•# n Nr.4ch2■» 37. Jahrgang Ausgabe A Hr. 109 Bezugspreis: V ertfliäI)rU30.— TOL.mmiatl.lO,— Uli. frti ins sous, oorons zahlbar. Post- hcjiiü: Monatlich 10,— 3JJL ehU-Su« stellungsgedilhr. Unter Rreuübanb für Deutschlanh unö Oefttttetdi I6,..0 für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21.50 M. Poll de» ftellungen nehme« an Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Elowalei, Däne- mart. Holland,-uremburg. Schweden und die Schwei».— Tinaetragen in die Poll-�eitungs-Dreislilte. Der.Vorwärts' mit der Eonmag»- beilage.Pol! u. Zeit' endjeint Wochen» taglich zweimal. Sonntage und Montags einmal Morgen-Ausgabe Telegramm-Adrelse JSojialdenioCcai Berlin". Bciiincr Oolksblsati Zentralorgan der rozialdernokratircben parte» Deutfchlande (30 Pfennig) Anzeigenpreis: Sie a(f)tgetpa!tcne SlonoarctSejcile toftetS.— A!., Teuerungszuschlag 50 V» «Kleine Unzeigen", das seit» gedruckte Wort 1,— M. lzulässig zwei iettgebruckte Worte),>edez weitere Wort SO Psg. 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Durch die Aushebung der Magdeburger Spitzelzeutrale wurde da- mals der einwandfreie Nachweis« geführt, den selbst die „Deutsche Tageszeitung" als gegliickt anerkennen mutzte, datz der ganze Plan von A. bis Z. das Phantasieprodukt eines Spitzels der Magdeburger Zentrale war. Obwohl damals die gesamte Oeffentlichkeit diese Fabri- kation falscher Nachrichten auf das Schärfste verurteilte, sind wir in der Lage, nachzuweisen, datz trotzdem die Orgeschleute in derselben Art weiterarbeiten. Als neulich Herr Beck, Geschäftsführer gleichermaßen des L-andbundes der Provinz Sachsen und Anhalt sowie der dortigen Organisation Escherich und Leiter des sächsischen Pressedienstes der Orgesch, eine Mappe mit Aktenstücken verloren hatte, da frohlockte die „Kreuz, zeitung" iogleich, es hätte sich wohl nichts Belastendes darin finden lassen, da es sonst schon in alle Welt ausposaunt worden wäre. Wir müssen dem biederen Blatt diese Freude verderben. Nebst anderen hochinteressanten Dingen enthielt diese Mappe einen„Rote-Armoe-Plan", der dem seinerzeit entlarvten Spitzelprodukt gleicht, wie ein- Ei dem andein. Höchstens mit dem Unterschied, daß diesmal die Herren die Stärke der Roten Arniee aus„nur" WO 000 Mann festzu- setzen geruhen. Ter Anfang des Schriftstücks sieht folgender- maßen aus: R o t«- A r»n c e- P l a n. Abschrift. Presse. Streng vertraulich! Erläuterung für Plan S Maffdeiurg. Da« ganze Reich wird in 12 Armeesiruppcn eingeteilt, die ein- zelnen Griippclikc>mmandoS befinden sich;\ 1. sür Armeegruppe 1—3 in Verlin Stärke der einzelnen Kommandos beträgt: Berlin 60 000, Breslau 28 600. Leipzig 50 000, Halle 22 300, Braslnschweig 21 000, .Hamburg 24 000, Äünchen 10 000, Stuttgart 8000, Essen 52 000, Stettin 12 000, zusammen 248 900. An Waffen sind vorhanden 40 Maschinengewehre,<12 Revolver- kanone», 5000©ewehre. 8000 Handgranaten, 6000 Pistolen und Revolver, 140 000 Schuh JnfantecieMunition, 1 Blinkgerät, etwas s?ernsprechgerät, 1 Panzerauto. 3 zerlegbare Flugzeuge. Die allgemeine deutsche Aktion wird in der Zeit vom 15. bis 20. Dezember in Kraft treten. Das genaue Datum wird nach durch Läufer und Kuriere bekannt gegeben. Die hauptsächlichsten Stellunger der Roten Armee werden folgende sein: 1. Armee hält Berlin. 2. Armee besetzt die Bahnlinie Sarau— Sokdin, ferner die Linie Sommerfeld— Schwerin— Landsberg a. W, und stellt in Schneidemühl die Verbindung mft der 12. Armee her usw. usw� Es folgen bann noch ähnliche Anweisungen für m? übrigen Armeen, die wir nicht wiebergeben, weil es uns überflüssig erscheint, den knappen Raum unseres Blattes an diesen Spitzelspuk zu verschwenden. Nur soviel soll ge- sagt werden, daß der Plan schon geographisch solche Schnitzer enthält, daß man mit einiger militärischer oder auch nur der- standesmätziger Schulung seine geradezu lächerlichen Schwächen ohne weiteres erkennt. Beachtenswert aber ist, daß dieser Plan am Kops den Vermerk„P ress e" trägt. Das zeigt, daß Herr Beck ihn nickst mehr lange in seiner Mappe schlitmmern lassen, viel- mehr ihn als gewaltige„Entdeckung" einer dem deutschen Vo!?e drohenden ungeheuren' os.chr dem geduldigen Dtnck- papier anvertrauen wollte. Es erheben sich jetzt folgende Fragen:- 1. Was tut der angeblich„unpolitische" Landbund für Sachsen und Anhalt in dieser engen, durch Personalunion her beiden Geschäftsführer besiegelten Arbeitsgemein- s ch a f t mit der hochpolitischen Orgesch? 2. Kann heute noch der leiseste Zweifel darüber bestehen, datz die von der ganzen Rechtspresse deswegen auf das wütendste angegrissene prentzische Regierung mit dem Verbot der Orgesch nur ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit getan hat? 3. Sind die Behörden gegenüber diesen Syniptonienein erzähen unablässigengegen- revolutionären Arbeit auf der Hut? Geringer Rückgang öer Arbeitslosigkeit. Wie aus dem Reichsarbcitsministcrinm mitgeteilt wird, ist die Gesamtzahl der unterstüntcn Erwerbslosen in der Zeit vom 1. bis 15. September 1926 in geringem Umfange zurückgegangen. Nach den amtlichen Feststellungen betrug die Zahl der männlichen Erwerbslosen am 15. September 1920 305898, der weiblichen Erwerbslosen 97 483, also insgesamt 403 381 gegenüber 414 716 am 1. September und 411615 am 15. August 1920. Zu den eigentlichen Erwerbslosen kommen 373 999 Familienangehörige, die als Zuschlags- empfänger unterstützt werden. Ihre Zahl betrug am 1. Sep- tembcr 386 935. Die neuen Zahlen entspreche» etwa wieder dem Stand vom 1. August d. Js. Spaltung in üer Mitte. Die Urabstimmung in der U. S. P. Die bisherigen Ergebnisse der Urabstimmung in der U, S. P. ergeben den Eindruck, der sich natürlich durch spälere Resullate noch vei schiebe» kann, als ob die Parlei in zwei ziemlich gleich starte Hälften zersälll. In verschiedenen großen Slädten hat die Richtung für Mostau, in anderen gegen Moskau gesiegt, ober fast immer gegen eine sehr erhebliche, osl fast gleich starke Minderheit der anderen Richtung. In Berlin wurden nach Meldung der V.-S.-Korrespondenz 15 560 Stimmen sür den Anschluß, 13 500 gegen den Anschluß ab- gegebem Die Slnicvlufe'reunbe erhalten 12 Maudaie, die Anichlutz- gegner 11. Rund 40 Proz. der Parleimitgliedsckaft haben abge- stimmt. Diese Beleiliguna ist an sich gering, ober im Vergleich zu anderen Orlen noch erheblich. Der in den heftigsten Formen ge- führte Streit hat offenbar auf viele Mitglieder bereits abstoßend gewirkt. In Teltow-Beeskow rechnet m»n mit einem ä h n- lichen Ergebnis wie in Berlin, also einer schwachen Mehrheit der Moskaufreunde. In Charlottenburg stimmten 874 für, 731 gegen Anschluß, in Neukölln war das Verhältnis 2831 sür, 2270 gegen, tn Schöneberg-Friedenau 792 für, 875 gegen. In Niederbarnim sollen nach bisheriger Schätzung die Anschlußfreunde 70 Proz., die Anschlußgegner nur 30 Proz. der Stimmen erhallen haben, so daß für ganz Groß-Berlin sich doch noch eine erhebliche Uebermacht der Moskowiter ergeben würde. In M a g d e b u r g- S t a d t siegten die A n s ch l u ß f r e u n d e mit 655 gegen 601 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug kaum 25 Proz. In Bremen siegten die A n s ch l u ß g e g n e r mit 2004 Stimmen und fünj Mandaten gegen die Anschlußfremide mit 485 Stimmen und keinem Mandat. Aus Leipzig meldet die.Freiheit' folgendes Teilresultat: 11 876 Stimmen gegen, 7789 sür Moskau. An diesem Per- hältnis dürsten auch die ausstehenden Resultate nicht viel ändern. In F r a n k f u r t a. M. wurden bei nur 20 Proz. Wahl« beteiligung 1109 Stimmen für, 1024 gegen Moskau abgegeben, in Mannheim 700 Stimmen sür, 50 gegen, im Bezirl Plauen 362 Stimmen für, 1119 gegen Moskau. « Braanschweig, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts"). Die Urwahl zum Parterlag der Unabhängigen brachte im Bezirk Braunichweig den Gegnern von Moskau 3 Sitze, den Anhängern 2. ES ergibt sich, daß zwar die Funktionäre und P a r t e i a n- gestellten fast einstimmig gegen Moskau sind, ein großer Teil der Massen aber den radikalen Rednern zulausen. Be- merkenswert ist, daß der Reichstagsabgeordnete E ck a r d t noch bevor er, wie der.Vorwärts' meldete, ausgefordert war, sein Man- dat niederzulegen, durch Beschluß des Bezirksvorstandes Brauntchweig aus der Unabhängigen Partei an-geschlossen worden ist. Eckardt, der Führer der Moskauer Anhänger ist. wird sich da- rum nickt kümmern. Bezeichnend ist. daß der unabhängige braun Ichweigische K u I t u S m i n ist ep SteverS, ein 26 jähriger junger Mann, der seit l1� Jahren der lt.®. P. angehört und vorher Demokrat war, einer der eifrigsten Befürworter deS Anschlusses an Moskau ist. Wegen Moskaugegnerschast ausgeschlossen! Hannover, 4. Oktober.(WTB.) Reichstagsabgeordneter A d e r h o l d, ein Gegner der Moskauer Anschlußbedingungen, ist in Hannover aus der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partet ausgeschlossen worden. die Produktionsschule. Von Siegfried Kawerau. Im ersten Bande seines„Kapital" spricht Karl Marx im 13. Kapitel von der Maschinerie und der großen Industrie. Die Maschine wirkt als„revolutionärer Agent", so sehr sie zunächst unsägliches Elend verursacht, so sehr ist sie anderer- seits Anlaß zur schöpferischen Neugestaltung des Gesellschasts- lebens. Die Gesetzgebung nahm sich in England in den 60er Jahren der unbeschreiblichen Not der in der Industrie ver- wendeten Kinder an und verlangte als Zwangsbedingnng der Arbeit einen Halbtags Elementarunterricht. Es stellte sich sehr bald heraus, datz diese Halbtagsschüler den Tages- schülern weit überlegen waren, obgleich sie nur halb so viel Unterricht genossen. Die amtlichen Berichte erklärten ettvas übertreibend:„Das System halber?lrbeit und halber Schule macht jede der beiden Be- schäftigungen zur Ausruhung und Erholung von der andern und folglich viel angemessener für das Kind als die ununterbrochene Fortdauer einer von beiden. Ein Junge, der von niorgens früh in der Schule sitzt, uud nun gar bei heitzem Wetter, kann unmöglich mit einem andern wetteitern. der munter und aufgeweckt von seiner Arbeit kommt." Nach weiteren Belegen fährt Marx fort:„Aus dem Fabrik- system... entsprotz der Keim der E r z i e h u n g d e r Z u- kunft, welche für alle Kinder über einem gewissen Alter produktive Arbeit mit Unterricht und Gymnastik verbinden wird, nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Produktion vollseitig entwickelter Menschen." In diesen wenigen Worten liegt ein pädagogisches Pro- gramm beschlossen, an dessen Ausführung zu gehen— 53 Jahre nach dem Erscheinen jenes ersten Bandes— es nachgerade Zeit wird. Dem aufmerksamen Volkserzieher wird öS nicht entgehen, datz mit rasend gesteigertem Umschwung des ökonomischen Rades eine wachsende Entseelnng des Arbeitsprazesses Hand in Hand läuft, und datz dieser Entseelnng des Arbeitsprozesses die Entscelung der Erziehung in Schule und HauS entspricht. Das Schulsystem, ivie eS bisher üblich ist, wirkt zer- setzend auf alle physischen und psychischen Funktionen der Jugend. Es fesselt die jungen unausgewachsenen Körper stundenlang an harte, ungeschickte Bänke, zwängt sie zu einer doppelt geknickten Körperhaltung, die notwendig Stauungen des Blutes, vor allem im Unterleib, hervorrufen mutz. Es trennt die Kinder und die Lehrpcrsonen klösterlich-askensch nach dein Geschlecht, jaignoriertvöllig das Vorhandensein derEntwicklungs- � jähre. So erzeugt man bewutzt HemmungSvorstellungen— „über gewisse Dinge spricht man nicht"— macht natürliche Dinge zu unanständigen. Ganz weise Pädagogen hatten darauf, datz die Kinder aus verschiedenen Klassen getrennt ge- trennt gehalten werden, reitzen absichtlich Freundschaften ans verschiedenen Jahrgängen auseinander, ja setzen sogar inner- halb der Klasse die Freunde in entgegengesetzte Winkel. Und scklietzttch wird durch Beschlagnahme der Jugend mit Haus- arbeiten, durch Besserwisserei und Hochmut den Eltern gegenüber auch die Familie durch die Schule gestört, unter Umständen zerstört. Bevormundet man in sseinem Dünkel die Eltern ans Schritt und Tritt, so überläßt man andrerseits die Kinder gedankenlos den Zufällen ihrer Umtvelt. Tie beschäftigten Eltern schon müssen die Kinder der Straße anvertrauen. Der Schulweg bietet tausend Lockungen in Schaufenster und Plakat, Anschlagsäule und Bildern. Tie Kinos funkeln die Kinder mit lüsternen, lockenden Augen an, der Rummelplatz zieht ihnen die Groschen aus der Sparkasse. Zedent zugesteckten Zettel, jeder Schntutzlektüre sind sie offen und zugänglich. Die Alten zwingen den Kindern ihre Denkungslvcise ans, treiben sie in Berufe, die ihnen fern sind, vergiften sie kon- fessionell und parteiisch, trichtern ihnen kunstvolle Systeme ver- gangener Jahrhunderte, ja Jahrtausende ein und wollen sie an Sitten binden, anstatt ihre sittliche Kraft zu bilden. Aber weit schlimmer als all diese Dinge: Ganz früh trennen die Schulsysteme die Kinder nach dem kapitalistischen Prinzip der Spezialisierung für den Produktionsprozeß: hier Intellektualismus, Kopfarbeit. Verstandcskultur(für Bezahlung liefert der Schulautomat jegliches Wissenskonfekt)— dort Züchtung des gehorsamen Handarbeiters, Jugend- und Heimarbeit aus der Not des Hauses, aus der Gewinnsucht des Unter- nehmers, dort Lehrlingsmitzbrauch und Absperrung von den Kulturgütern der Nation. Und so spaltet sich das Volk in zwei Heerlager der„Gebildeten" und„Ungebildeten", der Kopf- und Handarbeiter, der Bourgeois und Proletarier, und es ist, als wären es Völker verschiedener Zunge, verschiedenen Blutes und Glaubens— so fremd sind sich beide Teile der Nation. Wie kann diesem unseligen Zustand ein Ende gemacht werden? Marx sagt: Verbindung von produktiver Arbeit mit Unterricht und Gymnastik!" Das ist„die einzige Methode zur Produltion vollseitig entwickelter Menschen". Also in der Produktionsschule. Wie solche Produktionsschule unter heutigen Verhältnissen aussehen mutz, wie sie alle die oben % skizzierien Gefahren überwinden wird, wie sie die wahre sozialistische Schule der Zukunft ist, darüber soll die Tagung der„Entschiedenen Schulreformer" sich aussprechen. Vor allem wird das Problem der ProduktionSschule behandelt werden nach Begründung und Ausbau, nach Kostendeckung und Berufswahl, nach ihrer erzieherischen Bedeutung für Jugend und Lehrerschaft, nach ihren Beziehungen zu Landarbeit und Siedlung, zu Oualitäts- arbeit und Willensbildung. Tagung des Bundes entschiedener Schulreform er. Tie„entschiedenen Schulreform« r" haben ihre Herbsttagung, die vom 2. bis 6. Oktober in der Gemeinde- fejthallc zu Lankwitz stattfindet, unter das Tbema Ar- bcitS schule und Produktivität gestellt. Das lebendige Interesse, das beute Freunde und Gegner, Fachleute und Laien den Gedanken einer inneren Neugestaltung unseres Schulwesens entgegenbringen, drückt sich schon äußerlich in dem starken Besuch der Veranstaltung der im Leit- artikel erwähnten Tagung deS Bundes entschiedener Schulrrformer ouS. Der geräumige Saal ist am Morgen gefüllt, am Nachmittag ü b c r f üllt. Einleiieick» sprach Prof. Oestreich über die„wirtschaftlich geistigen Zeitnotwerrdigkeiten und die BildungSansialten". Tr cnt- wickelte in großen Zügen das Programm der entschiedenen Schulreform«? und legte besonderen Wert darauf zu betonen, daß «S sich bei diesen Gedanken letzten Endes nicht um Ziele Hanole, die nicht heute oder gestern aufgestellt seien, sondern um uralte M e» sch h e i t S g« d a n ke n.„Die schwerste und schlimmste Ge- fabr unserer Kultur ist ber deutsch« Schulbetrieb." Die Not der Zeit ist zu groß, als daß wir uns weiterhin ein Heer von einseitig eingestellten Bildungsanwärtern, wie sie unsere höheren Schulen großziehen, leisten könnten. An zweiter Stelle legte Hilde Hecker dar, wie der Ge� danke der Selbstbetätigung im vor schulpflichtigen Alter zur Geltung gebracht werden kann. Den Höhepunkt des Vormittags bildeten die äußerst lebendigen, fesselnden Ausführungen von Anna Siemsen über den Auf- b a u der Schule. Nicht das Programm selbst war das Beste an ihren Ausführungen— das dürfte den meisten aus den Veröffent- lichungen der letzlen Zeit hinreichend bekannt sein—, sondern ihr starkes Bekenntnis zur praktischen Schulreform.?lllcS Große wurzelt in der Notwendigkeit des Alltags. Wer nicht am kleinsten Punkt« mit all seiner Kraft«insetzt, ist zu keiner ZukunftSarbeit berufen. Die Nachmittagssitzung wollte den SiedlungSgedankev zu den schulreformerischen Zielen in Beziehung setzen. Der gedachte Zweck wurde nicht erreicht, es kam nur zu einer Erörterung siedle. rischer Problem« an sich.• Leberecht M i g g e legte die Notwendigkeit der Selbstver- forgung der Städte dar und erläuterte an einem reich- baltigen, aber viel zu bastig vorgeführten Lichtbildcrmaterial die Möglichkeiten, einen>A g r a r g u r t e l" um die Großstädte zu lagen, und durch ihn, durch«ine Steigerung der Technik und durch genossenschaftlichen Zusammenschluß die Städte wirtschaftlich selb- ständig zu machen. Als letzter Redner kam Heinrich V og e le r- Worpswede mit einem Manifest„Arbeitsschule und Menschentum zu Wort. Er fügte ein« Darlegung der Erfahrungen, die er auf seiner kommunistischen Arbeiter-Landsiedlung gemacht hat, an und dürfte hiermit wohl alle ohne Ausnahme gefesselt, wenige ooer memand überzeugt haben. Man fühlte lebendig, wie dieser Mann die Not der Zeit erkannt hat, wie er aber die Wege, die aus ihr herauSfübrcn, ebenso sehr ve r kannt hat. AuS seinem auf die unbedingt« Solidarität gegründeten kommu- nistischen Eiland, in dem'eS keine Schlösser an Türen und Schränken und nicht eimnal verschlossene Briefe gibt, führt keine Brücke in das Neuland der deutschen Schule— außer diesem Gedanken der unbe- dingten Solidarität selber. Die Tagung wird beute fortgesetzt und wird sich nun ein- gehender mit den besonderen Schulproblemen befassen. Tie Auslieferung der deutschen Flotte an die Alliierten wurde INN Sonntagmorgen durch die Ankunft einer Reihe deutscher Schiffe, darunter fünf Kreuzer, im Firth of Förth bcrvoll- ständigt. Der Karlsbaüer Parteitag. Karlsbad, 4. Oktober, f Drahrbericht unseres Sonderkorrekpon- deuten.) Der Bürgermeister D e w i t t e- Karlsbad verlangte>n seiner Begrüßungsrede die Nutzbarmachung der Kurorte für die Arbeiter, was allerdings nur der Sozialismus lönne. Sodann begrüßte ein polnischer Sozialist den Parteitag. Er er- klärte, daß in Oberschlesicn die polnischen Sozialisten ge- meinscnn mit den Deutschen gegen den Nationalismus kämpften. Seine Mitteilung, daß die bereits erwähnte Be. grüßungsdcpesche der Polnischen Sozialistischen Partei von der Richtung D a s z y n s k i komme, wurde mit Pfuirufen aufgc- nommen. In das Präsidium wurden gewählt: Dr. Czech, Paul- Aussig, Hillebrand. Letzterer begründete den bereits gc- meldeten Antrag. Er führte aus, wir wollen alles tun für die Erhaltung der Parteieinheit, aber wir wollen eine sozialdemokratlsch« Partei bleiben. ES würde beschlossen, den Antrag mit dem Punkt„Pro- gramm und Taktik" zu verbinden. Der Parteivorstand hat ein eingehendes AktionS- Programm vorgelegt. Das Wichtigste an diesem Programm ist. daß zur Sicherung einer gemeinsamen Aktion mit dem tschechi- schen Proletariat ein Proletarieikongreß gebildet werden soll. Er soll aus etwa 600 Delegierten bestehen; darunter sind ettva 90 Vertreter der Parteien und Gewerkschaften. Seliger führte in seinem Referat die gegenwärtige Erregung in allen sozialistischen Parteien und oen Zweifel daran, ab die bisherigen Kampfmcihodkn zur Befreiung des Proletariats in seinen jetzt so vergrößerten Leiden auzrekchen, auf den Zustrom neuerMassen zurück, die der sozialistischen Schule entbehren. Die Soldaten sind au? dem Kriege als Revolutionäre zurückgelehrt. Aber es besteht noch ein Unterschied zwischen Revolutionär und Sozialist. Bei der Entstehung des tschechoslowakischen Staates hat die deutsche Sozialdemokratie den tschechischen Geiwssen sofort ein gemein- samcs Vorgehen vorgeschlagen. ES ist leider nicht zustande- gekommen, weil gerade das tschechische Proletariat die aktivste Kraft bei der Bildung des Tschechenstaates gewesen ist. Diesem Umstand« ist es zuzuschreiben, daß die nationale Revolution nicht in eine sozialistische umgebildet werden konnte. Seliger bc- schäftigt sich dann eingehend mit der Forderung der Diktatur des Proletariats und warnt auf das nachdrücklichste vor dieser Propaganda, die nur zu unbedachten Experimenten führen könnt«, für deren Gelingen in der Tschcchoslowackei gegenwärtig alle Voraussetzungen fehlen. Wir schließen die Diktatur nicht grund- sätzlich aus, aber sie kann sich nur auf die Mehrheit und nicht auf eine Minderheit stützen. Vor allen Dingen aber können wir uns in diesem weltgeschichtlichen Augenblick, wo an die Tore dieses Staates die Gefahr der uronarchischen Restauration pocht, kein Vabanqucspiel gestatten.(Stürmischer Beifall.) Der Korreferent Kre ibich- Reichenberg erklärt, daß die eichenberger die Diktatur nicht durch die Horden fordern, daß aber der Sozialismus niemals eine Gewalt ist und die Diktatur durckzuführen sei. Denn wenn die Sozialisten eine Parla- meutsmehrheit gewinnen und darazigehen, den Sozialismus zu verwirklichen, so werden die besitzenden Klassen den Bürger- krieg beginnen. Diese Anschauungen sucht Kreibich in einer großen Dkcnge von Zitaten aus Marx und Engels von 1842 bis 1894 zu stützen. Am Montag früh begann die Debottr, die sich zeitweise äußerst lebhaft gestaltete und mehrfach einen stürmischen verlauf nahm. Gegenüber dem Vorwurf, daß die Part« sich vor den Wagen des Bürgertums gespannt habe, be- wrn Hillebrand, daß alles, tops die Partei erreicht hat, gegen den haßerfüllten Widerstand des Bürgertums errungen worden ist. Vor der Aufrichtung der Diktatur, die ohne die Mehrheit des Proletariats ein Experiment bleibt, Cin neuer Dichter. Von Karl B l a n ck. »ES muß über die ganze Welt ein neuer Glaube kommen... , Wir sind alle krank vor Sehnsucht nach diesem neuen Glauben... Wir sind krank vor Unzufriedenheit und vor Ekel. Der Mensch aber ist gut. Der neue Glaube mutz sein der Glaube an die Güte aller Menschen...* In aller tödlichen Ermattung, inmitten grenzenloser Enttäuschung und Verzweislmig. in Feindschaft. Haß. Mißgunst. Auslösung jeder von alterSher geheiligten Gemeinschaft, schlagen nicht immer wieder die'« reinen Stimmen zart und mächtig an unser Herz. Boten besserer Zukunft, höherer Zusammengehörigkeit? Und ist nicht wirklich irgendwie jenseits von Dogmen und Doktrinen ein neuer Gloube unterwegs, der das uralte Evangelium von der Liebe unter den Menschen, da» verschüttete Traumbild der Humanität, mit junger Kraft erfüllt? Irgendwie ist daS Herz der Menschheil doch von allen Greueln dieser Zeit rein geblieben, nicht uiideiührt, nein, namenlos erschüttert und aufgewühlt von einem unbegrenften und erhabenen Abscheu. Der Mensch ist von der falschen Höhe seiner Selbstanbetung gestürzt und von seinem eigenen Werte zu Boden geschlagen. Aber er erhebt sich neu, um mit seinen emsigen Händen auch die entweihte Erde neu zu erschaffen. Roch tief verstört und verbittert, heben sich die besten Herzen und predigen mit einer unerhörten Beredsamkeit die neue Lehre. Den Namen Georg RooseS, dessen Erzählung.Der G e- zeichnete" soeben im Bücherlese-Verlag in Leipzig erschienen ist, kannten bisher nur ein paar Menschen in Deutschland, die dem Dichter zufällig nähergetreten waren. Roose ist einer jener flämi« jchcir Aktivisten, die aus ihrem Lande vertrieben wurden, weil sie in ihrem Volke und ihrer Heimal die Menschheit liebten, und mit der Fremdherrschast zugleich die herrschende Gesellschaft be- kämpften. Den Militarismus, der sie in sciuein Slurz mitgerissen hat. haben sie gewiß nicht geliebt. Aber sie hängen an diesem selben Deutschland, da» ihnen noch fo viel schuldig geblieben ist, weil sie binter allem seinem gärenden ChaoS doch den gleichen stürmischen Herzschlag fühlen. „Der Gezeichnete"— daS ist gleichsam ein Sinnbild unsere? Geschlecht«, daS durch alle Schrecken de« Todes hindurchgegangen und über da« gewöhnliche Leben zu neuen schrecklichen und erhabenen Gesichten und Erkenntnissen entrückt ist. Und doch ist eS eigeiulich nur eine einfache Bauerngeschichl«. deren Stärke in ihrer engen Begrenzung liegt. Aber über dem schmalen Landstrich, den die Begebenheit erfüllt, öffnet sich ein unendlicher Horizont. Ein Mensch, der vom Tode gezeichnet ist, erwacht erst zu wahrem Lxben, verbreitet um sich die unsterbliche Kraft der Liebe und des Ge>sie?, während sein eigener Leib au» voller Jugend zum Tode eUi. Ta« Mitleid hat ihn aus der Menge aufgeweckt und für sein eiU'.v.Ki Schicksal geweiht. Er hat den Sinn deS Lebens gesehen, t>ai%iii„ruß er sterben. Au! den Augen eines jungen Deutschen, den er in der Schlacht tötete, au? den Augen einer jungen Französin, die der harte Vater mit ihrem Kinde in den Tod jagt, hat er die reine Lehr« von der Güte und der Brüderichaft aller Menschen gelesen, die Klage der Vcrtolgken und Unterdrückten, die zugleich die furchlbarste Anklage gegen die Torheit, die Herrschsucht, Hoffahrt und Anmaßung der AuSerwählten ist. Und doch leuchtet über allen menschlichen verirrungen Verzeihung auf. DaS Werk beginnt mit der Schilderung eine? satanischen Fest- mahlS, bei dem die Aermsten der Armen mit dem Ertrag ihre« harten Frondienstes einen Tag lang in unsinniger Völlerei die .Herren spielen wollen. Ihr schlimmster Uebermul ist verhaltene Empörung, die sich in wilden Erreichen«nllädt. Vor der kalt- blutigen Ueberlegenheir des gewohnten GebielerS aber drückt sich der Aufruhr beiseite, um sich am Schwächeren gefahrlos auszutoben. Inmitten allem wüsten Lärm aber blüht wie ein stilles Lied die Liebe auf zwischen der armen jungen Magd und dem Todgeweihten voll unschuldiger Leidenschaft und süßer Traurigkeit. Es wechseln die Bilder im gedrängten Kreise, in der Schänke und aus dem Markte, auf dem Schlosse und in Dachkammern, auf Wwsen wegen, aus dem entlegenen Bauernhof und im einsamen Walde. Es wechseln strahlender Sommer und srostklarer Winter, seliger Frühling und sturmdurchbrauste Herbstnacht. Und so ist da« Werl selbst voll seliger Heiterkeit und feierlichem Ernst. ES ist einfach wie ein Volkslied und geheimnisvoll wie eine Sage au« Väterzeiten. Ein modernes Märchen, voll Wahrheit und Tiessinn, von zeitlichem Wert und über- zeillichcr Bedeutung, von der lebenSwabre» Derbheit der flämischen Meister, und wieder tüß. rein und fromm wie die frühen nieder- ländischen und rheinischen Madonnen. ES ist lyrisch beschwingt und dramatisch getrieben, in einer schönen, einsachen und klangvollen Sprache gehalten und in wuchtige Szenen gedrängt. DaS Wunderbarste ist aber doch die Einheit und der Reichtum der Empsindungen. die Auflösung der Kontraste in letzte Harmonien, der Aufstieg der verstörten armen Seele aus tiefster Verzweiflung und nächtigen Schrecken, zu wahrer Fassung, froher Gelassenheit und böchner Geistigkeit. Dieser Einzelne und Ausgestoßen«, dieser lebendig Tote wächst durch sein Los zu vollendeter Heiligkeit empor. Erst als er sich von allem gelöst hat, ist er mit allem verwachsen. Statt Feindschaft gegen die Lebenden tritt heiße Liebe und innige» Erbarmen mit ihren Irrtümern mächtig au« ihm hervor. So erlangt er die volle Ernsichl in die letzten Zusammenhänge und in das tiefste Geheimnis aller menschlichen Fehler und Gebrechen. Er lernt da» Recht der Menschenwürde kennen, vre durch den Miß- brauch der Macht zerlreten wird. Er gewinnt den täiigen Glauben, der Wunder wirkt, und kämpft iür da» Recht zu leben, da» alle besitzen, weil sie Menschen find, mit diesen schönen wunderschönen Mensckenaugen... Da» ist da« Geheim»»« der Liebe, um daS nur die Toten wissen, alle die frühen Opfer, und das die Lebenden vergessen haben. Wahrhaslig, dies tst eins von jenen wackeren und frommen Herzen, die wir brauchen. Dies ist cin wahr« und echter Dichlcr. müsse« vssr die Sandmesser und Kleinbauern g-winnen, sonst der- hungern wir nachher. Wie stellen sich die Linken die Tewaff« nung des Proletariats vor?(Erregte Zurufe.) Dr. P o l l a ch- Brünn stimmt mit den Vorrednern darin über» ein, daß die Kernfrage die Einigung der Proletarier aller Nationen der TMcchoslowaief sei. sieht aber vorderhand keine Möglichkeit zu dieser Gwigung. Er tritt Kreibich«argegen, der so» viel Marx-Zttate gebraucht hat-; es würde wohl möglich sein, eine gleich groß« Menge von Marr-Zitaten im entgegengesetzten Sinne aufzubringen. Wir lehnen di« Diktatur keineswegs grund- sätzlich ab, aber wir dürfen«inmöglich aus Rücksicht auf die äugen- blicklich erregte Stimmung fcr Arbeitermasien eine Propaganda treiben, die nach unserer ttzcrrristischen Erkenntnis zu einem traurigen Ergebnis ftiht�n müsse. Wir müssen den Mut haben, auch das auszusprechen, tvsZ dieser Stinnming nicht ent- spricht. Neurath- Reichenberg will �nachweisen, daß di« Tvitte Internationale nicht eine Diktatur iröer die sechs angeschlossenen Parteien aufrichten wolle, e« handle sich nur darum, an di« Stelle der toten Zweiten International« der Absolutionen eine Intel- nationale der Tat zu setzen. E e r m a k- Tcplitz weift u. a. darauf hin, daß die Linke Kautskv und Hilferding zwar zitiere, sie aber.nicht mehr als richtige Sozialisten zelten lasse. Ueber allen Streit geht die unmittelbar« Aktionsfähigkeit der deutschen und tschechischen Proletarier und di« Grundlage dazu ist der Proletarierkongreß. Während der folgenden Ausführungen des linksstehenden Ab- geordneten Warmbrnnn, der das Parlament als einen Zirkus bezeichnet und von der Mitgliedschaft hervorragender Parteigenossen bei bürgerlichen Vereinen spricht, kommt es zu stürmischen Sgenen. Es stellt sich heraus, daß es sich hierbei um einen Leseklub in Teplrtz handelt, von dem Mitglieder Bücher und Zeitungen erhalten. Beutel- Aussig wendet sich gegen Dr. Hahn, der den An- trag Hillebrand als einen Schwindelautrag bezeichnet hatte. Dr. Heller-Teplitz: Wir können nicht unsere ganze Agi- tation nur einstellen auf den Gedanken der Diktatur. Der Kongreß der tschechischen Linken hat die Ziele seiner Ver- anstalter verschleiert, wir wissen also nicht, wo die Mehr» h e i t der tschechischen Arbeiter steht. Paul- Aussig lehnt eS ab, Scheidemann und Tusar zu verurteilen. Man müsse immer prüfen, ob die Verhältnisse nicht zu dieser Politik gezwungen haben. Dr. Stern-Brünn: In der heutigen Demokratie ist das gleiche Recht nur formal, das Bürgertum herrscht. Daraus ist der Wunsch entstanden, unser Programm zu ändern. Die An- Wandung der Gewalt hängt nicht vyn nnS ab, sondern kann unS aufgezwungen werden. DaS Wesen der demokratischen Republik steht dem Sozialismus entgegen. Wir wollen die Radikali» sierüng der Gesinnung und nicht die Verant» wortungSlosigkeit der Tat. Wir wollen keineswegs die Proletarier in Abenteuer hinernhatzen, wir werden nicht morgen oder übermorgen die Diktatur haben, wir werden aber unausgesetzt die Arbeiterschaft aufklären, daß die bürgerliche Demokratie die Diktatur der Bourgeoisie ist. Nach weiteren Reden wird die Fortsetzung der Debatte ans Dienstag früh v o r t a g t. Sächsische Vertretung in Serlm. Dresden, 4. Ottober. Das Arbeitsministcrium hat be» schlössen, in Berlin eine besondere«stelle einzurichten, welche die Vertretung der Interessen der sächsischen Arbeiterschaft und der sächsischen Industrie über- nehmen soll. ES hat mit dieser Aufgabe den früheren Ministerpräsidenten Dr. Gradnauer betraut, der als Ministerialrat demnächst der Sächsischen Gcsandschast in Berlin zugeteilt werden wird. ein Denker und Prophet, ein Träumer und Gestalter. Der Geist seines Werkes allein ist schon letzte Gewähr; auch wenn eS ganz kunstlos wäre, müßte man e» um seiner Gesinnung willen lieben. Aber so, da eS zugleich ein klare« und geschlossenes Kunstwerk ist, bleibt eS erst ganz ein freudig schönes Wunder in dieser verstörten Zeit."_ DeS erste SenntagSkouzert der„Freien Volksbühne" trug den Charakter einer intimen Kammermusik des 17. Jahrhunderl». Rur Bach stand auf dem Programm, aber die Ergriffenheit ver Zuhörer lehrte, daß es mit der Legende von der herben Unverstänslichkeit seiner Instrumentalmusik endgültig vorbei ist. Eine erlesene LuS» wabl von Konzeitcn(Klavier, Flöte) und die bekannteste Suite in D-dur für Streicher, Oboe, Tromvete und Pauke erleichtert« da» Verstehen. Edwin Fischer und«in Kammerorchester der EtaatSope? waren die Ausübenden. Hervorragend, wie Fischer da« Konzern O moll meisten, wie er Sturm. Lcidenschait, Ruhe und Soniw au» den Takten nackiballen läßt und zu gleicher Zeit mit einer lebendig hochgeschwungenen linken Hand, mit dem Wurf der Mäbne und einem Kopsnicken das Orchestecchcn hirigiert. Weniger vollendet klang die Suite. Zaghaste Ansänge, allmähliches Einleben in ein Tempo, Uneinigkeit in der Ausführung der Voi schlüge wiesen auf probenloies Ab stielen. Der langsame Satz, die bekannte Geigen- Air gefiel beionderS, aber sie ist in der Bearbeitung für die tiefe Lage des Streichinstruments doch klanghasrer, gewalliger, gesühls- stärker. ß. s. Kandinsky in Moskau. Kandiniky, der früher in München lebende russische Maler, der Führer der absirakten ivkalerei. ist jetzt Volsteber einer Sektion im Sowjetkommisiariat für Volidbildung der MuieumZleiiung. � Da hat ihn Wilhelm Herwg, wie er in seinem russischen Tagebuch im„Forum" erzäblt, in Moskau besucht. Er klagte sehr über die Not des Lebens. Sein Gebalt.betrage monatlich 4800 Rubel. Davon könne man nicht leben. ES reiche eiwa sür 2 bis 3 Tage. Seine Schüler hätten vorigen Winter buchstäb- lich gehungert und gefroren. Auch jetzt fei das Leben, obwohl ein wenig besser geworden, noch sehr schwer. Verkauf von Kleidung«» stücken helfe über da« Schlimmste hinweg, sei jedoch streng verboten und werde bestraft. Für ein Bild bekommt er 20 000 Rubel. Da» ist angesichls der Lebensmittelpreise— ein Bkund Bröl M0 Rubel, 1 Pfund Salz 1300 Rubel, 1 Pfund Kartoffeln 200 Rubel— so gut wie nicht».__ Theater. Fm Groben Tchanfplelbiufe findet Eonnabend anßerbalh des Abonnement««ine einmalige Anssahrung de».König Oedlpn»' siatt. Gin neues Tauztpiel. Eine der nSchäen Reubeiten d«4»rohen SchauIvieihauieS wird Georg K a i> e r s beteils im Jahre 1915 ooZendet« Dichtung.Europa" fein. Karl Heinz Martin ist der Negiffeur dieses neue Perspektiven eröffnenden TonzlpielS. Tie Ausstellung„TaS deutsche Buch« wurde in Frankfurt a. M. gleichzeilig mit ver Fuintsurter Herbstmesse am Sonntag eröffnet, Sie ist von der Deutschen»esellichait für AuSlandSbuchhandet veranstallet und fall für das deutsche Buch über die Grenze bin werben, Ueber der Gruppie» rung nach Verlegern tst die Zusammei-fassung nach den Bedürfnissen der Bücherläuier verfuckt worden fBibliotfei eines Ingenieurs Die AuSgeftaUung der Bibliotheträmne hat den Archiletlen gute Gelegenheiten geboten. Nr. 492 ♦ 37. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Dienstag, S. Oktober 1920 Grofr&erün Buf falschem Wege! In der Versammlung der Groß-Berllner Partei ninktionäre sm letzte« Freitag haken die Genaffen Heilmann und L c i n e r t sich gegen die von der sozialdemokratischem Stadtverordnetenfraktion Berlins befolgte Taktik bei der Wahl des Magistrats gewendet und gemeint, daß die Haltung der Berliner Genossen die s ch w e r st e n Folgen für die Partei im Lande haben könnten.\ Beide Redner machten der Berliner Fraktion zum Vorwurf, daß sie den Boden der Demokratie verlassen und gemeinsam mit den Unabhängigen den bürgerlichen Parteien gegenüber d i k t a- t o r i s ch gehandelt bätte.„Entweder," so betonte Genosse Heil- mann,„ssnd wir Demokraten oder wir find Terroristen." Beide Redner konnten zu dieser Schlußfolgerung nur kommen, weil sie die größte städtische Verwaltung Deutschlands außer jedem Vergleich stellten mit irgendeiner Regierung. Die Regierung der Länder und des Reichs müsse, so betont!« sie, jederzeit zurücktreten, tveun die Mehrheit deS Parlaments dies verlang«, der Magistrat werde jedoch aus 12 Jahre gewählt, und es bestehe für die alle 4 Jahre neugewählten Stadtverordneten, auch wenn später die Stadtverordnetenversammlung eine ganz andere Zusammensetzmig ausweise, kein« Möglichkeit, vor Ablauf der Wahlzeit den Magistrat zu verändern. Der letztere Einwand ist zweifellos sehr beachtlich, er wurde mit dem gleichen Nachdruck auch von den Bürgerlichen gegenüber der sozialistischen Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ins Tressen geführt. � Letztere hat indesien erwidert, daß sie für die lange Wahldauer nicht verantwortlich zu.machen sei, sondern die veraltete Städte- ördming; sie abzuändern wäre längst Pflicht der durch das Drei- klassenwahlrccht bevorrechteten bürgerliche« Schichten gewesen. Der Einwand konnte unsere Fraktion nicht abhalten, an der Forderung des besoldeten Elements festzuhalten, weil das Amt eines Stadt- rat? in Zukunft den ganzen Menschen in Anspruch nimmt. Tie Arbeiterklasse verfügt nicht immer über genügende Kräfte, deren sozial? Lage es gestattet, sich restlos in den Dienst der kommunalen Verwaltung zu stellen, es bedeutet daher das unbesoldete Element lediglich eine Begünstigung der bürgerlichen Parteien. Ernsterer Beurteilung verdient der gegen die sozialdemokratische Stodtvcrordnetönfraktion erhobene Einwand, daß sio durch ihre Politik mit den Unabhängigen die Gesamtpartei in eine Verhängnis- volle Lage bringen könne. Wenn dies zuträfe, so bestände für unsere Berliner Genossen allerdings die dringendste Pflicht zur S e l b st e i n k e h r. Mir will jedoch scheinen, daß die Argumente unserer Kritiker und ihre Besorgnis um daS Wohl der Partei der tiestren Bercckiti- gung entbehren. Genosse Heilmann betonte— und Genosse Leinert scbloß sich ihm an—, daß die Bürgerlichen in den SO 000 Gemeinden, in denen sie noch die Mehrheit hätten, Revanckie üben und die Sozialdemokratie in den Magiftraien und Gemeindcvorsländen unberücksichtigt lassen könnten. Das klingt beinahe so. als ob die bürgerliche Klasse die Sozialdemokratie in den Gcmeindever- waltnngen nur duldet und auf ihre Mithilfe garnicht angewiesen sei. Diese Auffassung können die Genossen Heilmann und Leinert nicht haben. Wenn aber nicht geleugnet werden kann, daß unsere Gegner die Mitarbeit der Sozialdemokratie als der Partei der werktätigen Schichten in den Kommunen dringend benötigt, so verliert der von den beiden Genossen gegen die Berliner Taktik erhobene Einwand von vornherein seine Kraft. Er kann aber auch gegen die Berliner Genossen nicht in der von den Rednern angewendeten Schärfe erhoben werden, weil kein Mitglied der Stadtverordneten» fraktion da« bürgerliche Element aus dem Magistrat ausschalten will. Nach der bürgerlichen Parteigruppierung in der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen ein so starkes Nebergewicht, daß unsere Fraktion von vornherein vor eine schwierige Lösung gestellt wurde. Ge- »rosse Heilmann anerkannte am 13. September in der von ihm her- ausgegebenen„Sozialistischen Korrespondenz" die Schwierigkeit der Lage, indem er belonr: „Man muß ohne weitere? zugeben, daß die Lage der sozial- demokratischen Stadtverordneteniraktion in Groß-Berlin schwierig u'n d die Entscheidung zweifelhaft sein konnte. Wir hätten es selbst vorgezogen, unter Vorbehalt und Verwah- rungen für einen rein unabhängigen Verwal- tungSavparat z u stimmen, als die direkte Mitverant- wortnng für das Schicksal einer Verwaltuna zu übernehmen, die bei dem überragenden Einfluß der Unabhängigen nach unserer festen Ueberzeugung zu nichts Gutem führen kann. Wir hätten es vorgezogen, daß die Sozialdemokratie sich aus den Standpunkt gestellt hätte, der Magistrat sei kerne Po Ii- tische Körperschaft, sondern eine Verwaltungsbehörde. Hätte man danach die Personen ausgewählt und hätre die U. S. P dann ihre Mitarbeit verweigert, so bätte man das in Kauf nebmen müssen. Aber wir erkennen gern an, daß auch für die Haltung unserer Genossen in der Stadtverordnetenfraktion gute Gründe sprechen." Diese Auslassung enthält zum Teil die Anerkennung der verwickelten Lage, in der sich die sozialdemokratische Fraktion be- fand. Insofern sie der Meinung Raum gibt, daß der Einfluß der Unabbängigen die Fraktion in eine unangenehme Situation bringen könne, haben wir eine andere Auffassung. Unter den nnab- hängigen Kandidaten befinden sich solche, die durch ihre kommunal- politischen Erfahrungen von vornherein die Gewähr für ein gedeih- liches Zusammenarbeiten bieten. Für völlig iprig halten wir die Anffasiung, wonach der Magistrat eine unpolitische Körperschaft sei; sie dürfte nur von wenigen geteilt werden. Gerade weil die sozialdemokratische Fraktion der Ueberzeugung war, daß von der Zusammensetzung dieser wichtigen Verwaltungskörperschaft in diesem großen Gemeinde- Wesen alles abhängt, hielt sie es für unbedingt notwendig, ihm ein überragend sozialistisches Gepräge zu verleihen. Geradezu un» verantwortlich wäre es gewesen, wenn sie die Unabhängigen er- neut in die Rolle des fruchtlosen Kritikers versetzt und den reak- tionären Parteren durch eine solche Polirik zur Macht verholfen hätte. Wohl ist es wahr, daß bei dieser Magistratswahl gerade in- folge der Notwendigkeit des ZusamAienarbeitcns mit den Unab- hängigen die Demokratie nicht so gewahrt wurde, wie wir sie im kommunalpolitischen Leben bisher anzuwenden gewöhnt sind. Gleichwohl liegt kein Anlaß vor, die sozialdemokratische Fraltron des Terrors zu beschuldigen. Sie hat als eine mit den Unabhän« gigen in der Stadtverordnetenversammlung bildende Mehrheit nach demokratischem Recht einen Magistrat gewählt, wie sie ihn im Jntercsie der sozialistischen Entwicklung für erforderlich hielt. Ein dem Stärkeverhältnis der Deutschen Volkspartei und den Deutschnationalen entsprechend durchsetzter Magistrat hätte— darüber sollte auch bei den Genosien Heilmann und Leinert kein Zweifel bestehen— das Leben der neuen Gemeinde vor, vornherein in der ernstesten Weise bedroht. Die Verschiedenheit der politischen Interessen, die gerade bei der Auswahl der Kandidaten nackt zu« tage traten, sowie der iniernalrsche Haß, mit dem der zum Ober« stadtschulrat auseriehene Sozialist L o e w e n st e in verfolgt wird, kennzeichnen mit aller Deutlichkeit die großen Gegensätze. Hatte sich die Mehrheit der Groß-Berliner Wählerschaft am 20. Juni für den Sozialismus entschieden, so war es sozialistische Pflicht, bei der Magistratsbildung die sich ergebenden Folgerungen zu ziehen. Die sozialdemokratische Fraktion konnte unmöglich den Partner, mit dem sie die Gemeinsamkeit der Klasse ver- band, geringer einschätzen als die ausgesprochensten Feinde des Sozialismus. Mit viel größerem Recht als ihre heutigen Kritiker könnte die Berliner Arbeiterschaft Anklage gegen die sozialdemokratische Fraktion erheben, wenn sie unter Vorbehalt und Verwahrungen im Sinne des Genossen Heilmann den Bürgerlichen die Besetzung des Magistrats ermöglicht und die Sache de? Sozialismus außer acht gelösten hätte._ Hauptmann von Köpenick Nr. 2. Tie Abenteuer eines Hochstaplers. Ein Abenteurer in Offiziersuniform, der ähnlich wie der Hauptmann von Köpenick es fertig gebracht hatte, eine ganze Stadt in Aufregung zu versetzen, wurde gestern in der Person des Artisten Richard Donncrhack der 7. Strafkammer des Land- gevichts I vorgeführt, um sich wegen Betruges im strafschärfenden Rückfalle, schweren Diebstahls, Urkundenfälschung und einer Reihe anderer Delikte zu verantworten. Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte trieb sich in Ossi- ziersunisorm in den verschiedensten Orten Deutschlands umher und verstand es. durch allerlei phantastische Erzählungen über seine Kriegsgefangenschaft in Indien sich an verschiedene Personen heranzudrängen, die er gehörig rupfte, um dann den Schauplatz seiner Tätigkeit in eine andere Stadt zu verlegen. Vielfach trat er auch unter dem Namen seines Bruders Hans auß der tatsächlich Offizier- gewesen, aber im Kriege gefallen war. Nach- dem er in Göttingen und Kassel allerlei Betrügereien verübt hatte. tauchte der Angeklagte eines Tages in Dortmund auf, wo er einen besonders starken Streich verübte. Er erzählte dem Inhaber des Hotels, in dem er abgestiegen war, in höchst geheimnisvoller Weise, daß er als Geheimagent der deutschen Regie- r u n g nack Dortmund gekommen sei und den Auftrag habe, dafür zu sorgen, daß sämtliche Männer Dortmunds im Alter von 18 bis 35 Jahren sofort in das Innere Deutschlands abtransportiert würden, da in wenigen Tagen die Entente Dortmund besetzen werde. Der Wirt beeilte iich natürlich, dem„Herrn Regierungs- Vertreter" allerlei Vergünstigungen zuzuwenden. Inzwischen hatte sich das Gerücht von der beborstehendep Besetzung Dortmunds wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt verbreitet und war anef» ichließlich der dortigen Militärbehörde zu Ohren gc- kommen. Diese sah sich den Herrn Geheimagenten näher an und ordnete sein« vorläufige Jnternierung in einem im vierten Stock- werk des Hotels gelegenen Zimmer an. Schon am nächsten Tage knüpfte der Angeklagte sämtliche erreichbaren Bettlaken zusammen und ließ sich aus dem Fen st er herab. Seine Flucht wurde bemerkt und ein Soldat schnitt kurzerhand das Laken durch, als sich der Flüchtling in Höhe des zweiten Stockwerts befand. Der Angeklagte brach sich ein Bein und den rechten Arm und kam ins Lazaretb Hier belustigte er, nachdem er wieder gehen konnte, die Insassen durch Z a üb« r st u n st st ü ck e und veranstaltete eines Abends eine große„Z a u b e r- S o i r e e", bei der er sich bereit erklärte, die Taschenuhren sämtlicher Anwesenden in lebende Kanarienvögel zu verwandeln. Er ging mit den Uhren in ein Nebenzimmer, die Vögel kamen nickit, der Angeklagte und die Uhren auch nicht. Der Vogel war selbst aus- geflogen.— In Münster passierte dem Angeklagten das Miß- geschick, mit dem russischen Kommunistensührer Lenin verwechselt zu werden. Er ergriff nach einer heftigen Sckneßerei die Flucht unti kam nach Berlin, wo er sich nach einem kleinen Einbruch in ein Geschäft als Heiratsschwindler etablierte. Er knüpfte verschiedentlich zarte Beziehungen an, welche dann stets damit endeten, daß der Herr Leutnant„im Staatsinteresse" eine wichtige Reise unternehmen mußte, zu der ihm das Geld fehlte. Dieses wurde ihm bereitwilligst zur Verfügung gestellt und die Betreffenden hatten dann das Nachsehen. Zu der gestrigen Verhandlung war von Rechtsanwalt Krieger der Oberarzt Dr. M e n d e geladen worden, der den Angeklagten als geistig stark minderwertig bezeichnete. Lediglich mit Rücksicht hieraus billigte das Gericht dem Angeklagten mildernde Umstände zu und erkannte auf 3 Jahre Gefängnis. Schwankende Lebensmittelpreise. �ie Fleisch- und Kartoffelpreise zeigten Montag eine unbeschreibliche Buntscbeckigkeit. S-bweinesleisch war zum Beispiel zu jedem Preise zu haben. Hier verlangte ein Schlächter in der Lindenhalle 19 M. und dort ein anderer sogar 20 und 22 M. Für Schweinebauch bezahlte man in Neukölln 10 bis 13 M. und in Charlottenburg 19—20 M. Für Eisbeine mußte man 18 M.. für Kotteletts aber nur 10 M. pro Pfund zahlen. Schinken kostete 30—32 M.. Wurst 20—30 M. Rindfleisch war mit 14—13 M. angeboten. Knocken sollten 2 bis 6M. pro Pfund kosten. Hammel- und Kalbfleisck variierte zwischen 12 und 18 M.. Gänsefleisch zwischen 14 und 10 W. * Die Preisprüfungsstelle hat sich»n ihrer letzten Scyuna mir den Zuschlägen des Kartosselhandels befaßt. Unier Berücksichtigung des zurzeit an die Erzeuger gezahlten hohen Preiie? von 25 bis 30 Mark den Zentner ist zurzeit ein Großhandelsoui- schlag von insgesamt etwa 0 Mark angemessen, der sich wie solgl zusammensetzt: Provision deS Aufkäuierö 1.— Mark, durchschnitt- lich 3 Proz. Sckwund 0.75 Mark, Fracht, die im Durchschniit mir 1.50 Marl anzusetzen ist. Ausschlag deS Großhandels zur Abgeltung aller reiner Unkosten einschließlich Zusslbr der Kartoffeln zum Laden deö Kleinhändlers und Reingewinn 2,28 Mark, Umsatzsiener zirka« 0.45 Mark. Auf seinen aus der Rechnung ersichtlichen Großhandelspreis kann der Kleinhändler 3'/,, P f g. je Pfund a n f s ch l a g e n. Irr seinem eigenen Jnreresse wird der Kleinhändler daraus bin, e- wiesen, daß er keine Ware ohne Rechnung kaufen dari. Das Lichk der Heimat. 30] von August yiarichs. Tierk fiiblte dunkel, daß sie herunterzog, was ihm heilig war, aber er widersprach ihr nicht. Er iah, wie ihre Schultern leise zuckten, wenn sie lachte, und er lächelte sie an, wenn sie sich schwer in seinen Arm ding, den Oberkörper weit vorbog und ihm halb von unten herauf ins Gesicht sah. Wie sie lachen konnte! Plötzlich waren sie schon in der. Stadt und die Mädchen nahmen Abschied. Als er mit Fied allein seinem Haus zuschritt. meinte der:„Was für alberne Gänse das geworden sind." Tierk suchte Mit träumenden Augen den Sternenhimmel doch über dem Lichtkreis der Stadt.„Es war schön, sehr schön heute Abend", sagte er. * Nie war der Frühling mit solcheni Brausen gekommen wie in diesem Jahr. Der Sturm schleuderte die Wolkcnfetzen über die Mene, rüttelte an den Mauern der Städte, brach in die Wälder und erfüllte die ganze Luft mit seinem machtvollen Brausen und Klingen. Tierk lag nachts wach und hörte das tiefe Tönen, den Atemzug des lachenden Riesen, in unbändiger Kraft um die Mauern toben. Alles, was alt und morsch war, wurde fortgeblasen und zerichniettcrt, um Platz zu schaffen für das neue, saftstrotzende Grün. Auch in Tierks Herzen tobte ein Sturm, der ihn keine Ruhe finden ließ. Alles, was er bisher dachte und empfand. jagte in tollem Wirbel durcheinander, und dazwischen strahlten ein Paar graue Augen mit langen Wimpern, tanzte krauses Gelock über einem weissen Hals. Im letzten halben Jahr seiner Lehrzeit hatte er an den Versammliingen der Gesellen teilnehmen dürfen. Ta war ihm e»ne neue Welt aufgegangen. Er hörte Reden, in denen die sozialen Verhältnisse belench- tet wurden, er lernte nachdenken auch über sein eigenes Leben. Und alles, was ihm da voraetragen wurde, empfand leine sehn- süchtige Seele als herlige Wabrheit. Gehörte er nicht auch zu den Entrechteten, zu den Enterbten des Glückes? Dunkel und unklar nur begriff sein unerfahrener Sinn das Leben, desto ungestümer empfand er alles, was ihn ungerecht dünkte. Mit den» ganzen Feuer seiner Jugend wollte er kämpfen, leiden und dulden für die Unterdrückten. In den ersten sonnigen Märztagen überfiel ihn dann seine alte Sehnsucht nach dem Lande seiner Kindheit stärker als je. Unruhig und zerstreut lief er henrn� glaubte sich elend und verlasscu und verbarg nur mit Müh? seine Not bor den scharfen Augen der Mutter. Alles, alles sollte sich lösen, wenn er ein- mal frei war, wenn er Geld verdiente. Und jetzt war es.so weit, aber jetzt taumelte er haltlos umher in einem Wust von leidenschaftlichen Empfindungen. Immer klarer und immer bestimmter trat das Bild des lachen- den Mädchens dazwischen. Er kämpfte dagegen an, wollte sich mit Gewalt in seine Ueberzengungen hineinrctten, aber dann lief er doch stundenlang herum, nur um Hanna zn sehen. Fied war nach Hamburg abgereist, er vermißte ihn nicht. Er war selig, als Hanna ihm erlaubt hatte, sie eines Sonntags zu begleiten. In zitternder Glückseligkeit war er neben ihr durch den Wald gegangen und batte ihrem unermüdlichen Ge- plauder gelauscht. Er wußte, daß er hölzern, steif und ungelenk gewesen war, er hatte nichts Vernünftiges sagen können. Aber er hatte sich berauscht an ihrem Lachen. Im Dunkeln war er mit ibr heimgegangen und hatte ihre Hand heimlich gestreichelt, die sie ihm willig genug ließ. Als er Abschied nahm, wortlos, nur voll heißen Gefühls ihre Hände drückend, hatte es spöttisch um ihren Mund gezuckt. Jetzt wartete er ans sie, wenn sie abends vom Geschäft kam, aber sie ging einen andern Weg, und er wartete vergebens. Wich sie ihm aus? Er zitterte, wenn er daran dachte. Aber dann begegnete er ihr eines Tages ganz unvermutet und wich nicht von ihrer Seite, bis sie in ein Geschäft trat. Glück- lich gina er heim, am Sonntag würden sie sich wieder treffen. Und dann saßen sie am Sonntag zusammen in einem Tanzsaal. Er versuchte zu tanzen, aber es ging nicht, und nun mußte er zuseben. wie sie von einem Arm in den andern flog. Nur in den Pansen saß sie neben ihm und lächelte ihn an. Er litt Qualen, wenn sie mit einem Tänzer sprach. Aber er wich nicht vom Platz und wartete auf den Abend; er freute sich auf den Heimwegs. Es wurde spat und der Saal leerte sich allmählich, ab?'' Hanna wollte immer noch nicht nach Kails. Er wcirtete, bis die letzten Paare aufbrachen. Da schickte sie ihn unter einem Vorwand hinaus, daß er draußen auf sie warte. Im Dunkeln stand er. klopfenden Herzens, und zitterte vor Glück. Die letzten Paare waren an ihm vorbeigegangen, sie kam noch immer nicht. Zögerte sie, um mit ihm allein zu bleiben? Sein Herz klopfte vor Erwartung Aber nun löschte man das Licht im Saal, und sie kam immer noch nickst. Da wurde er unruhig, lief ums Haus und suchte sie. Er fano nur einen Anshelfer, den er zufällig kannte, und erfuhr, daß sie längff mit einem andern zusammen fortgegangen war; sie hatten einen andern Ausgang benutzt. Da wußte er, daß sie ihn be- trogen hatte und taumelte, wie vor den Kopf geschlagen, inS Dunkle zurück. Erst als er zu Haus die Treppe hinalifstieg, konnte er wieder denken. Es war sehr spät, aber die Mutter hatte noch Licht und stand am Tisch zn bügeln. Er trat ein und lehnte sich gegen die Tür, bleich und über- nächtig. Aus der anstoßenden Kammer hörte man die schweren. unregelmäßigen Atemzüge des Vaters. Die Mutter sah ihn an. gnälende Sorge im Gesicht, und er las ihr die heimliche Angst aus den Augen, daß auch er schon verkommen könnte. Er raffte sich auf, sah bitter nach der Kammer und sagte: „Nein, Mutter— das nickt" Aber im selben Augenblick begriff er. daß einem Menschen jedes Mittel recht werden konnte, die bohrenden Gedanken zu verscheuchen. Er wandte das Gesicht, er konnte die Augen der Mutter nicht ertragen. „Tierk!" sie faßte seine Hand und zog ihn zu sich an den Tisch. Ta warf er sich auf einen Stuhl:„Mutter— ich bin so unglücklich!" Ihre Hand lag auf seinem Haar, er fühlte ihre stumme Liebe und Sorge wohlig über sich hinströmen, und als sie feinen Kopf an ihre Brust zog, folgte er willig. Und dann beichtete er, nur schamhaft andeutend, und sie hörte ibm still zu. Als er endlich hochsah. lächelte sie ihn an. „Mutter," sagte er gekränkt, aber sie lächelte weiter;„es ist gut so, Dierk, du sollst dich noch nicht binden, du sollst die Welt erst kennen lernen." Noch einmal wallte er auf, aber bann wurde sein Schmerz ruhiger. lFortf. folgt.) MMsneudiebstahl in einem Berliner Hotel. Ein Hoteldiebstahl, bei dem dem Diebe Werle im Betrage von fast einer Million»i die Hände sielen, wurde am Sonntag abend m einem der ersten Hotels am Potsdamer Platz verübt, wo die isilmschouspielerin N e g r i Wohnung genommen hatte. Am Sonn» tag abend verlieh die Schauspielerin ihre Hotelwohnung und be- suchte eine Theatervorstellung. Als sie zurückkehrte, fand sie ihr Zimmer geöffnet und beraubt vor. Ein Dieb hatte die Tür in der Zwischenzeit mit einem Nachschlüssel geöffnet und üuS dem Zimmer die Schmucksachen der Schauspielerin und ihre Pelze gestohlen. Der Gesamtwert der gestohlenen Schmucksachen und Pelze beträgt nahezu eine Million Marl. Unter den Schmucksachen befinden sich mehrere ausfallende Stücke. Eine Perlenkette. bestehend aus 08 gelblichen Perlen, die nach der Milte zu stärker werden. Das Schloh bat eine längliche(>orm und H mit Perlen besetzt, die von Brillanten umgeben sind. Eim Damenring, Platinreif. mit blau- weihem Brillanten von 8 Karat. Eine Brosche, Plague, mittelgroß, mit blauem Stein, der ringsherum mit Brillanten umgeben ist. Auf die Wiederherbeischaffung der gestohlenen Gegenstände ist eine Belohnung von 7öv00 Mark ausgesetzt, bei teilweiser Her- beischaffung ein prozentualer Anteil dieser Summe. Nachrichten, die zur Auiklärung dieses geheimnisvollen Diebstahls lühren können. nimmt Kriminalkommissar Gennat entgcgen. Ausfällig ist es. daß der Täter beim Berlasien des Hotels nickt gesehen worden ist. Er muß, da er die umsaugreichen Pclzi'achen mitgenommen bat. ein großes Paket getragen haben. Möglich ist es allerding» auch, daß er diese in mitgebrachte Koffer verpackt hat. » Em Goldplatinkessel im Werte von zwei Millionen Mark wurde seinerzeit in der Chemischen Fabrik in W o k l u m in Westfalen von sechs maskierten Räubern gestohlen, die den Wächter überfallen und geknebelt hatten. Der Millionendiebstahl wurde auch der Berliner Kriminalpolizei gemeldet und diele fand bald bestimmte LnhallSpunkte dafür, daß bei dem großen Diebstahl B e r l i n er Verbrecher ihre Hand im Spiele hatten. Kleinere Stücke de» Edelmetalls gelangten auch hier zum Berkauf und wurden bcichlag- nahmt. Bezirksoberwachlmeister Ouooß, der sich mit der Aufklärung dieses großen Diebstahl« beschäftigte, folgte einer Spur, die nach Westfalen führte. Er fuhr selbst dorthin und seine Ermittelungen haben jetzt auch zum Ziele geführt. Wie von dort berichtet wird, ist es ihm gelungen, den aufsehenerregenden Millionenraub restlos aufzuklären._ Chrrstenerziehullg mit Ohrfeigen und Stockhieben. Zu der mit dieser UeSerschrift in Nr. 485 veröffentlichten Mit- teilung aus der Berliner 16. Gemeinde schule(Mohren- st ratze) schickt uns Rektor M a j e w s k i einen offenbar in Auf- regung geschriebenen Brief. Aus dem sachlichen Inhalt sei folgen- da» wiedergegeben: Es ist unwahr, datz ich einem Schüler der t. Klaffe eine Ohrfeige gab niii den Worten: Was, e-? gibt keinen Gott?!" Wahr ist, datz dt'r Knabe auf meine Vorhaltungen, er möge seine religionsfeindlichen Reden in der Klasse unterlassen, drohend die Hand gegen mich erhob und sagte:..Das sage ich meinem Vater; der wird'S Ihnen schon besorgen." Darauf be- kam der Junge von mir eine leichte Ohrfeige und wurde beauf- tragt, keinen Vater zur Rücksprache zu bestellen. Diesen Vorfall habe ich natürlich in verschiedenen Klaffen und auch in der Elternversaiümlung der l6. Gemcindeschulc zur Sprache gcbr«cht und dabei gesagt, daß der Knabe für sein unverschämtes Ver- balten mir gegenüber eigentlich von der Lcbrerkansercnz hätte bestraft werden müssen. Selbstverständlich habe ich die anderen Kinder gewarnt, sich mn dem Jungen in Gespräche über Religion einzulassen. Herr Majewski spricht von„schweren Beleidigungen" und droht mit istrafanlrag gegen uns. Er sieht also Beleidigung schon in dem Vorwurf, einem Schüler wegen einer absätligen Bemerkung über die Religion eine Ohrfeige ge- geben und ihm für den Wiederholungsfall eine aus Beschlutz des Lehrerkollogiums durch den Schuldiener ausiu- rührende Verprügclung versprochen zu hoben. Eine solöhc EmvfiitMichkcii in einer Zell, wo die Schule leider noch das Prmtelrecht hat, muß jeden Könner unserer Schulzuftände über- raschen. Ach, wenn doch die gesamte Lehrerschaft ihren Erzieher- beruf so ausfaßte, daß si« es ablehnte, überhaupt zu prügeln! Aber so weit ist selbst Herr Masewsti noch nicht. lieber sein Verfahren, den Vorfall in anderen Klassen zu er- zählen und andere Kinder vor ReligionSgcsprächcn mit diesem Junge« zu warnen, enthalten wir uns eines Urteil». Hierüber wird vieXteicht d'.e Schuld cputation, die er gegen uns anrufen will, ihm iljre Meinung sagen. , Ein Wort noch über den erst neun Jahre alten Jungen, dem vorgeworfen wird, gegen seinen Rektor in Gegenwart dreier Lehrer drohend die Hand erhoben zu haben. Die nach jenem Borfall rbm überreichte Michaeliszensur urteilt über ihn:„Betragen gut. Auf. merksamkeit gut. Häuslicher Fleiß gut." Auffällige BiehtranSporte. Bon einom Eisenbahnbeamte» de» Potsdamer Güterbahnhofs wird un» mitgeteilt, datz seit ungefähr vier Wochen täglich zwei Güterzüge von insgesamt 50 bis 80 Waggon» mit Rind- vieh au» Ostpreußen den Bahnhof passieren und abgefertigt wer- den. Die Waggons sind meist nach ganz kleinen westrbeinischen Stationen deklariert. Einige auch nach Süddeutschland, z. B. Mann- beim. Es ist auffallend, datz gerade diese kleinen Stationen wie Wallender. Sinzig und Erbenheim soviel Vieh geliefert bekommen. Die Beamten nehmen an, datz das Vieh nach dem Ausland verschoben wird. Tie Waggon» sind zum Teil mit der Aufschrift„Zuchivieb" deklariert, um Transportermätzigung zu erzielen. Da auf diese Weise ungefähr täglich 1000 Stück Vieh von Ostpreußen nach West- deutschland gelangen, wäre es notwendig, datz von matzgebender Seite eine Aufklärung erfolgt. Der Beamten des Potsdamer Güterbahnhofs hat sich ob dieser ViehtranSpori« eine große Er- regung bemächtigt. Druckfehlerberichtiguiigen. lieber die weltliche Schule bat Dr. Löwen st«in in seinem Bortrag gesagt, der Massen» wille werde die Weltlichkeil der Sckuie erzwingen(nicht: der .Menschenwille"— wie ihn ein Druckfehler in unserem Bericht sagen ließ). Bei dem DemonstrationSzug wagte ein Trupp von Gegnern keine Störung(nicht:.eine kleine Störung"). Streik der ErwerbSlofenräte. Der Arbeiterrat der Arbeit»- losen teilt mit, daß die Räume deS LrbeitSlosenrate», Berlin. Klosterstr. 82, schon seit einigen Tagen geschlossen sind und auch fernerhin geschloffen bleiben, da die ErwerbSlosenräre ihre Tätigkeit auf Grund der letzten Vorgänge singe'« l l t baben. Di« AuSkunftsuchenden werden auf da»'AuKtunftSbureau der Erwerbslosenfürsorge. Brettestr. 86 l, verwiesen.— Heute, mittag» 1 Uhr findet eine Vollversammlung der Groß- Berliner ArüeitSlosenräte Klvsterstr. 82 II, statt. Di« Bollmilchkarten für November 1020 werben in den zum Milchamt Berlin gehörenden Gemeinden in den nächsten Tagen ausgegeben und zwar in Berlin für die Kinder im 1. und 2. Lebens» fahre am Freilag, den 8. und Sonnabend, den 0. Oktober, für die Kinder im 3. und 4. 2eben»jahre am Montag, den II. und Dienstag, den 12. Oktober, für die Kinder im 5. und 6. Lebensjahre am Mittwoch, den 13. und Donnerstag, den 14. Oktober 1820. Jedoch lind den Haushaltungen, denen Karten für verschiedene Alter»- stufen z«ff«h«n. sämtliche Milchkarlen an einem Tage auszu- bändigen. Die Jnhaeer von Boslmilckkartcn haben die November- Karicu vis zum 19. Oktober 1920 einschließlich den Kleinhändlern vorzulegen. Vlneu vergnügte« Abend berstfete am Sonntag ein Gaffffziel de» Magdeburger Sladttheater» den Mitgliedern de» Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer nebst Angehörigen durch Aufführung des Lustspiels.Die sponitche Fliege" in der.Neuen Welt". Im Mittelpunkt de« Spiels stand Felix Scheuer, den »leisten Berlinern noch wohlbekannt als Mitbegründer des Berliner UlklrioS. AIS Mostrichfabrikant Klinke hatte er reichlich Gelegen- heil, seinen unvet wüstlichen Humor sprudeln zu lasten. Durch „Sens" gewürzt, cntfesselie sein Spiel immer neue Lachsalven. Auch die anderen Darsteller gaben ihr Bestes. Nicht endenwollender Bei- fall bewies am Schlüsse der Aufführung die Dankbarkeit des Publikum». Ter.Berliner Arbeiter-Schachklub� steht aus dem Boden der Modernen Arbeiierbeweguna. Er ist bestrebt, seine Mitglieder und Käste durch praktischen und theoretischen Unterricht in das Vesen deS Schachspiel» eindringen zu losten. Ter Klub veranstaltet je nach Bedarf UritmichtS- und Lehrknrle. Es finden Welttämpse im Partienspiel statt. gleichfalls Komponieren von Schachansgaben, Problemen und deren Lölungen. Für Mitglieder wird allmonatlich die.DeiUlche Arbeiter- Schachzeituiig* geliefert. Augenblicklich ist ein lehr interessanter Kamps um die Meisterschast de« Klub» im Gange. Richimilglieder, welch« gewillt find, an einem GästeUirnier teilzuiiebmen, können sich bi« zum 24. 10. im Lokal bei Praster, Michaelkirchstr. 20a., jeden Sonntag vormittag melden. Tort findet auch jeden Sonntag von 9--1 vorm. der freie Schachvertehr statt, wozu jedermann freien Zutritt bot. Arbeilerschachivieler Bcrlln» und der Vororte, an iruch ergeht der Rns: Herau« au» den bürgerlichen Schachvcreinen und hinein in den.Berliner Arbeiter-Schach'Uib.' Mi!» alicdschast ist abhängig von der Zugehörigkeit zu einer sreigewcrklcha't- lichcn sozialistischen Organisation. Die Abteilungen de» Klub» werden demnächst veröffentlicht, gleich'all» können nach Bedarf in allen Gegenden Oirloß-Berlins neue Abteilungen gegründet werde». Anmeldungen zur Mitoliedichast sowie jede gewünschte ZluSkunft erteilt Rich. Scholz, S. 42, Waffertorstr. 18. Bereinigte Verbände hrimattreuer Oberschlcster. OrtSgnibpe Neukölln, hält eine Dersammluiig am 6. Oktober, abends 8 Uhr, im Real» gymnafirnn, Kaff ei-Fried rtch-Str. 211, ab. Ok ctchSbnnd der Kriegsbeschädigte» und Hinterbliebenen. Beffrl O sten 12. Heut« 7 Uhr Mtigliederveriammlung in der ViehholSbörje, El- dcnaer Str. 37. Au» der Lichtenberg«,: Stadtverordnetenversammlung. Mit- teilungen de» Magistrat» zufolge ist Bürgermeister Dr. Maretzki mit Rücksicht daraus, datz d,e Stimmung sehr vieler Mitglieder der städtischen Körperschaften gegen Dr. Maretzki eine sehr erregte ist seiner evtl. Beschäftigung durch den Magistrot Berlin weiter zu beurlauben.— Entsprechend dem prcutzischcn Gesetz vom 6. Mai 1820, da» den Stadtkreisen die Errichtung mindestens einer Für- sorgcstclle für Krüppel zur Pflicht macht, wurde beschloffen, eine Krüppelsürsorgestclle zu schassen, die alle unter 18 Jahre alten Krüppel erfassen und überwachen soll; die Fürsorgestelle wird dem Jugendfürsorgeantt angegliedert. Zur Bestreitung der Ausgaben werden für das laufende Rechnungsjahr SO 000 M. bewilligt. Zur Schaffung von Wohnungen und Linderung der Arbeitslosigkeit wurde beschlossen, in der Waldsiedelung Lichtenberg weitere 6 Vierfamilienhäuscr zu ernchteu. Die Abstellung einiger vom Genossen Bogel vorgetragener Beschwerden der Mieter in der Waldsiedelung wurde von Herrn Baurat Glcne zugesagt. An- nähme fand des weiteren eine Vorlage des Magistrats betr. Be- williaung von Zuschüssen für die Errichtung von Wohngebäuden auf dem städtischen SicdlungSgelände in Mahlsdorf. E» wird den Siedlern für die Errichtung von Wohngebäuden auf dem städtischen SiedlungSgelände in MablLdorf von der Stadl ein Baukoftenzu schuß in Höhe bi» zu 100 Proz. der von, Reich und vom Wohnungs verband gewährten Zuschüsse bewilligt, sosern die Bebauung nach den Borschriften der städtischen Hombauverwaltung erfolgt.— Die Vorlage de» Magistrats wegen Herrichtung de« GutShause» in Mahlsdorf zu einem Kindererholungsheim wurde ebenfalls ange- nommen und die hierzu erforderlichen Mittel in Höbe von 300 000 Mark bewilligt.— Ein Antrag der bürgerlichen Fraktion, datz den Bornntcn die Kinderzulage gemäß den Bestimmungen der neuen Besoldungsordnung(also bis zum vollendeten 21. Lebensjahre der Kinder) gewährt werden soll, wurde abgelehnt. Die Stadtverord- neten Mielitz(11. S. P.) und Arndt CS. P. D.) wendeten sich mit aller Entschiedenheit gegen die Annahm« dieses Antrages mit der Begründung datz hierdurch den Beamten gegenüber der übrigen Bevölkerung ein viel zi� weit gehendes Borrecht geschaffen werde. — Auf einen von per Stadtverordnetenversammlung am 29� April d. I. gcfatzicn Beschlutz, den Magistrat zu ersuchen, bei der preutzi- scheu Regierung darauf hinzuwirken, daß 1. die in Grotz-Bcrlin bestehenden Einwohnerwehren aufgelöst und ihre Waisen van den städtischen Behörden gesammelt werden, 2. die städtischen Behörden ermächtigt werden, eine OrtSwehr aus Grund von Listen zu bilden- die von den Gewerkschaften und Boamtenverbänden aller Richtungen aufgestellt werden, ist vom preußischen Minister de? Innern bezüglich der Errichtung eine» OrtSwebr folgender Bescheid «ingegangen:»In Beantwortung Ihre» Schreiben» vom 24. Juni teile ick Ihnen mit. datz eine Einrichtung von militärisch bewaff- neten Ortswehren infolge des von der Entente geforderten Gesetze» über die Entwaffnung unmöglich geworden ist."— Aus den Ucicr- schüssen der Lebensmittelversorgung der Jahre 1814 bis 1820 werden für Zwecke der allgemein«» Wohlfahrtspflege zur freien Verfügung der Wohlfahrtsdeputation 450 000 M. überwiesen. Groß-SerUntt Parteinachrichten. lT.-P.-D.-�«»ktionäre k Mittwoch, den 6. Oktober, abend» 6 Uhr, im Kriegerverekn». hau», Chausseestraße 84, Fortsetzung der Besprechung über die Berliner Kommunalpolitik. Sonstige«ich. tige Mittellungen. Mitgliedsbuch und AuSweiSkarte werden am Saaleingang lontrollirrt._ Heute, 5. Oktober: 13.— 18. Bbt. Die Bezirkssührer werden gebeten, mit dem Abteilung«. kaffierer die Theaterbillei« zum 24. Ott. iür die.Wcbcr'.Vorflellung abz». rechnen, damit die nicht verkauften Billeli sofort weitergegeben werde» können. 22. Abt. einichl. der zugehörigen Bezirke der 23. Abt. 7'/, Ubr im ParadieSgarte», Landsberger Allee ISS, Sitzung der Funttionäre und Kreis» delegierten zur Kreisverireterkonjerenz. Jungsoztaliftische Bereinigung ber S. P. T. 7 Ubr Forttedung der ausierordentlichen Generalverl animlung in den Blüchersälen. Blücher. sttaße St. Tagesordnung,.Jungsoziali st eu und Partei.' Res.: Menoffe Leaner. Kein Mitglied darf seblen. Wildau. S Uhr Zablabend im„Giünen Baum". Morgen,«. Oktober: Wahlkreis Tiergarten» 7 Ubr allgemeine Funllionärkonkerenz mit BetriebSvertrovenSleuten, Leibe-Komm. uiw. im Patzenboser, Deister«aal, Turm- Ecke Strömst, aste. Referent: Genosle Möbu» über.Etenersragen". RcuköUn. 9. Abt. 8 Uhr Sitzung bei Lange, Em'er Str. 27. Friedrtchsbage«. 7>/. Uhr be: Scholz, griedrichftr. 81. Milalieder- verlamwlung und Zablabend.>. Bartrag:.Die Notwendigkeit der Revision de» Parieiprogramm». Referent: Genosse-Peine. M. d. R. 2. Betichi vom ousterordentiiche» Bezirkstag und von der ersten Kreis-Generalversammlung de» 1». Kreise». Grüna«. Aeusterst wichtige Versammlung de» Wahloereln» 8 Uhr bei Werner, Köpenicker Str. 108. Potsdam. 8 Uhr bei Becker. Lmdeniir. 20, Mitgliederversammlung. Borirag des Genossen Unlerüaaissekrelär Söhre über.Religion und So. zialiSmiiSck Bernau. Der Fraueuleseadend am Mittwoch, den S. Oktober, fällt au». Jugenüveranftaltungen. Heute abend 7". Uhr:" Gesundbrunnen: Jugendheim. 20?. Gemeindeschule, Jugendziminer, Gotenburger Str. 2, Dislusjionsabend; Unsere Agitation.— Moabit: Jugendheim, Laldenserstr. 20, Schul«. Zimmer 13, Diskusfio«»abtt,d: JSom Urmenschen zum Sozialisten.— Niedcrschöncweide: Jugendheim, t-ber- schöneweide, Laofener Str. 4, Vortrag: Herbst, Ernte, Arbeil.— Pankow: Jugendheim, Knabenmüteffchuie. Zeichensaal, Dollankstr. 13t, Mitglieder- vettammlung.— Staaken: Jugendheim, Gartenstadtschule. Mitglieder« Versammlung._______ Gerichtszeitung. Der Arbcitcrrat. Sine prinzipielle Entscheidung über das Verhältnis gschschen Arbetberrat und Arbeiigeberschaft fällte die 5. Strafkammer dc» Limdgcrichis III in der Strafsache gogan den BetrlebSlevicr B i e l c ck e und den Arbeiter Rosenburg. Im April 1819 kam es m der Schulenburgschen Fabrik in bce Wilkestratze zu Tirciüffkciicn zwischen den Arbeitern und den Unternehmern.. Die Arbeiter berlangten höhere Löhne und iw» langten, darüber mit den Geschäftsinhabern Gebr. Tchwaboch zu verhandeln. Diese weigerten sich, am 24. April die Vertreter des Arbeiierrat» unter Führung de» Angeklagren Bielecke_ zu empfangen, da ein sachkundiger Ingenieur zufällig verreist sein sollte. Darüber gerieten die Arbeiter in große Erregung. B. er* klärie den Fabrikunternehmern: wenn sie nickt verhandelten, werde er sie zwingen: cr werde den Betrieb stillegen. Da diese Drohung nicht fruchtete, hörten auf ein Zeichen des B. die Maschinen auf zu arbeiten. Die Fabrikinhaber fügten� sich nickt, sondern ließen die Fabrik einfach tchlretzen. Darank überkletterten �am nächsten Tage Rosenburg und andere die Fabrikmouer und stiegen durch ein Fenster ein. Einige Tage darauf kam öS endlich zu- einer B<> spreckung zwischen Arbeiterrat und den Gebr. Schwolmch. Dabei äußerte B.: Falls die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt würden, würden diese in passive Resistenz eintreten, d. h. zwar er- scheinen, aber nicht arbeite, u— Das Schösfengerickt Wedding Halle in dem Verhalten des B. eine versuchte Nötigung, und des R. eine» Hausfriedensbruch erblickt und sie zu 4ö0 M. Geldstrafe verurteilt. In der Berufungsinstanz führte N.-A. Bahn auS.� datz es sich hier um eine prinzipielle Frage bei einem Klassenkamps handle; cS müsse klargestellt werden, wie weit die Befugnisse eines Arbeiter- rais gingen: jedenfalls liege keine Nötigung vor, denn diese setzte entweder Drohung mit einem Verbrechen bzw. Vergehen oder Gewalt voraus. Gewalt aber heiß« Anwendung von Kraft, was hier nicht vorliege,«in Vergehen aber sei nicht angedroht, da die Arbeiter sowohl streiken, als auch passive Resistenz üben könnten. Das Gericht folgte diesen Ausführungen und sprach B. frei. Die Berufung des Angetlaglen Rosenburg wurde verworfen. flus aller Welt. Wasserhose über Javau. Zella, 4, Oktober, lieber I a v a n ging eine Wasser« hose nieder. Der Rand des WirbelsturmeS hat Tokio und Yokohama gestern nacht erreicht. Viele Häuser wurden zerstört. Das tirfcr gelegene Gelände ist überschwemmt. Man befürchtet, daß die Zahl der Umgekommenen sehr groß ist. Gewalttätiger Einbrecher. In Hackcnbach bei Mem- mingen orong während des sonntäglichen Gottesdienstes e-.n Einbrecher in das Haus deS Landwirts W ü st ein, schlug den Be- sitzer und ein zwölfjähriges Mädchen durch wuchiige Schläge mit einer Hacke nieder, durchivühlte die Behältnisse und floh, als er gestört wurde. Todesfälle infolge Pilzvergiftung. Die au» fünf Köpfen bc- ssehende Familie Hopve in Altenplathow be, Magdc- bürg erkrankte nach Genuß von Pilzen. Drei Kinder sind be- ociiS gestorben, die Mutter liegt hoffnungslos danieder. Sport. Renne« zu Grunewald. 1. Breis von Tbarloktentbol. 18 000 M. Distanz 1800 Meter, f 1 Givet(Neumami). r I. Heilkünftler. tTorra»). 8. MajoratSberr iBorowSkl). Feiner liefen: l'anMrolch f4>,©fser Earolu«. Gffqenburg, Jnfin, Minor. Toto: Sieg: 14(Gibet), 89(Heilfünftier), Platz: 1&(Givet), 87(Heillünitler), 32: 10.— 2. Alveole. Rennen. Preis 27 000 M, Distanz 1200 Meter, f 1. Abendsonne(Rasfcnberge,). t 1. Die Dolke(Zimmermonn). 8. Magelone(O.Schmidt) Ferner liefen: Tbusa(4). Eonoenfion. Tofo: Siez: 38 lAbenMonn«), 19(Die Wolke). Platz: 38(Abendfonne). 26(Die Wolke): 10.— 8. T a u ch e r- A n» g l est ch. Prei« 22 000 M. Dist-nz 2000 Meter. 1. LebenSgesährte(TarraS). 2. Lust« fahrt(Schlöske). 3. Jsmcne 1 fZirnmcrrnann). Ferner liefen: Tan*(4), Heribert, Symbol, Satyr. Minestra. Siomtt. Toto: Sieg: 41(Lebens- qesährte und Lutttohrt). Platz: 42. 20. 20: 10.— 4. P r e i« v o n R u b- leben. 18««». Distanz 1�00 Meter. 1. Parze(Dane!). Schalk (Zimmermann). 3. Bannstein tPolgar). Ferner liefen: Rose Marie(4). Maikotten. Erwachen. SarraS, Balsazar, Colberg. Toto: Steg: 39. Pl-si: 12. 12. 12: 10.—». G l a d i a t o r e n- R e N n e n. Brei« 130 000 R. Distanz 2800 Meter.— 1. Herold(Rastenberger). 2. Sinftedler(Katber). 3. Skarabae �Zimmermann). Ferner liefen: Tulipan(4). Vergleich, Pallen« berg. Toto: Sieg 1l. Platz: 12,50: 10.— 6. Prei» von GörlSdorf. 22 000 M. Distanz>000 Meier. 1. König Midas tH. Schmidt). 2. Birkenrei» (Jentzsch). t 3. Snob tPolgar). f 3. Rivaldo(O. Schmidt). Ferner liefen: Halloh(ö), Armida, Brandenburg, Sarastro, Eva. Schnecrofe. Tow: Sieg� 13. P.otz: 11. lö. 1l(Snob). 8(Rüralbo):t0.— 7. Biniou-Ansgleich. Brei» 27000 M. Distanz 1400 Meter. 1. Matravirag(Rastenberzer). 2. Leichtsinn(Götzen). 3. Oberteldhenr(O. Müller). Ferner liefen: Hallunke(41. wan ll, Grolle nicht. Exzellenz. Pava, Mentko. Auer. Heidelerche. Galalo- fimi, Mazzln, Elga(stehengeblieben). Toto: Sieg: 44. Platz: 18,|18, 18; 10. Sportliche Wertkämpfe der Kinder veranstaltete die Frei« Turner- schaft Groß-Berlin an den beiden letzten Sonnlagen. Der Weit- kämpf etstreckle sich aus 76- und d0-Meter>Lauf. Weitsprung, Ballweitwerfen und Kugelstoßen. Die Resultate können in Au- betracht der kurzen Ausbildungszeit der Kinder sich sehr gut sehen lassen. Der VO-Meter-Laul in 8 Sekunden, Ballweil- Wurf 44.30 Meter, Kugelstoßen 6.20 Meter sowie Weilsprung 3,60 Meter sind für Kinder, die erst kurze Zeit üben, ganz beachtenswerte�Leistungen. Auch die Mädchen brachten gute Reiul- täte, to den rb-Meter-Laus in 11 Sekunden. Die Hauptsache be- sieht für einen Arbeiterturnverein fteilich darin, eine nröglichst gute Durchschnittsleistung aller turnenden Kinder zu erzielen, denn die Masse soll gesund und kräftig werden. An der Erreichung diese« Ziel» können die Arbeitereitern wesentlich mithelfen, wenn sie die Kinder zu pünktlichem Besuch der sportlichen Uebungen anhalten. Resultate? Bezirk R e n k i 1 l n? Knaben: 1. V. Mühlback. 4b, 87 P: 2. P Mühlbach. 4b, 67 P.; 3. Witt, 4». 56'k, P; 4. Zrnz. 4». 64'/, P.: 5- Gottichalk, 4a, 84 P.— Mädchen: 1. Schultheiß, 4a, 88';, P.: 2, Reumann, 4a, 28'L%. 3. Klonte, 4a, 27 P.; 4. Knoche, 4b, 24'/, P.; 5. Mutbow, 4a, 22'/, P--- Beste Einzelrelultate: veiffprung 3.20 Reter: P, SRüblbach. 4b;«allweitwurs 44,30 Meter: Witt 4»: Kugelstoß«, 6,20 Meter: P. Mühlbach und Witt; Laus b0 Meter 8 Sek.:«irlib 4a.«opplin. Gardinlack und Schmidt, 4d.-»- Pendelslaselte über 60 Meter gewan» ta-Knaben-Abt.— Cubbezirt Knaben: t Tlchache 49 P, 2. Reim 44 v.. 8. Kraute 39 P.. 4. vrogge 88 P.. 8, Hertzer 85 P._ Mädchen: 1. Wiedermann 46 P. 3. S'ühm, Cd 29 P. 8. Geber 26 P, 4.«uimyn«» 24 P.— Beste Em, elvetultate: Weitsprung 8.50 Meter: Hertzer. Reim und Bluhm. Ballwettwurs 4l Meter: Tkchache. Kugelstogen 6 Meter: Reim. Lauf 78 Meter in 11 Set.; Chart. Wiedermann. Der Schwimni verein.Borwärts- Berlin 1897 beginnt beute Dienstag, abend» 8 Uhr, w der Aula der 34. Kemeindeschulc. Langettr. 76 (1 Silin, vom Schief. Babnh.), seinen Funttionärlursu« mit den Vorträgen Einführung. Jugendfrage. Rettungswesen mit praktischen Uebungen. Nächster Abend am 12. Oktober, abend» 8—10 Uhr. Mitglieder anderer A. W. B.-Berrtne willkommen. Wetteranisichten sgr da» mUler: Rorddeutschlaud bis Mittwoch mittag. Zeitweise austlarend, meist trocken, mittag» etwa» wärmer, bei mäßigen östlichen Winden.„ TEPPICHE- GARDINEN zu ganz besonders billigen Preisen _____ i__ I__-IT_____•■_ C-. LL ca. 70-140 cm ca. 90— 160cm ca. 96—159 cm c.?»— ZO»«m ca 19«—?yc>cm ca.?;v— Z50> Eem5,e veukckelepp,cke„Sinne 75� 1094<» U32°° 2045�4125-15594 �« m co. 200— 300 cm ca. 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Mittwoch VI, Uhr; Stell*. Kr. Schauspielhaus (Karlstiafie) 7 Uhr; Danion f U.Abt, I.Abd.) Wtg. 7: Danion(auB. Abonn.) Theater I. d. KüniguratzerStrafie 8 Uhr: Klrandttlina. mit Else Heims, Saltner, Rle- mann, Brandt, Pröckl. Behmer. Mittwoch; Erdgeist. (Marij�Orika, Alb. SteinrücK.) Doryierstag: Erdgeist. Freitag: Mlrandolina. Sohnaoend. zum I.Male: Rausch von August Slrindberg. (Maria Orska. Alfred Abel, Job. Riemann, Frieda Richard, RoseVeidtkirch, Heinz Stieda, K. A. Römer, Hogo Bauer, Werner Stein, Rudolf Jünger.) Koraßdieahaus 811.: D.gemUtllche Kommissar Der unerbittliche Schutzmann Komodiantenslegc mit Max Pallenberg Berliner Theater VzSUhr: Der letzte WaUer mit Frltzl Mat sary. Centrai-XOieater TU- Ff 50 Bärbel(Operette) Dentaehea Openthana 7 uhr: FideHo. Frladr.-Wlllieln8t.Th. vi, tt: Hoheit die Tänzerin. Kleinas Theater. uhV: Die Plarrhanskoniödie KI. BpbSuaplelhBua. u> Der Floh im Panzerfians KomtHrhe Oper 7-, uhr: Liehe Im Schnee. (juatspielhana 7«/. Uhr: Arnold Rieck In Zwaogaeloquartlerung, Uletrupol-Tbrater. uJoliaudweibchen mit Ciaire Dux> d. Titelrolle als Gast, Friiz Werner a. G., Thielscher, Kutzner, Wesseiy usw. Neoea Central-Theater V Die Dame Im Frack. tkesea OperettenhunM v/. u.: Die Csikösharoness. Neues Volkstheater 7«/, uhr: Nora. Sehlllrr-Thoat. CHsrI. �Nathan derWeise Tbslls-Theater vi, u.: Der dumme Franzi. Thrill A'ollenilorfplnrr 7 uhr: Wenn Liebe erwacht Theater de« Westen« S'} Der ersten Liehe goldieit Wsllner-Tbester % Der Geiger ron Lugano. Walhalla, Theater. Mastsp.flartstein Residenz- Theater. Nachm. 4 Uhr. halbe Preise: Schneewittchen. Täglich Uhr: Die Freundin. Till« Durleuz, Toelle, Blldt, Albers, Vallentin. Mittwoch 4 U.: Struwelpeter Hose-Theater. Vi, Uhr: Der Anti-Christ. Volksbühne Theater am BDlowplatz. 7 uh,: Kabale uliebe Lessiug-Theater. Diresllon: Victor Bamowsky. Heute bis Donnerstag Vi,: Das Gelübde. (Konstantin, Eons, Klbpfer, Lind.) Freltar 7: Per Gynt, floos. OrOning, Lossen.) Trianon-Theater. Täglich»'.S Uhr: 9|er Roman 4» einer Frau. Ida Wüst. Burg, Limburg, Valettl, Falkensieln. Mittwoch 4 �Rotkäppchen. Deutsches KQnstler-fheaier Allabendlich Ühr: DieScheidongsreise mit Max Adalbert und Trude Hesterberg. Foiies Caprice. Täglich VjS Uhr abends: Versichernnggeg. Ehebruch Eine unruhige Nacht Lea*s Ohnmacht mit Fcrd. Qrünecker. n Theater a.Kottbus.Tor H Tel.; Moritzplatz 14814. 48 Taglich Vi. Uhr und ul s* Sonntag nachm. 3 U.: gi�Elite-SSnger. W«A Vollständig Ii BW neues Programm I Ii I ff HIQtt: gen- Konzert. � Vorv ll-l'/t. 4 oUhr Theater Dir. James Klein, V], Allabendlich 7'/, Die Sensation der Wintersaison Orient- Natura listische |Auutatlungs-Pantom. in 3 Bildern Harems- Nächte!! | Unt. Mitwirkung von] Oft Original- öU Kamerunern OfJ Bajaderen- Tänzerinnen | In den Hauptrollen:| Myriam Borka 1 sudan Schauspfelcrirl Kiki Kiami Bey j ! N'atio'alth.Konstan | Lowis Brody der is'eger-Fllmstar Erika Dennisson (die schwed. Tänzerin sowie die übrigen Oktober-Variete- Senaatlonen 1 1 1 Sonnt, nachm. ZV, U. jed. Erwachsene ein 1 Kind frei.. 1 Königgralxerüp. Fllmscban: CranffUlirangr 4. Auslandsfilra: Kip. Kim n. Kop. Sie Sezwinger des Todes. Sensationsdramt in 3 Akten. Jimmy Weiter, der Mann, der alle Welt bestiehlt. Em Kriminalroman In 4 Akten. Bühnenschau: Eine Liebesnachf. Eintrittspreise.71. 5.—, fi.50, 7.1 Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Tgl.''.8; Kiiorps sei. Witwe und..AnschluB verpnßt". Singspiel mit Viktor Lltzek. Neu! Ernst Welter, Humorist. Sonntg. 37,: DerHausdrache. Bebrcnstr. 54. AJlabeodllcb präzise V', Uhr: Senia Soneland Paul Steinitz 4 üUIIons— 8 Tnklto«—® Tarndy« und weitere T.Attraktionen. RESIDENZ-KASINO, Blamenstr. 10. ; Taglich: Qroß. Witwenball IWicnNta�ie» Donner«tas«: CiroBo Gratl*• Terlownnjr. Aofanc 7 Uhr. Nur Rundtinze. Nur lür die ältere Jugend. Jeden Sonntag; Großer Eiite-BaiL Antang ADhr. 1 TSgl7",Mittw.auch3U. 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Weltmann: Was die Sowjetregierung in zwei Jahren auf dem Gebiet der staatlichen Anlagen geschaffen hat. I Friedensvertrag zwischen Sowjetrußland und Litauen,/ A. Losowski: Die Gewerkschaften in Sowjetrußland./ Die Tätigkeit des Allrussischen Metallarbeiter- Verbandes in den Jahren 1917— 1920./ Aus der Tätigkeit des Volkskommissariats (Ur das Lebensmittelwesen. I Runow: Aus der Tätigkeit des Obersten Volkswirt- schaftsrates./ A. Trfapkin: Die Textilindustrie Sowjetrußlands./ Runow: Runow; Die landwirtschaftliche Industrie./ P. Sauroshski: Studium und Kolonisation des Nordens. /J. Ssvrkin: Die«Stoßgruppe" der Metalllabriken in Petrograd. I J. ROsse- iewitsch: Die Torfgewinnung im Nordgebiet./ Ch. Rakowski: Rußland und die Ukraine./ M. Pawlowitsch: Die Ukraine als Objekt der internationalen Gegenrevolution./ W. Kerschenrew: Das kollektive Schaffen im Theater./ I. Lomakin: Die ßauernjugend und die kulturell aufklärende Bewegung auf dem Lande./ Die ElektriMzieriing des Gouvernements Moskau./ J Larin; Die Metallversorgung Rußlands./ Was haben wir früher aus dem Auslande bezogen und worauf können wir jeizt rechnen? usw. Illustrationen: Plakat zum Ersten Allrussischen Kommunistiscnen Samstag./ Sitzung der II. Session des Petrograder Sowjets 1920. 170 Seiten. Preis 7,50 Mk. Äüslielernngssleile liir Dentsehland; Ä. Seehol i Co.. Verlag, Berlin C.5i von Haut-, Harn-" und tnterlcibslolden, ohns Barafgstömnj;. Aufklorando, belehrende Broschüro für 1 Uk. yortofrai In verschlossenem ümsaklae«üae Aaidrnek durch Spezialarzt Dr. med. Dammann, Berlin 11, Potsdamer Straße 123 B. Syraakzait:>—11. 2— 4. Sonntags 10— 11. Kaufm SrMantan Juwelen, von kleinsten fels zu grSStcnObjeklen, Platin bis 167 Alk. per Gramm, Goldbruch bis 36 Mk., Silkerbruch bis 1,45 Mk. per Gramm(Irblü.) 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Jede Rücksicht aus persönliche Geeignetheit, Verdienste i-m Felde und nach der Revolution fiel weg, die Wünsche der Truppen wurden nicht berücksichtigt, die früheren berüchtigten»Oual"-Be- richte waren ja verschwunden. Ein kümmerlicher Ersatz, die Be- urteilung vom unbekannten Regimentskommandeur, der sein bunt zusammengewürfeltes Osfizierkorps kaum den Namen nach kennt, war nur Formsache. Die Brigaden hatten die Entscheidung, da? Pcrsonalttnu war volltvmmcn rusgeschaltel. Was natürlicher, als daß persönliche».Beziehungen",„Konnexionen" | und Echiebuns«« Tos und Tür g«Sjj»«t kv«, Wetz an der Ouelle laß, wurde eingestellt oder stellte sich selbst«in. De« Brigadeadjutant war der„Papst", de» ma» zum Better habe» mußte. Fast in allen Brigaden stich sämtliche Brigadeoffiziere durch- weg eingestellt, alles Gencralstabsoff'ziere oder Adjutanten, Ossi- ziere, die jahrelang auS der Front sind, während der Revolution und der Freiwilkigenzeit beiseite gcstcmden haben, jetzt aber, wo die tüchtigen Frontofsiziere die Karre so weit gebracht haben, alle wieder an der„Futterkrippe" erscheinen, trotzdem es viele von ihnen pekuniär absolut nicht nötig haben. Aber man kann sich nicht trennen und will nicht im neuen Beruf»untergeordnet" werden. Tausende von armen hervorragenden Frontoffiziereu haben, wie so oft im Kriege, diesen meist überaus van sich überzogenen ver- haßten KwegSgeneralstäblieru. von denen so mancher im Felde durch falsche Maßnahmen am grünen Tisch Tausende braver Soldaten auf dem Gewissen hat/ weichen müssen. Mindestens zwei Drittel aller oberen Stellen ab Hauptmann sind von Generalstäbler» be« fetzt. Ob das zum besten unserer Reichswehr ist, daß diese Herren, denen eiin Frontdienst und Fürsorge für die Mannschaften bisher odiös war, jetzt olle eingestellt werden? Je kleiner die Arm«, desto besser sollte der Ersatz sein. Auch bei den Mannschaften ist da» lsider auch aus anderen Gründen nickt der Fall. Infolge der langen BerpflichtungSzoit gehen die Besten weg, auch schon wet! ihre beliebten Führer gehen müssen und sie von gänzlich unbekannten Offizieren geführt werden sollen. Schon jetzt bekommt man den Etat nicht voll, trotz- dem- alles genommen wird, was sich meldet. Gewiß nicht alles erster Klasse. Eine Durchsiebung von höherer Stelle— Neueinstell-ung. Gleichberechtigung der Frontofsiziere— unter voller Teilnahme der Vertrauensleute, die imme-r mehr ausgeschaltet werden, ist drin- ge n d erforderlich, sonst wird unser« kleine Reichswehr mit diesen Führern und Söldnern weder eine Wehr des Reiches noch eine Ehr sein. das ist ganz was anöeres! Die»Deutsch« Tageszeitung" entrüstet sich darüber, daß der Mililärinvalide Bauer, einer der Haupiiäter Bei der Ermordung deS Oberstleutnants Klüber in Halle, der seinerzeit zum Tode ver- urteilt worden war, zu lebenslänglichem Zuchthaus be- guadigt worden ist. Al« der zum Tode verurteilte Mörder Kurt EisnerS, Graf Area, nicht etwa zu lebenslänglichem Zuchtbaus, sondern zu lebenslänglicher F e st u u g s h a s t begnadigt wurde, hat die ge- samt« Rechtspresse das durchaus in der Ordnung gefunden. Aber ein gräflicher Mörder— da» ist natürlich ganz was anderes! Das Wohnungsproblem. DieStaatlickeWohnungSfürsorgeinPreußen behandeil der Siaatssekreiär des preußischen Ministerium» für Polkswohlfahrt, Adolf Scheidt, in einer lesenswerten kleinen «schrift, die als Heft 3 der unter dem Titel„2Bege der VcklkSw ohlfahrt" herausgegebenen kleinen Schriften zur Wohlfahrtspflege soeben erschienen ist �Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Berlin W. 10). Ausgehend von einer knappen Darstellung der WohnungSzusrände vor, während und nach dem Kriege berichtet der Verfasser über die Maßnahmen der preußischen Regierung zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Eine gründliche Neuordnung der stark zersplitterten Zuständigkeiten erwies sich alsbald nach Kriegsende als notwendig. Es wurde zunächst ein Staatskommissar für das Wohnungswesen bestellt, dessen Funktionen kurze Zeit nach Begründung des Ministeriums für Volkswohlfahrt diesem übertragen worden sind. In den weiteren Kapiteln wird zunächst ein kurzer lieberblick über die umfangreiche und grund- legende neue Reichsgesetzgebung auf dem Gebiete des Wohnungswesens gegeben und dann ausführlich die besondere Wohnungsfür sorgetätigk er t Preußens behandeli, so- weit sie dem neubegründeten Ministerium für B.'lks» Wohlfahrt übertragen ist. Der Verfasser bespricht die Forde- rungen der Neubauräligkeil, das Zuschußoerfahren, die Baustoff» Wirtschaft, das Bairordnungswes-en, die Wohnungspflege und Wohnungsaufsicht, die Beamtenwohnungsfürsorge und gibt schließlick einen kurzen Ueberblick über die Aufgaben, die dem neuen Ministerium aus der Ueberrragung der Angelegenheiten des nicktlandwirlschaftlichen GruiidkreditS erwachsen sind. Die kleine Schrift gibt in gedrängter Darstellung einen gut unter- richtenden Ileberblick über die vielseitige und umrangreicke Ver- waltungsarbeit, die dem Ministerium für VolkSwohlfaqrt auf dem Ge-biet« der Wohnungsfürsorge anvertraut ist. Zwei weitere Skla?Z»prozeffe. Noske als Zeuge. Am Montag fanden zwei weitere Prozesse statt, in den«« Herr Georg SIlarz als Kläger auftrat. Der erste richtete sich gegen den Herausgeber der„Weltbuhne" Siegfried Jakob- söhn, der in seiner Zeitschrift bchoupte: hatte, daß Männer der Regierung wie Ebert, Scheidemann, Haenisch und andere mit Sklarz in nicht oinwandfreien Beziehungen gestanden und von ihm Vor- teile für die Begünstigung seiner Geschäfte, namentlich Lebe»?- mittelpakete, erhalten hätten. Der Privotkläger erklärte diese Be- hauptungen für unwahr. Der Angeklagte erklärte, seine Jnsor- mationen von einem hohen Beamten zu haben und bot den Wahr- heitsbeweiS an. DaS Gericht beschloß, zu einem neuen Termin eine Anzahl Personen als Zeugen zu laden, darunter die Genossen Scheide mann. Haenisch, Rauscher, WelS, ferner Oberstleutnant v. Gilsa. Äe Ladung des von dem Angeklagte» benannten Zeugen Alber! Baumeister wurde dagegen abge- lehnt, nachdem der Kläger gegen seine Person Bedenken ge- äußert hatte. Im zweiten Fall tvar der verantwortliche Redakteur der „W ahrheit" K lockhaus angeklagt wegen eines mit „Festungen auf?lbbruch" überschnebenen Artikels. In dieser Sache war der Oberpräsident Genosse Noske als Zeuge kom- missarisch vernommen worden. Die Grundtendenz des Artikels ging dahin, daß NoSkc um geschäftlicher Beziehungen zu Sklarz willen diesem geschäftliche Vorteile zugewendet habe, namentlich bei der Ucbertragung von Abbrucharbeiten auf den nach dem Friedensvertrag zu schleifenden Festungen. NoSke hat demgegenüber unter seinem Eid ausgesagt, daß er kein einziges Geschäft mit Sklarz abgeschlossen, ihm keinen Auftrag erteilt hat. Er Hab« Sklarz keine Borteile irgendwelcher Art gewährt und Sklarz habe auch nicht darum ersucht. Wann in dom Archket von dem gastfreundlichen Herrn des Hause? in der Regentenstraße die Rede ist, so handele es sich allein darum, daß bei den außer- ordentlich unruhigen Verhältnissen im Frühjahr ISIS NoSke einige Male auf ein Angebot von Sklarz bei diesem seine Mahlzeit ein- genommen hat, weil er damals öffentliche Lokale nicht besuche» konnte, ohne sich der Gefahr von Unannehmlichkeiten auszusetzen. Ztoske bestätigt in seiner Aussage dann'noch Sklarz, daß dieser für dasRegimentReichötag erhebliche Aufwendungen gemacht hat, von denen zum mindesten sehr zweifelhast war, ob er sie erstattet erhalten würde. U Nach Anhörung dieser eidlichen Aussage deS Oberpräsidenten Noske erklärte der Angeklagte zu Protokoll, daß er sich vo» der Unrichtigkeit der in dem Artikel aufgestellten Borwürfe gegen Georg Sklarz überzeugt habe und diese gesamten Vorwürfe, insbesondere den einer„Schiebung", zurücknehme.— Der Privatkläger, dem die Publikation»Befugnis diese» Vergleiche» zugesprochen wurde, gähn, hieraus big Klage zurück. OewerMQftsbewegung Der Streik der Aeitungsangeftellten. Die streikenden Zeitungsangestellten hielten am Montagnachmittag in den Sälen des Lehrerveveinshauscs zwei Versammlungen ab, die den Situationsbericht eittgegennchmcm. Der Referent Dr. Pfirrmann sagte, der Streik sei mit einer so gewaltigen Einmütigkeit begonnen worden, wie inan es nicht erwartet hatte. Andererseits seien aber gewisse Organi- sationen bestrebt, den Streik zu hintertreiben. Der Verband weiblicher Handels- und Bureaua nge st eilten weise seine Mitglieder an, der Streikparolc nicht Folge zu leisten, sondern sich den Arbeitgebern zur Vsrsügimg zu stellen. Ter Ge- werkschaftsbuiid kaufmännischer Angestellten. dem der genannte Verband angeschlossen ist, habe der Streikleitung mitgeteilt, daß er die Konsequenzen eines von ihm nicht mit- beschlossenen Streiks nicht trage und deshalb diesen Streik ablehne. Die von den gelben Organisationen ausgegebene Streik- bruchparole werde die Streikenden ebensowenig wankend machen, wie die von den Unternehmern unter der Drohung mi: sofortiger Entlassung an die Angestellten gerichtete Auf- forderung, die Arbeit unverzüglich wieder aufzunebmen. Die Unter- nehmer berufen sich daraus, daß ihnen das Handelsgesetzbuch in diesem Falle das Recht zur k ü n d i g u n g s l o s e n E n t l a s s u n g gebe. Diese Auffassung sei falsch. Der Streik sei ein v e r- sassungs mätziges Recht der Arbeitnehmer, er gebe keinen Gruird zur küadigungslosen Entlassung. Fm Gegensatz zu diesen gegen den Streit gerichteten Bestrebungen sei die erfreuliche Mi!» tdlung zu machen, daß eine am Montagvcrmtitag abgehaltene Konferenz der Funttiouäre aller vm Zeitungsgeiverbe beschäftigten Arbeiter erklärt hat, die Arbeiter lehnen jede Streik- arbeit sowie das Zusammenarbeilen mit Streikbrechern a b. UebrigenS hätten auch die Mitglieder der gelben Angestelltenverbände, deren Zahl ohnehin nicht bedeutend sei, der Parole gegen den Streik nicht restlos Folge geleistet. Die drei Riesenbetriebe Mosse, Ullstein und Scherl seien durch den Streik lahmgelegt. Tie Hoffnung der Unternehmer, der Streik werde in einigen Tagen zusammenbrechen, werde sich nicht erfüllen. Die Angestellten kämpfen gegen die Herrschaft der Unternehmer und für ihr Recht, bei Festsetzung der Gehälter mitzubestimmen. In demselben Sinne sprach aucb der zweite Referent Meier vom Zentralverband der Angestellren.— Dann wurde mitgeteilt, daß die Botenfrauen beschlossen haben, die Arbeit in den Bo- trieben zu verweigern, wo Streikbrecher beschäftigt sind. Buchdrucker Blumenthal erklärte den Streikenden die volle Solidarität seiner Berufskollegen und sagie, voraus sicbtlich würden auch die Buchdrucker, die jetzt in Tarifverhand� lungen stehen, in ls Tagen in die Lage kommen, sich gegen den Lohnabbau wehren zu müssen. F l a t a u erklärte als Vertreter der Afa, daß alle nicht direkt am Streik beteUigien Angestellten den Sireikenden gegenüber die weitestgehende Solidarität betätigen werden. Führen doch die Zeltungsangestellten als die ersten den Kampf gegen den Lohnabbau, der gegenwärtig den Angestellten aller bedeutenden Industriezweige droht, den sie aber einmütig abwehren werden. Heut, Dienstag, vormittags 8K Uhr, versammeln sich die Streikenden im„Deutschen Hof", L u ck a u e r Straße, um den Bericht entgegenzunehmen über die Verhandlungen vor dem Schlichtungsaus schütz, die am Montagnachnrittag aufgenommen worden sind. friede auf de» städtische« Gütern. Im ReichsarbeitSministerium fanden am Sonnabend, den 2. Oktober. Verhandlungen zwischen den Parteien, dem Magistrat Berlin und dem Verbände der Gemeinde- und Staats arbeiter stait. Tie Verhandlungen führten zu einem S ch i e d s- spruch, dem sich die Beteiligten von vornherein unterwarfen. Der Schiedsspruch bestimmt, daß die Löhne der Guts- arbeiter für die Zeit vom 1. August bis zum 30. November 1920 wie folgt geregelt werden: Zu den Sätzen des Tarifvertrages treten TeuerungS- Zulagen, diese betragen: Für männliche Vollarbeiter pro Woche 12 M. „ Frauen........ 8, und, Jugendliche.,„ 5, Auf Grund dieses Schiedspruches ist die Arbeit am Montag wieder aufgenommen worden. Die bei der Beseitigung der Abwässer beschäftigten Rteselieldarbeitcr haben bereits am Sonn- abend wieder gearbeitet. Berechtigte Forderungen der Musiker. Der Deutsche Musikcrverband hielt in den letzten Wochen in Berlin scine Haaptberufskonferenzen l Orchester-, Ensemblemusiier und Freistehend«) ab. Diese Konferenzen sollten richtunggebende Leitsätze für den im Februar nächsten Jahres statfindeniden Ver- baadstag aufstellen. Ganz besgndnS wichtig für die deutsche Musilerschaft war die Hauptbcrufskonserenz der freistehenden Musiker. Diese Musiker haben am schmerzlichsten unlcr der Milrtär- und Beamtenkonkurrenz bzw der Konkurrenz der D o p p e l b e r u f l i ch e n zu leiden. Eine Besserstellung dieser Gruppe der Zivilmusiker mutz rraturaemätz eine Besserung der Wirt, scher stlichen und sozialen Verhältnisse der übrigen Musiker zui Folge haben. Desbalb sind die auf dieser Derufsgruppenkonsevarz beschlossenen nachstehenden Richtlinien und Entschließungen für die Musikerschaft von gretzem Wert. 1. Die Reichsberufskonserenz der Freistehenden Musiker deS Deutschen Musikerverbandes erhebt schärfsten Einspruch gegen das uneingeschränkte gewerbliche Spielen der Militär- und B- amtenmusiker. Tausende von Zivilmusikern sind durch Ar- beitslosigkeit, verursacht zum großen Teil mit durch den geschäft- lichen Wettbewerb der Beamten- und Militärmusiker, gezwungen gewesen, sich anderer gewerblicher Beschäftigung- zuzuwenden oder die Erwerbslosenunterstützunq in Anspruch zu- nehmen, während die Lohnverhältnisse der Solidaten und Beamten nach der jüngst erfolgten Reg.-lnng diesen dock» mindestens die Aufreck>'erhaltung der Epistenz sichert Tic Konferenz nimmt mit Befremden davon KennwriS» daß die Verhandlungen des Verbanidsvorstandes mit den Behörden und den Vertretern der Militärmusiker bisher infolge des Verhaltens dieser Stellen noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt haben. Der Verbandsvorstand wird dringend ersucht, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, gegebenenfalls durch Anrufung der gesamten Arbeiter- und Angestelltenschaft aus die Beseitigung des rücksichtslosen Wet bewerbes der Beamten- und Militärmusikcr hmzuwirken und den Ztvilbcrufsmusikern das erste Anrecht auf die vorhandenen musikalischen Arbeitsgelegenheiten zu sichern. DaS allgemeine Spielverbot der Beamten ist unbedingt aufrecht zu erhalten und aus die Angehörigen der Reichswehr und der Sipo auszudehnen, soweit die selbständige Annahme von Musikaufträgen in Frage kommt. Die Regelung der ArbeitSver hällnisse im Musikerberuf ist allein Ausgabe der Musikerorgani sation, die durch Einwirkung auf die Gesetzgebung und durch tacif vertragliche Vereinbarungen den Arbeitsnachweis so auszugestalten hat, daß jeder unzulässige Eingriff von unorganisierten Autzen- seitern unterbunden wird. 2. Tie Hauptberusskonserenz der Gruppe III(Freistehende) hält eine möglichst einheitliche Regelung der gesamten Erwerbs- Verhältnisse der freistehenden Musikerschaft für unbedingt not- wendig. Ts sind daher Manteltarifverträge für das ganze Reichsgebiet anzustreben. Solange die Vorbedingungen für Reichstarife nicht gegeben sind, sollen nach einheitlichen G-eund- sähen aufzustellend« Bezirks- bzw. Kreismanteltariie zur Durch- führung gebracht werden. Insbesondere ist anzustreben: Abbau des RisikogeschäftcS durch Einführung fester Lohnsätze; Beseitigung des Zwischcnmeistcrtums; der Lokalinhaber hat die Verträge zu tätigen und die versicherungsrechtlichen Pflichten zu erfüllen; Ein- fübrung paritätischer Arbeitsnachweise und die ausschließliche In- anspruchnahme derselben bei Bedarf an Musikern; eine Regelung der Arbeitszeit und Arbeitspa isen, namentlich bei Tanzmusiken. Von Regierung und Reichstag wird gefordert: Ausmerzung der Begriffe„höbereS Kunstinteresse" und„Orchestermitglieder" aus der gesamten Gesetzgebung; Beseitigung jeder gewerblichen so- wie privaten Stellenvermittlung und gesetzliche Regelung des Nach- weiswesens unter Mitwirkung der Musikerorganisation. Zur Aussperrung bei der„Viktoria". Der Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunlernebmiingen IE. V.s verbreitet durch die Piesse die Mitteilung, daß die Viktoria- VersicherungSaesellschafl»'ich gezwungen iah. ihren Betrieb ab 3. Oktober zu schließen. Diese Maßnahme sei infolge des Verhaltens der Beamtenschaft hervorgerufen, die vonAnge st eilten- organi sationen zu passiver Resistenz anfge- fordert sei. Demgegenüber stellt der Zentralverband der Ange- st e l l t e n fest, daß von ihm eine solche Anweisung nie erfolgt ilt. Von ihm wurden die Versicherungsangestelllen ledig- lich aufgefordert, weitere N e b e r st u n d e n l e i st.u n g e n zu v e r- weigern. Diele Aufforderung entspricht durchaus den gesetzlichen Bestimmungen, da in allen VerstcherungSbetricben da? gesetzlich zu- lästige Maß der Uebersinnden bereits bei weitem überschritten ist. Der Arbeitgeberverband ist solort durch entsprechendes Schreiben des Zentralverbandes der Angestellten von seiner Falschmeldung unterrichtet._ Zum Ttreik bei den Raiffcisen-Genofsenschaften. Infolge de? hartnäckigen Widerstandes der Direktion und des ArbeiigeberverbandeS(SpndikuS Dr. Engel) werden die Angestellten gezwungen, weiter zu streiken. Die Direktion bat sich an die vom Schlichtungsausschliß anfgesielllen Punkte nicht ge- Volten und boben daber die Angestellten beschlossen, e§ dem SchlichtnngSauSschuß anbeimzustellen, einen neuen VerhandlnngS- termin anznberaumeir. DaS letzte Angebot der Firma spottet jeder Beschreibung. Verberratete Angestellte, die monatlich Söll. 653 und 700 M, erhalten, würden durch das neue Angebot der Firma nicht nur keine Ausbesserung ihrer Bezüge erfahren, sondern sie müßten sich mit einem Abzug einverstanden erklären. Neuerdings hat die Direktion, um die streikende Kollegenschaft niederzuringen, die H i l f e d e r P o l i z e i in Anspruch genommen und die Beamten der Sipo leisten diesem Ver- langen der Firma glänzend Folg«, indem sie alle Streikbrecher in das Geschäftslokal bineinbegleiten. Von den Strei- kenden darauf aufmerksam gemacht, daß etwas Derartiges nicht Ans- gäbe der Polizei sein könne, erklärten die Sipoleute, daß Befehl bestände, alle Arbeitswilligen zu schützen. Tic Erregung der Angestellten dürfte durch da? Dazwischentreten der Sipo keineswegs schwächer werden. Die Angestellten werden sich ihr KoalitionSrecht durch die Sipolcute nicht schmälern lassen und nach wie vor werden die Streikposten sich die Freiheit erlauben. Streikbrecher aus das Ungehörige ihrer Handlungsweise aukmerksam zu machen. Wenn eS dabei zu unliebsamen Dingen kommt, so trägt einzig und allein die Direktion und namentlich der Arbeit- geberverband die Schuld. Kolleginnen und Kollegen, lehnt jede Arbeit beinben genannter Firma ab.. Wilder Streik in Hegermühle. WTB. meldet: Im Knastwerk Hcgermühle des Märkischen Elektrizitätswerkes ist die Beleg- schaft in einen wilden Streik getreten. Di« Gcwerkschafts- führer versuchen zusammen mit den Obleuten der durch den Streik zum Stillstand gezwungenen industriellen Betriebe die Arbeiter zur Wiederausnahme der Arbeit im Kraftwerk zu bewegen. Zentralverband der Angeitellte». Funktionäre und Vertrauens- lent- der Fachgruppe VII i Einzelhandel) Mittwoch 7>/, Nbr Im Restaurant Schlutheitz, Neue Iakobitr. 2il2b. Tagesordnung: 1. Aussprache über die Neuregelung des FuntlionärwesenS. 2. Die Tarisbewcgnng. 3. Wahl der Dcleoierten zum EinzelhandelSkartell. 4. Verschiedenes. Bund technischer Nngrstrllten und Beamte». OrtSverwalluNg Nordwest I. stcule 71/, Uhr Monatsversammlung im Restaurant Artushos, Perlebcrgcr Str. 26. Deutscher Werkmeitterverband. Berlin 7. Heute 61/, Uhr Generalversammlung im Pahcnhoser, Turm- Ecke Stromstraße. parteinachrichten. Prrsscjubiläcu. Anläßlich ihres lOjährigen Bestehens erschien die D a n z i g e r V o l k s st i m m e" im Festgewcmde. Aus einem Kopsblait unseres Königsberger Bruderblaties hervorge- gangen, hat unser Tanziger Organ eine glänzende Entwicklung genommen und stets mannhast gestritten für die Rechte des Volkes, für die Befreiung des Proletariats. War sie früher eines der vielen deutschen Parteiblätter, fo ist sie beute das einzige sozial- demokratische Organ im Freistaat Danzig. Damit wachsen ihre Aufgaben. Sie wird nicht nur wie bisher ihre proleta- r i s ch e Pflicht zu erfüllen, baben, frei von allem Chauvinismus, wird sie mit Würde und Klr�heit unsere nationale und kulturelle Zusammengehörigkeit pflegen müssen. Dem Jubilar und den Tanziger Genossen wünschen wir auch während der Zeit gewaltsamer Trennung vom Mutterlande kräftiges Vorwärtsschreiten zum Wohle der arbeitenden Kilasse. Unstr Magdeburger Bruderorgan konnte am 1. Fuls auf ein 3 0 j ä h r i g e s Bestehen zurückblicken. Anläßlich der 30 Wiederkehr des Falles des Sozialistengesetzes erschien die „Volksstimme" reich mit Illustrationen versehen 36 Seiten stark. In der Nummer wurde gleichzeitig die Entwicklung des Blattes in den 30 Jahren ausführlich dargestellt. Das„T r a u t e n a u e r Echo", Organ unserer Genossen im nordöstlichen Böhmen, konnte am 1. Oktober sein 20jähriges Bestehen feiern. WirtftHsft Phönix-Bergbau. Der Ab'chluß für>919/20 ergibt einen Rohgewinn von 68 993 839(i. V. 12 780 162) M. Nack Vornahme von ordentliche» Abschreibungen im Betrage von 21 2ö6 379<10 139 378) M. 'bleibt ein Neingewinn von 47 687 460<2 640 512) M.. der sich noch um den Vortrag aus dem Vorjahre mit 2 796 691<9 088 661) M. auf 50484 152(11729 173) M. erhöht. Dividende von 20 Pro,. gegen 8 Proz.>m Vorjahre und je 20 Proz. in den vorhergebende» Fobren. Die Verteilung der Dividende erfordert 21 200 000 18 480 090) M. Hierzu schreibt dis schwerinbustrielle„ P o st": „Die Tatsache, daß die z i s f e r n m ä ß i g so hohen Gewinne erlorderlick waren, um die notwendigen Abschreibungen und Rück« stellungen vorzunebmen. die allein die Erbaltuna des innere» Wertes des Unternehmens unbeeinflußt von den Schwankungen dcS GeldiverleS und zugleich die iür kommende Konjunktur» und 6>eldw?rtschwankungen erkorherliche L i a n i d i t ä t zu erhalten, beweist in Verbindung mit dem gewählte» Dividendensatz am besten, daß von den„W u cb e r g e w i n n e n" der Montanindustrie im letzten Jahre bei r u b i a e r Nachprüfung nicht gesprochen werde» kann. Die Zisi-rn des PbönirabichlufleS sind von den bisherige» Montanab'chlüsien diejenigen, die am meisten volkswirischattlich« Einsicht lind Bilanzklarbeit auch dem Verständnis weiterer Kreiie zu verraten scheinen»nd die Aktionäre sollten der Verwaltung dankbar sein für die Vorsicht und Gewiflenbafiiakeit. die hier in Erscheinung tritt. Zugleich sollten aber auch die B ö r s e n k r e i s«! diese Zahlen zum Anlaß nebmen. einmal über die B e r e ch t i» g» n g der b e u t i g e n Kurie für schwere Montanwerke nockzu» denken. V'elleicht wird man dann dort zu der Erkenntnis kommen, daß es zwecklos ist. innere Goldwerte von Montanunter« nehmen zu Börsenkursen in Popiermarkziffern umrechnen zu wollen, woS man jetzt so gerne als Begründung für KurS« svrünge anführt, denn eS erfordert von den Verwaltungen 'große Abschreibungen und Rückstellungen, diele Goldwerte als solche in der Bilanz zu erbaiten. Solange aber die Bilanz und die Aklienkapitalziffern Goldwerte darstellen, wird eS bei der bentigen Vreispolitik. den wachsenden Lasten und Ge« sabren für jede industrielle Arbeit und bei der Steuerpolitik nicht möglich sein, diese Goldwerte für die Aktionäre� auch i» a v i e r m a r k s u m m e n zu verzinsen, die in ihrer Höhe Gold» mark-insen entsprechen. Ist das aber nicht der Fall, so stehen die gezahlten gewaltigen Kurse, gezahlt in Papiermark oder beutigem Geld?, in keinem Verhältnis zu dem ebenfalls i» diesem Geld« zu erwartenden Renten. Und wenn iolckeS Verhältnis aui längere Zeit PorauSznlehen ist. dann ist die Be- Wertung nach innerem Werte iür den Kursstand, da sie bei ihrem ewigen Schwanken zwischen RentabilitälSwert und Goldwert zu ge« waltigen Spielraum bat. bereits u n g e s u n d e r S v e k u I a t i o n s« reiz. Mangelhaftes Nachdenken über diese Zusammenhänge dürste auch einer der(l!ra«de für die M i ß st ä n d e im Börsenverkehr, sein." Von dem Rohgewinn von 70 Millionen werden 21 Mil« lionen an die Aktionäre ausgeschüttet, während der Rest zum er» heblichen Teil wieder im Werke angelegt ist und weiter mitarbeitet. Wenn wir nun beachten, daß ein großer Teil de? Aktienbesitzes in h o ll ä n d i f ch e Hände übergegangen ist, und berücksichtigen. daß die Montanindustrie doch neben der Bergwerksindustrie die Grundlage unserer Wirtschaft darstellt, dann zeigt sich deutlich, daß die Selbstverwaltung dieser WirtschastSunter" nehmen doch höchst bedenklich ist. Selbst wenn wir annehmen, daß diese großen Montan« werke von den allerfäbigsten Wirtschafisführern geleitet werden und die Ergebnisie nicht aus der Ausnutzung der Koujunktur auf Kosten der Verbraucher erzielt wird, sondern durch ganz hervorragende technische Organisation— wir sagten, wenn wir das annehmen, obgleich eS nicht zutrifft—, bau» darf eS doch unmöglich in das B e li e b e n der Kapitalisten ge« stellt bleiben, wie sie die erzielten Gewinne verteilen. Die Folgen sehen wir ja in den Spekulationen, die an den Börsen sich ab» spielen. Diesen völlig ungerechtfertigten Zustand verdanken wir der M a ch t st e l l u n g des Kapitals, die von der Regierung geschützt und gestützt wird, die den Arbeitern predigt, daß nur Steige- rung der Arbeitsleistung die deutsche Wirtschaft retten könne. Statt die Kapitalrenten vorerst einmal zrnückzu» schrauben und die Preise abzubauen, sollen die Löhne der Arbeiter und Angestellten geschmälert werden. Die Lage in der Pirmasenser Schuhindustrie hat sich im großen und ganzen erholt. Während zur ärgsten Zeit der Krise gegen Mitte Juni etwa 12 000 Erwerbslose vorhanden waren und in der letzten Juniwoche in 85 Fabriken gegen 3700 Arbeiter beschäftigt wurden, arbeilen etwa 8500 Arbeiter und Arbeiterinnen in etwa 145 Betrieben. Die Schuhfabriken sind gegenwärtig mil Aufträgen gut eingedeckt, auch der Versand»st wieder flort im Gange. Zur Zeit der Hochkonjunktur, wurden etwa 700 Schuhbetrieb« gezählt. Von einer ausgesprochenen Mode kann unier den obwaltenden Verhältnisien nicht die Rede sein. Die Absätze der Damenstiefel, die früher 6 Zentimeter und mehr betrugen, sind auf 4—5 Zenti» meter zurückgegangen. Vom Handel, der durch Aufkäufer in Pirmasens wieder stark vertreten»st, viel gefragt sind Normal« s ch a s t st i e s e l für Damen und Herren und augenblicklich bequeme Stiefel und Halbickuhe für ältere Damen. Großer wird bei der Herstellung auf Oualrtätsware un» bequeme, gutsitzende Formen gelegt. Die Preise baben wohl unter dem Einfluß der Lederverteuerung und aus anderen Gründen iLobnaufbesserungen usw.) in der letzten Zeit um etwa 15 Proz. angezogen. Trotz dieser Preisverteuerung für fertige Schuhwaren gibt es noch heute Fabrikanten, die ihre Waren mit Verlust auf den Markt werfen. Wenn auch gegenwärtig wieder Hausseluft herrscht, so muß doch abgewartet werden, wie sich die Kaufkraft des Publikums mit den steigenden Schuh- preisen abfindet. Hiervon wird es abhängen, ob der Schuhfabtikatio» eine einigermaßen erträgliche Konjunktur gesichert ist._ Bcrantw. für den redait. Teil: Tr. Werner Pcisrr, Charlotten dura: sürAnzeiae»! Td. OK urfr. Berlin. Perlag: PorwärtS-Perlog G.m.b.H.. Perlin. Trurt: Vor- wärtS-Buchdruckorei u. Berlagsanlia!« Paul-im, er u. Co.. Berli.i. Lmdenllr. S. Hier,» 1 Beilage. Hühneraugen Hor-nf-iaiat-, Schwielen u-Wanzer» beseitig»- schnell, sicher u. schmerzlos KllKirol loooooofecn bewährt Preis M. 3,-Jn Apotheken ll. Drogerien erhältlich Vorsicht vor tochahmungea.KuKiPol steht einzig da, 6o�munds\ucH i Korkmundstücf