Ns.4SS* Z7. Jahrgang Ausgabe A Nr. 107 Bezugspreis; B ecteljäl)rL30,— MLmtmotl lO— 2Mt, frei ins Hau», ootau» zahlbar. Post» bejuq: Monatlich 10,— M!> tjtL S"* srellungsgedukr. Unter Slrembonb fitt Demschlanb und Oesterreich 16�0 M!» für das übrige Ausland bei täglich e-ntnal. Zustellung 2150 Sl. Postbestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowalei, Däne- matt, öollano, cujemoutg, Echweden tinö Die Schroevt.— Eingetragen tu die Post-?eiiungs»Preisliste. Oer.SonDärts* mit der Sonntagsbeilage»Voll U.Zeit' ericheint tooiben- täglich zroeimol. Sonntags und Montag» einmal. 4»� argen Ausgabe Telegramm-?! dreste .Sozioldernokral Verl in-, Verlinev Volksblatt �ZSpksnnig) SlnzeinenpreiS t D e achtgeipaltene Nonvareillezeile toitetZ.— iL!., Teuerungszufchlag Xflty »Slein« Anzeigen-, das tett- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zmei iettgedruckte Worte), iedes weitere Won 60 Psg. Stellengesttche und Schlafstellenanzeigen da» erste WoN 65 Psg» iedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszufchlag 500/,. Fami lien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 2,— M.. politiithe und ge- wertichaitliche Vereins- Anzeigen 8.— Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer miinen die 5 Ahr nachmittags im lzanotgefchast. Berlin SW-i, Linden- kraHe 3, abgegeben werden. Geöffnet oon 3 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der rosialdcrnokratifchen parte» DeutPchlands HedaPtion und Expedition: elf. 6S, Lindenstr. 3. aernff reichet: Amt Mortüvln«, Nr. ISA iM—»-,» N7. Sonnabend, den Ä. Oktober INZätt vorwärts-verlag G. m. b. tz., SW. öS, Lindenstr. ö. Z»fernivrrcher: Amt tvtortuvlnn, Nr. 117.1!!— 54. Veuqihöfterreichs Mschlußwille. Tic Nationnlvcrsainmluni» in Wien hat einstimmig be- schlössen, dast spätestens innerhalb eines halben Jahres eine Lolksabstiinmung über die Frage des Anschlusses an das Deutsche Reich abzuhalten ist. Den derzeitigen Herren der Welt hat es in ihrem im» erforschtichen Ratschluß zu St. Germain gefallen, einen Teil des deutschen Ostalpenlandes samt einem Streifen nördlich der Donau zu einem Staat zu machen. Hunderttausende ge- schlössen siedelnder Volksgenossen wurden von ihm abgerissen, das deutsche Westungarn hält Horthy trotz dem Dittat fest und benutzt es als Aufmarschgelände für eine Armee, die vier- mal stärker ist, als die Entente befahl, das Volksabstimmungs- gebiet in Kärnten steht unter dem Terror der(südslawen, die das Land beanspruchen und die man es besetzen ließ.... Dcutschösterreich, das sich nicht so nennen darf, und dem mit bewußt kränkender Absicht der Name des alten Habs- burgerreichs in die Stirn gebrannt wurde, kann sich nicht selbst ernähren, bat fast keine Kohle, keine Meeresküste und steht mit einer schier wertlosen Valuta als der Bettler unter den Staaten da. Tiefes Land, dein daS deutsche Volk einen beträchtlichen Teil seiner größten Tonfetzer. Tidster, Schriftsteller, Gelehrten und.Künstler verdankt, darf nicht vollziehen, was sein erster feierlich verkündeter Entschluß war: Die Ver- einigung mit dem übrigen Teutschland. Die Volksabstimmung über die Anschlußsrage wird "zwangsläufig, weil naturnotwendig, ein überwältigendes Ja! ergeben. Wird auch dann die Entente, die unter der Fahne des Selbstbestimmungsrechts und der Völkerbefreiung ihre Mannschaft ins Feuer schickte, Nein sagen? �hristlichsozialer Lanöesverrat. Wien, 1. Oktober.(Tigener Drahtbericht deS.VorwärtZ".) Der chrlstlichsoziaie Abg. Dr. Mataja bat gegen unseren Partei« genosten Abg. Skaret eine Beleidigungsklage angestrengt, weil Klaret ihm in der Sitzung des Wiener Gemeinderats Landesverrat vorgeworfen hatte. Durch diese Klage sollten die Enthüllungen der .Arbeiterzeitung' über die Beziehungen zwischen den Christlich« sozialen nndHorthh-Nngarn auf ein Nebengleis geschoben werden. Ter Ausschuß der Nationolveriammlung hatte die Aus- licferuttg C kat ctS bewilligt. Bei der Verhandlung im Plenum protestierte Dr. Friedrild Adler energisch dagegen, da eS sich um eine politiiche Sache lind um«ine Verschleierungsabsicht handelt. Adler verlas eine Reihe von Dokumenten, ans denen sich ergibt, daß der Herausgeber der parteiamtlichen christlichiozialen Korrespondenz den unga- rächen Pressechef Reich eingehend über die vertraulichsicir Be« sprcchungen des HauptausschusseS und deS Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten informiert hat. Die Folge dieser Enthüllungen war, daß daS Haus mit 62 gegen 43 Stimmen die Auslieferung Skarels ablehnte._ verfammlungstumult in Wien. Wien, 1. Oktober.(Telunion.) Gestern abend kam es in einer eh ri st lich sozialen Wählerversammlung zu großen D u m u l t s z e n e n. Ungefähr 5l) Volkswehrmänner waren in die Versammlung eingedrungen und begleiteten die Rede des christlichsozialen Parteiobmanns K u n s ch a k mit Pfuir-useit. Im weiteren Verlauf kam es zu großen Skandalen. Plötzlich fiel ein R ep o l v e r s ch u ß, der glücklicherweise niemand traf und in oic Decke des Versammlungslokals eiwdrang. Dies war das Signal zu großen Tumulten, da sich hunderte panikartig dem Ausgang zu- wandten. Seitens der Sozi�demokraten wurde der Koopcrator Sonntag beschuldigt, den e-chuß abgegeben zu haben. Man hörte seitens der Volkswehrmänncr den Ruf:.Der Pfaffe hat g e s ch o s s e n." Volkswehrmänncr fielen über Sonntag her und) schlugen ihn mit Knüppeln nieder. Auch der Sekretär des christlichsozjalen Arbeitervereins wurde zu Boden geschlagen. Die Polizei war zu schwach, die Ordnung sofort wiederherzustellen. Mehrere Frauen, welche zu Boden gestürzt waren, bluteten an Ge- ficht und Händen. Es dauerte längere Zeit, bis die Ordnung wiederhergestellt.werden konnte. Ter Vorgang hat besonders in bürgerlichen Kreisen große Er- regung' hervorgerufen. Staatssekretär Mayst berief einen außer- ordentlichen Kabinettsrat und beauftragte den Staatssekretär für das Heerwesen Deutsch, bis dahin das Material für die Unter- suchung des Falles vorzubereiten. Deutsch erließ einen Befehl an die Wehrmacht, in dem es heißt:„Ich werde jede im Wahlkampfe erfolgt« gesetzwidrige Handlung von Angehörigen der Wehrmacht aufs strengste ahnden. Wer versucht, Andersgesinnten seinen politischen Willen mit Gewalt aufzuzwingen, ist nicht würdig, den Rock des Wchrmannes zu tragen; er wird schonungslos aus den Reihen der Wehrmacht ent- fernt werden.' Streik der Zeitungsangestellten. Tic Berliner Zcitnngsangcstclltcn sind in den Streik getreten. Eine Zustellung dieser Nummer an die Abonnenten kann daher nicht garantiert werden. (Siehe auch Beilage.) Die Sowjetarmee auf üem Rückzug. Warschau, 4. Oktober.(TN.) Amtlicher Heeresbericht vom 30. September: Nach oer Vernichtung der Sowjet- truppcn.die im Abschnitt Lida konzentriert waren, setzten unsere Truppen die restlose Verfolgung des Feindes in östlicher Richtung kort. Der Feind zieht sich i» panikartiger Unordnung zurück, wobei er von allen Seilen einkreisende Vorstöße unserer Ab- trilungen abzuwehren hat. Eine Sowjetdivision ging voll- ständig zu uns über, nachdem sie vorher die Kommissare, die sie zum Widerstand zu zwingen suchte, ermordet hatte. Nach Aussagen von Gefangenen hatte der Befehlshaber der dritten Sowjetarmee, als er dir drohende Situation erkannte. Selbstmord begangen. Tie großpolnische Gruppe, die sich von Slonim ans vorwärts bewegt, eroberte am 30. September im heldenmütigen Angriff Baranowitfchi. Südlich des Pripjet zog sich der Frinv unter unserem Druck ans die Linie des Flusses Slucz zurück. Unsere Kavallerie besetzte Zwiachel, wobei sie Gefangene wachte und k Geschütze erbeutete. Der polnische Generalslab meldet die Einnahme von K a- mcnetz-Podolsk. Frankreichs Kolonie polen. Ter„Knrjer Warfzawfki" gibt Aeußerungen des Fi- nanzmini st ers Grab skr über das von ihm in Paris ge- schlossene Abkommen mit Frankreich wieder. Danach wird Frankreich Polen auch nach Friedensschluß Waffen, Mu- nition und Ausrüstung für das Heer liefern. Polen dagegen werde Frankreich 30 000 Tonnen Zucker und 10 000 Waggons Petroleum liefern, was fast die Hälfte der Produktioü der galizischcn Pe- troleumgucllcn ausmache. Tiefes polnifch-französischc Abkommen ist für die Tauer eines Jahres abgeschlossen. Englisch-russiscKer tzanöeisvertrag. London, 1. Oktober.(Hollandfch NieuwSbureau.) Der„Daily Herald" meldet: Die englischen und die Zowjetvertrcter haben sich bereits über die folgenden sieben Punkte g e e i n i g t: 1. Waren aller Art, mit Ausnahme von Kriegsmunition, können i« und aus Rußland frei ei«, nnd ausgeführt werden. 2. Die Schiffahrt zwischen beiden Ländern soll unter die all- gemeinen internationalen Gesetze fallen, aber beide Staaten können für das Landen von Matrosen Bedingungen stellen. 3. Jeder Staat kann in das Olebiet des anderen Handels- agenten entsenden, die alle B o r r e ch t e, die sonst Konsuln zugesprochen werden, genießen foUcn. . Die britische Regierung ficht von allen Beschlagnab- in ii n g e n oder Verfallserklärungen von Waren ab, die Sowjet- rußland oder seinen Bürgern gehören. 5. Die Sowjetregierung verzichtet auf alle Berfallserklä- rungen und Beschlagnahmungcn von Gütern, die Privatpersonen der britischen Nationalität gehören. 6. Die Frage der Schulden der zaristischen Regierung wird einer Friedenskonferenz zugeteilt. 7. Beide Parteien können das Abkommen mit.scchsmonatlicher Frist kündigen. Die russische Delegation hat auf Grund dieser Abmachungen bereits große Einkäufe in gewebten Stoffen und Maschinen gemacht. Tie erste Bezahlung der Güter soll in Gold bestehen, daS bereits in einer Bank in Rcval hinterlegt ist. Neusr sozialistischer Wahlsteg in Dänemark. Kopenhagen, 1. Oktober.(WBT.) Nach den heutigen Lands- tingmahlen besteht der Landsting(die euf Grund eines Zensus- Wahlrechts zu wählende E r st e Kammer.(Die Red.) aus 13 Konservativen, 8 Radikalen, 22 Sozialisten und 31 Mitgliedern der Liicken. Zwei Wahlen stehen noch aus. Das bisherige Landsting bestand aus 14 Konservativen, 8 Radikalen, 19 Soziali st en und 31 Mitgliedern der Linken. Infolge der Rückkehr Südjütlands ist die Anzahl der Landstingmandale um vier erhöht worden. Die Mandate gelten für acht Jahre, jedoch wird die Hälfte der Man- date nach vier Jahren erneuert. Das erstemal entscheidet das Los. wer abgehen soll. Nur 12 000 deutsche Kriegsgefangene in Sibirien. Wie die „Telegr.-Union" erfährt, sind nach zuverlässigem Akaterial, das in Berlin vorliegt, 15 000 Kriegsgesangene aus Sibirien bereits zurückgekehrt, 10 000 bis 12 000 sind noch zurückgeblieben. Tie Gesamtzahl der in ganz Rußland befindlichen Kriegsgefangenen aller Nationalitäten beträgt ISO 000. Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Die Enthüllungen aus dem Magd'.airger Spitzel- sumpf ließen erkennen, daß es sich nicht um eine lokale Organisation der Reaktionären handelte, sondern daß über Deutschland ein wcitverziveigtcs Netz von Spitzelfilialcn be- steht. In Nürnberg ist es gelungen, eine dieser Pestbeulen aufzustechen. Untrer dortigen Paiteeiorganiiation ist eine Dienstanweisung der staatlichen Polizeiwehr in die Hände gefallen, an deren Kopf„Streng geheim" steht.„Nur von Offizieren aufzubewahren, nur von Offizieren zu bearbeiten". Diese Dienstanweisung gibt ein ganz genaues Bild über das Treiben der politischen Spitzel. Bei der staat- lichen Polizeiwehr in Nürnberg ist eine eigene Agenten- abtcilnng eingerichtet, deren Geschäftsräume unter Verwendung einer Deckbezeichnung außerhalb des Grnppcnstabes unter- gebracht sind. Die Agenten werden auf einen Decknamen verpflichtet und unter diesem Tccknanien in der Liste geführt. Außerdem erhält jeder Politische Agent einen Ausweis, der seine Identität mit dem Decknamen beglaubigt. Die Beamten dieser Agcntenabteilung müssen außerhalb der Kaserne tvolmen und bürgerliche Kleidung tragen. Die Nürnberger Spitzel- organisation steht mit der Reichswehr nnd mit der Einwohnerwehr soivie auch mit der 5k r c i s- regier nng in engster Fühlung, diese Behörden erhalten wöchentlich einen Bericht von der.Agentenabteilung über das. was die Spitzel ausgekundschaftet'haben. Die Tätigkeit der Spitzel muß sehr vielseitig sein, denn in der geheimen Dienstvorschrift wird darauf hingewiesen, daß sie über das Auftreten politischer Führer, über besonders tätige Agitatoren Berichte einsenden müssen. Ferner haben sie die Stimmung unter der Reichswehr und der Polizeiwehr zu eruieren. Sie müssen die Einwohnerwehr bespitzeln und in denFabriken herumhorchen. Ja, selbst aus das Eisenbahnpersonal haben sie Obacht zu geben. Ueberall müssen sie dabei sein, bei Lebens mittelkravallen, bei Denionstra- tionen, bei Streiks usw. Wie diese Aufgaben der Spitzel zu loten sind, darüber sagt ein Paragraph des„streng geheimen" Dokumentes: n) durch die persönliche Beobachtung der Agenten auf der Straße, in den Straßenbahnen, in Wirtshäusern und 5k i n o s usw.. b) durch den Besuch der öffentlichen und g c- Heimen Versammlungen, o) durch Heranbildung eines Systems von Ver- trauenslcuten in den Städten Nürnberg und Fürth. ck) durch Ue b e r w a ch u n g p o I i t i sch be s o n d c r s tätiger Persönlichkeiten, e) durch Ueberwachung der Organisation und der Maßnahmen aller Parteien, i) durch ständige Fühlungnahme mit K r i- minalpolizcibehörden und der politischen Abteilung der Reichswehrbrigadc 24 in Nürnberg, g) durch tägliche Fühlungnahme mit der Presse- a b t e i l u n g, Daneben ist auch jedes andere Mittel zu- lässig. Hauptsache aber ist und bleibt bei allen Hand- lungen: st r e n g st e Geheimhaltung nnd größte llnauffälligkeit gegenüber der Oeffentlichkeit. Die Meldungen sind nur mit dem Deck- namen zu zeichnen und stets„An den Kommandeur der Gruppe II" zu richten. Die Gewährung von Geldmitteln zur Be- streitung von besonderen Auslagen der Agenten und für Belohnungen bei besonders wertvollen Nachrichten ist be- antragt." Um ihre Unentbehrlichkeit nachzutveisen, haben dann die Spitzel die Behörden und Verwaltungen mit gefälschten Nachrichten überschwemmt, sie haben Unterredungen mit den zu Bespitzelnden einfach erfunden. Diese erlogenen Berichte gehen dann an die Behörden und danach trcssen diese dann Anordnungen. In einem Prozeß, der dieser Tage vor dem Nürnberger Gericht stattfand, wo es sich darum handelte, einem treu auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehenden Leutnant aus der staatlichen Polizeiwehr hinaus- zudrängen, ist es gelungen, zwei der Hauptspitzel der Nürnberger Zentrale zu entlarven. Diese beiden Spitzel waren gegen den republikanischen Offizier als Belastungszeugen ge- laden. Auf die Frage des Verteidigers an den einen Be- lasttingszeugen, einen Oberwachtmeister, ob er die beiden Spitzel D. und S.(daS sind die Decknamen) kenne, erklärte der Oberwachtmeister: Nein. Darauf wurde ihm auf den Kopf zugesagt, daß er, der Obertvachtmeister, unter diesen beiden Decknamen der Agentenabteilung angehöre. Der andere Be- lastungszenge erklärte. Reisender zu sein. Ihm wurde vor Gericht nachgewiesen, daß er politischer Agent sei und dafür bezahlt werde. Welcher Subjekte man sich bedient, nin politische Parteien und deren Führer, um die Bevölkerung zu bespitzeln, darüber gab der Nürnberger Prozeh ebenfalls Aufschluß. Der Führer der Nürnberger Spitzelabteilung, der unter zwei Decknamen sein trauriges Handwerk ausübt, stand vor zwei Jahren wegen Betruges unter Anklage. Er konnte jedoch nicht bestraft werden, weil ein gerichtsärztliches Gutachten feststellte, daß dieser Mann vollständig degeneriert, ferner Morphinist sei. und daß sich seit Jahren ein Verfall seiner geistigen Kräfte bemerkbar mache. Ein weiteres ärzt- liches Gutachten, das eingeholt wurde, weil der Oberspitzel, der aus Nürnberg ausgewiesen war, wegen Bannbruchs unter Anklage stand, besagte, daß der Mann zu jeder geistigen Tätigkeit unfähig sei.— Der andere Oberspitzel war früher K o m in u n i st und ist heute bei den D c u t s ch v ö l k i s ch e n. Er ist ein Mann, der für Geld zu jeder Zeit zu kaufen ist. Diese Enthüllungen über die Tätigkeit der Nürnberger Spitzelzentrale wie auch über die Spitzel selber werfen ein Schlaglicht auf die politischen Zustände in Bayern, von wo aus nach einer Erklärung des bayerischen Ministerpräsidenten die„Wiedergcsundung Deutschlands erfolgen soll". Genau so wie die Reaktionären nach dem mißlungeneu Kapp-Putsch unter der Decke unermüdlich weiterarbeiten, wie die mon- archistischcn Militärs ihre Pläne zurechtlegen, so wird auch in der staatlichen Polizeiwchr ein System gehandhabt, das u n- erhört ist. Leute, die wegen Betruges unter Anklage standen, die degeneriert und geistig niindcrivertig sind, werden benutzt, um die Bevölkerung zu bespitzeln, um republikanische Offiziere von ihren Posten zu verdrängen, um Berichte über die Stimmung in den Massen an die Behörden zu schreiben, nach denen diese dann sich mit ihrer Politik richten sollen. Notorische Lumpen werden mit Hochverantwortlicher politischer Tätigkeit betraut. Das ist ein Skandal, der zum Himmel stinkt. Die sozialistisch denkende Bevölkerung hat alle Ursache, diesen Vorgängen in der Politik ein be- sonderes Augenmerk zu schenken. Wäre durch die leichtfertige Politik der Linksradikalen die deutsche Arbeiterschaft nicht ge- spalten, die Reaktion hätte wirklich nicht den Mut, so u n- geniert zu solchen Mitteln zur Bekämpfung der Arbeiter- schaft zu greifen. Für die wahren Sozialisten ergibt sich daraus die Pflicht, sich mehr als bisher um die Fahne der- jenigeu Partei zu scharen, die innerlich geschlossen und ge- festigt, von einem einheitlichen Willen beseelt ist: allen Arbeitern der Hände und des Kopfes im Kampfe gegen die Reaktion Führer zu sein. Um Preußen. Ein Antrag der Rechten. Nachdem der Aeltesten-ausschuß der Preußischen Landes- Versammlung die Anträge der beiden Rechtsparteien auf Vor- nähme der Wahlen am 12. Dezember abgelehnt und beschlossen hat, die Nemvahlen drei Monate nach Fertigstellung der Ver- sassung stattfinden zu lassen, bringen nunmehr Deutschnatio- nale und Deutsche Volkspartei ziemlich übereinstinimende formelle Anträge ein, in denen die Staatsregierung ersucht wird, die Neuwahlen auf Grund eines Notwahlgesetzes spätestens am 12. Dezember vorzunehmen. Der Hinweis auf das Notivahlgesetz zeigt ohne weiteres den Grund, warum diese Anträge abgelehnt werden müssen, denn selbstverständlich kann ein ordentliches Parla- ment nicht auf Grund eines Nottoahlgesctzcs gewählt werden. Solange die Nationalversaminlnng ein Wahlgesetz nicht her- gestellt hat, ist ihre Aufgabe eben noch nickst beendet. Der Ge- danke eines Notwahlgesetzes ist um so abwegiger, als der Eni- Wurf des ordentlichen Wahlgesetzes eben von der Staatsregie- nrng angenommen worden ist und in kürzester Zeit von der Nationalversammlung verabschiedet werden kann. Orthopädie und Kurpfufthertum. Von Dr. Hermann Engel, Assistent der UniversitätS-Polillinik. Die Revolution am Ende eines vieljährigen Krieges hat uns naturgemäß eine fast unglaubliche Zunahme deö Kurpfuscherlums auf allen Gebieten der ärztlichen Heilkunde beschert. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Körpelschäden dieser blutigste aller Kriege an der Front herbeigeführt, wie die Volksgesundheit in der Heimal durch Mangel und Unterernährung gelitten hat. Dazu kommt, daß durch die plötzlich einsetzende Umwälzung der Dinge in Deutschland aus äußeren Gründen bei einer großen Anzahl solcher, Vre mit chronischen Schäden behaftet waren, die eingeleitete, sachgemäße, auf weitgehendste körperliche und soziale Heilung hinzielend« Be- Handlung nicht zu Ende geführt werden tonnte. Bekanntlich ist die Unterernährung während der Kriegsjahre und der Mangel an bestimmten, für den Knochenausbau dringend notwendigen Nahrungsmitteln nicht ohne nachteilige Folgen für die Festigkeit der menschlichen Knochen geblieben. Zahlreiche Wissenschaft- liche Arbeiten der medrzin'ichen Fachpresse beroiien die auffallende Zunahme der englischen Krankheit soivie der Knochenbrüchigkeit, besonders in den Großstädten und Jnbuslriebezirken. Knochen- Weichheit selbst älterer noch vor dem ErnwicklungSabichluß stehender, bis dahin vollständig gesunder junger Menschen stellte sich ein und als Folgen die bekannten X- und O-Beinbildungen. Dazu kommen die Unzähligen, die infolge Rachitis in früher Jugend starke Rückgratsverbiegungen und die eben erwähnten Beinoerkrümmungen zurückbehallen haben. Bei einer Steihe anderer bestehen die Folgen schwerer Hüft- und Kniegelenkentzündungen oder Kinderlähmungen, Zustände, die sehr oit später zu Beinverlürziingeii führeu. Ein weiteres Kontingent bilden alle jene Kriegebeschädigten, die infolge von Verletzungen an den unteren Extremiiäten Längendifferenze» beider Beine aufweisen. Ein Heer von Fußleidenden mit den be- kannlen Schäden, wie Plattfuß, Ballen, Zebverkrümmungen oder sonstigen angeborenen oder durch unzweckmäßiges Schuhwerk er« worbenen Deformitäten bedarf des NaleS und der Hilfe. An alle diese von der Natur so Benachteiligten, wendet sich nun in letzter Zeit eine besonders ausfällige Reklame geschäftS« tüchtiger Laien oder im besten Falle Mechaniker, die mit lost- fpieligen Metboden und Apparaten Heilung und Beseitigung d-S vorhandenen Uebels versprechen. Die einen verheißen die voll- ständige Behebung aller Grade von 0- und X- Beinen bis zu 40 Jahren und darüber hinaus, die anderen gleichen jede Bein- Verkürzung unsichtbar aus. heilen schwere Rückgratsverkrümmungen selbst bei recht betagten Leuten durch Verordnung eines nach eigenen Ideen aufgebauten Korsetts. Die Vermilltung erfolgt durch erne Broschüre, die meist mehr auf kosmetische als gesundheitliche Nach- teile hinweist, von sachlichen Fehlern wimmelt und vielerlei Dinge ohne jedweden inneren Zusammenhang mit einander verquickt. Da erscheinen Aussprüche und Schriftsätze bekannter ärztlicher Fachleute, meist auS dem Zusammenhang herausgerissen, zur Belebung irgend- einer der gesunden Menschenvernunft sonst kaum zugänglichen Vor- stellung. Besonders wirksam wird mit der Photographie.vor und nach Gebrauch" gearbeitet. Den Schluß bildet meist eine Reihe Originalgutachten und Anerkennungsichreiben Gebesserter und Ge- heilt«; bisweilen sogar Briefe begeisterter Aerzte. die das Verfahren an sich oder anderen erprobt haben. Für den Laien scheint hiermit Der Kampf um öle Parteikasse. Ein Aufruf und eine Schlacht. Der Kampf um den Kommunismus spitzt sich in der U. S. P. immer mehr zu eiuom Kampf um das Privateigentum zu. Die Frage, wer die richtigen Prinzipien mitnimmt, tritt an Jnter- esse weit zurück hinter der andern, wer bei der Parteispattuug das Parteieigentum, namentlich die Parteikasse eut- führt. Wir berichteten bereits, daß der Bezirkssetretär für Teltow-BeeSkow, Richard K r i l l e, von der 5tvcisdelegtertenver- sammluny abgesetzt wurde, weil er versucht hatte, die Kasse für die ll. S. P. sicherzustellen. Er verteidigt sein Verhalten in der.Frei- heit" damit, daß es seine Pflicht gewesen sei, zu verhüten, daß einzelne Kassierer mit dem persönlichen Uebertritt zur K. P. D. dieser auch die Kasse auslieferten. Der ge- fchäftsführende Ausschuß der U. S. P. von Groß-Derlm erläßt in der„Freiheit" folgenden Aufruf: Der geschäftsführendc Ausschuß des Verbandes Berlin- Brandenburg macht nachdrücklichst darauf aunnerksam, daß Vor- standsneuwahlen(einscblietzlich Kassierer) der Orte, Distrikte unid Bez-rke nur nack> vorheriger Ankündigung in einer hierzu einberufenen Generalversammlung stattfinden könne ii. Besonders warnen wir vor jeder unrrckitmästige» Aneignung und Zurückhaltung voll Kasse» oder Materialien, die der Gesamt- Mitgliedschaft gehören. Wer etlva noch im Zweifel sein sollte, lvelche Gründe diesen Aufruf v.'ranlaßt haben, den verweisen wir auf den nächste henoen Bericht, der zeigt, wie in einzelnen Distrikten der Kampf um die Kasse bereits mit Brachialgewalt geführt wird. Am 30. September tagte die Mitgliederversmnmlung des S. Distrikts der U. S. P. in der KönigSbank, Gr. Frankfurter Straße 117. Die Gegensätze platzten hart aufeinander. Weil ein Zusammenarbeiten im Distriktsvorstand unmöglich war— sechs waren für unid drei gegen Moskau—, wuvde der Antrag gestellt, aus der Mitgliederversammlung eine außerordentliche Generalversammlung zu machen, um die drei Gegner Moskaus aus dem Vorstand herauszudrängen. Ter Antrag drang durch. Die Mos- kowiten Ware» zahlreich mit Adolf Hoffmann an der Spitze erschienen, während die Minderheit mit Stadtrat Hermann Weise auf den Plan trat. Es entspann sich eine äußerst heftige Debatte. Die Anhänger Moskaus liefen ihren langjährigen Parteigenossen Stadtrat Weife fast kaum zu Worte kommen. Bei der folgenden Wahl wuvde auch der langjährige Kassierer Metzncr seines Amtes entbaben, an seine Stelle wurde der Spediteur Lohde gewählt. Von der Mehrheit wurde nun ver- langt, daß M« tz n e r sofort die Kasse abliefere, da die Versammlungsteilnehmer fürchteten, die Minderheit könnte, ebenso wie in Neukölln geschehen, die Kasse an sich reißen. Trotzdem Metzner unter Berufung auf seine lange Parteitätigkeit versicherte, innerhalb acht Tagen den Revisoren und dem neuen Kassierer nach Abrechnung mit den Abteilungsleitern die Kasse übergeben zu wollen, beschloß die Mehrheit, die Kasse fei sofort den Revisoren und dem neuen Kassierer zur Verfügung zu stellen. Sie beauftragte den neuen Kassierer Lobbe und die Revisoren'— es war schon 11 Uhr nachts—, die Kasse aus der Wohnung MetznerS abzuholen. Stadtrat Weise forderte nunmehr seine Anhänger auf, mit ihm den Saal zu verlassen, denn er wolle mit solchen Spitzbuben und Halunken nichts mehr zu tun haben. 'Wiederum großer Tumult. Alles drängte zur Tür, Ivo man sich gegenseitig mit Fäusten und Spazicrstöckcn traktierte. Nach dieser unerhörten Vergewaltigung durch die moskowftische Mehrheit rief ein Anhänger Weises:„Lieber Noskau als Moskau!" Weises Anhänger wurden nun auf die Straße hinausgedrängt und sammelten sich in der Nähe der Wohnung des Kassierers Metzner. Metzner wuvde am Verlasson des Saales gehindert, da die Kassen» Verhältnisse noch nicht geregelt seien. Erst später wurde Metzner mit dem neuen Kassierer Lohde und den Revisoren zur Abholung der Kasse nach seiner Wohnung geschickt. Inzwischen wurde von den Zurückgebliebenen der Antrag gestellt, Weise wegen Beleidi- die Betveisführuug geschlossen. Meist gibt die Eitelkeit den letzten Stoß. Später wandert nach langsam einsetzender Ernüchterung der Apparat in die Ecke. Mit einer Selbstiüge i'ucht sich der Enttäuschte über seine Torheit hinwegzuirösten. Die Orthopädie bedient sicki der Apparaibehandlung in weitestem Maße, besonders um durch Behandlung erzielte Stellungs- Verbesserungen unverrückbar festzuhalten, Gelenke von der Körper- belastung auszuschließen, Verlürzungen und Verkrüppelungen los- metisch und physiologisch auszugleichen. Stets muß solch Apparat in engster Zusammenarbeit von Arzt und Techniker nach einem kunstvollen Gipsmodell dem analomischen Spiegelbild des zu um- kleidenden Teils angeferligt, mehrfach anprobiert, angepaßt und in seiner Wirkung längere Zeit beobachtet werden. Es erübrigt sich also zu beweisen, daß Apparate von vornherein nicht passen können, die anderen OrlS nach einigen vom Patienten selbst angestellten Maßangaben aus in Massenfabrikat hergestellten Rohteilen zulammen- gesetzt werden. «o gut sich verkrümmte jugendliche, noch weiche Knochen durch zweckmäßige Apparate— dem Einzel'all besonders angepaßt— und durch allgemeine sonstige Maßnahmen geraderichlen lassen. so wenig kann man leider den erwachsenen Knochen aus unbluiige Weise so beeinflussen, daß er selbst bei Belastung die neue Form dauernd behält. Durch die vielfach angepriesenen Schienen gegen 0- und X-Beine Erwachsener wird bei der Unnachgicbigkctt der .Unochcn der seitliche Bandapparat des Kniegelenks stark gedehnt. Die schlimmen Folgen sind Schiotter-»nd Wackclgelenke, welche die Gehsicherheit stark beeinträchtigen. Aehnlich liegen die Dinge bei Rückgratsverbiegungen. Die Art de« GrnndleideiiS entscheidet, ob eine Beinverkürzunq — dann selbstverständlich möglichst unsichtbar— auszugleichen ist oder nicht. Häufig liegt nur eine scheinbare Längendifferenz vor, durch fehlerhafte Stellung im Hüft- oder Kniegelenk herbeigeführt. Fachärztliche Untersuchung allein läßt oft ei kennen, daß durch opera- live oder sonstige Heilmaßnahmen solcke Verkürzung wieder ausge- glichen und der Gang auf natüiliche Weise verbessert werden kann. Verkürzungen zu untersuchen, den Grad des notwendigen Aus- gleich» festzustellen und Angaben über die Art des zweck- mäßigen und unauffälligen � Apparates zu machen, ist zunächst Sache des orthopädisch geschulten Arztes, nicht allein des Orthopädiemechanikers oder Schuhmachers. Das gleiche gilt für alle an sonstigen Fußdesormiläten Leidenden, mögen es Ballen, Hammerzeben, Plattfuß oder sonstige Schäden sein. Eine Einlage, die wirksam das einsinkende Fußgewölbe stützen soll, muß genau dem Fuße in einer bestimmten Belastungsstellung angepaßt sein und darf nicht als Massenfabrikat hergestellt werden. Noch ein Wort zu den Anerkennungsschreiben. Sie beweisen nur das, was jeder Orihopäde weiß, wie schlecht im all- gemeinen beobachtet wird und wie leicht Selbsttäuschung das Urteil trübt. Wir verdanken dem während des Kriege» verstorbenen auS- gezeichneten Hessing, der selbst nicht Arzt war. dank seiner ganz besonderen Leistungen aus dem Gebiete des Apparate- baues außerordentlich viel Gutes, zugleich aber auch eine gewisse Eigenbrötelei einiger seiner Fachgenossen, deren Können an da« seine nicht im entferntesten heranreicht. Die außerordentlichen Leistungen der technischen Orthopädie während des Krieges entspringen der rastlosen Zusammenarbeit der orthopädischen Fachärzte mit In« guug der Versammlung und des Vorstandes aus der Partei cmS- zuschließen. Nur dem Bemühen Adolf Hofsmanns und eintg« Genossen, die für Weife eine Lanze brachen, war es zu verdanke», daß er nur eine Rüge erhielt. Als Lohde mit Metzner und den Revisoren vor Metzners Wohnung ankam, erblickten sie in der Nähe Weise und seinen Anhang. Tie bedrohten Moskowiter sandten nunmehr einen Boten zurück zur Versammlung, um von dem Vorfall zu berichten. Der Vorsitzende der Versammlung Reichstazsaugeordneter Berthele, forderte darauf 10 bis 20 handfeste Genissea zur Unterstützung Lahdes zwecks„Befreiung" der Kasse auf. Metzner lieferte darauf, um Weiterungen zu verhindern, die Kassa im'Betrage von 3000 Mark an Lohde und seinen Anhang aus. Unter Absingung der Internationale(!) wurde Lohde,„um Even- tual, täten vorzubeugen", unter starker Bedeckung nach Verfamm- lungsschluß nach seiner Wohnung begleitet. Die ��rbeiterelite�. Parteipolitische Amilphabeten und Papiersoldate«. In der.Freiheit" bekäinvft ein Mitglied des Geschäftkführenden Ausschusses der U.S.P. für GroP-Bcrlin. M. Hesse lb arth, die Vornahme der Delegiertenwahlen durch Urabstimmung. Nach seiner Ansicht sind die Mitglieder der U.S.P. u i ch t r r i f g e n u g. um über die Moskauer Aufnahmebedingung,?« entscheiden zu können. Wöitlich schreibt Hesselbarlh: Wie kann jemand behaupten, daß dq: größte Teil der Mitglieder die Bedingungen richtig auszulegK»»ersteht, um dadurch seinen Schlußfolgerungen über die Wirkungen, welche durch die Annahme der Bedingungen für die Arbeiterbewegung Teutschlands entstehen, bilden zu können. Machen wir uns nichts vor und geben wir zu. daß der Kreis unserer Mitglieder, welche als parteipolitische Analphabeten angesprochen werden können, �nicht der kleinste ist. Auch steht fest, daß es in den Reihen der U.-S.-P.-D.- Mitglieder an P a p i e r s o l d a t e n nicht mangelt, d. h. Genossen. welche wohl ihre Beiträge entrichten, aber uicht das geringste Interesse für das haben. waS in der Partei vorgeht. Wie oft hat sich die U.S.P. gerühmt, daß in ihr die„Elite der Arbeiterschaft", der„fortgeschrittenste Teil des Proletariats'" organi- siert seil Jetzt, wo die Probe au's Exempel gemacht werden soll, wird in der„Freiheit" selber die geistige Reife des größten Teils der Mitgliedschaft angezweifelt. Aibeiterelite und parteipolitische Analphabeten— wie reimt stch das zusammen? 1 weder Urheber noch Zührer! Kiel, 1. Oktober.(TU.) TaS Verfahren wegen Hochverrats gegen den Konteradmiral a. D. v. L« v e tz o w, den ftiiheren Leiter der Kieler Sicherheitspolizei Major a. D. v. W i n t e r- f e l d t, Bürgennelster a. D. Lindemann(Kiel), Landrat a. D. Freiherr Loew von und zu Steinfurth in Hadersleden und gegen den früheren Rsgierungspräsidenten v. Pauli(SchleS- wig) vor dem Reichsgericht ist eingestellt. Die angeordnete VcrmögenSdeschlagnahme ist aufgehoben. In der Begründung heißt es, daß nach den angestellten Ermittlungen die Angeschuldigten weder Urheber noch Führer etneS Hoch- Verratsunternehmens im Srnne des§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Gewährung von Straffreiheit vom 1. August 1920 gewesen sind. Dein Autrag des Angeschuldigten v. Winterfeldt aus Wieder- ausnahm« des Versahrens konnte nach Ansicht des Senates nicht stattgegeben werden. Cs wird immer klarer, daß der ganze Kapp-Putsch nur in der Einbildung bestanden hat. Man sollte wenigstens so ehrlich sein, auch daS Verfahren gegen Kapp einzustellen, der im Sinne des Reichsgerichts auch nicht Führer war, und iym einen Ehreneinzug nach Dcutschlaird bereiten! Nicht idiotenhaft genug! Die Neckarsulm er Unab- hängigen haben erllärl. daß sie„nicht idiotenhaft genug veranlagt" sind, um unter das Moskauer Joch zu kriechen. • genieuren und Mechanikern in besonders geschaffenen Zentralorgani- saiionen, wo unseren Kriegsbeschädigten sachlicher Rat und Hilfe er- teilt wird und sie vor Ausbeutung durch ein gewissenloses Kur- pfuschertum bewahrt werden. Ter literarische Gefandtschaftsgehilfe Die Neuordnung de? Auswärtigen Amts sieht für die Nochprüfung der Presse und für die Beschäftigung mit künstlerischen, schulpolitischen und Wissenschaft- lichen Vorgängen einen weit eindringlickwren Dienst als früher vor. Diese erhöhte Aufmerksamkeit für geistige Tinge bleibt aber, so schreibt Friedrich Markus Hübner aus dem Haag im„Literarischen Echo", unfruchtbar, so lauge nicht auf den Außcnstationen, die Zeil- trale ergänzend und mit ihr im Austausch, in der Form eines eigene» Referats ein gleich' r Arbeitsbezirk eingerichtet ist. Ein literarischer Gesanvtschaftsgcl.ilfe, wie ihn sich Hübner denkt, müßte nicht nur die Tagcsblälter, Monatsschriften, Buchneuerscheinungen überwachen, Zustandsberichte abfassen. Er muß auch zu den Redak- tionsstuben der fremden Pr-sse unmittelbar Zugang haben, Umgang mit den Schriftstellern, Künstlern, Gelehrten des betreffenden Lan- des pflegen, kurzum alle kulturellen Vorgänge mitbeteiligt durch seinen Geist laufen lassen Ihm bieten sich 1000 Möglichkeiten, Zuneigung für Teutschland n der Fremde daourch zu schassen, das, fremde Verlage an die Uebersctzung deutscher Bücher, fremde Theater an die Einladung deutscher Schauspieltruppen, fremde Hochschulen, an die Berufung dcuttcher Professoren und Studenten, fremde KunstsalonS an die Veranstaltung deu: scher Kunstausstellun- gen herainreten. Ein solcher Beirat könnte den Zentren deutschen Kütturlcbens eine unendliche Fülle von Hinweisen zuführen. Und Persönlichkeiten im Auslände, dt« Deutschlaud studienhalber be- reisen wollen, kann er unterstützen, Ausländer zur Mitarbeit au deuffchen Kulturwcrten ermuntern. Das Notgeld als Finanzspckulation. Wie es Staaten gibt, die ihre vielen Brieftnarkenausgaben wesentlich wegen der«ammler veranstalten, so haben auch manche Gemeinden in dem am Rot- geld entfesselten Sammeleifer ein« Einnahmequelle entdeckt. Eine kleine bayerische Gemeiudc:„Das hiesige Notgeld wird wegen seiner trefflichen künstlerischen Ausführung zu Sammelzweckcn massenhaft begehrt. Nachdem die erste Ausgabe von 30 000 Stück bereits vergriffei, ist, sah sich der Stadtrat gezwungen, weitere 30 000 Stück oiisertigen zu lassen." Ein österreichisches Slädtcben sendet uns gleich ganze Serien seines in der Tat recht hübsch ausgefallenen Geldes.(Geld alS Rezensionsexemplar ist eine Neuheit, die sicher noch nicht da war!) Es bemerkt dazu, daß sein Notgeld allgemeinen Beifall gefunden bat und zum größten Teil vergriffen ist. Darum sollen sich die Käufer beeilen.(Die Serie kostet übrigens 1 M. oder 2 Kronen.) Ob das Reich nicht einmal probiert, s-ine Nöte durch besonders hergerichtete Sammlernoten mit kurzer Umlaufsfrist erwas zu erleichtern._ MxNkchronik. Franz Schreier, der neue Leiter der Berliner Muhthochsibule, tritt im!. Abonnements-Konzert am 4. Oktober in der P hilbarmonie zum ersten Male als Dirigent vor das Berliner Publikum. Prof. Richard Falckenberg. Lehrer der Philolopbie an der Univer- Rät Erlangen, ist in Fena im Alter von«8 Fahren gestorbeu. Er war belannt als Herausgeber der„Klassirer der Philosoohic". S-ine„Geschichte der neueren Philosophie" hat als Lehr, und Handbuch wette Vcrbrettuua gesunden. Hr. 488 ♦ 57. Jahrgang Heilage öes vorwärts Sonnabenö, 2. Oktober GroMerün Wirrungen im neuen Serlin. Auf Anordnung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und von Berlin ist der alte Berliner Magistrat k o m mi s s a r I s ch mir der Wahrnehmung der Geschäfte des Magistrats der neuen Sladlgemeinde beauftragt, weil infolge der von den Leidig und Ge- »essen in der Preußischen Landesversammlung aufgeführten Ko- modie das Inkrafttreten des neuen Berlin noch ausgeschoben ist. De tacto schwebt also der alte Magistrat in der Luft; er ist eine Verwaltungsbehörde auf Grund von Befugnissen, welche dem Ober- Präsidenten im Zeitalter„ausgeprägtester" Selbstverwaltung zu- stehen. In dieser unwürdigen Rolle fühlt sich auch der kommissarische Magistrat, weshalb er aus leicht begreiflichen Gründen die Ver- antwortung für feine Handlungen lddiglich dem Obcrpräsi- d e n t c n überweist. Tie Herren Lüdicke, Leidig und Dominicus als Retter wahrer und echter Demokratie haben sich in die Preußische Landesversamm- lung geflüchtet, wo sie zusammen noch eine Mehrheit bilden und den demokratischen Mehrheitswillen der Berliner Stadwerord- netcnversammlung durch entsprechende Gesetztsmatznahmen brechen können. Durch diese von den Oberdemokraten heraufbeschworene Hin- ausschiebung der praktischen Wirksamkeit des Gesetzes Groß-Berlin ob l. Oktober herrscht heute bereits in den großen und kleinen Bor- ortgemeindcn ein Zustand, der die Gemeindeinteressen wirklich nicht zu fördern geeignet ist. In Erwartung des Zufammentretens des neuen Berliner Magistrats haben die Ortsparlainente ihre Tagun- gen bereits geschlossen. Sie sollen nunmehr, weil voraussichtlich die neue Stadtgemeinde erst nach 3 bis 4 Wochen in Wirksamkeit treten kann, wieder aufleben. Denn nach Annahn, e der Novelle , zum Gesetz Groß-Berlin durch die Landesversammlung hat erst die amtliche Verkündigung zu erfolgen, alsdann müssen 8 besoldete und 12 unbesoldete Stadträte gewählt und diese wieder durch den Oberpräsidenten bestätigt werden, so daß vor Ende Oktober der neue Magistrat nicht in Tätigkeit treten dürfte. Wir glauben, daß in zahlreichen Vororten keine Absicht be- steht, die bereits feierlich geschlossenen Ortsparlamente erneut„aufleben" zu lassen. Diesen Willen zum Wiederaufleben dürfte auch der.Herausgeber der„Groß-Berliner Nachrichten", Herr Hütt- ch e n, bei den Stadt- und Gemeindevertretungen nicht hervorrufen, renn er darauf hinweist, daß nach Z 58 Ziffer 3 des Gesetze? über Groß-Berlin die bisherigen Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen als aufgelöst gelten, sobald die Stadtver- ordnetenverfammlung und der Magistrat der neuen Stadtgemeinde Berlin gebildet und auf Anordnung des Obcrpräsidenten zusammengetreten sind. Herr Hüttchen mag als Mitglied der Fraktion der Deutschen Volkspartci das Zeug in sich fühlen, die bürgerliche Presse mit allerlei Schauernachrichten über sozialistische Gewaltherrschast zu versorgen, zur sicheren Interpretation von gesetzlichen Beftimmun- gen fehlen ihm jedoch die erforderlichen Fähigkeiten. Es dürfte leichter sein, sich von radikalen Journalisten deS .Berliner Tageblatts" zum Werkzeug reaktionärer Parteien zu entwickeln, als die bereits zu Grabe getragenen Gemeindeparla- mente zu neuer Tätigkeit zu veranlassen. Der gegenwärtige Zustand gewährt den Stadtverordnetenvec- sammlungen und Gemeindevertretungen keine Möglichkeit mehr zu schöpferische mWirken, und für ein Dasein des Scheins ist die heu- tigt Zeit nicht mehr geeignet. » Tic Verfügung deS Oberpriisldenten. Von, Oberpräjidcnten erhalten wir die Abschrif, einer An- ordnung, die wir in ihrem Wortlaut hier wiedergeben wollen: Charlottenberg, den 1. Oktober 1923. Das Gesetz über die Bildung einer neuen Siadtgemeinde Ber- lin vom 27. April 1920 tritt am 1. Oktober in Kraft, ohne daß der Magistrat der neuen Stadtgemeinde bisher endgültig bestell: und zusammengetreten ist. Gemäß§ 7 des Zuständigkeitsgesetzes ist es meine Aufgabe, vermöge des staatlichen Oberaufsichtsrechts dafür zu sorgen, daß die Verwaltung der neuen Siadtgemeinde im vorgeschriebenen Gang« bleibt und Störungen beseitigt wer- den.(Vgl. Erkenntnis des Obcrverwaltungsgerichts vom 9. Mai 1893, Bdl 25, S. 51.) Ich habe daher den Magistrat der alten Siadtgemeinde Berlin, der nach Z 58 Ziffer 4 des Gesetzes vom 27. April d. I. vom 1. Oktober an ein Organ der neuen Stadtgemeinde bildet, bis zum Zusammentritt des Magistrats der neuen Stadtgemeinde(§ 58 Ziffer 8 a. a. O.) kommissarisch mit der Wahrnehmung der Ge- schäftc des Magistrats der neuen Stadtgemeinde Berlin beauftragt. gez. Dr. Maier. „Ireies" Jlcifc*)! Gestern war der von allen Schiebern gepriesene erste Tag der freien Fleischwirtschaft. Wer Geld hatte, konnte sich Fleisch ohne Karten kansen, wenn er etwas kriegte; wer sehr viel Geld hatte, konnte damit rechnen, daß er tatsächlich etwas bekam. Zu sehen war von dem„freien* Fleisch allerdings noch nicht viel. Zahlreicher winkten die Würste und Schinken, die lange ilir den großen Tag bereitgehalten' und aus den verschwiegensten Winkeln hervorgeholt, sich frohlockend breitmachten. Die Lebensmittelkarte als Fleiichfpender soll bekanntlich vorläufig erhalten bleiben. Es wird Gefrierfleisch darauf geben. Um dieses durchführen zu können, hat man sich entschlossen, die F l e i f ch e r in zwei Gruppen zu teilen: die eine darf nur freihändig erworbenes Frischfleisch verkaufen, während die zweite Gruppe sich nur mit dem Vertrieb des vom Magistrat gelieferten Fleisches be« faßt. Diese reinliche Scheidung zwischen den„freien* und den ,Karten*-Fleischern soll bis zum 17. Oktober erledigt sein Bis dahin kann man sowohl freies wie städtisches Fleisch in jeder Schlächterei kaufen, vorausgesetzt— daß etwas da ist. Was uns der Winter an den ersehnten Schnitzeln und Kalbs- braten bringen wird, dürfte die rosigen Hoffnungen der amtlichen Stellen allerdings mit recht schwärzlichem Schatten umgeben. das„ Schmierbuch � Ües Kohlenschiebers. Leute, die nicht frieren. Die Kohlennot im Winter steht wieder als drohendes Gespenst vor der Tür. Eine gerechte Verteilung des knappen Kohlenbestandes ist daher um so notwendiger, wenn nicht wieder wie im vergangenen Winter die Zentralheizung in vielen Häusern aussetzen und die Mieter gezwungen sind, in kalten Zimmern zu hausen. Um so ver« werflicher ist das Treiben gewissenloser Kohlenhändler, die auf noch nicht geklärte Weise in der Lage sind, einzelne Stellen mit über« großen Mengen Kohlen und Koks zu beliefern. Natürlich geschieht das dann zum Schaden der Allgemeinheit und es ist besonders zu begrüßen, wenn die Beamten der Kohlenversorgungsstelle Hand in Hand mit der Kriminalpolizei diesem Schleichhandel, hoffentlich mit Erfolg, entgegentreten. Durcd die Festnahme des Kohlenhändlers C z i d a l, über die wir kurz berichielen. und die Beschlagnahme seines Geheimbuches sind eine ganze Reihe von verbotenen Kohlenlieferungen aufgedeckt worden. Es ist den Beamten mit vieler Mühe gelungen, die Eintragungen in dem„Schmierbuch*, wie der Verhaftete dies Geheimhest bezeichnete, zu entziffern und so die Häuser zu ermitteln, die von Czidal sich schon jetzt weit über die ihnen gesetzmäßig zu- ständigen Mengen mit Heizmaterial eingedeckt haben. Es sind dies in der Hauptsache Villen im Westen Berlins und den westlichen Vororten. Villenbentzer, denen rechtlich eine Kols- menge von 200 Zentner für den Winter zustanden, hatten von Czidal statt dessen 1000 Zentner und sogar noch mehr bezogen. Als man sie darauf hinwies, glaubten sie sich damit herausreden zu können, daß sie gar nicht gewußt hätten, daß der Kohlenhändler sie überbeliefert hätte. Es ist ihnen nicht nur die große Menge nicht aufgefallen, sondern anscheinend auch nicht der Wucherpreis, den sie dafür bezahlen mußten. Auf Veranlassung der Kriminalpolizei wurde die zuviel ge- lieferte Kohlenmenge, an mehreren Stellen bis zu 800 Zentner, beschlagnahmt und abgefahren, um der Allgemeinheit zugeführt zu werden. herbstwanüerung zum Negenbogensee. Ein schönes Laubwaldgebiet, in dem wir den Herbstschmuck in seiner ganzen Pracht bewundern können, ist die Umgebung de? Liepnitzsecs bei Bernau. Mit den Vorortzügen der Stettincr Bahn fahren wir nach Zepernick und»Hindern durch die Kolonie Schönbrück nach Schünow. Von den vom Nordenise des Torfes ausgehenden drei Wegen Pöhlen wir den mittleren. Durch Dünengelände, das von dürftigem Kiefernwald bestanden ist, kommen wir in einer guten halben Stunde an den Weg Bernau— Basdorf; er ist ziemlich breit und an den Seiten sowie in der Mitte von einem Hefoekrautteppich bedeckt. Der Pflanzenwuchs wipd jetzt kräftiger und mannigfälti- ger; er zeigt uns an, daß der Boden nährstoffreicher ist als Dünen- fand. Wir folgen dem Wege gen Novdlvest bis etwa 3 Minuten hinter dem Jagenstein B. 4. 8. Hier zweigt ein Fahrweg rechts ab, der in den Gestellweg I einläuft. Durch. schönen Mischwald führt uns das Gestell bis zur Chaussee Bernau— Wandlitz. Der Wald zeigt uns in, prächtiger Weise die Farbenabtönungen der Blätter vom hellsten Gelb zum tiefsten Braunrot. Ja nach dem Fortschreiten der Ilmwandlungen in den Blättern haben sie ihre grüne Farbe verloren. Nahe dem Forsthaus L i e p n i tz kreuzen wir die Chaussee und sind bald darauf am Ufer des Liepnitzsecs. Wir wandern um daS Westende des Sees zu seinem Norduscr. Tie nur 2 Kilometer breite Landenge zwischen dem Liepmtzsee und dem westlich davon gelegenen Wandlitzer See bildet eine Wasserscheide. Sie trennt das Stromgebiet der Elbe von dem der Ctoer Während der Wandlitzer See zum Rahnier See und Lubow- see und weiter durch die Bliese zur Havel und somit zur Nordice entwässert, fließen die Wasser des Liepnitzsecs durch den Obersee bei Lauke und den Hellsee zur Finow und weiter zur Oder und zur Ostsee. Nördlich vom Liepnitzsee liegt der R e g e n b o g e n s c e, lieb- lich eingebettet zwischen buchenbestandenen Höhen. Er ist ein „Waldauge*, wie es die märkischen Dichter besungen laben und wie es manchem Maler märkischer Naturschönheiten als Vorbild gedient haben mag. Ein eigenartiger Zauber umfängt uns, wenn wir am Ufer dieses Sees stehen. Regungslos liegt die Wasserstaue vor uns, von der der leichic Dunst der Nebel auftoallt. Die Herbst» sonne leuchtet durch das braunrote Buchenlaub und vergoldet es mit mildem Schimmer. Auf dem Grase perlen die Tautropfen wie funkelndes Gestein. Der Herbst offenbart uns hier ein schönes Bild seiner Eigenart. Wir wanocrn aus dem Süduser des Regenbogeusces gen O-it und kommeu bald wieder zum Nordufer des Liepnitzsees. dem wir in der bisherigen Richtung folgen. Der Liepnitzsee ist einer der schönsten märkischen Seen. Eine Insel befindet sich in ihm, der Große Werder. Hier sind vielfach vorgeschichtliche Altertümer verschiedenster Art, besonders aus der Bronzezeit, gebunden wo.'- den. Auch an Geschichte und Sage reich ist die Umgebung des Liepnitzsee� Der Wald raunt uns die alten Mären, die Begeben- hetten der Vergangenheit zu. Er flüstert von dem Ort, der nach dem See feinen Namen hatte, unh dessen Bewolner die Pest da- hinraffle, bis auf den letzten Mann, so daß das Dorf wüst wurde und niemand die Stelle mehr ausfinden kann, da es einst stand. Wir wandern weiter zum K ä m m e r e r s c e, der nahe dem Ostende des Liepnitzsees liegt und von ihm durch eine sumpfige Niederung und den Kleinen Werder getrennt ist. Die hochgelegene Straße, von der wir einen schönen Ausblick nach dem See und dem Walsgebiet seiner Umgebung haben, bringt uns nach II e tz d o r f. Wir durchwandern die stille, traumverlorene Siedlung und folgen der schönen grasigen Waldstraße gen Süd. Ter Laubwald tritt Das Lichk der Heimat. 23) Don August Hinrichs. Für Dierk! Wenn er schon nicht anfs Ämd konnte, so sollte er doch ettvas lernen. Ta hatte sie es durchgesetzt, daß er als Lehrling in eine große Maschinenschlosserei kam. Freilich, in den ersten Jahren verdiente er nichts— sie mußte noch ein paar hundert Mark Lehrgeld für ihn bezahlen und manche Nachtstunde dafür opfern. Aber ein eiserner Wille ließ sie alles überwinden. Das war ihre seligste Stunde am Tag, wenn Ticrk abends heimkam. Dann schob er vorsichtig die Wäschestücke beiseite, die an den quergefpannten Leinen in der Küche hingen, schlich sich heimlich an sie heran und hielt ihr lachend die Augen zu. Und obwohl das Eisen immer glühend heiß war und mancher Brandfleck auf den weißen Stücken so ent» stand, sie tat, als hätte sie die Tür nicht gehen hören und sah sich nicht vorher um. Auf diesen Augenblick freute sie sich ja den ganzen Tag, denn jetzt hatte sie ihn meist eine Stunde lang für sich. Jetzt mußte er erzählen, und wenn auch zuerst ihrer beider Gedanken immer noch aus die Heide liefen nach Sonnenschein und Vogelsang— mit der Zeit glitt er un- merkbar in seinen neuen Beruf hinein. Und wenn er er- zählte, baß er als Lehrling schon Gesellenarbcit machen durfte�, und baß ihm dies oder fenes heute gelungen sei, warf sie heimlich einen stolzen Blick auf ihn, wie er dasaß, nn- bekümmert und sorglos, Arme und Beine lang aus dem Zeug herausstreckend, denn er sckoß jetzt mächtig in die Höh?. Dann war es schön zu Haus trotz Wäschedampf und Plättdunst. Aber dann, wenn es später wurde, sahen sie beide un- ruhig nach der kleinen Weckuhr. Und nun polterte es aus der Treppe; sie sprangen rasch auf und schoben die Wäschestücke zur Seite, daß der Betrunkene nicht alles niederrisse. Ter lehnte sich erst an die Tür:„N'abend," sagte er und sah sie feindlich lauernd an, ob sie seinen Gruß auch er- widerten. Dann torkelte er auf seinen Platz, und Meta hatte Mühe, ihre mühsam fertiggestellte Arbeit vor seinen tappen- den Händen zu retten. Mit dem Erzählen war's vorbei, aber nach dem Abend- essen hatten Mutter und Sohn eine andere Unterbaktung. Dann holte Dierk seine Bücher hervor. Denn so geizig seine Mittier in allem war— hier tat sie mehr als genug, sie ver- schwendete. Sie strebte danach, Dierk lernen zu lassen, was sie nur irgend konnte; und da sie selbst früher einmal die Bücher sehr lieb gehabt hatte, hielt sie noch jetzt viel voni Gedruckten. Sie kaufte ihm teure Fachwerke, die er kaum verstand und durch die er sich niühfam hindurcharbeitete. „Er hat ja einen hellen Ltopf," dachte sie,„etwas wird es schon helfen." So saß Dierk denn Abend für Abend über seinen Büchern und lernte, was ihm zufällig unter die Hände kam. Anfänglich wollten ihn weder Zahlen noch Zeichnungen fesseln, und erst, als er in der Werkstatt das wirklich gesehen hatte, was hier abgebildet war, fand er Lust daran und erklärte seiner Mutter davon, soviel er selbst die Sache verstand. Tann konnte sie ihn durch immer neue Fragen mühelos dazu bringen, weiterzu- lernen. Nur die Sonntage, die gehörten ihm allein. Ta stand Fied, sein alter Freund, schon auf der Lauer, um ihn abzu- holen. Diese beiden Jungen gaben ein sonderbares Paar ab. Dierk war jetzt lang aufgeschossen, Fied einen guten Kopf kleiner als er. Und auch sonst gingen sie verschieden einher, denn während Dierk Sonntags im neuen Anzug spazierte— Meta sah, wie alle richtigen Landleuto, den Sonntag von jeher als Festtag an, nur nicht für sich selbst— ging Fied gerade umgekehrt dann in seinem alten Zeuge. Fied war nämlich in einem der größten und vornehmsten Handelshäuser als Lehrling angestellt. Wie das möglich war, daß der kleine Waschfrauensjunge aus der armseligen Vorstadtsiraße da hinein- gekommen war, das wußte niemand— Frau Kassen war aber nicht nur eine kluge, sondern auch eine zähe Frau und setzte immer durch, was sie sich einmal vornahm. Nun durste also Fied in der Wocbe in seinem besten Zeuge gehen, da war es doch nur natürlich, daß er Sonntags sein altes auftragen mußte. Andere Freunde liatten sie nicht. Die Schulkameraden. die früher in Lumpen liefen, gingen jetzt längst zur Fabrik und verdienten ihr eigenes Geld— die konnten Sonntags schon was springen lassen und taten es auch. Dierk und, Fied aber, ohne einen Pfennig in der Tasche, sahen doch auf sie herab und gingen ihre eigenen Wege. Und das Leben ging mit und prägte ihnen seine mannigfaltigen Eindrücke fest in die jungen Seelen. Mochten sie selber zusehen, was auf diesem Grunde für Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte enivorwuchsen. Es war ein Märzensonntag, da faßte Fied seinen langen Freund unter und führte ihn auf Nebenwegen— die Hauptstraßen mußte er wegen seines Anzuges meiden— weit nach draußen. Dann zog er einen Brief aus der Tasche:„An- genommen!" sagte er,„da, lies l" Sein Lehrhcrr hatte ihm zu Ostern eine Stelle in einem ganz großen Ueberseehandelsliaus in Hambirrg besorgt.„Englisch kann ich einigermaßen, jetzt lern ich Spanisch, und dann geh ich hinüber." „Wo hinüber?" „Nach Amerika!" „Muß man der Spanisch können?" „In Südamerika jedenfalls. Unser Prokurist ist drüveu gewesen. Ich weiß, was ich da anfange! lind du,— gehst du mit?" „Ich kann doch nicht!" „Warum nicht?" „Meine Mutter—" „Will sie es nicht haben?" „Ich weiß nicht. Aber— ich kann sie nicht allein lassen, so nicht." „Meine Mutter ist auch allein." Du hast keinen Vater." Da schwieg Fied still. Für ihn war alles klar und hell. aus Dierk aber wurde er manchmal nicht recht klug. Nach einer Weile fragte er:„Und du— was willst du machen. Willst du immer hier sitzen bleiben?" „Nein, nein!" „Du willst also doch fort?" „Ich weiß es nicht." „Hör mal, wenn man so alt ist. weiß man doch, was man zu tun hat. Aber du weißt ja überhaupt nicht, was du willst." „Oh doch!" „Was denn also?" „Ich kann es nicht sagen." „Du weißt es nur nicht." „Ach, da ist doch so viel. Das kommt doch n'cht nur auf den einzelnen an, die ganze Menschheit sucht doch—" Fied wehrte verächtlich ab:„Was gehen dich die andern an?" „Ach, Fied— ich weiß selbst nicht recht—" „Siehst du!" „Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll.— Glaubst du an Gott?" „Na nu?" „Ich frage, glaubst du an Gott?" „Das hat hiermit nichts zu tun!" „Siehst du. du bist auch nicht sicher. Die ganze Welt, Fied, die versteh ich so noch nicht." (Forts, folgt.) mehr uni mebr jurütf, und sckNcßlich haben wir wieder Kiefern- Wold um uns. Bam Waldrand sehen wir vor uns Bernau, während links der Kirchturm von Ladeburg winkt. Bald haben wir die alle Stadt erreicht, eine echte märkische Kleinstadt, die berübmt ist durch die glückliche Abivehr der Hussiten 1432 und das Bier, das ehedem hier gebraut wurde. Viele alte Baulichkeiten birgt die Stadt innerlalb ihrer Mauer, die noch ziem- lich vollständig erhalten ist. Mit einem Rundgang durch Bernau beschließen wir die heutige Wanderung. Tie Vorortzüge der Stettiner Bahn bringen uns wieder nach Berlin zurück. Streik im Aeitungsgewerbe. ?n einer flreitag abend in der„Neuen Welt"" abgehaltenen Versammlung sämtlicher Angestellten des Zeitungsgewerbes wurde das Resultat der Urabstimmung bekanntgegeben. Mit 2l>em Schulhof der Oberreal schule Steglitz, Elisenstratze, zwei große öf- sen tische Versammlungen mit dem Thema„Die well- liche Schule' statt, wobei Dr. Loewenstein und Dr. O st r o w- s k i sprechen werden. Im Anschluß daran findet ein Demon- slrationszug statt. Schüler und Schülerinnen haben zu der Ver. sammlung sowie zu dem Temonstrationszug keinen Zurritt. Die sozialistischen Elternbeiräte versammeln sich um 8'A Uhr auf dem Schulhof. Der Arbeitsnachweis der Stadt Berlin hat mit dem 1. Oktober dieses Jahres seine Zweigstellen für Schneider und Schnei- derinnen in der Gerrcküstr. 35 und in d«r TreSkowstr. 58 gemäß Beschluß des Fachausschusses vom 26 August 1920 aufgelöst und die Vermittlung derselben nach der Hauptstelle Rückerstr. 9, Mittelgebäude 1 Treppe, verlegt. Die Vermittlung findet in der Zeit von 8— 8 Uhr statt. Fernsprecher Amt Norden 11 040—11 048. 3791—3797. 3691—3692. 9764. Ucber unnüoe Scherereien bei Abnahme der Telephongebühren wird von einem„Vorwärts'-Leser lebhaf: Klage geführt. Die Telepboninhaber hohe man erst mehrere Stunden warten lassen. um ihnen zuletzt� eine Zahlkarte auszuhändigen. Warum, so fragt der B.schlvcrdeführer, lasse man die Telephoninhabcr erst ihre nützlich? Zeit durch Warten vertrödeln, und sagt ihnen daS nickt sofort? Die Verzinsung de» Geldes erfolgt übrigens nicht sofort, sondern erst ab 1. November. Die Kreisvcrtrcterversammlung des Kreises Prenzlauer Tor, der aus der 23., 24., 28., 28. und 29. bis 32. Abteilung be- steht, hat auf der Kreisdelegiertenversammlung nach einem Re- fcrat des Genossen Kemnitz folgende Genossen in den Äreisvor- stand gewählt: 1. Vorsitzender Max Kemnitz, 2. Vorsitzender Paul Littauer; zu Schriftführern Gustav Kiehlreiter, E. Stappeubeck; als Beisitzer� Goldschmidt(28. Abt.), Th. LepS. G. Kling. Aug. Schmitz. Franz Seelbinder; Frauenleiterin: Alice Heilborn; Vertreter der Elternbeiräte: R. Prczewlofsky. Die Wahl des Vertreters der Bezirksver- ordneten ist noch nicht erfolgt; Vertreter der Jugend: Walter Rü- d i g e r. Die Versammlung beschäftigte sich des weiteren mit un- screm neugcgrüudeten Gesangverein, der bereits aus� 60 aktiven Sängern besteht. EZ wird den anderen Kreisen empfohlen. Neu- gründungen vorzunehmen. Die UebungSstunden des„Sozialdemo- kratischen Männerchors' �Prenzlauer Tor) finden jeden Freitag, abends 7)4 Uhr, bei Blessm, Stargarder Str. 3, statt. Die Ausländsdeutschen ans allen Ländern veranstalten Montag, den 4. Oktober, abends 7'/, Nbr, in der Stadlhalle Klosterstraße(Unter. grundbahn) eine große öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die Eni- lchädigunpSsrage. Bericht des Aktionsausschusses über die Veihandimigcn mit den zuständigen RcichSministerien. Bcrsammluug aller Kriegsbekchädigte» nnd �Unfallverletzten sowie deren Hinlerblicbenen im Dienste der StaatSeisen- bahnen für den Bezirk Groß-Berlin heute, abends 7 Uhr, Philharmonie, Bernburger«tr. 22/23. Mariendorf-Züdende. Die Gemeindevertretung stimmte zu- nächst der Rechnungslegung über den Neubau des Feuerwehr- und P o I i z e i d i c n st g e b ä u d e s zu. Der Antrag der Super- numcrare auf Erhöhung der Bezüge wurde genehmigt. Ten bei der Festnahme des Gärtners Erbstötzer beteiligten Polizeibcamten wurde eine außerordentliche Belohnung in Höhe von je 200 M. zuge- billigt; dem ebenfalls dabei beteiligten Soldaten, welcher von dem Verbrecher schwer verletzt wurde, sollen 500 M. gezahlt werden. Die Unabhängigen stimmten dagegen, weil die Polizei dabei nur ihre Pflicht erfüllt hat. Für die Rückzahlung von Steuern aus dem Porjahre sind im Etat nur 20 355 M. eingestellt; d:c Summe reicht bei weitem nicht aus und wurde deshalb auf 50 000 M. erhöht.— Gleichfalls erhöht wurden die Sätze für�Il n t e r b r i n g u n g von Kranken in den Irrenanstalten, Sieckcnanstalten; dem Armenetat wurden weitere Mittel bewilligt für die minderbemittelte Bevölkerung. 4000 M. wurden als Wirtschaftsbcihilfe für ehe- malige Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt. Zur Deckung der im Jahre 1919 gezahlten Summe für die Kriegsivohlfahrtsflege wurde beschlossen, den Detrag von 26 228,38 M. auS dem Fonds zur Unterstützung von 5lriegSbcschädigten und Kriegshinterbliebenen zu decken. Bei ver Nachbewilligung von Mitteln für die Erteilung des Unterrichts an der Fraucnfchulc wurde vom Genossen Gerlack be- antragt, auch die beiden anderen Punkte, Bewilligung für Mittel der wahlfreien Unterrichtsfächer und den Leiter der FortbildungS- schule zusammen zu behandeln. Es wurde demgemäß beschlossen, dieselben Sätze zu zahlen wie an der Fortbildungsschule, die sich wieder nach den von Berlin bewilligten Mitteln richten. Bei der Bewilligung von Mitteln zur Anstellung von HilfSlehr- k r ä f t e n für das Gymnasium fragte Brandt(U. S. P. D.) nach dem Durchschnitt der Schülerzahl an den Gcmeindeschulen. Hieran knüpfte sich eine längere Debatte, weil Herr Hesse(Bürgerl.) der sozialistischen Mehrheit der Gemeindevertretung den Vorwurf machte, daß diese durch den Bau von Schnlbaracken mit dem Geld der Steuerzahler in unverantwortlicher Weise gewirtschaftct habe. Es werde einem„Phantom" nachgejagt. Genosse Gcrlach und Brandt lU. S. P. D.) wiesen Hesse nach, daß er sich in einem großen Irrtum befinde. Die Anfrage Brandt wurde schließlich von den Gemeindeverordnetcn Stübner(Dem.) und Genossen Gcrlach als Mitglied der Schuldeputation dahingehend bcantiuortet, daß der Durchschnitt der Sckiülerzahl an den Gcmciiideschulen 30—35 betrage.— Dem Antrage der Polizeibeamten auf UrlmibSerteilung infolge der Vcrstaatlüyung der Polizei wird bis 3l. März 1921 zu- gestimmt. Dem Antrage deS� Beamtenausschusses auf Abänderung des Gemein devertretcrbcschlusseS vom vorigen Jahre, wonach keme lebenslängliche Anstellung vorgenommen werden soll, wird zuge- stimmt mit der Matzaabe, daß die Anstellungen aus Grund der ge- nehmigten Deamtenbesoldungsreform erfolgen werden.— Ter weitere Antrag deS Beamtenausschusses auf Abänderung des LrtsstatvtS, die Kündigung der Angestellten betreffend, wird zur einbeitlichen Regelung Groß-Berlin überwiesen. Ter Erhebung eines Zuschlags zur Grunderwerbssteuer mit rückivirkcndcr Kraft vom 3. Juni 1920 wird zugestimmt. Auf eine Anfrage Küter(U-S. P. T.) wegen der am Orte be- stehenden Privatolizci, genannt„S e l b st s ch u tz', wird vom Ge- Nossen Huhn erwidert, daß ihm offiziell als AnitSvorstebcr nichts darüber bekannt sei. Für die Waffenablicferung auch dieser Or- ganisation kämen die gesetzlichen Bestimmungen in Betracht, und werde es seine Aufgabe sein, streng danach zu Verfahren. Ueber diese Organisation am Orte sollen Erhebungen angestellt werden. Tic Bolkskunstabende in Lichtenberg, die vom städtischen Volks- unterhaltungsausschuß veranstaltet werden, erfteucn sich eines leb- hasten Interesse? bei der Bevölkerung. Da die Vorzugskartcn für die beiden ersten Abonnementsreihen bereits ausverkauft find. wird eine dritte eingerichtet, für die VorzngSkarten zum Preise von 3 M. bis zum 5. Oktober in den Verkaufsstellen(u. a. Schul- abteilung, Reu Hausstraße, Baracke II; Thcaterbi llett verkauf Müggcl- straße 2) erworben Wersen können. Die ersten Kunstabende(Blüth- nerorchefter-Konzert) finden am 27. und 28. September im Real- gymnasium in der Parkaue statt. Für die dritte Reihe ist die erste Veranstaltung auf den 9. Oktober festgesetzt. Tie BorwärtSspcbitio» für Rcinickcndorf-Rosenthak befindet sich vom 1. Oktober an bei dem Genossen Wilhelm Büro, Prinz-Hein- rich-Straße 34. Klmsthau. Alt-England im Massenfilm. An einem schönen Herbstmittag filmte die Union auf ihrem Gelände an der Oberlandstratze in Tempelbof für den neuesten Film Han« Krälys.Anna Boleyn' mit Massenbetrieb. Nicht weniger als 4000 Statisten— meist Arbeitslose, die die günstige Gelegenheit zu einem Nebenverdienst gern ergriffen hatten— waren kür den Krönungszug nebst Spalier mobil gemacht, so daß es selbst dem Regisseur Ernst L u b i t s ch nicht ganz leicht wurde, diese Massen zu lenken. Henny Porten als.Anna Boleyn' nahm sich neben dem wattierten, riescnbast erscheinenden Emil I a n n i n g s als Heinrich Vlll. recht zierlich auS. Ludwig H a r t a u durfte JanningS die Krone tragen, zunächst der ielbstsüchtige Kuppler seiner Nickte, später, als sie in Ungnade gefallen war, ihr totsprechender Richter. Heinrich Vlll. mit seinen ackt Frauen, man wird später sehen, was auS diesem an und sür sich dankbaren Filmmodu» geworden ist. Nach»iniaem Proben, da« kür den Zuschauer reckt interessant war, den Regisseur und seine HilsSträtte aber halb zur Verzweiflung brachte, wurde der Krönungszug gedreht; die Ausnahme konnte als gelungen gelten. Aufatmen allerseits. Einige Statisten verfucken sich zu drücken. Dock da ein schriller Pyff des unermüdlichen Regisseurs und die Massen werden für die nächste Szene auf- gestellt. Unter den vielen geladenen Zuschauern befand sich auch der Reichspräsident. » Die.Drewa-FUmgesellickaft' ist von Müncken nack Berlin- Johannisthal gepilgert, um ihren großen historischen Film au« der galanten Zeit Ludwig XIV..Am Liebeshof des Sonnen- lönigS' hier zu drehen. Der Film stellt nicht, wie allzuängst- liche Gemüter vermuten, eine Verherrlichung des Franzosenkönigs dar, sondern ist vielmehr ein gefchichtStreueS Abbild der Hoisitten vergangener Zeiten. Der Münchener George Burghardt weiß sich in der Schaar galanter Hofdamen und Kavaliere mit bayrischer Würde zu behaupien. In den Barockgemäckern Versailles jagt ein Fest das andere, zärtliche Rendezvous, Hotinrriguen umgeben in buntem Wechsel Ludwig XIV., unter dessen MaSle sich Fritz DeliuS verbirgt. Der gestern»Send erstmals in den Decla-stichtivielen Unter den Linden gezeigte Film„Die Tänzerin' wir» als Handlung etwas durch Leopoldine Konstantins schlichte starke Art, weibliche« Wesen auszudrücken. Ein Blumenmädchen, von einem Mäzen entdeckt, ist zur großen Tänzerin geworden. Sie ist ein danlbares, anhängliches tSc- schöpf, da« dem Artistenvolt. auS dem sie bervorgwa. die Freundschaft auch dann nicht versagen mag, als ein junger Aristokrat ihr Herz erobert und üe der Bühne entführt hatZ Daß der Film den Kampf zwischen ibrer Liebe und ihrer Kunst eigenartig oder eindrucksvoll entwickelte, läßt iich nicht sagen. Aber Leopoldine Konstantins klare, empsindungSvolle Mimik sührt über dieics. Manko weit hinau«. DaS Schönste in der Bilderrcibe war der idyllische LiebeSsrühling, den die Tänzerin erlebt. Ein zweiter Film.Maul- w ü r j e' war eine Detektivhandlung bekannten amerikanischen Schlages. AKarmorhaus:„DaSFrauenbauS von B r e s e i a'. Ein GeschichtS- und Kulturfilm, der am Donnerstag seine Urauisührung er- lebte. Di- Gatlin König Heinrich de» LützelburgcrS gerät ans ibrcm Zuge nach Rom in die Hände de» Todfeindes tbre» Mannes, de! OberbesehlS- baberS von BreScia. der sie samt ihrem Geiolge in daS önenUiche Frauen- Haus von BreScia steckt. Dort muß die Königin den Männern der Stadt zur Kurzweil dienen. Die Freundin der Königin. Roswitha, aber opfert ihre Ebre ihrer Königin, die niemand kenn«, und folgt ihr schließlich nach ihrer Befreiung sretwillig in den Tod. Darstellerisch wurden unter der vortrefflichen Regie Hubert M o° st s recht gute Leistungen erzielt. Hedda B e r n o n und Emst Deutsch verstanden sich In ihre Rollen bei weitem am besten bineinzuflnden. Der Szensolge hätte man oft ein schnellere« Tempo gewünscht. Kr. Der Tauentziendalast hatte mit der Uraussübrung deS FilmZ .Whitechapel' einen großen Erfolg zu verzeichnen. Die Versaffer Max Jungk und Julius Ilugiß sübren in die Verbrecherwelt deS Londoner Ostens ein. Pollzrakten nacherzählt umrahmt die Handlimg ein« Jagd nach Spitzbuben, die eine kostbare Perlenkette aus dem Hauie eines LordS stehlen, dabei aber betrogen werden, denn die echte Kette ist bereilS von einem(matten Juwcliergehilsen vertauscht worden. Letzten Ende« werden die Gauner, denen Inzwischen auch die echte Kette in die Hände gefallen ist, vom Arm der strafenden Gerechtigkeit ersaßt.— Ganz vorzügliche Typen der Londoner„schweren Jungen- sind Henry Bender als„Tom. der Rentier� und Guido H e r z s e l d, der den Hebler und GclegenbcitSmachcr Felbel glänzend chäraticriiiett.„Wbiiechavel* dürste dank syannender Handlung und trefflicher Darstellung— erwähnt leim nur noch Han« Mterendors als Fred HoplinS und Grit H e g r c s a at« Rahel— seinen Weg machen. Für de» Derra-Monumentalfilm„Gräfi« BSalewska-, Regie Otto Rippert, wurden neben Hella Mosa in der Titelrolle als Haupt- darsteller verpflichtet: Rudolf Leitinger. Magnus Stifter, Hehle, Edtboier. v. Ledebour, Margarete Kupier, Mechthildis Thein. Ausstattung: Einst Stern. Photographie: Max Lutze. Eine Besichtigung der Terla-Bioscop.Filmateliers w Reu- babelsberg findet zum Besten der VollSspende für die vertriebenen AuS- landdeutsche» heute 11 llhr vormittags statt. * Groß-Serlmer Parteinachrichten. Heute, 2. Oktober: 11. Wahlkreis(Schöneberg-Friedenau). Die Handzettel zu der am Montag in der Hohenzollernichule, Bclzigcr Straße, statt nndcnden Versammlung sind beim Genossen Obst, Marlin-Luther-Str. 63, in Empfang zu nehmen. 41. Abt. Die BezirkSsührer werden ersucht, die Extranummcr de« .Vorwärts' zwecks Verbreitung vom Genossen Krcssin, Pullitzstr. 15», ab- zuholcn. Morgen, 3. Oktober: 12. Kreis(Steglitz, Lichierfclbe, Lankwttz und Südende). Vor. mittags S Uhr aus dem Hose der Oberrealschulc in Steglitz, Elisenstraße, durch die Elternbeiräte der S. P. D. und U. S. P. D. dcS 12. KreiscS ein- berufene öffentliche Versammlung. Reseienlen: Dr. Löwenstein und Dr. Ostrowsli. 3S. Abt. 9 Uhr Flugblattverbreitung von Krüger, Hnsitenstt. 34, au«. Jugenüveranftaltungen. Heute, 2. Oktober. Arbeitsgemeinschaft Wedding-Grsoiidbrnnue». Notenthaler Vorstadt. Schönhauser Borftadt I und II. Prenzlauer Vorstodr. ??erdstfeier in der Vöbow-Brauerei am Prenzlauer Berg. An- aog>/,7 Uhr, Saaleröffnnng ttdr. Eintritt 1'VI. Abteilung Reinickendorf-Oft. Im Nralgnmnasium. Bemer- ftratzr. Elternabend mit besonderem Programm. Ansang 7 Uhr. Im Zentraljngendheim abend» 7 Uhr Konferenz sämtlicher Abtcilungsvorsitzendcn. Wichtige Tagesordnung. Abrechnungen. Anwesenheit aller Abt. ist erforderlich. Sonntag, lt. Oktober: Hermsdorf. 7 Uhr Roonstr. 32, Zimmer 23, Mitgliederversammlung. — Südost, tköpcnickcr Viertel. Führung durch das Krematorium in Treptow. Treffpunkt'/,3 Uhr Göttitzer Bahnhof(Uusallstation). vortrage, vereine und Versammlungen. Zeutrolverband der Invaliden und Witwen, Ortsgruppe Groß- Bettin. Sonnlag. den n. Oktober, vormittags 3 Mr: Oeffenlliche Ver- sammlungen aller Invaliden und sogen. ArmcnrenMer in den Schuten Gipsstr. 23». RheinSberger Str.4/S und Danziger Str. 25. Relercnten die Leldensgenossen Schatte, Wolfs, Subke. Stadtverordneter. Freie AuS- spräche.— Deutscher Werkmrtfterverdand. BezsrtSoerein Berlin 4, Fachgruppe Metallindustrie. Montag«Uhr: Generalversammlung. TageS« ordnung: Vortrag und Wahlen.— Eliarlottendurg. Volks Feuer- bestattungsverein Grost-Vertin. Montag, 4. Lltobcr, abends T/t Uhr, im VollShauS, Rofinenstr. 4: Versammlung mit LichlbUdervottrag.— Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag vormittags 1t Uhr im Bürgersaal deS RalhauseS, Königftr.: Vortrag de« Herrn Dr. A. Rosenberg: Thomas Münzer, ein deutscher Freiheitsheld. Gäne willkommen. ?ius aller Welt. Ein Wkrftbrand in Tonzig vernichtete in der Wäscherei Ma- terialten und Werte für zwei Millionen Mark. Der eng- tische Zerstörer„Walhalla" beteiligte sich an den Löscharbeiten. Schließung des Hagcnbcckschcn Tierparks. Nach Mit-terlung der Leitung wird der Hambnrg-Stellinger Tierpart am 3. Oktober bis auf weiteres geschlossen, um mit Ruhe bessere Zeiter, abzuwarten und eine Ausbesserung und Auffrischung d«S Tierparks vorzunehmen. Ten Gebrüdern Hagenbeck ist dieser Entschluß nickst leicht geworden, nachdem sie 6 Jahre lang da« Unternehmen unter den größten Opfern durchgehallen haben. Aber die Macht der Verhältnisse war stärker als ihr Wille. Im Baumwollhnfen von Galvcston ist ein Brand ausge- brachen. Der Schaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt. DaS Feuer zerstörte Baumwolle und beschädigt« mehrere Dampfer. Sport. Um da» Golden: Rad von Berlin, da« die Olympkaba�n am kommenden Sonntag als Hauptereignis ausfahren läßt, kämpfen Appelhans, Lewanow, S awall, Thomas und Krupkat. Das Rennen wird in 2 Läufen von je 50 Kilometer gefahren, und ist derjenige Sieger, der die meisten Kilometer zurückgelegt hat. Auch die Oly m v i a- M e i st e r scha ft für Flieger ver» spricht guten Sport und bringt Stabe, Sennecke, Schwab. Münzner, Hahn, Stolz, Krahner, Kcndelbacher, Schulz, u. a. an den Start. Da» lO-Kilometer-Prämienfahren verspricht ebenfalls viel Abwechslung. Im Zweisitzer-Sauptfahren starten u. a. Stabe- Sennecks, Schwab. Hahn, Schulz- Neinas, Krahner» Münzner, Stolz- Behrendt, Amort- Schöllner. Die Rennen be- ginnen um 3 Uhr. Dmmstenverein Naturfreunde, Ortsgruppe BerNn-Ostbahnvoroite. Sonntag: Strausberg, Hobes Fließ, Bötztee, Strausberg. Abfahrt Schlcsischer Bahnhos 6» Uhr. Arbeiter-Radfahrerbund»Solidarität'. Ortsgruppe Berlin, II Abt. Sonntag, den 3. Oktober, nachm. t Uhr, nach Htrschgarlen(iSilhelmShof). Statt: Fontan«Promenade 18(Restaurant Leuchtturms Arbeitslosigkeit und Ilüchtlingselenö. Die Preußische Lau desVersammlung erledigte am Freitag zunächst kleine Anfragen. Eine Anfrage des Ab�. Richert(Tnar. Bp.) nber den Erlag des Kultusministers gegen die Beteiligung wahlunmündiger Schüler an den parteipolitischen Vereinigungen und deren Ver- ansraltungen beantwortet die Regierung dahin, dag Partei. politische Bestrebungen aus der schule fernbleiben sollten und Jugendliche, die der Sclhrlc angehörten, sich der Schulordnung zu säge» hätten. Durch das Hereintragen parteipolitischer Bestre. bungen in die Schule würhe deren eigentlicher Zweck stark gc- fährdet. Entschädigungen für die in vielen Bezirken verheerend aus- tretende Maul- und Klauenseuche— Anfrage des Abg. Hauschild (Soj)— können den Tierhaliern aus Mitteln der Provinziatver- waltungen gezahlt werden, Abg. Lelze(Dnat. Vp.) begründet darauf einen Antrag, für die gemeinsamen Tchülerausflüge freie Fahrt oder Militärtarife zu erwirken. Beschlossen wird Ueberwcisung an den Haushallsausschuß. Ein gemeinsamer Antrag aZ'er Parteien verlangt, daß die staatlichen Bäder den Sozialvcrsicherten und der minderbemittelte� Bevölkerung sowie dem Handels stand zur Verfügung gestellt u.rch auch die zahlreichen Bäder im Privat» besitz dem sozialen Wchanken dienstbar gemacht werden. Der An- trag wird einstimmig angenommen. Einen Zentrui/tsanlrag um Bercitstclluna umfangreicher staat- sicher Bauarbeiten zur! u>.. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit begründet Abg. Altcgoer(Zentr.): Das Handwerk ernährt 12 Millionen Menschen in Deutschland, es leidet aber von allen Ständen am meisten unter der Beschästigungslosigkeit. Dem soll unser Anerag abhelfen. TaS Handwerk arbeitet besser und billiger als die eigene Regie des Staates. Abg. Mrntzel(Titat. Vp.) unterstützt den Antrag. Abg. Ommcrt lDem.): Wir stimmen ebenfalls zu. Das Hand- werk muß lebensfähig crbaltcn werden, sonst ist unsere Pro- duktion nicht aus die. alte Höhe zu bringen. Produktive Erwerb?- loseriunterstützung'st jedenfalls besser als eine Gcldunterstütznng. (Zustimmung.) Namentlich bei unseren Wasser- und Kanal- arbeiten darf kein Arbeiter entlassen werden. Abg. Lange Lberhauscn(T. Vp.) stimmt dem Antrag zu. Mg. Hnese(Toz.): Wir sind immer dafür eingetreten, daß von Staats und Ge- meinde wegen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Er- wcrbSlosigtSit produktiv zu bekämpfen. Dabei ist selbstvcr- ständlich auch das Handwerk zu berücksichtigen. Tie Regiearbeiten würden für die Handwerksmeister eine ganz besonder« erzieherische Wirkung haben. Auch die sozialen Baubetriebe dürfen dabei nicht leer ausgehen. Die Zwangszusammeuschließung bei Submissionen, wie sie jetzt in der Jndustrtc um sich greift, ist ein ungesunder Zustand. Wir werden nach Möglichkeit alles tun, um die Ärbeitslofigkest zu bekämpfen, und nehmen deshalb den ersten Deit des Antrags an, den zlvcitcn nur bei Annahme de» unab- htfngigen Antrags. Abg. Paul Hoffmann(II. Soz.l begründet einen unab- hängizen Antrag um Anfügung der Wor.c:„Soweit nicht eigene Regie in Frage komm t". Wir unterstützen alle Bestrebungen produktiver Emerbslosenfürsorge. Ter Antrag wird dem Hauptausschuß überwiesen. Es folgt der Antrag Adolf Hoffmann(U. Soz.) über die Maul- und Klaucnsenche. Ter unabhängige Antrag auf Ueberweisung an den Land- Wirtschaftsausschuß wird abgelehnt, dagegen die Besprechung gleich mit dem deutschnationalen Antrag über Bekämpfung der Pferde- seuchc verbunden. Abg. Konrad(Tnat. Vp.) begründet diesen Antrag und for- dcrt Bereitstellung von Mitteln zur Bekämpfung der infektiösen Anämie sowie Entschädigung der in Mitleidenschaft gezogenen Landwirte. Abg. Dr. Wen!(U. Soz) begründet den unabhängigen Antrag zur Milderung der durch das Wüten der Maul- und Klauenseuche zugefügten Schäden den Kleintierhaltern mit Staatsmitteln zu helfen. Abg. Jacobp-Raffaus(Zcntrl weist aus die großen Verluste hin, die die Landwirte durch die Maul- und Klauenseuche erlitten. Eine Milckkuh kostet heute lOOOl) Mark. Abg. Lawrentz(Soz.): Dem Antrage betreffs der Maul- und Klauenseuche stimmen wir zu. Ein Fabrikarbeiter aus Tort- miund hat bereits löltz ein wirksam«? Mittel gegen die Seuche gc- funden, das sich nach dem Zeugnis von Landwirten gut bewährt hat. Er bot es damals dem Landwirtschaftsminist« an, konnte aber die von der Regierung gestellten Bedingungen nicht a»- nehmen, weil er fein Mittel dann nicht hä.le verwerten können. Tie Seuche wütet auch unter den Ziegen. Hier dürfte mit Eist- schädigungen nicht gespart werden. Ein ilicgicrungsvertrcter bemerkt, daß die Negielung bereits mit den Provinzen in Verbindung getreten sei, damit die Eni- schädigung auch auf den Verlust von Ziegen ausgedehnt wird. Betdc Anträge geben an den Landwirtschafleausschuß. Es folgt ein deutschnaiionaler Antrag über Bereitstellung von Mitteln zur Uittersnitzung der oberschlesischcn Flüchtlinge. Abg. Lukostowitz(Tnat. Vp.) begrüßt ihn. In Oberschlcsicn sind-M Deutsch.' von den Palen ermordet worden. Die Flüchtlinge, deren Zahl WOW beträgt, sind oft kaum mit dem Notdürftigsten bekleidet. Es ist eine Ehrenpflicht der Regierung, hier einzugreifen. »Abg. Göbcl(Zentr.): Wir sind mit der Tendenz teS Antrags einverstanden. Ten Lberschlesiern wird das Ausharren nickst nur durch die materielle Not erschwert, sondern auch durch manche un- besonnenen Handbungen wie die in Breslau. Ein Negiernngsvertreter erkennt e? als selbstverständliche Pflicht der Regierung an, für die geflüchteten Lbcrschlesicr zu sorgen. Ter Staat bedient sich des Roten Kreuze» dazu. Wir habcu FlüchtlingSkommissare in Neiße, Brieg und Cchls und einen Hau pt komm issar in Breslau. Zu den Kosten leistet das Reich vorläufig 40 Proz. Vorschüsse, Preußen gleichfalls 40 Proz.(Bc-ifa�.k Abg. Hauke(Soz.): Nack, meinen Informationen sind es nur 6000 Flüchtlinge. Auch den cberschlesifchen Städten muß geholfen werden, die unter dem polnischen Terror leiden. Ter Am rag wird dem Hausttausschuß überwiesen. Bei der Feststellung ber Tagesordnung für die nächste Sitzung, die auf Mittwoch, den 6. Oktober. 1 Uhr, anberaumt wird, kommt es zu einer Geschäftsordnungsdebatte. Auf Beschwerden des Abg. L ü d i ck e(Tnat. Vp.), daß da? Wahlgesetz noch nicht eingegangen sei, weshalb er und seine Freunde selber einen Gesetz- ennvurf au�warbeitet hätten, teilt Präsident Le inert mit, daß die Wahlvorlage in einer Kabinettssitzung geändert worden sei und an daS Ministerium des Innern zurückgehen muhte. Schluß 0 Uhr._ Wirt schüft Ter deutsche Strumpf. Ii- einem interessanten Aufsatz bringt das„B e r l. T a g e b l." Aenßerungcn Cbemnitzer Strumpffabrikanten über die Lage der deutschen Strumpf! ndustrie, die einst eine w e l t b e h c r r s ch e n d e Stellung backe. Hier werden auch folgende bemerkenswerte Mit- tcilungen über das Entstehen einer australischen Wollwaren- induflrie gemackst:„Mit ernsten Sorgen," fuhr der Fabrikant fort, „blicke ich nach A u st r a l> e n. Tie dortige Regierung hat im Verein mit den großen Wollzüchtern Pläne ausgearbeitet, die dabin gehen, in Australien selbst im allergrößten Stile Fabriken zur Er» zeugung von Wollwaren einzurichten. Tie Regierung und die Wostzücksi« sind gewillt, zur Verwirklichung diese? Ziele- unge- zählte Millionen Pfund Sterling zur Verfügung zu stellen. Nach den Informationen, die mir von unterrichteter Seite geworden sind, scheint gar kein Zweifel zu bestehen, daß wir— vielleicht schon in wenigen Jahren— in Australien eine Wollindustrie haben werden, die alles bisherTagcwesene in den Schatten stellt. Das würde für uns deutsche Produzenten natürlich eine gefährliche Konkurrenz tverdcn und es wäre vielleicht gut, wenn die deutsche Regierung beizeiten ihr Augenmerk auf die australischen Pläne lenkte. Australien ist der größte Wollproduzent der Welt (wir Tcutsche haben 1913 für 165 Millionen Mar? australische Wolle bczogcnt»nd eS kann in der Tat weder ein äußerer noch ein innerer Grund angesübrt werden, der gegen die Erfüllbarkeit der australpchen Pläne ernstlich spräche. Ettoas schwieriger liegt freilich in Australien die A r b e i t e r s r a g e. Denn oerartige Maschinen kann nur ein geschulter Arbeiter bedienen. Man braucht aber nur einen Blick aus da- immer mehr anwachsende Heer der Arbeitslosen zu werfen, um eine starke Auswandc- rung unserer Textilarbeiter befürchten zu müssen." Nicht zu bewältigende Börsengeschäfte. Tic A r b e i t s r ü ck st ä n d e haben sich bei den hiesigen Banken und Banifirmen in jüngster Zeit derartig angesammelt, daß in Bankkreisen die Frage erörtert wird, ob die Börse, wie im Früh» jähr, wieder an einigen Tagen der Woche geschlossen werden soll. Eine Erledigung der laufenden Arbeiten innerhalb der ordentlichen Bureaustunden hat sich seit einiger Zeit nicht mehr durchführen lassen, und es wird mehrmals in der Woche mit II e b c r st u n d e n gearbeitet. Dem Wunsche rer Bankwclt gegen- über werden sich zweifellos auch die kleineren Privatfirmen sowie namentlich die Makler und Tagcsspckulanten ablehnend verhalten und darauf hinweisen, daß jede Schließung der Börse für sie eine Schädigung bedeutet. Aus der einen Seite steigende Arbeitslosigkeit mrd Betriebs- einschräniungen, auf der anderen Seite Hochbetrieb der Spekulation mit dem der Produktion entzogenen, sich täglich entwertenden Papicrkapital._ Geld gibt es ja gepumpt! Mit wie wenig Ueberlegung und nut wie großer Leichtfertig« keit heute an das Bauen gegangen wird, zeigt folgende Zuschrift: .Ich halte mir ein Grundstück erworben, auf dem ich mir im vorigen Jahr eine Laube baute. Da ich im Besitz eines Spar» kafienbucheS über 2100 M. war. dackne ich, du baust dir eine kleine Wohnlaube massiv. Geld gibt es ja gepumpt. Ich fing nun mit einem Kollegen an zu bauen. Der H o 1 z l i e f e r a n t ge« währie mir K r e d i t. Nachher überlegte ich mw die Sache und baule ein LandhäuSchen. Währenddem bemühte ich mich um ein Dar lehn oder Hypothek, doch bat!« ich kein Glück. Staatsluschuß gab es auch nicht mehr. Die Lieferanten, die eine Gesamiforderung von 20 000 Mark hatten, drängten. Doch alle« Suchen war vergeblich. Ich erhielt kein Geld. Keiner wollte, so hoch wie ich es wünschte, mein Haus beleihen. Nun �stehe ich da mit meinem halbfertigen Haus. Zu allem Unglück habe ich meine Wohnung in Berlin im Frühjahr schon bis auf eine Stube abgegeben, wo meine Möbel sieben. Der Winter steht vor der Tür. Im Sommer habe ich isiich in dem Neubau so durch« gewohnt, indem ich von einer Ecke in die andere zog, doch jetzt frieren wir. Es liegt kein Fußboden, es feblen die Türen und die Scheiben, keiner borgt mir noch etwas. Ich habe mich in meiner Not an die Eisenbohndirektion gewandt, doch wollte die nur 12 000 M. geben, davon gingen 4000 M. aus daS Grund« stück ab. behalte also noch 8000 M.. und um alles fertig zu machen, brauche ich noch mindesten« 35 000 M. Sie berechnen 50 Proz. Ausschlag gegenüber im Frieden. Nun wollte ich die WohnungS- not lindein Helsen, indem ich meine Wohnung preisgab, in der eventuell zwei Familien wohnen können, und nun stehe ich da mit meinem Talent. Wer hilft nun? An wen wende ich mich nun?" Der teichtsinnige Bauherr hat sich seine Not selbst zuzu« schreiben. Statt einen einfachen Bau aufzuführen, wollen die Siedler heute Villen bauen. Wetteranssichtcn für das mittlere Norddentschland bis Tonnlag mittag. Mild und zeitweise austlarend, jedoch überwiegend bewöltt, im Biniicnlande ziemlich zahlreiche, im Küstengebiet mehr verein- zelte, meist geringe Rcgcnsälle._ fe Unserem lieben Genossen» kSiuW neöjtSnnil d herzlichen Glüdrnunfch zur(j Ol Vermählung. vi p Die Genossen von .. Stralau. U für sämtliche Ues In- M WM i«! Am Sonntag, den Z. Oktober, vormittags 10 Uhr: Protesi-VersammEung im großen Saal der„Neuen Welt", Hasenhcide 108— lU. Thema:„Unsere rechtlichen Forderungen". Metall' Altmetalie zahl« immer noch Wiemer, im Bhf. Gesundbrunnen, Nirbachstr. 4. Hof, Bin Zentral-Viehhof, und Schlvelbeiner 1 Str.5,am Ring-. jahnhof Schönhauser Allee.| Lötzinn Zinn, Blei «auf« zu höchsten Preisen Klnnschmelze Casslrer, Schulzcndorfer Straße 13. änk. 0-5 Uhr ununtcrbiochen lankanlsstelle Oistfii. 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ISl/2 Neiner fehl«, ca geht um Euer eigene» Inleress«! ver provisorisch« llluoschuh- Durch die Auslührungsbestimmungen der Reichs- versorgungssteile, über die augtnbllcKlIch Im Reichsarbeitsministerium verhandelt wird, soll eine neue ungeheuerliche Verschlechterung der Lage der Kriege™ itwen eintreten. Gegen diese neue Provokation gilt es 1766b Protest zu erheben. Kriegerwitwen, erscheint In Massen am Sonntag, öen 3. Oktbr., vorm. 10 Dhr Im Lehrervereinslians, Alexanöerplatz tetBrnationaler Bunil der Krlegsoplsp. �Phorosan- Heilinstitirt� für haut-, Geschlechtskranke o. Frauenleiden üroßbeerenstr. 6t.« Oonorrböe-Behandlung nach dem neuen schmerzlosen Pnorosan-Verfahren. Syphiliskar. Streng wissenschaftlich. Spez.-ärttl. Leitung. Separate Zimmer. Sprechstunden II—S außer Dienstag Sonntags 10—12.— Kurdauer siehe Broschüre;„Die Gonorrhöe and Ihr» Zwölttsgekur" ,VI 3.—. Prospekt.V" gegen Porto. Nutzeisen jeder Art: Rund«, Flach-, O.nadrat« u. 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Wir Volksschullehrer und die Sozialdemokratie 1,20, Beamtenschaft und Sozialdemokratie....... 0,25 Frauenstimmen zu den Zeittragen......... 2,75 Die Frauen und der politische Kampf....... 1,20, i Stampfer: Religion ist Privatsache......... 1,80 „ Verfassung,Arbeiterklasse und Sozialismus 1,80 Bernstein: Wirtschaftswesen u. Wirtschaf tswjrden 6,00 ' Lassalle; Arbeiterprogramm............ 2,40 BuchhandlungVorwärts, Berlin, Lindenstr.3\ tt—#—< SUll MM ieftiBo zu den den Ihne höchsten Xageo' preisen tauft Tasche w fol. genden Geschaffen: Bellk.Wliancc.Slr. W Wsds., Bernhardtstr. I5a ssischerftr. 9 Solzmnrktstr. 10 Linienstr. 215 Friedrichsfelder Str. 4 Vrenzlauer Sit. 56 Mhe'nsberger Str. 52 fcodimciftcrftr. 2 Seucselderftr. 33 Urbanstr. 7 ffinebcnotnftr. 1 Georg enfirchllr. 12 Mclchiorftr. 15 Adalbertftr. 20 Grcnadierstr. 18 Dalikadenstr. 96 Piutschstr. 21 Löwcftr 11 Büschmgstr. 21 IE! 1 Dukaten-Traoring 900 gestempelt 150 Mk. an 585, 105,„ 333, 65,, inkl. Lnxnssteuer. 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S.t Barfüjjcrffrafec 7(Telephon 4867) oder von Gerhard H. O. Iwan, Berlin- Karlshorst, Prinz-Heinrich-Sttahe U.(Telephon Oberschöneweide 3201.) mi20l / Niefenwaffenschlebung. Verfahren gegen den Erbprinzen v. Hohenlohe. Wie die Korrespondenz B. S. erfährt, ist vor einigen Tagen gegen den aus dem Adlon- Prozeß bekannten Erbprinzen Gottfried v. Hohenlohe-Langenburg, einen Rittmeister b Unruh und Oberleutnant Tölz bei der 2 m als an mal tschaft III ein Verfahren toegen einer beabsichtigten Verschiebung von 2 Millionen deutscher Gewehre in Holland anhängig gemacht wor- den. Tie drei genannten Herren wurden am 28. vorigen Monats auf Anordnung des Kommissars für Entwaffnung, Dr. Peters, verhaftet und der Staatsanwaltschaft des Landgerichts III zur Vernehmung vorgeführt. Nach Eröffnung des Verfahrens lvegen Verstoßes gegen das Entivaffnunasgesetz vom 7. August 1 020 w»erden die Festgenommenen vorläufig wieder auf freien Fuß ges etzt.(Warum das? Red. d.„Vorw.*.) Tagung ües Jrieüenskongresses. Braunschweig, 1. Oktober.(Eigener Trahibericht des„Vor- wär.s".) In der heutigen Sitzung des Friedenskongresses wurde nach eineni Referat des Vertreters der Freien Gewerkschaften Kuoll folgende Resolution bezüglich des Völkerbundes angenommen» Der Völkerbund nach seiner gegenwärtigen Vcrkassung ist lediglich ein imverialistifchcs Svndlkat zur Sicherung der Beute der Sieger im Weltkriege. Von ihm bat die Arbeiterschaft»m allgemeinen und die deutsche Arbeiterschaft im besonderen nichts zu erwarten. Die wahrhafte Volterbundidec verlörvert sich heute in der Internationale der Arbeit und der Arbeiter. Sie zum Allgemeingut der Nationen zu machen, ist Aufgabe aller mit Kopf und Hand Schaffenden. Sie kann nur verwirklicht werden auf Grund der wahren T e»n o k r a t i e und deS organischen AufbauS des Wirtschaftslebens nach gemein- wirtschaftlichen Grundsätzen, wie sie seit Jahr- zehnten die deutsche gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft angestrebt hat und seit der Revolution durchführt. Aus dem Friedenskongreß ist noch bemerkenswert, daß starke Spalt ungstcndcnzen bestehen, da der linke Flügel ver- suchte, Resolutionen einzubringen, in denen gegen alle Pazifisten, gie für eine Volkswehr oder ein Milizfhstcm eintreten, d<»r Ausschluß ausgesprochen wird. Bis jetzt hatte der mäßige Flügel noch die Oberhand. ES scheint aber, als ob die radikalen Elemente den Kongreß vorzeitig verlassen und damit sprengen wollen. Heute abend fand eine Volksversammlung statt, in der die bekanntesten Pazifisten Ouidde, Förster, Tr. Helene Stöcker sprachen. Von„besseren" jungen Leuten, anscheinend S t u d e n- t e n, wurden Versuche gemacht, die Referenten nicht ausreden zu lassen. Antisemitische Zurufe fielen. Doch als die Ver- sammlung in der Mehrheit sich als Anhänger der Pazifisten er- wies und Stellung gegen die Ruhestörer nahm, verließen diese den Saal, so daß die Versammlung in Ruhe zu Ende geführt werden kmuuc. Klage um üas Sozialistengesetz. Die Gedenkiiummer, die der„Vorwärts" gestern zum Fall des Sozialistengesetzes herausbrachte, hat bei der deutsch- nationalen„Deutschen Zeitung" der alten Wunde unendlich schmerzliches Gefühl geweckt. Sie zitiert einige Sätze von Bernsteins Aufsatz, um zu ihnen zu bemerken: Wir brauchen diesen Auslassungen weiter nichts hinzuzufügen, als daß nach unserer Ansicht die Sozialdemokraten allerdings voll berechtigt sind, diesen Gedenktag mir einer Siegesfeier zu begehen. Er brachre dem demichen Bürgertum die erste Niederlage und stellt damit den Anfang des Leidensweges dar, der uns in die Schmach und das Elend des heutigen Deutschlands ge> führt hat. Also, die Aufhebung des Sozialistengesetzes ist schuld daran, daß der Krieg verloren gegangen ist. Wäre dieses Gesetz geblieben, so würde Deutschland heute grünen und blühen. Folglich hätte der Wiederaufbau Deutschlands mit der Wiedereinführung des Sozialistengesetzes zu beginnen. Gut, daß man's weiß!_ Die internationale Kreüitfrage in Srüstel. Brüssel, l. Oktober.(WTB.) Finanzkonfcrenz. Der heutige Sitzungstag war der Untersuchung über oie internationale Kreditfrage gewidmet. Zu dieser bedeutsamen Frage hielt der französische Vizepräsident C« l l i e r das einleitende Referat. Er hob hervor, daß der Kapitalmarkt erst dann wirklich genesen iverde, sobald die Staatsfinanzen, per internationale Handel und das Geldwesen wieder in Ordnung seien. Vorläufig müsse man sich mit Ersatzmitteln behelfen. Hier sei u. a. auf kurzfristige Kredite zu verweisen, die für Rohstofflieserungen gewährt werden und die aus dem Erlös des verkauften Ferligfabrikates gedeckt werden müssen. In der anschließenden Diskussion sprach der belgische Ministerpräsident D e I a c r o i x über seine Vorschläge, eine inter- nationale Bank zu gründen, die durch sie Ausgabe von Lbliga- t i o n e n die Mittel für den Wiederaufbau schaffen sollte. In der N a ch m i t t a g s s i tz n» g sprach der Franzose E h e y s s o n, der die eigenen Anstrengungen Frankreichs hervor- hel>t, die für den Wiederausbau der zcr störten Ge- b i e ti: gemacht würden. Es seie» hierfür rund 21 Milliarden Francs ausgeworfen. Für die italienische Dcle- gation sprach der Senator Ferrari. In Italien sei die F i- nanz- und wirtschaftspolitifche Lage als ernst zu bczeicknen, die heute durch die wirtschaftlichen und s o z i a- len Kämpfe noch verstärkt wird. Zranzösistber Gewerkstbostskongreß. Paris, 1. Oktober. Ja der Frcitagvormittagssitzung des G e» werkschaftslongresfes in Orleans schildert« I o u h a u x die Politik des Berwaltungsratcs der G. G. T. in den letzten Jahren. Er behandelte auch die Arbetterkonfrrenzvon Was hing- t o n und erklärte, diese Konferenz habe nicht die Ergebnisse gezeitigt, die man erwartet habe, weil die Minderheit der französischen Ge- werkschaften Wilson und den Völkerbund bekämpft hätte. Er habe bei der Konferenz eine neue Formel vorgebracht, den Ge- danken der internationalen Kontrolle. Er verteidigte die neue Institution, die es gestatte, zu einem Organismus zu kommen, und die auch in gewisser Beziehung einen revolutionären Wert habe. Das Arbeitsamt sei eine Einrichtung, vor die man die Sorgen«nd die Wünsche der Arbcitenoelt bringen könne. Nachdem sich Jouhaux noch über den neu eingerichteten Wirt- schaftsrat des allgemeine» Arbcitcrverbandes ausgesprochen hatte, ging er auf die Frage der Nationalisierung ein und verteidigte die Grundsätze, die der wirtschaftliche Rat in dieser Hin- ficht aufgestellt hat. Jouhaux sprach alsdann von der gewerk» Sozialdemokratie Eine sehr stark besuchte Konserenz der Parteifunk- ti o n ä r e fand am Freitagabend im„Teurschen Hof" statt. Ter Bürgermeister der Gemeinde Groß-Berlin, Genosse Adolf Ritter, behandelte das Thema: Unsere Stellung zur Berliner KommnnalPolitik. In großen Zügen schilderte er die Kämpfe, die unsere Partei seit vielen Jahren für den Gedanken der Einheitsgemeinde Groß- Berlin geführt hat, und verwies darauf, daß jetzt, wo der Gedanke durch Gesetz verwirklicht ist, gegen Groß-Berlin Sturm gelaufen wird von denen, die mit der Ausführung des Gesetzes nicht zu- frieden sind. Der Redner besprach die Berliner Wahlergebnisse. Von etwa 1 S00 000 Stimmen hat unsere Partei 142 000 erhalten. Dainit können wir allein einen allzu großen Einfluß auf die Ge- sialtung der kommunalen Verhältnisse nicht ausüben. Von den Mandaten haben wir 89, die Unabhängigen 86, das sind zusammen ääL Pro.z., also eine Mehrheit, wenn auch nur eine geringe. Als die Frage an uns herantrat, mit welchen Parteien zusammen wir den Magistrat bilden könnten, haben wir die Frage auch von dem Gesichlspunkt ans untersucht, welche Haltung die Parteien zur Republik und zur Monarchie einnehmen. Wenn gesagt wird, es handele sich doch um Verwallungsangelegenheiten, die mit Politik nichts zu tun haben, so ist das nur bis zu einem gewissen Grade zutreffend. Darüber hinaus spielt die politische Parteistellunq in der Verwaltung einer Gemeinde wie Groß-Berlin durchaus keine untergeordnete»Rolle. Es fragte sich also, mit wem wir unter Wahrung unseres politischen«iandpunlteS zusammengehen konn- te». Mir dein Zentrum und den Demokraten— wenn man diese Parteien überhaupt als Republikaner ansprechen kann— bilden wir keine Mehrheit. Auch noch mit den anderen bürgerlichen Par- teien zusammenzugehen, ist für uns ausgeschlossen. Wenn wir den Unabhängigen gegenüber eine ablehnende Haltung eingenommen hätten, so würden das unsere Parteigenossen nicht verstanden haben. (Sehr richtig!) Die Unabhängigen sind an uns heran- getreten, um einen Pakt mit uns zu schließen. Sie forderten, daß wir die Kandidatur deS Oberbürgermeisters Mermuth un- terstützen. Dainit haben wir uns einverstanden erklärt. Falsch ist die hieraus gezogene Schlußfolgerung, Hgrr Wermnth habe sich mit Haut und Haaren den Unabhängigen verschrieben. Tie weitere Forderung der Unabhängigen, nur besoldete Stadträte zu wählen, haben wir ebenfalls gebilligt, denn unter den heutigen Verhältnissen ist es unmöglich, die Geschäfte eines Groß-Berliner Stadtrats ehrenamtlich zu führen. Der Streit darüber, ob der Magistrat nur aus besoldeten Mitgliedern bestehen darf, ist auf eine Unklar- heit im Gesetz zurückzuführen. Die dritte Frage unserer Verein- barung mit den Unabhängigen war die, ob wir mit ihnen zu- sammen s o z i a l i st i s ch e Politik machen sollen. Darüber gibt es bei uns selbstverständlich keine Meinungsverschiedenheiten, denn wir halten es für unsere Aufgabe, sozialisttsche Gemeinde- Politik zu treiben. Das ist wichtiger als die Frage, ob auch ein ZentrumSmann oder ein Demokrat in den Magistrat kommt. Vw allem kommt es bei der Besetzung des Magistrats daraus an, daß die demokratische Verwaltung gewährleistet wir.\ In den staatlichen Verwaltungsstellen wird ja häufig direkt gegen die Demokratie und die Vorschriften der Verfassung gearbeitet. DaS darf in der Gemeindeverwaltung Berlin nickt geschehen. Wenn man zugeben muß, daß die Gemeinde die Keimzelle des Staates ist, dann verstehe ich nicht, daß man von uns verlangen konnte, wir sollten den Anhängern der Monarchie irgendwelche Konzessionen machen. iBeifall.) Auch dem vierten Punkt der Vereinbarung mit den Unabhängigen, daß auch die Fachstadtröte nicht Menarchisten fein dürfen, Haben wir selkswevständlich zugestimmt.«Sehr gut.) Der Redner besprach die Ergebnisse der Magistratswahl. Am meisten umstritien war die Wahl des O b e r f ch u l r o t s. Es hat sich gezeigt, daß Löwenstcin, was Kenntnisse und Fähigkeiten für diesen Posten betrifft, besser ist als der Ruf, den man um»hn ver- breitet hat. Selbst ein Mitglied der Demokratischen Partei ha: ge- sagt, Löwenstein sei ein kleiner Pestalozzi, aber er sei auch, wie dieser, nicht als praktisch« Lehrer tätig gewesen. Kann man unö zumuten, daß wir an einer verhältnismäßig so untergeordneten Frage, wie der der Besetzung deö Oberschulratsposte»s. den ganzen Pakt mit den Unabhängigen sckeitern lassen und einer. Patt mit den Bürgerlichen eingehen?(Nein, nein!) Das können wir nicht. (Sehr richtig� Draußen wird mancher meinen, wir hätten es an- ders machen können. Aber man sagt nicht, wtc wir es hätten machen sollen. Unseren Kritikern in den eigenen Reihen ial?: ich: Wer im Glasbause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wer mit 81 gegen 29 Stimmen zum Oberbürgermeister von Kastel gewählt ist, der ist am allerletzten legitimiert, uns vorzuwerfen,.ins« Ver- halten sei diktatorisch gewesen. Wer als ehemaliges MitgliO des ParteivorstandcS die Parole ausgegeben hat: „Der Feind steht rechts!", ist nicht legitimiert, uns Vorwürfe zu machen, daß wir ein Techtcl- mcchtel mit den Unabhängigen abgeichlast.'n haben. Darübe: wird noch an geeigneter Stelle ein Wort geredet werden. Wsiier führle der Redner aus, die Demokra'eii hätten leine Ursache, sich zu beklagen, daß sie bei ser Beketzung des Magistrats zu kurz gekommen seien. Es ist unwahr, wenn gesagt wird, wir hätten uns in das Schlepptau der Unabhängigen begeben. Es ist auch nicht wahr, daß wir diktatorisch vorgegangen sind. Die bür- gerlichen Parteien sind ja im Magistra: v-ri-eien, dabei ist natür- lich berücksichtigt, daß nur solche Ver re.er in Frag? kommen, die sich im Rahmen der republikanische» Staatsform halten. Wir glauben, durch unser Verhalten rer Kommunalpclitik einen durchaus guten Dienst geleistet zu haben, l Starker Beifall.) Stadw. Hugo Hcimann, der ats erster Tiskusstonsrcöner spiach, rechtfertigte die Haltung unserer Pa.'»eigeno>ien. Nacksem ach die Unabhängigen zur gemeinsanic» A r o r l r a n f d ein Boden der Demokratie angeboten hatten, durften sie von der Miiarbeit nicht ausgeschlossen werden zugnusira der bürgerlichen Parteien. Das würben unsere Genosse» nicht gebillig: habe».(Zuit'ininung.) Kein Mitglied unserer Fraktion und keuier iliiserer Genoffen im Magistrat denkt daran, auch nur ein iküvfeichen von unserer Selb- ständigkeit zugunsten der Unabhängigen auszugeben. Wir haben es durchgesetzt, daß die Unabhängigen, die zu den Hauptrufern rüt Moskau gehören, nicht in den Mag.stra: gewäh'i worden nnd, obgleich damals, als wir mit den Unäohäng.gen verhandelien. noch nicht vorauszusehen war, daß die Spali.ing der Unabhängigen wegen der Frage für oder gegen Moskau so nah., bevorsteht,.sich hoffe, daß nach der heutigen Aussprache die Pactei-unkt-onäre die Haftung unserer Fraktion billigen werden.(Lebhafter Beifall.) Ernst Heifttliinn» Unsere Parteigenossen haben verhängnisvolle Fehler gemach? die die Parteibewegung in Berlin aus das schwerste hemmen werden. Unsere Genossen haben übersehen, daß. wenn sie auch in Berlin die Mehrheit haben, wir doch nicht über die Mehr- l.. 1 1 ii iir■» m i ii in■ Ii schaftlichrn Internationale und von der Ernennung des neuen Präsidenten A p p l e t o n, den er nicht vorgeschlagen habe, sondern der der Kandidat der Tradc-Unions gewesen sei. Jouhaux wird seine Rede in der heutigen Rachmittagssitzung fortfetzen. Nach Beendigung der Rede Jouhaux' wurde der Tätigkeits- bericht des BerwaltungsrateS mit 1482 gegen 591 Stimmen bei 50 Stimmenthaltungen gutgeheißen. Jouhaux sagte in seiner Rede, er habe schon früher sein Urteil über Legten gefällt; er sehe in ihm nur den Bertreterderdeutschen Arbeiter? die Gewerkschaftsinternationale sei auch gegen de» Amerikaner unö Hroß-Serlin. heit in der Preußischen Landesversammlung verfügen, und daß, wenn sie dos Gesetz so ausnutzen, wie sie es getan haben, eine Aenderung des Gesetzes nicht abzuwenden ist. Unsere Genossen übersehen auch, daß die Unabhängigen keine feste Partei sind, und die von unseren Genossen herausgerechnete Mehrheit nicht besteht und der Magistrat bald nur eine Minderheit hinter sich haben wird. In den Städten, wo die sozialdemokratischen Siadiverorbnetcn in der Minderheit sind, aber Sozialdemokraten iin Magistrat sitzen, werden die Bürgerlichen Revanche für Berlin nehmen und die Sozialdemokraten aus dem Magistrat entfernen. Wenn Genosse Ritter droht, er werde aus dem Parteitag mit dem Genossen Scheidemniin abrechnen, so möchte ich ihm raten, das zu unterlassen(Widerspruch), denn der Parteitag wird eine Mehrheit gegen das Vorgehen der Berliner haben. Gegen die Grundsätze, die Genosse Ritter für die städtische Verwaltung aufstellte, ist nichts einzuwenden. Aber die Herren Emonts und Stolt sind keine besseren Tierlreicr der Demokratie und der Republik wie die Deutsch- nationalen.«Widerspruch.) In unserem Komniunalprograinm fordern wir für die Gemein deverwaftung das Einkammersystem, das heißt, die Verwaltung soll der Zusammensetzung der Stadtver- ordnctenvcrsammlung entsprechen. Wir haben nicht das Recht, ein Ausnahmegesetz zu macken, weder gegen Kommunisten noch gegen Monarchisten. Der Ausschluß der Bürgerlichen ans dem Ma- gistrat ist das beste Mittel, sie gegen uns- zusammenzubringen und ihren Widerstand zu stärken. Als Demokraten haben wir den Ma- gistrat nach dem Willen der Wähler zusammenzusetzen. Wenn das in Groß-Berlin befolgte Prinzip auch in den Bezirken angewandt wird, dann werden in den sechs Bezirken mit bürgerlicher Mohr- heit die Sozialdemokraten aus dem Magistrat ausgeschlossen.(Zu- ruf: Wird sowieso gemacht!) Nein, die bürgerlichen Parteien haben in der Landesversommlung die Erklärung abgegeben, einen Ver- trag über alle Bezirke abzuschließen, wonach die Bezirksleitung der Stärke der Fraktionen entsprechend zusammengesetzt werden sollen. Ich rate unseren Genossen, auf diesen V«trag einzugehen. Wenn wir sechs Bezirke mit bürgerlicher und vierzehn Bezirke mit sozial- demokratisch« Verwaltung bekommen, so gibt das einen unerträg- lichen Zustand des DurcheincmderarbeitenS, der für die Gesamt- gemeinde unbeilvoll sein wird. Unsere Parteigenossen hätten vor dem Abschluß des Patts mit den Unabhängigen an die Oefsent- lichkcit treten, ihren Standpunkt darlegen und nicht alles vertrau- lich verhandeln sollen. Sie hätten den Standpunkt einnehmen sollen: Wir sind das Zünglein an der Wage, ohne uns können weder die Unabhängigen nock die Bürgerliihen die Leitung der Gemeirtde durchführen. Von diesem«Standpunkt aus hätten unsere Genossen ihre Forderungen durchsetzen sollen.~ Dann hätten sie, getragen vom Strom der öffentlichen Meinung, an ein besseres Ziel gelangen können. Franz Krüger wandie sich gegen die von Heilmann ver- tretene» Anschauungen. Tie Auseinandersetzung auf vem Partei- tage sei nicht von uns, sondern von anderer Seite angedroht wor- den. Wir können dieser Auseinandersetzung mit Ruhe entgegen- seien. Ein Znsainmenarbeiten mit den Rechtsparteien ist aus poli- lischcn und aiideren Gründen heute weniger möglich als mit den Unabhängigen, wenn diele zum Zusammenarbeiten aus vernünfti- ger Grundlage bereit sind. Heilmann sagt, sie Unabhängigen bil- den kein festes regierungsfähiges Parteigebilde. Ja, ist es denn mit den bürgerlichen Parteien anders? Demokraten und Zentrum, die als Koalitionsparteien für uns in Frage kämen, sind doch auch keine festen Parteigebilde, Das Zusammenarbeiten mit den Un- abhängigen ist eher möglich als mit irgendeiner bürgerlichen Partei. Es gibt leine Siadt mit einer bürgerlichen Mehrheit, die einen sozialdemokratischen Magistrat tvählen wurde. Sollen wir denn, wo wir eine sozialdcmoiratische Mehrheit haben, einen Magistrat nach den Wünschen der Bürgerlichen wählen? Sollen wir die Koalition mit den Bürgerlichen in der Landesversammlung nur dadurch aufrechterhalten, daß wir ihnen immer nachgeben? Ich meine, die M ichipositionen, die sich die Arbeiter errungen haben. iiküssen sie ausnützen. Das Bürgertum gibt ja von seinen Maicht- posi' oneu auch nicht ei.« Jota an uns ab.«Zustimmung.) � Tie Bürgerlichen wollen der neuen Gemeinde den Boden unterwühlen, sie wollen zeigen, daß eine sozialdemokratische Mehrheit nicht ar- betten lann. Deshalb ist es unsere Aufgabe, zu zeigen, daß die sozialistische Mehrheit auch ohne die Bürgerlichen mit Erfolg ar- betten tann. Sollten die Bürgerlichen in der Landcsversammlung den Minister Sepering stürzen, wenn er Löwenstein bestätigt, so würden wir uns zu fragen haben, ob sie noch geeignete Bundes- gciiossen für uns sind.(Zustimmung.) Unsere Politik mag Mängel haben, aber hätten wir eine andere Politik befolgt, dann wurden sich noch größere Mängel gezeigt baden. Es handelt sich bei unserer Berliner Kommunalpolitik nickt um die Betätigung des Proporz» Wahlsystems, ivas ja nicht gleichbedeutend ist mit Demokratie, sondern um die Erhaltung einer Machtposition, die man uns a u S den Händen winden will. Vor Drohungen der Bürgerlichen dürfen wir nicht zurückschrecken. Wir müssen auch in diesem Falle zeigen, daß der Zustand�nicht wiederkehren darf, wo man gegen die Arbeiter regiert.(Starker Beifall.) Nachdem ein Vcrtagungsantrag angenommen war, er- hielt noch Genosse Leinert, Präsident der Landesversammlung, das Wort. Er erklärte das Verhalten oer Berliner Genossen für einen Fehler, Durch ihre Politik werde nicht unsere Macht, sondern die Macht der Unabhängigen gestärkt. Es sei sehr bedenklich, diese uns aufgezwungene Politik mit Gründen unserer Parteipolitik zu verteidigen. Der Ausschluß der Bürgerlichen sei ein Unrecht und ein Verstoß gegen die Demokratie, obne die wir nicht auskommen können. Der Redner betont, er wolle sich nicht in die Berliner Verhältnisse einmischen, aber ein Recht, darüber zu reden, babe er, weil die Berliner mit ihrem Verhaften den Parteigenossen im Lande die«Scheiben einwerfen. Genosse«Scheidcmann sei in Kassel nicht mit dem vom Genossen Ritter angeführten Stimmender- hältnis, sondern mit 41 gegen 29 Stimmen gewählt. Draußen werde von den Leuten, die für die Zerreißung Preußens Stimmung machen, nach der Parole:„Los von Berlin" jede Gelegenheit de- nutzt, um alle?, was in Berlin vorgeht, in ihrem Sinne auszu- nutzen. Das sollten die Berliner Parteigenossen bedenken und bei ihrer Politik berücksichtigen. Die Genossen sollten ihre Kommunal» Politik nicht als eine Berliner?lngelegenheit betrachten, sondern immer denken an ihre Rückwirkung auf die Provinz. Wenn die Berliner Genossen eine führende 2'ellung einnehmen wollen, dann sollen sie ihr Verhalten so einrichten, daß es die Genossen draußen im Lande nachmachen können.(Lebhafter Beifall.) Um>411 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. GomperS. Jouhaux verlangte einheitliches Handeln, um die Roh- stoffe der Welt allen Nationen zuzuteilen. Nach der„Humanite" ist die Erklärung Jouhaux' mit lebhaftem Beifall aufgenommen worden, daß gegenüber der Drohung Millerands» das R u h r g e- biet zu besetzen, ei« Einverständnis mitdeu deutsche« Arbeitern erzielt sei. Herabsetzung der ReichSwchrtrnppcn. Mit dem 1. Oktober wird die Zahl der Reichswehrtruppen gemäß dem Spaer Abkomme, auf 150000 Man« vermindert. i GewerGhostsbewegung Stärkt öie Nechen. Recht bcüerzigenAwerte Worte, die auch fiir viele Mit- glieder anderer geiverikschaftl icher Organisationen Geltung Haben, richtet der Vorstand des Verbandes der Gärtner in der..Allgemeinen Deutschen Gärtner-Zeitung" an seine Be- rufSkollegen. Der Vorstand schreibt dort: Im sozialen Krieg, und das i st das Ringen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, gelten dieselben Regeln wie im militärischen Krieg: Für den Angriff rützen, d i e Kampftruppen st ä r b e n und auffüllen, u ni dann den Angriff un t e rnehmenzu können. wenn sein Gelingen sicher ist. Diesen Zeitpunkt werden wir selbst bestimmen, uns also nicht vom Gegner dazu reizen lassen. Wir müssen deshalb die jetzige Zeit benutzen, um unsere im letzten Jahre gewonnenen Mitglieder z u Kämpfern zu erziehen. Daran mangelt es noch überall. Die neuen Mitglieder kommen zur Organisation, um durch diese ihre Lage zu verbessern. Sie glauben vielfach, das; der Eintritt in den Verband dafür schon genügt, ohne selbst mit Hand anzulegen. Sie perstehen noch nicht, daß sie selbst ein Teil des Verbandes sind und kraftvoll mit Hand anlegen müssen, um die elenden Berufsverhäitnisse zu ändern, an denen die ungeschulten Mitglieder, wie die große Zahl der unorganisierten Kollegen selbst schuld sind. Denn � I- e• i I /•-* V' rr•<.. ClilCi.» UilL* /VLUlltLC IUI CKIIUIILUC XU-VCt i 1. t-i t- V ÜC- X l WlC-UV»l v-x �yxyu.Jii- sie Nwren es, die bisher ledem Fortichritt Hindernisse m den der graphischen Berufe. Das Jniernationalc Sekretariat Bureau die Verhandlungen leite. In der Debatte betont Hau- eisen-Berlin mit allem Nachdruck das Recht der deutschen Dele- gation, im Bureau mit vertreten zu sein. Die Deutschen hallen>.ch hierzu noch immer fiir würdig. Da die Konserenz praktifibe Ar- beit leisten soll, wird sie kaum dazu kommen, sich über die ver- gangenen Zeiten zu unterhalten. In die Konsercnzleitung werden sodann als Vorsitzende Brückner- Berlin und van der Beel- Amsterdam sowie H o ch st r a s s e r- Bern als Protokollführer gewählt. H a u e i s en- Berlin als Stellvertretender internationaler Sekretär stellt fest, daß nach dem Verlauf der letzten(3.) Konferenz zu erwarten stand, daß der Gedanke der internationalen Solidari- tät weiter tiefe Wurzeln schlagen würde, und daß die dem Jnter nationalen Buchbindersckretariat noch nicht angeschlossenen Ver bände den Anschluß baldigst vollziehen würden. Der Krieg habe alte Hoffnungen auf intensiveres Zusammenarbeiten vernichtet. Im Frühjahr lglg wurden erneut Bemühungen unternommen, die losen Verbindungen wieder zu festigen. Stach erfolgter Verständi gung war eine Konferenz für Mitte September l9l9 in Amstcr dam in Aussicht genommen, an der teilzunehmen sich jedoch nur die Organisationen von Dänemark, Deutschland, Holland und Nor � wegen bereit erklärten. Diese geringe Beteiligung verhindert« ' den Zusammentritt. Im Sommer 1919 hatte in Belgien bereits � eine Zusammenkunft von Vertretern der belgischen und französi � scheu Verbände stattgefunden, auf der beschlossen wurde, am 24. und i 25. August eine Vorkonferenz in Paris abzuhalten. An dieser Kon I fcrenz nahmen teil England mit drei Organisationen, Belgien mit � einer, und Frankreich entsandte 19 Vertreter verschiedener Organi Wdg legton. Ware die große Mehrzahl unlerer Kolleg- nj�t;n flenntni| gesetzt worden. Der Schweizer Verband jdwst wie m anderen Verusen seit>�h'.zchnten orga lsi r, abgelehnt mit der Begründung, nur dann teilnehmen zu labe es auch bei uns anders aus. Das muß jeder einse l n wenn auch die anderen Organisationen geladen werden. und mutz deshalb b�trebt iein, das Versäumte nachzuholen. Vorkonferenz wünschte die Verlegung des Sitzes des Sek«- � Recht. Rom?st auch mckst m emew-x..ge i. tariQtg aue Deutschland und die Bestellung des Internationalen Ilnd auch unsere Verufsverhaltnisse können sich nicht vo Bureaus aus verschiedenen Ländern. Die einzelnen graphischen heute auf morgm andern, xazu bedarf es j a h r 1 a n g r, Internationalen Sekretariate sollten sich alle im gleichen Lande unermüdlicher Arbeit der zusammengefaßten Mass pxfjnden. Der Bericht klagt weiter über mangelhafte Angaben. und eines jeden Einzelnen.. die zu statistischen Uebersichten und Zusammenstellungen verlangt Darum rafft Euch aus. erkennt den Zusammenhang der �$ie Beitrags-leistung an das I n t« r n° t i°- Dl''ge und habt Ihr den begrissen. dann klart auch die noch S e k r e ta r ia t ist während des Krieges von fast allen Or- abie.tsstehcndeli Kollegen>md Kolleginnen ans, und begeistert.��ionen eingestellt worden, nur der deutsche Verband, der sie für UNs-ere Ziele und �decie. �... norwegische und der österreichische sind ihren Verpsiich- Kammern und Klagen über die Euincht. losigkeit b r � � nachgekommen.— Zum Schluß würdigt Haueisen noch den Unternehmer ist zwecklos denn sie haben nach dem Ausspruch � ��ischen Kampf der ungarischen Kollegenschan.' eines alten Voikampfers dei Äibefteibeivegung„dort, wo Hierauf wird in die Diskussion über den Bericht eingetreten. andere Menschen ein Herz haben, einen Stein. Sie kennen nur ihrsn Profit, olles andere ist ihnen Nebensache. Nur durch geschlossene und kraftvolle Organisation können wir das Untcrnehmertilm niederMingen. 4. Internationale öuchbinöer-konferenZ. Bern, 29. September 1929.(Eig. Bericht.) Nach einer Pause von sieben Jahren traten am 28. September in der Schweizer Bundeshauptstadt B e r n die Vertreter der Buch- binderverbände zur 4. Internationalen Konferenz zu- sammen, um die durch den Krieg gelockerten internationalen Ver- bindungcn wieder zu festigen. Vertreten sind aus den folgenden 12 Ländern 14 Organisationen durch 27 Delegierte. Es entsandten: Be l g i e n 1 Vertreter, Dänemark 1 Vertreter, Deutschland 5 Vertreter, England 3 Vertreter, Italien 3 Vertreter, N i e- derlande2 Vertreter, Norwegen 1 Vertreter, Oe st erreich 1 Vertreter, Schweden 1 Vertreter, Schweiz 6 Vertreter, T z' ch ccho slowakische Republik 2 Vertreter und Ungarn 1 Vertreter. Mit den Organisationen in Bosnien, Brasilien, Bul- garten, Kroatien und Slawonien und Spanien war eine Verbin- düng nicht möglich, während die Verbände in den Vereinigten Staaten, Finnland und Frankreich, zum Teil aus internen Ver- Hältnissen, eine Vertretung zu senden nicht in der Lage waren. Die französische Kollegenschaft berichtete, daß sie den Anschluß an die Buchbinder-Jnternationale baldigst vollziehen werde. Eine Delegation der russischen Kollegen schaft durfte den Schweizer Boden nicht betreten. Die russische De- legation war bis nach Basel gekommen, sie mußte leider unverrich- tctcr Sache wieder die Hciinreise antreten. Die Internationale Konferenz bedauerte diesen engherzigen Standpunkt der Schweizer Regierung aufs tiefste, war aber nicht in der Lage, dies Resultat zu ändern. Die Konferenz wuvde am 28. September durch den stellver- tretenden Sekretär H a u e i s e n- Berlin mit herzlichster Be- grüßung der erschienenen Delegierten eröffnet. Zunächst entspann sich eine längere Debatte über die Besetzung des Bureaus der Konferenz. Van Staeyen- Belgien hält es für angebracht, die deutsche Delegation aus dem Präsidium fern- zuhalten, um ein gedeihliches Verhandeln zu ermöglichen. Es sei doch nicht ganz ausgeschlossen, daß dennoch Kriegsfragen zur De- batte mit stehen werden, und da sei es wohl gut, wenn ein neutrales Vom Streik der Mühlenarbeiter. Tie streikenden Mühlcnarbeiter hörten am Freitag in einer überfüllten Versammlung den Bericht ihrer Kommission, den T r ö g e r erstattete. Aus Veranlassung des Reichs-Arbeits- Ministeriums haben beim Temodilmachungskommissar Verhandlungen stattgefunden. Dabei suchten die M ü h l e n be s i tz�e r auf den Kommissar dahin einzuwirken, dem Schiedsspruch des ischlichtungs- Ausschusses, aus dessen Durchführung die Mühlcnarbeiter bestehen, keine Rechtsverbindjichkeit zu verleihen. Ueber ihr bekanntes An- � gebot wollen die Mühlenbesitzer nicht hinausgehen. Bevor an eine . etwaige Verschärfung des Kampfes gedacht iverden könne, meinte Redner, wäre die Entscheidung des Demobilmachungskommissars i abzuivarten. Es folgte eine lebhaste Debatte. In einer ein st im m ig angenommenen Resolution ! wurden mit Entschiedenheit die Ausführungen der Unternehmer l vor dem Demobijmachnngskommissar a j s unrichtig zurückge- wiesen. Dabei wird bcwnt, daß der Schiedsspruch in seiner schriftlichen Ausfertigung hervorhebt, daß die bisherigen Löhne derart niedrig waren, daß eine erhebliche Er- höhung angemessen erscheine. Dann sagt die Resolution weiier: ! Die Einwendung der Unternehmer, sie könnten die höheren Sätze � des Schiedsspruchs nicht zählen, widerspricht der Tatsache, daß � von der Reichsgctreidcstelle in dcn mit den Müllervcrbänden am 13. August vereinbarten Mahllöhnen bereits ein Durchschnittslohn von 299 M. für die Mühlenarbeiter abgegolten wird. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes und des Schiedsspruchs erklären die Streikenden, von den im Schiedsspruch vorgeseheneu Sätzen unter keinen Umständen abzugehen und bis zu ihrer Durchführung den Streit fortzusetzen. Für alle eventuell sich ergebende» Ernährungsschwierigkeiten sind die Unternehmer ver- antwortlich. Tie Klosicrmühlc in Spandau hat den Schiedsspruch anerkannt und wünscht, daß ihre Leute aus dem Streik herausgelassen werden. demgemäß wird beschlossen, so daß in der Klo st ermühle die Arbeit sofort wieder aufgenommen wind. Im Südostspeicher ist die Entlassung von 16 Speicherarbeitern zu befürchten, wenn sie ihre Weigerung, für die Viktoriamühle be- stimmtes Getreide abzuladen, fortsetzen. Für diesen Fall b e- schloß die Versammlung einstimmig, nicht eher wieder die Arbeit aufzunehmen, bis auch die 16 Speicherarbciter wieder ein- gestellt sind._ Die Tarifverhandlungcn in der Chirurgie-Mechanik, In der Sitzung vom 27. September beharrten die Arbeitgeber auf ihrem Standpunkt, einen Lohnabbau vorzunehmen. Auf die Gegenvorschläge der Arbeitnehmer einzugehen, lehnten sie ab. Da- gegen wünschten sie eine neutrale Stelle sprechen zu lassen. Die Unlernehmer werden nunmehr den Schlichtungsausichuß Groß-Berlin anrufen. Die Verhandlung soll unter un- parleiiichem Vorsitz sianfinden. Der Unparleiische wird vom Schlichlnngsaiis'ckiuß Groß-Berlin ernannt werden. Die Angestellten sind fest enischlosien, keinerlei Lohnabbau vornehmen zu lassen, da gerade ein solcher die alten branchekundigen Angestellten sehr schwer lresfen würde. Die Arbeiterichasl der Branche hat bereits in Versammlungen hierzu Siellung genommen und ibre Solidarität erklärt. Ter Tarifvertrag im Elektro-Großhandel, der am 2. Juli. zwischen dem Groß-Berliner Arbeitgebcrverband des Großhandels und dem Zcntralvcrband der Angestellten, Bezirk Groß-Berlin, ab- geschlossen wurde, ist vom Reichsarbeitsministerium für allge- mein verbindlich erklärt worden, und zwar rückwirkend ab 13. August 1929. Wir ersuchen alle Angestellten dieser Branche, bei ihren Arbeitgebern wegen Anerkennung des Tarife» vor- stellig zu werden und uns bei evtl. Streitfällen sofort M i i t c i l ii n g zu machen. Der Tarifvertrag ist im Berbandsburcau des Zentralverbandes der Angestellten, Bezirk Groß-Berlin, Abteilung Broschürenverkauf, Bclle-Allianccstr. 7/19, gegen Erstattung der Unkosten von 1,25 M. zu haben. Zentralverband der Angestellten. Ein Jubiläum. Die Altcnburger Zahlstelle de? Trans- portarbeiterverbandcs konnte dieser Tage ans ein 25jährigeS Bestehe n zurückblicken. 451 653 M. Arbeitslosenunterstützung zahlte der Deutsche Bauarbeiterverband im zweiten Vierteljahr 1929. Ins- gesamt waren 15 996 U n t e r st ü tz u n g s f ä l le zu erledigen. Während derselben Zeit wurden in 8666 Fällen 249 673 M. K r a n k e n u n t e r st ü tz u» g gezahlt. Nach einer am 13. Sep- tember vorgenommenen Zähjuiig betrug die Zahl der Verbands- Mitglieder 493 1999, davon waren 29 984 arbeitslos, 19593 Mitglieder wurden unterstützt. Gegenüber dem letzten Zäblerbcricht hat sich die Zahl der Arbeitslosen um 1168 verringert. Zentralverband der Zlngestrllten. Heute: Fachgruppe I8b s.Handels» lebrer) Mitaliederveilamwlung 8 Ubr, Alter Askanier. Aiibaltstrahc 11.— Za�gruppe 4 a ikdmatoeisicheruna). Obleute und Vertrauensleute. Sitzung 1 Uhr Schultheiß, Neue Jatobstr. 24/25. Soziales. Invaliden dritter Klasse. Wir veröffentlichten in der FreitagabendauSgabe die Ziischriit eine? Jnvalidenrentners. der mit Recht darauf hinwies, em wie unhaltbarer Zustand es sei, wenn die Jnvalidenreniner im Gegen- iatz zu der Arbeiisloienunierstützrlng von wöchentlich 43 M. eine Monats rente von 52 M. erhalten. Aber auch in anderer �Hinsicht sind d:e Invaliden Stiefkinder des Staates. Ein großer Teil der Invaliden bedarf der ärztlichen Pflege und der Kur. Hier versagen die V e r> i ch e r n n g S a n st a l r e n vollständig, wenn eine Wiederherstellung der ArbeilSkrait und insolgedeiien der Fortfall der Rente nicht zu erwarten ist. Wir führen atS Beispiel drei Fälle an. Das eine Mal handelt es sich um einen Ganzinvaliden iRückgratsverirümmng. chron. Luiigentartarrb, chron. HerzmuSkel'chwäche, chron Mittelobrkartarrb mtt hochgradiger Schwerbörigleii) der Landesoersichersicherungsanstalr Sachsen-Anhalt; der früher 14 M. 45 Pf. monatlich als Jnvalidenpension bezog und heute aui den fürstlichen Monaisbezug von 44 M. 45 Pi gesteigert worden ist. Eine Rubrerkrankung wari ihn darnieder. Ein Keiuch um Aufnahme in eine Erbolungsitätte wurde abgelehnt, da Wieder- Herstellung der Arbeilsfähigkeit ausgeschlossen ist.— Im andern Fall bemühte sich ein an Lungeniuberkuloie leidender Ganzinvalide der Landesveriichening Brandenburg lRentenbezug 59 M. monallich) zwecks Wiederherstellung seiner Arbeitskrafi um Aufnabme in eine Heilstätte. Dem Ersuchen wurde stattgegeben, die Kur aber abgebrochen, als der ärztliche Befund ergab, daß bei längerer Behandlung leichte Arbeitsfähigkeit zwar erzielt, volle Arbeitsfähigkeit aber nicht erwartet werden könne. Formal läßt sich gegen diele Entscheidungen nichts einwenden; es ist sogar die Frage, ob ein anderer Entscheid im Bereich der Möglichkeit liegt. Aber moralisch liegt hier doch ein schweres Versäumnis bei Volksgenossen vor, das derartige gesetzlich verbriefte Zustände duldet. Wir haben beule faktisch drei Klaiien von Invaliden: den Kriegsinvas den mit einem Monatsbezug von zirka 799 M., den Mililärinvatiden mit einem Monatsbezug von zirka 399 M. und den Arbeitsinvaliden mit einem solchen von zirka 59 M. Mit dem demokratischen Sozial- empfinden unserer Zeit, die eine Unterbaltungspflicht der Allgemeinheit den schuldlos Arbeitslosen gegenüber(zu denen ja die Invaliden auch gehören), anerkennt, ist das nicht vereinbar. Diese Verhällnisie schreie» nach einer Neuregelung der Arbeitslosen- und Jnvalidenfrage auf gemeinsamer Grund- läge, die das Existenzminimum gesetzlich regelt. Sriefkaften öer Neöaktion. B. G. 20. 1. Bormann Nchil.. Brüderstr. 39: Zickendraht. Eharlotten- straße 27. 2 Benzin: ein anderes Mittel ist uns nicht bekannt.— P. K. Die Adresse der Soz. Partei in Griechenland tonnten wir nicht ermitteln.— Lerantw. sür den redakt. Teil: Dr. Werner Pciser, Charlottenburg: fiir Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärls-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor» wärls-Buchdruckerei u. Verlagsnnliait Bau! Singer u. Co.. Berlin. Lindenltr. 3. Hierzu 1 Beilage. KII>ID�K.>V0CH� lo.".»»••: ,-H' Wis*- Beginn: Montag, den 4. 10. 20 Vorverkauf: Sonnabend, den 2. 10. 20 Ausserqewöhnlidi billige Angebote! HERMANN TIEIZ LMAl