genügend Streikbrecher heranzuziehen, um so ihren Betrieb wenigstens einigermaßen fort- führen zu können. Kolleginnen, Kollegen, eS kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, bei genannter Firma keine Stellung anzu- nehmen. Beweist Eure Solidarität! Allgemeinverbindliche Tarifverträge. Das Reichsarbeitsministe- rium hat den zwischen den Angeitelllenorganiiationen und dem Arbeit- geberverband der Chemischen Industrie, Sektion ta am 2. Juni 1920 abgeschlossenen Tarifvertrag für ollgemein verbindlich erklärt. Die allgemeine Verbindlichkeitseiklärung beginnt mit dem I.April 1920. Desgleichen wurde der zwischen dem Deutschen Transportarbeiter« verband, Bezirk Groß-Berlin, Abteilung Chemische Branche, und dem Arbeitgeberverband des Großhandels Groß-Berlin am 4. Mai 1920 abgeschlossene Tarifverlraa mit einem Nachtrag vom 22. April mit Wirkung vom 1. Mar 1920 für allgemein verbindlich erklärt. Bund der»echnifchen Angestellten und Beamten. Heute: Chemische Industrie 7><, Uhr in den Musikersestlälen, itaiier-Wilhelm-Strase 31.— Geld- schranksnbriken und Kroßliblosseretcn 7 Uhr im Bundeshaus.— Eisenboch- und Brückenbau 7>/, Uhr im Nördlichen Hos, Jnvalidenstr. 126.— Maschinen- Werkzeugbau- und Kicßcrcsen 71/, Uhr in den Musikersestsälen, Kaiser- Wilhelni-Str. 31.— Mittwoch: Brauereien 8 Uhr im Bundeshaus.— Schwach- ström 7'/, Uhr im Bundeshaus. Angestellte der Annoneenbureaus und Expeditionen. Heute S>/, Uhr, Zcntralsestläle. Alte Jakobilrage 30/33, össentliche Bersammiung. Tagesordnung:.Gehalisabbau und der loinmende Taris". Deutscher Transportarbeiterverbaud. Bretterträger. Platzarbciler und Kutscher aus allen Fournier- und Nutzholzhandlungen Gioß-Bcrlins. Morgen Mittwoch, 7 Uhr, im Englischen Hos, Alexanderstr. 27 c: Branchen- Versammlung Gastwirtsgewcrbe. Betriebsräte und Betriebs- o b I e u t e I Morgen Mittwoch, 10 Uhr, im„Cass Stern", Oranienburger Tor: Versammlung. Achtung, Buchdrucker! Morgen Mittwoch, S Uhr. im Schultheißausschank, Neue Jalobslratze, Eingang Schmiditraße: Wichtige Besprechung sämtlicher Betriebsräte, Vertrauensleute und Funktionäre der aus dem Boden praktischer Gewerkschastsarbeit stehenden Buchdrucker. Legitimation: Betriebsrätekarte, grüne Karle oder Parteibuch. Zcutralvcrband der Angestellten. Versammlungen für heute: Fachgruppe 2» tVerwaltungsangestellte). abends 6 Uhr, im Schultheiß. Neue Jakobstr. 24/23: Vertraucnsieuteoersammlung.— Fachgruppe 9b lSchubwaren. Großhandel, Industrie), abends 5 Uhr, in Haverlands Feit, säle. Neue Friedrichstr. 35: Oeffentl. Versammlung.— Fawgrupve 101 (Kurz-, Galanterie-, Spielwaren), abends ö'/, Ubr, im Gcscllschajtshaus am Hackeschen Markt, Rosenthaler Strage 36: Oeffentl. Versammlung.— Fachgruppe 12 a(Tiesbaugewerbc), abends 7'/, Uhr, im Verbands- lokal, Belle-Alliance-Str. 7/10: Mitgliederversammlung. Wirtschaft Bedarfsdeckung durch Thpenware. Wir haben im„Vorwärts" wiederholt darauf hingewiesen, daß die Beklerdungsartikcl erheblich verbilligt wenden könnten, wenn für einen lestinunten, z. B. durch die Konsumvereine er- mittelten Bedarf direkt in den Fabriken Einheitswaren von guter Beschaffenheit hergestellt würden. Zu dieser Frage äußert sich heute in einer Zuschrift an uns Direktor Gebauer aus Ostritz in Sachsen, von dessen Ausführungen wir folgende Stellen hier wiedergeben: „Es war 2 0 c r Baumwollgarn bei uns soeben noch wegen des besseren Standes unserer Valuta und bei der Absatzstockung mit 47 M. per Kilogramm zu haben. Das Rohmaterial dafür ist also bei den Spinnern vorhanden— doch konnte der Weber dazu nicht kaufen, weil die Detaillisten zuviel teuere Ware de- sitzen und dieselbe nicht absetzen können, also neue billige Ware auch dem Weber nicht bestellen können. Inzwischen kostet aber dasselbe Garn g' cb o n wieder 73 M., weil die Valuta ge- funken ist. Da die Weber hiernach Verhältnisse wie im Herbst vorigen Jahres befürchten, bei denen durch das Fallen der Valuta eine ungeheure Preistreiberei begann, so wird jetzt von ihnen gekauft, besonders auch in der Annahme, daß der rnonatelangen Zurückhaltung der Käufer eine um so größere Bedarfseindeckung zum Winter folgen muß. So also belebt sich das Gesckäft in der Weberei, durch die Valuta-Ver- fchlechterung veranlaßt, und es bleibt abzulvartcn, ob die Kauf- kraft unseres Volkes tatsächlich erschöpft ist oder ob es sich in letzter Zeit doch nur:un einen Streik der Käufer gegen zu hohe Preise gehandelt hat, den man nunmehr als verloren auf- geben will. Es muß wieder eine gesunde Preisibosis für die zum Fa- milienlebeit unerläßlichen Textilwaren geschaffen werden, und zu diesem Zwecke erhebe ich aufs neue die Forderung, süx diese Waren ganz bestimmte Typen in guter Ouälität und zu normalen Preisen zu schassen. Unter �den Verfügungen und der Aussicht einer dafür einzurichtenden, zwiscben Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch zu besetzenden Reichsstelle muß nach ganz bestimmten Gesetzen j e e i n e bestimmte Qualität Hemden- st off, Unterklef der st off, Bettbezugs st off, Kleider- st o f f usw. usw. unier Ausschluß jeder Spekulation und un- normaler Gewinne hergestellt und verkaust werden. Unser Volk ist in diesen Waren abgerissen und verlangt dringend danach. Tie Versorgung unseres Volkes mit zweckdienlicber, preiswerter � Bekleidung und Wäsche würde eine starke Beschäftigung unserer Textilindustrie sichern. Neben diesen Einheitstypen kann der freie Verkehr in Textilivareu ruhig produzieren, was er will,-die Preise dafür werden sich nach der typisierten Ware richten müssen, weil die Hausfrau durch dieselben wieder einen Maß- st ab dafür erlangt, was normalerweise eine Welb» wäre kosten darf. Unnütze und-durch Spekulation stark ver- teuerte Ware dürfe auf diese Weise im Angebot stark zurückgehen. D'e Leistungsfähigkeit der einzelnen Fabrikanten wird wieder zur Geltung kommen."' Wundern muß man sich, daß sich keine organisatorisch be» fähigten Fachleute aus der Textill'vcmche bislang gefunden haben, die in Verbindung mit einigen Fabristn schon längst solche Einheitsware direkt an die Verbraucher bringen. Zu wünschen wäve es ja, daß die Konsumvereine diesen Zweig aus- bauen, aber es fehlt bei ihnei» leider an der größeren Unter- nehnnrngskraft. Zusammenschluß in der Flcischwarenindustrie. Am 20. und 21. d. M. tagte in Berlin die gesamte d e u l s ch e F l« i s ck w a r e n-i n d u st r i e unter dem Vorfty des KommerzienraieS Zimmermann-Thannhaufen, der als Vorsitzender deS AussichtsrateS der Fleischwarenindustrie A. G. . F l i a g" eine wirtschaftliche Vereinigung der genannten Industrie berbeigeführt hat. Es ergab sich der einmütige Wille, durch festen Zuiammsnschluß billigen Einkauf und dadurch Abgabe zu mög- lichst billigen Preisen zu erreichen. Mehr als 200 Industrielle traten, soweit sie noch nicht Aktionäre der Fleit'chwarenindustrie A.-G. waren, geichlassen in das Unternehmen als Mitglieder ein und erklärten sich bereit, durch Uebernabme von Aktien und Stellung von Krediten die erforderliche Finanzgrundlage zu gewährleisten. Zum Direktor der„Fliag"' wurde der Referent im Reichswirtschattsministerium Dr. Paul Kuhn bestellt. Neuordnung der Gütertarife. In der vorgestrigen Besprechung über Neuordnung des Tarifsystems entschieden sich die Sach- verständigen mir ollen gegen zwei Stimmen für den Vorschlag der ständigen Tarifkommitsion der deutschen Eisenbahnen und des ihr beigeordneten Ausschusses der Verkehrsinteresienten. in Zukunft bei den Gütertarifen zum Staffeltarif sy st em überzugehen und hierbei die teuren Güter stärker zu belasten, die gering- wertigeren zu schonen. Der weitere Vorschlag, die Frachiberechmtng nach den Hauvtwagenklctssen im Grunds atze von der Ausnutzung des Ladegewichts der Fünfzehntonnenwagen obbängig zu machen, fand einstimmige Annahme, desgleichen der Vorschlag über die Neuregelung der normalen Beförderungsgebühren im Tier- verkehr. Vom Reichsverkehrsministerium wurde zugetagt, daß die ständige Tarifkommitsion und derAuSichuß der VerkehrSinteressenien alsbald in eine Prüfung eintreten würden, wie bei Neuordnung der Tarife etwa eintretende Härten gemildert oder beseitigt werden könnten. Sriefkasten üe? Redaktion. tzeder chr den BrieskäNen bestimmten Ankrag» fvae man«inen Buckistaden und eine Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Tilige An- tragen trage man in der Juristischen Evrechstunde. Lindenstr. S. I. Kot parterre links vor. Echrifistücke und Verträge stnd mitzubringen. beseitigt- schnell, sicher u. schmerzlos' *K/ Kukirol lOOOOOOfacnbewährt Pr-eis M, 3,-Jr> Apotheken u. 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