Nr.4SZ» 37. Jahrgang Kusgabe B Nr. 104 Bezugspreis� $ ecteliäljti.SO,— 2Kt„inonatU0,— ütt, frei ins Saus, aoraus zahlbar. Poll» deuiz. Monaüick 10,— 3Hi. erfLRu» üetlungsgeoiUir. Unter Ürtuihanb für üeutidjlanö und Oesterreick 16/0 MU. iiic das übrige Ausland bei täglich eintnal. Zuiielluno 21.50 3!. Dolite- itellungen nehmen an Oesterreich» Ungarn, Tfchecho- Siotoalei, Dane- .narl, Solland,-turemdurg, rcktveden ■ nd die Echweig.— Emgetraaeu m die Vost-reimngs-PreisIiste. er„Vom.!-tri," mit der Sonntags- vnage»Soll u. Seir" erichein! wocken- mMt ttntimnl Sonntags und Montags einmal. Abend-Ausgabe ( 20 Pfennig) Telegranim-Adresse: Sozialdemokrat Verkia� S'G ZZevlinev VolKsblati �entralorgan cker sosialäemokratifcden Partei veuttcklanäs Anzeigenpreis: Die achtgespaltene NonvareillezetI« iostetZ.— M., Teuerungsguschlag 50°/». «Sleinr Anzeigen-, das tett» gedruckte Wort 1,— M.(julälfig zwei iettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 60 Pfg. 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Bolschewistische Agitatoren haben den National-Palast gestürmt und von dem Balkon Reden an die nach Tapsenden zahlende Menschenmenge gehalten. Der National- Palast war mit roten Fahne« geschmückt; die Reden wurden mij großem Beifall aufgenommen;». a. wurde in den Reden aufzesordert, di? ZcitnngSgebäude in die Luft zu sprengen. Bon allen Teilen des Landes sind Truppen nach der Stadt entsandt worden, um die Unruhen zu unterdrücken. Tie Lage ist sehr ernst und wirb noch dadurch verschlimmert, daß der Präsi- dcnt Hucrta erkrankt ist. tzcrchp-�ngarns Korruptionsfonüs. Neue Enthüllungen der„Arbeiter-Zeitung". Wien, 29. September.-(TN.) Die„Arbeiter-Zeitung" seht heute die Beräsfentlichung von Dokumenten, die aus der ungarischen Gesandtschaft stammen, fort. Aus einem Briefe des Prcssechcjs der unzarischen Gesandtschaft, Reich, an de» Pressechef deS ungarischen Ministeriums des Amißern, Eckhardt, geht hervor, daß Dr. Reich bemüht war, der„W teuer Reichs- p o st" einen Betrag von einer Million Kronen unga- r i s ch e s Geld in der Form zuzuwenden, daß die Hilfsaktion in der allerdlskretefte» Art gehandhabt werde und die eigentliche tAeld- auellz unier allen Umständen ein Geheimnis bleibe. Dr. Reich schlägt vor, daß ein hoher geistlicher Würdenträger der „Reichspost" eine Million schenken würde, weil eine andere Form der Unterstützung die Interessen, denen das Blatt dient, nur schädigen tonnte. Die„Arbeiter-Zeitung" polemisiert mit dem Wiener ungarischen Gesandten und beharrt darauf, daß alle von ihr verSffentlichtcn Tokeimente e ch t sind. Zum Beweise dieser Tat- fachen»ervffentlicht die„Arbeiter-Zeitung" heute wieder eine Reihe von F a k s i m i l e- A k t e n. Budapest, 29. September. Im Ausschuß kam sowohl Minister- Präsident Graf T e l e k i als auch Außenminister Graf C s a k h auf die V e r ö s f e n t l: ch u n g der Wiener.Arbeiter-Zeitung" zu sprechen, die beweisen wollte, die ungarische Regierung hätte sich in österreichische innere Verhältnisse eingemengt. Beide Ministerbe- zeichneten die veröffentlichten Akten als plumpeFälschung.(l) ES handle sich offenbar nm eine Wahlmache gegen die Christlich- sozialen in Oesterreich. Der ungarische Gesandte habe gegen die unbekannten Täter, welche die Fälschung verübt hätten, Anzeige erstattet._ Lepgues über Deutfchlanü. Paris, 29. September.(Hollandsch NieuwSburean.) Der neue Premierminister empfing gestern abend die Vertreter der Pariser Presse und besprach mit ihnen in großen Zügen die aas- wärtige Politik Frankreichs. Er erklärte: Frankreich ist zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit. Es wird sich aber auch nicht in die innere Politik Deutschlands einmischen und wird keinerlei Versuche unternehmen, Süddeutschland vom Norde« zu trennen. Frankreich wird aber seine diplo- matische und kommerzielle Tätigkeit nach allen Richtungen auSzn- dehnen suchen. öranöherö Irlanü. London, 29. September.(Hollandsch Nieuwsbureau.) Die Presse ist über die Gegenmaßnahmen der irischen Polizei, die sich in der Verbrennung von Dörfern und anderen Gewalt- tätigkeiten äußern, durchaus der Ansicht der irischen Bevölkerung. Das Kabinett hat den Tatbestand geprüft. Demnächst dürfte eine Meldung erscheinen, die für die Regierung sehr unangenehm sein wird. Der Präsident der irischen Republik hat sich nämlich telcgraphisch mit dem Ersuchen an Devalera gewandt, es möchten sich in Amerika große Städte als Schutzpatrone gewisser irischer Ortschaften finden, so wie jetzt London für die verwüstete Stadt Arad. Denn was das englische Militär in Irland verübe, sei eine größere Gewalttat als da», was den Deutschen in Belgien und den Türken in Armenien zum Borwurf gemacht wird. London, 29. September.(Hollandsch Nieuwsbureau.) Die Regierung hat von einer neuen Sinnfeinerver. schwörung Kenntnis erhalten, an der sich etwa 199 Mann be- teiligen sollen. Di« Verschwörer befinden sich in London. Sie planen ein Attentat für den Fall, daß der Bürgermeister von Cork im Gefängnis sterben sollte. Die Regierung hat ausgedehnte Maßnahmen getroffen, besonders da auch verlautet, daß man der- suchen wolle, den Bürgermeister von Cork mit bewaffneter Macht aus dem Gefängnis zu befteien. Die richtige Antwort! RegetlIburg, 29. September.(Eigener Drahtbsricht des „Vorwärts".) Der Ncgierungspräsident hatte am Sonntag eine Straßenkundgebung der Kriegsbeschädigten für bessere Fürsorge durch das Reich verboten. Ms in Um- gehung des Verbots dennoch eine Anzahl Kriegsbeschädigte aufmarschierte, bot der Regierungspräsident dagegen M i l i t ä r g e-v a l t mit Flammenwerfern und anderen Mordinstrumenten auf. Als„Anerkennung" für seine Haltung' schickten die Kriegsbeschädigten dem RegierungsvrästdentLn ein Paket, das 25 Eiserne Kreuze I. Kl., 25 Eiserne Kreuze II. Kl. und 50 bayrische Kriegsauszeichnungen enthielt! Die bayrische Landesregierung wird sich den mit Flammenwerfern gegen Kriegsbeschädigte operierenden Herrn Regierungspräsidenten gründlich an- sehen müssen. Wenn die Anwendung derartiger Mittel gegen harmlose Demonstranten die Methode ist. durch die in Bayern die van den Herrsn Escherich. Kahr usw. bis zum Himmel erhobene Ordnung aufrecht erhalten wird, dann beneiden wir Bayern nicht um seine Ordnung. Escherich, der Verfafsungsfrcund. München, 29. September. Auf den gestrigen Fesweranstal- mngen der bayerischen Einwohnerwehren sprachen auch der Minifterpräsidem Dr. v. Kahr und der Landeshauptmann Dr. Escher-ich. Der erstere erklärte, er sei und bleibe Herr der bayerischen Einwohnerwehr, welche für den wirtschaftlichen und siiilichen Wiederaufbau so große Bedeutung erlangt habe. Der Lande-Hauptmann gedachte des letzten Sonntags, an dem sich ganz Bayern für Ruhe, Ordnung und Arbeit feierlich erklärt habe. Kaöetten- oüer Hilöungsanstalt! Ueber die eigenartigen Zustände in Lichterfelde, auf die wir wiederholt ausführlich eingegangen sind, haben die sozialdemo- fratischen Abgeordneten H a u s ch i I d t und Genossen folgende große Anfrage an die preußische Regierung gestellt: Ist der DtaalZregierung bekannt, daß an der staatlichen Bil- dungSanstalt Lichterfeld« nach dem Scheitern der Reform« plane des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unhaltbare Zustände sich auSgebildei haben? Weiß sie z. B. 1. daß an der Spitze der durch eine neue Dienstanweisung be- deutsamer gewordenen Oberigspektionen fünf Majore resp. Hauptleute stehen, die mit ihren militärischen Titeln angeredet werden müssen? 2. daß unter dem Vorwande, dt« Ordnung wiederherzu- stellen, die militärischen Formen(Stramm st ehen statt Ver- beugung, Appelle, kompagnieweises Antreten und Mar. schi eren zum Essen usw.) völlig wieder eingeführt find? 3. daß daS Geschichtsbuch von H o l t Häuser durch den Krieg zerstört worden sind. Auch in Belgien' hatte ich fast nur Gelegenheit, mit Partei- genossen zu sprechen. Ich kann nur in dankbaren Worten iür ihre sreundsiche Aufnahme und ihre kameradschaftliche Gesinnung danken. Sie stellten nm größter Anteilnahme Fragen über die Wirtschaft- lichen Verbäliaisie in Deunchland. Aber auch von den Betgieru. die keine Parteigenosien waren, und mit denen ich auch nur kurz zusammeniraf. die wußten, daß ich ein Deutscher war, habe ich kein unfrenndli t es Wort gebort, auch die Behörden kamen mir durchaus korrekt emgegcn. Man empfahl mir, daß ich die nach Deutschland gemeldeien chauv-nistiicken Aenßerunaeu nicht über- schätzen solle. Die Belgier wüßien sehr wohl, datz ihr Haien von Antwerpen, daß viele ihrer Seebäder auf die deutsche Kundschaft angewiesen sind. ES sei nmürlich schwer. beu:e schon die alten gastlichen und kommerziellen Beziehungen wieder aufleben zu lassen. Aber daß d-es der Wille vieler Belgier ist. scheint fest-mlehen. So wurde mir versichert, daß die Verwendung deniicher Aibeiter zum Wiederau'ball Belgiens, wenn die'« Arbeiter n-chl als Lohn- drücker Schmntztonkurrenz treiben und wen» auch'onil manches, waS nolwendig ist. beobachtet wird, durchaus willkommen geheißen werden könnien. Auf meine Bemerkang, datz Belgiens Kohlei- Produktion wieder ihren normalen Zustand erreicht babe, und datz man uns doch nicht aufzwingen iolle. auch nach Belgien weiter Kohlen zu liefern, was die Wiederaufrichlung Deutschlands in hohem Matze erschwere, wurde mir geanlworle!, datz die Annahme, datz Belgien sich mit seinen Kohlen versorgen könne, falsch sei; man dum die Kohlen nichl lediglich nach den Mengen beumilen. man müsse die Dualnät im Auge behalten, Deutschland sei in der Lage, Ko len zu schaflen, die Belgien unbedingt benötige, aus die uiimöglich der- uchlel werde» könne. N-chls sei wichtiger iür die Gesundung der deutich-belgischen Bezicdunpen, als die Schaffung voller Klarheit der Verbällnisis. Die Tendenz, die in den Eröricrungen über die Kohle in der deutsche» Presse in Erichemung trete, schade nur in Belgien, weil die Information der deutschen öffentlichen Meinung durchaus falsch, zum mindesten nicht ausreichend sei. Ganze Eisenbahnzüge bestehen aus deutschem Eiienbahnmatenal. Aus den Babnbören drän en sich iebr modeine. schwere deutsche Lolomonven. Ich vcrmuleie. datz es weit mebr sind, als der bei- gliche'Verkehr aufnehmen kann. Als ich hierauf das Gespräch mir einem sehr boben belgischen Beamten lencie. wollte er m'ch über- zeugen, datz die Deutschen ihr schlechtes Maicrial den Belgiern gelie'ert hüllen. Die deusichen Lokomotiven seien für Belgien eigentlich car nicht zu brauchen. Ihre Heizemrichinngen sind mit belgii'cher Kehle nicht zu beichicken. und die Art der Lokomot ve» sei dem Uiiierbau der belgischen Babn nickt aneepatzt. Ick ver- sicherte, datz Deutschland sehr gern beieit sein würde, die Lokomo- darin Konkurrenz machen, war bis jetzt nickt Lblich. Es ist Herrn Lamp unter Assistenz des Herrn Broh vorbehalten geblieben, diese neue Abart der Darstellungskunst einzu- führen. Ob Reklamesuckt oder Temperament den größeren Teil der Schuld an diesen Exzessen trogen, ist belanglos. Peinlich bleibt ein solches Betragen auf jeden Fall, besonders. wenn es von Leuten mit formaler Bildffmg geübt wird. Der neueste Kommunistcnprozeß ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Republik. Weder für die Angeklag'en als Vertreter einer Klasse oder einer Idee, noch für ihre juristischen- Sachwalter, noch für das ganze Verfahren selbst. U.-S.-R.-Ksftgänßer Moskaus. Tis„Freiheit" schrieb jüngst von den Parteien, die sich der Dritten Internationale angeschlossen haben,„daß es sich bei den meisten einfach um Stipendiaten von Moskau handelt, um Vertreter, deren Bewegungen ohne russisches Geld zusammenbrechen würden, also um Werkzeuge der russischen Kommunistischen Partei". Dazu bemerkt jetzt die„Noe Fahne": Die„Freiheit" scheint in ihrer Aufregung ein sehr kurzes Ge- dächtnis bekommen zu haben. S o n st würde sie wissen, datz eseineZeit gab, wo die Moskauer Stipendien Or- ganisationen und Zeitungen der U. S. P. nicht ganz unwillkommen gewesen sind. Die„Freiheit" wird nicht umhin können, sich zu dieser Behauptung zu äußern. Das Auftreten der Moskauer Diktatoren gegen die U. S. P. wäre ja um vieles verstand- licher, wenn die Moskauer sich als Brotherren der II. S. P. fühlen könnten. Die Moskauer haben ja den Grundsatz„Wes Brot ich esst, des Lied ich singe," in ihrem Reiche mit einer Konsequenz durchgeführt, die in der ganzen Welt einzig dasteht. Sie würden es schwer begreifen, wenn Organisationen und Zeitungen, die von ihnen finanziell gestützt werden, gelegentlich anders wollten als sie selbst. Ein solches Abhäng igkeits Verhältnis hat aber nichts mehr mit der internationalen proletarischen Solidarität zu tun, die die Kostgänger Moskaus immer vorschützen, nm ihre Politik der hohlen Hand zu rechtfertigen. Die deutsche Arbeiterbewegung zumal war auf ihre Selbständigkeit stets stolz, und wo sie aus internationaler Solidarität gab, nicht nahm, hat sie niemals als Entgelt Ueberzeugungswarc gefordert. Erst durch Krieg und Revolution sind Teile von ihr in eine Abhängigkeit geraten, die ihr nicht zur Ehre und nicht zum Segen gereichen. Was an ihr gesund geblieben ist, lehnt ein solches unwürdiges Verhältnis ab. Grganisationskampf um Moskau. In den letzten Tagen tat eine ganze Reihe weiterer unab- hängiger Organisationen zur Frage des Anschlusses an Moskau und der Unterwerfung unter die bekannten 21 Bedingungen Stck. lung genommen. Eine größer« Anzahl von Organisationen als bis. her erklärte sich dieses Mal gegen Moskau; ob da? auf Zufall oder auf beginnende Einsicht zurückzuführen ist, sei dahinge- stellt. Abgelehnt wurde der Anflblutz mit 582 gegen 328 Stimmen in Gera, obwohl dort der bekannte unabhängig-kommunistische Stern für die Bedingungen eintrat.— Gegen den Anschluß sprach sich serner mit 54 gegen 31 Stimmen eine Bezirksversamm- lung in Chemnitz aus, desgleichen der außerordentliche Bezirks. Parteitag der U. S. P. B r a u n s ck w e-r g s nach Referaten von Oerter(gegen Moskau) und Stock er(für Moskaus. Der Ku- schluß wurde mit 76 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Gegen die Unterwerfung unter Moskau erklärten sich ferner die o h e r h e s- fisch« Organisation, die Kreiskonferenz für F r ie d b e r g-B ü» dingen sowie einstimmig eine Krciskonserenz in Wetzlar. Für die Unterwerfung unter Moskau stimmte eine Mitglieder. Versammlung der Ortsvereine G r.-O l d e n d o r f und O st e r- w a ld, die KreiSkonferenz des Kreises S o l d a u, eine Konferenz der Kre sorganisation Hilioeshcim, eine Mitgliederversamm- lung der U. S- P. Krefeld lgcgen 6 Stimmen) sowie eine Kreis- konferenz in Möhrs mit 28 gegen 2 Telegiertenstimnrcn. In nven und auch die belnlielien Ei'snbabnwaaen fofori zurückzunehmen und pon unseren Lokomonv- und Waggoniabnken für Belgien pasienden Ersatz herstellen zu lassen. Eine Antwort auf diesen Vorschlag bekam ich nicht. Von Belgien führte mich der Weg nach Amsterdam. Duck dort wurde ich lehr freundlich ausgenommen, aber ich ernibr, daß weite Kreise unserer Parteigenosien noch stark ententistisch gesinnt und in ihrer Anffassunq über Denischland durch die unabhängige Piesie stark bestimmt sind. Man sürckter auch die Wiederberslellung der Monarchie in Deutschland. Es winde mir Kctegenbeir gegeben, in einem sehr großen Krene holländischer Parieigenosie» Auf- tläningen über die wirlschaitliche Lage und über die voliniche» Berhälinisie DenlichlandS zu geben. Das Interesse an Deutschland, be'öndei« für die Bedeuiung des deutschen Geisteslebens, war sehr arotz. Der Auientbalt in Amsterdam, einer der schönsten und inier- effaniesien Siädle Europas, wird iür den Deutschen recht bedrückend durch den Tiesstand unserer Vairna. Ich war in Amsterdam noch vor dem letzten Snirze innerer Reichsmark, aber ick zablie schon Preise, die die meinen Deutschen cr'chreckcn müssen Ich hatte ein Zimmer,� das die berüdmte holländische Reinlichteit einiqermatzen vermisien ließ, im 5. Slock. ein Zimmer obne Fenster. das nur Oberlicht baue. Für difles Zimmer und ein Frühstück mit etwas Kä'e und Marmelade zablie ick in deutschem Gelde obne Ttinkgeld 83M�iür die Nackt Eine Einzelnummer von„Hei Volk*, innerem Amsterdamer Paiieiblau. kostete in deunckem Gelde 1,32 M. Man ist so an die hohen Preise aewöbm, daß auch deuische Wa-en zu pbaniastischen Preisen veilau't werden. So wurde von mn iür ein Berliner Abendblatt der Preis von 3 40 M. verlangt, was über mein Jnierrsie am„Berliner Tagcblait" ging Vielleicht kälte ich für die Abendausgabe deS„Votwäris", wenn sie zu kauten gewesen wäre dieies Geld angelegt. Uebersetzr man die Preise, die ich in England, Belgien und Holland zu mhlen batle. in deutsche? Geld, so er'ähri man. datz wir wert billiger leben, datz auch untere Eisenbahn- und Vosttaine erbeblich niedmer sind als die der drei Länder, durch die ich'ubr. Der Versuchung, die deuiicke Valuta zu velschlechtern. indem man sich m England einen Anzug oder Schuhe kauft, enigchr man leicht, weil die Prene in England, von den bolländiichen ganz zu schweigen, für den Dmchichni-.tsdeut'chen unerschwinglich find. Aber auch Engländer und Holländer klagen ganz antzerordenilich. ibre Gehälter sind nur anscheinend den Veibälinisien angevatzt. Ein junger, eben verheiraierer Lelturer, was etwa einem outzerordent« lichen Universiiäispro'esior enl'pt'chl, erzählte mtr. datz er etn Jahresarh tli von 490 Pfd. Sterling, al'o 8900 Goldmork weit über 70 000 Pavtermarl. babe. datz er sich aber dabei die arötzten Einschränkungen anierleaen müsie. Ente Wobnung von rwer Zimmern und etne Küche, die er freiiich sei, langem vergeblich iuche. lost« 100 Pfd Siei ling, alio etwa 18000 Papiermark. Ein holländi'cher Gewcrl'chafisbeamier erzählte mir, datz er 4000 holländische Gulden Gehalt habe, was nach dem gegenwärligen Kurie rund 30 000 Papiermark sind, daß man aber damit i» Amsterdam nur schwer auskommen könne. Ich war in semer sehr bescheidenen Wohnung einet gestern crBciti stattgefundenen Massendersammlung der IL S. P. de? OrtZgrupPe Nu r n b e t g ist mit gvßer Mehrheit der Beschluß gefaßt werden, sich der dritten Internationale auf Grund der gekannten 21 Moskauer Thesen anzuschließen. lieber die weitere Stellungnahme der unabhängigen Organi- satiouen, die ein klares B'ld von dec inneren Zerrissenheit uns dem Z e r s e tz u u g s p r o z e tz in der U. S. P. geben, werden wsr fortlaufend berichten. K.P.-Niederlage in Bayern. München, 29. September.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Die Agitation der Kommunisten und eines Teiles der IL S. P. hat eine entschieden- Niederlage erlitten. Gestern abend lehnte die Versammlung des Gewerkschaftsvereins und der Fachobleute mit großer Mehrheit den Antrag auf Wahl von politischen A r b e i t e r r ä t e n ab Nachdem am 17. September die Münchener Arbeiterschaft die Streikparole zugunsten des verhafteten Kommunisten Eisenberger rundweg abgelehnt harte, berundet diese neuerliche Abstimmung, daß die kommunistische Agitation in München den Boden verliert. Kew.s öes Srotes! Auf Einladung des Direktoriums der Reichsgetreidestelle fanden kürzlich Besprechungen dieser Behörde mit Vertretern des Zentral- Verbandes deutscher Bäckerinnungen„Germania", des Verbandes deutscher Brotfabrikanten, des Zcntralvorbandes deutscher Konsum- vereine uno des Zentralverbandes der Bäcker und Konditoren statt. AlS erster Punkt stand die H e: a b f eßu ng der Ausmahlung auf der Tagesordnung. Nach eingehender Beratung wurden folgende Sätze als empfehlenswert ausgestellt: Die Herabsetzung der Ausmahlung ist erstrebenswert zur V e r- Besserung der Brotuahrung. Die Herabsetzung ist jedoch erst dann einzuführen, wenn im Belitz der Reichsgetreidestelle eine solche Menge Getreide ist, die gewährleistet, daß die einmal vorge- schricbene AuSmallüng für die ganze Dauer des Erntejahres.bei- behalten werden kann. Gezeunärtig scheint den Vertretern des Bäckergewerbes der Zeitpunkt n r ch t gekommen, die Herabsetzung der Ausmahlung einzuführen. Die Vertreter des Bäckerxetverbes halten die allgemeine Freigabe der Herfrellunz von Weizengebü.t im Rahmen der R a t i o n i e r u ng für geboten und sie erklären sich damit einverstanden, daß Weszengeoäck in entsprechend ge- ringercr Menge auf die Brotkarte abgegeben wird als Roggen- bror, um einen größeren Mehlverbrauch zu verbiudsrn. Die Vertreter sämtlicher Verbände waren sich angesichts des schlechten Ausfalls der Rozgenernte darüber einig, daß eine weit- gebende Herabsetzung der Ausmahlungszifser bzw. deren Festsetzung schon jetzt nicht angebracht seL An Getreide müssen etwa 2 Millionen Tonnen vom Auslände eingeführt werden, um den Fehlbedarf zu decken. Durch tue vermehrte Herstellung von Kleingebäck könnten auch mehr Arbeitskräfte eingestellt werden. Ferner stand der Erlaß einer neuen Backverordnung zur Erörterung. Nach ausgedehnter Aussprache wurde ein Entwurf gutgeheißen, der von den beteil gien Organisationen als eine erheb- liche Verbesserung angesehen wird..Nach diesem Entwurf wüsten bei der Bereitung von Brot und Kleingebäck(außer Kranken- gcbäcks neben 99 Gcwichtsteilen Getretdemehl mindestens 19 Ge- wichtsteile Streckungsmittel verwendet werden. Der Er- n ä h r u n g S m i n i st e r ist befugt, die Verwendung von Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisten als Streckmittel zuxulasten und da- Mengenverhältnis, in dem sie zu verwenden sind, festzu-� setzen. Eine sehr lebhafte Debatte entspann sich über die Streckung?- mittel. Als ungerecht wurde es allgemein verurteilt, daß das M.ilitärbrot in besserer Beschaffenheit hergestellt werde, und es wurde verlangt, daß auch zur Herstellung, des Brotes für die Soldaten, also junge kräftige Leute, Streckungsmittel in dem- selben Maße verwendet werden müßten wie bei dem Brot für die Zivilbevölkerung. lEine sehr bedenkliche Auffassung. Gerade der schwer körperlich Arbeitende bedarf des kräftigen Brotes mindestens so sehr wie der Soldat! Red. d.„Vorwärts".) Dem in der Sitzung geäußerten dringenden Verlangen auf Aushebung des Kuchen- backverboteS nachzukommen, erklärte der Vertreter der Reichs- getreidestelle für unmöglich, sagte aber zeitgemäße Abände. r u n g e n und Milderungen deS Verbotes zu. in einem der vielen laniend Amsterdamer GenostenichaftshSuser, ich fand, daß er jedenfalls nicht üppig lebe. Er erklärre mir, daß die Baiiarbelter, die nach dem Tarif mehr Lohn hatten als er Ge- halt, slieikten, weil sie nickit auskamen. So siebt man. daß die Geldrevolution nicht nur unser ge- schlageneS Land, sondern auch die siegreichen und die neutralen Länder in Milieidenschaft gezogen hat Ueberall emvsindet man die Unsicherheit der Zuklinft, Schwierigkeiten mancherlei Ait. Ueberall sah ich— natürlich nur in den Kreisen, mil denen ich in Berührung kam, es waren dies vor allem parteigenössische Kreise— frenndliche Gesinnung und warme Anteilnahme an Deulichland. Ueberall fand ich in dielen Kreisen den Wunsch, daß wir aus den Jrrnnaen und Wirrnngen der Zeit durch das Zusammenwirken der Arbeiterschaft den Weg zu einem gedeihlichen Dasein gemeinsam finden sollten I Neue geburtshilfliche Trickfilme. Die bereits bekannt und be- rühmt gewordenen geburtshilflichen und schematischen Trickfilme mit wistenfchaftlicher Kontrolle von Geh. Rat Döderkin in München sollen zu einer die ganze Geburtshilfe umfassenden Serie auso-ebaut werden. Zu den bereits vorhandenen:„Die Eröffnung des Uterus" und �.Geburt in Hinterhauptslage" soll nunmehr als dritter Film der Serie„Die Wlösung des Placenta" hinzukommen. Einige der verschiedenen Arten dieses zwar genau bekannten, aber nie demon- stricrbaren Bewegrutgs>vorganaes im Innern des Menschen sind in diesen Trickfilmen unter Zuhiltenahme erstklassiger Kunstzeichncr lebendig und anschaulich dargestellt. T'ftearer. Drei Grotesken von C o n r t e l i n e:.Der un- erbillliche Zchuvmanu-,.Komödianlenfieg-,.Der gemütliche Jloministar", gelangen im»Theater L d. Koniggrätzer Straße- am 39.-eptcmber, abends 7'/, Uhr, zur Aussührung. Der Berliner Tomchor bat nach ersolgrctchcm Austreten in Baiel, Zürich, Bern. St. Gallen und anderen schweizerischen slädten am kZwns. tag die Neide seiner schweizerischen Abende im auSoerlawten Laseler Münster beendet. lieber allgemeine Bildung. Prof. Dr. P.?l. J i I b e r m a n n im PoltSirastbiind wird einen Kursus von s-chö Vorträgen abbaiten. An der Hand von Goethes.Faust» sollen die Zuhörer in alle Gebiete des NistenS(Gci'teswissenichasr und Pbiio opbie. Kunsl. Uiteratur usio) durch Fragen. Antworten und Diskustion milarbeiteiw cingesührt werden. Be- ginn am 22. Oktober. G.sangsaal, Dorothccnstr. 12. Eine Kunstgewerbe-Zlusitellung wird Ende Nooembcr in den Aus- stevungsballen des S ch ü n e b e i g c r Rathauses itatlsi-.den. Zu- gelassen werden ansschiieglich Arbeiten jetziger und chemtliger Studierender der.Schule Ne mann'. Anmeldefrist bis zum 22. Ouober. EWIioferung biS zum l. November. GeschästSfielle: Uandshuter Str. 33, Reimannhaus. Ueber Weltkatastrophcu wird am 1. Oktober, abends 3 Uhr. Dr. R. Ponlonick zum ersten Mate in der Urania, Taurenilr. 43/19, sprechen. Tie Methoden rylboiilcher Körperschulung werden aus der Herbsttagung der Entichtedcncn Schulresormer. die am Sonnabend in Lankwitz beginnt, zum ersten Male iu Verlin systematisch von den Grund- Übungen bis zur volligen Durchbildung des Körvers im Aabmen der Stil- bühne in der Gemeindeseithalle Lankwitz gezeigt werden. Karten 2 Mark. Em exotifchL? Hschftapie?. Ein internationaler Abenteurer, der als„Prinz M a d a t i a n" auszutreten pflegt, und der zuletzt in Italien große Betrügereien verübte, wird wegen seiner Schwindeleien und außer- dem wegen Entführung von der hiesigen Kriminalpolizei gesucht. Nachdem dieser bis Ende Juli d. I. als Prinz Madatian in Mai- land große Betrügereien verübt hatte, ist er von dort über Paris nach Berlin gefahren. Von hier aus reiste er zunächst nach Danzig weiter, kam dann aber wieder noch der Reichshauptstadt zurück und ließ sich bei dem italienischen Konsulat den auf Frau Madatkm lautenden Paß seiner Begleiterin erneuerni" Diese ist eine erst 1d Jahre alte Russin Maria Tkaischenko aus Rom, mit der er sich, obwohl schon verheiratet, hat trauen lassen. Von Berlin aus wollte der Hochstapler und Entführer, der sich bald als Russe, bald als Armenier und auch als Krimtatar ausgibt und sich ferner noch Petrossian und Mussaew zu nennen pflegt, über Reval zu dem russischen General Wrangel reisen. Man vermutet jedoch, daß er sich weiter in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Berlin, aufhält. Tie diplomatische Vertretung der armenischen Republik legt be- sonders großen Wert auf die Ermittlung beider Perwnen und die Rettung der jungen Dame. Sachdienliche Mitteilungen über die Gesuchten sind an Kriminalkommissar Krüger im Berliner Polizei- Präsidium zu richten. , Gedenknummer des„Vorwärts". Am 1. Oktober sind 39 Jahre verflossen, seit das Ausnahme- gcsetz gegen die SczialdeiZvkratie in der Versenkung verschwand, nachdem es 12 Jahre seine gemeinschädliche Wirkung gegen die Organisation der Arbeiterklasse geübt hatte. � Zur Erinnerung an diesen Sieg der Sozialdemokratie über die Bismarcksche Gewaltpolitik erscheint der„Vorwärts" am Freitag früh als Gedenknummer in erheblich verstärkter Auflage und in verstärktem Umfange. Diese Sonderausgabe wird v- a. Beiträge enthalten von Eduard Bernstein, Richard Fischer, Alb in �Gerrsch, Hermann Molkenbuhr, Wilhelm Pfannkuch, Konrad Schmidt, Karl Ulrich(Darmstadt), alles alte Mit- kämpfer aus jener Hcroenzeit der deutschen Arbeiterbewegung. Die WteilungSführer usw., die sich an der außerordentlichen Verbreitung dieser Nummer beteiligen wollen, werden gebeten, ihre Bestellungen, soweit daS noch nicht geschehen, bald in der Expedition aufzugeben. Konfumgenosscuschaftliches Warenhaus. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend teilt den Mitgliedern mit, daß in den ersten Tagen des Oktober ein Warenhaus, und zwar in Berlin N., Reinickertdorfer Str. 21, durchgehend nach der Pankstraße(früher T. Levin jr.), eröffnet wird. Auch in diesem Warenhaufe wird die Genossenschaft die verschiedensten Arten von Textilwaren, als Kleiderstoffe und Seide, Lernen» und Baumwolltvarcu, Weißwaren, Taschentücher, Schürzen, Wäsche, Portieren, Futterstoffe, Trikotagen, Wollwaren, Strümpfe, Handschuhe, Blusen, � Teppiche, Pelzwaren, Herrenartikel, Damen- und Kindsrkonfektiou. Gardinen, Wachstuche usw. sowie Schuh- waren aller Art führen. Außerdem wird ein ständiges großes La er in sämtlichen Haus- und Küchengeräten sowie Glas, Por- zellan, Steingut uivd Emaillewaren unterhalten. NnrcgunZen der PoftverWaltung. Tie Oberpoftdirektion Berlin richtet an das Publikum folgende Mahnung: In der jetzigen Zeit, in der der Posibestekkdienst zum großen Teil immer noch von weniger geübten Hilfskräften besorgt Wersen muß, wirren Mängel in der Aufschrift der Postsendungen (wie unvollständige, ungenaue oder undeutliche Bezeichnung"des Empfängers, Fehlen der Angabe von Straße und Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwerk usw.) besonders nachteilig für Absender und Empfänger. Genauigkeit. Vollständigkeit und Deutlichkeit der Aufschrift sind unerläßliche Voraussetznivgen für richtige und schnelle Bestellung. Dies gilt namentlich für Postsendungen an Empfänger in Groß-Berlin, wo Straßen mit gleich und ähnlich lautenden Namen mehrfach vertreten sind und viele Straßenzüge aus einem Poitort in den anderen übergehen. Bei Sendungen nach Berlin selbst mit seinen.zahlreichen Bestellpostämtern"muß außerdem hinter der Ortsbezeichnung der Postbezirk(53., NW., N., S. usw.) und die Nummer der V e st e l l p o st a u st a l t angegeben wenden(z. B. Berlin W. b). Das Publikum bandelt im eigenen Interesse und erspart gletch- zeitig mit geringer eigener Mühe den Bestellern unnötiges Treppensteigen usw.. wenn«s den Anregungen der Postverwaltung die erforderliche Beachtung schenkt. Den in Berlin wohnenden Brief- empfängern ist weiter dringend zu empfehlen, daß sie auf Ver- tvandte. Bekannte und Geschäftsfreunde wegen Vollständigkeit und Genauigkeit der Aufschriften einwirken, indem sie in ihren Briefen unter der Ortsangabe stets die eigene Anschrift vollständig(mit Postbczirk. Besiellpostamt, Straße, Hausnummer, Stockwerl) auf- führen. Tie Berliner Geschäftsleute nehmen in den Anzeigen in Berliner und auswärtigen Zeitungen und Zeitschriften zweckmäßig ebenfalls alle diese Angaben mit auf. Für die zweckmäßige Fertigung der Auftchriften bei den nach Berlin gerichteten Sendungen gibt ein Aushang in den er-halter- Vorräumen der Postämter Anleitung. Betriebsstörung auf der Hochbahn. Durch eine Störung in der Stromzukübrunq wurde heute vor- mittag der Hochbabnbetrieb auf der Strecke Gleisdreieck— Kotibuser Tor einige Stunden lang stillgelegt. Durch einen defekt gewordenen Stromabnehmer eines Hochbahnwagenß wurde gegen 8 llhr die Stromschienenanlag? zwischen dem Bahnhof Plinzcnstraße und Halleiches Tor beschädigt, die Isolatoren herausgerissen und dadurch die Stromzufübrung unterbrochen. Infolge deS plötzlichen Eintritts der Störung blieben zwischen den beiden genannten Bahnhöfen zwei Züge auf offener Strecke liegen, die Fahrgäste mußten ans- steigen und zu Fuß die nächste Station aussuchen. Eist in den frühen NachmiltagSstunden konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Aut der Strecke Worschoner Brücke bis Kolibuser Tor wurde ein Pendelverkehr aufrecht erhallen. So»! das so wc�ergchen? Gegen die Stetgcrung der Müllabsudrkoslen haben in Berlin manche Hauswirte zeilweiie zu den Mitteln gegriffen, den Müll auf den Höfen zu lagern und die so entstandenen Müllberge nur in großen Zeiträumen abfahren zu lassen. Zweifellos bringt eine derartige Anhäufung faulender Wirtichaiisavsälle große Gefahren für die Pollsgesundheit und es wäre Pflicht der Polizei, gegen iolche Hautwirte unverzüglich nrtl rücksichtsloser Strenge einzuschreiten. Die Bewohner des HanseS Oranienftraße>79. dessen HauS- wirl feit dem Mülllutschastreik keinen Müllkasten wieder ausgestellt hatte, haben leider lange darauf warten müssen, daß die ongeniiene Polizei einschritt. Wochen und Monate lag der Müll fre tauf dem Hofe, verbreitete unerträglichen Genqzik und lockte Fliegen und anderes Ungeziefer an, aber drei mündliche Be>chweröen bel dem Polizeibezirksaml blieben erfolglos. Erst nach zweimaliger schriftlicher Beschwerde beim Polizetpräsidium ist jetzt wieder ein Mullberg abgefahren Wordens zum dritten Male innerhalb etwa eines halben Jahres, aber einstweilen icheint der Wirt immer noch keinen Müll- tasten ausstellen zu wollen, so daß die Schweinerei weiter- gehen würde. Gibt es denn keine Möglichkeit, die Aufstellung eines Müllrastens zu erzwingen? Neue BiUtprojekte iu Lichtonberg. Ter Ausschuß zur Erörterung von Groß-Berliner UebergangS- fragen hat den Vororten 199 Millionen Mark für Notstandsarbeiten zur Verfügung gestellt. Von diesen erhält der 17. Bezirk Lichten- berg den Betrag von 10 731 899 Mark. Der Magistrat Lichtenberg hat nunmehr beschlossen, aus diesen Mitteln aus dem Gebiet der Hochbauverwaltung frlgeude Arbeiten zur Ausführung zu bringen: 7 Wohnhäuser mit 193 Wohnungen auf dem Bauviertel nördlich vom Frepaplatz mit einem Kostenaufwand von ö Millionen Mark; ferner Wohnungsbauten auf dem städtischen Grundstück im Neu- Lichtenberger Or:steil. und zwar 4 Eckhäuser und ein von Norden nach Süden langgestreckter Bau in der Mitte des Bauvierlels, be- stehend aus ö Häusern. Dieser Gebäudekomplex mit 85 Wohnungen wird 4 509 999 M. Kesten verursachen. Eine halbe Million sollen für 38 in Aussicht genommene Wohnungsau-bauten verwendet werden, das ehemalige Irrenhaus in der Portlandftraße soll mit einem Kostenaustuand von 199 099 M. für Wohnzwecke nutzbar ge- macht werden. Der Lauben- und Kleinhausbau wird unter Be» veitstellung von 309 909 M. auch auf nicht städtischem Gelände unterstützr werden. Endlich soll unter Ueberschreitung der Mittel für Zdotstandsarbeiten und Jncmspruchnabme von Anleihemitteln der Bau der Badeanstalt, für den bereits 899 999 M. aufgeweuvet wovdcn sind, fortgeführt werden. Für den Rohbau werden etwa 3,2 Millionen Mark aufzuwenden sein. Waffenadliefsrnng iu Berlin. Nach den bisherigen Feststellungen haben, wie die P. P. N. erfahren, Berlin und seine nächsten Vororte bis zum 28. September einschließlich 22 999 Gewehre, 382 Maschinengewehre und Ma- schiwenpistolen und 799 999 Schuß Kleinmunition abgeliefert. Eine Verlängerung des Ablieferungstermins, von der in einigen Zei- tungen irrtümlicherweise die Rede war, wird auf keinen Fall erfolgen. Ter Marter-Apparat. Von einem Leier de?„Vorwärts" werden wir um Autnabme folgender nicvt nnberecvtigter Beschwerde ersucht: ?ils Geschäftsmann gebäre icv zu den geplogren Menschen, die folckt einen Telephon-Avparai oder Marter-Instrument haben müssen, die Post awlel genau darauf, daß die Gebühren pünktlich gezahlt werden. Aber wie steht es mir der Leistung, die sie zu bringen bat? Mein Apparat ist sckion sei: Sonnabend, den 25. Sept., außer Tätigkeit, an dieiem Tag ist auch die Störung gemeldet worden, ohne daß bis beute Abhilfe geschaffen worden ist. Heute wurde mir an der Störungsstelle auf Anruf erwidert, die Störung würde diese Woche noch beseitigt werden, sie bälten keine Lente. um das schneller erledigen zu lönnen, es müßte alles der Reihe nach gehen. Es wird nun so viel über Arbeitslosigkeit gesprochen und ge- schrieben, wäre bier nicht Gelegenheit, Arbeitslose unterzubringen und dieselben rm Interesse der Allgemeinheit zu beschästigen? Neukölln,„VorwkrtS"-Agitation. Die am Freitag, den 1. Ok- tober, zum Gedächtnis an den Fall des Sozialistengesetzes er- scheinende Sondernummer des„Vorwärts" wird in Neukölln als Agitationsschrift für den„Vorwärts" am Freitag und Sonnabend verbreitet. Am Sonntag und Montag erfolgt die Nachfrage bei- den Belegtten, ob sie den„Vorwärts" bestellen wollen. Die Genossinnen und Genossen werden vom Borstand des Wahlveveins ersucht, wegen Beteiligung an dieser Slrbeit sofort mit ihren Bezirkssiihrern Fühlung zu nehmen. Besonders die arbeitslosen Genossen werden gebeten, sich zur Verteilung im Laufe des Tages zur Verfügung zu stellen. Wünsche der Musiklebrerinnen. Die Mullkgruppe Berlin E. V. des Verbandes der Deutschen Musiklebrerinnen sieht sich durch das Üöndige Anwachsen der Venissimtoslen und die allgemeine Steigeruna aller Aus- gab.n iür den Lebensunterdalt veranlakt, solgeude Honorarsätze für aus- gebildete Lebtlräsie festzusetzen: Ter Mindestsatz für die Jnstrumcntalstunde ist 6 Ml. Der Mindestsatz iür die Gesangstunde 3 Mk. Das angemessene Durchschnitt-honorar w-rd für die Jnstrumentalstunde aus 10 Mk., für die Keiangsturde aus 12 Mk. sesigesetzt. Für Stunden außerhalb der Tiobnung der Lebrerin ist ein Ausschlag von mindestens ö0 Proz. zu erbeben. Außer- dem Nstt die Musikgruppe Berlin dasür ein. daß für den privaten Musikunterricht ein Lahresbonorar vereinbart wird, damit die Musillehrerin auch in den Ferien mit einer Einnahme rechnen kann. Kowntnnalcr Volksbildungs-Zlusschus? Rriniikendors. Für das am Freitag, den 1. Ottober, abends st,8 Uhr, in den Huoertussälen statt- findende Konzert des Llüthner-Orchesters sind noch Kar!e/n zum Presse von 3 Mk. bei den Partei, irnllonären, in den GemeindeverlausssteUen und>m Rathaus, Zimmer 18, zu haben.__ * Gross-Berliner Lebensmittel. Berlin. Für den 29. und 30. September d. F. wird aus die'/z-Liter- Kralilenkarte 1li Liter Vollmilch verausgabt. Die übrige Lieferung bleibt wie bisher. stteiiiiekendorf. Die amtlichen Verkaufsstellen werden am Donners- tag, den 30. d. M., mittags um 1 Uhr wegen Lahresuwentur geschlossen. Hennigsdorf. Bei den Kaustcutc» Langncr, Berliner Str. 35, Schlie- bowsli, Berliner Str. 54, und Wieland, Berliner Str. 20, kommen Kinder- slrünipse, Burschenanzüge. Sweater und Joppen sowie Joppen- und Anzug- flösse an die minderbemittelte Bevölkerung zum Berkaus. Bestellungen werden im Rathaus, Zimmer 12, entgegengenommen. Groß.'Serlmcr partewachrichLen. Heute, 29. September. 29. Abt. Tie Zahlabende sollen heute aus. F-riedciu.n. 7'/, Uhr ässcntliche Versammlung im RathanSsaal, am Laiilerpiatz. Thema: Moskau und die Unabhängigen. Referent: Genosse Heinrich S t r ö b e l. Blich. 7'/, Uhr öffentliche Versammlung im Lokal Gepfert. Thema: Sozialismus und Bolschewismus. Referent: Dr. Z e ch l i n. • Jnngfozialistifche Bercinig-ing(S. P. D.). Am Freitag, den 1. Oktober er., abends 7 Uhr, findet im Jugendheim, Berlin, Linden- fi: aye 3, 2. Hof 3 Tr., die Fortsetzung der Gencralverfammlung statt. Er- scheinen aller ist unbedingt erforderlich. Ms dler Welt. Die Hochwasserkatastrophe in der Schweiz. Wie die„National- zehuufft über die Hochwafserkalasiropkie im Kanton Wallis mitteilt, belrüift der Schaden 2 bis 4 Millionen Franken. Die Ueberschwemmung ist die größte, die den Kanton bisher betroffen hat. Zwischen Sitten und der Mündung der Marge fließt die Hälfte des R h o n e w a s s e r s außerhalb deS Beckens. Eine 6 Kilomeler lange und 2 Kilometer breite Strecke mit frischgesäten Aeckern ist überschwemmt. Die Unwetterkatastrophen in Italien. AuS Mailand wird berichte!: Ueber die Folgen der Unwetlerkalastrophen in Oberitalien treffen' noch immer neue Hiobsbotschaften ein. Die Bäcke schwollen in wenigen Stunden infolge eines Wolken- bruchartigen Regens zu reißenden Strömen an. Brücken wurden eingeriffen und zahlreiche Dörfer unrer Wasser gesetzt, so daß die Häuser einstürzten. In Como drang das Waffer des Seesa in die Kaufläden ein. Zwischen C a st i o n e und Sondrio wurden etwa 59 Meter der Bahnlinie fortgerissen. OsVZrWsfisööVZgurlg 6.-p.'X>.'|jroPtbn öer Mstallarbeiier. Die der Sogialdemokratischen Partei� angehörenden Metall- arbeiter waven am Dienstagabend im großen Saale des Lehrer- ocreinshauses sehr zahlreich zusammengekommen, um Stellung zu nehmen zu den Vorgängen innerhalb des Metallarberterverbandes. Das auf der Tagesordnung an erster Stelle stehende Referat des Genossen S i« r i n g über„M oskau oder Amsterdam wurde zurückgestellt, um dem Genossen Petersdorf Ge- lcgenheit zu geben, darüber zu berichten, welche Umstände es nötig machen, daß dieS.-P.-D.-Fraktion ihre Tätigkeit innerhalb deZ M e t a lla r b e i t e r ve r b a n d e s wieder aufnimmt. Wie PeterZdorf ausführte, ist auf Veranlassung des Hauptvor- standeS im Frühjahr in Verhandlungen zwischen S.-P.-D.- und U.-S.-P.-D.-Fraktion ein W a f f e n st i l l st a n d s a b k o m m e n ge- troffen worden, das der S.-P.-D.-Fraktion möglich machte, bis auf weiteres ihre Tätigkeit«inzustellen. Wir haben unser Wort ge- halten in der Ann«hme, daß auch die Gegenseite das tun würde. Aber Mirh«be»unS getäuscht, Seit längerer Zert bilden die K.-P.-D.- Metallarbeiter eine besondere Fraktion, die eine sehr umfassende Tätigkeit nicht nur in den einzelnen Betrieben, sondern auch in der Be zi r fSorga ni satt o u des Verbandes ausübt. Die Orts- Verwaltung sah d«m Treiben der K.P.D. in der Organisation teil- nahmlot z». Wir wandten uns daher am 12. August an den Hauptvorstand.und verlangten die Beendigung der Propaganda durch die K.-P.-D.-Fraktion imd kündigten eventuell Wiederauf- nähme unserer Tätigkeit an. Da von der Berliner Verwaltung, an die der H«uptv»rstand das Schreiben zur Erledigung gesandt hatte, keine Äntwort«inlief, hat d«r Fraktionsvorstand in den letzten Tagen beschlechen, daß die S.-P.-D.-Fraktion ihre Tätigkeit wieder aufnehmen soll. PeterSdorf schlägt vor, den Borstand aus 16 Genossen zusainmenzuschen. Ausgabe der Fraktion sei es, dafür zu sorgen, daß bei allen Funktionen in der Organisation die rage nach der Parteizugehörigkeit nicht gestellt wird. Weiter sei zu verdangen, daß der Boykott gegen den„Vor- wärts" ausgehoben wirb. Solange diese beiden Forderungen nicht erfüllt find. arb»U« die Fraktion selbständig. Durch umfassende Agitation wll dafür gesorgt werden, daß entsprechend der Starke auch der Einfluß der sozialdemokratischen Metallarbeiter in der Organifvtis» gesichert wird. Soweit waren die Dinge gediehen, als am 27. d. M. ein Schreiben aus Stuttgart eintraf, in dem der Hauptvor- stand mitietlt, daß di« Ortsverwaltung Berlin b e st r e i te t, daß die K. P. D. eine besondere Fraktion bilde, oder daß deren Tätig- seit sich bemerkbar mach«. Diese sonderbare Antwort der Berliner Verwaltung löst» bei den versammelten stürmische� Heiterkeit aus. Petersdorf war H ein leichtes, an Hand der Veröffentlichungen in der„Noten Fahne" nachzuweisen, daß die Berliner Ortsverwaltung diese Versicherung wider besseres Wissen abgegeben haü �edcn Tag find« man in der„Roten Fahne" nicht nur Veröffent- lichu«igen kk-P.-D.-Fraktion der Metallarbeiter, sondern auch Angestellt» d«r Ortsverwaltung stehen der K.-P.-D.» Fraktion al» R«f»r«nten zur Verfügung. Am Schlüsse seiner Ausführungen betont» Petersdors, daß angesichts der Tatsachen es dringend n»tw«ntsg sei, die Tätigkeit der S.-P.-D.-Fraktion wieder aufzunehmen, um das letzte Bollwerk der Arbeiterbewegung, di« Gewerkschaftsorganisation vor Zerstörung zu schützen. fVwrker Beifall.).____ Nach ein« dem Genossen Petersdorf vollkommen zustimm«»den Diskussion erklärte sich die Versammlung mit der Wiedsraufwchm« der Tätigkeit der S.-P.-D.-Fraktion und dem von ihr v,vz«l««ten Arbeitsprogramm einverstanden. Ein aus 16 Mitgliedaün bestehender Fraktionsvorftand wurde gewählt. Die Vorsitzenden desselben sind P etersdors und Watschysky. In seinem Vortrage über ,.M oskau und A m st e r d a m" schilderte Genosse Siering die durch diese beiden Worte aus- gedrückten Gegensätze und führte aus, es würde eine Gefahr für die deutsche Gewerkschaftsbewegung sein, wenn sich ein großer Teil der deutschen Arb«:!er für Moskan entscheiden sollte, in dem Glauben, daß von dorr das Heil komme. Es sei undenkbar, daß die deutsche Gewerkschaftsbewegung ihr Ziel auf einem anderen als dem bisher eingeschlagenen und von der Amsterdamer Jnter- national« verfolgten Wege erreichen könne. Moskau wolle d i e Diktatur über all« Welt ausüben. Das können sich die deutschen Arbeiter nicht gefallen lassen. Moskau bedeute den Untergang, Amsterdam aber den Aufstieg der GeWerk- schafisbewegung. Darum gelte es,«in.müng und entschlossen den alten Weg zum Erfolg weiterzugeben und entschieden Front zu machen gegen di« beabsichtigte Zertrümmerung der Gewerkschaften.(Lebhafter Beifall.) Der Kampf um Arbeit. �Fm Fleischergewerbe ist die Arbeitslosigkeit prozentual am größten. Infolge der Zwangswirtschaft war es trotz ständiger De- mühungen unmöglich, Abhilfe zu schassen. In die Zwangswirtschaft wurden all« Glieder der Fleischversorgung, die im Frieden vor- Händen waren, eingeschaltet. Die Gesellen allerdings, die zur Zeit der Einrichtung d«r Zwangswirtschaft im Felde waren, wurden .übersehen. So»am«S, daß die Rückkehr der Berussangehörigen bei Kriegsend««tne beispiellose Arbeitslosigkeit �vcr- ursachte. Die Arbeitgeber vertraten den Standpunkt, daß unter der Zwangswirtschaft kein Geselle eingestellt werden könne, weil der Rohverdienst des. Meisters zu gering sei, daß man vielmehr warten müsse, bis der freie Handel wiederkehre, der es jedem Meister ermögliche, zu kaufen, wie und wo er wolle, und Wurst herzustellen. Dieser Zustand tritt nun im Laute des Oktober ein. Die Organisation der Fleischermeister ist aufgefordert worden, mit dem Verband der Gesellen in Verhandlung wegen Einstellung von Gesellen und Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingunzen za treten. Eine Antwort ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Herren Fleischer. meister, getreu ihrer bisherigen Taktik, auch jetzt kein« klare und deutliche Politik treiben wollen. Die Gesellen haben sich lange genug abweisen lassen und im Interesse der konsumierend en Bevölkeru n g ein Loch zurückgesteckt:, um nicht ihrerseits zu einer Verteuerung der Fleischwaren beizutragen. Die Flci schergesellen sind aber nicht willens, länger abseits zu stehen. Sie wollen nicht Unter- stützung, sondern Arbeit. Sie haben die Aktion einge- leitet und werden sie durchfechten. Wir machen die Arbeiterschaft Groß-Berlins schon jetzt darauf aufmerksam und bitten, der Bewegung der Fleischergesellen die notwendige Beachtung zu schenken. Angestelltenstreik in den Danziger Staatsbetrieben. Danzig, 29. September.(MTB.) Die Angestellten der Staats- betriebe haben den Streik beschlossen. Seit heute früh ruht die Arbeit in allen Geschäftsräumen der Danziger Werft, der Artillerie- Werkstatt und der Gewehrsabrik. Der Leiter der Werft erklärte, in- folge des Streiks der Angestellten sehe sich die Werstleitung ge- nötigt, ihrer Arbeiterschaft mit dem heutigen Tage zu kündigen.� Von der Kündigung werden 6990 Arbeiter betroffen._ WieiMsft Konzessionicrtcr Handel. In dem Ringen zwischen Zwangswirtschaft und freier Wirtschaft hat der„V o r w ä r t s" die Forderung einer Konzessionierung des Handels mit Gründen der- teidigt, die unseren Lesern wohl bekannt sein müssen. Erfreu- licherweise haben bei den jüngsten Verhandlungen aus Anlaß, der Kartoffel- und Fleischnot die Auslassungen der beteiligten Stellen gezeigt, daß man in der Konzessionierung des Handels doch den Weg erkennt, der eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten ermöglicht. In Nr. 461 vom 16. September 1929 haben wir in dem Artikel„Kartoffelkrieg" eingehend begründet, daß den durchaus verschiedenen Produktionsverhältnissen und Ernten die regionale Preissestsetzung sich anpassen muß, aus der unter amtlicher Kontrolle in den großen Verbrauchszentren sich Mittelpreise bilden müssen. Die Ursache der Preistreibereien sind die A u s k ä u f e. An ihre Stelle müssen k o nzes s i o n i e r t e Organe, Großhändler, Genossenschaften oder Handelsgesellschaften treten, deren Geschäftsführung und Gewinnspannen kontra l- ! i e r t werden. Dann fällt der ganze bureaukratische und höchst kostspielige Apparat der alten Zwangswirtschaft, dann bleibt der Händler an der Erhaltung und besten Lagerung, d. h. an der guten Beschaffenheit der Anlieferungen aufs stärkste inter- essiert, dann ist ein Ueberbieten der Aufkäufer ausgeschlossen. Was für Kartoffeln gilt, gilt für alle anderen Lebensmittel auch. Die Konzesstonierung des Großhandels ist der erste und wichtigste Schritt, um zu'einer organisierten Wirtschaft zu gelangen, die in einem Lande, um das die Valuta eine hohe Schutzzollmauer gebaut hat, unentbehrlich ist, um der Ausbeutung der Erzeuger und der freien Händler an den Verbrauchern ein Ende zu machen. Die Großbanken gegen den gememwirtschaftlrchen Kredit. Im heutigen„Vorwärts" fanden unsere Leser im An- zeigenteil eine Ankündigung der Großbanken, die gegen eine an die Deutsche Giro-Zentrale angelehnte Kreditbank, die der neue Wirtschaftsminister Dr. Scholz zu schaffen in Er- wägung gezogen hat, Stellung nimmt. Wir haben zu den noch in Gärung begriffenen Gedanken des neuen Ministers bzgl. der Arbeitsdienst Pflicht und der Kredit- beschaffung durch Nutzbarmachung der Sparkassengelder bereits Stellung genommen. Ehe man daran geht, die Kredit- beschaffung zu sichern, ist die viel wichtigere Frage zu lösen, wer soll den Krebst erhalten, und für welche Zwecke soll der Kredit hergegeben werden? Diese Fragen sind nicht richtig zu be- antworten, solange die Wirtschaftszweige nicht o r g a- nisch gegliederte Körper darstellen, fei denen richtig beurteilt werden kann, w o und mit welchen Mitteln geholfen werden muß. Der Aufbau solcher richtig gegliederten Wirt- fchaftskörper, die eine planmäßige Produktion betreiben können, gehört aber nicht in das Programm des Herrn„Wieder- ausbauministers". Der Reichswirtschaftsrat, der am 8. Oktober zusammentreten wird, muß sich mit dieser Frage be- fassen, die in Rücksicht auf die den Erwerbslosen zu ge- wcchrende Hilfe durch Arbeitsbeschaffung außerordentliche Bedeutung hat. Wir erinnern hier nur an unseren Aufsatz„B e> triebsräte auf der Suche nach Kapita l", der die Ver- Hältnisse grell beleuchtet hat. Der vom Staatssekretär Prof. Hirsch verfochten« Plan der ge m e i n w i r t sch a ft l i che n Kapitalbildung wird im Wirtschaftsrat' dann wohl auch«ingehende Beratung finden. Da wir-'i der Wirtschaftsauffassung des neuen Leiters de? ss fieriums im fcharfsteit Gegensatz uns befinden, wir andererftvs die von rein p ri v at w i r tscha f t li ch e n Gesichtspunkten geleitete Politik der Banken, wie die heutige Er- klävung der Berliner Großbanken deutlich zeigt, ebenfalls nicht vertreten können, vielmehr die Unterstellung der Banken unter eine nach gemeinwirischastlichen Grundsätzen orientierte Oberleitung fordern, so können wir hier nur unsere sozia- l ist! sch e Stellung betonen, indem wir den Schluß mit der Politik der kleinen Mittelchen und eine zielklare Planwirtschaft- liche Umstellung verlangen. Sie allein kann auch nur das Problem der Erwerbslosenfürforge lösen. Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschastsrats. Hamburg, 27. September. Die Notierungskommifsion notierte folgende Erzeugerpreise ab Stationen je Zentner: Speisekartoffel Weiße 31 M., roie 39 M., gelbe 34 M., Eierkartvffel—, Saat- kartoffe!—, gewerbliche Kartoffel—. Stillegung. Die Gewerkschaft Schlesische Nickel- werke, deren sämtliche Kuxe die Friedrich Krupp A.-G. besitzt, legt den gesamten unrentabel gewordenen Grubenbetrieb bei Frankenstein in Schlesien still. Während des Krieges wurden rund 3999 Arbeiter beschäftigt.__ Soziales. Zur �rbeZtslsfenversicherung. Die notwendige Sicherung der arbeilenden Bevölkerung gegen die Wechselfälle des täglichen Lebens hat nun auch zu einem Tntwurf einer Arbeitslosenversicherung geführt, der den Reichstag in seiner nächsten Sitzung beschäftigen wird. Er sieht die Ver- sicherung bei einer den Krankenkassenverbänden angegliederten Arbeitslosenkasse bor, legt den Arbeitgebern für die Dauer des versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses eine Melde- Pflicht auf, zieht zur Aufbringung der Mittel die Versicherten, Ar- beitgeber, Staat und Kommunalverbände heran und will den Ver- sicherten im Falle der Arbeitslosigkeit aus den Mitteln der Arbeits- losenkasse eine Arbeitslosenunter st ützung gewähren. Daneben soll dies« Kasse noch Mittel zur Verhütung der Arbeitslosigkeit bereitstellen. Wenn diese geplante Ver- sicherung eine wirkliche Fürsorge und nicht eine neue Sorge für die Versicherten werden soll, dann ist unter allen Umständen darauf hinzuwirken, daß die Versicherungsbeiträge möglichst gering bleiben. Das wird aber nicht der Fall sein, wenn man wieder in den Fehler der Angestelltenversicherung ver- fällt und für die Arbeitslosenversicherung besondere Ver- waltungSkörper schafft, deren Kosten einen erheblichen Teil der Versicherungsbeiträge verschlingen. Während der Vorcntwurf die neue Versicherung den Allgemeinen Ortskranken- lassen anschließen wollte und auf diese Weise eine einfache und billige Verwaltung erreicht hätte, schlägt die jetzige Regierung-- vorläge den Anschluß der Arbeitslosenkassen an die Kranken- kassenverbände vor, weil diese ohne einen neuen Ver- waltungsapparat die Versicherung durchführen können. Diese Be- gründung zeigt eine Unkenntnis und Leichtfertigkeit, die man an Regierungsstellen nicht vorfinden dürste. Es gibt allerdings eine Reihe von Kassenverbänden, die über einen Verwaftungskörper ver- fügen und die Geschäfte Allgemeiner Ortskrankenkassen erfüllen, die größte Anzahl dieser Organisationen sind aber nur Interessen- Vertretungen, die— wie schon eine einfache Anfrage bei dem Kassenverband Groß-Berlin ergeben hätte— keinen Verwaltungsapparat besitzen. Jetzt läuft nun noch durch die Tage-- ! presse eine Notiz, wonach die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfuug � der Arbeitslosigkeit zu dem Entwurf der Reichsregierung Stellung genommen und sich in einer Eingabe an den Reichsarbeitsminister dagegen gewandt hat, daß die Arbeitslosenversicherung den Kranken- lassen angegliedert werden soll. Sie fordert, daß nicht die Kranken- kasien, sondern die Arbeitsnachweis« Träger der neuen Ver- sicherung werden, weil diese die beste Uebersicht über den Arbeits- markt besitzen und demzufolge die wirkungsvollsten Maßnahmen zur Verhütung der Arbeitslosigkest ergreifen können. Ist man stch i denn an diesen Stellen noch nicht darüber klar, daß mit der � Schaffung immer neuer und überflüssiger Verwaltungskörper endlich einmal Schluß gemacht werden muß, daß die unerbittlich« Tagesförderung nicht Erweiterung, sondern Vereinfachung der Verwaltungen lautet? Hat man an diesen Stellen noch nicht darüber nachgedacht, daß die durch den wirtschaftlichen Nieder- �gang geschwächten Kräfte der werktätigen Bevölkerung schon durch die ungeheuer gestlegenen Kosten des Lebensunterhaltes, die drückenden Steuern, Kranken-, Invaliden-, Ängestclltenversiaje- rungs-, Gewerkschaftsbeiträge usw. soweit'belastet sind, daß sie bei weiteren erhebliche» Belastungen zusammenbrechen müssen? Und haben diese Stellen schon einmal berechnet, wie hoch sich z. B. in Groß-Berlin die Kosten einer besonderen Verwaltung' für ändert- halb Millionen Versicherter stellen, wieviel Besträge die Aufwen- düngen für Gehälter, Verwaltungsräume, Kartotheken, Melde-, Rechnungs- und Einziehungswesen, Statistik usw. verschlinge: und welche Riesensummen erspart werden könnten, wenn die Arbeits- losenversicherung den schon bestehenden Verwaltungen der Krankenkassen angeschlossen würde? Denn die Allge- meinen Oriskrankenkassen haben bereits alle erforderlichen Ein- richtungen; die Meldung zur Krankenversicherung würde gleich- zeitig zur Arbeitslosenversicherung dienen, die Berechnung und Ein- ziehung der KrankenversicherungZbeiträge würde mit der Arbeits- losenversicherung verbunden werden können, Verwaltungsräume und Mitgliederkarlotheken brauchten nicht mehr beschafft zu werden, die Ausgaben für eine doppelte Statistik würden fortfallen und anderes mehr. Die Vorwaltungskosten für die Arbeitslosen- Versicherung würden demzufolge so gering sein, daß die Der- sicherungsbeiträge fast nur zur Deckung der Leistungen Verwendung zu finden hätten und dadurch erträglich wären. Und daß es Mir die Maßnahmen un? Zusammenarbeit der beteiligten Körperschaften ganz nebensächlich ist, ob die Arbeitslosenkasse den Krankenkassen oder Arbeitsnachweisen angegliedert ist, braucht wohl nicht be- sonders nachgewiesen zu werden. Im Interesse der werktätigen Bevölkerung und der gegen Arbeitslosigkeit zu Versichernden muß deshalb gefordert werden: Keine neuen und kostspieligen Vermal- tungen, sondern Anschluß der Arbeitslosenversicherung an die bereits bestehenden Einrichtungen der Allgemeinen OrtSkronken- lassen./ Gustav Wasewitz. Veranlw. Mr den rcdatt. Teil: Dr. Werner Pell», Charlottenburg: für An, eigen: Td. Glocke. Berlin. Verlag: VorloSri-.Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck' —....-----—__ >oärt?-Bulbdruckerei u. Verlaasanliall Paul Singer u. Co.. 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