Nr.SIS� Z7.�tchrolsng Ausgabe A Nr. 12? Bezugspreis: 5•tt«II6fttL30,— äRL.monatMO,— Kt ttei ins Heus, Dornum ,-sHIbai. Boir- ocwg: Monatlich 10,— 2tS_!i;JL p.u» fieHmtgoseoüljt. Un:e:Kreu:d??':�ts-5'o"?e). rdes wettere Vor? 60 Ltstiengeinche uns 5chlatneven«»ytgeschäf!. Berlin SW � iiinden« �rraye 3. abgegeben worden. Geöffnet von 9 U.ir riU) bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fosialdcmohratircbcn Partei Deutfcblands Reüaktion und Expedition: SW. 6$,£indenflr. Z. a-enifurerfter: 3tmt Btotttiplat», Nr. 15190— 151«7. Dienstag, den 19. Oktober 19�0 vonvärts»verlag G.m.b. H., Ew. öS, Lindenstr. 5. aernivrecher: Amt MortvLlat,. Nr.>17 55—51. Die Gefahr am Rhein. Lnser Parteiblatt in Rotterdam, der„V o o r w a a r t s", sagt anläßlich des enzlisch. französischen Hin und Her um die Genfer Konferenz, für jene, welche gegenüber den angeblichen Segnungen eines Entente-Sieges skeptisch gestimmt gewesen seien, türme die Gegenwart die Beweise auseinander, daß ihre Einsicht die richtige gewesen sei. DaS Amsterdamer„H e t Volk" bemerkt anläßlich der Meldungen über i r a u z ö s i s 6?- b e l g i s ch e m i l i t ä- rische Vorbereitungen am Rhein, von größerer Wichtigkeit als der Streit um die sozialistische Internationale sei die Aufgabe des deutschen, englischen, französischen und belgischen Proletariats, sich zu einer gemeinsamen Aktion gegen die neuen Gefahren zu vereinigen, welche die Vorbereitungen des Entente-MilitariSmuS am Rhein in sich bärgen._ Deutschöfterreichs Wahl. Wie«, 18. Oktober.(Eigener TrahtSericht de?„Vorwärts".) We«u man die Seiminenzolilen in Wien mit de« Grmcindewaklen im Mai 1919 vergleicht, was viel richtiger ist. als sie mit den aller- erste« Nationalwahlen nach der lsiriinbung des Staates zu vcr- leichen, so hat die Sozialdemokratie K7 174 Stimmen gewonnen; die Christlichsozialen— dank der Frauenstimmen, die getrennt ge- zählt wurden— aellrdingS noch mehr. Einschliesilich der fortdauernden alten Mandate Kärnten? haben erhalten: die Sozialdemokraten... 04 bisher 7t) Chriklichsozialen... 78.. Kä Großdeiltschen.... 10„20 Temolratcn..... 1* 1 Zionisiea......—„ 1 Tichcchcn......—„ 1 Kommunisten.....—,— Sie Verteilung der Reststimmen steht noch auS. Tie Niederlage der Großdeutschen überrascht um so mehr, als sie der Oeffentlichkeit den Glauben an einen großen Erfolg ein- geredet hatten. » Auch diese Wahl ist eine Kundgebnn.z für den Anschluß an Teutschland, denn ihn fordern gleichermaßen alle großen Parteien. Die Sozialdemokraten drängen sich keineswegs zur Regierung. Sie werden der zu erwartenden Aufforderung der Christlichsozialen wohl nur Folge leisten, wenn sie bei der Verteilung der Staats- ämter die gewünschte Sickerksit erlangen, daß auf den für die Ar- beitcrllasse wichligsten Gebieten keine Verschlechterung eintritt. �Josef�eliger� Aus Tcplitz-Schönau erhalten wir die erschütternde Kunde von dem unorlvartctcn Hinscheiden eines der befähigtesten und verdientesten deutschen Sozialdemokraten, deS Gcnosicn I o- s e s Seliger. Noch in der vorvorigen Woche hat er auf dem Karlsbader Parteitag in ausführlichen, gcdanken- und temperamcnt. vollen Reden der Politik der deutschen Sozialdemokratie in der tschechoslowakischen Republik den Weg gewiesen. ihren Inhalt und ihr Wesen gegenüber den kommu- nistischen' Forderungen höchst eindrucksvoll und erfolgreich verteidigt. Als der Lieblingsschüler Viktor Adlers, der er war. ist er schließlich bis an die äußerste Grenze des Eni* gegenkommcns an die Gärung der Zeit von Saint Germain und Moskau gegangen, um die Partei trotz ihrer tiefen Meinungsverschiedenheiten beisammenzuhalten. Das war drüben möglich, wo bisher die Gewalt unter proletarischen Genossen noch keine Anwendung gefunden hat. Es wird ein großes Trauern um Josef Seliger sein und wir trauern mit: denn er war unser. • Josef Seliger, der Weibevzeselle aus Pern Reiche nbcrger Lande. ist nur 51 Jahre all geworden. Jahrzehntelang Hai er die Tcplitzer .Freiheit" gcle tet, unausgesetzt stand er in der ersten Kampfreihe, in den gangen Sudeten landern, im ganzen alten Oesterreich kannten ihn die organisierten Arbeiter: scheu in den Jugendjahren der durch Adler wicd-.cvcreintgte-- Part« gehörte er itrer Leitung an. Das gleiche Wahlrecht brachte ihn 1S07 ins Parlament und selbstverständlich saß er nun auch im Rudalhnum zu Prag, im tschech,- flowak scheu Parlament,©eil der Losreißung der deutschen Su- detengebiete, in deren kurzlebige Landesregierung er entsendet «norden war von Trutschösterreich, leitete er die Partei als ihr Vor- sitzender. Zahlreichen reichsdeutschen Parteigenossen ist er auf unseren Partsitagen bekannt geworden. Sine Vlutvergiftung am Vein aus nichtiger Ursache hat den lebensfrohen Mann gefält:. Mu vier OverationSwunsen am Körper machte er noch den Parieiiag mit; wenn er sprach, mußte das«ne Bein so aufgestützt werden, daß es lag. Und in dieser Stslwng rang«r«och«m die Seele der Partei! Zrankreich für wrangel. Paris, 18. Oktober. sD.E.) Ein französisches Baiikkonso» tium hat mit Genchmignnq und unter Bürgschaft der franzö- fischen Regierung eine Anleihe für Wrangel in Höhe von 100 Millionen Frank übernommen. Die Polen marschieren nach ibrem Bericht weiter, angeblich bis zur Grenze Lettlands! was ihnen der Vertrag von Riga er- laube: bei Minsk zögen sie sich aus die Waffensiillstandlinie zurück. Die Stadt O st r o p o l hätten Bolschewisten genommen, v e r- n i ch t e t und alle Inden ermordet. Die Toten können nicht mehr bekunden, w e r sie geschlachtet hat. AuS 23 i 1 n a jedenfalls sind, laut.Dena", die Juden vor Zeli« gowskis Polen auf Grund früherer Erfahrungen massenhaft in Nacht und Kälte geflohen... Bolschewistische Dementis. Kopenhagen, 18. Oktober.(O.E.) Ein Moskauer Funkspruch dementiert die Nachrichten über Petersburger Matrosenanf« stände und ferner von der Bildung einer ontibolschewistischen Regierung in Nisbni- Nowgorod. Auch habe sich Budjennh nickt gegen die Sowjetregierung erhoben, er siebe nach wie vor zu ihr. In Kiew sei kein Aufstand ausgebrochen. Dazu ist zu bemerken, daß das Gewerkschaftsorgan.Trud" (Arbeit) sich in zwei Nummern an die Petersburger Arbeiterschaft mit der Mahnung wendet, die Ruhe zu wahren, was anf Gärungen schließen läßt. Nutzloses Heginnen. Paris, 18. Oktober.(MTB.) Nach einer Meldung aus Kon- stcmtinopcl bat sich die ottomanische Regierung entsMossen, Lutfi Stfiükri nach Angara mit dem Auftrage zu entsenden, ein Ab- kommen mit den Nationalisten zu treffen. Den türki- scheu Zeitungen hat der Delegierte erklärt, Äe Grundbedingung deS?lbkommenS müsse die loyale Ausführung des Friedens- vertrage» sein. Nach diesem Abkommen werde die Frage wegen Anatolien eine i n n e r politische Frage worden. Diesem Schritt waren— Besuche des englischen und fran- zösischen Botschafters beim Sultan voraufgeermgen. Di« natio- nalistischen Verbündeten Moskaus dürften f o antworten, daß die anatollsch« Frage keine inmerpolittschc wird! Paris, 13. Oktober.(HavaS.) Tie Demission des Großwesiers steht umnittellbar bevor. Tewfik Pascha wird die Bildung des neuen Ministeriums übernehmen. Es soll ein„Ilebergangs- Ministerium" gebildei werden, dessen Zweck darin besteht, den Friedensvertrag von Seores auszuführeli. Griechenlanü vor flenüerungen. Der von Veniielos eingesetzte König ist infolge des angeblichen Affenbisses so krank, daß mit seinem Tode gerechnet wird. Seinem älteren Bruder, der soeben eine rumänische Königstochter geheiratet hat, ist die Thronfolge aberkannt. Man behauplet Putschabsichten der Anbänger des verjagten Konstantin— vielleicht um neue Terrorakte Veniielos' zu rechtfertigen. Die Errichtung der Republik mit Veniielos als Diktator ist möglich. Er hat jedenfalls die Entente auf seiner Seite und das genügt ja nach dem Siege der Weltdemokratie m. b. H.__ Unwillkommene Gäste. Prag, 18. Ollober.(TU.) Die jüngst hier eingetroffene Delegation der russischen Gewerkschaften wurde durch die Polizeidirektion verpflichlet, all- öffentlichen Kundgebungen in Versammlungen oder durch Veröffentlichungen zu vermeiden keine Interviews zu gewähren und nur in den Fach- organisationen vor höchstens 10 Teilnehmern zu iprechen. Ein �ungerstreikenäer gestorben. London, 18. Oktober.(Hsllandsch Nieuwsdurcau.) Fibgerald. einer der Hungerstreikenden von Cork, ist gestorben. Der Kleinkrieg in Irland geht«»geschwächt fort. Von englischen Pazifisten find schwere Anilagcn gegen daS britische Militär«hoben ivordcn. Schwedens Kinüerhilfe. Im Vorstand de» schwedischen Roten Kreuzes berichtete der Vorsitzende Pr in, Carl: In Deutschland soll auf Vorschlag de« schwedische» Gesandten in Berlin, Frhr. v. Essen, das schloß . S o n u e n h e i in" in Thüringen gekauft und als K r n d er- heim eingerichiet werden. Die Kansiumme beträgt 500 000 M., und für Reparaiuren sind etwa 100 000 M erforderlich. DaS Schloß eignet sich sehr gut als Pflegeanstalt für skrophulvie m-d tubcrkulö'e Kinder. 80 000 schwedische«ronen sollen als Zuschüsse an gewisse deutsche WohlfahrtSeinrichlungen zwecks Einkauf von Lebensmitteln und Unterstützung von notleidenden Kriegerfamilien und Krieger- Witwen verwendet werden._ Zusammenstoß in London. Eine Anzahl Polizisten und Zivilisten wurde bei einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und A r b e i l S- losen, die durch London zogen, um«ine Abordnung zu Lloyd G-- orge zu entsenden und von der Regierung Arbeitslosenunterstützung zu fordern.« Towning Streit verletzt. Reform-diktatorin. Ein Manifest der Rechts-Unabhängigeu. Di« Minderheit von Halle, di« sick enn Sonntag als rechtmäßige Ii. S. P. konstituiert hat, erläßt unter dem Namen „Manisest an das deutsche Proletariat" einen Aufruf an ihre Anhänger, in dem sie ihr Fortbestehen als besondere Partei zu rechtfertigen versucht. Mit seinen Halbheiten und ge- wollten Unklarheiten bildet eS ein nebelhaftes Gemisch von Vernunft und Unvernunft, es zeigt, daß die Partei gesonnen ist. auch weiter an dem Scheideweg stehen zu bleiben, dessen eine Tafel zur Sozialdemokratie, die andere nun Kommunismus weift. Das Manifest stellt eine ganze Reihe positiver Forderun- gen auf, unter denen die Sozialisiernng des Bergbaus an erster Stelle steht. Es wird weiter verlangt Erweiterung der Rechte der Betriebsräte, eiterguche Maßnahmen gegen die Ar- beitslosigkeit und ihre traurigen Folgen. Kommunalisier ungen, sozialistische Wohn-ungspolilik, rücksichtslose Erhebung von Besitz- unh Vermögensstenern, alles Dinge, über die man sich auch in Kassel ausführlich unterhalten hat. Tos ist die. sozialdemokratische oder, um seiner eigenen Sprache zu reden, die re f o r in s o z i a l i st t s ch e Seite de? Manifests. Das Manifest wendet sich mich emrch'ch gegen den kam» ni-imistischen Putschismus: Die russischen Komnmnisten fordern zu ihrer NMersiütznng die sofortige Cntfnckunz des Bürgerkrieges iiiro der Revobution in ollen Läirdcrn, ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit der ökonomr- scheu und politischen Voraussetzumgen für das Proletariat und ohne Rücksicht auf die Folgen. Die deutschen Kommunisten find infolge ihrer Politik eine einflußlose Sekte geblieben, zu schwach. um als revolutionärer Stoßtrupp gebraucht zu werden. Deshalb sollten die Massen der II. S. P. D. unter die kemmunistsiche Dik- tatur kommen. Damit aber dies« Diktatur wüwrstarchSkaS ausgeübt werden könne, mutzae die U. S. P.t gespalten werden. Alle, die den kommunistischen Wahn erkannt hatien, die russischen Methoden auf Deutschland uneingeschränkt zu übertragen, mußten ferngehalten werden. Daher die Bedingungen und These» der Moskauer Internationale, die d-ic Spaltung der Arbeiter- Parteien fordert, rnn üfeer den verbleibe»den Rest uneingeschränkt herrschen zu können.... Wir lohnen es aber aS, die Aybceterschaft mit täglich wechseln- den Parolen in neue Putsche hinein', ichetze« und durch Täuschung über die wirklichen Machwerhältniffe unerfüllbare Jllnsieuen zu wecken. Auf der anboren Seite wird ab-er erklärt: Wir halte» fest an unserem Leipziger AktivnSprograinm. Wir erstreben mit allen Mitteln die Eroberung der politischen Macht und ihre Behauptung durch die Diktatur deö Proletariats. Wir führen den Kampf weiter gegen die rech! S sozialistisch» Politik des Reformismus, der Koalition mit den bürgerlichen Parteien und den Anbeitsgeaneinschasten mit dem Unter nehmertnim. Uober die Arbeitsgemeinschaften, die vorwiegend eine gewerkschaftliche Angelegenheit sind, nur ein kurzes Wort. Die Arbeit sgeniri u schatte u stellen, geschichtlich betrachtet, in- sofern einen großen Erfolg der gewerkschaftlichen Arbeiter- bewegung bar. als sie den Glwwrkschaften, die früher als der- handlungsunfähig betrachtet wurden, die Anerkennung als gleichberechtigter Faktor brachten und mit dem Herrn-im-Hause-Standpunkt>des Unternehmertums ausräumen. Ein Endziel, an dem unbedingt festzuhalten ist, stellen sie aber gewiß nicht dar. und einen entsiluhen Streit- gegr"» ch innerhalb der Arbeiterbewegung werden sie daue:!.� nicht bilden. Aber die Sache hakt schon wieder bei der alten Frage „Diktatur oder Demokratie". Das Manifest enthält kein Wort darüber, daß die ll. S. P. die demokratische Repuhli? als revolutionäre Errungenschaft und als eroberte Etappe im Kampf um den Sozialismus zu verteidigen beabsichtigt. Fm Gegenteil stellt es die 11. S. P. als die von vornherein kome- quente Vorkämpferin der Diktatur dar, indem es n. a. behauptet: Während der Revolution setzte sich hie Partei ein für die Diktatur des Prolerariats bis zur endgültigen Dicke- rung der proletarischen Herrschast und der Beseitigung aller poli- tischen und ökonomischen Machtpositionen der Bourgeoisie. Tie Politik der U. S. P. D. wurde vereilell durch die Rechts- s o z i a I i st e n. Dl« hielten an der Koalition mit dem Bürgerlum fest, politisch, indem sie ihnen die Ministerien überließen, d i e sofortige Einberufung der National dersamm- lung forderten und der Ablösung der proletorifcheu Diktatur durch den bürgerlichen ParlaenentariSmus die Wege ebneten. DaS ist ein gewollter historischer Irrtum. Di« sich jetzt als allein rechtmäßig« U. S. P. darstellende Rechte hat nicht „die Diktatur des Proletariats bis zur endgültigen Siche- rung der proletarischen Herrschaft und Beseitigung aller politischen und ökonomischen Machtpositionen der Bour- geoiste", sondern nur die Verschiebung der Wahlen �der Nationalversammlung um zwei Monate gefordert. Glaubte man in dieser Feit alle Machtpositionen der Bourgeoisie beseitigen zu können? Das wäre doch ein recht kindlicher Glauben gewesen. Die Rechte der U. S. P. hat sich I auch mit bürgerliche Fachmüvister» einverstanden erklärt uttft NN ihrer Ernennung(siehe z. B. den berühmten Fall Vrockdorff-Nantzau) mitgewirkt. Es ist also nicht richtig, daß sie während der Revolution eine konsequente Diktaturpolitik getrieben lat, die von den Rechtssozialisten vereitelt wurde. In Wirklichkeit hat sie damals zwischen Demokratie und Dik- tatur halrlos und unklar hin und hergeschwankt. Jetzt erklärt man sich feierlich für die Diktatur. Das mag man nach Belieben tun, aber man soll die Dinge nicht so Erstellen, als ob es immer schon so gewesen wäre. Aber, ist es j c tz t w i r k l i ch so? Kann eine Partei, die alle putschistischen Abenteuer verwirft, weil sie die sinnlosig- keit solcher Unternehmungen erkennt, ernstlich glauben, eine Minderheit könne sich der Gewalt bemächtigen und einer widerstrebenden Mehrheit die sozialistische Wirtschaftsordnung aufzwingen? Wenn aber dieser Unsinn nicht gemeint ist, wenn man wirklich mit gegebenen Machtverhältnissen rechnen, -die Arbeiter vor Illusionen und mit ihnen unvermeidlich verbundenen Fehlschlagen bewahren will, welchen Sinn hat dann noch das Wort„Diktatur"? Nähere Aufklärung wäre drin- gend nötig. Nicht minder notwendig ist auch die Aufklärung über die Frage, ob die U, S. P. mit den geforderten Reformen zu- guns n der Arbeiterklasse warten null, bis die Diktatur des Proletariats erobert ist, oder ob sie mit uns der Meinung ist, daß sie eine Hinansstlirbiing auf einen so gänzlich un- besiimmten Termin nicht vertragen. Wäre dos letzter? der Fall, so ergäbe sich weiter die Frage, wie man sie durchsetzen wia, olang? man mit einer fast in sich geschlossenen, von den scxialistischen Parteien hermetisch abgeschlossenen bürgerlichen Meisrheit rechnet. Eine wiche Mehrheit gibt es aber in Wirk- lichkeit nickt, da die bürgerlichen Parteien erstens einmal unter sich uneinig sind und zweitens Zinn großen Teil sich auf Wähler stützen müssen, deren Klasseninteresse mit jenem der sozialistisch denkenden Arbeiter übereinstimmt. Bei jeder sozialistischen, im Interesse der Arbeiterklasse liegenden Re- form stehen die bürgerlichen Parteien vor der Wahl, entweder Zugeständnisse zu machen oder Teile ihres Anhangs zu vor- tiercn. Sollte die Arbeiterklasse die Möglichkeiten, die sich aus diesem Sachverhalt ergeben, nicht ausnützen dürfen, um auch als Minderheit Reformen in der Richtung zu ihrem Endziel durchzusetzen und ihre Machst zu erweitern? Soll sie ge- z.wungen iein. auf jeden Teil der Macht zu verzichten, so- lange sie die ganze nicht beben kann? st je demokratische Staatsform mit dem gleichen Wahlrecht und dem Volksentscheid gibt der Arbeiterklasse sehr starke Mög- Lchkeiten, auch schon, solange ihre politische Vertretung in der Minderheit ist, bedeutenden stetig steigenden Einfluß aus die Leitung der BolkSgeschicke auszuüben. Aber diese Möglichkeiten w"den verschüttet, wenn man den klaren Sinn der Arbeiter- klasse mit mehr oder weniger ernst gemeinten Redensarten von der Diktatur des Proletariats umnebelt. Wären sie ernst ge- meiuh so wäre die rechte U.S. P. auch heute, nach der Spaltung keine sozialdemokratische, sondern eine bolschewistische Partei. Wenn aber die�U. S. P. den Bolschewismus für Teutschland ablehnt, dann können sie nicht ernst gemeint sein. Man kann logischerweise nickst die russischen Methoden bekämpfen und sie zuglisich in Deutschland einführen wollen, indem man sich für die Diktawr des Proletariats erklärt. Die linke U. S. P. bat den Weg nach Moskau gefunden, die rechte ist eine verschwommene Kompromißpartei geblieben und als solche dazu bestimmt, zugrundczugchen. *• ♦/ die öoppelte U.S.P.-IraktwN. Tic Spaltung der 11. S. P. hat selbstverständlich auch die S« a l l u n g ihrer LicichStagSfraktion nach sich gezogen. Nm Montag nachmittag haben sich die beiden Glieder von einander losgelöst, und zwar im umgekehrten Verhältnis zu Halle: die rechte Seite hat hier die M« h r z a h l der Abgeorldneten, während die Mehrheit von Halle in der Fraktionsstärke nur eine kleme Minderheit darstellt Der rechte Flügel zählt KS Mitglieder, während die Linke 22 auf sich vereinigt hat. Von bekannten Namen 30 ytahre freie Volksbühne. Ein Jubiläum von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung! 80 Jahre sind seit dem Tage verflossen, da die Berliner Freie Volksbühne ihre Mitglieder zum ersten Male im Theater ver- sam Hielte. Damals Mi Osten. Theater in Berlin O., das für ihre Vorstellungen gemietet war. Cond Hachmann war i h r Regisseur und das Schauspielpersonal war für die Dauer der Vorstellungen ihr Personal. Am ich Oktober 1890, einem Sonntagnach- tm t tag, füllte der politisch und geistig fortgeschrittenste Test der Berliner Arbeiterschaft in Gemeinschaft mit ihm nahestehenden oder sonst besonders interessierten Schriflstellcrn und Künstlern den Raum. Weihevolle Fcststimmung beseelte uns alle. Richard Dehme! sprach den Prolog, und dann gingen Henrik JbsenS „Stützen der Gesellschaft" in Szene. ES war ein Ereignis für die Beteiligten und ein Ereignis für die Außenstehenden. TageSpvesse und Zeitschriften brachten eingehende Artikel. Nicht nur in Berlin. Im ganzen Reich und auch im Auslande geoachte man des Tages, an dem die moderne Arbeiterschaft und die Kunst eine engere Ver» Hindling eingingen. In der„Berliner V o l k S t r i b Ü n e", dem Wochenblatt der Berliner Sozialdemokraten, damals von Dr. Conrad Schmidt redigiert, schrieb am 2o. Oktober 1890 Otto Erich Hart» leben über die erste Vorstellung der Freien Volksbühne:' „Ich glaube, wohl ein jeder 1200 Anwesenden hat mehr oder weniger die Empfindung gehabt, daß eS sich an diesem Tage um Grösseres und Wichtigeres handele, als u-m die bloße Aufführung der„Stützen der Gesellschaft". Dieser Tag entschied die Frage, ob das moderne, zum Bewußtsein seiner Lage erivachte Proletariat für die große Kunst der Zeit reis sei. Und er entschied die Frage, indem er sie bejahte.— Da saßen die Berliner Arbeiter in dichten Reihen, Kopf an Kopf, und gaben sich in atemloser Spannung, mit tiefem, verständnisvollem Ernst, aber auch mir nicht minder ver- ständnisvollem Lächeln dem sittlichen Zorn und der bitteren Satire des nordischen Wahrheitsapostels ganz, ja sogar leidenschaftlich hin. Man fühlte, wie dieser Dichter dieses Publikum in seinem besten und tiefsten Empsinoen wirklich parkte, Ivic er ihm nicht ein müßigeS Sp'cl mit einem interessanten Problem bot, sondern es tatsächlich mit fortriß.—„Es soll der Dichter mit dem Volke zehn." Das Volk darf dies fordern und gerade in unserer Zeit hat«S diese Forderung nicht vergebens erhaben. Aber wenn erst das Volk mit dem Dichter geht, wenn eS abläßt von den frivolen und rohen Be- lustigunxen der Tingeltangel und die schmählichen Kolportage- romanc in den Ofen steckt, wenn es sich daran gewöhnt, den E r n st, welchen es sonst im öffentlichen Lebon/suchi uiü» findet, auch in der Kunst zu sehen, jetzt, wo es erßihrcn hat, daß es denselben finden k« nn, dann könnten die Dchter mit Sivethe ausrufen; „Dann war uns wohl ein schöner Tag beschieden, Dann feierten wir unsire goldne Zettl' So Otto Erich über jenen denkwürdigen Tag, der uns allen, die wir dabei waren, unverlöschllch als etnet der schönsten in der Eri!<>erung bleiben wird. Welch ein Aufstieg seitdem! Damals erst 1000 Mitglieder. Dann bald 8000. Und jetzt hat die„Volksbühne E. V." annähernd 125 000 Mitglieder. Sie hat ihr eigenes schönes Theater am Bülow- platz rn Berlin, und ein zweites eigenes Theater kommt bald hin- finden wir in der Fraktion der Linkem, die sich vorläufig„Fraktion Eichhorn" nennt, die folgeirden: Braß, Däumig, Tüwell, Eichhorn, Geher Dater und Sohn, Herzfeld, Hoffmann, Maltzahn, Rennele- Stuttgart, Reich-Hamburg, ferner als einzige Frau die Abge- ordnete Frau Wachwitz-Trcsden. Außerdem haben sich zu dieser Fraktion die Abgeordneten Eckardt und— W e n d e l i n Thomas geschlagen, die von ihren Bezirken schon zur Niederleguug ihrer Mandate aufgefordert waren. Ucber die Namen der Fraktionen ist man sich noch rm un- klaren Beide bezeichnen sich heute noch als Fraktionen der U. S. P. Wer den Streit schlichten soll, ist unbekannt. DaS Reichstagsburca u ist selbstverständlich nicht in der Lag«, den Fraktionen den ihnen gebührenden Titel zu verleihen. Inzwischen wird der„Konterrevolutionär" Dittmann wabr- scheinlich von seinem Posten als Vizepräsident des ReichStag-Z zurück- treten müssen, denn die bisher zwcitstärkste Fraktion der U. S. P. ist durch die Spaltung um das Vorrecht gebracht worden, den ersten Vizepräsidenten zu stellen. Da sie nur 59 Abgeordnet? umfaßt, die Deutsche Lolkspartei aber 62. so wird diese einen Anspruch aus einen Vizepräsidenten gelieird machen, während den ersten Vize- Präsidenten naturgemäß daS Zentrum stellen wird. Die Verteilung der Fraktiousjitze auf die Ausschüsse des Reichstags ist noch voll- kommen im unklaren und wird erst in den nächsten Tagen geregelt werden können._ Hzsmarck über Mihelm tt. Im Leitartirel unserer Sonntagsnummer teilten wir bei Würdigung des Schlußworts des Parteitages mit. daß Genosse Hermann Müller in diesem auch auf den dritten Band der Bismarckschen Memoiren zu sprechen kam. und aus dessen Jnbalt interessante Mitteilungen zu machen wußte. In dem Parteitagsbericht in der gleichen Nummer ist dieser Teil des Schlußworts stark gekürzt wieder- gegeben. Da insbesondere auch die bürgerliche Presse ein reges Interesse für das zeigt, was in diesem Teil des Schlußworts enthalten war, geben wir heute wörtlich wieder, was Her- mann Müller über das Ausstellen monarchistischer Symbole gc> sagt bat. Genosse Müller führte auS: „Ausländer, die Deutschland besuchen, werden oft ander Republik irre, weil daS Republikanische zu wenig sichtbar ist. Kommen Ausländer in Deutsch la»id in öffentliche Lokale, so finden sie Kaiserdüsten und Kaiserbilder in ollen möglichen und unmög- liehen Aufmachungen. DaS schien früher verständlich, wo es der deutschen Bourgeoisie gut ging, obwohl auch daran Wilhelm II. wahrlich unschuldig war. Heut« hängen diese Bilder sicherlich nur noch nach dem Gesetz der Träocheit da. Oder sollte man in bürgerlichen Kreisen nach Veröffentlichung der Randbemer. k u n g e n immer noch Sympathie für den feigen Disert»,r an* entthronten Narren haben? Bismarck sagt im dritten Bond seiner Gedanken«red«rinne- rnngen, daß Wsthrlm ll. alle schlechten Eigenschaften seiner vor- fahre« geerbt hätte, und dast er von den Nüchternen, die keine guten und keine schlechten Eigenschaften gehabt hätten, nicht? geerbt hätte. TaS ist einer der Gründe, warum der dritte Band nicht heraus- kommt. Jedenfalls bleibt es unverständlich, wie das Bild eines typischen Vertreters der degenerierten Hohenzollernfamilie heute noch überall herumhängt. DaS sind keine Nebensächlichkeiten. Die Nationalisten schreien am lauiesten nach der Revision des Versailler Vertrages. So lange so offen und zahlreich dies« monarchistischen Symbole in Teutschland aushängen, wird die Arbeit der Revision?- freunde gehemmt und gehindert. Es ist bedauerlich, daß uns bis- her Symbole für das Neue fehlen. Wir haben keinen republi- kanischen Nationalfeiertag und keine republikanische Nationalhymne. Und wieviel schwarz-rot-goldene Fahnen gibt eS in Deutschland?" Die„Deutsche Tageszeitung" ist sehr empört, daß G»- nosse H e rm a n n Müller in seiner Kasseler Schlußrede gewagt hat, Wilhelm II. zu kritisieren. Unter der Ueber- schrist„Größenschätzung" schreibt sie: Er(Hermann Müller) traut eS sich zu, über die Hohen- zollern zu Gericht sitzen zu dürfen, traut«S sich zu, welk- zn. In vielen arideren Theatern wird außerdem für. dt« Volks- bühne gespielt. Nicht einmal alle, die sich zur Mitgliedschaft melde- tat, konnten aufgenommen werden! Nur ein Erinnerungsblatt wollte ich der Freien-Volksbühnen- Bewegung widmen. Wie sie wurde, darüber noch einige Worte. Unter den Bildungsvereinen der sozialistisch gerichteten Arbeiter- schast, die sich den Namen Leseklub oder Dtskutterklub beilegten, be- fanden sich im letzten Abschnitt der sozialistengesedlichen Zeit in Berlin die Klubs„Lessing",„Heinrich Heine" und„Darwin", sowie ein ganz unter Ausschluß der Oeffentlicbkeit tagender Klub, der sich durch den harmlosen Namen„Alte Tante" den Plackereien dos Sozialistengesetzes entzog. In diesen Klubs wurden neben der Nationalökonomie und Philosophie alle möglichen Wissenszweige und Künste in den Kreis der Betrachtungen gezogen. Namentlich auch der modernen Literatur wurde breiter Spielraum eingeräumt. Dazu leisteten die Gewerkscbcsten das ihre. Auch wurden einzelne Theaterstücke und Romane, wie zum Beispiel„Nora" und„Germi- nal", besonders behandelt. Die Mitglieder der Arbeiterklubs ver- folgten mit großem Eifer alles, woS in Zeitungen und Zeitschristen mitgeteilt wurde über die Vorstellungen der„Freien Bühne", jenes Vereins, der dem neuen Drama der Zensur und polizeilicher Schikane zum Trotz den Weg auf die Bühne bahnte. In der„Akten Tante" war das Interesse ein so große?, daß man den Bildhauer Oskar Schleupner und mich Anfang 1890 mit dem Austrage zu Dr. Bruno Wille sandte, ihn zu ersuchen, es doch zu ermöglichen, daß der Klub als Klub Mitglied der„Freien Bühne" werde. Man wollte dann in jede Vorstellung ein Mitglied senden, derart, daß fader einmal an die Reihe käme. W'lle erklärte die? für nicht möglich, gab uns aber kund, daß er bereits darüber nachdenke, wte auch die Neigungen eines modern fühlenden unbemittelten Publikums zu befrtedigen feien. Im März desselben Jahres be- reits regte dann auch Wille in einem Aufruf im„Berliner Volk?- blatt", dem Vorläufer des„Vorwärts", die Gründung einer „Freien Volksbühne" nach dem Muster der„Freien Bühne" an Giftiger Werbearbeit, die nun begann und an der sich alle Interessierten beteiligten, folgte am 29. Juli 1890 ein« sehr stark besuchte öffentliche Volksversammlung im Böhmisehen BrauhcmS, und am 8. August �tvurde in der ersten Mitgliederversammlung durch Annahme der Statuten und durch Wahl des Vorstands, dessen erster Vorsitzender Dr. Bruno Wille wurde, die Gründung der „Freien Volksbühne" endgültig vollzogen. Am 19. Oktober 1890 konnte der Verein mit seiner ersten vor- stellung sein Kulturwerk beginnen. Kulturwirken im weitesten Sinne ist seitdem sein Ziel geblieben. Willi Wach. D'AlbertS„RevolutionShochzeit" in der Charlottenburger Oper. Vom„Tiefland" ist d'Albert, der Puceini-Nachkomme. langsam, aber sich« bis»um Tiefstand seiner kompositorischen Muse ge- kommen; er heißt.Revolutionshochzeit". Das Stück de» Sopftu» Michaelis hat seine starken Seiten, die im Spiele der Dort« und Gegensätze, im Hrn und Her zwischen AdelSrecht vnd revolutio- närent Wollen, zw i scheu LiebeSaufflammen und Pflichtverletzung harte, aber gemeißelte und mitreißende Bewegung bleiben. Auch die Hohlheit der Phrase fehlt nicht ganz und nicht die Sucht, Sonne und Finsternis zwischen zwei Weltanschauungen zuerst grell zu verteilen, dann ab« m ein«« einzigen lodernden Menschen irre- geschichtfiche Vorgänge begreifen zu können. Dieser Mann. dem alles groß erscheint, oder alles glatt genug, um darüber reden und astsprechen zu können. Herr Müller sieht in Wilhelm II. den Ausdruck des Niederganges. Wir belieben uns etwas anders auszudrücken. Wir sehen den Niedergang zum guten Ter! in der Plattheit ausgedrückt, der Plattheit der Phrase, mit der die RevolutionSgewinnler die Massen gaukeln. Wir erinnern uns. vor einiger Zeit in einem deutschen Blatt einmal folgendes gelesen zu haben: Verschwunden ist die Monarchie, weil die Träger der Mon- archie sich persönlich alS schwach und unfähig erwiesen, und zwar nicht erst während de-5 Krieges. Wenn die„Deutsche Tageszeitung" missen möchte, wo das gestanden hat, so teilen wir ihr mit: Es stand am 1ä. No- vember 1918 in der—„Deutschen Tageszeitung". Waren es„platte Phrasen"?— Tann erlauben wir uns den Hinftvets, daß ihr Verfasser Gras Reventlow war. Haben Reventlow und die„Teussche Tageszeitung" ein M o n o- pol darauf genommen, Wilhelm den Nnsäh'gen zu kriti- siercn?_ wer sich entschtUKwL...! Di« Von dem Preußischen Ministerpräside riftn, Genossur Braun, auf dem Parfttiage in Kassel zur Begründung der Unzn« län-zlichkeit der Preiskontrolle für künstlich« Düngemittel durch Syndikate und ähnliche Institutionen erwähnte Bestcchlichlci r eine? früheren Ministerialbeamten hat in dernr deutschnational:« Blätterwald ein merkwürdiges Echo ausgetöss. Die„Deutsche Tageszeitung", die vorgKt, auch die Korruption zu bekämpfen, beschimpft ihrer alten Gewohnheit gemäßt Braun und macht sich so zum Schützer der bestochenen- Beamten. Auch die „Kreuzzciiung" mach« dem Preußischen Ministerpräsidenten Vor- Haltungen darüber, daß er so offen der Katze lite Schellen angehängt und auf diesen KorrnplionKhech hmganiesea hat. Die Folge sei nun. so klagt sie, daß sich ver soziaft.emoftatiftbe preußische Ministerpräsident und der Sozuckdemokraiis r'tf Parte iteg als Hüter der Ordnung und Reinlichkeit aufspielen dürfen. Ja. wenn eS sich noch um einen sozinldemokratischvn Bcamiten handel e, ästet nun um einen gut d.eutschnationolcn Geheim-.. das ist schmerzlich. Recht verdächtig öentanu sich da?— Stickstosssyndik''. daS von Braun gar n:cht genannt worden ist- sst-r mit merkwürdiger Eile der Presse mitteilt, daß es der ganzen Angelegenheit fl-- steht. Darf man an die Herren die Frage richten, welche?l ge legende it sie dastn im Auge ltab-n? Braun hat lediglich aus Dcstochlichkeit«incS Beamten hingewiesen, eine„Angelegenh:.' bat«r nicht zur Sprache gebracht Vielleicht erklärt auch noch;■? Kalisyndiko! und ihm folgend irgendwelche andere Unte- nehmervereinigungen. daß sie„dar Angelegenheit fern" ständen. Et klärnrigon sind ja b.lliger als Brombeeren. Polnisch-französische? SchwmZel. Im„Ecbo de Pari?" hat der französische Journalist Bonneftn einen Artikel über Oberschlesien veröifcntlicht, worin er l'. hauptft, daß dem Herrn Korianty aus allen Enden und Ecken.■ Reiches Dokumente, auch vertraulichster Natur,;> flögen. Darunter sei eines, der Auszug aus einem vertraulich- im Ministctrat in Berlin verlesenen Berichte, in dem die su renden Männer der alliierten Kommission in sehr drastischer Wc- gekennzeichnet seien. In diesem vertraulichen Berichte stände u. a. General 2« Rond ist ein her torragender Mann, auch Oberst Per ceval stelle etwas vor. dagegen sei der italienische General de M:- rini ein„Trottel". Bonnefon fügt hinzu, daß seit dem Bekannt- werden dieses Berichtes General de Marini jede seiner Reden it• den Worten einzuleiten pflege-„Obwohl ich ein Trottel bin. w 1 ich doch meine Meinung sagen." Hierzu wird uns von zuständiger deutscher Stelle milaeta.'., daß weder i m Ret chska binett noch im Preußischen Staatsministerium ein Dokument ähnlichen Inhalts j e. mal? vorgelegen hat otzer zur Besprechung gekommen sti- zuführen. Dieser Revolutionär opfert die Idee des Kampfes gegen oen Adel und Besitz um die Liebesnacht eines WeibeS, deren Goss-e in der Maske des BarrikadenstürmerZ flieht. Aster er opfert in starker Konseguenz sein Leben, denn die Marguise, gebannt von- Feueratem des FreiheitSapostclS, lernt in einer Stunde gleichfalls untreu zu werden, ein orerstteS Vorrecht ihres Standes. Der Oper-itexi schläat hart ans hart, übergangslos und ohne Drücken die Funken aus dem weltbewegenden Konflikt. Er zerrt an allen Strängen dez Herzens uns der Nerven, er peitscht und macht bluten, ab« die Wallung ist brutalisiert, und«ine gequälte Stim- mung bleibt zurück Hier hätte die Musik entweder besänftigend. abschattend, versckiwcnderisch wohlklingend machen müssen, was Kraft aufpolierte, oder sie härte in ToSca-Laune ein Kuriosum in revolutionärer Zeit heraufbeschwören müssen. An beiden Wegen gebt d'Albert vorbei, der mit einem inhaltlosen Pathos, mit Lärm und Geschrei mit einem mit reißerischen Paulen und Trompeten, mit einem nunmehr bewußten und unsruchibaren Hang zur Betäubung irnisikaler Erfindung ersetzt, was unersetzbar ist: Musik. Auch hier ein Einerlei an Temperatur, da? ermüdet, ein Hochgehen der technischen Bravour. die nur mehr Hülle ist und keinen erlebten Kern verbirg«. d'Albert, in„T.-esland" mit all' seinen Schwäche!! und allen eigenen Reizen unsterblich oder doch vollendet als Einzel- erschcinung, ist hier zu Grabe getragen. Er wird nicht mehr auferstehen. Hofbauer als Marc Arron spielte einen ganzen Kerl, ließ aber die Freibe. trete deS zweiten Aktes, musikalisch den besten Teil deS Werkes, stimmlos verpuffen. Hertha Stolzenberg. steif, unbeweglich und starr, sang mit ergiebiger Stimm e. Gentner konnte die etwas kahle Nolle des Erneste nicht voll ge- stalten und der Kommissar des Herrn N i s ch Verden ischte die Brutalität de? Beamten im Sprechgesang bis ins U nleidliche. Krasselt hatte bei allem Schmiß der OrchcsterteiÄtng Haltung. So kam«S zu einem Erfolg der Darbietung. IL. 8. Die Wissenschaft knüpft neue Bande.„Matin" meldet anS London, daß eine Anzahl P r o i e s i o re n der Universität O y s o r d sich an ihre deutschen Kollegen gewandt haben, um zu einer Wiederaufnahme der Beziehungen zu kommen, bauptsäcklich im Interesse gemeinsamer wisseusthaftlicher Arbeit zum Vorteile einer besseren Vcrständ'gung und Wiederheisiellung der Sympathien, die bor dem Krieg geherrscht haben. Natürlich verketzert der„Matin" diesen Versuch von vornherein. Miistkchrouir. TaS nä-Lll? Konzert de« Beetbovcn-OrchesterS nndet Domierslag statt in der Bösowbrallere!: Prenzlauer Nllee 149.— In dem ersten der von der ttzrohen VoUsovcr Berlin veranstalteten ,! e ch S Opernabende im Konzertsaal' am 29. Ott. im Marmoriaol Zop»erden Lola Arlot de Padilla, Melanie Kurt und Robert Bult Partien au«„Ton Juan". Figa- öS Hochzeit".«Ob«»»" und„FibeUo* mit »egteitnnz de« Orchester« sin,». SlnS der Büstnenwett. An die Volk» bühne wurden valter Neymrr oern München« SWatSlhcat-r und Jrmela l>»a»utonz. zuletze Kleine« Theater, Setlür, verpflichtet. Kunstnachrichien. Dr. Ernst Eohn-Wiener spricht über.D e d a und Primit tvitat' Mit'.woch, 8 Uhr, im Saal der Berliner Dezeslton. — Eine grohe internationale Ausstellung erpressionlstischer Kunst, wird für da« Lahr 1S2t im Haag vorbereitet. Die einzelnen Länder, var allem auch Deutschland, werden in geschlossenen Struppen aus- trete«. Nr. 516 ♦ 57. Fahrgang Heilaae öes Vorwärts Dienstag» 1H. Oktober 162S GroßSerlln Arbeitslose und Untergrunöbohubau. Berlin gegen Neukölln. Die letzte D e m o n st r a l i o n von Neuköllner Arbeits« loten vor dem Berliner Ratbam'e hat. wie daS NaSrichtenamt deS Berlmer Magistrats mitteilt, dem kommissarischen Magistrat der neuen Stadtgemeinde Berlin Beranlasiung ge« geben, dieFortführung der Neuköllner Untergrund« bahnbauten in besonderer Sitzung einge'-end i>u priifen. Zu- nächst wurde festgestellt, da st aus den siir Notstandsarbeiten verfügbaren Mitteln weitere Beträge an Neukölln nicht abgegeben werden können. Die Bauleitung der Nordsüdbahn wird sich jedoch bestreben, bei der Fortführung ihrer Arbeiten und namentlich bei dem Bau deS Abschnitts Bahnhos Gneisenanstrah« auch Ren- köllner Arbeitskräften Gelegenheit ,ur Beschäftigung?u bieten. Austerdem soll schleunigst bei der StaotSr'egierung unter Klarlegung der Verbältnisie die Hergabe einer Beihilfe an die neue Einheitsgemeinde iür die Weiterführung der Neuköllner Unter- gruudbahnbauten beantragt werden. Dem Magistrat Neukölln ist jedoch, wie sich daS Räch- richtenamt weiter ausläßt, mitgeteilt worden, daß er verpflichtet war. unbedingt aus dem ihm für Notstandsarbeiten neuerdings ,ur Verfügung gestellten erbeblichen Betrage von 2S,Sög Millionen Mark einen der Sachlage entsprechenden Teil der Fortführung der llntergrundbahnbauten nu�m'ühren, nachdem im UebergangSauSschuß in Gegenwart de? zuständigen Neuköllner Dezernenten die Bereit- stellung besonderer Mittel für diese Ausführung abgelehnt worden war. Im gleichen Ausschuß war übrigens auch befchlosien worden, bei der Berechnung der den einzelnen Bezirken und Ge- mcinden iur NolstandSarbeiten zufallenden Beträge ausschließlich die damalig« Erwerbslosenziffer zugrunde zu legen und den weitergehenden Antrag Neuköllns abzulehnen, auch die Arbeits- kräfte bei dieser Berechnung einzuschließen, die zurzeit daselbst bei den in der Abführung begriffenen NotstandSarbeiten tätig sind. Die Demonstration hätte sich nach Meinung der Nachrichtenstelle daher erübrigt, wenn die Arbeiterschaft Neuköllns von den Neuköllner zuständigen Stellen entsprechend der Sachlage unterrichtet worden wäre._ Leichenteilfund in der Spree. Au dem Mädchenlustmord wird mitgeteilt, daß gestern auch ein B e in der ermordeten Frieda Schubert in der S p r e e an der Eövenicker Brücke angeschwemmt wurde. Ob es das rechte oder da« linke Bein ist. läßt sich noch nicht feststellen, da der Fuß noch fehlt. Der Unterschenkel ist mit Fleisch bedeckt, am Oberschenkel dagegen fehlt vom gebrochenen Kniegelenk aus das ganze Fleisch. Das Bein war in eine.Illustrierte Familienzeitung' eingewickelt. Auch dieser neue Fund zeugt wieder von der rohen Art mit der der Verbrecher bei der Zerstückelung vorgegangen ist. Der Fundort läßt darauf schließen, daß der unbekannte Mörder die Leichenteile olle in derselben Gegend ins Wasser geworfen hat.?>n der Nähe des Schlefischen Bahnhofe» dürfte auch der Mord verübt worden sein....... Auf einem Spielplatz be, Grunan fand der Forster « Kallenbach Leichenteile, von denen man noch nicht wetß, ob sie von einem Menschen oder von einem Tiere stammen. Em Arzt. der sie besichtigte, hält dafür, daß die Rippen Wohl Teile eines Men'chenlörverS sein können. Der Fund wurde einstweilen zu dem Förster Wendt na» dem ForstbauS Steinlinde gebracht. Mit dem Mord an der Schubert scheint er in keiner Verbindung zu stehen. Tie Zkommunisten-Schieherei auf einen Stadtbahnzng nach dem Kapp-Putsch. der der Lokomotivführer Bernhard Reich» m u t h zum Opfer fiel, bildet den Gegenstand eine» vor dem Schwurgericht deS Landgericht? I beginnenden umfangreichen Pro- zesikS, der voraussichtlich mehrere Tage danern wird. Unter der Anklage de« gemeinschaftlichen Mordes und der gemein- schaitlichen vorsätzlichen Gefährdung eines Eisenbahntransport« haben sich der Schneider Mar K o r n a tz, der Maschinenarbeiter Franz S» i l z k e und der Tischler Georg R o h I o f f zu verant- »orten Während die beiden letzteren unbestraft sind, ist K o r n a tz schon vielfach, darunter auch schon mit Zuchthaus, vorbestraft.— Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgeii»tsd,relior Schmidt« Das Licht der Heimat. 42Z Don August hinrichs. In der Unruhe dieser Tage hatte er zu Haus kaum ar» heilen können. Wozu auch noch? War es nicht m Wahrheit eine feige Flucht, wenn er die Sache der Arbeiter verlasjen und sich hinüberretten wollte in den sogenannten Stand der Gebildeten? Er stand vor seinem Reißbrett', noch immer war der Brief der Mutter darauf befestigt. Er las ihren festen vertraue auf dich!" Mit einem Male durchzuckte es ihn heiß— meinte ste es so?„Ja, Mutter, ja! Kampf und keine Flucht: ich kämpfe ja für dich, für die ganze geknechtete Menich« hcit— du darfst mir vertrauen, Mutter!" Ein neuer Geist kam über ihn. Er sah aus seinem Fenster über die Dächer, der Wind tr«g Märzenluft herein: Marzcnluft, die selbst in die Großstadt «inen herben Hauch frischer Ackererde trug. Die Knospen der vroßen Kastanie, deren Krone über alle Dächer hinaufragte. glänzten sastgeschwollcn. Er atmete tief auf. Zum erstenmal fühlte er wieder, daß es Frühling werden wollte: vor lauter Arbeit hatte er in den letzten Jahren keine Zeit gehabt, darauf zu achten. Keine Zeit— nein, keine Zeit zu leben— toas hatte er alles versäumt! Und eine grenzenlose Sehnsucht zu leben und zu genießen ergriff ihn. Keine Zeit plötzlich fiel ihm Inge Corneli ein:„Wenn Sie einmal Zeit haben— jetzt hatte er Zeit! Und er ritz den Hut vom Nagel und rannte hinaus. Inge CorneliS Hand, die gerade aus einer Säureflafche gelbe Tropfen in eine Retorte zahlte, zitterte, als auf das Herein statt der Aufwartefrau plötzlich Tierk Folkers in der Tür stand. Ihr Gesicht war blatz, ihre Augen wurden unnatür« lich grotz, als ste ihn ansah. Er trat rasch auf sie zu, fest und fröhlich. W das Ver« schlösse»? und Verbissene, das er sonst wohl an sich hatte, schie» von ibm abgefallen. � ,r „Da hin ich, Fräulein Inge." stigte er und streckte ihr beide Hände entgegen,„was sagen Sie nun?" Ihre Lippen zuckten, als er ihr? Hände fatzte.„Endlich." �jgte sie nur und verriet, wie sehr sie auf. ihn gewartet hatte. Vlonke, olS Verteidiger der Angeklagten fungieren die Rechts' anwälte Theodor Liebkncäbt und Dr. Boenheim. Einige linkSradikake Organisationen, wie die Kommunistische Partei und noch mehr die„K. A. P. D.'. versuchten nach dein Knvv- Putsch den Streik weiterzuireiben und bedienten sich dabei roher terroristischer Akte. So wurde von Kommunisten, und zwar von solchen im Alter von lö bis 18 Aabren. wiederkokt auf fahrende Züge getchosien, um die E'ient'ahner zu zwingen, ihren Dienst im Stich zu lasten. Ein derartiger Vorfall liegt auch der jetzigen An- Kreisversammlttngen. Tienstag. den lS. Oktober. k>. KreiS, FriedrichSfioi«; LomeinuSsäle, Stemeler Str. 67.— 7. Kreis, Eharlottenbnrq: BolkSdaitS. Nofmcnftr.— 17. Kreis, Mahlsdorf n. Ostb.: Lokal Ander«. Babnbofstr. Mittwoch, de» 30. Oktober. I. KreiS, Verlin-Mittr: SIbcndS 7 Ubr. Aula de« SoPbfen>N?aI« gvrnnasium?, Stemstr. 31—!U.— 4. Kreis. Prenzlauer?or: Abends 7 11h:. Brauerei Körnaüadf, Säwnhauler Allee 11 IIS.— 0. Kreis, Berlin, «»alleicheS S'or: Abends 7 Nbr. KliemS FeltlSIe. L>n1-nbeide 11—13.— 8. KreiS. Spandau: Metrapoiläle. Schänivalder Sir. 96—93. abend» 7>/, Ubr.-». Krcts.«Si'nirrsdorf: Piktoila-Luile-Schule. Ublandltr.. Eck« Kalteiner Sir.— 10. Kreis. Zehleudorf: Restaurant Lindendark, Berliner Str. 8.— 12. Kreis. Ateqlitz: Aula der Realichule. Florastr.. Ecke Stubenrauibplad.— lZ. Kreis Tempelbof: Marienda'f. be! Stechert, am Babnbof. abend» 7V, Ubr.— 14. KreiS. Neukölln: SchnItbeik-AuS- slbant, Hasenbeide 11—13, Wintergarten.— 13. KreiS. NiederschSne- weide i Schtilaula. Berliner Str. 38.— 16. Kreis, Köpenick; Stadt- tbeater. am Alten Markt.— 17. Kreis. Karlshorst: Lokal Hnth. Treskow- alle« 66. Ecke Krausestr.. 7 Ubr.— 17. Kreis. Lichtenberg: Cäcilien- Lbzeum, Ratbausstr.— 10.«reis, Pankow: LitzungSfaal des Rat- Hause».— 20. Kreis. Reinickendorf-Ost: Rhelngold, HauSotterftr. 43. Donnerstag, de» 21. Oktober. 2. KreiS. Tiergarten: 37—41. Abt.. Kirfchner« Oberrealfchule, Zwinalistr. 2.— 3. Kreis. Wedding: Aula des Schiller-LhzeumS, Pank-, Ecke Böttcherstr., abend» 7 Uhr. Freitag, den 22. Oktober. 8.». 4. lllbt.: Nationalhof, Bälowktr. 37. DtcnStag. den 26. Oktober. 18 KreiS, Weistensee: Berliner Hos, LanghanSltr. 1, am Lntonplatz. — 20. Kreis, Reinickendorf-West; Lokal wird noch bekanntgegeben.— 13. Kreis, Treptow: Lokal Hmsel. Treptower Park(nicht heute). Mittwoch, den 27. Oktober. 11. KreiS, Schönebcrg: Hohenzollernschule, Beiziger Str. 48— S2.— 11. Kreis, Friedenau: Bürgerlaal de» Raibaule» am Lauterplatz.— 17. KreiS. Friedrichshagen: Lokal Schul,. Friedrich ltr. 81.— 17. KreiS, Friedrichsfelde: Haberland, Wilhelmstr. 38. Thema in allen Bersammlungrn: öerichterstattung vom Parteitag. Berichterstatter: Erwin Barth, Zw. Bendiner, Frau Bobm-Schuch. Brokat. Brun», Cohen-Reutz. Td. Fifcher, Heinig, Heilmann, Martha Hoppe, Franz Krüger, Dr. Lohmann. Dr. Nestnepk«, Alex Pagel». Hugo Poetzsch, Fr. Schlegel, Minna Todenhagcn, Heowig Wochenheim, Wcimann, Wcrmuth, Wuschick. tlage zugrunde. Als am 23. Mär, d. I., gegen 1 Uhr mittag», ein von dem Lokomoiiviührer Reichmuth und dem Heizer Oblujch geführter Ringbahnzug de» Bahnhof Gesundbrunnen verlassen hatte und sich der sogenannten Mlllionenbrücke im Zuge der Swine- münderstraße näherten, wurde von der Brücke herunter ein s ö r m- licke» Schnellfeuer aus Gewehren und Armee- Pistolen auf die Lokomotive eröffnet. Reichmuth und Oblui'ch»ahmen sofort Deckung. Gleich darauf erfolgte eine zweite Salve und Reichmuth brach mit den Worten.Ach, mein Gott!' zusammen. Obluich führle den Zug bis zur Schönhauser Allee, wo Reichmuth bereit« tot war. Dt« Obduktion ergab einen H e r z s ch u ß. Die sofort einsetzenden Ermittlungen führten zu der Verhaftung der drei Angeklagten. Kornay hatre unmittelbar nach der Tat sich den Bart abnehmen lasten und war zunächst nach Leipzig und dann nach Remscheid geflüchtet, wo er bei-seinen kommunistischen Freunden Unterschlupf sand. Er wurde schließlich in Hannover verhastet und bestritt nicht nur seine Bor- strafen, sondern auch die Tat selbst. Später legte er ein teilweises Geständnis ab und behauptete, die Tat sei eine Folge seiner zer- rütteten Nerven. Ebenso behauptete Rohloff,.nicht bei Sinnen' gewesen zn sein.,. Eine längere Beobachtung beider im Untersuchungsgefängnis fübne den Gerichtsarzt TanitätSrat Dr. Sehnsen, jedoch zu dem Guiachten, daß der§ 51 bei beiden nicht in Anwendung kommen könne. Zu der Heuligen Verhandlung sind 37 Zeugen geladen, ferner mehrere Sachverständige. Die deideu letzten Prännentage für Waffenabliefernng sind heute. Dienstag, und morgen. Die freiwillige Ablieferungsfrist geht dann noch ohne Präiniengewährung bis zum 1. Dezember. Verfallende Kohlenkartenabschnitte. Am 1. November d. I. ver- fallen die Wbschmtte 4, 14. 24 und 34 der Kochkarten und die Abschnitte 4. 14, 24, 34, 44, 54 und(34 der Ofenkarten. Wer auf diese Abschnitt- Kokken noch nickt bezogen hat, wird gut tun, dies schleunigst nachzuholen. Die Kohilonbändlcr sind verpflichtet, die frcrglichcn Abschnitte bavorzugt zu beliefern. Die verschwundene» Akten. Bei der Berliner Stadt- s tz n o d e haben die Akten, über deren räi>elbattes Verschwinden wir vor einige» Monaten berichteten, sich jetzt wieder an- gesunden. Es bandelt sich um Akten über die Pensionierung de» BureondirektorS O e b m k e. dem Verfehlungen gegenüber weiblichen Augebörigen e-neS Angestellten vorgeworfen worden waren, sowie über das Difziplinorverfabren gegen den Sekretär "« b r t, der zusammen mit anderen Beamten und Anaestelllen die Beschuldigungen gegen Oebmke an das Licht der Oeffentkichkeit gebracht hatte. Sonderbar ist. daß die nach den Akten suchende Polizei ouSgerechnet bei Personen, die an dem Vorgeben gegen Oebmke beteiligt waren, ein Interesse an der Beseitigung der chriftstücke anaenommen zu haben scheint. Gerade sie können nur den lebbaftesten Wunsch haben, daß nicht» verschwindet und die Auaelegenbeit völlig geklärt wird. Wo mögen die jetzt wieder- gefundenen Akten, auf deren Herbeischaffung 1000 M. Belohnung ausgesetzt waren, gesteckt haben? Wahlkreis Friebrichshain. In der letzten KreiSvertreter-Konfe- renz hielt der Genosse Viktor S ch i f f einen Vortrag über daS Thema:„Zwncken Spa und Genf". An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion. Den Vorstandsbericht gab der Genosse B u ch m a n n, wobei in der Diskussion lebhaft Klage geführt wurde über die ungenügende Vorbereitung der„Vorwärts"- Agitation. Beschlossen wurde, die ReichStagSsraktion zu ersuchen, eine Aenderung der Bcstimniungen im Genossensckartsaesetz über die Zusammensetzung der Generalversammlung herbeizuführen, weil bei dem großen Mitgliederzahlen in den Konsumvereinen ein« ord- nungSgemäße Erledigung der Geschäfte unmöglich sei. Kirkus Gebr. Blumenfcld jun., einer der ältesten und beste» Zeltzirkufle, gab in Neulölln leine Abschiedsvorstellung. Der Zirkn» wird aus kurze Zeit nach Berlin übersiedeln, wo er am Mittwoch abend seine erste Vorstellung am Bahnbos Gesundbrunnen in der Badstratze geben wird. Da» glänzende Programm wird auch den verwöhntesten Zirkusbesuchcr davon überzeugen können, datz seine Leistungen trotz de» niedrigen Eintrittsgeldes Hervorragendes bieten. Alle Tiere find in der denkbar besten Verfassung und zeigen ein Höchstmaß der Dressur. Von den 20 Schounummern feien einige erwöbnt:.Der Mann des Tode«' nennt sich Gabbin BronS, der den waghalsigen Sprung von der hohen ZirkuSkuppel fn die Manege vollführt, ebenso Herr Eclair:.Das Schwebe- reck auf dem rasenden Motorrad' ist eine Sensaiion, die zum ersten Male dem Publikum gezeigt wird. Die neue Borortstation„Brieselang" an der Nawener Strecke wärö nach einer Bohannimvchung der Eisenlbahndiraktion BeeEin am 25. Oktober fite den Personen-, Gepäck- und Expnclßgutive.rk«hr er- öffnet werden. Sie liegt zwischen den Stationen Finkemkrug und Nauen. Zilmfihau. Gi»„Martyrium-(17. T l. Zuerst kam die Mesiter-Woche und sührte durch Deutlchland. Dann folgte ein prächttger Lehrium: Pflanzen- wuchs in 10000 bis 30000(acher Vergrößerung. Dan» ein Lustspiel: .Professor Rebbein verliebt si ch", mit Leo Peukert, das von Flöhen, Liebe und einer Badewanne(Famüienbadewanne) handelt.— Und endlich der.Clou":.DaS Martyrium-(von Franz Rauch'. Inhalt: Ein Gras(zu Deutsch Marchese) heiratet Frau mit Vergaugenhett: der Sekretär besaß sie, der Nesse tiedt sie, den Grasen rührt der Schlag, schreibt kurz zuvor noch ein Testament, stirbt. Die Gräfin wird wahnsinnig. Marlin und Eschilruth standen an der Wiege dieses Drama», und die Courlb» Makler gab ihren Segen dazu. Heilige Dreieinigteil l Stil:„Der Graf bebt« in edler Entrüstung". Der Gras war v. W i n i e r st e i n(der namentlich schön starb). ES bebte Herr Stahl- Nachbaur(den wir gern einmal als Mephisto sehen möchten, womit aber nicht FauiiZ Ver- silmung angeregt sei), edel war der Nesse und entrüstet die Gräfin(Pola Negri).— Ernstlich: daS schaffende Volt bat mit diesen Dingen nichts zu tun, deren Problematik rein bürgerlich kapitalistisch ist(das Ganze dreht sich natürlich um eine Millionenerblchast) und die sich— wie Spengler ähnlich von.Nora" sagt und selbst von Slrindberg— lediglich zwischen Einkommen von 50000 und 500000 M. bewegt. Backfische aller Jabrgänge und Herren im Smoking huldigten der Schöpfung. Pola Negrt rüßte ihr Boll.-wp. Das Lnstiptel„Putschliefl-, von Erich Schönselder und Tyll Uhl, daS jetzt im U.T. am Nollendorsplatz gezeigt wird, hätte einen mehr bczeich- nenden Namen vei dient. Vorüber gleitet ein Film voll schöner Spree- Atzer sogleich faßte sie sich, und indem sie auf Tisch und Borten wies, die ganz mit Flaschen, Gläsern und Retorten bedeckt waren, sagte sie:„Mein Arbeitsraum. Mer wenn Sie nur einen Augenblick warten, mach ich es uns schon gemütlich." „ES ist Märzenluft draußen." sagte er und sah sie fröhlich an,„wie wär's, wenn ich Sie eine Stunde aus Ihrer Gift- bude entführte?" Sie schien zu überlegen, als wäre sie enttäuscht.„Auch gut," sagte sie dann und schob ihm einen Stuhl hin.„ich bin in zwei Minuten fertig." Rasch streifte sie den leinenen Arbeits- kfttel ob und verstkstvand durch eine schmale Seitentür. Er sah sich um. Ungemütlich und kalt war das Zimmer — er hatte sich den Raum, in dem dies feine Mädchen arbeitete, behaglicher gedacht. Freilich, kühl und sachlich war sie selbst. aber hinter ihren flimmernden Augen hatte er noch etwas anderes erträumt. Da trat sie schon wieder ein. ganz vornehme �Dame. im dunkeln Tuchmantel, und er wunderte sich, wie schön sie wir. „Wohin?" fragte sie. „Nach draußen," antwortete er. Und dann gingen ne nebeneinander mit rascben Schritten aus der Stadt, auf die Landstraße hinaus. Anfangs schwiegen sie beide, aber als sie im gepflegten Stodtpark allein waren, fragte sie plötzlich: „Wie kommt es, daß Sie heute zu mir fanden?" Da erzählte er ihr, wie er jetzt sein Leben ganz umgestaltet habe, und daß er an die Spitze der streikenden Arbeiter ge- treten sei. Sie erschrak:„Und Jbr Studiuv?" fragte sie. „Ist vorläufig aufgesteckt." „Also aus!" „Das habe ich nicht gesagt." „Aber es ist so. Sie können nickt wieder zurück" „Wer will denn zurück. Vorwärts geht unser Weg!" „Man läßt Sie nicht wieder hinein! Jetzt haben Sie ganz umsonst gearbeitet." Er lachte sorglos und reckte die Arme:„Ick habe meine Fäuste, ich werde die Ellenbogen gebrauchen und mir Platz ichaffen." Sie schüttelte den Kopf:..Das ist alles umsonst! Ich kenne das— ick Hab' dos auch einmal erlebt." „Sie?" „Ja— alz ich noch zu HauS war. Mein Dater ist Geheim- rat. O— er ist ein angesehener Mann, das können Sie glauben. Wir durften nur tu ersten Kreisen verkehren, meine Schwester und ich. Bis ich auch einmal streikte." „Was heißt das?" „Nun, ich entwickelte Ansichten, die man in diesem Kreis nicht haben durfte. Und schlimmer nock>— ich lebte danach. Damit machte ick mich unmöglich. Ich war noch sehr jung, man wollte mich unschädlich machen durch eine Heirat— da brannte ich ihnen durch. Damit hatte ich sie auf den Tod beleidigt. Jede Rückkehr ist ausgeschlossen— wie bei Ihnen!"— Sie schüttelte den Kopf,„man kommt nicht mehr zurück." „.Haben Sie es versucht?" fragte er. Sie schwieg eine Weile:„Ich wollte auch nicht." sagte sis dann hart.„Zuerst versuchte man noch, mich durch Hunger mürbe zu machen, aber ich Hab mich durchgeschlagen." „Und jetzt?" „Jetzt gebe ich den ganzen Tag Stunden. Und lerne neben» bei— Nackt für Nacht. Es geht ganz gut." Da dachte er an seine eigenen harten Lehrjahre und faßte ihre Hand.„Fräulein Inge— dann läuft das Leben jetzt auch an Ihnen vorbei?" Sie warf den Kopf hoch:„Was ick brauche vom Leben, das— das werde ich mir nehmen, so oder so!" Er verstand sie nicht, aber sie lackte plötzlich auf. „Was reden wir—" sie sog die Ltift ein—„ich glaube. man riecht wahrhaftig schon den Frühling." „Ja. es wirbelt einem im Blut. Dieses Frische. Werdende. Umstürzlerische, was io ein Frühling hat, dies Drängen von Saft und Kraft— Herrgott, das fühl ich wirklich alles setzt zum erstenmal! Haben Sie denn je einen richttgen Frühling erlebt?" „In meiner Jugend gingen wir immer in den Schloßpark — weiße Kleider, helle Schuhe, immer auf diesem sauberen, glatten Kiesweg entlang, und auf jeder Rasenfläche ein Schild: „Betreten verboten!" Das hängt einem an. davon kommt man sein ganze? Leben lang nicht loS— ja keinen Schritt vom Weg!" Sie blieb stehen, stampfte mit dem Fuß und ballte die Fäuste:.Leinen Schritt vom Weg— warum wasst man daS nickt— warum laufen wir selbst sitzt noch hier wie Trotteln geradeaus— und springen nicht nrit beiden Füßen ins Grüne. laufen querfeldein!" Gor«. foIgU MZMW ZvZlbtr Landschaft-Zbilder. und in seiner Handlung sblelt ein Nmmenstreik eine Rolle� Woraus sich also ein besserer' Titel leicht ergäbe. ,Pllt>chIiesi' ist natürlich ein resolutes, gelundeS Dmg, und als Tochter dcS Ammen- Vermittlers ist sie iozusagcn beulen, gegen den bürgelmeisterlichen Versuch, die Nmmcuvroduktion einzudämmen, die Fahne der Auslednung sübrend zu hissen. Hier wäre der Slost iür einen groteZirn Film'chwankl aber so hoch versteigen die Autoren sich richl. Sie ballen sich im Rahmen des naiven Scherzes, lassen das Slmmenthema nur l?hi!ode lein>dje allerdings bis in Ministerstuben und demönstrationSweise durchs Brandenburger Tor iübrtl, lniichen allerband bäuerliche stoinit und vor allen: eine Liebes- geichichie ein. in der naiürl-ch Putichlieil eine Hauplstcrion ist. bluS rezeichnetc schaulv'cserilche Kräfte sind eingesetzt: Vor allem di?-rriichcnde Olsi OSwaida als Putschliess. Zto'esine Tora als holcntragend« Bürgermeisterin, Alb«: l Paulig, Hcirnann Thimig. Vieler Jansen, Carl Hnizar und Ctuido Hcrzscld. Voian ging ein Dctettivsilm.DicDamc in Schwarz", den ffiirt Götz versaht bat und in der Hauptrolle darstellt, Tiefer Film sucht. scheiniS, die ganz wilden Sensationen absichtlich zu meiden, aber damit enthüllt er nur um?o besser, wie dürsiiz im Grunde die Detektivhand- lurzgcn sind, Grssi-Serlittc? parZeinachrtchten. Heitsc,!V. Oktober. Lchöneberg/Ariedena«. Frauen! Beginn des Kursus de? Gen. Saternus bei yrintze, Rembrandl-, Eck« Nubensktrare. Bernau. 7'/, Nbr Im.Äysium': Inhaber Börnicke): O-sieuI!iche BollZversammlung. Vortrag de» Gen. ThvinaS über:.Tic.ivirtlchajütche Lage". Morgc», SU. Ott ob er. 33. Abt. 1% Uhr: Zabla bend Gr List Haler Str.>3. Putkm'cr Str. Zt. Swiuemünder Slr.'blj und Demmin.cr Str. Ib. Erscheinen diingend no!< wendig. � s Wilmersdorf, Krriö lli sSchöncbceq- Friedenau V llhr: Grohe össenlliche Doltkvcrsamwlunz in der S-lzu nilr der Hokenzolleenichnle. Selziger St-age. Tagesordnung:.Moskau und m>:'. R s: Dr. liest: epte. Zahlreiches Cticheiueli erdstlet der Vorstand: '-'S-11' vuch. 7'/, Uhr- Zahlabend bei Pl-trowflI. 2. Freie Aussprache über Agitation und Erfolg. willkommen. Parteiangelegenheiten. !. BerschicdencS. Gäste ?ugenöveranfta!tungen. Heute abend 7'/, Uhr. Zeiitraljugenddeim. Lindenstr. ll. Burschenabcnd:»Die Gefahren der Grohstadt für die Jugend." Borsigwalde. Gemeindcschule Tictzstrahe Vereinsabend. Moabit. SSuIe. Naldenlerstr. A). Vortrag:»Vom Ur- mcnichcn zum Sozialisten." Niederschönstausen. 1. Schule, Blanken- bürg er Str. 60I7O. Diskussion;.Was will der Berein Arbeiter-Iugsnd?' Niederschiiiicweide. Jugendheim, Oberschöneweide, Laufenerstr. 4. .Dichter Rosegger'. Pankow. Wollanistr. Illl, Knabenmittelschule. DiS» lulsion:.Lvort- und Arbeiter-Ilugend." Reinichcndocf-Ost. Hansotter- strahe 4ll bei Ulrich. Vortrag. Acbönebdrg. Nnbens-, Eike Hauptftrahe. Madchenabend. Weistenscc. Woelchvromenade l. Vortrag:»Kurzschrist." flus alier Welt. General Loman, der Verteidiger von L ü t t i ch, ist an einer Llmgencirtzünduny gestorben. SllleS schon dagewesen. Vor einigen Tagen fand im Hause des Prinzen OSkar die Tauf« seiner jüngsten Tochter statt. Sie erhielt den Nomen Herz leid.— So hicn schon die Mutler Parsifals, des reinen Toren, dessen Vater kein Wilhelm war. Metallager iu Belgien.„Libre Bclgique" meldet, daß bei Heure (Provinz Namurj bedeutende Lager Kupfererz, Silber und Antimon entdeckt worden seien. Vorträge. Vereine unü versammiunsten. Innaioziattftttcher Vtrbettsbund. Heute 7'!, Uhr im Lokal Man- öisonvlatz 4: VorNag deS Kenosten Kurt Bloch über.Mäterialistlsche Ge- tchichisaustastimg". Gäste»illtommen!— Pankow. Mttwoch, den M. Ol« tober. 7'i. Uhr: Periammlimg aller K o n i u m g e n o i I« n ch a s t e r in der Schulauia Grünowstra�e. Tagestordnuns:»Darum müssen wir den Keichüslsanlcil erhöhen?"— Das Kartell für Sport- und Körperpflege in L> i l m e r s d o r s« S ch m a r g? n d o r s bäit seine für Mittwoch, abends 7'l, Uhr, cinhcruiene Miigtiederseriaminlung nicht in der Hindin- b u r g s ch« I e, sondern im.Tttni'rdelm" der Freien Turnerschait in der Kürtiemderglschen Strohe-Uhland uiSb) ob. da die Aula vom Stadidaria. n.cn! tenötsg:.rird. TageSordunng im.klrbeiter-Zport".— Ter Berein delmatlrener L'tvreusten, Berlin 0., feiert sein AhstimmiulgSdank- und !. I.rbresien am Frenaq. den 22. Lttober. abeadt y Uhr, im grohen Tö.-eutaal des ZenttalviehSosS. Berlin O. Kidenaer Jtrah« 37. Eintritt 2 Ä.rrk, Kinder siei. Festrede bäit Schulrat La'zabieislo.-Adenick. Ocschästliche Mttejlungen. Der sogenannte Panlinenschmuck, der der Fürstin PausiiK zur Lippe gehört hat, ist, wie uns aus Detmold berichtet wird, au die Berliner Ruwclenslrma Margraf& So., Berlin, verkauft worden. Der Schmuck sollte nach dem Testament der Fürstin Pauline im Falle deS Fehlens eiver berechligtcn Trägerin zugnuston bestimmter wohltätiger Anstalten verwendet werden. Die Firma Warenstaus Jnl. LZwenberg A Co., Swincmünber S trahe 5a. ist in den Besitz deZ ältesten und bcdeulendsten WarendauseS Leipzig» Ury Gedr. übergegangen, die es unler der? Firma we.tersührcu. Durch gemeinsamen Sinlaus mit 2ö anderen g' ohcn Firmen Sachsen» und Vorddeutschlaiid» ist die Le.stuiigSsähigkeit dieser Firma eine sehr grohe, dadurch ist der Vörden Berlins um ein weiteres Warenhaus bereichert. Wiedereröffnung d-S H.ru es heute nachmitlag 3 Uhr. Wir verweisen auf dal heutige Inserat._ SSetteranKsicknen für das mittlere Norddentschlaud bis Mittwock, mittag Im Osten heiter und trocken mit Nachtfrösten, im Südwesten vielfach wollig, jedoch ohne erhebliche Niederschläge bei mäßigen östUchrn Winden. Erönniitig äJ'iiV fXjS?' Vr' V>•t'v'yx#.*:.?:- mih erfolgter Gesehäftsübernatüne unü Neueinrichtung sämllieher Lager iieute nachmittag 3 Uhr Unsere Läger sind jetzt mit vorteilhaften Waren neu aufgefüllt. Unsere Sortimente sind groß.— Unsere Kalkulationen niedrig. Unsere Preise die denkbar billigsten. = Einige Beispiele unserer Billigkeit:= ius unserer KonfektioiisaMsiluaij Bluse acs gestreiftem FlnaeU... Kostümrock au» et?g!. gem. Stoff. 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Mriro�ol-Thrntrr. ua nollandweibchen Nene» Centrnl.Theater £'• Die Dame im Frack. Äfcne» Opf»r�tt�5niUa«e« vi, u.: Die Csiköshsronsss Xetie» Voütnthroter 7", Uhr: Nora. HoliIIler-Tkekt. Chart. s:; Die ptgeschnite Ecke Thnlia-Theater vit u.: Der dnniiiie Franzi. Th.ivm PiollondorfnlRt« 7 uhr Wenn Liehe erwacht Theater cte» Wcaten» � Der eraten Liehe pld.M WalIii<»ivTheftter u'i Der Geiser von Lnosno. Walhaüa-Thoator v/t uhr: Oastsp. Harlstein. fr Täglich abends VjS Uhr: »er Roman einer Frau Täglich abends'.',8 Uhr- Die Freundin Tilla üurieux, ToeDe, ßildt, Albers. Va'lentin. Rose-Theater. uhr.* Der Mi-Christ Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Tgl. A«ß: Knorps sei. Wltws und„AnacbluB verpaßt". Singspiel mit Viktor Litzek. Neul Ernst Waller. Humorist Sonntg. 3'/,: DerHausdrache. Tölfes Gapfice. Täglich V,8 Uhr abends: Yersicheriinggeg.EhebniEh Eine uaiuhige Nacht Eea't) Ohnmccht mit Ferd. Gräaecker. FSUSärmonit. Sinionie- Konzert des Wjllhartn. Orchester« Ulrlg Riebard iiaiel. 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Sein Organ ist nicht einmal sehr angenchm, etwas spitz und heiter. doch, alles in allem, von genügender Tragweite, nnd teh» bald ge« wöbnt man sich an dieses, ebenso wie auch an seinen übrigens nicht übermäßig östlichen Akzent. Vor allem besitzt diese Stimme ein« wunderbare Schmiegsamkett. In allen Tonarien sindel sie sich zurecht, in der Brutalität, in der Ironie, in der Demut, im Beieblen, im Anseliern. in der Skepsis, im Zorn, in der fast mystischen Erlitichtting, vor ollem aber im Packen und Auiwüblen der l�eiiier. Aber SittswiewS Stärke liegt weniger in diesen äußeren Vorzügen, als in dem Geistig« Inhaltlichen. Ente teuiliche Dialektik, neben der die jesuitische Ron« rute eines ErzbergerS harmlos und durchsichtig erscheint, eine Elastizität, die ihm genaitet. ohne daß man es im Augenblick merkt. sich durch die gefährlichsten Klippen hinourchzuichlängeln. oder tmt einem riesigen, aber nnsschtbaren Sprung ein heikle» Gebiet recht- zeitig zu verlasien. um auf dem von ihm gewählten Gebiet zu landen. Nur der mit dreifachen Mißtrauen Gepanzerte, nach Blößen Suchende, und es sei osien gesagt, nur der mit Vorttrietl und Haß Eriullte vermag dieieS 'fortgesetzte Ausweichen zu erkennen und Widersprüche festzustellen. Der Unvoreingenommene aber und erst reckt der Gläubige wird fortgerissen und verstrickt, gepackt und begeistert, berört und be- rgusckt. Ferner verfügt der Vorsitzende deS Exekutiv-KomiteeS der Mos- kauer Internationale über weltpoliriscke Kenntnisse, die er allerdinaS nach Belieben verwendet: er verschweigt und ergänzt, übertreibt und beschönigt, wie es ihm und seiner Theorie der Weltrevolution üerode paßt. Eine Stärke Sinowjew» ist d!« Bereitwilligkeit, mit der er auk jeden Zwischenruf eingeht. Meist gehen zwar seine E r w i d e- r u n g« n um den Kern der Sache herum, osi sind es nur blendende RederiSartetr. aber die Geistesgegenwart und das Selbstbewnßtiein die er dabei zeigt, täuschen darüber hinweg. Er spricht von dem erbitterten Kampfe gegen England, von dem man nach seinen Worten glauben müßte, e» sei ein Kampf auf Tod und Zeben, ohne Kompromiß und ohne Gnade. Von der reckten Seite wird ibm zu- gcruien:.Aber mit Lloyd George verhandelt Ihr doch I' Sinowjew nickt tiefsinnig und schmerzerfüllt:„Gewiß, wir v-rhaudeln mit England. Aber daß wir verhandeln mußten, kst nicht unsere Schuld, sondern die Schuld de» westlichen Proletariat?!' Großarl'g natürlich ist er in der Selbstanklage. Es ist gerade vom Terror die Rede:„Jawohl! Genossen, ich gebe es zn. Der Krieg hat unS alle verroht. Wir schätzen nicht mehr das Nenschen- leben, wie wir es früher taten nnd wie wir es tun müßten...' DaS alle» ist geiagr in einem io betrübten Tonfall, wie das Bekenntnis eines schuldbeladenen GewisienS, eines reuigen Büßer». Dann wirb dte Stimme etwas fester, ettvas selbstbewußter:„Aber e* ist nicht unsere Schuld.... Wir waren zuerst viel zu gut- mutig...„Jetzt begiunt die Stimme zornig zu werden.„Hunderten von unseren besten Genossen hat daS da» Leben aekostet.... ES ist die Eckttld der verfluchten Bourgeoisie'. Und jetzt steigert sich die Stimme zn einer letdettichaitlichen Mahnung.„Lernt von von tuiseren Fehlern!... Seid nicht zu gutmütig!... Rächt Stick!" Welche einfache, geknechtete, leidende Seele könnte dieser sabel- hasten Steigerung widerstehen? St. Just kann sich auch in Ballenberg verwandeln. Da be- spricht Sinowjew die Nciolutiott des rechten Flügel», in der auch von der notwendigen Solidarität mit Sowjct-Rußland die Rede ist. Stitowjew macht eine kleine Berbettgnng, und mit einem nicht zu deickreibenden ironisch- herablnflenden Tonfall und einer höchst .'rolligen Geste der ickctttbarett Anerkennung wendet er sick der Zlecklett zu:„Alio seldsivelständlich, Gettoiien. besten Dank!' Etwa io. als hätte ihm ein Unietannier auf der Straße Feuer gegeben. .t erzwingen, wird den er!. Sit praktischen Ver- stich der Neuordnung schaffen. Aur Revision öes porteiprocirüMWs. Dt« Kommission zur Revision des Parteiprogramms hat sich bereits konstituiert und den Genossen Molkenbuhr zum Voriitzenben gewählt. Dieser hatte schon am E i n i g u n g s- p r o g r a m�m 1 87 5 mitgearbeitet und war auch Vorsitzender der Kommission, die das Erfurter Programm zustande brachte. Zum G e ich ä f t S s ü b r e r wurde Genosse Dr. Adolf Braun gewählt. Die Kvinmission hat sofort ihre Arbeit bcaanneii, die sie der erweiterten Kommission vorlegen wird. D'ese wird am 23. und 24. Oktober im Reichstag zusammentreten. Der erweiterten Kommission gehSren zunächst folgende Ge- ncssen an: Andree-Hannover, Edmund Fischer, Gustav Vogt, Pro« fessor Grotjahn, Groneseld-Derlin, Linidemann-Koln, Peine-Bre» men, Meer''c!d-Köln, Robert Schmidt, Heinrich Schulz, Professor Wacntig. Richard Woldt-Msinster. Professor Radbrnch-Kiel, Dr. May Ouarck-Frankfurt a. 50?., Döllinger-Hamhuva. Paul Hirsch- Berlin, David-Mainz, Wissell-DerÜn. Gegen die soziaststische Gememdeoertretiing Münchens xichtet sich da«„Volksbegehren" de? Bnrgcrrates. Es h,> bereit? 130 500 Unterschriften, während die Bersasinng für Volksbegehren im Staate nur 30 000 Unterschriften iorderf. WtrtsehoK Zur Versorgung mit Schweinefleisch. Wenn wir nicht zulassen dürfen, daß die Tckiv-inebesiände sich woiter vermindern, sondern im« bitter not ist. sie zu der- mehren und der Bevölkerung zu erträglichen Preisen zur Ver» fügung zu stellen, so seh- ich«IS einziges Mittel dazu eine Um- st e l l u n g in der Schweinehaltung durch Abkehr v o n der Mast und grundsätzliche Schlachtung im Gewicht von i'A Zentner. Aus einfachen Gründen: Fleisch von Jungschweinen ist h a n z u n v e r» gleich! ich viel btHiger zu erzeugen als solches von Mastschweinen; wir wissen, datz die WachstumSenerg.e bei den juttgen«Süctcn viel grötzer ist al? bei älteren, nnd datz das auf da» ISwettig vorhandene Tiergewicht ent-falletude Erhaltungsfutter um so niedriger ist, je weniger itaZ Tier wiegt. Bor allem aber: daZ Jungschwein läßt sich hinsichtlich der Art der NabrunaSmtttöl viel mehr aus der Konkurrenz mit dem Menschen aus» schalten als das MaWhwem; Jungschweine fressen und verwerten in großem Umfange Ackererzsügltisse, die der Mensch nicht ißt. und dcven sich viel leichter für ins Schweine erübrigen lassen, al? die sowohl als Mastfutter wie als menschliche Rahrtttitg-Striltcl in Frage kommenden Produkt«. Für die Jnngschweine können Weidewuch», Grünfutter. Rüben. Nahrungsabfälla usw. mit Erfolg verwertet werden, die Mastschweine brauchen Getreide und Kartoffeln. Auch die bei regelmäßiger Schlachtung der Schweine in leichtem Gewicht zur Deckung des FleischbedarsS in sehr viel größerer Anzahl zu haltenden Muttertiere ankern nicht die Tatsache, datz eine nach meinem Vorschlag: uwgesielli: Schweine» Haltung das erforderlich? Fleisch weitaus billiger und zweckmäßiger schafft als die Mastwirtschaft. In einer aus zahlreichen Mutier» tieren und vielen Ferkeln und Jungschweinan bestehenden Echw tue» Haltung haben wir diese Farm, in dem Stande eines Wiederaus- baue», wie wir sie dauernd erhalten können. Wir sind nicht in der Lage, die Anzahl M a st schwein«, die uns zur Ernährung nötig wäre, zu füttern, wir können aber soviel Jnuaschweinc unterba.ften. al» nötig sind, um aus ihnen das nötige Mmdeinnaß an Fleisch- crz'ugnissen zu erreichen. Und ferner: Haben wir dauernd viele Jungschweine, so haben wir damit auch die Möglichkeit, ein« gute Ernte für Fleischgewinnung auszunutzen und nun von den Jungschweinen zu mästen; dazu sind wir bei Echweinchaltung in der bisherigen Zusammensetzung nicht in der Lage. Bekommen wir z. B.. was ftc-ilich nicht zu erwarten siebt, im nächsten Jahre eine reiche Ernte, so nützt uns da» für die Fleisch Versorgung sehr welr.q; denn die zur Ausnahme eines Ernteüberschuss:? votwendigen Jung- schwein« sind einfach nicht vorhanden und trotz Frühreife und Frucht- barkeit deS Schweines erst heranzuziehen, wenn der guten Ernte vielleicht schon wisder eine schlechte gefolgt ist. Auch die Vorkriegszeit lehrt, daß die nach jader knappen Ernte erfolgend: Psrrinae- rung der Schtuelnabtstände keineswegs bis zur ttäckstfolglwien wieder ausgeglichen ist, und wir daher die aus der knappen Ernte herrühr.'nden hohen Fleischpretse noch weit über da? nächst- reichere Erntesahr hinaus bchieltetr. Für die Schweine ist regelnde Bewirtschaftung nicht zu entbehren; aus der einen Seite bedeutet die Befrickbi- gung des Bedarfs an Schweinefleisch in bisheriger Art durch die dazu erforderliche. Umwandlung von Ackererzeugnissen in Fletsch den Ver- lust von über drei Viertel solcher Nährwerte von Ackererzengnissen. die die VolkSernährung nicht entbehren kann; auf der anderen seit:«rtzieht Einschränkugn der Schiveinabestände unS das Fleisch, dessen wir zur richtigen Ernährung unbedingt bedürfen; daS aber lediglich von der Frage des pekuniären Ertrages bestimmte Jntev» esse deS Landwirte» am Schwein schreibt keineswegs die vom Stand- punkte der Volksernährung notwendige Handhabung diese» Wirt- schaftSzweigeS vor. Brot. Kartoffeln und Fleisch sind so wichtige Ding«, datz das AuSmatz und Verhältnis der Mengen, in denen sie der VokkSernährung geboten werden, nicht von dem, sich selbst überlassen, ganz unsicheren Faktor der Schweinehaltung bestimmt werden kann. Es wird vielmehr unbedingt erstrebt werden müssen, datz die von sicherer Hand geführte Schwoinebewirtschaftung das«rreichbar günstigste Verhältnis sicherstellt. Den etwaigen Einwurf gegen meinen Vorschlag, datz seine Be« folgung die Erzeugung de» uns doch auch so notwendigen Fette» be- schränken würde, wird man»cht gelte« lassen dürfen; denn au»- reichend Produzierte Jungschwein« bringen mehr Fett zru Ver» teilung unter alle Volksschichten al» eiu« infolg« der oben vorge» trägeren Verhältnisse notvotnvtg beschräwkie, in thr«n Umfange ganz unsichere und schwankende Produktion an Mastschweinen. Lußerdem wird»tn Teil dar Kraftfuttermengen, besonder» einzo- führender, die an be Schweine und bann auch an Mastvieh nicht ge- geben weichen, dem M il chv i- h und aus diese Weis« der Fottga- winnung in einer Form zugewiesen werden Kwnon.»i« ste uns notwendiger ist als in der von Schmalz und Speck. t Million neuer Muttertiere brächten in einem knapp-n Jahre etwa 10 Millionen Ferkel; damit wäre vWl— und nicht nur für den Mayen— gewonnen, E r n st P i t j ch. Deutsch-Kwn«. GeVerKschQstsbswegung Der Wahnwitz öer kapitalistischen Produktion. Uns fehlen Wohnungen. Jahrelang müssen unter den unwürdigsten Verhältnissen mehrere Familien zusammen- � Hausen, während auf der Sonnenseite des Lebens Einzelehe- paare mit ihrer Bedienung eine ganze Flucht von Zinimern bewohnen. Wir haben Arbeitskräfte. Wohnungen zu bauen, in reichster Fülle. Sie liegen brach und fallen der Erwerbslosenunterstüyung zur Last. Es kann nicht gebaut werden— so wird uns gesagt— denn die Rohstoffe sind durch die gewaltigen Lohnerhöhungen so verteuert, daß an Bauen gar nicht gedacht werden kann. Es wird uns weiter gesagt, zu einer Gesundung der Verhältnisse kämen wir erst dann, wenn endlich die Arbeiter von weiteren Lohn- sorderungen absehen, wenn wir zu einem Lohnabbau kommen. Wer euch daS sagt, lügt wissentlich! Gerade in der Produktion der Rohstoffe hat die Warenknappheit einen Dividenden regen auf die Kapitalistenklasse herabströmeu lassen, der erst klar macht, welcher Faktor des Wirtschaftslebens so arg preisstcigend wirkt. Dafür ein Beispiel. daS dieser Tage in nackten Ziffern durch die Presse ging. Die R h e i n i s ch- w e st f ä l i s ch e n Äalkwerke in Dornap— da auch der Kalk so teuer ist, können wir nicht bauen— klagten in ihrem Geschäftsbericht, daff eine oOprozeutige Einschränkung der Produktion, hervorgerufen durch Kohlennot und Facharbeitermangel, zu verzeichnen ist. Sie klagen weiter darüber, daß es dringend erforderlich sei, das;„endlich die Forderungen der Arbeiterschaft auf Lohnerhöhungen auf- hören", da die Werke sonst nicht an den Abbau der Verkaufspreise herangehen können. lind das wagen Unternehmer zu schreiben, die in dem- selben Geschäftsbericht sehr erfreut feststellen, dag trotz der obigen Schivierigkeiten es gelungen sei, eine angemessene Ver- zinsung des Aktienkapitals zu erzielen. Im vorigen Jahre betrug der Reingewinn bei den damals noch erheblich niedrigeren Löhnen i 521 949 M.. in diesem Jahre 4 344 371 M. Im letzten Jahre wurden 7, diesmal 25 Proz. Dividende ausgeschüttet. Das ist nur ein Beispiel. Mühelos läßt es sich verviel- faltigen aus der Ziegel-,. Zenicnt- und Holzindustrie, aus all den Produktionsgebieten der Rohstoffe, die für den Wohnungs- bau in Frage kommen. Während man früher immer rief: Nur Arbeit kann uns retten! erschallt setzt aus allen Unter- nehmerkehlen der Ruf: Nur der Abbau der Löhne kann uns retten! In Wahrheit kann uns nur retten, wenn die Wirt- schaft sich freimacht von dem Dividendenhunger der Kapi- talisten, wenn durch die ProduktionSkontrolle der w u ch e- rifche Gewinn ausgeschaltet wird. Nicht Lohnabbau, sondern Produktion im Interesse der Allgemeinheit kann uns erlösen aus dem Wahnwitz der kapitalistischen Profitwirtschaft. Nur sozialistische Produktion — zunächst bei der Herstellung der Rohstoffe— wird es wieder möglich machen, daß jeder ein Heim sein eigen mennt! Zur Aussperrung der„Biktoria"-Angestellten. Der vom Betriebsrat der„Vikioria" angerufene SchlichtungS- ausschutz Grafe-Berlin trat gestern, Monrag, vormittag unter Borsitz deS Herrn Dr. Goldberg zusammen, um diesen Slreitiall von un- partetischer Seite endlich aus der Well zu schaffen. Die Spruch- kammer des SchlichlunasouSschusscS legte den Parteien nach langen Verhandlungen, die oft zu scheitern drohten, folgenden einmütig gefallen Vergleichsvorschlag zur Annahme vor: Der Betriebsrat erklärt: Der Betriebsrat tritt dafür ein, daß die Angestellten ihre Dienstpflichten ordnungsgemäß der- richten und wird die Direktion bei der Durchführung eines ordnungs- gemäßen Betriebes unterstützen. Die Direktion erklärt sich dagegen bereit, den Betrieb heute, den 19. Ottober 1929, zu eröffnen, die Winterbeihilf« un. verzüglich im ordnungsgemäßen Geschäftsgang ohne Abzug für die AuSgesperrtentage auszuzahlen, dagegen bleibr die Frage der Bezahlung der AuSgesperrtentage im übrigen einst- weilen offen. Die Direktion erklärt sich ferner bereit, den am 15. September 1920 ausgezahlten Vorschuß ihren Angestellten weiter bis zum Abschluß der Reichstarifverbandlungen zu stunden. also mit der Winterbeihilfe ein halbes Septembergeholl auszube- zahlen, ferner erklärt die Direktion wegen der Vorkommniffe bis heute Maßregelungen nicht vorzunehmen! Während der Betriebsrat diesem EinigungSvorschlage seine Zu- st i m m u n g gab. lehnte die Direktion ihn glatt ab. Der SchlichtungSauS'chuß setzte trotzdem seine Bemühungen, eine Einigung herbeizuführen, fort und vertagte die Sitzung nach sechsstündiger Verhandlung schließlich auf heute nachmittag 3 Uhr, wozu auch der Generaldirektor der Gesellschaft Dr. W e ch vorgeladen wurde._ Solidarität. Zu der in den Postbeirieben notwendig gewordenen Arbeits- streckung hat die Postbehörde eine Verfügung erlassen, wonach die Kriegsbeschädigten und sonst Schwerbeschädigten von der Arbeits- streckung ausgenommen werden sollen. Die Kriegsbeschädigten und andeiiul Schwerbeschädigten wolle» aber mit der unter der Streckung leidenden Kollcgenichaft Solidarität üben und sich an der Streckung, soweit sie notwendig ist, beteiligen, um den Prozentsatz der StreckungSzeit im Jnteresic aller Arbeitsgenossen zu vermindern. Mit auf ihre Veranlassung hatte die SektionSleitung deS Verbandes des Post- und Telegraphenperson als sMitgliedschait im TranSportarbeiterverband) zum Sonntag eine Versammlung der kriegsbcschädigten und sonst schwerbeschädigten Postbelier im linieren und mittleren Beamlendienit vom gesamten OberpokidireltionSbezirk Berlin nach dem GewerischanShauS einbe- rufen, die gut beiucht ivar. Nach einem Reierat von Nordmann und einer lebhatten Diskussion kam der Wille der Venammelten in folgendem, einstimmig angenommenen Beschluß zum Ausdruck: .Die Krieg-?- und andere Schwerbeschädigten sind zur sali- darischen Teilnahme an der Arbeits st reckung ihrer nichtbe schädigte n Berufskollegen bereit und beauf- trogen die SektionSleitung, in diesem Sinne der Gcsamtkollegen- schaft Kenntnis von ihrer Ilebereinitimmung zu geben." Wie vom BezirlSbetriebSrat dazu mitgeteilt wurde, sollen in ganz besonders liegenden Einzeliällen bei Schwerbeschädigten AnS- nahnien zugelaffen werden. Die Regelung ist Sache der örtlichen Betriebsräte._ Die Forderungen der Porträtphotographen. Die Photograpbengehilfen und-gehilfinnen der Porträt-Jnnungsbe triebe waren zu Freitag zu einer öffentlichen Versammlung zusammeirberufen iwrisen, um zu den von vielen Seiten angeregten Forderungen Stellung zu neb- men. Zunächst hielt H o f f m a n n vom Verband der Lithographen einen Vortrag über die wirtschafllicke Lage m den IlinungSbetrie- hen. Heber den Siand der Löhne sagte er: Der Statistiker der Stadt Schöneberg 5at festgestellt, daß zur Beschaffung der aller- notwendigsten Bedürfnisse jn Berlin im Minimum pro Woche ein Leidiger 1S9 M., ein Verheirateter ohne Kinder 237 M. und ein Verheirateier mit 2 Kindern 328 M verdienen muß. Tie getroffe- neu Feststellungen über die Entlohnung in der Porirätbranche er- geben ein recht traurige- Bild. Folgende Beispiele beweisen es: Jn einem Geschäft erhält eine Gchissin, die 24 Jahre alt und 5% Jabr im Berus tärßg ist, sage und schreibe. 75 M. pro Woche. In einem größeren Geschäft erhält ein Gelilfe im Alter von M Jahren, der zwei Kinder zu ernähren bot, 144,7S M. Ihm fehlen also noch 0 M. am Lohmninimum für eine einzelne Person. Dabei kann man sich nur denken, daß er nach der achtstündigen Arbeit?- zeit noch Äe Nacht zu Hilfe nimmt, um einen Nebenverdienst zu erzielen, und daß seine Frau sich auch noch um einen Verdienst bemüht. Ein anderer Gehilfe im selben Geschäft. 58 Jahre alt. "Rai eh-nralls den horrenden Lohn von. 144.7S M. In etwa d« gleichen Höhe bewegen sich die Lohne, d-e der Redner werierhi» als Beweis für die traurige Lage der Photographengehilfen an« führt. Nach diesen Feststellimgen und denen des Statistikers müssen unsere Kollegen zugrunde gehen. Darum muß die Kollegen» schaft zufammeirbaliei, und ein« Verbesserung erstreben. Die Berrrauensleute. d>e Gruppenleiter und die Ortsverwal- tung schlagen vor, im Rahmen de? noch iortbestehenden TaritK folgende neue Lvbnsätze zu fordern. ES sollen als Mindestlöhne pro Woche gezahlt werden: im ersten Gehilfenjahr 130 M.. im zweiten 140 M., bis zu 21 Jahren 160 M.. vom 21. bis zum 24. Jahr 180 M.. über 24 Jahre 200 M.. für Spezialgubeitsr 220 M. und für Lperajeure mw technische Leiter 250 M. Mit dem neuen Lohnabkommen bat aber ein jeder Kollege und jede Kollegin mindestens eine Lohmzulage von 30 M. wöchentlich zum derzeitigen Lohn zu erhalten.— Der Jnnungsvorstand Ie6ni es ab, mit dem Verband z v verhandeln; er will nur mit dem GehilienauSichuß der Innung verhandeln. Tie letzte JnniingSgebrlfenversaminlung h« aber festgestellt, daß die Kalle» genschaft nichk gewillt ist, in Tarftverhandlungen einzutreten, die der Gehilfenausickuß tätig: Darum ist man übereingetoimnen, nicht der Prinzipalität als Gairzes. sondern jedem einzelnen Prinzipal die Forderungen zu unterbreiten. Wieder einzelne Prinzipal hat zu antivorten. Den Prinzipalen wird eine Frist von 5 Tagen zur Gegenäußeruny dem Verbände gegenüber gesetzt. Diejenigen Unternehmer, die die Frist verstreichen lassen, werden vor den SchlichtungsauS schütz geladen, wo ste ihre Stellung zu den Forderungen kundgeben müssen. Nach einer Diskussion machte die Versammlung durch Bs». sch l u tz die mitgeteilten Forderungen zu den ihrigen. Sie werden sofort durch die Organisation eingereicht wewen und alles weitere wird der Verband veranlassen. In der Frag« der Sonntagsruhe werden die notwendi- gen Schritte getan werden, sobald die neue Gemeinde Groß-Bcrlin unter Dach und Fach ist._ Der Streik im Glas- und Keramik-Grofthandel beendet. Die Einigungsverhandlungen vor dem DemobilmachungS'om» misiar am Sonntag führten zu einem Ergebnis, das in der Versammlung der streikenden Angestellten am Montag gegen drei Stimmen angenommen wurde. Die Arbeit wurde Montag nach» mittag wieder ausgenommen und hat der Kampf der Angestellten zu einem vollen Erfolg geführt. Charakteristisch ist dabei, daß der .nationale" GewerkschaftSbund kaufmännischer Angestelltenverbände sich um die Bewegung, an der auch Mitglieder seiner Organisation beteiligt waren, überhaupt nicht gekümmert hat. Die betreffenden Angestellten werden daraus die Konfeguenzen zu ziehen wissen._ Trutiäwr Tlantporiorbeiter-Verban». Mülwocki.dkn SO. Oktober abends 5'/, Uhr, im»tmetifchaflSkiauS, Engeluser 14/ 15, Saal 1. allgemein« Funktionärkonserenz aller BetiiebSvertrauenslent«, BciricbZrät« und Be- triebsobleute sowie aZeneralveriammlungSdelcgierte der Groß« Berliner Metallindustrie.— LchivertubrwerkSklitscher mid Arbeiter. Donnerstag, de« St. Oktober, abends 7 Uhr, im Lokal von voeker, Weberstr. 17, Branchen« Versammlung. Buchbinververband. s?re!tag. 22. Oktober, nachmittags'/, 5 Mr. im Saal 1 de». Gewerkschäftsdau! eS", Engeluser tbi Sitzung der in Buchbindereien, Buchdiuckereien und Geschästsbuchsabriken beschäftigten Betriebsräte und BerlraueilSpersonen. Brauerei- un» Mühlenardeiterverbaud. Heut« vormittag S Uhr findet in der- Ichwedter Str. 2Z bei Büttner eine Versammlung der streikenden Mütztenarbeiicr statt. Es handelt sich um Wiederaus« nähme der Arbeit. !!>erantv>. sllr den redakt. Teil: Dr. veruer Veiter, Tharlattendura: für Anzeigen: : Berlaa: Borwärts-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Trug: Vor- Zt. ÖUcke. Berlin. ivärtS-Buchdruitcr-i VerlagSanliall Bovl«inger u. Co.. Hierzu t BrU»«e. Berlin. Lindenttr. Z. ttüknersugen t-lor-nwae-t-, Scfnvfclen u.Wamen beseitigt schnell, sicher u. schmerzlos KuKlrol lOOOOOO fach bewährt Dreis M.3,-Jn ApotheKen Drogerien erhältlich Vorsicht vdr(Nachahmungen. Küki pol sieht einzig da- Stmm0w%rm Damenstrümpfe 10« 12-° Damenstrümpfe 16» 26-- Damenstrümpfe w«««. g.web.,«1™«........ 25-° 4250 HePrenSOCKen geimclg, starke Quolltat. meliert 8�0 1 2-- Herrensocken ßaumwolle. gewebt, larblg..... 9- 11-- Herren socken 16-° 27-- Kinderstrümpfe Wolle pl, 1X1 gestrickl, schwatz............... 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