Nr.»y5�57.?ahrga»s Ausgabe B Nr. US BezuftSvretS t V etttl|äl)tt.30,—JRL.mflnatL10,— 3Kt. ftii ms dau» docom mbibat Dok» bcjug MonalU» 1&— Ml. ecO. flu* Mutig tfltblibt. Unter Stnujbonti fül Dvitlchlanv onb Oefttnttth IMO TOU. für da» übrige HusUml oet täglich einmal- RnMun« 8150 TO. Vfllde» (teaangen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho» Elowalet, Dane- mark, äollano..uremdurg, Lchweben und oie Schwei».-»» Eingetretae» in die Vnü- Zeitung»' Brei«liste. Der.Borwarf mit der Sanmogs. bellage.Sali a. Rcir* ertchewi rooehen« iSglich laehnai Sonntag« und Montags-mmoL Teiegramm-Adreste «Ssgislbcmattal Berlin". Abend Ausgabe Berliner VolKsblaN ( 20 Pfennig) AnzetnenpretS: Die gchrgewaitene Nonvareillezeiie loilctS.— M. Teuernngsiulchlag SO »«lein» Anzeigen", da« tett» gedruckte Wort t— M.(julälstg zwei lettgedruckte{Borte),>ede« weitere Wo« 60 Big. Etellengeiuche und Schlafltellenangeigen dg, erste Bort tö Big. iede» weitere Wo««0 Dkg, Worte über 15 Buchstaben»üblen Nie itnet Worte. 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Den Arbeitern, die zum Teil infolge des B e r k e h r s st r e i k s den Weg zur Arbeitsstätte hatte» z u F u ß zurücklegen müsieu, wurde, wie eine Bcr- liuer Korrespondenz meldet, bedeutet, daß vor der Hand die Betriebe geschlossen bleiben müssen. Der Ausfall zahl- reicher Straßenbahnlinien brachte gestern abend und heute morgen der Stadt- und Ringbahn sowie der Hoch- und Untergrundbahn eine U e b e r- l a st u ng, daß die Berwaltungen auch nicht entfernt de» an sie gestellte» Ansorderunge» gerecht werden konnten. Heute morgen um 9 Uhr haben zwischen den auSständi- gen Heizern, dem Verband der Heizer und Masch!» nisten und der Direktion der städtischen Elektrizität»- werke Verhandlungen über Wirderausnahme der Ar- beit begonnen. Im Kraftwerk Moabit sind insgesamt 500 Mann, Krsselhtizer, Schlackenzieher, Kohlenförderer und Maschiniste» in den Streik getreten. Die Ausständigen ver» langen, wie von uns schon heute morgen mitgeteilt, die sechsstündige Arbeitszeit. Wie der Arbeit er rat der Elektrizitätswerke mitteilt, wird die Sechsstundenarbeit für das Personal, das mit der Bedienung zu tun hat, ganz allgemein gefordert. Die Elektrizitätswerke haben sich unter dem Druck der Kohlennot neuerdings aus B r i» kcttfeuerung umstellen müsicn. Nach Angabe des Arbeiterrates verursacht die Brikettfeuerung eine solche Staubentwicklung, daß es dem Heizpersonal pbvsisch unmöglich sei, in dem Kohlenstaub länger als sechs Stuu- den zu arbeiten. Weiter erklärt der Arbeiterrat, daß auf sei» ausdrückliches Ersuchen hin, dir Arbeiter der anderen Berliner Kraftwerke nicht ebenfalls schon in de« Streik ge- treten seien. Der Betriebsrat habe die Direktion der .Kraftwerke darauf aufmerksam gemacht, daß das Personal sich mit der von der Direktion vorgeschlagnieu sieben- st ü n d i g r» Arbeit aus Gesündheitsrücksichteu nicht ein» verstände» erklären könne. Bis zum Abschluß der Verhaudlnugeu dürfte» die je�t noch mit Strom belieferten Stadtteile Berlins auch w e i- terhin versorgt bleibe». Die Arbeiter des Kraft- Werkes Rummelsburg habe» sich dem Streik noch nicht augeschlofse», so daß der vom Kraftwerk Golpa» Tschoruewitz kommende Strom, der bekanntlich von Rummelsburg weitergeleitet wird, vorläufig nicht ab- geschnitte» ist. Auch der Magistrat Berlin wird sich heute vor» mittag mit dem Streik im Kraftwerk beschästiaeu. I» sehr unangenehmer Weise hat sich der Streik im Kraftwerk am Südufer auf de» Fernsprechämtern Zentrum und N o r» de» fühlbar gemacht. Die Aemter mußte»'beute vormittag deu Privatbetrieb einstellen, da die Reserve» b a t t e r i e« bereits so beansprucht waren, daß der noch zur Verfügung stehende Strom unbedingt zur Erledigung der Dienstgesprache reserviert bleiben mußte. Wie die i;8..Korrespondenz erfährt, hat das R e i ch s w i r t s ch a s t S» Ministerium sich bereit erklärt, in den Streik der Heizer und Maschinisten im Moabiter Kraftwerk vermittelnd cinzu» greifen. ck Im Anschluß an den Streik der Elektrizitätsarbeiter wer» den allerdings Kombinationen verbreitet, die natürlich mit der größten V o r f i ch t ausgenommen Werden müssen. Obwohl von den Heizern und Maschinisten wiederholt darauf hingewiesen wurde, daß sie lediglich durch Wirtschaft» liche Gesichtspunkte zu ihrem Vorgehen veranlaßt worden seien, wird von verschiedenen Seiten die gegenwärtige Bewe- gung mit politischen Bestrebungen, mit dem Kampf um das Gesetz Groß-Berlin usw. in Verbindung gebracht. Unter» stützt werden diese Vermutungen durch Flugblätter, die in der letzten Zeit verteilt wurden, und in denen darauf hin» gewiesen wurde, daß erst das Gesetz Groß-Berlin den Arbeitern und Angestellten die Möglichkeit gebe, wirkliche Reformen zu verwirklichen, und daß, wenn die städtischen Betriebe überhaupt nutzbringend arbeiten sollen, ein ent» scheidender Einfluß der Arbeiter und Angestellten der Verwaltungen notwendig sei daß Arbeitnehmer» Vertreter Sitz und Stimme in den Direktionen er» halten müssen. Wie gesagt, kann durchaus nicht behauptet werden, daß diese Bestrebungen mit dem Wirtschaftskampf der Elekttl» zitätsarbeiter und Heizer in Verbindung stehen; sollte es aber doch der Fall fein, so hätten gerade die bürgerlichen Kreise alle Ursache, sich tvegen ihres Sabotierungsverfuchs am Gesetzentwurf Groß-Berlin vor die Brust zu schlagen und ihre Schuld zu bekennen, anstatt nunmehr gegen die Ar» b e i t e r s ch a f t loszuziehen. Seit heute nacht leitet die T e ch n i s ch e N o t h i l f e den Strom derjenigen Werke, die noch im Betrieb sind, auf an» dere, außer Betrieb gesetzte, um. Falls es zu keiner Einigung kommt, soll die Technische Nothilfe heute nachmittag um 4 Uhr voll in Aktion treten. Wie iveiter mitgeteilt wird, will sich Oberbürgermeister W e r in u t h selbst ins Mittel legen, um eine schleunige Einigung herbeizuführen. die SerUner Verkehrsmittel. Die Berli ner Stadtbahnen und sonstigen Verkehre. mittel zeigen das aus früheren Streiktagen gervohnte Bild. Tie Reisenden hängen auf den Trittbrettern der Stadtbahnen, nehmen vielfach auf den Puffern trotz der damit verbundenen Lebensgefahr Platz und die Stationsvorsteher und übrigen Bahnbeamten sind natürlich dem Nienschensturm gegenüber machtlos. Die Große Berliner Straßenbahn hat ihren Verkehr bisher a u f einigen Strecken au/r echt erhalten. Die Wagen ver. kehren in der Richtung von Weihensee bis Alexander- platz, von Halensee durch den Westen, den Kurfürstendamm ent. lang, bis zm Nollendorfplatz und durch den Tiergarten bis zum Brandenburger Tor. Alle übrigen Linien sind stillgelegt. Das Straßenbahnerperfonal unterstützt den Streik jedoch nicht, sondern hält sich arbeitzhereit auf den Bahnhöfen. Der durch die ausgefallenen Straßenbahnen in» ungeheure gesteigerte Verkehr auf der Hoch- und Untergrundbahn enthüllte wieder bedenkliche Mängel in der Organisation diese» Instituts. Die Fahrkartenschalter wurden aufs äußerste bestürmt, und obgleich sich das Publikum in endlosen Reihen davor ansammelte, hielt es die Hochbahnverwaltung doch nicht für not- wendig, olle verfügbaren Schalter zu ösfuen. Da« Telrphonamt Zentrum hat al» Folge des Streiks seinen Berkehr gegen mittag vollständig eingestellt. Eine Au»» nähme machen zurzeit nur noch dringende Dienstgespräche, deren Herstellung aber wegen der mangelnden Stromzusührung auch mit Schwierigkeiten verbunden ist. » Wie wir kurz vor Revaltionsschluß erfahr»», besteht Aussicht auf rasche Beeudigung de» Streik». Gegenwärtig wird tiber die Möglichkeit einer Berkürzung der Arbeitszeit in den Elektrizitätswerken verhandelt. Da» Retch»wirtschaft«. Ministerium hat sich bereit erklärt, zwischen de» Parteien zu vermitteln. Zwischen dem Städtischen Elettrizität»wrrk und de« ausständigen Heizer» und Maschinisten de» Moabiter Werke» wurden heutr vormittag unter dem Vorsitz de» Direkter» S ch i e r p die Ei»igung»verha«dlu«gen begonnen. Die Arbetttt der übrigen Elektrizitätswerke verhalten sich abwartend. Gefährliche Schwätzer. Bevor eS nock> gelungen ist, positive Mitteilungen über die Ursachen des Berliner Elektrizitätsstreiks zu erhalten, ist die„Deutsche Zeitung" mit ihrem Urteil bereit» fertig und überschreibt ihre Morgenausgabe marktschreierisch„Räte» diktatur in Berlin!". Der Eindruck, den man von�reak- tionärer Seite so oft schon empfangen hat, daß sie nämlich nichts sehnlicher als einen kommunistischen Putsch erwartet, um aus ihm als Fundament die Militär» diktatur einer entschlossenen Offizierskamarilla zu er- richten, wird auch in diesem Falle durch daS Verhalten des alldeutsch-antrsemitischen Junkerblattes in vollem Umfange bestätigt. Die„Deutsche Zeitung" spricht von einer„Macht- probe der Betriebsräte", und eS wird nicht lange dauern, bis sie über die„Bolschewistenberrschast" in Berlin— innerlich frohlockend— jammert. Die Presse aller Parteirichtungen sollte eS in diesem Augenblick als ihre vornehmste Aufgabe ansehen, die Nervosität der Oeffentlichkeit nicht durch Kolportierung haltloser Gerüchte ins Maßlose zu steigern und andererseits durch sinnlose und entstellende Beschimpfun» gen die Erbitterung der Arbeiterschaft zu schüren, die zu einer für die Brandstifter nicht gerade angenehmen Entladung führen könnte.__ Ein wertvolle» Eingeständnis.„Enorme Tenernng. Entwertung deS Geldes. Arbeiten des Papiergelde», da» alle» sind Fol- gen de» Krieges, und nicht nur bei un». sondern in allen europäischen Staaten zu finden." Diesen richtigen Satz finven wir in einem Münchener Bericht der.Deutschen TageS- zeitung" vom 2. Oktober; und der ihn gesprochen, ist kein anderer als der Vorsitzende der Batzerischen Landesdauernkammer Dr. Heim. Trotzdem wird wider bessere» Wissen immer wieder von der.Mißwirtschaft der Republik" gesprochen, die unser ganze» Elend verschuldet habe. Partei gegen Gewerkschaft. Tie Beschlüsse de» französischen Gewerk« schaftskongresseS werden niemanden überrascht haben, der auch nur oberflächlich die französische Geiverkschastsbewe- gung kennt. Um so mehr muß die leidenschaftlickie Partei- nahine der„Humanitä" gegen den Vorstand deS Gewerk- schaftsbundes überraschen. Hinter dem Vorstand des Gewerk» schaftsbundes, den Jouhaux, Dumoulin, Merrheim, Bartuel, Brurderon usw.. steht jedoch die erdrückende Mehr- h e i t der Gcwerksckxlften. Tie Abstimmung auf dem Gewerk- schaftskongreß hat das wohl gezeigt, aber nicht, in welchem Maße die Führer hier die Mitglieder hinter sich hoben. Wenn 1482 für und 691, also ein schwaches Drittel, gegen den Rechenschaftsbericksi des Vorstandes gestimmt haben, so dürfte, nach Mitgliedern gezählt, die Opposition viel schwächer sein. Auf den französischen Gewerkschaftskongressen wird nämlich so abgestimmt, daß jedes Syndikat(Zweigverein) eine Stimme hat, gleichviel welches seine wirklich« Mitgliederzahl sein mag. Zu den radikalsten Syndikalisten gehören aber die südfranzösischen, die ivegcn ihrer geringen Beitragsleistung und der großen Unbeständigkeit ihrer Mitgliedschas en die Sorgenkinder aller französischen Gewerkschaften sind. Die veranftvortlichen Leiter der Parteiinstitutionen scheinen sich der Gefahren nicht bewußt zu sein, die sie durch ihre Haltung über die französische Arbeiterbewegung herausbe- schwören. Di« jungen Leute, die sich in Frankreich jetzt als bevoll- inächtigte Parteidiktatoren auftun— bevollmächtigt von Sr. Heiligkeit Lenin I.—. wissen wahrscheinlich nur sehr wenig von jenen Gefahren und kennen sicher nicht aus eigener Anschauung die verheerenden Folgen des Bruchs zwischen Partei und Gewerkschaften, der 1894 auf dem Kongreß von Nantes eintrat und sich während des folgenden Jahrzehnt» zur Kluft erweiterte. Sie werden sich vielleicht nicht einmal gefragt haben, wieso es komme, daß die klarsten Köpfe der Gewerkschaften nicht einmal Mitglied der sozialistischen Partei sind. Aber Cachin. auf dessen Schultern die Nachfolger- schaft von Jaurös lastet und der ja selbst Mitglied der einsti- gen guesdistischen Partei war, wird sich jener traurigen v,eit noch erinnern, wo die Mitglieder der Partei in den Gewerk- schasten sehr spärlich gesät und unter den Gewerkschafts- funktionären noch viel spärlicher waren. Wo es genügte, als Mitglied der sozialistischen Partei bekannt zu sein, um in den Geiverkschasten einem dreifach gepanzerten Miß- t r a u e n zu begegnen. Von seiner guesdistischen Vergangen- heit scheint Cachin jedoch nur den exklusiven Fanatismus be- wahrt zu haben. Während die„Humanit6" den Spaltern der Gewerk» schaftSbeivegung das weiteste Asylrecht gewährt. Haft sie es für taktisch richtig, auf die Zweite Internationale toszu- hacken, die„Jntzrnationale des Verrats", wie D. R e n o u l t schreibt. Mit Verlaub. Die Internationale konnte während des Krieges nicht„verraten", weil sie überhaupt nicht in Aktion treten konnte. Und zwar konnte sie nicht in Aktion treten, weil die sozialistische Partei Frankreichs, zu deren bekanntesten Mitgliedern die Cachin und Renoult da- nials schon gehörten, es zu verhindern verstand. Cachin war ja nicht da» erstemal in Mokau. Vor drei Jahren war er gleichfalls nach Rußland geschickt worden. Damals mit dem Auftrage, die Russen zu in Kriege aufzu- stacheln! Di«„Internationale deS Verrats" hatte unS ober zur Pflicht gemacht, alles zu tun, um ein« schnelle Beendigung des Krieges herbeizuführen. Wenn also von Verrat in der„Humanitä" gegenüber der International« gesprochen werden soll, dann kehre man zunächst vor der eigenen Türe. Daß man iin Hause des Gehängten nicht vom Stricke reden soll, ist ja auch ein französisches Sprichwort. Es War da(nobe Verdienst Jau rds', daß er in der „HumanitS" wie in der Gesamttätigkeit der Partei alles tat, um selbst den Anschein eines Zwiespalts zwischen Partei und Gewerkschaften nicht aufkommen zu lassen. Und dieser edle und umfassende Geist ging dabei so weit, daß er gegen seine intime Neigung sich zum Vertreter von Ideen inachte, die in den französischen Gewerkschaften Heimatrewt hatten. Wir denken dabei besonders an die Generalstreikidee. Wie sehr unterschied er sich hierin von Guesde! WaS dieser ge» schieden hatte. Jaurds verstand es schließlich wieder auszu- gleichen. Nun aber sind wieder die verjährten guesdisttschen Methoden in Gebrauch. Das Resultat einzr solchen Taktik kann nicht anders sein als es vor einem Vierteljahrhundert war. Damals stützte sich die Partei noch auf eine Mnderheit der Gewerkschaften und trieb es zur Spaltung. WaS darauf gefolgt ist, haben wir oben angedeutet. Aber wer von den leitenden Personen der französischen Partei denkt heute, was gepern war und waZ morgen sein wird?— Oer?anustopf See volksparte!. Die Weimarer Resolution der Reichstagsfrak- tion der Deutschen Volkspartei, die sich im Gegensatz zu den volksparteilichen Ministern Dr.-H e im�z e, v. Raum e r und Scholz gegen die Sozialisierung des Bergbaus aus- spricht, setzt die rechtsstehende Press« in einige Verlegenheit. Unglaublich ist es aber, wemi sich die„T ä g l i ch e R u n d- schau" bei dieser Gelegenheit das Kunststück leistet, den Kabinettsbeschlutz vom 22. September. ,den Reichswirtschafts- minister zu beaustragen, auf der nun vorliegenden Grund- lag? des Berichts der Sozialisierungskommission um- gehend den Entwurf eines Gesetzes über die Soziali- fierung des Bergbaus vorzulegen", ganz einfach aus der West zu debattieren. Sie schreibt: „Das Reichskabinett hat niemals die Sozialisiernng des Auhlenbergbaus beschlossen, und die vollSpartejlichen Minister haben ihm niemals zugestimmt. Das„Wolfssche Tele» graphenbureau" hat allerdings seinerzeit eine Nachricht der» breitet, die einen solchen Irrtum begünstigte, wenn nicht geradezu hervorrief? aber diese Tendenznachricht, über deren Ur- spvung man sich noch wird unterhaUen müssen, war falsch und auf Irreführung der Oeffentlichkeit berechnet. Das Ka- binett hat lediglich die B-rlage eines Kohlenbergbau. gesetzes beschlossen, den beiden Borschlägen der SozialisierungS« kommission aber nicht zugestimmt, und die volksparteiliche» Mi- »ister haben tbensowenig wie andere Mitglieder des Kabinetts sich auf eine Sozialisierung des Bergbaus festgelegt." Wenn die Meldung des WTB. vom 23. September wirk- sich auf einem Irrtum beruht, warum läuft man dann s r st heute gegen diese bewußte Irreführung der Oeffent- lichkeit" Sturm? Diese Angelegenheit war doch wichtig genug und die Herren Heinze, Raumer und Scholz, denen dl« Mel- dung nicht unbekannt bleiben konnte, hatten die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sofort nach Veröffentlichung des amtlichen Berichts mit einer Berichtigung vor J)ie Oeffentlichkeit zu treten. Sie haben geschwiegen. Sie haben geschwiegen wie die Deutsche Volkspartei, und auch auf der WeimarerTag u n g ist die Richtigkeit der amtlichen Wolffmeldung nicht mit einem Wort angezweifelt worden. Wenn also die„Tägliche Rundschau" nachträglich den Be- fchlutz des Kabinetts in sein Gegenteil verwandelt, so macht sie sich ihrerseits einer Irreführung der öffentlichen Meinung schuldig. Wir erklären noch einmal a u s d r ü ck- lich, der Beschlutz des Reichskabinetts vom 22. September wurde e i n st i m m i g gefaßt. Sämtliche drei Minister der Deutschen Volkspartei, Dr. Heinze, v. Raumer und Scholz hasten ihm zugestimmt. Dr. Heinze und v. Raumer haben sich also, indem sie der Weimarer Resolution zustimmten. eines Doppelspiels schuldig gemacht, das dadurch nicht aus der West geschafft wird, wenn man sich bemüht, die klaren Beschlüsse des Reichskabinetts umzudeuten. Auch wir hallen es für notwendig, die Angelegenheit weiter zu ver- folgen: Aber in anderem Sinne als die„Tägliche Rund- schau". Es wird notwendig sein, festzustellen, welches Spiel die Deutsche Volkspartei mit dem Finanzminister und mit dem deutschen Volke treibt. Man sabotiert üas Recht! Ms der Militärputsch am 18. März einsetzte, da schössen diejenigen, die sich zu künstigen Führern des deut- schen Volkes berufen fühlten, nur so aus der Erde. Die Hoffnung, im„neuen Deutschland" einen Mnisterposten von dem mit Hoheitsmiene die Portefeuilles verteilenden Herrn „�Reichskanzler" Kapp zu erlangen, war so groß, daß man alle verfassungsmäßigen Bedenken, alle Furcht vor der Heilig- keit des Eides und ähnliche„Sentimentalitäten" beiseite schob, und. nur die eine Sorge kannte: sich den„neuen Männern" recht gefällig zu erweisen. Als die Sache dann ansing schief zu gehen, tauchten diese„Volksführer" einer nach dem andern in die Versenkung und sieh da: eines schönen TageS stellte sich die überraschende Tatsache heraus, daß der ganze Putsch o h n e j e d e n F ü h r e r vor sich gegangen war. Leider hat der höchste deutsche Gerichtshof, das R e i ch s- gericht zu Leipzig, nichts getan, um die Mär von dem führerlosen Putich zu zerstreuen. Erst jetzt wieder wird viel- mehr gemeldet, daß das Verfahren gegen den General v. Lettow- Vorbeck wegen Beteiligung an dem Kapp- Putsch auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Alsberg durch Beschlutz des I. Strafsenats des Reichsgerichts eingestellt worden ist. Das Reichsgericht ist dar Ausführungen des Verteidigers darin beigetreten, datz, weil General v. Lestow- Vorbeck nur an der Leitung eines provinziellen Unter- nehmens beteiligt sein sollte, der A m n e st i e e r l a tz auf ihn Anwendung finden müsse, da das Gesetz vom 4. August, das die L e i t e r des Unternehmens von der Am- nestie ausgeschlossen wissen will, offenbar nur die Leiter des gesamten Unternehmens im Aug« gehabt habe. Die Auslegung, die das Amnestiegesetz vom 4. August dieses Jahres seitens des Reichsgerichts erfährt, zeichnet sich durch eine schöne Milde aus. die allerdings von böswilliger Seite auch als juristische Spitzfindigkeit und üble S o p h i st i k bezeichnet werden könnte. Man fahre nur w fort! Dann kann auch Kapp die Weitherzigkeit des Ge- setzes für sich in Anspruch nehmen, ist er doch auch nur Leiter einer Verschwörung, die in Berlin begann, und somit, da Berlin in der Provinz Brandenburg gelegen ist. nur Leiter eines provinziellen Unternehmens. Da- mit wären dann alle Schwierigkeiten aus der Welt geschafft, und nur noch besonders bösartige Zeitungsschreiber würden von Zeit zu Zeit an die Spuktage des März erinnern. Es ist nur natürlich, wenn solche Juristerei schließlich vom Volk als Sabotage des Rechts aufgefatzt. und bewertet wird. Noch ei« Unschuldiger gerettet. Der VollsratSabgeordnete Bürgermeister Krämer aus Hirschberg a. S.(Deutsche Volkspartei), der unter dem Ver» dacht, am Kapp-Putsch in führender Rolle beteiligt ge- Wesen zu sein, in Untersuchung genommen war. ist nunmehr vom Reichsgericht außer Verfolgung gesetzt worden, weil ihm eine Schuld nicht nachgewiesen werden konnte. Solstbewißißbe Rrbeitsfreiheit. Wie es mit dem Grundrecht der Arbeiter— der Freizügigkeit— in Sowjet-Rußland aussieht, das zeigt ein Be- Muß, den der 9. Kongreß der bolschetvistischen Partei Ruß- lands in: April 1920 in Moskau gefaßt hat und den wir einer in Wien erscheinenden Sammlung der Kongreßbeschlüsse (Verlag der Avbeiterbuchhandlung) entnehmen. Er lautet: XV. Arbeitsdesertion. In Anbetracht dessen, datz ein erheblicher Teil der Arbeiter, auf oer Suche nach besseren Verpflegungsbedingun- gen, nicht selten aber auch zu Zwecken der Spekulation, eigen- mächtig die Unternehmen verläßt und von einem Orte an den anderen übersiedelt, wodurch der Produktion weitere Schäden zu- gefügt werden uns die allgemeine Lage der Arbeiterklasse verschlech- tert wiro, sieht der Kongreß eine der dringendsten Aufgaben der Sowjet-Mcicht und der GewerkfchaftSorganisationen im plan- mäßigen, systematischen beharrlichen, strengen Kampfe mit der Ar- beitsdesertion, im besonderen durch BerSffentlichvng v«» Straf- liste« der Deserteure, durch GAafstm« von Strafarb eitSksounandss auS Deserteuren und endlich durch Einsperren der Deserteure in ei» Konzentrationslager. Der Arbester, der sich eine bessere Arbeitsstelle zu suchen wagt, wandert hinter Stacheldraht! Dieser Beschluß genügt eigentlich, um die Frage zu erklären, ob die aus Rußland Heimgekehrten bei der Schilderung de- bolschewistischen „Paradieses" übertrieben haben. Oberbayerns U. S. P. für Moskau. Die Kreizkonferenz der U. S. P. D. O b e r b a y e r n S hat in namentlicher Abstimmung mit 44 312 Stimmen den Beschluß gefaßt, die Moskauer 21 Be- dingungen anzunehmen. ,€me heilige Pflicht." Das neue Exekutivkomitee der Kommunistischen Jnter» nationale konstituierte sich in Moskau bekanntlich am 7. August und hielt alsbald den Kongreß ab, an dem von deut- scher unabhängiger Seite C r i s p i e n, D i t t m a n n. T ä u- m i g und S t o e ck e r teilnahmen. Wiederholt nahmen wir Gelegenheit, über den Verlauf des Kongresses Mitteilung zu machen. In der„Prawda", dem offiziellen Organ der rufst- ichen bolschewistischen Partei, wird nunmehr ein Tätig- keitsbericht zum Abdruck gebrächt, aus dem einiges Interessante wiedergeben sei: Bekanntlich wurde von dem russischen Exekutivkomitee der Ausschluß der„Sozialverräter" Kautsky, Hilfe r- ding usw. gefordert. Hiermit glaubten sich die Führer des rechten Flügels Crispien unÄ Dittmann nicht e i n v e r» st a n d e n erklären zu können. Wörtlich heißt es hierzu in der„Prawda": Crispien und Dittmann wiesen auch darauf hin. datz diese Fragen eine S p a l t u n g in der U. S. P. D. hervorrufen könnten. Darauf antworteten die Genossen S i n o w j e w und R a d e k. Ge- nosse Sinowjcw bemerkte beiläufig, daß es S i t u a t l on e n gebe, bei welchen die Spaltung heilige revolutionäre Pflicht sei und daß die U. S. P.D. entweder gesäubert werden oder sich spalten müsse. In diefemSinne wurde ein Aufruf an die U. S. P.D. beschlossen. So sehr sich auch die russische Auffasiung von der West- europäischen in allen den Sozialismus betreffenden Fragen unterscheidet, so wird doch auch mancher, der auf allerhand von Moskau gefaßt ist, sich nicht wenig über diese neueste Pflicht eines„Revolutionärs" verwundern. Wir waren bisher immer der Ansicht, daß die e r st e revolutionäre Pflicht in der Zusammenfassung aller proletarischen Streitkräfte bestehe, und datz jede Zersplitterung dieser Kräfte die G e s a m t a k t i on des Proletariats äußerst gefährde. Aber Lenin ist anderer Ansicht, und so wird von seinen Nachbetern in Deutschland der Ruf nach einer Be- seitigung mißliebiger Parteigenossen sobald nicht verstummen. Koalitionskrise in öapern. München, K. Oktober. In Bayern ist eine K o a l i t i o n s- krise entstanden. Die Koalitionspartcien des Landtages sind nämlich von der neuen Erklärung der Bayerischen Bolkspartei über ihre Bamberger Programmpunkte nicht befried'gt. Tie Demokraten haben ein Schreiben an den M i n i ft e r p r ä- s i d e n t e n gerichtet mit der Bitte um Auskunft, ob er sich an die Bamberger Programmpnnkte bei seiner RegierungSfüh. rnng gebunden erachtet oder nicht. Di« Fraktionsführer der Bayerischen Mittelpartei und deS Bayerischen Bauernbundes haben sich ebenfalls gegen das Bamberger Programm der Bayerischen Bolkspartei erklärt und es als einen Verstoß gegen die Koalitions- Vereinbarungen bezeichnet. Gefleigerte Zö'rüerimg im Ruhrrevier. Die Kohlenförderung im Ruhrrevier im Monat' September stellte sich einschließlich der linksrheinischen Zechen nach den vorläufigen Berechnungen an 26 Arbeitstagen(26 Arbeits. tage im Vormonat) auf 7,5g Millionen Tonnen(7,29 Millionen Tonnen im Vormonat), das ist arbeitstäglich 281940 Tonnen (230 445 Tonnen). Die Steigerung dieser Ziffern läßt dar» auf schließen, datz die Zahl der Hebers chichven im Ruhrgebiet im September z u g e n o m m e n hat. Einigung in Riga? Riga. S. Oktober.(O.E.) I« Anbetracht dessen, daß nun. «ehr in alle« Hauptpunkte» zwischen der polnischen und russischen Delegation im wesentliche« ei« E«»dernehmen er�elt worden ist, haben die beide« B-rsitzenden der Delegationen, J p s se«nd D o« b S k i, heute um 7 Uhr 40 Mi», abends ein Prot» k o l'l unterzeichnet, welches festsetzt, daß biö Freitag die Unterzeichnung des W- s f e n st i l l st a u d s- und Prälimi» uarfriedensvertrageS zu erfolge« hat. yans Zranck: Hoölva. Staatliches Schauspielhaus. Das mittelalterliche Herrenrecht, das dem adligen Eigentümer Von Grund und Boden gestattete, zusammen mit den ersten Früch- ten seiner Erde und seiner Bäume auch die Jungsrauenblüte seiner Untertanen zu nehmen, soll ein Stück der Weltenrevolution ver- ursacht haben. Der Aufstand, der.auS den südlichen Polen des WenschenleibeS in die kühleren Gebiete des Kopfes emporloderte, hat aber bei dem sehr entzündbaren Dichter Beaumarchais nicht ge- nügt, um ein Trauerspiel zu befvuchten. Aus seiner Wut auf dieses Herrcnrecht machte Beaumarchais allein seine unsterbliche Komödie von..FigaroS Hochzeit". Lachen, köstliche Musik. Aeuglein, die vor Lust blinken, und trotzdem Generalmarsch des Aufruhrs gegen alle Gewalthaber bis zu den himmlischen Heerscharen hin- auf. das ist alles Folge dieses heiteren Figaro. HcmS Franck nimmt den Kampf gegen dieses Herrenrecht sehr tragisch. Deshalb muß sein Spiel von Lady Godioa bis zum ver- söhnlichen Ende allein durch die sehr geladene Sprache eines hohen Dramas erfüllt sein. Die Legende von der Lady Godiva ist sadisti- sches Mittelalter. Der Lord verlangt die Jungfernschaft, d-ie ihm das Sonnenwendfest an einer Bürgerstochter gewährt. Die Bürger jammern und wollen sich loskauftn. Der Lord will aber die Jung- stau. Damit den Bürgern ihr Klagen belohnt und die Unerbitt- lichkeit des Lords gebrochen werde, tut die Lady, was ihr Ehetyrann verlangt. Splitternackt reitet sie durch ihre Stadt. So etwas for- derten im Zeitalter der Minne die Gatten von ihren Gattinnen. Es war eine liederreiche, aber etwas verseuchte Zeit. Nach der eng- lischen Sage haben alle Untertanen der Barg Coventrey sich ver- steckt, um die nackte Lady nicht zu sehen. Nur ein Schneiderlein schlug die vorwitzigen Blicke auf, und es wurde blind. Franck, ein Dichter, der den Hebbelstil und auch die Strind- bergsche Geschlechtstragik Erlebt hat, sagte sich 1820, datz der Lord nicht ohne Ursache ein Sadist geworden fem kann. Er verrät bald, daß der Lord es wurde, weil seine Gattin ihm seelisch alles versagt, was ste ihm leiblich schenkt. Es ist ein Alles und ein Nichts in dieser Liebe. Der Lord laßt die Lady mit Qual und Todesplänen ziehen, und er schreit trotzdem nach ihrer Opferung. Daß er mit all seinen Mannen in die Wälder flieht, um auf dem Weg der Schmach nicht zu stehen, ist natürlich. Datz er zum Wäckier dessen, daß alles trotzdem nach seinem Willen geschehe, einen etlvaS ab- soitigen. frauenfremden deutschen Veiter einsetzt, ist eine Tat zur Erhöhung der freiwilligen Selbstgual. Denn es kommt sehr bald an den Tag, daß gerade dieser bleiche Better Lady Godiva unendlich liebt. Die Lady reitet. Sie rechtfertigt ihres Herren Sadismus, da sie mittelalterliche Einfalt und Aufopferung, da sie von dem groß- artigen, erbarmungswürdigen Geschlecht jener Frauen ist, die am meisten lieben, wenn sie am meisten gemartert werden. Die mittel «licrlichen Troubadours haben ein ganzes Heer von solchen Hei dinnen erfunden. Sie keihrt zurück. Wäre eine Gerechtigkeit auf Erden, die Tragödie müßte hier erst anfangen. Sie endet aber mit Versöhnung,, wie es der gütige Richter Hans Franck gebietet. Und jene Schlaskammcrsteuden. die in der großen Szene der Ab- rechnung so deuaich geschildert waren, werden wieder beginnen. ohne daß die„Seele" diesmal zu kurz kommt. Die Jungstauen- ehre ist gerettet. Keiner ist gestraft außer dem armen deutschen Vetter, der nur ein wenig geschielt hat und darum erblindet. Hans Franck sucht nicht das Seelen- und Gedankenreich von morgen. Seine Fruchtbarkeit wirkt schützend und erhaltend. Hebbel, Strindberg, große Namen, verführerische Namen, Namen, die zur Pathetik verleiten. Pathetik tritt ein, wenn die lebendige Person- lichkeit unsicher wird. Spitzfindigkeit tritt ein, wenn die Gedanken straucheln. Johanna Hofer besitzt nicht nur Jugend, um Lady Godiva zu spielen. Die Tragik, die sie erwecken kann, trotzt zunächst ihrem Gefühl. Der Regisseur, der manches Cutscheidende verfehlte, hätte ihr nur an einigen Stellen die Einsicht in das dichterische Wort klarer macheu sollen. Theodor Becker spielt den enttäuschten, aus Verzweiflung grausamen Lord weniger femnervig als der Dichter wohl möchte. Er verschluckt häufig nicht nur den Sinn, er über- stürzt; auch; ein Talent, das vor dem Poltern behütet werden muß. Lothar Müthcl, der deutsche Vetter, entsprach einem Bilde, das höfischen Miniaturen entzückend nachgeahmt war. Gebärde und Rede dieses Künstlers passen gut zu solcher Farbenzartheit. Max Hochdorf. Das abgebrühte Publikum. Bei einer Aufführung von „Tosla" in der Londoner Ooper erregte eine junge Dame in einer Loge die allgemeineb Aufmerksamkeit, die während der großen Foltcrungsszene mit aller Gemütsruhe Schokolade aß und von den entsetzlichen Vorgängen auf der Bühne nicht im geringsten berührt zu sein schien. Im Anschluß an diese Erscheinuwz beschäftigten sich englische Blätter mit der„Abgebrühtheit" des Publikums, die. in. London immer deutlicher hervortritt.„Die Schokolade essende Dame ist nur ein typischer Vertreter des mo- dernen Publikums." erklärte ein genauer Kenner der Psychologie des Theatcrpublikums.„Der durchschnittliche Theaterbesucher ist in einem Grade gleichgültig und hundeschnäuzig geworden, wie man es früher nicht für möglich gehalten hätte. Vielleicht sind es die furchtbaren Dinge, die fast alle während des Krieges erleb! haben, die traurigen Erregungen des eigenen Herzens, die gegen Kummer und Oualen der Bühne abgestumpft haben. Vielleicht mag auch das Kino mit seinen Schaudcrgeschjchten dazu beigetragen haben, daß man die Leiden auf der Bühne nicht mehr ernst nimmt und sich über die tragischen Helden der Kulisse lustig macht. Jedc-nfalls ist das Publikum von einer kaum zu übertreffenden Abgebrühtheit." Den besten Beweis für. diese Stumpfheit der Londoner bietet das„Grand-Guignol"-Theater. eine Spezialitätenbühne für Schauewramen, die von Paris nach der englischen Hauptstadt vcr- pflanzt worden ist. Während im Pariser„Grand Guignol"" laute Schreckensschreie die entsetzlichen Vorgänge auf der Bühne begleiten und das Publikum in wilde Austcgung gerät, sieht sich der Brite diese Scheußlichkeiten ganz behaglich an.„Nachdem aus der Bühne ein Bildhauer sein treuloses Weib in eine Säule eingemauert und dem Lebendigbegrabe nwe rden überantwortet l>at,. sieht man beim Aus glommen der Lichter»ur strahlenvergnügte Mienen im Publi. kum." so schildert ein Besucher die Wirkung. Im Everyman-Theater wurde bei einem tragischen Stück, in dem gräßliche Szenen mit großer Realistik gespielt wurden, laut gelacht, und das Publikum amüsierte sich vortrefflich Nicht anders ist es im Konzertsaal; selbst die Musik scheint an diesen gepanzert«, Herzen deS heutigen Albion abzuprallen. Bei einer Aufführung der Sinfonie Pathetique strickten verschiedene Damen ruhig weiter, und das Klappern ihrer Nadeln' begleitete rhythmisch die Musik. Wenn, man in London noch ein wirklich er- griffenes und erschüttertes Publikum sehen will, so muß man nach den kleinen Vorstadtbühnen gehen, wo das Volk noch mitfühlt mit den tragischen Helden, und bei ihren Schmerzen weint. «ine Doftojewski-Morgenfeicr findet im Reuen VolkStbeater am 10. Oktober um 11'/, Uhr statt. Mitwirkende: Rose Liechtenstein. Iran,« llioloss, HanS Sochaczewer. Theater. Im Les si» g-Th e a t er gebt am Freitag Henrik Ibsens„Peer G Y n t' mit Theodor LooS als Peer Gvnt. Lina Lossen al» Solveig und Jlla Gruning olS Aase in Szene.— Eugen Klöpser fit vom 1. November er. für das Deutsche Theater aus mehrere Fahr« ver- pflichtet worden. Die Schriftftellernot und Schiller-Ttiftung. Der ReiSSPräsideut bat im Hinblick ans die Notlage in den Kreisen der Schnitsleller der Deutschen Schiller-Stisung aus dem DiSpofltionSsondS eine jährliche Bei- hllse von 5000 M. gewährt. Die Große Bolksaper gibt zwei erste Konzerte m der Reuen Veit, Hasenbeide: einen Wagner-Abend am 8. Oktober, abend» Tl. Uhr mit dem Bbllbarmonilchcn Orchaiter, und die dmsführung der N e u n t e n Sinsonie Beethovens am 12. Ottober, abends VI, Uhr. mit den, BIüthner-Orchester und dem Berliner BolkSchor. DaS Zentralinftitnt für Erziehung«nd Unterricht veranstaltet vom 11. Oktober bis 7. Dezember 20 einen Lehrgang für Jung- lebrer und KricgSteilncbmer aus VolkSschulkreisen, Näheres durch die GeschästSstelle Potsdamer Str. 120.<- DaS«rnst-Häckel-Musenm in Jena wird am 31. Oktober eröffnet Mt der Feier ist die Beisetzung der Asche Emst Höckels und die Enthüllung. eines Denkmals verbunden. Tbraternot. Die Siadt Köln rechnet sür das abgelaufene Betriebs» jabr der beiden städtischen Bühnen mit einem Feblbelrag von 3 Millionen Mark gegen 1060 470 M. der Spielzeit tglsslS. Nachdem schon längst alle Lasten deS ZheaterbetriebS von der Stadt getragen werden, soll jetzt auch sonnell die Uebemabme der Theater aus die Stadt ersolgen und die Stelle deS Direttors in die eines Intendanten oder Senerallntendanten mw- gewandelt werden. O Rtfes, 9. Lltöver. fC.(?.) ttuf der' gestrigen zweiten geschlossenen Sitzung des HauplausschusseS, über die anfangs teil- weife irrtümliche und wideri'preche.rde- Meldungetr verbreitet wur- den. wies Dombsli auf den Widerspruch hin, der zwischen der Erklärung Joffes und dem Beschlutz des Allrussischen Zentral- exelutivkomitecs in Moskau bestehe. Dieser Beschluß hatte sich bekanntlich dafür ausgesprochen, die Frage des Selbstbestim- mungsrechtes hinauszuschieben und sie nicht unter die Be- dingungen des Waffenstillstandes aufzunehme». Domski schlug vor, als Grundlage der weiteren Verhandlungen ausschlietzlich die Deklaration des Allrussischen Zentralexekutivkomiteeö und die pol- «ische Friedensdeklaration zu betrachten. Joffe destritt in seiner Antwort, dag ein Widerspruch zwischen den verschieden«, russischsn Ertlarungen bestehe. Er betonte, datz er in der entschiedenen Ab- lehnung der polnischen Delegation, die o st g a l i z i s ch e Frage zu behandeln. e,n Merkmal der imperialistischen Denkungsart er- blicke. Zum Schlüsse gab Joffe die Erklärung ab, dag auch er die Berkandlungen genau auf Grund der Erklärung des Allrussischen Zentralexekutivkomitees führe, womit die wesentlichste Schwierigkeit beiseite geräumt ist. Diesen Meldungen, die auch von anderer Seite bestätigt wer- den, steht eine Meldung der..Berlingske Tidende" gegenüber, nach der die polnische Delegation die neue,, Friedcnsbedingun- gen der Bolschewisten abgelehnt bat. Nach cner Meldung des„Echo de Paris' hat der Moskauer Sowjet rat mit Dreiviertelmehrheit beschlossen, mit General Bkrangel in Friedensverhandlungen einzutreten. Nach einer Drahtung aus Helsingfors soll der bekannte russische Reitergeneral Budjennt, mit einem Teil seiner Truppen sich von den Sowjetverbänden losgelöst haben, um sich mit dem ukrainischen Heerführer Petljura gegen die Räteregierang zu wenden. Eine Stockholmer Drahtung meldet zunehmende Demoralisation der südrussischen Sowjetarmee und wiederholt die Krisennachrichten aus dem inneren Rutzlands in verstärkter Form. Die Richtigkeit dieser Nachrichten kann nicht nachgeprüft werden, von ihnen auf eine Krise der russischen Regierung zu schließen, wäre jedenfalls der- srüht._ Die Vieüergutmachungsfrage. Brüssel. 6. Oktob.'r. HavaS-Reuter verbreitet folgende Mel- dung: Ueber die nächste Zusammenkunst von Delacroix und Lloyd George in London erfahren wir, daß Lloyd George dem Borschlage, die Deutschen durch die Wiedergntmachungs- kommissio« zu hören und auf diese Weise ein neue» Ber- fahren an die Stelle der Konferenz in Genf treten zu lasse«, nicht günstig gegenübersteht. Seit einiger Zeit bereits machten sich in belgisch-sranzösischen Kreisen Bestrebungen geltend, die Wiedergutmachungssragc dem internationalen Machtbereich der Genfer Konferenz zu entziehen und sie zu einer privaten Angelegenheit zwischen Frankreich und D eutschland zu machen. Es war zu. er- warten, datz England gegen diese Lösung der Frage protestieren würde. Im Zusammenhang hiermit ist eine halbamtliche Meldung von Bedeutung, in der eS heißt: Die Meldung, daß in Berlin verhandelt werden wird, trifft nicht zu. In Paris werden zurzeit einige Probleme der AuS- und Einfuhr erörtert, die aber nur den Eharakter von V o r. be sprechungen haben und rein technischer Natur sind. Was den in der erwähnten Zeitungsnotiz hervorgehobenen Wunsch der Pariser Kreise anlangt, der Wiedergut. machungs kommissio» eine besondere Rolle zuzuteilen und zunächst die Lage in Deutschland zu untersuchen, so sind da» die idekannten Gesichtspunkte, die von französischer Seite schon seit län. gerer Zeit geltend gemacht worden find. Vorläufig kommen in der Frage der Festsetznng der von Deutschland auf Grund des Bersailler Friedens zu leistenden Beträge überhaupt keine VerHand- lunge» von Regierung zu Regierung in Betracht, son- f�rn eS handelt sich ausschließlich um die Fühlungnahme technischer Sachverständiger zur Vorbereitung des Boden» für eine i n t e r- nationale Kon ferenz. Zu weiteren Kombinationen bieten diese Vorbesprechungen keinen Anlaß. SroßSerlm Der Ueberfall auf üeu Generalöirektor. Der an dem Generaldirektor der Diktoria-Bersichevungdgesell- schaff Gerstenberg im August v. I. in Karlsbad verübte räuberische Ueberfall soll nun in einer in diesem Monat beginnen» i>cn Schwurgerichtstagung unter Borsitz de» Landgericht sdirekbors Dransfeld seine Sühne finden. Wegen räuberischer Erpressung und Freiheffsbcraubung werden sich der Automobilschlosser Karl H e u m a n n und der Reisende Franz Thiele zu verantworten haben. Der Fall hat sich etwa wie folgt abgespielt: Ein gewisser Matches, der als Angestellter der Viktoria wegen verschiedener Un- regelmäßigieitcn entlassen und in Geldschwierigkeiten geraten war, hatte in Erfahrung gebracht, daß Direktor Gerstenbevg sich in Karls- bad zur Erholung befand. Im Bereu, mit dem ihm bekannten Heu- «ann und Thiele mietete er einen Kraftwagen, und die drei fuhren unter Begleitung eines Chauffeurs Koch nach Karlsbad, wo sie im Hotel„Kaiser Karl" zwei Zimmer für mehrere Tage mieteten. Am Tage nach der Aninnff erschien dann in der Villa Gerstenbergs der ÄngeElagie Thiele und bat ihn, wegen einer geschäftlichen Be- sprechung nach dem Hotel zu kommen, wo ein Bekannter aus ihn toart«. Ter Nichtsahnende folgte der Aufforderung; kaum hatte er jedoch das Hotel betreten, als Thiele plötzlich die Tür hinter sich schloß und ihm eröffnete, datz er verschiedene Schriftstücke unter» zeichnen müsse. Als sich G. entschieden weigerte, traten aus dem Nebenzimmer Henmann und Matthes— letzterer durch ein« blaue Brille, gelbe Gesichtsmaske und ein den Rest des Kopfes verhüllen- des schwarzes Tuch unkenntlich gemacht, herein. Unter gewaltsamen Drohungen wurde Direktor Gerstenberg gezwungen, nach Diktat eine Anweisung an die Deutsche Bank in Berlin auf Zahlung einer Euminz von iyi Millionen Mark an den Ueberbringer auszustellen. Kaum hatten die Verbrecher diesen Schein in Händen, als sie die Fensierjalousien herunterließen und G. befahlen, sich ruhig zu verhalten, in 24 Stunden würden sie mit dem Anw wieder von Berlin zurück sein; bis zur Abhebung müsse er unter Be- tvachunz des Thiele im Zimmer bleiben. Nach Abfahrt der übrigen ging Thiele auf einen Augenblick in da» Nebeuznnmer; in diesem Augenblick glückte es Gerstenberg, an das Fenster zu springen, die Jalousie«ifzuhcben uno aus dem Fevster des ersten Stockes auf einen Manervorsprung zu klettern. Im ersten Augenblick hielt daS vorbeikommende Publikum ihn für einen Geisteskranken, bis sich der Vorfall aufklärte und er m'ttels einer Leiter herabgeholt wurde. Durch die Karlsbade» Polizei wurde die Berliner Behörde bcnach- rtchtigt, und es gelang sehr bald, Heumann und den zunächst ver- schwnndenen Thiele zu verhasten. Auch Matthes wurde bald darauf auf der Grunewaldrennbahn verhaftet, ohne datz es ihm gelungen war, von der Deutschen Bank das Geld aus die erpreßte Anweisung hin zu erhalten. Er schätz sich auf der Polizeiwache eine Kugel in Erster Kongreß der Betriebsräte Deutsthlanös. Zweiter Berhandlungstag. Der Vorsitzende G r a tz m a n n eröffnet die Sitzung kurz nach ö Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest Schaumburg- Berlin eine längere Erklärung der Fraktionen der U. S. P. und der K. P. D. Dieselbe protestiert gegen die Ausführungen, die der Vorsitzende A u f h ä u s e r gestern gegen die Rede des russischen Gewerkschaftsvertreters L o s o w s k y gemacht hat. Die Leitung habe damit gezeigt, datz sie nicht unparteiisch sei. Tie Frak- r tonen der U. S. P. und der K. P. D. seien mit den Ausführungen LosowSskys einverstanden und gewillt, den iüamps der russischen Genossen für die W e l t r e v o I u t i o n zu unterstützen. Diese Erklärung wurde von der Mehrheit mit Unwillen und«chlutzrusen. von der Minderheit mit Betfall auf- genommen. Vors. Graßmann erklärt sich mit den gestrigen Ausführungen Aufhäusers vollkommen e i n v e rst a n d e n. Es fei notwendig gewesen, die Angriffe Losowskys gegen die deutschen Gewerkschaften zurückzuweisen. Auf» Häuser habe seine Pflicht erfüllt, indem er die Würde des Kon- g r e s s e s wahrte.(Beifall der Mehrheit, Widerspruch der Minder- heff.) Dieser Zwischenfall zeitigte eine läiigere Geschäftsord- nungsdebatte Mehrere Redner der Opposition stimmen der von Schaumburg verlesenen Erklärung zu und greisen die Leitung des Kongresses heftig an.— Redner der Mehrheit treten diesen Ausführungen entgegen, billigen die Haltung der Leitung und ver- langen, datz die praktische Arbeit des Kongresses nicht durch solche Austritte, wie sie dw Opposition ins Werk gesetzt hat, gestöst werde. In diesem Sinne äußert sich auch der Vorsitzende Graß- mann, der ersucht, solche Demon st ratio neu zu unterlassen, da sonst die Geschäfte deS Kongresses nicht erledigt werden könnten. Ein Redner dar Opposition tritt hiernach auf und beantragt, daß die Vorsitzenden Graß mann und Aufhäuser abge- setzt und zwei Vorsitzende aus sen Reihen der Betriebsräte gewählt lverden.(Unruhe und Widerspruch.) Ein Redner der Mehrheit bezeichnet es als einen Skandal, datz sich hier eine Opposition gebildet habe, die in solcher Weise austrete, daß man sich vor der Welt schäme« müsse.(Beifall und Widerspruch.) Großen Lärm riefen!oie Aus- führungen eines Opposition srcdners hervor, der den Kongreß als eine von Gnaden der Gewerkschaftsburean- kratie zusammengekommene Versammlung bezeichnete.— Dem Zwischenfall wurde schließlich ein Ende gemacht durch«inen mit allen gegen tvenige Stimmen gefaßten A es chlu tz, die Ge- schäftsordnungsdebatte abzubrechen und zur Ta g e s ö r d n u n g überzugehen.— Mit vemselbcn Stimmenverhältnis wurde dann der Antrag auf Abfetzung der beiden Vorsitzenden abgelehnt. (Starker Beifall.i Die Abstimmung zeigte, datz hinter dem demonstrativen Vorstoß der Opposition nur etwa 50 Delegierte stehen. Umbreit wünscht eine Erklärmig abzugeben gegen Ansrnbrun- gen, die Losowsky gestern gegen das„Korrespondenzblatt' des Gewerkfchaftsbundes gemacht hat.— Ter Kongreß, vom Vor- sitzenden Graßmann oefragt, ist gegen die Entgegennahme der Erklärung. Umbreit verzichtet auf das Wort. Mitglieder der U. E. P. geben durch den Mund des Vorsitzenden Graßmann die Erklärung ab, sie wüßten nichts von der durch Schaumburg verlesenen Erklärung. Vors. Graßmann gibt befonnt, daß im Vorraum riue Deputation der Arbeitslosen erschienen ist. die verlangt, mff beschlneße.nder..Stimme am Kongreß teilzunehmen. Die Deputation geht au» vom Reichs. arbeitslosen rat. Sie droht, wenn ihr Verlangen abgelehnt werden sollte, werde ein« Demonstration der Arbeitslosen veranstaltet werden, die in den Saal eindringen werde.(Lebhafte Unruhe und Widerspruch.) Aus Vorschlag des Vors. Gratzmann wird beschlossen, einem Vertreter des Reichsarbeitslosenrates zu einer Erklärung das Wart zu geben. Schmidt-Berlin. Vertreter des ReichsarbcitSlosen- rates, führt aus, die Regierung sei unfähig, irgend etwas Positives für die Erwerbslosen zu schaffen. Deshalb wollten die Arbeitslosen dem Kongreß ihre Anträge unterbreiten, denn die Be- triebsräte hätten die Pflicht, den Arbeitslosen zu helfen, indem sie die Kontrolle in den Betrieben übernehmen und die SabotagcderUnternehmer verhindern. Der Kongreß sei verpflichtet, etwas Positives für die Arbeitslosen zu tun. Die Ar- beitSlosen verlangen den wirtschaftliche» Anschluß Deutschlands an Rußland und energische Sozialisierungsmaßnahmen. Die D i k- tatur des Proletariats müsse verwirklicht werden. Auf andere Weise sei das Elend der Arbeitslosen nicht zu beseitigen. Der Kongreß müsse die- Frag« dKr Erwerbslosen aus die Tagesord- nung setzen. Wenn er das nicht tue, habe er gar keinen W e rk und die Arbeitslosen würden gegen den Kongreß sein.(Vereinzelter Beifall.) Vors. Graßmann erklärt: wir alle sind daran interessiert, daß die Arbeitslosen ausreichend unterstützt werden und für Arbeitsgelegenheit gesorgt werde. Zur Besprechung der Frage der Arbeitslosigkeit würde die Zeit des Kongresses nicht ausreichen., doch könnten Anträge eiugegengenoimnen werden zur Ueberimttluug an die zuständigen Stellen. Daß wir alle den Arbeitslosen helfen wollen, darüber sind wir einig.(Zustimmung.) Auf Vorschlag von Aufhäuser und Graß mann wird beschlossen, die Diskussion über das Arbcitslosenproblcm zu ver- binden mit der Diskussion über die Referate von W i s s e l l und Hilserding. Die Vertreter des Reichsarbeitslosenrats nehmen an den Ver« Handlungen teil.• Reutkr-Mainz erstattet den Bericht der MaudatsprüsuugSkommissi-u. Der Kongreß ist besucht von 953 Delegierten. Ob sie alle Be» triebsräte sind, konnte nicht festgestellt werden. Es sind die Betriebsräte von 05 Organisationen vertreten. Den Land- arbeitern stehen 290 Mandate zu, sie sind aber nur durch 32 Delegierte vertreten. Von einer zu starken Vertretung einer ein- zelnen Berufsgruppe kann keine Rede sein. Die Kommission be- antragt, alle Mandate anzuerkennen, mit Ausnahme eines Man- dats, das aus formalen Gründen abzulehnen sei. Der Kongreß stimmt diesem Antrage zu. Hierauf wird die Diskussion über die Referate von Wissell und Hilserding eröffnet. Damit wird die Besprechung der von der Arbeits» lose ii Vertretung eingereichten Anträge verbunden. Kiel Dortmund(Bergarbeiter) schildert die Verhältnisse der Bergarbeiter und sagt, durch die Sabotage der Unternehmer werde die Kohlenförderung künstnch niedergehalten. DaS Arbeitsgerät sei in so schlechtem Zustande, daß die Arbcsismög-. lichkeit nur zum Teil ausgenutzt werde. Der Redner befürwortet die Vollsozialisierung des Bergbaues. Tie Arbeiter wollen zur Durchführung.des S p a- A b k o m m-e n s. tun. tvas sie könne», aber sie wollen nicht Hunger», um den Ansprüchen des Aus-. landes zu genügen Hunderttausende von Arbeitslosen könnten beschäftigt werden, wenn die Kultivierung d e S Oed» lande» in Angriff genommen werde. Hatschc-Hamburg(Eisenbahner) führt aus, das Defizit ber Eisenbahn werde fälschlich aus die A r b e i t s u n l u st der Ar- heiter zurückgeführt. Richtig sei dagegen, daß die Preise der Materialien auf das Kvölsfache, die Eisenbahntarise um das Fünf- fache gestiegen seien und gleichzeitig sei der Verkehr bedeutend zu- rückgegangen. Das ermögliche aber nicht, daß die Zahl der Arbeiter verringert werde. Tie bureaukratische Verwaltung habe das Eisenbahnmaterial fast bis zur Unbrauchbarkeit herunter- gewirtschastet. Wenn die Betriebsräte die Anschaffung von Werk- zeug und Maschinen beantragen, werde es abgelehnt. Ader später, wenn die Preise auf das Mehrfache gestiegen sind, werden die Sachen angeschafft. Die Tätigkeit der Betriebsräte werde durch die Verwaltung behindert. Wenn nicht die Bureau- kraten durch Fachmänner ersetzt werden, könne»es nicht besser werden. Um den Arbeitslosen Arbeitsgelegenheit zu schaffen, müssen die Doppelexistenzen beseitigt werben.(Beifall.) Schneider-Berlin bezeichnet es als die heiligste Pflicht der Betriebsräte. Licht in die Köpfe der Arbeiter zu tragen, damit bessere Zustände herbeigeführt werden. Um die Volksbildung zu heben, müsse die Einheitsschule eingeführt werden., Die Lehrlinge müßten nicht mehr in der jetzt üblichen Weise, sondern in Lehrwerkstätten ausgebildet werden. Die Gewerkschaften müßten sich in Verbindung mit den Betriebsräten auf Massenaktionen vorbereiten. Haudmg-Ehemnitz spricht gegen die Arbeitsgemeinschaften, da diese nur den Kapitalismus stärken. Wir fordern die Sicherung der proletarischen Existenz. Sie kann uns in der kapitalistischen Wirt« schaff nicht gewährt werden. Die Wirtschaft kann nicht wieder auf- gebaut werden mit den Mitteln eben dieser kapitalistischen Gesell» schaft. Dazu sind andere Wege zu beschreiten. Die Vollsozialisie- rung muß durchgeführt werden. Um den Kapitalismus zu über- tvinoen,� müssen wir die politische Macht erringen. Dem gesamten kapitalistischen Staatswesen müssen wir schärfsten Kamps ansagen. D 5 Betriebsrätegesetz ist eine Fessel, die uns m der Dürchdrückung unserer Forderungen hindert. Tie Einheil deS Proletariats kann nicht von emeul Kongreß wie diesem durchgeführt werden.(Beifall bei der Minderheit.) Die im Vorraum loarteiü>e Delegation der Arbeits- losen wird mit beschließender Stimme zugelassen. Tie Di»» kussioii wird fortgesetzt. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) den Kops und starb im Kraukcnhause. Die Angeklagten haben bis- her kein Geständnis abgelegt,' sondern behaupten, Matthes habe ihnen vorgespiegelt, er habe gegen die Viktoria Geldansprüche in der erwähnten Höhe und müßte diese mit Gewalt eintreiben. Gemeinsamer Coü. Liebestragödie in der Wraugelstrasic. Die Tragödie einer älteren Frau, die von der Leidenschaft zu einem jungen Mann erfaßt worden war, fand gestern einen blutt- gen Abschluß. In der W rangelstraße 24 wurde gestern nachmittag die 45 Jahre alte Witwe Auguste Kaiser, geborene Mitschke, mit einem jungen Manne erschossen aufgefunden. Frau Kaiser, die im dritten Stockwerk des Vorderhauses wohnte, unterhielt Be- ziehungen zu dem jungen Mann, der sich August Unnewehr nannte und seit einiger Zeit bei der Witwe unangemeldet aufhielt. Diese hatte nun in Erfahrung gebracht, daß ihr Geliebter von Osnabrück aus zur Verbüßung einer längeren Strafe steckbrieflich gesucht wurde. Sie trug sich deshalb mit der Absicht, sich von dem jungen Manne zu trennen. Er war auch schon zwei Tage ab- wesend gewesen, kehrt« aber gestern wieder zurück. Eine Bekannte im Hause, die nachmittags Einlaß begehrte, ließ die Wohnung öffnen. Nun fand man beide erschossen auf. Frau Kaiser lag im Bett, der junge Mann mit durchschossener Schläfe neben dem Bett auf dem Fußboden. Nach dem Befund hat dieser zuerst die Witwe und dann sich selbst erschossen. Die Leichen wurden, nachdem ein Arzt den Tod festgestellt hatte, beschlagnahmt und nach dem Schauhaus« übergeführt._ Aufsichtsrat gegen Betriebsrat. Der Auffichtsrat der Großen Berliner Straßenbahn, der einst- weilen bis zur Bildung der matzgebenden Körperschaften im neuen Berlin die Geschäfte auftragsgemätz weiterfuhrt, trat Dienstag zu seiner voraussichtlich letzten Sitzung unter dem Vorsitz des Prof. Dr. Jng. G i e s e zusammen. An der Sitzung nahmen auch Ver- treter des Betriebsrates der Großen Berliner Straßenbahn teil. Ter Aussichlsrat hatte zu der Forberung des Personals auf grundsätzliche Gleichstellung mit den Arbeitern der Stadt Berlin Stellung zu nehmen, die nach längerer Aussprache bewilligt wurde. Dabei nahm der Aufsichtsrat Ver- anlassung, das unbeicchtigle Vorgehen des Betriebsrates der Großen Berliner SUatzeiibahn. der über den Kopf der Direktion hinweg Anoronungen an das Personal in bezug auf die Neu- regelun�der Dienst zeit erlassen haste, einstimmig gu mißbillige n. Nachdem der Betriebsrat die Erklärung- abge» geben hatte, daß sein Vorgehen unberechtigt gewesen sei, fgh der Aufsichtsrat. die Aiigelegenhell als friedigt an. Er stellt« jedoch das Verlangen, daß untor allen Umständen in Zukunft ähnliche Eingriffe des Betriebsrates in die Befugnisse der � Direktion zu unterbleiben haben. Nach Erledigung der Tagesordnung nahm der Vorsitzende Veranlassung, den Mitgliedern des Aufsichtsrates und der Direktion für ihre aufopferungsvolle und uneigenützige Arbeit im Interesse des Unternehmens zu danken. Er wies insbesondere darauf hin, daß in den letzten Jahren infolge der unglücklichen all» gemeinen Verhältnisse die Wirtschastsfragen im Vordergrund der Erörterung gestanden hätten, und daß es daher bisher nicht mög- lich gewesen sei, auf technischem und verkehrslichem Gebiete so voranzukommen, wie es im Interesse der Bevölkerung wünschenswert gewesen wäre. Die in letzter Zeit eingetretene merkliche Besserung ver Einnahmen lasse jedoch die Hoffnung zu, daß es nach Ueber- Windung der gegenwärtigen Schwierigkeiten möglich sein werde, das Unternehmen auch auf diesem Gebiete weiter zu entwickeln. Er schloß mit dem Wunsche, daß die Groß« Berliner Straßenbahn auch in dem neuen Berlin ihrer glanzvollen Vergangenheit ent» sprechend ihren Platz im Groß-Berliner Wirtschaftsleben behaupten werde._ Razzia in Lichtenberg. Ein Bild von der Verwahrlosung unserer Jugend gab eine Razzia, die in der vergangenen Nacht in den städtiiehen Anlagen von Lichtenberg veranftaltet wurde. DaS nächtliche Treiben dort veranlaßt« die dortige Kriminalpolizei zu einer umfassenden Streife. Unter Leitun« de» Kriminalkommissars Dr. Götsck durchstreiften 20 Beamte die Anlagen und sistierten alle dort angetroffenen Personen. Dabei stellte sich heraus, daß in der Hauptsache junge Burschen und Mädchen von 14 bi» 13 Jahren sich hier zum nächtlichen Stelldichein getroffen hatten. Vom amerikanische» Licbrswcrk. Die.The Cbarity Bazar Association- in Milwauk«, welche sich an dem grohcn amerikanischen L i e b e S w e r k siir die deutschen Kind er mit be- sonderer Hingabe beteiligt, hat wieder einen neuen Beweis ibrcr legenS- reiche» Tätigkeit durch Ueberweisung einer größeren Summe an den diesigen Mädchenhort S, Friedenstr. 31, Vorsteherin Frau Professor Teßler, gegeben. Die Volksbühne Südwest, deren Borsitzender Genosse Schöffe Fritz MalcrinZcblendors ist. Eröffnet ihre Winterspielzeit durch ein Gaitlpiel de» Pvlsdamcr Schauspielhauses aus Veranlassung der Zehlendorfer Ortsgruppe am DonnerSIa-, den 7. Ottober. 7'/, Uhr, in Zehlcndors-Äitle, im Mozart» saal des Lindenpmks. Gegeben wird daS humorvoll-sastitsche Luftipiel von Ludwig Fulda: Jugenosreundc. Es wird die als angenebme Pflicht empsundene Aufgabe der Zehlendorfer Genossen sein, das Bestreben des Vereins, der gan, im Sinne der VvUSblchue arbeitet, /u unterstsstzeu. volkSbiid«»g«omt Xeutätttt, Um 10. CUaSte. abends 7 Mr. bnden fo.gendc Äeranslallungen Witt-») In der RealiÄulc. Boddi». fttai,« 34/38, Lichtbilderoortraa de» Heirn Urban:.MSrkijche Heimat". Eintritt 75 Pf., Karderobe LO Pf. b) In» Kalle.-Iriedrich.Realgymnasium, dtalfer-Friedrich-Strake 208/210, Neuterrczitationen: Herr Brandt.Fricdrich-Str. L, Mocffert, Hermann» slroste hg. jaucit Neckorstr. 3 und Emier Str. 32. Zu icm am 8, Okt.. oBeniä'/.S Uhr, in dem grosten Saal der Neuen Welt stattfindenden Loapner-Abend mit dem Phitbarmunischen Orchester und namhaften Solisten, sowie zu dem am 12. Lttober ebenda stattfindenden Konzert mit dem Btüthner-Lrchcster(JX. Sinlonte von Beethoven) find Karten zum Wrelse von 3,40 M. im VoltsbUdungSamt, Rathaus, Zimmer 218. von S dis 2 und 5-7 erhältlich. Volkshochschule Pankow. Die Kurse für da« Bierteljahr Oktober- Dezember lS2i> beginnen am 18. Oktober. Anmeldungen in der Theater» kaff« der Gemeinde und im Geschäftszimmer der Volkshochschule. Breit« Strahc 37, geöffnet Montag, Mittwoch. Freitag 5—7 nachm. Eiweibslose erbalieil toslenlose Teunehmerkarlcn nur an der Theater» kasse, Rathaus Zimmer 27, 0—2 Uhr. Gine Proteftveriammlung der Siedler und«leiugärtuer, der Wohnungfuchenden, der Kriegsbeschädigten und Krtegerwitwen, die alle dringend Siedlungs» und Gartenland brauchen, findet am Donnerstag, den 7. Ottober, abends 7'/, Uhr, im Deutichen Haufe in KarlSborst, Treslow- ollee 97, statt. Tagesordnung: Proteft gegen die Verweigerung von Stedlungsland durch Herrn v. Tretkoio und den Oberpräsidenten der Bro» vinz Brandenburg sowie durch die MUitirverwaltung des Flugplatzes bzw. den Herrn Reichsschatzministcr. Grsß-Serliner Parteinachrichten. Morgen. 7. Oktober: Asalkeubers/Alt-Pltruicke. Frauenabend Uhr bei Klingenberg, Grünauer Str. 20. Ref.: Genosse LanogcrichtSrat Rüben:»Unser Programm". GewerMastsbewegung Nach einem Jahre. In frischer Erinnerung sind noch die von..revolutionärer" 23 e- geisterung durchglühten Reden DlßmziinS. des jetzigen Borfitzenden des Metallarbcitcrverbandes, die er aus den Nürnberger und Stuttgarter Kongressen des vorigen Jahres zur Freude aller Radikalen hielt. Heute, da er auf veranttvortungSvollem Posten steht, hat er eingesehen, daß auch der ungestümste Stürmer nur mit Wasser kochen kann. Neulich hielt er in einer Metall- orbeirerversammlung Dresdens ein großes Referat über die derzeitige wirtschaftliche Krise und ihr« Lösung. Dem Bericht unseres Dresdener Bruderorgans entnehmen wir darüber folgendes: In zweistündiger Rede ging Dißmann auf viele Einzelheiten ein. di« der ZeitungÄleser kennt. Als er endlich darauf zu sprechen kain. wie aus dem ganzen Elend herauSzulommen sei. da klang es diesmal ganz anders wie einst. Heute konnte der Redner keine anderen Mittel anraten als die, die bon der alten Sozialdemokratie immer empfohlen find: Die Arbeiterschaft soll sich durch planlose Pfuschereien und Putschereien nicht das Heft aus der Hand nehmen Injfcn; die Wirren müssen aufhören; man muß den Mut haben, gegen den Strom der Unaufgeklärten zu schwimmen; der Go s s e n t o n und die Beschimpfungen in den De» hatten, �daS gegenseitige Zerfleischen muß auf. hören; den bloßen Manlmachcrn müssen die Wege gewiesen werden. Wir haben weder von Osten noch von Westen Hilfe zu er. warten, der deutsche Arbeiter mutz sich selbst helfen; der französische hat nicht die Kraft, dem dortigen Kapitalismus ent> �egenzutreten; der Bcrsaillcr Gewaltfriede mutz ver- schwinden. Nicht durch Weltrevolution und Diktatur können wir ausbauen; wir sind abhängig von den ökonomischen Verhält- nissen. Politische Arbeiterräie machen Unfug; eine Utopie ist es, mit politischer Macht die Verhältnisse kommandieren zu wollen; die wirtschaftlichen Räte sind ein Mittel zur endlichen Sozialisierung. Man hat sich früher zu wenig mit dem Uebergong zum Sozialismus beschäftigt. ES muß ein geistiger Umstcllungs- Prozeß eintreten. Die Amsterdamer Gewerkschafts zentrale alt ..gelb" zu bezeichnen, wie die Russen eS tun, ist«ine Ver lg um» dung. Kein Anschluß an Moskau I So redet heute ein Dißmann. der jeden, der vor einem Jahre dieselben Worte gebrauchte, einen Verräter schimpfte. Merkt die Arbeiterschaft nun bald, wer sie verraten und unglücklich ge» macht hat? Der Streit im Zeituugsgewerbe. Die streikenden Angestellte« des ZeitungSgewerbeL hatten sich Mittwoch früh wieder äußerst zahlreich im„Deutschen Hof" ver- sammelt. Wesentlich Neues konnte nicht berichtet werden. Die Mahnung zum Ausharren fand begeisterte Zaistimmung bei den Versammelten, die noch der alte Kampfgeist beherrscht. AuS der Versammlung begab sich die Streikleitung zum Schlich tu ngs- a u S s ch u ß, um zu verhandeln. 920, nachmittag» 1 Uhr, Arbettswsenoeriammlung m de, Vötzow-Brauerei, Prenzlauer Alle«. Ecke Saarbrficker Strohe. Tage«- ordnung: Laö vollzlebt fich in der Leilmer Holzinduslri«? und Reuwahl der Arbeitslosenkommilfion. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert. Die ArbeitSlosetiiommisfio.l. Die Ortsverwaltung. Ardettnebwerverband des ftrifenr* und Haargewerbe«. Generalversammlung 7. d. M.. abends 8 Uhr, Engetufer IS. Ohne Mitgliedsbuch letn Zutritt. Bund der technischen Angestellte« und Beamte«. Osten II. Donnerstag, den 7. Ottober>920. abends 7»/, Uhr, in Brauerei Piesser- berg, 0. 112, Frankfurter All cc 813: MonalSversauimtung. Wirtschaft Leipziger Spltzenfabrik Barth u.(So. A.-G. Tic Eeneralver- sauimlurg setzte die Dividende auf 2 0 Proz. und den BonuS in gleicher Höhe fest. Die Aussichten wuroeu als günstig bezeichnet; sowohl auS dem Ausland als auch aus dem Inland Iregen reichlich Aufträge vor. für welche die Rohmaterialien zu vor» teilhaften Preisen eingedeckt sind. Em größerer Geschäftsabschluß mit Rußland. Nack einer Rem» icheider Meldung der„Telegraphen-Union" ist der erste große Ge» schästSabickluß tn Werkzeugen für Rußland erzielt worden. Es handelt sich dabei um russische Aufträge in Sägen für die Holz» bearbeitung im Werte von mehreren Millionen Marl. Da» Ge- schüft ist für die Remscheider Fabrikanten finanziell durchaus sicher- gestellt und gewährt der Sägcindustrie für die nächste Zeit loh- n« n d e Beschäftigung, an der rs in allen Geschäftszweigen der Werkzcugbranche jetzt vollständig fehlt. Weitere umfangreiche rui» fische Bestellungen in Wertzeugen sind angekündigt und können bereingenommen werden, sobald eS gelingt, eine gesicherte Verbindung mit Rußland herzustellen. Die Wanderausstellung der Deutschen LandwirtschastS-Gesellschast» die als die erste seit KriegSbeginu vom 16. bis 21. Juni 1021 in Leipzig-Thonberg veranstaltet werden wird, wird, abgesehen von Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen, die au« nahe- liegenden Gründen noch nicht wieder an einer Lu»stellung teilnehmen lönneu, alle Gruppen enthalten, die in den Friedens- jähren das Interesse der Besucher erweckt haben. Außer durch Ziegen wird die deutsche Kleintierzucht, die heutzutage die besondere Aufmerlsamleit de» Voltswirte» erfordert, mit Geflügel, Kaninchen, Fischen und Schäferhunden vertreten sein. Eine umfangreiche Beschickung ist in den Gruppen der landwirtschaftlichen Er» zeugnisse zu erwarten. Außer Saatgetreide. Hackfrüchten. Futtergewächsen und Splnnvflanze» wird der deutsche Tabak- bau. die Moorkultur, der Obst- und Gemüsebau. Milch- und Bienenwirtschaft und vieles andere zur Stelle sein. Auch da» Siedlungswesen und die wissenschaftliche Darstellung versprechen eine hervorragende Beteiligung. Nicht minder erschöpfend wird das landwirtschaftliche Maschinenwesen auf der Ausstellung vertreten sein. Die Hauptprüfungen der Düngerstreuer und Karloffelsichter sind zurzeit bereit» in die Wege geleitet. Ebenso werden die an der Hauplprüfung für Kleindrillmalchinen und für Bodenbearbei« tungsgeräte de» Obstbaue« beteiligten Moschinen auf der Ausstellung vorgeführt werden. Aber auch sonst ist eine große Zahl von Ma- schinen- und Geräteneuheiten zu erwarten. Chinesische Kohle. Welche tiefgreifenden Veränderungen ber Weltkrieg in den wirtschaftlichen Beziehungen der Völker hervor- gerufen hat, zeigt die Nachricht, daß ans dem europäischen Markt zum erstenmal in der Wirtschaftsgeschichte Europa» chinesische Kohle abgesetzt werden soll; beißt eS doch, daß Dänemark 10000 und Frankreich 100 000 Tonnen erhalten werden. Vor dem Kriege wurde der emopänche Kohlenbedarf fast ausschließlich au« den englischen und deutschen Bergwerken gedeckt. Der enorme Rückgang der Förderung in diesen Ländern bat dann amerikanische Kohle in wachsenvem Matze nach Europa geführt und zwingt nun sogar zum Berug chinesischer ,'chwarzer Diamanien". Gewiß hat mran schon immer mit dieier Mö.ftchfeit gerechnet, wenn nämlich Europas Kohlenreickuim e r> ch v p st tei, aber man glaubte dos dock noch in recht weiter Ferne. Nun hat sich mit einem Schlage da» Bild geändert. Dem europäischen Wirtschaftsleben flieht au» eigenem Bereich nicht mehr genug LebenSblut zu. Soziales. Da» freie Angestelltenrecht. Seit Beginn de» Jahre» lölS warten di« Augestellten der sozialen Versicherungsträger nun schon aus eine durchgreifende Neuregelung des bisher geltenden Angeftelltenrechts. Bis zum Ankrafttreten des Be t r i e b S r ätege setze 5 galten allgemein nur die ß§ 849— 362 der R.VO!. für die Ange- stellten der Krankenversicherung, für die der Berufsgenossenschaften und der Invalidenversicherung die ZK SSC--70S bzw. 1117 der R.V.C.. die als das Recht der Angestellten lediglich die Bestimmung enthielten, daß bei der Beratung der Dienstordnung, der die An» gestellten unterstellt waren, die volljährigen Angeisellterr zu hören waren. Daß bei dieser mehr als kümmerliche» RechlL» bemeffung für die Angestellten nur dann etwas Ersprießliches �er- ausspringen konnte, wenn diese sich auf eine genügend starke Or» ganisation stützen konnten und wenigstens bti einem Teil der sogenannten Arbeitgeber bei den Versicherungsträgern eine gute Dosis sozialen Verständnisses vorhanden toac, versteht sich von selbst. Allgemein darf behauptet werden, daß die Rechte der An- gestellten bei allen Versicherungsträgern bis vor kurzer Zeft, soweit es sich um Entlohnung und Mitbestimmungsrecht handelte, genau den minderwertigen Bestimmungen der oben an- geführten Paragraphen entsprachen. Selbst die Auswirkungen der Revolution von 1018 zeitigten erst ganz allmählig eine Wen- dung zum Besseren, und erst da! so viel geschmähte Betriebsräte- gesetz brachte für diese Angestcllienkategorie 041,« durchgreifende Besserung der bestehenden Verhältnisse, weil es dick Rechte derselben auf eine breitere und vor allem ans eine Grundlage stellte, die den Intentionen und Wünschen der freien Gewerkschaften wenigsten» einigermaßen entspricht. Legte die Reichsversicherungsordnung die Beschlußfasswtg über Rechtsstreitigkeiten zwischen Versicherungsträgern und Angestellten ausschließlich in die Hände der Versicherungsämter, so kann nach der allgemein geltenden RechtSaufsassung, daß neue Ge- setze alte aufheben, angenommen werden, daß durch die ZI 66. 76, 80 und 87 des Betriebsrätegesetze« die entsprechenden Paragraphen der ReichSversicherrnigZordnung illusorisch geworden seien und die Gestaltung de» Angeftelltenrechts den Versicherungsträgern und den Betriebsräten bzw. den hinter den Ange- stellten stehenden Organisationen generell übertragen wird, und daß die Beilegung von Streitigkeiten zwischen diesen Körperschaften nur noch von den SchlichtungSauSschüssen zu regeln seien. Nun hat sich aber der Preußische Minister für Volks lo ohlfahrt bewogen gefühlt, den ausgeschalteten Ver» sicherungSämtern zu Hilfe zu eilen, indem er in seinem Erlaß vom 15. Mai 1920(R.G.Bl. 159) folgendes verfügt:..... Wenn der Betriebsrat einer Kasse gemäß Z 66 Nr. 8 des Betriebsräte- gesetzes den EchlichtungSauSschuß oder eine vereinbarte Schieds- stelle oder EintgungSstelle airrust oder nach Nr. 5 daselbst Dienst» Vorschriften oder Aenderungen derselben mit den Kassenvorständen vereinbart, wenn er ferner nach Z 78 Nr. 2 bei der Regelung deS Arbeitsverhältnisse» mitwirkt, nach Nr. 8 mit den Kasscnvorstäudcn Richtlinien über die Einstellung von Angestellten vereinbart oder bei Entlassung solcher mitwirkt, so ist gleichwohl bei entstehenden Streitigkeiten ein Verfahren bei den Versicherung!» behörben nach Z 358 R.V.O. zulässig... Da? besagt also nichts anderes, als daß die ReichsverficherungS- ordnung über das Betriebsrätegeictz gestellt wird und daß die durch da» Betriebsrätegesetz gewährleistete freiere Ausgestaltung de« An- gestelltenrechts auf vorkriegszeitliche, fast vorsintflutliche Bestimmun. gen zurückgeschraubt werden kann. Zwar soll anerkannt werden. daß zum Teil rn die Amtsstuben der BersichcrungSämter in letzter Zeit auch schon ein etwa« freierer Luftzug hineiiigc- kommen ist. doch weiß heut noch niemand, wie lange diese Wendung zum Besseren anhält. Die sreigewerkschaftlich organisierten Angestellten der Versicherungsträger sehen jedenfalls tn ihrer Or» ganisation, in ihren Betriebsräten und den SchllchtungSauS» schüssen weit bessere Interessenvertretungen, als in den Verfiche- rungsämtern. sonst könnten sie nur gleich dem reaktionären Strebe» der sogenannten gelben oder blauen Angcstelltenverbänden Folge leisten und für eilte, unter Außerachtlassung des Betriebsrätegesetzes zu schaffende neue gesetzliche Regelung des Angestelltenrechts mi, Vorschriften über Pflichten. Vorbildung, Prüfung und Strafen, die in die ReichSvcrsicherungSordnnng hineingearbeitet wird, eintreten. Bei dem freiheitlichen Ickfi, der heute die gesamte Angestellten- schast, mit wenigen Ausnahmen beherrscht, würde die Erhaltung der alten, oder die Schaffung entsprechend neuer Aufsichtsbehörden nicht zu einer Klärung der Verhältnisse führen, sondern nur neuen KonfliktSstosf ansammeln lassen, der über kurz»der lang zu einer gewaltsamen Entladung kommen muß und eine riefige Schädigung aller beteiligten Kreise herausbeschwören würde. Bei allen Versicherungsträgern, bei denen die Regelung der Lohn» und Arbeitsverhältnisse nach tariflicher Vereinba» rung mit den freien Gewerkschaften unter Hinzuziehung der Betriebsräte stattgefunden hat, sind die Verhältnisse zu beiderseitiger Zufriedenheit geordnet worden. Lasse man also den Versicherungsträger« da» erstrebte SelbstverwaltnngSrecht bezüglich ihrer Angestellten und diesen ihr« volle gewerkschaftlich« Freiheit, dann werden alle Teile, auch tue Versicherten, am besten dabei fahren. Eine durch eine freie Gewerkschaft vertretene An- gestelltenschaft bietet die Gewähr, daß sie ihre Forderungen nicht überspannen wird, denn sie ist Fleisch vom Fleisch der ge» samten?lrbeit.n«hmerschaft. Die Schaffung eines be» sonderen Beamtenrechts oder dergleichen würde die Angestellten- schast nur ihrem bisherigen Kreise entfremden, würde sie zu einem gewissen Standesdünkel und damit zu einer erheblichen, vielleicht nicht nur moralischen, sondern auch materiellen Schädigung der Versicherungsnehmer führen. Carl Schulz. Mus aller Welt. Beihilfe de« Reich« für Luftfahrtunteroehmuugen? Für pri» vale Unternehmungen, hie sich zur Unterhaltung einet regelmäßigen öffentlichen Luftverkehrs auf bessimmten Linien verpflichten, sind im Mai und August d. I. 7 Millionen Mark au« Reichs» Mitteln bewilligt worden. Diese Beihilfe soll, wie wir hören, für da« lauferrde Rechnungsjahr auf 12 Millionen Mark erhöht werden. Außerdem soll der deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt- die bekanntlich für die technische Ausbildung der einschlägige» Pro» bleme von der allergrößten Bedeutung ist, ohne Erwerb»« i n t e r e s s e n zu verfolgen, wi« in den früheren Jahren so auch für 1920 ein Reichszuschuß gewähr: werden. Vorträge, vereine und Versammlungen. Schachveret« RamenloS. Spielabend jeden Donnerstag, abend« 8 Uhr. Restaurant Otto. Palisadenftr. 4.— Berel« eben»,«»«eh. d. St. I. R. 8. 8 Uhr Bernichloiz-Aasinc, Narhetnekeplatz 3» Mitglied«rv er« tammlung. Anfchl. gem. Beisammensein. Serann», für den redatt. Teil: Dr.»er» er Petter, Sharlottendura: kür Knatiaea: Xh.«l-cke, Berlin. Verlag: vorwättS-Berlaa B-Uta. Druck: Bor» wSttö-Buchdruckcrei U. Teuao«anstatt Baut Stnoer u. Co.. vertin. Llndenttr.2.