Nr.»8S4 37.Fahrgatlg Msgabe A Sic. 106 Morgen Ansgabe Bezugspreis: S ertelllhrUR,— Ml>m«natI.1IZ,— frei m» Hau», voraus zahlbar. Post- demg! Monatlich 10.— Mi« exkl. fiu- KeUunzsqeoUhr. llnlerZireuüband Mr Deuüchlaud und Oesterreich 1S/V M!« fi r da« übrige Ausland bei täglich »inmal. Zustellung 21,50 M. Postd«. ftellungen nekmen an Oesterreich Ungar", Tschecho-SIowaiei, Dänewar!, Holland,«uzemburg, Schweden »nd Zt» Schweiz.— Eingetragen in die �!ost-?«ituna»-Prei»Iiste. Oer, Zorwäns' mit der Sonntag»- beilade«Volt u. Zeil* ericheini wochen- Utglia zweimal Sonnlag» und Man- tag» einmal. Telegramm-Adreste «Sazialdamoiroi Serlln-, berliner Volksbleitt NnzeigenpreiS: Die achtgelpaltene Nonvareillezeil« lostetZ,— A!.,Teu«rungszuIchlagS0°/» «Siein» Anzeigen--,� das leti- gedruckte Wort 1.— M. tZUläsfig zwei fettgedruckte Worte), iedes weitere Wort 60 Vfg. Stellengesuche und Schläfst ellenanzeigen da» ersie Wort 65 Pfg. iedes weitere Wort 40 Psg. Worte iiber 15 Puchstaben zählen slir twei Worte. Teuerungszuschfag Wly, Familien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2,— M, politische»nd ge- wertschastliche Vereins-An,«igen Z,— Mi. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächst« Siumnwr müssen bi»& Ahr nachmittags tut Hauptgeschäft, Verlin SW.3, Linden- straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 0 Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratlfchen parte» Deutfcblands RedoFtion und Expedition: SW. 6$, Lindenstr. 3. ilentsprerfier: Amt Morittpla«. Nr. Ii»! SV— i»7. Freitag, den 1. Oktober 1920 vorwärts-verlag G.m. b. h.» SW. b8, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mariuplnn, Nr. 117 Der Sieg vor 30 fahren. fiel Nr. SS8. Am 1. Oktober 1800, heute vor dreißig Jahren, das Sozialistengesetz. In der Entfernung verkleinern sich die Erscheinungen. Das gilt von der zeitlichen Entfernung ebenso wie von der Entfernung im Raum. Was uns, während wir es erleben, als im guten oder bösen Sinne außergewöhnlich groß erscheint, schrumpft, je weiter es hinter uns liegt, in unserer Vorstellung zustimmen. Aus dem Erlebnis wird Geschichte. Auch wenn in den dreißig Jahren seit dem Entschlafen des Gesetzes„gegen die gemeingefährlichen Be- strebungen der Sozialdemokra- t i e", wie der amtliche Titel des Bismarckschen Ausnahmegesetzes lautete, kein Weltkrieg und keine europäische Revolution sich vollzogen hätte, würde der Rückblick auf das Gesetz und sein Walten nicht mehr die harten Empfindungen in uns auslösen, die es zu seiner Zeit und in den ersten Jahrzehnten nach seinent Wegfall hervorrief. Seine Ur- Heber und Vollstrecker sind von der Bühne und meist auch aus dem Leben verschwunden, seim Opfer sind nicht an den Personen, pvohi aber an den Dingen durch die Siege her Partei gerächt, dieAVunden, die es dieser beschlagen, sind längst geheilt. Auf den M impf gegen es sind andere, nicht minder beideutungsvolle Kämpfe gefolgt, und Fragen vcn größerer Tragweite als die damaligen bewegen uns heute. So könnte auch ohne dtn S rtc und die Revolution die Erinnerung o.-i das>Sozialistengesetz und sein Ende nicht mehr die Leidenschaften erregen, sondern nur zu Genugtuung erweckenden Betrachtungen Anlaß geben. Nun haben wir aber den Krieg und die Revolution mit ihren blutigen Kämpfen gehabt haben Furchtbares um uns herum sich vollziehen sehen, haben Gewaltakte er- lc�l, gegenüber denen das Schlimmste, was bc.' Sozialistengesetz an solchen gezeitigt hat, fa, i als ein Idyll erscheint. Was ist die Liste der Opfer des Sozialistengitzetzes gegenüber der Liste der Opfer, die— vom Krieg mit sehnen Hinfchlachtungcn von Massen ganz zu schweigen— der Kamps gegen die Reaktion i ur in den letzten 20 Monaten gekostet. DhiS Sozialistengesetz kannte nichts, was den E.'schicßungcn in der Französischen Straße zi> Berlin, den Abschlachtungen in München, dt n Abmordungen von Mechterstedt in bczug ai f feiger Brutalität an die Seite gestellt w erden könnte. das Gesetz hineingebracht, die zwar die Polizei nicht hinderten, zunächst das Gesetz so brutal anzuwenden, wie dies in Bis- marcks Absicht gelegen hatte, aber die Widerstandskraft der Sozialdemokratie steigerte. Nach Bismarcks Vorlage sollte das bloße Zutagetreten von auf die Untergrabung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen genügen, tabeh du Temperatur, Und nun erst das zeitweilige Wüten d er Reaktion in Finnland, in Lettland, in der Ukraine, in Ungarn I Wir müssen lei ter hinzufügen, das über und über mit Bl ut befleckte Gewaltregiment der A> l s ch e w i st e n in Rußland. Das Regiment der Bolichewisten in Rußland unterscheidet sich dadurch von den aufgezählten Gewaltakten, daß es nicht Gelegenheitsmissetat, sondern S y st e in ist, �enin rühmt sich seiner. Damit fordert es zu Vergleichen mit dem System Bismarck heraus, dem das Sozialistengesetz von 1878 entfloß. ■ Bismarck war Gewaltpolitiker. Er glaubte durch Anwendung von Gewaltmitteln unbequeme Bewegungen niederhalten oder gc nz ausrotten zu können. Das erste versuchte er mit den Katholiken, das zweite mit der Sozialdemokratie, I' beiden Fällen versagte seine Kunst. Er mußte m it der Partei der Katholiken, dem Zentrum, einen F neben schließen, dem nur die Kompromißnatur des Zen- trumb den Stachel einer Kapitulation ersparte, und mußte es erleben, daß die Sozialdemokratie mehr als dreimal so stark ins der Prüfung durch das Sozialistengesetz heraus- g'.yg.�a sie bei seiner Verhängung über sie gewesen war. F- Tun wir indes Bismarck nicht Unrecht. DaS Gesetz war tittir riiZjg das, was es gewollt hatte. Er hatte es viel schärte gewollt. Da aber einige damalige Führer des National-beralismus nicht von ihren liberalen Ueberliefe- tMigeii völlig lassen wollten, haben sie einige Vorschrijten in Mittwoch, be» l. Oktober 1890. 7. Z-chrg. Organ für die Znieressen der Arbeiter. Da»„StrliatK tl o»fcl• 1 1** erfchetel lagfich Vorgm««aker räch Oona. und Etülaora. Lboonen'eMtvni« für verln, stt» U'l 0«b» oitt!eIi«bri'a IJOAcd. bumiI 4 LtOXtarf. tsichnllich Sa Ps. ChrKln«-i-.:irt,:rr 5 As. e«i»toge'Nu»»» mit dem ,So;ir.ics«,ä3!2»* 10 Pf. Posiabont-nnen: 8�0 Merl«ts Quartal. (OttCfiniflrn ia der PoKteNRMgtpeeiM» für»MO inner Nr. WX V N-chlrag.) ffwUt iZgllch durch die Cxpediti»«. für Deutschlond«nd OeJUrmch.Bago» !»{Mark, fBf LWge«Mlaab 8 Mark pe. stano». Zafertionögebühi MrSat fSr die SaefpaNrnr Vetttzeile oder deren SZe.u n«0 Pf,, für vi Mj�ckeu 20 P'. Iaferele i.crdrn dt« 4 übe N«chmitlaai ia de, Öeuri/tifllt 3, fowie ccn«Btn Am-,»: tln-B-reou.-. ohne»ihShsag für vereinl- and____ der Sxpedttion, v«i»>' rxwänrazc o. ivipte rrn»ucn aurnontrn-!l »in hiticTi'ch« Lugrnbln! für die pr-leiarische Bewegung, er ist .der wichtusu SJomtnt,(tu die heatigr poilNsch» Orschich» kennt. Mit dem n Qiiolee fiUZt»« Sesed. utPches Zwötf Pa!,rr Itirr die CwtwuktUaj der mobmun Vlrbtititfciwtgtittj ct�iiblawitn fiichc«;«il dein 1. Cftoiet wird ta» t rutsch» Pirletaiia» srwea V«ö<>'*** dl» JiiiUr.»im» ZUiZ.na'«uuzrsrvrt zu scheu Huden. t)i*|)Mtle Hilft, der aaSn-chm�esetztichln Zeit in Berlin ist »nd ui>aus.;«lich mit de« Qrzan der Lrrlinrr Ardeiter, tnn 4»li»«r jpolkoblatt" vettnüpl> T-»t„O»rtin»r Z/otks- ha» bei 6o|ial''!raae'f8 üirtrnuisi, aber in ieiurn " sich du OtichtchU d«r uatcidrückun Berlian � Zeiten des derüchltsl«n.l0a!k»trnind' te des Riatfier« Hmsarch lnschasl»ieder.«qn den Zeiten d«5— Jü I»u de« lchlen«Zilafie« Sti Vtiatl:«« Hcrisurth hat llnrv Ilolitablatt" Ire» und uneqvregl j»r Berti.... aldeaiytralu gthallta— und fa soll cj auch für all» Zrileo .- ,mm««d{chuto«mpf» flehen ans bevor, tu f�ialb/«efralifcht Pr.fs, kennt Uta, Zrft der Ruh«, ft« mu> (tttmogimb annapMcl fem, den»»ran trgradia», so gtlt für »ai der Spruch:.g,,» d e»iagia»» > 11» den rrhöhien Pflichlra and«usgad». welch» doi 9t: Sfchni bei unftm Partei ousetlffl!, M«" Richtung hm zewächten ju f»tn, Irclrn wir aca-'' «tl Deijiiulira ÄcilK» cot ans er, laset |3u aafnen Lesera rchOT dekanai ist. geh Set Wilhelm Liebbiiecht satt bot, dar KtbaUwn M„fittimtw Voll»*biaMM an. Aach nach«ad««» Ziichttu>s«n t» d«r Ctad miferu Viilardrttrr «rdttt«. Ihr se!d die Mai°ri»ä1 de, Vevölker-A«.»ne Prrs?, »«» daher de« sr«»s»n'>» s»m Ter Zld»aaemr»t«pr,la bei, Sgl fh-� Ha»« fSr d,Z tzanj, Sitettttiohz Mar» 80 amomuch 1 JUa.k 10 l>r.. chaa.u-l'ch 0% Pf. eesttOunara««den von flmmtlich« Zrltanglspedttru�u •»IfegrugcnoiMmen. Sur anttchaN. nehmen simmtlsch» yoflanflalten ftelln.�n sli, das».«rttliahU«egt. Zahiang van g Marl. 80»Ik.«n- tragen w hm yest.Zrttnngil.fl, für 1900 aal« Nr. SOi. ▼, Räch trag) Die Nednknon und C?pedinon des ..Keriinrr Uolksblott". Ileuillelott. Dirtoria. ßtan-n dm Vi»»« ftaatlfH fiapitfL St»at am Ift. In tri and aufttrormKinNch heiß Ii, dem r»g»n Thal, zfltrderö'lerrcia�. KoUntdach. da» nn Flkhch-»»m rolchn, Gefäll durchströmt nnd da«»n bilden Cc.lea von tfichdeivalbeu» Hügel« u«geben ist. war ------- spüi,n NachmiUigsstui bereit» angruehm aemtldult und di» Luft von drm würMä Duftr d� aahen ffchren nnd Frchlenmaldungcn«rsüllt. In her Lirrlswu d«S öattlennctstcr» Braudhojer stand ein Fkliorl der Tbür. d»r«ach der Str.-.hc führt», oifen.»nd de» Mkist»,« lichlrrlim.«tonlle. Holle sich«it ihirr umfang. reicheii Näharbeit.»» wo» eh, leichter Frauen, ock. der sich da ouibmuit. nah« a» dieselbe»osnrl. ühr« Mullk»,«in- r»nbe Tom» mit überourliendem Embonpaurt. dem fl, an Wochen la srn keim Keflrl aulezle. befand sich, an»imc: Strumpfe strickend, auf«ine» Slichl» dicht hinter iht Der Meister, tta» vierschrölie« knorrig» lZestakk. saß vor ferne» ArbrilVIisch. C» war beschSfltzl, ein Ochsen- kämmet m,l Meistniiztecralhen M deschlagen«nd«» in kokel'.er Weis« mi» ruhen, gelb«» und grüne» Lebe» «namertni zu schmücken. Eeiiw iuuitfcrtie'iii hieri, war beiaant»ad bl»«ich. V r o g r a m m der sonniillischen Arbrtterparlel Drulschinuds. L Zi* Arbeit Ist dir QueL» alle» Neichchum» and alle' Kultur,«nd da allgemein nuhdrinsrad, Arbeit nur darch ti»(Sc- (»Hfchflfl«»glich ist. f« gehört der«esellfchofl. da» he'ht allen ttnen ldlieder». dol grsaoual, Arbeilipropult. b-l allgi»»iuer ArbeilSpflichh noch xttiu)«« Siecht. Je»«« nach semea vernuasl. gemübru Bedürfnisjea. Ja der heutigen Ses'llschust stad die Arbeitiwillik Monopol de, Maptlelistrnlioss,; di, hierdurch bedinz!« Abhüngiglril der AtiutterNafle Ist di« Ursach» btT Eleudg und fetx Lorch ßchasl in allen Formen. Ii: D-sreiuag der Ifitfiterflnfl, eifotbetl die Verwandlung der ArdaU-nUlel In Qern.ngul der Gesellschaft nnd dir geaossrn schastliche Regelung der Kefinrurtarbrit mit gemrinuütztzrr Ler> »enduiig und gerechter Verlheilimg de» ArdrtlZrrtra??». Die B-freiuiig der«rbeil muh daS vcrk der Arbeilerkkaffe fein, der gegenüber all« asderru Llassen nur«in««aUlaui« Llass« find. U. von diesen GrandsStzen oalg�d.«strebt dl« se-la- listtsch« Ardtilerpaci-i Teutschlands mit illm Mittela den freien Staat und die soflalistische ötfellfchafl; die g«br«cht!ng bes. »hnne» Lohngesehe« durch«l.schajfuug de« Vollem« d«r Lohn. «rdeit; die vukhcdung der AuSdeutut� l» jede? Gestalt; di« Tc Bttianna aller lee'.alea«0� sclitil�xa llaAlLAdeiL lic sozialistisch««rMtcrpctti Teutschland«, obgleich zaaüchst im»olionalra Rihine« wirlend, Ist sich de« tnler»alwualr» llliaraller» der Irbcilrrdnvrgui.g bnvubl und«alschlrßen.»2« 'Pflichten, welche Usjetb« den..beil-rn auferlegt fit«riüllen. ua de, Lrcdrüderuog aller Mraschra»ur wahiheri zu machen. Tie so,laNs:tfch« Urbeilicportri T.r-lschlauds fordert am du VSsun? d« sozialen ßttt jc anzubahrien, di« Errichtung»oa sozio- lrütschea vr»di!k>,v.G'r.vfl«nschaslin mit EtuaUhüf« uaUr de» demellotischea Lontiole de« orkeilendr» Volk-«. Tie Produktiv' Eenofl-nfchasten fiab sß» Jadustl.e»rd«lckerdaa in solchem Umfange tag Leben ,n rufen, da» an» ihaea du fppal.stisch« Organisation der Sesammtaedett tatst, ht »'« sozialistisch««rbetterpartet Deutschland« fordert all Grundlage de» Clanle«- l. Allgetae-iu« gleich«» direde» Wahl-»nd Stimmrecht«il geheimer nnb obligatorischer Stnamadgab« er et Claatfanr chSrigen sota«manzrgstra Lebensjahr« aa tut all» UeHlm erb Ai.!>:»«. angen ln Staat aad Ge�iernd«. Der r.iahl.«der SU-sttauuang». lag m„ß tta Lcr.nlag«der geiertag fein. 2. Direkte Gesetzgebung durch da« voll. Entscheidung über Krieg nnd Jrieden durch dal Volt 2. TUgcmttn« WehrhastegUill volllwchr an Stell» der stehend«» Heere.» strn vm>erus!ofvefthrr in der llrngtbung hatten semerzAl bicje»«rtikel nur bei ihm befullt. Di« Großbauer» hatten ihre»«telz darein gesetzt, ihr» Pkerdc»nd Ochsen in prächtiger Weise hrranszuputzen nud Ewer wollt: el dem i-nbeen darin zuvor thun. Für crn solches kti.vimetpaar rxiztit zwei, und drrihvrdrrt Gulden bezahlt worden, jetzt«»lßkm sich di« Ochsen zn- friede» geben,«enn man thur» eines der gnoöh.il.chsttu Torte um den Hals warf und man feilscht« au dem Preise achtzig Etuldru. Striche Gtotzbaiirrn waren in dieser Grzerd. s» der alt- jührluy neue iLrlie»- und Gaetn.r.ii'.sgeu AUslaude». über- donpl nicht mehr zu sindeli. und mit ihnen Z'.'glcich war die »«zahl des Nntziichen Viehes«fchunmbc«. Dem flJiriflec Saillcr, der dadurch m seine» Gciverbe stark beeinträchlirjt war. erschien diti: als tili dedrohlichr« Eympto« und«ine grenznilos« wtrthschaflliche MifkrabiUtli». E« tatie ui tiefwi Auneub. i den Kops tief ftbtt feint Arbeit gebeugt so daß ihm die dick ten V ichel ama- schwa zen Haares«der du grri nzrl.'r Glien stele.l, und mit '.eil dorfllgeu weito.dsleheiideu Vrauen sich»asamateufandeu. Sein kräftiger ansdn.cksvollrr Ätuud wur srfl überrwonder grlcgt ond zeigt»«tuen mürrischen Ana. Di« ganz: Physio- gnomu hatte e.tvat ooa einem iZullenveiger. Im Hwtergrnud« dieses h niilichen llltnrekilde» zeigte WWW!...ich ausvät..WWW avstopsle. Es war heiß und'Pill, ia bei©tlüfc fich t» eiueai Nembrondl sche« Hestdui/r! ein etwa» slruppiZ-r Juitaung. der firbjchniöhrige Lehrling nud«wzig« Ächilfr de» Meist«», der riniwg» iif einem hölzeriun Bock saftz und ein vor ihm sich ei.ifi'äiimru«» fkmametfntt««it Stroh Knlur sprach«in S 4. Abschaffung aller«uSnahm Gesetz», itarneotlich der Presto verein?, und Versammlung«. Gesri�.-. llderhaupt aller Gesetz» ivelch, dl« friU Sltiaungtäuhetua� da« frei« Dtnlea aad gorsche» deschrünlea. b. Nrchtspwchang durch das Volk, onentgeltliche Rah» pffegr. «.«llgenwln»»nd gleich, vokkserziehung darch da Staat vllgemet-u Schulpflicht Uornlgeltllchic llnt« reicht tn alla vildungganstaltm. Erklürang der Religion zur Privatsach«. vi« sozialistische Ardeilerpartti vculschlaad« fordert Nnuehald der heutigen Gesellschast: l vliglichlle„uw.haung der polltlschea Rech»»od Fwt- Helten im Sinn« de» odigen Avrdenmzcn. t a.ai eia'ig« progressto« Emlcninensleuft fku Staat»nd Gemeinde, anflgit alle? desteheoden. iu»d«soad«m dm da« Salt belajienlen wdirmtea Sleuei?'. ll. UulleschrwlleZ Loalilioasrecht 4. Einen den GesellfchaftHdedl'.rsnlstmmtspmchoiidenR«»,«!» Arbeits«.?,, verbot der Sanntagsardert t> Verbot der Klnderardeit nnd all« di» lSesmrdhett»ad Sttilichltil schidteeadr ffrau«.arbelt 6. Schur zese», für Leben»ad Gesradhrit de,»chattn. SaailälUch» iloatro?» der vrb«ttnvoht>ung»n Uedermachaag d« Nergmerke. dm Fabrik-. wertstaU- und Haniwdustri» durch oo» de» Arbeiter» gewählt« vtanta. SW wutsoucs Haftpflicht- flef«b -. NesUuM« E« Schüngnihardeit. a Soll» SeU»iw«rwalt«ig flu alle Ardettir�lU». and ll-Uer. Dor t. Gstkovor. Dir Gilten, mit denen da» Sozialistengesetz die deittschg Sc�aidemvkrali« skssel» sollte, sind zerbrochen.— längst j«cs>rock)en. und die Aruchslücke werden am heutigen Tag m di« Numpeltammrr anuorfal—«in Denkmal der vre» drechenjchen Thorhe.t die da wähnte.£ht« weltgeschichtlich« Veivegung ratUfürJich erdro' ein p> löime». Da» Coitalistrngesetz ist gefllllen. und seiN, Nrhrb« liegen am Boden. Einen W-rm» bindet man nicht mit Awirnssädeii. und die ehernen Sesetze der nurlhschasUichet» und steallichen Eniwickeluitg lassa sich nicht abschaffen» nicht ändern, nicht fälschen. Die Träger der Sloatsgewalt und aste auf dem Boden der heutigen Gestflschafisokduunz flehend« Partei« hatten sich zusanwungethao. um die Eozialbemolratie zu rnrnichten. Ustd die Eozialdtmokralik. stark in dem Be- wußls.'in ihres Kechls und ihrer Macht naljnj heitere» Much»«id voller Siegek�uoerflchl den anscheinend so ungleichen Kamps auf. Gegen ans der Rlasseastcat __ ah«........... WWWWW bringt Nur hie und da tönte» die kurze» dumpfen Schlug, d>.; Il«i»en �ttmiurtS, den Meister Bcaudhofe» fuhitt, l rostiger dazwischen. Izr diese Nutze schrillte ein Pfiss- Si war der hohe dnrck>dring«»'e Ton einer Lvkomottv«. Der EalUer hob de» ttopl und f.ih nach der Wanduhr. ..Was ist deuu das— halb pebeu— daü is» aidit der Lbeudzug." jagt« er rauh nud gallig. Sri» Tächtercfini. da» au dem weite« Rocke Ialte«« Falte reiyle und nicht damit zn End« komaien louitt«. sah eine Sekunde nur von ihr?? Arbeit aus n.id entgegnet« in durchaus tubifsttruem Jon:.Mit dem heutige» Tag« brgim't die Gck>!".»ersa!iro'.d»i>i!z. du gehen mehr Züge av* Der Üalei icatj den Viessuiobeschlag. d?» er eve» befest'gen wollig auf de» Tisch, daß er klirrte. Noch mehr Zuge! Es ist gerade, als ob hie ganze Welt jetzt zu nn« herein wollte'.»i Gebirge. Und nicht nur diese sokramcntische« aDicuci rterdeu per Bahn.her«!» fpedirt. auch ihr» ganz« Bagage, ja nackUck, B-.zage da«! Fuhrwerk giebl'» keine» mehr,»m» braucht es auch nicht mehr— iu was denn? Tos Dampsrog schleppt all:! wttsinander. Mensch:» und Vieh uno Wt'.aieu. olles, alles, oll?» l To sanft cS vorüber! Wie da« pustet und poltet l.«nd der Rauch, der Schmutz.- pfui Teufel! Gr spuckt« aas. nnd sah sich dann griimnig»m. Ein sorlchruder f.Ütck traf seine Frau und sein« 2-chter. Wagt- sich vielleicht«tn Widerspruch het Er wollte r? ihutn mcht ralseu. hherpors das Verbot von Zeitungen, die Schließung von Organisationen usw. zu begründen. Die Lasker und andere Liberale setzten für das so dehnbare Wort Untergrabung das sehr viel be- stimmtcre Wort Umsturz, ein ganz anderer juridischer Begriff, der der Polizei nur erlauben sollte, unterdrückend einzugreifen, wo auf den Umsturz hingearbeitet wurde. Die Polizeibehörden kümmerten sich längere Zeit um den Unterschied nicht, sondern verboten, als sie da s Gesetz erst hatten, alles Sozial- demokratische rechts und links. Die Wirkung auf die Sachen war zunächst die gleiche, die Wirkung aus die Seelen aber nicht. Sic bäumten sich mit um so größerer Entrüstung auf, dem politischen Widerstand verlieh das empörte Rechtsgesühl erhöhte Spannkrast— ein Faktor, den Bismarck, dieser kluge Rechner, wo er mit Regierungen zu tun hatte, stets unter- schätzte, wo es sich um Völker handelte. Was ferner Bismarck sehr wider den Strich ging, war, daß das Gesetz ziemlich kurz befristet wurde—, daß es alle paar Jahre ablief und erneuert werden mußte, was nie ohne scharfe, im Lande nachhallende Debatten im Reichstag vor sich ging. Am liebsten hätte er es ganz ohne Frist gehabt.. Fristlos war der erste Entwurf gewesen, der dein Reichstag nach dem Attentat des Hödel- vorgelegt worden war, und fristlos sollte zum Schluß das Gesetz in das gemeine Recht über- geführt werden, und cineS wäre vielleicht dadurch erzielt worden: manche für die Regierung unbequeme, für die sozialistische Agitation sehr vorteilhafte Debatte hätte umgangen werden können. Aber glaubt ein vernünftiger Mensch, daß damit der sozialistischen Bewegung ernsthafter Abbruch geschehen wäre? Nur unter einer Bedingung war dies möglich:' wenn nämlich die ökonomische Verfassung und die soziale Gliederung Deutschlands unverändert die gleichen geblieben wären. Daß dies aber nicht, geschah, dafür bat gerade in seiner Weise Bismarck nach besten Kräften gestrebt. Er gab zu jener Zeit als sein Programm aus, Millionäre zu züchten. Deutschland brauche viel mehr Millionäre alS es habe, führte er in einer seiner Reden aus. und zu diesem Zwecke förderte er die großindustrielle Eni- Wicklung durch Schutzzölle und andere Be- günstigungen soviel er nur konnte. Aber. man kann die Großindustrie nicht in die Höhe treiben, ohne die Zahl ihrer Aberter, d. h. das industrielle Proletariat, diese speziell das Rekrutierfeld der Sozialdemo- kratie darbietende Klasse, gleichfalls in die Höhe zu bringen. Und das trat denn auch ein. Die Jahre des Sozialistengesetzes waren. Jahre eines gewaltigen Anwachsens der Zahl der Industriearbeiter Deutschlands. Sie mehrte sich im Durchschnitt um 150 000 im Jahr, d. h. ip den zwölf Jahren des Sozialtstengesetzes um eine Million achthunderttausend, eine Steigerung um mehr a l«. 50 Prozent. nämlich von etwas übe-'Ä'/g Miülanen aus über 5 Millionen. Man kann sich denken, ivie dieses Wachstum ihrer Klasse auf das Klassenbewußtsein der Arbeiter zurückwirken mußte. Bismarck hatte, wie aus seinen Reden über die Arbeiterversicherung usw. hervorgeht, unter dem Begriff Arbeiter die Gattung Arbeiter vor Augen, die er auf seinem Gut Varziu vor sich sah. Den gelernten Arbeiter der großen Jndustrieunternehmung kannte er nicht. Und so ging es ihm>vie das Kom- munistische Manifest es von der Bourgeoisie im allgemeinen voraussagt, er schuf selb st die Totengräber seines Alls- nahmegesetzes. Als dieses in Kraft trat, war die deutsche Arbeiterschaft durch die schon Jahre währende Geschäftskrisis niedergedrückt, man kann sagen, in weiten Kreisen geradezu entmutigt. Und da die Handhabung der Unterdriickungs- bestimmungen des Gesetzes an Brutalität die schlimmsten Befürchtungen noch übertraf. die in dieser Hinsicht in den Kreisen der Partei gehegt worden waren, konnte es kommen, daß diese sich in der ersten Zeit seinen Schlägen nicht gewachsen zeigte, sondern den Eindruck erweckte, daß ihre Spannkraft wirklich so ziemlich gebrochen war. Durch nichts wird dies wohl stärker beleuchtet als durch den Um- stand, daß Wilhelm Liebknecht � man denke, Wilhelm Liebknecht!— sich veranlaßt sah. in einer der ersten Sitzungen des Reichstags nach Inkrafttreten des Gesetzes„emphatisch", wie er sagte, zu erklären, daß die Sozialdemokratie die Revolution nicht wolle. Aber diese Zeit des seelischen Drucks ging vorüber, und von Jahr zu Jahr nahm die Widerstandskraft der Partei zu. Bon den Führern hat sich damals keiner um ihre Hebung größere Verdienste erworben als A u g u st B e b e l. Wenn man bon der Partei als Ganzes sagen kann, daß die Jaljre des Sozialistengeseves ihr heroisches Alter waren, so trifft auf August Bebel das Wort zu. daß sie die Glanzzeit seines politischen Wirkens waren. Er war geistig ans der Höhe seiner Enkwicklnng angelangt und übertraf, ohne darum sich auf Unbesonnenheiten cinzu- lassen, cm Siegeszuversicht alle seine Mitstreiter. Es soll nicht verschwiegen iverden, daß eine illusorische Rechnung viel dazu beizutragen hat, in ihn« dieses Gefühl zu nähren. Umgekehrt wie Bismarck sah er die bürgerlich-kapitalistische Ge- sellschaft vor ihreni in Kürze bevorstehenden wirtschaftlichen �iisammenbrnäi. Verleitet durch Teilerscheinungen des Wirt- schaftslebenS, kam er um daS Jahr 1880 zu der Ueberzeugung, daß der Bau der kapitalistischen Wirtschast wahrscheinlich keine drei Jahre inehr aushalten iverde, und diese Ueberzeugung von der inneren Hinfälligkeit des Baues der bürgerlichen Wirtschaft verließ ihn auch nicht, als jene Berechnung sich als irrig erwies. Es handelte sich in seinen Augen dann immer . nur um ein Hinansschieben der Wirtschaftskatastrophe durch ; Aushilksmittel, die unmöglich lange vorhalten konnten. So blieb er in bezug auf die Aussichten der sozialistischen Bewegung � lwffnungsfroh und konnte den Genossen in den vertraulichen � Besprechungen, auf ivelche längere Zeit die Agitation der ' Partei angewiesen war, und später den Albeitern in den Ver- Sammlungen einen Kampfesmut einflößen, an dem alle Ver- � solgungsmaßnahmcn der Regierungen und der Polizei zer- ' schellten. Dabei bewahrte er sich doch wieder den praktischen Blick für die gegebenen Machtverhältnisse und die Erfordernisse und Möglichkeiten des Augenblicks, vereinte er die Vorzüge des überlegten parlamentarischen Taktikers mit den Gaben des feurigen, die Massen hinreißenden Volksversammlungs- redners. Gewiß haben die Auer und die Grillen- ,derger, die Hasenclever und die Liebknecht, die Singer und die V o l l m a r und noch mancher andere gleichfalls sehr Bedeutendes geleistet und sich großer Popu- .larität erfreut. Aber in den Herzen der Arbeiter saß keiner so fest wie August Bebel, der gleichermaßen in sich das kon- �zentiierte, was sie am meisten bewegte. Mit jedem Jahr verstand es die sozialistische Arbeiterschaft . besser, des Sozialistengesetzes Herr zu werden. Seine Geschichte ist auf feiten der Arbeiter eine Geschichte der Be- j Währung von ebensoviel Opfermut wie Findigkeit— Opfer- ; mut im Trotzen von Gefahren und stoischer Hinnahme von Strafen und Maßregelungen, und Findigkeit im Ueberlistcn der Polizei, die mit ihnen nicht fertig»verdcn konnte. Auf feiten der Regierungen aber ist sie eine Geschichte vergeblichen Tastens nach Mitteln, eine kulturell notwendig gewordene Bewegung entweder ganz zu unterdrücken oder durch Trcnnnug von Führern und Massen lahmzulegen. Auf die verschiedenste Weise hat man es versucht, dieses Ziel zu erreichen. Erst durch rücksichtslose Unterdrückung aller Leitungen, aller Vereine, aller Versammlungen. Dann durch Gewährung von etwas Bewegungsfreiheit an örtliche Fach- vereine der Arbeiter bei Festhalten an der Knebelung der politischen Bewegung. Etwas später— nachdem zwei im Ausland abgehaltene Kongresse der Partei ihre innere Festig- keit bekundet hatten und das im Ausland gegründete Organ der Partei«Der Sozialdemokrat", allwöchentlich in vielen Tausenden von Exemplaren auf dem Schmuggclwege nach Deutschland gelangte und dort allerorts seine Leser fand— ,l>,;rch Erlaubnis einer unter dem Henkerbeil des Ausnahme- gesetzcs erscheinenden legalen Presse, die aber dem beständigen Steigen der Verbreitung des«Sozialdemokrat" keinen Ab- .ftfuch tat, und durch Sozialreformen, die in viel zu kleinen Dosen gegeben wurden, um auf die Arbeiter Eindruck zu wachen, und auch bei stärkerer Dosierung sie nicht zum Ver- zicht auf ihr politisches Erstgeburtsrecht hätten bewegen können. Noch später versuchte man es mit Geheimbunds- Prozessen. Streikerlassen und dcrleichen. Aber nichts konnte den Ausstieg der Bewegung aufhalten. Und sie fand nicht nur immer weitere Verbreitung in der A r b e i t e r s ch a f t, es wuchs auch ihr Anhang in den Kreisen der Intellektuellen, von Wahl zu Wahl er- Unterm Musnahmegesetz. €$ hat der Herr von friedrichsrul) gespielt uns einen Pollen; nun kommen fingst und Zagen wolil gar manchem der Genoffen. vernichtet wird nun schonungslos, was wir mit Sorgfalt bauten. zum Spotte wird der Sieg des Rechts, auf den wir treu vertrauten. Tdas soll der eitle Klageruf? Dem Sturm die Stirn geboten! Verloren gibt der tapfere Mann auf Erden nur die toten. Uns leben auch die? en noch: Das ölrken ihrer Kräfte verflog ia nicht, ichafti heimlich fort am großen AeltgeschSfte. Itlir leben noch! EntrQitung glüht In allen unfern fidern. Wir lernten längst: Zum Ziele führt kein wildempörtes hadern; Cs hilft uns nur der ftll'e Grimm, das angehaltne muten; To schmelzen wir des mirers CIs, dann knospen frelheitsblüten. Um Beute nicht für unfern Bauch erheben wir die ülaffen. Es gilt die schlecht geschaffne ülelt zu bestem und zu schaffen. Das Maß der Zeiten, die es braucht, das foli uns wenig grämen; 's Ist Herzenslust, schon durch den Sunsch die Gottheit zu beschämen Johannes SSebbe. Mus öer Jugenözeit. Bon Dr. Conrad Schmidt. Die Zeit des Sozialistengesetzes, eine bei aller Politischen Unterdrückung und Entrechlung der deutschen Arbeiterschaft doch so tief bewegte und in vieler Hinsicht fruchtbare Zeit, habe ich erst in ihrem Ausgang, ihren letzten Stadien als tätiges Mitglied der Partei durchlebt.. WaS ich zu diesem Erinnerungsblatte beizusteuern vermag, sind so in der Hauptsache nur einzelne abgerissene Ein- drücke und Erlebnisse, in denen sich das Wesen, die Kämpfe und die Stimmungen dieser Perioden nur aus der Ferne im engbeschräntten individuellen Rahmen widerspiegelt. Noch ist mir die EntrüstungSrede im Gedächtnis, mit der der konservative Direktor des Königsberger Gymnasiums, das ich als Junge zu besuchen hatte, im Jahre 78 nach den Attentaten ganz im Stil der zur Vorbereitung des Ausnahmegesetzes inszenierten Hetze von de» unheimlichen ruchlosen Gesellen sprach, die als Sozial- deuiolrateri da« gute deutsche Volk vergiften wollten. Ebenso auch nianche Episoden aus dem burlesken Froschmäusekrieg, in welchem sich die Hetze von draußen her in den Kreisen der Pennäler, noch etwas törichter und dummer, weiter fortsetzte. Da hatte ein hoch- nufgeschossener Bursch von feurig-starkem Naturell und eigenwilligem Ilnabhöngigkeitsdrang, ein gewisser Hans Weiß, dessen erwachsene zielte sie größere Stimmcnzahlen, sie drang in die Gemeinde- Vertretungen, in Landtage ein— daS Gefetz war als zurück- haltendes Werkzeug wirkungslos, ehe es noch aus den Akten der Rcgicrungsämter verschwand. ES konnte immer noch Individuen schädigen, es vermochte aber nicht der Bewegung Abbruch zu tun. Die Hilflosigkeit der Bismarckschen Regierung ihr gegen- über fand f887 klassischen Ausdruck in dem Gesetzentwurf, wonach die Behörden Sozialisten, die an einem im Ausland tagenden Kongreß teilgenommen hatten, oder die Verbreitung verbotener Schriften auch nur durch Bestellung solcher unter- stützten, ihrer Landeszugehörigkeit verlustig erklären und ihrwn das Leben in ihrem Geburtsland sollten verbieten können. Er wurde abgelehnt, nachdem die Sozial- demokraten dem Reichstag durch Paul Singer erdrückende, den tiefsten Eindruck machende Beweise von der korrumpieren- den Wirkung des Gesetzes vorgelegt hatte. Aber es war das blindwütende Umsichschlagen eines Systems, das am Ende seiner Kunst angelaugt ist. Die letzten Jahre des Gesetzes Ivaren, nachdem Wilhelm I. 1888 gestorben war, nur noch ein mattes Vegetieren, und dann versagte selbst der Versuch. es durch Uebertragen seiner Hauptbestimmungen in das gemeine Recht zu verewigen. Wilhelm IL war an das Ruder gekommen.„Die Sozial- demokratie überlassen Sie M i r", hatte er erklärt und wollte, von der Unfehlbarkeit seiner Staatskunst überzeugt, einen eigenen, einen„neuen" Kurs steuern, der sich aber sehr bald auch als ein ZickzackkurS erwies. Keines seiner Mittelchen, kein Wechseln der Tonart hatten den gewünschten Erfolg. Unter dem gemeinen Recht wuchs die Sozialdemokratie erst recht, denn immer mehr nahmen die grundlegenden, die sozialen Bedingungen ihres Wachstums zu. Die In- dustrialisierung Deutschlands machte größere Fortschritte, die Zentren der Industrie sahen ihre Bevölkerung sich gewaltig mehren, die Arbeiterklasse nahm einen immer breiteren Raum in der Nation ein— und eines Tages war Wilhelm II. selbst die„vorübergehende Erscheinung", für die er gewähnt hatte. die Sozialdemokratie erklären zu können. Wenn wir heute auf das Sozialistengesetz zurückblicken. um cs geschichtlich zu würdigen, dann stellt es sich uuS als eine Episode in der inneren Entwicklung Deutschlands dar, welche diese letztere als in der Politik unsäglich rückständig er- scheinen läßt. Wir sehen den damals leitenden Staatsmann Deutschlands, der auf dem Gebiet der auswärtigen Politik, wo es sich um das Spiel von Mächten handelte, eine Leuchte unter seinesgleichen war, einer Kulturbewegung gegenüber, deren innere Berechtigung ihm nicht verborgen sein durfte, mit Ge- waltmitteln ebenso brutaler wie kleinlicher Natur vorgehen, darin unterstützt von der Mehrheit der sogenannten Gebildeten der Nation, er und sie in dem Wahn, damit dieser Bewegung den Garaus machen zu können. Schrieb doch damals ein Treitschko, der wissenschaftliche Wortführer des National- liberalismus, wenn man �>er Sozialdemokratie die Feste und die Umzüge unmöglich niache. dann werde sie ihren Einfluß auf die Arbeiter bald einbüßen. Denen, die so klein von der Partei und der sozialistischen Arbeiterschaft dachten, konnte mit Recht unser Wilhelm Bracke bei der Beratung des Ge- setzes im Reichstag entgegenrufen:„Wir. meine Herren. wir pfeifen auf das Gesetz!" Der Ausruf ist so aus- gelegt worden, als sollte er die Nichtbeachtung deS Gesetzes durch die Sozialdemokratie ankündigen. Aber er sollte viel mehr besagen und h a t viel mehr besagt. Er war der Ausdruck der Gewißheit, daß das Gesetz wohl die Personen treffen, nie aber die Bewegung vernichten könne. Er war die Kundgabe der Verachtung— nicht für die Gesetzlich- keit. denn die Partei hatte die Absicht, solange es mit den Geboten der Selbstachtung und der Selbsterhaltung vereinbar war, auf ihrem Boden zu kämpfen, wohl aber für dieses Gesetz. Und hierin hat die Geschichte ihm vollauf recht gegeben. Sie hat in jeder Hinsicht auf dieses Gesetz g e- pfiffen. Eduard Bernstein. Brüder damals schon Sozialisten waren, einen wahren Sturm im Glase Wasser angerichtet: durch einen— revolutionären Klaffen- aufsatz, der unter anderem die rethorische Frage aufwarf, wozu Schildwachen vor Generalshäusern notwendig wären. ob man befürchte, daß die Herren sonst gestohlen würden? An solchen Früchten ließ sich ja erkennen, zu welchem Maße der Verstocktheit die sozialistische Gesinnung führen konnte I Natürlich mußte die Verfemung alles dessen, was man mit diesem Namen nannte, die Reugier, etwa« Nähere» davon zu er- fahren, und den gesunden, jugendlichen Oppositionsdrang reizen. Besonders, wenn die Anregung durch demokratische und freireligiöse Gedanken von feiten der Familie und der Kreise, denen diese an- gehörte, hinzutrat. Immerhin galt auch hier, so entschieden man die brutalen UnterdrückungSpraltiken der Bismarckschen Regierung ver- warf, der Sozialismus selbst als eine abenteuerlich-seltsam verstiegene Phantasie, die vor den Schranken und Bedingungen der mensch- lichen Natur blindlings die Augen schließe. Von jener Marxschen Auffasiung des Sozialismus, die denselben in die allgemeine, ökonomisch-politische Gesellschaftsgeichichte einreiht, und ihn in dem Zusammenhang mit der Gesellschaftsordnung in seinen Triebkräften und Aussichten so erst wirtlich verständlich macht, war damals kaum erst ein Hauch in der Partei und erst recht nicht in bürgerlichen Kreisen zu spüren. Der Zukunstsstaat erschien als ein Mysterium, nicht viel anders als jene Utopien, die begeisterte Menschenfreunde auch früher schon als die Erlösung aus allem Elend und aller Ausbeutung verkündet hatten. Die Freundschaft mit den Weißes(von denen jener ältere, später an deutschen Universitäten schikaniert, in« Ausland ging) gab bald den Austoß zur Gründung eine« Neine», streng geheimen Zirkel», in welchem Bebels„Frau'— damals das verbreitetste Pro- paganda-Buch— gelesen wurde. Aber auch die Pathelik anklägerisch revolutionärer Beredsamkeit durste nicht fehlen. So ist mir noch eine Feier in lebendigster Erinnerung, zu welcher seine jüngeren Brüder auf ihrer Bude ein Pult mit roter Decke ausgebaut, von welchem HanS als Haupt des Kreise« eine fulminante Anklagerede wider den alten Kaiser herabdonnert«, im Vergleich zu der die Cieeronianischen Verwünschungen deS Cattilina beinah zahm er- schienen. Doch war darum die Vorficht nicht außer acht gelaffen- Damit unzuverlässige NachbarSloute von dem Gewitter, welches sich über daS Haupt des hohen Schuldigen entladen sollte, nichts merkten, hatte der Jüngste den Austrag erhalten, während de» ganzen Strafgerichts im Nebenrcium Klovier zu pauken. Den Verfolgungen gesellte sich die Totschweigetaktik der bürgerlichen Preffe. Wer nicht selbst als Mitglied zur Partei oder zu den Gewerkschriften gehörte, konnte meinen, die Bewegung existiere kaum noch, io wenig war in der Oeffenilichkeit von ihr zu hören. Erst in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre wurde das Fortschreiten schließlich dann von Grund au« ander», der vorwanö zum Gesetz. Von Richard Fischer. Ein Mensckjenalter ist heute veeslossen, seitdem ein Gesetz zusammengebrochen ist, wie es verbrecherischer und nichts- würdiger geg?n die Arbeiterklasse kaum je von einer Regierung ersonnen und gehandhabt worden ist. Politische Feigheit und kurzsichtiger Klassenegoismus des Bürgertums hatten 1873 bei Erlaß des Gesetzes der Regierung die Wege geebnet. Angst vor der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung, hat das Gesetz geschaffen. Abgesehen von den Wahlerfolgen lvitten im Frühjahr 1878 die Berliner Parteigenossen bei der Beerdigung ihres Organisators August Heinisch und ihres im Untersuchungsgefängnis verstorbenen Redakteurs Paul Tentler Massen aufgeboten, die Bismarck a"f die Nerven gingen. Mehring schrieb damals als Parteigegner in der„Magdeburger Zeitung":„Wer spricht noch vom Arbeiterb a ta i l l o n Ber- linS,.. das sind ganze Armeekorp s." Den Vorwand zu dem Gefetz bot das„Attentat" Hödels am 11. Mai 1878, das angeblich aus sozialdemokratischen Beweggründen erfolgt war. Hödel war in Leipzig, ans der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen, von dem berüchtigten Sparig für national- liberale Zlvecke angeworben worden; er hatte im„Leipziger Tageblatt" einen Schimpfartikel gegen die Sozialdemokratie veröffentlicht, der sofort die Runde durch die Ordnungsvresse machte, war dann nach Berlin gekommen, wo die„Berliner Freie Presse" sofort vor ihm warnte; aber Hofprediger Stöcker hatte ihn bereits in seine christlichsoziale Partei aufgenommen und als deren Werbeapostel in Parteikneipen gesandt. Als nun am Sonnabend, den 11. Mai, bei der Ausfahrt des Kaisers Unter den Linden Hödel aus seinem Treimark-Terzerol einen Schuß abgab(und anderthalb Tage später glücklich auch eine abgeplattete Kugel gefunden wurde), wurde sofort die Sozialdemokratie für den Schuß verantwortlich gemacht.„Ausnahme-' gesetz gegen die Sozialdemokratie!" hatte Bismarck aus Friedrichsruh auf die Nachricht des„Attentates" zurücktele- graphiert. Und bereits am 20. Mai lag das Gesetz dem Reichs- tag vor. In einer schamlosen Gerichtskomödie, in der die Richter selber feststellten, daß das Attentat die Tat eines„geistig und körperlich zerrütteten Menschen" war (Hödel litt an syphilitischer Gehirnparalyse!) wurde Hödel dem Henker überliefert, weil man in Hödels Kopf den Kopf der deutscheu Sozialdemokratie abzubacken hoffte. Gewissenlose Richter und streberische Staatsanwälte haben sich im alten Deutschland noch immer gefunden, wenn eine Regierung deren zur Durchführung politischer Zwecke bedurste: In der deutschen Repicklik ist es anders geworden. Da haben wir es erlebt, daß Richter und Staatsanwälte es sich leisten konnten, bei Durchführung verfassungsmäßiger Anklagen zu versagen! lind Regierung und Volk haben es sich gefallen lasten! Trotz der affenartigen Geschwindigkeit, mit welcher der Bundesrot das„Gesetz zur Abwehr sozialdemokratischer Aus- schreitnng" apportierte: am 11. Mai der Schuß Hödels, am 20. Mai die Gesetzesvorlage, am 23. die erste Reichstags- beratung— war doch Bismarcks Liebesmühe diesmal umsonst: am 23. Mai lehnte der Reichstag mit 243 gegen 60 Stimmen diese Vorlage ab. Dcl erfolgte am 2. Juni aus der Schrotstinte eines Dr. Nobiling aus Dresden abermals■*- diesmal aber ernsthaft— ein Schuß auf den Kaiser, der diesen schwer verwundest. Zwar war auch diesmal kein Zusammenhang mit der Sozial- demokratie möglich. Wenn bei diesem Nobiling-Attentat überhaupt politische Motive mitgespielt hätten— es war eine, aus den damaligen Verhältnissen psychologisch leicht erklärbare Herostraten-Tat!— so hätte man höchstens von einem Kron- Prinzenliberalismus- Attentate sprechen können, Denn in einein Briefe spricht der Nobiling behandelnde Ge- fängnisarzt Dr. Levin es offen aus: als die scheinbar zersprengten KadreS von neuem zusammen- geschlossen, nun immer gewaltiger anwuchsen. DaS Bilb heS hageren, blassen, von der Proletarierkrankheit allzu früh dahingerafften Schloffermeisters Godau, in dem die Königsberger Be- wegung einen trefflichen, tief überzeugten, opferbereiten Fühfr hatte, steht mir noch heute tlar vor Augen. Er war zugleich ein Ty.: jener Proletarirr, die ein unauslöschliches Verlangen nach begreif dem Erkennen der Zusammenhängt, in die der Klastenkampf� stellt, empfinden. Wieder und wieder rang er in heißem r. mühen um das Verständnis de« Marxscben.Kapital', besten Gru gedanken damals noch in keiner populären Darlegung zugänglich waren. Und ich entsinne mich besonders, mit welchem Ausdruck der Be- wunderung und inneren Genugtuung er von dem ,18. Brumst're des Louis Bonaparte', jener Marxischen Darstellung und Erklärung des napoleonischen StoatLstreicheS, sprach. Da sei ihm alles so fest gefügt und klar erschienen, wie bei einem Schloste, das ersellbst in seiner Werkstatt hergestellt. Die ganze Kraft und Größe deS Marxschen Denken« ging rnir selbst erst später auf, als ich im Jahre 1887 bei einem länger en Aufenthalt in London mit Friedrich Engels, dem Freunde und Mit- tämpfer des vor einigen Jahren Gestorbenen, bekannt wurde. Er disputierte niemals über Fragen de» Sozialismus mit Mir. aber der belebend aufhellende Einfluß seine» Gesprächs, der Eindruck seiner überlegenen Persönlichkeit und nicht zuletzt sein glänzende» Buch„Herrn Eugen Dürings Umwälzung der Wisienschast'. das rnir bei dem sozialistengesetzlichen Boykott der Parteiliteratur in Deutsch- land noch niemals zu Gesicht gekommen, griff um so tiefer, gab dem Sinn ein Augenmaß für die Besonderheit der Marxschen Gedanken. für diese überzeugende Verbindung von hohen idealen MenschheitS- zielen mit nüchtern-realistisch die Bedingungen und Möglichkeiten ab- wägender. überall an rlementare Triebkräfte undJntereffen anknüpfende Geschichtsbetrachtung. So ging cs vielen von den Jüngeren, die damals zur Bewegung kamen. Erst nach dem Tode Marx' ward man in weiteren Kreisen der Bedeutung seines Lebenswerkes inne. Seine Gedanken. die in genialer Kühnheit Fernste« in greisbare Nähe rückien, au» dem Kampfe der durch die Gesellschaftsordnung selber vorgezeichneien Klaffenintereffen den Ausblick auf ein Reich der Freiheit öffneten, in dem dereinst die menschliche Natur, vom Joch der Unterdrückung und de» Elends ungehemmt, sich voll entfalten werde, strömten eine be- rauschende und beglückende Kraft aus. Eine Kraft, von der die späteren, die in die Marxiche Auffassung als etwa» bereit? Selbstverständliches hineinwuchsen, sich schwerlich ein« Bor- stellung zu machen vermögen. Die wunderbar« Entwidlung der Partei in Deutschland, die gleich einer Springflut alle Dämm« brach und jeder Macht der Gegner spottete, schuf Hand in Hand damit«ine Stimmung der Siegeszuversicht, wie nie zrvor. Die Arbeiterklasse, die sich m den sechziger und siebziger Jahren in. Nr. 4SH ♦ Z7. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Ireitag, 1. Oktober 1920 GroMerlM Jeftgefahren. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat auf Grund feines staatlichen Oberaufsichtsrechtes den Magistrat der alten Stadtgemeinde Berlin mit der k o m- m i s s a r i s ch e n Wahrnehmung der Gesetze des Magistrats der neuen Stadtgemeinde beauftragt, da der neue Magistrat bisher noch nicht endgültig gestellt ist. Hierzu hat der Magistrat der alten Stadtgemeinde dem Oberpräsidenten folgende Erklärung abgegeben: 1. Der Magistrat sieht sich nicht in der Lage, sein E i n v e r- st ä n d n i s mit den Anordnungen zu erklären, sondern muh die Verantwortung lediglich dem Oberpräsidenten auf Grund der von ihm in Anspruch genommenen' Befugnisse über- lasten. 2. Es können nur solche Willenserklärungen für den alten Berliner Magistrat namens der neuen Stadtgemeinde Berlin in Frage kommen, die zur Verwaltung der neuen Stadtgemeinde Berlin als Notbehelf für einen vorübergehenden Zustand er- forderlich sind und als besonders dringlich ohne Aufschub abgegeben werden müssen. 3. Der Magistrat setzt ferner voraus, dah die gesetzgeberische Arbeit und die Neuwahl und Bestätigung des Magistrats b e- s ch l e u n i g t ihren Fortgang nehmen. Es scheint beinahe, als ob Weber bie famosen Gesetzes- ■rracher in der Preußischen Lanbesversammlung, noch die Re- gierung sich der Tragweite des gegenwärtigen illegalen Zu- standes bewußt sind. Der alte Berliner Magistrat erkennt die ungeheuren Widerwärtigkeiten, und deshalb ist es sehr wohl begreifen, tvenn er jede Verantwortung für die Fol- gen, die sich aus der von der bürgerlichen Koalition heraufbe- schworenen unhaltbaren Situation ergeben, ablehnt. Unter solchen Umständen kann eintreten, was Herr Lei- big kürzlich prophezeihen zu sollen glaubte, nämlich, daß es leichter ist, ein großes Gemeindewesen kaput zu machen, üls aufzubauen._ Das Dauerwaldgebiet Grost-Berlins. ,L Di« Auslastung des Grunewaldes und des Dauerwaldes am Müggelsee sfrühere Staatsobersörsterei Cöpenick) wurde am Donners- tag vom Syndikus des Verbandes Groh-Berlin, Dr. Schumacher, von den Vertretern der Staatsforstverwaltung entgegengenommen. Der Forstverwaltung ocs Zweckvcrbandes. welcher ja nach dem neuen Gesetz über Groß-Berlin mit dem 30. September 132» sein Dasein beschließt, ist es demnach noch gerade vor Toresschluß ge- lungen, nach Ueberwindung der großen Schwierigkeiten bei der Ab- grenzung usw.— die Grenzen des Dauerwaldgtbietes sind zu- fammen 317 Kilometer lang!— die größten und schönsten Teile des für die Bevölkerung Groß-Berlins so wichtigen Dauerwaldes nun- mehr auch zu Eigentum zu erwerben, nachdem sie schon mehrere Ltahre in der Verwaltung des Zwcckverbandes gestanden haben. Der Zwerkverband bringt damit bei den heutigen Boden- und Holz- werten dem neuen Berlin eine nicht zu unterschätzende Morgen- gäbe mit._ Brrbilligung von Brennholz. Zur Bereitstellung eines weiteren Kredits zur Verbilligung von Brennholz für die in inderbe- n. ittelte Bevölkerung hat der Magistrat der Stadtverord- N! tenversammlung eine Vorlage zugeben lasten und um die Er- .'mäcbtigung ersucht, einen Betrag von 7»»»»» Mark vorschuh- w-'is« zu verausgaben, die aus daS Kriegsvorschuhtonto verrechnet werden sollen._ . Millionenbeute m. rchte ein« verwegene Einbrechcrbande, die jetzt von der Kriminal- Polizei binter Schloh und Riegel gebracht wurde. Kriminalober- !rxtr<1wmen'ter Lahmann und seine Beamten sahen an der Ecke der ftg'ch. und Charlottenstrahe ein Mädchen in einem wertvollen Pelz, der/ au� dem Geschäft von Citron in der Werderschen Strahe bei «in jcm Einbruch gestohlen worden war. Sie beobachteten es weiter, crl annten in einem jungen Manne, der an es herantrat, einen „Kunstmaler" Otto Pflug, der sie als ehemaliger Fürsorgezögling schon wiederholt beschäftigt hatte, und nahmen beide fest. Der Griff führte zur Aufklärung von 1» Einbrüchen und zur Unschäd- lichmachung einer Bande, die der Schrecken des Südens und Süd- Westens der Stadt war. Ihr gehörten auher Pflug noch der Schloster Walter Züblke, dessen Bruder, der Arbeiter Fritz Zühlke, der Schlächter Heinz Hillen und der Kellner Rudolf Rief an. Die Bande hatte ihren Treffpunkt bei einer gewissen Schmidt in der Charlottenstrahe. der Geliebten des Walter Zühlke. Von dort aus unternahm sie ihre Raubzüge. Die Gelegenheit zu dem Einbruch bei Citron kundschafteten Zühlke und seine Geliebte aus, indem sie sich als Kunden einführten und allerlei borlegen liehen. Pflug S. p. v.- Funktionäre! Heute, den 1. Oktober, abends 6 Uhr, im„Dentfcheu Hof", Luckauer Str. 15: Allgemeine Konferenz sämtlicher Funktionäre der S. P. D. Tagesordnung: Unsere Stellung zur Berliner Kommunalpolitik. Referent: Genosse Adolf Ritter. Mitgliedsbuch und AnsweiSkarte werden am Saaleingang kontrolliert. ver Sezirksvorstanä. kletterte dann nachts an der Fassade bis zum 2. Stock empor, drückte ein Fenster ein und warf seinen Helfershelfern, die mit einem Kraftwagen bereitstanden, die Pelze von oben zu. Als der Wagen vor einem Wächter davonfahren muhte, um die Beute in Sicherheit zu bringen, hüllte sich Pflug in zwei schwere Polarfüchse, sprang auf die Strahe hinab und kam mit einer leichten Fuhvcrstauchung davon. Einen der Pelze schenkte er dem Mädchen, das die Beamten später in der Cbarlottenstrahe trafen, llngewöhn- lich schwere Arbeit hatte die Bande bei dem Möbelgeschäft von Pfaff in der Zimmerstrahe. Hier muhte sie sich vier Nächte hin- durch an einer Mauer abmühen, um von der Pförtnerstube aus in die Geschäftsräume zu gelangen. Sobald die Stube nacbts leerstand, setzten sie ihre Stemmeisen an. Den Schutt entfernten sie sorgfältig, und über das Loch hängten sie jedesmal ein großes Rennplakat, das sie an der Stell« vorfanden, so dah der Pförtner am Tage nichts merkt«. Erst in der vierten Nacht gelang ihnen der Durchbruch. Die reiche Beute an Stoffen, Seiden und Gobelins schafften die Verbrecher zunächst in die Wohnung eines Mitglieds der Bande und von dort zu dem Schneider Josef Nathansohn in der Neuen Königstrahe S». Dort wurde sie von Qberwachtmeisier Lahmann beschlagnahmt. Am Tcmpelhofer Ufer suchte die Band« den Rittmeister Rausch beim, bei dem vor mebreren Jahren Rief mit anderen Helfershelfern schon einmal einen Einbruch ausgeführt hatte. Auch hier betätigte sich Pflug wieder als Fassadenkletterer. Die Diebe verübten auch Geldschrankeinbrüche in Dramburg in Pommern und Fürstenberg in Mecklenburg, hier bei der Schleusen- Verwaltung, deren Kasse ihnen in die Hände fiel. Die ganze Ge- sellschaft, auch die Schmidt, wurde gestern nach Moabit gebracht. Erneuerung der Versicherungskarten zur Angestellten- Versicherung. Nach§ 195 Abs. 1 des VersicherungSgesetzc? müssen die Ver- sicherungskarten fünf Jahre nach dem Tage der Ausstellung durch neue ersetzt werden. Durch die lange Dauer des Krieges ist in sehr vielen Fällen diese Erneuerung unterblieben. Um nun die in Betracht kommenden Angestellten vor Nachteilen zu bewahren, ist es dringend erforderlich, daß sowohl di« sich im Besitz der An- gestellten, als auch die sich bei den Behörden, Firmen usw. befin- dendcn Karten daraufhin geprüft werden, öb sie nach Maß- gäbe des Z 195 zu erneuern sind. Es wird darauf hingewiesen, daß die Karten ohne Rücksicht darauf, dah noch Platz in ihnen ist, umgetauscht werden müssen, wenn das Ausstellungsdatum länger als fünf Jahre zurückliegt. Zur Erneuerung der Karten der in Berlin beschäftigten Angestellten ist die Ausgabeftelle für die Ange- st e Iltenversicherung in Berlin C. 2, Klo st er strahe 65/67, wochentäglich von 8 bis 3 Uhr, geöffnet. Die Vororte habcn ihre eigenen Ausgabestellen. Zu jeder neuen Persicherungskarte gehört auch eine neue Auf- n a h m e k a r t e, die beide vom Inhaber auszufüllen sind. Die abgelaufene Karte ist mit vorzulegen. Di« nötigen Vordrucke wer- deu in den zuständigen Ausgabestellen ausgegeben. Tie Armcnsuppen in der Tcucrungszeit. Die Berliner Armenipeisungsanstalt bat nicht weniger als die privaten Haushaltungen unier der Lebensmiltelteuerung zu leioen. Schon im Jahre 1316 mußten die Gemeindebehörden die aus dem Stadtsäckel hergegebenen Mittel aui monailich 7»»»» M. ei höhen. Damals wurden lediglich 932» Portionen verteilt, allmählich aber lieh der Zudrang nach, und in 1913 brauchten schließlich nur noch 320» Portionen pro Tag verteilt zu werden. In demselben Zeit- räum von drei Jahren stiegen die Kosten der Portion von 22 Pf. auf 75'/� Pf., i'o dah trotz Verminderung der Portionenzahl die bewilligten 70 0»» M. pro Monat ganz aus- gebracht wurden. Vom Herbst 1919 bis zum Sommer 192» schritt die Kostenerhöhung rasch Weiler fort bis aur t.4v M. pro Portion, das ist mehr als das Sechsfache de« Preises von 1916. Infolgedessen reichten die Mittel nicht mehr aus. und es enistand eine Mehrausgabe von rund 2»00v» M. bis 31. Juli 192». Der Magistrat beantragt bei der Stadt- Verordnelenversammlung die Deckung diese« Betrages. Er nimmt an, dah nach Wegfall der Zwangsbewirtschaflung von Kartoffeln und Fleisch der Zudrang zu den Küchen der Armcnspcisungsanstalt wieder steigen wird. �_ Der neue Winterfahrplan auf den deutschen Reichseiscnbahnen tritt am Sonntag, den 24. Oktober, in Kraft. Endlich bestätigt. Genosse Lehrer Heinrich Bahlke, der bereit? am 18. Februar von der Gemeinde Niederschöneweide zum Rektor gewählt wurde, ist von der Regierung in Potsdam als solcher be- stätigt worden. Feststellung von Bleikrankcn im Malergewerbe. Mal«r. Lackierer, Anstreicher, die vom Arzt bleikrank oder blei- krankverdächtig befunden werden, oder in irgendeiner Hin- ficht an den Folgen der Bleikrankheit leiden, werden ersucht, sich zwecks Feststellung und Sammlung des Materials über Bleikrank- Heiken in folgenden Stellen untersuchen zu lassen: Krankenhaus Westend, Spandauer Berg 15/16, Aufnahme-Nntersuchungs�immer, wochentags von 9 bis 11 Uhr; Krankenhaus Moabit, Thurmstr. 21, wochentags von 4 bis 5 Uhr. Die Untersuchung ist k o st e n l o s. Es wird aber gebeten, der Organisation, der Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Maler, Lackierer. Anstreicher, mündlich, schrift- lich oder telephonisch Mitteilung zu mach en. Beratungsstelle für Obst- und Gemüsebau in Neukölln. Dem allgemeinen Besürfnis der Ylartenbesitzer und Kleingartenpächtcr Rechnung tragend, hat die Stadt Neukölln in ihrem Kleingarten- amt ein besondere Beratungsstelle eingerichtet, woselbst in allen Fragen deS Obst- und Gemüsebaues, wie Bodenbearbeitung. Dün- gung, Aussaat, Sortenwahl, Schädlingsbekämpfung, Zimmerblumen- pflege usw. fachmännische Ausinnfr erteilt wird. Tie Beratungs» stelle befindet sich im alten Neuköllner Rathause, Zimmer 524. und ist Dienstag und Freitag von 2 bis 3 Uhr geöffnet. Tie Jnan, spruchnahme ist für jedermann unentgeltlich. Der Kampf um den Verliner Magistrat. Ueber dieses Thema sprach der Stadtverordnete H a h in einer gut besuchten Mitgliederversammlung der Abteilung Treptow. Der Reiferen: schilderte die Stellung unserer Stadtverordneten» fraktion bezüglich der Vorschläge zu der Wahl der Magistratsmit- glieder und den Schwierigkeiten, mit denen der Kampf geführt werden muhte. Nach eingebender Diskussion nahm die Mitglieder- Versammlung folgende Resolution gegen 2 Stimmen an: ,Die Mitgliederversammlung der Abteilung Treptow stimmt nach einem informatorischen Referat des Genossen Haß und ein- gehender Diskussion über den„Kampf um den Berliner Magistrat" dem Vorgehen und Beschlüssen der sozialdemokratischen Stadtver- orductenfraktion zu. Sie billigt das Zusammeuar- betten mit der Fraktion der U.S.P.D., da ein anderer Weg, die Interessen der großen Masse der sozialdemokratischen Wähler wahr. zunehmen, nicht gegeben war."__ Gegen die Mictsteuer. Am 4. Oktober nimmt der Mteterver- band Groh-Berlin in zirka 8» Massenversammlungen zur geplanten t Das Licht der Heimat. von August hinrichs. Meta setzte sich in die Laube, da legte sie dey Kopf auf c Tischplatte und weinte. Dierk ging langsam in den orten, er wollte sein Beet suchen, auf dem er einst selbst ge-sät und gepflanzt hatte. Aber niemand hatte es seitdem bc stellt, der gelbe Sand war darüber geweht und hätte alles Grüne wieder erstickt. Er wühlte mit der Hand nach einem B lumentopf, den er hier eingegraben hatte, und war glücklich, w e er die Scherben endlich fand. Als er sich aufrichtete, sab er ein Mädchen im Garten stehen, das ihn verwundert betrachtete. Sie mochte zwölf I chre sein. Das hellblonde Haar lag wie ein 5fran� in di cken Zöpfen über ihrer Stirn, in einer Hand trug sie einen hellgrünen Birkenzweig, mit der anderen hielt sie einen großen, prachtvollen Neufundländer am Halsband fest. „Was machst du da?" fragte sie ihn. . Er sah gleichgültig nach ihr hin:„Das geht dich ja vi chtS an." „Du brauchst gar nicht so patzig zu sein, ich kenn' dich wiohl," sagte sie und kam zutraulich näher.„Ich weiß wohl, di ß du früher hier gewohnt hast." I„So? Woher weißt du das?" �„Wir haben doch zusammen im Wagen gesessen, als es r/gnete." „Ach so." sagte er da und sah sie an,„dein Dater ist der D oßbauer, nicbt wahr?" „Warum bist du nie wiedergekommen?" fragte sie.„ich hritte dir damals noch Birnen und Aepfel rnffbewahrt. ich hiich hier einen Apfelkeller— willst du den mal sehen?" , I«Äetzl sind ja doch keine mebr drinl"„Das stimmt wohl," gte sie nachdenklich, und dann nach einer Weile,„du, auf ds!m Apfelbaum Hab ick oft geschaukelt. Kannst du das nocb? fqonnn mal her, wir können sogar beide drauf sitzen." Sie liieß den Hund los und kletterte rasch auf den Baum. Etwas zögernd folgte er ihr.„Schaukle mal!" befahl sie. Er tat es. unlustig, aber dann in heller Freude; fast wäre sie her- 'rgefallen. aber er laß rittlings und hielt sie fest. Sie und wippte mit den Beinen.„Du, warum bist du nicht il früher wiedergekommen?" ?.Wir wohnen doch in der Stadt." „Zieht ihr jetzt wieder her?" „Hier wieder her?" fragte er—„wohnt hier denn sonst niemand?" „Nein, hier bat noch niemand wieder gewohnt. Ich komme nur zuweilen mit meinem Vater her." „Und hier wobnt niemand sonst in unserem Haus?" „Nein, das siehst du ja." Da faßte er sie bei der Hand:„Du, will dein Vater das denn haben, daß wir hier wieder wohnen?" Sie sah ihn ganz erstaunt an:„Warum soll er das nicht haben wollen, frag ihn doch!" Da sprang er mit einem Satz herunter, lief imrs Haus nach der Laube, fiel seiner Mutter um den Hals und schlnchte:„Mutter, Mutter, wir wollen wieder her, hier wieder her!" Meta sprang auf, da sah sie des Voßbauern Tochter kommen, und ein jäher Schreck durchfuhr sie. Fort, nur fort, nur nicht mit dein hier zusammentreffen! „Mutter, geh hin und frag ihn, Mutter frag ihn, hörst du— wir wollen hier wieder her— Mutter!" Aber sie schob ihn fort:„Wir müssen nach Haus, Dierk — komm mit!" Er umfaßte sie von neuem:„Mutter, bleib doch hier, bleib hier!" Es schnitt ihr ins Herz, aber sie faßte seine Hand: „Komm." „Mutter," bettelte er. doch sie hielt ihn fest, und er spürte an dem Druck ihrer Hand ihren harten Willen. Rasch ging sie aus dem Tor. „Vater kommt ja schon," rief das Mädchen ihnen nach. Der Hund setzte mit freudigem Gebell an ihnen vorbei über die Hecke und rannte mit groß-n Sprüncien einem von fern Ankommenden entgegen. Da faßte Meta ihren Jungen fester. lief, daß sie den Weg gewann und ging, ohne den Kopf zu wenden, davon. Eine Flucht war es. Sie floh— floh vor dem Kampf. Wenn Dierk sich an den Voßbauern gewandt hätte, wenn ihr von dem gar angeboten wäre, hier von neuem einzuziehen — wäre sie stark genug gewesen, es ihrem Kinde und sich selbst abzuschlagen? Aber sie wollte nicht! Sich nickit demütigen! Sie warf den Kopf in den Nacken und wandte der Heide— und wandte ihrer Heimat■— und wandte ihrer Sehnsucht den Rücken. Oh. sie war stolz«nd stark! Als sie am Abend heimkamen, lag Harm betrunken in der Stube. Das Kästchen mit ihren: mühsam zusammen- gesparten Schatz stand aufgebrochen auf dem Tisch, das halbe Geld fehlte. „Was?" lallte er,„hier wär kein Geld in der Stadt? Geld genug— wozu noch arbeiten!" Sie rettete, was zu retten war und brachte ihn zu Bett, so sehr er sich auch sträubte. Dann bügelte sie bis spät in die Nacht hinein. Mitten in der Arbeit aber mußte sie einmal da? heiße Eisen stehen lassen, mit beiden Händen griff sie nach ihrem Herzen und stöhnte, wie ein zu Tode getroffenes Tier. Gin Tag verläuft wie der andere. Grau und lichtloS reihen sie sich aneinander. Dem Landin emn bringen sie Sommer und Winter, Saat und Ernte, und immer von neuem wieder das große Hoffen— jedes Jahr von neuem legt er den Samen in die Erde— vertraut und hofft. Das macht sein Leben reich, daß ein ewiger Wechsel ihn heraushevt über die Enge der Gegenwart. Was aber hätte Meta noch zu hoffen gehabt? Ein Paar Jahre waren vergangen. Sie stand Tag für Tag über ihrem heißen Bügeleisen, einen Tag wie den andern vom Morgen bis Abend— Frühling. Sonn? und Herbststürme waren wetr draußen und reichten nicht mehr in ihr Leben hinein. Nur die Sorge, die kannte sie. Horm. Dierk und sich selbst, alle drei mußte sie mit ihrer Hände Arbeft erhalten. Der unerbittlich gleichmäßige Strom, der die Menschen mor- gcns in die Fabriken wälzte und abends müde zurückfluten ließ, hatte Harm zwar wieder freigegeben— aber nur um ihn als Schiffbrüchigen ans Ufer zu svülen. Jetzt war Harm Gelegenheitsarbeiter. Zwei drei Wocken lang ertrllg er eine regelmäß'ge Arbeit, dann wieder saß er stumpf zu Häuft oder lungerte draußen herum. Meta wußte, was' ihm ftblte — zu fest hatte er in der Erde gewurzelt, aber zurückver- pflanzeu ließ er sich nicht, femdselig und mißtrauisch hatte er abgewehrt, als sie es versuchte. Das Sck'äcbtelchen, das so.viel Hoffnung beherbergt hatte, blieb zerbrochen und leer. Dafür lag ein Bankbuch sicher versteckt in einer verschlossenen Schublabe— aber nur ein paar armselige Zahlen standen darin. Und doch spielten Metas GedCinktv: Tag und Nacht mit diesen Zahlen— es war doch eine kleine Hoffnung, es war für Dierk. lLorts. folgü Miktfteuer iinb" den neuen droheniien Mietzuschlägen erneut Stellung. Für den Fall, daß öiese neuen Mehrbelastungen zur Tot- sacke werden sollten, ist die organisierte Mieterschaft nebst angc- schiossenen Jnteressenverbänden entschlossen, zum Mieter streik aufzurufen._ Ten Handel mit Kohle untersagt. Wie die Koblenstelle Grojj-Bcrlin mitteilt, ist wegen grober Kerstöße gegen die Verordnung des Kohlenverbandes Groh-Berlm ! cm Kohlenbändler Ka m Prath, Berlin, Gaudy st r. 6, der Forlbctrieb des Handels mit Kohlen untersagt worden. Beide BollSkonzerte dcS Pbilbarmonischen Orchesters am 1. Oktober und 22. Ollober sind ausvcrkaust. Sine Gastwirtsmcsse wurde gestern in den gesamten Räumen der„Neuen Welt" in der Hasenheide eröffnet. Die Messe ist von den mit dem GtxstwlrtSgcwerbe in Beziehungen stehenden In- dustrien reich beschickt und bietet ein kleines Bild deutschen Industrie- und Gewerbefleißes. Vom großen Konzertvrchestrion bio zum Bierumsaj; ist alles vertreten. Tie Veranstaltung er- freute sich gleich nach Eröffnung eines regen Zuspruches. Wie man beobachten konnte, wurden zahlreiche Einkäufe abgeschlossen. Eine Eharlottenburgcr Millioncnanleihe zur Deckung von KricgsauSgabcn. Ter Magistrat Charlottcnburg beantragt bei der Stadtverordnetenversammlung die Aufnahme einer Anleihe zur Deckung von Kriegsausgaben für Rechnung des Reichs bis zur Höhe von 24,6 Millionen Mark. Tos Reich hat nach dem Landes- stcucrgcsetz das Reckt, seine Verflichtungen zur Erstattung von Kriegsausgaben an Gemeinde und Gemeindeverbände auch dadurch zu erfüllen, daß es die Gemeinden ermächtigt, für Rechnung des Reicks Anleihen bis zur Höhe ihrer Ansprüche auszunehmen, sofern günstige Anleihehedingungen zu erzielen sind. Tiefe von den Ge- meinden für Rechnung des Reichs aufzunehmenden oder fortzu- führenden Anleibcn sind ihrem Charakter nach Anleihen der Ge- meinden. Das Reich übernimmt jedoch seinerseits die Berpflichtun» gen, die den Gemeinden aus der Aufnahme der Anleibcn erwachsen — insbesondere die jährlichen Zins- und Tilgungsbeträge für die Anleihen. Tie Unterbringung der Anleihe wird der Deutsche Zcntral-Giro-Vcrband übernehmen. Der Betrag von 24,6 Millio- neu Mark stellt den Rest der Kriegsausgaben dar, für die noch Deckung zu beschassen ist. Neu-Zittau. In das Lager der Dcutschnationalen geschwenkt ist Herr Sandow, der vor den lebten Gemeindewahlen sich als Sozialist fühlte und von unseren Genossen mit aufgestellt wurde. Jetzt gebärdet sich S. als Arbcitcrfeind. Der Aufforderung unserer �Genossen, sein Mandat niederzulegen, ist Herr S. nicht nach- gekommen. In der letzten Gemeindevertretersitzung forderte Gen. Mattuttis S. in wenig schonender Weise auf, sein Mandat nieder- zulegen; es sei vom Standpunkt der politischen Ehre nicht zu recht- fertigen, ein Mandat gegen die Interessen seiner Auftraggeber und Wähler auszuüben. Herr S. rührte sich indessen nicht. Welches Interesse übrigens dt» Deutschnationalen den Ge- meindeangelegcnheiten entgegenbringen, zeigten einige Vertreter wieder in der letzten Sitzung. Während der ganzen Erörterung hielt sie sich in dem an das Sitzungszimmer grenzenden Schankraum auf, während Herr Dr. Tonrdey den Sitzungen gänzlich fern bleibt. männer und Funktionäre? Sorgt fär Massenbesuch für diesen interessante« Bortrag. Handzettel sind im Sekretariat, In den Zelten 23, abzuholen. Alle Dienststellen müssen vertreten sein. Gäste, auch Frauen, sind willkommen. Der S. P. D.-Werbeausschuß für die Beamten und Angestellten der Verwaltungsbehörden und Institute. Heute, 1. Oktober: Hübner, von Wilsnacker Str. 34, Ter Bund der Internationalen Kriegsopfer veranstaltet am Sonntag, den 3. Oktober, vormittags 16'/, llbr, in den Germanialäten, Ldausscestraße 116. eine lN o r g e n s e i e r' unter Mitw rkung von Till« Durieur, Margarete Schleemüllcr und dcS 86 Mann starken. Blilthner- orckcilcis, dessen Lcitunq Dr. Felix Günther übernommen bat. Karten zum Preise von 2.56 Mari find zu haben bei den Genossen: Lange. Fennitr. 66; Müller, Slilguststr. 51; Beyer, Usedomitr. 26a, Math; Lankwitzstr. 11 und an der Saalkasse. Zentralverband der Angestellten..Heute Fachgruppe 2» kNicht ständig Zlngeitcllle des Maginrats Beilin) Verlrguensleuteverlammlimg K'I, Uhr, Schultheiß. Neue Jakobstr. 24/25.— Fachgruppe 8g(Juwelen-, Uhren-. Gold- inid Silberwarcn« Kleinhandel» Mitgliedcrocrsammlung �'1- llbr. Neue il bilharmonie, Eöpcnicker Str. 36/37.— Fachgruppe 16 (NNd' Sektionen) Fachgruppenversammlung 7 Ubr, Musitcrsäle, Kaiscr-Wil- ahelm-Sir. 31.— Fachgruppe 12(Glaslnduflrie und Handel. Schieise- rcien) össenlliche Versammlung 7'/, Uhr, Rosenthaler Hos, Roscnthaler S)raße 11/12.___ Groß-öerliner Partesnachrichten. Achtung! Beamte und Angestellte der Reichs- und Staats- behörden und Institute. Am Dienstag, den 5. Oktober, abends 7 Uhr, findet in der Aula, Kochslr. 13, eine große öffentliche Versammlung statt. Es wird sprechen der Genosse Legationsrat Dr. Zechlin(Auswärtiges Amt! über„Tie innere und äußere politische Lage Deutschlands. Beamte, Vertrauens- vr. rnetL Grüterino Haut, Harn-, Unterleibsleiden b.Mdnn. u. Frauen.Blutunters InvalldenstroBe 35, Ecke Chaiisseestr_ Stett. Bhf. Spr. Wochentäglich 11-1,'/jS-V,? Alte Wein- Stuben" Kriedrlchstr.H.Brunnenslr.nt neb. Gold-Busse, Cr. Frank- turter Str. 112 neben Jandorf, Invalidcnslr. 164. Engros: N 4, Bergstr. 34. Tel.: Nord. 8214. Derby-Cognac AliKsh, Kurfflrstl., Kalb und Hala.Magcnarii-Kobro-Tarra- ßona und Portwein, Malaga bst- und Johannlsbeerwcin, billige Mosel. 87. Abt. 7 Uhr Im Lokal „Vorwärts"agitalion. -47. Abt. Abends 5 Uhr bei Radzap, Brüsseler Str. 43, Bezirks- führer und freiwillige Heiser zwecks„Vorwärts-agitalidn. Südöstliche Abteilungen. Vorbesprechung zwecks Gründung eine? S.-P.-D.-Gcsangvereins, 7 Uhr. bei Krause. Mariannenplatz 22. Alle sangeStnndigen Genossen sind hiermit srenndlichst eingeladen. Schönebcrg. 8 Ubr Schulaula. Martin-Luther-Str. 22, öfsentliche Vcr- sammlung. Tagesordnung: Der 36. Todestag des Sozialistengesetzes. Referent: Genosse Dr. Schütte. Erscheint in Massen. Morgen, 58. Oktober: 5. Abt.(HalleschcS Tor). Tie Mitglieder treffen sich von nachm. 3 Ubr ob bei Keusner, Hagelbergcr Str. 26» zwecks Erledigung einer wichtigen Parteiarbeit. 24. Abt. VorwärtSbesichtigung findet am Sonnabend abend 11 Ubr statt. Treffpunkt zwischen 16'/,— 16'/, Ubr vor dem Vorwärtsgebäude, Lindenstr. 3. Bitte nochmals um rege Beteiligung. Vor der Führung Vortrag des Genossen Dr. Striemer. Ebarlottendnrg. Die UcbungSstunde des Ge'ongvereiuS Harmonie S. P. D. findet diese Woche wegen Behinderung de? Dirigenten am Sonn- abend in der Aula der Siemcns-Oberrealschule, Schloßsir. 27, statt. Sonst regelmäßig Freitags von 7'/,— S'/, Ubr. » Kaulsdorf. Programme und Hörerkarten für die Sozialistische Bil- dungSschule find beim Genossen Berg, Franksurter Straße 34, erhältlich. Titelrolle. Dazu die Uraufführung von Leo Tolstois Einakter„Der Fremde und der Bauer"'. Spanien im Bild. Die Sonderausstellung der spanischen Photo» graphien Kurt HielicherS im Kuiiitgewerbemuseum wird über den 1. Ott. hinaus um einige Tage verlängert. Jugenüveranftaltungen. Heute, 1. Oktober. Achtung? Rosenthaler Borstadt, nene? Lokal StreliUer Straße 41—42, Schule: Mitgliederversammlung.— Britz. Heute abend 7'/, Uhr im Lokal von Maier, Choussecftr. 6S, EinsührungSabend mit Vortrag:„Was der arbeitenden Jugend not tut". Rcscrent Genosse Joseph. Die Britzer Arbeitereltern und die schulentlassene I u g e n d sind eingeladen.— Zeniraljiigendheim, Lindenstr. 3: Lese- abend„Die Weber".— Gbarlottcnburg, Rosinenstr. 4: Mitglieder- Versammlung.— BeterShage», Fredersdorf. Lokal Ballack, Sennicken- dorser Straße: Mitgliederversammlung.— Schöneberg, Ziubenslraße, Ecke Hauptstraße: Vortrag:„Die mteinalionaic Jugendbewegung".— Wilmersdorf, Oberrcalschule, Seeparl: Milgliedcrocriammlung.— Neukölln. Keine Mitgllederversammlung. Tresspunlt zur öffentlichen Versammlung in Britz 7 Uhr Nogatstr. 53, Jugendheim. kleines Zeuilleton. Tie Wildenbruch-Stiftung. Auf der Generalkonferenz der Deutschen Schiller-Stiftung, die in Weimar stattfand, wurde über die Wildenbruchsche Erbschaft beraten. Ter Dichter hat sein Vcr- mögen, einschließlich der Einkünfte aus seinen Werken, uno sein Hau? in Weimar der Deutschten Schiller-Stiftung vermacht. Ter Gedanke, die Villa Jthaka als Heim für Schriftstellerinnen einzu- richten, ließ sich jedoch nicht verwirklichen. Im Einvernehmen mit den Erben wurde daher beschlossen, eine ,.W ilocnbruchsche I t b a k a- S t i f t u n g" ins Leben zu rufen, deren Jabrcszinsen in Höhe von 6006 M. an verdienstvolle, bedürftige Schrifistelle- rinnen und ihrer Töchter oder an Witwen und Töchter von Schrift- stellern als Beihilfen zu Erholungs- und Kurzwecken verteilt werden sollen. Ter Wechsel in der Generaldirektion der Preußischen Staats. museen. Wilhelm von Bode scheidet am 1. Ottober aus seinem Amte als Generaldireitor der Preußischen StaatSmusecn. Otto von Falke, der bis- herige Direktor der Sammlungen des Berliner KiinstgewerbemuseumS, wird sein Nachfolger. Dem Kailer- Friedrich-Museum, und dem Dciiischcn Museum wird Bode auch weiter seine Mitwirtunz zur Verfügung halten. Der neue Generaldirektor ist seit dem August damit beschäsligt. Im Berliner schloß die Neuausstellung der kunstgewerblichen Sammlungen zu leiten. Tie Besprechung der„Giusamen Menschen« enihält einige böse Druckfehler, von denen der schlimmste berichligt werde: Frau Else Lebmann zerrt nicht an Umrissen, was nicht zu verstehen ist, sondern an Moisfi, waS besser einleuchtet. Schreker»»Gezeichnete« in Berlin. Für die Berliner Erstaus- sührung der„Gezeichneten" von HanS schreker. dem Leiter der Berliner Musikhochschule, daben jetzt die Vorbereitungen an der SlaatSoper be- gönnen. Die Dekorationen entwarf Bernbard Pantol. Für die erste Aus« sührung ist der 26. Dezember in Aussicht genommen. Theater. Da» Neue VolkStheater bringt als nächste Neu- einstudicrung HostmannStdalS, E I e k t r a" mit Roie Lichlcnstein in der Sport. Zlrbeiter-Nadfahrerbnnd„Solidarität«. Ortsgruppe Berlin I. Abt. 2. Ollober: Stistungsfe!! In der„Neuen Welt«. 3. Oktober, mittags 1 Uhr: Pichelswcrder(Kaiscrgmtcn). Rennen zu Grunewald. 1. P r e i s o o n S ch ö n e b c r g. 16666 Mark. Distanz 1466 Meter. 1. Elftbci:(Bcbrl, 2. Niguma(BorowSIi), 3. Artemis(Falkenhagen). Ferner liefen: Narr(4.), Lamcherin, Fee. Reichard, Märchen, Medardus, Neinweiß, Grnffchaft, Slihmon. Sieg 18: 16, Platz: 12. 17, 21;!0.— 2. G o r s e- R c n n e n. Preise 16666 M. Distanz 1666 Meter. 1. Atbenc(Zimmermann), 2. TIruja(Reunrann), 3. Salamanka(Kaiser). Ferner liefen: Belaradc(4.1. Eriibris. Branden- bürg, Latona. Sieg: 27:16. Platz: 13, 27, 15:11'.— 3. KiSbcr- Ausgleich. Preise 36 000 M. Dirianz 2800 Meter. 1. Andersen (Rastcnberger), 2. Palcstro(Danek), 3. Wigamur(Hellcbrandt): Ferner liesen: Jndling. S!eg:36:16, Platz: 12, 11: 16.— 4. Savcrnake- Rennen. Preise 22 666 M. Distanz 1266 Meter. 1. Caoarrne (O. Schmidt), 2. Flandern(Olesnikl. 3. Colbcrg(Bleuler). Ferner liefen: Major(h 4.), Schnccrose(f 4.', Kokolorcs, Sceckt, Margarete, Meisterin, Parsimonia. Elsen. Sieg: 21: 16. Platz: 13. 21, 32: 16— 5. W i l a- mowitz-Rennen. Preise 46 066 M. Distanz 2606 Meier. 1. Ter Mohr(Zimmermann),»2. Eckstein iJarret). 3. Hallunke(Zchläske). Ferner liefen: Äannwari(46. FriedenSsürit, Glimmer, Heiligenroda. Sieg: 28: 16, Platz: II, 11, 17: 16.— 6. Orclio-Rennen. Pre se 22 666 Mark. Distanz 1266 Meter. 1. König Mtdas(H. Schmidt), 2. Arcnilcin (Raslenberger), 3. SarroS'Olejnil). Zicg3L:i6.— 7. I I l n i i ch e r Ausgleich. Preise 22 WO V.K. Distanz 1600 Meter. 1. Don Biniou (Kaiser), 2. MinestraO. Schmidt». Ferner lieien: Jsmcne(4.), Falter, Trommelschlag, Adjntant, Olala, MardoniuS. Sieg: 54: 16, Platz 21. 25, 25: 16._ Boxkampf Spakla-Breitensträtcr. Wir verweisen unsere Leier nochmals auf den beute 71/., Ubr stattfindenden internatioiialcu Box.'gnipf zwischen unserm deuiichen Schwergcwichtsmeisler HanS B r e i t e n st r ä t e r und dem iialieni- schen Meister Guiieppe Spalls im Abmiralspalait. Unser deutscher Meister hat diesmal ganz besonders sorgfälttge Vorbereitungen getroffen, um seine Niederlage gegen den Jlaliener auszuwetzen. Zwei weitere internationale Kämpfe schließen das Programm. Der amerikanische Negerboxer L y g g e t t kämpft gegen den immer mehr in den Vordergrund lreienden Adolf Wieg.eri. und der langjährige französische Schwergewichtsmeister Mart kfii i n gegen den Australier Synnot. Da der AdmiralSpalast bedeutend weniger Plätze umfaßt wie der Zirkus Busch, so dürste schleunigste Besorgung der Einiritlslarten raisam erscheinen. flus aller Weit. Postraub in Hamburg. In das Hamburger Postamt 6 drangen in der Nacht sechs maskierte Männer, fesselten den Wächter und schlössen ihn in einen Schrank ein. Die Räuber erbrachen einen Geldschrank, entwendeten einen großen Posten Briefmarken und 221 006 M. bar. WettcrauSsichten kür das mittlere Norddentschland biS Sonnabend mittag. Im östliiben Küstengebiet größtenteiis trocken und beiler. in den Tagesstunden übrrall ziemlich warm, in den anderen Gegenden vicb'ach wolkig, aber keine erbcpiichcn Niederschläge. t-lor-ninst-it', Schwielen u-Wanr en bsseifigt schnell.sicher u schmep�loa Siukircl IOOO Gaofecn bevShrt Pr>eis M.3,-Jr) Apotheken u. Dvogerfen enhältlicb Vorjichf von Nackähmurgea, Kukirol steht einzig da, iJ.F.Raucb Aq- und Verkauf Pistolen gesucht. Julius Heßmer. W. S, Markgratengtr. 31. Eiiüp, Braaisiii 1 öükstfii-Irauriüg\ Wo gestempelt 15Ö Mk. An 585„ 105„\' 333„ OS, inkl. Luxussieucr. Jeder Ring ist rugenlos a- massivem Golde hergeste. bei voller Garantie für Fei gehalt I Jede Größe atn al.'° •zjj}** O. Alb. ThaJ Erstes Berliner Spcat Keschnft für Truurin| j C. lö. Ss'j delwtr. ,4» (Spitttuoark") Eigene Fabrikation.' ;U. 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Tlhr; Die Plarrbauskomödie Kl. Hchnnsiiielhniin. E'! Der Floh im Psnzerhans Koinlnohc Oper Zum 50. Male: 7'/. uhr: Liebe Im Schnee. liiistspielhaiiM Uhr; Arnold Rleck in Zwansseinqaartlerun�. pol-Theater. u.&ollasdweibchen Neue* Central.Tbeater 7uv? Die Dame im Frack. Aieavs ?'/- u.: Die DzlkdZbaronW. tieuc» VolUbtheater 7", Uhr: Kora. NcliiSJev-Theat. Chnrl. 7V. uhr: Bettinas Verlobung Thalia-Thcnter 7»/.u.: Oer dumme Franzi. Th.tiixi �oUendorrplatK 7 uhr: Wenn Liebe erwacht Theater tle« Wentenn TU U.: Wallner-Theatcr Eft Der Geiger von Lugano. WalhRlla-Thcater. u'hVGastspJartstein Kesidenz- Theater. Heute nachm. 4 U.. kleine Pr.: iSchnevivittcben. Tätlich>/.» Uhr: Die Freundin. Von Hermann Sudermann. Tilla Uurieux, Toelle, Bildt, __ Albers. Vallentin. Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Tgl. s/«8: Knorps sei. Witss und„Anschluß rerpclit". Singspiel m.t Viktor Liizek. Neu! Ernst Walter, Humorist Sonmg. 3'/t; DerHausdrache. Ffilies Caprice. Täßtfch VgS Uhr abends; VerslcbErunggsg. 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Halbleinen gebd. M. 54.— August Strindberg. Au« seinen Werken..... gebd. an. 14.40 DaS Parteitags- Protokoll 1 021. I. Teil. Eine Fiisammentassuna der?nm Kasseler Parteitag vorliegend-n- B-. richte und Antrüa«.«. M. �7.50 » Der PolkSlebrer im PolkSstaat, stur Reform der Lehrerbildung. Vi�n Dr. Otto Bournot.... 1.50 • Delbrü-k nnd Wilhelm»7. Eim Nach. wort w meinem KriegSknuB" Von Karl Kantsky. �. an,. 4.80 Lassalle. Ein Meisterwerk der, voliti« schen Biographie. Von Herm.Onchn. gebd M. llll.OO • Der internationale Kongreß i n Kens. Von Adolf Brann... an. 2.40 m Diktatur oder VolkSherrsichast. Von Fran� Krüger. � M. 2.40 Die weltliche Schule. Won«beinri» Bablke........ M. 1.80 • Die Flucht vor dem Kinde. Von Job. Ferch � M. 1.20 Wilhelm Ricard. Ein Roman der Vösterveriöhnung von I. Ziemer» Jnllien... �.. M. 0.— Front nnd Fron. E'n«stich der aeisti. gen Wandlung. Von Heinr. Nritrn- Hägen....... M. 10.20 • Ansänge der Demokrati e in England. Von A. Eonrady.„. M. 4.80 • Die grosse AnSrede vorn der erdolchten Front. Von Kurt He inig M. 2.40 Die erdolchte Front. Eine flnmm-nde Anklage von Eri» Ku ttner. M. 2.40 S Gcldrevolution und ArbeiiSlobn. Von Adolf Braun... M. 1,80 » Sozialdemokratie«. Landwtrtfchast. Von G.Schmidt... an. 0.75 P«tu SimbaS Misiiio« in Knrova. Roman von H. Dhrirow. an. 7.20 FroheS Wandern. E m Buch, da? Freude geben will. Von E. Schreck, an. 4.20 Ulenbrook. Briefe o uS der Hoihr Neue Aufl. Bon I. Bran». gebd. an. 11.40 e DaS VortragSbnch für alle Gelegen- beiten. Mit eine-r Anleitung: Die Kunst de» VortragieS. Herau�gearben von E. Preezang... M. 10.80 v DaS LiebeSlcbcn in der Natur. Von Wilhelm Bölsche.: Eine Entwicklung«- geichichte der Liebs. In drei�eleaanten Halbleinenbändei� i» an. 150.- Theodor Storm. Sämtliche Werke in 8 Halbleinenbdn., illustr. M. 108.— Fkußcrft preiswerte Gelegenlyeitskäufe. Sämtlich auf gutem Friedenspapier und in geschmackvollen Einbänden. Ferd. FreiligrathS Werke. 9 Bände in drei Teilen. 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Brecour-Kiel(Soz.) aus: Wir haben gegen den Entwurf schwerste Bedenken. Die Aus- nähme für Helgoland ist aus keinerlei sachlichen Gründen berechtigt, insbesondere ist die Berufung auf den Sansibarvertrag durchaus falsch. Wir wollen das Gesetz dem Gemeindeausschuß überweisen. (Beifall links.) Abg. Kilian<11. Soz.) protestiert gegen die AuSnahmebestim- mung, die eine Aushebung des allgemeinen Wahlrechts zugunsten kapitalistischer Jnteressenkrsise bedeute, denen die Regierung auch im Gesetz Groß-Berlin nachgegeben habe. Will man den Arbeitern das Wahlrecht nehmen, so darf man auch keine Steuern von ihnen verlangen. Abg. Mols Hoffman«. Tnbertnl-fe. SLtojuiofe, Rachm»(cnoL Kranich eit>, SerzfratUhelten, Arterien. outoUung, Haar ranfheitenusw. und Haarausfall sowie zur Erholung nach Äraafheiten und Operatrouen. Eine Kur 75,- M.(15 Bestrahlungen) erspart oft wochenlange Badereise. 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Die Gründerperiode hatte mit der Jagd nach Arbeitskräften eine günstige Lage des Arbeitsmarktes gebracht. Die Löhne er- reichten eine vorher nie gekannte Höhe. Da brach 1873 der Gründerkrach aus. Feierlich verkündete der preußische Handelsministcr Camphausen, daß man die schwierige Lage nur überwinden könne durch vermehrte Arbeit bei niedrigen Löhnen. Ein Rezept, welches von den Kapitalisten nur zu gern befolgt wurde. So wurde den Arbeitern die Klassenkampfstimmung ge- waltsam eingepaukt und für die Ausbreitung des Sozialismus die Bahn frei. Das Wahlresultat bei den Reichstagswahlen 1874 versetzte die herrschenden Klassen in eine gewisse Er- regung. Während bei den Wahlen 1871 nur 123975 Stimmen, also 3,19 von 190 Stimmen für sozialdemokratische Kandidaten abgegeben waren, stiegen sie 1874 aus 351952, also 6,78 vom Hundert. Heute erscheint es unbegreiflich, wie eine so geringe Zahl sozialistischer Wähler die Leiter eines gewaltigen GroßstaateS so in Angst versetzen konnte. Aber die Angst war vorhanden und so griff man zu den Verfolgungsmittcln. die man auS den Zeiten des seligen Bundestages und der Reaktion von 1851 in die moderne Zeit hinübergerettet hatte. Auflösung von Vereinen und Versammlungen, strenge Bestrafung von Rednern und Redakteuren sozialistischer Zeitungen waren an der Tagesordnung, aber die sozialistische Bewegung wurde nicht schwächer, sondern stärker. Als dann im Jahre 1878 die Attentate von Hödel und Nobiling einige Erregung brachten. folgte Bismarck dem Beispiele Metternichs, der 1819 die Er- mordung Kotzebues zur Einleitung der Demagogenhetze auS- genutzt hatte, und leitete eine Sozialistenhatz ein, wie sie früher nicht denkbar gewesen ist. Ein Sozialistengesetz wurde ge- schaffen, mit dem die sozialistische Bewegung vollständig auS- gerottet werden sollte., Eine neue Erscheinung brachte daS Sozialistengesetz, indem daS Geschmeiß der Spitzel und Lockspitzel gezüchtet wurde. Gleich als die ersten Ausgewiesenen ins Land gingen, fanden sich gute Freunde bei ihnen ein, die sich besonders durch radikale Reden auszeichneten. Besonders schimpften sie auf die ReichStagsfraktion und die Parteileitung, die durch schlappe Haltung das»revolutionäre Gefühl' in den Ardeitern erstickten. Viele Genossen konnten sich gar nicht denken, daß solche revolutionären Männer in Diensten der Polizei stehen konnten. Und doch war eS so. Bei der großen Zahl der Berliner Ausgewiesenen, die nach Hamburg gingen. fand sich der einäugige Wolf an, der früher Mitarbeiter deS schleswig- holsteinischen Parteiorgans gewesen war und nun in Dien st en deS Polizeirats Krüger stand. Auch die Altonaer Polizei hatte sich ein sol- cheS Individuum engagiert und zwar den bankerotten Vlaufärber Wichmann. Die Taktik dieser beiden Lumpen be< wegte sich nach zwei Richtungen. Sie forderten ein energisches Austreten, indem die Gewaltstreiche der Regierung mit Ge waltSakten beantwortet werden solle. Bei Genoffen, bei denen diese Taktik nicht zog, appellierte man an den EgolSmuS. in dem man nachwies, daß auS den Sammlungen für die Aus- Ihr! gewiesenen viel höhere Beträge gezahlt werden könnten Zweck war, die Partei zu zerreißen.. Eine Unterstützung bei dieser Zersplitterungsarbeit fand man in Most und H a s s e l m a n n. Most war zweifellos t einer der populärsten Redner und Schriftsteller der Partei. Er ging nach seiner Ausweisung nach London und gab dort die „Freiheit" heraus. Es war ein wöchentlich einmal erscheinen- des Blatt. Was an radikaler Schreibweise geboten werden konnte, das bot die„Freiheit". Most polennsierte aber nicht nur gegen die Polizei und Militärherrschaft in Deutschland, sondern auch gegen die Genossen, die im Lande verblieben waren und die Agitation trieben, die unter den gegebenen Verhältnissen möglich war, Eine gute Waffe gab ihm der Umstand, daß man öffentlich nicht sagen konnte, was im ge- vorwärts! Zum 1. Sktober 1890. Stu«wg«r*t»» n d Sek- ten zu kümmern haben". Nun sind eS aber gerade die Kommunisten, die die Gewerkschaf- ten ihrer Partei unterordnen ivollen, sich also mit der Resolution von Amiens in flagrantem Widerspruch befinden. Und noch nie haben die französischen Gewerkschaften so gewaltige Kämpf« geführt wie während der letzten zwei Jahre. v' Man macht, der jetz!gen Mehrheit besonders zum Vorwurf, am Internationalen Arbeitsamt mitzuarbeiten und einen „W i r t s ch a f t S r a t", an. dem auch Ingenieure, Beamte und S» ziatpvlitiker mitwirken, gebildet zu laben. Dieser WirtschaftSrat hat sich aber gerade zur Aufgabe gesetzt, Sozialisierungz- Pläne auszuarbeiten. Bliebe noch der Vortvarf des Zusammen- arbeirens mit den? Bürgertum im Internationalen Arbeitsamt. Daneben und darüber ist allerdings. richtig, daß die Führer des Gewerkschastsbundcs beute nicht mehr„Streiks. Streiks und wieder Streiks" inszenieren, wie Griffttelhes von damals erzählt. Sie bemüden sich ,n der Hauptsache, greifbare Erfolg« zu erzielen und die Organisationen zu stärken. Und das ist ihr..Per- brechen". Nach Moskau, nach Moskau? Paris, 30. September. iWTB.l In der gestrigen Nach- mit.'agSsi|Jung de» G e w e r ks ch a ft Sk« n g r e s s e? in Orlban? verteidigte der Generalsekretär der Gewerkschaft der Bergorbeiter, Bartuel, die Haltung der E- G. T. nnd warf den Eisenbahnern vor, daß fie nnr einen T e i l st r e i k gemacht hätte«, während die Bergarbeiter und die Seeleute zum allgemeinen Ausstand geschritten seien. Seine Aeußerungen riefe« lebhasten Widerspruch hervor. Er wandte sich gegen die kommunistische Dilta» t u r, erklärte aber, man wolle auch nicht die Diktatur der so- z i a l i st i s ch c n Partei, die in diesem Augenblick einen Feldzug gegen die Gewerkschaften führe. Auch der Sekretär des Berwaltungsrat? der C. G. T., Du- moulin, wandte sich dagegen, daß das Bureau des Allgemeine» ArbeiterverbandeS die Sache der Arbeiterklasse verraten habe. Während der beiden Reden kam eS wiederholt zu stürmische» Unterbrechungen. Man fang verschiedene Male die Internationale, und jedesmal, wenn die Anhänger der Min- derheit ihnen unangenehme Dinge zu hören bekamen, schrien fie: Nach Moskau, nach Moskau! Gescheiterte Ginigungsversucke. Die Dena meldet aus London: Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der B e r g a r- heiter und den Grubenbesitzern haben bisher noch zu keiner Einigung geführt, vielmehr ist gestern eine neue Krise heraufbeschworen worden. Gestern fanden zwei Sitzungen statt. Nach Schluß der zweiten Beratung wurde ein Communique veröffentlicht, in dem eS u. a. heißt:„Nach lan- gen Diskussionen haben die Grubenbesitzer einen Lohnplan entworfen, den die Bergarbeiter' sich geweigert haben, anzunehmen. Die Bergarbeiter haben gleichfalls Gegen- Vorschläge gemacht, die aber von den Grubenbesitzern zurückgewiesen wurden." Beide Berichte wurden von den Vertre- tern der Parteien dem Mini st erPräsidenten vorgelegt. Dieser hat um 9 Uhr die Bergarbeiter empfangen unid mit ihnen nahezu zwei Stunden verhandelt. Hierauf wurde ein« Abordnung der Bergwerksbesitzer vorgelassen. Der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft H o d g e gab hierauf die folgende Erklä- rung ab: Die Vertreter der Bergarbeiter haben dem Ministerpräsi- deuten zu verstehen gegeben, daß eS ihnen nicht gelungen sei, mit den Grubenbesitzern zu einer Uebereinstimmung zu gelangen. Lloyd George hat sein Bedauern darüber ausgesprochen und sie gebeten,«ine neue Zusammenkunft mit den Grubenbesitzern herbeizuführen. Die Vertreter der Bergarbeiter haben dagegen er- klärt, sie seien nunmehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß alle ihre Bemühungen, neue Diskussionen herbeizuführen, doch frucht- los bleiben werden. Sie werden heute früh der Konferenz der Bergarbeiterdelegierten ihre Verhandlungsberichte erstatten. Lloyd Georg« ist infolge des Abbruchs der Unterhandlungen wieder nach Londonzurückgekehrt.- fluf üer Orüßeler Konferenz. Belgischer Optimismus. Brüssel, 39. September.(WTB.) Die Finanzkonferenz nahm heute vormittag die armenischen und ungarischen Finanz- exposes entgegen. Der Vizepräsident d« WouterS(Belgien) verlas einen ausführlichen Bericht über die Lage des Welthandels. Der Krieg habe neue Handelswege geschaffen. Di« Krise sei zwar allgemein, die Nationen hätten aber trotz der wirtschaftlichen Er- schütterung noch Möglichkeiten zum Aufschwung und würden in einigen Jahre« eine bisher nngekannte Blüte erleben. Zur Erleichterung des Aufschwungs der Völker müsse ein inter. nationales Zusammenarbeiten'organisiert werden. In der Aussprache betont« ein Vertreter Italiens das Rech'i»» l l e r Staaten- auf Rohstaffe, ein spanischer Delogierter sprach sich für die Erleichterung der Paß- und sonstigen Grenzvoffchvifttn aus. Bemerkenswert ist noch, daß der japanische Vertreter bemüht war, die van dem belgfischen Handelsminister gekonnzeichnete günstige wirtschaftliche Lage seines Landes abzuschwächen. tzarüing gegen öie völkerbunüskarikatur. New Uork, 39. September.(Meldung de« Hollandsch NieuwS- bureau.) Der republikanische Präfidentschastskandidat H a r d i n g spricht sich immer deutlicher gegen den Völkerbund in seiner gegenwärtigen Form auS. Er hielt am Dienstag in Baltimore eine große Rede und setzte vor etwa 29 999 Menschen auseinander, daß man nicht in den Völker- bund nach Bersailler Format eintreten könnte. Sobald ich zum Präsidenten gewählt werde, erklärte er. wird e« mein Bestreben sein, alle? zu tun, um zu versuchen, den Plan zur Vereinigung der Völker zu entwerfen, mit dem alle Amerikaner einver- standen sein werdeu.__ paziftftenkongreß in Sraunsthwelg. Braunschweig, 39. September.(Eigener DrahLbericht d«S„Vorwärts".) In Braunschweig fand heute der Begrüßungsabend oes neunten deutschen Pazifistenkongvesses statt. Im Namen der braunschweigischen Regierung begrüßte Präsident O e r t e r die Pazifisten, indem er daraus hinwies, daß es wohl daS erstemal sei," daß die Pazifisten von einer deutschen Regierung begrüßt wür- den. Danach machte der Vertreter des Auswärtigen Amtes, Le- gationsrat von Prittwitz, bemerkenswerte Ausführungen. Er sagte u. a.: Der Gegenstand der Tagesordnung des neunten deutschen Paziftstenkongrefles erfordert die größte Aufmerkfamkeir der Leitung der deutschen Außenpolltik. Tie Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund ist immer mehr in den Vorder- grund des öffentlichen Interesses getreten. Die Deutsche Ree gierung hat reine amtliche Kenntnis davon, daß neu- irale oder alliierte Staaten beantragt haben, Deutschland in den Völkerbund aufzunehmen. Sw muß aber selbstverständlich damit rechnen, daß fie über kurz oder lang ,n dieser Angelegen- deit vor eine Entscheidung gestellt wird. Um so wertvoller Wey- den für sie die sachkundigen Erörterungen deS heute beginnenden Kongresses sein, und um so dankbarer wird sie alle Anregungen entgegenehmen, die aus der Mitte der Pazifisten an sie heran- treten. Aber es liegt für Teutschtand keine Veranlassung vor, sich zur Ausnahme in den jetzigen Völkerbund zu drängen. Solange in der Nähe unserer Grenzen Krieg geführt wird, könnte unsere Beteiligung durch die jetzt gültige Völkerbundsakte eine G e- fahr werden für Deutschlands stetige und entschlossene Neu- t ra I i t äts p o l i t i k! Solange ferner Großmächte, wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Rußland, nicht Mit- aliedcr de? Völkerbundes sind, bleibt der Zwcckgcdanke der Bundesakte verkrüppelt. Wenn die Zeit gekommen sein wird. !vo Teutschland in den Völkerbund eintritt, wird es von dem mangelhaft organisierten Völkerbund an den besser zu ocgani- iiercnden Völkerbund appellieren. Bislang hat es� mit seinen Berufungen an den Völkerbund allerdings trübe Erfahrun- g e-n gemacht. Ich erinnere an die Behandlung der Frage von Enpen und Malmeby. Wer Deutschland gibt die Hvnnung aus eine gerechtere Behandlung internationaler Fragen nicht auf und sieht in der Entwicklung des SchiedSgericktsgedankenS eine wesentliche Aufgabe der künftigen Völkergemeinschaft. Noch Herrn v. Prittwitz sprach LegatirniSrat VerdroSz von der östereichischen Gesandtschaft jn Berlin. vrannschweig, 39. September.(T-ll.) In Draunfchweig de- gann heute der 9. Deuffche Pazrfistenkongreß mit der Beratung de» ThemaS: Völkerbund. Die Tagung wurde mit einer Haupt- Versammlung der Deutschen FrtedenSgesellschaft eröffnet. Die End- waffnungsftage stand zur Beratung. Chefredakteur Nuschke- Berlin b'gründete einen von ihm eingebrachten Arttrag: Völlige Abschaffung des Krieges durch internationale Verhandlungen, Ab- rüsttmg auch der übrigen Staaten, sofortige Uirftrahme Deutschlands in den Völkerbund Schaffung. einer internationalen Exekutivarmee, Beseitigung' von Wehrzwang und Wehrpflicht, Aufrechte rha l tung des inneren Friedens durch Zivilpolizei. Hauptmann Meyer- Berlin forderte die Mitarbeit der Deutschen Friedensgesellschaft bei der EmwafsnungSaktion und Hilfe für die noch in den Lazaretten befindlichen Schwerverletzten aus dem Kriege. Dr. H i l l e r- Berlin verlangte im Namen der Bevliner Ortsgruppe der»Fittedensfreunde Abschaffung der T o d e s st.r a f e in Deutschland. Bestrebungen auf Wic-dereinftlhrung der Wehrpflicht sind zu verwerfen. Die D i e n st-, Verweigerung soll durch die Friedensgesellschaft international organisiert werden. Dr. Hiller, der den radikalen Flügel des Pazi- fiSmuS vertritt, stieß aus starken Widerstand. Hellmut von Gerlach versuchte zu versöhnen.- In einem Antrage legte er folgende Ge. danken nieder: D:m Versuch, die Wehrpflicht �wieder einzuführen, mutz sich die Friedensgesellschafi widersetzen. Sie appelliert an die Pazifisten aller Länder, mit aller Kraft auf Abschaffung der Wehr. Pflicht zu dringen. Die Dienstverweigerung� bleibt eine G c■ w is se n S fr ag«. Dann begann die Diskussion, an der sich 29 Redner beteiligten. Die Versammlung einig:« sich nach lebhafter Aussprache auf die im Antrage Gerlach formulierten Forderungen. Die fiiifliger Ausweisung. Nach einem Aussiger Brief der.Freiheil" ist der von tschechischer Polizei nächtlich nach Sachsen abgeschobene. Volksrecht"-Redakieur Franke in Wirklichkeit Kurt EiSnerS gewesener Sekretär Fechenbach und auf Grund eines kahrbayerischen Steckbriefs sofort verhaftet worden. DaS wäre genau dasselbe, wie BiSmarck-BLlowS»An-die- russische-Grenze- Stellen" ruisiicher Revolutionäre. Eine volksgefah?. Tie Zunahme der Geschlechtskrankheiten. Der auffehenerregettde Bericht des Dr. Loefer auf der Naturforfcherverfammlung in Nauheim, daß jedes 25. in Deutsch- land g.borene jfind schon bei der Geburt syphilittfch wäre, hat d-ic P. P. N. nunmehr veranlaßt, den bekannten Berliner Speziolarzt, Polizsiarzt a. D. Dr. D r e u w. Mitglied des Beirates zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten im preußischen Wohlfahrts- Ministerium, zu bitten, darüber nähere Auskunft zu geben. Dr. Dveuw machte folgende Mitteilung: Ob diese Zahl genau stfimnt oder nicht, kann erst festgostevi werden, wenn der Vortrag Locsers und sein« Begründung vorliegt. Aber unwahrscheinlich klingt die Zahl für den Kenner der in Frage kommenden Verhältnisse nicht. Daß die Steigerung der Geschlechts- krankheiten in Deutschland infolge des Krieyvs, infolge de? Sitten- Verfalles und infolge eines großkapitalistisch geschürten Optimismus für bestimmte Heilmittel eine enorme ist, das beweisen eine Reihe von feststehenden Zahlen. So betrug die Zahl der bei allen Orts- kranken lassen in Braunschweig gemeldeten Geschlechtskrankheiten im Jahre 1913 bloß 35, im Jahre 1914 bereits 90, im Jahre 1915: 423, 1916: 448. 1917: 982, 1918: 2050 und 1919 rund 3500, also ein« Steigerung um ungefähr das Hundertfache. Jn Gießen und. Würzbuvg z. B. und aus dem platten Lande erleben wir ähnliche Steigerungen. Auch auf die Jugendlichen hat sich bereits diese Steigerung erstreckt. Man schätzt die Zahl der Geschlechlskrankn in Deutschland auf rund 6 Millionen. Wir steuern allmählich russi- fchen und türkischen Verhältnissen entgegen. Dort gibt eS Distrikte wy bi»-zu 79- und 89-Proz. der gesamten Bevölkerung syphiiitiich sind. Die gewaltige Steigerung in Deutschland ist ein Zeichen da. für, daß sowohl der Staat als auch die vor 18 Jahren gegründete Deutsch« Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten nichts Positives erreichst haben, denn an den Früchten müßte man sie erkennen. Die einzige Maßnahme, die von der Preußischen Landesversammlung als wirksam beschlossen wobdchl ist, nämlich die Einführung der ollgemeine», gleichen und diskreten An» zeige,»nd Behandlungspflicht an ein zu strengstem Stillschweigen verpflichtetes Gesundheitsamt ohne Namensnennung der Patienten, wie sie in Amerika mit größtem Erfolg bereits feit einigen Jahr-ni existiert, wird nicht nur von gewissen Beanttenkreifen, sondern auch von der Deutschen Gest llschatt zur Bekämpfung der Gefchlechtskrattk- heften und namentlich von den Dermathologen mit allen Mitteln bekämpft. DaS furchtbar« Unglück, welches Detttschlanh aus dem An. schwellen der Syphilis, die sich nach einem Worte der Bibel fort- pfanzt bis in« viert« Geschlecht, droht, dürste für den Gesetzgeber eine Mahnung sein, so rasch als möglich, unbeküminsrt um alle von Interessenten aufgetürmten Hindernisse, die richtige» Maßnahmen zu ergreisen. Soweit die AuSfiihrnngen Dr. TreuwS. Wir könne« st« nicht «orbehaltlos wiedergeben, denn Dr. Treuw ist als fanatischer ämpser einer gewissen Richtung oft mit solcher Leidenschaft her- vorgetreten, daß ein Zweifel an der völligen Objektivität seiner Darstellung gestattet sejn muß. Auch in den vorstehenden Aus- führungon erhebt er Beschuldigungen gegen angebliche Inter- essenten, diie wir uns keineswegs zu eigen machen wollen. Aber davon abgesehen, bleibt die Tatsache eitler erschütternden Zunahme der Geschlechtskrankheiten bestehen, die zur Ergreifung aller denk- baren Abwehrmaßnahmen dringend mahut. �bbau üer Auckerzwangswirtstbast. Der R e i ch S r a t nahm i-n seiner öffentlichen Sitzung vom Donnerstag mittag den Entwurf einer Verordnung über Zucker und Melasse mit Mehrheit an. Der Entwurf bringt den Abbau der Zwang Sw i rl-f chaft für Zucker. Ein« völlige Freigabe der Zuckerwirtschaft kann nach Ansicht der Regierungen nicht erfolgen» jedoch tritt nunmehr ein j?lbbau insofern ein, als die Zwangsbewirt- ichaftung der Zuckerrüben fallen gelassen und di« Bewirtschaftung der Melasse a-ufgehofen wird. Auch die Einfuhrzentrali- sation für Zuckerrüben wird aufgehoben. Der Rübenprei» für den Zentner soll 29 M. betragen. Der Rohzuckerpreis ist auf Grund dieses Pr- lses auf 219 M. für den Zentner festgesetzt. Der Preis von 219 M. soll als Einheitspreis gelten. Als Grundprsis für den Zentner Verbranchszucker, der aus den Fabriken bezogen wird, gilt 275 M. Bei den neuen Preisen würde, wie es in der Begründung der Verordnung heißt, das Pfund Zucker im Kleinhandel etwa 3,00 M. kosten. Der RcichSrat genehmigte ferner ein« Verordnung über Aendc- rung der Postordnung, dahingehend, daß die höchst« Wertgrenz« für Nachna-Hmepaket« von 1000 M. auf 5000 M. erhöht wird. Die Reichstazsfraktion der Deuffcheu Volkspartei trat am Donnerstag in Weimar zu einer zweitägig:« Sitzung zusammen. Sie beschäftigte sich an ihrem ersten BeratungSlage ausschließlich mit der Frage der lqpzial-isierung. Ueberbolschewisten. Die Dresdener Unabhängigen nahmen in einer Kreisversammlung eine Entschließung zugunsten Moskaus an. Jn der kommenden Woche soll über die Moskauer Bedingungen eine Urabstimmung stattfinden. Dazu wurde beschlossen, daß nur solche Parteimitglieder stimmberechtigt sein sollen, die auS der K i r che ausgetreten sind. Demgegenüber erscheinen unsere Berliner Unabhängigen alz wahre Waisenkinder. Der Etappenoffizier als Mapkenfammler. Briefe» die ih« nicht erreichten. Uns wird y-cschrieben: ES war zu der Zeit de?„glorreichen" Weltkrieges, als die deiilschetl Schwerrnduftriellen die Deportation der belgiscfron AchbÄterbevölkerung nach Teutickland durch- gesetzt hatten. E'.n arener Deportierter konnte mit Hilfe des Ge- nossen Hermann M i�t l e r seine Rückbeförderung nach der Heimat erreichen. Er bedgarkte sich fierfür und Genosse Müller antwor- tete ihm darauf. Ter Brief Müller? ging durch die ganze bei- gische Presse und fand ungeahnten Widerhall. Zu Hunderten wandten sich zurückgebliebene Angehörige der Unglücklichen an Müller, um durch feinen Beistand Hilfe und Gerechtigkeit zu er- langen. Viele dieser Briefe sind richtig an ihre Bestimmung ge- langt und Müller hat alles in seinen Kräften Stehende getan. Aber viele Schreiben— und wer kann sagen, wie viele«S waren? — sind der Militärzensur zum Opfer gefallen. Fünf Umschläge dieser Briefe, die ihn nicht erreichten, liegen uns jetzt vor. Sie stammen auS La Louviere und EcausfineS und sind im August 1817 abgesandt worden. Wie der groye Stem- gel auf den Umschlägen beweist, hat die militärische Ueberwachungs- stelle-in Soignies die Briese angehalten und den Inhalt vermut- lich vernichtet. Mit Recht wird man fragen, wie es kommt, daß viele gleichartige Schreiben ungehindert weiter befördert wurden, während diese UeberwachungSstelle die Weitersendung der Briefe verweigerte. Des Rätsels Lösung ist so einfach wie bezeichnend. Ter Leiter der UeberwachungSstelle, Hauptmann Klein, war nicht nur Briefmarkenkenner, sondern hatte offenbar auch ein ganz tüchtiges kaufmännisches Talent. Tie damals in Belgien gel. tenden deutschen Ue Herdruckmarken hatten eS ihm angetan. Er sammelte daher die ihres Inhalts beraubten Briefumschläge kartonweise, um sie an alle, die darauf reflektierten, je nach Wert zu verkaufe«. So fanden auch die Briefe, deren Umschläge sich in unseren Händen befinden, bei der UeberwachungSstelle in Soignies vermutlich ihren Untergang, während d« Umschläge selbst in die SammelkartonS des Herrn Hauptmanns wanderten. Dieser verkaufte sie dann�zu 2 M. das Stück an denjenigen, der sie uns vorlegte.— Auch eine ganz beachtenswerte Seite des Militarismus. Wir fragen, ist eS nicht empörend, wenn man bedenkt, daß harmlose Bittgesuche, die Notschreie gequälter Menschen um Hilfe für ihre deportierten Angehörigen, aufdieseArt und Weise unterdrückt wurden?— Ist eS nicht aufreizend, wenn man sieht, wie flehentlich« Bitten der unglücklichen belgischen Zivilbe- völkerung, welche diese an deutsche Reichstagsabgeordnete rich- tet�, von den militärischen Stellen brutal miß. achtet wurden?— Freilich, die Briefumschläge mit den Ueber» druckmarken und Aufschristen an interessante Persönlichkeiten, sind auch etwas wert..... Der Herr Hauptmann Klein wird ver- mutlich ein sebr gutes Geschäft gemacht haben. Vielleicht ist er oder die Militärbebörde so gut, uns zu verraten, welche« Gewinn der Verkauf der unrechtmäßig erworbenen Umschläge und Briefmarken abgeworfen hat, und wo das Geld geblieben ist. Wir nehmen an, es ist zur besseren Bespeisung der belgischen Gefan- genen oder Deportierten verwendet worden; oder sollten wir uns irren??? Seeckt-Militarismus. Pflege kaiserlicher Ueberlieferungen in der Reichswehr. ?Ns wir vor einiger Zeit den Erlaß des Herrn Seeckt über die Heereskammern veröffentlichten, der diese Einrichtungen zu Strammstehkammern degradierte und gleichzeitig den Geist ärgsten Militarismus widerspiegelte, indem er z. B. die Anrede„meine Herren" verbot, da suchte sich Herr v. Seeckt mit den berühmten Irrtümern" und „Mißverständnissen" herauszureden. Wir meinen freilich, daß der Geist und Ton des Schreibens durch keinerlei Irrtümer über Tatsachen gerechtfertigt werden kann. Aber um zu zeigen, daß diese Offenbarung des Seecktschen Geistes keine Einzelerscheinung war, wollen wir heute das folgende weitere Geistesprodukt des Herrn v. Seeckt veröffentlichen: Rw. Min.\ Nr. 288/8. 20. T 2. II. Chef H.L. 1. WehrkreiSkdo. I— VII. 1.— 3. Kav.-D'v. Wahrung der Ueberlieferung. Zu Perfg. vom S. 8. 20 Nr. 2006/7. 20. T2. II. Nachdem das Reichsheer gebildet ist, soll festgesetzt werden, durch welche neu errichteten Truppenteile die Ueberlieferung der Verbände des alten Heeres gewahrt werden soll. Aeußerlich soll das dadurch zum Ausdruck kommen, daß 1. die Kompagnien usw. Bezeichnungen führen sollen, die an den Truppenteil erinnern, besten Ueberlieferung sie pflegen sollen. 2. daß die Mannschaften wie im alten Heere angesprochen werden. Vergl. Anmerkung zu Z. lXc der Verfg. vom.... 8. 20 ! Nr. 32. 7. 20 D 2 II(II. V. BI. 20 Seite..... 3. die Angehörigen der Verbände ein Abzeichen tragen, | das an den Truppenteil des alten HeereS erinnert, 4. besondere Erinnerungszeichen verriehen Hörden, z. B. Pauken usw. Das Abzeichen der Uniform(3) soll bestehen in.....(Vv bitte ausfüllen). Die Wehrkreiskommandos und � die Kavallerie-Divisionen legen bis zum 1 2. 1821 Uebcrsichten nach umstehendem Muster vor. Wert wird darauf gelegt, daß möglichst die Ueberliestecungen sämtlicher Truppenteile des alte« HeereS gepflegt werden. Di« Truppentesie des früheren XV. A.-K. sind vom WehrkreiSkom- mcmdo IV und VI im gegenseitigen Benehmen zu berücksichtigen. Abdruck an? A, T A, T 1, 3, 7. We A, J 1—7, T 4, T 5, VA, Vo, V 3, | SJ, VJ, zur Mitprüfung bis 20. 8. Zusatz für V A und V 3; Erlaß einer Verfügung wegen Uebernahme der Stiftungen der Truppenteile des alten Heeres usw. wird anheimgestellt. Be- teiligung erbeten. Angelängt an diesem Entwurf � ist noch«ine Tabelle zur ' Uebersicht, wie die unterstellten Truppenteile die Ueberlieferung i des alten Heeres pflegen sollen. Dieser Erlaß ist ein schlagender Beweis, wie unter Herrn von Seeckt(den lächerlichen Strohmann Gehler wollen wir (jar nicht erst nennen) der alte Militarismus syste. matisch in der Reichswehr kultiviert wird. Anstatt ein republikanisches Heer zu schaffen, bemüht sich Herr von Seeckt bis in die kleinsten Aeußerlichkeffen die Reichswehr als Fortsetzungderaltenkaiserlicheir Armee und ihres schanbebeladenen Offizierskorps erscheine:' zu lassen._ Verurteilter Verräter. Der Strafsenat de? Reichsgerichts ve>- urteilte den Former Franz StudzinSki, einem ehemaligen beut- fchen KriegSieilnehmer und jetzigen Bürger der polnischen Republsi, wegen vorsuchten Vorrats militärischer Geheimnisse zu 2X Jahren Zuchthaus und sünfjährigem Ehrverlust. StudzinSki hatte sich im November 1818 in Posen von einem polnischen Offizier bestimme-. lassen, nach Deutschland zu reifen und Art, Zahl und Stellung der »deutschen Truppen an der Grenze auszukundschaften. Ein Brief mit solch:« Nachrichten führte zur Entlarvung de? Angeklagten. Belgische Ministorkrise. Ter belgische Minister für die Kr lonien, Frank, Nnrd genau wie seine beiden Kollegen Hhmans und Janson daS Ministerium verlassen. 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Brückenstr. w II. chiederlchönhaOse» Roedendi G, chchltedener tte»- iowstr 14. chowawe»: flatl fltohnderg Eilendahnstr. 10. vrauleudurg: Friedrich Glaser. Bernouer Str. 2. 0»erIchö»e»eide! Modert Paul MatdUdenstr. 6. Baulew! Si l Ii m a« n Mühlen str. 70. Vofdamt M.«ierlich,»chockstr. 28. 8!a»n,dart> St Gert Forststr. t. flrlnickendorl Ost ttfidoüöl,' 91 i b r e i Ö a d l e vraoln,. Rrn»« M tf.rdeiii Reinickendorf-Rosenthal: W. Büro, Prinj-Heinrich-Str. 34. Schmargeudorf: 3! e h i löneverg! Beiziger d. Breite Str. S. tr. 27. Geöffnet vo» 9—6 Uhr. Senztgi F riebe wo td, Ehauiieestr. 54. Sirmentzstovi: Stein. Nonnendarmn-Allee Sie. Spandau: P r e u ß> Wafferstr. 5. Sudende: Ludwsg. Haletestr. 36. Steglitz: S e h r i ck e. Saildhornstr, 12. Tegel, Borngwalde, wstiruau, Zlrtnlckrndori.We«, Wald, Maua, last, Freie Scholle, Herwodors, Birleuwerder, Berg selbe, Stolpe, Borgodors und Hohenneueudors: Borsitz. waide, Räuschstr. 10. Geössnet von 9-6 Uhr. Teltow: fl r II g e r, Schönow, vorsstr. 8. Tempethos: flaiser-Wilhelm-Str. 13. Scmpclbof: Hol, Hodetntolleru.florso 5. Teeddiu: Göting, Jahnhosstr. 62. Treptow:«ramenz Kteshoizstr. 412, Vorn 1 Tr. Weißensöe: Berliner Allee 61. Wildau. Soheelehme: R u d. L e 1 1 o w. Wilhelwedagen. Keffeuwinteti Arthur Sch»teste, Nil» delnishaaen Derndurastr 21. »SNmertzdors: Holsteinisdie Str. 19. Wolteredors: Schurdaum, Eichendamm 22. stedteudart, Schlachtenlee. Nilolaalee: Weg n er dors, Annostr, tO. iieuthen, Mieredors: Ernst Binterseld. flurtilrstenstr. 46. Zoffen: Albert Stetn. Mistenwalder Str. stehle» steuthen, 17. alle wiffenschaftlichen Verl» «erden geliefert. Srnutag» find dt« Geschästoftelle» geschloffen. »Von mir gefragt, wie diese lefetercn. SSemerTungen(Hinweis «ruf Schillers Beurteilung Karls IX.) denn mit seinem Aitentat in Verbindung stünden, sagte Nobiling: er habe den sich seiner Ansicht nach zum Schaden des Volkes leiten lassenden Kaiser er- schießen wollen, tveil er glaubte, der Kronprinz würde selbständiger unp unbeeinflußter regieren." An diese Tatsachen muß man heute wieder erinnern, weil sie aus dem Gedächtnis der Massen verschwunden sind, um so mehr als jüngst in Versammlungen der Kommunisten auf diese Attentäter als auf„revolutionäre Vorposten" hingewiesen worden war— kein Wunder! Hatte doch Most bereits wenige Jahre nach 1878 die Gewissenlosigkeit besessen, eben diese Hödel und Nobiling für seine„revolutionäre Propaganda der Tat" zu reklamieren! Wenn also auch die peinlichste Untersuchung keinerlei Tatsache zutage förderte, die einen Zusammenhang der Sozial- demokratie mit Nobiling ergeben konnte— trotz der schamlosen Preßhetze— so hielt Bismarck doch an seinem Plane fest, diese Attentatshetze für seine politischen Zwecke auszu- nützen. Bereits am 11. Juni beschloß der Bundesrat die A u f° lösung des Reichstags. Bismarck hielt die aufgeregte politische Situation seinen reaktionären politischen Absichten im Innern und seinen wirtschaftspolitischen Zollplänen für günstig: das aufgeschreckte und geängstigte Bürgertum ließ er mit dem„roten Schrecken" so bearbeiten, daß er die Nationalliberalen„an die Wand drücken konnte, daß sie quietschten". Unter dem Schlachtruf „Hinaus niit der Sozialdemokratie aus dem Reichstag" begann der Wahlkampf. Und Bismarck, der Emser Tepeschen-Fälscher, hatte durch das immer bereite Wolffsche Depeschenbumin die erlogene Depesche ins Volk gehen lassen: Berlin, 2 Ubr nachts. Bei der späteren gerichtlichen Vernehmung hat der Attentäter Nobiling bekannt, daß er sozial!- stischcn Tendenzen huldige, daß er auch wiederholt hier sozialistischen Versammlungen beigewohnt und daß er schon seit acht Tagen die Absicht gehabt habe, Sc. Mas. den Kaiser zu erschießen, weil er es für das Staatswohl ersprießlich gehalten habe, das Staatsoberhaupt zu beseitigen. An dieser Depesche war alles erlogen, sogar die gerichtliche Vernehmung, denn eine solche hatte gar nicht statt- finden können, da zu der Zeit der halbtotgeschlagene Nobiling noch vcrnehnulngsunfähig war! Ein Wahlkampf begann, wie er gleich schamlos seitdem sich nicht mehr wiederholt hat: Hunderte von Versammlungen wurden verboten, hunderte aus den nichtigsten Vorwänden sofort bei Beginn aufgelöst, eine Denunziatjonsseuche, eingeleitet von der liberalen Presse, verheerte ganz Teutschland, niemand war seines Nachbars sicher, der Münchener Maler Piloty denunzierte seinen Freund, den 7vjährigen Arzt Dr. Trettenbach wegen einer im Privatgespräch begangenen Masestätsbeleidigung, es war, als ob die deutschen Richter über Nacht ihr Ehrgefühl verloren hätten: über 600 Jahre Gefängnis wurden allein wegen Majestätsbeleidigung damals der- hängt! Sozialdemokratische Arbeiter waren vogelfrei, ihrer Gesinnung wegen wurden sie aus ihren Arbeitsstätten hinaus- geworfen, der Staat ging mit schlechtestem Beispiel voran in der Gesinnungsschnüffelei. Das Bürgertum hatte alles politische Rückgrat verloren— nur die Arbeiterklasse hielt stand: am Wahltage 1877 waren 486843 sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden, 1878 trotz dieser unerhörten Hetze 437 158! Auf dem Lande, waren sie zurückgegangen, in den großen Städten hatten sie sogar zugenommen! 2 Siege im ersten Ritt, 17 Stichwahlen, davon 7 stegreich! Die Sozialdemokratie hatte die Feuerprobe bestanden: aber Bismarck hatte die Schlacht gewonnen: das Bürgertum war in dem reaktionären Ansturm zusammengebrochen: 117 Konservative. 126 Zentrum, 107 Nationallibcrale, 26 Fort- schrittlcr, 3 Demokraten, 9 Sozialdemokraten, 8 Elsässcr. 1 Däne. Das verschärfte Sozialistengesetz wurde jetzt mit 221 Ja gegen 149 Nein am 19. Oktober angenommen. Am 21: Oktober 1878 trat es in Kraft. Die deutsche Arbeiterklasse war politisch rechtlos und mund- tot gemacht, die wirtschaftliche Beraubung der Arbeitermasse Slreit der Lassalleaner und Eisenacher so lange zerfleischt hatte. schien nach der äußeren Einigung auf dem Gothaer Kongreß durch die Verfolgung, die dann über sie hereinbrach, zu einer unzerstörbar festen Macht zusammengeschmiedet, die den einzelnen aus kleinlich- eigensüchtiger Enge emporhob, ihm Spannkrast und Solidaritäts- bewußtsein lieh— wie es das stolze Wort Lassalles von der Arbeiter- schafi als dem Felsen, auf dem der AukunitSbau errichtet werden solle, verlangt. ES war die Zeit, da Engels> in einem seiner jetzt in den»Soz. Monatsheften" veröffentlichten Briefe schreiben konnte: .Auf unsere Arbeiter und nur auf sie habe ich seit der brillanten Probe, die sie seit 1878 bestanden, unbedingtes Vertrauen. Sie, wie jede große Partei, werden in den Einzelheiten der Eni« Wickelung Fehler begehen, vielleicht große Fehler. Menschen lernen eben nur durch die Folgen ihrer eigenen Fehler, durch Experimente am eigenen Körper.... Ich habe mich über die französischen und englischen Arbeiter oft genug geärgert(trotz der Erkenntnis der Ursachen ihrer Fehler), aber über die deutschen seit 1870 nie, wohl über einzelne Leute, die in ihrem Namen sprachen. nie über die Massen, die alles wieder ins Gleise brachten. Und ich möchte wetten, ich werde nie in den Fall kommen, mich über sie zu ärgern." Glückliche Zeiten, die heute unter dem Zeichen neu entflammten, mit allen Waffen demagogischer Gehäisigkeit geführten selbstmörderischen Bruderzwistes wie von einem Märchen- glänz umsponnen scheinen. In Berlin, wo das damalige.Berliner.Volksblatt", der spätere .Vorwärts", unter dem Drucke der sozialistengesetzlichen Bestimmungen noch sehr vorsichtig lavieren mußte, hatten sich vorgeschrittene Kreise der Arbeiter in dem von Schippe! geleiteten Wochenblatt die.Volks- "ribüne" ein radikales Organ geschaffen, das insbesondere auch der Propaganda der allgemeinen marxistischen Ideen dienen sollte. Auch in der.Berliner Volkszeitung", für die Franz Mehring, damals noch unter demokratischer Flagge, seine zündenden Leilartikel schrieb, wurde ein fröhlicher und frischer Kampf geführt, dem die Regierung nach so viel Erfahrungen, daß sich mit Unterdrückung und Ver- boten ja am Ende doch nichts ausrichten lasie, ziemlich untätig zu- sah. Al« Mitarbeiter und später im Jahre S0 eine Zeitlang als Redakteur der.Volkstribüne" lernte ich die Bewegung dann auch aus der Nähe kennen, auch die geheimen, noch mit einer Art Ro- mantik umgebenen Sitzungen der.Korporw, die an Sommersonntagen draußen im Walde abgehalten wurden, und zu denen die Teilnehmer/ um den Spitzeln zu entgehen, in kleinen Trupps hinausfuhren. Man lebte vielfach im Gedanken, daß eine nahe Zukunft schon, nach den Gesetzen der kapitalistischen Entwicklung, den Zusammen- bruch des herrschenden Systems notwendig bringen müßte. Die lange Periode der in der Mitte der siebziger Jahre beginnenden Handeisdepression schien die Boraussage des.Kommunistischen Moni- festes", daß der Kapitalismus durch die gewaltige Entfaltung der konnte widerstandslos vor sich gehen: in Deutschland herrschte. die Ruhe des Kirchhofs— nur ein paar Jahre, dann begann der Widerstand, erst langsam, dann mit immer steigender Kraft, nach zwölf Jahren lag das Gesetz zerbrochen am Boden: am 9. November 1918 mor das Kaisertum zerbrochen, die am 1. Oktober 1890 siegreiche Sozialdemokratie hatte nunmehr das rote Banner auf dem Kaiserschloß aufgepflanzt! Unser Sie Welt... Von A. G e r i s ch. Als nicht mehr daran zu zweifeln war, daß der Entwurf des Gesetzes gegen!oie gcineingefährl ichen Bestrebungen der(sozial- demokraiie tatsächlich Gesetzeskraft erlangen Werde, setzte auch sofort in den kleinen Partcizirkeln und in den Werkstätten die Diskussion darüber ein, wie sich das Parteilebcn nach Inkrafttreten des Ge- setzes gestalten werde. Tie einen nqtzmen die Sache leicht und meinten: Es wird nickts so he'ß gegessen wie es gekocht wird; die ganze Geschichte ist ja auf einem ml zu plumpen Schwindel auf- gebaut, um lange bestehen zu können. Wenn erst der große Rummel vorüber ist, der jetzt ins Werk gesetzt wird, um das Gesetz durchzudrücken, wird das Volk bald merken, welche« Mumpitz ihm vorgemacht wurde, und dann schläft die Hätz und mit ihr das ganze Gesetz wieder ein. Andere, die diese optimistische Ausfassung nicht ganz teilten, waren immerhin der Meinung, daß man auch unter dem Ausnahmegesetz der Par'ei einen gewissen Spielraum für ihre Betätigung in der Oesfentlichkeit lassen werde. Das ergebe sich schon aus den Erklärungen der Reglerungsvertreter im Reichstage, daß einer Betvcgung mit friedlichen Tendenzen, und an andere könne ja nach Lage der Verhältnisse vorerst überhaupt nicht gedacht werden, nichts entgegenstehe. Verbiete, wie zu erwarten, die Poli- zei die„Freie Presse", werde man andere vorsichtig geschriebene Blätter herausgeben und in gleicher Weise aufgelöste Parteiorgani- sationen durch andere mit harmloser Firma ersetzen. Die Pessi- misten endlich erklärten:„Gebt euch doch keinen Illusionen hink Man wird versuchen, uns mit allen Mitteln abzuwürgen und nicht nur einige Wochen oder Monate, sondern ans unabsehbare Zeit hinaus auf uns losdreschen." Wie es nicht anders zu erwarten war, behielten die SchwarAseher recht. Als die Polizei nur erst die unumschränkte Macht in der Hand hatte, scherte sie sich den Teufel um die scheinheiligen Versicherungen, die von den Regierungsver- trctern, so noch vom Grafen Eulenburg am 14. Oktober 1378, im Reichstage abgegeben worden waren, sondern verbot und unter- drückte vorerst alles, tvas auf 100 Kilometer Entfernung nach Sozialdemokratie oder Sozialismus roch.. Diese Orgie blindwütiger Verfolgung einer Kulturbewegung, die bis dahin, wo immer sie tändelnd aufgetreten war, den Boden des Gesetzes nicht um.Haaresbreite verlassen hatte, war nur mög- lich bei der unsagbar kläglichen geistigen Verfassung, in der sich das deutsche Bürgertum befand. Man muß die liberalen Größen jener Zeit in Isen fortschrittlichen Berliner BezirkSversammliingen gehört haben, um sich eine Vorstellung von der engstirnigen Borniertheit dieser Führer des Bürgertums machen zu können. Ich war noch ein junger Moim, als ich fctm meinem Chef, einem Maschinen- fabrikanten, öfter in diese fortschrittlichen Versammlungen mit- genommen wurde, aber ich hatte bereits sämtliche Broschüren Lassalles Ivie auch die sonstigen populären Schriften über den So- zialismus gelesen, richtiger gesagt: gierig verschlungen und dmnit einen geistigen Weitblick erworben, daß ich muh über das in den bürgerlichen � Bereinsverfammlungen in den Vorträgen Gebotene einfach entsetzte. Die Bauern im entlegensten Walddorfe haben heute vom Sozialismus und von den Bestrebungen der Sozial- demokratie eine hundertmal mehr zutreffende Vorstellung, als sie damals das Bürgertum in der Reichshauptstadt, der Stadt der Intelligenz, besaß. Diese Leute hatten nicht einmal«ine blasse Ahnung von der Geschichte und dem Entwicklungsgänge ihrer eige- neu Klasse und den Entwickiungstendenzen der bürgerlichen Wirtschaftsweise. wo sollte da bei ihnen Verständnis für die Enianzi- pationsbcstrcbungen des vierten Standes herkommen? Bände würde es füllen, wollte man die unsinnigen und niederträchtigen Anschuldigungen und Lästerungen alle aufführen, die in den Wochen vom Hochsommer bis zum Herbst des Jahres 1878 von der produktiven Kräfte die Handelskrisen fortschreitend immer mehr verschärfen müßte, bis dann in einer allgemeinen Katastrophe der ganze Bau zusammenstürzen werde, zu bestätigen. Man hörte den Totenwurm in dem Gehäuse ticken, sah das Proletariat al« Totengräber der verfallenen bürgerlichen Gesellschafl vor den Tor�n. Jugendliche Phantastik spann allerhand bunte Träume. So ent- sinne ich mich des Artikels eines jungen Handlungs-ichilsen und Genossen in der„Tribüne", der die Zahlungsschwierigkeiten, in welche das Londoner WelthauS Baring Brothers damals ge- raten war, als Einleitung der kapitalistischen Götterdämme- rung begrüßte, in der die alte Welt zugrunde geht. DaS klingt an jene Illusionen an, von denen Marx in einem Brief an Engels gelegentlich halb wehmütig, balb spöttisch berichtet: daß sie in jungen Jahren überzeugt gewesen wären, ehe daS Alker käme, würde man sie beide in einer großen Revolution längst guillotiniert haben. Träume, die dem langsamen Gang der Geschichte in der Einbildung Flügel liehen, waren natürliche Begleiter der hochgemuten Stimmung jener Jahre. Sie standen auch an der Wiege der Freien Volksbühne, deren Gründung ich vor Aufhebung des Sozialistengesetzes noch in Berlin miterlebte. Die tiefbohrenden Dramen Ibsens mit ihrem Appell an freie individuelle Selbstbestimmung gegenüber der feig ge-. dankenlosen Konvention, die grandiosen GesellschaftSgemälde in ZolaS Bergarbeiterroman„Germinal" und anderen seiner Werke, Tolstoi und Dostojewski,— diese ganze in« Tiefe und Weite ge- richtete literarische Strömung, die man damals zusammenfassend Naturalismus nannte, schien durch geheime Züge der Verwandt- schalt mit der proletarisch sozialistischen Bewegung, die au« den Tiefen der Gesellschaft aufstieg, eng verknüpft, schien gleichsam deren ideelle Wicderspiegelung ein Zeichen kritischer Selbstersetzung der über- kommenen VorstellungSwelt. Mit dem Plan einer Arbeiterorgani- sation, die ihren Mitgliedern zu billigen Preisen den Genuß wert- voller Bühnendichtungen ermöglichen sollte, verwob sich stolz der weitere Gedanke, daß diese neue, von den Arbeitern geschaffene Bühne, durch ihre Organisationsform dem Zwange polizeilicher Zensur enthoben, bestimmt sein könne. Heim und Stätte einer neuen Kunst zu werden, die jede frühere übergipfele. Der Titel von Gerhart Hauptmanns erstem, damals erschienenen Drama, daS dem Naturalismus auf der deutschen Bühne Bahn brach:„Bor Sonnenaufgang" war gleichsam ein Symbol für die Erwartung, mit welcher man dem Kommenden auf allen Gebieten froh entgegensah. Die Schwungkraft und der jugendliche Idealismus, die da lebendig waren, macht die Erinnerung an jene Periode heute, wo das Gewicht, welches die Arbeiter in die Wagschale deS Pölkerschicksals werfen könnten, so unvergleichlich größer, zu einem hohen geistigen Erbe, da§ die Geister anspornen und befeuern, den Blick von dem Getümmel gehässigen Tagesstreits wieder zum Allgemeinen lenken sollte. bürgerlichen Presse gegen die Sozialdemokratische Partei geschjeu- dert wurden. Ganz allgemein begegnete man in den bürgerlichen Kreisen der Ansicht, daß der sozialdemokratische Schwindel rasch zusammenbrechen werde, wenn mir erst die Polizei den Agitatoren. die sich von den Arbeitergröschcn mästeten, gehörig auf das Dach steige. Keine Spur von Entrüstung über die geplanten Ausweisun- gen von Mitmenschen, deren einziges Verbrechen darin bestand, daß sie sich bestim»nte politische und soziale Ansichten gebildet hatten. Im Gegenteil! Immer wieder konnte man aus dem Munde eifernder Bürger hören: Nur raus mit der Bande, damit es wieder Ruhe grbtl Ihren drastischsten Ausdruck fand diese Stimmung des Bürgertums in dem berühmt gewordenen und vom Vorsitzenden des Berliner fortschrittlichen Wahlkomitees unterzeichneten Flugblatt« während der Reichstagswahl im Juli 1878, in dem«s hieß, jagt sie hinaus aus Berlin, die baterlandslosen Zugvögel, dahin, woher sie gekommen sind. Tie„vaterlanisslosen" Gesellen Wilhelms II. waren also nicht einmal eine originale Leistung, die Spitze der fortschrittlichen Parteiorganisation von Berlin hatte sie schon vordem geprägt. So kam denn, was aufzuhalten die sozialistische Arbeiterschaft nicht die Macht besaß: das Ausnahmegesetz trät in Kraft. Es folgten bitterböse Wochen und Monate, in denen Tausende in ohn- mächtigem Grimm mit ansehen mußten, wie Polizeifäuste zer- schlugen, tvas Proletarierhände errichtet hatten. So ungefähr mag der Gärtner empfinden, wenn ihm eine gehegte und gepflegte schöne Pflanzung von einbrechenden Barbaren nie'oerge trampelt wird. Es war ja noch die Jugendzeit der Partei, und die Genossen hingen daher auch noch unmittelbarer und inniger an dem mit so viel Hin- gäbe und Aufopferung geschaffenen Werke der Partcipresse und der Organisation, als das heute im reiferen Alter der Partei noch möglich ist. Die Schlag um Schlag fallenden Streiche trafen hart, verletzten tief, schusen zvrnkochende Gemüter, in denen der feste Wille aufflammt«, das Banner der Partei nicht im Stich zu lassen mochte es kosten was es wollte. Damit war auch schon das Schicksal des Ausnahmegesetzes besiegelt. Denn so eifrige Beamte die Re» aktion immer in ihren Dienst nehmen mochte, sie tvaren und blieben nur Mietlinge und Söldlinge gegenüber den Männern und Frauen, die aus heiliger Ueberzeugung für ihre Sache, die Sache der Menschheit, fochten und in dieser Position unüberwindlich warey.' Und zu der Ueberlegenheit, die den Arbeiterkämpfern ihr Hag- dein aus Ueberzeugung verlieh, kam bald noch ein weiteres nicht minder wertvolles Moment binzu: Die beweglichere Intelligenz, die in tausendfachem Lebenskämpfe erworben, und geschult« Klug- heit der Proletarier, die dem im Kasernendrill erzeugten Polizei- verstand ein Schnippchen über das andere schlug. Auch die gegen die sozialistische Arbeiterschaft aufgebotenen Polizeimannschaften kamen aus dem geistigen Bann der Schablone nicht heraus, Handel» ten, ohne eS selbst zu wissen und zu wollen, schließlich doch immer wieder nach Schema F. So hatte ich lange Zeit den im ganzen Südosten fast jedem Kinde bekannten und wegen seines plumpen Riechorganes Planfchnäse genannten Kriminalschutzmann als Leib- trabant, der mir von frühmorgens bis abends auf Schritt und Tritt wie mein Schatten folgt«. Ein unsinniges Tun, denn gerade vom polizeilichen Standpunkt aus wußte die Ueberwachuug jeden Wert verlieren, sobald der Ueberwachte von ihr Kenntnis hatte. Am Tage, bei den Gängen zur und von der Arbeitsstelle war mir die Begleitung schnuppe. Höchst fatal dagegen war sie bei Wegen zu bestimmten Zwecken in den Abendstunden. Daz Haus unbe- merkt zu rerlassen, war unmöglich, so blieb nur das„Versetzen" unterwegs. Aber auch das war kein Mittel auf die Dauer, sondern immer nur in beschränktem Maße anwendbar. Es mußte alsa ein anderer Weg,.im volle» Wortsinn, gefunden werden. Und'«5 fand sich. Ich wohnte weit draußen, wo Bertin aufhört«, in einem der damals letzten Häuser in der Wiener Straße. DaS gafczä Hinterland über die Reichenberger Straße bis zum Kottbuser Ufer war noch unerschlossen, alles nur wüste gegen die Straße mit hohen Plankenzäunen abgeschlossene Bauplätze. Die Reichenberger Straße, in diesem Teile noch unreguliert, voller Müllhaufen und abends stockduster. Der Hofraum des Hauses, das ich betvohnie, war gegen die nächste angrenzende Baustelle ebenfalls nur durch einen Bretterzaun abgeschlossen. De» letzteren hatten die Kinder an einigen Stellen etwas demoliert, so daß er mit einiger Ge- schicklichkeit gefahrlos zu übersteigen war. An zwei Bauzäunen, die ich noch übersteigen mutzte, ehe ich aus die Reichenberger Straße gelangte, schnitt ich mit der Stichsäge zwischen den Planken schmale, kurz« Streifen heraus, um bei dem Ueberklettern für Hände und Füße den nötigen Halt zu finden. ES war das zweifellos ein Ein- griff in fremdes Eigentum, der aber gar nicht auffiel. Der Sicher- heit halber, um bei einer etwaigen Verfolgung nicht nur auf eine „Treppe" angewiesen zu sein, machte ich die Einschnitte an mehre- ren Stellen. Damit war der„Notausgang" fertig. Wenn vorne Planfchnäse geduldig seine Zeit abstand, bis er annahm, daß. ich in die Federn gekrochen sei und nicht mehr ausfliegen würde, war ich hinten hinaus längst aus dem Bau und oft auch schon wieder zurück. Jahre verstrichen so im Kleinkrieg, und schließlich bekamen auch die Optimisten recht, freilich nach einem ganz anderen Zeitraum, als sie ihn sich gedacht hatten. In Berlin erstand wieder eine Arbeiterpresse, nicht nur ein Matt, sondern zwei mit ausgesprochen sozialdemokratischer Tendenz, das„Volksblatt" und die„Volks- tribüne". Diese Periode, in der auch die Vereinstätigkeit auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiete sich wieder lebhaft ent» faltete, zeitigte besondere Erscheinungen. Niemand vermochte zu s«gen, wie lange dieser bloß geduldete Zustand dauern und ob nicht eine unsichtbare Hand plötzlich wieder ein ganz anderes Register ziehen würde. Diese Unsicherheit der Situation nötigte die Presse wie die Organisationen zu klugem Lavieren. Besonderes Geschick «rforderten die Referate in den Bezirksversammlungen, wenn diese bis zu Ende tagen und nicht einem vorzeitigen Schluß verfallen sollten. Dabei versagte oft alle Vorsicht, denn die Entscheidung hing ja ganz von dem subjektiven Ermessen und dem Temperament des überwachenden Beamten ab. Die gleichen Ausführungen, die bei einem Polizeileutnant unbeanstandet durchgingen, hatten bei einem anderen unweigerlich die Auflösung der Versammlung zur Folge. Um die Vereinsversammlungen lebendig und dabei mög- lichst lehrreich zu gestalten, hatte ich nach und nach eine ganze Reihe dvn Vorträgen über interessante geschichtliche und naturwissen- schaftliche Themata ausgearbeitet, die großen Anklang fanden, weil sie den Hörern Dinge vor Augen führten, IMe ihnen in der Schul« sorgfältig verschwiegen worden waren. Aller Aerger über die zahllosen Willkürakte, die fron Isen Behörden auf Grund de« Ausnahmegesetzes begangen wurden und ruhig hingenommen werden mutzten, verdichtete sich zu dem Ge» danken der Wrechnung bei der einzigen Gelegenheit, die den Volks- Massen die Möglichkeit bot, Gerichtstag zu halten, bei der Stimm- zettelabgabe zur RetchStagswahl. Für alles, was man in stummem Gröll hatte„hineinfressen" müssen, wuroe dann an diesem Tag« Generalquitwng erteilt. Mit heiligem Eifer wurden die Vor- arbeiten zur Wahl betrieben, und wenn am Abend des Wahltage» die Resultate verkündet wurden und, wie bei der Wahl am 20..Fe- bruar 1590, gewaltig« Zunahme der sozialdemokratischen' Stimmen ergaben, klang aus dem stürmischen Jubel der«in« Gedanke her- auS: Ihr zllvingt uns nicht mit allen euren Paragraphen, Arn- taUtäien mch Sch-kanca. i»« Welt txotz alled«mt GewerMaMbewegung Die 5abriepoliAei öer knorrbremse. Die Betriebe der Knorrbremse, Berlin-Lichtenberg, haben sich auch seit einigen Monaten ein sogenannte? polizeiliches Wachkommando zugelegt, und zwar in Stärke von 24 Mann. Dieses Kommando soll angeblich die im Betriebe etwa vorkommen- den Diebstähle verhindern. Diese ursprüngliche Tätigkeit wird seit Wochen in erheblichem Matze überschritten und enl- wickelt sich immer mehr zu einer empfindlichen Schikane für die Arbeiterschaft. Das Wachkommando matzt sich Befugnisse an, die weit über den Rahmen des Zulässigen hinausgehen. Es ist in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, datz ehrliche Ar- bciter durch irgendwelche schlechten Elemente bei dem Wachkom- mando denunziert worden sind. Anstatt solchen Angaben erst im stillen nachzugehen und zu prüfen, ob an den Angaben etwas Wahres ist, und dann erst vorzugehen, wird jede frivole Denun- ziation sofort mit grotzem Tamtam verfolgt. Die Verdächtigten werden von den Wachmannschaften von der Arbeitsstelle forlge- führt und im Bureau des Kommandos einem hochnotpeinlichen Verhör unterworfen. In letzter Zeit werden sogar über jeden ssiall ellenlange Protokolle aufgenommen. Von den in solche Fälle verwickelten Arbeitern verlangt man dann, datz sie diese Pro- tokolle mit ihrer Unterschrift anerkennen. Auch geht das Wach- kommando dazu über, ohne Heranziehung der Krimi- nalpolizei Haussuchung en in Arbeiterwohnun- gen vorzunehmen. Als die Seele dieser neuen Fabrikeinrichtung fungiert ein früherer Staatsanwalt Fischer. Da die Dinge anfangen, sich zu einem Skandal auSzu- wachsen und mit Wahrscheinlichkeit auch in andere Betriebe über- zugreifen drohen, ist es notwendig, die Oeffentlichkeit auf jene Vorgänge zu lenken, damit die Arbeiterschaft beizeiten erkennen lernt, welchen neuen Gefahren sie sich bei dieser Einrichtung zu vergegenwärtigen hat. Die Arbeiter der Knorrbremse protestieren gegen solche unerhörten Belästigungen und werden, wenn diese Schikanen nicht bald unterbleiben sollten, im geeigneten Moment ihre Antwort erteilen. Schiedsspruch in der Binnenschiffahrt. Die Verhandlungen zwischen den Parteien zur Neuregelung der Löbne ab 1. Oktober in der Binnenschiffahrt am 22. September verliefen ergebnislos, weil die Arbeitgeber eine Redu- zierung der Löbne um 22, öl) M. pro Woche forderten. Um zunächst alle friedlichen Mittel, die zu einer Regelung führen, anzuwenden, haben die Arbeilnehmer das ReichsarbellSministerium um Vermittlung ersucht. In der vom Reichsarbeitsministerium am 2!). September einberukenen Sttzuna crlolgte keine Verständi- gung der Parteien, so datz der SchlichtungsauSschutz nachfolgenden SchiedS'pruch fällte: Der Lohn beträgt ab h. Oktober: für Kapttäne............ pro Woche 257,50 M. , 1. Dampfersteuerleute........, 247,50„ . 2.„......... 242,50. , Kabnsteuerleute.........., 247,50, „ Deckleute.............„ 237,50„ , Schiffsjungen im ersten Jahre...... 87,50. ... zweiten....... llO.�-. ... dritten......, 160,—. „ Maschinisten..........,. 257,50, 3~>-.. auf Greifet Wmdenschuten und DoukyS......, 247,60, , 1. Heizer.............. 242,50. . Heizer... 22<,50. . jugendliche Heizer........., 172,50. Der Lohn wurde für Vollarbeiter um 20 Mark pro Woche erhöbt. Auch die Ucberstundeniätze wurden der Lohnerhöhung eutsvrechend erhöht. Die Parteien sollen innerhalb 14 Tagen die Erklärung über Annahme oder Ablehnung abgeben, Das Reichsarbeitsministerium hat hierdurch erkannt, datz die bisher in der Binnenschiffahrt der Elbe, Oder und märkischen Wafferstratzen gezahlten Löbne nicht der gesteigerten Lebenshaltung entsprachen und versucht, durch den Schiedsspruch die Differenz, die zwischen dem Existenzminimum und den Löhnen bestand, zu verkleinern. 25 Jahre„Deutscher Maschinist und Heizer". Am 1. Oktober 1895 erschien die erste Nummer des„Deut- schen Maschini st en und Heizer" als Fachzeitschrift des Verbandes der Maschinisten und Heizer. Das mit bescheidenen Mitteln ins' Leben gerufene Derbandsorgan erschien zunächst nur einmal im Monat in einer Auflage von rund 2000 Exemplaren. Heute, an seinem Jubiläumstage, zählt eS 115 000 Leser. Auf dem Wege zu diesem Erfolge hatte es manche Kämpf« zu bestehen, stand es doch immer im Vordertreffen zur Wahrung der Jntereffen der Maschinisten und Heizer. Aus Anlatz seines Jubiläums erscheint der„Deutsche Maschinist und Heizer" in festlichem Gewände. Gleichzeiiig feiert sein Redakteur Karl K i r s ch n i ck sein 25jähriges Dicnstjubiläum. In den vier ersten Jahren leitete er das Blatt nebenamtlich und vom Jahre 1900 ab als angestellter Redakteur. Wir wünschen dem 70jährigen streitbaren Kämpfer noch viele Jahre fruchtbarer Arbeit und seinem Fachblatt einen weiteren Aufstieg.__ Achtung, Töpfer! Die Verhandlungen von gestern abend verliefen ergebnislos. Wir empfehlen den Kollegen, bis zu der am 4, Oktober stattfindenden Meisterversammlung keinerlei Aktionen zu»»ternrhmen. Die Lohnkommissio« der Töpfer Berlins. Streik im Zeitungsgewerbe? Zu unserem im gestrigen Abendblatt erschienenen Bericht über den Lohnkampf im ZeitungSgewerbe wird uns vom Ortskartell Grotz-Berlin der Afa noch mitgeteilt, datz in den Betrieben zurzeit eine Urabstimmung stattfindet, die die Entscheidung überfeinen Streik bringen soll. Bei den Arbeitgebern ist in letzter Stunde nochmals angefragt worden, wie sie sich jetzt zu den Forderungen verhalten, vor allem, ob sie nach wie vor auf einem Lohnabbau bestehen. Heute nachmittag 6 Uhr findet im Schultheitz, Hasenheide 29/31, eine neue Versammlung aller Angestellten des Berliner Zeitung?» gewerbes statt. Tie, Tagesordnung lautet: 1. Bekanntgabe des Ergebnisses der Abstimmung in den Betrieben.(Für oder gegen den Streik.) 2. Was soll nun geschehen? Referenten: Kollegen Guiard und Meher. Freie Aussprache. ES tsi Pflicht jedes Angestellten deS Berliner Zeimngsgewerbcs, zu erscheinen. Für den EmpfangSabend deS BetriebsrStckongrcsscS am Man» tag in der Neuen Welt, Hasenheide, sind Karten zum Preise von 3,39 M. in der Gewerkschaftskommission, Engelufer 14/16, Zimmer Nr. 13, zu haben. VolkSkürsorge k Vertrauensmännerversammlungen Montag 7 Uhr, Thema: Tie Neuorpanisalion in aZioh-Bcrlin. Abt N o r d I iBezirke 16. IS, 27, 49 und 53) bei Kinzel, Usedomftratzi, Ecke staSmunderStratze, Ret, Genosse Lobmcyer. Abt, Lichtenberg(Bezirke S, 17, 52 und 70) bei Kurlowski, Lichlcnberg, Pfanstr. 74. Res. Genosse Bläsing. Soziales. Neuordnung im Schlichtungswesen? Bamberg, 28. September. Nach siebenjähriger Pause traten hier die Vertreter der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zu einer Tagung zusammen. Im Mittelpunkt des Interesses stand der Entwurf einer Neuordnung des Schlichtungswesens. Das Refera: hatte Stadirat Bockcr- Königsberg. Er führte im einzelnen aus: Unser heutiges Schlichtungswesen beruht auf dem H i l f s- dienstgesetz, matzgebend ist die Verordnung vom 23. Dezember 1918. Er schilderte eingebend den Verlauf der bisherigen schlich- tungsverhandlungen. Heute reichen diese Verordnungen nicht mehr aus. es besteht allgemeine Unsicherheit, besonders in der Frage der Verbindlichkeitserklärung. Das Verfahren der SchicdS» spräche kennt keinen Zwang, das ist der Hauptfehler. Im neuen ersten Entwurf fällt vor allem auf, datz E i n z e l st r e i t i g- leiten nicht mehr von den SchlichtungsanSschüssen, sondern von den Arbeitsgerichten erledigt werden. Die Einsicht der Parteien sei die Hauptsache. Der zweite Entwurf wurde von den Arbeitnehmern abgelehnt. Einmal wegen der mangelnden Selb st Verwaltung, dann, datz keine Berufung gegeben sei usw. Ein ungeheurer Behördenapparat sm die Folge. Wider» spruch erregt es, datz der Staat den Vorsitzenden bestellt. In der Auswahl der Schlichtungsausschüssc ist Freiheit gegeben. Empfindliche Strafen sind vorgesehen für Verstötze. Landes- einigungSamt und Reichseinigungsamt bilden die Spitze. Scharfen Zwang sieht das neue Gesetz vor. Streik oder Aussperrung ist nur möglich, wenn zuvor der SchlichtungsauSschutz angerufen worden ist, Nichterscheinen zieht hohe Strafen nach sich, ein nicht bindendes Urteil soll nur dann zum Streik führen dürfen, wenn sich eine Zweidrittelmehrheit dafür ausspricht in geheimer Abstim- mung. Bei lebenswichtigen B etrf eben darf imt gefireikk werden, wenn es der Regierung acht Tage zuvor gemeldet wird. Bei Verstötzen werden die A nst i ft e r bestraft.(Eine neue Zucht» Hausvorlage, gegen die sich die gesamte Arbeitnehmerschaft wendet. Der Unternehmer kann allein aussperren, er braucht keine Zwei» drittelmehrheit! Anm. d. Berf.) Umänderung des Gesetzes von Grund auf mutz erstrebt werden. Gut fft nur an dem Gesetz, datz es sich nach Wirtschaftsbezirken gliedert. Unparteiische Vorsitzende sind nicht vorgesehen. Dr. Sitzler(Reichsarbeitsministerium): Gesetz und Bestim- mungen müssen einen Sinn haben. Der Entwurf ist nur ein Re- ferententwurf, kein amtlicher, der nur die Grundlage zur Debatte schafft. Auf Arbeitgeberseite habe der Entwurf frohe Zu- stimmung gefunden.(Aha!) Wenn die SchlichtungSausschüsie den Arbeitsgerichten angegliedert werden sollen, müssen die letzteren selbständig sein. Der behördliche Apparat sei nicht groh. Der Res«- rentenentwurs sei überholt durch die Beschlüsse der Kommission beim Reichsarbeitsministerium. Die Frage der Berufung sei so, datz der erste Spruch die Autorität haben müsse. Dann müsse ein neues Verfahren Platz greifen. Prof. Zimmermann- Nürnberg: Nürnberg hat keinen unparteiischen Borsitzenden. Der Vorsitzende ist ein Arbeit» geber, der Siellvertrerer ein Arbeitnehmer. Der Erfolg war sehr gut. Dr. H ü ll sch e- Neukölln: Auch Berlin arbeitet ohne nn- parteiischen Vorsitzenden. Das System habe sich aber durchaus ni ch t bewährt, vor allem in der Frage der Zuständigkeit. Beim SchlichtungsauSschutz Berlin spielt man nur Lotterie, durch die Schuld des unparteiischen Vorsitzenden. Der Zentralschlich» tungSausschutz habe sich gut bewährt. Volkswirtschaftler hält er für nicht geeignet zu Vorsitzenden, noch viel weniger einen reinen Formaljuristen. Verwaltungsjuristen müssen eS sein. Gegeben sei der Anschlutz der SchlichtungSausschüsse an die Ge» Werbegerichte. Starke- Dresden(A. D. G. B.): Das fortwährende Neben- einander der SchlichtungSausschüsse und Ge- Werbegerichte muh aufhören. ES ist bedauerlich, datz der neue Entwurf nicht vorhanden ist. Tie Ehre und daS Ansehe» der Arbeiterschaft mutz vor allem gewahrt werden, eine Verschleppung darf nicht statt» finden. Angliederung an die Amtsgericht« ist un» möglich, wenn schon, dann an die Gewerbegerichte. Wir begrüßen jede Maßnahme, die die sozialen Kämpfe mildern kann. Ich mutz mich aber dagegen wenden, datz sich hier ein preußischer Amtsrichter dagegen wendet, datz wir Arbeitnehmerbeifitzcr«ine Vorbe- s p r e ch u ng halten. Das weife ich scharf zurück, eS geschah zur Entlastung der Tagung. Aber ein« Schwalbe macht noch keinen Sommer, die Arbeitnehmerbeisttzer werden tun, was s i e wollen, nicht was ein p re u tz is ch e r Amtsrichter will. R a m s b r o k- Berlin ist nicht der Anficht, daß ein juristisch', c Vorsitzender nötk� ist. EngereFachkammern seien in Groß- städten zu schaffen. Hörbitz- Plauen: Die moralische Wirkung der SchlichtungSausschüsse ist sehr minimal, ein gewisser Zwang mutz im.Hintergrunde sein. Deshalb ist die Verbindlichkeitserklärung durchaus nötig. Dr. V ogc l- Würzburg: Sparen ist das Gebot der Stunde. Und der Entwurf baut eine neue Paragraphenorgani- Kation auf. Dagegen müssen wir kämpfen, wie überhaupt gegen zeden Zwang. Deshalb Angliederung an die bestehenden Gewerbe» gerichte. In seinem Schlußwort stellte der Berichterstatter verschiedene Ansichten richtig und erhofft vom Zwang auch nicht den vollen Er» folg. Schlichtungsausschutz und Gewerbegericht gehören zusammen. ' Folgende Entschliehungen wurden angenommen: ,„Der Verband der Gewerbe- und Kauftnannsgericht« hält nach Errichtung der Arbeitsgerichte fein Fortbestehen in erweiterter Form im Interesse der Fortentwicklung des Arbeitsrechtes und der Zusammenarbeit der Arbeitgeber und Ar- beilnehmer für erforderlich." 2.„Et empfiehlt zu diesem Zweck die Aufnah in eeiner Bestimmung nach dem Muster des§ 363 R. V. O., wonach die Arbeitsgerichte Mittel für Verbände, für den Besuch von Vcr- sammlungcn und den Bezug von Zeitschriften aufwenden dürfen. die der Förderung der Arbeitsgerichte und des Arbeitsrechts dienen." Satzungsänderungen werden vorgenommen insofern, datz auch Schlichtungsausschüssen der Beitritt zum Verbände--e- stallet und der Verband sich umwandeln will in einen ,2V e r b a n d der Arbeitsgerichte und SchlichtungSausschüsse." ?crantw. für ben tebnft. Teil; Dr. Sernee Peifer, Cyarlottenbura: fllr«lnzetgen: Tb. Glocke. Berlin. B er lag: r-orwSris-Verlaq G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor» wärlS-Luchbruckerci u. Tcrlagsnultal» Paul-inner u. S.o., Berlin. Cinbenfti. 3. Hier»» 3 BeUanen. A.WFRTIIEIM CLuß&i�etvohnlich biSUgeb Cfagehol Porzellan Bratenplatten ov»i 195bi»1450 Bratenplatten rund... 975 Beilagschalen.•. 550 475 Salatschüsseln gros,«»f 1750 Salatschüsselneowg 525 750 i Tassen vun»..275 bis525 Toocon fe,n- dönn- Porzellan 775 I abotJri ix Perlgoldrand' Kindertassen.. I75 bis 225 Satztöpfe 3 stock.... 1225 Satztöpfe s stock...39°° bunt Teller......... 145180 Kaffeebecher... I45 170 Sauciören....... 225 Tassen......... 625 Wasserkannen gros. 36°° t Teller kiain....... 95«. Eisschalen....... I20 Frühstückteller.... 360 Obstteller'---- 49° ö69 Obstplatten...... 187B Kaffeeservice für 2 Pers. 162B eis 24°°, für 6 Pers. steilio 89°° Obstservica mit Früchtedskor,? teiiig.. 95°° 125°° Si inguti Teller tief und flach 1 � Küchengarnituren dekoriert 22teilig 72°° Wasch-Gamituren 4500 bi. 78 00 Kaffeebecher..17Bbi.24B Salatschüsseln. I80 295 Satzschüsseln sstock 675 Satzschüsseln e stock 197B Satzschüsseln„„Skt 29°° Satzschüsseln„Ä 39°° Bratenplatten g»* 585 720 Kompotteller Glas reich gepreßt, abge-«65 schliffener Boden Wassergläser geschliffen 295 bis 475 Selterbecher geschliffen 255 Glaswaren BierbechermdQBrer'29Boi««24B Wasserbecher o>°« 1£B 18B Butterdosen...... 57B Weinrömer opti»ehvon 107B»» Weingläser tu1 oÄ841*1 92B Sturzflaschen 97B Wasser-od.rWeinflaschen gsochllffen 075 Wasserbecher mit Aut-rt68 »ohrfft„Mundwasser" � Oliven, Preßglasgamitur Kompottschüsseln vo» 1� Kompotteller..... 21B Kompottschüsseln von 1" Zuckerschalen.... 3B0 zugetrieben Hansa, Preßglasgamitur, kristallweißes Glas Käseglocken..... 127B Kompottschüsseln Steinsut Kaffeebecher 95« bi. I25 MÜChtÖpfe bunt.• 12B ble24B Essig-undOelflaschen95pf. 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