n?.491» Z7. Jahrgang Ausgabe 8 Hr. 10$ Bezugspreis s V ettelföftrU 90,— mmtalLlO,— 3RI. frei m» vaus. voraus ahldar. Pow oe,ug ättonatli» 10.— Mt» ttfL Su- ftftlunqsofbühi. Unter?\reu*banb füt SeuticMnnD und Oeftcrreid» 16.' 0 N.. mr das ubnqc Ausland ver läfllich emmaU �uüellunr 2150 V Vnl's» »teflunqen nehmen an Oesterreich. Ungarn, D'checho» Slowakei, Oane. mar?,'�ollano. �U7emv'urq.?ckwed«n und'»i? Schwere.— �inaetraaen m die Post- e'Mnas Dre'sttste. i'er �PonDörts* mit der Sonntttd* berlage.Boll u-Reif" er-chem? toortien- aqlnmnje»m(v Sonn:aqs und Mon- mqs-'nma». T e> e qra m n>A dr este .So�iaibümofcat öetrlln'V Avend-Ansgabe W W Berliner BoIheUilatt ( 20 Pfennig) NnzeigenpretS: S)tf adltqeiualtfnr �onoarttDezeU» toiti tS,— i)l., Scucrunflsjuidjlofi S0-<» „Aleiu; Hnjeigco" da? ftt> gesnictt. Vor- L— M. ijuläffifi ,we> 'ettgeOrudtt Sorte), tbes mutete Won 60 Mg. SteUengeiuAe unb SdtloififUenanseigtn ba» etile Won tt Pig.'ebee roeittre-ffion 40 Psg. Worte übet 13 Sudif'aben zSdten'üt we> Worte. Ttuetunas,ut- l. Vom Allgemeinen Deutschen GewerrschaftSbund und der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände(Äfa) einberufen, tritt am Dienstag in Berlin der erste Kongreß der gewerkschaftlichen Betriebsräte zu'ammen. Er bedeutet eine neue Etappe in der deutschen Arbeiterbewe- gung, und von dem Ausgang seiner Beratungen kann ein Strom des Segens für die Arbeiterschaft ausgehen. Ob das der Fall sein wird, hängt allerdings von der Einsicht der Teilnehmer in die politischen und wirtschaftlichen Zustande ab. Es ist nützlich, in diesem Augenblick einen Rückblick auf die Entwicklung der Rätettage in Deutschland zu Wersen. Die Revolution hatte zwei Körperschaften geschaffen', einmal die politischen Arbeiter- und Soldatenräte, welche die Leitung des Staates nach dem Willen der Volks- mehrheit sicherstellen sollten, und zweitens die Arbeiter- und Angestelltenausschüsse, die damit betraut Purden, der W-rt» schaft sanarchie durch Arbeiterkontrolle ein Ende machen zu helfen. Die Politischen Arbeiterräte haben auf dem zweiten Räte- kongreß im Dezember 1918 dem deutschen Volke das demo- kratische Wahlrecht gegeben und damit die Bekundung des VolkswillenZ sichergestellt. Gegen die Tätigkeit der Arbeiter- und Angestelltenausschüsse wurde von dem wieder erstarkenden Unfernehmertnm ein immer größer werdender Widerstand organisiert, so dah die Arbeitnehmer ge- ungen waren, durch große Streiks die Existenz der ge- offenen Bettiebsvertretungen zu sichern und der Regierung die Anerkennung der B-etriebsvertretungen in der Verfassung abzuringen. Von den Gewerkschaften wurde der Kampf für die Be- triebsräte mit aller Energie aufgenommen. Sie hatten er- kannt, daß ein« Regelung der Wirtschaft nur möglich ist, wenn Arbeiter und Angestellte die Kontrolle der Pro- d u k t i o n selbst in die Hand nehmen. Allerdings hat die bürgerlichz Mehrheit der Nati onalver sammlung dem Bs- triebsrätegesetz ihren Stempel oufgadrückt. Trotzdem nahmen noch Inkrafttreten des Betriebsrätegejetzes die G e- w e r k s ch a f t e n die Wahl für die Betriebsräte energisch? in die Hand. Von vornherein war ketzn Zweifel darüber gelassen worden, daß das Betriebsrälegesetz den Wünschen der Arbeit- nehmer nicht entspricht. .Kampf gegen den kaprtalrstischen Betriebsabsoltttismus/ Die unter dieser Parole durchgeführten Wahlen führten zu einem großen Erfolg. Sofort nach Durchführung der Wahl gingen die Gewerkschaften wiederum an die nunmehr not- wendige Zusammenfassung der Betriebs- räte, die bekanntlich im Betriebsrätegesetz selbst nicht vorge- sehen fft. Die Gewerkschaften taten dies in der Erkenntnis, daß der einzelne Bettiebsrat eine Kontrolle der Pro- duktion oder eine Uebernahme der Wirtschast nicht vor- nehmen könne, sondern daß dies Aufgabe der Allgemeinheit für die Allgemeinheit sein muß. Es erschienen sodann die Richtlinien des A.D. G. B. und der Afa, welche den Be'riebs- räten die ganze Macht der Gewerkschaften zur Verfügung stellen, um aus dieser Grundlage die Durchführung ihrer Aufgaben zu beginnen. Ein Arbeitsplan wurde aufgestellt, in dessen letztem Absatz es heißt: „Ftn Hinblick auf den vorstehenden Ausgobenkraiz ist ein ge» wenn:«» Arbeiten von Betriebsräten und Gsvevkschasten wollig undenkbar. N»r das engste Zusammenwirken beider Teile der Atcheitervewegung kann zum Erfolg führen. Je gründlicher die Arbeiter und Angestellten in das Wesen der heutigen lapi» talistischen Wirtschuft eindringen und je fachkundiger sie dem Unternehmer«ntgegentretsn. um so unüberwindlicher wird ine Macht der Arbeiterklasse." Außerdem wurde jetzt der BetriebSrätekongreß einberufen, durch den der Wille der Betriebsräte und die Richtlinien für die weitere Arbeit festgestellt werden sollen. Alle diese Maßnahmen wurden von dem Unternehmer- tum und seiner Presse mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Das„Berliner Tageblatt" widmete diesen Maßnahmen der W Gewerkschaften- einen längeren Leitartikel, der trotz seiner objektiven Darstellung der Vorgänge zwischen den Zeilen die große Besorgnis nicht unterdrücken konnte, daß die Ar- beiterschast endlich auf dem richtigen Wege sei. In diesem Artikel wurde unter anderem geäußert: „ES ist sicher anzunehmen, daß die freien Gewerkschaften, die in allen diesen Dingen völlig einig sind— ohne Unterschied der politischen Stellung ihrer Leitung zu den sozialistischen Parteien — mit ihrer oft erprobten Gründlichkeit an die Ausführung dieses Programms gehen werden; die zahlreichen Betriebsrätekurse und die ersten Nummern der„Betriebsrätezeitung" de? Allgemeinen Deutschen GewerschaftSbundeS mit zahlreichen instruktiven Bei- trägen über wirtschaftliche Fragen aller Art zeigen, daß die Ar- beiterbewegung mit vollem Bewußtsein den Ein- zug in die praktische Wirtschaftspolitik hält; die zeit- weilig drohende Gefahr deS Syndikalismus, die der Rätebewegung bis zu einem gewissen Grade innewohnt und durch das De- triebsrätegesetz in mancher Beziehung verstärkt wurde, wird Söd&i durch die groß etngcTeitcfe Verbindung von Betriebsrajen und Gewerkschaften gebannt werden." Die iK i'r t s ch a fts k r i se hat durch die rücksichtslosen engstirnigen Maßnahmen der Unternehmer mittlerweile einen Umfang angenommen, der zum Ruin der deutschen Wirtschaft führen muß� Wiederum gingen die freien Ge- werkschaftcn der Arbeiterschaft als Bannerträger voran. Die Arbeiterschaft kann infolge der Art ihrer Beschäftigung in die Geheimnisse der kapitalistischen*Wirtschaft nicht ein- dringen und ist deshalb allein nicht imstande diese Ber- Hältnisse zu meistern, während die A n g e st e l l t e n, in deren Händen alle Briden zusammenlaufen, ohne weiteres das Material zum Aufbau einer neuen Wirtschaftsordnung ge- meinsam mit der Arbeiterschaft liefern können. Pie„Arbeitsgemeinschaft freier Angcstelltenverbände" hat daher die Angestellten aufgefordert, gemeinsam mit den Ar- b e i t e r n die Kontrolle der Produktion zu übernehmen und den Arbeitern alles dazu notwendige Material und alle An- gaben zu liefern. Aus allen diesen Maßnahmen ergibt sich für jeden, der bereit ist, daran mitzuarbeiten, die Uebernahme der Produktion in den Besitz der Allgemeinheit durchzuführen, daß von den Gewerkschaften von Anfang an der richtige Weg zielbewußt eingeschlagen worden ist und nur übrig bleibt, daß Arbiter und Angestellte mit aller Energie und einmütig diese Maß- nahmen unterstützen. Teile der Arbeiterschaft sind allerdings Anhänger einer selbständigen Räteoraanisation. Sie wollen die Betriebs. röte ibrer festen Grundlage berauben, auf der allein eine Durchführung der gewaltigen Aufaaben möglich ist. In einem Aufruf der Zentrale der Betriebsräte des WirtschastS- bezitks Groß-Be??in wird als Ausaabe dieser selbständigen Or- ganisation bezeichnet,„die Betriebsräte zu revolutionären Or- oanen des Kampfes um die Kontrolle der Produktion und zu Kampforganen der Arbeiterklasse zur Niederwerfung der Widerstände des Unternehmertums und des kapitalistischen Staates" zu machen. D�s sind nun aber??orderimgen. die zum Programm der Gewerkschaften gehören und schon zum größten Teile durchaesübrt wänm, wenn eben nicht die einheitliche Tront der Arbeiterschaft durch die Sennratbestrebunaen ge- schwächt würde..fV'te. in der �eit der Wirtschaftskrise. s>iben die Tübrer der selbRändigen Räte, die D ä u m i a, Mal- zahn, Müller, Wegmann und Genossen nichts Besseres zu tun. als die deutsche Arbeiterbewegung unter das Diktat der russischen kommunistischen Internationale zu bringen. Daß sie den Untergang der deutschen Arbeiterbewegung besi-meln w""-den, wenn es ihnen gelänge, ihr Ziel zu erreichen, stört sie nicht. O Der Betriebsrätckona'-eß kann wertvollste Arbeit leisten, wenn die Delegi-rten mit dem Ernst an ibre Aufaaben beran- aeben, der der Situation angepaßt ist. Die von den Gewerk- schatten vorgenommenen Maßnabmen zu präsen und sie dann einheitlich durchzuführen wird seine historische Ausgabe sein. Nur dann wird sich aus dem EVoS der kauitalistiseben Wirtschaft der Übergang zur sozialistischen Wirtschaftso'-dnung voll- ziehen, durch die allein Volk und Staat gesunden können. der Ansturm vsn rechts. Während man in der Arbeiterbewegung in mebr oder mn.der stürmischer Weise mit inneren Problemen beschäftigt sit, bcnicrkt man viel zu wenig, daß die Rechte in systematischem Kampf darauf ausgeht, die sozialdemokratische Arbeiterschaft von einer errungenen Position nach der andern zurückzudrängen und eine bürgerliche Regierung unter Führung der äußersten Reaktion aufzurichten. So zeigen stch in der„Täglichen Rund- schau" Herr R i p p l c r, in der„Kreuzzeitung" Gras W e sta r p beniüht, den bürgerlichen Parteien die Idee einer bürgerlichen Regierung unter Ausschluß der Sozialdemokratie in Preußen und im Reich zu suggerieren. Beide operieren mit genau Das /tttershesm der SchauspleZer. Don Max Hochdorf. In Weimar leben alte Schauspieler und Bühnenkünstlerinnen, die von der Obhut ihrer noch kräfügcn Kameraden behütet werden. lrhre Heimat ist das Maric-Seebach Stift, das auf der Tiefurtcr Allee liegt, jenem beinahe geheiligten Wege, den Goctbe oft nahm, wenn er dl� beengenden Luft der kleinen Stadt entfliehen und zur Weile der Gedanken und Träume kommen wollte. Diese greisen. heute nicht mehr arbeitsfähigen Schauspieler bilden eine besondere, nach Aufmerksamkeit veilangende Gesellschaft. Sie alterten nicht im Alltag des Handwerks oder der Kontorstube. Sie alterten in der Sehnsucht nach der Unsterblichkeit. Sie haben manchen Traum verwirklicht, sie haben die meisten begraben. Sie werden sich in den ersten Oktobertagen an einen festlich gedeckten Tisch setzen, um daran erinnert zu werden,-daß Frau Marie Seebach, ein Genie ihrer Kunst, vor 25 Fahren daS Weimarer A'tersheim gegründet hat, um die Sorge und die Trübsal der entkräfteten Schauspieler aus der Welt zu schaffen. Marie Sccbach war sehr glücklich und erfolgreich in ihrer JJunst. Sie muß:e viel in ihrem Fraucnleben erdulden. Nachdcm ihre Ehe mit dem berühmten Wognec-Sänger Niemann gelöst war, warf sich all ihre Zärtlichkeit auf den Sohn. Der Sohn wuchs heran, ein schöner, junger Mann, ein Maler, dessen Geschmeidigkeit auf- fällig und blendend wirkte. Der besten Aukunft schien der junge Mann entgegenzugehen. Da schleuderte es ihn auf das Kranken- lager. Er wurde bald begraben. Die trostlose Mutter hegte fortan nur den Wunsch, würdig dem Andenken des vergötterten SohneS zu dienen. Sie tat es auf eine schöne und bewegende Art. Sie gründete mit dem Geld. daS diesem Sohn gehört hätte, ein Heim für alt« Schauspieler, und auch mt die Erziehung armer Schau- spielcrkinder gab sie bedeutend« Geldsummen her. Mit den Epen- den ihrer Freigebigkeit sollen Talente der Vollendung und dem Erfolg entgegengesiihrt werden. Das ist alles sehr edel gedacht, ttnt» darum verzeiht man eS der verwöhnten Frau gern, daß sie allzu ehrerbietig an den ro- mantisch byzantinischen Gebräuchen ihrer Zeit haftete. Gin phan- tastisch- festliches Gemüt treibt si«, von dem Weimarer Fürsten alle Gunst zu erhoffen, die ihr Werk der Menschenliebe braucht. Sie findet sich in den Formen der Barmherzigkeit nur zurecht, wenn es höftsche Formen sind. Sie wendet sich in Untertänigkeit an den Großherzog von Weimar und in Ehrerbietung an HouSminister und Hofmarschälle und hat doch ein gesundes Herz und den klaren Sinn, der mit Hypotheken und Bankrechnungen derart umgeht, daß »twas Vernünftiges und Fruchtbare? dabei herauskommt. Bald ist ihr Schauspielerhaus unter Dach und Fach. Die ersten Greise und Greisinnen ziehen vin. Sie finden anstatt de» ge- denselben Argumenten, trviZ auf einen verabredeten Feldzugs- Plan schließen läßt. Die Sozialdemokratie, heißt es da, wolle die Nöte des Winters und den Zerfall der U. S. P. benutzen, um im Früh- fahr in gleichzeitigen Reichs- und preußischen Wahlen den Massensturm auf die bürgerliche Gesellschaft zu unternehmen. Dagegen wird den bürgerlichen Parteien der Zusammenschluß gepredigt und der Zerfall des Reiches als Folge der„unsinni- gen Regicrungsweise der Sozialdemokratie in Preußen" an die Wand gemalt.(Rippler.) Daher erscheint die Ausschaltung der Sozialdemokratie von der Regierung und ihre Verweisung in die Minderheit als Aufgabe des kommenden Wahl- winters.(Westarp.) Der Plan geht von der richtigen Voraussetzung aus. daß mit der dauernden Befestigung der bürgerlichen Regierung im Reich und mit der Ausschaltung der Sozialdemokratie aus der Regierung des größten Bundesstaates der Reaktion freie Bahn geschaffen wird. Aufgabe der sozialdemokratischen Arbeiter- bewegung muß es sein, diesen offen dargelegten Plänen der Reaktion durch eine klstge und energische Politik zu begegnen. Daß durch die bisher geübten Methoden der Sclbstzersteischung nichts erreicht, sondern nur dem Gegner eine Position nach der andern in die Hände gespielt wird, macht der bisherige Gang der Ereignisse auch dem Blindesten klar. Dek Kasseler Parteitag muß zum Signal einer neuen Einigung zum gemeinsamen Kampf der Arbeiterbewegung gegen rechts werden!_ Dem Veröt'enste feine Krone. Die Tel.-Union metdet, daß der Oberst Freiherr v. Lede- bur, früker Kommandeur oes Reichswehr-Jnfanterie-Regiments Nr. 18 unter Verleihung de? Charakters als Generalmajor nun- mehr aus dem aktiven Militärdienst ausgeschieden ist. Wie die Tel.-Union erfährt, erfolgte die Verabschiedung lediglich auf Grund der großen Verringerung der Armee, die bis zum 1. Oktober d. I. durchgeführt sein mußte. Die seinerzeit Aegen den Obersten Freiherrn v. Ledebur anläßlich der M ä r z v o r- gänge erhobenen Anschuldigungen waren Gegenstand der Untersuchung beim Reichsgericht unv haben sich angeblich als völlig haltlos erwiesen.. Der Oberst v. Ledebur war jener Herr, der sich bereit erklärte. zwischen 8 und 9 jeden Eid zu brechen, den er zwischen 7 und 8 geschworen hätte. Er hat auch während dcz KapP-PutscheS Wort gehakten. Das Re ch-gericht, dessen Entscheidungen immer mehr zur Untergrabung deS letzten Restes von Rechtsgefühl im Volke beitragen, hat diese seinerzeit von niemandem in Abrede gc- stellte Aeußerung des schnxidigen Obersten offenbar als ganz in der Ordnung befunden und Herr G e ß l e r hat sich daraufhin beeilt, ihn zum Abschied auch noch zu befördern. Die Gärung unter üen Geamten. In drei großen, stark besuchten Versammlungen protestierten gestern die Reichs- und Staatsbeamten gegen die be- amten'eindliche Politik der Neichsregierung ins- besondere gegen die Haltung des ReichSfinanzministers Dr. W i r th. Im Kriegervereinshaus referierte der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes NctnmerZ. Tie verhängnisvolle Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Beamten dränge zur Katastrophe. Wenn'nicht endlich alles getan werde, um d»n Beamten eine ordentliche Lebensbaltung zu sichern, so sei zu befürchten, daß auch sie von dem Geist der Korxup- lion vergiftet würden, und das wüude Teutschlands Unter- gang sein, denn ohne eine pf'ichctrcue lirb st schliche Beamtenschaft sei an einen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nicht zu denken Die Regierung'müßte ihre Sparsamkeit auk alle Klassen gleichmäßig anwenden. Vor allem wollten die B'amten nicht länger das bleibet?, wa? sie bi-lang leider hätten sein müssen: Knechte, die nur zu pekorchen hatten. Ter Regierung scheine cS aber nicht sonderlich ernst drr'it-u»sein. den Beamten ihr ge e s e tz- lich zustehendes Mitbestimmungsrecht zu gewähren, denn bisher seien die Vclhand'ungen über die Bcnmtenräte vock nicht vom Fleck gekommen Wenn man den Beamten schon kein Geld bewilligen könne so iclle.man ihnen wenigstens nicht ihre gesetzlich zustehenden Rechte voren:halten. fürchteten ElenidS nicht wenig schützende Behaglichkeit. Bold sind es dreißig Männer- und Frauen. Eine Ungerechtigkeit, die dem Handarbeiter Altersversorgung gewährte, aber noch den ftcien Künstler von solcher staatlichen Sorgfalt ausschloß, wurde für ein Häuflein der Würdigsten al'ge'chasst. Heut- ist die älteste Insassin des Heims eine Neunzigerin, die mit Rüstigkeit dem hundertsten Lebensjahre zuwandert. Ihr männlicher Nachbar ist nicht viel jünger. Das Weimarer Mcrrie-Seebach-Stift wurde durch FürsteNMnst begnadet. Es wurde von einer Fcau begründet, die in solcher Gnade höchste, Erbauung fand. Der fürstliche Beschützer des Werkes und seine„untertänige" Vcreh:»rin konnte aber nicht verhindern, daß die junge Zeit auch stürmisch in dieses Altersheim eindringen will. Die junge Zeit bat der Verfassung und inneren Verwaltung de? Heims manche Aendcrung bringen müssen und bringen lonnem Die Aufsichtsräte und höfischen Berater, d:e allein daran dachten, daß diesem Hause der Charakter einer mildtätigen Stiftung bewahrt bleibe, mußten ihr Gehör schärfen und hellhöriger auf die zarteren Regungen ihrer Schützlinge achten. Alte Leute, die in Schüssel' und Gemüt das Weltenelend der letzten Jahre verspürt haben, sollen heute langsam mit größeren Freuden allerhand Natur be- schenkt werden. Das wünschen die Männer, die heute dem Wei- marer Altersheim besonders dienen. Ter Kurator Holz, ein junger, fröhlicher Schauspieler sonst, im praktischen Leben jedoch ein vor- züglichcr Buchhalter, Einkäufer und Unterhändler, will überall rc- formieren. Und ihn unterstützt die Genossenschaft der deutsch n Bühnenangehörigen, die als Testamentsvollstreckerin der menschen- liebenden Marie Scebach jen? Kräfte sammelt, die dem Weimarer Werk und Gedanken das stärkste Dasein und die beste Zukunft sichern._ Ein Movrfiind bei Bremervörde. ljsti den weiten Torkmooren Nieder'alvscnS. die schon lo niancven cvicbtigen vorgeilvirvllichen Fund hergegeben haben, sind von Hans Müller- Brauel neue vorgeschichtliche Geräte entdeckt worden, über die, er in der Zeitschrift„Niedersachi'en" berichtet. Der wichtigste dieser Funde ist ein Holzgerät von vorläufig unbekannter Art und�GebrauchS- betliinmnng. im Ansieben einem aeivaliioe» Schöpflöffel ähnlich, der aber in der Kellenmiite einen 7 Zentimeter testen Toin bat. Die ganze Länge des Geiäis beirägl 4l Zentimeter. Mit diesem Gerät cuiammen wurd n eine nur in Brnchsiücken erhaltene Holz- lchale und ein im Tiirchmesser 69 Zeniimeter großer»nd etwa >3 Zentimeter dicker Teller aus Hotz gekniiden. gelang dann deS weiteren, noch ein gleiches schöl'ftellenartigeS stück ans Licht zu tördern und zwei weitere Holzl'cheiben, die- man vielleicht als „Mühleniteine-' anftrechen kann. Alle Holz'undstücke find ouS iestein Buchenholz gearbeitet und gut erbalten! sie wuxden. der vorgeichichtl'chen Abteilung des Provinziolmuieums überwiesen, um dort wiffenichastlich ausgewertet zu werden. Wahrscheinlich gehören sie der Bronzezeit an. Al? zweiter Redner forderte RiijA von der Gewerkschaft der Reick?- eisenbahner die Erhöhung der Tcucrungszu schlage für die unteren Gruppen deS BeamtenbesoldungSgeketzeS. die zum großen Teil nicht einmal das statistisch festgelegte Existenzminimum erhalten. Es handelt sich hier fast durch- weg um die einfachen Beamten in den unteren und und umerüen Stellungen. Ilm ihre gerechten Forderungen durchzusetzen, müßten sich die Beamten zu einer cinbeitlichen Organisation zusammen- schließen und das iei der Deutsche Beamtenbund. Ihnen tue nicht nur die Besoldungkreform not, sondern auch eine gründliche Ge- sinnunpsreform. Sie müßten gewerkschaftlich denken lernen, pewerkschaitliche Disziplin übxn. pekuniäre Opfer für ihre Organisation zu bringen bereft sein. Ueberzeugungstreuc kehle ihnen noch in weitestem Maße uwd ohne Solidarität könne der Existenzkampf der Beamten niemals zu einem siegreichen Ende geführt werden. In sämtlichen Versammlungen wurde ein« Entschließung angenommen, in der ausreichende Erhöhung der Teue- rüngszu schlüge bis zum Abbau der Preise für die wichtigsten Lebensmittel und Bedarfsgüter, ferner die sofortige Errichtung der Reichszentrale für'Beamtenfragen gefordert und Verwahrung eingelegt wird gegen die von den Reglerungsvertretern beliebte VerlSichlungS-methode— die Beamtenvertreter sollten die Meinung des Herrn Regierungsvertreters anhören und dann gehen dürfen— gegenüber den Beamtenvertretcrn in der Frage des BeamtenrätegesetzeS. Protestversammlung der Postsekretöre. Der Bund der geprüften Sekretäre und Ober- s e'k r e t ä r« der Reichspost- und Telegraphenverwallung veranstal- tete gestern abend im überfüllten Plenarsaal des H e r r e n h a u i e.s eine Kundgebung gegen die Beioldungsordnung. Ter Referent»des Abends, Obersekretär Wichmann, führte aus, daß die früheren Oberassistenten in die Klasse VII. die geprüften Sekretäre in Klasse VIII und die Obersekrctäre in Klasse IX eingereiht- werden müßten. Nach der Besoldungsreform befinden sich diese drei Beamtenkategorien in den nächsttieferen Klassen. Tie Zu- sammenwerfung von geprüften Beamten mit nichtgeprüflen in eine Besoldungsklasse hätte eine solche Erbitterung in den Kreisen der zweimal geprüften Beamten hervorgerufen, wie sie in der Beamtengefchichte bisher unbekannt gewesen wäre. Die Zurücksetzung der Sekretäre müßte unbedingt beseitigt werden� wenn Ruhe in der Beamtenschast eintreten soll. Ter Referentenvorschlaa. der inzwischen als Regierunasvorlage dem Be- soldungSausschuß des Reichstags zugegangen ist. sei in der vor- liegenden Form unerträglich und unannehmbar. Die Regie- rung sei gewarnt. An den Reichstag rickte er die Forde- rung. er mochte den geprüften Sekretären und Obersekretären zu ihrem Recht verhelfen. Vom Versammlungsleiter, Oberfekretär Faust, wurde Mittet» lung von einer Einladung gemacht, die ew rechtzeitig an den Reichs- finanzminister hatte ergehen lassen. Der ReichSfinanzminister war um Entsendung eines Vertreters, der in der Lage gewesen wäre. die Wünsche der Beamten entgegenzunehmen gebeten worden. Der Vorsitzende stellte fest, daß das Finan-'ministenum k e inen Ver- treter entsandt habe. Diese Feststellung wurde mit großer Unruhe aufgenommen. In der Diskussion versicherten Vertreter der Eisenbahn und anderer Postbeamtenorganisationen ihre Soli- d a r i t ä t mit den Forderungen der geprüften Sekretäre und Ober- sekretäre der Postverwaltung. Nach Beendigung der Diskussion wurde eine entsprechende Entschließung einstimmig an- genommen. Die weltikche Schule.. Aus Herne i. W. wird uns geschrieben: Im Juni d. I. ar- rangierten die Katholiken von Herne einen S ch u l st r e i k, um einige Lehrer, welche die Erteilung des Rcligionsunterrtchts ablehnten, zu beseitigen. Die Folge war, daß zunächst eine weit- liche Schule mit zwei Klassen eingerichtet wurde. Nun hckhen sich zirka 899 Kinder für die Aufnahme in die weltliche schule gemeldet. Es sind dah� zum 1. Oktober zwölfweitere Klassen eingerichtet worden, so daß nun hier eine weltliche Schule mit 14 Klassen besteht. DaS Lehrerkollegvum besteht aus 12 Lehrern und zwei Lehrerinnen. Zu Ostern 1921 wird mit der Einrichtung nrch weiterer Klassen gerechnet. Bezeichnend ist, daß die bürgerliche Mehrheit in der Schuldeputatton, gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Vertreter, diese weltliche Schule unter die Aufsicht der katholischen Kreis schul- i n s p e k t i on stellte.* Die„Volksbühne Norden" wird am k>. Oktober im Konzertbaus Lftider.Pankow, Breitestr 34. mit Hauptmanns Dkbskomödie„Der Btberpelz" erösfnft., Vorlauf g werden wikhetitlich drei Verstellungen gegeben:'DienSlazS, Mittwochs und Donnerstags. Die Zahl d.r Mitglieder beträgt'fegernrärtig rund 3990. Die Höchst- zahl der Mitglieder kann nur 9999 betragen. Das Tbea'er ist aus dersekb.'n Grundlage wie die Freie Volksbühne Berlin ausgebaut und arbe tet in engster Fühlung mit ihr. Neben den Vorstellungen deS Tkytaters werden noch Gai.spiele gom Staatsschauspielbau?~— geben werden._" 0 Schnapsvokrivten. Der Ftifel ii) des Lebens vrone sie„T a g e? e i l li ii g" zeii.it vaftn wer iieb im S»ss zeigt gän ticv obne streng weist sie>h» von ibier Tür. Er wnchi nichi auf als echter Arier. der Sozmiist. der ichechie Cbrlst l Des Fniel? Lob»Dgi der Agrarier, wenii wirklich re iteii BliftS er ist. Zwar neiat iem Stammbaum stark nach Osten, wo einil der Ahn die Knute schwang, doch mimt er— immer auf drm Posten— den uatioualen Uebcrichwaug. Was sind ihm denn Kartoffelsorgen. gedeibi im Stall nur Schwei»csch,neer? Und srii'ch gelobl er jeden Morgen: .Ich brenne Fujel Gott zur Ehrl' Ein brave? Volk im Branntweinnebel duckt gern sich»nler Herrenband. nie greift es räch den Leiiunasbebel— und Hetzer stelll mau an die Wand. Nur Fmel ist des Lebens Krönung, der Unterlänen wahres Bröl. so spricht mu rauvgekehlier Tönung der TogeSzeituKgspatriot. Schlarasj. Ter Kamps um Elnftein. sin der am 14. Oltober, abend» 8 Uhr. Im Braunen Saat de» Meiste! laot-Gehäudes. Köihener Str 38 II, stall- findenden Versammlung der Poiylechniichen Gciclltchast hält Rcgicrungsral Dr. F r i ck« einen allgemein verständliche:! Vorirag: Bedeuten gegen die Ein st eins che RelatioitätSlheorie. Frese AuS- spräche®ä(lc willlommen. Neber künstliche Bersüngung und GeschlechtSumwandlung untei Berückfichtigung der Slesnachschen Entdeckungen hält Magnu» L�i r s ch s e l d am 7. Oltober, abend» 7»/, Uhr, Jsflanditr. 9/10, einen Lichtbilde. Vortrag. Tic Kunstausstellung Ter Sturm zeigt im Oktober in einer großen graphischen Gelamischau 280 Arbeiten von 35 Milcrn. Tie erste bayerische Fliigpostltnie München— Frank urt». M., wurde am Sonnabend mit zwei Ztumpler- Flugzeugen von München aus erissnet. Wer ruiniert öie„Freiheit"? In der Breiten Ttrciße geht das anmutige Spiel zwischen Rc- daktion und Preglommission weiter. Für die letztere erklärt der Ob, mann Paul Schwenk:„Wir protestieren dagegen, daß das Blatt der Berliner Parteigenossen durch da-Z frivole Spiel der Redakteure vollends ruiniert wird." Tarauf die Redaktion:„Ruiniert wird die„Freiheit" nicht durch die Haltung der Redaktion, sondern durch jene seit Jahr und �ag betriebene gewisi.-nlose Hetze von Per. Tonen, die unter das schützende Tach der U.S.PiD. gekrochen waren, um sie zu untergraben und zu spalten, und die jetzt triumphieren, dag ihr unehrliches Tcppelspiel von Erfolg gekrönt ist." ' Einverständnis besteht also darüber, dasz die„Freiheit" ruunert wird. Es wird hier auZgejührt, was am„Vorwär:?" seinerzeit vcr- geblich versucht worden in. Die Zeutsch-franZösiscben He�iehunpen. Paris, 4. Oktober.(HavaS.) Ter deutsche Botschafter Mayer stattete gestern dem Ministerpräsidenten und Minister des Aeuhern .Leygues se.nen ersten offiziellen Besuch ab. Mayer versicherte zu wiederholten Malen mit aller Entschiedenheit, Teutschland sei ge- willt, den Friedensvertrag m seinem vollen Umfang bis cm die Grenze des Möglichen zu erfüllen. L e y g u e s erwiderte dem Botschrs:cr. wenn Frankreich den guten Willen Teutschlands bei der Ausführung des Friedensvertrages erkennen könnte, so ttmtzde die Regierung der Republik gewitz alles tuü, um die Lage Deutschlands hinsichtlich seiner Verpflichtungen zu e r I e i ch tzern und um die Wiederaufnahme der normalen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu fördern. Ter Ministerpräsident fügte hinzu, daß unter solchen Umständen die Wiederaufnabme und die Entwicklung der HandelSbeziehun'gen, die durchaus in der Absicht der französrchcn Regierung liegen, zum gegenseitigen Vorteil der beiden Länder sehr erleickecrt würden. Ter deutsche Gesandte erklärte, daß die Wic.dcronknüpfung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankrech und Teutschland insbesondere der deutschen Regierung erwünscht wären. Bei.Besprechung der Unterredung erklärt„Journal des De- batS", daß jedenlallS demnächst die deutsch-franzSsischen w i r t s ch a f t l i che n Verhandlungen wieder ausgenommen werden würd'r. fZrbe-'sskrk'e in Ent*!anö. Amsterdam, 4. Oktober.„Telcgraaf" meldet aus London vom 3. Oktober: Tie Krif-. Sim englischen Handel und in der englischen Industrie tritt schon eher, als man crwar- tet hatte, ein. Eine der gröhten Fabriken von Sheffield bat gestern Tausende von Arbeitern wegen Mangel an Aufträgen entlassen. Tic Fabrik steht in Verbindung mit der United Steel Eorporation, dem gröfiten Konzern der Welt, und man betrachtet daher dieses Ereignis als den Beginn der größten wirtschaftlichen Teprrssion, der seit einigen Tagen bc- rsitS erwartet wird. Einer der größten Fabrikanten erklärte, daß ?icle andere Fabriken in Kürze gleiche Maßnahme» treffen müßten. 'Wivtfdyaft. Unsachliche Kritik. Mit besonderem Eiser ist der„Vorwärts" bemüht,&W Entwicklung fcr Konsumvereine propagandistisch zu fördern. Dazu gc- -hört aber auch eine sachliche Kritik an den Mängeln und Schwäche,n dieser Form der Bedarfsdeckung. Wenngleich die Konsumgenossenschaft eine Vereidigung von Verbrauchern ist, weiche auch gleichzeitig Eigentümerin der Betriebe ist, so sind diese Botriebe als solche doch E i g e n w e s e w geleitet und betrieben von Po sonenkreiscn mit eigenen Interessen, die mit denen der R u r- kä usergenossen durchaus nicht überall gleichgerichtet smd. Die Vcrbrauchergcnossen hoben ein lebhaftes Jnieresie dar- an, daß der Konsum betrieb durch beste technische Organisation zur höchsten Wirtschaftlichkeit gelangt, sie haben ferner ein be- sondcres Interesse daran, im Konsum w e n i g st e n s das gleiche zu finden, waS'ihnen Privatbetriebe bieten. Hat nun der Konsum am O.rt ein Monopol, d. h. wer genossenschaftlich kaufen will, kann es nur bei einem Verein, so müsien die Genossen mit dem zufrieden- se n, was ihnen geboten wird. Ter kapitalistische Trust hat die mit der Monopolstellung verbundene Gefahr der Versteinerung' dadurch übenvunden, daß er innerhalb seiner OrganTation Betrieb gegen Betrieb in bczug aus den Wir- kungSgrad, auf die Erziclung der höchsten Wiuschastlichkeit in Konkurrenz setzt W�r ha'tcn auch für die Konsumvereine einen Ansporn für notwend'g. ser sie zwingt, ständig alles daranzusetzen, die Ver- sorgung der Verbrauckergenosten zu verbessern und zu e r- weiter». Es ist eine durch die Praxis noch nicht er- w i e s e n e Behauptung, deß ohne Konkurrenz, nur aus eigenem Pflichtbewußtsein und voller Hingabe an das Wohl der Betriebe die größte Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit gesichert, die Trägheit in der menschlichen Natur überwunden werden kann. ileb-r dieicn Stondpunkt, der für den Wirtschastspraktiker, der die Menschen kennt, absolut kein neuer �st. ist die.,K o n s u m- genossenschaftliche Rundschau" aufs tiefste empört. Sie sch eibt:„Ter Urheber der Kateridee scheint an ihr großen Gefallen zu finden; er spinnt den Faden munter weiter. So-etwas kann man einfach nicht mehr- kritisieren, man muß j.ch damit begnügen, es- zur Erheiterung der Sachverständigen niedriger zu hängen." Tie„Rundschau" vertrittG hier die Interessen der Kontumbetr cbe. Es ist auch n�ck» ein d rz t t c Z Interesse vor- banden, das der Volkswirtschaft. Hier ist nicht dig Bc. triebs t o r m das ausschlaggebende Momeyt, sondern der Wir- kungsgrad. die Wirtschaftlichkeit. Der wirlschaslliche Erselg eer Gcmeiaiwirtschaft, die wir erstreben, ist nur dann erreichbar, wenn wir die Miitcl und-Wege finden, um den Ansporn zur höchsten Wntzschaftlichkelt. der für de» auf den Ertrag, den Profit angewiesenen llnwrnehmct gegeben ist, auch in der G e m e! n w i r t s ch a s t in v o l I st e r Wirksamkeit erhalten können. E:n anderes Mittel, als das, den gemeinwirtschastlichen Betrieben durch Erzeugung eines K'o n k u r r c n z v e r h ä l:. n i s s e S den Ehrgeiz zu erwecken, e>az Sireben nach größerem Erfolg auszulösen, kennen, ww zurze't noch nicht. Wenn die„Sach- verständigen", an die die„Randschou" apbellicrt, die hier vertretene Auffassung als eine unsozial!, tisch?, der bürgerlichen Jdeo- l-zie angehörige bezeichnen, so rst daraus hinzuweisen, daß das „ö k o n o n� r sch e Prinzip" auch für die sozialistische Wirtschaft höchstes Gesetz bleiben»- muß. Wenn erst in den gemeinwirt- schaftlichen Unternebmungeu jeder Arbeiter uno Angestellre so arbeiten wird, als ob er in seinem eigenen Beiriebe für sich ichassr und spart, und Gewähr g geben ist, daß die fachlich Tüchtigsten de Führung erhalten, dann könnte die Konkurren; entbehrlich werden. Es dürfte aber zweifelhaft sein, ob solche I d c a I m e n s ch e n in M a> s e>> in absehbarer Zeit uns zur Ber- fügi-ng stehen werden. Wir müssen nun schon einmal die Menschen und loie Dinge so sehen, wie sio im wirklichen, im werktätigen Leben stehen. Nur durch gcste gar.e Produktion und technisch voll, kommenste Organisation kann denen, die zu wenig an Gütern er- kalten, mehr gegeben werden. Diese Ausgabe soll der Sozialismus lösen. Tie unsachliche Krit'k der„Rundschau" ist recht be- dauerlich. Geoß'SMm $üs öie weltliche Schule! Eine Eltcrnkundgcbung in Steglitz. Die Arbeitsgemeinschaft der S.-P.-D.- und der U.-T.-P.-T.- Elternbeir ä t c von.Steglitz-Lankwitz-Lichterfelde kann die von :h: am gestrigen Sonntag in Sitglitz veranstaiteic Kundgebung f ü r d i e W e l t l i ch k e i t der S ch u l c als einen schönen Erfolg buchen. In der O-berrealschule sprach vor einer sehr zahlreichen aus Sozialisten und Bürgerlichen zusammengesetzten Zuhörerschaft der zum Stadtschulrat der neuen Stal�emeinde Berlin aus- ersehene Dr. Löwenstcin- Charlottenburg sll.S.P. D.). Aus politischen und pädagogischen Gründen forderte er, den Religionsunterricht aus der Schule zu verbannen, wobei er auch die Ersetzung des kon- fessionellen Religions-unberrichts durch einen interkonfessionellen sehv bestimmt ablehnte. Seine Ausführungen riefen oft bR den Gegnern lebhaften W.dcrspruch hervor, doch konnten auf die Dauer auch sie sich nicht dem starken Eindruck des tiefen sitt- lichen Ernstes entziehen, mit dem der Redner den Gegenstand behandelte. LAlvenstein zeigte, daß die K i r ch e eine politis'che Ein- r ich tu n g geworden'.st, die der Staat zur A u f r e ch t e r h a l- tung der Macht einer htrrs�ch enden Klasse zu benutzen verständen bat. Zu bedauern sei, �aß die Forderung des Erfurter Programms der Sozialdemokratie, die Kirche vom Staat zu trennen, nicht durchgeführt ist., Ta der Staat weltlich ist, dürfte er die Kirche weder unterstützen noch unterdrücken, und auch die vom Staat eingerichtete und" beaufsichtigte Schule könne dann k.iinen Religionsunterricht geben, sondern ihn nur den Erzichungsberech- traten und ihren Religion sgesellschasi.m überlassen. Di? in der Reichs Verfassung leider nicht klar zum Ausdruck kommende Forde- rung einer Welt!.che« Schule sei in Gusahr in der Reich ischulgesetz- gebung durch urbencinandcr zu schaffende Konfcssions'chulen, SlmultaPchulen und Wci tan s ckauung ssch u len abgetan zu werden. Aber nur durch oöll'ge Trennung des Rcligions- Unterrichts vom Schulbetrieb werde die notwendige Neutralität de? Staates und seiner Sch u lc g e g c n- über der Religion gesichert, s Zustimmung.) Noch wichb.gor sind, führte.Löwcnstcin weiter aus, die er- liehe tischen Gründe für Beseitigung des.Religionsunterrichts. Niemond brauche zu fürchten, daß ohne die Vorstellung eines Gottes die Sitll'chleit leidet. Taß bei Gottgläubigkeit schlimmste Unsitt- licbke.it und Verbrechen tr.ör' ch sind,(efut die Ersah rung des Lebens, und auch die Geschichte der' Kirche selber hat das gezeigt. tWiderspruch und Zustimmung.) Wahre Sittlichkeit wächst lfcraus aus der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, und gerade ihr durch den Krieg bewirkter Verfall hat uns anch den Zu- sammeitbruch h r Sittlichkeit gebracht. Lassen wir die Jugend er- rennen, daßcher Mensch nicht'ein Einzelwesen, sondern ein Gemein- schaftSwesen ist.(Lebhafte Zustimmung.) Der Redner schloß mit dem Hinweis aus die Notwendigkeit, diese Gedanken immer mehr in das arbeitende Volk zu tragen. Die wachsende E.nsicht werde sich dann auch politisch auswirken, und der JK c n s ch e n ro i 1 1 e werde die WeMchkeit der Schule er-zvingen.(Stürmischer Beifall.) Ein kurzes, durch Lärm der Gögner oft unterbrochenes' Re- ferat von Dr. O st r o w s k i- Lankwitz(S. P. D.) betonte, daß der in Berk.« tobende Schulkamps«in Kampf um die Macht ist, der mit dem Siez der weltlichen Schub? enden wird. Er freue sich, daß duser Streitpunkt die Gegensätze in den sozialistischen Parteien überbrückt hat.(Lebhafter- Beifall.) In der Diskussion sprach eine adlige Dame, die sich während der Referate durch aufgeregte .Zwischenrufe bemerkbar gemacht hatte und sich jetzt als„Braut Christi" vorstellte, und ein Lehrer, der Lswenstein Mäng-l an prak- tischer Betätigung vorwarf. L ö w e n st e i n stellte im Schlußwort fest, daß dieser Vorwurf in der Oeffenklichkeit leichtfertig erhoben worden ist; tatsächlich babe er Schüler»der verschiedensten Alters- klaffen unterrichtet. Nach der Versammlung traten dieFreunde der weltlichen Schule ;u einem Demonstrationszug zusamnven. Ein vor dem .Schulhause umhcrstehcndcr Trupp von Gegnern, zu denen sich halb- wüchsige höhere Schüler gesellten, wagte eine kleine Störung. Die Demonstranten marschierten unter Vorantragung von Inschrift- tafeln durch die Hauptstraßen des Ortes. Aus dem Marktplatz gingen sie mit eincm'Hoch alls die weltchche Schule auseinander. V'rrrvSZe eines Fuwelendiebes. Ter jugendliche Hausfreund. Eine überraschende Aufklärung hat der große Juwelendieb- stahl bei der Goldwarcnhandlung von Wolf söhn u. Neumann Unter den Linden 14 gesunden. Wie berichtet, waren dort Juwelen ,und Goldsachen im Werte von einer halben Million Mark gestohlen worden. Tie erst? Spur wurde bei einem Juwelenhändlcr in der Greifs walder Straße gefunden. Dieser versuchte, wertvolle Brillan'halsbänder, silberne Handtaschen und andere Schmucksachen, die, wie kwld festgestellt wenden konnte, aus der Juwelenhandlung Unter e�n Linden'stammten, an Geschäfte im Nopdesi und Nordosten der Stadl zu veräußern. Diese Schmuck- stücke wurden zunächst beschlagnahmt und diese Spur weiterrerfol- gend führte zu einer überraschenden Aufklärung des Diebstahls. In der Juwelenhandlung Un'er den Linden ha-ts eine T a in e, eine durck-aus vertrauenswürdige Angestellte, die Ge- schästSschlnßel in Verwahrung. Sie schloß abends die Räume, nahm die Sssliissel mit in ihre Wohnung und össnete mit diesen am andern Morgen auch wvder das Geschäft. Diese Gelegenheit nu�tc ein Bruder der Angestellten, ein junger Bursche, aus. Er nahm der Schwester, wenn diese sich zur Ruhe begeben hatte, die Schlüssel heimlich fort, schlich sich nachts in das HauS ein. öffnete das Geschäft und stahl daraus wertvope Schmucksachen, d'e er zu Geld mach c, um von dem Erlös den Ka- valicr zu'vielen. Der Buriche ha.te im Freibad Rahnsdorf wäh- rcnd des Krieges die Bekanntschaft einer Frau gemacht, deren Mann im Felde stand. Zwischen beiden entspann� sich ein Liebesverhältnis, da? auch fortgesetzt wurde, als der Ehemann aus dem Felde zurückkehrte. Die Frau verstand es, den jungen Mann in die Familie einzuführen, in der jetzt der junge Kavalier von reichen Hausfreund spielte. Er schenkte kostbare Tcppiche und andere wertvolle Einrichtungsstücke. Tie weiteren Fest- stellungen ergamn,' daß 15 Personen aus den Diebstäblen des jun-gcn Kavaliers Vorteile gezogen hat en. Die am schwersten Belasteten wurden festgenommen, gegen die übrigen-ein Sirafver- fahren eingeleitet. Ein großer Teil der Schmuckfachen konnte wieder herbeigeschafft werden. Ucberfall auf einen Hotclwirt. Zwei ehemalige Baltikum- soldate n,' die sicki in einem Hotel in der Jnvalidenstraße ein- gemietet hatien, verübten nach einem Gelage einen Uebersall aus den Hotelwirt. Der Wirt, ein kräftiger Mann, setzte sich jedoch energisch zur Wehr und es gelang ihm auch, sich von seinen Angrei- fern zu befreien. Währeqö er an das Telephon eikte, um Polizei- lichen Schutz herbeizuholen, sprangen die Räuber au? dem Fenfkev auf den Hof,.um zu entfliehen. Ta sie jedoch nicht die Straße gewinnen konnten, liefen-sie die Treppen hinaus, stiegen aus das Dach, um über die Rachbavdncher hinweg-u entkommen. Die in- zwischen angekommenen Polizeibcamiew stellten sie jedoch. Die Ver- hasteten entpuppten sich als zwei ehemalige Baltikumcr namens H e n t k e und K r a m h i ch. Groß-öerliner pa?teinach?ich;en. parte'!- und Getriebsfunktionäre! Tie Fort'ctzu>lg der vertagte» Konferenz mit Debatte über Berliner KoiiininiialpoNtik findet nm Mittwoch, den<».- Oktober, abends 6 Uhe, im KriegervirciiiShäus, Chausseeftr. 94. statt. Da auch noch andere wichtige Mitteilungen zu machen jmd, bitte» wir um vollzähliges Erscheinen. Der Bczirtsvoistand. Morzen,»z. Oktober: HennigSd-rf. 7>tz Uhr im Lolal von Woller Mitgliederversammlung des Zoziaideinolratijchen BcreinS. Sport. ZlblchicdsPreiS in Treptow. Die Rennbahn Treptow hält am kommenden Sonntag, den 10. IDt'.ober, ihre letzten diesjährigen Nennen ab. Für die Daucisährcr sind der Preis der Oberspiee, ein Rennen Uder w Kitomclcr, und als Hauptliummer des Tages der eSrotze AbschiedS- prei», der ük er. Sü Kilometer geht, vorgefeben. Tics: beiden Rennen ioerdcn ein inIeicssaiiteS Zusamiiiciilrcfscn der drei beüen Teilnchnicr an dem Koldpokal, SawaI-Bciilin, Euoet-HollanS und Wiitig-Bcrlln, bringe«. Als vicrtcr Teilnehmer ist Lewanow verpflichtet worden. Sini der Oltzv'Pial'ghn lam am Sonntag das am 5. September wegen Reoen aiisgesaill-iic Rennen um dos Goldene Rad zum rlu-'- trag. Trotz des siiiimüchen und schon recht lükleii W-tlers waren dicRav- sporlsreunde p.ovzoblig erschienen, um dicsenicg-.ojicii sporllicheu Ereignis beizuwohnen. Aber auch dieses wertvolle Renueii ergab wieser einmal nur cmcn ZufallSsieg. Der Illr gewöhnlich vom Mißgeschick veisolgtc Lewanow c.eivanli diesmal den reichen Preis vor AppclhanS, der aber nur infolge "'io'or'chadrns die erste tmwariichast aus den Sieg verlor. Kruptat sudr wie m-m.a uchl brav. Cawall tarn häufig>uS Sa Wim wen und Thomas zeigte übei Haupt leine Forni. In de» Fliegerrennen hatte Stabe nichts z» ichragen; er genui. n alte drei Rcuncii nach Gefallen. Ergebnisse: 0 1 y m p i a- M c l>i e r s ch a s t für Flieger. 1200 Meter, l. Stabe, ± Seiin:cfe. S. Hahn. 4. Münzner,— Goldenes .!! a o von.er tili. I.Laus. 10 Kilometer. 1. AppelbanS 43. lfm. .'■3 Set, 2. Lewanow 1310,- 3 Kruplat vlüvv, 4. Thomas 03 10, sawall •76; 0 Meier zurück. 2. itant, 50 Kilometer. 1. Lewanow 46 Min. 8 Sek. •2. Slmiiint 2620, 3. Soiriill 4110, 4. AppilhanS 4530, 5 Thomas 6350 Meter zuri;ck. e s a in t l i a s s e m e u t; l. Lewanow 08,090 iUlometer. 2. r.ppelbaus 95,470 Kilomeler, 3. ÄNiptat 94,880 Kilometer, 4. sawall 89,350 MUixnctcr, 5. ThömaS 85,970 Kitoineter.— lO-Kilometer- P i ä in t e n| a b r e n. 1. Stabe, 2. Sen, recke, 3. Schulz. 4. Hahn, s. Radoiosli, 6. Tölz.— Z w e i s i tz e r h a u p i i a h r e n. 2400Meter. 1. Lennccke-Slabe, 2 Krahner-Dfünziier, 3. Schuiz-lfeinas, 4. Hahri-Kendei- bachcr, ö. Tolz-Ächrendt.__~: OLVsrtschQstsbsWeglINg • Jum ersten öetriebsröteu ongrsß. „Das Betriebsrätegcsetz ist Kampsboden!" Mit diesen Worten schließt einer der Leitsätze, dee der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbnnd ausgestellt hat. Ticse vver Worte such len uns gleich Glitten hinein in den Geist, der den ersten .Kongreß beherrschen wird. Kamps! Kamps um die Qrgani- sation. um die Form, um die Idee! Fortsetzung der Er- schütterungen, die wegen des Vitrrebsrätegesetzes durch lne Aasieitzrrbewegung gehen, die mit dem November begonnen hellen und in denen' der bliltige Nächmittag vor dem Reichstag nur eine Etappe war. Ter erste Kongreß, der vom 3. bis 7.- Oktober in Berlin zusammentritt, bat sich also nicht bloß mit der Organisation zu beschältigcn. Darüber konnten sich die elfhundert Äelegierten, die da zusammenkommen, bald einigen. Es wird in der„Neuen Welt" ein Ringen um die Höchsten Güter der Arbeiterbewegung stattfinden, um me Teele des Proletariats, um seine Kampfkraft, um alte, hell- gewordene Orgamsationscinrichtungen, um Neues, das da werben will..< Verschiedene Richtungen streiten um die Palme. Auf der einen Seite die Betriebsrätezentrale in Berlin, die seit Wochen im„Arbeiter-Rat" die Stimmung für die Tagung vorbereitete. Der reine Rätegcdanke will ja als� Ziel die Räte politisieren, er will ferner die gesamte Produktion in die .Hand nehmen und die Sozialisierung aller Gewerbe durch- führen. Das geht Natürlich weit über die heutigen Besti-n- mungen des Vetriebsrätegesetzes hinaus; dessen nngeachtet erstrebt die Rätezentrale mit ihrem Entwurf diesen Zustand — g e d e n die Gemerk sch asten, die in ber Tache selbst, also im Ziel, auch weit über die gesetzlichen Bestim- mutigen hinauswollen, nur eben mit dem Unterschied, daß der'Gcwerksaftsbund mit beiden Füßen auf det Erde bleibt und an Bestehendes Anknüpfen will. Das B. R. G. soll der erste Schritt sein zur Temokrati- sie rung der Wirtschaft, die Vorstufe zur Sozialisie- r ii n g. Diesen Gedanken hat der Gewerkschaftsbund vom Nürnberger Gewerkschaftskongreß bis zur Stunde konseqilent durchgeführt. Da» kommt noch zuletzt in den Richtlinien zum Ausdruck, die eine Konferenz der Gewerksastssüh.er im Juli 1920 aufstellte, wobei auch die Arbeitsgemeinschaft freier Angcstelltenvcrbände(Afa) beteiligt war. Zum Grundsätzlichen kommt dann die Organisation;- form, um die ebenfalls harte Kämpfe entbrennen werden. Hier wird der Versuch wiederholt werden, die GeWerk- s ch a f t e n ans z u schalten und den Betriebsrat als den allein maßgebenden wirtschaftlichen und politischen Faktor zu bestimmen. Das würde natürlich völlige Abkehr bedeui�n von den Gewerkschastserfahrnngen. Die Gewerkschaften müssen in dieser.Hinsicht aber hart bleiben, sie dürfen sich die Zu- sammenfassung der Betriebsräte nicht aus der Hand nehmen lassen, nur sie dürfen für wichtige Entscheidungen wirtschasts. politischer Art zuständig sein, keine politische Partei, keine Nebcnorganisation. Sobald die wirtschaftlichen Bedingungen sich wieder geändert haben, werden die Lohnkämpfe mit neuer Schärfe auftreten, da gehören Betriebsräte und Gewer�- schaften zusammen. Die politischen Räte würden wirr- ichaftliche Anarchie bringen, besonders die Arbeiter- fchast würde durch sie geschädigt. Das russische Beisviel warnt uns. Tie Aufgabe, die Betriebsräte zu organisieren, ist schwer. Es muß versucht werden, hier das Gesetz zu korri- gieren und dem Unternehmertum eine straffe Organisation gegenüberzustellen. Das Gesetz gibt den Betriebsräten nur wenig Machtmittel; die geschlossene Betriebsrätefront mutz ibnen den Rücken stärken, um die Demokratisierung der Wirtschaft, die Sozialisierung der Pradnktion sicher zu er- reichen. Der Plan, den der Allgemeine Gewerkschaftsbund aufgestellt hat. beweist die Größe der Aufgabe, zu leicht kann da durch falsche Wege eine Ueberorganifation Nachteile ßrlngen. Ms VorWage Hatten aber eins sichere Mittellinie ein, wir sind überzeugt, daß sie eine überwältigende Mehr- heit finden, trotz syndikalistischer Versuche, die sich in Berlin austoben werden._ Mssperrung öer �vZctoria"- Angestellten. VeKcmntlich Häven die RnKstellten oer Versicherungsgesellschaft „Victoria" in d:n letzten Tagen t?ergebens versucht, sich mit der Direktion über die Bewährung ihrer berechtigten Forderungen zu verständigen. All« m dieser Hinsicht gemachten Bemühungen des Betriebsrat» wvrdin»an der Direktion zurückgewiesen mit dem Hinwei»«uf den Arbeitgeberverband, der allein für�Ver- Handlungen über Mf Gehaltsfrage zuständig sei. Einen Streik hatten die Angestellten nicht beabsichtigt, sie haben es aber abge- lehnt, Ueberstunden und Hausarbeit zu machen. Die Angestellten rechneten auf ein« Verständigung um so mehr, als die Direktion nach Angab? de? Betriebsrats diesem noch am letzten Freitag der- sichert hat, sie werde»die Haltung der Angestellten nicht zum Anlaß nehmen,.um den»Betrieb zu schließen. Große Uebecraschung und �Entrüstung dies es deshalb hervor, als die Angestellten am heutigen Montag den Betrieb ge- schlössen fanden und nicht eingelassen wurden. Sie sind also ausgesperrt. Die Ausgesperrten begaben sich in ge- schlossenem Zuge nach der Neuen Welt und hielten dort eine Ver» sammlung ab. Vertreter des D. H. V., des Allgemeinen Verbandes der Versicherungsbeamten, sowie Genosse U ck o vom Zentralverband der Angestellten hielten Ansprachen.. Sie versicherten den Ange- stellten die Solidarität der Organisationen. Ucko betonte, daß«s sich hier um einen Kamps des ArbcitgeberverbandcS gegen die gesamte Angestelltenschaft handelt, die sich aber ihre Rechte nicht nehmen lassen wird. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Betriebsversammlung der Victoria-Versicherung'Sgesell- fchaft erhebt Einspruch gegen die erfolgte Aussperrung, angeordnet durch ihre Betricbsdircktion. Tie Angestellten stellen der Direktion nach wie bor ihre Arbeitskraft zur vollen Verfügung. Sie erheben energisch Einspruch gegen die Behauptung des Arbeitgeberver- bandes, wonach di» Angestelltenorganisaäionen die Angcstelltenschaft zur passiven Sdcfistenz aufgefordert hätten. Im Gegenteil geht die Anordnung dahin, daß jeder weiter sorgsam seine Pflicht erfüllen und seine Arbeit ableisten soll. Die einzige Anordnung, die Ueberstunden abzulehnen, steht in vollem Ginklang mit den Bestimmungen des Tarifvertrages und den Ge- setzen. Di» Gesetz« sehen eine Höchstzahl von Lg Tagen für Ueber- stunden! vor. Bisher ist diese Zahl monatlich erreicht worden. Die Angestelltenschast ist sich bewußt, daß sie Vertragstreue gehalten und nicht den Boden de? Rechts verlassen hat." fUofe Stauöknger f In Leipzig ist am Sonnabend nachmittag der Vorsitzende des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands, Genosse Alois Staudinger, nach längerem Leiden gestorben. Schon seit Jahren zehrte ein Lungenlerden, das er sich in se'nem früheren Beruf als Steinmetz geholt hatte, an der Lebenskraft des Genossen Stairdinger; einem in'den letzten Wochen hinzugekommenen Nierenleiden war der geschwächte Körper nicht mehr gewachsen. Mit dem Verstorbenen, der ein Alter von nur 44 Jahren erreichte, verliert der Verband der Steinarbeiter einen ziel.klarcn Führer und Berater, der sein Wissen und Können allzeit in den Dienst der Arbeiterbewegung gestellt hat. Erster Vorsitzender des Verbandes war der Verstorben« seit April 19t9, vordem war er 1k Jahre Redakteur des„Steinarbeirer", und hat in dieser Zeit wegen allzu energischer Interessenvertretung seiner Berufskollegen die Bekanntschaft mit dem Gefängnis zwei- mal machen müssen. Sein immer vorwärtsstrebender Geist hat in Wort und Schrift sezner Berufsorganisation große, nimmer zu vergessende Dienste geleistet. Auch sonst hat er an allem, was die Arbeiterbewegung angeht, lebhaften Anteil genommen. So kandi- disrte Staudinger 1903 und 1997 im Löwenberger Wahlkreis (Schlesien). Zur Nationalversammlung in Leipzig. Im Jahre 1919 wurde er dort' Stadtverordneter. Berichtigung. Von den Berliner Aide st werken Wil- Helm Neinhold erhalten wir folgende Richtigstellung: Die im „Vorwärts" zu wiederholten Malen angeführten Gründe über den bei uns ausgebrochenen Sireik der Arbeiterschaft entsprechen, in?- besondere hinsichtlich der Behauptung„Maßregelung des Betriebs- rates" nicht den Tatsachen und bedürfen der Richiigstellung. Wir erklären deshalb kurz folgendes: 1. Lohndifferenz. Die Arbeiterschaft forderte die Löhne der Gummiarbeiter für di« gesamte Belegschaft, also auch für die Asbest- und PackungSfabrik. Wir waren der.Ansicht, daß nur die in der Gummifabrii Beschäftigten berechtigten Anspruch auf diese Lohnsätze haben, während für die übrige Arbeiterschaft die Lohn- sätze des Tarifs der chemischen Industrie in Frage kommen.— Eine Einigung wurde in der Vechemdlung mit dem Betriebsrat im Beisein des Gewerkschaftsbeamten nicht erzielt. Die VerHand- langen wurden abgebrochen. 2. Maßregelung beS Vetriebsrats. Von einer unsererseits beabsichtigten Maßregelung weder des Betriebsrats noch einer anderen Person ist in dieser Verhandlung überhaupt nie die Rede gewesen. Ter nach Abbruch der VerAzndlungen seitens des Gcwerkschaftsbeamten unterbrertete Vcrmittlungsvor- schlag lautete:„Die Arbeit wirb sofoitt wieder aufgenommen. Die Firma bezahlt die inzwischen entstandene Slreikzeit. Die Lohn- frage wird dem SchlichtungSausschuß zur Entscheidung überwiesen." Wir stimmten diesem Vorschlage bis auf die Bezahlung der in» zwischen entstandenen Streikzeii zu, verlangten aber als recht und villig, daß amb über die Bezahlung der Streikzclt die Entscheidung dem SchlichtungSausschuß überlassen wende. Von einer beab- sichtiaien Maßregelung weder des Betriebsrats noch irgendeiner Person ist auch bei dieser Unterredung mit dem Gewerkschafts- beamten nicht die Rod« gewesen. An dieser Unterredung haben vier Herren der Tireküon teilgenommen. Sie sind zsderzeit bereit, auch vor Gericht die Richtigkcrt unserer Angaben durch ihren Eid z» erhärten. Es ist also vor der Abstimmung der Arbeiter- schaft über den Streik niemals von einer Maßregelung weder deS Betriebsrats, noch einer anderen Person die Rede geuwsen. Ein Grund zum Streiken wegen Maßregelung des Betriebsrats big daher überhaupt nickt vor. Nach erfolgtem Streikbeschluß machten wir einige Tage später von dem uns zustehenden Recht der sofortigen Entlassung der ge» samten Arbeiterschaft Gebrauch. Von ihrem Recht, hiergegen Ein- spruch beim SchlichtungSausschuß zu erheben, hat die Arbeiterschaft keinen Gebrauch gemacht. Nachdem wir gegen Ende August den ! größten Teil unserer Arbeiterschaft erfolglos zur Wiederaufnahme .wr Arbeit aukgeiordert hatten, sahen wir uns gezwungen, unseren i Betrieb Anfang September mit neuen Arbeitskräften wieder auf- > zunehmen. Zu dieser Darstellung der Firma erklärt uns die Berliner Leitung des Fabrikarbeitecverbandes, daß sie die seinerzeit im „Vorwärts" veröffentlichte Darstellung der Ursachen des Streiks aufrechterhalten müsse. Besonder» betont muß werden, daß die Direktion bei Verhandlungen wiederholt durchblicken lie daß eine Maßregelung d�es Betriebsrats beerbst' tigt sei. �_ Verband der Gaitwirtsgehilfe». Portiers. Hoteldlener, Astier», Wage!, meisler. Tclcdhoiiislen. Zemmer- und Rclervemädchen. Dienstag, den ö. Lltober 19-20. nbcnds 8 llor, Mitoliederoertammlung im Cafö Stern, Friedrich str. 118/llS(Oranienburger Tor). Unser Lahntaris. Bund der technischen Angestellten und Beamte«. Heute abend 7 Uhr eußerordenttiche ftunktionärversammlung der chemischen Industrie im Nordischen Hos, Blauer maal, Jiivalidenslr. 126.— Dienstag abend 7 Uhr Wer enlee. un Neftaurant Spalendrä», Berliner Mee 232.— Nordwest L 71/. Uhr im Artushos, Perleberger Str. 26.— Tempclhof. T/t Uhr im Rcilaurant zum Kinsürst, Dorsstr. 22.— I Ä. Eisenhoch- und Brüchenbau. 7 Uhr im Bundeshaus. Deutscher Verkmeiiter-Berband. Bezlrksvereln Berlin-JIchtenberg. Freitag, den ö. Ollober, abends 7 Uhr, Knorrpromenade 2, Mitgiiederoer» sammlung. Angestellte der Batterie- und Elementenfab�iken. DienStaz, den ö. Oktober, abends 6>t, Uhr, in Havellands Feslsäien, Reue Friedrich- straße 35, Zimmer 4, Versammlung sämtlicher Asa-Mtglieder der Batterie- und Elcnicnlensabrilen. Verichler'ialtung von den SchlichtungSoerhanh- lunaen. � Bcranlw. für den redalt. Teil: Dr. Werner Teller. Gharloltenburg: für ilnzetaea: Td. Glocke. Berlin. Verlag: BorwärtS-Leriag G.m.b.H.. Berlin. Tcuck: Vor- wärlS-Buchdrnckerei u. DerlagSanslalt Paui Tinger u. Co.. Beeilet. Lmdenltr. S. Jldmfcals-falast � Flirt laStMoritz Morgen: Die lustige popp». ANKAUF von JSäe.■ W w BRILLANTEN Dr. med. Grfiteriag haut, Harn-, Unterleibsleiden b.Männ. u. Frauen, Blutunters InvalldenstraB« 3S, Ecke Chausseestr, Stett Bhf. Spr. Wochentäglich 11-1,'/.SA.? Stielten Sie ptsehetide, hohen Verdienst bringende Artikel? Dann TerJangen Sie sofort Vertreterpreislisle tob 6tto Mhe, KeukSlln 43, feykestr. 18 Sanitätshaus für die intime Körperpflege Engron Export O Versand u Tellrahlung. SJ.Qarant. KronenlSM. Plomb. 150. Zahnziehen m.Emspr. höchst schmerz- an lind. Umarb. schlechtsitz. Gebisse. Rep. sof. Zahnarzt Wolf, PotsdamerStr.Sä, Hochb. Sprechz. 0-7. Zine.Si Nutzeisen Ankauf Verkauf Stadeisen. Bleche, Mräger, U-Eisen, Rohre, Ketten, Lagerböcke, Riemenscheiben, Fußstanzen etc. in verschiedenen Dimensionen haben ab Lager abzugeben Cohn& Borchardt, Bin.'Lichtenberg Kiltergutstr. 47/48. 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