Hr. 500» Z7. Jahrgang flusgabe A Nr. IIS BezuqSvrriS: S»rttltäliri.ao.— JlJI:_tnonat!.l0,— 3Jtt frti m,»ous. oormtB ahlbot. Poll- bejua Monatlich 10.— iiiL. triURn- fttllunasqebütt. UmetStfutbcnü ni: Seuiiciilonb and Offttrtttch Iß.'O M;_ (iit oa« libnqt üaslant o«i taalidi einmal. Rn-lellunc 2130 Voft-"»- RfHunaen nehmen an Oestetteich. Uniarr, Nchecho-EIowalei, Sane- irnt:.'ioHqno.-u emouca. Zchmeden und nie 6(ht»etv— tinnettanen m die Doli- eiwnci« Ptreliite. Der.�onoan?" mit Oer Sonntan». deilage.Boll U-Reit� et cheiN' innn'en' täglich tweimn Sonniaao und Montags-mmoL Morgen Ansgabe Teieoromm-Ädreste �Soziaidemokrat Ber!»n- berliner DolksblLltt (.33 Pfennig) Anzelaenprciö: Sie Qtfttgeioaltene Nonvaretlle�e'.!» ion t3.— �„Teuerunys�uichlugot)� „Älcme Anzeige«-, das•01* gedruckte Worl 1,— M.(zuläisig ztvei fettgedruckte Worte),-öde- wettere Wdri 6(j Vfg. Stelleng eiuck!«.' a.»s SÄlafstellenan?.elgeu das erste 65 Vfg� edes weitere Wort v)«'ig. Worte iibci 15 Buchstaden zädtrn>:>? ;we? Worte. Teuerimas�nschtaa 5t5'> Familien»Anzeigen-file Abonnenten Zeile 2.— 9JU poiiu.che und ae- wecttchastlichc Verrttis»An'r'.aen 3.— Mt. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ö Ahr naci nnttaqs.m HauolgeschSit. Berlin TW i Linden- stratze 3, abgegeben werden.(•■mn»"' von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. 7 äp' cntralorgan der rozialdemokratircbcn Partei Deutfchlands Neöaktion unü— 151 1)7. SS» vorwärts-verlag G.m.d. K., Stv. b8, Linüenstr. Z. (vcrniDterficr: 21 mt SJiortf.l'lntc, Sir. 117 53—31. öer Kohle. Sine Regierungserklärung. Der WirtschaftZpoli! ische Ausschuß des Reichswirt- schaflsrats trat am Freitag zu einer Tagung zusammen. Auf der Tagcsordlkung stand an erster Stelle d e Stellungnalme zu den Vorschlägen der Soziolisierungskommission zur Frage der Sozialisierung des Kohlenbergbaus. Vor Eintritt in die Beratungen erbat Chefredakteur Bernhard eine Erklärung der Regierung über ihre Stellun�ahme in der Sozialisirrungssrage. Ncichs schntzminister v. Räumer: Ich benutze die Gelcgcnbcit gern, um hier die Stellung der'Regierung eiuwandssrei klarzu- stellen. Tie Regierung bat ihre Ltellunguabuic gegenüber dem Sozialisierungsproblrm festgestellt t» einer Erklärung, dir der RcichSarbcitsministcr iu der Rcichstagssitzung vom 5. August abgegeben hat. Tiefe Erklärung ist seiucrzcit im Kabinett wörtlich festgestellt worden. Es hcistt da:„Ter grökike Teil der Ausführuu- gen des Redners von der Nnabhängigcn Sozialdemokratischen Fraktion betraf nun die Frage der Sozialisieruug. Mit Arbeits. losenunterstiitzung, so bat der Redner gemeint, ist das Problem nicht zu lösen; das lapilalistischc Svstcm müsse gebrochen und die So- zialisierung müsse vorgenmmcn werden. Er hat die Frage auf- geworfen, wie weit denn die Regierung gegangen fei und gehe. Der Redner der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei und seine FraktionSgrnossru mögen nur ja nicht glauben, dost die Rc- gierung von heute dieser Frag« aus dem Ar"«! gehe. Der Reichs- «irtschastsrat hat bereits in seiner Sitzung vom 2L Juli fast einstimmig sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Kohlenwirtschaft »ach gcmeinwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ordnen ist unter gleichzeitiger Heranziehung der Berg- a r b e i t c r unv Angestellten zu mitverantwortlichen Trä- gern dieser Wirtschaft. Ich bin nun ermächtigt, zu erklären, daß die Rcichsregierung ebenfalls auf dem Boden dieses Beschlusses steht. Sic hat den Reichswirtschaftsminister beauftragt, unverzüglich die Weiterverfolgung der Angelegenheit zu betreiben, sobald der Bericht der SozialisierungSkouunisswu' vorliegt. Art und Form der Eozialislcrung werden sich aus der Notwendigkeit ergeben, die deutsche Kohlenwirtschaft in der Richtung größter Produktions- steigerung und Wirtschaftlichkeit zu entwickeln. Mit der Hervor- hcbung dieses Gesichtspunktes befindet sich die ReichSrrgicrung ebenfalls in völliger Uebereinstimmung mit dem Beschluß Itc» RcichSwirtschaftsrats vom 21. Juli." TaS Kabinett bat dann in der Sitzung vom 22. September einen Beschluß gefaßt, der amtlich verbreitet wurde und in dem es heißt: Schließlich trat das Kabinett in eine Erörterung der Sozia- lisierungSfrage ein und beschloß einstimmig, den Reichswirt- schaftsministcr zu beauftragen, auf der nun vorliegenden Grund. läge des Bcrichls der Sozialisierunonfommisslon umgehend den Entwurf eines Gesetzes über die Sozialisier ung des Bergbau es vorzulegen. Tie Klarheit der Stellung.des Kabinetts ist in Zweifel gezogen werden. Tie Auslegung, die die„T ö g l i ch e Rundschau" dem KabinettSbrschluß vom 22. September gegrbco bat, lchne ich in Ucbrrcinstimmung mit dem gesamte» Kabinett rundweg ab, ebenso in Nebereinstimmnng mit Dr. Heinze die Auslegung, dir die„Tägliche Rundschan" de,' Leit- sähen der Fraktion der Deutschen Bolksvartei gyieben hat, und die unS in einen Gegensatz zur Politik des Kabinetts bringen wollte. Der KabincttSbefchluß ist vollkommen einwandfrei und klar. Nach- dem der Bericht der SozialisierungStommifsion vorlag, ist durch de» KabincttSbcschluß vom 22. September dem Reichswirtschafts- minister der Auftrag erteilt worden, auf Vorlegung tineS Gesetz- entwurfS. Der KabincttSbcschluß bedeutet selbstverständlich>» i ch t eine Identifizierung mit den Beschlüssen der Sozialisse- rungskommission. Das ist selbstverständlich logisch ausgeschlossen, weil zwei divergierende SPorschläge vorliegen. Was die Regierung bringen wird, wird eine durchaus selbständige Borlage sein. Nun ist versucht woidcn, auf Grund der Weimarer Leitsätze der Deutschen Bolksvartri clncn Gegensatz zwischen den M i- nistern au» meiner Partei und dem G e s a m t k a b i- nett zu konstruieren. Tie Leitsätze sagen, richtig ausgelegt, folgendes: Di« Fraktion steht auf dem Boden der Regierungscrklä- rung. ES darf nur sozialisiert werden, wenn die Sozialisicrung «ine Steigerung der Produktion und eine Verminderung der Produktionskosten erzielt, wenn sie wirtschaftlich fördernd wirkt. Die Fraktion hat sich bereit erklärt, daß sir mit ihren positiven Bor- schlagen hervortreten wird, sobald dir Vorlage der Regierung.vor- liegt. Diese Leitsätze bringen uns Minister a»? der.Deutschen BollSpartci nicht in Gegensatz zum Kabincttsbeschluß. DaS K a- binett steht heute nach wie vor geschlossen auf dem Boden der Erklärung vom S. August und des Kabinetts. befchlusse« vom 2. September. Ter Vorsitzende stellt fest, daß das Wort zu dieser Regieruwgs- erklär ung nicht gewür.sifi! wird. Dr. Hilferding berichtet dann über die Tätigkeit der So- zialisierungSkommisswu. von der zwei Vorichläge vorliegen, die be- reit» vuwfsemkicht worden sind. Die Vorwürfe, al» ob die So- zialisierungskommission ihr Gutachten nur auf theoretischen Er- wägungen ausgebaut habe, sind mrberechtigt. Dem Verlangen der Bcrgarbciterschast auf Selbstbestimmung in der Produktion muß Rechnung getragen werden. Die Prcdllktion kommt auf der bis- hsrigen Grundlage nicht zur Ruhe. Es gelingt nicht, dir Arbeit»- freud« wieder herzustellen. Durch die kapitalistische Produktion ist eine Anarchie der Produktion hervorgeruirn worden. Sie kann nur durch das sozialistische Wirtschaftssystem beseitigt werden. ReichStagsabgeordneter Stinncs: Die Frage mutz in einem kleinen Ausschuß g�lärt werden. Die Frage der Kohlen- sozialilierung kann nicht für sich allein gelöst werden. Soll ffe richtig gelöst weiden, so hedeuret da» ein.ii völligen Umbau unserer Gesamtwirtschaft Nur in cinci! Ausschuß kann praktische'Arbeit geleistet werden. Der Vorsitzende, Direktor Krämer, schlug die Einsetzung eines Ausschusses von» 9 Mitglivdern vor. der mit einem Ausschuß des Re.chSkohlenrats zusammenarbeiten solle. Dem Reichstag solle an- beinigestellt werden, die gleiche' Zahl von Mitgliedern zu ernennen. Walter Rathenau vertrat die Vorlage de? anderen Teils der So- z lali st eru ngslamurif sion. Im heutige» Augenblick erscheine eine volle Sozialisierung ungeeignet. Scf atzminister v. Raumer erklärte e» für ein Mißverständnis, anzunehmen, daß die Regierung die ganze Frage nur von ökonamifchtm Gesichtspunkte betrachte. Adolf Eohcn schlug vor, einen Ausschuß von 15 Mitgliedern einzusetzen. Ten Anfotdcrunge» der Gewerkschaften aus Sozialisierung des Kohlenbergbaues müßte sobald als möglich Folge geleistet werden. Georg Bernhard verlangte endlich ei» Gesetz von der Regierung. Am best:» wäre es, die Aussprache heute von d-r Tchjosördniing abzusetzen., Tiesem Vorschlag widersprach Ab- „«.ordueter Wi stell,. Die Unternehmer hätten sich bisher in Schwei- gen gehüllt. Abg. Stinncs führte aus, daß wir zu einer Sozialisie- runr des Kohlenbergbaues nicht eher kommen könnten, ehe wir v üßteit, wie drr finanzielle Zusammenbruch vermieden werden könne'_\' Nach werterer kurzer Debatte wurden die SozialisieriingSbor-- schlage einem Ausschuß ro... 15 Mitgliedern übergaben. In der Nachmittags sitzung wurde zunächst ein stän- diger Unterausschuß für Außenhandelsfragen eingesetzt. Der Vorsitzende, Direktor Kraemer, wies daraus hin, daß die künf- tlge Außenhandelspolitik vorbereitet werden müsse, auch handele es sich um eine Ncuausstellung des deutschen Zolltarifs. Sodann forderte Dr. Zeidlin in einem Antrage Maßnahmen zur Behebung der Notlage der- deutschen Wissenschaft. Dr. Schmidt wies dabei auf die große Bedeutung unserer Wissenschaft hin und betont«, daß wir als Kulturvolk erledigt seien, wenn unsere Wissenschaft verloren ginge. Direktor Kraemer teilte mit, daß d.e deutsche Industrie beschlossen habe, zugunstrn der deutschen For- schung einzugroifen. Nach weiterer Aussprache wurde ein beson- derer Ausschuß für die erörterten Zwecke eingesetzt. Beim Reiche soll beantragt werden, 4 9 Millionen Mark für die Behebung der Notlage der deutschen Wissenschaft in den Rrschsetat einzu- stellen. Die Verhandlungen wurden sodann aus Sonnabend 19 Uhr vertagt. Schluß 5 Uhr. Die Aussperrung im �eitungsgewerbe. Ergebnislose'Verhandlungen. Im Reichsarbeitsministerium fand gestern eine Bc- sprcchung der Lrganisatiousvertrctrr der an dem Kampfe beteiligten Arbeiterorganisationen mit den Vertretern der Zcitungsunternchmer statt. Die Aussprache, die von dem Rcgierungsrat B ü h l e r geleitet wurde, führte jedoch leider zu keinem Ergebnis. Tie Unternehmervertreter weigerten sich nach wie vor, die den kaufmännischen Angestellten durch Spruch des SchlichtungsausschusscS zuerkannte lssehalts- crhöhung von 15 Prozent zu bewilligen. IS 000 Ausgesperrte und Streikende. I« einer Sitzung der Buchdruikerobleuie der von der Aussperrung betroffenen Personale wurde gestern nach- mittag festgestellt, das; von der Aussperrung und dem Streik insgesamt ca. 1(5000 Personen betroffen sind. Im Streik befinden sich etwa 3000 kaufmännische Angestellte und von der Aussperrung sind 13 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der verschiedene« Branchen betroffen. Weitere Nachrichte« über die Bewegung im gewerkschast. lichen Teil.___ 9000 SN. als E«istenzminimiun! Der Parlamentsansschuß de? sächsischen Volkskammer hat beschlossen, das GS; x i st e n z m i n>i ni u m für verheiratete Beamte auf 9000 M. jährlich festzusetzen. der Zwang zur Sozialisierung. Von Nikolaus Osterroth. Leider niust man— zum wer weiß wie dielten Male— von der Notwendigkeit der Soziali- s i e r u n g sprechen. Denn die Widerstände gegen jede s�orm der Sozialisiernng werden immer wieder damit begründet, daß uns der Zustand der technischen Betriebe, und die Vcr- sassunq der Menschen, wie sich beide als Folge des Krieges darstellen, gar keine Sozialisierung erlaube; daß vielmehr die ungehemmteste privatkapitalistische, Jnitia- tive notwendig sei. um die Wirtschaft wieder in den Stand zu sehen, die notwendigen Lebensmöglichkeiten für die sechzig Millionen deutscher Volksgenossen zu schaffen. Die Gegner der Sozialisiernng vergessen nie. gebührend hervorzuheben, daß jede SozialisiernngSmaßnahme ein Sprung ins Dunkle sei, von den, man nicht wisse, wie' er sich auswirke, wie er vor allem aui die Produktivität einwirke. Ilnsichere Experimente aber könn? die Wirtschaft im hentiae» Zusiand der Zerrüttung am wenigsten vertragen. Ein Teil der privatkapitalistischen Nutznießer der über- kommenen Wirtschaftsformen und ihrer Nachbeter reitet auf dem nicht mehr neuen und allzu richtigen Hinweis herum, daß der S t a a t s b e t r i e b, wie wir ihn bisher kannten, vor allem auch im Bergbau, hinsichtlich der Rentabilität, der produktiven Ergebnisie,, der technischen Ausgestaltung und der sozialvolili'chen Leistungen weit hinter den privat- kapitalistischen Betrieben zurückgeblieben sei. Zu den alten Einwänden gesellt sich der nein.? daß die von Wissel! eingeleitete gemeinwirtschaftliche Regelung der Kohle in der Praxis versagt habe.>vas indessen nur insoweit richtig ist, als eine organisatorische Halbheit kejne befriedigende Ergebnisse liefern kann und nichts gegen das Prinzip der gemeinwirtschastlichen Regelung beweist. Gegenüber allen Einwänden muß heute stärker als je zuvor betont werden, daß die privatkapitalistische Initiative uns vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch nicht bewahren konnte, daß aber das ungehemmte Profitstreben der privat- kapitalisiischen Wirtschaft einer der wesentlichsten Gründe für den Zusammenbruch war. Daß zweitens der Steige- rung der Produktion, speziell im Bergbau, und der Er- Weiterung unseres Wirtschaftsrahmens bisher nichts bindernder im Wege stand als die privatkapitalistischen Monopolformen, wie sie sich in der Robstofferzeugung und einigen Zweigen der weiter verarbeitenden Industrie herausgebildet haben. Tie bekannleren Monopole im deutschen Wirtschaftskörper sind im wesentlichen P r c i s m o n o p o l e. Der leüeiitze Gedanke bei der Bildung der Syndikate, Verkanfsvereiiiig'ungen und' Ahsatzkonventionen war immer, die Konkurrenz auszuschalten, Preisunterbietungen zu verhindern und eine gewisse Stabilität im Preisniveau herbei- zuführen durch die Zusammenfassung möglichst aller Pro- dnzenten eines bestimmten Wirtschaftszweiges und eines be- stimmten Wirlschaftsgcbietes. Und wer nicht parierte, wurde auf geraden, öfter noch auf krummen Wegen unschädlich ge- inacht. Die Zeche aber zahlten die Berbraucher. Denn d,s Prcismonopol sah seine erste Aufgabe darin, die Produkiion dem Bedarf„anzupassen", das heißt, die Produktion soweit einzudämmen, daß eine etwaige Ucberproduktion nicht auf den Preis drücken konnte. Diese Preispolitik>var natürlich nicht einflußlos auf die technische Entwicklung der Betriebe und deren Zahl. Unter dem Schutz des Preis- Monopols konnten sich technisch veraltete und iknzillängliche rentabel erhalten und der stärkste Antrieb nxiier technisch hochentwickelter Bet'.iebe wurde ausgeschaltet, die privatkapitalistische Initiative wurde abgelenkt in die Sack- g a s s e müheloser Plusmacherci. Wenn uns heute im Steinkohlenbergbau etwa fünfzig leistungssähige Schächte mit den dazugehörcriden Menschen und menschlichen Siedelungen fehlen, so ist die privatkapita- listische Monopolwirtschaft nicht ganz unschuldig daran. Das Prcismonopol ist ja nun allerdings.durch das Gesetz über die Regelung der Kohlenwirticha't wenigstens insoweit beseitigt.' als die Zechenbesitzer Preise und Absatz nicht mehr allein regeln. Berbraucher und Arbeiter haben hier ein Wörtchen mitzureden, aber in der ollerwichtigsten Frage— der Erzeugung, und zwar der möglichst»virt- s ch a f t l i ch c n und ergiebigen Erzeugung— sind ne noch völlig ausgeschaltet. Und gerade darum kann der erste Schritt aus dem Gebiete der gemeinwirtschast- lichen Regelung der Brennstoffwirtschaft nicht befriedigen und fordert zur Kritik heraus. Dem ersten Schritt muß not wendig der zwxite entscheidende folgen. DaS Erzeungsmonopol muß fallenl Wenn der deutschen Wirtschaft mebr als ein Drittel der Kohle fehlt, um 60 Millionen Menschen ihre Existenz innerhalb unserer— leider noch nicht fest- stehenden— Grenzen zu verbürgen, so sind die Fragen der Kohlenwirtschaft keine privaten Profitan gelegen- Helten von einigen hundert Monopolisten mehr. Die flrofec Lebensfrage eines Volkes kann man doch nnm?glich der Entscheidung der Herr�i Stinnes, Thyssen und Heuckel- Donnersmark überlassen, die sich überdies, wie die Erfahrung lehrt, nicht als die_bcsten Treuhänder der deutschen Bodenschätze bewährt haben, wenn sie auch persön- lich in Ausübung ihrer Treuhänderrolle sehr gut gefahren sind. Nicht weil ein Programm oder eine parteipolitisäie Doktrin die Sozialisierung der Bodenschätze fordert, muß sie in Angriff genommen werden, sondern weil das Lcbensinteresse des ganzen Volkes und seiner-Wirtschaft es erfordert. Weil die 800 000 Arbeiter und Angestellten des tlohlenbergbaües aufs allerstärkste interessiert werden müssen an der Steigerung der Kohlenförderung, muff die Sozialisierung ohne einen Tag Aufschub in Angriff genonmien werden. Weil es kein zugkräftigeres Mittel gibt, die A r b e i t s i n t e n-� sität im Bergbau zu heben und die bergmännische Technik zu befruchten, muff die gegenwärtige rein bürgerliche Regierung die Lösung des Problems in Angriff nehmen, sonst wird sie mit der an Kohlcumangel hinsiechenden Wirtschaft in den Abgrund gleiten. Die Regierung scheint das ebenff) gut begriffen zu haben, wie die kohlenverbraucheudc Judustrie, und ivcr es nicht be- griffe, dcni würden die Bergarbeiter nachhelfen. Denn sie sind heute— vb es angenehm klingt oder nicht, ändert nichts daran— die stärkste gesellschaftliche Macht und- sind sich dessen voll bewufft. Unsere Industrie lebt heute zu einem erheblichen Teil von den Ergebnissen der U e be rsch ich t c n, die in allen Revieren auf Vereinbarung beruhen. Würde die Hoffnung der Bergarbeiter auf die zugesagte S o z i ali- s i c r u n g getäuscht, so würden die Ueberschichten- abkomnien in-allen Revieren glatt z u s a m vi e n b r e che n und die deutsche Industrie>v ä r c m o n a t l i ch um zwei b i s d r e i M i l 1 1 o n e n Tonnen ärmer. Mit solchen Wechseln ist nicht zu spaffen, da'ür ist das Risiko zu groff. Nachstehende Entschlieffung des Bergarbeiterverbandes vom 13. September, hinter der 460 000 Mitglieder stehen, spricht eine sehr deutliche Sprache, und zwar in mehrfacher Hinsicht: „Die Konierenz des GesanNvorslandeS und der BcznlHlciier des Verbandes der Bergarbciler Teulschlemds hält die Vorarde tcn der ZozialifierungSkouimisslon über die Sozialisieriiiiii des Kohlenberg- bniieS für ein« brauchbare Griindlaze, um die Kohlenlvirtichait auf eine gcnieinwirischastlichc Grundlage stellen und so Albeiler und Angestellte unmiitelbar an der Steigerung der Ztohlenerzeugung zu interessiere». Tie Ausrechierbaltung der bestehenden Ueberschichten- abkomme» ist in den verschiedenen Nievieren für längere Zeit- räume nur dann möglich und weitere Schritte sind zur Erzielung einer vermehrten Arbeitslei st ung nur dann aussichtsreich, wenn die GesetzgedungSfaktoren unverzüglich die Verwirklichung dcr.Sozialisierung des Bergbaues in die Wege leiten.) Jeder Versuch, die Sozialisicrnng des Kohlenberg» baueS zu Hinte! treiben, würde den schärfsten Widerspruch der Bergarbeiter auslöse»." Hier wird klar ausgesprochen, daff die sehr opferreiche M e h r a r b e i l der Bergarbeiter ganz von dem Schicksal der Sozialisierung abhängt, lind bei den verschicdeichten Versuchen, an Stelle der zivei halben Ueberschichten in der Woche die wesentlich ergiebiger� und produktionsverbilligendere achte Arbeits- .stunde-u erreichen, gaben dio Bergleute die Antwort: „Darüber zu diskutiereil ist heute zwecklos, e r st die So- zialisicruug, dann läfft sich weiter reden." Wobei man niqt übersehen darf/ daff die achte Arbeitsstunde eine jähr- licheMehrfördcrung von sechs bisacht Millio- nen Tonnen bringen würde, die ohne Sozialisierung nicht erreichbar ist. Hinter der Forderung nach schnellster Sozialifferung steht aber mehr als der Bergarbeiterverband und-die syndikalistischen Gruppen links von ihm. Der internationale Berg- arbeiterkongreff in Genf stellte einmütig die Forderung nach der Sozialisicrnng(oder Nationalisierung) der Bergwerke, und dieser Beschlüff ist nicht wie so viele frühere internationale Beschlüsse eine schöne Geste. Die der Bergarbciterintcrnationale angesckzloffcnen Organisationen, darunter der Christliche GeWerk- verein, die polnische Bcrufsvereinigung und die Hirsch- Dunckersche Bergarbeitergruppc, werden verpflichtet, mit allen Mitteln, eventuell durch den Generalstreik, sür die Erreichung des Zieles zu kämpfen und haben viertel- jährig über den Stand der Dinge zu berichten. Er- wähnt muff auch die bisher nicht gewürdigte Tatsache werden, daff der Zenirnmsabgeordnete I m b u s ch. der Boi sitzende des Christlichen Gewcrkvereins der Bergarbeiter, der Sozialisierungskommission angehört und unter den Unter- zeichnern des Vor chlags II figuriert. Die Bcrqarbcitersront ist also in der Frage der Notwendigkeit der Sozialisierung des Kohlenbeigbaues ganz einheitlich, und wer den Wunsch dieser nächslbeteiligten Gruppe miffachten wollte, würde der Wirtschast den schlechtesten Dienst erweisen und ivürde die Gefahr heraufbeschwören, vorübergehend die Kohlenförderung zu Stillstand zu bringen und sie dauernd einzuengen:_ Des Kronprinzen ßrieüensöenksthrift. Ein historisches Dokument. Vor einiger Zeit veröffentlicht? der„Matin" einen angeblichen Brief des Kronprinzen an den Kaiser vom Jahre 1917, in dem der sofortige Abichluff eines Verständignngs- friedens angeraten wird. Diese Veröffentlichung scheint jedoch nur dem allgemeinen Sinne nach richtig gewesen zu sein. Eine vom Major a. D. Anker, des ehemaligen Nach- rrchtenoffiziers' der O. H. L. bei der Hceresjjnrppe Kronprinz. herausgegebene Militärpolitische Korrespondenz" bringt jetzt den vollen Wortlaut der Eingabe, die der ehemalige Kronprinz im Sommer 1917 an seinen Vater, die O. H. L. und den Reichskanzler sandte. Diese Denkschrift ist aus dem Grunde interessant, weil sie auS genau den g l e i che» Erwägungen und Motiven den Verständi- gun. gsfriedcn empfiehlt, aus denen er damals von der R c i ch s t ag s m e h r h e i t in der bekannten Resolution ge- fordert wurde.. Wenn die Denkschrift gleicknvohl an einer stelle heftig gegen diffe Resolution polemisiert, so ist das wohl nur als ensitntio benevolentine den Adressaten der Denkschrift gegenüber zu werten, um diese nicht von vorn- herein gegen sich einzunehmen. Tie Denkschrift schlägt zunächst vor. genau Aufklärung über die wirkliche Lage, den Vorrat an Rohmaterial, Kohle, Nahrung-smitteln, über die Transportzmiftel iffw. zu schaffend Aber damit ist die Bilanq noch nicht geendet: Wir müssen nncb den moralischen Wert nock» einsetzen, die Stimmung unseres Volkes, und bei ihrer Prüfung wird eS sich vor- auSsichtlich ergeben, ja man kann wohl„gewiß".sagen, daß dir FricdenSiehnsucht in den weitere« Schichte» der Bevölkerung eine rcdtt stark? geworden ist. Die ungeheuren Tluiopfer des nunmehr drei Jahre andauern- den Krieges, die mst ausnahmslos jet-es deutsche HauS und jede deutsche Familie in Trauer versetze hoben, die Aussicht, daff neue schwere Bcrluste an kostbarsten Menscheustbe» zu erwarten stehen, die Gemüisdcpvcssion, die durch Entbehrung aller und jeder Art erzeugt und genährt wird, die Ernährung!- und Kohlen not, alles dies zusanrmengenommen hat eine Unlust in lvciten Volksschichten, und zwar nicht etwa nur. sozialdemokratischen, erzeugt, die für die Fortführung des Kampfes, ebenso erschwerend ist. wie sie zersetzend auf den monarchischen Gedanken gewirkt hat. Rechnet man binzu, daff die bestimmt« Hoffnung auf schnelle Be- errdigung de? U-Boot-Krieges sich nicht erfüllt hat, so wird man stch über die ernsten Stimmungen kaum wundern dürfen. Ein Vergleich zwischen unfern Reftfven und denen der Feinde führt den Kronprinzen zu dem Resultat, daß ein Ver- gleich hcider Ausstellung«:, der unseren und der gegnerischen, kaum zu- unseren Gunsten ausschlagen wird. Daraus zieht der Kronprinz die Folgerung: Die' natürliche Folge davon«st, daff selbst im besten Falle an eine Lfsensivc nicht mehr gedacht werden darf, sondern nur an ein möglichstes Halten der Stellung bei intensiver Fort- führung des U-iBoot-Krieges für eine gewrss« Zeit. Ist sie verstrichen und keine Hoffnung auf Beendigung de? Kampfes eingetreten, s» müssen wir den Frieden suchen, den unsere Diplomatie iu der Zwischenzeit schon vorzubereiten hat. Beachtenswert sind auch folgende Sätze gm Schlüsse der Denkschrift: Die Not wird bei unS steigen, die Auffüllung der MannschaftSreserven bei uns von Tag zu Tag .schwieriger werden. Es handelt sich heute um die Erhaltung der Dynastie(Ahall. um den Bestand deS Deutschen Reiches und das Fortbestesten des deutscheu Volles. Diktieren unsere Gegner den Frieden, dayn ist der letzte Buchstabe hohenzollernscher, pveuhischer und deutscher Ge- schichte mit dem gleichen Federstrich geschrieben. Dazu darf pS . nicht kommen und daher ist es unsere Pflicht, wenn es sein muff, auch auf emen Berständigiingssrieden eurzuyehen Ein solcher bringt uns zwar eise Enttäuschung, aber eine uferlose Verlange» ruag des Krieges könnte uns im Frühjahr 1918 allein, ohne Bundesgenossen, nach dreieinhalb KriegSjahreu aus schweren Wunden blutend der ganzen Welt gegenüberstehen sehen, uns mit Vernichtung bedrohe». Eins steht fest: Behaupten wir uns in diesem Kriege, so sind wir tatsächlich die Sieger, weil wir gegen d:e ganze Welt gekämpft haben, ohne varnichtet zu werden. Der Kronprinz war einst der Abgott der All- deutschen, seine Gesinnung hat er wohl während des 'Krieges kaum geändert. Seine Denkschrift zeigt wie selbst ein Mann a l l d e u t s ch e st e r Gesinnung bei Veiant- wortungsgefühl zum Verständigungsfrieden ge- langen muffte. Sie stempelt jene Alldeutschen Ludendorff�cher Couleur, die in blinder Gier alle Warnungen in den Wind schlugen, zu den größten Verbrechern am dcut- schen Volke, die es je gegeben. Kreier Wirtslbafts�exen in o z e n r r i f ch e Er tenntn iS- the orie bezeichnet, die Well als durchaus endlich bezeichnet, und damit die Erllärung der ,n dem ersten Teil diese« Artikels wieder» gegebenen astronomischen Tatsachen gibt. Sie befindet sich damit restlos üm Einklang mit den Ergebnissen der Nalurwissenichaft. Allerdings bat diese Einsichl sehr große Konsequenzen für alle Wissenschaflen und damit auch für die prallisch« LebenSsührung und darum bar man nicht mit Unrecht die Begründung der Bio- zentrit eine Tat von ähnlicher Tragweile wie die des Köper- nikuS genannt. Denn fo wie der Thorner Astronom K o p i r- n i k u S durch seinen Nachweis, daß die Erde ein Stern unter vielen sei, daS Denken und Gefühl des Menicken eniwurzelt und in die Nichtigkeit ewiger BedeutungSlossgkeit hinabgestürzt hat, wo« durch er zum Varer de» Nihilismus auf allen Gebieren wurde, so stellt die Biozenlrik die Geschlossenheit und Bedeulung der mensch- lichen Persönlichkeit wieder her und stellt dadurch den Menschen mit beiden Beinen wieder fest und unbeirrbar in die Welt mit einer sicheren, lösbaren, daher auch befriedigenden Aufgabe. Denn wenn die Well endlich ist, dann ist sie auch erkennbar, und eS ist möglich, einem Erkerinbaren den Sinn zu finden. Aus BaudelaireS intimem Tagebuch. Die intimen Tazehstcher, die der große Lyriker und Seelenkünder Charles Baudelaire in den letzten Jahren vor feinem Tode geführt hat, erscheinen in der Ueber- setzung von Franz Blei im Georg-Müller-Bcrlag in München in einer schönen Ausgabe. Aus diesen Seelcnbekemrtmssen seien hier einige Aphorismen miweteill: Man sagt, ich sei dreißig Jahre alt: aber wenn ich drei Mi- nuten in einer gelebt Hab«, bin ich da nicht neunzig?—- Man kann sagen, der Mensch schlafe täglich mis einer Kühn- Nr. Z7.?ahrgor>g 1 ��9 ��Otrö�O�r Ü9 Sonnabenü, y. Gktoberl�ss Groß-Berlln Schilühorn. Den Grunewald, das beliebte alte Ausflugsziel der Bcr- liner, erwählen wir zu unserem Hcrbstspaziergang. Vom Bahnhof Grunewald wandern wir westlich durch den Tunnel und die neue Automöbilstraße zum Weg nach Schildhorn. Tie Wegweiser an den Bäumen leiten uns auf den rechten Pfad. Der» Grunewald ist ein sandiges Gebiet, das sich südlich des Berliner Urstromtals hinzieht. Er gliedert sich in einen östlichen Teil, der ziemlich flach ist und in einen westlichen mit stark welliger Oerfläche. In den westlichen Teil ist die G r u n e w a l d s e en- kette eingesenkt; der westliche erstreckt sich längs der Havel. Die wellige Form der Oberfläche ist auf die Eiszeit zurückzuführen, die der erdgeschichtlichcn Gegenwart voranging und die in unserer engeren Heimat die Formen ocr Landschaft gebildet hat. Die regel- los verstreuten Sand- und Kieshügel, zwischen denen tiefe tal- und wannenförmige Einfenkungen sich hinziehen, deuten eine Zeit längeren Stillstandes des Jnlandeisrandes an; sie sind eine be- sondere Art der Endmoränen, die KameS. Von Norden ler floß ebensoviel Eis nach, wie vorn am Ende des Eispanzers ab- schn-nlz. Die vom Eis mitgeführten San Kies- und Gesteins- inassen häuften sich hier zu Hügeln unO Bällen auf, den End- moränen, weil sie am Ende des Gletstfo�., lagen. Auf Sand und Kies kann nur ein Pflanzenwuchs gcS,»en, der wenig anspruchs- vclll ist. So sehen wir denn liier aus�oehnte Kiefernbestände und auf dem Boden genügsame Gräser. Auch die Eiche liebt den Sand- boden, und wir finden unter den Kiefern mitunter alte knorrige Burschen ihrer Art, die einsam stehen blieben, als man ihre Brüder fällte. In früheren Jahrhunderten bestand wobl der Wald vor- wiegend �ans Eichen, und erst de' �neuzeitlichen Forstwirtschaft blieb es vorbehalten, das natürliche Oaldbild zu verändern. Wir kommen zum T c» � I s c c, ein kleines, fast rundes Ge- Wässer; er ist der lehte Resj.�mes früher weit grösseren Wasser- bcckens. Der bereits verlar-�ete Teil des Sees ist daS Teufels- fenn, das sich südöstlich vom Teufelssee hin.eht. Am See liegt das Charlottenburger Wasserwerk, das 1872 erbaut wurde. Ter Weg führt weiter in der Näbe des Waldfriedhofs vorüber. Durch chas Waldesgrün schimmert die einfache Leichenhalle, in der schon so mancher Lebenswanderer zur letzten Ruhe aufgebahrt lag. den des Lebens rauhe Pfade in eine unentrinnbare Wirrnis geführt hatten. Bald haben wir das Ufer der Havel erreicht, Schildhorn liegt vor uns. Als hüglige bewaldete Landzunge erstreckt sich Schild- Horn weit i« den Strom. Auf der Spitze steht das bekannte Denk- mal zur Erinnerung an den Wendenfürsten Jagzo von Cöpenick. der hier mit seinem Pferd über die Havel schwamm, um seinen Feinden zu entgehen und dabei gelobt Ehrist zu werden, wenn er gerettet würde. Weit schweift der Blick von Schildhorn über de» Strom nach Gatow auf dem jenseitigen Ufer und zum P i ch e l S- Werder im Norden. Dahinter jauchen die Türme Spandaus aus dem Nebel auf. Auf der Havelcbaussee wandern wir gen Nordost am Ufer der Havel hin. Tie Berghänge tollen steil zum Strom ab. Häufig sind tiefe Schluchten eingeschnitten, die von den Regen- und Schnee- schmelzwassern ausgefurcht wurden. Am Ende der Schluchten sind oft die abgespülten Sandmassen wieder abgelagert worden und bilden einen AusfchüttungSkegel. Wir sehen hier, wie das fliessende Wasser bestrebt ist, die Formen der Erdoberfläche ständig zu der- ändern; hier abzutragen, dort aufzubauen. Linker Hand haben wir den Pichclswerder, zu dem die alte Schiffsbrücke hinüberführt. Wir wandern weiter bis zur Heerstraße, die auf hohem Damm den Stössensee üben quert. Gen Ost folgen wir der Heerstraße, die uns über Char- lottenburg zurückführt. Die Neuwahl öer 20 Stadträte. Nach Annahme der Novelle zum Gesetz Groß-Berlin durch die bürgerliche Mehrbeit in der Preußischen Landesversammlung muß eine nochmalige Wahl der 20 Stadträte vorgenommen werden. Von I Das Licht der Heimat. 4] von August Hiurichs. ..Lieber Dierk," schrieb Fieb.„willst Du mit hinüber? Wie ich hörte, arbeitest Du in Maschinenanlagen; darin ist setzt in Argentinien ein großes Geschäft zu machen. Könntest Geld verdienen! Ach selbst habe eine leitende Stellung in »mserem Getreidegeschäft drüben bekommen, habe aber auch mit Käufen auf eigene Hand ziemlich Glück gehabt. Werde wohl in ein paar Monaten wieder hinüberfahren; wenn Du dann mitkommst, kann ich Dich bei einigen Farmern ein- führen." Das war alles. Dierk mußte lächeln, für Gefühle war Fied nicht zu haben. Der war nur Kaufmann, aber einer, der sein Ziel im Auge hatte und unbeirrt seinen Weg ging. Er griff nach dem zweiten— von der Mutter! Da setzte er sich nieder, schob die Lampe dicht heran, stützte den Kopf in die Hände und las. Jede Woche schrieben sich Mutter und Sohn. Er las und fühlte sich wieder wohl unter ihrer war- men Obhut. Nichts erlebte sie, als ihre tägliche Arbeit, und doch waren ihr? Briefe reich. Bon Harm schrieb sie nichts, aber Dierk ahnte ihren stummen Kampf mit dem Haltlosen— nur immer an den Sohn und seine Arbeit dachte sie und sorgte und hoffte mit unermüdlicher Kraft. Wie ein Glaubens- Bekenntnis, fest und sicher, stand der Schlußsatz unter dem Brief:„Ich vertraue auf Dich!" Da Ittt es ihn nicht mehr im engen Zimmer, er rannte die Treppen hinab und stürmte draußen durch die dunklen Straßen, seine Unrast auszutoben. Ein Fieber batte ihn ge- packt— arbeften. schaffen! Warum summten die Dynamos nicht schon wieder— warum konnte er nicht mit den beiden Fäusten hineingreifen in die Arbeit? Wie unendlich lang. janm.Schritt für Schritt, mußte er sich binaufguälen. Stufe um Stufe langsam erklimmen, bis er nur fein nächstes Ziel, die Jngenieurprüfung, erreichte? Er sab die Mutter stehen, Tag für Tag bis spät in die Nacht hinein; er wußte, was sie aufrecht erhielt, was sie immer wieder in gläubigem Ner- trauen in die Höbe riß. wenn Not und Sorge sie zermalmen wollten: er war es. er! Und ihre mütterlichstarke Hoffnung: „Ich vertraue auf Dich!" Mitten im planlosen Laufen dachte er wieder an die Einladung. Da ging er zurück, aß hastig einen Bissen, kleidet? diesen 20 Stadträten müssen entsprechend den neuen Bestimmungen 12 unbesoldet sein und entsprechend der Stärke der einzelnen Fraktionen verteilt werden. Es dürften Mandate erhalten die unabhängige Fraktion 5, die sozialdemokratische Fraktion 2,.Deutsche Volkspartei 2, Deutschnaiionalen 1, Demokraten 1, uno Wirtschaftliche Vereint- gung mit dem Zentrum zusammen.1 Mandat, so daß auf die beiden sozialistischen Fraktionen zusammen 7, aus die bürgerlichen 5 Man- date entfallen. Da eine baldige Veröffentlichung der beschlossenen Novelle zu erwarten ist, wäre die Möglichkeit gegeben, die Wahl der 20 Stadt- räte schon in der kommenden Woche vorzunehmen. Allein, die Zur die Waffenablieferung ist heute Sonnabend der letzte Tag, an welchem öie volle Prämie gewährt wirö. Tatsache, daß sowohl die Sozialdemokratische Partei als auch die der Unabhängigen in dieser Woche ihre Parteitage abhalten, hindert eine grössere Anzahl von Stadtverordneten anwesend zu sein. Und da zur Neuwahl wiederum gewisse Vorarbeiten uoiwenvig sind, dürfte dieselbe vor Ablauf des Monats nicht zu erwarten sein. Es wird sonach der ncugewählte Magistrat wobl erst ab 1. November seine Tätigkeit beginnen können, vorausgesetzt natürlich, daß die Wahlen sich reibungslos vollziehen und die Bestätigung der Neu- gewählten durch die Regierung alsbald erfolgt. Oie tapfere Schneiüersfrau. Einen wohlverdienten Denkzettel von„zarter Hand" hat der 22jährtge Arbeiter Stefan Kubinitzki erhalten, der sich gestern unter der Anklage des schweren Trcbstatls vor dem Strafrichter zu verantworten hatte.— Der Angeklagte trieb sich arbeitslos in Berlin umher, bezog Arbeitslosenunterstützung und verschaffte sich die fehlenden Mittel teils durch Schiebengeschäste, teils durch Bodendiebstähle. Eines Tages hatte er jedoch bei VerÜbung eines Diebstahls Pech, und zwar gleich gehöriges. Er wurde nicht nur abgefaßt, sondern erhielt auch gleichzeitig eine fürchterliche Tracht- Prügel und diese ausserdem noch von einer Frau. Die Frau des Schneidermeisters Krämer wurde des Nachts durch ein Geräusch auf dem Boden aufgeweckt. Kurz entschlossen bewaffnete sie sich, da ihr Ehemann verreist war. mit einem dicken Knüppel und wartete hinter der Korridortür auf die Tinge, die da kommen sollten. Als der Angeklagte schwer bepackt die Bodentreppe herunterkam, wurde er plötzlich von hinten durch einen kräftigen.Stockhieb zu Boden gestreckt. Die„Frau Schneidermeistern schlug nun unbarmherzig von oben herunter auf den Angeklagten ein, bis dieser um Hilfe schrie.— Das Gericht erkannte gegen Ä. auf S Monate Gefängnis. Einlösung von Anteilscheinen znr'Kriegsanleihe. Tie Einlösung der von der Berliner Stadisparkasse auSge- �ebenen Anteilscheine zu 1, 5, 10 und 20 M. erfolgt vorzeitig schon jetzt jn der Zentralstelle für Anteilscheine, Poststr. 5, täglich in der Zeit von 0—2 Uhr. Tie Rückzahlung erfolgt bis 31. Dezember- dieses Uchres zum'Ne n n w e r t zuzüsslich 5 Proz. Zinsen. Hierzu ist die Vorlage des AnteilsscheinS zusammen mit dem Austoeis- schein erforderlich. Ein wandernder Spielklub wurde in der gestrigen Nacht von Beamten des Spieldczcrnats 1 ausgeloben. Eine grössere«Pielergefellschaft hatte sich in der Wormser Str. 5 in der Wohnung von Kamert eingefunden. Als die Beamten überraschend crsch'cnen, saßen sie gerade beim Spiel. Das Spielgeld, 2000 M., und die Spielgeräte konnten beschlag- nahmt werden. Gegen den Unternehmer, ein Herr Manasse. und dem Wohnungsinhqber wurde Strafantrag gestellt. Schulzahnkliniken der Stadt Berlin. Am 1. Oktober diese? Jahres sind die bisher dem Lokalkomitee für Zahnpflege in Gross. Berlin unterstehenden vier Berliner Schul- ' zahnkliniken in d t Brandenburgstr. 78 70, Hochstr. 4, Blumenstt. 77 ! und Bergstr. 53 auf die Stadt Berlin übergegangen. Die Schulsich um und machte sich auf den Weg. Dr. Heller wohnte. weit draußen, aber er verschmähte die Straßenbahn und ging die ganze Strecke zu Fuß. Die körperliche Anstrengung tat ihm wohl. Er war noch nie in seftmn Leben von vornehmen Leisten eingeladen gewesen und blieb einen Augenblick bcfang>en vor dem Haine stehen; ober dann, aus einem bitleren und barschen Gefühl heraus, drückte er heftig auf den Knopf der Klingel. � Ein Dienstmädchen effttete, und er trat trotzig ein. Schweigend nahm sie ihm Hut uich Mantel ab, führte ihn über den Flur und öffnete eine Tür. Ein Dutzend Gesichter sah ihn neugierig an. Dierk erschrak heftig, er hatte geglaubt, den Doktor allein zu finden, jetzt war eine ganze Gesellschaft hier versammelt. Da stand der Doktor schon vor ihm.„Ach— unser Freund FolkerZ" sagte er. faßte seine Hand und zog ihn herein. Dierk empfand, daß er ziemlich ungelenk in der offenen Tür stehen geblieben war, er bekam vor Aerger über lief» selbst einen roten Kopf und verstand keinen von den Namen, die ihm jetzt genannt wurden. Dann saß er schon in einem bcguemen Stuhl mit an dem großen, ovalen Tisch und nahm mit ungeschickten Händen eine Tasse Tee, die ihm sein? Nackbar in bot. Wütend, daß er überhaupt hergekommen war, sah er sich um. aber zu seinem Erstaunen merkte er, daß ihn keiner mehr beachte und alle sich lebhaft einem jungen Mädchen zuwandten, das lässig in einem Korbsessel zurückgelehnt saß und den kühlen Blick richig über die anderen hingleiten ließ. „Soll ich also fortfahren?" fragte sie. „Nein." sagte ein blasser sunger Mann mit schroffer Stimme, aber alle anderen stritten dagegen:„Selbstredend doch! Wir tnarten schon!" „Lieber Nichard," wandte sich Dierks Nachbarin, die Hausfrau, an Dr. Heller,„willst du nicht lieber Herrn Folkers zuvor etwas einführen, damit er nicht gar zu sehr über uns erschrickt?" ..Wenn du meinst. Käthe?" saate Heller—..aber, ich glaube, er wird am besten urteilen, wenn er zuhört." Er wandte sich an Dierk:..Wir bilden hier die„Gesellschaft der Suchenden". Feder geht seinen eigenen Weg, und jeder hat das Recht, auch eine eigene Mzinung zu haben—" zahnkliniken unterstehen der Deputation für das städtische Gesund- heitswescn. Unmitelbare Aufsichtsbehörde ist das Medizinalamt C. 2, Fischerstr. 30-42. Tie echte Nächstenliebe. Die Kinderhilfsmission der Religiösen' Gesellschaft der Freunde sO u ä k e r) von Amerika bittet uns um Aufnahme folgender Zuschrift: Wie man uns mitteilt, waren in Neukölln Plakate eines evangelischen Propaganda-Ausschusses gegen die Errichtung weit- licher Schulen angeschlagen, in denen das Hilfswerk der Quäker für Sönderzwccke ausgenutzt wurde. Dem gegenüber betonen wir mit Nackdruck, daß wir jedes Vorgehen ablehnen müssen, welches unser Hilfswerk in den Dienst irgendeiner bestimmten Gruppe einzuspannen sucht. Uns sind alle Menschen Brüder uno Schwestern: Ausdruck ein er Bruderpjcsinnung ohne Grenzen, ohne Bewertung oder Rücksicht auf Partei und Richtung, will unser Hilfswerk sein. Um 45 000 Mark bestohlcn wurde gestern ein Mann aus der Provinz, der kurz vorher aus dem Görlitzcr Bahnhof angekommen war. Ein Dieb stahl ihm unbemerkt die Brieftasche mit dem Gelbe und verschwand ungesehen. Im Friedrichshain erhängt ausgefundcn wurde gestern ein unbekannter Mann, der dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Ter Tote ist etwa 40 bis 45 Jahre alt und 1.63 Meter gross und uniersctzt, hat blondes Haar und blonden Bart und am rechten Daumen eine alte Narbe und trug eine schwarztarierte Hose/ eine Weste aus Militärstosf. ein graukariertes Jackett, Schnallenschuhe und eine braune Mütze. Sein Taschentuch ist K. N. gezeichnet. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiesen. BolkSbildunaSam« Neiilölln. Zu der am Sonntag, den 10. Oktober d. I., abends 7 Uhr, stattfindenden DovpelvcranstaUiing der Stodtge- mcinde und zwar in n) der Realschule. Boddinstr 34/38. Urban: Licht- bildervottrag:„Märkische Heimatt, sind Eintrittskarten zum Pr-!se von 0.75 M.. Garderobe 0.20 M., und d) Gvmnasium. Kaiser-Friedrich- T trotze 208/210. Brandt: Renter-Rentator. Inaeborq Heldberg: Gesänae, solche zum Preise von 1 M., Garderobe 0 20 M., an der Abendkasse und im Volksbildunasamt. Rathaus. Zimmer 218: Auskunst- und Be«' schwcrdestelle. Altes Raibaus. Zimmer 403: bei Babing. Bergstr. 43; im Weltponorama, Kaiscr-Friedrich-Str. 8: bei Moefsert, Hermannstr. KS; Z. Z. Ncckarstr. 7 und Siegsricdstr. 23/23 erhältlich. Tie Bezirlsgruvpe Charlotienburg des RcichSbimdcS für Kriegs- beschädigte brachte in ihrer gutbesuchtcn Mitgliederversammlung einmütig ihr Bedauern über die fortgesehlen Anscinondersetzungen zwischen den Führern des Rcicksbundes und des Internationalen Bundes zum Ans- druck. Die Anwesenden beionicn. daß dadurch die ohnehin beNagens- werte Zersplitierung unier den Kriegsopiern immer wester in die breite Masse hineingetragen werde. Für die Zukunft wurde von der Bundes- leiiung gesordctt. daß sie bcmübt sein möge, ssch mit dem Internationalen Bund zu einheitlichen und wirkungsvollen Aktionen gegen alle Elemente zusammenzuschließen, welche sich den berechtigten Forderungen der Kriegs- opfer entgegensehen. Eharlottenburg. Die suristische Sprechstunde findet ssden Sonn- abend von 414 bis 6 Uhr im Sekretariat. Rosinenstr. 4, statt. Alloemeine Kranken- und Sterbekasse der Metollarbeiter, Filiale Steglitz. Sonnabend, den 3. d. M.. abends 7 Uhr. Mitgliederver- samnrlung bei Clement, Düppelstr. 7. Bericht von der Generalversamm- lung._____ Zilmschau. „Cabiria." u. s a- P a l a st. Der Film„Cabiria", der gestern im. U i a- P a l o st am. Zoo zum- erstenmal gezeigt Wunde, mischt Weltgeichickte mit einem Kindesschickial ineinander. Sein grösserer Verwandter ist. sgner Kleopaträ-Film, der vor dem Kriege als starke stieg iele istung w.ftfte und einen Weltsiegcszug buchen konnte. Daß auch Cobiria, eine italienische Arbeit, der Vorkriegszeit angehört, ist an manchen Zeiten abzulesen. Der Film ist allzusehr historisch im äusseren Bilde und die inneren Vorgänge Halen zu wenig intensives Leben. Die Handlung betriift ein Romcrkind, ein kleines Mädchen, dos in karthagische Hände gefallen ist, als Sklavin gekauft und mehr- sack tödlich bedroht wird. Es soll dem Moloch geopfert werden. wird aber immer, als Kind und später als Erwachsene, gerettet. Retter ist zunächst die Amme, dann ein junger, als. Spion in Karthago lebender Römer und sein herkulischer treues Negersklave. Das billige Mittel, durch rennende Verfolgereien Svanvung zu erzeugen, wird ausgiebig ausacnutzt; es kann aber nicht hindern, daß der Film kalt wirkt. Er bietet manch Vortreffliches dem Schauen, strömt aber wenig Gemhlsgcist aus. Wenn esjdio« für da? Auge reizvoll ist, einen Aetnaousbruch und eine«lädtever- „Sogar die Pflickt!" fiel ihm der Blasse ins Wort. „Sehr wahr!— Jeder gesteht jedem das Reckt zu, seine eigenen Gedanken zu vertreten."„In sckärsster Form." „Nur rein sachlick."„Nein, ohne Einschränkung l"„Sie werden sich wohl hineinfinden. Herr Folkers," der Doktor lächelte,„alio bitte. Fräulein Inge." Das junge Mädchen ließ die ruhigen Augen auf Dierk haften uiid begann:„In jedem Menschen sagte ich. schlum- m?rt ganj auf dem Grunde seiner Seele ein unbestimufter Drang, eine dunkle Sucht— eine Sehnsucht nach irgend etwas. Wir haben das Gefühl, daß etwas leer ist, ja, daß sogar das Beste und Edelste, das ganz Vollkommene in im- scrcm Leben noch kehlt. Und die Sucht nach diesem Unbestimmten und Unsass- baren ist es. die letzten Endes immer unsere Handlungen be- stimmt. Und wenn je die größten und kühnsten Menschen olle,» Zeiten etwas Gewaltiges geschaffen haben, io ist es eben aus dem Gefühl der eigenen UnVollkommenheit heraus entstanden. Ich weiß nickt, ob Sie mick verstehen?" „S-ebr wobl— und was folgt daraus?" fragte Heller. „Daß die Erfüllung vielleicht ein Unqjück kür die Mensch- beit wäre, und daß eben dies Suchen nach dem erlösenden Ge« danken alle Kräfte bewegt." „Einverstanden!" rief der Blasse und fuhr mit einem leicht spöttischen Klang in der Stimme fort:„Vielleicht weiß uns Fräulein Inge nun auch zu erzählen, was uns eigentlich fehlt? Liegt es in uns oder außer uns?" „Ich meine." iagte sie und iah rubig geradeaus, „irgendwo in dem Aufbau der Menschengeschichte muß ein Riß sein, der uns von der früheren natürlichen Vollkommen« Heft trennt." Ein rotbäckiger sunger Mann mit flaumigem Bart um das ganze Gesicht fuhr erregt auf:„Ausgezeichnet! Zurück zur Natur— das ist's fa. was ick immer fordere. Betrachten Sie den Bau des menschlichen Körpers, seine Sinne, seine natürlichen Fähigkeiten— hat unser? ganze Entwicklung nicht eine Richtung genommen, die ebetn'o unvernünftig wie gefährlich ist?" „Herr Truge? meint allo," spottete der Blasse,„wenn die gesamte Menschheit morgen statt der gebratenen Hammel- keulen nur Kohlrüben äße. wäre die Vollkommenheit er» reicht?" (Forts, folgt.)'' icBfittunfl M sehen oScr anHIc VesagtttingZsänchfe oh er SanntScfs Ueberffana über die Alpen oder das mcnjcbcnmörderisckie MolochS- fest, so wirkt doS alles doch zu sehr als bloße bistorische Drapierung, weil d-r Zweck, persönliche Schicksale ini Rahmen großer geichicht- ! icher Vorgänge zu zeigen, nicht so angestrebt wird, daß ein innige? Verschmelzen de? seelischen Einzelnen mit dem Historischen heraus- kommt. Tic römisch-karthagischen Kämpfe siltd in einer Art bc- handelt, als seien sie dem Publikum bcrtraui und unbedingt be- merkenswert. Aber bei dem breiten Kinopublikum ist das keine?- wegs der ssall, zumal in unseren Tagen, und daS wurde auch durch eine reichlich kühle Ausnahme des Werkes bestätigt. "Die Jagd nach dem?odc" bciiieli sich ein Abentcuersilm, der al? ZvkluS in vier in sich selbst abgeschlossenen filmen im Rabmen de? Tecla-Verleih-ProgrammS erscheint. Tai Manuskript stammt von Robert Wicue und IohaimcS Brandt. Tie Regie sübri Carl«erbardt. Tie tragenden Rollen de? ersten Teiles haben LU Tagover und NilS Chri- sanoer inne. Franz Hokcr bat mit seiner Inszenierung seine? ersten Film? begonnen. Tarin spielt der Meister-Beiusedeleliiv Erik Jan Hanussen eine sclbsterlebtc Begebenheit au» sein cm Berufsleben. Tie anderen Hauptrollen liegen in den Händen von Margit Barnah, Theodor LooS, Hermann Picha, Olas Slorm und Emil Birron. ,,Taö Haupt dcS Juarcz", Wolfaang Geiger? Film, den Jobann«? Guter zurzeit für die Tecla-Biosesp-A.'G. dreht, ist in den Hauptrollen mit Sascha Gura, Adele Sandrcck, Rosa Balctti, Wilhelm Tiegelmann. Josef fliein, Lothar Müthel, Hermann Ballenrin und Eduard von Wimer- stein besetzt.— Robert W i e n e hat den Film„Tie Nacht der Königin Jsabeau" neben Fern Andra, die die Königin spielt, mit Elsa Wagner und Fritz Koitncr. John Gottowt, Lothar Müthel, Hau? Heinrich von Twardowski und Alber« Lind besetzt. Tie Tcutschc Lichtbild Gesellschaft veranstaltete!n ihrem Borsührungs- räum sür amerikanische und englische Journalisten einen S-Uhr-T«, bei dem außer der neuesten Meßleiwoch«, Lehr- und Kulturfilme», u. a. der von Richard Lörckkubein inszenierte Barrisoniilm»Spiegel der Zeiten" wär>s"-Betr>ebcs. Näheres wird noch bekanntgegeben. — Sitzung des Bildungsausschusses heute abend 7'v Uhr bei Stärcke. Schöncbcrg- Friedenau. Wichtige Sitzung der S.-P.-T.-Eltcrnbeiräte und Ersatzleute, abends 7Vi Uhr bei Obst, Marlin-Luther-Straße 69. Morgen, 1l>. Oktober: 45. Abt. Vormittags i-io Ubr: Sitzung der Parteifunktionäre, Be- triebsvernaucnslcutc und Elternbeiräle bei Pose, Koloniestr. 15. • KrciSdrrtrrtcrkonferrnz dcS 20. Kreises im Lokal Krstanienwäldchen, Schönholzstr. 14, Montag, den 11. Oktober, abend» 7 Uhr. Tie Kreis- Vorstandsmitglieder trcssen sich eine Stunde früher. Ter Vorstand. Post- und Trlcgraphcitbeamlcn und-bcamtinnen der T.P.T. Mon- tag. den 11. Oktober, abends 7 Uhr, Versammlung in der Topftienschule, Weiumcislerstr. 16/17. Tagesordnung: 1. Tas neue Parteiprograirim der S.P.T. und die Beamten. Ref.: Genosse Postsekrctä: Rieck. 2. Freie Aussprache. Tos Erscheinen aller Genossen und Genossinnen ist dringend erforderlich. Wir biucn alle Mirglicder, die aus dem Boden der S.P.T. stehen, zur Versommlnng mitzubringen. Werbeausschuß sür Post und Telegropbie. I. A.: Kuglcr. �ugenöveranftaltungen. ArbciiSgcmcinfchast Tüdcu- Südwesten Westen. Heute'-7 Uhr im großen Saal der Habels-Braucrei, Bergmannstr. 5�7. H c r b st f e i e r mit besonderem Programm. Einliilt 1,25 M.— Arbcit-gcmeinschail Char- loitenburg Moabit.'-7 Uhr im großen Saal des Volkshanscs, Cdar- loticnbnrg, Rosinenstr. 4, Herbstfeier mii besonderem Programin. Eintritt 2 39 M.— Abt. Nicderschönhauscn, Restaurant Wilhelmshöhe, S t i j t u n g s s e st mit besonderem Programm. Genchtszeitung. Tic Bluttat in Trsikl, der cm 5. April das Ticnstmädcbeii Gcrtrrrd Tchncider zum Opfer gefallen ist, fand jetzt ihre Sühne durch das'Schwurgericht am Landgericht III. Ter angeklagte Arbeiter Fritz Voigt hatte sich im Jahre ll>1.? verheiratet, dann aber sich bald von seiner Frau gc- irenni. Er ist ein gewalttätiger Mensch, der schon mehrmals vor- bestrast ist, darunter einmal wegen Körperverletzung mit TodeS- erfolg. Er unterhielt ein Liebesverbältnis mit dem Dienstmädchen Gertrud Schneider, die zuletzt im Restaurant Strandschloß in Stel- lung war. Dem Mädchen war der Verkehr mit dem Angeklagten, der ihr wiederholt Gelder zum Zlnkaus von Kleidungsstücken ge» schenkt hatte, schließlich zuwider geworden und sie suchte, von ihm loszukommen. Tie machte alle möglichen Anncengungen, um sich das Gclo zu beschaficn, da? Voigt für sie ausgegeben hatte und das sie ibm zurückgeben wollte. Sic veNvetgerre dem Angeklagten wiederholt, mir ihm auszugehen und blieb bei dieser Weigerung auch am S. April. Ter Angeklagte geriet hierüber in die größte Auf- regung und fand Gelegenheit, sich unbemerkt in die im� obersten Stockwerk belegene Stube der Schneider zu schleichen, wobei er ganz erstaunliche Klcltcrkünste ausführte. Mittels einer Leiter gelangte er ans das Vordach des Eisschuppens, vcn da mittel? einer zweiten Leiter aus das Hanptdach des EisschuppenS, dann kroch er unter Mitführung der Leiter das Dach entlang und kam auf daS Tach des Hauptgebäudes, von wo aus er über einem spitzen und steilen Giebelaufban hinweg in das Fenster der Schneider stieg. Dort versteckte er sich hinter dem Kleiderschrank. Als die Schneider ihre Stube betrat, sprang er plötzlich auf sie los und suchte sie zu packen. TaS Mädchen entwand sich ihm und suchte zu entfliehen, er stürzte ihr nach, holte sie aus der Treppe ein, packte sie wieder und fiel mit ihr auf einen Treppenpodest, so daß die Schneider aus dem Rücken und der Zlngeklagie, mit dem Gesicht ihr zugewendet, über ihr lag. Der auf das Geräusch hinzueilende Gastwirt Otto Hintz sah, wie der Zlngeklagie der Schneider mit der einen Hand den Mund zuhielt und mit der anderen sie mix einem Messer be- arbeitete. Das Blut spritzte bis zur Decke empor. Der Angeklagte sprang durch ein Fluriensier und machte dann wieder ganz tollkühne Sprünge über viele Meter hinweg, bis er in den Garten gelangte. Dort wurde er, unter einer Treppe liegend, von der Polizei auf- gesunden. Tas Mädchen starb an den sehr schweren Perletzungen, die ihr der Angeklagte mit einem scharf geschlissenen Messer bei- gebracht hatte. Sie hatte eine weitklaffeNde Halswunde erhalten; durch die mit großer Gewalt geführten Schnitre, die durch die Speiseröhre, den Kehlkopf und die großen Gefäße gingen, ist der Tod durch Verblutung herbeigeführt worden.— Tie BeweiSaus- nabme ergab, daß der Angeklagte ein. geistig minderwertiger, kranb- bart veranlagter und von seinem Jähzorn leicht völlig beherrschter Mensch ist, der sür seine Tat nicht voll verantworilich gemacht werden kann. Er wurde zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Sport. a!!er Weit. Verhaftung eines MillionenschicberS. Die Frankfurter Sicherheitspolizei vcrstzstete in einem ersten Hotel den Lljährigen Bankbeamten Jakob H e tz n e r au? Kaltenbuch. der, wenn sick» seine Angaben bestätigen sollten, der be- sonderen Beachtung der Steuerbehörden nur dringend empfohlen werden kann. Ter junge Mann führw«n seinem Koffer nicht weniger als 3 900 bOll M. und 7.Kilogramm Feingold bei sich, außerdem halte er in seinem Besitz Brillanten von hohem Wert. Er will da? Geld durch Valuta spekula- t ioncn dadurch erworben haben, daß er im vorigen Jakre von einer Tante aus Argentinien 40 000 Pesetas gleich 1,5 Millionen Mark erhielt und damit den Grundstein zu seinen Finanzopera- iionen legte. Selbstverständlich befanden sich in seiner Begleitung zwei junge Mädelvn Hetzner hatte am Tage seiner Verhaftung ein Auto sür LOO 000 M. gekauft. Eisenbahnunglück in Venedig. Venedig, 8. Okiober. Heute nacht stieß auf der Brücke über die Lagune der Zug V e n c d i g— B o l o g n e auf den Schluß des nach Mailand bestimmten, wegen Bremsenichadens ausgetal- lenen Zuges auf. Zwei Wagen 3. Klasse des Mailänder Zuges und die Lokomotive, Packwagen und Postwagen des Zuges nach Bologne wurden beschädigt. Bei dem Eisenbahnunglück sind bisher 23 Tote festgestellt, man fürchtet jedoch, daß diese Zahl noch steigen wird, denn der Zustand mehrerer Verletzter ist hoff- nungslvs. Der Zugverkehr ist wieder ausgenommen worden. Tie Hafenarbeiter und die Arbeiter mehrerer Fabriken haben zum Zeichen der Trauer die Arbeit eingestellt. Herbstsportsesl im Stadion. Tas letzte große ReichSausschuß-Fest deS Jahre? findet am Sonntag, den 17. Oktober im Stadion statt. Es bereinigen sich Radfahrer und Leichtathleten, um sich noch ein letzte? Mal aus der Bahn ein Stelldichein zn geben. Aus dem Programm der Leicht- aibleten ist besonders der alljährliche Herbstwaldiaus zn erwähnen. Er sülirt über 5—6 Kilomeier und beginnt und endet im Stadion, außerdem iindet ein 10-Kilome«ei-Bak»igeben und ein Handballspiel s.an. Tic Rad- iahrer halten ihr Fahren um de» Stadion-Polal über 46 Kilonieter ab. Auch dieses Rennen beginnt und endet im Stadion. Anfang der Kämpic 3 Uhr. Eintritt 2 M.. Logenplatz 5 M. Vorverkauf bei Werthcim und den bekannten Sportgeschäste». Taatsportseft in der Philharmonie. Ter Slrbeiter-Radsahrer-Bund »Solidarität", bei dem neben dem Wandersahren auch der Saalsport eine gute Pslegstätte gesunden bat. tritt zum ersten Male mit einer größeren Veranstaltung an die Oesfentlichkeit. Am 23. Oktober veranstaltet er in den Räumen der»Philharmonie" in Berlin, Bernburger Str. 22, ein große:- Gau Saaisportsesl mit Werwngssabren, zu dem die besten Saal- mannschasten de? Gaues gemeldet haben. In mehreren geschickt ins Pro- gramm eingeslochtenen Radballspielen messe» die besten Spieler ibie Kräfte und die Kunstfahrer des Gaues sorgen sür weitere Abwechslung. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Zur Förderung des Geräteturnens im Kreis« veranstalict deck 1. Kreis«Provinz Brandenburg) des Arbeiter-Turn- und Sport-- bundeS am 14. November in Berlin, Turnhalle, Prinzenstraße, ein Musterriegen-Wetturnen. Alle Vereine des Kreises werden- zur Beieilignng«ingeladen. Beginn nachmittags 2 Ubr. Zur Verschönerung de? Programms bstict der KreisturnauSschuß um Be. teiligung von MusterriegLN in Frei- und Handgerätübungen. Eine Musterriege muß mit. dem Vorturner mindestens sechs Mann zäblcn. Die Uebungeilfrind frei gewählt und sauber ausgesetzt in drei gleichlautenden Eh aplaren bis 12. Oktober an den Unter- zeichneten einzusenden. E ne UebungSgruPpe muß mindestens sechs Uebungen enthalten. Tie l Vergleiche Ausführung rechnet nicht mit. Zur besseren Jnformierun,?f.der Gäste und Teilnehmer wird ein Programm herausgegeben,-r�cher müssen die Musterricgen mit Namensnennung des Vortur.sLrS bis 12. Oktober gemeldet fein. Turnwarte und Vorturner, zeigt Euer Können nnd stellt Muster« liegen. Für die Vereine der Lausitz ist günstige Fahrvcrbindung ab KotibuS 10,15 Uhr vormittags. Ab Berlin abends 6H Uhr. Der Kreisiurnwart. Otto Schubers Kottbus, Zschufchkestr. 19. Vorkam»! im Admlrals»alist. Zu item am 15. Oktober im Zldmirals- Palast ftattsinvenden Großkampftag hat die Sportdircltion E r m i n i o Spall«, den Bruder von Villseppe Scilla, zu einem 15-Rui:dcnkamps gegen den Teutschmeister Hans Vreitensträrft verpflichtet. Enninio Spalla ist der Titelhalter de? Leichlschwcrgewichtkmeisters von Italien, Der Verkauf der Billette beginnt am Dienstag, den 12. Ottober. «Setterau«nchte* für da« mittlere Norddentschland bis Sonntag mittag Meist heiter-iknd trocken, nnttagZ ziemlich warm, nachts recht kübi bei schivachen südöstlichen Winden. Gewinn-Zluszug IL. Preust.-Südd.(242. Prcufj.) Klassen-Lrft!?� 4. Klasse 1. Zichmizttag 7. Lticber 1520 a»e Je«!» rtücke Kernseife. 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Stepperin auf Lederschäfti in Meicher& Sendowski Nr. 50$ ❖ Z7.Fahrgasg 2. Seilage öes vorwärts Sonnabenö, 0. Oktober 7020 Cafeiria. New Aorker Erinnerungen von tfkitz Jacobsohn. Wenn ich jetzt die Vorankündigungen zn ».Cabiria" mit dem Untertitel..Der Kampf um die Weltherrschaft" lese, überkommen mich wehmiinge Erinnerungen.„Gabiria in Berlin im U f a- P a l a st am Zoo im Oktober des Jahres IM)! Ist die Welt stehen geblieben? SKaS war. was geschah in den letzten sechs Jabnm. da ich zum erstenmal daS Wort Eabiria Vrte? Berlin, einst in der Welt voran, die Stadt der Uraufführungen, ist alt geworden. Berlin bekommt den groß- ten Ansstattungssilm, den die Früh- zeit der Kinokunst hervorgebracht hat. sieben, acht Jahre nachdem er die Runde durch fast die ganze Welt gcniacht hat, fetzt zu sehen. Aber Berlin wird nicht merken, daß „Eabiria� kein n e n c r F i l m m c h r ist. Ter Grund dieser Verspätung? Krieg, meine Herrschaften, über vier Jahre Krica, und hinter. ber kein Friede. Allmählich erst fallen die Schranken, und ganz sackste werden wir auZ unserer„Splendid-Jsolation" herausgeführt. erfahren wir, was in der Welt da draußen vorgebt und vorgegangen ist. Ich bin ge. spannt, wie Berlin, wie das deutsche Publi- kum auf„Eabiria" reagieren wird. Ob dieses Werk, das die prunkvollste und spannendste Illustration einer der grandiosesten Epochen der Weltgeschichte, voller feenhafter Bilder und überwältigender Epi. s o d e n ist, von erstrangigen italienischen Schauspielern gespielt, ob„Eabiria" in Teutsch. land den gleichen Erfolg haben wird wie in den anderen zivilisierten Ländern. Das wird sich, in Kürze erweisen. Mich aber erinnert das Wort„Eabiria" an einen der eindrucksvollsten Wende meines Lebens, «B erinnert mich an die glückliche Zeit, da Deutsch- land seine Söhne noch in die weite Welt hinaussenden konnte, ohne die hundert Paß- schwierigkeiten, ohne Steuerdeklaration und ohne die katastrophale Frage des Valuta- gespenstes. In New Aork war es, im Frühjahr lllU. Wir waren mit dem größten Schiff der Welt, mit dem„Vaterland" herübergekommen. Unter uns eine Reihe Namen von gutem Klang, von der Hamburg-Amerika-Linie ein- geladen: Georg Brandes, Bernhard K e l I e r ni a n n, Alfred K e r r. Ich war Gast des amerikanischen Zeitungsverlegers H e a r st. Von Cuxhaven bis New Aork märchenhafte sechs Tage, schwimmender Palast, letzter Ausdruck der Größe Teutschlands, höchste Emanation des Imperialismus, der den Krieg heraufbeschwor, an dem wir zugrunde gingen. O, du mein Teutschland, wie traurig hast du geendet... Damals, wie waren wir froh und stolz! Nie werde ich den Sirenen-Jubel ver- gessen, mit dem wir, als wir an der Liberty- Statue vorbeifuhren, von allen Schiffen im New Uorkcr Hafen begrüßt wurden, als unser „Vaterland" majestätisch mit seinen üllX» Tonnen dahinglitt, unter dem Getute seiner Tampfsirenen wie ein Riesen-Ichthyosaurus er. bebend. Trunken von all den neuen, ungewohnten Eindrücken stürzte ich mich in die Sensationen, die dieses wahnsinnigste Stadtgebilde der Welt. New Aork, bietet: Ich stieg auf 53 Stock hohe Wolkenkratzer und bummelte durch die geheimnisvollen Stätten des Chinesenviertels. Ich genoß die wüsteste Angelegenheit New Vorks, Coney Island, wo das Vergnügen zur Tortur wird. Ich zog durch die Matroscnkneipen Ho- bokens und tanzte in den eleganten Luxus. restaurants Churchill imd Bustanoby. Ich ging � in die Theater, sah schlechte Stücke, ging zur I Paising Show in Ziegfield-Follics und sah die ' schönsten Beine der Welt._ Ten tiefsten und überraschendsten Eindruck aber hatte ich bei„Eabiria". Ter Film„Ca- biria" lief damals, 1914, bereits längere Zeit in New Aork, und doch war das Riesenkino, in dem er gespielt wurde, von drei Uhr nach- mittags ab stets ausverkauft. Ganz New Aork sprach damals von den Schönheiten die sesFilnts. und ich traf Leute, die ihn mehr als ein halbes Dutzend mal g e- sehen hatten und mir o e r s i ch c r- ten, sie könnten ihn noch öfter sehen. Tie New Aorker haben eben besondere Nerven. Im Falle„Eabiria" war tatsächlich ein Rekord geschaffen worden, der selb st in New Jork später nicht mehr überboten wor- den i st. Meine Ungeduld war natürlich auf dem Höhepunkt, und meine angeborene Skepsis meldete sich recht kräftig. Lichtüberflntet lud der Broadway zu„t.hsc>tGa»eec*ee<*sv£ecssa |----- 2 fingeHtt Schlafzimmer Speisezimmer 1 Schrank, Eiche 1 Waschtoilette mit Marmor 2 Kacbttisuic iu. a» 2 Bettstellen, 2 Patentböden 2 dreiteilige Anflagen 2 Stühle I HapdinclihaUer 1. 3900, 5150, W Herrenzimmer 1 Büfett, Eicha 1 Kredenz, 1 Anszlebtlaeh, 6 S'Ohle, mix la Polsterung Prima Ausführung 1 Blbllotüek, 1 Schreibtisch I rnnder Tisch 1 Schreibseaaei 2 Sthnle Elche «50, SBöfl, M Jüchen I Büfett I Anrichte 1 Tisch 2 Stahle 1 Kohlt nkaatea l HandtnchbaupT B. ra, iü, ifso : 7R.Sdjlemmty&£o. Derlin C., Oircksenstr. 31 am Dahnhof rflexanderplatz Ccke ntönlgagraben Am Sonnabend, den 9. Oktober, findet die Eröffnung meiner im Anschluß an meine Delikatessen- und Weingroßhandlung neubegründeten Feinkost-Weinstube Friedrichstraße 152, Nähe Bhf. Friedridistr., statt. Speisen u. 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Einla» 6.30, �.30 Scnöntieitstänze 4-Uhr-Tee ❖ Tanzkabarett. iLinden-Cabareti Unter den Linden 88 Das iroße Okicber-Erälfiiüiigsprogpaniiii Erik Jan Hannussen der berühmte Meister-Detektiv Paul Göbel das sächsische Unikum Isi Teg6 Schönheitslanze sowie weitere 8 Attraktionen Theater,iichtspie8e etc."� Opernhaus. Der Barbier v. Sevilla 7 Uhr. Schanspielhaus. Der Marquis v. Keilh. I Uhr. Dentsches Theater. 6V. Uhr: Faust I. Stg.Z1/.: Der lebende Leichnam 7 Uhr: Einsame Menschen. Kammerspiele. 7V, Uhr. Büchse der Vandora. St« ZV, Uhr- Der Weibsteufel. k Uhr. Die Brandstätte. Gr. Schanspielhaus (Karlstraße) TV,: König Oedipus(auß. Ab.) Stg 21/, U.; Danton(auß. Ab.) 8 Uhr: Jedermann(auß. Ab.) Theater i. n. KöaiggrätzerStraße 7 Uhr, zum I. Male: Rausch von August Strindberg. (Maria Oisaa. Alfred Abel, Joh. Riemann, Frieda Richard, Rose Ve dtkirch, �.Dernbure, K A. Römer, Hugo Bauer. Werner btein, Rudolf Jünger.) Si.nnra«: Rausch. Montag: Rausch. Dienstag: Erdgeist. Komödienhans V,? Uhr: Der Herr Minister mit Max Pallenberg Berliner Theater Täglicn VrS Uhr: FritziMassary als Vera Lisaweta in; Der letzte Walzer. Volksbühne Theater am Bülownlatz. 7 uhr: RabaIeD.liebe lesslng-llieater. Direktion: Victor Barnowsky. Heute bis Montag: S;! Das Gelübde (Konstantin, Laos, Klopfer, Lind.) Deutsches Rönstlep-TlieatEr Allabendlich>/-8 Uhr; DieScheidungsreise mit Max Adalbert una Trude Hesterberg» Central-Theater Alte Jakobstr. 30. 7V,■ Ffsu Bärbel(Operette) Echwarzwaldmädel Ii. Teil. Deutsch. Opernhaus Abends Uhr; Die Walküre. FrieiIr!c!]-Wili]El!i!st.Tlieater 7'-, Uhr: Hoheit die Tänzerin Kleines Theater Ch'r: Die Plantekoniiiilie mit Lüde Höflich. Kl. Schanspielhaus Fasauenstr. 1(Na eBht. Zoo) Zun7v; uhn Rlndertragötüe, Komische Oper Allabendlich 7'/, L hr: Liebe im Schnee Sonntao jiachm. ZV, Uhr: Liebe im Sehnee. I.iintHpfeUinaK 7''. Uhr; Arnold Rieck in ZwangseiEfjuafiieFung. Motropol-Theater u: lioilandweihchen in der Prcmibrenbcsetzung. Sonntag U. Cheneys Tante mit Uuido Thielscner. Neues Central. Theater in der Kommandantenstr. u.: Die Dame im Frack. iteiie*<�peretrciihaaM vi, u.: Die Csikösbaponess. Stg J> Der Obersteiger. Feuers VulkHttaeater 7-, uhr Der Biberpelz Schill er-TlieRt. Cliarl» vi, uhr; Bettinas Verioliung Th alla-Tbenrer vuu.: Der öü« Franzi. Tli. aia\ ollen dorf|tlatK 3l/4 Uhr Der Freischütz, 7 uhr: Wem Liebe erwaclii Etg. N/,: Der Vlcigcllcbfe. Theater des V, estena u? Der ersten Liebe gglii.N Stg. 3'/,: Die Frau im flormelin. *V n Uuer-Th enter u'! Der Geiger von Lugano. Stg. y/i: Eine Ballnacht« Walhulla-Theater. I uh'rGastsp.Hartstein Residenz- Theater. Heute nachm. 4 U., kleine Pr.: StrHwcIpeter. läguch•;.» Uhr: Die Freundin. Tilia üuricux, Tocl'c, Bildt, I Albirs, Va.lentin. Sonntag« Uhr: Die Freundin.; Triaaon-Theater. Heute naenrn. 4 U., kleine Hr.: KrttkJippohen. Täclicn V,8 Uhr; 0er Roman einer Frau. fda Uüst, Burg, Limburg, Vaiettt, Falkensiein. Rose-Theater. 3r/j Uhr; Schneewittchen. Fcliss Gapilce. 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C&BIRIA der seit 3 Jaliren mW Spaanuag erwartete Film täglich im üia- Palast am Zoo 7 und �9 Uhr r Singakademie Heuti?. ao.mabentl. H Uhi: Bach=Abend 1 Erv�in Bodky. f � Karten: 10, 8,?. 3 M. und Steuer bei Bote 4 Bock;=■ Wertheim, Abendkasse.«w E_£■ ü Bcetbovensaal. Heute, Sonnabend, 71/, Uhr:" i Lieder=Abend| I Elisabeth Schumann. Am Klavier: Karl Alwin.| Karten: 15 bis 3 M. u. Steuer oel Bote& Bock, Wcnheim u. Abendkasse A UN FRIEDRICHSTRASSE 180, ECKE TAfBENSTR ASSE/ ZENTRUM 1 725, 5224. DAS VORNEHME ABENDLOKAL 4--UHR=MOKKA EIGENE KONDITOREI TANZ AB 7 UHR: ERLESENE SOUPERS VON 20 MARK AN GESANG DIE BERUEHMTEN S T El N E R« K O N Z E R T E EINTRITT FREI! HERVORRAGENDE KUECHE/ BAR-GETRAENKE GUTGEPFLEGTE WEINE/ MAESS1GE PREISE r# Jjp J&JT1 4 7 und /«s ülxr CAB1RIA Der Kampf um die _ Weltherrsdia ft_ öle tieillge Sf mpliclat Filmlegeade w 6 Akten ooo Ttxea"von Hari>o\i Der zweite May- Regle-Melslerfilm Eva May Alfred Gerasdn oom Burgtbeater Wie» 2. Wodie WHItedxapel Regie. EL A. Dupon] Hauptdarsteller MI e re n cl o rfi Grit Hegeaa Z. Woche Sumurun ttegie Ernst LvxbllioE Hauptrolle. Pola Negri MOJ Schauspiel in 5 Akten Peoit Rudolf BlebracH Hauptrolle: Lotte Neumann RelngefaUen B. B. Lustspiel io 2 Akten mit Arnold Rleek Der HenKer [ von Sl-Marlen Küns/Iensdie Oberleitung» Joe Moy Verfasset und Kegisseurt Frllj Fretsler Hauptrolle Eva May Die Tarantel Stnuliomlilm ocn Karl Flgdor Peine Rudolf Dlebrach Das VoUiiamädel mit Ossi Oswald«* Wochen lag» ä1> 7 LTrr Sonntag» Beginn 4 LItir RECM/AtS�B ■.■CtÜT�-PBESLE Kantstr. 163. Zweite Woche mit sensationellem Ertolg! 3Ianolescns yiemoiron. Conrad ifeidt'8 hervorragcade künstlerische Leistung als König: der Diebe dürfen Sie sich nicht enteehen lassen! In den weiblichen Hauptrollen: Erna Morena, Kate Walück, Lilll Lohrer, Adele Sandrock, HeddaVcrnon. Regie; Rieh. Oswald, Wochentags Einlaß: 6.40 8.30 Uhr Sonntags»« 3 40 5 20 6.45 8.30 Uhr. ««GLRi iLsaettaus-aisa silie äl Unter den Linden 31. zrs: Zwei Uraufführungen. Carola TosUe Oer siebente Tag. Großes Ausstattungslustspiel aus der Rokokozeit in 5 Akten. Das Besteht im JMsehein. Kriminalroman yus alten Zeiten in 5 Akten. Hauptrc'le■ ROBERT W A R TV 1 C K. 7M. 8'°. Das schönste Damenlisln wird am Donnerstag, den 14. Oktober, prämiiert Preisrichter sind bekannte Künstler. Meldungen zum Wettbewerb abends im Palais der Friedrichstadt ▲mor-S&l» Prledrlchstrafie Anf. 71/, Uhr. EiDg. Bcsselstr. 2t Ygglicb: Der elegante Baubetrieb. Während der Tanzpausen künstleriscbc Darbietungen Klaus Klausen. Carl Stöbr, DQdeganl Orlowsky BallorcbMtcr Bodos Vernichtung öer Dieselmotoren. Auf Befehl der Entente. ?lvgZSurg, 7. Oktober. Tiefer Tage erschrc« bei der Direttio» des Werkels„Augsburg- Nürnberger Niaschinenfabrik" eine Ententekvmmisfio». um den Bestand an Diesel- moturen auszunehmen. Dabei erklärte der Führer der Kommission, dah sämtliche in Teutschland befindliche Dieselmotoren»er- Sichtet werden sollen, angeblich, um zu verbindern, daß sie wieder für Ubootzwccke Lcrwcndung finden iöuutcn. Die Direktion erklärte, sich mit allen Mitteln der Vernichtung zu widersetzen. Eine Abordnung von Angestellten und Arbeitern ist nach Berlin abgereist, n« mit den zuständigen Reichsstcllcn und dem Betriebsräte» tongreß in Fühlung zu trete». Buch Mitglieder der Direktion find nach Berlin abgefahrcu. beim Reiche vorstellig zu werden. Wie das W.T.B, hört, sind auch diplomatische Schritte im Sinne einer Aufhebung der Anordnung der Entente aus Vernichtung der Dieselmotoren im Gange. Deutsth-französisther Meinungsaustausch. Eine Anregung des Ministers Simons. An unterrichteter Stelle wird über die deutsch-französi- scheu Verhandlungen, zu denen verschiedene Aeusternngen der französischen Presse vorliegen, folgendes mitgeteilt: Dem französischen Botschafter Laurent ist bei seiner Abreise nach Paris durch Minister Simons eine Auszeichnung über- geben worden, die den Borschlog macht, formelle Besprechun- gen zwischen deutschen und französischen Sachverständigen über die Frage der Reparationen und des Finanzproblems statt- finden zu lassen. Entgegen anderslautenden Mitteilungen ist bisher mit den Verhandlungen nicht begonnen. Französi- scherfeits ist auzch noch keine Mitteilung über eine etwaige Stellung nähme zu den, deutschen Anregungen gemacht worden. Deutsche feste Vorschläge für die Erörterung des Problems, die man schon jetzt als undiskutabol bezeichnen könnte, liegen nicht vor. In der deutschen Aufzeichnsng sind lediglich die äußeren Formen der Be- sprechungzen skizziert und die Unterlagen bezeichnet, von denen dabei ausgegangen werden könnte. Wenn französischerseits andere Vorschläge gemacht werden sollten, so werden diese geprüft werde«. Es heißt den Geist der deutschen Borschläge verkennen, wenn man sie sich gewissermaßen als Borbercitug eines Spruches der Reparationskommission denkt. Deutscherseits ist wiederholt be- tont worden, daß dir Erörterungen zur Borbereitung einer internationalen Konferenz dienen sollen, auf die Deutsch- lpnd noch den Zusicherungen in Spa Anspruch hat. Paris, S. Oktober.(Meldung des Hollaudsch Nieuwsbureau.) Die Regierung p.rüft die deutschen Vorschläge über die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen und über den Schadenersatz. Die erste Gruppe der Vorschläge ist nicht neu. Man hofft, daß man zu einem Ergebnis kommen wird. Be- züglich der Wiederherstellung wünscht die französische Rc- g-erung sich nicht zu-übereilen und die Schäden sorgfältig aufnehmen zu lassen. Man ist der Meinung, daß die K o n f« r e n z in Genf jetzt keinerlei Existenzberechtigung mehr hat.(?) Wie..Echo de Paris' erfährt, hat die französische Re- gierung von der englischen Regierung eine sehr wich- t i g.e Note über die Wiedergutmachung erhalten. Curzon verlangt in dieser Note, daß bald eine technische Kom- Mission zusamuienlreten soll und daß später ein i n t e r n a t i o- naler Ausschuß nach dem Muster von Spa gebildet wird, um die Entwürfe der SaSberständigen in einer Abmachung festzulegen. Frankreich stelle sich aöer aus/ einen anderen Stand- punkt. Vielleicht könne die Kommission für die Wiedcrgut- machuog auch hierüber zu einer Uebereinstimmung führen, so daß die. britischen Wünsche von Italien und Belgien unterstützt und von Frankreich genehmigt werden können. LeygueS über die deutschen Vorschläge. Paris, 8. Oktober. Der französische Botschafter in Berlin Laurent hatte gestern mit dem französischen Ministerpräsidenten LehgueS eine Unterredung über die deutschen Vor- beit ein, die ganz unverständlich wäre, wüßten wir nicht, daß sie Resultat der Unkenntnis der Gefahr ist.— Man muß arbeiten, wenn schon nicht aus dem Gedanken daran, so aus Verzweiflung,' da, alles auf«ine letzte Wahrheit ge- bracht, die Arbeit weniger langweilig ist als das Vergnügen.— In jeder Minute sind wir zermalmt von der Idee und der Sensation der Zeit. Und nur zwei Mittel gibt es, diesem Alpdruck zu entgehen, ihn zu vergessen: das Vergnügen und die Arbeit. Das Vergnügen verbraucht uns. Die Arbeit stärkt uns. Wählen wir. Je mehr wir uns des einen Mittels bedienen, um so größeren Widerwillen flößt uns das andere ein. Man kann die Zeit nur vergessen, indem man sich ihrer bedient. Alles macht sich nur nach und nach.— Die Arbeit fördert stark die guten Sitten, die Nüchternheit und Keuschheit, daher die Gesuudheit, den Reichtum, den fortschreitenden Genius und die Barmherz rgki it.— Hebet die Vorliebe der Franzosen für militärische Metaphern. Feder Metapher trägt hier einen Schnauzbart. Tie Fahne hoch halten, in die Bresche steigen, sich ins Getümmel werfen: die Ge- wohnheit solcher militärischen Metaphern zeigt nicht einen kämpfe- rifchen Ge-st an, sondern Disziplin, d. h. Gleickförmigkeit, Be- dientenseelen, Belgier, Leute also, die nur in Gesellschaft zu denken vermögen.— Verlangte ein Dichter vom Staate das Recht, einige Bourgeois rn einem Stall zu haben, wäre man sehr erstaunt, während man es ganz natürlich fände, verlangt« ein Bourgeois geröstete Dichter. Beilegung des Frankfurter TheaterstreikS. In der Streik- angelegenheit im Neuen Theater»n Frankfurt a. M. wurde zwischen den Parteien eine Einigung dahingehend erzielt, daß der Streik als beendet anzusehen ist. Am Freitag wurden die Vor- stellungen wieder aufgenommen. Der russische WohltästgkeitSabend, der vom Verein zur Unterstützung russischer Staateangehöriger in Berlin veranstaltct wird, findet am Z. Oktober, m Uhr. im.Rheingold' statt und bietet Konzerl. Kabarett und Ball unter Mitwirkung erster russischer Künstler. PHUofophIsche BorstSae und Urbungrn von Dr. Max Apel in der Humboldthochschule:.Einführung In die PhUosophie'. Montags 7� bis 9 Uhr, Steglitzer Sit. 8a, und ebenso Freitags 7H— 9 Uhr, Weitzenburger Straße 4b..Die Welträtsel'(mit Aussprache� Donnerstags 7H— 9 Uhr, Georgenstr. 30/31..Die Relativitätslehre und die Philosophie' Diens- tags von 7—8 Uhr, Lützowstr. 846. Ter einzige Tanzabend von Rita Sacchetto, der am S. d. M. aus- fallen mußte, ist aus Sonntag, den 17. Ottober, nachmittags 4 Uhr, im Blüchnersaal, verlegt worden. Ter Neubau des Deutschen Museums in München, der 1908 begonnen wurde, war in den letzten Kriegsjahren ins Stocken geraten. Da jedoch die Sammlungen des Museums sür den wirtschaftlichen Wiederaufbau wichtig sind, sollen die Bauarbeiten nun vollendet werden. Bon den aus 20 Mill. M. veranschlagten Kosten fehlen noch 12, von denen das Reich 9. Bayern 3 Mill. beisteuern wird. Die MonatSschrtsi„Arbeiter. Bildung" geht in ihrem soeben er- schlenenc» vierten Heft in Aufsätzen aus die Parteiprogrammarbeit und die Frankfutter Alademie der Arbeit, in BortragSdisposttionen auf Engels und Beethoven, in der Tribüne der Jugend aus die Frage der Jungsozialistischen Semeinschaft und die aktive Parieilätigkett ein. schlage in her Wieberg utmachungSfrage. Laut „Petü Parisien' sagte LehgueS, es sei richtig, daß die deutsche Regierung dem sranzösischen Botschafter in Berlin ein Schema des Programms unterbreitet habe, das sie sich für die Wiederher- stellung der verwüsteten Gebiete in Frankreich, sowie die Zahlung der deutschen Entschädigung in natura auszuführen vorgenommen habe. Diese Vorschläge seien aber unannehmbarer als die in Spa gemachten, denen sie sich übrigens näherten. Schlußtagung in Srüsfel. Brüssel, 8. Oktober.(Hollandsch Nicuwsburcau.) Die Jnter- nationale Finanzkommission in Brüssel hat heute ihre Tätigkeit abgeschlossen. Präsiden: A d o r hielt ein« lange Rede, in der er einen Ueberblick über die Weltlage gab. Er führte auS, daß gewisse europäische Länder, wie Deutschland. Ungarn, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland. Italien und Portugal. außerstande sind, die Kriegskosten aus ihren natio- nalen Einnahmen zu decken und daß die Finanzen dieser Länder durch inländische und ausländische Schulden recht schwierig werden. In Dollars zu dem letzten Parikurse umgerechnet beträgt die G e s a m t s u.m me der inländischen Schulden dieser Länder ISS Milliarden gegen nur 17 Milliarden Dollar im Jahre 1313. Die ausländischen Schulden, wovon etwa 11 Milliarden an Amerika und i% Milliarden an Großbritannien fallen, stellen ein noch viel schtvierigeres. Finanzproblem dar, weil viese Schulden in einer Geldsorte bezahlt werden müssen, die weit höher notiert als die des Schuldnerlandes. Die Ausgaben der am Kriege beteiligten Mächte sind um SOO bis 1500 Prozent gestiegen, aber auch die Lage der europäischen Neutralen ist sehr schwierig, weil diese Länder ebenfalls große Ausgaben haben. Nicht nur dt« militärischen Ausgaben allem üben einen schweren Druck auf die Einnahmen dieser Länder aus, sondern auch die hohen Preise und die Ausschläge auf Nahrungsmittel usw. Holland, die Schweiz und Spanien haben außerdem noch mit großen Schwierig- leiten zu kämpfen, da ihre Handelsbilanz während des Krieges durch die Gold ein fuhr gestiegen ist. Große Mengen Goldes befinden sich in diesen Ländern, and dies veranlaßt Inflation und Preissteigerung, die fast ebenso groß ist wie'n den am Kriege beteiligten Ländern. Die Notwendigkeit, ihre erschöpften Vorräte wieder aufzufüllen, erhöht ihre E'nfuhr. während der Stand des Wechselkurses gleichzeitig ihre Ausfuhr be- einträchtigt. Dadurch befinden sich diese drei Länder in großen Schwierigkeiten. Nur die außereuropäischen Länder erfreuen sich einer günstigen Wirtschaftslage. ßrieüensunterzeichnung im Osten. Aber der Krieg geht lueiter. W i l n o, 8. Oktober. Am 7. Oktober abends ist der Friedensvertrag zwischen der litauischen und der polnischen Regierung endgültig unterzeichnet worden. Tie litauische Telegraphenagentur meldet: Tro» der Unterzeichnung dcS Friedensvertrages fahrendiePolenfort, die litauischen Stellungen anzugreifen und dir litauischen Tmpvrn mit Artillerie zu beschießen. Gegen diese Verletzung der Bestimmunzen des Völkerbundes wird schärfster Protest vor de« ganzen Welt er. hoben.» Die litauische Negiernng hat angesichts der immer kritischer werdenden Lag« an die Vertreter der Entente den Antrag gestellt, die provisorische Verwaltung der Stadt Wilna in ihre Hände zn nehmen. Tie litauische Regierung stellt die Komman- dantnr und die Miliz zur Ber-ügiing. Ter zeitweilige Leiter ist der französische Vertreter in Wilna Rcboul. Moskau in tzamburg. Stimme« gegen Herzog sind ungültig. Hamburg, 8. Oktober.(Eigener Drahtberick>t de?.Vorwärts') Gestern fand in Haniburg die Urwahl der Unabhängigen zum Parteitag in Halle statt. Die revolutionären„Massen' der U S. P. sind in Stärke von ganzen 4900 Mann zur Wahl gegangen. Wer alles gewählt ist. läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da über die Zahl der Hamburg zustehenden Delegierten zwischen dem Zeniralvorstand der U. S. P. und dem Bezirk Wasserkante ein schwerer Konflikt Wrebt. Der Zeniralvorstand will dem Bezirk Wasserkante wegen versuchter Hinterziehung der Mitglied erbeiträge nur ein Mandat bewilligen, dagegen erklärt die Herzogsche..PolkSzeitung' die zehn Delogierten mit der höchsten Siimmenzahl für gcwählr. Siegt in Halle dte Ansicht des Zentralvorstandes, so wird der eine Delegierte Hamburgs nicht Wilhelm Herzog sein. Dieser steht nämlich unier dey Gewählten erst an zw'eiter Stelle, während di« höchste Stiminenzahl Teg- mann erhielt. Die zehn Delegierten nach Hamburger Auffassung sind samt- lich Anhänger der Moskauer Richtung. Diese» Re- sultat ist aber nicht durch die Wahl zustande gekommen. sondern durch die Anwendung echt moSkowitischer Methoden. Schon vor der Mahl war nämlich erklärt worden. daß Stimmen für Gegner der Moskauer Bedingungen für u n- gültig erklärt werden würden. Als trovdcm 639 Parteimit- glicdcr für eine Gegenliste des rechten Flügels stimmten, wurden diese 639 Stimmen von dem rein bolschewistischen Wahlvorstand kurzerhand kassiert! Man mutz den Hamburgern lassen, daß sie gelehrige Schüler Moskaus sind. Llnsang des HinauSwurfS. Hamburg, 3. Oktober.'(Eigener Drahtbericht des..Vorwärts'.) Die Hamburger„Unabhängige Volkszeitung' teilt mit, daß der Bezirksvorstand Wasserkante eine Anzahl Genossen, die namentlich aufgeführt werden.„wegenDisziplinbruchS' aus der Partei ausgeschlossen habe. ES handelt sich hierbei um diejenigen unab- hängigen Mitglieder, die sich bei der Wahl zur O r t S v e r» waltung deS Metallarbeiterverbandes, die bekannt- lich paritätisch aus den beiden Parteien zusammengesetzt war, auf einc gemeinsame Liste mit den sozialdemokratischen Mit- gliedern hatten setzen lassen. Lange werben die Herausgeworfenen ja nicht parteilos bleiben, denn cS ist sraglos. daß auch in Hamburg die Gegner der Moskauer Bedingungen nach dem Hallenser Partei- tag und dem Uebertritt der Herzöge zur K. P. D. ein« neue Partei aufmachen werden._ Maßnahmen gegen Setriebsabbrüche.. Dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat ist vom ReichSwirtschaftsminister ium und Reichsarbeit S- Ministerium gemeinsam eine Perordnung betr. Maßnahmen gegenüber Betriebsabbrllchen und-stillegungcn vorgelegt worden. Di« Verordnung sieht eine A n m e l d e p f l i ch t vor für ganzen oder teilweisen Abbruch von Betriebsanlagen sowie für die ganze oder teilweise Stillegung eines Betriebes, sofern sie mit Ar- b e i t e r e n t l a s s u n g e n im gewissen Umfange verbunden sind. Die Verordnung bezieht sich auf industrielle Betriebe sowie auf die Betriebe des Berkehrsgewerbes ausschließlich des Reiches und der Länder, soweit in ihnen mindestens 20 Arbeitnehmer be- schäftigt werden. Von der Anzeige ah läuft eine Sperrfrist vorz 4 Wochen, im Falle der beabsichtigten Stillegung, von g Wochen im Falle oes beabsichtigten Abbruches, welch letzterer unter ge- � wissen Voraussetzungen um weitere 3 Monate verlängert werden kann. Während dieser Zeit darf im Betriebe keine Ber- ändcrung der Sach- und Rechtslage vorgenommen wcrocn, die seine ordnungsmäßige Führung beeinträchtigen könnt«. Tie Sperrfrist dient dazu, den für Me Durchführung der Ver- � ordnung zuständigen Demobilmachungsbehörden Gelegenheit zu- geben, im Benehmen mit der Betriebsleitung und dem Betriebsrat sowie gegebenenfalls mit örtlichen und fachlichen Sachverstandlgen- Organisationen Hilfsmaßnahmen zu ergreisen, um dem Ab- bruch bzw. der Stillegung vorzubeugen. Eine genaue AusführungS- anweisung an die Demobilmachungsbehörden weist diesen im ein- zelnen die Wege, wie sie je nach der Ursache der für die Stillegung oder den Abbruch maßgebenden Schwierigkeiten Maßnahmen zur Stützung des Betriebes ergreifen können(z. B. produktive Erwerbslosenfürsorge, öffentliche Aufträge). Dabei ist ausdrücklich hervorgehoben, daß nicht jede Stillegung als ein volkswirtschaftliches Unglück betrachtet werden darf. Viel- mehr kann die infolge des Spa-Abkommens verschärfte Kohlenlage leicht dazu führen, daß gewisse Einschränkungen der industriellen Produktion im Interesse einer möglichst wirtschaftlichen Ausnützung der vorhandenen Rohstoffe sogar angestrebt werden müssen. Der Gesichtspunkt einer möglichst rationellen DuSnützung der vorhandenen Roh- und Betriebsstoffe kommt in der Verordnung auch dadurch zum Ausdruck, daß die Demobilmachungsbehörden er- mächtigt werden, nach der Anzeige der beabsichtigten Stillegung oder des beabsichtigten Abbruchs die im Betriebe vorhandenen Vorräte zu beschlagnahmen und zu enteignen. In erster Linie sollen auch hier die im Betriebe vorhandenen Kohlcnvorrüte erfaßt und- weiterer produktiver Verwendung zugeführt wetden. Wivtfdyaft 3 Milliarden neues- Geld in der letzten Woche auSssegeheit. Der heutige Ausweis der Reichsbank für die letzte September- Woche übertrifft an Verschlechterung deS Statuts alles bisher Dagewesen«. An papierenen Zahlur?gsmitteln wurden 2827 Mil- lionen Mar? neu in den Verkehr gebracht, so daß sich der Gesamt- umlauf am 1. Oktober beläuft auf 75 Milliarden Mark. Ueber die Börsenlage schreib: die„Börsenzeitung': Gestern batte eS noch den Anschein, als ob die Haussebewegung an der- Börse, die nun schon unentwegt etn-a drei Monate angehalten. bat, sich unbekümmert um die politischen Ereig- nisse, die m den letzten Tagen hervorgetreten sind, fortsetzen würde. Das Geschäft batte e.nen derartigen Umfang an- genommen, daß die eingehenden Aufträge bei den Banken von dem Personal nicht mehr bewältigt werden konnten, aus welchem Grunde der Börsenvorstand, dem Drängen der Banken nachgebend, gegen die berchtigten Einwände der Äakler Börsen ruhctag«. für Dienstag und Mittwoch der nächsten Woche festgesetzt hatte. Sei es nun. dag diese Unterbrechung dos Börsengeschäsis die Plätzsoektl- lation und einen Teil des spekul.erenden Publikums zu Glatt» stellungen veranlaßte oder auch, daß das Feblen von Zeitungs»/ nach richten mfolao des Streiks im Zeitungs- und Buchdritcker» g«werbe eine gewisse Unsicherbcit benvorgr rufen hatte, jedenfalls konnte man heute die Beobachtung machen, daß in den Hau.pt- ipekulaticnspopieren zu Bognn des Verkehrs ziemlich erhebliches Material an den Mark: kam. so daß daS Kur 8• n i p e.s.u fast auf der ganzen Linie gedrückt wurdri Nach den bisherigen Erfahrungen hätte die Börse durchaus� nicht in dem Sinne zu reagieren Brauche«, wie eS heute bei.Beg des Verkehrs dcn Anschein hatte, denn gerade die Unsicherheit. und Ungewißheit sind es ja gewesen, die der Epeku- lation den hauptsächlichsten Anreiz verliehen. Im Verlaufe d s Verkehrs zeigte sich denn auch recht bald, daß von einem Ten- denzumschwung nicht die Rede sein kann, denn das herauskommende Material, das wobl in der- Hauptsache von i ch w a ch e n Händen in der ersten Angstanwandlung an- den Markt geworfen wurde, fand willige Aufnahme, und das Publikum ist. wie die Limite am Einbeitsmarkt der Industrie- Papiere zeigen, doch keineswegs gewillt, zu nennenswert er- mäßigten Kursen seinen Besitz abzustoßen. Hinzu kommt, daß der gewaltig« Umwertungs- und Umstellungspro wß in unserem WirtschaiiSleben große Vorschiebungen in dem Besitz von erheb- lichen Aktienbeständcn zur'Folge hat und dirse von der einen in die andere-Hand gehenden Aktienpakete geben dem Effekten- markt immer neue Anregungen. Günstig beeinflußt � wird die Stimmung überdies imrch die glänzenden Abschlüsse der indu- striollcn Unternehmungen. Insbesondere hat d.w Geschäftsbericht des„Phönix" gezeigt, daß die deutsche Montanindustrie mit bisher unbekannten Umsatz- und Gewinnziffern arbeitet, denn es ist der Gesellschaft möglich gewesen, ihre schwedische Erzschuld im Betrage von 23)4 Millionen Kronen aus den Ergebnissen des abgelaufenen Gesckiäftsjahres völlig zu tilgen. E.ne gewisse Stütze bot gewissen Marktgebieten auch die feste Haltung des Devisenmarktes. flbon'niert öen„vorwärts"! Der„Vorwärts", das Zentralorgcm der Sazialdemokratj- sckien Partei, kämpft für Demokratie und gemzinsame Befreiung aller körperlich und Mistig Arbeitenden von k a p i- talistischer Geldsackherrschaft. Er liefert ihnen die Waffen für diesen Kamps durch grundsätzliche Aufklärung und rascheste Vermittlung aller N a ch r i ch t e n von allen Gebieten des politischen, widschaftliehen und geistigen Lebens. Das Abonnement kann sofort beginnen, es kostet monat- lich 10 M.. für den Rest des Monats Oktober nur 6,65 M. Folgenden Zettel wolle man ausschneiden und ausgefüllt der Erpedition des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zusenden. < Ich abonniere ab heute den..Vorwärts' mit der> > illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit' in Groß-Berlin< < täglich zweimal frei ins Hau? für ö,6ö Mark für Oktober.? I Außerhalb Groß-BerlinS Wohnende wollen beim Postamt< < ihres Wohnortes bestellen.> < Name----—-—-:■ > Wohnung:——---< \„— Straße Nr---— � i: | vorn- Hof— Quergeb.— Seiteufl.— Tr. links— recht».;i < bei—__-_______________;i Die/lussperrung im Aeitungsgewerbe Wie brTeits an anderer Stelle gemeldet, haben die Ver- Handlungen, die gestern im Reichsorbeitsmini» st e r i u m stattfanden, leider zu keinem Ergebnis geführt. Die beharrliche � Weigerung der bürgerlichen Zeitungs» Verleger, die den Angestellten durch Schiedsspruch zuge- sprvchene Gehaltserhöhung von 1ö Proz. zu zahlen, erscheint um so eigenartiger, als die Zestungsbetriebe der Arbeiter- schast schon seit Monaten erheblich über diese Höhe der Ge- Haltssätze hinauZgcgangen sind Es verstärkt sich dadurch immer mehr die Vermutung, dast es die Unternehmer zu einem Machtkampf? kommen lassen wollen, der dann wahrscheinlich aber weit über den Rahmen der bisher gen Bewegung hinausgehen dürfte. Die bisher noch ersch'enencn bürgerlichen Tages- zeitungcn, die„Germania".„Teut'iche Zeitung" und „Deutsche Allgemeine Zeitung" haben nunmehr auch ihr Erscheinen eingestellt. Die Berliner Zeitungs- . Verleger beabstcht'gen— wie eine Korrespondenz zu melden we'ß—, ein Einheitsblatt herauszugeben, dessen erste Nummer heute erscheinen soll.. Dstenbar wollen die Unter- nehmer damit dokumentieren, daß sie sich aus eine längere Dauer des Streiks resp. der Aussperrung einzurichten gedenken. Wenn die Herren bei ihren Kalku- lationen sich mehr vom kaufmännischen als vom Machtständ- Punkte des Unternehmers losten ließen, müßlen sie freilich zu dem Resultat kommen, daß dst ihnen während dieser Zeit entstehenden Verstiste sehr erheblich höber sind, ast die Kosten der 13 Prozent Gehaltserhöhimg für ihre Angestellten. Bei diesem hortnäcfigen Standpunkt der Unternehmer ist zu befürchten, daß die Bewegung in den nächsten Tagen weitere Kreist erfaßt. E'ne Gefahr, die abzuwenden zurzeit noch in den Händen der Zeitungsverleger liegt. Die Verhandlungen im Neichsarbeitsministcrium. U.eber den Vermittlungsversuch durch den ReichKarbeitsriinister in dem Konslikl im ZeitmuiZgewerbe crfakiren wir:, Auf Veranlassung des ReichZarbeitsmininers waren dst„Air" salz die Vertretung der streikenden Angestellten) und der Arbeit- geberberbair» für das Berliner Zeitungsgewcrbe, ferner die Vor- stände der in Frage kommenden Arbeite rvrganisaiwncn, des Ver- bandes der Deutschen Buchdrucker, des Verbandes der Buch- und . Steindruciereihilfsarbeiter, des Deutschen Äuchbindecherbandos und des Deut'chen TravSportarbeiierberbandes gebiden. , Der Verhandlungsleiter Geheimrat B ü h l e r erklärte, daß der ReickSarhetlSminister sich über den Stand und die Ursache des Konflikts nn Zeitüngsgewerbe informieren und angesichts der außerordentlichen Bedeutung, die in dem Nichterscheinen aller . bürgerlichen Zeitungcn liege, versuchen wolle, durch seine Ver- mittlung eine Verständigung zwischen den Parteien herbei- zufuhren. Diese VrpstäwLrgüng wurde im Lause der mehrstündigm Verhandlungen nicht erreicht., Die Vertrerer der„Afa" erklärten, daß der Schiedsspruch des SchlichtungSausschusieS Groß- Berlin, der am 6. Oktober ergangen und von den Arbeitgebern nicht angenommen wosden war, von ihnen abgelehnt werde, da sie eine mindestens 2(> p r o- "-Astlit-tiH« Erhöh nn'g der Gehälter forderten!. Pon den Arbeitgebern wurde erklärt, daß sie nach wie vor .�haxan festhalten, müßten, die Verhandlungen über Skeufestietzung. der Gehälter der kaufmännischen Angestellten solange zu rück zu- stellen, bis die gm 25. Oktober beginnenden Verhandlungen zwischen dem Deutschen Buchdruckerverein und dem Verband der Deutschen Buckdrucker über den neuen ReichSiarif beendet seien, die für die Lohn- und Gehalisoerbältnifse im gesamten deutschen Buchdruckgewerbe richtunggebend werden würden. Im übrigen seien die Arbeitgeber bereit, etwaige Erhöhungen, die in diesen Verhandlungen vereinbart würden, den Angestellten rückwirkend vom 1. Oktober an zu zahlen. Endlich würden sie sich damit ein- verstanden erklären, den Angestellten schon jetzt einen Vorschuß aus die etwa eintretenden Gehaltserhökmngen zu bewilligen. Tie Vertreter der Angestelltenverbände lehnt«« jedoch diesen Vergleichsvorschlag der Arbeitgeber af£ Der Vorsitzende erklärte dc�nit den Vermittlungsversuch als vorläufig gescheitert, behielt sich jadoch im Auftrage de§ Reichsarbsitsministers vor, die Parteien alsbald zu neuen Ver- Handlungen zusammenzuberustn, wenn ihm der geeignete Zeitpunkt als gekommen erscheine. , Ter Umfang der Aussperrung. Die Buchdruckerobleute der ausgesperrten Personale der Zei- runzSvetriebe waren am Frcitagnachmittag im Graphischen Ver- cinshauS versammelt, um eine Uebersichl zu geben über den Um- ! fang, der Aussperrung. ES ergab sich, daß zirka 16 000 Per- sonen in Frage kommen, und zwar 13 000 technische Ar- Leiter und 3000 Angestellte. So kommen z. B. bei der .Firma Ullstein 1600 technische Arbeiter, 2500 Botenfrauen in Betracht. Von den 1800 Angestellten befinden sich 000 im Aus- stand, die übrigen 400 sind beurlaubt. Bei der Firma Scherl ist seit Mittwochabend das gesamte, 900 Köpfe betragende technische Personal entlasten. Vom kaufmännischen Persona! befinden sich 650 im Ausstand, die übrigen Angestellten sind beurlaubt. Bei der Firma Moste sind vom kaufmännischen Personal 890 im Ausstand, 60 andere sind als Arbeitswillige im Betriebe geblieben. Bon der Aussperrung sind bei dieser Firma betroffen 235 gelernte und 2600 ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen. Aehnlich liegen die Dinge auch in anderen kleineren Betrieben; trotzdem rsl die Situa- tion n'cht eindeutig und klar. Kundgebungen veri'ckiedener Betriebsinhaber deuten darauf hin, daß sie durchaus nicht gewillt sind, das Kesseltreiben der Groß- betriebe gegen die Arbeiter mitzumachen. Zu dieser Stellungnahme werden sie bewogen durch finaitziclle Rücksichten. Wiederholt kam tg her Sitzung zum Ausdruck, daß die Unter- nehmer mit dem Feuer spielen. Gerade die gegenwärtige Zeit sei am wenigsten dazu geeignet. Sehr, leickt könne die Bewegung auf das ganze Reich übergreifen. Es sei auch leicht möglich, daß die Ärbeiterschast im allgemeinen in eine Sympathiebewegung für die Ausgesperrten eintritt. Am Schluste der Verhandlungen verwies der Leiter Albrccht noch darauf, daß bei Teilaussperrungen der Rest im Betriebe zu verbleiben bat, bis weiteres onzeordnei wird. .. Tie Z e n t r.a I str ei k I.e i l u n g baiie zu gestern nachmittag nach dem Alexandriner eine Versammlung sämtlicher Ver- trauensleute und Obleute alker jetzt an der Be° wegung in den Zeitungsbeiriöben betei- ligten Berufsgruppen einberufen. Es handelte sich nzmentlicki varum, ein Stimmungsbild aus den Streik- und Sperrbetriebcn zu erhalchn. Aus den Ausführungen der. ver- sckiedenen Redner ist nock hervorzuheben: fsm Betriebe der Charlottenburger„Neuen Zeit" war das Ansinnen ge- stellt worden eine Zeitung sämtlicher betril-gten Zeitüngsverlckge tu drucken mit dem Kovn„N o t si a n d S z e i t u n g Groß- Berlins. Das Verlangen wurde natürlich abgelehnt. Bei Scherl ist oas gesamte Person'l außerhalb des Betriebes, mit Ausnahme der Portiers, an deren Verbleiben auch die Ausgc- sperrten wegen der Bewachung ihrer im Betriebe verbliebenen Sachen ein Interesse haben. Es sind Gerückte über Sabotageakte gegenüber der Firma Scherl verbreitet worden. Ter Vertreter des Personals der Firma C�herl bestritt entschieden jeden Sabotage- Ät. Die Kolleaenickait hätte auck aar kein Interesse daran. Sabo- tage zu üben, da sie ja oock alle einmal w'.'der in den Vetpeb zu» rückkebren wollen. Redner verlangt, daß nickt bloß die Angestellten. sondern auck das technische Personal die Betriebe überwacht.— Bei der..Deutschen Allgemeinen e i t u n g" sind die A n g e- stellten— etwa 90— vollzählig im Streik; dagegen ist das übrige Personal im Betrieb, etwa 450 Personen stark. Es wird im Betriebe keine Annonce gesetzt, obwobl eS verlangt warfen war. Eine Aussperrung jvurde nickt vorgenommen. Tie Direktion teilte dem technischen Personal m-t, daß sie den Schiedsspruch für sie'Angestellten anerkenne und die 15 Proz. mb�en wolle. Sie scheint sich aber zu scheuen, sich selber an die Z'ntralstrejfeitung zu wenden, um nicht a'.s erster B�williger zu erscheinen. Sie sagte, s i e babe es nicht nötig, hinzugehen. ES ist der Eindruck vorhanden. vaß die Direktion eS gern seben würde, daß ewige Herren der Zentralstreikleitung zu ihr kämen. TaS technische Personal tKw Firma wartet die Beschlüsse der Zentralstreikleitung ab. ES wurde beschlossen, eine neue Persammlung der Funktionäre einzuberufen. Tag, Stunde und Ort werden durck Anzeigen in den Arbeiterblättern bekanntgegeben. GewerMostsbewegung Drohender Streik im Eisenhaudel. Seit 6 Wocken werden die Arbeiter de? EisenhandAs durch die Verschleppungstaktik des Arbeitgeberverbandes an dep Nase her- umgeführt. Durch Schiedsspruch wurde am 4. September den Ar- heitern t:nt ISprozentige Lohnerhöhung zugesprochen. OÄWohl die Lohnhöhe auch dann noch erleblich Himer den Löhnen anderer Ar- beitergr Uppen, die ähnlich schwere Arbeit zu leisten haben, zurück» blieb, beschloß die Vollversammlung die einstimmige Annahm« des Schiedsspruchs. Tie Unternehmer dagegen lehnten einmütig a b. Ter Temvbilmachungskommistar lehnie die Verbindlichkeiks- crilätung in uns völlig unverständlicher Weise— die. nur aus die Unkenntnis der gesamten Lag- zurückgeführt werden, kann— ab. Ein Versuch d.s Arbersministexillms. die Parteien zu ewer Eini- gung-versau'mlung zufammenzubekommen. wurde von den Ar- beitgebern alz zwecklos abgelehnt. Durch alle diese Tat- fachen hat sich der Arbeiterschaft eine Erregung bemächtigt, die stündlich zur Explosion kommen kann. � Nun fell ein letzter Versuch unternommen werden. Am Montag, den 11. Oktober, soll ein Schiedsgericht im Arbeitsministerium einen neuen Schiedsspruch fällen. Am Dienstagabend um 6 Uhr wird dann eine Vollversammlung im Cower! schafiStau s Stellung nehmen. Sollte dieser letzte Versuch nicht zu einer, die Wünsche der Ar- heiter befriedigenden Klärung führen, so ist der Streik u n- V« r m e i d l i ch Da d e Arbeitseinstellung dieser Gruppe die Rob- stoffversorgunz der gesamten Berliner Ms:a!llindustrie aufs stärkste gefährdet, möchten- wir die Raven«, Druckenmüller, Stessens u. Nolle. Thyssen usw. in letzter Stunde noch einmal aus den ungeheuren Ernst der Lage hinweisen. Wie man die Arbeitslosigkeit fördert. Ter Verband der Staats- und Gemeinde arneiter schreibt uns: Jedem Einsich.igen dürsie klar sein, daß in gegenwärtiger Zeit i» llen Berufen, also auch in dem dce Krankenpflege ein Uebcr- angebv: an Arbeitskräften vorhanden ist. Um der großen Arbeits- losig keit zu steuern, bat ver TemobilmachungSkommiJar viele schöne Verfügungen erlassen. In emer von denen wird dc>> Arbeitgebern im Bezirk Groß-Beilin zur Pflicht gemacht, alle diej�iigen, die am 1. August 1914 nicht in Groß-Berlin Beschäftigung fe&en, zu entlassen, damit sie in ihre Heimat bzw. an den Ort zurückkqhren, wo sie bei Ausbruch des Krieacs waren. Viele Arbeilgeber verbuchen nun, die Bestimmung aus allerlei Gründen zu umgehen. Zu»csen Arbeitgebern gebort auch der Berliner Magistrat. In den si ä d t i s ch e n Krankenanstalten Berlins wer- ben neben den sogenannten ständigen Schwestern auch �ils?- s ch w e st e r n beschäftigt. Diefe unterscheiden sich von ertzwren durch nickls als durch den Namen, sind oft lange Jahre im Ä-ruf. haben fast ausnahmslos die staatlich« Anerkennung, leisteten d'm Vaterlande 4 und 5 Jahre Kriegsdienste und werden- nun, zzim Tank dafür, von den allmächtigen Lberinncn mit Zustimmung der Verwaltungen entlassen. An ibrär Stait werden jogeiwnnlp Lehrschwestern ein gestellt. Diese Lehrlinge, d'e kür ein ae� ringes Taschengeld tätig sind, werden in fast allen Fällen a u s d e r Provinz nach Berlin gebolr, tror.dcm genügend Pflege- rinnen und Pnvatichwdtern beschäftigungslos in Berlin herum- irren. Wenn schon der Magistrat dem Wunscke der_ Oberinnen auf Einstellung von Lehrschwestern nachkommen zu müssen gläubig so sollte er ver-nlasien. naß vor allem auf die oben Genannten zurück- gegriffen wird. Jedoch müßte von vornberein ausgeschlossen sein. daß auch dieie Kräfte mit einem Ta s ch e n g e l d abgespeist werden. Im Rudolf-Virchow-Kranlenbaus ist eS dem Betriebsrat gelungen. das. Benzüben der Frau Oberin, d'e an S elle der„.Hilfsschwestern" gleichfalls Lehrlinge einstellen wollte, zunichte-u machen. Den Bs» tricbSräten aller übrigen Krankcaanstalte» kann mir empfohlgn werden, das Beispiel vom R.-V.-KrankenhauS nachzuahmen. Dett Temobilmachunq-kommissar ersuchen wir, dem Berliner Magistrat zu bedeuten, daß auch er den geltenden Bestimmungen Rechnung zu tragen bat und sie nicht. durch irgendwelche fein ausgeklügelte > Fineüen der Oberinnen zu umgehen versucht. Achtuni, Töpfer! Tie gestrigen Verhandlungen sind wiederum gescheitert. Di-' Ui iernebmer wollen den.Schlich tungsaussch.uß anrufe». Wir ersuchen die Kolleren, sich im Lanfe des beut-gen ValmsttoaS mji u-sc-em Bureau. Fernspr. Moritzv'atz 9897, in Verbindung zu setzen. Verband der Töpfer, Ortsvcrwaltung Berlin. Kentralvcrband der Angebellten. Die stlr den 11 Oktober angekündigte Versammlung der gesamten Angestellten des Ter.ilgrcßbandcls im Lehrerverein'-haus findet nickt statt, weil durch Verschiebung der Wer- bandlung auch eine kurze Verschiebung der Versammlu ig notwendig ge- worden ist. Der Versammlungstermin wird noch bekanntgegeben. Angestellte im Einzelhandel. Am Sonntag, vormittag 11 Ubr, findet im Lustgarten eine große öi'enilich« Versammlung statt. Tagesordnung: Annabme des Schiedsspruches oder Streik? Di« FunNionäre werden ge- beten die Handzettel zu dieser Versammlang am Sonnabend vormittag im Vcrbandsbureau abzuholen. Zentralverband der Angestellten. n-crantw für deisiredatt. Teil' Tr. t'xrnrr Vriser, Sbarloitenburg: für Anzeigen: Tt, Glocke Berlin Verlag' Vorwäris-Verlaq«s. m. d. H.. Verlin. Druck V,.r- niärw.'Uuck'druckcrei u. LerlagSanf'ait Paul«inger u. Co.. Verliu. Lindenttr.s. " vtcrz» 2 Beilagen. lltiegien Stde Utisti TU 24% In Zahlung genammen. Sch'jhputz.Urtfin ützc-Mll zu bezwhsn! 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