Kr, 487» 37. Jahrgang Kusgabe B Kr. 106 Bezugspreis: B ettcljciicLSO,— frei ins äous, voraus-ahlbar. Pon- deMz Monatl-ch 1»,— M!» rrkl. bu- ftsHungsgedübr. Umer Kremband Mr Deutschland und Oesterreich IS.!» lliil, für das übrige Ausland bei läglich einmal. Zustellung 215» M. gsvltde» üellungen nebmen an Oesterreich. Unzarn. Tschecho- Slowakei, Dane» mart, Holland,.uremourg, Schweden und die Schwe».— Sinzetraqen w die Dost- äeitungs Preisliste. s>er„Vorwärts mit der Eonmag»- oeüage»Boll u. Zeit' erscheint women- iaglich iswennal Sonniags und Man- tags einmal. Tele gramm-Adreffe .Sozial bau, olrat Ue-Iiu" Abend Ausgabe � f berliner Volksblstt (20 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonoareillezeile toste tZ.— M., Teuerungszuschlag S0°/> »Sleine Alnzeigeu-, das lett- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), itöea weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Echlafsiellenanzetgen das erste Wort 65 Big. leöes weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaden zählen für jwei Worte. Teuerunasznschlag 50»/�. aamilien-Anzeigen für Abonnenten geile 2,— M, politische und ge- werischastliche Vereins- Anzeigen S,— Ml. die Zeile ohne Ausschlag. Anzeigen für die n ä chft e Stummer müssen bis S Ahr nach mittags im Hauptgeschäft. Berlin SW ä, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 3 Uhr irüh bis 5 Uhr abenhs. Zentmiorgan der rozialdcmokratifchcn parte» Dcutfchlands Neüaklion unü Expedition: SW. 68, Linüenstr. Z. »ernsprecher: Amt Mortuplai«. Nr. Rl»! 90—>31 i>7. Freitag, den 1. Oktober vonvärts-verlag G.m.d. h., SW. 68, Linüenstr. 3. Zhernivrechrr: Amt Diorittvla«. Nr. 117 33— 54. Vergewaltigung Hroß-Serlins. Arbeiter! Z)arteigenoffen! Am heutigen Tage ist di: Stadtgemeinde Groß- Ä erlin ins Leben getreten. Endlich soll die kommuna!�>litische Zerklüftung ihr Ende erreicht haben. Aber schon in seiner Geburts- stunde ist das neue Gemeinwesen von schweren Erschütterungen bedroht. Die Stadtverordnetenwahlen für Groß-Berlin haben eine er- hebliche Mehrheit der Stimm.'» und Mandate für die Sozialdemo- kratische Partei und die unabhängige Sozialdemokratie ergeben. Im Bewußtsein der großen Verantwortung, die dieses Vertrauensvotum der Wähler ihnen auferlegt, haben beide Parteien sich z« gemein- samer Arbeit in der Verlinkr Stadtverwaltung zusammengefunden. Es soll versucht werden, der bisherigen bürgerlich-reaktionären eine sozialistische Kommunalpolitik entgegenzusetzen. Wenn die Stadtverordnetenfraktionen der beiden Parteien, ent- sprechend ihrer klaren Mehrheit daran gegangen sind, auch de» Magistrat mit Männern zu besetzen, die ein von gleichen Grund- sähen getragenes Zusammenarbeiten ermöglichen, so handelten sie damit lediglich im Sinne der demokratischen Grund- sähe. Die bürgerliche Reaktion in der Preußischen Landesversamm- lung hat dieses Bestreben, Berlin nach dem Willen der großen Mehr- heit seiner Bevölkerung zu verwalten, damit beantwortet, daß sie durch Aenderung des Groß- Berliner Gesetzes de« Einfluß der Arbeiterschaft einzuschränken versuchen. Dieses Borgehen bedeutet eine freche Provokation nicht nur der Berliner, sondern der deutschen Arbeiter- s ch a f t überhaupt und zeigt, daß auch die sogenannten demokra- tische« Parteien(Teutschdemokratische Partei und Zentrum) die Demokratie nur so lange im Munde führen, als sie ihwen nützt. So j ist das bürgerliche Vorgehen gegen Groß-Berlin ein flammender Warnungsruf an die deutsche Arbeiterschaft. Diesen Kampf gegen die preußische Reaktion können wir aber nicht führen, wie manche Phantasten und kurzsichtigen Politiker der Berliner Arbeiterschaft jetzt klarzumachen versuchen, durch General- streiks einzelner Arbritcrgruppen, durch die Wahl politischer Ar- beiterräte oder ähnliche Experimente, sondern lediglich dadurch, daß wir auf dem Boden der Demokratie verharrend dafür sorgen, baß die nächste Wahl zum preußischen Landtag die jetzige bürgerliche in eine sozialistische Mehrheit verwandelt. Die jetzige Siwation zeigt aber auch, welche politische Verant- wortung auf den Arbeitern in der unabhängigen Sozialdemokratie lastet. Das freche Vorgehen des Bürgertums ist«ur möglich, weil di« Unabhängigen bisher im Reich nnd in Preußen nicht bereit waren, dieselbe Plattform zu gemeinsamer politischer Arbeit zu schaffen, die in Berlin jetzt geschaffen ist. An ihnen wird es liegen, jetzt die Bereitwilligkeit zu zeigen, gemeinsam mit uns auch in Preußen die politische Macht dem Bürgertum zu entreißen und g«- tragen vom Willen der BolkPmehrheit selbst die polt- tische Herrschaft zu übernehme«. Arbeiter! Parteigenosse»! Nur wenige Monate trennen mtS noch von den preußischen Landtagswahlea. Die Berliner Arbeiter- schast muß zeigen, daß sie den Kampf gegen ihre Feinde zu einer Zeit und mit solchen Waffen führt, wie sie es für richtig hält. Der Wahltag in Prenhe« muß die Antwort auf die bssrge�iche Feindschaft gegen das sozia- listischr Berlin bringen. Der is'-erm übliche» Arbeit für dieses Ziel muß unsere ganze Kraft gelte». Der vorstand des Sezirksverbanöes Groß-öerlin der S. p. V. reichen Kohlen schätze Chinas hin, die in ser Welt noch einmal eine große Rolle spielen werden. Diesen Erdteilen stellt« d'Oplinter die Wirtschaft Europas gegenüber. Ost- und Mitteleuropa sei aus der Produktion heraus- gekommen. Insbesondere fehlten die russischen Lieferungen von Getreide, Leinwand, Platin usw. Es ist ungemein bemerkenswert, daß der belgische Hanoelsminister von dem Wiedereintritt Rußlands in die Weltwirtschaft eine Regelung der Not erwartet. Vorläufig seien in ganz Europa und nicht nur in den kriegführenden Staaten Rohstoffe und andere wichtige Erzeugnisse kontrolliert. Ucberall sei Not an Rohstoffen und Fertigfabrikaten, aber die hohen Preise, das Sinken des Wechselkurses, die Schwierig- leiten des Transportes und die Unsicherheit erschwerten den Handel. Hierzu komme, daß kapitalistische Machenschaften die geordneten Handelsbeziehungen stören; vor allem jedoch seien es die hohen Wechselkurse, die die Länder voneinander stärker trennten als die höchsten Zollschranken. So sei im Gesamtbild die alte Welt nicht in der Lage oder nur unter großen Verlusten fähig, die Wirt- schaft zu halten, während die neue Welt nur schwer einen Ueberschuß ihrer Erzeugung im Auslände abliefern könne. Daraus folge die Notwendigkeit, hier zu einem Ausgleich zu kommen. Den Weg zu diesem Ausgleich sieht der belgische Handels- minister in einem Abbau aller Beschränkungen. Von den einzelnen Teilen des Handels geht der Minister dann zu den allgemeinen großen Gesichtspunkten über und erklärt, daß der Krieg alle Gegner gelehrt habe, wie absolut notwendig ein Z u s a m m e n- arbeiten der Völker sei. Aeußere Verschiedenheit der Hilfs- quellen in Grund und Boden, der Bergwerke, der Verteilung der Produkte, die Erschließung der jeweiligen Produktionsmöglichkeiten und des Verbrauchs erweisen deutlich die Notwendigkeit gegenseitiger Hilfe der Völker. In diesem Sinne hoffe er, daß diese Konferenz ein nützliches Ergebnis zeitigen werde. Die Ausführungen des Vizepräsidenten wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Paris, 1. Oktober. Havas meldet aus Brüssel, es sei möglich, daß die Konferenz noch wenigstens sieben Tage brauchen werde, um ihre Arbeiten zu vollenden. Noch zwei wichtige Probleme seien zu prüfen: Die Frage des internationalen Handels _ und des internationalen Kredits. Die Arbeiten der| Japan besitze kostbare Kräfte für eine industrielle" Expansion. Mit � Kommissionen würden nicht vor Ansang kommender Woche beendet Das Lanötagswahigesetz. Der Entwurf des preußischen Wahlgesetzes ist vom Waatsministerium mit einer einzigen Aenderung angenommen worden. Da nämlich die Zuständigkeit des Landtages zugunsten des Reiches stark eingeschränkt ist und um Ersparnisse zu erzielen, wurde beschlossen, nicht auf 44 VW, sondern auf je SllllllO Stimmen ein Mandat entfallen zu lassen. Wenn die Wahl- beteiligung ebenso stark wäre wie bei den Reichstagswahlen, dann würde hiernach der Landtag aus etwa 360 Abgeordneten bestehen. ES sollen 74 kleine Wahlkreise und 19 Berbandswahlkreise geschaffen werden. Das Problem üer Weltwirtschaft. In der Tonnerstagsitzung der Brüsseler Konferenz erstatteten zunächst die armenischen und die ungarischen Delegierten ihren mündlichen Bericht. Darauf ergriff der belgische Handels- minister de Wouters d'Oplinter das Wort zu seinem Vor. trag über das Internationale Handelsproblem. Er führte aus: Infolge des Krieges werde der Handel neue Wege gehen müssen, denn die Industriestaaten hätten ihre Produktion ausgiebig in den Dienst des Krieges gestellt, während die Export- Industrie zurückgegangen sei. Hierzu komme der Verlust an Schiffsraum, der Rückgang der Zahl der geschulten Handarbeiter, der eine Verminderung der Gütererzeugung.bewirkt habe. Der Aussall in der Belieserunss von Fertigwaren habe bewirkt, daß n c ii e I n d u st r i e n sich organisierten, und zwar sowohl in Europa als auch in Südamerika. Südafrika und Japan. Diese Tatsache habe auch die industrielle Entfaltung der Vereinigten Staaten zur Folge gehabt. Der dort zu beobachtende industrielle Ausschwung sei noch verstärkt durch die reichen Hilfsquellen und Bodenschätze des Landes. Rein äußerlich komme diese hohe Leistungsfähigkeit in der amerikanischen Handels- bilanz 1919/20 zum Ausdruck. Der amerikanische Export habe sich ans 4806 Millionen Dollar belausen gegen 3300 Millionen Dollar 1914. Andererseits habe sich für die gleiche Zeit die amerikanische Einfuhr von 2300 Millionen Dollar auf 1200 Millionen Dollar vermindert. Ein ähnliches Bild wirtscha, liia/er oiraftigung tw-ct � a seiner leicht anpassungsfähigen Technik und mit oer Einfuhr von Maschinen aus Amerika habe dieses Land das Rüstzeug für seine industrielle Leistungsfähigkeit erheblich verstärkt. Die Arbeiter. schaft sei vollzählig vorhanden nnd geschult, die Löhne seien niedrig und die Leistungsfähigkeit der ganzen Bevölkerung hoch. Dank dem günstigen Wechselkurse könne Japan sich von Asien uno selbst von Europa alle notwendigen Rohstoffe heranholen und verfüge zudem noch über eine eigene große Flotte. Aus diesen wenigen Dören sei ersichtlich, daß J-pan hinsichtlich seiner wirtschart- lichen Potenz Amerika nicht sonderlich nachstehen werde. Auch Ebing b'etet in seinem Außenhandel ein günstiges Bild. Sein Erport sei aus Grund einer Intensivierung seiner nationalen Industrie gestiegen. A« belgische Handeismmister wies insbesondere aus die sein. Dann werde die Konferenz sich in öffentlicher Sitzung über die Resolutionen auszusprechen haben, die vorgelegt würden. St?e?kauMub in Engknö. London, 1. Okrober. Man glaubt, daß die Bergleute den Ausstand noch einmal auf eine Woche verschieben werden, um eine nochmalige Zusammenkunft mit den Bergwerksbesitzern zu ermöglichen. Rheinländtsche Zeiten. Nach einer Mitteilung des„Figaro" hat es der Botschafterrat in seiner letzten Sitzung ab- gelehnt, in den besetzten Rheinland«» die mitteleuropäische Zeit wieder einzuführen Oer Karlsbader Parteitag. Der Zerfall Oesterreichs Hai auch die deutschösterreichische Sozialdemokratie zerrissen. Im September 1919 konstituierte sich in T e p l i tz die deutsche Sozialdemokratie in der Tschecho- slowakei. Vom 3. bis 6. Oktober hält sie in Karlsbad ihren zweiten Parteitag ab und seine Verhandlungen ver- dienen auch bei uns, den Volksgenossen und Nachbarn des deutschen Proletariats der Sudetenländer, ernste Beachtung. Der Parteitag fällt zusammen mit der Spaltung in der tschechischen Arbeiterbewegung. Dort hatte die Wahl der Parteitagsdelegicrten der Linken eine starke Mehrheit gebracht; erst nachdem diese Wahlen vollzogen waren, machte sich in den leitenden Kreisen der tschechischen Linken eine entschiedene Tendenz zum Anschluß an die Moskauer Internationale, zur Unterordnung unter Moskauer Gebot bc- merkbar. Die tschechische Parteileitung ist einer Hinüberlei/.ing der Partei in das Moskauer Fahrwasser zuvorgekommen, in- dem sie den Parteitag oerschob und von seinen Teilnehmern ein ausdrückliches Bekenntnis zu sozialdemokratischen Grund- sätzen forderte. Der Hauptgegenstand des inneren Partei- kampfes, die Teilnahmr der Partei an der Regierung, ist in- zwischen beseitigt worden— allein die Linke hat ihren Partei- tag abgehalten und ihn, unter oft betonter Ablehnung aller Spaltungstendenzen, als den rechtmäßigen und allein gültigen Parteitag erklärt. In Prag hat die Linke das Zentralorgan der Partei in ihre Gewalt gebracht; das Gericht hat zwar die Führung des alten Namens untersagt, allein das«Pravo Lidu" muß in einer anderen Druckerei hergestellt werden. Tie Parteileitung hat übrigens ein Angebot tschechischer L e g i o- n ä r e, sie wieder in den Besitz des Unternehmens zu setzen, abgelehnt. Auch vor der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei steht die Gefahr der Spaltung; auch da hat sich eine Linke organisiert. Ihr Mittelpunkt liegt in Reichen- berg, obgleich der leitende Redakteur des dortigen„Vorwärts" noch auf dem Töplitzer Parteitage als Referent über das Parteiprogramm in entschiedenster Weise gegen eine Fest- legung auf Rätesystem und Diktatur gesprochen hat. In- zwischen hat sich die Reichenberger LiiÄe vollkommen zum Kommunismus und zu Moskau bekannt. Vor einigen Wochen hielt sie eine große Konferenz ab, auf der auch andere Gebiete des Landes vertreten waren, und man hat neben einem entsprechenden Aktionsprogramm auch den Antrag angenommen, falls der Parteitag sich dieses Aktionspro gram nr nicht zu eigen machen sollte, direkt mit Moskau in Verbindung zu treten. Allerdings hat das A u s s i g e r Parteiblatt bereits erklärt, daß sich die Aussiger diesen letzteren Beschluß nicht zu eigen machen. Die ganze Partei- siresse, die in erfreulichstem Gegensatz zu dem Zustand noch vor wenigen Jahren fast ausschließlich aus Tageblättern besteht, widerhallt von den heftigsten Auseinandersetzungen. Reichenberg hat sich so festgelegt, daß es kaum noch zurück kann. Auf der anderen Seite jedoch ist gerade in der deutschen Arbeiterschaft der Sudetenländer, die das deutsche Beispiel vor Augen und zum großen Teil das Erbe ViktorAdlers im Herzen hat, die Abneigung gegen eine Parteispaltung doch wohl noch von überragender Stärke. Wenn auch in den kommunistischen Blättern die alten Führer der Partei wie die Genossen Seliger. Schäfer, Kiese Wetter, Hille brand gewohnheitsmäßig schon als„Rechtssozialisten" bezeichnet werden, so kann man sie doch beim besten Willen nicht auf eine Linie mit den ver- ketzerten„Scheidemännern" stellen. Die Ausschaltung des österreichischen Parlaments im Kriege hat die Partei davor bewahrt, zu Kriegskrcditen und Friedensschlüssen Stellung nehmen zu müssen. Die Lage der Deutschen in der Tschecho- slowakei als einer Minderheitsnation, die gegen ihren Willen in diesen Staat einbezogen worden ist, hat es der Partei auch leicht gemacht, sich von der parlamentarischen Regierung fern- zuhalten, nachdem übrigens alle grundlegenden Gesetze seit dem Umsturz von einer nicht gewählten Vereinigung tschechi- scher Politiker gemacht worden waren. Blut ist zwar auch in Deutschböhmen geflossen, aber vergossen wurde es n i t im Bruderkrieg proletarischer Parteien, sondern im Kampfe der Deutschen um ihr Selbstbestimmungsrecht. Auf dem Töplitzer Parteitag, der noch in voller Ein- mütigkeit verlief, hat Seliger es durchaus vermieden, die Partei grundsätzlich auf die Demokratie und gegen die Dik- tatur festzulegen; es wurde nur erklärt, daß die Kampfmittel der jeweiligen Lage angepaßt werden müssen. Bei der ganzen Lage in der Tschechoslowakei ist nicht zu erkennen, daß die Partei so bald genötigt werden könnte, aus ihrer Reserve gegenüber dem Staate hervorzutreten. Es ist also auch kein innerer treibender Grund für den plötzlich erwachten Mos- kauer Fanatismus der Linken zu finden. Die Tatsache der aufgezwungenen Zugehörigkeit zu dem neuen Oesterreich, das die Tschechoslowakiei in Wirklichkeit ist, � der schwer empfundene Druck der tschechischen Vorherrschaft auf dem Gebiete der Schule und in der Verwaltung, die l furchtbaren Ernährungskrisen, von denen die deutschen. Jndustrisgeblete immer wieder heimgesucht werden, wahrend in den tschechischen Agrardistrikten Milch und Honig slietzen, die schweren Stockungen in der Industrie, die dem Rohstoff- mangel und der trotz reicher Kohlenlager herrschenden Kohlen- not zu verdanken sind, die Opfer der tschechoslowakischen Kriegszüge und VerteidigungSkäinpfe gegen Magyaren und Polen, die Losreitzung vom großen Körper des deutschen NoKes— all das sind Momente, die natürlich radikalen Reden viel Gehör und Gefolge verschaffen. Zweifellos spielt in den Kreisen, die der Linken folgen, der unausgesprochene Gedanke eine große Rolle, daß der für allmächtig gehaltene Bolschewismus den deutschen Gebieten der Tschecho- slowakei ihre Freiheit wiedergeben würde... Hoffentlich siegt aber in diesem Proletariat, das durch zähe Beharrlichkcht und innerliche Vertiefung in der alten österreichischen Sozialdemokratie stets dem Elan und Witz der Arbeiterschaft Wiens und der Alpenländer gleichwertig, wenn nicht überlegen war, die Erkenntnis, daß auh jeden Versuch der Aufrichtung der Diktatur von unten die viel schlimmere Diktatur des weißen Schreckens folgt. München und Ungarn, auch die Berliner Märztage und das Ruhrgebiet, sind allzu deutliche, furchtbare Lehren. Zwischen der Tschechoslowakei und dem hungernden Sowjetrußland liegen Horthy-Ungarn und Polen; kommunistischen Erperi- ruenten würde nicht nur die deutsche und tschechische Bour- geoisie und das Bauerntum, würden nicht nur große Teile der tschechoslowakischen Heeresmacht entgegentreten, sondern auch die von dem eigenen Proletariat noch keineswegs ge- brochene Kraft der Entente. Französische Generäle und Obersten kommandieren heute das tschechoslowakische Heer... Die Parteileitung hat beschlossen, dem Parteitag ein Programm zur Einigung und gemeinsamen AktiondesgesamtenklassenbewußtenProle- tariats in der Republik vorzulegen. Die Einsetzung einer Beamtenregierung mit reaktionärem Einschlag hat die krisenhafte Lage des Staates aller Welt offenbart. Er b e- steht nun einmal; ihn hochzubringen und von nationaler Unterdrückung und nationalem Haß zu befreien, kann nur das friedliche gemeinsame Werk der sozialdemokratischen Ar- bester aller Nationen dieses Staates sein. Die Moskan-Stipenöiaten. Die Diskussion gebt weiter. Die„Rote Fahne" vom Freitagmorgen gibt zu, ,chaß unsere russische Bruderpartei uns finanziell unterstützt hat" und fügt daran folgende Bs- merkung: Sollte schließlich die„Freiheit", die diese ganze Diskussion nicht nach unserem Wunsche und nicht zu ihrer Freude herauf- beschworen hat, es wünschen, so sind wir bereit, unter den prominenten, heute gegen Moskau wetternden Führern des rechten Flügels solche Namen öffentlich zu nennen, die recht erhebliche Geldsummen von der Kommunistischen Vartei Rußlands angenommen haben, Summen, von denen wir ohne weiteres annehmen, daß sie sie nicht zu persönlichen Zwecken, sondern zu den politischen Zwecken ihrer Partei verwendet haben. Das ist eine Drohung und ein Angebot: Rede du nicht mehr von meinen Stspendien, so werde ich von den deinen nicht meihr reden. Und nun dürste die„Freiheit" schweigen. Das ,Gtiaöenge|ach nach Moskau'". Die Z e n t r a l ko m m i s s i o n der U. S. P. D., d. h. äugen- scheinlich die rechtsgerichtete Mehrheit, veröffentlicht in der .Freiheit" einen neuen Aufruf an ihre Parteigenossen, in dem sie sich entrüstet gegen dieEinmischungderMoskauerin ihre Parteiangelegenheiten wendet. Es wird versichert, daß das Mos- kauer Exekutivkomitee gar keine Ahnung habe von den Skr- Hältnissen in Deutschland, und daß es leichtfertig genug sei, sich alle Angriffe und Anschuldigungen gegen die rechten Führer der U. S. P. D. unbesehen zu eigen zu machen. Dann heißt es sehr energisch: Die Hosen öer heiligen Elisabeth. Im„Zwiebelfisch", dieser sowobl arnütantcn wie an- regenden Zeilschrist, der mit einiger Verspätung jetzt als ganzer S. Jahrgang aus einmal erscheint, clzäblt sein Herausgeber Hans o. Weber eine nette Geschichte aus der Zeit des Sozia- listengesetzes. Der Polizei der guten Stadt Leipzig war es um das Ende des Sozialistengesetzes herum besonders darum zu tun, die streng ver- dotene Verbreitung des„Sozialdemokrat", der wöchentlich in Zürich erschien, zu verhindern. Man hatte e? schon herausbekommen, daß das Blcrh jede Woche unter anderm Vovwand über die Grenze geschmuggelt wurde, bald in einer Kiste, die angeblich nur Zigarren enthielt; bald als Löschpapier usw. Diese Kisten waren jedesmal an einen Genossen adressiert, der mit� solchen Waren handelte. So hatten eines Tages die Spitzel herausgebracht, daß eine Kiste mit flanellenen Tamenhosen, adressiert an ein Wollwarengefchäs: in der H... straße, auffallend schwer gewesen war. Revoluzerblätter aber wiegen schwerer als Damenhosen. Die Polizei hatte diesmal richtig getippt- Ein Geschästsmaml namens sagen wir„Müller" war der Adressat. Eben war bei ihm vom Spediteur das Kistenmonstrum abgeladen worden, da erschien auch schon ein Polizeileutnant mit drei Mann im Laden und schnauzte den Inhaber an:„Ham Sie ähm ene Gisde aus Zürich begomm n?I" Herr Müller wurde innen kalt, blieb es aber auch äußerlich. Einen Moment fragte er sich, ob er gestehen solle, dann ober war er schon entschlossen, die Zeitungen nach ihrer Eni- deckung als versehentlich geschickt zu bezeichnen. Der Briefwechsel mit dem Zürcher Großhändler war ja in seinen Händen und durch- ans sachgemäß geführt worden. Ruhig sagt« er:„Ich weetz zwar nich, waS das Sie angeht, ober da steht se." Barsch verlangte der Leutnant, er soll« sie auspacken.„Das fällt mir gar nicht ein." erklärte Herr Müller.„Wenn Sie se ausbacken wollen, dann genn Se's duhn, aber das saach'ch Ihnen, Sie müssen se dann genau so wieder einbackn wie s« jetzt is." Der Leutnant erklärte, er sehe nicht ein, wozu er diese Verpflichtung übernehmen solle, sagte aber schließlich, als Herr Müller mit dem Ausdruck ehrlicher Entrüstung über solche Behandlung eines harmlosess Geschäftsmannes darauf bestand, die Erfüllung der Bedingung zn. Nun machten sich die Schutzleute ans Oeffnen. Richtig, es lagen Damenhosen obenarff, genau wie Müller vorausgesagt hatte. Aber sie fingen an, sie herauszunehmen, und Müller wurde in sicherer Erwartung der gefährlichen Zeitungen zur Abwechslung warm. Sie packten weiter aus: Hosen, lauter Hosen, immer mehr Hosen,— bis zum Kistenboden nichts als Hosen. Müller bekam gestielt« Äugen und fing beinahe trotz seiner echt roten Gesinnung innerlich zu beten an.„Die Hosen der heiligen Elisabeth," dachte er, ob. Wir weisen eS zurück, daß fortgesetzt aus Moskau Uriasbriefe nach ollen Ländern geschickt werden mit Beschimpfungen solcher Geiwssen, die sicherlich die Verhältnisse in ihrem Lande mindestens ebenso gut kennen, wie die Genossen des Exekutivkomitees aus Korea. Wenn bezüglich der(von Ausschluß bedrohten. Red. des „Vorwärts".) Genossen, die jetzt ibre Fehler eingestehen, auch Aus- nahmen zugelassen werden, so muß das Zentralkomitee solche entwürdigenden Bestimmungen ganz entschieden zurück- weisen. Denn wer würde sich als revolutionärer Sozialist bereit- finden, ein Gnadengesuch«ach DloSkau zu schicken. Im Zorn plaudert die Zentralkommission noch einige scbr interessante Intimitäten aus der Moskauer Internationale aus. Sie versichert, daß außer fünf Russen in dem Exekutiv- komitee in Moskau noch sechs Vertreter der„kleinen kommunistischen Gruppen von Amerika, England, Frankreich, Holland, Georgien und Korea!" die Wache über die Reinheit der deutschen sozialistischen Grundsätze halten helfen.„Hält man in Moskau die deutschen Arbeiter wirklich für so dumm, daß sie auf solche Redensarten hereinfallen könnten?", fragt die Zentralkommission. Sicher wird sie von Moskau nur eine bejahende Antwort bekommen, denn die Zentralkommission selbst hat das redlichste dazu beigetragen, diesen Größenwahn bei den Moskauer Gewaltigen zu wecken. Innerhalb der U. S. P. D. und auf ihrem Parteitage selbst wird es zweifellos noch wegen der Mandate zu einem neuen großen Krach kommen. Die Zentralleitung hat für die Wahlen zum Parteitag Ur Wahlen vorgeschrieben, ein Teil der Partei- bezirke, darunter Hamburg, lehnen die UrWahl ab. Gegenüber diesem offenen Widerstände versichert das Zentralkomitee, daß die UrWahl überall stattzufinden habe, und daß, wo sie troWm unterbleibe, die Parteigenossen das Vertretungsrecht auf dem Parteitag» verlieren. Keine Delegierten würden zum Parteitage zugelassen werden, die nicht in der Urwahl gewählt worden find! Die Sache ist also ganz prinzipiell entschieden: Nach Mos- ? a u e r Vorschrift müssen vom Parteitage alle diejenigen Tele- gierten ausgeschlossen werden, dt« sich nicht schon vor dem zweiten Kongreß der Dritten Internationale für den Anschluß an Moslau entschieden haben. Nach Vorschrift der deutschen Zentralleitung werden diejenigen Delegierten ausgeschlossen, die nicht in der Ur- Wahl gewählt sind. Man darf neugierig sein, wieviele Delegierte unter solchen Umständen überhaupt noch übrig bleiben werden! Um öl'e 3. �nternatwnaZe. Wie uns ein eigener Drahtbenicht, aus Kassel meldet, tagte dort der BezirkSparteitog der IL S. P. für Hessen und W a l d e ck. Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme zum Eintritt in die Dritte Internationale. Für die Moskowiter sprach der R.dakteur der.hessischen Arbeiterzeitung", Richard Wagner. Er erklärte die Moskauer Bedingungen für hart, aber es gebe nur Sieg des Soziali Sm-us oder Untergangs und daher müßten die Dedingrcregen angenommen werden, die im übrigen für alle Länder gleich feien. Als Korreferentin sprach vom Zentral- partsivo vftand Frau Nemitz, die zwar für die Dritte ynter- nationale, ab:r gegen die Moskauer Bedingungen sich erklärte. Schließlich wurde ein« Resolution für die Moskauer Bedingungen unter Anschluß an die Dritte Jnternati.on«ire ohne jede Klausel mit 48 gegen 3 Stimmen angenommen. Von einer Urabstimmung wurde aibgefehen, weil wegen sehr früher Lsgung de? Parteitages die Zeit schon zu kurz sei. Ein? Kreiskonferenz der U. S. P. für den Bezirk Elb er- s e l d- B a r m e n, in denen Stöckse und Ledebour gegen bzw. für den Anschluß an Moskau sprachen, erklärte sich mit über- wälligender Mehrheit gegen die Annahm« der Bedingungen.— Ter zweite Berliner Distrikt>> d er Unabhängigen nahm mit 313 Stimmen eine Resolution für Annahme der Bedingungen an, währtwd«ine Resolution gegen die Bedingungen 127 Stimmen erhielt.— In einer Mitgli sderverfam mlung der Ortsgruppen Spandau und Staaken wurden Moskaus 21 Punkte ab- gelehnt und dem russischen Proletariat die Sympathie der Ver- sammlung ausgesprochen. Spie! mit öem Jener. Die innere Untvcchrhaftigkeft der reaktionären Presse kommt in ihren Morgenbetrachtnngen zu den preußischen wohl Cr protestantisch getauft war. Nun erschöpft« sich der ganz verdatterte Leutnant in Entschuldigungen. Müller aber wurde wild und fragte:„Was ham Se denn nu eegentlich in � den Hosen gesuuucht?!" Kleinlaut gestand der Leutnant, während auf Müllers Verlangen die Schutzleute die Kiste wieder einpacken und sogar zunageln mußten, er habe ihn für«inen Sozi gehalten. Man kann sich Müllers Empörung denken I Kaum aber war der Leutnant mit seinen Leuten weggegangen und hinter der nächsten Srraßenecke verschwunden, da sauste Mull« aus feinem Laden heraus zu Fräulein Minchen, die ein paar Häuser weiter ihm in Hosen und anderen warmen Dingen eine bescheidene Konkurrenz machte.„Ham Sie Heid« ne Gisde aus Zürich begomm?!" fragte er sie atemlos.„Da stebt se— aber was geht denn Sie das an?!" erwiderte die Gute.„Da ham Sie ähm noch Hosen beschdellt und unfre GiSden sinn verwechseli worden." Ein Blick auf den Frachtbrief bestätigte, daß seine Vermutung AU- traf. Sie tauschten ihre Sendungen aus, und am nächsten Tage tobte die ganze politische Polizei ratlos durcheinander: in allen Fabriken und Werkstätten war wieder der neueste„Sozialdemokrat" verbreitet, und diesmal war es eine besonders saftige Nummer! Müller aber forschte seitdem noch einer Kapelle der heiligen Elisabeth, um ihr eine wächserne Hose zu stiften. PallenvergS Verwandlungen. Am Theater der Königgrätzer Straße werden drei sehr dürstige und von Siegfried Trebiisch ganz gottverlassen übersetzte Schnurren Eourkeunes gespielt, damit Max Pallenberg das Haus füllt. Er spielt euren Schutzmann, einen Spießbürger und einen gehobenen Schutzmann, einen Kommissar. Der Schutzmann und der Kommissar sind, WaS Courteline liebt, großschnäuzige Musterexemplare ihrer unangenehmen Rasse, Rad- fahler, die nach oben buckeli. und nach unten treten. Pallenberg rat darum Ursache, turmhoch aufzumaulen und dann wie ein Wurm nach all feinem Spreizen, Schäumen, Schütteln und Zischen zu- sammenzukriechen. Er tut es gut, besser, am besten, er steigert sich grotesk unb gemütlich. Seine schlagfertige Trottelet ermüdet nicht. Aber man hat daS ALerlaueste, Allerlangweiligste von einem mäßigen Witzbold herausgeiucht, damit dem sorgenden Theater» kafsicrer geHolsen wird. Direktor, Ziegisseuer und Schauspieler irren sich: Dem Mann« kann s o nicht geHolsen werden. M. H. Ei« Stück über die deutsche Revolution.„Sumpf", Drama in einem Vorspiel und drei Akten van Leopold Schwarzschild. Uraufführung im Schauspielhaus zu Leipzig.— Wer heutzutage ein Stück über Re deutsche Revolutwn schreiben und es auf einer beachtlichen deutschen Bühne aufgefübr: und beklatscht sehen will. dem ist die Tendenz geradezu diktiert. Er muß wissen, daß da? in Betracht kommende Prcmierenpublikum etwas gegen die„Wunder- baren Zustände" der„glorreichen Revolution" Aren will. Leopold Dchwarzschild läßt es daS Publikum hören. In einer Weise zwar, die nicht nur in«ine öd« Anrempelung des NovembererfolgeS von ISIS hiyauSläuft und in viel«« Geschick und Geschmack verrät, die LandtagSwahlen ganz besonder? deutlich zum Aus- druck. Wie sehr unsere alldeutschen Redaktionen auf das schlechte Gedächtnis oder auf das— Uinlernungsvermögsn ihrer Leser bauen, ergibt sich daraus, daß sie plötzlich an den Willen der Mehrheit der preußischen Bevölkerung appol- lieren, ihrer M i ß st i rn m u n g gegen die jetzige Preußen- regierung schleunigsten Ausdruck zu geben. Von diesem Wunsch nach schleunigen Neuwahlen ist uns bisher allerdings recht wenig bekannt geworden, und einige besonders laute Schreier haben nicht das Recht, sich als B o l k s m e h r- heit auszugeben, es sei denn, daß sie den mit soviel Be- geisterilng Jahrzehnte hindurch versochtenen Grund'atz der Einteilung in Klassen unter Zugrundelegung des Portemonnaieinhalts auch weiter für sich in An- spruch nehmen; dann könnten sie allerdings noch Auto in. der Mehrheit sein. Die Drohungen, die gegen die jetzige preußische Regierung ausgesprochen werden, ähneln außer- ordentlich dem Ton, der wenige Tage vor dorn Kapp- Putsch im März in den gleichen Preßorganen, angeschlagen wurde. So schreibt die schwenndustrielle„Post": Wir glauben aber nicht, daß sich die preußischen Wähler mit all diesen Scheingründen heute noch abspeisen lassen werden. Noch deutlicher wird sie in folgenden Ausführungen: ES fragt sich nun: was werden die Rechtsparte-en t un. Werden sie den höchst unsalomonifchen Spruch des Aeilcsten- rats gelassen hinnehmen und sich in Geduld fassen, bis der nächste Schnee geschmolzen ist? Oder werden sie wirklich„mit allen Mitteln" gegen den Anschlag auf die Volksrechte vor- gehen, wie sie eS in Aussicht gestellt haben? Schon weist der„Ber- liner Lokalanzeiger" mit Recht auf das parlamentarische Minel der Obstruktion hin. Und e? fragt sich ferner: WaS werden die Wähler tun? Werden sie sich nach der wortreichen Zusicherung ihrer Volksrechte um das erste und wichtigste Volksrecht b'- trügen lassen? Oder wird nicht vielmehr der Groll über das innerlich erledigte Preußenhaus in helle Empörung umschlagen? E� wird also wie bisher nach dem alten Rezept ver- fahren: Gehetzt, geschürt und verleumdet. Wir glauben jedoch annehmen zu dürfen, daß nach den Erfahrungen des März- Putsches sich diesesmal kein General finden wird, um sich an die Spitze der durch die„Futtevkrippenwirtschast" der jetzigen Mehrheit„hell empörten" Menge zu stellen und des- halb wird die„Post" wie auch die„Deutsche Tageszeitung", die plötzlich an den Geist der Verfassung appelliert, sich so lange gedulden müssen, bis die Landesversammlui.g die Arbeit erledigt hat, von der sie ihren Namen trägt und die Neuwahlen ordnungsgemäß vorbereitet sind. Die Rechts- Parteien mögen bedenken, daß sie durch ihre skrupellose Verleumdertaktik ein gefährliches Spiel mit dem Feuer treiben. Die Arbeiterschaft aber wird sich durch das Geschrei der Verfassungsfeinde, die plötzlich ihr verfassungsfreundliches Herz entdeckt haben, nicht beirren lassen. Prag gegen Moskau. Prag, 1. Oktober. Die Vertreter de« sozialistischen Arbeiterpartei hielte« heute unter. Vorsitz des Abgeordneten Nemec eine Beratung über die letzten Vorgänge in der Partei ab. An der Konferenz beteiligten sich 33 Delegierte aus der ganzen Republik. Bon den gefaßten Beschlüssen sind hrrvorzu- beben: Die Nichtanerkennung der jüngst stattgehabten Kommuni st enkonserenz als Parteikongreß. Tie Abge- orbnetcnklubs beider Kammern sollen demnächst zusammentreten, um die Anhänger der kommunistischen Jnter. nationale auszuschließen und die Richtlinien des weite- rc« Vorhalten? festzusetzen. Tie Veranstalter der kommunistischen Konferenz in Prag wurden einstimmig aus der Partei vusz?.- schlössen. Weiter wurde die Anregung der deutschen sozialdcmckra- tischen Arbeitervartci auf Schaffung eines st ä n d i g e n sozial listischea Kongresses gutgeheißen. Der Vorstand wurde beauftragt, das Nötig« zur Verwirklichung dieser Anregung z.r unternehmen. aber dock nickt darauf verzichtet, den brutalen Nutznießer der Revo- lution. charaklerisiert durch oen erbärmlickc,», selbstsüchtigen Maul- aufreiß-r und Posteneascher Knoov lden wir aus mindestens drei Theaterstücken, 130 NovÄllcn und lfX)0 Witzblattkaritaturcn kennen) als Symptom des Revolutionsgeistes in den Mittelpunkt der Volk-- gunst zu stellen. Neben ihm wirkt Wickert, sein Gegcntpp: der Reine, Makellose, �Sehnsüchtig-, der Phantast und Neuland'uchSr um d'e Massen. Sie wollen ihn nicht. Was ihnen niemand ver- denken kann: denn saubere Gesinnung und schöne Worte von Ver- beißuna und unendlicher Sehnsucht geben nun kalt allein noch kein Recht darauf, sick Führerqualitätcn anzumaßen. Mehr aber hat Wickert nicht zu bieten. Nun: die Gier der Arbeiter nach greis- boren, materiellen Erfolgen geht über ihn rn einer Vocksderi'amm- long hinweg, in der er abrät, in e n Abkommen mit den Kavita- listen einzuwilligen, das den Lokn der Arteiter, um sie gefügt? zu erhalten, ums dreifache steigert und ihnen im Aufsichtsrat einen Posten sichert, den dann natürlich der käufliche Lump Knoop erhält. Knoop triumphiert und läßt schlietzl:ch den gar zu unbequem wer- oenden Wickert wegen VocksverratZ in? Gefängnis werfen. Womit wieder einmal erwiesen wäre, daß die Menschen in ihrer Mehrheit Malefiezhiester sind. Zu rühmen an dem Stück ist seine für einen Erstling ganz be- sonders beachtliche Sicherheit in der Aufführung. Vor allem die Massenszenen sind nahezu vollendet. Die Darstellung war hervor- ragend gut._ H B. Haus Lenß' Bestattung erfolgt am Sonnabend mittag. Nah einer öffentlichen Totenfeier in der Orangerie zu Neustrelitz wird der Sarg nach dem drei Stunden enlieimlen Stargard geleitet und in dem bei der Burg gelegenen Park der Eide übergeben. Die Arbeiter-Kunst-Ausstellung sPeterSburger Str. 39 D, bewe mit Decken von Käthe Kollwitz eröffnet, ist täglich von 5 bis 7'/, Ilbc zu besichtigen. Eintritt 1 M. Für Erwerbslose Dienstags und Freitags von 11 bis 1 Nbr kostenlos. Moderne Gesell ichaftstänz« bot das Tänzerpaar Bert de Brun vom Kopenbagener Skalathealer im Bllllhnersaal. Aber nicht etwa als Musterbciiviel- zu bequemer Nachabmmig. Die BewegungSsormcn von Tango, Foxtrott. Jazt. Damv(der letzten Neuheit) wurden vielmehr zu geschmackvollen Tanzstücken von eigener Prägung verarbeitet. Sic nelllcn nicht plauische(HestnIIungen greisbarer Tanzidccn dar(auch nichi der bildbaster gcsärbte Schlutzlanz. der grotesk bewegt allerband d, ollige Hahnen- mimst zeigte), waren graziös durchgeführte Pbantastefpiele rhythmisch joi mcnder schöner Köiperlichkeit. Da» Exotische jener Modclänze verlor in dieser Fassung dir barbarischen Ecken und Härten und ließ sich als Bereicherung der Tanzbilder hinnehmen. Das Tänze ichön macht, die Harmonie von Körper und Bewegung, das war hier in Wirkung. Die seine Vollkommen- heit der Gestalt der Tänzerin gab dieser Harvtonie in der Paardewegung sehr gewinnenden Reiz. Irene Driesch bat noch vor ihrer Abreiie mit den Rottcrbübnen einen Vertrag abgcichlossen. nach dem sie noch in der zweiten Häiste dieser Spielzeit— nach ihrer Rückkehr auS London— im Residenz- t h« a l e r austreten wird. Die Lkademie der Buchsachverständige« eiöffnet am ö. Oktober ihre Abcndoorlesungen(BuchhallungS- und Sleuer-Zeminare) im Hörsal und mit den Betriebseinrichtungen der Krünwald Regiftrator- nungsuchendec gemeldet, aber weder dieser noch die von Klaffke selber geleitete Wohnungskomnusfion konnte im Gemeindebezirk eine verfügbare Wohnung ermitteln. Auch Klaffkes Versuche, bei dem Administrator Dr. Grosse auf dem der Stadt Berlin gehören- den Gut Großbeeren eine leer stehende Wohnung als vorläufige Unterkunft zu erhalten, blieben erfolglos. Ansang Mai dieses Jahres schickte Pfarrer Flügge, der damalige Vorsitzende im Schul- verband, an Klaffte die Aussorderung, bis 31. Mai die D i e n st- Wohnung zu räumen, und schrieb u. a.:„Eine W o h- n u n g steht in Berlin zur V e r fü g u n g." Wo in Berlin diese Wohnung zu haben sei, verriet der Herr Pfarrer nicht, und vrmutlich wollte er hiermit auch nur sagen, daß Klaffke selber in BejJin eine Wohnung suchen solle. Das wäre bei der in Ber lin herrschenden Wohnungsnot aussichtslos gewesen, und Klaffke hätte auch die beträchtlichen Umzugskosten nicht tragen können. Pfarrer Flügge klagte für den Schulvorstand auf Räumung, unb Klaffte wurde vom Amtsgericht Lichter- felde am 25. Juni verurteilt, am 1- August die Wohnung freizumachen. Es nützte ihm nichts, daß lange vor dem Gerichtsverfahren das MieteinigungSamr die Kündigung bis zum 1. Sep- tember hinausgeschoben harte. Die Sache nahm dann chren„ord- nungsmäßigen" Fortgang. Ende August zog der Amtsnachfolger ein— und Klaffkes Möbel wurden, weil er den vom Gemeinde- Vorsteher wiederholten.Vorschlag, nach Berlin zu ziehen, entschieden zurückwies, vom Gerichtsvollzieher in den Keller des Schul- Hauses geschafft, der als Lagerraum für Koks dient und nicht als Wohnung benutzt werden kann. Auf seinen energischen Protest erhielt Klaffke hinterher vom Gemeindevorsteher die Erlaubnis, Betten und einige andere Möbel in den Schulsaa-l zu schaffen und ihn bis auf weiteres als Wohnung zu benutzen. Bereits einen vollen Monat.pvohnt" nun die auS dem Ehe- paar und vier Kindern bestehende Famstie in diesem Raum, in dem mit Hilfe eines Gaskochers notdürftig. eine Kochgelegenheu geschaffen worden ist. Soll sie darin Reiben, bis man endlich im Reiche des Gutsadministtators Dr. Grosse doch noch eine Wohnung für Klaffte entdeckt?_ Der angewöljnliche Trick eines Autodiebes wurde einem Kraft Wagenführer zum Verhängnis. Ein vornehm gekleideter Herr sprach in der Nähe d�s Zoologischen Gartens den Führer einer dort haltenden Kraftdroschke an und gab ihm den Auftrag, zunächst einige 100 Meter weiter bis vor das Haus Kantstraße 158 zu fahren, wo er wohn« und von dem aus die Fahrt dann nach Steglitz gehen solle. Vor dem Hause Kanffrratze 158 angekommen, bat der feingekleidet« Fahrgast den Chauffeur, ihm aus seiner im Vorder. haus zwei Treppen hoch belegenen Wohnung einen Koffer zu holen, den er nach Steglitz mitnehmen müsse. Der Kraftwagenführer kam dem Verlangen des Mannes, der im Wageninnern sitzen blieb, auch nach. Oben angekommen, zog er jedoch vergeblich am der Klingel. Nun kam ihm die Sache doch sonderbar vor. Er eilt« die Treppe hinunter, kam aber zu spät. Der Fahrgast hatte sich selbst auf Pen Bock geschwungen und war mit der Kraftdroschke davon gefahren. Es handelt sich um einen grünlackierten N.-A.-G. Wagen mit der Nummer I A 4550, an dem sich zwei Reservereifen befanden. Im Wagen befinden sich Ausweispapiere auf den Namen F. Schweizer, Lichterfelde. In der Bertreterverfammlung de« 11. KreffeS gab Genosse O b st einen Rückblick über die Entwicklung der Partei und besonders deS Schöneberger Wahlvereins, während der KrciSsekretär Genosse Tost die dem Kreise bevorstehenden Aufgaben darlegte. Darauf wurden die Wahlen zum Kreisvorstand vorgenommen. Es wurden folgende Schöncberger bzw. Friedencmer Genossen gewählt: 1. Vor- sitzender Genosse Oskar Hausse, 2. Vorsitzender Emil Buch- holz, 1. Schriftführer Willi Braasch, 2. Schriftführer Rud- b e i; Beisitzer: Sch werfenS, Burkiczak, Ferd. B a u h o f f, Hans Wolf und Kamerowski. Als Vertreter der Elternbeiräte wurde Max P o e l k e, als Vertreter der Jugend P e t r i und als Vertreterin- der Frauen Genossin Diederich gewählt. Der Deutsckie Beomtenbund veranstaltet am Sonntag, den 3. Ott., vorm. Sst, Uhr. drei große Protest Versammlungen in der Bockbraueiei, Tempelhojer Berg, in den Prachtlälen des Westens, Spichsrn- stratje 3, und im KriegeroereinshanS, Chaussecstr. 94. Thema in allen drei Versammlungen: Der Existenzlamps der deutschen B e- a m t e n s ch a s t. Verein dea Hesse« und Hessen-SIassaner. Sonnabend, 2. Oktober. 8 Uhr,.Spaten", Friedrichstr. 172, Vortrag des Generalsekretärs Nüppel: »Wege und Ziele der Bodenresorm". Ter Autobus Wilmersdorf-Alexanderplatz. hat heute früh seinen Verkehr begonnen. Die Wagen fahren in 10-Minuten-Abständen durch die Berliner und Grunewaldstraße über den Bayerischen Platz, Speycrer Straße. Motzstraße. Rollen- dorfplatz, Bülowstraße, Potsdamer Straße, Voßsiratze, Wilbelm- straße, dann wieder Leipziger Straße über Dönhoffpla�, Spittel- und Molkenmarkt zum Alexanderplatz. Ter Fahrpreis für die ganze Stkecke beträgt 2 M a r k, die Teilstrecke kostet 1 Mark. Tie vorgeschrieben« Fahrzeit ist auf 30 Minuten bemessen. Der Verkehr spielte sich heute in sehr begrenzten Bahpeal ab, da die Wenigsten von der Existenz der wiedererstandenen Autobuslinie eine Ahnung hatte«. Hxoß-Serlmer Parteinachrichten. Heuts, 1. Oktober: 14. Abt. Tie BczirtSsührer werden ersucht, schleunigst beim Genossen Roman Fischer, Sebostianstr. 52(Zigarrengeschäst), Material ab. zuholen. L3., 24., 26.«. 28. bis 32. Abt. Sozialdemokratischer Männer- chor(Kreis Prenzlauer Tor) UcbungSstunde st,8 Uhr beiBlesliil, Stargarder Straße 3. Südöstliche Abteilungen. Die Vorbesvrechung zwecks Gründung eines S.P.T.-Gciaiigvereins findet nicht heute, sondern Sonntag, den 3. Oktober, vorm 16 Ubr, im Lokal Kraute, Mariannenplatz, stakt Jungsozialisttsche Vereinigung, S.P. D. Fortsetzung der General- versammlunz tm flugendbeim, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, 2. Hos 111,1. Erscheinen aller ist bei der Wichtigkeit der Tagesordnung unbedingt er- forderlich. Morgen, S. Oktober: BezirkSfShrer der 44. Abt. S Uhr kurze sehr wichtige Lusasunen- Irmft bei Saßmann, Stettin er Straße. GewerMastsbewegung Die Zinanzieeuug der Rätezentrale. Die Berliner Gewerkschaftskommission hatte am Tonnerstag- abend eine Plenarversammlung einberufen mit der Tagesordnung: „Das Arbeitslosenbersicherungsgesetz". Vor Eintritt in die Tagesordnung kam es zu einer längeren Geschäftsordnungsdckbatte, in der gewisse Gegensätze zwischen der Betriebsrätezentrale(Münzstrahe) und dem Ausschuß der Gewerkschaftskommission zur Sprache kamen. Bekanntlich haben nach den Vereinbarungen der Gewerkschaftskommission und der Münzstratze die Gewerkschaf- ten d i e K oft e n der Betriebsrätezentrale aufzubringen. Mit Rück- ficht darauf hat die Betriebsrätezentrale dem Ausschuß her Ge.werk- schaftskvmmijsion einen Etatsentwurf eingereicht. Neumann(Beiriebsrätezentrale) beantragte, den Eta aus die Tagesordnung der heutigen Versammlung zu setzen. Ehe: Etat nicht bewilligt sei, habe die Zentrale keine Sicherheit für die geregelte Ausübung ihrer Tätigkeit. Kürzlich habe die Zentrale vom Ausschuß 35000 bis 40000 M. verlangt, aber nicht bekommen.— S a b a t h(Vorsitzender der Gewerkschaftskommission) entgegnete, die 35— 40 000 M. seien verweigert worden, weil sie ge. fordert worden seien für die Burcaneinrichtung in der Siünzstras/e, die bereits vor der Bereinvarung vorhanden gewesen sei. Die laufenden Ausgaben der Betr ebsrätezentrale würden regelmäßig gezahlt. Der Etat lönnte heute nicht beraten werden, weil die Vorstände der Gewerkschaften sich erst mit ihm beschäftigen müßten. Wer.die Kosten tragen solle, müsse auch Gelegenheit haben, den Eta: gründlich zu prüfen.— Ne u m a n n und S t o l t machten dem Ausschuß den Vorwurf, er verschleppe die Beratung des Etats ab- stchtlich, um, wenn durch die Beschlüsse des Betriebsrätekongresses eine neue S tuation eingetreten sei, von der Vereinbarung zurück- treten zu können.— S a b a t h verwahrte sich entschieden gegen diese Annahme. Er ketonte, die laufenden Ausgaben würden der Beiriebsrätezentrale regelmäßig überwiesen, lieber die Frage, ob nach dem Kongreß sine Aenderung eintreten solle oder nicht, das habe doch nicht per Ausschuß zu entscheiden, sondern die Mitglieder. Beschlossen wurde, den Etat nicht auf die Tagesordnung zu setzen.— Darauf drohte Neumann, die Betriebsrätezentrale werde in dieser Frage an die Arbeiter appellieren. Sabath efloiderte: Also die Arbeiter sollen gegen ihre eigenen Organisationen auf- gebrach: werden.(Zwischenrufe: Das hat die Münzstraße schon in den letzten Arbeitslosenversammlungen getan.) Wenn Ihr die Ar- better aufbringt, dann fallen die Folgen auf Euch.— N e u m a n n lenkte ein: Es sei nicht beabsichtigt, die Arbeittr aufzubringen. Auf Antrag von Neu mann wurde beschlossen, den Etat in einer am nächsten Dienstag abzuhaltenden Plenarversammlung zu beraten. Die Versammlung besprach den Gesetzentwurf über die Arbeitslosenversicherung, der den Reichstag dem- nächst beschäftigen wird. Wie der Referent Sabath ausführte, hat ein« von der Gewerlfchastskommisfton eingesetzte besondere Kommission den Grrtourf durchberaten. Sie befürwortet eine Reibe von Verbesserungen, die in der Hauptsache dahin gehen, daß die Arbeitslosenversicherung auf die Hausangestellten und die Landarbeiter ausgedehnt und bei allen im Entwurf vorgesehenen Entscheidungen sowie in der Verwaltung den Arbeitern das volle Mitbestimmungsrecht zugestanden wird. Die für die Saison- arbeiter ungünstigen Bestimmungen des Entwurfs sollen bcscuigt werden und wenn die Arbeitslosenversicherung den Krankentassen angeliedert wird, sollen dafür nur die Allgemeinen Ortskrankcn- kassen in Frage kommen. In der ausgedehnten Diskussion wurden gegen den Entwurf von mehreren Rednern grundsätzliche Bedenken geltend gemacht. Unter anderem wurde die Frage erörtert, ob man nicht statt der Heranziehung der Arbeiter zu den Beiträgen verlangen solle, daß die Allgemeinheit die Lasten der Arbeitslosenfürsorge zu tragen habe. Schließlich wurde die durch drei besonders sachver- ständige Mitglieder verstärkte Kommission beauftragt, den Entwurf nochmals durchzuarbeiten unter Berücksichtigung der geltend ge- machten Grundsätze. Eine fürstliche Entlohnnng. Vor dem Kriege drang mit gewisser Regelmäßigkeit ein Schrei um Hilfe von denjenigen Aermsten der Armen in die Oeffentlia kci:, die infolge der wirtschaftlichen Not gezwungen waren, jede Arbeit, auch die schlecht bezahlteste anzunehmen. Daß sich auch jetzt noch Arbeitgeber finden, die zwar einfache, aber zeitraubende Arbeit mit einem Hundelohn entgelten, beweist folgende Tatsache: Die Papiervertrieb- und Tütenwcrke, Inhaber Paul Pniower, AndreaSstr. 40, Ausg. 3, I Tr., suchen durch Annonce in der..Morgenpost" Heimarbeiterinnen, welche bei En nähme der Arbeit einen großen Posten Material zum Falzen und Kleben von Apotbekertüten erhalten. Für je 1000 Stück der fertigen Tüten zahlt diese noble Firma sage and schreibe 2 M. Selbst eine geschickte Arbeiterin braucht 4 Stunden, um 1000 Stück solcher Tüten fertig zu machen und hat dann einen Stunvenlohn von 50 P f. nach angestrengter Tätigkeit erreicht. Ein Kommentar hier- zu scheint unS überflüssig, es genügt zu betonen, daß eine solche Entlohnung einfach menschenunwürdig ist. sagt dazu der Betriebsrat der Finna, mit dem Rück- spräche zu nehmen der Firmenträger einer empörten Hereingefalle- nen verweigerte, zu diesem Vorgehen des Arbeitgebers? Hier ein- zugreifen wäre leine verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Die arbeitsuchenden Frauen können wir aber vor der Annahme einer solchen Tätigkeit nur dringend warnen, Passive Resistenz bei der„Vietoria". Die Angestellten der Versicherungsgesellschaft„Viktoria" haben, weil ihre Forderungen hartnäckig zurück- gewiesen werden, zu dem Mittel der passiven Resistenz ge- griffen. Seit heute morgen 9 Uhr stehen 4990 Angestellte auf den Höfen und warten auf das Ergebnis der VerHand- langen, die der Betriebsrat nrtt det Direktion führt. Im Laufe des Vormittags ist der Betriebsrat in dreimaligen Verstand- lungen immer nur an den Arbeitgeberderband dccwiesen worden, der gegenüber den Forderungen der Angestellten einen ablehnenden Standpunkt einnimmt. Streik im Berliner Buchhandel? Ueber die Tarifverhandlungen im Buchhandel berichtete Guiard am Donnerstag in einer zahlreich besuchten öffent- Ii che n Versammlung aller Angestellten des Ber- liner Buchhandels, die von der Afa nach den Sophienfälen einberufen worden war. Der jetzige Gehaltstarif lief am 30. Sep- tember ab. Auf die Forderungen nach Erhöhung der Gehälter um 30 Proz. und für Jugendliche und Lehrlinge um 35 Proz. hatte der Arbeitgeberverband Lohnabbau angekündigt. Der Buch- Handel soll angeblich im Absterben begriffen sein. Am Schluß der am Donnerstag stattgefundenen Verhandlungen mtt den Vertretern d»« Lrbeitgeberverbandcs gaben die Arbeitgeb« nach einer halb- stündigen Sonderberatung«in« E r k l ä r u n g ab, die unter andere» besagt: Hätte« auch die Wünsche zahlreich«- BwcWudleli auf Lqhw- cSBan BersHtigung, so frage man doch Bedenken, gegenwärtig damit zu beginnen. Man sei bereit, einen Tarif abzuschließen, der die bisherigen Gehaltssätze bis zum 31. Dezember 1920 aufrechterhalte. Die Versammlung, sagt Redner, solle selber entscheiden, was demgegenüber zu tun sei. Das zweite Referat hielt Meyer. Beide Redner wiesen nach, daß die gezahlten Gehälter im Buchhandel viel zu niedrig seien, und kritisierten des Verhalten der Arbeitgeber. Folgende Resolution wurde nach lebhafter Diskussion « i n st i m m i g angenommen: .Die Versammelten beharren auf ihren Forderungen, da die ■IIWIIWl11 I II i«I II IIIWMI«■illl llliillllllllllli lll|i|lllilllllMFIW»llll lillllll|l|l|i| I augenblicklichen Gehaltssätze zum Lebensunterhalt nicht entfernt ausreichen. Sie lehnen daher das Angebot der Arbeitgeber, den bisherigen Tarifvertrag bis zum 31. Dezember 1929 zu verlängern, mit Entrüstung ab. Sie beauftragen die Afa, den Kampf bis zu einem siegreichen Ende zu führen.* Zur Durchführung dieses Beschlusses wird in den nächsten Tagen durch eine Urabstimmung in den Betrieben darüber entschieden werden, ob in den Streik getreten werden soll. Deranlw. für den redalt. Teil! Dr. Werner Pelscr, Charlottenburg: für Anzeigen- Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor> wSrts-Bucbdruckerei u. Verlagsanktalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Llndenltr. 3. BSXS Zur Aufklärungl „Kukirol", das schnell und sicher wirkende Mittel gegen �ühnefayges'i, HorrsSiayt, Schwielen und Warzen ist in großem Format für die Käuier vorteil- hafter, als in kleinem. Da„Kukirol" lange Zeit haltbar ist, so wird es von jetzt ab nur noch in großem Format hergestellt, zumal der Preisunterschied nur 50 Pf. beträgt. Preis des alten Formats M. 2.50, des neuen M 3.—. „Kukirol" ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. Achten Sie aber genau auf den Namen. mmrmt�asmnießssajKaiBäBSBsseimsms� (tydMfe m/erer I OerMridkbfchell- kdrierk tfonkl yerarbcM /*3öS,- Oer- vornehme Plüjdi'Manfd gnm. geföfferf tu auf reher öe/de ttJMX- ztou opcrrfe /C/e/cT Jh reher CDotfe rz. @ Ocj f/ohe /Co/föm Ife/jir'Oarn/erung /£ 393*2 M � K AAVI 6-CO. MRUN'O' FßMKfVßTOi M£E£ SO. KonTgStadt 4114. Filin-PalastKoppeBütrJS. Vom 1.-7. X. 20: „Moriturus44 nach aem Roman„Liebeshörig", von Fr. Runkel mit Ma* Landa, Reinhold Schünzel, Conrad Veldt a. Hulda Wörner. „Die Frau Im Doktcrliot" Lustspiel mit Lotte Neumann. 3 Moriey's. Ross-Theater. �•BerMi-CIiFisl.d'eÄ Elektro-Motore Leiwnge-Dynamo-Drähte. In- stallat.-Material laust laufend Elcktromech..Zetttrmn.(Alex. 4782). Rurs« Str. 13(Alex.PL). Wandervögel finden neue Fiele für ihre Fahrten in Lesiens jchönem„Wanderbuch".(S M.) Buchh-Vorwärto, Lindenstraße2. veutsoher Schulverein Duchel, Wpr.(Pomorzef. Die deutsche Unterrichtssprache ist unseren Kindern in den bisherigen höheren Schulen nicht bewilligt worden; wir mussten eine eigene deutsche Privatschule gründen. Die jährlich etwa 80 000 M.(ca! 20 000 M. deutscher Währung) betragenden Unterhaltungskosten können wir aus eigenen Mitteln nicht aufbringen. Liebe deutsche Brüder, helft uns! Bewahrt unserer Jugend das deutsche Volks' um I Schützt sie vor der Polomsierunel— Geldspenden erbitten wir an die Dresdner Bank, Berlin W56. Der Vorstand t P. SchlonskL R. Heppner. JecSer Eisenbaliner der norwörts strebt und nach dem Grundsatz: „Freie Bahn dem Tüchtigen" sich durch ein- schlägige Fachliteratur fortbilden will liest zur Vervollkommnung feiner verufskennwifie unsere konlurienziose Fachzeitschrist Sie MMiale Amtliches Orgon de< Verbandes Deutscher Eisenbahnfachschulen und technische Zeitschrift für alle Eisenbahner. Interessante ArtiteL Lehrreiche Abhandlungen. Ans dem Inhalt: Demokratifierung im Eisen- bahnwejen.— Die Entwicklung der Siemens- Werke.— Reuerungen im Signalwesen.— Lokomotivieffei mit Uederhitzer.— Wasserftands- mueiger.— Elektrische« Schweißen in Eisen- bahnw-rkstätten.— Der Luftdruck, das Dar»- meter.— Die Verwendung von fiußeiiernen Lvkamotw-geuerdllchsen.— Der Lokomoliv- iesseL— Die Telegraphir.— Elektrische Schnellbahnen— und vieles andere mehr. Verlangen Sie k o st e» l s s Probcnittitmern. Für Verewe bMger. Für vereine billiger. Anerkannt vorzüaL,«irkmtasvolles Suiertionsorgoa. Inserate in der„Etsenbahniachichuie" haben den größten Erfolg; die Li' vorzüaL, i te in der rößten Erfolg: die Leferschäst setzt sich nachweisbar aus den Eifenbahndebörden, sowie ea. 20 000; Srern der Eisenbahnfachschulen zu- '.n über UKMEdjulen im ganzen sammen. An Uder itio(Schuten im gar Reiche verbreitet.— Man verlange Offerte. W sNlsz k. Wosenianii, Berlin SW., Kiz'&r%:r TU. ftutfüift 4015. Postsch. Berlin 33475. TeieguDiweamso Billige Schuhwaren gelangen heute und folgende Tage zum Verkauf, soweit Vorrat reicht Ein Posten Kinder-Stiefel«uiiedlr"oucie GrUße 87/30. 71. 29.50 GrOBe 81/35, H. 33.50 Ein Posten Damen- Stiefel... m. 145.— Diverse Damen-Halbschuhe... m. 98.50 Ein Posten Herren-Stiefel... 165.— Jede Fahrt lohnt sich nach Schnhhaas Knntze Gr. Frankfurter Str. 83, Ecke Marslliusstr. Schulmappen 48 Mark, hait- darite und eleganteste. Napi- wotzki, Brandcnburgstratze 6. Fadrit von 8—4. 37/17" Geschäftsverkaufe Lebensmiitel-Seschäst, gut ehend, verkaust wegen Tode»- Loidergerstraße 32." Möbel-Sroh, Große Frank- furterftraße 141. stn-aliden- ftraße 5. gibt federmann Kredit. Große Auswahl in l— 2> Stuben• Einrichtungen. bunten Rüchen, einzelnen Möbeln._ 125» Möbelkredit, bei kleinster An- -ahiung und Abzahlung. Große Auswahl in kompletten stim- mern sowie einzelnen Modeln, farbigen Küchen Herabgesetzte i Prelle. Lichtenthal, Oranien- straße 14a(Heinrichsplatz). Ge- gründet 187S. Piatin, über TatzkSyke!», Brennftiste. Piaiinlsnlak e, Gold, Silber in Bruch, auch m Serien, Quecksilber. 3ob> gedisse laust zu den hodistln Preisen Adolf Friedländer, Konimandanlenstratze 23 I, recht». Naturglimmer, Ehrom- nickeldraht und andere Wider- ftandsdrädte kauft Schmidt, Unionfttotze 3, f""- ftraße. Sneisen Sie gutgehende, hohen Verdienst bringende Artikel? Dann verlangen Sie sofort Vertreterpreisliste von 6tto Grothe, Keukölln 43, feykestr. 18 Sanitätshaus für die intime Körperpflege Engtros Export Versaad Soweit Vorrat: Kiinsiier-Gardlineii 120.- 2 Flügel, 1 Behang mit Volang ____ j_ Gardineuhaoa ®1»Ca S Frankfurter Allee 56 zwischen Kreuziger- und Mainzer Straße. Ad Privawerkauf einiger selbst» gefertigter ersttlasstger Jackett- anzüge und Ulster. Äarschawsti. bodrechtftraße 2L vorn IL M.SchriUe»am Hermannplatz. tirenzfüchse, Aloskafiichfe und aüe anderen Pelzarten, enorm billige Eommerpreife, Taschenuhren, Brillanten, Schmuctiachen. vornehme Serrenuifter. Swienstr. 208/4. Ecke Rosenihai� Straße, nur 1 Treppe,»osenchaier Tos.' Kreuz fnchse 300,—, Atasta- fiichse, Slausüchse. Zobelfüchse, Siidersüchse, sowie sämtliche Pclzwaren jetzt di« Preishälfte Herabgesetzt. Sonderangebot: Damen-Pelzmäntel, Damen» Garderode, Herren-Dehpelze, Herren- Sportpelze, Wogen- pelze.— Iatettanzüg». Eula- ways. Paletot» lieine Lombard- waren). Bekannt billige Preise im Leihhau» Morizviatz 58a (größtes derartige» Spezialhau» verlins.)_* Pelzgarnituren! Alaska- illchse 110, Rotfüchse 1». Zobel- stich, e 150 Mark elegante Kreuz- Illchse. Silberfüchse sowie alle anderen Pelzarten, alles neue, keine Periotzware, zu staunen- egeud fpotidiNgen Sommer- isenl Leihbaus Warschauer- Größerer Posten Herren- Anzüge, geschlossen oder ein- zeln. wegen Aufgabe de« Ge- ichäst» billig zu verkaufen. H. Schultz, Feimstr. 4, II. 133/8 Bettdecken, einbettig 55,— an, zweibettig 75.— an. Gar- dinenaeleaenheitskäufe, cktöpe nickerstratz. 101, U. Hott- Gardincnverkau;! 10 bil- ligr Tage! Schalgardinen Ifchmai, leicht angestaubt) 28,— aufwärts, bunte Gar- dinen Meter KLO. Bettdecken, einbettig 55.—, zweibettig 75,— auswärts, Store« 75,—. Echte Madiasgardinen 195,— aufwärts, hochelegante Künstler- aardmen in Erbstiill und Snglischtüll bedeutend herab- gesetzt. Spezialgeschäft für Ge- legenheitstäufe, Köpenicker- fttaße 101, II, Etage(nahe Zannowitzbrücke)." «usuahme-Woche. Reste für Küchsngardinen 27.—, 35.—, Slubengardine» 58.—, 85.—, 120.—, 155.—, Bettdecken 45.—, 75.—, 125�-, Scheibengardinen 4.—; ferner Riefenauswahi eleganter Stores, Künstler- Mabrasgardinrn, Steppdecken, Diwan decken, Tischdecken, Teppiche, Läuferfioffe, Felle usw. Wirkliche Gelegenheitskäufe. Frieds Gardinen- und Wäsche- ./ans, Prinzcnstraße vierund- achtzig, zwei Treppen, am Moritzplatz Gezimalwagen, Tafelwagen, Gewichte liefert ob Vorrat. «Bagnet,«penickerfiraße XL Metallbetten 210,—, Polster- auflagen Zingler, Reutöllnt Welersttatze 212, l._ Möbrl-Lechner offeriert Schlafzimmer. Eiche, weißlackiett.Nuß- daum. Pollsander, Kirschbaum, Mahagoni, Speisezimmer, Her- renzimmer, Küchen, Schränke. Bertikow» uiw. Große Aus- wähl, sehr preiswert. Besuch lohnend. Auf Wunsch stahlunzs- Erleichterung. Möbei-Lechner, Brunnenstraße 7. Geschästszeit 8—7. 186« Mus ikinst rdmente� Eingespielte Mandolinen, Violinen Gitarren. Lauten. äußerst billig. lUnterricht 20— Monatshonorar. Drei- inona.skurie zur perfekten Ausbildung.) Mund- und Handharmonikas usw.. ae- brauchte Klaviere. Hanno. nium» verkaust Berger u. Co.. Oranienstr. 166. 156K Kriegsanleihe, Derwaviere. Pfandscheine kaust, beleihst Lange. Berlin. Oranienstraße 145.» Schallplatten, auch Bruch, hödistzahlend, Weißberoer, Liniensttaße 76. Norden 4614. Piaaoa, Stutzflügel. Harmoniums. gebrauchte und neue Znfirumente Revara. turen und Stimmungen. Mar Adam Münzstraßs 16. 130K Vierling-Pianoe, neue, mtte gespielte, wohlfeile Gelegen- deiten. Kottbulerfir. 5. 75K' Damenfohrräbee, Herren- sahrräder, 385. Motvrzwcirad. 1500. Fahrradgummis, ifube- hör preiswert. Kämmereit, Große Frankfurterftraße 14, Hof.* Alt Biel- Schetstenblei kauft Max Retemeyer, Ritter» straße 8L_ 1755b» E chuhwaren, gut erhaltene Herren», Damen- und Kinder- fchubc. Halb- und Langschäfter, Ledergamaschen. Hosen, Bett- und Leibwäsche kaust zu höch- sten Preisen Sporn, Hotel Riga. Mittclstt. 12/13, Zimmer 0. Grammophonplatten, auch Bruch, kauft zu hohen Preisen Stephan, Neukölln. Isar- straße 12, 1»._ 38/5» Kvkoski, Goldschmied, kaust über Tagespreise: Platin. Gold, Eiiberbruch, Unmodernen Schmuck. Zahngebisse, Brennftiste. Eigene Verwertung. Goldwaren-Fadrik. Brunnen- straße 108. 145«» Unterricht Kaufmännisch» Priootlchule Georg Grunow, Belle-Alli- anee-Etraße 106. Schön- schreiben, Maschineschreiben, i Stenographi». Buchführung, Z'cchnen, Echriftverlchr. Wech. . selkunde RIchtiaschreiben. An- meidungen iederzeist 108«» Tanzunterricht Karl Ftted- rich, Michaelkirailtr. 39. An- fänqerkurse. Modetanzkurse, Einzelunterricht_ 35/10* Klavierkursus. Erwachsenen, Schnellmelhode, Monatsprei» 12—, Klaoicrüben sreL Musik- akademie, Oraniensttaße 63.» Photoapparate, Prismen- glas er kaust Haller, Neue KänigfiratzelSc. ISV4D» > Rechtsrai! Prozeßführung. Berlinerstraße 102(Hermann- platz>.�__»_- Leihhau» Gd/öneberg. Se- danstraße i. gegeniider Bahn- Hof. beleiht döchstzchlenb alle». Stets Bettauf von Bertsachen. Stephan 3033. Richard Eichelmana. WIK»