Nr. 49S» 37. Jahrgang Msgabe A Nr. 112 Bezugspreis: B erteltätirUSO,— lRu,monntlJO,— 9Rt frei in« Sau«, voraus; abibar. Post» besaij fflonotlidi 10,— 38t. erkt Zu- ftellungsqiäübr. Unier Kreurdanb iür Deullchiano und OeOerrnch 10,' 0 M!» für aas übrtgr Susland dei laqlich einmal. Zuitellunc 21.50 M. Dallas» Nsllunqsn nsbmsn an Oefterreii� Ungarn, Tschecho-SIowaisi, Dane» wart,»ollana..u-etndurg. Zchroebsn und die Scbweir.— äingeiraaen m die Doli» ieiwnqs-DreisIisl«. Der.Sonvätts* mit der Scrntaov detlage.Boll u. /leid' ericbeini woii'en» taglich zweimal Eonniags und Mo» tags»inmai. Telearamm-Ädrelle- �ozintdenlstrai verlin- orgen Ansgabe c Oerlinev VolKsblKtt AuzeineuprsiS: Dce achlgelpaUene NomiamUv.v�e loflrtS•»- M.. Teucrnttgs?,ujchlag 3v<«/o. »ftlcinc Das ictl- Heüructle War: 1,— M. i�niaisly qwe fettqeDruclte Worle).-edes weitere Won W Pfg. Stellen'qesuÄe uns Schlan'lellenauzetgen Das erüe Wor K5'ieDes weitere Wort 40 Pia. Worte über 15 Buchstaben zählpn für ?tvei Worte. T eu erun s ch! aa � FamiUen-An�elgeu für Abonnenten Feile 2,— 931., poirtische nn.D qe» tDcrtichaftliclie Vereins- An- einen 3,— 93iL Die Feile ohne Aufschlag Anzeigen für die nächste Nummer Müsten bis 5 Uhr nachmittags im Haut) ige schüft, Berlin SW Z, Linden- straße 3. abgegeben werden,(beöffuei von y Uijr früh bis 5 Uhr abend-. Zcntralorgao der rozialdemokratifcben Partei Deutschlands Neöaktion und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. »erniprectier: Ämi-Mortuvla«, Str. K7>l i>0— 1�,1 i)?. Freitag, den 8. Oktober IvüäO vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. öS, Lindenstr.Z. Krrnivrccher: Amt Atoritiplati. Ztr. 11723—»lt. H7 Milliarden Defizit. Der RelchSrat erledigte in seiner öffentlichen Sitzung vom Donnerstag u. a. die(Etats des RcichöministcriumS, des Reichs« tanzlers und der Rcichskanzlei. Bor Eintritt in die Etatsberatung nahm Ministcrial. direktor Sachs das Wort zu Ausführungen über die Finanz- läge. Seine Darlegungen machte» einen niederschmettern- den Eindruck. Die Gesamtausgaben für das Rechnungsjahr betragen 31,5 Milliarden. Hiervon sind ungedeckt 4 3 Milliarden. Dazu kommt ein Fehlbetrag der Posiver- waltung von 2 Milliarden, der Eisenbahn von 1K Milliarden Mark. Hiernach betragt der Gesamtfehlbetrag K7 Milliarden Mark. Diese ungeheuerliche Summe geht über jedes Maß einer er- träglichen Finanzuirtschaft hinaus. Seltsamerweise warf der Ministerialdirektor dabei die Frage auf, ob sich das Reichsnot- » p f c r lohne, dessen Ertrag auf 45 Milliarden Mark geschätzt wird, ES decke ja doch nicht den gesamten Fehlbetrag.die folgenden Richtlinien: Eine internationale Organisation sei den Staaten zur Verfügung zu stellen, die zur Sicherung der Bezahlung wichtiger Einfuhren Kredite in Anspruch zu nehmen wünschten. Die� Staaten hätten die Bürgschaften kundzugeben, die sie als genügende Sicherheit für den Kredit erachten; mit der internationalen Or- ganisation hätten sie sich über die Bedingungen zu verständigen, unter denen die Bürgschaften zu verwalten wären. Schatz- scheine, deren Ausgabe unter diesen Bürgschaften zu erfolgen hätte, hätten als weitere Sicherung der Kredite zur Deckung der Warcnkäufe zu dienen. Der Zweck dieses Planes ist, den Siaaten die Erlangung von Handelskrediten für ihre Angehörigen zu er- leichtern. Der Völkerbundsrat würde ihnen einen Aussch'itz von Finanzmännern und Geschäftsleuten zur Aus- arbeitung der Einzelheiten ernennen können. Die Kommisston wurde darauf hingewiesen, daß man zu besseren Ergebnissen kommen könnte, wenn die als weitere Sicherung dienenden Schatzscheine unter internationaler Garantie ständen. Di« Kommission stimmte dem bei; sie hat sich mit diesem Vorschlag besaht, und ihrer Ansicht noch hätte der in Aussicht gc- nommen« Arus schuh die Möglichkeit der Anwendung dieses Vor- schlageS zu würdigen. Lord Chalmcrs über die Annäherung der Völker. Brüssel, 7. Oktober.(WTB.) Die internationale Finanz« konferenz hat nachmittags ihre V o l l s i tz u n g e n zur Prüfung der Berichte der Ausschüsse wieder aufgenommen. Lord Chalmers gab dem Gefühl des Trostes Ausdruck, den nach dieser engen Zusammenarbeit alle Völler empfänden. Ohne sich in phantastischen Hoffnungen zu wiegen, könne man behaupten, die Konferenz habe gezeigt, dah es den Völkern möglich sei,'sich zur Erörterung der Weltinteressen und zur Ovgani- sierung deS Lebens der Völker zu der st änd igen.(Beifall.) ßunkspruch Trotzkps an die Internierten. Berlin, 7. Oktober. In einem Funkspruch au? MoSkau wendet sich Trotzki an die Internierten der Roten Armee in Deutschland und entbietet ihnen seinen Gruß. Er verspracht ihnen möglichst rasche Rückkehr in diy Heimat. Er versichert den roten Soldaten, dah die große Mehrheit des von der Entente unterdrückten deutschen Volkes warm mit ihnen und ihren Bestrebungen sympathisiere. Das Gstjudenproblem. Von einem genauen Kenner der Verhältnisse des ehemals ruUschen Ostens wird uns geschrieben; Die Debatte über die Zuwanderung der Ostjudcn nach Deutschland will nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder wird, nicht nur von reaktionärer Seite, sondern merkwürdigerweise auch von„Demokraten", die Forderung erhoben, Ost- juden nicht nur in keinem Falle mehr über die Grenzen zu lassen, fondern auch die Eingewanderten möglichst radikal auszuweisen. Es ist wohl notwendig, dieses Problem einmal unter ganz anderen Gesichtspunkten anzufassen, als es bisher in den Presseerörterungen geschehen ist. Es ist grundfalsch, immer anzunehmen oder es sich von der Rechtspresse einreden zu lassen, dah die Ostjuden nach Deutschland in der Absicht kämen, unser ohnehin wirtschaftlich niedergebrochenes Land„auszusaugen" und zu „brandschatzen". Das' Hereinströmen von etwa 50— 80 000 Ostjuden in den letzten l1/� Jahren(mehr sind es trotz aller tendenziösen Ucbertreibungen nicht) erklärt sich geographisch ganz einfach daraus, daß Deutschland das Durchgangs- land von Rußland nach Amerika ist und daß die große Masse der hierher geflüchteten Ostjuden Deutschland gar nicht als dauernde Heimstätte ausgesucht hat, sondern nur als Nachtasyl gewissermaßen, bis die inzwischen an- langenden finanziellen Beihilfen der amerikanischen Ver- wandten— fast jeder russische Jude hat in Amerika Ver- wandte— es ihnen ermöglichen würden, den Weg nach Amerika fortzusetzen. Ein weiterer Teil wartet auf die Ein- reisegeuehmigung nach Palästina, wo sich ja jetzt, unter tatkräftiger Mitarbeit der sozialistischen ostjüdischen Arbeiter- schast, der Aufbau einer jüdischen Heimstätte vollziehen soll. Vor allem aber muß das eine gesagt werden: all diese Menschen sind Flüchtlinge, Flüchtlinge vor dem grauenhaftesten Elend, das ausgedacht werden kann. Wer den Osten kennt, weiß, daß die Verhältnisse der russischen Juden schon im Frieden am treffendsten durch das Wort eines russischen Ministers gekennzeichnet wurde, daß er die Judenfroge lösen wolle, indem ein Drittel der Inden verhungert, ein Drittel auswandert und ein Drittel zwangs» weise in die Taufe genommen wird. Weit schlimmer als die offen einsetzenden aber doch immer nur ein paar Tage an- dauernden Pogrome war der im Stillen vor sich gehende. andauernde Judenmord, war das Dahinsiechenlassen einer fünfmillionenköpfigen Bevölkerung durch Hungertyphus und durch gewaltsame körperliche und geistige Verkrüppelung. Nack dem Kriegsende und nachdem während des Krieges die deutsche Okkupation schon durch das Zertrümmern der ostvussischen Industrie den Juden schwere wirtschaftliche Wunden geschlagen hatte, folgte auf den kurzen Lichtblick der Kercnskischen Regierung bis jetzt wieder eine Periode des entsetzlichsten Elends. Polnische, bolschewistische. ukrainische Truppen haben gleichermaßen, da die meisten Kämpfe bis heute sich im jüdischen AnsiedlungSrayon ab- spielten, der Versuchung nicht widerstanden, in Pogromen zu schwelgen. Es sind nach den erschütternden Mittel- lungen der Delegierten der einzelnen Länder aus der Karlsbader jüdischen Welthilfskonferenz allein in den letzten st��ghren nachweislich 2 0.0 0 0 0 I n d e n abgeschlachtet worden; ermordet unter so he stialffchen Grausamkeiten, wie es nur durch sechsjährigen Krieg völlig vertierte Söldnerscharen fertig bringen können. Di? übrige große Masie der ehemals russischen Juden ist wirtschaftlich ruiniert. Dazu kommen die valnischen Rekrutierungen. Man kann es keinem Juden, verdenken, wenn er, für-den das Leben in der polnischen Armee schon allein eine Hölle bedeutet, hiervor fliehen will und seine Familie, die er auch als Soldat schutzlos zurücklassen müßte, in ein sicheres Land retten will. Es ist eine ungeheure weltgeschichtliche K a t a- st r o p h e, die über die jüdischen Massen des Osten? hereingebrochen ist und die all das, was die Juden des Mittelalters- zur Zeit des Sckwarzen Todes und der Jnguisition er- duldeten, in den Schatten stellt. Das so oft vergeblich an- gerufene„europäische Gewissen" versagt auch hier wieder. Aber der Sozialismus, der die Gerechtigkeit und die Mensch- lichkeit sein soll, darf nicht versagen. Wir deutschen Sozial- demokraten dürfen nicht die Hand dazu bieten, daß die flüchtenden Ostiuden wieder über die Grenze zurückgejagt und den vdlnischcn Kriegsgerichten und Pogromhelden vor das Messer geliefert werden. Man kann und muß Hand in Sand mit den bereits fieberhaft arbeitenden jüdischen Organi- sationen Möglichkeiten finden, um in Konsequenz der hier schon geleisteten Arbeit die längere Zeit hier bleibenden Ost- suden produktiv in der deutschen Wirtschaft einzusetzen und sie von den Versuchungen fernzuhalten, wirtschaftlich'in- produktiv und schädlich sich zu betätigen— einer; Versuchilnq, die sehr leicht an alle Elemente herantritt, die. nach Zerschlagung ihrer heimlichen Wirtschaftsbasis und Eristenz al? Fliehende ohne Paviere und geeignete Ksnntmsst'- m ein fremdes Land verschlagen werden. . Gewih, auch tott sinö notleidend, darum müssen wir uns alle gesetzlichen und wirtschaftlichen- Garantien für ein nutz- bringendes Arbeiten der Ostjuden in Teutschland schaffen. Auf keinen sfall aber können w i r eine Methode unterstützen, die einer über Millionen von Menschen hereingebrochenen Katastrophe, einem elementaren Naturereignis nach altpreußischer völlig verständnisloser Art mit kleinlichen und schikanösen Polizeimaßnahmen entgegentreten Willi Darum wirtschaftspolitische verständige Matznahmen: aber keine Ausweisungen! Sie Wahrheit über üen Aeitungsftreik. Tic bürgerliche Presse gibt sich die größte Mühe, die Be- völkerung irre zu führen. Tie Augestellten im Zeitung?- gcwerbe arbeiten durchschnittlich zu Gehältern von 4<1 l) bis 7 00 M. monatlich und haben, da sie mit diesen Gehalts- sähen ihr Leben nicht fristen können, Lohnerhöhung ge- fordert. Tic Arbeitgeber haben diese Forderung der Lohn- erhöhnng mit dem Zlntrag auf Gehalts a b b a u beantwortet. Nachdem den Zcitungsmagnatcn das Ergebnis der Urabstim- mung über den Streik in den Betrieben bekannt wurde, Ware» sie so großmütig, auf den Lohnabbau zu verzichten, lehnten aber jede Gehaltserhöhung a b. Tarauf beschlossen die in' der Ar- beitsgemeiilschaft freier Angestelltenverbände(Afa) organisierten Angestellten, die etwa 0b Proz. der gesamte» Ange- stellteufchast ausmachen, am 2. Oktober i» den Streik zu treten. Mit alle» Mitteln versuchten nunmehr die Arbeitgeber die An- gestclltenschaft zu spalten und die G c w e r k s ch a f t s- b ü n d c ließen sich dazu als willfähriges Handwerk- zeug mißbrauchen. Zwischen dem Arbcitgcberverband und den beiden Gewerksckmstsbünden wurde ein Vergleich abge- schlössen, nach dem die Verhandlungen über Gehaltserhöhung erst nach dem 25. November beginnen sollen.. Ter in der Streitsache Asa gegen den Arbeitgeberverband eingesetzte Schlichtungsansschuß entschied dahingehend, daß man den Angestellten nicht zumuten könne, bis zum 23. November ihre Forderungen zurückzustellen. Er entschied serner, daß an- gesichts der augenblicklichen Teuerung und in Anbetracht der minimalen Gehälter im Zritungsgewcrbe eine Aufbessr- rnng von 15 Prozent unbedingt notwendig i st. Tiefer Schiedsspruch wurde von den Arbcitglchcrn ein- stimmig abgelehnt. Tie sslroß-Berliner Bevölkerung mag nunmehr selbst ent- scheiden, wer sich im Recht befindet; die Zeitungsmagnaten oder die notleidenden Zeitungsangestellten. Tie Zentralstreiklcitung. ♦ S::e Vertrauensleute des Transportarbeiter. Verbandes aus den ZeitungSbetrieben, die sich im Streik be- finden, treffen sich zwecks Information heute um 10 Uhr im „Alexandriner", Alexandrinenstr. 37 s. Die Branchenleitung. Gegen Gerlins Selbstbestimmung. Tie bürgerliche Mehrheit der Preußischen Londesversamm- lung hat gestern in dritter Lesung das bekannte Gesetz be- schlössen, wonach von den 30 Stadträten des neuen Groß- Berlin 12 unbesoldet sein müssen; sie hat damit einen Strich durch die Rechnung der Grotz-Berliner Mehrheit ge- macht, die 30 besoldete Stadträte wählte und diese Posten bor- tpiegend mit Sozialisten besetzte. Der Beschluß der bürgerlichen Mehrheit, der eine teil- weise Neuwahl des Berliner Magistrats notwendig macht, ist eine Rache- und Strafmaßregel dafür, daß der Magistrat nicht nach dem Verhältmsprinzip zusammengesetzt worden ist und daß so unbeliebte Persönlichkeiten wie Dr. L ö w e n st e i n in ihn hineingcwählt worden sind. Man soll aber die Wirkung des Gesetzes, dessen gehässiger Charakter nicht zu verkennen ist, auf der anderen Seite nicht übertreiben: die sozialistische Mehrbeit der Stadtverordnetenversammlung und des Ma- Dynamit und Diamant. Von Hugo Hillig. Auch die Pulverfabriken spüren, daß ein anderer Wind weht. Zwar ist eS noch immer nicht entschieden, ob nicht der Krieg für die nächsten Jahre noch ständige Einrichtung bleiben wird, aber wenn es nach dem Willen von Versailles geht, brauchen die Deutschen nicht mehr da» Pulver für die andern zu machen. Die deutschen Pulverfabriken brauchen also nur noch die Sprengstoffe .herzustellen, die in Steinbrüchen und sonst in der Industrie ge- braucht werden, und das bißchen Pulvsr, das sonst noch nötig ist, um hier und da jemandem ein Loch in den Leib zu schießen, kann daS Kraut nicht fett machen. Die Pulverfabrikanten müssen ihren Wetrieb umstellen, und so wollen die Dynamitwerke von Nobel und die mit ihnen vertrusteten Pulversabrilen sich auch wieder den Versuchen zuwenden, künstliche Diamanten zu machen. Vom Dynamit zum Diamanten ist immerhin ein Schritt, der wie Ent- Wicklung aussieht. Als noch Indien allein fast den Diamanten schätzte, Werl es ihn seit 2000 Jahren in den Schatzkammern seiner Fürsten aus- speicherte, war schon die Geschichte eines jeden der großen indischen Diamanten mit Vergewaltigung und Blut geschrieben. Mancher von ihnen ist inzwischen auf ähnlichen Wegen, wie sie in Friedens- vertrögen von heute wieder beschritten werden, in europäischen Besitz gekommen. Tie europäischen Kronschätze sind zerfallen— und werden zerfallen, wie die alte indische Herrlichkeit zertreten worden ist. Aber wie lange noch werden sich Menschen finden, die gierig nach diesen funkelnden Steinen greisen, um— ja was denn eigentlich— sich an ihrem Lichtspiel zu erfreuen— oder um des Wahnes willen, im Besitze dieser Steine beneidet, angefeindet, be- droht, geschmählt zu werden. Seit dem 17. Jahrhundert ist der Diamant als Schmuckstein allgemeiner in Europa geworden. DaS erste, was der Diamant tat, war die Vernichtung der alten hohen Goldschmiedekunst; aus den allen Goldschmiedekünstlern wurden Steinfasser. Aber wie auch immer weitere Fundstätten'des Diamanten sich erschlossen und wie auch sein Preis herabsinken wollte: er hielt sich als Kost- barkeit besonders im 10. Jahrhundert, weil zunehmender Reichtum auch die Kreise vermährte, die sich am Besitz« von Diamanten>. freuen vermochten. Schließlich mußten die Diamantcnbändler die Steine vom Markt zurückhalten, um allzu großen Preissturz zu verhindern. Die Weltgilde der reichen Diamantenhändler be- hauptet sich: die Diamantenschleifer in Amsterdam und Antwerpen, Hanau und Hamburg sind dagegen noch niemal? als reiche Leute aufgefallen. Nun versucht man diesen Diamanienring zu sprengen durch tünstliche Erzeugnisse. Es ist schon gelungen und wiro wahrscheinlich noch besser gelingen. Und wenn auch zunächst nur Diamanten für fliftrcits bleibt besteben und m ihrer sachlichen Arbeit unbe- hindert. Ein Magistrat, der die Stadt gegen den Willen der. sozialistischen Mehrbeit regierte, ist und bleibt undenkbar. Es handelt sich um e i n e Schlappe, die der Groß- Berliner Stadtvcrordnetenmehrheit auf dem Gebiet der Per- soncnfragcn beigebracht worden ist. Jetzt sind diejenigen, die durch ihre unglückliche Taktik diese Schlappe verursachten, die Unabhängigen, drauf und dran, die begangenen Fehler zu ver- mehren, indem sie zu einem ganz aussichtslosen Sturmlauf gegen das Gesetz auffordern, und die Kommunisten sind sogar geneigt, die Magistratsfrage zur Plattform zu machen, auf der der Kampf um die Sowjetmacht über Groß- Berlin ausgetragen werden soll. Demgegenüber ist mit oller Entschiedenheit festzustellen: Das neue Gesetz, obwohl ein Ausdruck bürgerlicher Reaktions- gcsinnuna, hindert die Stadtvcrordnetenmehrheit nicht, sozio- listische Kommunalpolitik zu treiben. Die Sozialdemokraten haben es bekämpft und abgelehnt, halten aber einen Kampf mit allen Mitteln gegen das beschlossene Gesetz für Wer' witz. Weder lohnt das Objekt einen solchen Kampf, noch besteht Aussicht auf Erfolg. Wie sieht es denn heute in der Berliner Arbeitcrbewcglmg aus? Wo die Kräfte durch Zersplitterung am meisten gelähmt sind, dort schwa'dronniert man am lautesten von Kraftproben. Stellt doch lieber erst di e Einigkeit wieder her und dann wendet die gesammelte- Kraft auf Gegenstände, die den äußersten Kampf wirklich wert sind! Die Arbeiten öes Reichstages. Der Präsident des Reichstags, Genosse L L b e, hat den Reichstag für den 19. Oktober, nachmittags 3 Uhr, ein- berufen. Am ersten Tage des Zusammenseins wird der Reichstag außer etwa 25 kleinen Anfragen einen schleunigen Antrag der Unabhängigen auf Aufhebung des gegen den Ab- geordneten K a st c n beim Reichsgericht schwebenden Ver- fahrens zu erledigen haben. Ferner stehen auf der Tages- ordnung die erste Beratung des Gesetzes gegen die Kapi- t a l f l u ch t und einige Haushaltsrechnungen. In der weiteren Tagungsdauer wird der Reichstag u. a. die Abänderung des Besoldungsgesetzes und den Entwurf eines Gebaltsspcrrgesetzes zu beraten haben. Das letzlere soll verhindern, daß die Einzelstaatcn durch weitergehende Gehaltsbewilligung das Reich in eine Zwangslage bringen. Ferner ist ein Gesetzentwurf auf Ver- längerung' der Gültigkeitsdauer der Verordnung über die Entlassung Schwerkriegsbeschädigter und das Gesetz über die Abänderung des Reichsnotopfers zu be- raten. Von größeren gesetzgeberischen Arbeiten, die in der nach- sten Zukunft an den Reichstag kommen werden, sind zu nennen: Gesetzentwürfe über den Volksentscheid und den Staatsgerichtshof, ferner ein Disziplinargesetz für Angehörige der Wehrmacht� und ein neues Konsulats- gebührengesetz. Außer den großen Haushaltsentwürfen für 1920 dürften dem Reichstag bald nach seinem Zusammentritt noch Wirtschaftsabkommen mit der Tschechoslowakei, mit Ungarn und mit Frankreich zugehen. Das letztere wird Ablösungen in Elsaß-Lothringen betreffen. Von Wichtigkeit wird auch ein Abkommen sein, das mit dem Freistaat D a n z i g über die Rechtspflege zu treffen ist. Schulftreik in Gelsentirchen. Gelsenkirchcn, 7. Oktober.(Eigener Dvahtbericht deS„Vorwärts".) Am Mittwoch abend fand eine von der Freien Eltern- Vereinigung der sozialistische»Parteien, dem Verein für Volksbildung und dem Freisinnigen Verein ein- berufene große Versammlung statt. Die bürgerlichen Parteien lehnten in ihrer Gesamtheit die Einrichtung der weltlichen Schule ab, worauf der Schulftreik im Stadtgebiet Gclsenkirchen beschlossen wurde. Der Schulstreik hat Donnerstag morgen begonnen. technische Zwecke entständen, so wäre das genug, wie es beim Schießpulver und Dynamit vollauf genug wäre, wenn es dem Menschen arbeiten Hälse/ anstatt ihn und seine Werke zu zer- stören. Künstliche Diamanten zu Schmucksachen zu erzougen, hieße bloß das Geschäft der Diamantenhändler vernichten. Wenn Dia- manten billig werden und mack einst die Schabackcn der Karussell- Pferde damit besetzen sollte, wäre der Reiz der Diamanten dahin, und selbst eine Schiebe rnatur würde sich mit seinen äschetischen Bedürfnissen anderen Dingen zpwenden. ES ist mit vielen Dingen 40 gegangen, die einstmals hohe Kostbarkeiten waren: das Eis-n war einst teurer als Gold, auch daS Porzellan wog einstmals Gold aus. Ebenso daS ganz gewöhnlich« farbige GlaS(wieviel mehr das farblose) war eine Kostbarkeit. Inzwischen waren sie spottbillig geworden. So mgg es auch vielleicht mit dem Diamanten werden und dann mögen die berühmten Stücke wie der Koh-i-noor oder der Regent oder der Orlow usw„ um die sich seit Jahrtausenden Aben- leuer und brutale Gewaltakte ranken, die stählerne Wände� und Wacht leuie schützen müssen, zu bloßen Seltsamkeiten herabsinken. Franz Winninger hat bei Nicolai(Viktoriastr. S6a) Arbeiten der letzten zwei Jahre ausgestellt. Er sieht in der Natur Bäume und Berge, Wasser und Felder und gibt seine Eindrücke in flotten und. kräsligen Aguarellstudien wieder. Aus diesen Stu- dieu gestallet er dann geschlossene Kunstwerke. Anfangs nur„ftili. sierend", indem er die Naturformen und-färben der inneren Melodie jedes Bildes anpaßt, dann fret und freier cchaffend, indem ihm die Studien immer m.hr zu bloßen Anregern für selbständige Visionen werden. Und das Merkwürdige ist, daß diese Visionen in ihren innerlichsten und delikatesten Stimmungen meistens keine Berührilng mehr mit den Stimmungen der Naturbilder zeigen. Moderne Künstler verwerfen diese Arbeitsmethode, die aller. modernsten mißtrauen sogar jeder Empfindung, d'e durch einen äußeren Anlaß erzeugt wurde. Alle?, was künstlerische Form an. nehmen soll, muh— sagen sie— w'« die biblisch« Schöpfung aus dem� Nichts eiitstchcn und»ich- mit Bewußtsein, sondern intuitiv gesehen sein. Ich will mckt in die Mysterien künstlerischen Schaffens eindringen, Arbeiten wie die von Winninger zeigen mir aber, daß auch auf profanerem Wege Werke geschaffen werden können, die es au elementar überzeugender Kraft mit jenen auf- nehmen können, die einer übernatürlichen Erleuchtung ihr Ent» stehen verdanken wollen. Aus Gemälden,- wie die„Häuser in Bergen",„Hügcllandsckaft" oder„Felder am See" klingen Rhythmen in Farben und Linien, die den Sinn getangen nehmen und in Sphären entrücken, die- schöner sind als diese Welt. Kein PatheS aufrüttelnder Leidenschaft, keine Offenbarungen geheim» mZvoller Seeleutiefcn, sondern schlichte, zarte Empfindungen von stiller Innigkeit sind gestaltet. Und die Gestaltung, die immer redlich und ohne Poic. immer ernst, rein und lein ist, wirkt am /eisten da. wo sie sich der diskretesten Mittel bedient. Tie jüngsten Arbeiten Winningers mit dem verhaltenen Duft leise ineinander- spielender Forben und den sanft auf» und abschwellenden Linien Die Seeschlange öer Verleumdung. Nach der„Halleicken Zeitung' und anderen recktsstebenden Blättern bat der Neichstogsabgeoidnete von Kardorff am 21. September in einer öffenilickcii Velsammlung in Halle, die von der Deutschen Volkspartei einberufen war, u. a. gesagt: �.Wie lonnte man einen Mann w:e Hörsing als StaatSkom- misiar nach Obericklesien seyen, der von dort mit Millionen fortgegangen sein soll." Der ehemals freikonservative Landrat a. D. von Kardorff gebärt zu denjenigen Pailamentariern, denen man eine gewisse Vor- nebmbeit der Gesinnung nachrühmt, besonders feil er wegen Ab» Neigung gegen antisemitische Exzesse aus der Wesiarp-Parier ausgetreten ist. Wir können deshalb kaum glauben, daß dieser Mann sich zum leichtfertigen Verbreiter einer so habnebüchenen Verleumdung gemacht hat. wie sie der Bericht des konser- vaiiven Organs von Halle sie ibm in den Mund legt. Er ioll:e deshalb schleunigst das genannte Blatt veranlassen, festzustellen, daß er die verlogene Behauptung von den Höriingschen Millionen nicht verbreitet habe. Sonst müßte man ihn allerduigs mit jenen Verleumdern in einen Topf iveifen. Ein verteiöiger Scheidemanns. Vor der Shaskarrmer III dc§ Landgerichts I stand gestern unter dem Vorsitz des LandgcrichtsdirektorS Sckulzc der Inhaber der L.-L.-Korrcspendenz Kurt Sochaczewski als Angeschul- digter, um sich wegen einer Beleidigung zu verantworten, deret- wcaen der Oberbürgermeister Scheidemann Strasantrag ge- stellt hafte. Wie un'eren Lesern noch erinnerlich sein wird, hatte«in ge- wisser Schriftsteller R h 0 d i n im Dezember 1910 eine Reihe von Fälschungen im Bureau von Baumeister hergestellt, in welchen alle möglichen, kaum glaublichen Beschuldiowngen gegen Graf Brochdorff, Sch«id«mann Dr. Köster. Prinz Wittenstein aufgestellt wurden. In der Verhandlung am 1a. April 1920 gestand Rhodt n ein, daß er di« Sache gefälscht habe und ihm für den Berka f von feiten Baumeisters und Sochaczewski 20 009 M. zugcsagch seien. Es kam serner zur Sprach«, daß die Fälschungen in mehreren Abschriften verteilt worden seien ünd eine davon Sochac- zewsli an den Vertreter einer dänischen Zeitung namens Hansen abgegeben habe. Deshalb hat!« Ober- bürgermeister Sch?eidemann St rasant rag gegen Sochaczewski gestellt. Der Angeklagte behauptete nun gestern, daß er weit davon entfernt gctvcscn sei, gegen den Oberbürgermeister Scheibeman» diese unglaublichen Beschuldigungen zu erheben, daß- er im Gege"» teil alles getan hätte, um zur Verteidigung von Tchc.demann jede Verbreitung derselben zu verhindern, daß er überall, insbewndere auch dem Vertreter der dänischen Zeitung gegenüber, eigens daraus hingewiesen hätte, daß derartige Verleumdungen nicht verbreitet werden dürft»«, und daß et sie für unwahr hielt. Die Zahlungen von Geld an Rhodin und den Kauf habe er nur zum Schein vorgenommen, um nach Rücksprache mit der Polizei dem Fälscher daS Material herauszulocken, damit dasselbe nicht irgendwelchen Unfug gegen jemanden anrichte. Ter Vertreter deS als Nebenkläger zuge- lassenen Oberbürgermeisters Scheidemann stellte demgegenüber eine Reihe von Beweisanträgcn. welche diese Behauptungen näher aus» klären sollen. Wenn Sochaczewski bei der Verbreitung der Ver- leumdungen gegen Scheidemann diese als unwahr bezeichnet habe, so sei das nur eine Finte gewesen, um sich persönlich für jeden Füll zu decken. TaS Gericht aber beschloß, da der Angeklagte Sochaczewski selbst behauptete, an diese Sache gar nicht geglau t und im Interesse von Scheidemann sogar überall deren Unrichti» feit hervorgehoben und die Verbreitung untersagt zu haben, von jeder weiteren Beweisaufnahme Abstand zu nehmen und dem An» geklagten wegen dieses zum Gegenstand der Klage stehenden Falles freizusprechen sowie die Kosten der Staatskasse aufzuerlegen. Der Angeklagte sei sich der Beleidigung gar nicht bewußt gewesen, er habe im Gegenteil erngenommen, im Interesse ch 0 n Scheidemann den über diesen anderweit verbreiteten Be- lcidigungen entgegentreten zu sollen. ES freut uns, daß Herr Sochaczewski durch dieses Urteil zum Verteidiger Scheidemanns avanciert. Daß er es dahin bringen würde, hätte er sich wohl selbst nicht träumen lassen. * Zu unserem Bericht über den Beleidigungsprozeß Sklarz gegen„W a h r h e i t" ersucht uns Rechtsanwalt P a s ch mitzuteilen, daß er dem Redakteur der„Wahrheit" kein Material geliefert habe. sind mir deshalb die liebsten. Kein genialer Neutöncr, aber�e'.n eigenartiger'und sympathischer Könner. I. S. Die Not der deutschen Schriftsteller. DaS furchtbare Elend, daS über das geistige Deutschland allmählich hereinbricht, wird grell beleuchtet durch d-e„Randbemerkungen zu einer bcvorstcbcnden Katastrophe", die Frank Thieß in der„Freien Deutschen Bühne' mitteilt. Tie Tatsack?«, daß bald ernste und wertvolle Bücher.in Deutschlano niött mehr werden gedruckt werden können, nennt er einen Kulturznsammcnbluch„Wenn er schon sonst nichts Rechte? auszuführen hat, bisweilen gelingt es doch dem Deutschen, ein über- ragendes Buch zu schreiben, das seiner etwas durchlöcherten Repa- tation einige Flicken aufzusehen imstande ist. Doch Flicken hin, Elicken her— die deutsche Literatur ist keine alte Hose, sondern i? einzig« wertvolle Getoand, das uns noch blieb. Zerfällt auch dieses, tonnen wir nackend herumlaufen." Einer der größten Ver- leger Teutschlands hat Thieß gesagt:„Wenn beute ein Goethe a u f l a u ch t e und seinen„Götz" mir anböte, ich könn:e ihn nicht drucken. Denn um den Preis einigermaßen erschwinglich zu gestalten, müßte ick zum mindesten eine Riesen auflag« machen; und das kann ich wieder deshalb nicht wagen, weil niemand wissen kann, ob dieser„Götz" gekauft würde. Denn es wäre doch zunächst ein ganz unbekannter Name. Mache ich aber eine kleine Auflag«, dann lohnt sich das Geschäft erst recht nicht, denn wer kauft das Werk eines llnbekannten für 30 M?" „Der Lektor eines der ersten Berliner Verlage." berick'et der Verfasser weiter,'„erzählte mir. sie brächten:n diesem Jahre nur noch zwanzig Bücher heraus. Früher zweihundert und mehr jähr- lich. Diese zwanzig Bücher stammten ausschließlich von namhaften Autoren, so daß man einige Hossnung auf Absatz habe, obgleich mehrere Romane vierzig, fünfzig und sicSenz:g Mark>zw«i Bände) kosten würden. Bisher hatte man 2ö Proz. an die bclleftistischen Autoren gezahlt. Jetzt zahle man 20 Proz. an dw alten und 13 Proz. an neue Autoren. Gleichzeitig hör:e ich von einem neu- -gegründeten Münckcner Verlag, die vor einem Dreiviertcljahr noch große literarische Pläne und Hoffnungen hatte, er drucke zwar, aber nur kleinere Sachen vpn nambasten Schriftstellern, die man auf Bahichöfen und K'-oSken vertreiben könne Allenfalls noch russtsrt-e Literatur. Ob ich mcht irgendeinen russischen Roman zur Hand habe? ES könne auch ein unbekannter sein. Rußland sei zurzeit Konjunktur, da könne man es wagen. Ihr armen deutschen Dichter, warum seid Ihr n:cht Russen?" Es bleibt nach den�Ersahrungen von Thieß einem Schriftsteller, der vom Erlös'einer.Feder leben will, nur noch eins übrig, näm» lich S-bundlitcratur zu fabrizieren.„Verbrechergcschichten und laszive- Romane werden ja gerade von der Mcnschenklasse am eifrigsten gelesen, die beute den ducksten Beutel hat. Aber e? mutz blutig oder unanständig hergehen; am besten blutig und un- anständig." DaS sind wahrlich traurige Aussichten! B- Spanische Gelehrte für internationale Wissenschaft. Im „Zoologischen Anzeiger" wird eine von 110 hervorragenden span'- schen Gelehrten unterzeichnete Kundgebung veröffentlicht, der fcl. gende Veranlassung zugrunde lftgt: Beim Abschluß des Waffen- stillstandeS zwischen Deutschland und den Ententemächten hatten einige wenige franzoscnsreundliche Naturwissenschaftler Spaniens Nr. 49S*37. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts 5re!tag, S. Oktober 1H2S Die Krankenhäuser in Neu-öerlin Von Karl Koblenzer. In früheren Jahren füllten bie_ Debatten über die Kra nkenhausnot sehr häufig die Sitzungen der Berliner Stadtverordncten-Versammlung aus. In der letzten Zeit wurde es in dieser Beziehung ruhiger. Wohl weniger deshalb, weil viele Neueinrichtungen geschaffen wurden, als vielmehr aus dem Grunde, daß man gelernt hat, die vorhandenen Einrichtungen besser auszunutzen. Nach Schaffung einer Zentralstelle für den Bettennachweis, der die freien Betten angezeigt werden, sind die llebelstände in der Unterbringung der Kranken wesentlich gemildert. Zwar tritt auch beute noch bei Epidemien eine Bettennot ein. indessen bei weitem nicht mehr in dem früher bekannten Maße. Nun bekommen wir das„größere Berlin*, und es gilt jetzt, die im engeren Berlin bereits bestehenden und bewährten Einrichtungen für das Neue nutzbar zu machen. Wir werden mit einer Einwohnerzahl von etwa 3 800(XX) zu rechnen haben. Hierfür stehen uns 63 Krankenanstalten zur Verfügung, denen sich noch fünf private Anstalten außer- bald Berlins hinzugesellen, welche hauptsächlich mit Berliner Kranken belegt werden. Diese letztgenannten Anstalten ver- fügen über etwa 1000 Betten, während in den 69 Anstalten l8 606 Betten vorhanden sind. Es entfallen demnach auf 10000 Einwohner 30 Betten. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß auch später die Verwaltung der Krankenhäuser zentralisiert sein muß, wenn man auch eine ganze Reihe von Verwaltungsaufgaben den kommenden Bezirksverwaltungen überweisen wird.« Ein Blick auf die Karte deS neuen Berlin, auf die Lage der einzelnen Krankenanstalten und auf die Zahl der den einzelnen Bezirken zur Verfügung stehenden Betten zeigt uns, daß die Belegung mit Betten nur von einer Zentralstelle aus- gehen kann. Es stehen auf je 10000 Mitglieder an Betten zur Verfügung: im Bezirk Mitte 107, Tiergarten 43,33, Wcdding 74.29, Prenzlauer Tor 15,45, Jriedrichshain 40,42, Hallcsches Tor 40.02, Charlottenburg 52,83, Spandau 35,12, Wilmersdorf 12.91, Zehlendorf 123,78, Schöneberg 44,36, Steglitz 34,05, Tempelhof 59,38, Neukölln 53,80, Treptow 7,95. Cöpenick 39,79. Lichtenberg 27.18, Weißensee 91,53, � ankow 90,33, Reinickendorf 37,38. Während also im Bezirk Mitte auf 10000 Einwohner 107 Betten entfallen, find es im Bezirk Wedding nur 74.29. in dem fast ausschließlich von Arbeitern bewohnten Neukölln 53.80, in dem ebenso ge- arteten Bezirk Friedrichshain 40,42 und im Bezirk Prenz- lauer Tor gar nur 15,70 Betten. Die Anstalten sind aber in bezug auf die Aufnahme von Patienten nicht gleichwertig. So liegt das einzige Kinderkrankenhaus im Bezirk Wedding. 436 von den im Bezirk vorhandenen Betten können nicht nur diesem Bezirke zur Verfügung stehen, sondern müssen für ganz Berlin offen gehalten werden. Prostituiertenstation und Krätzestation im Bezirk Prenzlauer Tor sind für das ganze Berlin bestimmt. Dadurch werden diese Bezirke noch etwas mehr benachteiligt. Ein Ausgleich zwischen den einzelnen Bezirken kann nur ge- schaffen werden, wenn die Verteilung der Patienten auf die einzelnen Anstalten zweckmäßig vorgenommen wird. Letzteres kann naturgemäß nur von einer Zentralstelle aus geschehen. bei welcher alle Fäden zusammenlaufen. Voraussetzung ist dabei ein gut arbeitendes Transportwesen. In dieser Beziehung können wir aber mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Gerade beim Krairkentransportwesen, das bekanntlich mit dcnr Rettungswescn verbunden ist, dürfte die Ueberleitung und Ausdehnung auf das größere Berlin keine Schwierigkeiten niachcn. Die auf diesem Gebiete bereits bestehende Zentralisation macist die'Ausdehnung auf die neu hinzukommenden Orte verhältnismäßig leicht. Die dazu notwendigen Vorarbeiten sind rechtzeitig eingeleitet und dem Abschluß nahe. Das ver- größerte Berlin wird sich die Errichtung neuer Anstalten vor der Hand nicht leisten können. Es wird notwendig sein, mit dem Vorhandenen hauszuhalten. Bei guter und zusammen- faffender Organisation wird es möglich sein. Werden wir also bei der Ausnützung der vorhandenen Bettenzahl die Zentralisation nicht entbehren können, so wird sich dieselbe auch nach anderen Richtungen hin notwendig machen. Allgemeine Richtlinien für die ä r z t l i ch e V e r- s o r g u n g werden von einer Zentralstelle aufgestellt werden müssen, auch für die Verpflegung und Beschaffung müssen einheitliche Grundsätze gelten. Für die Betätigung der Be- zirksinstanzen wird dann noch ein großer Spielraum bleiben. Gelingt es, alle Organe zu einem reibungslosen Zusammen- arbeiten heranzuziehen, durch organisatorische Maßnahmen eine vollständige Ausnützung der vorhandenen Anstalten herbeizuführen, dann dürfte den Bedürfnissen der Bevölkerung Berlins in weiterem Maße als früher Rechnung getragen werden können. GrofrVerün Die unabhängige Arbeiter-Marseillaise. Neuerdings erscheint den Unabhängigen bei ihrer Propa- ganda für die Diktatur des Proletariats selbst die Arbeiter- Marseillaise, das alte Kampflied der Sozialdemokratie, als veraltet. Besonders der dritte Vers, in dem es heißt: Das gleiche Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir siegen!, ebenso das Bekenntnis: Nicht predigen wir Haß den Reichen, nur gleiches Recht für jedermann! paßt natürlich ganz und gar nicht zur Diktatur. Als Präsent zur diesjährigen unabhängigen Jugend- weihe hat nun der„Freiheit"-Verlag ein besonderes Heft- chen herausgegeben, das im einleitenden Aufruf an die „jungen Freunde" von der Revolution und der Welt- revohriion erzählt. Daß der Kampf nur die Befreiung des Proletariats auf dem Wege der Erkämpfung des gleichen Rechts, des gleichen Wahlrechts und der Demokratie erfolgen soll, davon ist mit keinem Worte die Rede. Am Schluß des Heftchens finden wir neben der Internationale, Sozialisten- marsch usw. an letzter Stelle auch die Arbeiter-Marseillaise. In letzterem Lied hat man nun in Konsequenz des ersten Auf- rufs den ganzen dritten Vers einfach weg- gelassen! Die älteren Genossen, die bei den Wahlrechts- kämpfen gerade diesen Vers mit besonderer Begeisterung ge- sungen haben und sich deshalb von den Schutzmannssäbeln und Pferdehufen bearbeiten lassen mußten, werden ver- wundert fragen, ob der Vers wirklich überflüssig ist. Wohl haben wir das gleiche Wahlrecht erobert, aber im Zeichen des gleichen Wahlrechts wollen wir doch siegen! Und dieser Sieg ist keineswegs errungen. Darauf kommt es an! So- lange dieser Sieg aber nicht errungen ist, hat auch der dritte Vers des Audorfi'chen Liedes noch seine volle Berechtigung. Es zeigt sich hier mit ziemlicher Deutlichkeit, wo dre alten sozialdemokratischen Grundsätze wirklich zu finden sind. Wären die Unabhängigen konsequent, so hätten sie auch den Refrain: Der Bahn, der kühnen, folgen wir, die uns geführt Lassall'! wegfallen lassen müssen, denn Lassalle kämpfte nicht für dr Diktatur, sondern für die Gleichberechtigung des Proletariats. Auch„der Unverstand der Massen" ist bei einer Diktatur ganz nebensächlich. Aber wer kann von den Un- abhängigen Konsequenz verlangen? Seine Rolle hat die neue Groß-Berliner Stadtgemeinde übernommen. Zurzeit stehen dieser indessen ausführende Organe noch nicht zur Verfügung. Um die Fortführung der jetzt besonoerZ wichtigen Geschäfte des Kohlenverbandes auch während dieser Ueber- gangszeit zu ermöglichen und zu sichern, ist daher zugleich ange- ordnet worden, daß die bisherigen Verwaltungsstellen des 5foHIen- Verbandes, nämlich der Vcrbandsausschuß und die Kohlcnstelle Groß- Berlin, bis zur anderweitigen Regelung durch die neue Stad:- gemeinde ihre Tätigreit, und zwar nach den Weisungen des n«ien Gemeinwesens, vorläufig weiter auszuüben haben. Nuflösung des Kohlenverbandes Grosi-Berlin. Nach einem im.Reichsanzeiger" veröffentlichten gemeinsainen Erlaß des Ministers des Innern und des Handelsministers sind die Rechte und Pflichten des Kohlenverbandes Groß-Bcrlin mit> Wirkung vom 1. Oktober 1920 ab auf die neue Sladtgemeinde Berlin übergegangen. Damit hat gleub dem Wohnungsverband nunmehr auch der Kohlenverbastd Groß-Berlin zu bestehen aufgehört. Erdichteter Raubüberfall. Am 1. d. M. erhielt der Eifcnbahnschaffner-Anwärter Erich Hempel den Auftrag, von der Gepäckabfertigungöstelle Frankfurt a. O. eine Handtasche mit 40 000 M. nach der Stationskasse zu bringen. Bald darauf wurde er in einem BahnhofSabort mit gefesselten Händen und Füßen gefunden. Ein scharfer Geruch ließ auch auf eine Betäubung durch Aether schließen. Die Handtasche mit dem Gelde war verschwunden. Hempel gab bei seiner Vernehmung an, daß er von Räubern überfallen worden sei, die ihm die Handiasche entrissen hätten und damit geflohen seien. Die Ermittelungen er- gaben jedoch bald, daß der Raubüberfall von denz Ueberfa'l nen mit den Räubern vereinbart worden war und von diesen das G-ld bei- feite geschafft worden ist. Die beiden Räuber sind jetzt mit dem Gelde flüchtig und werden gesucht. Es und ein 10 tzmare Kc: Kutscher Willi Bühle und ein 22 Jahre alter Fleischer Willi Sand- mann, die beide aus Frankiurt a. O. stammen. Es wird ange- nommen, daß die Flüchtigen sich nach Berlin gewandt baben und hier verborgen halten. Bohle ist 1,63 Meter groß und schlank, hat blonde Haare und ein bartloses Gesicht. Sandmann flt etwas irößer, korpulent und hat einen Anflug von Schnurrbart. Nachrichten, die zur Ermittelung der Räuber führen können, nehmen Obertommissar Baumann oder Kriminalkommissar Dr. Goetsch beim Lachtenberger Polizeipräsidium entgegen. Vom Segen des freien Ffleischhnndels. Wie das Nachrichtenamt der Sladt Berlin mitteilt, muß das Ergebnis der Aufhebung der Zwaugsbewirtschastung in Fleisch für die Berliner Bevölkerung als bisher unbefriedigend bezeichnet werden. Der Austrieb an den beiden ersten Markttagen, besonders von Rindern und Kälbern, erreichte noch nicht den Auftrieb zur Zeit der Zwangsbewirtschastung. Bei Schafen ist er etwas stärker, während er bei Schweinen ungefähr der gleiche geblieben ist. Die Berliner Bevölkerung wäre also mit dem Fleisch der bisher im freien Handel aufgetriebenen Scblachttiere nicht zu versorgen ge- Wesen. Ohne jetzt schon ein abschließendes Urteil abzugeben, muß als Ergebnis der Aufhebung der Zwangsbewirischaftuna in Fleisch bis heute keine Vermehrung, eher eine Verringerung der Fleisch- menge und eine wesentlidse Erhöhung der Preise festgestell: werden. Namentlich auf die Erhöhung der Preise ist es zurückzuführen,� wenn trotz Verringerung der Flcischmengc in den Schlächterläden noch Fleisch zu haben ist. Für di« minderbeinittebe Bevölkerung beginnt dieses für den Kräfteaufbau erforderliche Nahrungsmittel mehr und mehr ein r.nerschwinguchez Genußmsttel zu werden. Tie Mahnung der Oberpostdirektion. Vom Bczirks-Betriebsrat für den O.-P.-D.-Bezirk Berlin er» halten wir eine Entgegnung auf die am 29. September im„Vor- wärts" veröffentlichte Mahnung der Oberpostdirektion Berlin an die Berliner Bevölkerung, die Adressen auf den Briefen, Vostlartiu usw. genau anzugeben, weil das z irxeit beschäftigte Htlfspersonal nicht den vollen Anforderungen entspräche. Wie der-Vezirb«- Betriebsrat betont, hc.bc das Hilfspersonal sich jederzeit für den Postdienst als zuverlässig und tüchtig erwiesen, und es verrichtet seine Arbeit, Seile an Seite mit den Postbeamten, von dem Wunscha beseelt, nur der Allgemeinheit zu dienen. Der sogenannte Bestelldienst wurde zum größten Teile von Beamten versehen, da die Verwaltung bestrebt sei, die Posthelfer soviel wie möglich aus dem Außendienst herauszuziehen. Das Vorgehen der O. P. D. Berlin sei nach Meinung des Be- zirks-Betriebsratcs einzig von der Absicht diktiert, das freigewert- schaftlich organisierte Hilfspersonal aus dem Postbetrieb zu. ver» drängen, um �den alten Zustand der Vorkriegszeit wieder einzii- führen. Am Schluß richtet der Betriebsrat in seinem Schreiben an die Berliner Bevölkennig die Bitte, sich durch die Machenschaften der Postvcrwaliung nicht irritieren zu lassen, damit das gute Ein- vernehmen zwischen Posthelfern und Publikum gc-wahrt bleibe.. Das Licht der Heimat. 33f von August hinrich». Da trat Dirrk zu ihm hin:„Ich möchte lernen, alles lernen, wie fang' ich das an?" „Haben Sie Geld?" „Das— ich weiß nicht— etwas vielleicht.* „Ich will Ihnen Bücher geben, die arbeiten Sic durch. Und wenn Sie nicht weiter können, kommen Sie und fragen. Und zum Winter müssen Sie auf die Schule. Am Abend saß er mit der Mutter zu rechnen. Sic hatten das Bankbuch vor sich liegen. Trosttos sah Tierk auf die Zahlen:„Es geht nicht, Mutter." „Es muß!" sagte sie hart. Dann klappte sie das Buch zu und verschloß es. „Und es soll," setzte sie hinzu und griff schon nach dem Bügeleisen. Hastig zischte das Eisen über die Wäsche und schuf Geld— Pfennig bei Pfennig— Groschen bei Groschen — unendlich langsam, unendlich mühsam, aber unermüdlich! Strich für Strich— Stück für Stück— immer hin und her — hin und her— heute, morgen, übermorgen—. Es war totenstill. Nur das Schnarchen des Betrunkenen in_ der Kammer— häßlich und langsam. Und das kurze, eilige Ticken der Weckuhr. Er ssah ihr ins Gesicht. Tiefe Falten waren um den Mund gegraben, und das Haar cm den Schläfen war grau. Er sah jäh ihr Gesicht von früher, draußen auf der Heide, rund und frisch mit blanken Augen lachte sie ihm ent- gegen— wie alt und welk sie hier wurde! Plötzlich griff er zu und hielt ihr den Arm fest:„Mutter— du darfst nicht, darfst nickst!" Sie wehrte ihn mit der Linken ab, und die Rechte fuhr weiter:„Ich will.— Dierk— hörst du! Ich will!" Da schoß es ihm heiß durch die Brust, daß er olles daran setzen müsse, sie hier herauszuheben, sie glücklich zu machen—. Er knirschte mit den Zähnen, schlug jählings mit beiden Fäusten auf den Tisch und brüllt«:„Ich will! ich will, ich will!" Da lächelte sie, aber ihre Augen blieben fest und hart, und unermüdlich glitt das Eisen weiter. * Tic große Leipffger Maschinenfabrik hafte Feierabend gepfiffen. Aus dem breiten Tor quoll der Strom der Ar- heiter; die langen Fensterreihen, die eben noch rot und lebendig in den Winterabend glühten, sanken jäh ins Dunkel zurück. Nur im Verwaltungsgebäude und in den Zeichen- sälen leuchteten noch die Fenster, aber auch hier erlosch eins nach dem andern, und das kleine Nebentor ließ die Ange- stellten heraus. Hastig verschwanden sie im Gewühl der Straße, um nun, nach einem langen Tagewerk für andere, einen kurzen Abend für sich zu leben. Da ist jede Minute wertvoll und heilig. Als einer der letzten kam Dierk Folkers aus dem Tor. Langsam, wie einer, der sich erst besinnen muß, wohin er will, stieg er die Stufen hinab. Draußen vor der Tür blieb er einen Augenblick stehen und sah sich nach dem Fabrikgebäude um— alles schon still und tot, aber ihm war's, als wäre die Luft noch voll von dem tiefen Summen der gewaltigen Dynamos. Da lächelte er und reckte die Glieder. Das war übel, daß man die am Zeichentisch nicht besser gebrauchen konnte. Aber immerhin, so weit hatte er's gebracht, seit einem Monat ! war er hier angestellt, versuchsweise auf sein glänzendes 1 Schulzeugnis hin. Von hinten rannte einer hastig an ihm Vorbei rnid schlug ihm auf die Schulter:„Heute abend mal mit, Folkers? Kleinen Bummel zusammen machen?" Aber Dierk schüttelte den Kopf:„Geht nicht, bin schon versagt!" „Dann nicht, Sie alter Streber." lind fort war er. Dierk sah ihm nach. Warum nannte man ihn Streber? Die hatten guf reden, diese jungen Herren, die sich ein regelrechtes Sttrdium hatten leisten können und ihren jetzigen Verdienst nur als Taschengeld betrachteten. Und er— wie mühsam hatte er sich durchschlagen müjsen, um mit dein bißchen Geld die Schule durchhalten zu können— und die beiden Sol- datenjahre dazu. Auch jetzt war der Verdienst nicht groß, aber es wqre ihm wie Sünde erschienen, alles zu derbrauchen. Und wozu sollte ers verbrauchen? Das lag ihm gar nicht, das Geld auszugeben. Streber?— ja, wenn er noch ein be- slimmtes Ziel gehabt hätte, aber es war in ihm nur ein dumpfer Wille, nur der dunkle Drang gewesen, der ihn weitergetrieben hatte. Er wollte— wollte— aber was, das wußte er heut« noch nicht. Er suchte und tastete danach— es mußte etwas Großes sein, eine Riesenaufgabe. und dabei hatte er nur immer das Gefühl, als liefe ihm die Zeit unter den Händen weg, als käme er zu spät. Ja, etwas Großes wollte er! Darum hatte er vor freudiger Erregung gezittert, I als- er zum erstenmal als Angestellter in diese Riesenfabrik ! hineinsah; dies geheimnisvolle Summen und Surren, dessen Sinn er früher nie ersaßt hatte, ließ ihn nicht los. Jetzt fühlte er. das ist die Musik der Arbeit, die Melodie des Lebens, der Sturm des Schaffens. Und in drängender Un» geduld gedachte er der Worte des Ingenieurs:„Herrgott, wenn ich den Mut dazu hätte!" Den Mut hätte er— ungeduldig suchte er nur das große Werk, das auf ihn wartete. Nein, er konnte nicht mit lustigen Leuten zechen gehen. Lieber sdß er daheim und grübelte. Aber er halte nicht ein- mal gelogen, heute war er wirklich schon versagt für den Abend. Er hörte im Arbeiterverband eine Vortragsreihe mit an, in der Dr. Heller, ein junger Hochschullehrer, über Volks- Wirtschaft sprach und in geistvollen Reden seinen Zuhörern, lauter ungebildeten Leuten, den Gang der Entwicklung von der Arbeitsteilung der Urzell« bis zum Höhepunkt der Gegenwart schilderte. Er ließ es nicht bei dem Vortrag be- wenden, er suchte seine Hörer heranzuziehen zum selbständigen Denken und stellte ihnen Aufgaben, die sie zu Haus schriftlich ausarbeiten sollten. Da hatte Dierk eines Abends seine Ge- danken über diese Dinge niedergelegt— weit über die eigent- liche Aufgabe hinaus— aber es war ihm wie unter einem Zwang aus der Feder geflossen. Dr. Heller hatte die Ar- heften der anderen besprochen, von seiner hatte er nichts ge- sagt. Aber am Schluß des Abends hatte er Dierk gebeten, ihn am nächsten Donnerstag zu besuchen, dann wollten sie über sein« Gedanken reden. Also heute sollte er kommen. Es war ihm etwas unbehaglich zumute dabei, dennoch wollte er hin. Vier Trevpen hoch in einem Vorstadtviertel hatte er seine Wohnung. Ein kleines Zimmerchen nur, aber„mit einem Blick ins Grüne", wie die kleine Schustersfrau stolz hervor- gehoben hatte, weil man über das Hofgebciude hinloeg die Krone einer einsamen Kastanie zwischen dem Ziegelmoor erblickte. Und das hatte auch bei ihm gewirkt, dies Grüne. Es war doch ein winziges Fleckchen, aus dem seine Kindersehnsucht rafien konnte, wenn sie abends im Dämmern nach der fernen Heide flog. Zwei Briefe lagen für ihn da, hastig griff er nach dem ersten, von Fied! Vor ein paar Jahren hatte er zuletzt ge- schrieben und ihm kurz mitgeteilt, daß er im Auftrage seiner Firma nach Argentinien gehe. Seitdem hatte er nichts von ihm erhört als hin und wieder einen Gruß, den er durch seine Mutter bestellen ließ. Er riß die Briefhülle auf, aus Hamburg! (Forts, folgt.) flnrfits fiter ba? Zikdsu»g?wcskn. Geäugerten WümKcn cnt� s>,eqciikon?nicnd, noch in diesem Aahre einen Kursus über die tech. nischcn und geschlichen Grundlagen des Sied- lungswesens abzuheilen, der durch den preußischen Minister iür Lolkswohlsahrt empfohlen ist, beabsichligt das Deutsche Archiv für Sicdlungswesen den ki. Kursus in der Zeit vom tS. November Iis 15. Dezember zu veranstalten. Um einen Ueberblick über die Zahl der Teilnehmer zu erhalten, ist feste Anmeldung bis 5. November erforderlich. Die Anmeldung erfolgt durch Einzahlung des Honorars auf das Postscheckkonto des Deutschen Archivs für Zied» lungswesenS, Berlin NW. 7, Nr. 39 883 und beträgt für den Vor- tragSkurfus ISb M., für Diskussionen und Uebungen IM M. Weile rc Auskunst erteilt die Geschäftsstelle des Deutschen Archivs für TiedlungZwesen, Berlin NW. 6, Luisenstr. 27/28. BolkShochsuiiilc lsirvh-Berlin. ArbejtSstätic Neukölln. Tie Anmel- düngen zu den Tprachlursc»(Englisch, ssranzöstsch, Russisch und bei gerügendim Melduugc» auch Spanisch)> Verden werktäglich von IN bis 1 und bis 7 Ubr, Sonnabends nur von l» bis 1 Uhr vom 7. bis 16. Oktober d. I. im Rathaus, Ziminer 218(2 Treppen) entgegengenommen. Eine?.Uähchciiturnabtctku»q im Osten Berlins eröffnet die /freie Tnrnerjchast Mroff. Berlin in der Slädt. Turnhalle in der bellest raste. Beilrnq'>0 Bf. pio Monat. Turnubendc Dienstag und Freitag 6-8 Uhr. Tie Abteilung fleht unier 2ei:ung von langjährigen Turnwarte». Zcntrzlvcrbanb der Angestellten, glachgruppe 11(Holz- und Möbel- iudustrie uno-Handel): Milglieaeiversammlung an> 8. Oktober, abend« 7� Uhr, Rosentbaler Hof, Rosenibalcr Str. 11/12.— flachgnippe 12« iKohiengroßhandel): Lesfeniliche Versammlung aller stlunilionärc, Be- iriebsobleuie und Angestellienräi« am 8. Lkiober, abends 7�1 Uhr, im Berbandslokal, Belle-Alliance-Su. 7/19.— Fachgruppe läc(Bergmanu- kanzern und übrige): Miigilcderversammlung am 8. Oktober, abends 7 Ubr, Löwenbraücrei, Hochstr, 2. Deutscher Werkmcistcr-Bcrband, Bezirksverein Berlin 17. Heute 5 Uhr: Generalversammiunz im.Alcrandrlner". Kentralvrrband der Mafchiniflen und Heizer; Transportarbeiter- verband. Gruppe Schokoladen- und Zuckerwaeensabrike»! Sonnabend, 7 Uhr. im Sch'stjheiß-Zaal. Neue Iakobstr. 21/25: Allgemeine Bersamm- lunq für sämtliche i» obigen Betrieben tätigen bernfsfremden.Hand- tvlrkcr, Heizer, Maschinisten. Transportarbeiter»sw. Die Tagesordnung wird in der Versammlung be'anntgegeben. Die in obigen Betriebe» tä.ife» Mitglieder des Verbandes der Bäcker und tlonditorc» chavc» ebenfalls chuirttt. Tie Brairchenleitung. 4. OuiUnng. Für die ttriegszermalnitcn I» Arostierllner Lazaretten übersandten weiter:(sstdor Cohn, München, 59 M.: Jos. Freundlich, Nürnberg, 59 M.; Sicgm. Grauer, München, 59 M.: Rcichstvirtschasts« verband der», u. ehem. Vernssssldalen, Marine-Lrisgruppe Berlin, 47,59 M.; Personal Bilchhandiimg Vorwärts 259 M.; H. R.. Char- Ivttenbttrg. 5 M.: Betriebsrat der Firma A. W Hahns Erben, Zimmer- stratze. 1j7 M.; Frau Löslein, Rülnberg, Geihlostrast«, 599 M.; Deutsch- völkische Jugcndgcmeinschaft Prenzlati 59 M.; Tr. Südckum 59 M.; Politischer BildungSflub Norden 111,59 M.; Technisches Personal der Buchdnlckcrei O. Elsner, Berlin, 662,19 M.; Erna Wislell, Kopenhagen, 199 M: Colling, Eövenick. 59 M.: durch Schtevsmonn Giesccke aus einer Sühnesache 19 M; Angestellte und Arbeiter der Versicherungs- oesellschast„Allianz", Berlin, 1684,45 M.; Eugen Herzbcrg, Kaiser- WttlhAm-Sirast«, 199 M.: Marth« Pähl, Siroßbeerenst! aste. 29 M.; ssorih, Neukölln, 19 M: Trudc Jaroczinski, Eurbavcncr Siraste, 5 M.. Daru ieytc Oui-tung in Rr. 499 des.Vorwärts" 2954,15 M.; in Summa: H876W Mark. Ter 14. Kreis, Nerikölln-Brtti-Bnckow, hielt cinc Versammlung im Schultheiß-Ausschank, in der �asenhcide. ab- Ueber die Aieal- tioti in Preußen und deren Kamps gegen Groß-Berlin sprach Ge- nasse Heil m an n. Eingehend erläuterte Heitmann da* Zustandc- lommen des Gcsciz.eS Graß-Berlin und die gegenwärtigen Bcstre- vungen, dieses Gesetz wieder rückwärts zr revidieren. Da sich auch wieder eine Anzahl unterer Freunde van links eingefunden. die ihre gegenteilige Meinung durch Zwischenrufe bekundeten, so war dem Ncscrente» Gelegenheit gegchen, auch nach dieser Deite hin cinichl cbenio derbe als richtige March einzuwerfen. Die un- eplwcgten Krakeler wurden hierbei schen so abgeführt, daß in der Diskussion keiner das Wort zu nehmen wagte. Wie immer hatten unsere Genossen aus diesmal dafür gesorgt, daß der guw Verlaus der Versammlung nicht gestört werden konnte. Zum Schluß for- Wie der Vorsitzende aus zu reger Propaga/rda für den„Vorwärts" und unsere Parteiorpanisatio». BolksbiloungSamt Neri-öll». Zu der heute, Freitag,«hends H7 Uhr, stattsindeudsn Borstelluiig des TwatenieaierS von Güstens.Gesvenfter" im Neuen Taal der„Neuen Neil" sind Eintttttstaneu zum Preise von Ol. bei den solgenben VerkausSstcllcn und evll. an der Abendkasse erhält- lich: VollSbiidiingönnit, Raryaus, Zimmer 218; Auskunft- und Tis- schwcrdestclle, Alles RoihauS, Zimmer 166; bei Boving, Bergstr. 45; im Welwonorama, Kailer-Friedrich-Zir. 8; bei Moeffert, Hermemufti, 69: i. Z. Reckarstr. 7 uno Siegsri-dstr. 28/29:„Freiheit", Neckgrstr.:i und ttnrser Str. 62;„Neuköllner Tageblatt", Bergstr. Z5/Z6;„Ncnköllnische Zeitung", Berliner Str. 79. Koinmnuolc Vrlttbilbungsarbrit in Reinickrndorf. Mit einem Konzert des Blütbner-Orchcsters, das von rund NW) Persona» besuch» war, wurtze die diesjährige Wniierarbeit cingeleirck. An künstlerischen Vcranstaltunaen sind zunächst geplant: Sieben weitere 5konzerte des Blüthner-Orchcsters, die aus beide Oristctle vor: eilt werden, und fünf Vorstellungen de? StacastheaterS in den HutertuSfälen.— Die Vortragszyklen über BcrfassungS- sragen, WirischastSlehre, Verwaltungskunde, ferner üb.'r Literatur und Kunst. Erziehungs. und Schutproblenre beginnen Mitte vzw. Ende Oktober. Daten und Lehrftätrcn.werden durch Plakate de- kannt gemacht.— Die Gemeindevertretung ha», den; Antrag oes VolkSbildungsauifchuffei' auf Achaffung einer kommunalen Jugend- und V o l k s b i l d u n g S st ä t t e mir K i n o e i n r i ch- r u ng zriftestimmt. Die bereits erworbenen Einrichtungen, wie Kin'oapparat nnd Marionettentheater, werden nnn- mehr durch den Ausbau der Deebadräumc ein eigenes, zweck- ewtsprechenid hergerichictes Heina bekommen, PeterShagcn. Grineindcvertrcterfiyung. Ein Antrag des Eitern- beirais, die SchtUfpeisung für Hie vom Arzt als unterernährt b«- zeichneten Schulkinder einzuführen, wurde nach gutachtlicher Acußc- rung deS Swularztez einer Kommission überwiescii. Die Zahl der in Frage kommenden Kinder betrögt 63— 70. tzefchl"'seit ii'uibe ferner, daß sich die Gemeinde dem Mieteinigungsamr Fredersdorf anschließt. Tie WertzuwackSsteuer wurde auf 100 Proz. erhöht. Zu levhafien Diskussionen kam es aus Anlaß des vom Kreis zurück- erstatteten Betrages von 49350 M, zur Verhilliguug der LebenS- mittel für die minderbemiitelte Bavölker'ino.»Zrtchlosst'n wurde, den Betrag einstweilen zunr Ankauf von 8000 Zentnern Kartoffeln iür Dr. W i e r n! ck' im Kant-Rcalahmnafium. Karlsborst. lreskowallee. Elster Poilrogsabend Freilog bis zum meldtingen in WWWWW Baracke 2, Z mmer Li, iitiv beim Hausmeister des Kant-NealgymnasiumS, Karlshorst, TrcStvwallee.' Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 8. Oktober: 23.. 24.. 25. und 28. bis 32. Abt. Sozialdem. Männerchor(Kreis Prenzlauer Tor) Uebungsstunde heule 1-8 Uhr bei Blesstn, Stargardcr Straße Z. Wahlkreis Wedding. Die für beute abend 7 Uhr angesetzte Sitzung der Pezirtsführer und Betriebsverttauensleute findet nicht statt. dafür eine solche des Vorstandes mil den Abteilungs- lcilern bei Kerfin, Pankstr. 69, gleichfalls um 7 Uhr. Schniafgendors. Mitgliederversammlung. Fortsetzung deS Vortrages vom Genossen Dr. Herring:„Tie Sozialisterrrng des Bergbaues". Zahl- reiches Erscheinen wird erbeten. Gäste willkommen. Morgen, i>. Oktober: 14. Abt. BezirkSsührer, Betiiebsvertrauensleute und Elternbeiräi-, abenoS 7'4 Ubr, wichtige Funkiionärsiyung bei Krüger, Engoluscr 13. Pünktliches Erscheinen ist ersordcrlich. 18. Abt. 7 Uhr, Sitzung der Funktionäre bci Tiedke, Litauer Str. 5. 23.'Abt. und die bisher zu der 21. Abt. gehörenden Bezirke. 7 Uhr: Wichtige Sitzimg der Pczirlösührcr und BctriebsvcrtraucnSlcute bei Go.t, Kmprodc-. Ecke Bardclebenstraße. 39 Abt. Sonnabend, de» 9. Oktober, abends 7 Uhr. Sitzung der Parteisunktionäre und Betriebsveriraueneleute bei Bergcr, Lcvctzow- ftraßc. Ecke Fagowstraste. 42.«br. t! Uhr: Sitzung der Bezirk-ssthrer und Betriebsvertrauens- leute bei'Behrens, Tegeler Str. 22. 47. Abt. 7 Ulir bei Aadzay, Brüsseler Str. 43: Wichtige Sitzung der Bezirtssührer und des Abteilungsvorstandcs. Jugenöveranstaltungen. Hentc abend 8 Uhr: Zentraljugendhcim, Lindenstr. Z. DiSbisg-nsabevtz:„Die gegnerische Arbeitcrjugendbcwegung und wir".— Britz. Fugendheim Ehansseestr. 132, Gcmeindeschule. Vortrag:„Kunst und Arbeiterjugend".— Gesund- bruillic». Jugendheim Gotenburger Str. 2, 298. Gemeindeschulr: Außer- ordentliche Mitgliederversammlung.— Lickiicnberg, Jugendheim Pari- aue 19. Vortrag:„Der Lehrling im Mittelalter".— Mariendors, Jugendheim, Gesanassaal Lyzeum. Ringstraße. Festabend und Vortrag: „Jugend, wach aus!".— Neukölln, Aula Knabenmitlelschule, Donau- slraße 129. Oessemliche Jugendversammlimg:„Zwecke und Ziele des »Vereins Arbeiier-Jugend. Ref.: Gen. Weimann.(Alle Jugendlichen und Schulentlassenen ssnd eingeladen!)— Nieveischönhausen, Jugendheim Blankcnbnrger Sir. 68/79, 1. Gemeindeschule. Uebiingsabend.— Nordosten, Jugendheim Pgstcurstraße, Aula der Realschule. Vortrag: „Darwinismus".— Rokentho.l, Gcmeindeschule Kastanienallee. Turnen »nd Mädchenaheud.— Spandau, Jugendheim Oberlhzenm, Askanierring. Mitgliederversamiitlairg.— Süden. Jugendheim Gemeindeschnle Mlnis- strafte. Leseabend.— Tcmprlhos, Jugendheim Lyzeum, Germaniaslr. 6/7, Mävchenabcnd.— W-dding. Jngcndbeim 39. Gemeindeschnle, Müller-, Eck« Triststraße. Miialieberversammlnng.— Weißens«, Jugendheim Woelckpromenade 1. Mitgliederversammlung. kommende Frsjbs.zhr n:itzuverwendcn. Ztiichnß kür itte Erwerbslosen sind der Gemeinde 5-150»M.:berzp!«srn, drz.r tomnir» aus Mitteln der Gemeinde 1002 R. lktoltslioeh'chulc Ltchlenderg. Belrickisräte, Zlrbeiter, ?l n q e st e l 1 t c raerden auf die sozialwissenichasltiche BortrarSreihe der VolkShochschuie Berti il-Lichlenberg(17. Bcrnzalttingsbczirll hkngewiesen. Dr. Ncstriepks behaiideit das Thema: M ö g l r ch I e i t c n und Methoden der S o z t a l! i i c r u n g im llecilien-Lhzeum, Nathans- strafte 8, in ackt Borlclirngen. Erster Abend, Sonnabend, den 16. Oltobcr, d llhr. Horzebühr tz M. Dr. St tili ch iw ichl über Li i t t i ch a s t s- w i> j c n s ch a s t. Der unetitgeltlttzzc E:öisnullz«vo>trag über Zweck und Sluizaben der Wiitichastschillenichasl, dem neun weitere Porträge tolgen. siiidct am Freitag, den 15. Oktober, abend, 8 Uhr. im Nesotm-.'ltcalgymnaiium.»Parkaue, statt. Hörgebähr 7,50 M. Tages. �ragend er Wtrtjchastsvolittk bilden den Inhalt der»Vorträge vortraae. vereine unö versammlnnnen. BolkSsürsorge! Pettr inensmännerversammlungen am Monlag, den II. Oktober, abends 7 Ilor. Thema:„Die Neuorganisation in Groß- Berlin.—»Abteilung Nordwest-Eharlotteirburg(Bezirke 8, 25. 46, 54. 62) bei Günther, Berlin, Rostocker Str. 42 Res.: Genosse Lohmeher.— Abteilung Oestliche Vororte 2 lBezirke 65, 68 und 90) bei Dornte, Köpenick, Mahlsdorfer Str. 1 Ref.: Genosse Bläsing. Schlestcr-Berein Rübezahl, Ebarloltenburg. Pcrsan.mlung Sonntag, den 19. Oktober, abends 7 Ubr. Kaiser-Filedrich-Str 63, bei Grimm. Antängerkursus in Stolze Schreq Stenographie! Di«„Freie Slcno- gral bische Vereiniguna" cröjsnet am 17. bzw. am 24. Oktober einen Amängerkursus vorinittags von 10 bis 12 Uhr im Lokal Lehmann, Süwlberiftr. 2t. Ecke Engeluser. Kursusgeld 12.50 M. für Jugendliche und 15 M. sür Tetlnehmir über 18 Jahr«. Anmeldungen im kursuslokal und heim Vorsitzenoeu Karl Balthosee. O. 34, Zorndorser Str. 29. Arhetler-Samariter-Kowittte Berlin e. B. Sonnabend, den 9. Oktober, Schule Hinler der Garnisonkriche 2: Abends 7 Uhr: Sitzung des ZentralvorstandeS und des technischen Ausschusses. Abends ti U h r: KrciSvertrcter und»Ableitung sür Besonderes. Gleichzeitig DrucksachenauSgabc.______ Wirtsthcrst Lastkraftwagen A.-0>. in Leipzig. Dividende 25 Prsz. lieber die Aussichten teilte die Verwaltung mit, daß seil Moncnen das llnterndhmcn wieder voll in Betrieb sei, u. o. liegen für zwei Monate feste»Ilufträge von vier Großfirmen stror, so daß auch weiterhin mit voller B e sch ä f t i g u n g der Fahrzeuge ge» rechnet werden könne. Tie neu eingerichtete Reparaturwerkitätte arbeite fetzt auch für fremde Rechnung und die Garagen seien voll beseht. Wenn die gute Veschästigung � anhalte, werde eine bau Ii che Erweiterung ins Auge gefaßt werden müssen. Neubclrbung der sächsischen Textilindustrie? Der Ministeriell- rat im sächsischen WirrschaftAlmniisterium, Florey, glqubt feststellen zu können, daß der Höhepunkt der Krise icher Schritten sei. Manch« Spinnereien seien z. B. bereits voll bcschärtigr und »leisteten auch Ueberschichten; auch m den Webereien sci eine Belebung zu verspüren.' BegrünHct werde diese Erscheinung durch den Ein rauf de? Wiutzrbedarfe, den«rnrnten V a- luiarückgang uu-d die sicher eintretende Herabsetzung der einzutreten. Es wird eine Herabsetzung der Ausfuhrabgaben für Fretigsabrikate von 4 Proz. auf 2'Proz. und für die HandschuHtttdustrie von 4 Proz. aus 1 Proz. erfolgen. Für die Handschuh ndustrie wird die Ermäßigung besrncherS deswegen auch eintreten, weil große«nrerikanilche Aufträge eingegangen find, die aber nicht realisiert io»rdcn, wenn die Käufer die 'Abgaben zu tragen habgu. Zur»»lebung des Geschäfts hält Flore!) eine Dation dar Luv-»nd Ginfuhrgenehmijxung noi- wendig. Eine Äuflwdung«der kann vorläufig nicht in Frage kommen. In der bio h st o f f v« rf o r g u n g ist die Krise noch nicht ükttNwurrden. Ter Gruird beruht nicht auf dem Mangel an Rohstoffen, sondern auf dem hohen Weltmarkt- preise für Texlilrohfroffe. Interessant waren auch die Angaben über die vogtlandische Spitzen- und«Stickereiinduftrie, um die eZ außerordentlich schlecht steht. D-e Belebung geht deshalb sehr lang. fanr vor sich, da die Industrie ein« Luxusindustrie ist und die gesunkene Kaufkraft eine Dauererscheinung bleiben dürste. Für diese Industrie müssen Zbbsatzniözlichkeitcn im Auslände gesthaffcu werden, und zwar ist e? nicht mehr möglich, den Auslandsmarkt durch' billige Massenartikel zurückzugewinnen, sondern nnr durch hochwertige Qualitäisarbeit. Um diese zu erreichen, sind folgende EinrichtunHon getroffen: die Kunstschule in Plauen. die so ausgestattet werdln soll, daß sie allen Wünschen und Bedürf- nissen gerecht werden kann, die G o b e l i n w e r k st a t t in Pillnitz, das Forschungsinstitut für T e r t i I i n d u st r i e, die deutsche 2B er k statte für Farbkunde(nach dem System LftwalÄ) mit der Zweigstelle in Chemnitz, Soziales. Soziale Selbsthilfe. Aus Rothenbach i, S- wird uns geschrieben: Im Kreise Landesbut war die Zahl der Todesfälle an Tu bei- knlofe im Jahr« 1919 siebenmal so groß wie 1914 und wird sür das Jahr 1SS0 wahrscheinlich noch weiter ansteigen. Da unter den Heuligen Umständen an eine wirksame Unterstützung des Staates in, Kampf gegen die Tuberlulose nicht zu denken ist, beschlossen die Belegschaften der beiden Rothe nbocher Gruben- werke zur Selbsthilfe zu greifen und zwecks Errichtung einer W a l d b e i m si ä t t e für l u n g e n k r a u I e Kinder eine U e b e r s ch i ch l zu verfahren, deren Gesamteinnahme, einschließlich des sich aus der Schicht ergebenden Betriebsgewinnes, einem von der?lrbesterschalt selbst zu verwallenden Fonds zufließt. Der Fonds genügt, um für 30—40 Kinder der Belegschailen ein Heim zu errichten, in dem die Kinder Kräftigung und Heilung finden.— Dieser Weg der Selbstbilf- sollte auch anderswo beschritten werden. Er zeigt, wie sich der Arbeiter auf eigene Füße stellen kann, zum Gemeinwohl aller.__ Mus aller welk. Tie Tiebstahlsaffäre des deutschen Leutnants Lepper Wie bereits gemeldet, war der zur deutschen KriegSge- fangenentommission in Paris gebärende Leutnant r,.•.....* C__-W;.(. fi.. r. t � TXf\ rw\ Ol- � 4- r; � � die spanische Polizei verhaftete. Tie weiwre Untersuchung bat im Verlauf der Nachforschungen in Paris ergeben, daß Lepper bei einem Freund Parfüms im Werte ton zirka 40 000 Frank deponiert balte. Lepper batte bei feiner Verhaftung erklärt, er habe bei dem Ren-nen in Chantilly in zwei Tagen 6S0000 Frank verloren. Seine Geliebte, eme gebürtige I r l ä n d e r i n, sagte aus, sie labe nich-t gewußt, daß das Geld aus einem Diebstahl herrühre. Lepper und seine Gefährtin stehen zur Verfügung der Behörden, bis die A u S l i e fer u ngS fo r ma lr !�ä" �n° erledigt' sind."Tann'werden beide dem Pariser Unter- suchuügsrichter übergeben.__ Sport. Rennen zu Grutziwakd, TsnncrStaa, 7. Oktober. 1. P r e i S von W l e s c n r a l 16 909 M.. 1 400 Meter. 1. Heikkilustler(Tarras), 2. Brise(Braun). 3. Cberun(Harrwlch), Tot. Tieg 47: 19,»Platz 24, 35,22. Feriter liesen: Nigmua(4). CaroluS(5). Sarnot(6). Elga. Landvogt. 2. Saraba ii d- Rennen 27 999 Tl.. 1299 Meter. 1. Flüchtling (H. Schmiol), 2. Träumer(Polgar), 3. Weckruf(Braun); Tot. Sieg 32: 19,»Platz 17, 15. Ferner lt-ftn:»Pirol(4),»Anarchist II(5), Raugras. 3. Preis von Mansbach 39 999 M.. 2.890 Meier. 1. Einspruch (Janek), 2. Peterwardcin(Rastenbergcr). 3. Ter Mohr(Zimmermann); Tot. Sieg 25: 19. 4.»P r- i s von R a c l o 22 999 M., 1299 Meter. Prüfung fB-br», 2. Ordensritter(M. Jentzich). 3. Rappelkops(Kasper); Toi Sieg 49:19, Platz»29, 59. 23. Ferner licscn: Rolcnsels(4). Morel (5). Dana« s6). Tarastr», Eva, Wotkcnschieber, Horst, Airkcnreis. 5. H e r b st- A u S g l e i ch 55 909 W., 2100 Meter, 1. Luftfahrt lTarras). 2. Partbcr(Schläfkc), 3. Eichwald(Lewlcki); Tot. Sieg 112:19,»Play 33, 33. 39. Ferner liefen:.Ikarus, Gcorgios, Marmaros. Glauzig. Siebenschläser. Jndling,»Blcnbetm, Satvr. 6. W e l t in a n n->2l n s- uleicli, 16 999 M., 1190 Meter. 1. Matkotten(R. Fischer), 2tz. Germa Hinquciiin. 21°. Orden-jäger(Llcjnick); Tot. Tieg 141: 19, Platz 32. 0. 24, H. 29. Ferner liesen: Flanbern(4), Jmmelinann(5), Paula 16), Erwachen, Diadem, Malen:«, Halbmond Silbenaler. 7. Preis vom SonntagSst-in 22 999»PI., 1699»Meter. 1. Trumpf(Jaitef,. 2. Wallenstcin(Zimmerntann). 3. Glimmer(Jcntzsch): Tot.«leg 19: 10, Play 12, 23, 22, Ferner liefen: Abschluß. Teigneur. Lorissa, Dunn, Rastclbinder,»Pioletta, Ambos(5). Baldur(4). (Rnen verettz« Waldlauf veranstaltet die Freie Turnerschast Berlin am Z o n n t a g in Pichelsberg, Rejtaurant Leidols, gegenüber Teesch.'oß. Treswunkt 12 Uhr. Zum Austrag kommen solgcnde Läuse: Altersriegcu- turner(über 35 Jahre) 599 Meter,»Männer 3999 Meter, Jugendliche 2969 Meter, Frauen, Mädchen und Kinder 599 Meter. Die Läuser de- ginnen Punkt 1 Ubr. Da die Lausstiecke in ihrem Hauptteil gut zu überleben ist, so ist auch Zuschauern Gelegenheit gevoien, die interessanten Wetttämpse zu beobachten. Ardeiter-Radsahrer>Bund„Sslidarltät, Ortsgruppe Berlin, TJ. Abt. Sonntag, den 19. Oktober, früh 6 llbr: Wolttger See: nachmittags 1 Uhr: Johannistal(Parkreftaurant). Star,: Lcuchtiunn. Fonwneprdmenade 18. — T-uristcn.Brreiir„Tic N-iursrcunde". Ottsgruppe Berlm-Ostbah»- v-ror,«. Sonn-aa, den 19. Oktober: Wanderungen I. durch den Blumen- thal,»Abf. Wri-zcncr LH'. 6 Uhr nach T'clcusce: 2. Oratti-nburg. Ger- merSdois, Oranienburg,»21bs. Stettiner Boror, bahnhos 7.29 Uhr. -o�m Schmimmverein„Bormärts Berlin 1891" ist es gelungen, in der städ'.ischen»Badcanstatl Schillings brücke an jedem Dienstag von 7 bis ß Uhr einen reservierten Badeabend zu erhalten. Sriefkasten See Reöaktion. leb« tttr den»rieskasten beNimmten vnlraoe füge man einen Buchllaben üno etn» Nummer bei. Briefliche Äu-kunst wird nicht erteilt. Eilige An- feaaen trage man in der sturislischen Sorechstund«. Lindenftr. ö. 1. Hol par- teere link», vor. echültstiicke und Derträae ünd mittubrinaen. F Zch. 21. Pros. Daniel Sanders Deutsche Sprachbriefe(Verlag Langenscheidt): durch die vorwärtShuchhandlung zu bezrelien. Reiß- zeuge und Zetchenmaterialien in jeder besseren Lehrmiitelhandlung; Spezialgeschäst Wichmann, Karlstr. 13. WetterauSstchten für das mittlere Skorddentschland bis Sonnabend mittag. Fortdauernd trocken und vi-ilt heiter, nacht« starke Abkuhinng. mittags ziemlich warm bei mäßigen südöstliche» Winden. m dir ,iiarftltdU mnm. - Titfr'Tt■ W> 1-.-4■■ OUJAPD/N iCO.mb.n ÜPDINQEN Rtt.A LAPOChELLE< coarac- Ctt&niNrc MiOiTiMC) ;" iSfeÄri'i Sb HühnsraiÄgen Mornhaut', Schwielen u.\Var»2er> beseiligt schneli.sicher» u, sehmerzlos KiSeUrol toooooofaüi bewährt Paefs M. S.-Jn Apotheken u. Dt-ogeaicn erh ältlich Vorsicht ver tochahmunjen. K'jltir*ol steht einzig da, Siachrnf! Am i. Oktober«erstarb nach kurzem aber schwerem] Leiden der Seiried»dlreklor. Herr»egierungobaumeifte: Walter Herrnstädt. Er war bestrebt, den von ihm übernommenen Posten i | noll r..b aanz auozusiillen und die aus den bestehenden wirtichaitlichen Verhältnissen resultierenden Keaensätte altozuzleicken. Eine Auszab«, deren LLsunz einem ein- -einen nicht möglich ist, Poch muh anerkannt werden, ' er«» in' dost i den ihm»»stertien Grenzen versucht hat, den '' Ardeilericha'i lastet, zu! de» Tode» Ib7/l4a Akt.- Grs.. ! lchweeen Pruit, der auf der mildern. Angestchl» der tragischen Gewalt schweigen die aegensilhe. Li«»,b«tt«rschaft d»r vr»»ft«in St«appel Lotomotivfatrik Rowawe». Talltsaisllllös. Zür dl« vielen Seweise herz- »cher Teilnahm« au» Anlag de. Hinscheiden, meiner liede» Frau, unserer gulen Mutter KüKne sagen wir allen Beteiliglcn. insbesondere Herrn Slenzel liir die trostreichen Worte und dem Frauenchor drt der Feier der Peiieliung aus diesem Wege nnsern herzlichsten Dank. »>lh«la> sah»« nebst stin Hern 8peTjsl-�.rxt (i. Kil-cKner I. aeschlecht-!- u. Hauileiden, früher Abtcllungs-Arzt am Ost-Krankeohaus, Ä«l*"crsar«Karen, Blutproben, KSnlgatraB« 5i 84 gegenüber Rathau». Sprecnst. II— I»ofitu, S— t>-, nachm. auSer Sonntags. Kaufe alte Qebisse (auch itrbrochen«), T2/10* Gewöhnlich. PlttlnlangatHtzahn MI:. 14.00\, h. hl Knoptdldzabn........ Mk. 7,00) n,CM Plailnbruch— wie bekannt— böctastzahlend. Änkaol; Berlin W, Kransenstr. 56-58 zmuV und Berlin-Treptow, Kdpenicker Landstr. US. pari. (1 Minute vom Bahnhof Baum�chulenvref). Stadt- u. Straacn- hahnvcrblndung.— Täglich 10 bis 6 Uhr.— VOOLBR. BRUCH Kontakte« Brcnnatlfte ¥�t*]|| Uhren, Ketten. 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Täglich VjS Uhr: Der Roman einer Frau Ida Wüst, Burg, Limburg, Valetti, Falkenstein. Sonnabend 4 U.: R.tkäypehen Casino-Theater! Lothringer Str. 37.— Tgl. V.S; 1 Knorps sei. Witwe und„AuschluB verpaBt". Singspiel mit Viktor Litzek. Neu! Ernst Walter, Humorist Sonntg. 3'/;: DerHausdrache. Winter- Gatten Tägliek 7.>S Uhr; VarletP-Spfelplan Schall und Stauch Dir. Hans v. Wolzogen. Wiederauf treten Paul Graeiz Madj Christians und d.gr.Oktober-Progr. Balalaika-Orchester. Konzert VI, Beginn SV, ReiehsbulL-TbeatEr Abtnd» VI, tmb kanntag Jttn.S Etettincr Sänger. Rh!. Halbe Preise Varietd- Dönhats-Brettl. Ans«>>.Sa.»I Potsdamer Str. i8 Moriturus �Dem Tode geweiht) mitj Landa-Schünzel Veidt-HildeWörnerB Turmstr. 12 Das gr. onent Liebesdr. I Der Mann auf der f Flasche aulerdem das Lustspiel I Das Valutamädel[ mit Ossi Oswalda Ale-xaaderpl.-Passa�cJ Lotte Neumann in: Die Gluckgfalle. I Friedenau, Rhcinstr. H| | Anfitändije Frauen.| Sekanntmachung. 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Ottoder,«dends 7 Nhr: Zum erste» Male: Rausch Schauspiel i. 4 Akt. v. August Strindberg. Hauptdarsteller: Maria Orska, Alfred Abel, Johannes Riemann, Frieda Richard, Rose Vcldtkirch. Ernst Dernburg, K.A. Römer, Hugo Bauer, Werner Stein, Rudolf Jünger. Regie: Carl Meinhard. &■ ßrcusBusci 1 Tägl. 7.15, Sonnt, auch 3:1" | Nachm. halbe Pr. f. Kindel I | Vonrerkauf; Circuskassel und Warenhäuser Tietr.l Theater a.Kcttbus.Tor Tel.; Moritzplatz 14814. I Täglich VI, Uhr und Sonntag nachm. 3 U.: fPoladamer Str.72» Hochbahn Billowatr. Wenn Colombine winkt mit Ssiher Carena. Uraufführung! Der imlieiniliche Fahrgast. Detektiv- Abenteuer mit Frank Norton. Admirais-Diele im Admirals-Paiast Aachmlttags u. abend» Konzert Vlukoti sky:: 7 und'/.S UKr CABIKSA Der Kampf um die _ Weltherrschaft_ Die Iveilige SImpllcl£i Filmlegende in 6 Akten oon Tt\ea von flnrbou Der zweite May- Regle-Meislerfllm 2?,r Eva May Alfred Gerascia oom Bur�tbedler Wie» 2. Woche Wlrilechvatpel Regie: E. A. Dupont Haupldsrsiellcr: Mierendorä Grit Hegesa 2. Woche Sumurun Emst Eviblllch Hauptrolle: Pola Negrl MÖJ Schauspiel in 5 Akten Peqlt: Rudolf Blebreach Hauptrolle: Eolte Neumann Reingefallen Ä ß. Lustspiel in 2 Akten mit Arnold Riede Der Henlcer von Sl- Morien Künatlenscbe Überleitung» Joe Mny Verfasser und Regissear. Frll3 Frelsler Hauptrolle: Eva May Die Tarantel SensationsßJm non Kerl Flgdor Regie: Rudolf BleDradi Da» Vcälutamiitlel mit 0«£>1 Oswalda Apollo- 1 Theater Dir. James Klein. 1 7�/2 Allabendlich V/2 Die Sensation der Wintersaison Orient- iNatura- listische 3 Ausstattungs- Pantom in 3 Bildern Hareras- Häcbleü | Unt.Mitwirkung von an Original- utl Kamerunern an Bajaderen- ow Tänzerinnen | In den Hauptrollen;|P Myriam Borka | sudan Schauspielerin! ' Kiki Kiami Bey | Xationalth.Konstan. Lowis Brody der Neger-Filmstar Erika Dennisson die schwed. Tänzerin sowie die übrigen Oktober-Variete- Sensationen! i | äonnt. nachm. ä'/jU Kinder haben keinen Zutritt. Ä/M a.Rosenthaler PI. 1 Täglich 71/, Uhr: ätg. nachm 3> zu ab.71 U. j Gastspiel «fil" Wochen Inga nh 7 Uhr Sonnlogs Beginn-* Uhr Der Stolz 1 3. Kooip.| ■j. d.groOeOktaber-Progr.[ Die 5 Karleys Marga u. P. Onre j Charl. Montrcll K. Edler u. Nicki j Die 4 Eitner's Mewu??? T''■.' t'Sfii 5.r"' ,•". V\ v«' �'' C- ftt. 498 ♦ Z7. Jahrgang 2. Seilage des vorwärts 5rektag, S. Oktober 1929 Hewertfthastliche Setriebsratezentrale. (Schluß«rs hex Me«dauSgaSe.) 3. Tag. VormittagSsitzuag. Referent Dißwann(fortfahrend): D-rS BetriebSrätegefetz ist ein Produkt der Revolution, aber es fettj» den Forderungen der Arbeiter nicht gerecht. Aber wir können "aZ Gesetz nicht ignorieren, sondern wir müssen eS ausnutzen und dafür kärnpsen, daß den Arbeitern weitere Rechte ge- währt werden. Was die Zusammenfassung der Betriebsräte be- trifft, so sind Hirsch-Dunwersche und Gelbe für uns ebenso Gegner wse diejenigen, welche sich revolutionär gebärden, aber nicht' als Revolutionäre b a n d e r n.(Sie&hafter Beifall.) Wir, die wir di-e'■■■""r:"......-- _.-_..------------------------ zu Hab terr, sondern ste haben den llnternehinern gegenüber in täglicher Kleinarbeit die Interessen der Arbeiter zu vertreten mit ruhigem Ernst und Entschiedenheit, ausgerüstet mit Wissen und Können.(Lebhafter Beifall.) Beschwerden der Arbeiter über Betrseb-angelegeuheiten sollen erst von den Arbeitern selbst verireten werden, ehe sich der Betriebsrat damit beschäftigt. -ste Arbeiter müssen dazu erzogen werden, daß sie Courage haben, shre Rechte dem Unternehmer gegenüber selbst zu vertreten.(Sei* lall.) Wo eine Firma verschiedene Betriebe hat, müssen sich die Betriebsräte zusammenschließen. Beim Erlaß der Arbeits- Ordnung haben die Betriebsräte mitzuwirken. Richtlinien über Einstellungen und Entlassungen sind aufzustellen, die vfctt Betriebsräten die Mitwirkung gewahren. Wenn das auch nicht trn Gesetz vorgesehen ist, so kann es durch Tarifverträge festgelegt werden. Das sind die praktischen Aufgaben. Die Betriebsräte sind wirtschaftliche Räte. S'e haben ihre Tätigkeit auf die Um- stellnng der Wirtschaft zu richten. Politische Arbeiterräte können erst in Wirksamkeit treten, wenn wir die politische Macht er- Zungen haben, nach der wir streben.(Zustimmung.) Bei dem Umstcllungsprozeß der Wirtschaft müssen Kopf- und Handarbeiter zusammenwirken. Die A f a hat mit der Ov- ganisierung und der geistigen Umstellung der Kopfarbeiter mehr revolutionäre Arbeit, wie mancher, der mit revolutionären Reden den Mund ausgerissen hat bis an die Ohren.(Lebhafter Beifall.) Die Gewerkschaften, Hand- und Kopfarbeiter, find die Träger des Wirtschaftskörpers. Sie, mit fisten 9 Millionen Mitgliedern, haben das große Werk der Wirt- schaftlichen Umstellung zu vollbringen. Die Betriebsräte sind V e r- trauen sleute der Arbeiter. Nur im Zusammenarbeiten mit den Gewerkscfi asten können sie ihre Aufgaben erfüllen. Bleibt bei Elftem Mutterboden, den Gewerkschaften, und laßt euch nicht irre- wachen durch das Gerede, die Gewerkschaften seien gegcnrevo- l u t i o n ä r. Scharf verurteilt der Redner die radikalen Treibereien gegen die A m st e r d a m e r Gewerkschafts- internationale und die Zersplitterungsversuche von kommunistischer Seite. Die Einheit der Gewerkschaften müsse erhalten i leiben. In gemeinsamer Kampfesfront mit allen Arbeitsbrüdern werden wir den Sieg erringen unter der Parole:„Proletarier aller Länder, zerschlagt euch nicht die Köpfe, sondern vereinigt euch." (Starker Beifall.) Graßman» verliest darauf eine Entschließung, die sich auf die Aussperrung der Zeuungsunternebmer dem technischen Personal gegenüber bezieht und in der diese Aussperrung als ein Kämpf bezeichnet lturd, der große wirtschaftliche und politische Folgen zeitigen kann. Die Arbeiierschait ganz Deutschlands muß den Zeitungsorbeitern Berlins ihre Solidarnät beweisen. Die Lebens- Haltung der Arbeiterschaft darf nicht noch weiter herabgedrückt Werden. Die Sache der Arbeiter des Zeitungsgewerbes ist die Sache der Arbeiterschaft ganz Deutschlands. Der zweite Referent Hörpel 1 bftpricht die Entstehungsgeschichte des BetriebsrätegesetzeS und be- gründet folgende Forderungen: Die wenigen Rechte des Betriebsrntegesetzes werden systematisch durch das gesamte Unternehmertum sabotiert. Eine sinngemäße Arbeit der Betriebsräte ist daher unmöglich. Durch eine Er- lveiternng des unzulänglichen B. R. G. muß die Arbeitsfähig- teit sichergestellt werden. Besonders der§ 72: Betriebsbilanz und -gewinn, ertordert schnellste Verabschiedung. Ter Kongreß verlangt aber auch ein sofort zu erlassendes Gesetz über Entsendung don Betriebsralsmitgiiedern in den Aufsichtsrat.(Z 79.) So- lange dies nicht geschehen, kommt die Haftung der Betriebsräte, >v>e sie für die übrigen Auffichtsratsmitglieder vorgeschrieben ist, » i ch t in Fra�e. Weiter führt der Redner aus, die Afa habe seinerzeit einen '--sonderen Entwurf zäun Betriebsrätegesetz eingereicht, der den Arbitern mehr Rechte zuerkannte als der Regierungsentwurf. Ter Entwurf der Afa konnte aber nicht vevwiriklicht werden.� Nach- ■ cm das Gesetz in Kraft getreten war, halben die Gewerkschaften die Durchführung desselben in die Hand genommen und die Wahlen betrieben. Es komme jetzt darauf an, daß Angestellte und Arbeiter irsammenarlbeit-en unter Ausschluß der Harmonieverbände. Die Afa habe in einem Aufruf die Angestellten aufgefordert, den Ar- bsitern beim Einblick in die Betriebsverhältuisse behilflich zu sein durch Angaben, die im All-gem c i nintere ss c nötig sind. Das Unternehmertum habe die Gefahr begriffen, die in dem Aufruf liege. Die Angestellten würden die an sie gerichteten Auf- forderungen so ausführen, daß sie den Unternehmern keine An- gviffspnnkte bieten. Der Redner ersucht den Kongreß, durch Annahme einer Resolution dem Ausruf der Afa zuzustimmen und das Zu- iammenarbviten von Angestellten und Arbeitern zu befürworten. Weiter verweist der Redner ans das unsolrldarische Verhalten der Harmonieverbände von Angestellten im Zeitungsstreik und sagt, durch dies Beispiel werde bewiesen, daß die Betriebsräte mit den' Angehörigen solcher Organisationen nicht zusammenarbeiten können. Die freigswerkschaftlich organisierten Angestellten fühlen sich mit den freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern durchaus solidarisch und wollen mit ihnen zusammenarbeiten. Das„Berliner Taigeblatt" erklärt, dieser Kongreß sei für die Betriebsräte nicht maßgebend, weil aus ihm die Harmonieverbände nicht vertreten sind. Ich freue mich, daß Richard Müller, der ja auch die Harmonieverbändler und Gelben in �die Betriebsräte- organrsation aufnehmen will, den Beifall des„Beri. Tageblattes� findet, welches ganz genau weiß, daß es im Interesse des-Unter- nehmertums liegt, wenn die Harmonieverbände zur Mitarbeit herangezogen werden.— Wir kämpfen nicht persönlich gegen Richard Müller, Döumig, Malzahn. sondern war bwampftn die von ihnen vertretene Idee, die nach unserer Ucberzeugung gegen die Interesse» der Arveiter geht. Wenn Arbeiter und Angestellte zusammengehen, werden wir Unser Ziel erreich:».(Lebhafter Beifall.).. Der dritte Referent Brolat spricht über den organij atorftchen Aufbau der Betriebsräte. Unmöglich ist e?, daß die Be�risosrate, losgelöst von den Gewerkschaften, ihre Aufgaben"füllen können. USii haben heute schon zubiele A rbeitero rgani s ationen. Wrr wollen Schluß des Betriebsrätekongreffes. nicht noch eine neue selbständige Organisatwm der Betriebsräte schaffen, sondern sie den Gewerkschaften angbiedern. Da die Vorredner schon alles zu diesem Punkt Nötige gesagt haben, ver- zichte ich auf weitere Ausführungen.(Betfarf.) Korreferent Brandler(K. P. D): Wir hätten uns hier sachlich auseinandersetzen müssen über unsere gegensätzliche Auffassung über die Wirtschast, über die Pro- blemc der Arbeitslosigkeit und des Sdeuerwcsens. Auch ich bin der Weinung, daß die Betriebsräte nicht nur revolutionär reden, son- dern vor allem revolutionär handeln sollen. Auch ich halte es für notwendig, daß d:e Betriebsräte zur Erfüllung ihrer Ausgaben die nötigen Kenntnisse hoben müssen. In diesen Punkten bin ich mst Dißmann einverstaniden. Ucber die konkreten Aufgaben der Betriebsräte hat Dißmann nur verschwommene Angaben gemacht. Wir weisen den Betriebsräten folgende Aufgaben zu: Sie haben alles zu tun, um die Arbeiter aus ausgebeutetcn Lohn- stlaben zu Herren des Produktionsprozesses zu machen._ Es ist nicht richtig, daß die Betriebsräte nur aus dem Boden einer gemeinsamen Weltanschauung zusammengefaßt werden können. Die freien Gewerkschaften machen die Mitgliedschaft ja auch nicht von einer gemeinsamen Weltanschauung abhangig. S.e haben ja Mitglieder aus allen, auch bürgerl.chen, Parteien.(Gelächter.) Wir sind der Meinung, daß auf dem Boden der kapitalistischen Ge- sellschaft aus dem Zusammenbruch der Wirtschast nicht heraus- zukommen ist. � Bon den Betriebsräten verlangen wir, daß sie folgende For- derungen durchsetzen: Jnventuraufncchme zur Erfassung der Roh- stoffe, Eingliederung der Arbeitslosen iu den Produktionsprozeß, Unterstützung der Arbeitslosen mit dem vollen Lohn, denn wenn nicht für die Arbeitslosen gesorgt wird, werden sie Putsche machen. Die Konsumentenorgcm.fationen baben den Bedarf fest- zustellen und mit den Betriebsräten die Verteilung zu regeln. Organisation der KohlenverteÄung zum Aufbau der zerstörten Wirtschaft, Ausschaltung der Waffen- und Luxusproduktion, Ber- Hinderung des Transports zu unproduktiven Zwecken, Kontrolle der Ein- und Ausfuhr sowie der Finanzen, Aufnahme der wirt- schaftlichen Beziehungen mit Sowjetrußland. Diese konkreten For- >dernngen, die noch nicht die Einführung des KommuniHmus be- deuten, können nur durchgeführt werden, wenn Hand- und Kopf- arbeiter aller Richtungen zusammenarbeiten.— Auf dem Wege, den die Referenten empfehlen, kommen wir nicht aus dem EhaoS heraus. Der von uns gezeigte Weg führt uns zunächst in noch größeres Elend, aber dann bringt er uns heraus aus dem Chaos. (Beifall der Minderheit.) Der zweite Korreferent Richard Atüller weist die Annahme zurück, daß die selbständige BetriebSrätezcntvale die Gewerkschaften zerschlagen oder über den Gewerkschaften stehen wolle. Weiter bertritt der Redner seine bekannte Ansicht, daß alle Betriebsräte zusammengefaßt werden müssen, gleichgültig, welcher Organisation sie angehören oder ob sie überhaupt organisiert sind. Nur' durch Zusammen- faffung aller Kräfte könnten die Arbeiter ihre Forderungen durch- setzen. Nicht die Führer der Gelben und Blauen, sondern die hinter rhnen stehenden Arbeiter sollen- gewonnen und Von den Führern losgelöst werden. In den starren bnreaukratischen Apparat der Ge- wcrksbaiten dürften die Betriebsräte nicht hineinaezwungen werdeg. Ter Redner kritisiert die Richtlinien des Gewerkschaftshundes und kommt dabei zu Auslogunge-n, die lebhaften Widerspruch finden.— Nachmittagssitzung. Außerhalb der Tagesordnung erhält der russische Gewerk- schaftsvertreter Losowfly das Wort, um den Aufbau der Betriebs- räte in Rußland darzulegen. Er verliest ein umfangreiches Manuiskript, welches die Leistungen der russischen Räte in glänzendstem Licht schildert und dahin ausklingt, daß die Pro- duktion in die Hände des Proletariats gehört, was in Rußland durchgeführt fei. Die Diskusston über die Referate wird eröffnet.� Pieczyk-Hamburg verlangt, daß das Betriebsrätegesetz so aus- gebaut wird, wie es den Arbeitern vor Annahme desselben ver- sprachen worden sei. In den Schlichtungsaus schüssen würden die Positionen der Arbeiter immer mehr z u r ü ck g e- drängt. Auf solche Schlichtungsausschüfse verzichten die Arbeiter. Die Betriebsräte können nur in Verbindung mit den Gc- werkschaften etwas erreichen. Zicke-Berlin: Man solle nicht so ängstlich eine Konkurrenz selb- ständiger Betriebsräteorganisationen mit den Gewerkschaften fürch- ten. Die Gewerkschaften seien so mit Arbeiten überhäuft, daß� sie sich nicht nach mit den Augelegenheiten der Betriebsräte befassen können. So wie in Berlin eine Verständigung der Gcwerkschafts- kommission mit der Bstriebsräkezentrale zustandegekommen sei, könne es auch für das Reich geschehen. Die Betriebsräte müßten ein Organ des proletarischen Klassenkampfes sein, die?lrbeits- g e m e l n s ch a f t e n müßten aufgegeben und die Gewerkschaften zn revolutionären Jndustrieorganisationen ausgebaut werden. Engelhardt(Bergarbeiter): Die Opposition hat zu ihrer Unter- stütznng die russische Delegation herbeigeholt und der Vertreter der- selben hat soeben eine Rede verlesen, die heute schon in der „Roten Fahne" abgedruckt ist. Wenn man sagt, das ganze Proletariat muß unter einen Hut gebracht werden, so sage ich, das ist eine Phrase. Die ch r i st l i ch e n Gewerkschaften werden sich nicht mit uns vereinigen. Das haben wir im Ruhr- gebiet erfahren. Da ist der Versuch, die Arbeiter aller Richtungen zu einigen, gescheitert und jetzt bekämpfen sie� sich gegenseitig aus das Schärfste. Durch die Uneinigkeit der Arbeiter wird das Unter- nehmertum gestärkt. An die Vertreter der zentralen Gewerkschaften richte ich die Aufforderung: Laßt Euch nicht von einer Minderheit breitschlagen.(Beifall.).. Ein Antrag aus Schluß der Diskussion tvird mst großer Mebrbeit angenommen.— Ein Zuhörer auf der Galeric ruft:„Idioten".— Der Vorsitzende rügt das. Siblebcnbeckcr-Berlin erklärt, da ihm als Vertreter von 7000 Angestellten durch den Schluß das Wort abgeschnitten sei, halte er es unter seiner Würde, aus dem Kongreß länger zu verweilen. Mnruhe.) Das Schlußwort � erhält infolge eines Beschlusses emer der Referenten und einer von den Korreferenten. Braudler(Korreferent) kritisiert den seiner Meinung nach vorzeitigen Schluß der Debatte. Er könne auf die Diskussion nicht eingehen, weil eigentlich nichts gegen seine Ausführungen gesagt worden sei. Der Redner betont, seine Gesinnungsgenossen hätten nicht die Absicht, die Gewcri- schaften zu zertrümmern. Wer das behauptet, der luge. Der Kongreß könne einen Beschluß fassen und dadurch entgegen- siebende Auffassungen niederstimmcn. aber an den Tatsachen der Entwickskung werde dadurch nichts geändert. In der von Diß- mann vorgelegten Resolution ständen nur allgemeine Redensarten, ober keine konkreten Angaben über die Aui- gaben der Betriebsräte. Die Zusammenfassung der Betriebsräte neben den Gewerkschaften bedeute keine Zerstörung der Ge- werkschaften, sondern eine Arbeststeilung. Es sei ganz unmöglich, daß eine Betriebsrätezentrale mir eine Unterkammission der Afa und des GewenkschastSbundeS sein könne. Es müsse eine Bahn ein geschlagen werden, die die Zusammenfassung oller Betriebsräte er- möglicht. Wir verlangen eine Zentrale» die eine ausichlaggebenoc Macht der Arbeiter ist und nicht gegen, sondern mit den Gewerk- schaften arbeitet. Wir wollen in der von uns beantragten Zentrale je fünf Mitglieder der Afa und des Gewerkschafisbundes auf- nehmen. Nach dem Entwurf des Gewerkschaftsbundes uns der Afa sollen die Betriebsräte bevormundet werden. Die Gewerk- schaften sind konterrevolutionär, sie haben uns in den Sumpf ge- führt, in dem wir uns jetzt befinden. Der Redner kritisiert die von den Referemen beantragten Resolutionen. Ihre Annahme wurde keinen Schaven bedeuten, aber man dürfe sich nicht einbilden, damit etwas für die Interessen der Arbeiter getan zu haben. Der Redner empfiehlt die Anträge der U. S. P. und �K. P. D. auf Schaffung einer Zentvalle aus 30 Mitgliedern und je 5 Vertretern der Afa und ves Gewerkschaftsbundes.(Schwacher Beifall.) Dißmann(Referent): Genosse Brand ler sagte, uns trennt eine Welisufchauung. Er hat sich einen Popanz zurechtgemacht, um darauf losbauen zu können. In der Beurteilung der gegenwärtigen Sachlage trennt uns keine Weltanscbanung. Wenn sich Brandler rühmt, ein alter Gewerkschafter zu sein, dann muß er wissen, daß. sich die Gewerk- schaften von Anfang an ans den Boden des Sozialis- mus gestellt haben. Vor mir steht die Büste des Genossen Bebel. Wenn der den Genossen Branoler gehört hätte, er würde ihn beim Kragen genommen haben.(Heiterkeit.) Bebel hat sich früher mitdenJungen wegen derselben Phrasen herumschlagen müssen, die Brandler hier vorgetragen hat.(Lebhafter Beifall.) Wenn Brolat, Nörpel und ich gememfam für die Zusammenfassung der Betriebsräte eintreten, so stehen wir politisch doch nicht auf demselben Standpunkt, wie Brandler gesagt hat. Wenn wir auf einen gemeinsamen Kampfboden kommen wollen, dürfen wir den Andersdenkenden nicht beschimpfen, sondern wir müssen ihn durch sachliche Argumente zu überzeugen suchen. Wer der wirkliche Revolutionär ist, das wird sich in ver praktischen Arbeit zeigen. Der immer die Dreieinigkeit: Weltrevolittion, Räteorganisation und Diktatur des ProlelariatS im Munde führt, ist noch lange kein Revolutionär. Brandler vertrat seine Anträge als solche der 11. S. P. und der K P. D. Wir von der 11. S. P. lehnen es ab, uns mit Euch, die Ihr hinter Brandler steht, zu identifizieren.< Lebhafter Beifall.) Die Kernsrage ist: Selbständige Betriebsrätezentrale oder Zu- sammengcheii mit den Gewerkschaften. D:m Genossen L o s o w s k y muß ich entgegenhalirn, was uns von russischen Genossen über die russischen Betriebsräie gesagt worden ist. S.ch l a p n i k o ff sagt in seiner Broschüre, daß die Fabrikkomitees keine Wirtschaft- l i ch e n, sondern nur untergeordnete soziale Auf- gaben erfüllen und daß sie verantwortliche Organe der Gewerkschaften sind. Und B u ch a r i n sagt, die russischen Arbeiter hätten nicht den hundertsten Teil ibrer Leistungen vollführen können, wenn sie sich nicht auf die Gewerkschaften hätten stützen können. So spricht man in Rußland, aber im AuÄaNde stellt man es anders hin. Von Moskau wird verlang:, daß wir die internationale GH? Werkschaftszentrale zerschlagen Es ist eine böswillige Verleum- dung und Lüge, uns als Gelbe in der Amsterdamer Internationale zu verdächtigen.(Lebhafter Beifallt) Wir lassen unsere Gewerk- � schaften nicht zerschlagen und halten an der Amsterdamer Inter- nationale fest.(Lebhafter Beifall) Man beruft sich darauf, daß die Berliner Gewerkschaften sich mit der Bewiebsrätezcntrale ge- emigt haben. Diese Einigung ist nur zustande gekommen, weil die Betriebsrätezentrale nach dem Motto bandelte:„Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein." W �■:•••.• als Gelbe bezeichnet werden, haben in einer Berliner Fabrik i w Herstellung von Wasen verweigert. Aber die nickt bei uns organi- störten Revolutionäre haben dabei nick« mitgemacht. Sie, die Vir- treter der Weltrevolutian. stellen jetzt Waffen her zur Bekämpfung der russischen Vorkämpfer für die Weltrevolution.(Lebhafter Bei- fall.) Die bier vertretenen Betriebsräte sind denkende Männer. Sie können sich nicht anders entscheiden als ihr die Zusammen- arbeit mit ihren alten Kampforgainfarionen Gelingt es uns, die Gewerkschaften auf einem gemeinsamen Kampfboden mit den Be- triebsräten zu vereinen, so ist die Zukunft unser. lLebhafter, starker Beifall.) Es erfolgt die Abstimmung über die große Zahl der vorliegen- den Resolutionen und Anträge. � Mit einer einer starken Drelviertelmehrhcit wird eine Re- solution des Referenten Broiat angenommen/wodurch der Kongreß die Vorschläge des Gewerkschafisbundes und der Afa auf Bildung der freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale billigt. Die Ve- solution lautet: Die Arbeiterschoft hat die Kraft, die ihr als Klasse innewohnt, zur vollsten Entwicklung zu bringen. Au ihr liegt es, diese Kraft zur Tat werden zu lassen und sich aller ihr dazu bietenden Mittel zn bedienen. De» Betriebsräten sind durch ihre Stellung im Produktionsprozeß bedeutende Ausgaben gestellt, deren Lösung ihnen eine große Verantwortung auferlegt. Die Betriebsräte finden ihren Rückhalt in den Gewerkschaften, die nach wie vor in erster Linie auf wirtschaftlichem Gebiete den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit auszutragen haben. Die Stützung auf die Gr- wertschaften ist geboten, weil die Betriebsräte ihre Aufgaben nur erfüllen können, wenn sie des Rückhalts der Gewerkschaften sicher sind. Der Ausbau der Gewerkschaften zu mächtigen Industrie- verbänden ist Sache dieser selbst. Die Betriebsräte sind innerhalb der Gewerkschaften organisch zusammenzufassen. Eine Svnderorganisation der Betriebsräte ist weder örtlich noch zentral von Nüven, sie würde vielmehr, abge- sehen von einer Erschwerung der gewerkschaftlichen Tätigkeit, die wirksame Bcrtretung der Arbeitcrintcressen durch die Betriebs- räte lahmlegen. Dagegen ist eine örtliche Zusammenfassung der Betriebsräte im Anschluß an die Ortsausschüsse des A.D. G.B. und der Afa sowie der Schaffung einer Rcichszentrale gemeinsam mit ber Spitze der Gewerkschaften notwendig. Die örtliche Zu- sammenfassung der Betriebsräte und die Bildung einer Reichs- zentrale sieht der Kongreß nur auf dem Boden der Richtlimo« des A. D. G. B. und der Afa gegeben. Der vom Kongreß zu wah- lenbe Beirat wird beauftragt, in Gemeinschaft mit dem Gclchasts- führenden Ausschuß sofort die Borbcreitnng ber Wahlen zu den Bezirkswirtschaftsräten vorzubereiten, sobald deren Bezirke fest, stehen. Fast einstimmig wird eins sehr lange Resolution Dißmann an- genommen, die in ihrem wesentlichen Teil ungefähr folgende» sag-: Die dem Kapitalismus innewohnenden impcrialistftcheu Ten- benzen haben den Weltkrieg heraufbeschworen. Das Wirischolts- leben wird von steten, sich immer mehr zusvitzcndcn Kcnen rr- schüttcrt. Die von Unternehmern geübte Sabotage verschärft vre gegenwärtige akute Krise---- In klarer(fclenntntS all dieser Mängel und Hemmnisse des Gefeves... i"tt vre frelgewerkschaft- sich organisierte Arbeiterklasse an die den Betriebsräten durch die Situation gestellte» Aufgaben heran....Die Betriebsräte wie die gesamte Arbeiterschaft aber müssen sich wert über den engen Rahme« des Gesetzes hinausgehende Ziele stecke» und ihre gesamt« KStigkeit beme«tst»rechenk> eiustelle«... Die von den Betriebs- rsitctt auszuübende Produktionk-kontroLe darf sich nicht auf die einzelnen Betriebe beschränken, fiindern sie mus? in planmäßigem Aufbau und orgauischer Fortentwicklung zu einer Gesamt- kont rolle über die einzelnen Industriezweige lRohmaterial, Aufträge, Produktivität, Verkauf, Statistik usw.) wie der G'-'samt- industrie werden.... Diese Tatsachen zwingen die Gewerkschaften, der organisierten Macht des festorganisierten Unternehmertums den entschlossenen Willen der kampfbereiten Kops- und Hand- arbeiter als der ausgebeuteten überwiegenden Mehrheit gegen- überzustellen. Nur wenn in diesem Geist auf der ganzen Linie die Einstellung und Vorbereitungen durchgeführt, werden die Ge- werkschaften vor ihrer historischen Aufgabe bestehen: Als einzige geschlossene Organisation des klassenbewußten Proletariats Kämp- ser, Wegbereiter und Träger der proletarischen Wirtschaftsordnung zu sei«. Drei Resolutionen de? Referenten Nörpes, Hie ebenfalls fast einstimmig angenommen werden, sagen im wesentlichen folgendes: Die wenigen Rechte des Betriebsrätegesehes werben von den Unternehmern systematische sabotiert. Sie suchen die praktischen Arbeiten der Betriebsräte unmöglich zu machen. Der Kongreß fordert deshalb die Gewerkschaften aus, sofort eine Novelle zum V'-a'icbsrätegeseh auszuarbeiten, in welcher die Geschäftsführung des Betriebsrats, das volle Mitbestimmungsrecht bei Einstsllun- gen, bei Betriebseinschrankungen und BetriebScinstellungen gc- ii' wird. Die Novells ist der Regierung� dem Reichstag und dom ReichSwirtschastSrat zu übermitteln. Der Kongreß fordert die Gewerkschaften auf, sich dafür einzu, setzen, baß das besondere Gesetz über die den Betriebsräten vor- zulegende Betricbsbilanz und Gewinn, und Berlustrechnung schien- «igst verabschiedet wird. Der Kongreß fordert die schleunig- Verabschiedung des Ge- 'etzeZ über die Entsendung von Betriebsräten in den AufstchtSrat. Tin einer vierten ebenfalls angenommenen Resolution Nörpel erklärt sich der Kongreß einverstanden mit dem Aufruf der Afa, der die Angestellten auffordert, den Betriebsräten die für die Kontrolle nötigen Angaben zu machen. Einige Anträge, die Vorschläge z-ur Abänderung des Gesetzes enthalten, werden dem Beirat überwiesen. Eine Resolution, die die Gewerkschaften auffordert, für den Zufammenschluß aller Sand- und Kopfarbeiter in Jndustrieverbänden zu wirken, wird dem Ausschuß des Gewerk- schaftsoundes überwiesen. Zu einem Antrage, der das Eintreten für die K r i e g S b e- schädigten fordert, die nach Aufhebung der zu ihrem Schutz vor Entlassung bestehenden Verordnung der Kündigung entgegen- stehen, bemerkt Aufhänser, daß die Verlängerung der betreffenden Verordnung bestimmt zu erwarten ist. Eine Protestresolution gegen den Erlaß eines Dienst- Pflichtgesetzes und gegen die Beseitigung des Achtstunden- tages wird einstimmig angenommen. Ebenso«ine Resolution, die Vorschläge zur Lösung des Wohnungsproblems macht. Eine andere Resolution verlangt von der Regierung, daß sie die Aufhebung des Beschlusses der Boischafterkonfcrenz erwirkt, welche dahin geht, daß sämtliche im Bau befindlichen Dieselmotoren, auch solche, die bereits zu gewerblichen Zwecken verwendet werden, vernichtet werden müssen, und der Bau von Dieselmotoren verboten werde, was eine ungeheure Schädigung unserer Wirtschaft und große Steigerung der Arbeitslosigkeit bedeute. Graßmann bemerkt zu dieser Resolution: Die Entente der- langt von uns ungeheure Leistungen und nimmt uns die Mittel, womit wir diese Leistungen erfüllen könnten. Wir werden bei Herrn Mast ermann, dem Vorsitzenden der Ententekommission, im Sinne der Resolution vorstellig werden. Der Kongreß stimmt dem einstimmig zu. Andere angenommene Resolutionen verlangen Maßnahmen der Regierung gegen die Stillegung der drei größten chürttembergischen Fabriken, Sicherung der Tätigkeit der Betriebsräte bei der Eisen« bahn, die durch die von der Verwaltung herausgegebenen � Richtlinien gehindert werde. Ferner wird gegen die Jmmunitätsver- letzung gegenüber dem Abgeordneten Eisenberger protestiert. Es folgt eine Reihe persönlicher Bemerlungen. Aufhänser würdigt in seiner Schlußrede die Arbeiten des Kon- gresseS, der einen Wendepunkt in der deutschen Arbeiterbewegung bedeute und schließt mit einem dreifachen Hoch auf die auf dem Boden des konsequenten Sozialismus und des Klassenkampfes stehende Arbeiterbewegung. Unter Absingung des Sozialistenmarsches gingen die Delegierten um S% Uhr auseinander. Ekn Anfezg auf Schluß 2>iS«He, Bee auch Beat HB» geordneten Siering namens der MehrheitSsozialdenwkratit unter« zsichnet ist(Lärm bei den u. Soz.) wird gegen die Stimmen de» Unabhängigen angenommen. Ueber Artikel 1(12 unbesoldet» Stadträte) beantragen die Unabhängigen namentliche Ab« stimmung. Der Antrag ist nicht genügend unterstützt, also ah« gelehnt. i Artikel 1 wird gegen die Stimmen der beiden sozialdemotev« tischen Parteien angenommen. Ein Antrag DominicuS fTem.s verlangt einen neuen Am tilel 2a., wonach bis zur Bildung des Magistrats der neue« Stadt« gemeinde dessen Zuständigkeiten durch den Magistrat der alt eck Stadtgemeinde Berlin wahrgenommen werden sollen. Ebenso solleck die Obliegenheiten deS Oberbürgermeisters bis zu dessen Bestäti« gung durch den bisherigen Berliner Oberbürgermeister toO* geübt werden. Abg. Ludwig(U. Soz.): Der Antrag will nur Fehler miede» gutmachen, die Sie(zu den Bürgerlichen) während Ihrer Her» schuft in Berlin gemacht haben. Artikel 2a toi ob gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Unabhängigen angenommen, ebenso der Rest des Gesetze?. Die Tchlußabstimmung ist auf Antrag' des Abg. Siering(Soz.) namentlich. Das Gesetz findet mit 161 Stimmt« der bürgerliche«! Parieren gegen 123 Stimmen der Sozialdemokraten und Unab« hängigen Annahme. Vier Abgeordnete enthalt«« sich deck Stimme... Das Gesetz über die Aenderung der AmtsgerrchtS« bezirke Rüthen und Warstein wird ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenommen. � Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes über Abänderung der Znsammensetzung der Schuldcputation, Schulvorständo und Schul- Zommiffion. In der Debatte bemerkt � Abg. König-Frankfurt(Soz.): Wenn der Gerstliche ohne wertere? zum Schulborstcmd gehört, so müßten Sie(nach � rechts) auch vre Prediger der Freireligiösen Gemeinde beruckstch« tigen. Weine politschen Freunde sind der Ansicht, daß der Geist- liche nicht geborenes Mitglied der Schuldeputation ist. sondern nur gewählt werden kann. Das Gesetz wird mit einer Aenderung endgültig angenommen. Es folgt die erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über dt« Mahle« zum preußischen Lanötag. Wähler sind danach alle über 20 Jahre alten deutschen Reichs- angehörigen, Männer und Frauen, die in Preußen wohne». Für Soldaten ruht die Ausübung des Wahlrechts während der Dauer der Zugehörigkeit zur Wehrmacht. Ausgeschlossen sind Entmündigte sowie unter vorläufige Vormurrd schaff oder wegen geistiger Ge- brechen unter Pflegschaft Gestellte und diejenrgen, dre die bürger- lichen Ehrenrechte nicht besitzen. Außer de» Wahlkreisen wird auch eine Zusammenfassung in Verbandswahlkreise festgesetzt. Jedem Kreiswahlvorschlag wird ans je SO 600 für ihn abgegebene Stimmen ein Abgeordnetensitz zugewiesen. In einer Anlage zum Gesetz werden die Wähilkreise und die Verbandswahlkrelse geregelt. In Verbindung hiermit wird beraten ein Antrag Hergt(Dnat. Vp.h und Genossen, der die Regierung ersucht, unverzüglich Maß- nahmen einznleitcn, damit die Reuwahlen zum Preußischen Land- tag auf Grund eines beiliegenden Notwählgesetzes spätestens am 12. Dezember 1020 stattfinden können. Ferner wird beraten ein Antrag der Abgg. Dr. v. Richter(D. Vp.) und Genossen, wonach die Wahlen für den 12. Dezember 1920 anzuberaumen sind, wobei das Wahlgesetz� zum Reichstag zugrunde gelegt werden solle, nur daß auf 45 000 Stim- men bereits ein Abgeordneter entfallen soll. Weiter wird beraten ein Antrag Adolf Hoffmann(U. Soz.) und Genossen, wonach die LandcSverscnnmlnng beschließen soll, sich für anfgelö st zu erklären und die Staatsregierung ersucht wird, sofort Neuwahlen auszuschreiben. Abg. Adolf Hoffmann(U. Soz.) verzichtet aufS Wort zur Begründung seines Antrags. Wg. Dr. v. Nichter(D. Dp.) begründet den Antrag seiner Partei: Für uns ist die Frage der Auflösung eine politische Frage allerersten Ranges, aber keine parteipolitische. Tie Zusammensetzung der Landesver- sammlung muß sobald wie möglich in Uebereinstimmung � gebracht werden mit dem Willen der Wähler, sonst herrschte sa bei uns der ParlamentsabsolutismuS und nicht die Demokratie. Die KoalitionZ- parteren haben gegenüber den Wahlen von 1913 bei denen von 1920 über acht Millionen Stimmen verloren.(Hört! hört!) Ferner kann der parteipolitische Gegensatz zwischen dem Reiche und Preuße» nicht ohne Schädigung beider aufrechterhalten werden.(Sehr richtig! rechts.) Die Demokraten sind auf dem besten Wege, in der Frage der preußischen Landtagswahlen eine ebensolche Rücklnärtsrevi- dierung vorzunehmen wie beim Gesetz Groß-Berlin. Wenn uns erst jetzt von der Regierung ein solcher Wählgesetzentwurf vorgelegt wird, dessen Modalitäten wirklich nicht der langen Vorbereitung be- dürft hätten, so ist das entweder ein Zeichen der völligen 11 n- s ä h i g k e i t der Regierung oder ihres bösen Willens.(Sehr richtig! rechts.— Unruhe links.) Es ist Heuchelei, wenn man uns Verfassungsgegnerschaft borwirft und selbst die Verfassung sabotiert, indem man den Willen des Volkes nicht respektiert.. Das Volk wird unserem Rufe bei den Landtagswahlen folgen.'(Lachen links.) Wg. Nippel(Dnatl.) begründet daS von seiner Partei beantragte Notwahlgesetz: Bei der vorgeschrittenen Zeit ist die Landesversammlung gar nicht in der Lage, ein Wahlgesetz so durchzuberaten, wie es nötig wäre. Unser Notenwurf ist zudem viel besser wie der RegierungS« entwurf. Die Regierung hat die Verschleppung des Wahlgesetzes wohl überlegt und vorbereitet. Die Neuwahlen müssen so schnell wie möglich kommen, und wenn wir mit der Verfassung nicht mehr fertig werden, so trägt die Schuld daran die Mehrheitssozialdemo- kratie, obwohl sie 1% Jahre Zeit hatte (Schluß im Hauptblatt.)' es für seine Pflicht, dem Guten zum Siege zu verhelfen.— „Natürlich aber/ schloß Dr. Fcldner seine lehr« reichen Ausführungen,„dürfen Sie nicht so ein altes Gerümvel von Grudeherd kaufen, wie man sie früher hatte, sondern nur einen mit Wellsiebfeuerung/ „Aber Herr Doktor, Sie reden sich ja ordentlich in Begeisterung hinein," sagte Frau Inge fröhlich. „Ja, die Sache ist auch begeisternd, Sie müssen sich die Wellsiebfeuerung unbedingt ansehen. Die Patent-Jnhaberin, die Deutsche Patent-Grudeofen- Fabrik Walter Rieschel u. Co., G. m, b. H., in Liebertwolkwitz b. Leipzig hat in Berlin, Jerusa« lemer Str. 15, eine Niederlassung, wo man Ihnen die Sacke sicher gern voriübren wird. Und da» kann ich Ihnen sagen, wenn Sie eine» solchen Herd anschaffen—«8 gibt auch Heizösen nach diesem System—, so übernehme ich jede Garantie, daß Ihre Minna trotz der drei Treppen bleibt."— Dem Rat eines Arztes muß man gehorchen. dachte Frau Inge; schon am nächsten Tage ging sie nach der Jernsalemer Straße 15 und taufte, kaufte einen Rieschel-Pateut-Grudeherd mit Well- siebfeuerung. Und nach acht Tagen bekam Dr. Feldner_ von Frau Inge eine Postkarte, auf der außer emem Gruß und ihrer Nameuöunterschrift nichts werter stand als: »Minna bleibt l' Der Kampf um Hroß-öerliu. peesOiMs ZsNöLsvsrsammstMg. (Schluß aus der WendauSgabe.) Wg. Heilmann(Soz.): Die erste offizielle Rede der kommunistischen Fraktion ist eben in diesem Hause gehalten worden.(Stürmische Heiterkeit.) Es ist bedauerlich, daß der Vorredner nur Stadtrat in Halle ist und auf diese Weise seine kostbare Kraft dem Gemeinwesen Groß- Berlin verloren geht.(Stürmische Heiterkeit.) Wenn der Herr Vorredner meint, daß es mir leid täte, daß meine Berliner Ge- Nossen mit den Unablstingigen gemeinsam Kommunalpolitik getrieben hätten, so irrt er sich. Ich mache immer gern ver- n ü n f t r ge Politik, ich mache sie besonders gern mit den Unah- hängigen— was ich bedauert habe ist, daß die Unabhängigen unsere Genossen zu gewissen Fehlern gezwungen haben, an deren Einwirkunz wir haute noch leiden.(Aha! bei den U. Soz.) Meine Fraktion hat beantragt, über das Gesetz eine namentliche Schl uß a bst i m m u n.g vorzunehmen.(Zuruf der U. Soz.: Wieiben Sie drin?) Jawohl, wir bleiben drin und wir werden auch alle Anträge, die eine Verschiebung bezwecken, ablehnen, denn wir legen Wert darauf, daß das Gesetz heute noch ver ab- ff'chiedet wirb. Der gegenwärtige Zustand in Berlin ist un« erträglich, denn eS geht nicht an, daß eine Vrermillionenstadt in dieser fürchterlichen Zeit der Arbeitslosigkeit und der Er- nährungskrise wochenlang provisorisch verwaltet wird.(Er- regte Zurufe bei den 11. Soz.) Da gilt es doppelt, daß der Magistrat(mit starker Betonung) mit sozialistischer Mehrheit so- bald als möglich feine Arbeiten beginnt. Wir lehnen darum jede Obstruktion ab, die nur dann einen Sinn hätte, wenn Aussicht bestünde, daß die jetzt gewählten Magistratsräte bestätigt würden. � Diese Aussicht aber besteht nicht.(Andauernde Zwischenrufe bei den U. Soz.) Als der Ausschuß zusammentrat, beantragten die Hürgerlichen, daß die Magistratsräte solange nicht bestätigt würden, bis das Gesetz hier verabschiedet sei.— Diesem Antrag wurde van niemandem widersprochen, auch nicht von den«»abhängigen.(Hört, hört! Zuruf der U. Soz,: Lügen!) Auch im Ausschuß haben die«nabhängsgen ebenfalls keinen Einspruch erhaben, was der Vorsitzende des Ausschusses noch ein- mal ausdrücklich feststellte. lHört, hört!— Erregte Zurufe bei den II. Soz.) Ich wiederhole: Es ist im Ausschuß gegen diese N'chlbe.sfätigung kein Einspruch erhoben worden. Daß wir durch Obstruktion das herbeiführen, was die Llcallionäre ja eigentlich wollen, nämlich, daß das Gesetz Groß- Berlin überhaupt nicht in Kraft tritt, dieses Verlangen mag viel- leicht dem Gebot von Moskau entsprechen, unserem tiefen Bevantwortkichkeitsgefühl entspricht es nicht.(Lebhafter Beifall.— Zwischenrufe der II. Soz.) Im Ausschuß hat der unabhängige Ab- geordnete Leid bis zu drei, fünf und zehn unbesol- deten Stadträten ruhiij gehen wollen, wenn Sie(zu den Bürgerlichen) klug gewesen wären, dann hätten sie diesem Antrag gleich zugestimmt. Wenn aber heute Herr Kilian in so großen Wnen revolutionäre Phrasen drischt, so hätten die Unabhängigen vorher nicht solche Kuhhandelere» treiben sollen.(Sehr richtig!) soll eben nur verdecken, daß Ihr(zu den U. Soz.) ganzer Radau Sie wieder einmal parlamen- t arisch entgleist sind, und soll Prinzipreutreue vortäuschen» wo nackter Kuhhandel besteht.(Erregter Widerspruch bei den 11. Soz.— Zuruf Adolf Hoffmanns: Was verstehen Sie von Prin- zipien?) Herr Adolf Hoffmann, Karl Marx hat recht gehabt, als er erklärt hat, daß'es keinen widerwärtigeren Menschen gibt, als die atheistischen Pfasfea.(Stürmische anhaltende Heiterkeit.)— Nun wieder zur Sache. Was wollen Sie(zu den Bürgerlichen) eigentlich mit der heutigen Borlage? Sie haben Beschwerden gegen Herrn Löwenstein, gegen Herrn Adler und andere, aber Sie haben sich anscheinend noch gar nicht klar gemacht, daß daran die �Novelle gar nichts ändert: Löwen st ein bleibt, Adler bleibt. Sie klagen über die ungenügende Berücksichtigung von Fachmännern und statt dessen greifen Sie ein paar arme Stadt- räte an. Wenn Sie sich dagegen die fürchterlichen Folgen der durch Sie heraufbeschworenen Verhetzung, die durch Ihren törichten und aufreizrude« Kampf gegen das Gesetz Groß-Berlin hervorgerufen wurde, vor Augen führen und dagegen halten, daß Sie durch die heutige Novelle gar nichts daran ändern, dann habe ich noch immer die Hoffnung, daß die Einsicht bei Ihnen siegt. Meine Freunde haben in einer Fiunktionärsitzung ausdrücklich er- klärt, daß sie die beteiligenden Unabhängigen an der Verwalinng und damit an der Verantwortung begrüßen. Sie haben aber ebenso ihren festen Willen erklärt, da? oeMokratische Prinzip nach der Stärke der Parteien ebenfalls aufrecht zu erhalten, a u ch i n den Bezirken.(Beffall.) Ich würde mich freuen, wenn die bürgerlichen Parteien dies auch von jenen sechs Bezirken erklären würden, in denen Sie die Mehrheit haben.— Die Umwandlung der Einzelgemeinden in die Gemeinde Groß-Berlin bringt viele Störungen und unangenehme Uebeogangserschernungen mit sich; ich glaub« deshalb, daß alle Menschen, denen das Wohl der Ber- liner Bevölkerung am Herzen liegt, alles tun müssen, daß aus dem Wirrwarr der gegenwärtigen Lage möglichst bald ein Zustand sich herauskristallisiert, der das Wohl der gesamten Be- völkerung Berlins in höchstmöglichem Maße gewährleistet. (Lebhafter sich wiederholender Beifall.— Unruhe bei den U. Soz.) Abg. Dr. Leidig(D. Vp.): Ich kann die Erklärung des Vor- redners über die Vorgänge im Ausschuß bezüglich der Nichtbestäti- gung nur bestätigen. Ferner kann ich namens meiner Freunde erklären, daß wir in den Bezirken, wo die Büvgerlichen die Mehr- heit haben, die Minderheit entsprechend berück- sichtigen werden. Abg. Leid(U. Soz.): Ich habe im Ausschuß mich gegen jede AusnahmebehaNdlung der Grcß-Berlrner Bevölkerung gewandt. Gegen die Nichtbestätigung habe ich mich entschieden ausgesprochen. Für uns handelt es sich um eine Prinzipienfrage. Sie aber wollen ein Ausnahmegesetz gegen eine Ihnen UNbequeme Partei; dagegen wehren wir uns mit aller Kraft. Wir sind erbittert, daß die Parin des Kollegen Heilmann nicht entschieden auf unserer Seite ist. Sie(zu den Mehrheitssozialisten) treiben mit der Deinokratie Schindluder. Es gibt kein anderes Mittel, als daß die Arbeiter- schaft Groß-Berlins sich mit aller Macht zur Wehr setzt und Ihnen zeigt, was sine Harke ist.(Beifall bei den U. Soz.) Abg. DominicuS(Dem.): Ich habe namens meiner Freunde zu erklären, daß wir selbstverständlich dafür sorgen Werden, daß die Minderheit an der Vertoaltung der Bezirke auch beteiligt wird. Im übrigen halte ich meine Bemerkungen über die Stellung des Kol- legen Leid im Ausschuß durchaus aufrecht und freue mich, konstatieren zu können, daß meine Erklärungen auch heute durch s drei anwesende Zentrumsabgeordnete bestätigt werden. Minna bleibt. Eine lehrreiche Geschickte für Hausfrauen. Von H. K a r l. „Die Gasrechnung ist auch gekommen," schrieb Frau Jnoe an v?n abwesenden Galten.„Denke Dir. 240 MI! Ist e? nicht-----" schrecklich wollte sie hinzusetzen, als aus der Kucke ein fürchter- licher Schrei ertönre. Nicht anders hörte es sich an, als ob Minna, der Perle des Hauses, mit einem stumpfen Messer die Kehle abgeschnitten würde. Frau Inge stürzte zur Küche. Dort kauerte Minna blaß, in sich zusammengesunken wie ein Häufchen Unglück, auf einem Küchenstuhl und wimmerte zum Steinerweichen. „Aber Minna, wie Sie mich erschreckt haben! Was ist JErnen denn paisieit?" Mit abgewandtem Gesicht, als könne sie daS Gräßliche nicht sehen, hielt Minna ihrer Gnädigen einen blutigen Daumen unter die Nase. Jetzt erst sab Frau Inge, daß Minna sich beim Holzspalten in den Daumen gehackt hatte. „Ach. ich werde sterben----" wimmerte Minna,„das Bell war so rostig Vor Mitleid mit sich selbst sank sie immer mebr in sich zusammen und wie ein Bäcklein liefen dicke Tränen ihre prallen Wangen herunter. gu MinnaS Beruhigung telephoniert« Frau Inge zu Dr. Feldner, dem Hausarzt. In wenigen Minuten war er zur Stelle. „Fassen Sie fick, teure Minna, die Sacke ist nicht halb so scklimm, wie sie aussieht"— I suchte Dr. Feldner den verwundetenHausgeist zu beruhigen. „Ich werde also nicht sterben?" hauchte Minna, da? Gesicht sckon wieder hoffnungsvoll erhoben. „Gewiß werden Sie sterben— aber nicht daran." lachte der Doktor. Er legte einen Verband an, und die Sache schien ausgestanden. Schien— ober man weiß, wie die sichere Rettung dem Menschen Mut macht. So auch bei Minna. Sie war plötzlich„aufgezogen" und mit erschreckender Zungenfertigkeit erklärte sie ibrer„Gebieterin"(was man heute so„Gebieterin" nennt), daß sie den ganzen „Kram" satt habe, daß sie nickt immerzu Kohlen schleppen und Holz spalten wolle, daß sie auch mal saubere Hände haben wolle, daß sie uiw. usw. „Ueberbaupt. wo jetzt der Winter kommt," fügte sie mit Nachdruck hinzu. Frau Inge und Dr. Feldner fanden eS geroten. sick vor diesem verheerenden Platzregen sprudelnder Worte zurückzuziehen.„Ja, was sagen Sie zu den heurigen Mädchen?" fragt« Frau Inge aufatmend den Doktor. „Daß sie recht haben," erwiderte der Doktor. „Dieses von Ihrer Mmna so übel vermerkte Kohlen« schleppen und Holzspalten ist in der Tat nicht mehr zeitgemäß, e» ist veraltet." „Aber bester Herr Doktor, ich kann doch meinem Mädchen zu Liebe nicht ins Erdgeickoß sieben, statt drei Treppen zu wohnen, oder soll ich etwa mit Luft heizen?" „Ja, das sollen Sie." Frau Inge sah den Doktor unsicher an; sollte er plötzlich--? Dr. Feldner lachte.„Natürlich sollen Sie mit Luft heizen und zwar mit Heißluft. Haben Sie noch nichts von der Grudeheizung gebort? Im modernen Haushalt kocht, bratet und bäck: man mit Heißluft, jedes Gericht behält sein volles Aroma und— was für Minna die Hauptsache sein würde— das Holzspalien und das häufige 5kohlenschleppen fällt weg. Bon Grudekoks kann man stets emen tüchtigen Borrat in der Küche haben, da er durch seine Feinkörnigkeit wenig Platz einnimmt. Was aber wirtschaftlich ein großer Vorzug ist— die Grudefeuerung ist viel billiger als Kohle oder Gas." Frau Inge hörte aufmerksam zu. Das war ihr in der Tal etwas ganz Neues. Gern gab Dr. Feldner Frau Inge weitere Aufklärungen über so einen modernen Grudeherd, erklärte ihr, wie man durch dre Wellstebfeuerung schnelle Hitze, wie auf Gas, erzielen könne, daß der Grudeherd immer im Be- trieb sei, wenig Wartung verlange und stets heißes Wasser liefere usw. usw.... Wie vorhin Minna, so war jetzt der Doltor.aufgezogen", denn er war ein eifriger Anhänger der Grudefeuerung und hielt Das preußische LanSesversammlung. (Schluß aus der L. Beilage.) Minister des Innern Severing: Wenn man diese Debatte hier auf sich wirken läßt, so sollte man der Meinung sein, daß wir keine Arbeitslosen in Deutsch. land haben, daß w-ir nicht vor große Schwierigkeiten gestellt sino, sondern uns den Luxus kleinlicher politischer Zänkc- reien gestatten können.(Sehr richtig! link?.) Ich kann die Ausführungen der Vorredner nicht als einen Versuch anerkennen, sich sachlich mit der Regierung auseinanderzusehen, und ich bin ge- wohnt, in demselben Tone zu antworten, wie ich provoziert werde. Sie sagen, daß die Haltung der Regierung bösen Willen zeige. Da können Sie von mir nicht verlangen, daß ich Ihren guten Willen anerkenne,(sturus rechiS: Verlangen wir auch gar nicht) Wenn die Herren erklären, daß eS sich zwar um eine politische Frage eisten Ranges handle, aber um keine Partei. politische, und wenn dann der Redner ron der Rechten im gleichen Atem ausrechnet, wio sich für seine politischen Freunde das Wahlergebnis in Preußen nach veu Evgebnissen des 6. Juni im Reiche gestalten würde, dann werden doch wohl auch Partei- polittfche Motive in Betracht kommen. lSehr wahr! links.) Wenn die Herren aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen wollten, so müßten sie anerkennen, daß für seden, dem eS darum zu tun ist, den. Schwierigkeiten deZ nächsten Winters zu begegnen, die Wahlrechtsfrage nur eine Frage der Praxis tst. Was wollen Sie denn als V o l k S st i m m u n g bezeichnen?(Zuruf rechiS: Die .Wahlen vom 6. Juni!) Glauben sie, daß, nachdem sich heraus- gestellt hat, daß die Herren v. Räumer, Scholz und Heinz« auch nur mit Wasser kochen können, daß keine Besserung der wirtschaftlichen Lage eingetreten ist, sondern eine Verschlechterung, die Stimmung im Polke Ihnen n o ch g ü n st i g ist?(Unruhe rechts.) Dann ist hier auch gesagt wor- den, was auch in der Presse jener Herren immer wiederkehrt, daß daZ Verhältnis der preußischen Regierung zur Reichsregieung ein schiefes sei. Run hat aber der demokratische Minister Koch in Köln erklärt, er habe daZ nur in der Leitung gelesen, und zwar stand es in einer d.nn Abgeordneten Richter riahestehenden Zeitung, dem ...Hannoverschen Courier".(Heiterkeit.) Weiter hat Minister Koch hervorgehoben, daß das Verhältnis der beiden Regierungen das d e n k b a r f r e u n d s ch a f t l i ch st e ist, daß für den sozial- demokratischen preußischen Innenminister nicht portikularistische Interessen maßgebend sind, sondern daS Bestreben, Deutschland über die Gckwiergkeiten hinwegzubringen. Minister Koch hat außerdem auf der Partcizusammenkunft in Ulm hervorgehoben, daß gerade der preußische Minister des Innern das Verhältnis zwischen Reichsregierung und preußischer Staats- regierung so erträglich macht.(Hört, hört! links.) Auch wenn nach Neuwahlen in Preußen dieselbe Situation kommt wie im Reiche, so bin ich der festen Ucberzeugung, daß eS rechr oft Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ressorts im Reiche und im preußischen Staat geben wird. So war eS früher und so wird eS künftig sein, und auch wenn an meiner Stelle Herr v. Richter stände, würde eS nicht anders sein. Ich habe sehr oft die Reichs- inte reffen vorangestellt. Erst gestern Hai mich der Reichs- arbeiisminister gebeten, meine Kräfte zur Beilegung des ElekrrizitätSstreikS zur Verfügung zu stellen. Sodann er- innere ich an meine Hilfe in Schlesien, wo der ReichSarbeitS- minister keinen Erfolg hatte und um mein« Vermittlung bat. Mir ist es gelungen, ohne weitere Machtmittel in Anspruch zu nehmen, die Bcraarberer zur Vernunft zu bringen. Sie(nach recht?) haben Ihren Wahlgcsctzentwurf in ein paar Stunden fertig gomacht. In der Fixigkeit sind Sie mir über. a!ber in der Richtigkeit noch lange nicht. (Heiterkeit.) Die Wählerlisten müssen aufgestellt und berichtigt werden. Dazu sind mindestens drei Wochen nötig. Dazu kommen die anderen Arbeiten. Im ganzen brauchen wir 10 bis U Wochen zur Vorbereitung, wenn wir nicht nachher Vorwürfe von Ihnen be- kommen wollen. Der Entwurf Hergt ist durchaus nicht so gut, wie Herr Rippel meinte. Der Termin vom 12. Dezember kann auch nach den Anträgen der Rechlen nicht innegehalten werden. (Widerspruch rechts.) Ich bezweifle sehr, daß dt« Herren eS früher. zum Beispiel im Juli, so eilig gehabt haben. Ich habe den Eni- wurf des Wahlgesetzes damals vorgelegt. Von einer Verschleppung kann also gar keine Rede sein.(Widerspruch des Ab«. Graes.) Wir erfahren in den nächsten Tagen, welche Absichten die Reichs- reaierun� für ein Re.ick>Swahlfleseß I>crt. Dieses k«nn im Au-Sschnh berücksichügt werden, so daß die Parteien nicht nötig haben, ihren Propagandaapparat in Preußen anders einzustellen als im Reich. Den Vorwurf der..Futterkripoenpolitik" des.Herrn v. Richter weise ich zurück. TaS Anseken dcS Parlaments wird nickt steigen, wenn das Volk durch die Parlamentsberichte täglich erfährt, welcher Ton hier eingerissen ist.(s-ebhaste Zustimmung.) Die Aemterwirtschaft der Rechten in der ftüheren Zeit würde bei einer Prüfung nicht besonders günstig abschneiden. Der dauernde Hinweis auf Bayern als Ordnung? st aat im Gegensatz zu Preußen hat durch die Mißhandlung dcS Dr. Magnus Hirschseld in München gerade kein« Bcstäiikmng erfahren.(Lebhafte Zustim- mung.) Es muß einmal geiagt werden, daß die Rechte doch wahrlich die Hauptschuld daran trägt, d-.ß die LandeSversammlung ihre Arbeiten nicht früher erledigt lar.(Großer Lärm recht?,— Rufe: Beweise!) Sehen Sie sich die Drucksachen an, dann haben Sie Be- weise! Die kleinen und großen Anfragen sind von Ihrer Seite hier doch geradezu hineingeregnet.(Anhaltende Unruhe rechts.— Leb'af!« Zustimmung bei den anderen Parteien.) Sie (zur Rechten) baben eS leicht, hisr Kritik zu üben. D'« unglücklichen Männer, die jetzt in der Regierung sitzen und von Ihnen so reich- lich mit Anwürfen bedacht werten, sorgen dafür, daß die parlamen. tarische Geschäftsführung überhaupt noch mögli'ch ist. (Großer Lärm rechts.) Wir würden nichts lieber tun. als Ihne i d'e Regierung überlassen, wenn das Schicksal Deutschlands uns nicht über allem stände. Die LandeSverfammlung darf deshalb )t Wahlgesetz. nicht eher auseinandergehen, vis sie die ihr vom Volke übertragene Aufgabe gelöst hat.(Anhaltender lebhafter Beifall.— Widerspruch rechts.) Abg. Hrilman»(Soz.): Ich stimme mildem Abg. v. Richter darin überein, daß eS sich hier um eine hochpolitische Frage handelt, die nicht parteipolitisch behandelt werden sollie. Um so auffallender'st eö, daß die beide« Redner der Rechten bier kein einziges Wort über Ooerschle- s i e n gesagt haben. Sie(zur Rechten) wollen also die Abstimmung haben, ohne das Geschick OberschsesidnS abzuwarten. Nach dem Kapp Putsch sagte im Hauptausschuß der Naticnalversmmlung ein Deutschnationaler, er habe sich davon überzeugt, daß eS ein nationales Verbrechen sei, die Wahlen zum Reichstag vor der Abstim- mung in SchlcSwig-Holstrin und im Osten vorzunehmen. Sie(zur Rechten) wiederholen jcvt dieses nationale Verbrochen, Sie. die Sie das Wort not onal als Wappenschild Ihrer Partei mißbrauchen.(Lebhafte Zustimmung.— Große Unruhe recht?.' Sie liefern den Beweis, daß Ihnen ein paar Mandate mehr wert sind als Obrrs'chlesie«, als Preußen und ganz Deutschland. Die Parteien der Rechten, die erst vor einiger Zeit den unabhängigen Antrag auf Auflösung dieses Hauses abgelehnt haben, haben kein Recht, jetzt plötzlich Neuwahlen zu verlangen, weil es ihnen in den Kram paßt. Gewiß haben Sie(nach rechts) bei den ReichstagSwallen einen großen Er- folg gehabt, aber nur durch Ihre Wahldemagogie. Den Versprech- ungcn stehen keine Taten gegenüber. Auch von dem Sprengen derroten Ketten hört man n'chts melr. Hätte Herr Severtng dem russische Kommunisten Sinowjew die Einreise zum Unab- hängigen Parteitag erlaubt, so wäre ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen. Jetzt aber hat ein bürgerlicher Außenminister es getan, da schweigen alle Flöten, sogar die des Herrn Stendel.(Große Heiterkeit) Wir bestimmen den Wahltermin nur nach dem Stand unserer Arbeiten. Nach einem Jahre sozia- listischer Ministerhevrschaft sind von den politischen Beamten e r st ein Zehntel Sozialdemokraten. Hat sich je eine regierende Partei so bescheiden gezeigt? Die Redensart von der Futterkrippe' stammt daher, daß bis zur Revolution die Herren aus den kon- i'ervativen Kreisen ein Monopol auf die Aemtcr tatten und� die Durchbrechung diese? Monopols nicht vertrage« können. Wenn «in Deutschnationaler oder Dern'cher Wolksparteilcr von Demokratie spricht, so klingt das immer, als wenn ein Amerikaner vom Völkerbund spricht.(Heiterkeit.) Ter Kapp-Putsch ist ein.kleine? Wunder. Zprrnchst sind die Führer und An- stifter verschwunden, und jetzt rst der ganz« Kapp-Putsch nur eine faule AuSred« geworden.(Heiterkeit.) Di« Sozialdemokraten haben ihn nur geträumt, um. die Wahlen hinauSzuschleppen und sich weiter an der Futterkrip.'e zu mästen Die heutige Debate ist erfreulicherweise recht ruhig verlauten. Vorher tat eS geheißen, mit allen Mitteln werde man die Neuwahl erzwingen. Seit aber die Mehrheitsparteien erklärt.haben: wir bestimmen den Wahl- tennin, seitdem ist der Ton sogar des Herrn R'ppel ruhiger geworden. Der Erfolg ist immer der'der Entschlossenbeit. Ich hoffe daher, daß die Mehrheitspartcien künftig in allen Fragen Entschlossenheit zeigen werden. Neorigens sind die Wahlen am nötigsten bei den 2 a n d- Wirtschaftskammern.(Sehr richtig bei den So?.) Wir fürchten keine Neuwahlen, weder im Reiche, noch in Preußen, noch in den Gemeinden. Wir fürchten uns nicht vor der Ab rech- nung mit- Jbrcr Demagogie, mit der sie am(5.Juni ge. siegt haben, und vertrauen auf die Einsicht des deutschen Volkes. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Hager(Ztr.): Wenn hier nicht so viel geredet worden wäre, hätten wir längst Neuwahlen. Unser Volk hat übrigens anderen Kummer als den Wahlkummer. Es denkt daran, wie eS über die Not des Winters hinwegkommt.(Lebhafte Zustimmung.) Abg. Jansen(Dem.): Erfreulicherweise hat die Rechte gelernt. Sie redet plötzlich von der Notwendigkeit einheitlicher Politik im Reich und in Preußen.(Rufe recht?: Haben wir auch früher ge- wollt!— Gelächter!) Gerade Sie kaben die Wahlrcchtöänderung in Preußen ja verhindert.(Lebhafte Zustimmung.) Auch wir sind für eine rasche Erledigung der Geschäfte des HaüseS. Se'bstvcrstäirdlich können wir nicht ariSeinandergehen, ehe wir die Verfassung erledigt � haben.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Ludwig(U. Soz.): Preußen ist überflüssig.(Lebh. Beifall bei den U. Soff.) Wir werden bei den Wahlen für die Be- seitigung der Einzellandtage agitieren. Abg. Garnich-Berlin(D. Vp.): Wir sehen den Wahlen mit um so größerem Vertrauen entgegen, je länger Sie sie hinausschieben. Abg. Koch-Oepnhauscn(Dnätl Vp.): Preußen ist heute eine Ge- fahr für das Reich.(Lebhaftes Hört! hört! links.) Die Vorlage wird samt den dazu vorliegenden Anträgen einem neuen Ausschuß von 28 Mitgliedern überwiesen. Dem- selben Ausschuß wird das Provinzial- und Kreis wähl- g e s« tz überwiesen. Danach erklärt der Präsident außerhalb der Tagesordnung: Es ist im Verlaufe der Ausspräche ausgeführt worden, daß die Landes- versammluiig während ihrer ganzen Dauer nur 168 Tage Voll- Versammlung gehabt hat. Dazu erkläre ich, daß während eines wesentlichen Teiles der übrigen Zeit Kommt ssionSsitzun gen stattgefunden haben. Diese Erklärung ist notwendig, damit im Lande keine falsche Meinung über die LandeSversammlung ent- steht. Nächste Sitzung Dienstag, den 19. Oktober, 2 Uhr: Kleine An- fragen, Haushalt des Finanzministeriums, verbunden mit der all- gemeinen Besprechung über die Finanzlage. Präsident Leinert erklärt weiter: Außerdem setze ich die große Anfrage des Abg. Hetgt(Dnatl Vv.) über die Bestätigung der Wahl dek Dr. Löwen st ein zum Oberstadtschulrat ans die Tagesordnung, obwohl die Regierung erklärt hat, daß sie vorläufig nicht in der Lage sein wird, die Anfrage zu beantworten. Ich stelle sie auf die Tagesordnung, weil auf Grund der Geschäfts� ordnungSbestimmungen 15 Abgeordnete einen dementsprecheuocn An- trag gestellt haben. Schluß 8 Uhr. Die �lnschlußbewegung in Deutschofterreich. Am letzten Sonntag fand in Linz a. Donau eine riesige Wahlversammlung der Sozialdemokratlichen Partei unkr freiem Himmel statt, in der der Staatssekretär für Heerwesen Genosse Dr. Julius D e u t s ch vor Ist 000 Menschen sprach und nach einem Bericht des sozialdemokratischen »Linzer Tagblattes" auch eingehend die A n s ch l u ß f r a g e erörterte. Er erinnerte an den heftigen Kampf in den sechziger Jahren zwischen den„Kleindeutschen", die ein Deutschland unter preußischer Hegemonie mit einem Hohen- � zollern an der Spitz« gründen wollien, und den„Groß- deutschen, die für eine österreichische, also Habsburgische Vorherrschaft eintraten. Sodann fuhr er fort: Damals haben die Sozialdemokraten den politischen Schauplatz betreten und erklärt: Die Arbeiter Deutschlands treten für da? gesamte Deutschland ein, n» ch: aber für ein Deuisckssand der Hoh«nzollern oder der Habsburger. Ein deutscher Dichter hat daS in folgende glanzvolle Worte zu semmengefaßt: Kein Preußen und kein Oesterreich' Gut Wind und gut Geschick Der deutschen Republik!" (Beifall.) DaS war die Uebexzeugung der ersten Sozialdemorra-'en. Das war die Ueberzeugung Bebels und Liebknechts. Das war die Ueberzeugung der breiten Massen der Sozialdemokraten, die hernach gelebt und gewirkt haben. Auch wir bekennen uns heute noch nach 60 und 70 Jahren zu dem, was damals schon unsere Führer erklärt haben. Wir treten ein für derx Anschluß de? deulsckösterreichischen Volke» an das Deutsche Reich, weil wir damit die wirtschaftliche Lage dieses Landes heben wollen, w:is wir damit ein gntcS, tüchtiges Volk dem großen Mutter- volle zuführen wollen, weil wir damit der deutschen Kultur- g e m e i n s ch a f: im höheren Maße wie bisher teilhaftig zu wer- den hoffen, und schließlich treten wir für den Anschluß an Deutsch- land ein. weil w'r überzeugt sind, daß die breiten Massen der Arbeiterschaft in Deutschland und hier sich zu einem großen, mäch- tigcn Block vereinen müssen, dem es gelingen kann, dem SozialiS- n.uS näherzukommen, den Sozialismus rascher herbeizuführen, als wenn jeder Teil allein bleibt.(Stürmischer Beifall.) D e französische" Presse fährt übrigens fort, die dunkelsten Drohungen gegen Deutschösterreich aus- zusprechen für den Fall, daß es auf die Volksabstimmung nicht verzichte. Schon �ohe-n einzelne saubere Herren in den Pariser Nodaktionen, denen Wahl der Massenmord an Wiener Kindern im vergangenen Winter, den die Gjntentemachthaber auf dem Gewissen lxcben. nicht genügt, mit der Wicderein- sktzung der B lock adel Der„Figaro" aber geht noch weiter und meint, daß, da die österreichischen Abgeordneten ihre Kundgebung sür den Anschluß niemals gewogt hüllen, wenn sie nicht von Berlin aus unterstützt worden wären, die Alliierten eben gegen Deutschland vorgehen müßten. Die französiiche Presse bedient sich übrigen? in ihrem F'ldzuge gegen die Anschlußbewegung eines äußerst schäbigen Mittels, das geradezu einer Fälschung gleichkommt. Sie übersetzt geflissentlich„g r o ß d e u t s ch" mit„pnogerma- niste", also mit„a l l d e u t s ch", weil sie weiß, welche üblen Gedankenverbindungen sich— mit Recht— an diesen letzten ssiomen knüpfen. Im„Figaro" wird von den Alldeut- scheu gewrächen.„die selbstverständlich von den Sozialdemokraten unterstützt" würden. In Wirklichkeit sind es ditz f r a n z ö s i s ch e n R e a k t i o n ä r e, die sich nicht ent- blöden, um ja die Anschlußbewegung zll hindern, Hand in Hand mit den letzten christlich-sozialen Anhän- gern der Habsburger Dynastie zu gehen, ebenso wie sie in Bayern die separatistischeu Bestrebungen der Wittelsbacher und in Ungarn das Militärregiment der Horthy- Bande unterstützen. Oer Karlsbader Parteitag gegen Moskau. Karlsbad, 7. Oktober.(TU.) Der Parteitag der deutschen Sozial» dcmokrat.e in der Tschechoslowakei beschloß gestern mit 293 gegen 1!1 Stimmen, der Dritten Internationale nichtzuzststimmen. sondern den Versuch zu machen, einen Weg zu finden, die S p a l- t u n g der Sozialdemokratschen Partei zu verhindern. d'« französische Akademie zum„Triumph der Zivilisation" beglück- wünscht, ein Schritt, per in Spanien allgemeiner Verurteilung be- gegnet ist. In einer Kundgebung weift nun die überwiegend« :: ehrheil der spanischen Gelehrten darauf hin, daß sie die sofortige Herstellung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen zwischen allen Ländern ohne AuSnabme für ein Erfordernis der Zivilisation ansähen. Kein Volk, und am wenigsten ein�Volk wie d.rS deuische, daS so glänzend zum w ssenschastlichen Forischritt beigetragen habe, dürfe je in die Lag« geraten, die tkm die Weiter- entwicktung in der Wissenschaft verwehre. Aufgabe sei eS gerade Kr Männer der Wissenschaft in allen Ländern der Welt, daran zu Arbeiten, über den von der Politik geschaffenen Haß erneut Pen internationalen Geist der Wissenschaft zu setzen. „Die Auskunft." Im Verlag von Willy Ehrig(Heidelberg) erscheint..Die Auskunft", eine Sammlung lexikalisch geordneter Na.bschlagcbüchlein über alle Zweig« der Wissenschaft. Kunst und Technik unter Mitarbeit von Fachleuten. Die Publikation verfolgt die Absicht, in einer Zeit, wo durch Vorträge, Volkshochschulkurse, wissenschaftliche Führungen so rege für die Bildung gearbeitet wird, d.iS iacbl'che und terms noloaische Grundmaterial eines Gebietes in übersichtlicher Weise dem Publikum in die Hand zu geben. Von den vielen angekündigten Bändchen liegen bereits vor:„Neuere deutsche Literatur" von Prof. Richard Dohse,„Musik" von Hans Burkhardt und„Physik" von Franz P a e h l e r. Der Preis beträgt 3,60 M. für das Bändchen. Erfolg der Bvgclschutzbestrebungcn. Di« Eier der See- unp Stcandvögel sind wegen der drohenden Ausrottung und Vernich- tung der Vogelwelt der Seeküsten auch für das Jakr 1921 unter absoluten Schutz gestellt worden. Es dürfen also auch im nächsten Jahre weder Kiebitz- noch Möveneter gesammelt wevoen. Ein- zelne Arten der See. und Strandvögcl. und zwar die seltensten und wertvollsten, sind an den Seeküsten bereits verschwunden, andere außerordentlich selten geworden. Moderne Lyrik. Franz Konrab H oefert setzt seinen Vortrag?- zhklii? am II Oiiobcr, abend? 7", 11 bi, im RoSwitbalaat, LützoroPlaS t, foit. Moderne ichilt: George, Rilke, Hotz, Dehme!, Zroeig, LMcncron und Lieibanm. Miete Möller trägt am 13. Oktober, abend? 7M Uhr, t« Meistersaal vor: Sirindbergs»DaS wilde Tier(a. d. historischen Miniaturen .Caligula und Nero"), DebmclS.Zwei Menschen"(Roman in Ro- Manzen), LissauerS.Bach"(Idyllen und Mythen). Ein Ilrlndhergprei?. Di« Katastrophe de? Weltkriege? hat Strind- bergS Kinder, Uebersetzer, Verleger veranlaßt, sür die beste Dichtung oder Schrift in drutscher Sprach«, die die Versöhnung der Völker sördert, einen Preis von dreitausend Mark zu stisien, der jede? Jahr an Slrindbcrgs Geburtstag(22. Januar)»> liehen wird. Strindbergs Freund, Prof. C. L. Schleich, ha« daS Amt et? Preisrichters übernommen. Einsendungen stnd an den Verlag Georg Müller, München, zu richten. Ein Richard-Strauß, Zyklus In Moskau. Am K. September begann in Moskau im Großen Staatstheater ein ZyNuS von Symvhonie- konzertcn. ausschließlich mit Werken von Richard Strauß unter Leitung von G. Fitelbcrg. einem in Rußland sehr bekannten Ärigenten. Der Volkskommissar für Bildungswesen LunatscharSii«rösjnet« den ersten Abend mit einer tinleitenden Ansprach«. Krasiins tzanödsvorJcbläcie an LlopöHeorge. London, 7. Oktober.(Meldung des Hollandfch NiemvSbureau.) Kra s.s i n hat Lloyd George mitgeteilt,, welche B e d ü r f ni s s e Rußland gegenwärtig an Rohmaterialien und Fabrikerzeug- nissen hat. Er verlangt einen baldigen Abschluß des HandelSab- kommens und sogt, Rußland sei bereit, große Verträge für die Lieferung von Lokomotiven und Eisenbahnmaterial, Maschinen, AutoS und Chemikalien für England zu reservirren. Er fügte hinzu, die Sowjetregierung werde nicht in Gold zahlen, sondern sich verpflichten. Austauschwaren zu liefern. DaS Deponieren von Gold in Reval bezwecke nur, eine Garantie für die Vorschüsse zu bieten, welche die Banken vielleichi zu leisten hätten. Das Gold würde nur dann nach England ge- schickt werden, falls die Waren, die Rußland im Austausch liefern soll, innerhalb der Lieferungsfristen nicht geschickt werden sollten. In englischen F i n a n z k r e i s e u ist aber wenig Neigung vorhanden, sich mit diesen Vorschlägen einverstanden zu erklären. Der ReickiSverband der deutschen Industrie hat sich gegen die beiden Vorschläge der SozialisierungSkommission betr. Sozialisie- runa des Bergbaus ausgesprochen.— Wi« nicht anders zu er- warten. Telegraphettftreik in tzollanü. In Holland ist ein großer Streik der Telegraphen. b e a m t e n ausgebrochen. Nachdem der Generalpostmeister sich ge» weigert hatte, eine Deputation zu empfangen, wurde die, E n t- l a s s u n g der Streikenden verfügt. Die übrigen Postbeamten sind durch daS Streikkomitee aufgefordert worden, ihre Solidarität durch passive Resistenz zu bekunden. Deutsche Konsulate in Frankreich. Genf, 7. Oktober. Noch einer Mitteilung des„Journal des DsboiS" soll anläßlich de? Empkange» de? deutschen BoitckiafierS durch den französischen Ministerpräsidenten LeygueS auch die Frage der Wiederzulafsung de? freien Handel«- zwischen Frantreich und Deutschland zur Spiache gekommen und eingehend eiörtert worden sein. Bei dieser Beiprechung wurde von dem deutschen Botschailer die W i e d e r e rr i ch t u n g von 7 deui» sch« n Handelskonsulaten in Frankreich sür End« 19S1. angekündigt._ Bombay im Dunkeln. Die Arbeiter der Gasanstalt haben ihr« LrbeirSstellen verlassen. Die Stadt liegt im Dunkeln. GswexMostsbewsgung Kommunistenstreiche. Von der Direktion des Märkischen Elektrizitätswerkes tottö dem MTB. mitgeteilt: Nachdem am Montag im Kraftwerk Heegermühle des Märtischen Elektrizitätswerkes die Belegschaft in einen wilden �Streik getreten war. der von einer Minderheit durch Terror erzwungen war. gelang es der Vermittelung der G c w e r t» schaftsführer. die Belegschaft zu einer geheimen Abstimmung zu bewegen, die mit überwälugenser Mehrheit die sofortige Ausnahme der Arbeit beschloß. Die Arbeit wurde darauf am gleichen Abend wieder ausgenommen. Die Rädelsführer der Bewegung, die unter dem Namen„Revolutionäre Be- triebsorganisation" marschieren, holten darauf aus den umliegenden Industriebetrieben ihre Anhänger heraus und„erobcr- ten" in einer Stärke von 1000 Mann das Kraftwerk, zwangen die Belegschaft zum Verlassen des Betriebes, bildeten einen Aktionsaus- schuß und legten die S.romlieserung an die gesamte von diesem Kraftwerk versorgte Industrie und Landwirtschaft still. Nachdem Durch ein starkes Aufgebot von Sick-erheitspolizei die aufrührerischen Elemente vertrieben und das Kraftwerk der Betriebsleitung des Märkischen Elettrizitälswerkes übergeben wurde, ist zunächst zur Aufrechterhaltung der lebenswich.igen Betriebe ein Not» b�e t r i e b durch die Technische Nothilfe aufgenommen worden. Nachdem genügender Schutz für dw arbeil-willige Belegschaft bereitsteht. ist mit der Wiederausnahme des vollen Betriebes zu rechnen. Entspricht diese Meldung den Tatsachen, so kann das Verhalten der„Revolutionäre" gar nicht genug verurteilt werden. Man sollte doch endlich einsehen, daß nicht in der völligen Vernichtung, sondern im Aufbau unserer Wirtschaft die Rettung aus dem herrschenden Elend- liegt. Solche'..Aktionen", die zumeist von Leuten getragen werden, die die Arbeiterbewegung und ihr e, genes revolutionäres Herz erst am 9. November 1918 oder noch später entdeckren, sind weder dazu angetan, der Arbeiterschaft zu helfen, noch ihren Kampf zum siegreichen Ende zu führen. vierte Internationale öuchbinöerkonferenz. Die Fortsetzung des Berichts, dessen erster Teil wir in Nr.<88 vom 2. Oktober dcrösfentlichl haben, ist aui der Post verloren gegangen. Wir tragen daher verspätet das Wesentliche auS. den Verhandlungen nach. In der Diskussion über den Bericht des Internationalen Seine lärs wurde van mehreren Sctieg bedauert, daß die Beiträge chcr einzelnen Organifanonen nicht bezahlt wuiden. Von den Vcr- tretern der verschiedenen Länder, die mit der Beitragszahlung im Verzuge stnd. wurde versprochen, den Verpflichtungen nachzu- kommen. Aus den Situationsberichwn. die die Vertreter über den Stand der Organisation in den einzelnen Ländern gaben, ist der des Vertreters Ungarns besonders interessant. Wie er sagte, habe der ganze Krieg nicht soviel Schaden angerichtet. als die Rätediktatur und deren Folgezeit. Vor dem Kriege waren in Ungarn die Buchbinder zu 9ö Proz. organi. fiert. heut« liegt der Beruf völlig am Boden. Daß heute noch in Ungarn Unterstützung gezahlt werde, ist dem Internationalen Sekretariat zu danken, dessen Aufforderung zu Sammlungen gute Resultate gezeitigt habe.— Ha r a w a h- England bringt zum Ausdruck, daß für uns als Arbeiter alles Vergangene begraben sein solle. Der wirkliche Feind der Arbeiterschaft, das Kapital, habe noch immer die Gewalt in Händem Dieses gelte es zu�be- kämpfen, aber nicht die eigenen Arbeitsbrüdcr. In seinem Schluß- wort zu dem Bericht konnte der Internationale Sekretär H a u- eisen- Berlin feststellen, daß der Verlauf der Äonkerenz zeige. daß ein großer Schnitt zum Wiederaufbau der beruflichen Jnter- national« gemacht wurde. lieber die Notwendigkeit einer ausreichenden F i n a n- zierung des Internationalen Sekretariats waren sich die Konferenzteilnehmer völlig einig. Es wurde beschlossen, daß pro IG) männliche Mitglieder und Jahr zwei Stundenlöhne der höchsten Lohnklasse der teuersten Stadt in jedem Land«, pro 199 weibliche Mitglieder eine Männerstunde in gleicher Art abzu- führen ist. Die Frage der Heimarbeit nahm längere Zeit der Konferenz in Anspruch. Festgestellt konnte werden, daß in einer Reihe von Ländern die Heiliurbdt durch Tarifverträge verboten ist. so in Italien. Belgien. Holland und der Schweiz. Ein- stimmig wurde beschlossen, der Frage der Heimarbeit auch weiter die größte Aufmerksamkeit zu widmen, um dieses Arbe'.tssystcm schließlich völlig zu beseitigen. Zur Frage der graphischen Industrie verbände brachte die italienische Delegation eine Resolution ein. daß nach Möglichkeit der Zusammenschluß aller Zweige einer Industrie er- folgen solle. Die Konferenz stimmte dieser Resolution ebenfalls einstimmig zu, soweit die organisatorischen Voraussetzungen dafür gegeben imd. Als Sitz des internationalen Bureaus wurde die Schweiz bestimmt und H o ch st r a s s e r- Bern zum Jnter» nationalen Scrretär gewählt. Bei der Debatte über diesen Punkt brachten die Delegierten der verschiedenen Länder zum Ausdruck. daß damit nicht etwa ein Mißtrauen gegen die Deutschen beab- sichtigt sei. Aber man solle das internationale Band sich erst wieder festigen lassen, ehe ein am Krieg beteiligtes Land wieder in Frage komme. Neben dem Sekretär wurde eine Repräsen- t a n t e n s ch a f t von 5 Mitgliedern geschaffen, von denen zwei von dem Lande zu stellen sind, in dem das Sekretariat seinen Siß hat und die übrigen drei aus die größten Organisationen verteilt werden sollew Diese drei Sitze verteilen sich auf Deutschlano, England und Italien. Zum Tagungsort für die nächste Konferenz wurde Kopenhagen bestimmt. � Hauptversammlung in Washington 1919 den Entwurf zu einem Üebereinkommen über die Einführung des Acht stunden» t a g e s für gewerbliche Arbeiter beschlossen, und daß vi« Reichsregierung, da Teutschland Mitglied dieses Verbandes ist, ve r p f l i ch t e t ist, diesen Uebereinkommensenlwurs den gesctz, gebenden Körperschaften alsbald vorzulegen. Kein Abbau des Achtstundentages. Ein Berliner Mittagsblatt brachte die Nachricht, daß im Reichs- arbeitSministerium ein Gesetzemwurf zur Neuregelung der Arbeitszeit ausgearbeitet werde, und bewerkt dazu, daß eS sich boi diesem Gesetzentwurf„in erster Linie nur varum handeln könne, daß der Achtstundentag a b g e s ch a f f s wird". Diese Mitteilung ist nur insoweit richtig, als im Reichsurbeitsministerium in der Tat eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit der gewerb- lchen Arbeiter und der Angestellten in Vorbereitung ist. Sie'st erforderlich, weil die bisherigen Verordnungen über Den Acht- stundcntag, die von dem vormaligen Dcmobilmachungsamt für die ! Zeit der wirtschaftlichen Temobilmachung erlassen worden sind,� in vielfacher Beziehung der Klarstellung und Ergänzung bedürfen. Völlig u n z u t r e f f e n o ist es aber, daß dabei beabsichtigt wäre, den Achtstundentag zu beseitigen. Ilebrigens sei hier- bo' darauf hingewiesen, daß der Internationale Ver- band der Arbeit beim Völkerbund auf seiner ersten im i o u iii»ml um iiii'Ui uii iupi i i miimm iii Ii Streikgefahr bei den Klein- und Privateisenbahnen. Unier dieser Ueberschrift läuft eine Notiz durch die kapita» listische Presse, in der darauf hingewiesen wird, daß die Unter» nehmer oen Forderungen der Angestellten auf Gleichstellung mit den Reichseisenbahnern, d. h. Anerkennung der Be- so'dungsordnung. mit dem Angebot begegneten, in Ortsklasse A 90 Proz., B 85 Proz. und C, D und E 80 Proz. zu zahlen. Trotzdem hatten me Arbeitnehmervcrtreter geglaubt, dies Angebot ablehnen zu müssen. Soweit ist alles richtig, verschwiegen wiro aber, daß die Verbandsvertreter einen Vermittlungs» Vorschlag machten, der dahin ging, daß sie zwar im Prinzip an der bezirkswcisen Regelung der Teuerungszulage, also nach der Teuerung in den einzelnen Bezirken und Rentabilität der Betriebe, festhielten, aber um Sie ernste Absicht eines friedlichen Ausgleiches zu zeigen, ihren Auftraggebern folgende Regelung empfehlen würden: Die Klcinbahncr sind mit Der zentralen Lohnregelung zufrieden, Mer/n die Unternehmer sich zur Zahlung folgender Sätze Verpflichten: An Besoldung, Ortszuschlag, Kinderzulagcn und Betriebs- Zulagen werden für Lrtsklasse/e 199 Proz., für Ortsklasse B und C 95 Proz., für Ortsklasse V und E 90 Proz. der am 1. Oktober 1929 gültigen Reichsbesoldung gewährt. Die Unternehmer lehnten jedoch nach kurzer, nur wenige Minuten dauernder Sonderbcratung diese Forderung ab und er- klärten die Verhandlung für gescheitert. Wenn eS zu Komplikationen kommen sollte, liegt die Haupt- schuld an der brüsken Haltung der Unternehmer. Achtung, arbeitslose Holzarbeiter! Die Tischlerei„Maschinenfabrik. Neukölln", Bcrgstr. 192/196, ist für unsere Mitglieder gesperrt. Sämtliche im Betrieb Be- ichästigtcn wurden, da sie einen Lohnabbau ablehnten, ent- lassen/ Der Betrieb wuroe 4 Wochen stillgelegt und nun versucht die Firma, Arbeitskräfte zu billigen Lohnen einzustellen. Ter Betrieb gehört zum Werth«lm- Konzern, dieser hat es sich ganz besonders zur Aufgabe gemacht, seine Stoßkraft den Kapita- listen anzubieten. Wir warnen unsere Mitglieder vor Annahme von Arbeit in obigem V:tr:eb. E i n s e tz e rl Die Siedlungsbauten Schöncberg. Luisenhof, sind für Einsetzer.gesperrt. Wir bitten, Zuzug fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiter-Verband, Verwaltung Berlin. Lohnforderung km Textil-Grohhandel. Im Textil-Großhandel sind die Gehaltssätze des bestehenden Tarifcs für die kaufmänniscbcn Angestellten zum 31. Oktober gekündigt und neue Sätze, dig eine 25prozcntige Erhöbung darstellen, eingereiht worden. Tie Verhandlungen zwisckcn Arbeitgebern und Arbeit- nehmcrn beginnen in der nächsten Woche. Veranlw. für den redakt. Teil- Tr. Werner Prisrr, CharlotlenSurg: für Anfeigen: ?I>. tüloltc. Perlin. Perlagi VorlrurlS-Perlag Ä. m b. H.. Perlin Druck Nor- würlS-Puchdruckerel u. LerluaSunslnll Pnil Slnaer u. Co.. Berlin. LindenNr. 3. Himn 3 Bctlanm. !> w Die OMralc der annzesperrlea Personal« ?-r> werden rr>ucht beute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, tm„Graphischen verelnshouo", Alerondrinenltrnße H. � zq.erscheinen. Der©aaootfload. Bertrauensmiinnernersaminlung Montag. 11. Oktober 1920, chbends S Ubr. Rliem's Festsäle, Hasenheibe 13/15. Roheres wird noch bekannt gemacht. II Spaltleder fürfllitentai(l)en GroBer Po-ten sofort abzugeben bei 18 8b | Max Beck& Co., Be itstraße 11. i. i■ (l u. 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