Ifr.496 ♦ 57. Jahrgang Msgabe A Nr. 177 Bezugspreis i «i erteljShrl. M.— monatUW,— M. frei ms Haus, voraus zahlbar. Duft- bezog: Monatlich 10,— Ml. exv. Bo- ftellungszebiihr. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 16,50 Ml. für das übrige Ausland bei täglich einmal. Bnstellung 21S0 M. Dostbe- stellungm nehmen an Oesterreichs Ungarn, Tschecho-Slowalei, Däne» Marl, Holland, uuzemdurg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Dost-Beitungs-Preisliste. Der.Borwärts* mit der Sonntagsbeilage.Boll U-Beit' ericheint wochen- täglich zweimal, Sonntags und Mon- tags einmal. Telegramm-Adresse! .Zozlaldcmolral Verlin--. Morgen-Altsgabe Derlinev Volksblstt (30 Pfennig) Anzeigenpreis: Sie achtgespaltene Nonpareillezeil» lostetZ,— M.. Teuerungszuschlag 50°/» .»lein« Anzeigen--, das fett- gedruckte Wort 1,— M.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort KZ Pfg. jedes weitere Wort 40 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 80°/» Famllten-Anzeigen für Abonnenten gelle 2,— M. politische und ge- wertschastliche Pereins- Anzeigen 8.- Ml. die geile ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Haoptgeschäft. Berlin SW Z, Linden- ftraße 3, abgegeben werden,«eöffnei von 9 Uhr früh bis ö Uhr abends. �entralorgan der rozialdcmokratifcbcn parte! Deutfchlands tteöaktion und Expedition: SW. Lindenstr.Z. ssernivrecher:«im tviorittpla«, Nr. 15190—15197. Donnerstags den 7. Oktober 19Ä0 Vorwärts-Verlag G.m.b. h., SW. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritsvla«. Nr. 117 5:1— 51. /lussperrunginZeitungsgroßbetrieben §olgen öes flngeftelltenftreiks. In mchrerrn Berliner Zeitungsbetrieben, darunter Ullstein, Scherl» Deutsche Tageszeitung usw., ist am Mittwoch abend das gesamte technische Personal ausgesperrt worden. Dieses hatte sich geweigert, für die im Streik stehenden Angestellten Streikbrechcrarbcit zu verrichten und namentlich Inserate herzustellen. Tie Prinzipale--r- hoben Klage vor dem Schiedsgericht, die mit Stimmengleich- hcit abgelehnt wurde. Tie Arbeitnehmerbeisibcr beriefen sich auf eine Reichsgerichtsentscheidung, wonach Sympathiestreiks zulässig sind. Tarauf erfolgte am Mittwoch abend in den ge» nannten Betrieben dic Aussper/ung des gesamten technischen Personals. Die meisten bürgerlichen Zei- tungen werden daher vorläufig nicht erscheinen. Bei der Firma Mosie ist die Lage noch ungeklärt. Bei Re- daktionsschlnsi um Mitternacht tagt eine Betriebsversammlung, die über die Frage des Sympathiestreiks entscheiden wird. * Da? Personal der Firma Ullstein hält um 11 Uhr Betriebs- Versammlung im Ullsteinhause, B.-Z.-Hof, ad. Der Elektrizitätsstreik beenüet. Die Einigungsverhandlungen im Berliner Rathaus, die unter Vorsitz des Oberbürgermeisters stattfanden, haben am Mittwoch zn einer Einigung geführt. Die Forderungen der Heizer und Maschinisten wurden insofern anerkannt, als die Arbeitszeit des in dem Kesselhaus I Moabit beschäftigten Per- sonals, soweit es unter den Nebel st änden der Braun- kohlenverseuernng zu leiden hat, also namentlich der Heizer, Schlackenziehcr, Kohlenbahnwärter usw., auf sechs Stunden herabgesetzt wird, so lange die durch die Brikett» verfenerung verursachten Uebelstände nicht behoben sind. Die Magistratsvertreter sowohl wie die technischen Direktoren der Elektrizitätswerke erkannten an, dasi die Staub- belästigung für die Arbeiter im Kesselhaus l außerordent- lich groß und stark gesundheitsschädlich ist, weil dieses sich für Brannkohlenverfeuernng nicht eignet. Der Magistrat hat aber bereits eine große Eutstaubungs- a n l a g e in Auftrag gegeben, oie in fünf Wochen fertig werden dürfte. Sobald diese in Wirksamkeit tritt, soll die alte Arbeitszeit von acht Stunden wieder eingeführt werden. Per Streiktag wird nicht bezahlt. Hierauf wurde die Arbeit um 6 Uhr nachmittags wieder aufgenommen. Die Abgabe von Strom aus dem Moabiter Werk setzte bereits am Mittwoch abend wieder ein. Neichskabinett unö Sozialifierung. Tie„Teigl. Rundschau" Hot behauptet, daß WTB. über den Beschluß des Reichskabinetts über dl« Sozialisierung irre- führend berichtet habe. Wir sind in der Lage, feststellen zu können, daß der Bericht des WTB. über jenen Beschluß wörtlich einem einstimmig angenommenen Antrag ent- sprach,„den Reichswirtschastsniinister zu beauftragen, auf der nun vorliegenden Grundlage des Berichts der Sozialinerungs- kommission umgehend den Entwurf eines Gesetzes über die Sozialisierung des Bergbaus vorzulegen". Erstaunlich ist, daß das sonst recht wehleidige WTB. sich gegen den Versuch, über eine Angelegenheit von größter Trag» weite irrelübrend berichtet zu haben, nicht wehrt, ob- gleich er völlig zu Unrecht erhoben wovden ist. Es läge im dringenden Interesse der Regierung, eine offtzielle Fest- stellnng zu veranlassen, um auf diese Weise den Verdacht eines geradezu unerhörten Doppelspiels von sich abzu- wehren, in{len sie durch die Zweideutigkeit ibrer volkspartei- lichen Kollegen und durch die Intrigen des Nipplerblattes gebracht wird._ Ein militärisckes Dsppelwefen» Der Reichstag hat nach dem Kapp-Putsch im Reichswehr- Ministerium die Stelle eines parlamentarischen Staatssekre- tärs bewilligt. Die„Organisatoren" inl Reichswehrmini- sterium aber haben es mit ihrer berühmten Taktik einmal wieder zuwege gebracht, aus dieser zivilen Ueberwachnngs- stelle einen militärischen Posten zu machen. Auf die Stelle des parlamentarischen Staatssekretärs ist nämlich— der General v. Feldmann. Generalquartier- meister seines Zeichens, geschoben worden. Ein General als parlamentarischer Staatssekretär! Um diese Schiebung nach außen hin einigermaßen zu bemänteln, hat dann das Nachrichtenblatt d»r Heeresleitung und des Generalquartier- meisters im Reichswehrministeruun folgende Verfügung herausgegeben: Bezeichnung Staatssekretär statt Generalquartier- Meister im Schreiben an die gesetzgebenden Körperschaften. Der Herr Reichswehrminister hat angeordnet, daß in allen für die gesetzgebenden Körperschaften bestimmten Schrift sacken die' im Haushalt vorgesehene Stelle des„Staatssekretärs" als solche und nicht als Generalquartiermeister zu be- zeichnen ist., Die von Z. bearbeitet«„Spinne" über die Organisation des ReichÄvchvmilnistcriums und die von Z. A.(2) zum Haushalt ge- geben« Denkschrift sind entsprechend zu berichtigen, auch in den ausgegebenen Abdrücken. I. von Feld mann. Nach m:ßen hin, den gesetzgebenden Körperschaften gegen- über, soll Herr v, Fcldmann also als Staatssekretär, nach innen hin aber weiter als Generalquartiermeister auftreten. Das Ganze lieht wie eine Verhöhnung des Reichs- t a g s aus. bei der es sich nur fragt, ob dieser sie sich gefallen lassen wird._ Der ReichSrat beschäftigte sich gestern mit der neuen Besol- dungSordnung, die nach Mitteilung des Finanzministers ein Mehr vop 823K Millionen Mark erfordert. Zrontbericht aus üer U. S. p. Knauf, K u n e r t, Dr. Löwen st ein, Obuck, Rosen- seid, S ck o lz-Erfurt und Frau Wurm erlassen einen Aufruf sür die Einigkeit. Ter Parteilag soll sich grundsätzlich für den An- schlutz erklären,„aber unter Bedingungen, durch welche die Autonomie der Partei gewahrt wird".— Aber, das ist es ja gerade, was die MoSkolviter nicht wollen, Ihren Gedankengang hat in einft: Magdeburger Bersanimlung ein linker U,-S.-P,-Genosse namens Wagner zum Ausdruck gebracht, indem er sagte:„Wenn in Moskau auf den Knops gedrückt wird, mutz überall die Revolution los- gehen." Das Berliner Zentralkomitee hat an das Landesiekretariat Stuttgart telegraphiert, datz es die Neuwahlen des Rumpipartei- tageS nicht anerkenne. Es bleibe mit dem a l t e n'Lande�vorstand in Verbindung. In Halle, dem Parteitag? ort, erhielten die Moskauer nur zwei Mandate, ihre Gegner vier. In München dagegen siegten die Moskauer mit 2039 gegen 817 Stimmen, ebenso in Offenbach sMain). Einen hübschen Beitrag zu dem Kapitel„Wie es zugeht' liefert die„Freiheit" aus Altona. Dort wurde der Rechtsredner nieder- gebrüllt und dann wurde ihm unter großem Hollo— ein Blumentopf auf den Redncrtisch gestellt. Anderswo hätte er ihn wohl auf den Kopf bekommen. Die Versammlung war laut„Freiheit"„auf das Niveau eines humoristischen Abends herabgesunken". Flucht ins„Hamburger Echo". Hamburg, 8. Oktober. sEigener Drahtbericht de?„Vorwärts".) Die Hamburger Unabhängigen werden am Donnerstag über die Moskauer Bedingungen nun doch noch eine Urabstimmung vor- nehmen, um zu erreichen, datz ihre Delegierten in Halle zugelassen werden. Die Hamburger U, S. P. hat nach den Mitteilungen der „Freibeit" nur einen Delegierten zugestanden bekommen, weil die Parteiorganisation versucht hat, den Zcntralvorstand um die Mit- gliederbeiträge zu prellen. Allem Anschein nach wird in Hambmg Wilhelm Herzog, der Redalteur der„Volkszeilung", gewählt werden. Die Gegner der Moskauer Bedingungen unternehmen eine Flucht in das„Hamburger Echo" und veröffentlichen in unserem Parteiorgan heute eine größere Annonce, in der sie die Sozialdemokraten in der U. S. P,, wie sie sich aus- drucken, auffordern, gegen die Moskaner Bedingungen zu stimmest. Sie teilen mit. datz die.Volkszeitung" eS abgelehnt habe, die An- zeige aufzunehmen. In Altona hat die Abstimmung bereits gestern stattgefunden und, wie nicht ander? zu erwarten Ivar, mit einem, Siege der Moslauer Richtung geendet. Gefterreichs Selbstbeftimmungsrecht. Wien, S. Oktober.(WTB.) Die Blätter fahren fort, den Ein- spruch der französischen Presse gegen die beabsichtigte Volksabstimmung über den Anschluß an Deutschland als durch den Friedensvertrag von St. Germain nicht begründet zurückzuweisen. Vielmehr gebe gerade Artikel 88 des Vertrage?, der die Entscheidung über die Zukunft Oesterreichs dem Völker- bunde vorbehält, berechtigten Anlaß zur Vornahme der Volks- abstimmung, um, wie das«Nene Wiener Tageblatt" schreibt,, den Willen der Mehrheit deS deulschosterreichiichen Volkes festzustellen und dem Völkerbunde Unterlagen sür die Bildung seines Urteil» zu lieser». Sefferes Wetter! Aber s?,« Milliarden Besatzungskoste«; Die Brüsseler Finanzkonferenz scheint zwar nicht u n- mittelbare positive Ergebnisse zu zeitigen, doch soll sie, nach übereinstimmenden Meldungen aus Hollaud, Belgien und Frankreich zu dem indirekten Resultat geführt haben, daß sich eine gewisse Annäherung zwischen der deutschen und der französischen Dele- gation in den letzten Tagen bemerkbar machte. Ob diese Annäherung mit den gegenwärtig in Paris stattfindenden wirtschaftlichen Besprechungen zusammen- hängt oder gar anft ein Entgegenkommen französischcrseits in der Frage der Wiedergutmachungen schließen läßt, kann noch nicht mit Bestimmtheit behauptet werden. Sehr be- merkenswert ist jedenfalls folgendes Telegramm des Brüsseler Berichterstatters des„Nieuwe Rotterdamschen Conrant", welches vom Hollandsch NieuwSbureau nach Deutschland übermittelt wird: „Die Stimmung der Kommission ist heute sehr interessant. Alle Aufmerksamkeit ist auf die Sensation deS Tages, nämlich die wachsende Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland gerichtet. Die deutschen Vertreter scheinen auffallend xzufrieden und im allgemeinen wirkt diese Entwicklung der Sachlage auf die übrigen Delegierten sehr erfrischend. Die Kon-- ferenz selbst hat keinerlei Fortschritte gemacht, weil die Ausschußarbeiten noch nicht fertig sind. Gestern abend fand ein Empfang der Delegierten im Gebäude der belgischen Nationalbank statt. Auch dort war die Stimmung sehr freundschaftlich, und allgemein winde bemerkt, daß dir Deutschen nnd die Franzose» sich einander gegenüber benehme», als ob nie ein Konfiilt zwischen beiden. Ländern bestanden hätte. Man hat den Eindruck, daß die französische Presse einen Umschwung vorbereitet. Man weiß aber nicht, welches die Ursachen sind, die diese Aenderung herbeigeführt haben und ob eö der Druck der Umstände war oder der Druck Englands." Ein Pariser Bericht des Brüsseler Blattes„Etoile Beige" weist serner darauf hin, daß namentlich England muf dem Standpunkt stehe, Deutschland könne nicht bezahlen und müsse er st. instandgcsetzt werden, seine Zahlungen zu leisten usw.* Wie wir überhaupt jede Entspannung zwischen Frank- reich und Deutschland lebhaft begrüßen, so würde uns besonders eine solche Einkehr der amtlichen französischen Stellen mit Genugtuung erfüllen. Jedenfalls hätte sich die deutsche Finanzdelegation in Brüssel ein großes Verdienst er- worben, wenn sie durchtaktvolle Haltung und offene und fach- liche Darstellung unserer Lage die Bahn für eine derartige Annäherung geebnet hätte. Wie sehr aber noch immer notwendig bleibt, im Aus- lande die unerträgliche Lage besser zn würdigen, die für Deutschland durch den Friedensvertrag und die Art seiner Durchführung entstanden ist, zeigt der folgende Bericht: In der öffentlichen Neichsratssitziing am Mittwoch gab es eine sehr peinliche Ueberraschung. Auf'bei' Tagesordnung stand der Etat des Reichsschatzamtes. Dabei stellte sich her- aus, daß die Kosten für das B e s a tz u n g s h e e r, die mit 3 Milliarden Mark eingestellt waren, bei weitein nicht aus- reichen. Der Reichsschatzminister v. Raumer forderte, daß der Betrag nachträglich ans 15 Milliarden erhöht werde und führte zur Begründung an, daß das Reichsschatz- ministerftim bei Aufstellimg des Etats so gut wie keinerlei Unterlagen über die Höhe der Ententebesatzung gehabt habe und auch jetzt noch nur auf Schätzungen angewiesen sei. Auf die Frage nach der zahlenmäßigen Höhe der Be- satzungsarmee hat Marschall Foch geantwortet, der deutschen Regierung stände kein Kontrollrecht über die Verwendung der Vorschüsse zu, die von der Entente als Abzahlung auf die Besatzungskosten eingefordert werden. Nach den Schätzungen, die jetzt vorgenommen sind, rechnet man init einem Besatzungsheer von rund 13l) Mann, das dauernd verpflegt werden muß. dazu kommen die außerordentlich hohen Ausgaben sür Quartiere, Requisitionen usw.• Das Reichsschatzministerium rechnet mit einer Jahresausgabe von 21, Q Milliarden Papiermark. Wenn es in den Etat nur 15 Milliarden einsetzt, so geschieht das in der Ertvarinng, daß die kommen- den Verhandlungen mit der Entente noch eine radikale Aen- derung in der Frage der Besatzung bringen. Diese Mitteilungen des ReichZsck>atzminjsters erregten im Reichsrat begreiflicherweise das peinlichste Aufsehen. All- gemein kam zum Ausdruck, daß diese Dauerlasten für die deittschen Finanzen unerträglich sind. Ter Etat konnte aus diesen Gründen noch nicht verabschiedet werden, sondern wurde an die Ausschüsse zurückverwiesen. einigem guten Willen kann auf der anderen Seite die Einsicht nicht ausbleiben, daß die Wiedergutmachung schon durch die Kosten, die Deutschland sür die„Bürgschaften der Wiedergutmachung" auferlegt werden, vollständig aufgc- zehrt wird. Wir freuen uns über jedes Zeichen einer be- ginnenden Wiederannäherung, aber gute Worte und selbst die besten Absichten werden vollkommen wirkungslos bleiben, wenn nicht dem Raubbau, der an der Mrtschaftskrast Deutschlands durch die Besatzungskosten getrieben wird, ein Ende bereitet wird. Deutschland ist heute nicht in der Lage, irgendeinen Mi- litarismus erhalten zu können, weder einen deutschen noch einen französischen. Der jetzige Zustand aber ist nichts anderes als eine Aussaugung der deutschen Volkskraft durch einen fremden Militarismus, und ein solcher Zustand kann von keinem. Kul» turvolk auf die Dauer ertragen werden. Was nottut, sind nicht Zeichen eines beginnenden Besser- verstehens, sondern das schleunige Ziehen der Folgerungen, die sich aus diesem besseren Verständnis ergeben. Dann erst kann für Europa eine neue bessere Zeit beginnen! Eine Protestnote öer Entente. Eine angebliche Verletzung des Friedensvertrages. Paris,«.Oktober.(WTB.) Der B o t s ch a fr e r r a t hat in seiner gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz von Jules Cambon be« schlössen, das Anhalten eines dänischen Dampfers am Ausgang des Nord-Ostsee-Kanals als«ine Verletzung des Artikels 380 des Friedensvertrages zu betrachten. Dieser Artikel gewährleistet allen Mächten im Kriege wie im Frieden die frei« Durchfahrt durch den Kanal. Der. deutschen Negierung soll eine Note in dieser Angelegenheit überreicht werden. Anmerkung von MTB.: Wie schon wiederholt mit- geteilt worden ist, steht die deutsche Regierung auf dem Stand- Punkt, daß das im Artikel 380 des Friedensverirages vorgesehene Recht der freien Durchfahrt durch den Kieler Kanal nicht aus- schlicht, dah beim Verkehr von Handelsschiffen durch den Kanal die deutschen Nentralitätsvorschriften zur Anwendung gebracht werden. Indessen ein neuer Dampfer angehalten. Kiel, 5. Oktober. Der Reichswasserschutz hielt gestern bei der Holtenauer Schleuse einen holländischen Dampfer an, der angeblich Kriegsmaterial für Polen an Bord haben sollte. Es stellte sich aber heraus, daß die Hauptladung des nach Königsberg und Danzig bestimmten Schiffes aus amerikanischen Rinderkonserven für die polnische Armee besteht. Ferner find zwei englische Flugzeuge sowie drei Maschinen- g c w« h r e an Bord. Der Dampfer wird vorläufig festge- halten, wird aber wahrscheinlich die Rückfahrt durcb den Kanal antreten müssen.— Italienische Dittmanns. Rom, 6. Oktober.(Stefarvi.) In der Presse wird eit�aus» sührlicher Bericht veröffentlicht, den der Allgemeine Arbeiterbund auf Grund der Ergebnisse der Studienreise der italieni- schen Sozialisten nach Rußland über die russischen Verhältnisse erstattet. Der Bericht hebt hervor, dah an der warmen Aufnahme der italienischen Wordmmg durch die amtlichen Kreise das russische Volk selbst sich keineswegs beteiligte, da die WechselfäAe der politischen Schicksale Ruhlands sich völlig abseits der russischen Voltsseele vollziehe. Die physische Tage der Massen ist in den Städten sehr gedrückt, was wahrschetnilich von der ungenügenden Ernährung herrülrt. Das wirtschaftliche Leben wird durch materielles und moralisches Elend geZterm zeichnet. Der Bericht begeichnet den Versuch, die wirtschaftliche P�nvaltung m die Hände der Arbeiter» schaft selbst zu legen, als unheilvoll. In den Händen der Arbeiter seien der Geseklschaftskörper und die Produktion fast ganz untätig geworden. Mit geringen Ausnahmen sei eS dem Lande noch nicht gelungen, sich von dieser Lähmung zu er- holen. Der Bericht fährt fort, die üi kommunistischen Programmen vorgeschriebene soziale Gleichheit fei einfach zu einer Gleich- stcllung aller Klassen in dem einzigen grosien Elend geworden. Auswärtige Hilf« werde für Ruhland immer dringen- der. Tie gegenwärtige russische Regierung sei ihrer Auflösung nahe. Trotz der Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Lage hätten Schiffahrt ist notwendig. Stimmungsbild von der Nordsee. Bremerhaven, Sonnabend. 26. September: Llohddampfer Vegesack verlieh heute seine Bauwerft, den Bremer Vulkan. Die Fahrt nach Bremerhaven wird als Probeiahrl an- gesehen. Aller Voraussicht nach wird dann der Dampfer schon in der Nacht zum Sonnlag seine erste Fahrt nach Brasilien antreten. Mit der Indienststellung dieses Dampfers eröffnet der Norddeutsche Lloyd wieder seinen Ueberseedienst. • Der Weserdeich am Abend. Leichter Nebel bettet sommerliche Wärme. Firmament und Wasser rötlich dunkel auSgeschlogen, eins; aber tief ziehen die bunten Sternbilder der Schiffe. Welch Leben auf dem Wafferl Aus Tagen de» Friedens ist mir kein so bewegtes Nachtbild im Gedächtnis. Am südlichen Horizont die alten Geschmeide von Geestemünde. Der Fischereihafen arbeitet. Leuchtllrme und Baken stecken Smaragd und Rubin aus. Das Blinkfeuer schlägt seinen feuchten Blick auf und senkt ihn wieder vor den kecken Lichtern jenseits am Oldenburger Ufer. Aber aus dem weichen Dunkel der Flut hebt sich ein Schatten, auS unzählig hellen, kleinen Augen Leben saugend. Ein Seegetier von schlanker Massigkeit, lang ge« streckt, in festlichen Perlenschnüren leuchtend. Es scheint, das be« wegte Tretben um ihn her spielte nur seinetwegen. Rot� und grüne Lichter gleiten grüßend an ihm vorbei, verschwinden im Dunkel. Gedämpste Signale. Wir gehen den Deich entlang. Der große Leuchtturm über dem schweren Backsteinbau wirft Lickitkegel in die Nackt. Auf den Bänken am Fuhe des Deiche«, wo die Wellen der vorüberziehenden Schiffe erwachend an die Steine straucheln, schweigende Paare. Immer winkt der große Dampfer von der Höhe der Reede in gedämpfter Freude. Treuherzig blicken seine Augen.— Wir geben um die Bucht de« Deiches und berühren die Schleusenbrücke. Der große Kaiserhafen liegt leer und schwarz mit wenig mutlosen Lichtern, die seiner nicht Herr werden können. Der Anblick stimmt trübe; wir wenden zurück. DaS GraS des Strandes greift nachlfeuchr an unsere Füße. Wo sind wir? Erhellte Häuiergiebel stehen vor uns über dem Wasier? Der Fischereihasen? Die Oldenburger Küste? So nab? In dieser Richtung? Es narrt un«. Wir tappen wnndetnd weiter. Doch als wir dem Wege in atter Richtung iolgen, löst sich das Rätsel: Unser Seetier liegt vor uns, daß Lichter sich au» jener Sicht zu hohen Giebeln aufgebaut. Nun wechselt diese Strrnflut der Tiefe mit unserem Schritt zu immer neuen Bildern, und an ihrer Seite vorüber huschen Kometen, licht und farbig. Die kleinen Wescrdampfer, Dreigestirne: helle Topplichter, bunte? Seitenlicht. Keck hebt ein Schlepper sein Haupt, leicht gleitet sein Leib, ein lichtgetränkter Schatten, über die Wassernacht;— ihm folgt Uefschwarz ein abgetakelter Schiffsrumps, tucheimlich dunkel, sich einige Errungenschaften der Revokution durch ge- setzt. So sei der Widerstand der Bauern g�tzen jeden reaktionären Vorstoß zu erklären. Die Verwirklichung des Kommunismus auf dem Lande sei nichts als eine bolschewistische Phantasie. Das kapitalistische Regime sei zerstört, aber die Revolution hätte es durch nichts ersetzt, was auch nur den elemen- tarsten Bedürfnissen eines zivilisierten Volkes entspräche. Die Ab- ficht, die kommunistischen Grundsätze ohne Vorbereitung und Ab- smfung zu verwirklichen, hätte sich nicht erfüllt. Man dürfe das russische Volk nicht daran hindern, sein Experiment zu voll- enden, wenn daS sein Will« sei; aber im Namen der Zivilisation müsse man ihm helfen, aus der elenden Lage herauszukommen und seine Irrtümer zu erkennen. Soziale Reformen in Italien. Ein technisches Parlament für Arbeiterfragen. Rom, 6. Oktober. sWTB.) Wie„Epoca* hört, will Arbeitsminister L a b r i» l a einen Gesetzentwurf wegen Umgestaltung des Obersten ArbritSrates einbringen, der dem politischen Parlament ein technisches mit über 130 Mitgliedern zur Seite stellt, die aus Verhältniswahlen der Unternehmer und Arbeiter hervorgehen sollen; dies ArbritSparlament soll nicht nur beratend, sondern auch gesetzgeberisch in allen Fragen der Arbeitsordnung und Arbeitsbedingungen wirken, alle Verfügungen über Arbeiterangelegenheite» erörtern und alle Fragen hinsichtlich der Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern p/üfen. ES soll in eine Abteilung für Handel»ud Industrie und in eine für Land- Wirtschaft zerfallen und einen ständige» Ausichuß für Vorbereitung und Durchführung von Gesetzen und zur Ausarbeitung von Aus- si�rnngsbcstimmungen zu Arbritergesetzen bilden. die E. 6. T.-Minöerheit handelt selbständig. Die.Dena' meldet auS Paris: Wie auS Orleans gemeldet wird, haben die Vertreter der Minderheit nach Schluß des ÄewerksckafiskoiigresseS eine Sondertagung abgehalten und den Beschluß gefaßt, der Dritten Internationale beizutreten. Sie haben ferner ein revolutionär-syndikalistischeS A k t i o n S k o'm i t e e gebildet, das die Aufgabe hat, einen. Stamm revolutionär Gesinnter heranzubilden, die revolutionären Ideen zu verbreiten und in ollen Berufsgruppen die Hilfskräfte festzustellen, über die die Gesamtheit gegebenenfalls verfügen könne. Andererseits bekräftigte der dritte Tag des Kongresses der C. G. T. in seinem Schlußvotum den MißeTfolg der Anhänger Moskaus. Der Hauptredner, der Sekretär des Syndikats der Metallarbeiter, M e r r h e i m, ver- urteilte in seiner äußerst scharfen Rede das Regime Lenin und schloß damit, daß ein Ailichlutz an Moskau den Bürgerkrieg in Frankreich bedeuten würde._ Noch keine Entscheidung in England. Dib ,Dena* meldet aus London: Die Lage in der Berg- arbeiterbewegung hat sich nicht verändert. In Süd. Wales betreiben die Bergleute ein« immer stärker werdend» O p p o s r t t o n-gegen die EinigungSvorsckläge. Dagegen haben sich ihre Genossen in Mittel-England für die Annahme der Bedingungen erklärt. Der Generalsekretär der Eisenbahner Thomas ertlärte in einer Ansprache, daß das Streikrecht stets als ein Recht der Arbeiterschafr angesehen werden müsse, daß aber die Arbeiterschaft kein schwereres Verbreche» begehe» könnte, als dieses Recht zu mißbrauche». Der Sekretär des Bergarbeiterverban- des H o d g e s stellte gegenüber Pcesievertretern ausdrücklich fest, daß die Nachricht, Smillie würde unmittelbar nach Beendigung der Krise sein Amt als Präsident der Bergarbeitergewerkschatt niederlegen, jeder Grundlage entbehre. London, S. Oktober.(Meldung des Hollandsck Nieuwsbureau.) Die Bergarberter, die als Prolest gegen die Führung des Berg« arbeiterverbandes die Arbeit niederlegten, haben ihre Tätigleit.wieder aufgenommen. Gr« wurden von ihren Kameraden dazu gebrockt, weil jetzt eine Verringerung der massig, ein Totenschtff. Allein ein roteS Licht glüht wie helle Rose an seiner Seite. Voruber auch dieses.——.Morgen—— klar Weder--?* Mit seltsamer Deutlichkeit steigen Stimmen aus dem Wasser, wo unser Auge einen Nachen ahnt. Die Finsteriüs sckwankt dort in dunkeln Möglichkeiten, aber nöck grüßt unser Freund in seinem Festkleid von der Reede— kindlich boffnungS- voll.— Glück auf zur Fahrt m den Morgen I M. Fiicher. /__ Der Geschmack als Secleuküuder. So manche Kindertragödie ist schon daduvck hervorgerufen worden, dah solch kleines Menschen» iveseu ein« unüberwindliche Abneigung gegen eine bestimmte Speise empfindet und wegen dieser.Unart" bestraft wird. Aber auch bei erwachsenen Menschen finden sich vielfach solche Aversionen gegen einzelnen Gerichte, und je feinfühliger der Mensch ist, desto ausge- prägler sind diese Eigenheiten des Geschmackes. Woher kommt dieser Widerwillen? So fragt der englische Ernährungs-Phqsio- löge Walter M. Gallichan in einem Aufsatz, in dem er die seelischen Grundlagen dieser Erscheinung behandelt..Jede psychische Aeuhe- rung und Erregung hat ihren Grund", schreibt er.„Es ist schtvie- rigor, die Quelle eines solchen psychischen Vorgangs als die Ursache eines körperlichen Symptoms zu entdecken. Weil man diesen psychologischen Erscheinungen so oft nicht auf den Grund geht, wer- den manche körperlichen Krankheiten, die auf geistiger Grundlage entstehen, chronisch und erscheinen dann unheilbar. ES ist leicht, eine Verdau nngssiörung festzustellen, wenn jemand zu viel gegessen hat, aber eine solche Verdauungsstörung kann eine rein physische erste Ursache haben und er forden dann eine besondere Behandlung. Starke Abneigungen gegen bestinimde Speisen müssen als krank- hafte Symptome der scclc betrachtet werden, die man u'-cht ver- nachlässigen darf. Solche Aversionen erschiveren das Leben und besonders das Reisen. Ich kenne Leute, die keine Mahlzeit auher- halb ihre« Hauses einnehmen wollen, weil sie einen �Widerwillen gegen fremde Kost haben. Ein bekannter Dichter erzählte mir, er 'lehne alle Einladungen ab, weil ihm das Essen an einem fremden Tisch„nicht bekäme". So wird dieser„Tick" geradezu zu einer Tyrannei, die dem davon Besallsnen das Leben erschwert, wird eine Quelle des AergerS und der Unannehmlichkeiten in der Fantili«. Solch»in Widerwillen gegen bestimmt« Speisen geht häufig auf ein Erlebnis in früher Kindheit zurück, dessen Ursprung 'völlig vergessen ist. Die Klarlegung diese« Ursprung« würde vwle Leul« in Verwunderung setzen. JebeniallS ist eine solche psychisch« Selbstanalyse bei Abneigungen gegen Speisen durchaus notwendig, um sich davon zu heilen. Ticlsach aber rindet man auch dabei, dah dcrz Widerwille gegen eine Speise nur eine Abneigung gegen etwas ganz anderes symbolisiert. Das Studium dieser Abneigungen und die Erkenntnis ihrer Ursache sind für den Arzt wie für den Psycko- logen von einer Wichtigkeit, die bisher noch nicht beachtet wurde. Wir-können geradezu sagen:„Erzähle mir. was Du für Speisen liebst und was für Speisen Dir widerlich sind, und ich werde Dir wictnige Tatsachen über Dein Seelenleben erzählen." Die, Seit- samkeiien und Sonderbarkeiten de? Gesebmacks sind a'fp für die Kenntnis des Charakters und der Seele von großer Wichtigkeit." Kohlenförderung eine schlechte Wirkung auf die Lohnregelung ausüben würde. London, 6. Qkwber.(MTB.) In SüdwaleS. Derby- shire, Nottiughamshire, Leicestershire, Lamark- shire und anderen Kohlenbezirken wurde heut« zum Protest gegen die vorgeschlagene Beilegung des Konfliktes gestreikt. In zahlreichen Bezirken waren Streikposten der sogenannten k o m m u- n i st i scheu Rotgardisten gebildet, die die Bergleute durch Drohungen an dem' Einfahren verhindern wollten. Auf einem Bergwerk in. Lamarkshire fuhren 300 Bergleute trotz des Streik- Postens ein._ Nufffche Gegenoffensive im Süden. Königsberg, 6. Oktober. An der Süd front find die Lolschewifien nach Festigung ihres Widerstandes östlich Proskurow und nördtich davon zum Gegenangriff übergegangen. Ter zu örtlichen Erfolgen, nämlich der Besetzung der Ortschaft«» Derash nja und Letischow und der Erreichung des S l u t s ch- f l» s s e s führte. An der Zentrumsfront ist die Lage unverändert. An der Nordsrout erreichte der rechte polnische Flügel nach Ueber- schreiten des Njemeu in Richtung auf Minsk Stankow und Koidanow. Die Bolschewiste» haben sich hier auf de» Ujsafluß zurückgezogen._ Der Karlsbader Parteitag. Karlsbad, 6. Oktober.(Drahtbericht unteres Sonderbericht. erstatiers.) Nach der bereits gemeldeten Abstimmung wurve jnt- sprocheitd dem Antrag Hillebrands eiüe ISgliedrige Kommtnivu eingesetzt, der 10 Mehrheitler und 3 Linie angehören. Diese Kam« Mission hat bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet und, wie eS heißt, soll eine Einigung herbeigeführt werden. Der Parteitag besteht aus 433 Delegierten, vov denen 233 direkt von den Organisationen gewählt sind. Es folgt ein eindringliches Referat von Dr. Strauß, dem Vertreter der Parlaments- fraktion, über die Wirtschaftskrise. Die katastrophale Er- nährungslage wird von P och l, dem Vorsitzenden des Berg- arbeiterverbandes und Dietl, dem Leiter der Konsumgenosscn- schasten, behandelt. Auch hier wird als einzig erfolgversprechendes Mittel die gemeinsame Aktion mit dem tschechischen Proletariat be- zeichnet. Verschiedene Redner halten es für sicher, daß, wenn nicht Abhilf« eintritt, die Revolution unausbleiblich sei. Die Beratungen der Programmkommission wurden, nachdem sie bereits an der Folgerung des Burgsriedens innerhalb der Parteien gescheitert waren, wieder aufgenommen. Der w, tag tagte sich zu einer Abendsitzung auf M8 Uhr. Rückzug der Saperischen Volkspartei. Tas Programm für die Zukauft. München, 6. Oktober.(TU.) Der FraklionSvorfitzende der Bayerischen volkspartet. Abg. Held, hat heute dem Vertreter der .Müncken-Augsburger Abendzeitung" eine Erklärung abgegeben. daß daS Bamberg«! Programm seiner Partei ein Program« für die Zukunft sei. ES übe durchaus keinen Einfluß aus das bayerische RegierungSprogramm auS, denn solange die gegenwärtige Koalition bestehe, würde die Bayerische Volkspartei sich in allem Umfange an daS Koalitionsprogramm halten.— Die Bayerische Volkspartci ikt danach ein Unikum. Sie hat ein Pro- gramm, da« aus ihre Haltung ohne Einfluß ist, solange sie auf diese Art in der Regierung bleiben kann. Sollte am Ende nicht so etwas den Namen„Futterkrippenpolik" verdienen?! Verweigerte Immunität. München, 6. Oktober(MTB.) In der heutigen LandtagSsitzung wurde«in Antrag des Unabhängigen Gareis auf sofortige Haft- entlassung des wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu zwei Jahren Gelängnis verurteilten kommunistischen Abgeordnelen Eisen- b e r g e r gegen die Stimmen der Medrheitssozialisten, der U. S. P. und de« Komuiunifirn Graf abgelehnt. Juslizmimster Roth behauptete, daß es die Pflicht der StaatSregierung sei, gegen Eisenberger vor« zugehen. „Fräulein" heißt der Tiiel deS neueu, im Cotlaichen Verlag erschteuenen Romans unseres Slutigärtec Genossen Paul Enderling. Es handelt von den Schicksalen, Gefühlen und Er« sahrunaen eines jener sozialen Zwillergeschöpfe, die in reichen Bürgerhäusern als besseres„Mädchen sür alles" gehalten werden. „Fräulein" hat keinen Namen..Fräulein" hat keine Stunde frere Zeit,.Fräulein" ist verpflichtet, für kärglichen Lohn allen Familien- angehörigen die niedrigsten persönlichen Dienste zu leisten. Dabei ist.Fräulein" an Verstandes- und Herzensbildung ihren Broigebern ebenbürng zum Teil überlegen. So wird die Dienerin in vielen Fällen zur vertrauten Freundin, und aus diesem gesellschattlichen Zwiespalt erwachien Simalionen und Ereignisse, die dem Dichter mannigfachen Anlaß zu eindringender Seelenzergliederung und sozialer Kritik geben. Die Sprache ist von schlichier Vorneumheir. die äußere Handlung ipannend im besten Sinne, ein seiner Humor. dessen gütige Milde sich nur selten in äyenden Spott wandelt, ttäg: die Erzählung. Den Schauplatz d-S Romans bildet die Stadt Danzig und deren Umgebung, ge'ehen mit den Augen eipeS Dichters, der ihr Sohn ist und den ein widriges Geschick in der Fremde fest- hält, die ihm ewig Fremde bleibt. Dies« Lokalschilderungen mit Kren teils heiteren, teils wehmütigen, teils ergreifenden StimmungS- bildern sind vielleicht da« künstlerisch Wertvollste an der durchweg interessanien und sympathischen Dichtung. J. S. Die Märkische Wanderbühne. Auf der Hauptversammlung der Gesellfchoft für Volksbildung refericrtee Dr. I. K l a u d i il s, der frübere Leiter der Märkischen Wanderbühne,«ber die volksbildne- rischc Notweriidigkeit der Wanderbühne. Der Hauptausichuß der Gesellschaft ist damit einverstanden, daß die Vorstöllungeu der Märkischen Wanderbühne' im laufenden Winter wieder ausge- nommen werden, sobald ein Teil der erforderlichen Zuschüsse ander- weitig zur Verfügung gestellt wird. Von loem Eintreten der«taats. bühnc für die Märkische Wanderbühne wird mit besonderer An- erkestnung Mitte lung gemacht. Für die Wanderbühne wird eine Ausgabe von 220 000 M. vorgesehen. Theater.?!m Deutschen Obernbause werden am 8. Oktober nach der iiussllbrvng.Slradella" eine Reihe Tanzphantasie» von Mit- gliedern de« Balletttorp« ausgeführt werden. Slaiur- uuv Geisteewiflemchaftcu au der Huinboldt-Hochschule. Mentckenkunde und MenichheliSkunde wird Prof. Dr. H. Friedeuthal m Ltchlbildervorirägen behandeln. Dr.<5. Gulherz ic nicht über tjazre'rXtmui in der Kritik der Kegenwart. Dr. R. Polonie gibt eine Einführung w die natu: wissenschaftliche Denkweise. Ei» allgemeiner deutscher Nildhaoerbund wur$ in Scirnar von 70 dellischen Bildhauern auS aüen Teilen de» Reiche» begründet. Er soll alle sclbuändigen deutschen Äschhauer umjassen. Sch des Verbände» ist Bettin. TaS Zentralinktitut für Erziehung und Unterricht veranstaltet vom tl. Oltober bi» 18. Dezember 2 0 wilsenschastliche A o r» l e s» ri g c n(Fortietzung der wisiensch. Dorlcliingen de» Berliner Lehrer« verein»). Alles Rädere(Programme, Euilrittslarien) in der Geschäftsstelle, Berli in W 35, Potsdamer 2tr. 120. Eine allgrmetnverstöndliche Eintübrnna in die Rela:tvitätS- theoric wird ugser Mitarbeiter Dr. Victor Engelhardt ut einer am 15, Oktober, 8— S>/, Uhr abend», in llharlotienburg, Svbelstr. Oft. be- ginnenden Vortragsreihe von 3 Doppelstunden geben. ttursuSkarleN tll M. nt.496 ♦ Z7. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Donnerstag, 7. Oktober 1920 GroßGsrMl Der Mieter in Ketten. Fort mit den Zwangsmictsvcrträgrir! So mancher Mieter wird es bei den schon seit langem Herr- schlichen äußerst schlechten Wohnungsverhälwissen am eigenen Leibe empfunden haben, wohin ihn sein unsozialer Zwangsmiets- vertrag, der in fast allen wesentlichen Teilen mit dem Mietsrecht des BGB. im Widerspruch steht, und den er zu besseren Zeiten teils in Unkenntnis, teils tn Leichtfertigkeit unterschrieben, geführt hat. Ich erinnere an dieser Stelle nur kurz an die Schwierigkeiten in der Reparaturfrage vor Erlaß der Höchstmietenanordnung vom 9. Dezember v. I., wie auch an den Widerstand, den die Haus- fiesiher auf Grund der Verträge noch heute den sich jetzt in fast allen Häusern bildenden Mieterräten(damit sind nicht die gesetz- lichen Warmwasserräte gemeint!) entgegensetzen. Der damit Ver- traute wird wissen, wie oft die Herren Hausbesitzer an Hand dieser unsozialen Zwangsverträge die schönsten einstweiligen Anordnungen erwirken. Aber auch die Mietseinigungsämter stellen sich täglich als Beschützer dieser unsozialen Zwangsmietsverträge bloß. Auch heute nach Erlaß der Höchstmietenanordnung lauten die Entschei- düngen noch immer: Mieter hat'zu zahlen— unter Aufrechterhaltung der sonstigen vertraglichen Bestimmungen. Ich frage nun: warum ist bisher noch kein Mieter, kein organisierter Mieter- Vertreter erstanden, der dem MietSeinigungscrmt erklärt hat, daß er die alten vertraglichen Bestimmungen, da sie den Mieter rechtlos machen, nicht mehr anerkenne, und daß er nun, da das alte Ver- tragsverhältnis abgelaufen ist, einen neuen Mietsvertrag verlang«, der mit dem Mietsrecht des BGB. vereinbar und auch sonst zeit- gemäß ist. Es ist zu erwarten, daß nunmehr nach Beendigung ibrer alten Vertragsverhältnisse sämtliche Mieter zum Miets- einigungsamt laufen und dort einen zeitgemäßen Vertrag fordern, der ihnen viel Sorgen und Unannehmlichkeiten erspart. Speziell von der Mieterorganisation wird erwartet, daß sie sich diesen Gedanken zu eigen macht und bahnbrechend in dieser Bc- ziehung wirkt. Und auch dem Wohlfahrtsminister muß ich von dieser Stelle aus sagen, daß ihm seine Höchstmietenanordnung wefentlich leichter geworden wäre, wenn er darauf hingearbeitet hätte, daß diese mittelalterlichen Mietsverträge verschwinden. Im übrigen dürfte sich bei dieser Gelegenheit noch vieles zeigen und zwar zunächst werden sich die Mietseinigungsämter weiter als Beschützer gegen die guten Sitten verstoßender MietS- Verträge aufspielen, werden sie diese wie bisher sogar weiter dokumontieren oder aber werden sie sich, um ollem aus dem Wege zu gehen, für unzuständig erklären? Und weiter, welchen Stand- Punkt werden die Gerichte in dieser Beziehung einnehmen? Aber zum Schluß, dies ist heute schon sicher, keine Macht kann nns Mieter zur Anerkennung der für uns rechtlosen und unso- zialen Zwangsmietsverträge zwingen. Friedrich Qu ast, VcrbandSmitgNed der Vereinigung der Mieterbeisitzer Grvß-Berlins. Die Einheispolizei. 100 Revicrwachen für Groß-Berlin. Die Einführung der neuen Einheitspolizei nach den Plänen dcS Ministerialrats Dr. Abegg beginnt sich für die Bevölkerung der Stadtgemeinde Berlin bereits bemerkbar zu machen. In nächster Zeit werden an Stelle d Einführung in die soziecle Wohlfahrtspflege(Gertrud Zucker, Leiterin der Frauenabteilung des S-tädtlschen Arbeitsamts), 0 Abende. Freitags. Beginn 22. Oktober. 4. Vortragsreihe fürdieJungsozialisten.ss Abende. MontagS: Entwicklungsgeschichte des Sozialismus(Arbeitersekretär Hermann Müller). Beginn 18. Oktober. b. Vortragsreihe für die Funktionäre der Beamten- organisation: Das Erfurter Programm(Dr. Lahmann), 6 Abende, Montags. De- ginn 18. Oktober. 6. Sonstige Kurse: *) in Berlin: Bolschewismus und Sozialdemokratie(Dr. Loewe), 8 Abende, Donnerstags. Beginn 21. Oktober. Tre Geschichte der Internationale(Erwin Barth), 8 Abende, Frei- •agS. Boginn 22. Oktober. b) in den 8 Bretten; Aied« r schönhausen: Geschichte des Sozialismus(Dr. Schütte). 6 Abende, Montags. Beginn 18. Oktober. Stegkitz: Die politffchen Parteien und ihr« Programm«(Re- dakteur Kuttner), 8 Abende, Montags. Beginn 18. Oktober. Friedenau: Entwicklungsgeschichte des SozmliSumS(Dr. Foih), 8 Abende, Dienstags. Beginn 13. Oktober. Niedcrschöneweid«: Das Erfurter Programm(Dr. Loh- mann), 8 Abende, Dienstags. Beginn 10. Oktober. Adlershof: Di« Französische Revolution(Dr. Schütte), 6 Abende, Mittwochs. Beginn 20. Oktober. Weißen sce: Geschichte des Sozialismus(F. Heller), 8 Abende, Mittwochs. Beginn 20. Oktober Charlottenburg: Von der kapital fftischen Wirtschaft über die Kriegswirtschaft zur Gcmeinwirtschast(Dr. Bendiner), 8 Abende, Donnerstags. Beginn 21. Oktober. Sckö neberg: Geschichte des. SdzialiSmuS(Dr. Schütte), 6 Äbende, Donnerstags. Beginn 14. Oktober. Lichtenberg: Geschichte des Sozialismus(Dt. Schütte), 6 Abende, Freitags. Beginn 22. Oktober. Tempelhof- Mariendorf: Einführung in die Volkswirt- schaftslehre, 8 Abende, Freitags. Beginn 22. Oktober. 7. Oberstufe: ,) Arbeitsgemeinschaft� Seminaristische Uebungen über Marx' Kapital.(Max Grunwald). Beginn: Freitag, 22. Oktober. Dieser Kursü» ist bereits ein Viertelsahr gelaufen und wird ietzt fortgeführt. Doch können einzelne Teilnehmer mit ent. ', brechender Vorbildung noch aufgenommen werden. Dazu ist eine schriftliche Bewerbung mit näheren Angaben über die Vorbildung erforderlich. Bewerbungen sind zu richten an den BildungSauS schuß(A. Horlitz). Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof. lV. b) Arbeitsgemeinschaft: Der historische Materialismus(Hugo Schulz). Beginn: Montag, 29. November. Auch hierfür ist ein« vorherige schriftliche Bewerbung er. -ordcrlich.__ Walhalla-Theater. Das sehr reichhaltige neue Variete- Programm begann mit einem Drahtseilakt. bei dem alle Beteiligten Ausgezeichnetes leisteten. Die Vorführung des mechanischen Wunders„Mewu" erzielte bei nawen Gemütern den gewünschten Erfolg. Sehr origmell war das sehr temperamentvolle Radfahrer- paar Marga und Fritz Onrö in ihren Leislungen, auch Karl Edler mit seinem„Nicki" er/elte wahre Lachsalven im Publikum. Di« Iongleurkunst de» Charles Montrell ist sehr lobenswert, da be- sonders seine Geschicklichkeit durch die gewollte UngeschMichkeit seines Partners reizvoll ergänzt wird. Der Schleuderbrettakt der Karleh-Eckmp. war bis zum Schluß spannend. Der alte Soldaten- schwank:„Der Stolz der 3. Kompagnie"«st Wilhelm Hartstein» wahrhaft zwerchfellerschütternder Komik, brackte«» auch an dieser Stätte zu dem seit Jahren oftmal» erprobten Erfolg. vvltsbtldnnasamt«eutöll». Zu de« am Freitag, den 8. Okiober. abend» T/4 Uor. ItaNsindenden Wagn-r. Abend mit Soltüen und dem Philbarmonlsche» Orcheiler und»u dem am Dienstag, den 12. Ottober. abends Ubr, ebenda itatl findenden Beetdooen-Abend(IX. Einsonie von Beethoven) find noch Karten zum Preise von S.SO Mark, Zimmer 218 des RatdauieS, 2 Treppen, erhältlich. Georg Burckhardt-Foott t, der in Berlin einst iuherft voltttümllche Schuireiter uni» Regisseur des Zirkus Busch, ist van Hans Stosch-Sarrasani für seine Betriebe verpflichtet worden. Schachspieler: Am Freitag, den 8. Ottober, wird in Reukölln, Lenauftr 18, bei Niedergesäh die dritte Abteilung des Neuköllner Arbeiter- Schachklub« eröfsnet. Am Sonntag, den 10. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Gütig. Dmtnittrist: 105: Provlemlösungs turnnr, Vortrag über„DaS Schachjpiel und jeme Bedeutung für die ArdeÜerklasje". Eintritt und Teil- nahm« sttr jedermam» frei. preußische Lanöesversammlung. 183. Sitzung. Mittwoch, den 8. Oktober 102 0. An neuen Vorlagen ist u. a. das Wahlgesetz»ingegangen. Es erfolgt zunächst die Beratung des Antrages des Abg. K o p s ch(Dem.) über die Erhöhung de« Ehrensolde« der KriegSveterauen, der von allen Parteien unterzeichnet ist. Roch zustimmenden Bemerkungen der Abgg. Echüling(Ztr.) und M ü l l e r-Harburg(Soz.) erklärt Stoaissekretär Gehre: Wir haben den Antrag mit Befür- woriung sofort noch ieinem Bekanntwerden zur Kenntnis des ReichSfinanzministeriumS gebracht. ES besteht die Hoffnung, daß dieses dem Antrage im weitesten Maße ent- iprewen wird. Abg. Kepfch(Dem.); Tie Antwort befriedigt uns nicht. Abg. Werner(Dnatl.): ES ist verwunderlich, daß die jetzige Mehrheit sich bei der Regierung mit ihren eigenen Wünschen nicht durchsetzen kann.(Unruhe.) Abg. Klebt» erklären. Der Antrag wird für erledigt erklärt. Danach vertagt sich das Hau« auf Donnerstag 12 Uhr; drifte Beratung der Novelle zum Gesetzentwurf Groß-Berli«, Sablgesetz, AuflötungSanträge. Abg. Ludwig(U. Soz.) beantragt Absetzung der dritte» Lesung der Novelle zu dem Gesetzentwurf Groß-Berli n. Abg. DentinicuS(Dem.): Ich ersuche, den Antrag der Unaly hängigen abzulehnen, weil dadurch das Zustandekommen de« Gesetzes auf unabsehbare Zeit verschoben würde. Dia Unabhängigen find schuld daran, daß die unerfteulichen BcrwaltungS- zustände in Groß-Berlin andauern. Sie befinden sich als Fraktion im merkwürdigen Gegensatz zur Haltung ihre« Vertreters im Siebzebner-Ausschuß. Dort hat die Regierung erklären lasien, daß die Bestätigung des neugewäblten Mogistrates ausgesetzt werden müßte bis zur'Verabschiedung der Zlovelle. Dogegen bat auch der Unabhängige Leid, der dem Ausschuß angehört, keinen Widerspruch erhebe». Abg. Ludwig(U. Soz.): ES ist ein ungeheurer Skandal, baß hier ein Gesetz beschlossen wird und seiner Durchführung dann wieder Schwierigkeiten bereitet werden. Der Antrag der Unabhängigen wird von sämtlichen andere» Parteien abgelehnt. Vizepräfidenl v. KricS: Die Schlußabstimmung über die Novelle zu dem Gesetzentwurf über Groß-Berlin wird namentlich erfolgen. Danach wird die Sitzung geschlossen. Schluß 8 Uhr._ Groß-Serlkner partewachrkchten. Heute, 7. Oktober: 8. Abt. Sinlaßkarte« flir die H e r b st 1 e i e r am S. Oktober in der Habels- Brauerei, Bergmannstraße, iowie zu den Einfübrungsabende» der Festkonzerte find bei Schult, Maricndorfer Str.->. erhältlich. Hungiozialiiitiche Bereinigung(Z. v. D). Abteilung Südwest in der Baugewerkschule. Kurfürltenstr. l4l, Kanlinenraum. pünlttich 7'/, Uhr: Fortletzung der Disluffion über.Wioerfinnigleiten im WirilchaUSshstems-, Reserenlen die Genossen Steruberg, Löffier und Zsmer.— FricdrichShagen bei Scholz. 7 Uhr. tcwdenallec. Ecke Friedriwstioße. Vortrag:.Erfurter Programm".— Neukölln im Jugendheim, Nogatftr. 58, 7 Uhr: Vortrag .Die Frau im neuen Deulfchland". Referentin: Genoffin Tiara Bahnt- Lcknich, ReichSabgeordneie.— Treptow im Jugendheim. Elfenftr. 8, pünttlich 7 Uhr. Boilrag:»Kuliur und Sozialismus". Referent: Gen. Dr. Diedertch.— Rordeu bei Dobrohla«, Swinemünder Str. 11, am ilrkoaapla«. Morgen, 8. Oktober: Wahlkreis Wedding. 7 Uhr Sitzung der Bczirksführcr und Beirieb». Vertrauensleute bei Fuchs, Weddingstr. S. Wahlkreis Tiergarten. 7 Uhr KreiSvorstandSfitzung bei Trfanper, Flensburger Str. 3. Frtevenau. Schöneberg. 7'/, Uhr im Lokal von Kühne, Hackerstr. 4: Gemeinsame Sitzung des Vorstandes und der KreiSdelegierten.— Abt. Friedenau. Di« sür Freitag abend im Ralhaussaal vorgesehen« Mit- gliederversammwng findet umständehalber nicht statt. Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald, v. KreiS. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Aula der Hindenburglchul«, Am Scepark. TageSoidnung: Neuorganisation; Vortrag über Parteitag: Referent ipen. Dr. Nestriepkc._______ Jugenöveranftaltungen. Heute abend 7'/, Uhr: Zentraljngendheim Lindenstr. S. EinführungSabenb der Schulentlassaic» mit besonderem Programm. Alle Schul- entlassrne« sowie deren Eltern find eingeladen. Martenfelde. Schute, Dorsstr. bt. Heute Werbevcrsammlung. Vortrag:.Arbeiterjugend und seine Ziele", Sonnabend, de» 9. Oktober, 6Vj Uhr. t« r b st s e i e r der ArbrUSgemeinfchast, Süden— Südwest— en, im großen Saal von Habels Brauerei, Lergmannfir. b/7. Eintritt !LS M.— Ferner Hrrbstfeier der ArbeilSgemeinfchaft. Tdar- lottenburg— Moabit. Im großen Saal des BoltSdauicS in Charwtieuburg, Rofinenstr. 4. Saaleröffnung ö Uhr. Siniritt 2,39 28. Soziales. Ortskraukeokassentag. Di« ordentliche Mitgliedervetsammlung de« HauptderbandeSdeutscherOrtSkrankenkafsen wird für Montag, den 29. November, nach Kassel, Stadthalle, ern- berufen. Außer dem geschäftlichen Teil weist die Tagesordnung folgende Punkte auf: Die Arzlsrag«, Tarifgemeinschaft mit dem Zeiilralverbnnd der Angestellten, Acnderung der Gesetzgebung: ») Novelle zur ReichSversicherungSordnuiig, d) Arbeitslosenversicherung und Pflichlverbände der Krankenkassen, c) ArbeitSgemewichafl von Trägern der ReichSverficherung. Eutschädiguugsverfahrcn aus Anlaß inuercr Unruhe». Ueber das Berfabren zur Feststellmig der Entschädigungen auf Grund des Gesetzes über die durch inner» Unruhen verursachten Schäden sind die Ausführungsbestimmungen in einer Verordnung vom 15. September 1920(ReichS-Gefcyblatt Nr. 191) erlassen worden. Danach find die entscheidenden Behörden die Ausschüsse zur Fest» stellung von Entschädigungen für Aufruhrschäden und da« ReichS- wirlschoflSgericht. Sitz und Bezirk der Ausschüsse werden von den LandeSzenlraibehörden bestimmt. In den Ausschüssen sollen Land- Wirtschaft, Handel un» Gewerbe. Handwerk und Arbeiterschaft sowie die freien Berufe durch BerufSangebörige oder frübere Berufs« ongehörige vertreten fein. � Die M'lglieder der Ausschüsse werden von den Landeszentralbehörden oder den von ihnen bestimmten Behörden ernannt. Auf Verlangen der Parteien bat der Vorfitzende de« Ausschusses Termine zur mündlichen Verhandlung vor dem Ausschuß anzuordnen. Diese mündliche Verhandlung ist nicht öffentlich. Zeugen und Sach« verständige erhalten Gebühren gemäß der Gebuhrenordnung sür Zeugen und Sachverständige. Der Bescheid de» Ausichuffe» muß begründet«nd vom Vorsitzenden und zwei Mitgliedern unier- schrieben werden; auch soll er die Belehrung über das zulässige Rechtsmittel enthalten. Gegen den Bescheid des AuSschuffeS ist schriftliche Beschwerde beim ReichSwirtichaftSgericht cder dem Ausschuß zulässig. Erstere» hat anderweitig zu entscheiden, soweit eS die Beschwerde sür be- gründet erachtet, oder eS kann den Bescheid deS AuSschuffeS auf- heben und die Sacke zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an den Ausschuß zurückverweisen, wen» das Verfahren an einem wesentlichen Mangel leidet. Sport. Ratte kk der freien Tpitetner�ttlkl'ktüstKi «mttekl. Sonntag. Für JngenhlMter: Fübrimz durch da« Kaste». Friedrich-Museum vorm. S Uhr.— Ach die Beranstattunge» d«S Haupt. cuischusteS� wird Pemttt hingewiesen.— Dientlag- Lichtbildervortrag Stern. Krei« Durnerschaft Berlin. Sonntag: Berein�walblaus In PichelS- berg. Trefipuntt l2 Uhr Restaurant Le'dolf. gegenüber Seeschloß. Dur«. Sport- Berei» Norden. Sonntag: Riegenturnfahrt der Männer- und Jugend- Abteilung nach Hobrechlssetde bei Buch, Restaurant Deulichmaun. Trefipuntt der Riegen spälesten« 2 Uhr. Kreter Wanderbund. Sonnlag: l. Hangeisberg, Spreewand eruna, KerSdorser See, Furstenwalde. Abs. 5.33 Schlcs. Bhs. i Strausberg. Kranichsberge, Erkner. Abf. K Uhr Schief. Chi Touriftenvercin Naturfreunde(Ortsgruppe Berkin-Oftbahi, vororte). Sonnlag: 1. Durch den Blumen tal. Abs. Wriezener Bhs. 6 Uhr früh. Fahrt bt« Ttefense«.— 2. Oranienburg, Germcrsdors. Orantenburg. Abt. Stett, Borortdhj. 7,30 bii Oranienburg, Erster Kongreß öer Betriebsräte Deutsthlanös. (■Schluß aus der Abendausgabe.? 2. Tag. VormittagSsitzuug. Im weiteren Verlauf der Debatte führt Katz-Verlin auß: Die Unternehmer der Edelmetaillinduftrie hinterzisten einen Teil der Ausfuhrsteuer, indem sie den Wert der Ware nur ? u m Teil deklarieren und ven anderen Teil ihren Ab- n�hnrcrn im Auslände zuschieben lassen. Der Nedner verlangt Massnahmen gegen die LersnSgenSschicthingcn und fordert die Zusammenfassung der Betriebsräte zu B e- girkswirtfchaftSräten, sowie durchgreifende Arbeits- l ose n sürso r g e. Unverzüglich müsse die kapitalistische Wirtschaft in sozialistische Gemeinwirtschaft über» geführt werden. Wenn man uns nicht an den Aufbau der Wirt- fchaft reilnehmen läßt, mag die Wirtschaft zusammenbrechen. Hierauf kommt eS zu einem Zwischenfall. Ein Redner teilt mit, daß vor dem Lokal Sicherheitspolizei in ziemlich beträchtlicher Stärke postiert sei, um eine von irgend jemanden geplante DemostraÄion gegen den Kongreß im Keime zu er- sticken. Es wird behauptet, die Leitung des Kongresses hätte sie gerufen Brolat, Dißmann und Graßmann bemerken dazu, daß selbstverständlich das Bureau es ablehnt, die Sipo zu irgendwelcher Hilfe herbeizurufen. Der Kongreß, der felbftverständ- lich mit den Forderungen der Arbeitslosen konform geht, kann gar nichh anders, als diesen Arbeitslosen daS weitgehendste Entgegenkommen zu bezeugen. Nach Rücksprache des Vorsitzenden Graßinann mit dem Leiter des SlcherheitÄommandoS rückt dieses sofort wieder in sein« Quartiere. Als Vertreter der norkvegischen Gesandtschast ist der Ge- nosse Karl VonnevieS anwesend. Müller(Landarbeiter) iührt Einzelfälle dafür an, daß landwirt- schaftlich« Unternehmer in ihrer Produktion die Interessen der All- gemeinheit verletzen und die Betriebsräte maßregeln, welche dagegen einzuschreiten versuchen. So werden also die Landarbeiter gehindert, den Interessen der Allgemeinheit zu dienen. Bei ge- regelter Produktion könnten Tausende von Arbeitslosen in der Landwirtschast beschäsiigt werden, aber alle dahingehenden Be« strebungen der Arbeiter scheitern am Widerstande der Junker. Sehr große Mengen von Getreide könnten der Allgemeinheit zugeführt werden, wenn das D e pu tat der Landarbeiter auf das für ihre Ernährung nötige Maß beschränkt werde. Aber die Gutsbesitzer haben nach der Freigabe des Deputats dasselbe auf daS doppelte Maß erhöht, um die Arbeiter anzllreizen, mit dem Korn Schweine zu mästen. Dadurch glauben die Gutsbesitzer zu erreichen, daß auch ihnen die Kertütterung von Getreide gestaltet werde. Der Redner ersucht um Unterstützung der Bestrebungen der Landarbeiter.(Beif.) Nachmittagssitzung. Zur Durchberatung der zum ersten und zweiten Punkt der Tagesordnung vorliegenden zahlreichen Anträge wird eine Kommission von 10 Mitgliedern eingesetzt, auch die beiden Referenten sollen an den Arbeiten der Kommission teil« nehmen. Die Diskussion wird fortgesetzt. HaaS-Stuttgart(Bauarbeiter) macht Mitteilung von Vorschlägen zur Sozialisierung des Baugewerbes, die von den Stuttgarter Bau- arbeilern an die Behörden gestellt, aber abgelehnt wurden. Re« grernng und Gemeindebehörde seien gegen die Sozialisierung. D,e Debatte wird geschlossen, jedoch erhält noch das Wort Schmidt-Berlin als Vertreter der Arbeitslosen. Er begründet folgende Forderungen der Arbeitslosen, die durch den Kongreß der Regierung unterbreitet werden sollen: Keine Still- legung der Betriebe. Verkürzung der ArbeitSzrit darf nur mit Zu- stimmung der Betriebsräte erfolgen. Die stillgelegten Betriebe sollen wieder eröffnet werden. DaS dazu notwendige Kapital soll durch Beschlagnahme de» ganzen Vermögens der Unternehmer beschafft werden. Die Industrie soll sofort umgestellt werden aus Erzeugung des Bedarfes der großen Masse. Regelung de» Absatzes und der Preise durch die Betriebsräte. Verteilung der Lebensmittel durch die Konsumgenossenschaften. Ausnahm« der wirtlchaftlichen Beziehungen mit Rußland. Bis diese Forderungen erkämpft find, wird verlangt: die ErwerbSlosenunterstützting auf die Höhe de« Lohnes der beschäftigten Arbeiter. Dieselbe Unterstützung sollen die Rentenempfänger neben der Rente erhallen. Weiter wird gefordert: Gleichstellung der Frauen mit den Männern in der Unterstützung, weitestgehende Für« 'sorge für die Kriegsbeschädigten und für die Kinder.— Die Arbeitslosen verlangen, daß die BeiriebSröti sowie die in Arbeil stehenden Arbeiter in eine Aktion für diese Forderungen ermrelert. Wenn das nicht geschieht, können die Arbeitslosen nicht hoffen, daß ihnen die Betriebsräte helfen.(Beifall.) vors. Aufhänser: Der Kongreß hat ein warmeS Her, für die Arbeitslosen und volles Verständnis für�ihre Lag«.(Zustimmung.) ES wird sich empiehlen, daß die Anträge der Arbeitslosen einer dauernd einzusetzenden Körverschaft zur Erledigung � überwiesen werden. Eine solche Körperschosr kann morgen eingesetzt werden. Der Kongreß hat den ernsten Willen, seine Kräfte für die Lösung de» Arbeitslosenproblems«inzusetzen. DaS Schlußwort WissellS. Die Anträge der Arbeitslosen enthielten vieles, was man unier- schreiben könne. Maßnahmen gegen Stillegung der Be- triebe und Verkürzung der Arbeitszeit müssen nalür- lich getroffen werden. Aber der Vorschlag, das vermögen der Unternehmer in Beschlag zu nehmen, führe nicht zum Ziel. E» müsse ober betont werden, daß man in den Betrieben, die noch nicht � sozialisiert werden tonnen, nicht alle» lausen lassen darf wie es will, denn sonst würde das Elend nur vergrößert werden. Der Sozialismus ist unser Ziel, da« ich durchaus nicht verwässern will. Aber die Sozialisierung kann nur dann voll verwirklicht werden, wenn die Arbeiter> zur Mirleitung der Produktion erzogen sind.(Lebhafter Beifall.) DaS Schlußwort HilferdingS: Ich halt« es für irrip, daß da» Vroletllriat auf ein Signal an einem Tage die politirche Macht erobern kann. Die Ei oberung der politischen Macht ist die Folge einer Reibe von Kämpfen, in denen eine Machtposition nach der anderen erobert wird. In der Sozialisierung deS Bergbaues kann es keine Zwischenlösung, sondern nur die Bollsozialisierung geben. Wir stehen jetzt vor der Frage der Sozialisierung deS Bergbaues. Das ist eine Sache, die nicht nur die Bergarbeiter. sondern die gesamte Arbeiterschaft angeht. In dieser Frage sind die deutschen Arbeiter die Vorkämpfer der Ar- oeiter der ganzen Welt. Die Sozialisierung des Bergbaues ist der Anfang der Durchführung des Sozialismus in vollem Um- fange. Ter Kamps für die Erreichung dieses Zieles muß mit aller Krait von der gesamten Arbeiterschaft in g e i ch l o s s e n e r E i n- heitSfront erkämpft werden.(Lebhafter Beifall). Die folgenden, von den Referenten beantragten Resolutionen wurden mit allen gegen einzelne Stimmen angenommen. l. Die zweijährigen Versuche, die Wirtschaft wieder anfzu- bauen, sind gescheitert. Die kapitalistische Wirtschast in Deutschland erlebte einen kurzen scheinbare» Aufschwung nach Aufhebung der Blockade. Sie ist heute in unaufhaltsamem Zerfall. Die Produktion stockt, Betriebe werden stillgelegt, abgebrochen, Maschinerie ganz oder in Teilen WS kapitalistische Ausland vcrschobrn. Die wachsende Geldentwertung und Balutaverlchlechterung sperrt Deutschland die Zufuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln in steigendem Masse. Beides zusammen mit dem steigenden Bankerott der Staatsfinanzen sperrt Deutschlands internationale Kredite. Die rapide Geldentwertung läßt die Kaufkraft der breiten Massen immer weiter hinter den steigenden Warenpreisen zurückbleiben. Bei dem Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nehmen die Preise den Charakter von Monopolpreisen an.—. DaS Kapital nützt die Situation und macht in manchen Wirt- schaftSzweigeu glänzende Gewinne, die aus den Taschen des Volkes fließen, daS immer mehr verarmt. Das Kopital sucht sich durch Tausende Finten und Laste« der Besteuerung zu ent- ziehen und die Steuern auf Arbeiter, Kleinbauern und Klein- bürg« abzuwälzen.— Auf den bisherigeu Wegen uaserer Wirtschaft kommen wir au« dem Elend unserer Lage nicht heraus. Die kapitalistische Wirtschaftslehre, wonach die Förderung des eigenen Interesses der Allgemeinheit am besten diene, bat ihre innere Unwahrheit jedem klar offenbart. Sie darf keine Geltung mehr haben, soll nicht den Millionen der werktätigen Bevölkerung absolute Ber- eleudung und gänzlicher Nntrrgang drohen.— Je weiter der Zerfall der Grundlagen der Produktion und dir körperliche und geistige Schwächung und Verkümmerung aller Arbeitskräfte v»m Handarbeiter bis zum Techniker und Erfinder sortfchreitet, um so schwieriger wird der Wiederaufbau. Die individuelle Initiative deS Unternehmers, die Technik und Pro- duktiouSumfang förderte, genügt nicht, um den Wiederaufbau unserer Wirtschaft zu ermöglichen. ES bedarf dazu der Sozialt. fieruug der dazu reisen Wirtschaftszweige und der Stärkung des Einflusses der Hand- und Kopfarbeiter auf die übrige Wirtschaft. AuS Objekten der Wirtschaft sollen sie zu ihren Subjekten «erden. DaZ Ziel der proletarischen Wirtschaftspolitik kann nur dahin gehen, die Verfügung über die Produktionsmittel zu erringen und die Wirtschaft auf der Grundlage deS gesellschaftlichen Gemeineigentums unter planmäßiger einheitlicher Leitung als unmittel- bare vergesellschaftete Produktion«eiterzuführe».— II. Der Koagreß konstatiert, daß die Fortdauer deS kapitaiistt- fchen Wirtschaftssystems nach dem Kriege zu einer akuten Brr- eleudung und absolute» Verschlechterung der Lage der arbeitenden Klassen geführt hat. Nur die lleberwindung der kapitalistischen Profitwirtschaft durch die sozialistische BedarfSdrckungswirtschaft sichert den materielle»»nd kulturellen Aufstieg der Hand- und Kopfarbeiter- schast. Der Kongreß erblickt in den Versuchen, die Wirtschaft auf kapitalistischeH» Grundlage unter Aufrechtcrhaltung der kapita- listischen Eigentumsrechte»».reformieren, eine für den Kampf der Arbeiterklasse verderbliche Illusion. Der Kongreß fordert daher die Betriebsräte und die Gewerkschaften ans, im Berein mit de» Arbeiterparteien alle ökonomische und politische Macht der Ar- beiterklaffe aus die Verwirklichung deS Sozialismus zu konzentrieren. Insbesondere hält der Kongreß es für notwendig, alle Vorbereitungen zu treffen, um in dem bevorstehenden Kampf um die Sozialisierung deS Bergbaues diese Ziele durchzusetzen— Ferner wird ein Antrag einstimmig angenommen, der mit dem Wunsch für den Sieg des russischen Proletariats die BetricköSräte verpflichtet, die Erzeugung von Waffen und Munition für den Kampf gegen Rußland sowie Ven Transport derselben zu verhindern. Alle übrigen Anträge werden dem rnorgen zu wählenden Bei- rat überwiesen. Der Kongreß will in oen dritten Punkt der Tagesordnung: Die Ausgaben der Betriebsräte eintreten. Zuvor stellt Lubnt erneut den Antrag, zu diesem und dem vierten Punkt Korreferenten zuzulassen, und zwar solche, die auf dem Boden der dritten Internationale stehen. Reuter. Mainz wendet sieh gegen den Antrag. Ter Antrag zeige, daß dt: Opposition so ichwach sei, daß sie einen Korreferenten von außen holen müsse.(Großer Lärm bei der Opposition. Ein schriller Pfiff ertönt.) Vorsitzender Aufhäulcr rügt dies rmporlamentansche Verhalten. Nachdem noch einige Redner für den Antrag'gesprochen Hauken, wird er mit 4ö8 gegen 379 Stimmen angenommen.(Leb- haster Beifall der Opposition.) Die Debatte über diesen und andere GeschästSordnungSanträge hatte zwei Stunden in Anspruch genom- men. Da es inzwischen 6 Uhr geworden war, wurde die Sitzung aus Tonnerstag 3 Uhr vertagt. Sie beginnt mit dem Refeeat über die Aufgaben der Betriebsräte. Ein AWischenfaU. Be- 'Der Betriebsrätekongreß hatte am ersten Tage ssiner ratungen die zurzeit in Berlin anwesende russische Gewerkschasis- Delegation eingeladen und dem Führer derselben, Genossen 2 o s o w- s k h das Wort zu einer Begrüßungsansprache verstauet. Der russische Sprecher benutzte diese Gelegenheit, um nicht nur für seine Ideen der Wellrevolution Propaganda zu machen, sondern auch zu- gleich, die deutschen Gewerkschaften wegen ihrer Haltung zu den Friedensschlüssen von B r e st- L i t o w s k und Versailles vor dem Kolhzreß anzuklagen. Infolge einer Verwahrung des Kongreß. leiters Aufhäuser gegen solche Ausnutzung des Gastrechts kam es am zweiten Verhandlungstage zu längeren GeschästSordnungs- debatten, deren der Kongreß schließlich durch Uebergang zur TagcS- ordnung«in Ende machte. Der von Losowsiy angegriffene Re. daktcur des„K o r r e s p o n d« n z b I a t t e s" des Allg. Deutschen Gewerk schaftsbnndes, Genosse U m b r e i t, ver- zichtete aus dem Kongreß auf«icke Entgegnung, um diesem neue, gereizte Auseinandersetzungen zu ersparen. Er ersucht uns jedoch, folgende Erklärung zu dieser Angelegenheit zur Kennwis unserer Leser zu bringen: .Der Ver-ceter der russischen Gewerkschaftsdelegation. Genosse Losowsiy, hat seine Begrüßungsansprache an den Kongreß dazu mißbraucht, die deutschen Gewerkschaften und im besonderen das„Korrespondenzblatt" für ihre Haltung anläßlich deS Friedensschlusses von Brest- Litowsk anzugreifen. Der Vorsitzende des Kongresses hat ber-'tz gerügt, daß cS irn- statthast tei, Begrüßungsansprachen zur Erörterung von polrtischen Gegenssijf den zu benutzen, die mit der Tagesordnung des Kongresses in keinem Zusammenhange stehen. Da aber hier- bei die Haltung des„K o r r esp o n d e nz bla? se s" ange- griffen wurde, so kann ich diese Ausführungen des russischen Vor- treterS nicht unwidersprochen lassen. Ich bedauere dies ,stbst, da ich der Meinung bin, daß der D�greß jetzt d rin g en de? e Fragen zu behandeln hat und daß über die Haltung der Gewerk- schaften und ihres Zentralorgans währeich des Kriege? nicht bloß der Nürnberger Gewerkschaftskongreß, sondern soweit sie das Verhältnis zu den Gewerkschaften des Auslandes be- rühren, di» Internationalen G e>v e r k ich a ft S k o n- presse von Bern und Amsterdam endgültig entschieden haben. Genosse Losowsky hat nach einer auch bei manchem unserer deutschen Kritiker beliebten Methode einige Sätze aus einigen Rum, mern des.Korrespondenzblattes" zitiert und sie der Beurteilung des Kongresses preisgeeven. Die Wirkung hängt dabei gewöhnlich von der Auswahl der Zitate ab. Aber diese Zitate sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen und sind nicht imstande, ein auch nur annähernd erschöpfendes und richtiges Bild von unserer damaligen Stellung zu den Brest-Litowsker Verhandlungen und dem OstsriedeH zu geben, wie bei dieser Zitierkunst auch sorgfältig alles beiseite gelassen wurde, waS für die Erklärung unserer Stellung inmitten der damaligien Ereignisse die Voraussetzung bildet. Mit solchen Zitier- künsten sollte man einen Kongreß, der doch keine zu. sammengelaufene Wahlversammlung, ist, wirklich verschonen. Genosse Losowsky klagt uns besonders des Mangels an internationaler Solidarität an. Ich möchte ihm darauf de-Z Folgende erwidern: Die deutschen Gewerkschastcn haben die internationale Solidarität allezeft gepflegt, auch den russischen Genossen gegenüber, und zwar schon lange, br, vor. iste messtei! Her uns besuchenden russischen Genoffen an ej> � eigene Geive rkscha ftsbew e.gung dachten. Die deutschtn Gewe. schaftSführer haben auch der russischen Revolution größere" Dienste geleistet, als die Losowsky und Genossen auch nur ahnen. Ihre Herren und Meister in Moskau und Pelerstburg dürften dafür um so besser unterrichtet sein. Die General- kommi s sion und der Deutsche Bundesvorstand haben ferner fast allen russischen Gewerkschostsdelegationeu die Ein- reise nach Deutschland ermöglicht und damit erneut den Beweis internationaler Solidarität gegeben. Es steht gerade dem Genossen Losowsky schlecht an, solche Anklagen zu erheben, da auch e r die Hfffe deS BundcSvorstandeS in Anspruch genommen hat. Die russische Delegation rechnet'absr noch auf vielweitergehende Solidaritätsbeweise der deutschen Gewerk« schaftszentrale. Sie hat an unsere tätige Mithilfe für den Wieder- aufüau der russischen Volkswirtschaft appell-er!, und diese Mithilfe haben wir ihr nicht bloß zugesagt, sondern wir baben ihr in einer Konferenz am 2. Oktober dargelegt, in Welch umfangreicher Weise wir uns bereits für die Belieferung der Sowjet- republik mit den von ihr benötigten Maschinen und TranS-' p o r t m> t t e l n eingesetzt haben, wohlverstanden in völlig u eigennütziger Werse, denn«S handelt sich um Dinge, Kt die deutsche Volkswirtschaft selbst bitter no'irendiq gebraucht.«>- Um so b e s r e m d l i ch e r muß eS erscheinen, daß der Svre der ruffischen Delegation seine Anwesenheit als Gast dazu bon um unö öffentlich ver didsem Kongreß anzuklagen. Man?. A1 nicht A r b e i ts ka m e rad am gemeinsamen Werke und zugl-r™ Ankläger sein. Genosse Losowsky hat seiner Mission � Deutschland, sofern sie sich aus dir Anbahnung kameradschass�i lichcr Beziehungen zwischen den russischen und den deutsche» G.' J werkschasten erstreckt, sicher keinen guten Dienst mit seiner Rede geleistet. Er gleicht dein blinden H ö d u r der altgermani-■ schen Sage der einen von fremder undgehäss.'. g-r Hand sorgsam zugespitzten Pfeil abschießt, ohne sich der Folgen be- Mußt zu sein. Seine Wort« waren kerne brüderlichen Friedensgrüße, sondern sie waren geeignet und sicherlich auch beabsichtiat, als Brandfanal« zu wirken, die cc in einen Kongreß hineinwarf, de? unter überaus schwierigen Ver- hältnrffen die Ernbeit der Aktion in der deutschen Arberterschaft herbeifübren soll. Van dieiem Gesichts- punkre aus muß ich drese Ausführungen aufs tiefste bedauern. WetterauSsichten für das mittlere Norddeutschland bis Freirag mittag. Trocken und meist heit-r, nacht» recht'ckühl, mittags ziemlich warm bei mäßigen südöiilichen Wwden. reinigt und sohenert alle Gerät® ausPorvellan, Emaille, Holz, Metall, Glas, Stein, Marmor nsrr. Bestes Scheuerpulver für Haushalt, Gewerbe u. Industrie. Vorzüglicher Herdputz üeberall erhältlich. 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SUc jugenbllche Ardeifer (Laufjungen, Portierjungen, Lehrlinge usw.) auf jährL KOO M. Bs Skallon, Wohnung, ve- ISskiguug, einlchlletziith Heizung und velenchtung: I. Für b!« der Angestellten- Versicherung unterliegenden An- gestellten,». B. Lehrer, Erzieher und Betriebsdeamte(Werk- meister, Techniler, Kontrolleure usw.), für Sanbiungsgehiffen und für äähere Hausangestellte auf jährlich 2S00 M. für freie Station, 300 TU für freie Woh. nung,«SSM. für freie Beköftt- gnng, 45 M. für Wäsche. II. Für Arbeiter und sonstige Augeftellie(Sausdiener.Wagrn- führer, Schaffner usw. einschiieff- lich der jugendlichen Brdeiter (Läufjungen, Portierjungen, Lehrlinge usw.) mit eigenem Zimmer auf jährlich 27SS M. für jreie Station, ZOo M. kür freie Wohnung, 25« M. für freie Belästigung. Ohne eigen esZimmer auf jährst 2855 M. für freie Station. 100 PL für freie Wohnung, 2555 M. für freie Belästigung. III. Für männliche und meid- liche Dienstboten auf jährlich 2700 M. iür ireie Station, 100 M. für freie Wohnung, 2555 M. für freie Belästigung, 45 M. für Wäsche. O Wohnung, dl» da» Matz de» Bedarfs einer Perlon aberschreliel(Familien- tpohnnng): 1. Für die unter B I fallenden Personen jährlich 750 M. Ii. Für die unter B II fallenden Personen jährlich 450 M. 0) Heizung und frei* 8«- lenthtnng: 1. Für die unter C I genannten Personen 500 M. mr Hei- znng. 300 M. für Beleuchtung. II. Für die unter C II genannten Personen 400 M. für Hei- jung, 200 M. für Beleuchtung. E) Einzeln« wohlzetten für stlrdeller und sonstig« Angestellt«: a> Für Morgenkaffee mit Zubrot,., 0.50 M. b> Frühstück.... 1L5. c) Miitageffen... 8,00 d) Nachmiitagskaffee wie zu a)... e) Ad indessen._ zusammen 7,00 M. Diese Festsetzungen irrten mit dem 17. Eepiember 1920 w«rast. Berlin- Weißensee. den 17. September 1920. Oos Versicherung, omt. I. B. gez. vr. Rlomroth. Diesen Beträgen ist der wöchentiiche bzw. monatliche Baroerdienst der beschästigien Personen hinzuzurechnen, und gilt dieser Sesaintperdienst als Grundlage für die Einschätzung in die betreffende Lohnstuse der unterzeichneten«äffe. 157/13 Mit Rücksicht darauf, daß die oorftehende Verordnung mit dem 17. September 1920 w«rast -treten ist. erfolgt auch von iesem Tage ab die Berechnung der häheren«affenbeitrSge. Berlin- Weißeitfee, den L Oktober 1920. Der Borstand der Allgem. Lrtsfrank». fasse Bcrlill-Weißeuse«. Groeve, Vorsitze!� er, 0,50 1,75 MetallePrelserhShunr Zinn! LOtzinn I Welll- metall 1 Blei 1 Kupfer I Messing! Zink I Aluminium! Nickel Stanniol- papierl Quecksilber I Glühstrumplascbe bis ISO.—, salpeters.Silberl Zahnge bisse l Zahn bis 100,— l Ooldbrnch I Silberbruch I Platin- abfülle I höchste Tagespreise.* Edchnetail-Einkanls- hlirCan, Weberatr. 31. V< ■' v-Ä-r-fc• öe! 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Die Beweisaufnahme fällt vernichtend für die ge- heinrrätfichen Klatschbasen und gekränkten Konsistorialrats- gattinnen aus, als deren Vertreter Friedrich Frecksa sich um den Wahrheitsbeweis abmüht. Der einst hier auf ihn ge- prägte Reim,„wie ich den Dreck sah" paßt wieder einmal ausgezeichnet, denn nur Herr Frecksa hat den von ihni be- haupteten Treck gesehen. Die Zeugen aus Eberts nächster Umgebung, keine Sozialdemokraten, sondern übernommene korrekte Beamte des alten Regimes, bekunden übereinstim- mend die große Einfachheit im Haushalt des Präsidenten, die abtolute Mäßigkeit und Nüchternheit des Reichspräsidenten selber.• Herr Frecksa, der anfangs zubersichtlich auftritt und„das Wohlleben sozialdemokratischer Minister" beweisen will, wird immer kleiner. Schließlich kriecht er de- und wehmütig zu Kreuze, revoziert und depreziert und atmet schließlich er- leichtert auf, als er aus der Hand des von ihm verleumdeten Reichspräsidenten die Begnadigung fressen darf. Ein typischer Vertreter alldeutschen Mannes- und Heldentums! München, 6. Oktober 1920. t.Hg.f Heute nachnrittag 8 Uhr begann in München vor dem Schwur- gertcht die Verhandlung gegen den verantwortlicben Herausgeber des„Pbosphor" Friedrich Jreksa, dessen bürgerlicher Name Kurt Friedrich ist. Die Anklage gegen Freksa lautet dahin, daß Freksa in einer Sondern mnnver des„Phosphor" den Reichspräsidenten der Trunkenheit und der Bestechlichkeit bezichtigte. Zu Be- ginn der Verhaiidsungen erklärte der Angeklagte, daß er es ablehne. dein Reichspräsidenten den Vorwurf der Bestechlichkeit gemacht zu baben. Er habe vielmehr mit einem Bilde, das den Reichs- Präsidenten als Faust darstellt, wie er von einem, Engländer als Mephistopheles einen Beutel nnt 10 Millionen entgegennimmt, die ?lbbängigkeit der MehrheitSsozialdemokraien vom ausländischen Kapital si! Red. d. V.) zum Ausdruck bringen wollen. Was die Anspielungen auf den Aufenthalt des Reichspräsidenten in der .Kolibri-Bar in der Motzstraße in Berlin beträfen, so sei von einer amtlichen Stelle, die ein Interesse hatte, die Sache aufzuklären, jemand nach der Kolibri-Bar geschickt worden, um nachzufragen, ob der Reichswehrminister Noske dort ver- kehrt hätte. Tori- wurde dem Nachfrager der Bescheid gegeben, daß zwar nicht NoSke, fondern der Reichspräsident Ebert mit dem Reichskanzler Bauer dagewesen seien. Freksa betonte, daß er ver- zichteu müsse, die Namcn seiner Gewährsmänner zu nennen, da sich diese in amtlicher Stellung befänden und Gefahr liefen, diese zu verlieren. Die Anklage sei ein republikanischer MajesiätS- beleidigiriigSprmeß. Ob Herr Ebert trinke und rn der Kolibribar verkehrt habe, würden die Zeugen beweisen oder nicht. Aber die Tatsache bleibe bestehen, daß im jenen Kreisen ein Wohlleben herrsche und eine Abhängigkeit vom A u S l a n de/bestehe.— Rechtsanwalt Konrad Houßmann: Der Angeklagte hat in der Vovunter- suchung gesagt, es solle ein Mangel an repräsentativer Haltung des Reichspräsidenten gegeißelt werden, ferner die Tatsache, daß der Reichspräsident stark der Flasche huldig« und eS durch fein Austreten in öffentlichen Lokalen an Tust habe fehlem lassen.— Angeklagter: Das halte ich aufrecht. Als 1. Zeuge wird sodann Ministerialdirektor Dr. Meißner, der Ehef des Bureaus deS Reichspräsidenten, vernommen, der erklärt: Er sei seit Ish Jahren aus dem Auswärtigen Amt dem Reichspräsidenten beigegeben worden und seitdem stehe er mit dem Reichspräsidenten in engerer Fühlung. Sein Geschäftszimmer liege neben dem Amtszimmer des Reichspräsidenten. Der Zeuge habe von morgens bis abends 9 Uhr ungehinderten Zutritt. DaS ganze Leben des Reichspräsidenten spielt sich vor den Augen des BureauS ab. Der Zeuge sei über jeden Ausgang des Präsidenten unterrichtet. Alles, waS im Haufe vorgehe, erfahre er. Er würde es auch sicher wissen, wenn der Reichspräsident abends spät ausgegangen wäre. ES ist Tatsache, daß die Angaben, der Reichspräsident, neige zur Trunksucht oder devgl. nichts als Märchen find. ES gehe beim ReichSvräsidenten alleS f ehr einfach her, wie in einem bürgerlichen Haushalt. Niemals fei ein Exzeß vor- gekommen. Ter Reichspräsident habe sich niemals in einem Zu- stände befunden, der als Lngetrunkenheit oder Trunkenheit hätte gedeutet werden können. Wenn keine Gäste im Hause sind, wird nur Mineralwasser getrunken. Sind Diplomaten au- wesend, so kommen nur zwei Sorten Weine auf den Tisch. � Auch dann ist das Essen überaus einfach. Der Reichspräsident bat. solange er der Regierung angehört, kein öffentliches Lokal besticht. Divse Tatsache ist auch vom Personal, von dem Chauffeur und von dem Kriminalbeamten, der ihn begleitet, bestätigt worden. Meist ist er um 11 Uhr zu Hause. Daß er ein öffentliches Lokal besucht, ist a u S g e s ch lassen. Auf die Frage des Rechtsanwalts Konrad Haußmann bestätigt der Zeuge, daß er schon der alten Regie- rung angehört habe, nicht sozialdemokratisch sei und auch der Sozialdemokratischen Partei nicht nahestehe. Auf eine weitere Frage des Rechtsanwalts Haußmann erklärt der Zeuge: „3ch kann unter meinem Eide mit Bestimmtheit erklären, daß ich den Herrn Reichspräsidenten niemals be- trunken oder angetrunken gesehen habe. Er hat st�ts die Würde bclvahrt, die sein Amt erfordert." Der nächste Zeuge ist der Hausinspektor des Reichspräsidenten Tappe, ein alter Beamter, der schon unter Fürst Bülow und unter Dethmann Hollweg in der Reichskanzlei tätig gewesen sit. Der Zeuge erklärt, daß er beim Reichspräsidenten Keller und Kücke verwalte, jede Flasche Wein gehe durch seine Hände. Der HauS- halt sei ein ganz einfach bürgerlicher. Der Zeuge be- stätigt, ebenso wie der Borzeuge, daß selbst bei Repräsentationen die Küche sehr einfach sei, weit eiafacher als unter Bülow. Der Zeug« erklärt, daß er stets zugegen sei, bis der letzt« Gast das HauS verlassen hat, und ex könne beschwören, daß Harr Ebert nie angetrunken oder auch nur angeheitert gewesen fei. Der nächste Zeuge war der Geschäftsführer kt Kolibri-Bar Holz. Er weiß nur. daß eines Tages«in Herr erschien, der sich erkundigt«, od jxrr Ebert m der Bar gewesen sei. Da habe ihm da» Personal erzählt, daß im August 191g de? Herr Reichspräsident mit 6 brs(5 Herren darunter Reichskanzler Bauer, dort oewesen wären und gezecht hätten. Ob NoSke dabeigewesen sei. wußte man nicht. ES wurden mehrere Flaschen Wein getrunken, auch zwei Damen waren mit.— Tie Verteidigung glaubt beantragen zu müssen, daß die Gewährsmänner"dieses Zaulgen geladen werden. Der Vorsitzende ist der Meinung, daß selbst ein einmaliger Besuch nocl> nicht den Vorwurf deS„KolihtierenS" begründe, auch wenn der Reichspräsident Einmal in der Kolibri-Bar gewesen wäre und 1 oder 2 Flaschen ceft getrunken hätte. Im übrigen glaubt der Vorsitzende, daß auch dt" r» her Trunksucht vollständig wider- legt sei und reg...r..- vergleich an. Zeuge Meißner � rag: noch nach, daß ihm Eberl erzählt habe, daß vor einiger Zeit sich ein Mann in einem anderen Nachilokal, Sozialöemokratie Die Diskussion über die Stellung der Sozialdemokratie zur Berliner Kommunalpolitik, die in der Groß-Berliner Funktionärkonferenz vom 1. Oktober abgebrochen worden war, wurde am Mittwochabend in einer Konferenz der S.-P.-D.-Funkiionäre von Groß-Berlin im Kriegervereinshaus fortgesetzt. Genosse Franz Krüg«r machte erst einige Mitteilungen über die Verhandlungen mit ll.-S.-P.-, K.-P.-D.-Betrebsrat usw., die stattfanden wegen des' Beschlusses des Gesamtbetriebsrates der städtischen Arbeiter, aus Anlaß des bürgerlichen Vorgehens gegen die Gestaltung der Verwaltung von Groß-Berlin den allgemeinen Generalstreik der städtischen Arbeiter zu verkünden, wenn nicht bis zum 1. Oktober positive Erklärungen über' Rücknahme der bürger- lichen Anträge oder die Bestätigung der Stadträte vorliegen. Bei den Verhandlungen handelte es sich um die Frage, ob sich die politischen Parteien beim eventuellen Ausbruch des Generalstreiks der g e- samten städtischen Arbeiter an die Spitze stellen sollten. Er habe, sagt Krüger, erklärt, daß die S. P. D. es nach den mit der K. P. D. gemachten Erfahrungen ablehnen müßte, mit der K. P. D. eine gemeinsame Aktion zu unternehmen. Höchstens köme�es in Frage, wenn die K. P. D. Sicherheiten gäbe' für strikte Durchführung gemeinsamer Beschlüsse. Eine entsprechende Erklärung wurde von den Kommunisten nicht abgegeben. Was be- sonders bedenklich stimmte, war, daß der AkticmSpIan nur von den städtischen Arbeitern, und zwar in erster Linie nur von ihrem Ge- samtbetriebsrat ausging. Redner habe geäußert, daß ja durch die geplante Stillegung sämtlicher städtischen Betriebe die ganze Arbeiterschaft Berlins ohne weiteres mit hineingezogen werden würde und daß man deshalb sie und alle ihre Organe unterrichten und sich äußern lassen-müsse. In einer neuen Sitzung erklärte die ll. S. P., den Kampf der städtischen Arbeiter bedingungslos zu unterstützen. Die Zentrale der Betriebsräte sagte, sie wolle die städtischen Arbeiter nicht abhalten und eventuell unterstützen. Aber Richard Müller sagte dabei,- daß vieles richtig sei, was Krüger ge- sagt habe, nämlich, daß die Gesa-nttarbeiterschast Berlins auf solchen Kampf nicht vorbereitet sei und daß auch er eS für bedenklich halte, gegenwärtig solchen Kamps zu führen. Müller meinte weiter, daß die Berliner Arbeiterschaft nicht daran denke, wegen einiger Stadt- röte in den allgemeinen Kampf einzutreten, und Müller hab�hin- zugefügt: Wenn man di« gesamte Berliner Arbeiterschaft heran- ziehen wolle, dann müßten revolutionäre Parolen erntgestellt werden. Der Verlaus der Debatte habe ergeben, daß man als solche Ziele auch im Auge habe die Besetzung de« Betriebe nach Italiens Muster und die Wahl polift scher Arbeiterrätc. Von Vertretern der Be- triebSrätezentrale wurde klragclogt, daß, wenn ein solcher Kampf aufgenommen würde, eS nur der Endkampf deS Proletariats um die politische Macht sein könne. Der Vertreter der K. P.D. unter- strich no chdieie Ausführungen mit der Betonung: Fort mit diesem Parlament. Wahl politischer Arbeiterräie. Die Gewerkschaitskom- Mission stellte sich auf den Standpunkt, daß sie nur bereit sei zum Kampf autzurufen, wenn die politischen Parieien ssch einig feien. Richard Müller erklärte noch, auch wenn die städtischen Arbeiter in den Kampf träten, würde man doch nicht ohne weiteres in der Lage sein, zum Endkampf aufzurufen, aber man würde sehen, wie die Sache weiter laufe. Zum Schluß erklärte der Vertreter des Eisen- bah-narbefterverbandeS, die Orrsverwaltung seines Verbandes stehe auf dem Standpunkt, daß sie nicht in der Lage sei, sich an einem solchen Kampf zu beteiligen. Man habe festgestellt, daß in den Rheinischen Winzerikiben, als Ebert ausgegeben habe, der einige Aohnlichkeit mit ihm habe. Vielleicht klärte sich auch dieser Fall so auk. Im übrigen>ei der Reichspräsident den ganzen Juli 1919 in Weimar, dann im August in Schwarzburg aus Urlaub und dann bis Mitte September auch außerhalb Berlins gewesen. Der Angeklagte gibt dann auf Anraten deS Staatsanwalts nach einet Besprechung folgende Erklärung ab: 1. Auf Grund der heutigen BeloetSaufnahme habe ich mich davon überzeugt, daß die in Nr. 2 tzeS„Phosphor" vom 12. Januar 1920 gegen den Herrn Reichspräsidenten erhobenen Vorwürfe der Trunksucht und des Be- suche? unwürdiger Lokale obiektiv unwahr sind. 2. Ten Vorwurf eine? Bestechung durch das Ausland oder einer Bestechlichkeit habe ich dem Herrn Reichspräsidenten nicht mgchen'wollen. 8. Ich nebme diese Vorwürfe gegen Herrn Ebert. deren lieber- Mittlern ich Glauben geschenkt habe, mit dem Ausdruck des Be- daucrns zurück. 4. Ich verpflichte mich, die Kosten des BerfahrenS, einschließlich der gesetzlichen Kosten des Nebenklägers, zu übernehmen. Rechtsanwalt Konrad Haußmann: Diese Erklärung und die Aeußerung des Herrn Angeklagten, es handle sich um einen re- publikcnrischcn Majestätsbeleidtgungsprozeß, geben mir Anlaß, aus- zusprechen, daß der Herr Reichspräsident nur seine bürger- licke Ehre schützen wollte und im öffentlichen Interesse schützen mußte. Nachdem dieser Zweck durch die Beweisausnahme und die Erklärung deS Herrn Angeklagten erfüllt iit, nimmt der Herr Reichspräsident die Auflage zurück und schenkt dem�An- geklagten die Strafe. DaS Gericht beschließt hierauf di« Einstellung des Ver- fahren S. Dreiviertel Millionen Waffen erfaßt. SO Millionen Pramieu�elver augewiese». In der gestrigen Sitzung deS Parlamentarischen Beirats beim Entwaffnungskommissar erstattete Kam- missar Dr. Peters Bericht-über den augenblicklichen Stand der Entwaffnung sakticm. Im großen und ganzen hafte die Aktion einen guten Erfolg gehabt; in B e r l i n z. B. sei» ftotzdsm an einigen Stellen daZ nötige Gekd für die ausgeworfenen Prämien nicht zur Stelle war, ein günstiges Resultat erzielt worden. Hier seien sogar nicht ablieferungspflchtige Gegenstände zur Absieferuug gekommen. Alle Schichten der Bcvölkermig hgften abgeliefert. In den Gegenden, wo anfangs ein starkes Mißtrauen bestand, est es jetzt behvben. ES sind auch bereits größere Waffendepotö zur Ablieferung gekommen. Die Eimvohnerwehren haben ihve Wafftn zu getreuen Händen bekommen und erhalten selbstredend keine Prämien. Das AblieferungSresultat, daS bis zum 26. resp. 27. September vorliegt, ist folgendes: Abgeliefert sind 17 Geschütze, H Mioenwerfer, 18 Flamme»- Werfer, 14 Granatwerfer, 913 Maschinengewehre, 289 Maschinen- Pistolen, 122 449 Gewehre und Karabiner, 18 617 Armcerevvlver und Pistolen, 14 981 Handgranate*, außerdem ein« große Anzahl Teil« von Geschützen uftv., so u. a. 48ö9 Mofchiueug-webt» schlösse-:. 8590 Mach inena-wehrläuse, 10 968 Geffichntäufe und 11 900 Gewehrschlösser. An brauchbarer Munition gingen ein: 850 Kilogramm, 571 Einzelstücke, 4S80 Sprengkörper. III 01R Handgranasenzünder usw.. 3 362 104 Stück Gewehrmursifton. In Berlin kommt auf 2000 Vinwohner eine abgelieferte Waffe, in Württemberg bereits aui 400 Einwohner. Es gibt Gebiete, wo Waffen nicht mehr vorbanden sind; es gibt aber auch Gebiete, wo Schieber alle Waffen aufkaufen. Insgesamt sind bis jetzt co,?! Millionen Waffe» erfaßt. Tie tchweten Waisen, die beute noch bei Eiuwobnerweh ten wfro. sich befinden, müssen sofort.«angezogen werden. Die erfolgten Anmeldungen werden vachgeprüft und. wo eS notwendig ist, wird zur Vereidigung geschritten. Größere Gebiete, wo nichr genügend abgeliefert wird, wird der Neichskommissar selchst unter- und Groß-öerlin. nur 7 Prozent der Eisenbahner politisch organisiert seien sowie daß sich im Eisenbahnerverband ein Drittel und in sog. bürgerlichen Verbänden ein Drittel organisiert seien, während das letzte Drittel überhaupt nicht organisiert sei. Der Gesamtbetriebsrat der städtische» Arbeiter habe darauf dann beschlossen, zunächst von der Verkündigung des Generalstreiks abzusehen und nach weiteren Verhandlungen nochmals Stellung zu nehmen. In einer Besprechung mit Severing erklärte dieser, daß das Inkrafttreten Groß Berlins nicht aufgeschoben werde und er der Frag« der Bs- stütigung der Stadträte sich nicht entziehen werüe, wenn eS den bürgerlichen Parteien nicht gelinge, rechtzeitig ihre Anträge unter Dach und Fach zu bringen. D- s sei eine plausible Erklärung, und auch die Vertreter der Unabbäu-gigen, der Gewerkschaftskommission, des Gesamtbetriebsrats wären zu einem Teil von der Besprechung befriedigt gewesen. In einer weiteren Sitzung kam man zu dem Ergebnis, aen städtischen Arbeitern zu empfehlen, den Kampf einstweilen nicht aufzunehmen, was geschehe» sei. Vorwürfe, die unserer Partei und Krüger per- sönlich gemacht wurden, müsse man ertragen. Redner hat den Pen- dacht, daß der Teilstreik in den Elektrizitätswerken in seinen tief- sten Ursachen auf die Propaganda der Genevalstreikbefürworter zu» rückzuführen sei. Wir müssen scharf Saraus achten, daß die Situation nickt ausgenutzt Wird, die Arbeiterschaft zu ungeeigneter Zeit in politische Kämpfe zu stürzen. An der nun fortgesetzten Diskussion über die Kommu« nalpolitik der Sozialdemokratie Groß-BerlinS be- teiligten sich die Genossen Gr« ff, Sassen, Frank, Heil- mann, Kohl und im Schlußwort der Referent Bürgermeister Ritter. Der Bezirksvorstand unterbreitete den Funktionären folgende Resolution. Die Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute der S.P.D. Groß-BerlinS billigen das Zusammengehen der Sozialdemo« kratischen Stadtverordnetenfroklion mit den Unabhängigen in der neuen Groß-Berliner Stadtverordnetenversammlung bei der Bildung deS Magistrats. Sie erwarten von dieser Koalition eine sack- liche, auf dem Boden der Tatsachen stehende Kommunalpolitik, die allein die Wahrung der Interessen der Bevölkerung im Auge haben darf und die durch Nutzbarmachung aller Kräfte der Arbeiierfckait zu aufbauender Mitarbeit Berlin vor politischen »nd wirtschaftlichen Erschütterungen bewabrt. Nachdem durch den Magistrat mit sozialistsicher Mehrheit die Leitung der Berliner Kommunolvolitik in die Hände der sozia- listischen Parteien geleat ist. hält die Konietenz eS für zweck« mäßig, daß über die Zusammensetzung der Bezirksämter eine Per« ständigung mit allen Parteien herbeigeführt wird. Die Konferenz erhebt schärfsten Protest gegen die Machtpolitik der bürgerlichen Parteien in der Preußischen Landesversammlung, die auk eine Vergewaltigung deS MehrheiiswillenS der Berliner Bevölkerung hinausläuft. Sie fordert die sozialdemokratische Arbeiterschaft auf, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß bei den demnächstigen Neuwablen zu preußischen Landtag die bürgerliche Mehrheit durch eine sozial» demokratische ersetzt wird. Dagegen lehnt sie die kommunistische Agitation für lediglich� zerstörende Generalstreiks entschieden ab. Die Abstimmung ergibt, daß diese Resolution einstimmig angenommen wurde. —— i' i1—',. rnnn, iinrn.». in i i-tt- ir-www-«»» suchen lassen und hier die nötig«» Maßmrhmeir treffen. Ein Wider« stand gegen die Entwafsnungsaktion hat sich nirgends geltend ge- macht, auch nicht in Bayern. Mit allen Mitteln wird daS Gesetz durchgeführt werden; aus halbem Wege würde man nicht stehen blribon. Z-rmn Schluß wandte sich der Reichskommissar gegen die rechtsstehende- Presse, die ihm vorwerfe, daß er mit Denunziantenmitteln arckeite und dadurch zur Verftr«« pung des Volkes boftrage. Er sichre nur die bestehenden Gesetze aus. In der sehr lechhaften Debatte wandten sich dt? Deutschnatia« nalon gegen die Gswähning von Prämien, der Abg. Bern dt faselte wieder von der Roten Armee und entfesselte eine Kriegs» debafte, in der ihm Genosse Hildenbrand und Abg. Rosen» feld(U. S.) treffend dienten. Genosse Girbig wandte sich gegen den Aufkauf der abzuliefernden Waffen durch Schieber. Wollen wir nicht durch die sc" Gesellschaft in die allergrößten Schwierigkeiten kommen, dann müssen die schärfsten Strafen zur Anwendung k»mmen. Nach Zei tungome I düngen läßt die Waffenab! iefer mrg i« Bayern sehr zu wünschen übri«. Wir müssen verlangen, daß die Abliesevung in allen LandeSteilen uird Bevölkerungsschichten durchgeführt wird. Notwendig ist, daß auf den Gütern Revisionen vorgenommen werden, damit nicht der Grundbesitz bewaffnet und die Arbeiterschaft errtwafftiet ist. Auf Anfragen erklärte der Reichskommtssar, daß an Prämien- Zahlungen bisher 30 Millionen Mark angewiesen sind. Mit den Eisenbahnern haben sich keine Schwierigboiten ergeben. Berichte von SÄbstschutzorganiiationcn liegen noch nicht vor. In Bayern wird mit derselben Schärfe vorgegangen wie in anderen Gegenden. Die vom„Vorwärts" gebrackite Meldung über Bewaffnung des Landes durch Landwirtschaftskammern falle in die Zeit vor dem Inkrafttreten des Entwaffnungsgesetzes. Es handele sich ihn Einrichtung von Flur- und Feldschutz. Derartige Bswa-ff- nnngen kommen jetzt nicht mehr bor. Von einer Roten Armee ist dem Entwaffnungskommissar auch nicht eine einzige Nachricht zugegangen. Wir sinü ja kein Gesangverein... Eine Hamburger geheime Orgesch. Hamburg, 6. Oktober.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) In Hamburg hat die reaktionäre Presse wiederholt Märchen erztchlt von einer Roten Armee und von kommunistischen Kampforgani- sationen, die in Hamburg beständen. Es hat sich unterdessen schon mehrfach �herausgestellt, daß diese Sensationsmeldungen auf uu- glaublichen Uebertreibungen und Lockspitzelberichten beruhten. Unter- dessen aber hat sich so etwas wie eine weiße Organisation in Hamburg in aller Stille bilden können. Die ehemaligen Bah- renfelder Zeitfreiwilligen, die an dem.Kapp-Putsch in Hamburg fätigen Anteil haften, haben sich nach ihrer Auflösung zu- nächst in«inen Turnverein verwandelt, und als dieser ausgelöst wutde und Orgesch auch in Hamburg aufism, ist ein SangeSbund„Jungs holt fast" daraus geworden. Dieser Sangeskmnd verschickt augenblicklich gedruckte Rundschreiben, d-ren «ineS von unserem Hamburger Parteiorgan veröffentlicht wird. Es geht daraus bervsr. daß eine vollständige militärische Organisation unter dem Vorwand von Gcsongübungen und m ü s i k a l i- schen Ausflügen besteht. Hinter diesem SangeSbnnd f.! heu dseseliben Leute, die hauptsachlich an dem Bahrenfelder Zeiffrci- Willigenkorps interessiert waren und daher die Märchen von der Roten Armee aufbrachten. Am Mittwoch abend sollte in Hamburg eine von den in dem Rundschreiben angesetzten Bersamm- Inn gen stailsinden. Die Haaiburgischc Polizeibehörde bat aber die nötigen Tchrfttc eingeleitet, um den relMionären Kreisen unter der Firma eines SangeSbundeS ein endgültiges Ende zu bereiten. Werden nun die„TangeSbrüder" unter Anklage gestellt werde»! GeVerMQsisbewegung politische slrbeiterräte unö Gewerkschaften. Die Arbeiterschaft ist mit der gegenwärtigen politischen Lage, in der sie sich um die fsrüchte der Revolution betrogen fühlt, unzufrieden, und mit Reckt. Dazu kommt die Wirtschaft» Ii che Not, die sie zur Verzweiflung bringen muß, wenn nicht bald entschiedene Maxnahmen ergriffen werden, sie auS dieser politischen, wirtschaftlichen und seelischen Not zu befreien. ES ist daher nur zu begreiflich, wenn die infolge dieses poli- tischen und wirtschaftlichen Elends zur Verzweiflung getriebene Arbeiterschaft nach einem Rettungsanker sucht und nach Mitteln verlangt, die diesem Elend ein Ende bereiten. Die Frage ist nur, welche Mittel zum Ziele führen. Nicht daS G e f ü h darf bei der Wahl der Mittel entscheiden, sondern die kühl Ueberlegung, wenn der Arbeiterschaft nicht unberechenbarer Schaden erwachsen und auch da» Wenige, was ihr aus der Revolu- tioN noch geblieben ist, wieder verloren gehen soll. � Denn die Gegenrevolution wartet nur darauf, daß sich die Arbeiter zu un- überlegten Schritten hinreißen lasten, um daraus ihre Vor- teile zu ziehen und ihre Träume in Erfüllung gehen zu lasten. Wir haben für das Drängen der Arbeiterschaft, ihrem politischen und wirtschaftlichen Elend ein Ende zu bereiten, volles Verständnis und sind gleich'ihnen festen Willens, die Revolution, nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche, zum siegreichen Ende zu führen, aber dazu bedarf es der Wahl deS richtigen Zeit- Punktes und auch der erfolgversprechenden Mittel. Nun werden in neuerer Zeit auch von Aibeiterparteien zur Fortführunq der Revolution Mittel empfohlen, die nach ihrer Meinung allein Erfolg versprechen, und zwar die politischen Arbeiterräte. Wie man auch zu der Frage der politischen Arbeiterräte stehen mag, so kann es dock nicht Ausgabe der Gewerkschaften sein, darüber zu entscheiden, das ist Sache der p o l i ti s ch e n Parteien selbst. Ww müssen darum ganz entschieden davor warnen, diesen parteipolitischen Streit in die Gewerkschaften zu tragen. Wir machen niemandem das Recht streitig, seiner politischen Neberzeugung entsprechend zu handeln. Wer glaubt,.für politische Arbeiterräte eintreten zu müssen, dem ist hinreichend Gelegenheit geboten, verschone aber damit die Gewerlschaften, damit bei der be- klagenswerlen Zerrissenheit der politischen Arbeiterbewegung wenigstens ihre Einheit und Geschlossenheit erhalten bleibt, da- mit sie die schweren Ausgaben, die ihr noch bevorstehen, erfüllen können. An alle gewerkschaftlich organifierten Arbeiter richten wir darum die Bitte und zugleich die eindringliche Mahnung, die Dis- kuision über politische Arbeilerräle nicht in die Gewerkschaften zu trogen. Die Entscheidung über diese Frag« liegt nicht in deir Gewerkschaften, sondern alif politischem Gebiet, dort mag der Streit darüber ausge- tragen werden. Wir vertrauen der Einsicht der Berliner Arbeiterichait und hoffen darum, daß sie unsere Mahnung beherzrgcn wird, die nur aus der Sorge um die innere Festigkeit und die Er» Haltung der Schlagkraft unserer Gewerkschaften geboren ist. Der Ausschuß der GewerkschaftSkommisfion Berlin» und Umgegend. der Kampf im Aeitungsgewerbe. Tie Arbeitgeber lehnen den Schiedsspruch ab. Die Mittwoch früh 9 Uhr vor einer Spruchkammer des SchlichtungSausschustes angesetzten Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband für das Berliner Zeilungsgewerbe und der Afa führten zu einem Schiedsspruch, der allen Angestellten ah 1. Oktober eine Ibprozentige Gehaltsaufbesserung zuspricht und dabei betont, daß es den Angestellten nicht zugemutet werden könne, bis zum 25. November zu warten, wie es die Arbeit gebcr verlangten. Nach einer kurzen Sonderberatung erklärten die Arbeitgeber,'daß sie den. Schiedsspruch einstimmig ablehnen. Diese Haltung kennzeichnet die Heuchelei der Arbeitgeber in ihrem Vorwurf gegen die Angestellten, bor Streikbeginn den Schieds spruch nicht abgewartet zu haben. Die Vertröstung auf da? Er gebnis der Verhandlungen mit den Arbeitern ist recht durchsichtig. Sie zeigt die Absicht der Arbeitgeber, die Ange st eilten gegen die Arbeiter auszuspielen, um so keiner von beiden Gruppen Zugeständniste machen zu müssen. In einer heute l/z9 Uhr im.Deutschen Hof", Lucfauer Straße, stattfindenden Versammlung werden die streikenden Angestellten zu der durch die Ablehnung des Schiedsspruches geschaffenen neuen Lage Stellung nehmen. Der Streik in den Märkischen Elektrizitätswerken. Der Streik in den Märkischen Elektrizitätswerken, der am Montag ausgebrochen ist, dauert fort. Die großen Betriebe des Finowiales liegen fast sämtlich still. Auf einer Anzahl der Betriebe werden Notstandsarbeiien verrichtet. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Gewerkschaklen der Revolutionären Betriebsorganisation und den Märkischeo Elektrizitätswerken dauern fort. Die Werkleitung will die fünf Führer des Streiks wieder einstellen, jedoch nicht in den bisherigen Abteilungen. Achtung, Steinsetzer und Berufsgenoffen! Wir ersuchen alle Betriebsräte, Beiiicbsobleute und Vertrauens- mäuner bei Einstellung von Arbeitskräsicn darauf zu achten, daß jeder Kollege eine von unterem paritätischen Arbeitsnachweis aus- gestellle Vermittln ngskarte bat. Gleichzeitig ersuchen wir. Meldung zu machen, wo unorganisierte Kollegen beschäiiigt sind, oußcrdeni Berichi zu geben über einzelne Forderungen der Arbeitgeber betreffs Arbeltspensum. Ferner machen ivir bekannt, daß Montag, 11. Oktober. 7 Ubr, Invaliden- straße 1 f.Harmoniel eine auberordeniliche Versammlung mit einem Vortrag der russischen Delegation statlfindet. Verband der Steinarbeiter, Pflasterer und Berufsgenoffen. Zentralveriand der Hausangestellten. DienStag wurde in Zeblendorf eine eigene Zahlstelle für den Bezirk Zehlendorf, Schlachtcnsee, Nikolassee und Wannsee gegründet. Dem Vorstand gebären u. a. Kollegin Minna Dorenberg als erste Vorsitzende. Kollegin Erna Leue als erste Schriktfübrerin und Kollegin Frieda Donner a>S Kassiererin an. Die Zabiadende finden am ersten Mittwoch jeden MonatS im Lokal Micklcy. Zehlcndorf, Potsdamer Siraße 25, stalt. Außer der Zeit eriolgen die Beitragszahlungen bei Kollegin Erna Leue. Zebleiidorf-W-st. Lessingstr. 2. III. Zum 2». Okiober ist von der neuen BezirkSgriivpe eine öffentliche Versammlung nach dem Kafino-Restauranf, Schkachtense», Eitel-Fritz-Straße 12, einberufen, st? der Kollegin Martha Maas über„Die Berechtigung der Lohnforderungen der Hausangestellten" referieren wird. Gewerkschaftsmitglieder! Karlen für d>:s Deutsche Theater zum Sonntag, tO. Okiober, nachmittags 2'/, Uhr, für die Vorstellung:„Den lebende Leichnam' von Tolstoi, können nachmittags von 41/, Uhr in unserem Bureau Engeluser 15 l, Zimmer 15,� entgegen- genommen werden.— Ebenso sind noch eine Anzahl Kirrten sür die Vor- stellung.ZwangSeinquartlerung' mit Arnold R i e ck in der Hauptrolle für Freilag, den 8., und Sonnabend, s. Oktober, zum EinheitS« preis von 7,5» M.(sonst 18.40 M.) zu hgbcn. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppa 4a(Privatver- sliherung). Lbleiiie Sitzung 7. 10., abends 4'/, Uhr Verbandslokal, Belle- Alliance>Str. 7/10.— Fachgruppe 5a(Rcchtsanwalisangestellte) Mitglieder- versammlling 7. to., ahends 7'/, Ubr,?ugendiäle, Rosenthaler Str. 36.— Fachgruppe i'3(Hoch- und Tiefbau, Kohlen). Mitgliedcrveriammlung 7. 10, abends 71/, Uhr Gclclllchastshaus am Halleschen Markt, Rosenthaler Str. 36. — Fachgruppe 14e(Chirurgiemechanik und Verwandtes). Mitgliedrrver- sammlung 7. lO., abends 7'/, Uhr Sopbiensäle(Weißer Saal), Sophien- siraße 17/18,— Fachgruppe 17 IIa(Zigarrenhandel). Mrtgliederveriamm- luug 7. 10, abendS 8 Uhr Verbandslokal(Blauer Saal), Belle-Alliandn- Straße 7/tO. Tcntscher Werkinelktcr-Berband. Bez 15. Fachgruppe: Papier- verarbeiUings-Induktrie. Generalversammlung Freitag 5 Uhr im Schultheiß, Neue Jakobür. 34/25. Blichbinderverband. Freitag 4'/i Uhr im Saal 4 deS GewerkschaftZ- Hauses, Engcluler 15. Branchciiverlammiung aller in Buchbindereien, Buch« druckei eien und GeschäsiSbuchfabriken beschäftigten Kolleginnen und Kollegen. Bund der technischen �Angestellten»nd Beamten. Heute 8 Uhr MonatSoeisammlung der'Ortsgruppe Charlottenburg III Restaurant „Deutsches Haus", Windscheid», Ecke Schillerstraße.— Norden IV, 7 Uhr, in der Löwenbrauere!, Hoch- Ecke Badstraße.— Osten II, 7'/, Uhr, in der Brauerei Pjcffcrberg, Franksurler Allee 313.— Ltchtenberg. 71/, Uhr, nn Restaurant„Zur Hütte', Frankkurter Allee 223.— Ch ar- lottenburg I, 71/, Uhr. im Restaur. Geldal, KaiIer:n-AugusIa>Allee 63. — Cbarlottenburg II, 71/, Uhr, in der Aula der 13. und 14. Ge- meindeichule, Pestnlozzistr. 40.— Friedenau, 7'/, Ubr. im„Hohen« zoll cur. Handjcrhstratze.— Steglitz, 71/, Uhr. im„ Althoff', Alihoff- Ecke Röriierftraßr.— Wilmersdorf, 71/, Uhr, im„Auzustahos', Augustajlr. 1._ parteinachrichten. Zur bevorstehenden RevolntionSscier b«t der Zeniralbildungsausschuß der Sozialpemokrastisi�s« Partei ein Programmheft herausgegeben, das eine Disposition für eine Festansprache von Ullrich Rauscher enthält, außerdem einige Programmvorschläge, Erläutermigcn sür die Feier sowie eine Aus» wart geeigneter Gedichte zum Vortrag. Das Heft ist gegen Vor- Einsendung von 1,60 M.(einschließlich Porto) durch den Zentral- bildungsausschuß, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu beziehen. Bei größeren Posten(über 30 Exemplare) wird ein entsprechender Rabatt gewährt._ Vorträge, verekne und Versammlungen. BolkSfür8 vis-ä-vis Jandorf. Feinspr. Alex. 3265 Ncb.-Anschl. ÖW Spezial-Arzt für Haut: u. alle Harnleiden, Harn- umd Blutuntcrsudiungeii. Or>. med. SCarl Reinhardt, Potsdamer Straße 117, Latzo«ft«Be. Sprechstunden:>/zl2— e,'/.'i— 8 abds, Sonmags'/.l 1— I Uhr Aufklärende Broschüre mit Beschreibung samt!. Heilverfahren in verschL Kuvert geg. Einsend. v. 2,— M. portofrei -Z» Spezial-Behantllung-D- v. 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Losowski: Die Gewerkschaften in Sowjetrußland./ Die Tätigkeit des Allrussischeti Metallarbeiter- Verbandes in den Jahren 1917—1920./ Aus der Tätigkeit des Volkskommis- ariats für das Lebensmitteiwesen. i Kunow: Aus der Tätigkeit des Obersten Volkswirt- schaltsrates/ A. Trjapkin: Die Textilindustrie Sbwjetrußlands/ Kunow: Kunow: Die landwirtschaftliche Industrie. I P. Sauroshski: Studium und Kolonisation des Nordens.' J. Ssvrkin; Die.Stoßgruppe" der iVietalliahriken in Petrograd. I J. Rosse- lewitsch. Die Tiirfacwinnuno im Nordgebiet/ Ch. Rakowskl: Rußland und die Ukraine./ M, Pawtowitsch; Die Ukraine als Objekt der internationalen Gegenrevolution./ W. Kcrschenzew: Das kollektive Sch iffen imTneater./ I Lomakin: Die Bauernjugend und die kulturell aufklärende Bewegung auf dem Lande./ Die Elektrifizierung des Gouvernements Moskau./ J Latin: Die Metallversorgung Rußlands./ Was haben wir früher aus dem Auslande bezogen und worauf können wir je zt rechnen? usw. 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