Nr. 517 ♦ Z7.�ahrgang Msgabe Ü Nr. 121 Bezugspreis s B reteliäfttuao.— üJIUmonatl.lO.— 93H. frei ms£>aus. oocoue ahldar. Äolt» bejug Konntlich 10,— M!» ettUSu* ftellunasgedüdr. Unter Äteu»bon6 für Deutschland und Oesterreich IS/V Ml, für da« übrige Ausland»ei taglich einmal. Zustellung 21,S0 V. Polide- fteliunqen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche-Slowaiet, Dane- wart, tollano,.utemourg, rchweben und die Schweis— Eingetragen tu die Vast- eintnns, Preisliste. Der.Vorwärts� mit ber Eanntaa»- beilage»Ball u.?ie>t� erichetm iDocf.en- täglich zweima Sanntaqs und Montags-inmat. Telegramm-Ädreffet JSojlalttemotcat BeicHa**. Abend Ansgade Berliner Dolksblntt (20 Pfennig� Anzeigenpreis: Die achtgelpaltene Nmtvareilletelle lostetZi— M.,TeuerunaszuschlagS0�». ,filem« Anzatgen". da«'ttt- gedeustte Wort U— M.(julaiftg zwei iengedruckte Worte), tedes weitere Wort(K) Big. Etell engesuche und Schlasslellenanzetgen das erste Wort W Bsg„ tebe« weitere Wort iO Big. Worte übet 15 Buchstaben zählen für Stoei Worte. Teuerunoszuschlag 50°,> Familten-Anzetgen siir Abonnenten geile T— M» polililche und ge- weriichastliche Berein«- Anzeigen Z.— Ml. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die n ti ttift e Nummer muffen bis S Ahr nachmittags im Kauptgeichäft, Berlin(SW i, Linden- fttoge 3, abgegeben werben. Geöffnet von 9 U1)I früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemohratifchen Partei Deutfchlando vorwärts-verlag G.m.b. GW. öS. Lmöenstr. Z. Fernsprecher: Amt Mvritzpla«, Ar. l 1 7.Vi— 54. Neöaktion und Expedition: SW. 6$, Lmdenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morntpln««- Nr. ISTSV— lälv?. KSismx. Amsterdam, 19. Oktober.„Telegraas" meldet aus London:' Der K o h l e n st r e i k ist heute allgemein. Mit Ausnahme der 1 allernotwcndigslen Arbeiten zur Ventilation und zur Entwässerung� der Gruben ruht der Betrieb auf den Kohlenbergwerken vollständig. Bericht« von verschiedenen Seiten zeigen, daß sich die Bergarbeiter auf lange Ferien vorbereiten. Sie organisieren Pferde- und Hunderennen sowie andere öffentliche Veranstaltungen. An der Börse stehen die Geschäfte still. Die Haltung der Regierung bleibt fest. HeizunzZ- und Bclcuchtungsmaterial sind rationiert. Im Falle einer längeren Streikdauer scheint es wahrscheinlich, daß die Eisenbahner sich dem Rufe der Arbeiter anschließen wer- den. Die Wirkung des BergarbeiterausstandrJ auf andere In- d u st r i e n macht sich bereits geltend, und wenn der Streik an- dauert, so werden in ganz England große Fabrikbetricbe geschlossen werden müssen. Es liegen bisher keinerlei bestimmte Anzeichen in der Richtung einer Einigung vor. Die RcgicrungSmaßnahmen zur Sicherung der Lebensmittelversorgung umfassen auch eine Verfügung, die die Erhöhung der gegenwärtigen Preise untersagt. Die Zuckerration wird auf 8 Unzen pro Woche herab- gesetzt. DaS Handelsministerium hat Siotvorschriften bezüg- lich der Einschränkung der Belieferung mit Steinkohle, Gas und Elektrizität für Häuser und Fabriken erlassen. Ein a l l g e- meines Ausfuhrverbot für Steinkohle ist bereits vor kurzem ergangen. Für Passagier, und Mailboote sind Sondcrbe- siimmungcn über die Kohlenbelieferung erlassen worden. Für die Küstenschiffahrt sind die EinschränkungSbestimmungen er- leichtert worden. London, IS. Oltober. Havelock DÄson erklärte gestern, daß wegen de? Kohlenstreiks bereits Sau sende von englischen Seeleuten arbeitslos geworden seien. In Cleveland haben einige tausend Arbeiter der Eisenerzgruben die Arbeit gleichzeitig mit den Arbeitern der Kohlengruben niedergelegt. In sieben von den acht großen Versommlunyen der Eisenbahner in Südwales erklärte man sich energisch für«inen sofortigen Sympathiestreik, ebenso die Eisenbahner von Liver- Pool,_ Llopö George bombarüi'ert. Zu der von uns bereits berichteten ArbeitSlosenbemoustration in London meldet T. U. folgende Einzelheiten: Bei Gelegenheit der ArbeitSlosendcmonstrationen kam eS zu schweren Zusammenstößen uiit der Polizei. 20 9 00 Personen! zogen vor daS Rathaus, worauf sich sieben Bürgermeister von' Groß-London zu Lloyd George begaben, um in der Arbeits- losenfrage vorstellig zu werden. Lloyd George versprach, bei der Parlamrntscröfjnung am D>cnStag eine Erklärung darüber ab- zugeben. Inzwischen wurde die Menge, die den Bürgermeistern nach Downing Street gefolgt war, immer unruhiger und bedrohte die vor dem Ministerium diensttuenden Polizisten. Polizei- liche Verstärkungen sperrten Down'ng Street ab, während die Menge immer wieder durchzubrechen suchte. Schließlich er- schienen Berittene. In diesem Augenblick warf einer ber Rädelsführer aus der Menge sein Messer durch ein Fenster des Ministeriums. Auf dieses Signal begann ein Bombarde- ment mit Steinen und allen«töglichen Wurfgeschossen. Zahl- lose Fenster wurde» eingeschlagen. Die Menge zog darauf nach Downing Street ab gegen Tra- falger Square, wo sie, mit roten Fahnen winkend, den dortigen Polizeikordon zu durchbrechen suchte«. Bor dem Nelson- Denkmal wurden sie von Lonstablern mit schweren Knütteln ab- gedrängt. Inzwischen war:S auch in White Hall zwischen Po- lizei und Demonstranten zu Zusammenstößen gekommen. Luch im Kriegsministerium wurden viele Fenster ein- geworfen. Im Straod-Hotel wurden zwei Juwelierläden eingeschlagen und Kostbarkeiten im Werte von einigen tausend Pfund gestohlen. Die Polizei übernahm darauf schleunigst den Schutz der anderen Läden der Gegend. Etwa 50 Personen wurden bei den Zusammenstößen verwundet. 10 mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Eine Anzahl von Berhaftnngcn sind erfolgt. Sozialiftenoppssition in Geftermch! Wien, 19. Oktober. Zu dem Wahlergebnis schreibt die„Ar- bciterzcitung", die k o m m u n i st i s ch e T a k t i k, die den Arbeitern in dem Wahlkampf in den Rücken gefallen sei, habe nicht wenig zum Erfolge der Ehristlichsozialcn beigetrage«. Sie kennzeichne sich als ein wahrer Verrat an den Interessen des Proletariats. Das Blatt erklärt sodann, daß die Sozialdemokraten mit den Christlichsozialen keine Gemeinschaft unterhalte» würden. Diese würden jetzt allein zu regieren und die Ber- antwortung zu tragen haben. Graz, 19. Oktober. In den Landtag wurden 30 Chvistlich- soziale, 22 Sozialdetmokraten, 8 Großdeutsche und 0 Bauornbündler gewählt. 4 Mandate für den Land dag werden im Zweiten Ernritt- lungsverfahren beseht. Wien, 19. Oktober.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts.') Di« Christlichsozialen geben sich bereits-alle Mühe, um die Sozialdemokraten zum Verbleiben in der Re- g i e r u n g zu bewegen. Die.Fieichspost" schrieb gestern, daß die Sozialdemokraten als zweitstärkste Fraktion sich dieser Aufgabe nicht würden entziehen können, und heute sagt sie in vollem Ge- gensatz zu der Wahlpropaganda ihrer Partei, man könne doch nicht die Sozialdemokraten für das Elend der» antwortlich machen; jedermann wisse doch, wie schwer die Er- nährungS- und Finanzlage sei. der Aufruf öer Neukommuniften. Die„Note Fahne" veröffentlicht den Aufruf der Neu- kommunisten unter der linken U. S. P.., wie sie sie selber nennt. Ter Aufruf betont, daß die Partei„in die k o m- m u n i st i s ch e Kampffront" eintritt. Sonst richtet er sich fast ausschließlich gegen die Rechten und deren Anspruch, die rechtmäßige Nachfolge der alten Partei zu sein. Es ist sehr interessant, daß die Nsukommunisten. die doch sonst von Demokratie und Mehrheitswillen nichts wissen wollen, sich an vier Stellen des Aufrufs darauf berufen, daß sie in Halle die M e h r he i t, die Rechten aber die M' n d e r- heit gewesen seien. Selbst die Erund'ätze der„Demo- kratie in der Arbeiterbewegung", die doch von Moskau lechenscbaftlich bekämpft wird, müssen jetzt für die Linke zur Erweisung ihres angeblichen Rech!?? herhalten. Be- sonders schön macht sich aber in diesem Zusammenhang fol- gende Stellei Dasselbe Verbrechen, das in der Zeit des Krieges von den Rechtssozialisten, von den Eberl und Genossen am Proletariat begangen wurde, wird heute von Hilferding, Dißmann und Crispien wiederholt. Nach unserer bcfchridemm Erinnerung waren die„Ebert und Genossen" bei drr ersten Parteispaltung nicht mir, wie die Ncukommunisten, eine bescheidene, sondern die überwäl- tigende Mehrheit in der alten Partei. Wenn eS ein Verbrechen ist. als ausgesprochene Minderheit eine Partei zu spalten und zu zerreißen, so lag das Verbrechen damals also nicht bei„Ebert und Genossen", sondern bei der damaligen unabhängigen Minderheit, zu der auch die j e tz i- gen Neukommilnistcn zählten. Gerade indem diese fortge'etzt in ihrem Ausruf darauf herumreiten, daß sie in Halle die Mehrheit gewesen seien der sich die Minderheit hätte fügen müssen, en'hüllen sie ihr eigenes Ver- brechen der Spaltung aus der Zeit des Krieges. Der Aufruf smpsieblt auch den neuk«mmitnistischen Mit- gliedern:„Laßt Euch nicht aus Erbitterung über die Provo- kation der Rechten zu Disziplinlosigkeiten und Unbesonnenheiten hinreißen." Wie dos gemeint ist, zeigt folgende Notiz in der gleichen Nummer der„Noten Fahne" über die Vorgänge am Schiffbauerdamm:> Die„Freiheit" bringt eine Meldung über einen Einbruch im Bureau des Zenkralkomikees der U. S. P. D. am Schiffbauirdamm. Wie uns rni ige keilt wird, handelt es sich hier um keinen Ein- b r u ch, sondern um ganz etwas anderes. Der vom Parteitag in Halle nach dem Wzug der Hilserdingianer rechtmäßig gewählte Parteivorstand wolßte sein Bureau aufsuchen, fand aber, daß die Schlösser bereits, wahrscheinlich auf Veranlassung Crispien und der anderen geändert worden waren. Der Portier des Hauses alarmierte die Polizei. Jetzt wird das Haus ain Schiffbauerbamrn von der Sipo be- wacht, dcnnit Crispien und die anderen ihr„Sclbstbestiinmungsrecht" ausüben können. Daß ein„rechtmäßiger" Pardeivorstand sein Bureau auf- sucht, indem er zu n ä ch kl i ch e r S t u n d e eine Anzahl In- divibuen ein verschlossenes Gittertor über- klettern läßt, dürfte immerhin zu den Seltenheiten ge- hören. Jedenfalls wird durch diese Mitteilung der„Roten Fahne" bestätigt, daß der versuchte Einbruch mit Wissen und Billigung der neukommuni st i scheu Lei- tung stattgesunden hat. Hilferding und Genossen werden aber wohl jetzt über Inanspruchnahme polizeilichen Schutzes zur Wahrung des Parteieigentums gegen radikale Gewaltakte milder denken, als vor dreiviertel Jahren! Ein neuer Scheiüemann-Drozeß. Vor der Kasseler Strafkammer hatte sich der Buchhändler Kay wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters Scheide- m a n n zu verantworten. Kay hatte im Schaufenster die Broschüre „Der Rattenkönig' ausgestellt, die verschiedene Beleidigungen gegen Sebeidemann und seine Familie enthält. Kay gab die Er- klärung ab, daß er nicht die Broschüre gelesen und von ihrem Inhalt nichts gewußt habe und erklärte sich bereit, die Kosten des Verfahrens zu übernehmen. Daraufhin zog der Genosse Scheidemann seinen Strafantrag zurück. Neggio Emiiia. Ter italienische Sozialismus am Scheideweg. 0. L. Rom, Mitte Oktober. Die Ereignisse der letzten Wochen haben wesentlich dazu beigetragen, den Widerstreit der Richtungen klar hervortreten zu lassen. Seit dem Parteitag von Bologna liegen Partei- vorstand und„Avanti" in Händen der Bolschewisten, die mit der Plattform der dicht bevorstehenden Revolution in den Wahlkampf getreten sind. Ein Jahr ist seitdem herumgegan- gen, aber die Revolution steht noch immer„dicht bevor", und leider stehen auch andere Dinge dicht bevor, vor allem eine Krise der Volks er nährung, die einer Katastrophe sehr ähnlich sieht. Unter diesen Umständen ist es natürlich, daß in Italien, wie in allen andern Ländern, die Frage an die Partei herantritt, welche Pflichten ihr als der st ä r k st e n Partei des Landes aus der heutigen Sachlage, aus der dem ganzen Lande drohenden Katastrophe erwachsen. Die Bolschewisten geben darauf die eine stereotype Ant- wort: wir müssen die Katastrophe beschleunigen, die Ilbwehr- versuche der Bourgeoisie sabotieren, um so die Revolution und die Einführung der Räterepublik nach russischem Muster durch- zuführen. Die nichtbolschewistischen Richtungen innerhalb der einheitlichen Partei halten«ine erfolgreiche soziale Revolution, die sich auf Italien allein beschränkt, für unmöglich, weil Italien in seiner Volksernährung auf die Einfuhr aus dem Auslande angewiesen ist, und, wie Genosse D u g o n i in Reggio Emilia sagte, drei englische Schiffe in Gibraltar und am Suezkanal genügen, um die italienische Räterepublik auszuhungern. Sie halten es deshalb für«ine Pflicht der Partei, die 5latastrophe noch abzuwehren, soweit sie sich ab- wehren läßt. Diese grundverschiedene Bewertung der heutigen Lage innerhalb ein und derselben Partei hat Turati und die Führer der italienischen Gewerkschaftsbewegung, die Genossen D'Aragana und B a l d e s i bewogen, die nichtlwlschewisti- scheu Elemente der Partei am Ist. und 11. Oktober nach Reggio Emilia zu einer Aussprache zu berufen, zu der auch der Sekre- tär des Parteivorswndes, Genosse Gennari, eingeladen worden war. Den Arbeiten wohnten W2 Genossen bei, von denen ILst Parteisektionen vertraten, während die andern teils die Minderheit ihrer Sektion vertmten, teils lediglich als Einzelpersonen zugegen waren. Bon den 155 Deputierten unserer Partei hatten sich nur 35 mit den Zwecken der Zu- sammenkunst einverstanden erklärt, unter ihnen, außer den Einberufern, Turati, Treves, D'Aragana, auch Morgari, Prampolini, Bocconi, Matteotti, Mazzoni und Dugoni. Es war nicht nur die ehemalige reformistische Fraktion vertreten, sondern auch solch? Genossen taten mit. die immer auf dem linken Flügel der Partei ge- standen haben. Die Diskussion orientierte sich in erfreulicher Weis« sehr schnell auf das wesentliche Problem. Die 21 Punkte von Moskau und die von Moskau gekommene Forderimg, Turati, Prampolini und„andere Opportunisten" aus der Partei aus- zuschließen, wurden nur nebenbei gestreift, da es für die Nicht« Maximalisten seder Richtimg von vornherein klar sein mußte, daß sie nickt die repräsentativen Persönlichkeiten der sozia- listischen Bewegung in Italien preisgeben können. Das wesentliche Problem der Zusammenkunft war aber dieses: Was kann unsere Partei tun, um die dem Lande drohende Krise abzuwenden oder ab- zuschwächen? lieber die drohende Gefahr war man sich einig. Das Aus- land hat Italien den Kredit aufgesagt, und das Land braucht allein, um seinen Getreidebedarf zu decken, eine Million Dollar am Tage, und ein Dollar kostete am Ist. Oktober 3st Lire. Es ist nicbt daran zu denken, diesen Bedürfnissen durch gesteigerte industrielle Produktion gerecht zu werden, denn die Produktion stockt. Die Arbeiter wollen zun: Teil n-cht mehr arbeiten, die auswärtigen Firmen haben nach dein Ausgang der Metallarberterbewegung, ihre Bestellungen rück- gängia gemacht, die Unternehmer bieten ihre Betriebe den Genossenschaften zur lieber nähme in eigen? Regie an. Es ist sogar vorgekommen, daß einige Industrielle die von den Ar- beitern geräumten Betriebe überhaupt nicht mehr zuruckge- nommen haben, alles sich selbst überlassend. Alle Elemente der Krise sind gegeben: riesenhaft, vielleicht imabwendbar. Die Bourgeoisie weiß keinen Ausweg, sucht vielleicht keinen mehr, wartet zum Teil selbst auf die Revolution, wie auf eine Erlösung. Angesichts dieser von allen zugegebenen Sachlage zeicb- neten sich auf dem Kongreß zwei Ausfassungen ab. Der Mg. Mazzoni. ein Sekretär des Zentralverbandes der italienischen Landarbeiter, stellte sich auf den Standpunkt, daß e s keinen Ausweg gibt. Die Partei müsse versuchen, sie selbst zu iein, dem Rausch der Massen entgegenzutreten, aber sie sei außerstande, der Kriegsneurose Meister zu werden. Von diesem äbsoluten Pessimismus ausgehend fanden sich auf der Zusammenkunft die verschiedenen Abstufungen, die über Turati und Treves hinweg bis zu dem tat- und wage- fccrciten Optimismus D'Aragcinas und Modiglianis führten. TurcrtiZ Worte vorrieten geringes Zutrauen in die Fähig- keit der Poriei, sich selbst und das Land aus der Krise zu retten. Auch in Sachen der Parteieinheit war er skeptisch. Immerhin stellte er die Möglichkeit nicht in Abrede, daß die Sozialisten, wenn sie sich zur U ober nähme der Macht ent- schließen, besser als die bürgerlichen Parteien imstande sein könnten, die Produktion wieder zu heben und so Kredit beim Auslande zu erlangen. Auch T r e v e s war skeptisch. Für ihn ist es nicht Auf- gäbe der vereinigten Fraktion, einen Ausweg zu suchen, der ohne die Mitwirkung der Marimali sten zum Mißerfolg be- stimmt ist. Treves will die Uebernahme der Regierung durch die sozialistische Partei nur, wenn dieses Uebel unvcrmeid- lich sein sollte.„Wir wollen nicht in der Partei bleiben als Sozialisten zweiter Ordnung, als Verräter, denen man die Schuld dafür gibt, daß in Italien noch nicht die Revolution verwirklicht ist." Wer aber die russische Diktatur nach Italien. überpflanzen wolle, der vergesse, daß Italien die Phase des bürgerlichen Industrialismus durchlaufen hat; es hat eine demokratische Erziehung, e? braucht nicht die Knute einer Diktatur. Für Rußland habe Italien mehr getan durch seinen Wahlsieg im vorigen November, als es durch eine „abortierte Revolution" tun würde nach dem Muster der ungarischen. Die nxchre Bedeutung der Zusammenkunft von Reggio Emilia lag jedoch nicht in dem Konstatieren der dicht bevor- stehenden wirtschaftlichen Katastrophe— die an demselben Tage in einer offiziellen Mitteilung des Verpslegungsamtcs ebenso deutlich hervortrat—, sondern darin.- daß ein Weg getvicsen wurde, haupffächlich von den Gen. Modigl'ani und D'Argana, um dem Untergange zu'entrinnen: die Uebernahme der Regierung d u rch die S o z i a Ii st e n. Auf den ersten Blick scheint es Wahnsinn: als Sozialisten die Regierung übernehmen wollen, nicht um den Sozialismus zu verwirklichen, sondern um eine nationale Katastrophe ab- zrrwenden. Es scheint Wabnsinn, sich die Kraft zur Ueber- nähme zuzutrauen, während die Partei uncins'und zerrissen ist. ES scheint Wahnsinn, als Minderheitspartei eine Ret- tung versuchen zu wollen, die die herrschende Klasse als hoff- nungSlos auszuoeb-n im Begriffe ist. Diesen Einwürfen ist zu erwidern, daß wir die wirtschaftlichen und sittlichen Vor- Bedingungen für die Verwirklichung des Sozialismus in Italien nicht fiir gekommen halten, trotzdem aber die Ueber- nahm« d?r Regierung als Sozialisten erstreben, weil die Partei als sozialistische Partei die Macht haben kann, die Massen um sich zu scharen: wenn sie es nicht kann, so kann«s keiner in Italien. Von einem Widerstand der Bourgeoisie wird kaum die Rede sein. Tie herrschende Klasse dankt Gott, wenn sich eine Partei findet, die sich in dieser Stunde an die Regierung wagt. DaS wabre, wuchtigste, tragische Problem fft vielmehr: wird die Partei die technische Fähigkeit, das moralische Prcstige�haben, die nötig sind, das Land zu retten. Wird sie sagen können, was das Proletariat von der herrschenden Klasse nicht hören will: Du mußt Dein Brot teurer bezahlen, Du mußt Hobe Steuern vom Wein entrichten, Du mußt schwerer arbeiten als bisher, mit größerer Gewissenhaftigkeit, wenn Du den Zusammenbruch verhindern willst, nicht den Züsammenbruch des Regimes allein, sondern den Unteraang der elementaren Kulturbedingungen Deines Landes. Wenn die Partei nach Uebernahme der Regierung von den Massen nicht die Opfer erzielen kann, die die Massen heute der Bour- geoffie verweigern, dann wirft sie durch Uebernahme nur ihr eigenes Prestige in das brennende Haus. Modigliani hat mit großer Inbrunst, wenn auch nicht mit leichtherzigem Optimismus die Ansicht vertreten, daß es den Sozialisten möglich sein wird, von den Massen ma- terielle Opfer-u fordern im Austausch gegen die politische Genugiilnng. die Führung und Rettung des Landes unier der Fahne der eigenen Partei zu versuchen. Die Partei kann auch ein gewisses Minimum von Reformen sofort vollbringen, prsgrammss Glück unö Enöe. Konzertumschau. Wo das Programm zu einem Musikwerk ansängt, hört die un- beschwer!' freie, letzte musikalische Hingabe auf. Literatur und Sin- fcmie bcfehdon sich, zwischen Töne und gedankliche Zargliederwag schiebt sich Vergleich, Mißversiändlichksit, Auslegerwillkür ein. Schildernde, prvgramrmatische Musik wird erst Kunst, wenn in der Tlomatik und in der Konstmkiwn des Werks das Programm vergessen werden kann. Alles andere ist Sonntwgsreiterei auf dem Pegasus: das fliegend« Roß, die Musik, wirst den mit Wissen, Buch und Philologie belasteten, an der Mähne sich vergeblich festklam- merraden KoinvomstM' rücksichtslos ab. Am Graben noch sucht er seine Motivchen zusammen und hört nicht das erlöste Keuchen und frobe Wichern des Ausreihers. Musik spottet der registrierenden Schulmeister, inneres Erleben guillt nicht aus dem Nachzeichnen von Abenteuern auf den fünf Notenzellen, sondern nur au? der Verdeutlichimg allgemeingültiger, wertvoller, zwingender Seelen- rcyungen. Laßt das„Programm" des Lisztschen„Orpheus", de? „Mazevpä", des Strom szschen„Don Juan" fort, und ihr behaltet ein selbstsickzer, groß, ausrichtend wirkendes Kunstwerk. Streicht das Programm des„Don Quichotte" und eine Grimasse bleibt zurück. Dieses Werk mit seinen zehn Variationen ist trotz der illustren Setzart und trotz der genial-kecken Bewegung, die geradezu körperlich klingt, innerlich unmöglich Strauß hat sich hier seine sknrrilsten Launen in den WahnsinnSaktcn eines„Ritters von de? traurigen Gestalt" heruntergeschrieben, unmittelbar bevor er der tiefsten und geradesten Regung seines Künstlerblutes im „Hcldenlcben", der Krone des Menschen und Sinfonikers Strauß, Ausdruck gab. Der Don Quichotte schrankt auch melodisch wabllos zwischen Rombeng irnd— Schönberg hin und her, die Apotheose «ineS allzu bewußten Könners, der an der äußeren Form seine Freude hat und sein wahres Gesicht maskenartig verstellt. Das außerordentlich schwierige Werk erfordert einen außerordentlichn W«ng?ör' er und einen tod sicheren Lenker. Gm'tav Brecher wurde an der Spitze der Philharmoniker den gefährlichen Sp-elcreien dieser sinfonischen Fantasie technisch bis ins kleinste gerecht; und er hob mit rhtztbmischer Eisenfestigkeit, dabei in Gesang schwelgend, die ,QBeron"-Quvertürr in romantische Frühlingsluft. Im„Ton Quichotte" war ihm Alexander Krop holler, der Cellist, ein sattelfester, berufener Helfer. Brecher kommt vom Theater, und das Hochtaktieren verrät Zeichcngebung nach der Bühne hin. Er wird im dramatischen, im Wagnerstil sein Bestes leisten. Es ist gut, wenn die ausübenden Künstler das Spezifische ihrer Begabung rechtzeitig erkeimen und ausbilden, der vollendete Spezialist ist dankbarer zu begrüßen, als der hakbauSgereifte Alleskönner. 'zum Vorteil der Produktion und der Finanzen des Landes. j So ließe sich die Verzinsung der öffentlichen Schuld auf die Hälfte sicher unblutig durchsetzen. Auch die Vergebung des Grund und Bodens in Kollektivbetrieb. Weiter eine tat- sächliche Wiedei�ufnahme des wirtschastiichcn Austausches mit den mitteleuropäischen Republiken. Tie Gewißheit der Rückkehr zu normalen Produktionsverhältnissen würde� auch vielleicht den ausroärtigen Kredit beben. Modigliani ist der Ansicht, daß wir es wagen können. D'Aragana, der italienische !Legien, der vorsichtige, verständige, beherrschte Gencraisekre- tär der Konföderation der Arbeft, hält dafür, daß wir es wagen müssen. Natürlich ist der Versuch nur möglich, wenn die Partei einig bleibt. Nicht jene Eimheit. die man in Reggio dem Zustand von Katze und Hund verglichen hat, die man in einen Sack steckt, aber eine Einheit, in der sich die Minderheit aus j Liebe zur Partei unterordnet, im Bewußtsein eines gemein- Damen Ziele?. Tie Fraktion von Reggio muß natürlich von � der Hoffnung ausgeben, auf dem für den Dezember cinbe- rufenen Parteitag von Florenz nicht np der Minderheit zu ; bleiben._ KatboisMe Eklnäbrungspswii. Wie Hermes Minister wurde. Die„Freiheit" veröffentlicht einige Schriftstücke aus der 'Vorgeschichte der Ministerschaft Hermes'. Ende 1919 üder- ' reichten drei einflußreiche Zentrumsabgeordnete dem damali- gen Minister Erzoerger eine Denkschrift, worin sie Hermes damals zunächst als Ünterstaatssekretär im Reichswirtschafts- amt empfahlen mit folgender Begründung: Endlich muß aber auch Wert darclus gelegt werben, daß de: • neA Ünterstaatssekretär im ReichswirischastSminisierium KothoNk und flenirumemann ist. Bereits seit langem wird es in kathrli- schon Kreisen unangenehm«mbsungen, daß es der Zentrumspartei trotz ihres ausschlaggebenden Einflusses in der jetzigen Regierung nr-ch nicht gelungen ist, Katholiken in einflußreichen Stellungen der Ministerien unterzubringen. Bisher dürft«, abgesehen von den parlamentarisch beietzien Regierungsstellen, noch kein latho- lifchrr NnterstartSsekretär im Amte sein. In diesem Tm acht es dann noch lange weiter. Den katholischen Kreisen ntiisie Gelegenheit gegeben sein, in , Eimelsragcn maßaebenden Einfluß auf das deutsche Wirt- schastSleben auszuüben. Au den Rand der Denkschrift schrieb dann der lluterstaatssekrelär in der Reichskanzlei, Albert, das folgende: Dieser Mann ist nach den Schriftstücken ein Juwel, nach meiner Kenntnis und Information bat er nicht daS erforderliche Ausmaß. Vor allem fehlt ihm die Erfahrung in der Staats- Verwaltung und die Kenntnis ihre? Apparates. Tiefer Monzel kann durch die katholische Konfession wodl nicht ganz aiiSgoglichen worden. Die Kandidatur wird auch zu heiß betrieben. Bisher hatten wir geglaubt, der Katholizismus sei eine Religion. Daß es auch eine katholische Ernährungspolitik gibt, wußten wir nicht. Darf man nun den Katholizismus fiir die Hermecwirisckwft verantwortlich machen? Oder sehen die Verfasser der Denkschrift� ein, welchen Unfug sie anrichte- ten, indem sie in die Ernäbrungssrage wibcrsinnigerweise konfessionelle Gesichtspunkte hineintrugen? die hohen Kartoffelpre-se. In der deutschnationalen Presse versucht man fortgesetzt die Beböli'erung bei ibren Klagen über die zu hohen Kartoffel- preise damit irrezuführen, daß man behauptet, der sozial- demokratische Minister Schmidt habe die Preise festgesetzt. Der Sachverbalt ist folgender: Es sind unter dem Ministerium Schmiiot die Kartoffelpreise auf 25 M. pro Zentner für den Er- zeuger festgesetzt, und zwar mit Zustimmunz sämtlicher landwirtschaftlicher Organisationen. Tie Berechnung der Produktionskosten ergab, daß die Preisfestsetzung etwas über der zulässigen Grenze lag, die aber deshalb überschritten wurde, um einen Anreiz für Wann Paul Schein pflüg, der setzt nach Duisburg geht, nicht immer als ein feitest umrissener Musikerkops imponierte, so kam da? daher, daß er sich im Großstadibetriab, an der Spitze eines aufstr.tbendcn Orchesters, zu vielfältig betätigen und bewähren mußte. Die gevlchiHte Arbeit wird viel latente Kraft in ihm fühl'oar machen. Eine seiner besten Leistungen bleibt die Direktion der lX. Sinfonie. Da ist neben aller selbsttierständiichen Präzision Warme, überströmende Hingabe. Versenken in daZ Kleine und zusammenfassendes Erl ben im großen. Vor allem die ersten beiden Sätze lassen den routinierten Dirigenten vergessen und lehren einen im Augenblick Nouschas senden erkennen. Nur die Liebe, mit der Nrkrsch und Weingartner den himmlischen Adagiegesang umarmten und von der profanen Berührung mit der Menschenerde fern- hielten, läßt in diesem Satz keinen Vergleich aufkommen. Aehnl-iche Erinnerungen lasten auf der Interpretation des lang» sarnen, in Frage und Antwort erbebenden Tests im Beethovenschen Violinkonzert. Larnbinon, der tüchtigsten und reinsten Musiker einer, träumt unS auch mit der erfühltesten Liebe nicht in das Reich der Mystik hinein, etwas Irdisches haftet seinem Ton an. Allen Respekt aber vor der Sicherheit, der gedanklichen Festigkeit und der wohltuenden Kraft, mit der er die ffcksätze meistr-rt. Da bleibt kein Wunsch unerfüllt. Bielleicht hören wir dies Konzert der Konzerte bald einmal von Havemann. dem neuen Meistergeiger der Hochschule, Er wäre ja berufen, Joachims unerreicht« Tradition fortzuerben. Ein großer, auffallend tragfähiger Ton, ein starker Strich, ein natürliches Stakkoto und eine delikate Passagensicherheit zeichnen ihn aus. Dem Dvorak-Konzert, das die Philharmonischen äußerst ungemütlich begleiten, bleibt er aber die Tanzfreude. die böhmische Ausgelassenheit, den aus der rhythmischen Genauigkeit barauSbegehrenden Ueberrnut schuldig, er, ein ganz und gar-dcut- scher, tiesinnerst doch temperierter Geigenmeister. Sein Kollege B u r m e st e r hat eine noch echtere recht: Geigenhand, vor- gebildet für Tongebrmg und Stakba'co. Das sollte man von ihm lernen, nicht aber die Art. wie er Rekorde zu schlagen versucht in Spielschnrlligkeit und Akrobatik. Tie tun selbst dem 7. Spobr- konzert weh. DaS Orchester leitet dabei Muck mit mathematischer Sicherheit, derselben Tugend, die das belle FrühlingSlicht der Mozartschen(Z-moil-Sinfonie unter den Händen des liebwertesten Theatermenschen verdunkelt. Eigene und spezifische Programme sind die Sehnsuckst de? wirk- lichen Musikfreunde, Wundervoll, wie Lola M YS z- Gmeiner foiebe Sehnsucht erfüllt. Selbst mit«rmaiteader Stimme bat sie im zartsstwebenden Lied unendlich uiel zu sagen, ihre Atemtcchnik und ihre Nachbildungsstärke lassen daZ Entgleiten der Tonfülle ver- gessen. Ihr Programm—„Das Kind in Lud und Ballade"— zeigt einen bewanderten und kenntnisreichen Musiker an. R a a tz- Brockmann ist in der Vollkraft seines ohne Mülse qu Wenden Basse?; in der massiven Bewältigung Loewescher Balladen tritt er die Erbschaft Gura? an. Würde eine Vortvagssolge ganz nach der Art und dem Geist der Spielenden zusammengesetzt, so würde da? gudbeleumnndete Quartett der Gebrüder P o st an Beethovens op. 181 scheu vorbeigehen. Die Herren sind ungleich nach Tempo und Gefühl, ungleich auch an Begabung; vor allem werden das die Ausdehnung des Anbaue? zu geben. Dieser Zweck ist erreicht, der Anbau lat zugenommen. Im Frühjahr ist dann vom Deut- schen Städtetag beantragt, den Preis ans 31,75 M. zu erhöhe». Mit dieser Erhöhung hatte das Ministerium Schmidt nicht» mehr zu tun, da bereits Hermes das Ministerium über- nommen hatte. Tatsächlich hatte der Höchstpreis bei der Freigabe der Kar- toffeln überhaupt keine Wirksamkeit mehr, die Preisbildung war vollkommen frei; und wenn den Herren vom Bund der Landwir-.e und den Verbänden der Vauern sie Preise zu hoch waren, so konnte sie in ihrer Menschenfreundlichkeit, die Kartoffeln billiger zu verkaufen, niemand hindern. Zur Vollständigkeit des Sachverhalts mutz aber hervorgehoben werden, daß, als der volkswirtschaftliche Ausschuß im ReichSlag die Freigab? der Kartoffeln beschloß, Schmidt beantragte, daß die Mengen, die die Reichs kartoffelstelle noch einzukaufen habe, auch unter dem Preis von 25 M. algeschlofsen werden können. Die Reichsstelle war nämlich bei der neuen Verordnung noch ausdrück- lich durch das Ministerium Hermes an die Vertragspreise von 25 bzw. 81,75 M. gebunden. Was geschah nun? Zunächst erklärten die Vertreter vom Bund der Landwirte, daß die Preise den Pro- duktionslosten gegenwärtig entsprächen. Schließlich stimmten die Vertreter aller bürgerlichen Parteien gegen den sezialdemokrati- fcken Antrag, um die hohen Preise zu halten. Es sollie der große Einkauf der Reichsstelle dazu benutzt werden, um ein Herabgleiten der Preise zu verhindern, der bei einer gute« Ernte in Aussicht stand. Es hat also nicht ein sozialdemokratischer Minister die hohen Preise festgesetzt, sondern es ist das Bemühen von seiner Seite, die Preise zu ermäßigen, an der Unersättlichkeit des agrarischen Begehrens gescheitert, und die Vertreter des Zentrums und der Demokraten, die erst das Bemühen der Sozial- demakraten unterstützten, hielten in zweiter Lesung der Vorlage tapse? zu dem Vund der Landwirte. Daß jetzt trotz dieses Tat- bestandes behauptet wird, der sozialdemokratische Minister trage die Schuld an den hohen Kartoffelpreisen. kann bei der notorischen Berlozenheit der deutschnalionalen Presse nicht wundernehmen. fitfo sprach Geßler. ♦.. In einer Rede über die politische Lage, die der Reichswehr- ministe: Geßler am Sonniag in Magdeburg hielt, nahm er einem Besicht des„LokaianzeigerS" zufolge auf einen Zuruf auch zu de: bayerischen Organisation des Landeshauptmanns Esche» r i ch Stelluwg und erklärte, daß Escherich in Bayern wohl i m«- stand« sei, die Ordnung zu schützen. ES dürfe nicht alles„ans dem Horizont der großen Städte" betrachtet werden. Oleoohl man von Herrn Geßler nachgerade nichts anderes gewöhnt ist, muß man sich doch immer ern'ut üiber da? Verhalten dieses Mannes wundern, der zum Schützer der Deutschen Republik bestellt ist. Ist Herr Geßler wirklich der Ansicht, daß d-i« Organisation Escherich auf dem Lande die„heilige Ordnung", die„segensreiche", aufreckst- zuerbalten imstande ist? Sieht er nicht, daß sie in den Städten kläglich versagt(vgl. das Attentat auf Dr. H i r s ch f e l d trotz vor- heriger Warnung d:r Be Hörde ni und daß sie um entscheidenden Augeitblick auf dem Lande genau so versagen würde, wenn auch vielleiebt nicht im Sinne der Gegenrevolution. Daß Herr Geßler sich für die freie Wirtschaft und gegen die S o- zialisierung aussprach, wird bai diesem Mann«, der nicht ein- mal das nötige Verständnis zur Verwaltung seines eigenen Ressorts aufbr.ngt. nicht sonderlich überraschen. Sw zum letzten Hlutstropfe�. Wie wir gestern abend mitgeteilt haben, wurde die Redaktion des unabhängigen Halleschen.DoikSblatteS" gewalisam von Neu« kommunisten besetzt und zum Nachfolger HennigS der Linksunabhängige T-r, Virtor Stern bestimmt. Ueber diesen Vor- kämrfer der proletarischen Diktatur weiß die„Freiheit" folgend« hübsche Einzelheiten mitzuteilen: Er gehört?u jenen Neukommunisten, die iväbrend ihrer kurzen Täligle i in der deutschen Arbeiterbewegung einen großen Mangel an Verantwortungsgefühl an den Tag gelegt haben. Stern, der bis zum Kapp-Putsch stumpfe Cello und die vordringliche Viola der Harmonie gcfährlch; und was bei Brehms noch durchgcht, wird Sünde im Zusammen- klang bei Beethoven.„„„ Was flüigi sonst aus der Woche nach? Em Reger-M-end des kraftsicheren Walter Fischer; eine vorzügliche Ausführung von „Paradies und Per!" unb.? Thilo; ein literarischer Vormittag. an dem von dem hochbegabten Aftcten Edmund Schröder Eeigeu-Klavier-Dcieite und eruste Weisen erklangcn, Heinrich Michaelis voller Wärm- Gedichte von Bassewitz sprach und van Laar ansprechend geigte. Damit wäre der zehnte Teil der Konzerte genannt. Und nun ist es endlich Zeit, andere, freuden- vollere Töne anzwst.mmen, um anderen künstlerischen Dingen ein- mal die Seele fteizuredcn in diesem unwahrsten aller Konzert- Winter.___ Kurt Singer. Ein neue? suziirlroissenschastlichez Institut. Eine wissenschaft- liche Stiftung wurde unlängst unter Zustimmung der preußischen Staatsrsgierung von Hermann Weil zu Frankfurt a. M. mit einem Grundstock von zunächst 200 000 M. ins Leben gerufen. Nach ihren Statuten soll sie der Erforschung und Lehre auf dem Gebiet der Sozialwissenschaft, insbesondere dem des Arbeiterrechts und der A r b e i t s v e r f a s s u n g, dienen. Bei Ludwig Hardt war am Sonntag der Andvang so stark, daß e?«irrige Mühe kostete, in den Bechsteinsaal zu gelangen. Sehr gut so. Gerade diesem Vorlragskünstler sei stärkster Zuspruch ge- wünscht. Denn bei chm ist man sehr getrost,'daß ein Massenerfolg nich irgendwelche Zugeständnisse an emen seicküen Geschmack be- wirken kann. Sein„F r o h e r A b e n d" ist Bewej�. Es geht die Rede, die parodisttschen Porträts Berliner Schaust-lergrößen, die er oft wiederholt oder wiederholen muß, empfinde er selber als eine Last Mag fein. Aber sie tragen doch aucb den Stempel seiner Künstlerschaft. Sie kommen aus dem Geiste seines Humors, und hier, wo der Boden voll bester Stoffe ist, wächst auch ihnen das siegende Leben. Der Humor.Hardts hat nichts mit irgendwelcher unwesentlichen Spielerei gemein. Auch frohe Abende sollen kein Gut an Zeit leer vertun, sollen die Kraft des Lebens stark geben und aufschwellend mehren. Wohl deshalb ließ Hardt sich am Sonntag den Auftakt des Abends von Heinrich Hein? geben, iwrd er stellte aus dem Wintermärchen die be hende, wütend reißende Wuckitrede an die Mi'.wölfe voran,©was rauh Gewalttätiges stieß heftig aus seiner Kehle. Der Ton blieb nachwirkend in harter Wildheit im Ohre. Gewachsenste Kraft. Jnnerst gesteigerter Schwung. Angriffs- lechzen. Doch das hing nicht nur mit dem Sinn des Gedichts zu- sammen. Auch in anderen Hcine-Gedichten mache sich'S geltend, fv'ar in..Pomare", als wolle der Künstler die Psyche Heines gegen früher abfirlnsvoll«m einen Ton rebelischer sich ausleben lösten. In anderer Art wirk:« später dieser T»n b»i den knorriggewachse- nen Anekdoten KleistS: harte feste Schläge arbeiteten und dann splitterten die Sätze und fuhren heraus, wie von schnellen Beil- hieben losgehauen. Man soll sich merken: für Hardt entscheidet über den Wert der Wiedergabe eines Dichteaverks, ob sie ein Drtnnensein in dem {tnfer Essener IssatleiHcrtt leitete, konnte später nicht nach dort zuruckiehren� weil seine Haltung wahrend der Kämpfe im Ruhr- gebiet größte Erbitterung gegen ihn geschaffen hatte. Er halt«, als alle einsichtsvollen Genossen sahen, daß ein Weiter- kämpfen gegen die sich in starker Uebermacht befindliche Reichs- wehr nur unnützes Blutvergießen verursachen mußte, die Parole ausgegeben: Es gibt kern Zurück! Kampf bis zum letzten Bin'Strvpfen! Als aber dann di-e Reichswehr anrückle, zog er sich auf eine rückwärtige SteLunz zurück und überließ wie die alldeutschen Kriegstreiber die praktische Aus- Wirkung seiner Parolen— den oudercn. L« der iit dieser ThpuS unter den Radikalen nicht mehr einzig vastehend. Es ist ein hockst widerwärtiges und empörendes Tchau- >riel, dieselben Männer nach Blut und Gewalt schreien zu sehen, die auch die leiseste Maßnahme zur Verhütung des Chaos seitens sozialdemokratischer DerwaltungSboamten als unerhörte Bru- ialität und Vergewaltigung entrüstet zu brandmarken suchen. Bekanntlich ist der Pazifismus bei den LinkSradi- kalen in argem Mißkredit. Herrn Dr. Sterns Verhalten zugunsten feine? eigenen, für die Arbeiterschaft so„kostbaren" Lebens ist doch sicher mir auf Pazifismus zurückzuführen— oder sollten die von der„Freiheit" vermuteten Beweggründe doch die rickchger. sein? Es wird weiter besetzt. Wie auS Hannover gemeldet wird, setzte sieb der kommunistische Flügel der dortigen Unabhängigen gestern mit Gewalt in den Besitz der unabhängigen Genoffenschaslsdruckerei„PolkSrecht" und verhinderte die Ausgabe der bereits gedruckten Zeitung, die einen Aufruf Tr i sp i e n S und organisatorische Mitteilungen der provisorischen Leitung der gemäßigten Richtung enthielt. Das ist die Umsetzung der von Moskau befohlenen An- Wendung„ llcgaler Mittel", wie wir sie in der nächsten Zeit ver- amtlich noch oft erleben werden. Tpaltung in Württemberg. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Stuttgart: Die Unabhängigen teilen den Austritt der seitherigen Mitglieder ccus der L a n d i a g S f r a I t i o n mit. Damit ist die S pal- tu ng der PnE■ auch in der würtiemloergischen Vollsveriretung vollzogen. Wie schon mitgeteilt, frit heute der Prozeß gegen die des Mordes an dem Lokomotivsiihrckr R c i ch m u t h angeklagten drei Kommuni!on begonnen. Zu der Verhandlung sind, ähnlich wie bei dem kürzlich verhandelten Prozeß gegen die W e i ß e n s e e r Kam» munck en, umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden; mir_ Personen mit Vorladungen erhalten Zutritt zu dem Gerichts- gebäudc. Der Andrang zum Zuhürcrraum ist ein ziemlich starker, so daß viele unverrichteter Sache wieder umkehren müssen. Wie bereits erwähnt, lautet die von SiaalkauwaltschästSrat Ger lach vertretene Anklage auf gemeinschaftlichen Mord und vorsätzliche Transportgefährdung n.it Todes- erfolg und richtet sich gegen 1. den Schneider Max Kornatz, 2. den Tischler' Georg R ohlo fs, beide verteidigt von Rechts- artwalt Theodor Liebknecht, und 3. den Masch-.nenarbeiter Franz S ch i l z k c, verteidigt von Rechtsantralt Dr. B o e n h e i m. Zu der Verhandlung sind neben 37 Zeugen nocb der GcrichtSarzt Saniiätsrat Dr. Lehnsen, Mediziüalrat Dr. Stoermer und als Schießsachversdändiger der Gowehrsadrikant Max B a r e l l a geladen. In der heutigen Vernehmung der Angeklagten ergibt eS sich. daß der Angeklagte K o r n a tz in seinen bisherigen Vernehmungen vor der Kriminalpolizei v"r dem UntcrsuchnngSrichicr stets seine erhebl.chen Vorstrafen bestritten hat. Er hat allein 14 Jahre hinter ZnchthauSmanern zugebracht. Seine letzte Strafe hat er im Jahre 131Z verbüßt.— Die Angeklagten Rohlofs mtd Schützte sind unbestraft.— Der Angeklagte Rohlofs. der auf die Fragen des Vorsitzenden aus- weichende oder verneinende Antworten gibt, bestätigt auf Befragen des San.-Ra�S Dr. Lehnson, daß er zwei Jahre in Amerika in KriegSgesangenschasi gewesen sei. In seiner Vernehmung behauptet der Angeklagte Kornatz, daß er an jenem Tage durch daS Gerücht, die Soldaten und Sicher- Werke verräE Er will dm Dichtungen Seele und Blutgang aln gewinnen. DaS sichert seinen Abenden den feinsten Wechsel natür- sicher Bew-gung, der auch in diesen Stunden �froher Dichlung war. Die Verbindung des Robusten mit dem Gütigen» der Weg von Heine, Lilienrrcm, Kleist zu Daudets„Beiden Alten" oder Wieds .Stinktonne" ergab einen weiten Horizont de? Humors,_ der satirisch begann und ducckwsg stark war, weil er immer menschliche? Wesen urguellend auszehen ließ. Unid eben deshalb bucht man um so freudiger die Tatsache, daß da? Publikum des Sonntags stch um de» Zutritt zu diesem Abend in dichten Scharen riß. eck. TaS Märkische Wandertheater» das. wie berichtet, wegen eines zu eri»artenden sehr hohen Fehlbetrag? seine Tätigkeit einstellen mußte, wird nun loch eröffnet werden, dank des lebhaften Jnter- esses. daS von allen Seiten der Wanderbühne entgegengebracht wird. DaS Staatstheater veranstaltete kürzlich«ine Ausführung von„Maria Stuart", in welcher Rosa Poppe gastierte; der Ertrag soll dem Märkischen Wandertheater nberw'escn werden. Intendant Heßner beabsichtiigt, noch weitere Vorstellungen zugunsten der Märkischen Wanderbühne zu aeben, um auf diese Weise einen Teil des Fehlbetrag? zu decken. Die Leitung der Märkischen Wander» bühne wurde von dar Gesellschaft Air Volksbildung dem Sckau- snieler O. Glaeser übertragen. Als erste Vorstellung gelangt Goethes..Faust' zur Aufführung. Stefan Zweig bat weben ein VioorapbllheZ Werk über Romain Rolland uod lein Werk oolleudsa ES wird mit reikiem, bISber un- bekannte n Vüdermaterial Anfang November bei der Literarischen Anstalt Rütlen u. Loening In Fianksurt a. M. elschcinen. Grnst?o!lers neneS Drama.???., sie TKenlch", ein Stück cmZ der sozialen Ri-vobition de» St. Jahrhunderts, ist vom Nürnberger Stadt! heatcr »ur Nrauffiibruno e, warben worden. Man bafs», Toller, der sich Horb in FeitiinaShast in NI derichöncscld bcsindct, werde für die Uraufführung Mitte November beurlaubt worden. Theater. DaS.Nene Zcntral-Theater" wird fortan„Theater in der Kominandantenstraße" heißen. Im Beetboven< Konzert des Berliner Sebrerverctns am Lt. Oktober wüd JuIinS Edgar Schmock den LicderirciS»An die ferne Geliebte" singen und Beelboacngedichte von Erml Liffaucr rezitieren. Tie Sing-Nkadrmte veranstaltet zu ihrem I. BbonnemcntS-Konzert ein« V o r a» s s ü b r u n g am 21. Oktober, abends, in der Alten Garnilon- ktrchc. Der Chor wird zum erstenmal a canpella singen und zwei große Motetten von I. L.Bach zu Gehör bringen. Weiter kommen kleinere Werke von Christoph Bach und Heinrich Schütz zur Aufführung. Sbilda Bvegner spricht an ihrem 2. Vortragsabend am 20. d. Mts. im Meisterwale u. a. auch Dichtungen des bekannten KuIturdenterS Joseph Popper-LhnkeuS. Rudolf Btümner. der bekannte expressionsstffche VortragSkünMer, trägt am 20 Oktober 7% Uhr. in der kwnstauSilellung.Der Sturm", PolSdamer Str. 134», die bcdeutendsien expressionistischen Dichtungen vor. stiSO. Sturmabcnd.) Neber die schöne deutsche Otadt wird im wiffenichastlicheu Theater der Urania Bios Franz G o e r l c morgen abend 8 Uhr sprechen. An der Hand farbiger Achlbitder wird er die malerischen Städte unserer Heimat durchwandern. heitSbemnten schössen in die Menge hinein und eS seien schon mehrere Frguen und Kinder getötet worden, furchtbar er- regt werde li sei. Er selbst habe in der Wriczener Straße eine solche Schießerei miterlebt und deshalb habe er aus seiner Laube sein dort verstecktes Gewehr geholt, um den Kampf gegen die .�kapp-Leute" aufzunehmen. Ein Mann sei'an ihn herangetreten und habe ihm gesagt, wenn er nicht bis zum Abend irgendeine T a t begehe. Schienen aufreiße oder ähnliches, werde er, Kornatz. mit seiner Familie„auffliegen". An der Ramlerstraße hätten sich ihm etwa 10 Leute angeschlossen, von denen erzählt wurde, daß die Eisenbahner mit den Kapp-Leuten unter einer Docke''eckten. Um noch mehr Leute zusammenzubekommen, habe er l»••:! bor Millioncnbrücke drei Alarm schüsse abgegeben. Als eine einzelne Lokomotive die Brücke unterfuhr, habe er auf eine Entfernung von 400 Metern zlvei Schüsse auf die Maschine abgegeben, um die Eisenbahnbeamten zu warnen und zur Entstellung des Dienstes zu zwingen. Als dann der von Reich- inuth geführte Ningbahnzu» kam, habe er, um den Lokomotlv- führer zu schrecken, einen Schuh abgegeben, aber in den isand gc- zielt. Aus eine Frage des Vorsitzenden, woher er. der als alter Zuchthäusler nie die Gegelegenhcit gehabt habe mit einem Militär�ewehr zu hantieren, die nötige Fertigkeit im Schießen mit einer Mtliiärwaffe habe, erklärt Kornatz. daß er in seiner Lau- benkokonie als Nachtwache gegen Einbrecher mit einem Gewehr ausgebildet worden sei. Als er später hörte, daß Neichmuth getötet worden sei, habe er sich.das Leben nehmen wollen, seine Frau habe ihm abgeraten. Er sc- deshalb nach Remscheid geflüchtet und habe dort von einem Genossen gehört, daß seine Frau verhaftet worden sei. Deshalb habe er sich frei- willig stellen wollen, und als er auf der Reise nach Berlin in Han- nover ausstieg, um sich zu erfrischen, sei er erkannt und verhaftet worden. Ans Vorhalt des Vorsitzenden, ob er an jenem Tage geäußert habe„Heute muß noch etwas fliesten", b c st r e i t e t der Angeklagte dies. Dagegen aibt er zu, daß er geäußert habe,„wenn nicht ein Wunder geschieht, bin ich meinen Kopf los!" GroßSerlw Das NohnZaubenproblem. Sitzung der alten Berliner Stadtverordnetenversammlung. Die Vertretung der bisherigen Stad-tgemcinde Berlin hält heute vormittag von 10 Uhr ab im Vürgcrsaal des Rathauses unter Vorsitz des Vorstehers Dr. Wehl eine' Sitzung ab. Die Frequenz ist zu Anfang der Verhandlung nur sehr mäßig. Der Saal ist nicht geheizt, die Temperatur sehr niedrig. Den Haupigegenstand der umfangreichen Tagesordnung bildet die Beratung und Beschluß- fassuitg über die Magistratsvorlagen wegen Erbauung und Bezu- schussung von Wohnlauben und wegen Abschlusses von Pacht- Verträgen über Laubenländereien. Ter dafür eingesetzte Ausschuß, für den Gottfried Schulz(U. Soz.) referiert, hat in drei Sitzungen nach gründlicher Erörterung die Magistratsvorschläge insoweit umgestaltet, als die Errichtung vop 200 massiven W o h n h ä u s ch e n, nicht Wohnlauben, in der Jungfernheide durch die Stadtgemcinde Berlin selbst unier Verwendung de? Bauzu- schusses von 3 400 000 Mk. des Wohnungsverbandes Groß-Lerlin er- folgen soll; der von der Sütdt am 30. September dafür bewilligte Betrag soll von 2 auf 3*6 Millionen erhöht werden. Pachtverträge soll der Magistrat bis zur Dauer von sechs Jahren abschließen können. Mit der Bewilligung von 3 Millionen zur Bezuschussung de? Aufbaues von Wohnlauben hat der Ausschuß sich einverstanden erklärt. Nach einem wetteren der einstimmig angenommenen Aus- schußantrüge sollen die WohnbäuSchen massiv als Doppelhäuser nach dem von der Bauverwaltung der Güter vorgelegten Projekte ganz aus Schlackensteinen ausgeführt werden. In der Diskussion vertrat Pfeiffer lSoz.) den Stand- vunkt, daß die Hochbauabtoilung der Güter auch direkt mit der Bauausführung beauftragt werden soll, da schnelle Hilfe nottue und man auf diesem Wege den Bau H? April 1921 zu Ende bringen könne. Die Demokraten wollen die Häuschen zur Hälfte nach den Zeichnungen und Entwürfen der Hochbauverwaltung und der Güter- Verwaltung errichtet wissen. Beide Anträge bleiben in der Minder- heit; die AnSschußvorschläge finden schließlich eine große Mehrheit. Die Vorlage wegen Ausführung baulicher Einrich- tu n g e n im Rathaufe zur Unicrbringuna der Stadtver- ordnelenveriammlung der neuen Siadigemeindc Berlin wird von Urig(II. Soz.I beanssandet, weil für ganz aeringe Hantierungen unverhältnismäßig bohe Sätze in Ansatz gebracht seien.— Die Vorlage wird abgelehnt. Es kommt dabei zu einem beftigcn Zufam- menstoß zwischen dem Vorsteher und dem Stadtverordneten Dr. Ritter(Dem.). Bei Schluß des Blattes geht die Sitzung weiter._ Verbrecherjaqd in der Ilnvalidensira�e. Nach einer aufregenden Jagd wurde ein gewerbsmäßiger Ein- brecher ergriffen, den die Kriminalvolizei schon seit drei Jahren vergeblich suchte. Die großen Juwelencinbrüche der lebten Zeit veranlassten die Streisableilunq der Kriminalvolizei unter der Leitung des Kriminalkommissars Werncburz, die Laden- aeschäfie nach gestohlenen Juwelen zu durchsuchen. Bei einem solchen Besuch stieß ein Wachtmeister in der I n v a I i d e n st r a ß e auf einen M-mn, der gerade dabei war, Schmucksachen aller Art von einem Juwelier abschätzen zu lassen. Als der Mann den Be- amten, den er von frübcr ber wobl kennen mochte, eintreten sah, liest er seinen ganzen Schatz auf dem Ladentisch liegen und e r- griff die Flucht. Der Beamte verfolgte ihn die Invalide n- straste hinunter und forderte ibn vergeblich auf, stehen zu bleiben. Ein Schreckschuß in die Luft blieb erfolglos. So entkam der FlüÄ- tige zunächst. Nachdem der Beamte das Publikum über den Her- gang rasch unierrichtet hatte, schlössen sich ihm außer mehreren Mitgliedern der Sicherheitsvolizei auch andere Leute an. um die Gegend abzusuchen. So gelang eS nach einer Stunde doch noch, ihn zu fassen. Als er merkte, daß man ihn erkannt hatte, entfloh er von neuem, wurde aber:n einer Schankwirtschaft in der Hussitenstraße gestellt und nach heftigem Widerstand über- wältigt und festgenommen. Der Erkennungsdienst der Kriminalpolizei entlarvte ihn als einen Georg Loose, der wegen Einbruchs seit drei Jahren steckbrieflich gesuchte wurde und sich zuletzt in einem Unterschopf'» der Gartcnstrasse verborgen hielt. In setner Behausung fand man noch weitere Schmucksachen und Papiere, die ebenso wie die Juwelen aus dem Einbruch bei dem Freiherrn v. Trützschler stammen. Religion unü /lntksemitismus. Der Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des Zentral» Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glau- b e n S hatte Montag eine Versammlung einberufen, um vom Standpunkt der Religion aus die Frage de? Antisemitismus durch Geistliche der drei Hauptkonfessionen beleuchten zu lassen. Ob- wohl Zutritt nur gegen Karten zu erlangen war, kam e? schon «ine halbe Stund« vor Deginn der Versammlung im Oberlichtsaal der Philharmonie zu unerträglicher Uebersüllung, so daß im Saal der Gesellschaft der Freunde«ine Parallelversammlung abgehalten werden mußte. Ueber„Mir Geistliche und der Anti- femitismu»" sprachen in beiden Versammtungen dieselben Redner, zwei Geistliche der evangelischen Kirche und von südischer Seite ein Rabbiner.(Der katholische Redner war verhindert; in einer geplanten neuen Versammlung will auch die katholische Geistlichkeit ihren Standpunkt darlegen.) In der Philharmonie führte als Vertreter der Evangelischen Kirche der Pfarrer Dr. G. Diettrich auS, daß der Anliiemi- tismu? nicht als Abwehrbewegung gelten könne, wenn auch ein- zelne Juden gegenüber Nichljuden sich zu taktlosen Anariffen haben hinreißen lassen. Die hinter dem Zentralverein stebenden SOOOOO Juden bekennen sich als Deutsche(Zustimmung), und ein wahrer Bekenner der jüldtschen Religion werde Andersgläubige niemals um ihrer Religion willen angreisen. (Beifall.) Als Angnssssbewegung sei der Antisemitismus zu ver- werfen auS Logik wegen seiner Verallgemeinerungen von Fehlern der Juden, aus Moral wegen seines Pbarisäertums, schließlich auS Religion, weil im Judentum zuerst Religion und Sittlichkeit zur Einheit verbunden und damit die Grundlage aller Kultur geschaffen worden sei.(Lebhafter Beifall.) Noch mehr war die Rede des Rabbiners Dr. B a e ck auf den religiösen Ton gestimmt. Einleitend beklagte er, daß der Antisemikismus nicht versuche, in den jüdischen Geist einzudringen und das Martyrium deS Judentums zu verstehen. Unsere Gegner sind, sagte«r, die Kreise der Märtyrerlosen, die— wie der Zusammenbruch gezeigt Hai—> mit dem Munde die Treue geloben, aber sie nicht mit der Tat be- weisen. Von einer Ausbreitung der Religiosität erwartet er Usberwindung des seelenlosen Antisemitismus. Dieser hindere auch das deutsche Volk nach dem Zusammenbruch an der Einkehr, weil er die Juden als Sündenbock hinstelle. Wenn das Judentum Einkehr hält, werde es den Antisemitismus überdauern.(Starter Beifall.) Der dritte Ziedner, der evangelische Pfarrer B i t t I i n- g e r, streifte sehr stark das Gebiet der Politik. Als Staats» büroer müsse er den Antisemitismus verwerfen. Der Ruf „Schlagt die Juden tot!" erinnere an die anderen Rufe„Schlagt die Kapitalisten t o t!" und„Schlagt die Kirche tot!" Als Christ dürfe er niemand hassen, auch nicht die Juden. Ihre Fehler seien aus der geschichtlichen Entwicklung zu erklären, aber daneben solle man ihre Vorzüge nicht übersehen. Er schloß mit der Mahnung, daß„alle miteinander ausharren in dieser schlveren Zeit".(Starker Beifall.) Erst zu später Stunde setzte die Diskussion ein,«S konnte aber nur noch ein Redner sprechen. Eine Entschließung wurde nicht wfaßt.'_ Ein Privathafen im Norden Berlins. Die Schlesische Dampfer- Compagnie Berliner Lloyd-Akliengesellschaft ist mit dem Plan eines Privathasens auf dem städtischen Gelände der ehemaligen Gasanstalt an der S e l l e r st r a ß e, abzweigend vom Nord- Hafen, an den Berliner Magistrat herangetreten. Die Hafen- und die Tiefbaudeputation haben sich dagegen aus« gesprochen, die Genebmigung hierzu zu erteilen, erstens aus der Befürchtung starken Wettbewerbs für den im Bau befindlichen nahen Westhasen, der die Äufwendunq großer Kosten erfordert und daher eines besonders regen Verkehrs bedürfen wird, sodann in der grundsätzlichen Absicht, alle Haseuaniagen und sonstigen Lade- stellen an den Wasserstraßen Groß-Berlins, auch die fiskalischen, in eine Hand unter kommunaler Bewirtschaftung durch die neue Einheiikgemeinde zusammenzufassen.— Die Berliner H a n de l s« k a m m e r hat sich auf Ersuchen des Magistrats zu dieser Frage gutachtlich geäußert und die Erteilung der Genehmigung warm befürwortet. Unter den heutigen Verhältnissen müsse jede Abhilfe der Berliner Hafennot begrüßt werden. Der städtische Westhafen habe auch nach seiner noch nicht nah« bevorstehenden Fertigstellung einen Wettbewerb von der Privatanlage nicht zu befürchten. Hier bandle eS sich um Stückguiverkshr, während der Westhafen ganz überwiegend dem Massenverkehr dienen werde. Eine kommunelhistorische Ausstellung der Ssiadt Schcneberg wird im Schoncberger Neuen Rathaus am Mittwock, den 20� Oktober, nachmittag» 6 Uhr, eröffnet. Der leitende Gedanke dieser Veranstaltung ist in dem Augenblicke, da Schöneberg in die Neu« Groß-Berliner EinheitSgemeinde übergeht und somit als selbstän- diges Gemeinwesen auihört zu bestehen, den Blick noch einmal«ruf daS Werden und Wachsen dieser Nachbarin Berlins zurückzulenken. In langer Arbeit hat die Schönebcrger Kunstdeputasion aus ver- steckten Quellen ein reizvolles Bildmaterial hervorgezogen, alte Gemälde und Stiche, die bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgehen, Urkunden, Theaterzettel und andere Dokumente aller Art, dann malerische Studien und Pho-ogravhien aus späterer Zeit, die, verglichen mit dem heutigen Zustande, die erstaunliche Verwandlung Schön cbeigS seit 1870 spiegeln. Die Ausstellung, die von Donnerstag, den 21. Oktober, ab dem Puhlikum zugänglich ist, wird bis zum 2.0. November geöffnet bleiben. Keine polnischen Aufschriften. Tie polnische Po st ver- waliung hat die vor einiger Zeit an ihre Postanstalten erlassene Anweisung, alle vom Ausland, also auch von Deutschland eingehen- den P o st s e n d u n g e n, bei denen Bestimmungsort und Straße nicht polnisch angegeben waren, als unbestellbar zu behandeln, rückgängig gemacht._ Grsß-9erZine? Partewachrichten. Heute, IS. Oktober. Tchöneberg. 7'l, Uhr öffentliche Volksvcrwminlunq in der Schulaula der Ho�enzollernlchule. Belziqer Stiasic. Tagesordnung:.Moskau und wir." Rcscrent: Dr. Neslrieple. Zahlreiches Ericheil. en erbittet dcr Vorstand. Morgen, 20. Oktober. 43. u. 46. Abt. Frauenabend Tl, Uhr 6cl Groll, HennIgZdorfer Ttrasie tv. Rez. Genosse Puls:„Wildelm Busch". Biesdorf. Frauenabend 71/, Udr Marzahner Skr. 31. Refercntin: Eenoisin Müller:„Bericht über den Frauentag in Kassel". Potsdam. Znhlabend 8 Uhr in allen Bezirkslokalen. Die Bezirk». lokale sind: Becker. Lindenstr. 20; Rumlnski, Alte Luiscnilraße, Ecke Lenne» straffe; Benette, Elijabethstraffe; Zwenzner, Alle Königstraffe. VortrZae. Vereine unü Versammlungen. Arbeite:-Tamarilrr-Kolonue. Aliffero:deiillt«e Grnerulvcrlamm- lang am Mittwoch nicht in der Kiosterftraffe, sondern 1. Gemeindcschul«, Kovpenplatz IL.— AblcUung Schöneberg. Friedenau. LehrlutluS in der 8. Schule, ZtubenSstrajje. beginnt erst Donnerstag, den 21. Oktober. Mus aller Welt. Grostfeuer in einer Hamburger Werft. Gestern nachmittag gogen b Uhr en. stand in einem großen Lagerschuppen der Werst von Blohm u. Boß inHambrgein Großseuer, das sich in ganz kurzer Zeit über den etwa 140 Meter langen Schuppen aus» dehnte. Der Schuppen diente zur Aufbewahrung von Mobiliar für Schiffe. Durch den Brand waren die anliegenden Gebäude sehr gefährdet. Ein benachbarter großer fahrbarer- Kran wurde durch die Hitze unbrauchbar. Der Brandschaden ist be» trächtlich. Großscuer in Horn bei Detmold. In Horn bei Detmold brach gestern abend 10 Uhr in den Lippisöhen Werkstätten A.-G., Möbel- und Waggonfabrik, ein Großfeuer aus, daS innerhalb von wenigen Stunden fast die gesamten Anlagen vernichtete. Den cm der Brandstälte tatigen Wehren gelang es nur mit Mühe, das Uebergreifen des FeuerS auf die umliegenden Häuserblocks zu verhindern. Der Scbaden wird auf mehrere Millionen Mark geschätzt. Als Ursache wird ein Maschinewdefekt angesehen. Ein Todesurteil. Das Schwurgericht in Konstanz veruv- teilte den Ehemann Klinke von Zell zum Tode, der in Tobt- mooS das Geschwisterpaar Albertine und Johanna Simon beraubt und ermordet hat. OeVsrGHostsbewegung Dafür also H0S000 Mark! Seit einigen Wochen steht in den Sitzungen der Berliner Gewerkschaftskommission die Finanzierung der Be- triebsrätczentrale in der Münz st ratze auf der Tagesordnung. Im Gegensatz zu den Richard Müller und Neiimaiin. die der neukommunimichcu Meinung sind, datz ihnen die Gelder der Berliner Gewerkschaften ohne weiteres zuflietzen müssen, sind die Mitglieder der Geiverkschaftskoin Mission der altfränkischen Meinung, datz sie erst die einzelnen Posten des nicht weniger als 600000 Mark betragenden Etats genau zu prüfen haben, die Notwendigkeit der recht zahlreichen Sekretäre und des Hilfsarbeiterstabes genau nach- gowieicn haben müssen, ehe- sie weitere Summen für die im schroffen Gegensatz zum Allgemeinen Teulschcn Gewerkschafts- bund stehende Betriebsrätezentrale bewilligen. Welche Borsichi gegenüber dieser wilden Revoluttons- gründnng am Platze ist, lehrt ein heute in der„Freiheit" ver- öffentlichtes Zirkular, das die neukommunistischen U.-S.-P.- Leute unter dem äußerst glücklich gewählten Motto:„Pro- letarier aller Länder vereinigt Euch!" an die Funktionäre der ll S. P.— Bezirksorganisation Potsdam 4— richten, um die Zertrümmerung der bisherigen Organisation zu vollenden. Wie gar nicht anders zu er- warten war, spielt in dieser die gesamte Arbeiterbewegung schwächenden Spaltungsagitation natürlich auch die Be- triebsrätezcntrale in der Münz st ratze ihre unheilvolle Nolle. Es heißt darüber in dem Zirkular: Besonders ist noch zu erwähnen, daß da? Burrnu in der Nrucn Buhnhofftrojje 31 von den Gegnern der Bedingungen besetzt ist und wir unS daher notdürftig in der BctricbSrätrzrn träte »iedergelassen haben. Bon hier auS erledigen wir alle Arbeiten betrefsend Potsdam 4. Wir bitten, eventuelle Nachrichten an die Betriebsrätezentrale Berlin N, M ü n z st r. 24, zu Händen Erich K v s v l l c k, zu richten. Das fehlte gerade noch, um dem Bild der Betriebsräte- zentrale die letzten Feinheiten zu geben. Die von den ge- weilschaitlich organisierten Arbeitern Berlins verlangten 600000 Mark sollen dazu verwandt werden, datz die N e u m a n ir. M a l z a h n, Müller und Konsorten ihre neukommunistische Propaganda betreiben können. Wir pro- testieren ganz energisch dagegen, datz diesen Leuten auch nur ein Pfennig anvertraut wird, der aus den Gcwerkschaftsbei- trägen der Berliner Arbeiter herstammt. Hat die Betriebs- rätezeutrale bisher schon den Beweis erbracht, datz sie ein zersetzendes Element der Arbeiterbewegung ist, so be- weist die neueste Leistung, datz sie die politischen Geschäfte der Leuin, Sinowjew und Losowsky besorgt, die in ihren Reden sich als Feind der machtvollen deutschen Gewerkschaftsbewegung enthüllt haben. Wenn die Sekretäre und Hilfskräfte schon die Beauftragten der Moskauer Mcnschewiki-Schlächtcr sind, sollen sie auch ihren Solo— wie so viele andere— von dort beziehen. Für die Berliner Gewerkschaftskommission darf es keine Ge- meinschaft mit der Bctricbsrätezentrale, um wieviel weniger eine Finanzierung der Malzahn und Genossen geben. Ende des Streiks der Mühlenarbciter. Der Arbeitgebervrrband der Mühlenindustrie hatte den Ver. band der Brauerei- und Mühlenarbeiter zu Verhandlungen über die Beilegung des Streiks eingeladen. Tie Verhandlungen fanden am Momag statt. Sie endeten mit einem Vergleich auf fol» gcnder Grundlage: Der von den Arbeitern gekündigte Tarifver- trag tritt rückivirkeno vom 16. August wieder in Kraft. Tie bis- herigen Löhne: 216 M. für gelernte, 2l» M. für ungelernte, 156 M. für weibliche Arbeitskräfte werden vom 16. August bis 25. September(dem Tage des Streikbeginns) auf 2 66, 26 6, 17 5 M. und vom 13. Oktober(dem Tage ioer Arbeitsaufnahme) auf 276. 266 und 185 M. erhöht. Tie letztgenannten Lohnsätze sind die durch den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusscs vom 13. September festgesetzten. Diesem Schiedsspruch stimmten die Arbeiter damals KU. Weil ihn aber die Unternehmer abgelehnt und wesentlich niedrigere Löhne angeboten hatten, traten loie Arbeiter in den Streik. Durch den jetzt abgeschlossenen Vergleich erkennen die Unternehmer den Schiedsspruch an. TaS ist der Erfolg des Streiks. Der heute vormittag abgehaltenen Versammlung der Streikenden wurde der Vergleich von der Lohnkommission vorgelegt und zur Annahme empfohlen.— D i e Versammlung stimmte dem Vergleich einstimmig zu.— Die Arbeit wird sofort wieder aufgenommen. Die Tarifbewegung bei den Berufsgenoffenfchaften. Die BerufSgenosienschaflsangeslellten beiwäsliglen sich in einer im Saale der Bockbranerei tagenden öffenllicvcn Versammlung mit ver Revision des ReicbSlarifcs. Lrenle vom Hauplvorstand des stentralverbandes der Angestellten gab ein klares Bild der Tarif- Verhandlungen. Die Srimmung der Versammlung war auS- gezeichnet. Tie Diskussion bewegre sich im Sinne des Referates. In zwei Resolutionen erklärten die Versammelten, geicklofien hinter ihren Forderungen zu stehen und bereit zu sein, für dieselben mit allen gewerlschaftlichen Mitteln den Kampf aufzunehmen. Sie be- auitraglen den- Z. d. A., sofort alle er-ordeilichen Schritte zu unter- nehmen, die geeignet sind, ihre Forderungen schnellstens zur An- erkennung zu bringen. Der Veröandsieilung gaben die Ver- sammelten volle Freiheit des Handelns, um den richtigen Weg zur Erfüllung der wiitichaftlichen Forderungen der Berufsgenossenschasls- angestellten zu finden._ Tie Wahl der Llrbeitslosenräte. Der Mag-istrat Berlin(Erwerbslosenfürsorye) hat die unter- zeichnete Ciewerkschaftskomm, ssirm Berlins unb Umgegend mit der Durchftchruug der Wahlen der Arbeitslosenräte aus Gvimd der erlassenen Richtlinien beauftragt. Es sind 108 Avbeitslosenräte und 108 Ersatzleute zu wählen. Die Wahlvor schlage, die mindestens 56 Unter- fchrisren mit genauer Adresse n angab e von wähl- berechtigten Arbeitslosen tragen müssen, sind dem aus Evwerbslosen gebildeten Wahlausschutz, Engeluser 15, Ummer 13. so rechtzeitig zuzustellen, dag fie am Sonnabend, den 23. Oktober 1926, mittags 12 Uhr, in seinem Besitz sind. Später eingehende Wahlvorschläge werden nickt berücksichtigt. Die Wahlvorschläge gelangen in sämtlichen Wahllorälcn zum Aushang. Stimmzettel für alle Wahlvorschläg« werden vor den Wahllokalen verteilt, Die Wahl ffudet am Donnerstag, den 28. Oktober. und Freitag, den 29. Oktober 1926, von 9 Uhr vovmfttags bis 3 Uhr nachnrittagS in den noch in den nächsten Taigen bekannt- zugebenden WahlloMon statt, hierzu dienen die Kautrollstellen und die grötzeren Arbeitsnachweise. Sie ist geheim nach dem Prinzip der Verhältniswahl. Die Wahlhandlung in jedem Wahllokal liegt im den Händen eines Wahlvorstandes, bestehend aus 1 Obmamn und 3 Bei sitzern, die von dem Wahlausschuß besnnrmt werden. Ueber die Wahlhand- lung und das Wahlresultat ist«in Protokoll aufzunehmen. Das Wahlresultat ist von dem Obmann nach Feststellung sofort mit dem von dem Wahlvorstand unterzeichneten Protokoll und den Stimm- zetteln an den Wahlausschutz, Engeluser 15, Zimmer 13, zu über- Mitteln. GeweickschcrftSkommission Berlins und Umgegend. I. A.: Vollmerhaus. und gutes Vier zu schaffen und durch Steigerung des KortfmnS den B rauereibeschaftigt en Dauerarbeit zu sichern. Nur mit gutem Bier kann der Kampf gegen den Schnaps erfolgreich geführt werden." Deutscher Transportarbeitcr. Verband. Tbemijche Branckft. Freitag. den 22. Oktober, abends 7 Übe, b.i Prasser, Michaetknch'tr. 29; Montag, den 25. Ollober, abends 7 Udr, im Dresvener Kasino. Dresdener Strasse 96: Allgemeine Brnnchcnverlammtung aller Nnlergrupven. Zeutralverdand der Angestellten. Krankenkassen-Angeilellle. Fach- gruppcnvcisammlung am 29. Oktober, nachm. 4 Udr, Königttadl.�assno, Holzmarltslr. 72.— KriegSorganiiationen, RctitSwntschafts. und Aussen- bäiiveisstellen. Mitgliederversammlung am 26. Oktober, nachmittags 5 Uhr, Aula des Fricdrich-Silhclmstädt. Gymnasiums. Kochitr. tll.— SvcditionS- Angestellte. Funktivnärvcrsammlnng am 20, Oktober, abends 7 Ubr, Ver- bandslokal, Beltc>Alliancc-Slr. 7/16.— Eiien- und Metallindustrie und Bandet, Eletirotndustr.c und Handel. Allgemeine Mitgliederversammlung am 21. Oktober, abends 7 Ubr, Sopbieniäte. Sophienslr. 17/16.— Arbcitslole! Wahl der Kandidaten zu dem Arbeitslo/enrat. Versammlung am 21. Oltoder, nachm. 3 Uhr, Rosenthalcr Hos, Roseuthaler Str. 11/12. Okiober 1926 26.— M. 28,-. 15,-. 486—. Die Sozialisierung des Braugewerbes. Vor mehr alÄ 2666 Hand- und Kopfarbeitern des Konzerns Schultheitz-Patzenhofer referierte Genosse Dr. Strie- mer über bas Thema:„Sozialisieruiig des Berliner Braugewerbes", das er von allen Seiten aus gründlich durchleuchtete. Die Versammlung nahm die folgende Entschießung an: „Die Kopf- und Hanbarbeilcr deS Schultheitz-Patzen- h o fe r- Konzerns fordern die gesamte Arbcitnehmerschaft des Berliner Braugemerbes auf, für die Sozialisierung des Gewerbes einzutreten, um durch Rationalisierung der Pro- duktion und durch planmäßige Zusammenfassung des Vertriebs das Bier zu verbessern und zu verbilligen. Die langjährige wilde Konkurrenz der Brauereien hat die ungesunden Verhältnisse im GastwirtSgewerbe verschuldet; das ohne ein nach gemeinwirtschaftlichen Grundsätzen geleitetes Braugewerbe nicht gesunden kann. Di« Zusammensassung der Berliner Brauereien zu einer ProduktionS g« meinschaft, die einer gemeinwirtsckpft- lichen Kontrolle unterstellt wird, ist der Weg, um der auf den Bier- genutz angewiesenen Berliner und märkischen Bevölkerung billig«? 76-86 166—115 18-22 26—25 hat man M. 96-106 115—136 24-26 28-36 notgedrungen WietslHaft Preissteigerungen kür Häute. Leder und Sckmhe. Wie stark die Preise für Häute seit ihrem liefften Preisstand bereits wieder gestiegen sind, zeigt die nachstehende Statistik. Es kosteten im: Juni 1926 Rinderhäute.. pro Pfund 8,— M. Kalbfelle...., 9.—. Schaffelle...». 8,—. Roßhäule.... Stück 216,—. Am Lederma rkt ist zwar die gleiche lebhafte Nachfrage nach allen Sorten Obei- und Unterleder, jedoch ist man in der Be- willigung höherer Preise zurückhaltenter, und die Umsätze auf den letzten Lederbörsen zu höheren Preisen waren gering. Posten, die noch zu bisherigen Preisen angeboten wurden, fanden schnell Käufer. ES kosteten im: Sept. 1926 Oktober 1926 M. Sohlieder in Hälften.. pro Kilogr. Soblleder in Kernstücken., Rindbox schwarz•.. Ouadratfutz Boxcalf, schwarz.... In der S ch u b w a r e n i n d ii st r i e die Preise erhöht, und die'Tätigkeit ist trotzdem eine leb- hafte, so datz die Fabriken zun» größten Teil wieder voll be- schäftigt find. In einzelnen SchuhfabrikationSgegenden fehlt es zurzeit sogar an Arbeitern. Eiue ueue Einkauforganlsiition in der Papier- und Grubeuholzindustrie. Dem„B. T." wird geschrieben: Im Gruben- und Papierbolzbandel haben sich, begünstigt durch die Hochkonjunktur aus dein Holzmarkt zu Ende des vorigen und Anfang dieses JahreS, Mißstände herausgebildet. Da« Gruben« und Papierholz wird nicht allein durch einen zuweitgehenden Zwischenhandel, an dem außer den ioliden Holzhändlern auch unberufene, nicht fach- und fachkundige Elemente beteiligt sind, sondern auch durch überflüssige Transporte und ungenügende Organisation deS Marktes verteuert. Die Kosten hiervon haben letzten Ende? die zahlreichen Verbraucher von Kohlen und Papier zu tragen. Nm dem ein Ende zu bereiten, hat sich eine Au- zahl Gruben- und Papierholzhändler und«Verbraucher zusammen- getan, um diesen Teil deS HolzmarkteS auf zeitgemäßer Grundlage zu organisieren. Die Vorarbeiten zu dieser Ge- nosienschäft, die den Namen»ZentraleinkausSstclle fstr die Papier- und Grubenholzindustrie" führen und ihren Sitz in Halle haben soll, find soweit gediehen, datz die eno« gültige Gründung erfolgen wird. Die Zentraleinkaufsgesell- ichafl für Papier- und Grubenholzindustrie erstrebt die Organiiaiion des Papier« und GrubeudolzmarkieS in der Richtung: 1. datz nicht der notwendige gesunde Handel ausgeschalter wird, wobl aber der überflüssige Zwischenhandel und daS Schieberliim ans- bören, 2. datz eine Art börsenmätzige Festsetzung und eine Siabili« sierung der Preise Platz greift, und datz 3, durch planmätzige Verteilung der vorhandenen Holzmengen unnötig lange Eisenbahn- rraniporte und überflüssige Inanspruchnahme de« ohnehin knapven Wagenmaterials der Eisenbahnen in Zukunft vermieden werden. Acräntw, für den redakt. Teil: Dr. Wrever Peller, Tharlottenburg: für Hmetoen! Sil. Klvckc, Berlin. Verlag: varwärtS-Beriag(S. m. dH.. Ver Ii N. tat« wärts-Vulddruckerei u. Perlaasanklalt Paul Einger u. kt». Venia ginden'lr. 3. Stoffe r für Herren Anzüge, Alsler. polclols. vaneea-Soitüme, Meter SO.-, 100.—. 150.—. 201).— Marl. Nur langiährige ZZerdindungen mit altbewayrten If........ G. m. och& SeeSand )(8ear.l893. Oenraudtfn3lr.20.2l.®f,ir.I893.< r».. lellzalilung.oj.üarant. hroncniSM. Hlorno. I 4" i.Zu, Lad eleken m Lin-ipr. döcnaiacymerr I e» an Umarb. schlecnisitz. Oeoisse. Rep. sof. Zabnare Wolf. Potsdamer Sir. 55. Hochb Sorechr._* Ztreuzsüchse 300,—, Alaska- lüchse, Blaufüchse,»odelsüchse. Silderillchse, sowie sämtliche Pelzwaren jetzt bis Preishällte herabgesetzt Sonderangebot: Damen-Pelzmäntel. Damen- iSarderode, Herren-Dehpelze, Serren- Svorspelze, Wagen- vel e.— Ja eltaiiillge. Eula- wag». Palelot? llelne Lombard- waren). Belaunt dillige Preise >m Leihhau» Moritzvlatz 55a (grSries derartiges SpezialHans Berlins.)____* Prwaiverkauf einiger selbst- geferligter et lltlafsiger Jackett, anzllge und Ulster. 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