Nr. 490 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe A Nr.lSS Bezugspreis; N>ert-IISHrl.Z0,-Ml.monatI.10,— Mi. frei ins Saus, ootaus, ahlbar. Post» bejug: Monatlich 10,— MU exil. Zu» stellungsge'osthr. Unter Kremband für Deutschland und Oesterreich 18�0 Mi« für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21,50 M. Postde» stellungen nehmen an Oesterrei,� Ungarn, Tschecho-Elowalei, Däne- Marl, Solland, Luxemburg. Schweden und die Schwei».— Eingetragen tu die Past-�eitungs-Preisliiie. Der.Vorwärts' mit de: Sonntags» betiage»Volk u. Zeit' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Man» tags einmal. Telegramm-Adresse! »Sejlaldctnotcat Seena*. Sonntags Ausgabe Vevlinev OolksblAit �S0pksnnis) Anzeigenpreis: Die achtgefpaltene Nonvareillezeil« tostetZ.— M., Teuerringszuschlag 50«/» kleine Anzeigen', das trtt» gedruckte Wort 1,— M.(zulöfssg zwei fettgedruckte Worte), iedes weiter» Wort 00 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wort 05 Pfg. jedes wettere Wort 40 Pfg. Wort« Über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50»/» ffamilien-Anzeigen für Abonnenten geile 2.— M. politische und ge» werischaftliche Vereins-Anzeigen Z,— Ml. die gelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächst« Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW.Z, Linden» ftratz« 3, abgegeben werden. Seijssnet von 9 Uhr srüh bis 5 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdemokratirchcn Partei Deutfchlanda Neüaktion und Expedition: SM. 6$, Lindenstc. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. ISIgv— l,ä1S7. Sonntag, den 3. Oktober IVÄO ----— vorwärts-verlag G.m.b. y., SW. b8, Lindenstc. 3.. Fernsprecher: Amt Moritiplan, Nr. 117 SA— 31. Der weg aus öem ImanZelenö. der Sergarbeiterkampf in Englanö. Brüssel, 2. Oltober.(Havas-Reuter.) Wie versichert wird, bat der Finanzausschuß der Konserenz den Wortlaut einer Entschließung über die Sffentlichra Ausgabe» festgesetzt. Er empfiehlt darin den Regierungen 1. Gleichgewicht der Staatshaushalte, 2. Deckung der ordentlichen AuS« gaben durch ordentliche Einnahmen, 3. Berminde- rung der Rüstungen, 4. Verwendung von Anleihen zur Amortisierung der schwebenden Schuld. Ein holländischer Vorschlag. Brüssel, 2. Oktober.(WTB.) Die henbige Sitzung der Finanz- Konferenz brachte neben einer kurzen Besprechung des Borschlages einer internationalen Bank von Telacroix vor aAen Dingen das bedeutsame Projekt des holländischen Bankiers Termeulen. Nach!oie- fem Projekt soll eine Organisation geschaffen werden, die dem Warenverkehr hinsichtlich der Kreditabwicklung eine sichere Grundlag« gewährleistet. Dies« Grundlage sieht eine Zentral- k o in m i s s i o n vor, die von mehreren Staaten gebildet wird und.der die Aufgabe übertragen ist, einen Sicherheitsfonds zu ver- walten. Dieser Sicherheitsfonds wird durch Steuern und an- dere Einnahmen der an dem Projekt beteiligten Staaten gespeist. Bon dieser gehen auch Obligationen heraus, die den eigent- lichen Kred-itv erkehr zwischen den Importeuren und den Exporteuren aller beteiligten Länder vermitteln sollen. Nur für den dringendsten Bedarf sollen Kredite gewährt werden, auch für Rohstoffe zur Herstellung von Halb- und Fertigfabri- katen, die wieder für den Export bestimmt sind. Aus dem Erlös des Exportes sind sodann die Obligationen einzulösen. Auch in der heutigen Nachmittagssitzung ergab die Besprechung über den Plan von Termeulen eine grundsätzliche Zustimmung. Ter Präsident der Konferenz bildete heute einen besonderen Aus- schuß. der die Aufgabe hat, über die finanzielle Ver- f a s s u n g der einzelnen Länder einen Bericht zu verfassen. Von deutscher Seite ist in diesen Ausschutz Prof. Dr. Lötz- München gewählt. In der Nachmittagssitzung der Fiuanzkonferenz spvach der Franzose A v e n ol zu dem Borschlag über den internationalen Handelskredit seine Zustimmung unter Vorbehalt aus, weil nach seiner Meinung eine internationale Organisation, die die finanzielle Solidarität der Völker praktisch ver- körpern würde, notwendig sei. Hierauf wurde die Erörte- rung geschlossen. Die Tagesordnung der Konferenz ist er- s chöpft._ der Karlsbader Parteitag. Karlsbad, 2. Oktober. fDrahtmeldung des Sonderberichter- statters des.Vorwärts"). Eine größere Anzahl Delegierter deS Karlsbader Parteitages hat einen längeren Antrag eingebracht, der als allererster Punkt der Tagesordnung verhandelt werden wird. Dieser Antrag spricht aus, daß daS Vorgehen der sogenannten Reichenberger Linken die M e i n u n g s d i s fe r e n z e n in der Partei gewaltig verschärft und die ungeheure Gefahr einer Spaltung hervorruft. Die Unterzeichner deS Antrages erklären ihre unbedingte Bereitwilligkeit zur weitestgehenden Prü« fung deS ParteivrogrammS unser Festhallung folgender Grund« sätze: Die Kampfmittel der Partei sind von der Entwicklung der Machtverhällnisse im eigenen Lande bestimmt, und eS kann daher keine andere Macht über die Wahl dieser Mittel, über die Methoden deS Kampfes und über Art und Zeitpunkt der politischen Aktionen entscheiden. Ferner wird gesagt, daß die Partei die Aufgabe bat, die Mehrheit der Bevölkerung für den Sozialismus zu gewinnen und gestützt auf diese Mehrheit unter Ausnutzung der demokratischen Einrichtungen des Staates die politische Macht zu erobern und sich ihrer zur Verwirklichung des Sozialismus zu bedienen. Weiter wird erllärt, daß die Diktatur im Sinne des kommunistischen Manifestes als Diktatur der Mehrheit über die Minderheiten aufzufassen ist, daß die Partei jedoch bereit ist. der Gewalt der Bourgeoisie gegen den Willen der Mehrheit die Gewalt des Proletariats entgegenzusetzen. Die Partei hat ihren demokratischen Aufbau beizubehalten, und innerhalb der Partei darf es keinerlei diktatorische Gewalten geben. Die Partei bewahrt ihre volle Unabhängigkeit in jeder Beziehung und nach allen Seiten, so daß keinerlei internationale Instanz die diktatorischen Rechte über sie gebieten darf. Es wird dann noch erklärt, daß das Aufgeben dieser Grundsätze eine ungeheure und verhängnisvolle Schwächung der Bewegung in dem entscheidenden Endkampf um den Sozialismus herbeiführen und damit eine schwere Sckädi-- gung deS Proletariats zur Folge haben müßte. Beider Beratung diese? Antrages soll eine prinzipielle Debatte über die Grundsätze taktischer Meinungsverschiedenheiten geführt werden. Dieser Antrag ist von 43 Delegierten, an deren Spitze die Ge- nossen H i ll e b r a n d- Karlsbad und Hoffbauer- Teplitz stehen, «instimmig beschlossen worden. Der Parteitag beginnt morgen, Sonnlag. um 9 Uhr früh im.Schützenhau»" in Karlsbad. An Stelle des Genossen Molienbuhr fährt Genosse Franz Krüger im Auftrage de« Parteivorstandes nach Karlsbad, um die Sozialdemokratische Partei Deutschlands auf dem Kongretz zu vertreten. Noch ein achttägiger Aufschub. London» 2. Oktober. Reuter bestätigt, daß die Berg- a r b e i t e r beschlossen haben, die Ctreikankündigungen noch eine Woche hinauszuschieben, um eine weitere Abstimmung unter den Bergarbeitern über die Vorschläge der Bcrgwcrksbcsiycr stattfinden zu lassen. Ein Gegenvorschlag der Arbeitgeber. London, 2. Oktober.(MTB.) Nach einer Zeitungsmeldung haben die Grubenbesitzer den Bergarbeitern eine Lohn- erhöhung um einen Schilling pro Tag vorgeschlagen, wenn die jährliche Produktion 240 Millionen Tonnen beträgt. Die Streikgefahr vorüber? Rotterdam, 2. Oktober.(MTB.) Wie der.Nieuwe Rotter« damsche Courant" meldet, wird die zweite Abstimmung unter den englischen Bergarbeitern über die Frage, ob der Vor- schlag der Bergwerlsbesitzer angenommen werden soll oder nicht. am 11. und 12. Oktober stattfinden. Die englischen Blätter sind der Ansicht, daß die Gefahr für einen Streik jetzt vorüber ist. London, 2. Oktober. sWTB.) 1500 Bergarbeiter von Liwunypia (Giafschast Glamorgan) haben die Arbeit niedergelegt, um gegen die schleppenden Londoner Verhandlungen zu protestieren. Bergarbeiterstreik in Belgien. Brüssel, 2. Oktober sWTB.) Wie»Libre Belgique" mitteilt, ist im Borinage einBergar b.?' t-L r st r e i k auSgebrocho». Man wisse nicht recht, aus welchem Grund. Es scheine aber, daß die Bergarbeiter die Metallarbeiter der Gruben, die seit 14 Tagen streiken, unterstützen wollen. Das Blatt meint, man dürfe auch nicht außer acht lassen, daß seit Monaten im Borinage eine starke revolutionäre Propaganda betrieben werde, llebrigens empfiehlt die SchlichtungSkommission den Grubenbesitzern, den Berg- arbeitern eine Erhöhung der Löhne um b bis 10 Proz. zu be- willigen._ öerlm als verhanülungsort? Nach einer Meldung des Hollandsch NieuwSbnrcauS sollen direkte französisch-deutsche Verhandlungen über die Wicdergiitmachungöfrage demnächst in Berlin statt- finden, weil der hiesige französische Botschafter Eharlcs Laurent einer der besten Kenner dieser Frage sei. Spaltungsüebatte in Mailanö. Mailand, 2. Oktober. Nach einer Stefanimeldung hat der sozialistische Parteivorstand die Frage einer S p a l- tu»g der Partei gestern weiter erörtert. Nachdem mehrere Redner für und gegen sie gesprochen hatten, betonte V a c c i, die Moskauer Bedingungen müßte» je nach den Verhältnissen der Parteien der einzelnen Länder beurteilt werden; so lönnc man die Refor- misten in Italien nicht mit denen in Frankreich in einen Toof werfen. Die Acnderung des Namens in Kommunisten, an- statt Sozialisten, könnte im Falle der Spaltung der Partei böse Folgen haben. G r a z i a d c i meinte, eine etwaige Diktatur des Proletariats in Italien ebenso wie in Frankreich oder England würde eine vollkommenere Form haben, als man sie in Rußland sehe, jedenfalls müsse die Revolution in den mittel- europäischen Ländern gleichen Schritt halten. Parteitag Eude Dezember in Florenz. Mailand, 2. Oktober. Die Leitung der Sozialistenpartei hat bestimmt, daß der nationale Sozialistenkongretz vom 29. Dezember bis zum 3. Januar in Florenz stattfinden soll. Sie haben serner Serrati gebeten, die Leitung de?.Avanti" bis zum Zusammentritt des KoiMesses beizubehalten.(Also ein Vertrauensvotum für den linksradikalen Leiter des italienischen Zentralorgans. Die Red.) Kritische Wenüung in Riga. Kopenhagen, 2. Oktober. Der Warschauer Korrespondent der „BerlinSke Tidende" telegraphiert nach halbamtlichen Meldungen aus Riga: Es scheint in den Friedensverhandlungen eine un- lgünstige Wendung eingereten zu sein, da Joffe, wie man ! annimmt, auf Defehl TrotzkiS eine Reihe russischer Forderungen I vorgelegt hat, ans die Polen nicht eingehen will. Die ruffisch« Abordnung erklärt u. a., daß Rußland nicht in die Eingliederung Wilnas und GrodnoS in Polen einwilligen könne, da, wenn diese Städte in den Bereich Polens kämen, das eine ständige st r a t e- gliche Gefahr(II) für Rußland bedeuten würde. Die russische Sowjetregierung verlangt daher, daß die polnischen Truppen sich aus Litauen zurückziehen. Ferner verlangt sie, daß in Ostgalizien eine Volksabstimmung abgehalten werde, und daß der Teil von Wolhvnien, der östlich des Bug liegt, an Rußland fallen soll. Diese letzte Forderung hat in Warschau besondereMißstimmung hervorgerufen. Das neue Serlin. Von Victor Noack. Ein Problem— fast so alt wie das Deutsche Reich— durch das Gesetz vom 27. April 1920 theoretisch gelöst. Nun soll die praktische Arbeit beginnen. Voraussetzung dafür ist, daß Stadtverordnetenversammlung und Magistrat der neuen Stadtgemeinde zusaminentreten. Der Magistrat ist Kopf des neuen Gemeinwesens. Di» neue Berliner Stadtverordnetenversammlung hat auch recht- zeitig einen Magistrat gewählt. Aber die antisozialistisch» Mehrheit der Preußischen Landesversammlung Hot diese Wahl hintertrieben. Sie köpfte das neue Berlin in der Stund» seiner Geburt. Und die Demokraten haben— da ihre Stimmen entscheidend ins Gewicht fielen, sich zum Beil des Henkers hergegeben. Durch diesen Streich wird— hoffentlich nur für kurze Zeit— verhindert, daß die neue Stadtge- meinde mit einer ordentlichen Verwaltung ins Leben treten kann. Der Schaden, der hierdurch der Reichshauptstadt zu- gefügt wird, trifft auch die bürgerlichen Kreise so schwer, daß er nicht aufgetvogen wird durch den Erfolg ihrer egoistischen Politik. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat nunmehr auf Grund seines staatlichen Oberauf- sichtsrechtes den Magistrat der alten Stadtgemeinde Berlin mit der k o m mi s s a r i s ch e n Wahrnehmung der Rechte und Pflichten eines Magistrats der neuen Stadtgemeinde beauf- tragt. Der Magistrat der alten Stadtgemeinde hat dem Ober- Präsidenten daraufhin sofort erklärt, daß er mit dieser An- ordnung nicht einverstanden ist und die Verantwortung darum dem Oberprch'identen selbst überlassen müsse. Das heißt nicht viel weniger, als der Reservekopf, den man der entwupteten neuen Stadtgemeinde aufzustülpen gedenkt,— streikt. Was bezweckt denn die Koalition der Parteien der Bour« geoisie mit ihrem Widerstand? Die sämtlichen rechts von der Sozialdemokratie stehendeil Fraktionen der Preußischen Landesversammlung haben in toir Plenarsitzung vom 29. September beschlossen: 1. den§ 11 des Gesetzes über die neue Stadtgemeinde Berlin so zu ändern, daß der Magistrat aus 18 besoldeten und 12 unbesoldeten Mitgliedern zusammengesetzt werden muß:— 2. die Bestimmung in 8 23(3) zu streichen, wonach bei der erstmaligen Bestellung der Mitglieder des Bezirks- amtes Vorsitzender und Stellvertreter vom Magistrat er- nannt werden sollen:— 3. bis zum Inkrafttreten der neuen Bestimmungen den alten Berliner Magistrat am- tieren zu lassen. Was den ersten Beschluß anbelangt, so lautet der 8 HS „Der Magistrat besteht aus höchstens 30 Mitgliedern. Heber die Festsetzung der Zahl und über die Verteilung der Sitze auf besoldete und unbesoldete Mitglieder wird erstmals durch die Stadwerordnetenversammlung, später durch Gemeinde- beschluß entschieden." Paul Hirsch, der sich als preußischer Minister des Innern(1918) ganz besonders mit der Materie besaßt hat, stellt in seinem von der Buchhandlung Vorwärts herausgc- gebenen Kommentar zu dem Gesetz bezüglich des 8 H ausdrücklich fest, daß er„n u r d i e H ö ch st z a h l" der Magistrats- Mitglieder festlegt.„Wieviele davon besoldet und wispbls unbesoldet sind, ist Sache der Stadtverordnetenversammlung, später Sache beider städtischen Körperschaften. S ä mt l i ch e Mitglieder des Magistrats zu besolden, per- bietet das Gesetz nicht". Ties alio ist nach Ansicht des seinerzeitigen Präsidenten des preußischen Staatsmini- steriums Kirsch der Wille des Gesetzgebers. Es widerspricht der vom Abgeordneten Dominicus in der Plenarsitzung der Landesversammlung vom 29. September abgegebenen Erklärung: seine Partei wolle nicbt das Gesetz sabotieren, sondern nur dafür sorgen, daß der Wille des Ge- setzgebers aufrechterhalten bleibt". Es sei auch daran erinnert, daß der bekannte Gesetzent- Wurf für Groß-Berlin, den Oberbürgermeister D o m i n i- c u s verfaßt und der„Bürgerausfchuß von Groß-Berlin" popagiert hat, die ehrenamtliche Tätigkeit im Ma- gistrat der neuen Stadtgemeinde ausschloß, daß hingegen die deuffchnational gefärbte und für partikularistische Jnter-- essen der Einzelgemeinden immer stark eingsnommene„Ber- liner Vorortgemeinschaft im Kreise Teltow" unter Führung durch Bürgermeister W a lger- Friedenau die Besetzung des j Senats(Magistrat im Sinne der Städteordnung) nur mit? ehrenamtlichen Mitgliedern vorgeschlagen hat. Der zweite Beschluß der rechtsstehenden Fraktionen in der Landesversammlung, die Bestimmung in 8 23 zu streichen, wonach bei der erstmaligen Bestellung der Mitglie- der des Bezirksamtes Vorsitzende und Stellvertreter vom Magistrat ernannt werden sollen, liegt ganz im partikularisti- ' schen Interesse der früheren Einzelgemeinden. Es ist um so erstaunlicher, daß die Demokraten auch für diesen Antrag ein- getreten sind, weil von ihren Wortführern früher mit größten . Eindringlichkeit gewarnt worden ist, den Einzelgemeinden in i der neuen Gemeindeverjassuug für Moß-Berlin etwa«wen ähnlichen Einfluß zu �erstatten wie in dem gerade in dieser ' Einsicht höchst unglücklichen Zweckverbandsgesetz. Man weiß es doch noch, daß der Zilveckverband Groß-Berlin an nichts so schwer krankte, wie daran, � daß seine Mitglieder von ihren Gcinein deVertretungen gewählt waren und sich infolgedessen diesen gegenüber stets für verpflichtet hielten, immer und vor allem das Sonderinteresse ihrer Gemeinde wahrzunehmen. Eas vor allem machte die Arbeit des Zweckverbandes so un- fruchtbar, verhinderte das Durchdringen und Obsiegen Groß-Berliner Gesichtspunkte. Diese Erfahrung war es ja auch, die die demokratischen Mitschöpfer des Gesetzes vom L7. April 1920 veranlaßte, die jetzt angefochtene Bestimmung in den§ 23(3) hineinzufchreiben. Es sind dies zum Teil dieselben Männer, die jetzt diese Kautel wieder ausmerzen wollen. Sie können sich über die Folgen nicht unklar sein. Der Vorwurf erscheint berechtigt: sie wollen das Ge setz sabotieren. � Zu dritt haben die Rechtsparteien beschlossen, bis zum Inkrafttreten der neuen Bestimmungen den alten Berliner Magistrat die Geschäfte eines Magistrats der neuen Stadt- gemeinde führen zu lassen. Man muß sich da zunächst vergegenwärtigen, was der Magistrat in dem Gefetze vom 27. April bedeutet. Nach§ 58, 3(1) gelten die bisherigen Stadwerordnetenverfammlungen »ind Gemeindevertretungen der in der neuen Stadtgemeinde zusammengeschlossenen Gemeinden nicht als aufgelöst/ solange nicht Stadtverordnetenversammlung und Magistrat der neuen Stadtgemeinde gebildet und auf Anordnung des Oberpräsi- denten zusammengetreten sind. Aber was will das besagen?! Beim Magistrat der neuen Stadtgemeinde liegt die Direktive. Er hat zu bestimmen, ob die bisherigen Magistrate(Depu- tationen, Gemeindevorstände, Gemeindevorsteher, Gutsvor- stsher) ihre Geschäfte auch noch nach dem 1. Oktober fort- führen sollen(8 58, 4(1). Sie sind durch das Gefetz ver- � pflichtet, den Anordnungen des Magistrats zu folgen, ihm ' die Tagesordnung ihrer Sitzungen rechtzeitig bekanntzu- geben, ihn über alle wichtigen Beschlüsse zu unterrichten: bei ihm haben sie die Beivilligung von Mitteln zu beantragen, fwveit sie deren über die bereits von den bisher zuständigen Körperschaften bewilligten, hinaus bedürfen. Diese Aufzäh- kung seiner Pflichten ist bei weitem nicht erschöpfend. In der Tat, es ist zu begreifen, daß der Magistrat der alten Stadt- gemeinde Berlin die Verantwortung für die ihm durch die Unordnung des Oberpräsi denten aufgebürdeten Geschäfte ab- lehnt. Wie könnten erfahrene und gewissenhafte Kommunal- Politiker bei diesem Streich der Bourgeoisie gegen die Mehr- l ideit der Groß-Berliner Bevölkerung mitwirken! Wer hat * denn das wesentlichste Interesse daran, den Einfluß der So- f zialdemokratie auf die Gemeindeverwaltung zu schwächen, h wo nicht zu verhindern? Der Haus- und Grund be- p. sitz, das in Terraingesellschaften und Banken konzen- girierte Bodenkapital. Seine Jnteressenpolitik ist j allerdings außerordentlich bedroht durch den von der gegen- J wärt igen Mehrheit der neuen Berliner Stadtverordneten- - Versammlung genvählten Magistrat. Den Händen dieses Ma- gistrats wird das Kapital die angefochtene Bestimmung des § 23(3) unter allen Umständen entwinden wollen: damit - man wenigstens in den westlichen Gemeinden, deren Bezirks- Versammlungen bürgerliche Mehr Herten lraben, auch Bezirksbürgermeister nach den Wünschen dieser Mehrheiten bekommt. Es sind ja nicht nur kapitalistische Interessenten, die gegen die Sozialdemokratie in diesem Kampf um den Magi- 1 jftrat anrennen. Ihnen leisten.Heeresfolge all die Kreise, ? die an der traditionellen bürgerlichen Ideologie hängen. Es f'isl ein Teilkampf in dem großen Ringen der alten Zeit mit tz der neuen, was die Tageschronik als.Kampf um den Magi- ftraf registriert. Dabei bieten die bisherigen Taten der Sozialdemokratie - dem Bürgertum keinen Anlaß zu panischem Schrecken. Die ' bisherigen sozialdemoikratischen Minister haben sich noch stets erwiesen als Männer von höchstem Verantwortlichkcitsgefuhl. Da war auch nicht einer, den man als„Draufgänger" bezeich- nen kögpte. Und das neueste Dokirment der in der Sozial- demokratie herrschenden Gesinnung, die vom Verlag Vor- wärts zum Parteitag in Buchform herausgegebenen Vor- schläge für eine Erneuerung des Programms der Sozial- demokratie, beweist abermals, daß die Sozialdemokrafte wie ein gutes frommes Pferd die Gebundenheit durch die Wirt- schaftlichen Realitäten erduldet und ruhigen, aber beständigen Ganges den schweren Staatswagen den Berg hinanzieht. Auf diesem Wagen liegt als kostbare Last die neue Stadtgemeinde Werlin. Macht das Pferd vor dem Wagen nicht scheu! Geftänüiger Verleumder. Wieder ein deutschnationaler Schwindel entlarvt. In der Zeit, als das„Korruptions"geschrei gegen unsere Genossen in der Regierung besonders stark war, brachte auch die„Deutsche volkswirtschaftliche Korrespon- denz" des Dr. Dieckmann im Januar 1920 einen be- sonders gehässigen Artikel, in dem die Genossen Scheide- mann und Wissel! verdächtigt wurden, als Minister B e- st e ch u n g s g e l d e r für die Erteilung von Ausfuhrbewilli- gungen angenommen zu haben. Die beiden Genossen stellten darauf Strafantrag gegen den Herausgeber, der jetzt in Nr. 68 seiner Korrespondenz mit folgender Erklärung Abbitte leistet: Ja eigener Sache. In Nr. 2 der.Deutschen volkswirtschaftlichen Korrespondenz� vom 6. Januar 1S20 ist ein von mir verfaßter Aufsatz mit der Spitz- marke.Korruption" erschienen, in welchem auf Grund von Presse- Meldungen und persönlichen Erkundigungen die angeblichen Be- mühungen der Herren Neichsminister a. D. Scheidemann und Wissell um die Ausfertigung des Durchfuhrscheins im Betrage von S0 Millionen Mark an den Kommissionär Georg Sklarz einer abfälligen Kritik unterzogen und zugleich dem Verdacht Ausdruck gegeben wurde, daß diese Dienste nicht ohne Gegenleistungen mate- rieller Art geblieben sein könnten. Die zur Rechtfertigung dieses Vorwurfes angezogenen Zeugen haben sich insofern als u n- zuverlässig erwiesen, als sie eS ablehnen, ihre Aussagen an Gerichtsstelle zu beeiden. Ich kann deshalb meine Behauptungen nicht aufrechterhalten und nehme sie mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Dr. Dieckmann, Schriftleiter der»Deutschen volkswirtschaftlichen Korrespondenz." Der immerhin seltene Fall, daß eine Verleumdung der Reaktion freiwillig zurückgenommen wird, soll anerkannt werden. Aber damit ist die Sache nicht erledigt. Der Artikel, der ziemlich im Verborgenen blühenden Korrespondenz ist weiteren Kreisen erst dadurch bekannt geworden, daß er von einer Anzahl deutschnationalerBlätter, darunter von der»Deutschen Zeitung" nach- gedruckt wurde. Wird nun auch die„Deutsche Zeitung" öffentlich gestehen, daß sie sich zur Ver- breiterin einer gemeinen Verleumdung gemacht hat? Bisher haben wir noch nichts davon ge- merkt, obwohl die Erklärung des Dr. Dieckmann ihrer Redak- tion schon seit mehreren Tagen bekannt sein muß. Aber vom Blatt des Herrn Wulle wird man freilich nichts verlangen dürfen, was über seine moralischen Kräfte geht. <- Die neueste Stummer aus der alldeutschen Verleumdermappe.' Nach einer Korrespondenz behauptet eine Anzahl deutsch nationaler Blätter, datz zur Einweihung der Großfunkenstation Nauen für den Reichspräsidenten Genost'en Ebert ein Aufwand gemacht worden wäre, wie es selbst zu Zeiten Wilhelms für den Kaiser nicht üblich gewesen sei. Es sei extra zur Einweihung ein hölzerner Bahnsteig gebaut worden, an den ein Salonzug herangefahreu .werden konnte. Dieser Salonzug habe die aus etwa 80 Personen bestehende Begleitung des Reichspräsidenteu von Berlin nach Nauen gebracht. Es folgen dann Klagen über die ungeheure Kohlenver- schwendung usw. Mmi Gfterlamms Instruttionsftuaöe. Von Erna Büsing. Zwei gutgepslegt« Wagenpferde, von denen jedes vor einen deichten Wagen gespannt war, beleckten sich gegenseitig den Hals »ind unterhielten sich über ihre Quäler, die Menschen. Mimi Oster- , lanrm, fromm, sanftmütig und so geduldig, daß man sie in einen � Muffs hätte stecken können, falls sie hineingegangen wäre, war thcrzlich betrübt, weil sie es den Menschen nie recht machen konnte. ' iLudowika Rührmichnichtan aber, unablässig spielohrend, giftigen Blicks, dann und wann schnappend oder mit dem Kopf nach den Menschen schlagend, war freilich gänzlich abweichender Ansicht. „Mimi," sagte sie,„verzeihe es, jedoch ich muß mich eines har- ten Ausdrucks bedienen, du bist tatsächlich menschlich dumm. Wen- fischen zufriedenzustellen, das versuchen Menschen auch, weil sie nicht j/ wissen, datz das gar nicht möglich ist. Zumal unser« Besitzer! Sie -�ssind reich und die reichen Leute haben eine ganz besondere Moral, die schwer verständlich ist, obwohl rnann in höherer Schule, Gericht »ind Kirche sich redliche Mühe gibt, sie dem Pöbel plausibel zu wache ii. ES gehört eben mit zur LebenZansgerbe der Reichen, ihre Miimeirschen zu schilanieren. Meine Dame z. B.!—— Regnet es, dann bekommt mein Herr Schelte. Hat eine Frau den gleichen Hut oder ein Kleid von derselben Farbe, wie meine Dam« es hat, dann wird mein Herr angeschnauzt. Meine Dame wird dann so aufgebracht, daß sie sich am liebsten noch im Wagen vor Wut das Zeug vom Leibe reißen möchte. Wir würden solche Zustände ja unerträglich finden, aber die reichen Leute sagen:„Die Frau ist reizend und interessant." Einstmals hatte sich meine Herrin Boxkämpfe angesehen. Die Boxer battem sich so verdroschen, datz das Blut bis nach der Loge gespritzt war und sogar das Kleid meiner Herrin dicke Blutflecken aufwies. Schadensroh dachte ich, na, da macht sie ihrem Freuud wieder einen schönen Tanz. Aber, weit gefehlt, sie fand es himm- Irsch, und ihre Stimme war vom Glück verklärt. Ja, Menschen müssen sich eben sonderbar gebärden, um interessant zu erscheinen." Die Pferde merkten, daß ihre Trennungsminutc bald kommen würde. Daher sagte Ludowika Rührmichnichtan eindringlich er- mahnend:„Mmi, Menschen ehren nur den, der sie tritt, denn wenn sie im Dreck liegen, kommt ihnen die Umwelt erhaben vor. Du mußt sie beißen, spucken und schlagen. Du hast gerade die rich-< tige Größe. Du triffst sie vor Magen oder Brust und das ist ihnen' nicht angenehm. Wenn du sie so behandelst, gehen sie höflich mit dir' um und du hast Vorteile." ,JD," piepste fragend die aufmerksame Mimi Osterlamm,„dann , bin ich wohl ein Schieber?" i „Nein," sagt« Ludowika Rührmichnichtan,„ei* Verbrecher, aber| das ist gleichbedeutend, und dann haben die Menschen Hochachtung vor dir." Käthe Kollwiv ist leider ein seltener Gast aus unseren Kunst- ausstellungen, uno man wird schon aus diesem Grunde jede Ge- lcgeuheit willkommen heißen, die uns Werke von ihr genießen läßt. In keinem Rahmen aber möchten wir sie lieber sehen als in dem der A rbe ite r-Kun sta u sste ll un g, die gegemoärtig in der Petersburger Straße 39 1 stattfindet, einer Ausstellung, die von Proletariern für Proletarier veranstaltet ist. Wer die Künstlerin noch nicht kennt, den erwartet hier ein starkes Erlebnis, und wer sie kennt, der wird aufs neue gepackt und erschüttert von der ge- staltendcn Kraft dieser Frau, bei der sick jedes Gefühl in bild- Haftes Schauen verwandelt und jeder optische Eindruck sich in eine künstlerische Form umprägt, die schlicht, klar und selbstverständlich wie ein Naturgebilde erscheint und doch ureigenste persönliche Schöpfung der Kuiistleriu ist. Auf die proletarischen Besucher der Ausstellung wird zunächst das rein Stoffliche als Träger der Gefühlsinbalte wirken, aber über dem Stoff und der Tendenz mögen sie nicht die rein künst- krischen Werte übersehen. Sie mögen beachten, wie auf diesen Blättern jede Linie und jede Form neben ihrer gegenständlichen Bedeutung zugleich einen eigenen Empfindungs- und Stimmungs- wert hat, der die Wirkung der Ding«, die im Bilde gezeigt oder erzählt werden, eindrucksmächtig unterstützt und, ohne datz der Verstand sich dessen beloußt ist, unmittelbar in die Seele dringt. Auf den schönsten Blättern, wie„Mütter" oder„Frau mit totem Kind", wirkt die reine Sprache der Linien und Formen niindesteus ebenso stark wie der erschütternde Inhalt. Die sehr reichhaltige und gut arrangierte Ausstellung, die täglich von 5 bis 7 Uhr geöffnet ist, enthält außer den bekannten, schon klassisch gewordenen Werken einige neue und neueste Ar- beiten, darunter das große Lttbo„Wien stirbt!" und zwei Por- träts des ermordeten Karl Liebknecht mit der roten Tboeswunde aus der Stirn. I. S. Aus der Jugendzeit. Ein altsranksurter Demokrat sendet uns einige persönliche Erinnerungen an das Sogialistengesetz. Er schreibt: Frankfurt a. M., in dem die„Preußen"— noch von der Annexion im Jahre 1866 her— sehr wenig geschätzt waren, und das damals noch unter allerlei Borusfifizierungsmaßregeln litt, war ein beliebter Boden für schneidige und betriebsame Polizei- beamte. Hier war es, wo der Polizeikommissar Meyer eine große Trauervcrsammlung, die dem Begräbnis eines Sozialistenführers beiwohnte und bei der ein Kranz mit roter Schleife niedergelegt wurde, durch seine Mannschaften mit scharfen Säbelhieben aus- einandersprengen ließ(Karl Henckell hat damals den Vorgang zu einer Ballade gestaltet),— hier war es, wo am Tage vor dem Weihnachtsfest eine Anzahl Familienväter mit augenblicklicher Wirkung ausgewiesen wurden—, man ließ sie in diabolischer Bos- heit nicht einmal mehr den heiligen Abend im Kreise ihrer Fann- lien verleben. Ich war damals ein Junge von 11 Jahren und be- suchte tätlich meinen Vater im Geschäft: er war nämlich Admini- strationsbeamter der.Frankfurter Zeitung". Mit Schaudern er- Die ganze Geschichte ist von A biS S Schwindel. In Wirklichkeit ist Genosse Ebert mit einem Auto und einem einzigen Begleiter nach Nauen hinausgefahren. Mit der bloßen Widerlegung des alltäglich von den Deutschnationalen ausgeheckten Schwindels ließe sich eine ganze Zeitung füllen. Auf diese Art soll offenbar die »sittliche Wiedergeburt" Deutschlands ins Werk gesetzt werden. Pazifismus und völkerbunü. Braunschweig, 2. Oktober.(Eigener Drahtbericht des„Bor- wärls".) Die heutige Tagung der Pazifisten brachte die«war- tclen Auseinandersetzungen zwischen den radi- kalcn und gemäßigten Pazifisten. Von Anfang an wurde die Debatte in sehr erregtem Tone geführt, viel von Ge- schäftsordnungsdebatten unterbrochen. Bei der Abstimmung wurde schließlich die Resolution des Hauptausschusses gegen 4 Stimmen angenommen. Sic lautet: „Der neunte deutsche pazifistische Kongreß ist sich einig in der Hoffiiung aus den Sieg des Pölkerbundgedankens. Er lehnt die Pariser Satzung trotz ihrer erheblichen Mängel nicht grundsätzlich ab. Er betont die Notwendigkeit, die Satzung selbst zu einer wirksamen Waffe der internationalen Rechtsidee umzuwandeln. Der Kongreß fordert die Erweiterung der Pariser Völkerbundakte durch einen Weltschiedsvertrag, einen ständigen i n t« r- nationalen Gerichtshof, einen unparteiischen obersten Vermittlungsrat und durch ein allen Staaten aufzuerlegendes Verbot der Wehrpflich t." Graf Keßler sprach sodann über:.Der Völkerbund als Wirt- schaftsbund und Arbeitsgemeinschaft." In der Nachmittagssitzung kam es zu erregten Debatten über ein Mißtrauensvotum, das die Berliner radikalen Orts- gruppen der Geschäftsleitung gegenüber beantragt hatten. Vor allen Dingen sollte aus dem Präsidium der Vorsitzende, Professor Quitte, beseitigt werden, an seine Stelle sollte der radikale Pfarrer B l e i« r gesetzt werden. Die erregten, sehr stürmischen Debatten zogen sich bis abends 19 Uhr hin. Die Abstimmungen er- gaben für Quitte 129. für Pfarrer Blciler 60 Stimmen. Damit ist Quitte wieder zum Vorsitzenden neben Dr. Helene Stöcker und Helmuth v. Ger lach gewählt worden. In der Opposition allerdings besteht noch immer der Gedanke, sich von der Mehrheit zu trennen. Ter Zankapfel ist besonders die Wehrzwangs- fnage. Die Opposition wünscht, daß die Pazifisten alle Leute aus- schließen, die nicht gegen jede Miliz Stellung nehmen. Nach tzalle gehn fie öoch! Gegen die Erklärung des Zentralkomitees der 11. S. P-, kein Delegierter würde in Halle zugelassen werden, der nicht in. UrWahlen gewählt sei, erlätzt das„Gothaer Wolksblatt" folgenden Trutzruf:.. �„ Die Bonzenmehrheit des Zentralkomitees der U. S. P. erläßt einen Aufruft in dem mitgeteilt wird, daß zum Parteitag von Halle nur solche Delegierten-Mandate anerkannt würden, die auf Grund von Urwahlen gewählt seien. Da in vielen Bezirken eine Urwahl abgelehnt und auch nicht mehr möglich ist, so würde dieser Beschluß die Sprengung des Halleschen Parteitages bedeuten, Das ist wcchl auch die Absicht der Crispien—Dittmann— Hilferding— Zieh und Genoffen. Da ihre Sache sehr schlecht steht, wollen sie lieber alles in die Luft sprengen, damit sienoch eineWeile ihre armselige politische Existenz fristen können. Es muß festgestellt werden, daß wir in der ll. S. P. noch nicht die Diktatur Crispien— Dittmann anerkannt haben. Die Herrschaf- ten haben auch kein Recht, über die Mandatszueekennung selbstherrlich zu beschließen, denn der Parteitag ist souverän und kann Mandate anerkennen, wie er will, ohne Crispiens und DittmannS Diktat. Es darf sich kein Delegierter abhalten lassen, nach Halle zu fahren, auch wenn er nicht durch Urwahl, aber sonst ordnungsgemäß gewählt ist. Wenn die Crispien und Genossen eS auf die Sprengung abgesehen haben, so hat die Partei keine Ursache, ihrer Verzweiflungspolitik zuzustimmen. Nicht der Jen- tralvorstand, sondern der Hallesche Parteitag hat dazu das Wort. Nach dieser offenen Erklärung ist tatsächlich kaum etwas anderes zu erwarten, als datz der Parteitag der U. S. P. in Halle gesprengt werden wird. innere ich mich noch heule, wie eine Anzahl dieser Ausgewiesenen mit ihren Frauen weinend und in fassungsloser Verzweiflung zu- erst in die Expedition, dann in die Redaktion stürzten, um Leo- pold So-nnemann, den Herausgeber der Zeitung, zu suchen, von dem aklein sie noch eine Hilfe im Sinne einer Fürsprache um Aus- schub dieser unerhört grausamen Maßregel erwarteten. Aber auch dessen Verwendung war vergebens: die Unglücklichen mußten noch am gleichen Rachmittage die Heimat Verlagen.— Daß Sonne- manns Fürsprache bei der Frankfurter Polizei wenig nützte, konnte den, der mit den Verhältniffen vertraut war, nicht in Erstaunen setzen: war doch er mit seiner Zeiwng im Jahre 1866 zu allererst das Objekt der liebevollen Fürsorge der Preußen gewesen, außer- dem sympathisierte er mit der Sozialdemokratie in sehr vieler Hin- ficht und unterhielt er mit ihren Führern— ich nenne nur den alten Liebkuccht— die denkbar besten Beziehungen: manches Lieb- knechtsche Gepackstück hat auf dem Sonnemannschen Gepäckschein den Weg nach Berlin gefunden, und mancher von seiner Arbeits- stelle>oeg schikanierte Geiiosse hat an der.Frankfurter Zeitung" Anstellung erlangt.— O quae rnutatio rerurn! Dr. M. Die Hochschulgenoffenschaften, die der wirtschaftlichen Not der Studierenden entgegenarbeiten wollen, sind im Begriff, eine, wenn auch vorerst lose organisatorische Verbindung mit dem Hamburger Zentralverband deutscher Konsumvereine herzustellen. Die ent- scheidenden Besprechungen finden in wenigen Tagen in Berlin statt. Man hofft dadurch insbesondere den direkten Warenbezug durch die leistung«- sähige Hamburger Groß-Einkaufsgesellscbaft deutscher Konsumvereine zu erreichen. Den Studierenden sollen durch diese Einrichtungen Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände aller Art. Kleidung. Wäsche. Schuhe, vielleicht sogar Bücher und wiffenschafllsche Instrumente zu billigen Preisen vermittelt werden. Die Begrüßungsfeier des RätekongresseS. morgen abend 7 Uhr in der.Neuen Welt", Hafenheide, bietet ein reich ausgestaltetes Programm von Orchesterwerken(BIütbner-Orchester unter Thilos Leitung), Rezitationen (Paul Comadi vom Deutschen Theater), Männerchöre(.NnmcnloS" und .Solidarität"). Violinstücken(Konzertmeister Lambinont Rudolf Wissell hält die Begrüßungsrede. Wilhelm Oeslerle hat das Programmblatt mit einem wuchtigen, sinnvollen Bilde geschmückt. Karten werden noch abge- geben: Gewerkschastskommlsfion und Gewcrkschastsbund, Engelufer 15, Afa, Belle-Alliance-Swaßc 10. Betriebsräiesekretariat, In den Zelten LZ, und Buchhandlung Vorwärts. Dbeater. Für die Aufführungen von SchönberrS.Kinder- tragödie" im Kleinen Schauspielhaus find Hans Thtmig vom Burg- theater und Hedwig Keller vom Deutschen Voltstheater in Wien verpflichtet worden. Rest Langer wird an Ihren Heinrich. Heine- Abenden am 4. und 7. Oktober in der Berliner Sezession u. a. den Prolog aus Bimini und aus der Matratzengrust: Zur Tctcoiogie und Gedichte für die Mouche sprechen. Die Weltanschauung der Physik. Ueber dieses Thema spricht Dr. Victor Engelhardt in einer am 11. Oktober, 6'/,— 8 Uhr abd»., in der Georgenstr. 39/31 beginnenden Vortragsreihe von 5 Doppelstunden. Er wird die Weltanschauung der Physik in ihrem Zusammenhang mit der Kultur der Menschheit vom Standpunkt der materialistischen Ge chichtS- aussaffung behandeln. SorsnSkarten»u 12 M. an der Abendkasse. Kr. 490 ❖ 37. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Sonntag, 3. OrtC&.r 1920 Angestellte unö Internationale. Gegen die Moskauer Diktatoren! Am 2S. September hat im Jndi»striebesmtenbmiK zu Berlin I die große Vertcetersitzung der Arbeitsgemeinschaft� freier Angestelltenverbände(Afa) getagt und zur! Frage der GewerlschastSinternationale Stellung genommen. Nach mehrstündigen eingehenden Debatten wurde das nachstehende Manifest angenommen: I. ' Unter den Wirkungen des vom in-ternaiionalen Kapitalismus entfesselten Weltkriegs ist in allen Ländern eine völlige Des- yrganisation und Verarmung der Wirtschaft ein- getreten. Dadurch wurde— beim Fortbestande der chaotischen kapitalistischen Privatwirtschaft— die wirtschaftliche Lage der nur von dem Ertrag ihrer Arbeitskraft Lebenden auf ein unerträg- l i ch e s Maß hsvabgedrückt. Eine Beseitigung dieser Wirkungen ist im Rahmen der k a- pitalistischen Wirtschaftsordnung unmöglich. Nur planmäßige gemeimvirtschaftliche Zusammenarbeit aller Völker kann einen'AuSweg aus dieser Lage bringen. Die Friedensbedingungen der Verträge von Versailles und St. Germaiii, weit davon entfernt, eine Grundlage für die fried- liehe Zusammenarbeit der Völker am Wiederaufbau Europas zu bieten, sind nur Ausfluß der zügellosen imperia- listischen Begierden der Bourgeoisie der obsiegenden Staaten; ihre Beseitigung und ihr Ersatz durch ein Abkommen im Geiste der Menschlichkeit und des Völkep- friedens ist nur durch den einmütigen Willen des Proletariats der siegreichen Staaten möglich. Nur durch einmütige ge- schlossene Aktionen der internationalen Arbeit- nehmerschaft können alle Versuche, neu« imperialistisch« Kriege zu entfesseln oder reaktionäre Staatsstreiche abgewehrr wevden. II. Die freien Gewerkschaften der Kopf- und Handarbeiter aller Länder bedürfen deshalb des festgefügten zielklaren internationalen Zusammenschlusses. Eine leistungsfähige Gcwerkschaftsinternati-nale muß sich aus leistungsfähigen Landesorganisationen zusammen- setzen. Nur diese verfiigen über die erforderlichen Kenntnisie des sozialen Kräfteverhältnisses ihre? Landes, um die in jedem Falle zweckmäßigsten Maßnahmen beurteilen, ergreifen und durch- führen zu können. Sie müssen deshalb in ihren Entschlie- Hungen autonom sein. Jede diktatorisch- internationale Zentralisaiion führt zur dogmatischen Erstarrung und zu praktischen N i e d ie r l a g e n. Die Gewerkschaften haben ihre Direktiven ausschließlich von ihren Mitgliedschaften entgegenzunehmen. Es wäre deshalb ein unerträglicher Zustand für die Gewerk- schaften, wenn sich m ihnen festgeschlossene Zellen bil- deten. die ihre Direktiven von außerhalb der Gewerkschaften stehenden diktatorrschen Instanzen erhielten, denen sie sich bedingungslos zu fügen haben. Tie Entfesselung eines Meinungsstreites, wie er die politische Arbeiterbewegung zerrissen und gelähmt hat, wäre da» Verhängnis für die gewerkschaftliche Befreiungsarbeit. Eine erfolgreiche systematische Arbeit der Betriebsräte setzt ihre Eingliederung in den Rahmen der Gewerkschaftsbewegung voraus. Jode selbständige Sondcrorganisation der Betriebs- rät« ist als zersplitternd und gewerkschastSjchädlich abzulehnen. III. Die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände lAfa) erkennt als unerläßliches Erfordernis für die sreigewerkschaftliche Ar- beit der Angestellien die Zusammenarbeit mit dem �n- ternationalen GewerkschastSbund an. Sie lehnt die Bedingungen des 2. Kongresses der dritten kommunistischen Jnter- nationale, soweit sie sich auf die Gewerkschaften beziehen, ab, da sie in ihm keine Grundlag« erblickt, auf der eine tragfähige aktions. beoiite, aus den Willen der breiten Masse der sreigewerkschastlich denkenden Arbeiter und Angestellten sich stützende GewerkschastS- «»�»ationale möglich ist. Die Asa erklärt sich bereit, mit der freigewerlschastlichen An- gestelltenbewegung aller Länder ein« feste dauernde or- ganisatorische Zusammenarbeit herzustellen und zu- gleich die Internationale dex Kopfarbeiter Hand in Hand und in dauernder organisatorischer Zusammenarbeit mu der Jnternatio- nale der Handarbeiterschaft den Internationalen Gewerkschafts- bund zu esner großen Internationale aller Kopf- und Handarbeiter der Welt auszubauen. Die Asa stellt deshalb an den Jnternatio- nalen GewerkschastSbund den Antrag, die organisatorischen Voraus- setzungen zur Bildung' einer internationalen Euthcitssront aller freigewerkschaftlichen Kopf- und Handarbeiter zu schassen. Angestellte und Arbeiter! Erkennt Euren gemein- samen Gegner, den internationalen Kapitalismus! schafft die geschlossene Einheitsfroyt aller Kopf- und Handarbeiter der Welt! « In einer Spezialdebatte befaßte sich die Vertreterversamm- lung mit der von der 3. Internationale(Moskau) geplanten Bildung kommunistischer Zellen innerhalb der Gewerkschaften. Das Ergebnis dieser Aussprache war die Annahme der folgenden Enischlietzung: »Die vom 2. Kongreß der 3.(kommunistischen) Internationale ausgestellten Thesen zur Gewerkschaftsbewegung Verpslichien die der Kommunistischen Partei angehörenden Gewerkschaftsmitglieder zur Bildung kommunistischer Zellen innerhalb der Gewerkschaften. Als Aufgabe dieser Zellen wird es in den Thesen unzweideutig be- zeichnet, die Gewerkschaften in den Dienst der kommunistischen Parteiziele zu stellen. Damit werden diese kommunistischen Zellen zu Fremd- körpern, die nicht nur mit dem in den freien Gewerkschaften jederzeit hochgehaltenen Grundsätzen des S e l b st b e st i m m u n g S- rechts aller Mitglieder unvereinbar sind, sondern dar- über hinaus zur Zerstörung der einheitlichen Gewerk- schaftsbewegung führen müssen. Die am 29. September 1929 versammelten Vertreter der Asa rufen deshalb alle Mitglieder der freien Angestelltenverbände auf, den GswcrkschaftSthesen'der 3.(kommunistischen) Internationale und der von der Bildung kommunistischer Zellen in ihren Gewerk- schaften drohenden Gefahr entschlossen entgegenzu- treten und die Einheit und Geschlossenheit ihrer gewertschaft- lichen Kampforganisation zu wahren. Der Afa-VorstaNd und die Vorstände der angeschlossenen Ver- bände werden beauftragt, gegen Mitglieder, die diesem Beschlüsse zuwiderhandeln, mit allen satzunzsgemäß zulässigen Mitteln vor zugehen." Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände. I. A.: Der Vorstand. A u f h ä u s e r. Klingen. Süß. „durch Sturm zur Reife l" Von Ä i l Ii B i r N b a u rn. Wenn ich es mir recht bedachte: Ernst Jürgen war eigentlich einen so ganz eigenen Weg gewandelt. Seit langen Iahten kenne ich ihn nun schon. In der Arbeiterjugend, im Jugendheim, war er mir das«rstemal begegnet— 1910 wohl war es—, ein kecker Bursche, mit großen, fragenden Augen, sprudelnd und lustigen Mutes: nur von den Mädels mochte er nicht viel wissen. Warum, das bab' ich nie erfahren. Es war wohl Flegeljahren-Uebcrmut. Ein Jahr später schon stand er in der Opposition. Und er wetterte trefflichen Wortes gegen die»jungen Alten", die s» wenig aktiv waren. Cr fand Gesolgschaft, wurde.n den Ausschuß gewählt — und in der Tat: er machte Dampf in den Gassen; es kam ein »frischer Zug in die Kolonne", wie er mir nach Jahren gestand- Aber Ernst Jürgen war ein Arbeiter, wie selten einer in so jungen Jahren; Zähigkeit, Ausdauer. Fleiß ließen ihn gar bald das lieber- gewicht gewinnen: er ward Führer, blieb es lange Jahre hindurch. Und zu alledem: er büffelte und lernte! Sein Vater und seine Mutter hatten mir manchmal ihr Leid gellagt, daß er spät abends noch bei Lampenlicht hockte. Ja— mitunter im Eiter nahmen sie ihm die Lampe fovl; er aber setzte sich schließlich doch durch. Ernst Jürgen war jung— und darum auch radikal I Wenn es damals schon so viele sozialistische Parieien wie heute gegeben hätte er war gewißlich der Mann der K. A. P. D. gewesen. So aber stand er, als er der Partei beitrat, auf dem„äußersten linken Flügel", kam alsbald in den Partei-BibliothcksauSichuß und damit in den Vorstand, schwamm munter darinnen wie der Hecht im Karpfenteich; nur hat er nicht ganz so viel geschadet. Doch daS eine noch weiß ich wie heute: Er ward von vielen gehaßt! Dann kam dxr Krieg. Ernst Jürgen war zu allein bereit. En!- täuschung kam über ihn, als die Partei.miimachrc". Ein Abend � noch steht mir in lebhasier Erinnerung. Wir waren zu Gaste bei� einem alleren Freund, junge Burschen und Mädchen zumeist. Das akluellste Tbema damaliger Zeit, die Kredltbcwilligung, ward also-s bald Gegenstand der Debatte. Und heftig playten die Geister loS; es ging nicht mehr ohne Geschäftsordnung, der Meldung nach erhielb. ein jeder das Wort. Zivci Abende wähne der Diskurs. Die Jung-- Radikalen waren die Uebermacht, Jürgen ihr geistiger Führer. Der Krieg währie Monate schon, fast ein Jahr, da kam auch Jürgens Stunde: er mußte sich stellen. Schweren, bitteren Herzens er ging. Dann und wann kam eine Karte von der Front. Immer sprach ungeschwächte Kraft aus den Zeilen, zuweilen blitzte selbst darinnen Humor. Erst in Jahren könnt' ich ihn sprechen. Wir trafen uns beide im Urlaub. Bei mir oben auf der.Bude" legte er los. Bei den„Preußen" hob' er viel Zeit zum Denken gefunden. Der Anblick der Schlacht- felder, zerschossenen Dörfer, der heimatlosen Menschen habe ihn tief erschüttert. Erst da Hab' er begriffen, was Schutz der eigenen Fluren hieße. Mit der damals gewollten, erhoffren Erhebung war' doch nur Unglück über Land und Volk gekommen. Den Gegner bannen und Verständigung erstreben— das sei Gebot der Stunde! Und als ich auf sein altes Wort ihn wies:»Der Arbeiter hat nichts zu verlieren denn seine Ketten", da wehrte er ab� »Ein Schlagwort!... Was ist, wenn Haus und Hof vernichtet, dem Aermsten das Wenige selbst, alles genommen, er mittellos um Almosen muß flennen, der Krieg verloren geht. Wirtschaft und Industrie zerrütlel, vernichtet sind. Arbeitslosigkeit, Abgaben an Land, Werten und Geld der Niederlage folgen; wer da noch spricht: »Wir haben nichts zu verlieren?' Und dennoch sagtest du damals: »Wir retten bestenfalls nur den KlaffenstaatI" Wahrlich, da kam es ihm bitter auf. Er sprach dann vom schändlichen Treiben der vielen Offiziere, den Nöten des gemeinen Soldaten, wie ich alles selbst es erfahren.»Aber dennoch"— fuhr er sort—»wir sind noch mit allem verwachsen; der Kampf bleibt uns später. Haß nur kann uns die Niederlage gleichgültig machen, ein Haß. der Blindheit ist, uns Ärbeitsvolk am meisten schadet." � Dann kam der November 18. Ernst Jürgen kehrte im Januar heim. Er war Soldatenrat indes geworden. Des grauen Rockes ledig— ging er zur alten Partei. Die ihn die Jahre des Krieges nicht mehr gesprochen, waren enttäuscht. Die Unabhängigen hatten ihn sicher zu den ihren gerechnet. Doch auch die Mehrheiller waren verwundert. Es kam der Januarputsch. Da hielt es Jürgen nicht mehr— er stand in vorderster Reihe und ging in hitzigen Redeschlachten in großen Versammlungen radikalen Hitzlöpfen zuleibe. Scharf und klar, fast ätzend war seine Kritik. Ihm war die Idee des Sozia» liSmuS so tiefinnerlich, daß er alle Spaltung um da§. was rück- wärts lag. verwarf. Chaos, Trümmer, Demoralisation war. es) was er allenthalben sah, und ihn bewegen machte um die schnelle Durchsetzung grundlegender Reformen. Zu Ausbau und positiven Werken ging sein Streben. � Spartakus aber schaffe nur neue Trümmer.' größtreS- Chaos, tiefere Verwirrung, größtes Hinbsttft# seinem idealsten Sireben.»In der planvollsten Organisation, in der Gebundenheit der Kraft«: in der Einheit zielbewußten Wirkens die größte Kraft und Stärke liegt!" das war Wort und RichtschstÄö seines Handelns. Das ist eS heute noch. Aemter und Würden sind ihm geworden. Gestern abend war er nach langen Wochen wieder bei mir. Ich war fast drob erschreckt, so blaß und spitz war sein Gesicht. In seiner Ruhe lag etwas von Müdigkeit, Doch als ich ihm riet, sich für Wochen zumindest einmal in Reserve zu halten, da wehrte er lächelnd, sprach er fest:»Nein, nein l Wie die brandenden Wellen schlagen der Kritiker und ewigen Unzufriedenen Reden an mir hin- auf. AlS Einziger fast steh' ich im weiten Betrieb und wehre ihnen. Sie sind gleich dön ewig zerschellenden Wellen, finden nicht Lösung noch Weg, zerfließen und fluten zurück ins große Wasser, steiig von neuem wiederkehrend, bohrend und wühlend. Zersetzung, Auslösung ihr Werk. Ach"— und mein Kanierad seufzte ein wenig—»es sind so wenige Männer. die wie die Fellen dem närrischen Treiben höhnen und trotzen 1 Das ist es, was mir in die Seele geht: So weites, uferloses. zerfließendes, schwankendes Meer, zu wenig fester Boden, auf dem man großes errichten kann. Ich Hab einen Arbeitsfreund, ein formschöner Redner, der steht zuweilen bei mir und wirft rote Rosen in das Wellenspiel und sie tanzen jauchzend damit hinaus. Etliche meinen: das ist Sozialismus..." Ich Hab' den blassen, hageren Menschen wohl verstanden. ES gibt doch eigene Menschen. Sie machen mir Freude. Das sind die Kerle, deren einer mehr wiegt als hunverl Rosenbrecher, die mit den Wellen müßige Spiele treiben. Bill IGE PREISE fiir Kostiimstoff e meliert und gemustert. Breite 130 cm, von M. 00' Römische Streifen Fensterkaros und Linienstreifen, besonders q für Röcke geeignet, Breite 130 cm, von M. y O»"' Schotten größte Auswahl In schönen Farben- o /t 40 Stellungen. Breite 100 cm...... vonM. Jlf i Warme Ratines und andere Neu-_ q heilen für Morgenkleider, BreitelSOem, von M. ÖO«"•B Schwert Herrenstoffe Gabardin Reinwollene Flanelle modeeneMelangen und kleine � a, feingönpgte Köpergewebe dt s J. schöne starke Qualitäten, besondem für* Muster. breite 140 cm, von M. 1X3,- an vielen Farben, Breite 1 30 cm,v. 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Male: ' Rausch .■»«jp August Sfrlndberg. (Maria Orska. Alfred Abel, Joh. Riemann, Frieda Richard, RoseVeldtkirch, Heinz Stieda, K. A. Römer, Hugo Bauer, Werner Stein, Rudolf Jünger.) Sonntag; Rausch. Montag: Rausch. RornGdiechaus 3 Uhr: Der Biberpelz. 8 U.: D.gemütllche Kommissar Der unerbittliche Schutzmann Komödiantensiege mit Max Pallenberg Berliner Theater 3 Uhr: Wie einst im Mai. Täglich V,8 Uhr: FritziMassary als Vera Lisaweta in; Der letzte Walzer. Residenz- Theater. Heute 2 Vorstellungen;' Nachm. 4 Uhr, halbe Preise: Sie Freundin. Abends'/£ Uhr: Die Freundin. Tiila Durieux, Toeile, Bildt, Albers. Vallentin. Trianon-Theater. Heute 2 Vorstellungen i Nachm. 4 Uhr, halbe Preise: Der Roman einer Prau. Abends»/ Olm st. Th. ?>/. u.: Boheit die Tänzerin. Kleinen Theater. 31/, U.: Die PfarrhauskomSdie 7un'r: Die Pfarrhanskomcdie KI. Meliansplelhana. B Der Floh im Panzerhaus Komleehe Aper 3V« Uhr: Liebe IM Schnee. 7va uhr: Liehe Im Schnee., Eustspielhäus 31/, Uhr: Jugend. ?>/< Uhr: Arnbld Rleck in' Zwangseinquartierung. Metropol-Theater. 3: CharieysTanfem.TTiielscher u.: ßoiiandweibchen mit Ciaire Dux! d. Titelrolle als Gast, Fritz Werner a. Q., Thielscher, Kutzner, Wessely usw. Nenes Centrai-Theater V Die Dame im Frack. Nene** Operettenhnn« 7v, u.: Die Csikdsharoness. Vene« Voll.stbeater t«/, uhr: Der Biberpelz Sclilller-Theat. f'harl. 3 Uhr: Der Melneldbauer. 7v.u.: Alt-Beideiberg Thalla-Thenter 3 Uhr; Die närrische Liebe. rhu.-. Der dumme Franzi. Th.nm Vollen(lorfplatn ?/, Uhr: Der Vielgeliebte. 7 uhr: Wenn Liebe erwacht Theater de» Westens 3V4: Die Frau im Hermelin. Der ersten Liehe M.Zeil Wallner-Theater sv.uhr EineBailnacht P/t U.: Der Oeiger V. Lugano Walhalla-Theater. Nachm. 3'/, u. abends TV, U.: Gastap. Hartatein. Folios Gaprice. Täglich V,8 Uhr abends: Versicherung geg. 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Wegen des großen Andranges an der Abendkasse empfiehlt es sich, die Billetts schon im Vorverkauf(ohne jeden Zuschlag) an der Tageskasse zu nehmen. Theater a.Kottbus.Tor Tel.: Moritzplatr 14814. Täglich 7V, L'hr und Sonntag nachm. 3 v.: Süte-Saager. Vollständig neues Programm! Blüthgen-Konzert. Vorv. 11-1 V,, 4-6 Uhr Schall»ndBanck Dir. Hans v. Wolzogen. Wie der auf freien Paul Graetz Mady Christians und d.jjr.Oktober-Progr. Balaialka.Orcbester. Konzert 7V, Beginn 8V, Admirals-?alas! 3'/,: Die lustige Puppe 7'/,; Flirt in St Mortz, 1 Eintritt frei. Adi-Haus Taubenstr.34— Ztr. 10S2 Toni von Bukovicz Paul Maflnett Li- et Eve Helmuth Kreuzer Lotte Schopenhauer Arthur Kaplan OagmarNansen-Relnsch Theo D'or Heinz Jurok Adi Liebans Meisterquart Adolf Lieban Potsdamer Str. 38 Hennu Korten| in: Die goldene Krone.[ Turmstr. 12 Moriturus (dem Tode geweiht). 6 Akte mit Max Landa Reinh. SchUnzel j Conrad Veldt Hilde Wörner Alexanderpl.-Passage! Tötendes Schweigen. Friedenau, Rheinstr. 141 Die glühende Kammer.! Erstkl. Küche, ft. Weine Mocca, Tee, Schokolade Beginn 7 Uhr. Eintritt frei. Kseusser rebet 5. unb 6. Oktober HaoerldnSiö'e, Jleuc Arie- brichiiratze 35. 8 Ahr. (k. 10,- einte.). 86/4 GeroiaDia-Ppaelilsäie C. Richter. N 4, Chausseestr. 110. Jeden Sonntag Hoffmanns jNordd. Sänger Beg. d. Vorstellg. 6, d. Konzerts SV, Uhr. Nachd.Fam.-Kränz- chen. Im weißen Saal v. 4 U. ab; Großer Ball.-HW? .'• V.■■ ?WWWWWM�v Chausseestr. 25. Täglich ab 7 Uhr: Dag gänzlich neue Oktober- Prosramm Tante Hopfenrats Erben. In der Hauptrolle Erich Carow Theater „DIE TRIBÜNE" am Knie Täglich 8 Uhr abends Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr zu halben Preisen BUNBUBY j™. Große Volksoper Berlin Neue Weljt, HasenheJde 108— 114« Freitag, den 8. Oktober, abends T1/* ühn Wagner-Abend Philharmonisches Orch.st.r Dirigent; Generalmusikdir. Leo Blech. Solisten: Helene Wildbrunn, Karl Ärmster. Mitglieder der Staatsoner. Vorspiele: Lohengrin. Tristan(u. LIebeslod). Tannhäuser. Meistersinger. Duett: Fliegender Holländer. Wotans Abschied. Dienstag, den 12. Oktober, abends 7>/, Ubrt Beethoven: IX. Sinfonie Vorher: Fidelio-Ouvertüre. Wanderes Sturmlied (Rieh. Strauß). Bitlthner-Orchester. Berliner Volksohor. Dirigent: Prof. Dr. Max v. Schillings. Solisten: Karin Branzeil, Ethei Hansa, 968D Karl Ärmster, Wäldern. Henke. Karten 9,—, 6.50, 4,50 einschl. Steuer b. Werthelm, Bading, Neukölln. Bergstr. 43. Für Angehörige der Freien Gewerkschaften Karten zum Vorzugsureise von 3,50 M. einschl. Steuer: Räteschule Münzst 24, Buchh. Freiheit, Breitest. 5/6, Buchh.Vorwärts, Lindenst. 2. Ao.-Buchh. Annenst I j. Schönhauser Allee 145(Hochbahn Danziger Str.). Ab I. Oktober täglich: S Die beliebte humoristische Salonkapelle s Otto Willi Busch GesangraelnlABen!!! r i Lehrervereinshaus, Cr. Saal, Dienstag, 12, Okt.,8U.i Vortrag: Dr. Levy-Lenz, Spezialarzt in Berlin, Prof. Steinach's VeriHngungsverfahren and die Um- I Wandlung des Geschleclitstriebes.» Karten 8, 6, 4, 2 Mk und Steuer bei Bote 4 Bock, fl A Wertheim, Leioziger, König- und Rosentbaler> - Straße, Wadiszewski, Kfrnigsli H l MHIM Uehrenstr. 54. Allabendlich präzise 7Vi Uhr: Senta SSneland Paul Steinitz 4 milon*— 8 Tnkltos— O Varadys und weitere 7 Attraktionen. Auf allgemeinen Wunsch eine Woche verlängert. BhsKnßverbot| Filmoperette in 5 Akten von O. Sprinzel u. L. Czerny Ada Svedin u. Lotte Werkmeister i. d. Hauptrollen Musik von H ans Albcut u. Tilmar Springefeld Cesang v. erstklass. Solo-Sängern u. großer Chor] Lop!& C o., Fitmspiel in 4 Akten mit Lotte Neumann und Bruno Kastner. Rennen zu Grunewald (Berliner Rennvercln) Montag, den 4. Oktober, nachm. 1 ühi 7 Rennen Nr. 4»»» Z7.?ahrgat>g 2» Sonntag. Z.Gktoberl�Z» GroßSerlm Serlin als Hafenstadt. Di« neue Stadtgemeinde Berlin wird vor eine Reihe von Auf- gaben gestellt, von denen die Regelung des Lager-, Speicherei- und Umschlagverkehrs nicht die kleinste ist. Berlin ist bereits vor dem Kriege eine der größten Industriestädte Teutschlands gewesen. Unsere Industrie liegt nun ober leider aus Mangel an Rohstoffen zurzeit sehr danieder. Ter Handelsverkehr befindet sich zwar auch nicht sehr in der Blüte, aber er bietet uns doch schon allein durch die Einführung von Lebensmitteln und anderen Bedarfsartikeln vom Ausland und durch den Abtransport der Erzeugnisse aus den produzierenden eigenen Landesteilen«in reiches Feld zur Betäti- gung. Die Verhältnisse weisen uns hier einen Weg, d«n zu be- schreiten wir nicht versäumen dürfen. Der erste Hafen, den Berlin erbaute, war der Urbanhafen. Wegen seiner Lage und wegen des fehlenden Bahnanschlusses bat dieser seinen Zwecken nicht gerecht werden können. Tas Fehlen jeglicher Lagerräunre machte ihn ungeeignet für den Umschlag- verkehr von Gütern, die den Witterungsverhältnissen nicht aus- gesetzt werden dürfen. Durch die Errichtung des OsthafenS wurde seine Existenz vollends in Frage gestellt, uno die Stadtverwaltung beschloß im Jahre 1914, ihn als Hafen nicht mehr zu benutzen. Der mit einem Kostenaufwand von 18 Millionen errichtete Ost- Hafen wurde am 29. September 1913 eröffnet. Schon in den ersten Jahren seines Bestehens zeigte es sich, wie sehr durch seine Errich- tung einem vorhandenen Bedürfnis abgeholfen worden war. Und als im Jahre 1914 der Krieg ausbrach, da war durch den Ostbafen- die Möglichkeit gegeben, die weitaus größten Mengen an Lebens- mittein für die Bevölkerung Berlins durch seine moioernen Ein- richtungen umzuschlagen und zu lagern. Ein kleinerer städtischer Hafenbetrieb befindet sich an dem staatlichen Humboldthafen. Hier hat die Stadtgemeinde im Jahre 1908 eine Lagerhalle und verschiedene Krane errichtet. Zu diesen beiden städtischen Anlagen kommen am 1. Oktober 1920 noch die Hafenanlagen Neuköllns, Tegels, Spandaus und die Lösch- und Ladeanlagen CharlotienburgS. Schon hierdurch wird Berlin zum größten Unternehmer auf dem Gebiete des Hafen-, Lagerei- und Speichereibetriebes. Die Kommunalisierung dieses Industrie- zweiges bedeutet einen großen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Sozialisierung, und bei geschickter Leitung wird Berlin ton- angebend in allen einschlägigen Fragen sein. Hierzu gehört vor allem eine Tarifpolitik, die dem Wohle der Allgemeinheit dient utid die keine Gelegenheit für die Privatunternehmer schafft, daß sie ihre Gebühren in die Höhe treibet können. Die Stadt kann und mutz bei diesem für die Ernährung der großstädtischen Bevölkerung wichtigen Industriezweig preisdrückeito wirken. Bei dem in Deutsch- land herrschenden Mangel an rollendem Material und bei den immer teurer werdenden Bahntransporten wird ein großer Teil des Güterverkehrs auf die Binnenschiffahrt übergehen. Der uns durch den Friedensvertrag aufgezwungene Ausbau des Rhein- Schelve-Kanals läßt deutlich erkennen, daß Antwerpen den Ucbcr- secverkchr übernimmt. In Rücksicht darauf sind in Cöln a. Rh. großzügige Hafenanlagen projektiert. Tor Rhein-Weser-Elbe- Kanal, dessen Ausbau nur noch eine Frage der Zeit ist. brinch die direkte Wasserstraße des industriereichen Westens mit dem Osten. Die zentrale Lage Berlins im Reich« und die direkt« Wasserver- bindung mit allen Kanälen und Flutzläufen nach Ost und West macht Berlin zu dem gegebenen Umschlagshafen von West- nach Ostdeutschland. Dieser Aufgabe wird Berlin um so mehr getvachsen sein, als der im Bau befindliche Westhofen mit seinen großen geräumigen Lagerhallen, Speichern, seinen zwei Hafenbecken, Freilagerplätzcn und mit den modernsten maschinellen Einrichtungen ausgestattet, jetzt auch seiner Vollendung entgegengeht. Im Weichbilde Berlins befinden sich außerdem noch Hasen- und Speicheranlagen, wie der Nord-, Humboldt-, Schöneberger Hafen, der Packhof, deren Besitzer der preußische Staat ist; der Tempelhofer Hafen ist Besitztum des Kreises Teltow. Wie nun das Reich bis zum 1. April 1921 sämtliche Das Licht der Heimat. 29s von August hiurich». Sie mußten zur Seite treten, weil eine offene� Kutsche an ihnen vorüberfuhr. Eine Tame mit kostbarem �eberhut saß im offenen Schlag und besah das ungleiche Paar durch ihr clfenbeingefaßtes Glas. „Fied, hast du je gesehen, daß deine Mutter spazieren fährt?" „Meine Mutter? Du bist nicht gescheit!" „Du meinst also, es ist recht, daß sie ihr ganzes Leben lang schmutzige Hemden wäscht?" „Das gerade nicht." „Stell dir vor— sie wollte einfach nicht." „Das ist doch verrückt. Sie muß doch arbeiten." „Warum? Andere arbeiten doch auch nicht— warum soll gerade sie sich immer qiiälen?" „Von was soll sie denn sonst leben?" „Von was leben denn die anderen? Und warnm, sag mir, müssen gerade wir in diesen abschenlilben dunkeln Löchern wohnen? Sieh nur diese schönen Landhäuser— hinter jedem ist ein großer Park. Stell dir vor. wir beide gehen dahinein, stell dir vor, wir beide leaen uns da ins Gras, unter die schönen alten Bäume, reißen uns jeder einen Zweig ab von den kleinen roten Bllltenbäumchen—" „Tu bist verrückt!" „Man würde uns schön hinauswerfen, was?— Warum? Wer bat das alles wachsen lassen?" „Sag mal, was willst du denn eigentlich?" „Ach, Fied. ich frage, gibt es eine Gerechtigkeit in der Welt?" „Mensch, das geht unS doch gar nichts an." Dierk fuhr herum, er schiittelte die Fäuste und schr'e: „DaS geht uns nichts an? Daß meine Mntter sich die Hände blutig wäscht, daß mein Vater sich zu Tode säuft, daß ich— ich — ich hier in dieser verfluchten Stadt bleiben muß— und wir hatten selbst einmal Land und einen Garten— mit Bäumen— das alles geht mich nichts an. hahaha— las geht mich nichts an das geht mich gar nichts an?" Er schluchzte, daß es seinen ganzen Körper schüttelte. Fied faßte ihn erschrocken an der Schulter:„Heul doch nicht. Menscht fei doch still!" Wasserstraßen übernimmt, so muß auch gefordert werden, daß alle behördlichen Hafen, und Speicheranlagen in das Eigentum der Stadt Berlin übergehen. Denn nur dadurch wird Berlin in die Lage versetzt, in großzügiger Weise von einer zentralen Stelle auZ den llmschlagverkehr zu. regeln, Das Gegeneinanderarbeiten der einzelnen Anlagen wird dadurch mit einem Schlage unterbunden. Die Privatspeicher lverden sich wohl oder übel dieser Vormacht- stellung der Stadtverwaltung anpassen müssen. Voraussetzung für eine großzügige Verwaltung aber ist es, daß sie ftei von allen bureaukratischen Hemmungen ist. Sie muß kaufmännisch, sozial geleitet werden, sich aber in ihrem ganzen Tun und Treiben stets bewußt sein, daß sie nur ein Rad in dem Getriebe der gesamten Stadtverwaltung ist. Die Wiesenburg in üer Umwandlung. Ein Asyl für ostjüdische Flüchtlinge. Seit langem schon bildet die menschenwürdige Unterbringung der zahllosen jüdischen Flüchtlinge auS Polen und der Ukraine für Berlin ein äußerst schwieriges Problem. In engen und düsteren Räumen mußten diese oft gänzlich mittellosen Familien zusammen- gepfercht hausen, so gut es eben ging, bis sie anderswo im Reichs Beschäftigung und Unterkommen gefunden hatten. Um diesem Uebelstande nach Kräften abzuhelfen, hat der Verband der Ostjuden in Deutschland im Verein mit dem Arbeiterfür- s o r g e a m t der jüdischen Organisation das städtische Ashl für Ob- dachlof e in der W i e s e n st r a ß e, die sogenannte„W i e s e n- b u r g". deren Betrieb mangels der erforderlichen Geldmittel seit Monaten stillgelegt war, eigens zur Unterbringung der durch- reisenden Emigranten gemietet. Dieses Asyl, das im Jahre 1896 von Paul Singer erbaut worden ist, bietet Raum für ins- gesamt 700 Männer und 400 Frauen. Zurzeit läßt der Verband der Ostjvdcn die Gebäude mit eigenen Mitteln instand- setzen. Für strengste Hygiene ist in weitestem Matze gesorgt. Die neu Ankommenden werden zunächst mit allen ihren Sachen einer gründlichen Desinfektion unterzogen. Erst dann haben sie Zutritt zu den Unterkunftsräumen; ein« sehr segensreiche Ein- richtung. Bade- und Waschgclegenheit ist zur Genüge vorhanden. Eßsäle und Schlaftäle mit guter Ventilation bieten genügende Ge- währ für die gesunde Unterbringung der Asylisten. Von soiten der jüdischen Organisation wird angenommen, daß die„Wiesenburg" zur Unterbringung sämtlicher Flüchtlinge in Berlin ausreiche, da angeblich etwa 90 Prozent von ihnen Durchwanderer sind, die sich nur»tanz kurze Zeit in Deutsch- land aushalten. Hoffen wir, dost dies« Annahme zu Recht besteht. Hoffen wir ferner, daß es nicht zn ernstlichen Zusammenstößen kommt zwischen alten Berliner Asylisten und den jüdischen Emi- granten. Jedenfalls ist die tatkräftige Selbsthilfe des Ostjudenver- bandes— man rechnet mit laufenden jährlichen Ausgaben bis zu einer halben Million Mark— im eigensten Interesse der Berliner Bevölkerung durchaus zu begrüßen. >- Dauerbaute« statt Wohnlauben? Mit den Plänen der städtischen Behörden zur Linderung der großen Wohnungsnot beschäftigte sich am Sonnabend im Berliner Rathaus ein Stadtverordnetenausschutz zur Vorberatung der Magistratsvorlagen über die Errichtung von 200 Wohnlauben in der Jungsernheide und über die Bewilligung von Zuschüssen für 600 Wohnlauben in Groß-Berlin. Den Beratungen wohnten die Geh. Bauräte Dr. L. Hoffmann und F. Krause, sowie Baurat Matz- dorff und Baumeister Conans von den städtischen Kanalisations- werken bei. Die Beratungen drehten sich schließlich nur um die Fragen, ob man zunächst nur Holzlauben oder massive Bauten er- richten soll für 2 bzw. 4 Familien. Da in den städtischen Gaswerken etwa 272 Millionen Betonschlackenstein« bester Beschaffenheit vor- rätig sind, die für den Bau von massiven Wohnlauben sofort greif- bar sind, sprachen sich mehrere Mitglieder für den Bau massiver Dauerbauten mit Gärtchen von etwa 400 Quadratmeter Größe aus. Wegen vorgerückter Zeit mußte die Beratung vertagt werden. Der Vorsitzende Stadtv. Gottfr. Schulz ordnete die nächste Sitzung auf Freitag, den 8. Ok- tober, an; in dieser sollen die Pläne und Kostenanschläg« für aus Betonschlacken zu errichtende Zwei- und Vier-Familien-Häuser und für Holzbauten vorgelegt und durchberaten werden. Stadtrat August Hintze als Vertreter des Magistrats stellte eine wohwollcnde Prüfung der gemachten Vorschläge seitens des Magistrats und Wohnungsver- bandes in Aussicht. Tie verftigbaren Mittel von insgesamt 8.4 Millionen Mark in Verbindung mit den großen Vorräten an Betonschlackensteinen sowie mit der Aussicht auf eine llnterstützung „Tas gebt mich alles nichts an— hahaha!" Er warf den Kopf hoch und seine Stimme schlug jäh um. Er lachte hart und höhnisch, er schwelgte, überschwenglich wie er mit seinen achtzehn Jahren war, in bitterer Weltverachtung. Fied zuckte nur die Schultern. Sie schlenderten weiter, in ihre Gedanken vertieft. Fied sah steif geradeaus. „In vier Wochen bin ich in Hamburg", sagte er. An einer Brücke, die über einen kleinen Bach führte, blieben sie stehen und sahen ins Wasser. Da fusir Dierk plötzlich auf:„Wir müssen einen Bund schließen, Fied. Wir beiden— für unser ganzes Leben; willst du?" „Was für einen Bund?" „Wir müssen kämpfen gegen alles Falsche und Schlechte in der Welt— denk nur an deine Mutter— willst du?" „Na ja?" „Fied!" Er drückte ihm krampfhast die Hände, seine Augen leuchteten, und in einer plötzlichen Aufwallung schlang er beide Arme um den kleinen Freund und drückte ihn an sich, voll Kummer über die unvollkommene Welt und voll von großen, schönen und glühenden Gedanken. Aber das Leben hatte noch mehr Rätsel für ihn. Sie gingen heute weit hinaus und kamen später heim als sonst; unter den Bäumen an der Landstraße war es schon dunkel. Vor ihnen gingen Arm in Arm zwei Mädchen in dunkeln Kleidern; sie schlenderten langsam und sangen mit schönen Stimmen ein trauriges Lied. Dierk hielt seinen Freund zurück und blieb hinter ihnen. Er empfand tief das Wehmütige, das in allem lag. in der Dämmerung, der Melodie und dem Anblick der Mädchen, die eng aneinander geschmiegt im langsamen Takt des Liedes da- hin gingen, während die hellen Röcke fast feierlich um ihre schlanken Gestalten schlugen. Als das Lied zu Ende war, wollten sie rasch vorbeigehen. Da rief eines der Mädchen:„Ach, seid ihr das? Nehmt uns mit!" Sie erkannten in Beiden Kinder aus ihrer Straße, mit denen sie früher oft gespielt hatten, und gingen zusammen weiter. „Singt noch ein Lied", sagte Dierk. „Ja. aber wir sind müde, ihr müßt uns etwas ziehen," sagte die eine. Die Mädchen hängten sich in ihre Arme, und sie gingen nun alle vier in einer Reil)e. Dann begann die. welche Dierks Arm ergriffen hatte, sie hieß Hanna, schön und weich zu singen, und die ander« fiele» ein. Der stille und der Reichsregierung lassen den Betonschlackenbau als den vorteil- haftesten der Jetztzeit erscheinen, um so mehr als die Herstellung von weiteren großen Mengen solcher massiver Steine keine Schwic- rigkeiten bieten soll._ Freigabe von Kohlenkartenabschnitten. Vom Dienstag, den 6. Oktober, ab werden zur Entnahme und Abgabe von Kohlen folgende weitere Abschnitte frei« gegeben: Abschnitt 7 der 6-Zenwer-Ofenkarte, Abschnitt 17 der 10-Zentner-Ofenkarte, Abschnitt 27 der 20-Zentner-Ofenkorte, Ab- schnitt 87 der S0-Zentner-Ofenkarte, Abschnitt 47 bezw. 67 und 67 der 40-Zentner-Ofenkarte, Abschnitt 13 und 14 der Sonderkarte. Be- vorzugt zu beliefern sind die früher freigegebenen Abschnitte der Koch-, Ofen-, Koks« und Sonderkarte, sofern sie nicht für verfallen erklärt sind. Vom 1. November 1920 ab dürfen auf die Abschnitte 4 der 6-Aentner-Ofenkarte, Abschnitte 14 der 10-Zentner-Ofenkarte, Abschnitte 24 der 20-Zentner-Ofenkarte. Abschnitte 34 der 30-Zentner- Ot'enkarte, Abschnitte 44 bezw. S4 und 64 der 40-Zentner-Ofenkarte, Abschnitte 4 der 12-Zentner-Kochkarte, Abschnitte 14 der 16-Zentner- Kochkarte, Abschnitte 24 der 24-Zentner-Kochkarte, Abschnitte 34 der 32-Zentner-Kochlar bei Winzer, Christburger Str., Ecke Wmsstraß«; Abt. Südost, Treptow(Bezirke 24, 34, 45, 58 und 79) in dem Kcllcrrestaurant Engeluser 16. Thema: Di« Neuorganisation in Groß- Bei lin. /- Grok-Berliner Lebensmittel. Brotkartenstichwort:.Dahme». <5hnrlotte«burg. Reis 250 Gramm. Haferflocken 250 Gramm, rote Guitze 3 Päckchen. Für Jugendliche Malzextrakt oder Mumme-Malzertrakt. Schöncbcrg. Voranmeldung sür 125 Gramm Maissobrikate, 2 Päckchen rote Grütze und 1 Päckchen Soßenpulver. Ausgegeben werden 125 Gramm Gerstcngraupen oder Gerstengrütze, 5 Brieschen Süßstoff. Auf Nährmittel- ionderkarten werden im Oktober Haferflocken verteilt und zwar erhalten die Kinder im 1. Lebensjahr« 2 Psund, die Kinder im 2. Lebensjahre 1 Pfund, die werdenden Mütter 4 Psund und die stillenden Mütter 2 Psund. Wilmersdorf. Aus die blaue Zusatznährmittelkarte sür Kinder: ]:i, Psund Kindergerstenmehl aus Abschnitt 60 der Zusatznährmittelkarte A I, 2 Psund aus Abschnitt 60 A II. Aus die Bezugskarte sür Einzelpersonen i! 2. Ausgabe, gelb) Voranmeldung zum Bezüge von Marmelade. Auf die HauShaltungsbezugslarte: Je 1 Päckchen Süßstoff. Für Mütter ge< langen Monat Oktober einmalig zur Ausgabe: Für werdend« Mütttev: 4 Pjd. Nährmittel. 50—200 Gramm Trockenganzei, 1 Dose Malzextrakt, 3 Dosen Kondensmilch. 1 Päckchen Milfix. Für stillende Mütter: 2 Psund Näbr- , 50—200 Gramm Trockenganzei, 1 Dose Malzextrakt, 1 Päckchen Friedenau. 250 Gramm Haferflocken und 125 Gramm Nudeln oder Reis. Abholung vom 5.— 7. Ottober. Lichterfelde 250 Gramm Zerealmehl. 4 Päckchen Süßstoff, 3 Pfund Oascunchl sür Kinder bis zu 2 Jahren. 2 Psund Haferflocken, 3 Psund ,.tzasermehl, Kriegsbeschädigte erhalten monatlich 4 Pfund Nährmittel. Dahlem. 125 Gramm Nudeln. Dempelhof. 250 Gramm Linien, An Kinder im 3. und 4. Lebens- jabrc 500 Gramm Kindergerstenmehl, 250 Gramm Hatermehl. Anmeldung aus 250 Gramm weiße Bohnen. Berkaus von 250 Gramm Marmelade. Britz. 500 Gramm ReiS, 500 Gramm Haferflocken. Für Kriegt« betchädigte 600 Gramm Zerealmehl. Für werdende Mütter und Kinder 500 Granim Zerealmehl. Treptow. 250 Gramm Maismehl. 250 Gramm Reis. Alt-Glienicke. 250 Gramm Haferflocken, 250 Gramm Sago, 500 Gramm Vollreis, 500 Gramm Maisflocken, 500 Gramm Marmelade, 200 Gramm Sirup, Ans Nährmittelkarten(41. Woche): 500 Gramm Mais j locken oder 500 Gramm Sago, Kriegsbeschädigte erhalten 250 Gramm. Küchenmehl, 500 Gramm Maisflocken, Werdende Mütter erhallen 250 Gramm Kuchenmehl, 250 Gramm Nudeln. Hennigsdorf. Am Montag, den 4. d. M: Umtausch der Brotkarten sür Kranke. Ausgabe der Näbrmiltelkartcn sür Kriegsbeschädigte, Kranke und sür Kinder bis zu zwei Jahren. Zilmschau. Bilder aus Neubabelsberg. Der Bund der vertriebenen Ausländsdeutschen veranstaltete zugunsten der deuischen Rückwanderer auf dem Gelände der D e c l a« Bioscop in Neubabelsberg bei günstigem Wetter eine WohltätigleitSvorstellung, die dem Publikum das Entstehen eines FilmZ veranschaulichen sollte. In allen Ateliers wurden Film« szenen der verschiedensten Art vorgeführt. Besonders bemerkenS- wert waren die Freiausnahmen für den Film.DieJagd nach dem Tode", zu denen etwa 1260 Statisten aufgeboten waren. Zuerst wurde ein Lampenfest vor dem Tempel in Lasa auf« genommen, bei dem die Farbenpracht der orienialischen Gewänder, getragen von anmutigen indischen Tänzerinnen, auf die Zuschauer ganz besonderen Eindruck machte. Lil| Dagover und Nils Chri- sander, Bernhard Götzke und Kurt Brenkendorf teilten sich in die Hauptrollen. Allein für diesen Film sind Bauten sür etwa 900 000 M. aufgeführt worden. Der Tempel in Lasa, an eine Felswand ange lehnt, ein Straßenbild in Kalkutta mit einem wundervollen Ge birgSpanorama dahinter, ein Straßenbasar in Kairo, alles von einer verblüffend farbenreichen Wirkung, ausgeführt unter der Leitung' Hermann WannS, des Chefarchitekten der Decla. Zuletzt wurde ein Flugzeug von einer erhöhten Gleitbahn auS mit sausendem Propeller brennend zum Absturz gebrocht— dicht dabei standen die Operateure mit ihren Aufnahmeapparaten und drehten lustig drauflos: die Großaufnahme des Kampfflugzeuges, daS vor Wochen über Döberitz vom Fluge aus natürlich ebenfalls brennend zum Absturz gebracht worden war, und dessen tollkühner Führer mit Hilfe eines Fallschirmes unversehrt die Erde wieder erreicht hatte._ Tchauburg am Potsdamer Platz: etwas für unersättliche Kinobesucher. DaS Programm ist durchgehend von 7 bis 10'/, llbr. Zur Aufführung gelangte. I i m m v Weiler". Der Mann, der alle Welt bestiehlt und lächelnd allen Gefahren die Sttrn bietet, wurde von Ernst Dernburg sehr überzeugend dargestellt. Am Schlüsse jedoch, als er eben nach ge- lungenem Diebstahl zu seiner Sieliebten zurückkehren will, erreicht auch ihn der Arm der Gerechtigkeit, und gefesselt tritt er der Schönen gegenüber. Man hat jedoch den beruhigenden Eindruck, daß es ihm auch diesmal ge- lingen wird, sich wieder Jn Freiheit zu setzen. Hierauf folgte„Eine L i e b e S n a ch t", ein Schwank in einem Aufzug. Die etwas zu intime Schlafzimmerszene behandelt daS selbstverständliche Thema des betrogenen Ehemannes, nur insosern neu, als der Ehemann, natürlich unbewußt, durchaus seiner Frau seinen Freund zuführen will. Dann spielen noch zwei Einbrecher eine Rolle und da sich der Liebhaber außerordenllich mutig zeigt, indem er unter die Bettdecke kriecht, wird er am Schlüsse zum Teufel ge- jagt. Zum Schlüsse wurde der AuSlandssilm„Kim.Kip.Kop" vorgeführt. Man weiß nicht, wem von diesem Kleeblatt man daS größte Lob aussprechen soll, wobei gesagt werden muß, daß„Kop" ein Hund ist. So- viel ist gewiß, daß Ktm. Ktp und Kop durch ihre amüsanten Leistungen das Publikum in Spannung hielten. Biophon-Theater-Lichtspiele. Die„Goldne Krone". Ein Henny-Porten-Film, dessen yochdramattiche Verwicklungen unter der Regie Aisred HalmS Gelegenheit zu guten schauspielerischen Leistungen boten. Die wahre Liebe überwindet alles. So auch bei dem Helden dieses Stücks, der die verirrte Jugendliebe seiner Braut zu irgendeinem jungen Herzog nach dessen Tode vergißt und doch noch mit ihr glücklich wird. Henny Porten, Paul Hartmann und Hermann Thimig waren gut, Ausstattung, Photographie und Regie dasselbe. Zuvor erregte daS Lustspiel„Arnold aus der Brautschau" mit Arnold Rie! in der Hauptrolle stürmische Lach- salven im Publikum. Jn den Sport-Palast-Lichtspielen. Potsdamer Str. 72. läuft seit vorigen Freitag die Filmoperette„DaSKutzverbot", die so großen Anklang fand, daß sich die Direktion veranlaßt gesehen hat, den FUm bis 7. Oltober zu spielen. Außerdem gelangt zur Vorsührung daS Filmspiel »Lori u. Co. mit Lotte Neumann und Bruno Kastner in den Hauptrollen. Sroß-Serliner parteinachrlchten. Heute, 3. Oktober: Grnpp e Südost(Abt. 9—14). Sichtige Besprechung der Abteilung;. leitungen und BUdungsausschußmitglieder wegen der Revolutionsseier. Reichenberger Hos, Reichcnberger Str. 147, vorm. 10 Uhr pünktlich. Morgen, 4. Oktober: Vezirttverbond Grotz-Berlin. Kreis 14. 7 Uhr grobe öffentliche Bersammlung im /Schultbcitz-Zlusichank. Wintergarten, Hasenheide S4. Tagesordnung: Ter Kampf gegen dt« Reaktion in Preutze» und das kommende Grotz-Berlin. Ref. Ernst Heil mann. Freie Aussprache.— Krct« 11. Oeffentliche Versammlung 7 Uhr t» der Aula der Hohenzollernschule. Belziger Str. 48/32. Da» gleiche Thema. Ge«. Joh. Hätz. 3. Kreis, Friedrichshain. 7 Uhr Borstandssitzung beim Genoffen Schuckcrt, Rüdersdorser Str. 3. Kreis 12. Vorstandssitzung, 8 Udr abends bei Clement. Steglitz, Düppclstr. 7. Akute Tagesjragcn. Geschästssührung im Kreise. Mitteilungen ans de» VorstandSsitzungeu des Bezirksverbandes Berti» 18. Abt.'1,1 Uhr. Comeniussäle, Memeler Str. 67: Lichtbllder« Vortrag sür große und kleine Kinder. Sologesang. Nur mit Programmen versehene Genossinnen, Genossen und Kinder haben Zutritt. Programme sind durch die Bezirkssührer zu haben. 19. Abt. 7 Uhr: Sitzung des Vorstandes der 19. Abt. und samt- licher Bezirlssührer im Lokal von Wilhelm Schonack, Samariterstr. 8, Ecke Rigaer Str. Tagesordnung: Innere AbteilungSangelegenbeiten. 28. Abt. Nachmittags 5 Uhr bei Rose, Wörther Str., Ecke Hoch- meifterstr.: Sitzung des AbteilungSvorstandes. 39.«. 32. Abt. 7 Uhr in der Aula der Gcmeindefchule, Pappel« all« 40/41: Parteffrauenadend. Tagesordnung: 1. Die Feuerbestattung als Kulturfortsckritt. Re'erent: Genosse Müllhabn._ // 4* � Ou mußi frieren •ernt»le vderschlefle» verNerea Mit Silfe der XX Grenz- Spende sind Ost« und Westpreußen gerettet Jetzt geht e« um Oberschlesien$ Sanken, Sparkassen, Postämter spostscheck- Konto lSerlin Nr. 73775) Jjtf nehmen Beiträge für die gSf Grenz« Spende. V Qberschöneweide. Montag, den 4. Oktober,?>/, Uhr: Frauenavend, Luisenhof, Luisen-, Ecke Marienstr. 23. u. 24. Abt. Mittwoch, denV Oktober, abend« 7 Uhr. Schulaula Christburger Straße 14(nicht Pasteurstraße): Vortrag des Genossen Lega- tionsrat Dr. Z e ch l i n(Auswärtiges Amt) über„Die außenpolitische Lage Deutschlands". Iungsozialistische Vereinigung(J. P. T). Mittwoch, 7 Uhr, Fortsetzung der Generalversammlung in den Blücher-Festtälen, Blücher- straße 61. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Die sür diese» Tag angesetzte Gruppcnkonferenz fällt aus. Lichtenberg. Die Billetls sür die am Sonntag, den 10. Oktober, im Rose-Theater slattsindende Vorstellung„Die Weber" sind bei allen Funktio- närcii sowie im Bureau, Niederbarnimstr. 4, III., zu habe» Zrauenabenüe: Montag, den 4-, abenüs Tk Uhr: 29. Abt. Bei Blase, Dunckerstr. 8. Referent Ken. PulS:„Religion, Staat und Sozialismus". 39. Abt. Jn der Schulaula. Pappelallee 49/41. Referent Genosse Milhan:„Ist Feuerbestattung ein Kulturcrsordernis?" Obersttiöiicweide. Im„Luisenhos", Luisenstr. 26. Genossw ZilS hält einen Vortrag. lieber den Herbst". Frauengruppe deS Wahlvereins Friedenau(S. P. D.) Frauen- abend am Montag, den 4. Ottober, abends 7'/, Uhr, in der Luisenschule, Goßlerstraße. Vortrag deS Genossen Joachim über„Die Wirffchastsnöte im kommenden Winter". * Mariendorf. Frauenabend Dienstag, den 5., abends 7'/, Uhr, bei Hoch, Chaussecstr. 44. Referent Genosse Puls:„Religion, Staat und Sozialismus". Achtung! Beamte und Angestellte der Reichs- und' Staatsbehörden und Institute. Am Dienstag, den 3. Oktober, abends 7 Uhr- findet in der Anla- Kochstr. 13. e,ne grotze öffentliche Bersammlung statt. Es wird sprechen der Gen. Legationsrat Dr. Zech l in(Auswärtiges Amt) über die innere und äutzere politische Lage Teutschlands. Beamte, Vertrauensleute und Funktionäre! Sorgt für Massen- besuch für diesen interessanten Vortrag. Handzettel sind im Se< kretariat. In den Zelten 23. Zimmer 19, abzuholen. Alle Dienst- stellen muffen vertreten sein. Wir bitten besonders darum, alle Bekannte- auch Frauen, die unseren Ideen zuneigen, in diese Vcr- sammlung mitzubringen. Der S.P.D.-Werbeausschntz für die Beamten und Angestellten der Berwaltungsbehörde» und Institute Hilüungsveranftaltungen. Ortsbildungöausfchntz der Z. P. D. Friedenau. Dienstag, den 5. Oltober, abends 8 Uhr, im Friedenauer Ratskeller, Gesellschastszimmer, Lauterplatz, Vortrag des Genoffen Mennicke:„Was will der Kommunis- muS?"— Am Dienstag, den 19. Oltober, beginnt in der Luisen-Schule, Friedenau, Koßlcrstraße, der Kursus(auch sür Nichtmitglieder) Dr. Foth: „Entwicklungsgeschichte deS Sozialismus". Weitzensee. Heute 7 Uhr in der Aula deS Gymnasium» an der Woelckpromcnade: Volkslieder- Abend. Mitwirkende: Lotte Bern- bard, Therese Bardos(Gesang), Willy BardaS(Klavier), Dr. Lindemann (Rczttation). Einige Karten sind noch an der Abendkasse zu habe» Jugenüveranftaltungen. Montag, den 4., abends 7'/, Uhr, in Lehmann» Festsäle», Kaiser- Wilhelm- Str. 29—31: Große össentliche Versammlung. Vortrag des Genossen Heiland über„Jugend erwache!" Alle Jugend- lichen und deren Eltern auch auS den Orten der ArbeitSgemeinschast sind herzlich eingeladen. Am Mittwoch, den 20. Oktober, beginnt ein Kursus über. S n t w i ck- lungSgeschichte deS Sozialismus". Vortragender Genosse Dr. Fotb. Anmeldungen müssen bis zum 15. Ottober 1920 in den Ab- teilungen oder im Jugend seiretariat. NW 40, Jn den Zeiten 23, abgegeben werde» Hörgebühr beträgt 3 M. Wir machen noch daraus ausmerksam. daß der Lehrplan der Sozialistischen Bildungsschule im Jugendsekretartat erhältlich ist._ vortrage, vereine und Versammlungen. Republikanischer Führerbund(Bezirk 7). Montag, den 4. Oltober, abds. 7>/,Ubr, Mitgliederversammlung im Restaurant zum Strauß, Pappel- Allee 25. Vortrag des Vorsitzenden der Ortsgruppe Groß-Berlin, Käme- raden Leppi»— Bezirk 9(Norden). Mitgliederversammlung am Diens- tag, den 5. Oktober, 7 Uhr, Schloßbräuquelle. Voltaftr. 41.— ReichSdund der Kriegsbeschädigte»(Bez. Norden). Montag, den 4. Ott., 7'/, Uhr, Bczirlsversammlung, Patzenboser Brauerei, Chauiseeftr. 64.— Bezirk II (Osten). Montag, 4. Oktober, abends 7 Uhr, Restaurant„Bürgerhoj", Küstriner Platz 10: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Geschäftliche Mitteilungen. Lovo! Aus das Lovo-AuSnahme-Ilngcbot unserer Beilage ln.Volk und Zeit" sür die Leser des„Vorwärts" machen wir nochmals besonders ausmerlfam. Tie bewährten und tausendsach erprobte Lovo-Universalmühlen erwerben sich Tag sür Tag in allen Weltteilen neue und zusriedene Freunde. Sriefkasten See Redaktion. F. W. 28. Für den Schaden haften Sie nur insoweit, als Sie ein Verschulden habe»— H. S. 37. Wenn der Wirt seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, so bleibt nur der Klageweg übrig.— R. G. 93. Wenden Sie sich an das Neichswchrministerium.— B. 10. Nein.— K. W. 16. 1.» 2. Nein. 3. Ja. 4. Machen Sie der Polizei davon Mitteilung. — H. H. Nein.— 8k. Z. 19«. Der Hauswirt, sojern der Mielsvertrag leine abweichenden Bestimmungen enthält.— M. B. Lüben. Nein. Im übrigen verweisen wir aus ZK 12 und 13 der Verordnung vom 12. 2. 20.— T. V. G. 1. Richten S'.c einen Antrag an die Rclchsversicherungsanstalt. ES müssen aber mindesten» 60 Monatsbeilräge entrichtet sein. Wenn die Frau nach ibrer Wicderverheiratung weiter tätig ist, erlischt im allgemeinen der Anspruch. 2. Sie können sich auch schrisilich an das Wohnungsamt wenden. Trauschein genügt.— R. K. 229. Kommen Sie um die Erlaub- niS zum Offenhalten Ihres Ladens ei»— F. W. 87. 1. Den Sühne« lermm brauchen Sie nur wahrnehmen, wenn Sie den Antrag aus Anbc- raumung des Termins gestellt habe» 2. Es muß die Ebescheidungsilage erhoben werden.— D. D. 44. 1. Wenden Sie sich an die Stadtische Waisendeputatio» 2. 205,— M.— Nieder, chöneweide 777. Nein. Wetternnssichten für das mittlere Norddeutsckiland bis Montag mittag. Ziemlich mild, zeitweise ausllarend, jedoch überwiegend bcwöllt und im Binnenlande öjter etwas Regen bei mäßigen ösllichcn Winde» MW Od flOe MMiM! (Nachdruck verböte») Nicht der Gründung eines neuen, überflüssigen Vereins gilt dieser Aufruf, sondern um wichtige Interessen handelt es sich. Tragen Sie nicht eine Brille, sondern einen Kneifer! Das ist zwar das Gegenteil von dem, was früher die Aerzte anrieten, aber Umstände ändern die Sacke und die Aerzte haben ihre bisherige An- ficht auch geändert. Nur die Brille hatte einen genügend festen Sitz bei jeder Arbeit oder körperlichen Anstrengungen. Nur die Gläser der Brille paßten so genau vor die Augen, daß diese bei richtiger Zusammenstellung der künstlichen Linsen ungefähr dasselbe leisten konnten, wie normale, fehlerlose Augen. Und nur die Brille wurde deshalb verordnet. Der Kneifer war verpönt und damals mit Recht. Er war bei der Arbeit unbequem, weil er schlecht saß; infolgedessen wurde er vielfach abgelegt, wo es zur Schonung der Augen besser gewesen wäre, Gläser zu tragen. Er fiel beim Lesen vornüber und ergab dann ein verzerrtes Bild und überanstrengte Augen. Die Gläser hingen nach außen seitwärts herab, und auch, wo das(bei einem besonders breiten Nasen» rücken) nur in geringem Maße der Fall war, paßten sie sich doch dem Abstand der Augen voneinander nicht an, die Pupille stand, statt genau hinter dem Brennpunkt des Glases, hinter dem oberen oder seillichen Rande und oft von dem einen GlaS weiter entfernt als von dem anderen. Hierdurch ober wurden wiederum die Augen in eine unnatürliche, schielende Stellung gezwungen, was Ueberanstren- gung. schnelle Ermüdung, Nervosität und Kopf. schmerzen, besonders aber«ine schnelle Verschlechte- rung des Sehvermögens verursachte. Das trifft heule alles nicht m e h r z u! Der Lohmann-Kneifer sitzt� bei der angestrengtesten körperlichen Tätigkeit so fest und sicher wie eine gutpassende Brille und ohne jeden lästigen Druck. ' Er sitzt auch genau so richtig, und jeder Arzt, der ihn kennt, wird erklären, daß er gegenüber der Brille keinerlei Nachteile� anderseits aber manche Vorzüge Hai. So schreibt uns«in langjähriger Brillenträger: „Ich freue mich sehr über den erhaltenen Kneifer. Er sitzt sehr gut, drückt nicht und ist trotz der scharfen Nummer äußerst leicht. Ich werde nun wohl die Brille, die ich seit 30 Jahren trage, ganz ablegen und mich nur noch Ihres Kneifers bedienen. L. Herold, Gr.-Ufeschütz. Ter Lohmann-Kneifer ist die empseh- lenSiverteste zurzeit existierende Konstruktion, und jeder, der sich jahrelang mit seinem alten Kneifer herumgequält hat, ist erfreut und beglückt über den bequemeren, festen und guten Sitz. Solche Zufriedenheit gewährt auch keine An- preisung:„Alle Reparaturen umsonst", was beim Lohmann-Kneifer für etwa vorkommende Material- fehler ganz selbstverständlich ist. Denn das. was in 99 von 100 Fällen zerbricht, sind Gläser, Horn- teile usw. Diese aber sind von solchen scheinbar alles ersetzenden Garantien wohlweislich aus- geschlossen. Die Lohmann-Kneifer-Gcsellschaft kann alle jene Vorteile bieten, weil sie ihre Kneifersassungen nach dem Grundsatz:„Für die Augen ist das Beste gerade gut genug" selbst erzeugt und in Berlin W., Potsdamer Str. 134a, direkt an das Publikum verabfolgt.(Geöffnet von 9 bis 6 Uhr ununterbrochen, währenddem gründliche Augenprüfung kostenlos ohne joden Kaufzwang gewährt wird.) Das Beste ist hier aber zugleich das Billigste, denn ein guter Kneifer soll ja nicht nur ein Jahr, sondern ein Leben lang halten, Zweiggeschäfte oder Niederlagen in andere« optischen Geschäften werden ni ch t unterhalten. Jn Filialen aber können weder die Auswahl noch die Hilfsmittel einer Zentralstelle geboten werde» Der Lieferant würde seine Kräfte zersplittern uni an absolutem Vertrauen«inbüßen müssen; Sil andererseits würden niemals das Höchste geboten bekommen und nirgends w i,r k l i ch zufriedengestelb werden. DaS aber will die Lohmann-Kneifer, Gesellschaft eben nicht. Was s i e verspricht, hält sie auch. Darum schreibt auch z. B.: Herr Leutnant Pickert, A. R., 20 All enstein: /.Ich habe den Kneifer— wohl 1917— von Ihnen gekaust. Er hat sich ausgezeich net bewährt und voll erfüllt, was in Ihren Reklc» men versprochen wurde." Auswärtige Abnehmer werden gebeten, Pro spckt W 2 zu verlangen, und bekommen dann gleich zeitig Mitteilung, welche Angaben erforderlich sind um einen unter Garant!« tadellos sitzende» Lohmann-Kneifer zu erhalten. !tr. ♦ 37. Fahrgaag 5. Seilage öes Vorwärts Sonntag, Z. M. bei einem Akttcnkapital von 3,3 Millionen Mark. Dividende 40 Proz.«wie im Borjahr), außer- dem auf jede Aktie ein Bonus von 200 M. Im Rechen- lchastsbericht schreibt die Verwaltung u. a.: In dem vergangenen Geschäftsjahre gelang es uns, die Produktion gegenüber dem Vorjahre etwas zu beben, trotzdem wir wiederum größere Stillstände durch Generalstreik und Auiruhr, dauernde wirtschaitliche Kämpfe und Unruhen erlitten. Eine Anzahl Fabriken war viele Monate gänzlich außer Betrieb. Dadurch trat eine solche Knapp- heit und Teuerung dieieS wichtigen Rohstoffes ein, daß wir dauernd aezwungeu waren, Papiermaschinen stillstehen zu lassen. Unsere gesamte Erzeugung wurde restlos den JitlandS-Verbrauchern zuge'ührt und fand bei der herrschenden Patnernot schlanken Absatz. Mit den wichtigsten Rohstoffen und Materialien haben wir uns genügend eingedeckt. Wir sind mit den b e st e n technischen Einrichtungen ausgerüstet, so daß wir trotz der schwierigen wirtichastlichen Verbältnisse und Unsicherheiten mit Vertrauen in die Zukunft blicken können. Steigender Nahrnngsmittelaufwand. Das Tempo der Entwertung unseres Geldes spiegelt sich nicht nur in der Bewegung der Devisenkurse, sondern— sür die große Maffe der Konsumenten zugleich instruktiver— in der Erhöhung der Kosten des NahrungSmittelaufwa.nds. ! Die von Richard Calwer berechnete Indexziffer/ die den Nahrungsmittelaufwand für eine vierköpsige Familie pro Woche in Mark angibt, ist im Reichsdurchschnitt von 232.15 M. im Juni d. I. auf 252,38 M. im Juli gestiegen. Mit Recht spricht R. Calwer in seinen.Monatlichen Uebersichten über Lebensmittelpreise" von einer .in Galopp geratenen Steigerung der Ernährungskosten". Seit dem ersten Monat des laufenden Jahres, für den sich eine Reichsindexziffer von 130.65 M. ergab, haben sich nämlich die Kosten des Nahrungsmittelaufwands fast verdoppelt. Im Vergleich zum letzten Monat vor dem Kriege. Juli 1914, ist sogar eine Steigerung auf das Zehnfache eingetreten. Für die Jahre 1914 bis 1920 ergab sich nämlich folgende Bewegung der Reichsindex- ziffer im Durchschnitt des Monats Juli: Wöchentlicher Nahrungsmittelaufwand in Mark: Jahr Indexziffer Jahr Indexziffer 1914 25.12 1318 58.11 1315 88,16 1919 82,11 1916 53.47 1320 252.38 1917 55.26 Für einige wichtige Pfütze wurden folgende Indexziffern be» rechnet:.. Wöchentlicher NahrungS- mittelaufwand in Mark: Juli Indexziffer 1913 Indexziffer 1920 Groß-Berlin....... 78.63 287 67 Hannover........ 70,41 276,75 Dortmund........ 76,47 241 33 Frankfurt a. M....... 92,43 292,44 München........ 75.00 255,57 Dresden........ 87.00 271,66 Hamburg........ 83,82 271 23 Kattowitz....... 98,10 289,44 Die neuerliche Senkung de» Marlkurses und die damit ver« bundene rapide Verteuerung der vom Auslande zu kaufenden Nahrungsmittel dürfte im kommenden Winter wieder ein stärkeres Emporschnellen der Indexziffer zur Folge haben. Sitlm Kalscr-Wlllielmsfr. 55 BCfllH C Eöse Ssanflaucrslr. Bevor neue Preissteigerungen eintreten, biete ich am »errev-msler 575. � 1075.- Herr.-Paletols* 850.-% 950- Damen- o. BacKlIscb-ffänfel Diagonal- and Flansch- bis a caa siofte............ M. SW*— M. I-W U.— Mgl.- visier M 150.-% 775.- Herren- Anzöge M. 285.- M» M- 1250.- flerren- Anzüge bu« M. 1150. dt, M. 1450." IQngL-AnzfigC M 225.% 825.- Hosen....... H.92,- u. m. 375.- ÖO. Piü"hch'n 1150.- M. 1 450.- Dani.-»®5SfimcChs:l50.-bÄ55o.- jüa Kammg., WollchsT, bis 4 ä�a fsv» Gabard. od. Meli., M. CJäJj«"" M. 1 ODU.— Mmm- Röeüe m. 30.- Ii* 475- Dgmen- Sinsen m 70.- A! 350- Damea- a. Esrldlsch-Woil- Kleltfer« 225.-». 1 350.- Vorzügliche Stoffquaütäten r Neueste Formen/ Große Auswahl Spezial-Arzt für Haut> u. alle Harnleiden, Harn« und Blutuntcrstuchungen. Dr. med. Karl Reinhardt, Potsdamer Straße 117, Lau"«V»«*. Sprechstunden: Vj12— 2,'//>—» abds., Sonntags>,,>1—1 Uhr Aufklärende Broschüre mit Beschreibung sämtl. Heilverfahren in verseht. Kuvert cea. 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Seiht Euch Eure Arbeitgeber an, sie s ch l i e- ßcn sich zusammen und schreiben sich gegenseitig die Preise vor, damit keiner unter dem vorgeschriebenen Preisniveau vcr- kauft. Und so könnt auch Jhe nur Eure Lage verbessern, wenn Ihr Euch als Heimarbeiterinnen der Organisation des Deutschen Bekleidungsarbeiter-Berbandes(früher Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter), Berlin, Sebastian- straße 37/38, restlos anschließt. Wenn Ihr denkt, daß dies nichts nützt, weil so unendlich viele nur sür ihr Taschengeld arbeiten und Euch die Lohne noch mehr drücken, so muß Euch gesagt werden:„Dem kann abgeholfen werden, wenn Ihr, die schr aus den Verdienst angewiesen seid, geschlossen dafür ein- tretet, daß diese keine Arbeit mehr erhalten. Das kann aber nur durch eine gut organisierte Heimarbeiterschast getan werden. In der Damenwäsche-Branche bestand bisher für die Heimarbeiterinnen kein Tarif. Sie wuooen für ihre Arbeit willkürlich entlohnt und eine wurde der anderen gegenüber zur Lohndrückerin. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, hat die Organisation schon im vorigen Jahre Forderungen an die Arbeit- geber eingereicht, die aber durch die Lauheit der Heimarbeiterinnen nicht zum Abschluß gelangen konnten. Im April d. I. kam e§ endlich zu Verhandlungen. Von den Arbeitgebern wurden Angebote gemacht, die aber als zu niedrig abgelehnt werden mußten, da sie nur einen Stundenlohn von 1,80 bis 2 M k. gewährten, der Zuschlag sür Diaschine, Licht, Heizung, Oel, Repa- ratur und die Ferien ablehnten. Der Schlichtungsausschuß, der von der Organisation angerufen wurde, sprach den Heim- avbeiterinnen freie Garnlieserung und Ferien zu. Die Arbeitgeber denken aber gar nicht daran, dies zu bewilligen. Um nun auch den Heimarbeiterinnen ein menschenwürdiges Dasein zu schassen, ist es zwingende Notwendigkeit, daß sich jede Heimarbeiterin den Schleier von den Augen reißt und aufwacht! Wir müssen jetzt zupacken und dürfen uns die augenblicklich g ü n st i g e Zeit nicht entgehen lassen. Jeder Arbeiter und jede Arbeiterin muß es sich zur Pflicht machen, jede Heimarbeiterin, die als Damenwäsche- näherin tätig ist— sei es Frau, Verwandte oder Bekannte�— am kommenden Freitag, abends 7 Uhr, in die in der Aula des Sophien- ghmnasiums, Weinmeisterstr. 13, stadtfindende Versammlung zu senden. Heimarbeiterinnen, erscheint alle in der Versammlung! Der Kampf im Zeitungsgswerbe. Seit Sonnabend morgen befinden sich die Angestellten der Berliner Zeitungsbetriebe im Streik. Gearbeitet wird»ur noch in einigen Betrieben der rechtsstehenden Presse von Angestellten, die den gelben bürgerlichen Verbänden angehören. .Pon denen war ja auch nichts anderes zu erwarten. Die Stim- »nung der Streikenden ist ausgezeichnet. Vor allem deswegen auch, weil schon re st lose Bewilligungen der Forderungen der Angestellten zu verzeichnen sind. Von der gesamten Arbeit- nehmerschaft Groß-BerlinS muß erwartet werden, daß sie die Strei- kenden durch vollste Solidarität unterstützt. In welcher Weise dies geschieht, wird jeder freigewerkschaftlich Denkende selbst wisien. Montag, 2 Uhr, findet im Lehrer-VereinShauS, C., Alexanderstraße 40/41, eine große Versammlung der Streikenden statt. Jeder Streikende halte sich bereit, es werden wichtige Mitteilungen ge- macht und Beschlüsse gefaßt werden. Afa, Ortskartell Groß-Berlin. _ Die Zentralstreikleitung. Achtung, Delegierte zum Betriebsratekongreß! Da? Kongreßbureau befindet sich Hasenheide 103/114, Etablissement Neue Welt, und ist am Montag von S bis 5 Ubr geöffnet. Die Delegierten werden ersucht, in dieser Zeit den Austausch der Mandate gegen Delegiertenkarten vorzunebmen. Eine besondere Mitteilung über LogiSbeschaffung an die einzelnen Dele- gierten ergeht nickt. Die Wohnungskarte wird, soweit ein Logis beantragt ist, den Delegierten mit der Deleaiertenkarte ausgehändigt. Delegierte, welcke heute in Berlin eintreffen, melden sich im G e- werkschaftshauS, Engel uier 15, Saal 3, um Dele- giertenkarte und LogiSnackweis in Empfang zu nebmen. Die Verhandlungen des Kongresses beginnen Dienstag. 10 Uhr, der Empfangs abend am Montag, 7 U hr, Saaleröffnung 6 Uhr. Die Delegiertenkarte berechtigt zum Eintritt. Der Geschästsfübrende Ausschuß der gewerkschaftlichen Betriebsräte- Zentrale des A. D. G. B. und der Afa. Brolat. Nörpel. Zum Streik auf den städtischen Gütern. In den Berichten über den Streik der Arbeiter auf den siädti- schen Gütern befinden sich eine Reihe von Behauptungen und Fest- stellungen, die dringend der Berichtigung bedürfen. So machte ein Bericht durch die Berliner Zeitungen die Runde, in dem mitgeteilt wird, daß das Einkonimen e in e S M a n n e s ohne Kinder- zutage und ohne das Einkommen der Frau etwa 14 000 Mark im Jahre beträgt. Es sollen sogar Arbeiter vorhanden sein, die bis zu 26 000 Mark jährliches Einkommen haben. Diese Angaben entsprechen nicht den tatsächlichen Verhältniffen. Das durch den Tarif festgelegte Einkommen der Rieselfeldarbeiter beträgt für Arbeiter bzw. Handwerker mit Deputat S060 bzw. 10 400 Mark jährlich, dabei ist das Deputat in der Höbe der im Mai geltenden Höchstpreis« berechnet. So sind zum Beispiel unsortierte Kartoffeln mit 26 M. pro Zentner in Anrechnung gebracht. Die Löhne der Freiarbeiter betragen pro Stunde 3,60 M., für Handwerker auf dem Gut Hobrechtsfelde 3.80 bis 4,20 M., es entspricht dies einem Jahreseinkommen von zirka 0600 M., i m H ö ch st f a I l 10000 M., wobei zu berücksichtigen ist, daß die Arbeiter teilweise in Berlin selbst wohnen und auf Grund dessen auch in bezua auf ihre Lebensbedürfnisse durchaus großstädtlschen Verhältnissen Rechnung zu tragen ist. In dem Falle, wo bis zu 26000 M. jährliches Einkommen vorhanden ist, ist das Einkommen erwachsener Kinder zu diesem Betrage hinzuzurechnen. In dem bestehenden Fall ist festgestellt, daß neben dem Familienvater noch vier erwachsene Kinder tätig sind und daß diese zusammen das vorhin genannte Einkommen bezichen. Die Rieselfeldarbeiter stehen in ihrem Einkommen, auch unter Berücksichtigung des Deputats, durchweg um 3000 M. schlechter als die Arbeiter der übrigen städti- schen Betriebe. Im übrigen besteht die Hoffnung, daß die Differenzen baldigst beigelegt werden. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Groß-Berlin, gez. Polens ke. Der Streik der Schildermaler. Nach �jähriger Pause stehen die Groß-Berliner Schildermaler wieder im Streik. All« Verhandlungen, die mit dem Ablauf des alten Tarifvertrags vor dem Schlicht-ungsausschuß und dem De- mvbilmachungskommissar geführt wurden, führten zu keiner Einigung, da die Unternehmer auf den Abbau der Löhne bestanden. Den Spruch des Schlichtungsausschusses, der die Stundenlöhne um 76 Pf. erhöhte und dte bisherigen Zuschläge anerkannte, lehnen die Unternehmer ab. Der Demobil- machungskommissar hielt eine Verbindlichkeitserklärung nicht für notwendig, da nach seiner Meinung der Schiedsspruch nicht den Gründen der Billigkeit entspreche. Zu deinerten ist noch, daß die Verhandlungskommission der Schildermaler im Interesse der Aufrechtcrhaltung des vielgepriese- neu Wirtschaftsfriedens bis auf 0,26 M. herunterging. Aber selbst der Vorschlag des Demobilmachungskommissars, den Stundenlohn auf 6,10 M. festzusetzen, scheiterte an der Starr- köpfigkeit der Arbeitgeber. Wir rufen nun die werktätige Bevölkerung Berlins sowie die Geschäftsinhaber auf, uns in diesem aufgezwungenen Kampf kräftig zu unterstützen. Schildermaler, die bei Ausübung ihres Berufs angetroffen werden, müssen sich durch Ausweis, unter- zeichnet von der Streikleitung, ausweisen. Das Streiklokal he* findet sich im Restaurant Wollschläger, Berlin SO., Adalbertstr. 21� Telephon: Moritzplatz 10 607. Verband der Porzellanarbeiter, Abteilung Schildermaler. I Bodenleger und Bohner! Der Bohnermeister Bölke, Alt-Moabit 14, hat sür daS Kaufhaus Wettheim Bohnerarbeiten verrichtet. Herr Bölke stand mit dem Deutschen Holzarbeiterverband in einem Vertragsverbältnis. Die festgesetzten Löhne zahlt Herr Bölke nickt. Die Arbeiter er« hielten den Hungerlohn von 3— 3,25 M. per Stunde bei sechs- stündiger Arbeitszeit. Als die Arbeiter den mit der Organisation vereinbarten Lobn beanspruchten, wurden sie entlassen. Der Betrieb ist deshalb für Bodenleger und Bohner gesperrt. Deutscher Holzarbeiterverband. Nechtsverbindlichkeitserklärnng. Der abgeschlossene Tarifver- trag zwischen dem Verein der Fouragebändler Berlins und dem Deuffchen Transportarbeiterderband, Bezirksverwaltung Groß- Berlin, ist ab 1. Mai d. I. vom Reichsarbeitsministerium für Groß- Berlin für rechtsverbindlich erklärt worden. Betreffend Arbeiterkleidung aus Militärsachen teilt uns die in der Gormannstraße 14 eingerichtete Verkaufsstelle der Betriebs- Werkstätten mit, daß die Verkaufszeiten wie folgt sind: Sonnabends von-11 bis �6, an den übrigen Werktagen von 11 bis 6 Uhr; Montags ist die Verkaufsstelle geschlossen. Gewerkschaftsmitglieder. DaS Lustspielhaus, Friedrichstr. 218. hat uns letztmalig für Freitag, den 8. und Sonnabend, den 9. Oktober für die Vorstellung , Zwangseinquartierung Lustspiel von Arnold und Auerbach, mit Arnold R i e ck in der Hauptrolle, Karten zu stark ermäßigten Preisen zur Verfügung gestellt. Die Platzkarten tz 7,60 M. (sonst 13—46 M), können von Montag ab werktäglich von 4'/« Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends Engelufer 16 1, Zimmer 16, entgegen« genommen werden._ Zur Beachtung. Während des BctriebSrätekongresseZ_ am Dienstag und Mittwoch fallen die Sprechstunden der Geschäfts» führung aus. Die Geschäftsstelle ist an diesem Tage wie immer von 10 bis 2 Uhr geöffnet.— Afa, Ottskartell. Zentralverband der Anqcftellten. Fachqruvpe 15a kA.E.G.• Konzern) Mitgliederversammlung Montag 7 Uhr, Musikcrsälc, Kaiser-Wilhelm- Straße 31. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Sckiion l. Vertrauen«« leutc aus allen Bekleben der Textilbranche und BekleidungS-Jndustrie! Mortag 5'/, Uhr im NewerkschastshauS. Saal I, Engeluser 14/15, Funktionär- Versammlung.— Kelltrarbeiler. Arbeiterinnen, Kutscher aus den Wein» großhandlungen sowie Likörbetrieben. Montag 7 Uhr Branchenversamm- lung im Englischen Hos, Aleranderstr. 27b.— Gewerbliche Angestellte der Kttcgsorganisationen. Montag 5 Uhr bei Fehfara, Melchiorstr. 15(Saal): Wichtige Verlraucnsmännerveriammliing.— In den Brauereien, Bier« Vertriebs gesell Ichasien, Bierniederlagen und-verlagSgeschäiten beschästigte Arbeiter Donnerstag 5ft, Uhr, GcwerkschastShails, Engelufer 15,«aal l, Mitgllederversammlung.— Lederwirtichast: Dienstag 5 Uhr Branchen- Versammlung bei Schulz, KönigSgraben 2.— Textilbranche. Dienstag, 5 Ubr bei Witte, Poslstr, 29, Gruppenvenversammlung der Gruppe 4. Wolle. Garne, Trikotagen. Dienstag 5 Uhr bei Witte. Voststr. 29, Vertrauens» männerversammlnng der Gruppe 3. Samt- und Seidenwaren. Deutscher Werkmeifter-Berband. Montag 3 Ubr Generalver- sammiung der Fachgruppen der technischen Bühnenvofftinde im Spaten- bräu, Friedrichstr. 172.— 6 Uhr allgemeine Werkmeister-Versammlung der Wag?nbau- und Karosserie-Branche im Schultheiß, Neue Jakobstr. 24/25.— Dienstag 7 Uhr Versammlung der Werkmeister und technischen Direk- tricen im Einzelhandel im Schultheiß, Neue Jakobstr. 24/25.— 5 Uhr Fach- gruppenversammiung aller Werkmeister der Gesundheitsindustrie im Bureau. Stralauer Str. öS I. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Pciser, Tbarlottenburg: sür Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag! Vorwärts. Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: vor- wärtS-Buchdruckerei u. Verlags finstoll Paul Singer u. Co., Berlin. Llndenktr. Z. Hierzu 3 Beilagen. 2 ahne 4 u. 7 M. mit TriedenshaufschttU 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.; Zähne ohne Gaumen. 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