Nr.S20�Z7.?ahrgang Ausgabe A Nr. 123 Bezugspreis s B?tt»!iäl)cl.30,—-JJi:_monQt!.10,— !e«> ms Haus voraus ahldac. Pos»- t>r?ua Monaili» l»,— Mi, erki. flu- ltellunasqeoiidr, Unur jirruiband für D«m>chland und Siftmei» 16,.' 0 Ml, für Oos ubrigi Ai:s!ant ne: waUch «mmol. zuNolluno 2150 Vafta». Iielluneten Neimen an Oesterreich, Kngorr, Tscheche-Slowakei, San»- mar!, öolli.no,-u-emonro. älstweden und die Sckweuu— �inaelrvaen m die Post-'eirunas Pre sliile. Der.Vorrvarts" mii der Eonniaa» deilage ,Zv>! u. steir� erschein! woMen- Uigiich jweima! Eonnrnas und Man- tags-inmai. Telearamn�-Ädrests JSojiaUXmotcai Berlin". Morgen Ansgnbe c Bciitucf volltsblntt AnzeigeuprciS- Sie achtge, vollen« Z!o»p»r»illc,eile iostetZ,— M,,Truerungszuichlagd!ie� »Uleiu«! iUnzeigrn". das irtl- gedructt« ZiZor! 1.— M. tzulijsstg»wei �ettyedrnrlt» I.'vr!.-!, lebe» weiter» War! 60 Pjg. Etellenqesuche und Schiaistellenanieiaen das erste Wort 65 Pfg, itdcs weitere Wort 40 Pfg. Worte übet 15 Buchstade» ichlen iüt twei Avne. Teuerunaszuichloa 60°/» Tamilien-Anze-gen für Abonnenten Feile 2,— M., politiiche»nd ae- wcrtichaftliche Lereins- Anielgen M!. die Feile ohne Aufschlag. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 6 Ahr nacl�mittays im !va>rvtgeschiist, Berlin KW. Z, üinden» strotze Z, abgegeben werden. Geöffnet von Ä Uhr jrüh di« 5 Uhr abend«. Tentralorgan äer fo-ialäemokpatiscken Partei VeutscklanÄg �eöaktion unü Expedition: EW. HL, Linüenstr. 3. ntmitirtriier: itmi tvioritttila«, Nr, 1.1190—15 1 97. Donnerstag, den£1. Oktober I9£0 vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. öS. Linüenstr.Z, Zhernsprecher: Rnrt Mortül'lau, Nr. 117 53—54. verjchärste Lage in Englanö. Die§o!gen öes Riefenftreiks. Amsterdam, 20. Oktober.(WTB.)„Trlcgraaf" meldet anS London vom 19. Oilobcr! Tie Lage im Bergarbeiter st reit war am zweiten Tage unverändert. Alle Bergarbeiter- jührer sind nach ihren Bezirken zurückgekehrt. Die Folge dcS AnS, standes macht sich bereits sehr c m p s i n d l i ch bemerkbar. In Schottland stehen alle Eisen- und S t a h l f a b r i k e n st i l l. 30 OVO Metallarbeiter in Turham sind arbeitslos. In Uorkshire wurde mit dem Löschen der Hochösen begonnen. In Staffvrd sind 20 000 Metaverdcitcr arbcitSioS geworden. Die Arbeitszeit von 10 000 Arbeitern in de» Schuhfabriken von Leiccster wurde ringe- schränkt, damit der Bclrieb aufrecht erhalten werden kann. Die Forderungen ans LohnerhShuagen von 180000 englischen Fuhrleuten und BivtortranSportarbrltern drohen ebenfalls zu einem Streit zu führen. Tie„Dena" meldet aus London: Die Exekutive der Berg- arbeiterorgamsation von S ü d w a l e I faßte in einer Konferenz in Cardisf den Beschluß, daß, wenn nicht der Streik am 30. Oktober beendet sei, der Eergarbeitcrverband von Großbritannien ersucht werden solle, eine Slationalkonferenz einzuberufen zu dem Zweck. in Erwägungan darüber einzutreten, ob nicht alle Maschinen- und Pumpcnbrdienunxen sowie die Heizer aus den Gruben aller Kohlen- gebiete zurückzuziehen seien. Sollten die Bergarbeiter diese ihre Drohung wahrmachen, so müßte daS zu einer Katastrophe im Bergbau führen, da die Bergwerke in kurzer Zeit über- schwemmt sein würden. Ter Verlauf des zweiten StreiktageS gibt keinen Anlaß, von der erwarteten Wendung zum Bessern zu reden. Im Gegenteil, eine Berschiirfung ist unver- krnnbar bemerlbar. So beginnt sich In weiten Kreisen der Eisen- b a h n e r eine lebhafte Streikstimmung bemerkbar zu machen. Die Eisenbahner in SüdwaleS hielten acht große Ver, sammlungen ab. in denen sie die sofortige Proklamierung des Sympathiestreiks verlangten. In dem gleichen Sinne sprachen sich die Eisenbahner im Bezirk Liverpool für Ein» stellung der Arbeit aus. Auch in der Transportarbeiter- gc werkschaft beginnt cS nicht ungefährlich zi; gären. Schon haben die Londoner Transportarbeiter, wie bereits gemeldet, den VerkehrSgcfellschaften ein befristetes Streik» Ultimatum gestellt, falls die von ihnen gefordert« GehaltS- erhöhung nicht bewilligt wird. Angesichts dieser sehr bedrohlichen Situation werden bereits Stimmen laut, die dazu raten, den Berg- arbeitern die verlangte Lohnerhöhung von zwei Schilling zu ge- währen. Doch da diese Vorschläge immer noch an die Bedingung der Vermehrung der Kohlenförderung geknüpft sind, haben sie wenig Aussicht, vor den Augen der Bergarbeiter Gnade zu finden. Vielfach wird in der englischen Presse angeregt, den allge- mein beliebten Prinzen von WaleS a l S Vermittler in der das ganze nationale Leben Englands bedrohten Streikkatastrophe in Aktion treten zu lasten. Man will wissen, daß der Prinz per- sönlich keineswegs abgeneigt sei, eine derartige Aufgabe aus sich zu nehmen, falls von allen Seiten der Bevölkerung der Wunsch an ihn herantritt, persönlich in dem Streik zwischen Bergarbeitern und Zechenherren zu vermitteln. Die Gerüchte, daß die Regierung bereits Truppen in die Kohlengebicte dirigiert habe, treffen nicht zu. Wohl sind die Goldftreairi-Garden aus Alderfhot nach London be- ordert woxden. doch kommt ein Eingreifen der Truppen in den Grubenbezirken nur im äußersten Notfalle in Frage. Tie Regierung optimistisch... Haag, 20, Oklober.»Nietiwe Courant" beurteilt die A u S« sichten der britischen Regierung im Vergarbeilerstreil als iebr günstig, da sie große Kohlenvorräle habe aufhäufen können und daS Publikum auf ihrer Seite habe. ... und die Arbeiter entschlossen. London, L0. Oltober.(WTB.) Die Vertreter der Berg- g r b e l t e r iip Unterbaust sprachen sich sehr enttäuscht dar» über anS. daß die Regierung nach wie vor daran ststhalle. daß jede Lohnet böbung von der Stelgerung der Produktion ob- h ä n g i g gemacht werden müsie. Der Pränoeni des Verbandes der schottischen Bergleute faßte seine Ansichi dahin zu>amm»«i, daß die unoeränderle Stellung der Regierung die Bergarbeiter in ihrem Enischlnsst. durchzubalien, nur bestärken werde. Lloyd(vcorge zu Vrrbandlungcn bereit. Amsterdam, 20. Oktober. sWTBü.Tele rauf" meldet aus London: In der gestrigen Unlerhaussitzniig torderle der Führer der Arbeileiparlci Adomion Lloyd George aut. iobasd al» möahch eine Konteren» aus Verlrelern der Berg- werksbeiiyer und der Bergarbeiter einzitbernfen.„rn die Vorscvläge von Brace zn beraten. Lloyd George erklärte. er l'ei bereit, eine solche Konferenz einzuberu'en: er werde gern mit der Leitung teS Bergarbeiterverbandes zusammentreffen, wenn dieser bereit sei, die Unterhandlungen aus Grund folgender beiden Bedingungen zu führen: ernerseiiS Löhnerhöhung und anderer- seits höhere Kohlenerzeugung. Paris, 20. Oktober. lWTB.I Nach einer Blätiermeldung aus London find tniolge des Kohlenarbeüeistretls iür die Dauer des Streiks alle Pferderennen, mit Ausnahme derjenigen in Irland, verboten worden. CDiest eigenartige Maßnahm« der britischen Regierung ist in der Tat bei dem SportfanatiSmuS der englischen Masten geeignet, die öffentliche Meinung noch mehr gegen die Streikenden zu erbittern, als die schärfsten Lebensmittel- rationierungtn. Die Red.) Hue iibcr den enilischen Streik. Haag, 20. Oktober. polnische Joch über einen Teil dcr Ukraine und über Weißrußland nicht lange dauern und bald von der Bevölkerung abge- schüttelt werden wird. In den Moskauer»JSwestija' ruft Trotzki die Rotgardisten auf, dessen eingedenk zu sein daß der! Friede mit der bürgerlichen polnischen Regierung ein schwerer Friede sei. Millionen russischer Arbeiter und Bauern seien unter| dem Joch der polnischen Herren verblieben. An den Mißerfolgen des Krieges gegen Polen sei Wrangel schuld. Durch seine Operationen im Rücken der Roten Armee lenkte er die Sowjetkräft« von der polnischen Front ab. Klastenkamps oöer Affentheater I U-S.-P.'Zank tot Reichstag. Es ist wahr, nicht nur der dicke Antisemit Bruhn wackelte vor Vergnügen, nicht nur die Leute von der Rechten und von den bürgerlichen Parteien lackten Thränen, dcr ganze Reichs- tag, sckliestlich sogar die Darsteller selbst, wurden von einem Taumel der Heiterkeit erfaßt, angesichts des SchansPielS, daS die auseinandergefallenen Stücke der Ü. S. P. in dcr gestrigen Sitzung darbaten. Welches Auge könnte auch trocken bleiben, wenn der Neukommunist Malzahn die einen Zwischenruf wagende Luise Zieh mit den Worten niederknüppelt:„Ruhig, alte S ch I u m m e r t a n t e!" Wenn der Antiparlamentarier .Almert die heulende und orimassentchneidende Linke zur Ordnung verweist mit dem Ruf:„Wir sind hier doch im Parlament!" und darauf von Koenen die Antwort erhält:..Ruhe, alterJdiot!" Das war vor wenigen Tagen nach eine Partei, schien es wenigstens zu sein, heute führen sie untereinander vor den Augen der Gegner und zu ihrem Gaudium einen Massenkampf untereinander auf. geführt mit Giftspritzen und Dreckschleudern, zischend, fauchend, prustend fahren sie auf ein- ander los. und das ganze Hau« lacht, lacht...! Die U.-S--P.-Fraktion(Rechte) ist gestern das Opfer einer überschlauen Taktik geworden. Der alte Ledebour hat es in seiner Rede ungeschickt genug ausgeplaudert: nur um dem Vorwurf zu entgehen, sie sympathisiere heimlich mit der Ausweisung SinowjewS und LosowikiS, hatte fie einen schleunigen Antrag eingebracht, die Ausweisung sofort rück- gängig zu machen. Sie vergaß, wie unklug es war, wenn sie sich gerade in diesem Augenblick und in diesem Zustand in den Vordergrund des parlamentarisches Interesses stellte, sie überlegte nicht, welche Wirkung ihr vordringliches Auftreten auf die U. S. P.(Linke) ausüben mußte, und so begann sie ihre neue Laufbahn mit einem schallenden Heiterkcitserfolg. Kurt R o s c n f e l d machte in seiner einleitenden Rede wenigstens noch einen Versuck, den Antrag sachlich zu be- gründen. Daß er damit unglücklich abschneiden mußte, wußte er wahrscheinlich selbst. Denn das juristische und moralische Recht der Regierung, den beiden Russen eine Verlängerung ihrer Aufenthaltsdauer zu vertoeigern, nachdem sie ihr Gast- recht in der unverschämtesten Weise mißbraucht hatten, lag offen zutage. Diese Ruffen sind,>oie Genosse Bernstein höchst treffend ausführte, nicht als Verfolgte, sondern als Ver- folger zu uns gekommen, sie gewähren in ihrem eigenen Lande dcr Opposition keine Spur jener Freiheit, die sie in Deutschland in unbeschränktem Maße für sich in Anspruch nahmen, sie haben kein Recht, sich als Vertreter einer höheren Weltanschauung aufzuspielen, nachdem namentlich einer von ihnen, Sinowjetv, in seinem Herrschaftsbereich als ein wahrer Menschenschlächter gehaust hat. Wenn wir trotzdem bedauern, daß das deutsche Gastspiel dieser Leute nicht noch länger ge- dauert hat, so ist es nur deshalb, weil wir überzeugt sind, daß sich das gesunde Empfinden der deutschen Arbeiter ganz von selbst gegen ihr Treiben aufbäumen müßte. Wenn man den Bolschewismus besiegen will, muß man den Bolschewis- mus und die Bolschewtsten kennen lernen. Das ist der einzige Standpunkt, von dem aus das Versabren der deutschen Regierung anfechtbar ist— aber wegen der Ausweisung jener Leute die gekränkte radikale Leberwurst spielen, wie es Rosenfcld tat, war einfach lächerlich. Als dann nach einer wüsten Debatte, in der Kvvnen die russischen Methoden der Wohnungspolitik verherrlichte— die städtische Bevölkerung so auszuhungern, daß ein Ueberfluß an Wohnungen entsteht—, Ledebour das Schlußwort sprach, war von dem Antrag der U. S. P.(Reesite) kaum noch die Rede. Die Reichstagssitzung verwandelte sich einfach in eine Fortsetzung des Parteitags von Halle, es fehlte nicht viel, daß man sich geprügelt hätte, und in der Abstimmung wurde dann der Antrag sanglos. klanglos begraben. Besseres hatte diese Mißgeburt einer an Ueberschlaubeit verunglückten Taktik auch gar nicht verdient. Der Reichstag aber hatte einen Tag, den er vielleicht nützlicher hätte ver- wenden können, totgeschlagen. Welckcs Schauspiel I Ein großes Volk stöhnt in Not Millionen wissen nicht, wie sich kleiden und nähren, die Arbeitslosigkeit wächst, die Preise steigen. Feinde aus einem verlorenen Krieg, die auch im Frieden nicht aufgehört haben, unsere Eiegner zu sein, bedrängen uns mit unerfüllbaren Forderungen. Und in diesem Augenblick sinkt die deutsche Volksvertretung zu einem Afsenthoater, zu einer Kosperlekomödie, zu einem Lachkabinett hinab— durch die Schuld deutscher Arbeitervertreter! Die Reaktion rüstet an allen bayerischen Ecken und Pom- merschen Enden. Das Unternehmertum fühlt sich wieder, scheffelt Gewinne und Predigt Abbau der Löhne. Die Sozial- demokraten sind, dank der genialen Taktik der Linken, ans der Regicning ausgeschaltet, und die Recht? sieht ihren Weizen blühen. Im deutschen Reichstag aber haben deutsche Ar- beitervertreter nichts anderes zu tun, als sich gegen- seitig hcrimterzureißen, zu beschimpfen und zu beschmutzen. Ist das der Weg, das Proletariat zn befreien? Ist das der Weg, einem widerwilligen Parlament Zugeständnisse abzutrotzen. die Sozialisierung des Bergbaues zu erzwingen? Ist M*„der JyelS, auf den die Kirche der Zukunft gebaut wird"? Ww hoben jetzt im Reickstag glücklich neben der noch immer starken Sozialdemokratischen Fraktion drei sozialistische Frak- tionen und Fmktiönchen: die IT. S. P.(Rechte), die TT. S. Pi < Linke) und die Kommunisten. Und wie die den gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind führen, davon gibt der gedruckte Reichstagsbericht nur ein schwaches Bild. Hätte doch die gesamte deutsche Arbeiterklasse diesen Herensabbath miterleben können, sie'wäre von Ekel geschüttelt, aber auch von der Einsicht plötzlich erleuchtet worden, daß vs so wie bisher nickt weitergehen kann. Ja. die Arbeiterklasse hat eine mngeheure Aufgabe zu er- füllen, aber es muß offen gesagt werden, daß ein Teil von ihr durch die Art. wie er seine Vertreter wcSchte. sich als nicht reif erwiesen hat. Das erste, was sie braucht, um ihre geschichtliche Aufgabe zu lösen, ist die Acktung der Gegner. Der Weg aber, der seit der ersten Spaltung beschritten worden ist und der mit jeder neuen Spaltung fortgesetzt wird, bringt den Arbeitern nur die Verachtung der-Gegner, und gäbe es nickt immer noch eine starke, lvachsende, einige Sozialdemokratie. die bock über dem Treiben der Svlitterfraktiouen steht, so würde die politische Arbeiterbewegung von ihren Gegnern längst nicht mehr ernst genommen werden. Tann bliebe nur die gewerks-ckastlicke Bewegung als achtnrmgebietender Faktor übrig— man muß fragen, für wie lange, wenn die Arbeit der „kommunistischen Zellen" so weitergeht wie bisher. Ig, es ist wahr, über das Schauspiel, das die auseinander- geiallenen Stücke der TT. S. P. boten, hat der ganze Reick�tag gelackt. Aber im Grunde genommen, wußte nur die R e ck t e.,; warum sie lachte..___ Kermes planlose Wirtschaft. Schweres Auklagemirterial. (dwgeniiber den Versuchen der„Germania", den Ernäh- rungsminister Hermes zu rechtfertigen, beruft sich die„Soz. Korr." auf Met Dokumente, die allein für die Hermessche Einkausspolittk vernichtend seien. Die erlce dicker Urkunden— so schreibt die„Soz. Korr."— wird dargestellt von den Eingaben der Devisenbeschafsungs- '.eile an den Reichswlrtschnftsniiinster und an den Reichskanzler. Die Devifendeschcüftlngdsrelle ist vor etwa einem Jahre vom Aiiwstrc Schmidt ins Leben gerufen worden, um die Ve- haffuing und Verteilung der Zahlungsmittel für die Einfrchr, die eutschlaab vom Ausland braucht, zu vereinheitlichen. Leiter der . emsendeschaffungsstelle ist Direktor Pritchow im Reichswirt- . aftSministerium. Es gehören ihr-ferner- an namentlich berufene crtreter- des ReichsfinangmintsteriumS, des Reichserna hrungs-- tamisterimns. des ReichSschatzministeriums, des RsichSkmnmissarS lür Ein- und Äusglthr, der Getre ideeinkaufsges ellschaft, der Reichs- ottnk und der deutschen Großbanken, insbesondere der F.irnra Mendelsstchn. Der„Vorwärts" t>al bereits vor einigen Tagen be-- ".cht et. daß diese De vi s e nbe scha ffu ng-stell e von Herrn Hermes planmäßig umgangen und ausgeschaltet worden ist. an der Tat sind, wie wir festgestellt haben, die vom„Vorwärts" verzeichneten Gerüchte in vollem 1l m s a n g e zutreffend. Zeit Herr Hermes Ernährungsminister geworden ist, sind die Ver- i'.eter des Reichsernährungsministsrinms nicht mehr in die Devi.senbrichaffungSstelle und ihre Sitzungen gekommen. Alle Vorstellungen dieser Stelle, daß sie im voraus über Einkäufe und ii�hlungSverpflichcungen Bescheid wissen müsse, blieben u.nb«.- e cht e t. Di« DrvisenbvschaffungSsielle bat sich schließlich.h e- ■ ch w e r d e s ü h r e n d an den Reichswirtschaftsminister gewandt, und als auch das erfolglos blieb, eine von ihren sämtlichen /Mitgliedern unterzeichnete Eingabe an den :'! e i ch S k a n z l e r. und das Kabinett gerichtet, in der die drei Veichsm in-isterieri, die Reichsbcmk, die Großbanken und die Ein- und .'luSftrhrstellen erklären, für den Stand der Valuta die Verantwor- !»iig nicht mehr trage,, zu können, wenn die Hermcs-Politik nicht »„fhöre. Das zweite Dokument ist das Protokoll der Ausschuß- iimng des Reichsansschnsses für pflanzliche und perlen unö Kühe. Von Martin Fenchtwanger. Bayerisches Gcbirgsdorf mit bekanntem Namen. 1 Wenn du früher herunterkamst von deinem Berg, nach müh- i-lvmrn Ksctter», rotbraun gebrannt, mit dem Rucksack und dem PftkÄ, in schweren?!bgekschul>en und blauem Janker, am Zibend, ".--nn begegneten dir lang« Kelten bedächtig schreitender Kühe mit /-locken um den Hals. Sie kanieu von der Weide nach Hause, ren die Tarfstraße lang und suchten ihre Ställe. Vor den Häusern -.'idei� die Bauern. Frauen und Kinder, das Gesinde und warteten uf das Vieh. Kommst du beute herunter von deinem Berg, am Zlbend, müde ad gestärkt zugleich, so siehst du eine jämmerliche Groteske in der Dorfstraße. Noch immer zieht die lange Kette bedächtig schreitender ■aihe mit Glocken um den Hals durch die Straßen. Während sie u, aufzieht, zieht eine Kette von eleganten Damen die Straße hin- -Muer. Wie aus der städtischan Promenade. Die Damen tragen Hobe rröikelschube, Strümpfe in allen Farben, hohe kunstvolle Frisuren, .-ebene Kleider. Perlenketiien zieren den Hals, Perlen und . iumant«, stecken an den Fingern, Perlen und Diamanten .rumeln van den Ohren herunter. Die Bauern, die Frauen, die iinder und das Gesind«., die vor den Häusern auf die Heimkehr der .>!iU,e warten, haben längst aufgehört zu lachen über die armen ieichen, die die Not des Lebens- ins Gebirge getrieben hat, die ver an ihrem Flirt, an ihrer Seide und an-ihrem Schmuck mit so nichtswürdiger Liebe hängen, daß sie gar nicht merken, wie lächer- ch sie sich den Kühen gegenüber ausnehmen. Die Bauern haben -.ufgehört zu lachen, sie ärgern sich. Die armen Reichen erschweren imen das Leben. Sie boten für ein Ei 59 Pf., I M., 2 M., für ->aS Pfund Butter 19 M., M M., 30 M. Sie kaufen die Butter auf, is Mehl, die Eier, die Milch, das Fleisch, das Leder, sie kaufen, üe kaufen alles, was sie sehen, ob st« es brauchen können oder nicht. Sie stellen lebende Bilder von der Stillosigkeit und der Zer- > cssonheit eines swu-erlosen Volkes. Was wollen sie hier? Von den Bergen, den Felsen, den Getsche-rn. den Wasserfällen, den Tannen- waldern, dem Heu, den Ställen und den Weiden haben sie nichts, rechts. Sie langweilen sich gottserbärmlich. Ihre Reunionen und Toes in den Dorfwirtshäufavn sind Verzerrungen.. Ihre Perlen and ihre Seide heulen das Elend einer seelisch und geistig ver- armten Gesellschaft in die Welt. Bleibt weg, wenn ihr von euren Perlen und seidenen Strümp- icn und Gürteljacketts nicht lassen könnt! Vergällt nicht auch den ichwerschaffenden Gebirgsbewohnern daL Leben cznd gönnt den paar lausend Menschen, die seit vielen Jahren im Sommer in den Alpen Erholung suchen, ihre Ruhe. Ihr müßtet in einer nachdenklichen Stunde sehen, wie ihr schmuckbeladen und seidebchängt an den Kühen vorüberzieht. Ihr mußtet dieses jammMvolle Bild scheu, wenn euch cinmal ein tierische Oele und Fette vom S. September. 1929. In dieser Sitzung teilte der gesamte Vorstand, die zwölf Prokuristen und die zwanzig leitenden Angestellten des Rsichsausschuffes mit, daß sie wegen der unverantwortlichen Verschleuderung Hunderter von Millionen durch Herrn Hermes ihr Amt niederlege». Mcht nur bon ihnen, sondern auch von den Vertretern des Reichs- w i r t sch a f t s- und R e i ch s fi n a n z m in i ste ri u m s wurde die s ch ä r s st e r i t i k geübt. So sagte ein Vertreter des Reicks- ftnaiizmimsteriums, es sei ein unerträglicher Zustand, daß man die Zwangswirtschaft zunächst zerschlag««nd dann erst überlege, was an ihre Stelle treten solle. Bon den Vertretern aller vier Ministerien i Ernährung-?-, Wirtschasis-, Finanz- und Schatz- Ministerium) wurde verlangt, daß der ReichsauSschuß noch einmal kaufe. Darauf mußte mitgeteilt werden, daß lxiS Einkausspersonrrl auf besondere Veranlassung des Herrn Hermes gekündigt sei. Es handelt sick hier um sachliche Vorwürfe gegen die Politik des Ministers Hermes, an denen der Reichstag schwer- lich vorbeigehen kann. Das Zentrum dürfte gut tun, sich mit der verfehlten Politik des Herrn Hernies nicht solidarisch zu erklären, so begreiflich zunächst sein Bestreben ist, den seiner Partei zugehörigen Minister zu decken. Aber offensichtliche Fehler zu decken, ist eine aus die Dauer viel schädlichere Politik als sie zu bekennen. Sehr interessant ist es, daß bereits die „Deutsche Tageszeitung" dem Zentrum seine Unterstützung anbietet. Obwohl es sich hier um eine rein sachliche Auscin- andersetzung handelt, muß die„Deutsche Tageszeitung" von .aiisbauschender Hetze, penetrantem Geruch parteipolitisck>er Absicht, Vergiftung der politischen Atmosphäre usw." reden, um dem Zentrum darzutun, daß es bei einer Verbindung mit der Linken„der Geprellte und Ausgenutzte" sei und bleiben werde. Dieselbe Nummer der„Deutschen Tageszeitung" enthält aber einen Artikel„Erzbergers Werdegang als Steuerzahle r", an der das Zentrum vergleichsweise prak- tisch studieren kann, was persönliche Kvmvfesweise und Ver-, gsstung der politischen Atmosphäre ist. Erzbergers Steuer- deklaratiouen werden breitgetreten und eine Spalte Raum daran verschwendet, nachzuweisen, ob Erzberger einige tausend Mark zu wenig deklariert labe. Diese Untersuchung ist na- türlich viel Wickstiger als die Frage, ob Herrn Hermes verfehlte Ernährungspolitik das deutsche Volk Milliarden ge- k o st e t hat und weitere Milliarden kosten wird. Herrscht denn bei der„Deutschen Tageszeitung" eine so schlechte Regie, daß nicht einmal dafür. gesorgt wurde, diesen Erzberger- Artikel aus der gleichen Nummer wegzulassen, in der man sich dem Zentrum in Empfehlung bringt?! Unpolitische Reichswehr. Eine ganz neue Forderung der Rechten.- Tie Stimmungsmache für das Reichswehrgesetz geht weiter. Diesmal ist es die„Deutsche Tageszeitung", die zur Verherrlichung des Entwurfes das Wort ergreist, eine Bundes- genossensckast, die eigentlich die„Vossische Zeitung" stutzig machen sollte. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: Die Ausschaltung jeder Politik aus dem Heere ist die Vorbedingung für, Aeine» inneren Halt, beS lehrt die Geschichte aller Zeiten und ViccZ Eine politisierende bewafs- ncstx Macht bildet eine ständige Gcrkhr für die gesetzmäßige Eni» Wicklung im Innern und wird, iiF sich selbst zevsetzt. nach außen --versagen- Durchgreifende Maßnahmen, bei denen Härten un- vermeidlich sind, mußwn- dahe-i,. als erforderlich angesehen w:-rdeu, um den politischen-Kampf von dem neuzubi-idenden Reichs- beer fernzuhalten, cs ambeelnflußt über die Parteien zu stellen, damit eS ein stets zuverlässiges Machtmittel der Staatsgewalt wird. Deshalb maßte noch über das Verbot unmittelbarer politischer Be- tätigüng hinausgehend, deqr Soldaten auch binsichrlich seiner Zu- gchörigkeit zu nichtpolitischcn Vereinen eine Beschränkung insofern auferlegt werden, als diese Zugehörigkeit tvn der Genehmigung seiner Vorgesetzten abhängig gemacht wird. Beim Lesen dieser Zeilen hat uns einige Verwunderung ergriffen. Seit wann rührt denn die Ueberzeugung der Piertelstündchen der Ueberlegu-ng kommt. Wenn ihr ein einziges Mal den ganzen Jammer eures TanS durchschauen würdet, dann würde euch vor euch selbst grauen. Ter Geruch der Heiligkeit. Ilns wird geschrieben: Einen um die� katholische Sacke in Berlin verdienten Geistlichen mit Namen Müller, der vor 29 Jahren gestorben ist, will man in die Klasse der Heiligen ausnehmen, deren Zahl die Kirch« von Zeit zu Zeit gerne um einen vermehrt. Vorbereitend hat man jetzt die Gebeine des Geistlichen ausgegraben und sie vom Kirchhof« nach einer Kirche übergeführt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Sagg geöffnet und nach ver„Germania"(Nr. sö3) folgender Befund von den Herren des Kirchenvorstandes erhoben: »Das Skelett liegt unverrückt in seiner ursprünglichen Lage. Das Haupt des Verstorbenen weist zum Teil noch grau« Haare aus. Der Unterkiefer ist auf der rechten Seite herausgefallen, die Wirbelsäule sichtbar. Die Finger sind abgefallen. Di« Reverende ist braun geworden, aber unversehrt, das sttiwarze Barett in Farbe und Form intakt, desgleichen die violette Stola- Vom dem Röchet sind Spiyenspuren noch erkennbar. Das Kruzifix auf der Brust luud die Perlen eines Rosenkranzes sind erhalten; ebenso dte Ueber- reste eines Blumenstraußes. Neigt man sich über die Uebrrrefte des Verstorbenen, so ist nickt der geringste Verwesungsgeruch zu bemerken, r.elinehr baben di« genannten Herren die Empfindung eines angenehmen Duftes." Feder vorurteilsfreie Leser wird mit mir einen Widerwillen empfinden, wenn man von dem angenehmen Dufte einer jahrelang aufbewahrten Leiche spricht- Ja, glaube, daß keinem normal empfindenden Menschen in der Nähe einer Leiche, und sei es auch einer mit aller menschlichen Kunst ausbewahrten Mumie, ein an- genehmer Dust sich bemerkbar macht. Vor der Majestät des Todes hört alles Angenehme und Duftende auf. Die Herren, die den Befund erhoben haben, find von falschen Jdeenr erkuüpfungen ausgegangen. Der Geistliche Müller soll später vom Papste heilig gesprochen werden, und nun glauben sie schon den Dust der Heiligkeit wahrnehmen und protokollieren zu müssen. DaS erinnert mich an ein Vorkommnis, das mein Vater unS in der Jugend als eigenes Erlebnis mitgeteilt. Er war Hausarzt in einem Franziskanerinnenkloster. Eines Tages wird ibm von der Oberin mit umschweifenden Worten mitgeteilt, daß eine der Schwestern des Hauses die ganz merkwürdige Erscheinung zeige, daß ihre Wasserabsonderungen, insbesondere das Gesäß, in dem sie aufgesammelt würden, einen besonder? angenehmen Dust noch Veilchen auswiese._ Es ivar nicht zu vermeiden, daß man der Schwester schon besondere Verehrung entgegenbrachte, und jeden- falls sollte die Mitteilung an den Arzt hierüber Klarheit schaffen- Mein Vater konnte diese Aufklärung auch in einer natürlichen Weise geben. Er erkundigt« sich nach der Beschäftigung der Schwester und erfuhr, daß fi« vor allem wegen ihres schwächlichen Zusta rides nur noch zu leichteren Diensten, so auch in dem kleinen Blumengarten verwendet werde. Er überzeugt« sich davon, daß die Schwester dort zur Aufsrisckung der Blumenstöcke und Spaliere sich grüner Oelsarbe bedient hatte. Die bei dieser Arbeit be- schmutzten Hände unö Gebrauchssacheu hatte sie dann nachträglich „Deutschen Tageszeitung", daß eme politisierende bewaffnete Macht eine Gefahr für die gesetzmäßige Entwicklung im Innern ist? Wenn bisher die R e i ch s w e h r g e n e r ä l e sich tn die Polltik eingemengt haben, so hat das stets die volle Billigung der„Deutschen Tageszeitung" und der Rechten überhaupt gefunden. Im Jims 1919 stellten eine Allzahl Kommandeure die Forderung an die Regierung- daft der Vertrag von Versailles nicht unter- zeichnet werden dürfe. Sicher eine politische Ein- Mischung, über die aber die„Deutsche Tageszeitung" niemals ein Wort der Mißbilligung ausgesprockzen hat. Der Kapp- Putsch nahm bekanntlich seinen Ursprung dgvon, daß der Ge-� neral L ü t t w i tz eine Reibe rein politischer Forde- rungen an die Regierung richtete, so z. B. die sofortige Vornahme von Neuwahlen. Weit entfernt, gegen den politisierenden General Stellung zu nehmen, hat gerade die„Deutsche Tageszeitung" das Vorgehen des Herrn V. Lüttwitz unterstützt, indem sie von der Regierung die Erfüllung dieser Forderungen verlangte. Der Kern der Sache ist ganz klar: Ein politisierendes QffizierkorpS will die Rechte auch jetzt nicht verhindern.� Ver- hindern will sie nur, daß die M a n nj ch a s t e etwa sich un gegenteiligen Sinne, im Sinne der Treue zur Republik und zur Verfassung, zusammentun. Ein reaktionär intrigierendes Osfizierkorps braucht keine be- sondere Organisation, diese ist durch den amtlichen Apparat bereits gegeben. Wenn ein paar Generäle sich gegen die Re- gienmg verständigen wollen, so haben iie es nickst nötig, dazu einen besonderen Verein zn gründen, das geht mit ein paar mündlichen oder telephonischen Gesprächen. Das gleiche aber können hunderttausend Mann nickst tun, die gesonnen sind. gegen eiue eventuelle Meuterei meineidiger Vor- gesetzter, wie beim Kapp-Pntsch, der Republik die Treue und ibren Eid zn halten. Wir sagen schon jetzt mit Bestimmtheit voraus, daß die ganze..Entpolitisierimg" der Reichswehr, falls der Z 33 der Vorlage wirklich Gesetz wird, auf nichts weiter herausläuft. als auf die Zerstörung aller Organisationen, dieanf dem Boden der Republik und der Verfassung stehen. Einig— aber worüber? Tie Deutsche Volkspartei läßt verbreiten, daß alle Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten in der Partei aus der Lust gegriffen seien. Die parteiossiziöje Kundgebung sagt: Ueber die Stellung, die von den Vertretern der Deut. scheu Volksparte-i im Kabinett zu dem S o z l a I>- sierungsbeschluß der Regierung eingenommen wird. herrscht! volles Einverständnis zwischen ihnen und der Frak- iion. Ebenso ist man sich innerhalb der Fraktion_ selbst in den Grundfragen der Sozialisierung vollkommen einig, so daß die Sozialisicruiig des Bergbaues sowoül von der Fraktions elfrst, wie zwischen der Fraktion und den Mitgliedern der Deutschen Volks- Partei im Kabinett keine Veranlassung zu irgend- weichen grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten bietet. Da die deutschvolksk-urteilichen Minister im Kabinett f ü r, in der Partei gegen die Sozialisierung gesprochen�haben, so ist danach die Stellung der Deutschen Volkspartei völlig klar: sie tritt energisch für die Sozialisierung des Bergbaues ein. die sie mit größter Entschiedenheit bekämpft. Bei dem letzteren dürfte es aber wohl schließlich bleiben. Unbegründete Besorgnis. Die.Freiheii' vom Mittwoch morgen gibt eine Anfrage der Abgeordneten Ludwig und Genossen an die Preußische Slaatsregierung wieder, ob es zutreffend sei, daß im Einverständnis mit dem preußischen Justizminister darauf hinge- wirkt worden sei, Srrafverfolgungen gegen die« j e n i g t n einzuleiten, die der D r i t t e n Internationale sich anzuschließen im Begriffe stehen. Hierzu wird den ,P. P. N." von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß ein derartiges Vorgehen im preußischen Justizministerium oder einer anderen preußischen Regiernugssielle nicht beabsichtigt ist und daß keinerlei ähuliche Bestrebungen dort im Gange sind. mit Terpentinöl gereinigt. Als Arzt war meinem Vater bekannt, daß beim Gebrauch von Terpentinöl durch Einatmung und Durch- tritt durch die Haut sich in den Nieren Riechstoffe bilden, die sich im llrin als Veilchendüfte bei jedem Menschen bemerkbar machen. Der Geruch der Heiligkeit war bei der Nonne auf einfache Weis« ausgeklärt worden. Eine Erweiterung des Berliner Botanischen Garten». In aller Stille hat der Botanische Garten in Berlin-DaMem dadurch eine bedeutsame Erweiterung erfahren, daß ihm eine„Zentral- stelle für Nutzpflanzen" angegliedert worden ist. Weit mehr als früher müssen wir heute darauf bedacht sein, unsere heimischen Pflanzen auszunutzen und Umschau zu halten, ob wir nichr auch auf unserem Boden heilkräftige Kräuter in entsprechen- der Form und Menge ernten und geeignete Oel- und Faser- pflanzen gewinnen können. Ansätze für die Erfüllung dieser wich- tigen Aufgäben waren im Botanischen Garten in Dahlem bereits vorhanden. EL galt nur diese auszubauen und zu erweitern. Die Aufgabe der„Zentralstelle für Nutzpflanzen" ist. alle deutschen und hier kultivierbaren �Nutzpflanzen, soweit sie nickt schon in den landwirtschaftlichen Versuchsstationen und anderen Anstalten aus- giebig studiert sind, vergleichsweise zu ziehen, sie in einwandfreier üoem zu ernten und dann in den Fabriken, den technischen For- schungsstellen asw. auf ihren Werl für die Praxis prüfen zu lassen. Aehnliche Untersuchungen, die teilweise schon bemerken»- werte Ergebnisse gezeitigt haben, sind im Dahlemer Garten be- rens angestellt worden. So verhält sich das Digitalis, das Mittel, da? man aus dem roten Fingerhut für Herzleiden gewinnt, ganz anders, wenn man es aus einer Pflanze, die aus dem Schwarz- wald stammt, abschneidet, als auö einer Pflanze aus dem Harz. Bilsenkraut, Stechapfel sind in ähnlicher Weise untersuch: worden. Für den chinesischen Rhabarber, einer der wichtigsten Drogen, givr ei eine Reihe von Stammpslanzen. Aber bisher hat man kaum ein Erzeugnis in Deutschland finden können, das dem chinesischen gleichkommt. Da der Rhabarber in Cbina auf dem Altai in einer Höhe von 3999 bis 5999 Meier gedeiht, so hat man im Riesen- gebirge an abgelegener Stelle aufs sorgfältigste Anpflanzungen vorgenommen und wird hier wettere Forschungen anstellen. Die sonnigen Abhänge des mittel- und süddeutschen Gebirges, die sick nicht für Feldfrüchte eignen, sollen zur Anpflanzung von Lawendel, Thymian usw. benutzt werden. Auch den Gewürzpflanzen will die neu errichtete Stelle erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Eine internationale Enzyklopädie des Weltkriege». So vixcke Kriegsbücher auch schon erschienen sind, so stehen die großen monu- mentalen Werke, die nur durch des Zusammenarbeit der verschiede- nen Völker möglich sind, noch aus. Das am großartigsten angelegte Werk dieser Art wird ztveffeUos die Wittschaftsgeschichte des Welt- kriogcs sein, die unter der Lertting der Cariiegie-Stiftung von Kommissionen in den kriegführenden und neutralen Ländern vorbereitet wird. Als Vorläufer dieses Riesenwettes hat die Carnogie-Sttftung bereits eine Arbeit.Vorläufige wittschaftliche Studien über den Ktteg" veröffentlicht. Eine große BSbliographie der gesamten Krieg Sliteratur soll folgen. Die Haupttsitunz deS Unternehmens befindet sich an der amerikanischen Columbia» Universität; doch sind in den eenzotnen«rdeven Ländern feibstän» Nr. 520 ❖ 37. Jahrgang 1. Oeilage öes vorwärts Donnerstag, 21. Oktober 1920 Sinowjewöebatte im Reichstag. Im ReichSta-i stand am Mittwoch zunächst der schleunige An- trag A d e r h o l d(U. So�) betr. die Ausweisung Sinowjews und �osowskps auf der Tagesordnung. Der Antrag fordert den SleichStag auf, gegen die Ausweisung Proiest zu erheben und die Neichöregicrunq zu eriuchen, iür sotorüge Aufhebung dieser Ausweiiungsversiigung und iür die Be'eiiigung der Geieyesbeftimmungen Sorge zu tragen. aus Grund deren Ausländer als»lästig* ausgewiesen werden können. Abg. Dr. Roseufeld(11. Toz.) begründet den Antrag: Wieder sind zwei Ausländer aus 1 ä ch e r- licücn Gründen ausgewiesen worden. Das erinnert an die Aus- Weisungen unter Bisinorck. an die Ausweisungen der»Säinorrer und Verswwmer* unter Bülow, an die Ausweisung JanröS. Wenn einem Polizisten die Nase eiucS Ausländers nicht gefällt, so kann er ihn ohne weiteres alS lästig ausweisen. Die Ausweisung I o s f e s hat bewiesen, dast diese Praxis swwerwiegende Folgen haben kann. O ne sie würden wir jetzt mit Nutzlan» in den besten Beziehungen leben. Ausländer sind nach wie vor der Willkür der Polizei ausgelieiert. Wir werden uns> be« mühen, das abzuschaffen. sLachen recliis> England verdankt einer gerechten Bebandluiig der Ausländer den Nut eines zuiliiirstoates. Ich wünschle, daß Deutschland den gleichen Ruf genösse. Aber bei uns haben nur Realtionäre das Aiylrecht; poliiische Spitzel dürfen sich ungebindert hier auihallen. Sinowiew war ohne jede Vediiignng gestattet worden, an unserem Parteitag teilzunehmen. Sein Verhalten war doch so, wie es jeder Poti- tiker voraussehen konnte. Nun ist es doch eigentlich eine preuhi'che Angelegenheit, ober die Reichsregterttng bleibt allein verantwortlich. Losowsky Hot ieine Ve'vflichlungeii gehalten, aber die Regierung ihr Wort nicht. Auch dah die Netiening leine Gründe für die Ausweisung angegeben hat, entspricht dem allen Polizeigeist. Sie lnach rechts) haben nicht? eiiigeweiidet, als dcutschnationale Agitatoren von hier i» den österreichischen Wahltawps eingriffen. Sinowjew und Losowiky sind jeden Augenbl'ck von Polize bcamien umgeben. Man böre doch endlich au', eine geistige Beweinng mit Gewaltmastnabmen bekämpfen zu wollen. Ein neuer Geist must endlich seinen Einzug in Deutschland halten. lStürmiiche ironische Zustimmiing rechts.) Die deutschen Arbeiier werden sich aber nicht beirren lassen, ihren Weg. den ihnen die Entwicklung vorschreibt, weiterzugehen.(Beifall bei den U. Soz.) Minister des Aeusteren Simon?: Am 30. August kam eine Anmeldung von drei russtscheii Gewerk- schastsfübrern. Diesen dreien wurde die Einreise erlaubt und ein Lufentbalt von vier Wochen bewilligt. Tann kam unerwarteter- weise von Kristiania aus das Ersuchen, weiter« 1t Personen zur Einreise in Deutschland zuzulasten. Auf Verwendung beut- scher Gewerkschaftsvertreter wurden dann vier weitere Rüsten zugelasten. Dann erschienen die stugelasleuen am 10. Sep« tember rn Hamburg, biachten aber gleichzeitig graste Gesell- schaft mit. Auch solche, denen die Einieiie nicht erlaubt war. (Hört l hört!) Die übrigen wurden in Hamburg zurückgehalten und später teils nach der Tschechoslowakei, teils nach Rnstland zurückgeführt. In der Zwischen zeit haben sie aber die Gelegenbeil benutzt, um i» Hamburg ziemlich lebhafte Agitation zu treibe». lHörtl hört!) Es war zur Bedingung gemacht worden, hast die Herren sich auf Teilnahme an Verhandlungen ökonomischer, sozialer und wirtschaftlicher Art beschränkend Das Kabinett halte ausdrück- lich beschlosten, dast eine politische Vetäiignng und Teilnahme an voliiischen Versammlungen nicht zugelassen werden würde. Das haben die Herren, namentlich Losowsky nicht gehalten. Er hat verschiedene politische Reden gehalten, sodast ich mich qe- nötigt sab. Herrn Loiowiky eine Warnung zukommen zu lassen. Eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis wurde zuge- standen, bis die italienische Neaienntg geantwortet hatte, Loiowiky sollte in Berlin den Bescheid abwarien. Stotidesten ist er nach Halle gegangen und hat die ihm anierlegte Bedingung rücksichtslos ausicr Acht gckasscn. Als dann die Nachricht der italie- nischen Regierung kam. dast die Einreise nach Italien nicht gestattet würde, lag kein Grund mehr vor. der Heimkehr Losowsky.? Hindernisse zu bereiten.(Heiterkeit.) Nack Kenninis der Rede Sinowjews in Halle beschlost das Kabinett, sein weiteres Auftreten zu verhindern und einen cntsvrecheuden Ankrag an den preusttichen Minister des Innern zu richten. Die Ausweisung soll daher am 23. Oktober erfolgen. Es ist nicht richtig, dast die beiden Herren ohnehin schon an diesem Tage abreisen wollten. Sie haben be- antragt, die AufenthaltSerlanbniS bis zum 1. November auszudehnen, weil sie noch lange nicht fertig wären. (Hört, hört! und Heitsrleit.) Herr Smowjew hat wohl am wenigsten das Recht, sich zu beklagen, wenn man bedenkt, wie er seine volili- scheu Gegner zu behandeln pflegt. Ich habe versucht, ihm Privat- logt« zu verschaffen. DaS ist aber in Berlin jetzt austerordentlich schwer.(Zuruf rcchtS: Ptivatlogis am Lalernenpfahl!— Unruhe links.— Abg. Ledebour t Diese Terroristen!— Heiterkeit!— Abq Adolf Hoffmattn: Hütet Euch I— Heilerkeit und Unruhe.) Wir hatten guten Grund, die Ausweisung zu beantragen. Wenn ein Frcmdenrecht geschassen werden sollte, so wird cS jedenfalls nickit den Charakter haben, den Heir Rosemeld empfiehlt. RechtSgrund der Ausweisung bestand anster in dem Fnsteitablaus y�r Ueberschreitung der Einreisebedingungen. Tie Ausführungen Sinowjews in Halle könnten, wie sogar Herr Rosenfcld anzunehmen scheint, die Frage poheleaen, ob nicht der Staatsanwalt einzuschreiten halle. Die aanze Angelegenheit ist zwei'ellos eine stnrle Belastungsprobe für unser BcrbäitniS zu Rußland. darf aber nicht mastgebend sein. Der Minister verliest Aus- zßge au? der Re�e Sinowjews in Halle, in der er den TerrorismuS predigt. Solche Aushevimge» durilen nicht fortoeievl werden. Das russische Volk ist in Deutichland austerotdentlich populär. Es steht auch fest, dast wir nur wieder hobkommen könucn nickt gegen das ruisische Volk, sondern m i t dem russischen Volke. Dieter Glaube wird durch dteie letzten Ereignisse nicht aus den Angeln gehoben. Er wird dabin führen, was auch für eine Reoierung in Rustland sein mag. dast das deutsche Volk und das russische Volk sich finden werden.(Vereinzelter Beifall links.) Abg. Berustcio(Soz.): Für un? bandelt es sich i>m den zweien Teil de? Antrages, der die Beseitigung des unbeichtätikten p>.>, etlichen Ausweiiungs» rechtes verlangt. DaS darf aber nicht in einer reinen Negation ge- scheben, iondern wir brauchen einen genauen Entwurf, der eine ptäziie Fastuna crbält Da« bat die Sozialdemokratie schon immer verlangt. Dieneue Fassung must bestimmte Garantien für die Sicherheit der Ausländer eulhalten. Deutsch- land must nach unserer Meinung ei» Asyl für Berfolgte und Unterdrückte werden, ähnlich wie die Bereinigten Staaten e« lange gewesen sind. Da» trifft aber hier nicht zu. denn die hier genannten Personen sind selbst Berfolger»nd Unterdrücker. (Beifall bei den Sozialdemokraten. Unruhe bei den Unabhangigen.t Ich habe oft Gelegenheit nehmen müssen, die Opfer ihrer Ver- iolgungspolitik zu sprechen(Hört! hört!> und das hat die Rede Marlosss ebenfalls gezeigt, hinter der unsichtbar die Geister all der unschuldig Ermordeten standen(Hört! hört!). DaS ändert die Frage umsomehr. als eine eigentliche Ausweisung gar nicht vorliegt. denn die Regierung bot die nachgesuchte Verlängerung bewilligt: jetzt ist die Aufentbaltsfrist einfach abgelaufen.(Zuruf der Unabh.: aber festgesetzt ist er worden!) Das stimmt, aber nicht ausgewiesen. Wir haben keinen Grund, die Aufenthalistrist verlängert sehen zu wollen. Deshalb können wir dem Antrag nicht zustimmen.(Als Abg. Bernstein das Rednerpult verlöstt, werden ihm von unab- bängiger Seite Vorwürfe gemacht, gegen die er sich energisch wehrt. Unruhe.! Abg. Mulle(Dnatl.): Herr Apfelbaum ist Oberbürgermeister von Petersburg und hat in verblüffend kurzer Zeit verstanden, aus einer Stadt von zwei Millionen Einwohnern ein heruntergekommenes Gemeinwesen von 600 000 Etnwohitent zu machen. bei denen Hunger und Mord ständige Gäste sind. Die erdrückende Mehrheil des deutschen Volkes hält die Ausweisung dieser beiden russischen Verbrecher für eine selbstverständliche Pflicht der Regierung. Am Sonntag erfolgte die Ausweisung, am Dienstag beriet man wieder und wohl dann auch noch weiter. Das steht im schroffsten Gegensatz zu dem, was wir von der Obrigkeit verlangen müssen. Taukende von rutsiichen Agenten treiben sich in Deutschland umher und hetzen zu Gewalttätigkeiten auf. Wir verlangen, dast mit aller Energie vorgegangen wird. Wir brauchen keine russiichen Juden bei unS. Wir wollen ein einiges deutsches Boll haben, dem das Vaterland über der Partei steht.(Beifall rechlS.) Abg. Dr. Bell(Ztr.): Die deutsche Regierung Hai llug und weise gehandelt, als sie nach Rücksprache mit deutschen Arbeiterver- tretern die Einreise erlaubte. Die Rüsten haben aber die EilaubuiS mistbraucht. Deutschland würde sich vor aller Welt lächerlich machen, wenn die Regtetuitg einen anderen Standpunkt eingenommen hätte. (Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Maretzky(D. Vp.): Gegenüber der Kampfansage der Kommunisten must die Regierung die Parteien ausrufen und das Strafgesetz anwenden. Warten wir noch lange, dann haben Sie den Kommunismus so gestärkt, dast er die Uebermachi gewinnt. Wir tagen daher der Regierung: Handle, ehe es zu spät ist!(Leb- hafler Beiiall). Abg. Petersen(Dem.): Gerade die Behandlung einer Frage, die auf das Gebiet der auswärtigen Politik übergreift, sollte die Redner aller Parteien vor Anwendung übertriebener Ausdrücke bewahren. Die Sireitigteiten der Unabhängigen lassen wir sie unter sich ab- machen. Abg. Koeiteu(11. Soz. links): Wir begrüßen den Präsidenten des Exekutivkomitees als den Führer der Weltrevolution heute unid weiterhin.(Heiterkeit.) Wir wissen, daß der Mann, der auf unserem Parteitag die richtigen Worte gefunden hat, Ungemeines geleistet hat zur Durch'iühntng des Sozialismus. Der Redner spricht von großartigen Hilfsmaßnahmen in Petersburg, insbesondere der Lösung des Wohnungsproblems. (Heiterkeit im ganzen Hause und dauerztdes Lachen.) Sie unid Ihre Generale haben noch viel mehr Tote aus dem Gewissen.(Fort- dauernde Zurufet Schuft! Schurke!— Glocke des Präsidenten.— Weitere Ausführungen des Redners gelben im Tumult unter.— Die Abgeordneten der Rechten verlassen teilweise den Saal. Der Prä- sident bittet um Ruhe.) Für uns ist das ganze eine politische Macht frage. Aber auch die Ltcchtslage grbt uns recht. Von der»Freiheit" bis zu Herrn Wulle hat eine Hetze geßcn Sinowjew eingesetzt. Tie MehrhritSsozialisten sind kleinbürgerliche National- liberale. Die Partei, die einen Wels zum Vorsitzenden hat, einen Noske zum prominenten Mitglied, die sollte mit dem Wort Bluthund zurückhalten.(Sehr wahr! links und linkser.) Selbst wenn es wahr wäre, dast Sinowjew Blut vergossen hat, so frage ich Sie. hat er Arbeiterblut vergossen(Zuruf: Ja- wohl?) oder hat er die Bourgeoisie niedergeworfen?(Beifall bei den Kommunisten.) Wenn die wirkliche Revolution kommt, dann wird sie kein Kaffeekränzchen sein. Sie(zu den Mehrheitssozialisten) haben unter den: Namen Noske im BüredniS mit Wctstgardisten von rechts den Kampf gegen die Arbeiterschaft geführt.(Dauernde Un- ruhe.— Zuruf: Sie tragen die Schttld!) Die Regierung hat durchaus unrecht, der Antrag ist eine Selbstverständlichkeit.(Beifall bei den Kommunisten.) Ein Antrag auf Sehtust der Debatte wird gegen die Stimmen der bürgerlichen Parteien abgelehnt. Abg. Ledebour(U. S. P.): Wir verlangen freies Recht für jedermann: auch für die Aus- länder. Die propagandistische Kraft Sinowjews wird durch die Ausweisung nur g e st ä r k t. Mit Geuxiltmastregeln kann man keine Bewegung toten.(Zuruf: Siehe Rustland.) Jawohl, auch der Bolschewismus frönt diesem falschen Glauben, er ist Geist von Ihrem Geist. (Heiterkeit.) Koenen hat es dargestellt, als ob Sinowjew gar kein richtiger Terrorist wäre, sondern nur Gel-grnhrttsterrorist. So dumm, dies zu glauben, ist kein Mensch außer Jbver Fraktion. (Schallende Heiterkeit.) Sinowjew ist nickst nur theoretischer Terra- rist, sondern auch in der Praxis. Er gibt dies auch offen zu. nur die N e u k o m m u n i st e n fühlen sich in der terroristischen Löwen- haut noch nicht ganz sicher und blök.'n noch immer J-a, J-a. (Schallende Heiterkeit.) Je länger er spricht und je länger wir Ge- iegenhejt haben, diesem TerrorismuS entgegenzutreten, um so eher wird die revolutionäre deutsche Arbeiterschaft erkennen, wie g e- fähr lich die Politik ist, der Sinowjew sein Emporkommen ver- dankt. In Deutschland existiert tatsächlich eine kommunistische Mörderzentrale genau so wie im gegenrevolutionären Lager. Sinowjew verfolgte auf unserem Parteitag die Taktik, 4% Stunden zu sprechen, um uns die Gelegenkeit zu nehmen, darauf zu antworten.(Zuruf M a l z a h n s: Er hat aber vieles gesagt.) Er hat vieles gesagt, was Sie in Ihrer Naivität als unendlich wertvoll betrachten.(Stürmische Heiterkeit.) Gerade die Frage des Terrors ist es, die uns g r i� n d- sätzlich scheidet von den Leuten, die unsere Partei verlassen haben.(Zuruf: Umgekehrt!) Es ist fauler Zauber, wenn Sinowjew dte Nolwendigkeit des Terrors mit der gutmütigen Freilassung einiger Generale beweisen will, und auf eine solche Beweisführung sind die naiven Neukommunisten hereingefallen.(Heiterkeit und Widerspruch.) Wir sind Sinowjew und Losowsky entgegengetreten, wo wir konnten, und folgen nur unseren Grundsätzen, wenn wir Sie bitten, unserem Antrag zuzustimmen.(Beifall bei den echten Unabhängigen.) In einer persönlichen Bemerkung stellt der Kommunist Dr. Lcvi fest, daß Ledebour nicht die Geschäfte seiner Partei, fondern die der antibolschewisiischen Liga besorgt habe, wogegen Ledebour aufs schärfst« protestiert. Der Antrag wird darauf gegen die Stimmen der Kommunisten und Unabhängigen abgelehnt. Der Gesetzentwurf gegen die Kapitalflucht wird dem Au-schust überwiesen. Mittwoch, 1 Uhr: Interpellation über die Dieselmotoren und über die Ergebnisse des Entwaffnungsgefetzes. Schluß(P/i Uhr._ preußische Löwenftein- Debatte. In der Preußischen Landesversammlung stand am Mittwoch Sie Wahl vr. Lowensiems zum Gberstaötschulrat aus der TageSorduung. Abg. Ritter(Dnatl.): Wir können nickit billigen, dast einem Juden die Erziehung deutscher Kinder anvetttaut wird. Wir wehren uns dagegen, dast eine Million deutsckier Kinder einem Manne ausgeliefert wird, der seelisch ganz anders ge- baut ist(Lärm bei den U. Soz.) Läßt es die Regierung auf eine Machtprobe ankommen— aber sie drückt sich ja, wie die leeten Bänke zeigen I— io wit d sie auf eine gejchlosscne Front treffen. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Brückner(Soz.): Man sollte nicht in ein schwebendes Verfahren ein- greifen.(Gelächter rechts.) Wir richten uns nach dem Grundsatz: „Freie Bahn dem Tüchtigen!* (Neues Lachen.) Für die Besetzung von Posten muß Lebensersabrung und Abgellärthett maßgebend sein.(Gelächter. Zuruft Wandlung?- sähigkeir!) Daß Löwenstein Jude ist. iollie lür die Monier- valivcn kein Anlaß zirm Eimpruch sein. Ter Jude Stahl war der Begründer der Konservativen Partei. Viele Ihrer(nach rechls) Anhänger nebmen ei»„Schicktel* mit in staut, wenn sie ihr ver- ro stetes Wappenschild mit jüdischem Golde auffriichen können. Viele Ihrer Freunde bedicrieu sich auch jüdischer Rechtsanwälte, um onS dem Schlamassel herauszukommen. Vergessen Sie als Cbrisicn nicht, daß auch das Jesuskind ein Judexikind war. lAnfialtende große Unruhe rechts.) Comenius, Pestalozzi und Salzmann waren ketne Fachleute iitid find doch hervorragende Pädagogen geweien. wenn ich auch Löwenstcin mir ihnen nicht rn einem Atem nennen will. Abg. Dr. Heß(Z.): Uns stört an Löwenstein. daß er ein j ü d i s ch e r L a i e ut.(Unrube bei den tt.-Soz.i Glauben Sie. dast betipielsweise an der Spitze deS BildtiiigswesenS in einem zionistischen Staate em Cbrist gestellt werden könnte. Die Unabhängigen machen nicht freie Bahn dem Tüchtigen, sondern dem Unabhängigen.(Heiterkeit.) Abg. Dominicus(Dem.): Dr. Löwensteins Schulideal läßt sich nicht verwirklichen. Durch seine Wahl kann nur der Anti« semitismus neue Nahrung erhalten. Daß. die Regierung bei einer so wichitgen Angelegeubeit nichl erscheint, entspricht nicht der Würde der Landesveriammlung.(Lebhafie Zustimmung.) Wir hoffen, daß die Sladtvcrordneieiiveriammlung die Sache noch ein- mal rubig und sachlich überlegt. Vielleicht kommt sie dann zu einer Aendeiung.(Beifall.) Abg. Hollmmincn und die Fehler der vorigen Reichstags- Wahlen wieder gutgemacht hat. Gegenüber etwaigen Versuchen, die republikanische Verfassung zu beseitigen, hat der Parteitag keinen Jiveifel darüber gelassen, daß die Arbeiterklasse gegen Getvalt rücksichtslos Gewalt anwenden wird. Ter Referent ging dann auf den Bericht über die Tätig- keit der Reichstagsfraktion ein und würdigte die LeisKnrgen der vielgerühmtcn F a ch m i n i st e r der jetzigen Rc- gierung. Er crörtertc dabei die Art, wie der Ernährungsminister HermeS zu seinem Amt gelangt ist und wie er es bisher geführt hat. Dieser Mann müsse unter allen Umständen unverzüglich beseitigt werden. Die Reichstag s fraktion ist vom Parteitag beauftragt worden, daraus zu dringen, daß endlich V o l k s a b- st i m m u n g e n möglich werden. Dann werde das Volk, z. B. zur Llbfindung der Hohcnzollern seine Moinung unmittelbar geltend machen können. Die Erörterungen dcS Parteitages über die Schaffung eines neuen Programms haben gezeigt, daß wir jetzt weniger ein Agitations- als ein Arbeitsprogramm brauchen. Die eingesetzte Kommission soll die Vorarbeiten dazu machen.— Unser Parteitag war gerragen von dem Willen und der Uebcrzeugung, daß die Arbeiterklasse alle Schwierigkeiten überwinden soll und wird. Er hat eine wichtige Arbeit für die Entscheidung bei den nächsten Wahlen geleistet.(Lebhafter Beifall.) An das Referat knüpfte sich eine lebhaste Diskussion. Sic ergab im wesentlichen Billigung der Verhandlungen und Beschlüsse des Parteitags. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Tie Mitgliedervcrsammlrng des Kreises VII(Eharlottcn- bürg, beauftragt die Fraktion des Reichstages, unverzüglich dahin zu wirken, daß der Reichsernährungs minist er D r. Hermes veranlaßt wird, von seinem Posten sofort zurückzutreten. Im„Vorwärts" vom 13. d. M. wurde der Bevölkerung die Mitteilung gemacht, daß man im Reichs- ernährungsminlsterhun sisitematisch die Lieferung der von den amerikanischen Farmern geschenkten 100 000 Milchkühe hinter- treibt. Tie Versammlung erblickt in diesem Treibe?» ein 95er- brechen am deutschen Volke in seiner jetzigen großen Not, wie es schlimmer tau?n gedacht werden kann. Tie Versammlung er- wartet weiter, daß die an den Machinationen beteiligten Geheim- rate sofort kaltgestellt werden und nur aus solche Posteu gestellt werden, wo sie der Bevölkerung einen Schaden nicht mehr zu- fügen können. Sollte das verbrecherische Treiben jener Kreise nickt schnellstens beseitigt werden, so wird die organisierte Arbeiterschaft mit allen jbr zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln die zwangsweise Entfernung dieser Personen� zu erzwingen wissen. Die organisierte Arbeiterschaft hat es satt, sick von einer veralteten Geheimratswirtschaft betrügen zu lasten." Gleichfalls einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die die Reichstagssraktion ersucht, daraus hinzuwirken, daß bei allen Behörden an den öffentlichen Gebäuden die Be- Zeichnungen„kaiserlich" und„königlich" verschwinden. Die Parteigenossen deS Kreises Friedrichshain nahmen am Dienstag im Commemussival den Bericht vom Parteitag entgegen, den Martha Hoppe erstattete. Sie betonte, der Partcitag habe ein Bild vollkommener Einmütigkeit gegeben und wo� Meinungsverschiedenheiten zutage traten, wie in der Auseinandersetzung zwischen Wisscll und Robert Schmidt, seien sie kameradschaftlich zum Austrag gebracht worden. Ter Parteitag habe Zeugnis gegeben von der Kraft unserer Partei. In der allgemeinen Beurteilung der Tagung in Kassel stimmten alle Diskussionsredner der Refe- rentin'zu. In bezug aus Eirlzelheilen, namentlich hinsichtlich der Auseinandersetzung Wissell-Schmidt, waren die Meinungen geteilt. Eugen Brückner meinte, Cohen, dessen kontinentalpolitischen Standpunkt er entschieden ablehnt, hätte einen Miß klang in die Einmütigkeit des Parteitages gebracht. Wissell sei in der Kritik an den sozialdemokratischen Ministern über daS Maß des Berechtigten hinausgegangen.— Tagegen sagte Seifert, die von Wissell geübte Kritik sei keinestoegs unberechtigt gewesen. Robert Schmidt habe als WirtschaftSmimfter Fehler gemacht, besonders in der Freigabe der Lederwirtschaft.— Pctersdorf nimmt für den Parteitag das Recht der Kritik an den sozialdemokratischen Ministern in Anspruch. Es handle sich nicht um die Frage Wisscll oder Schmidt, sondern wir müßten sagen: Wissell und Schmidt. — Herr mann befürwortete Maßnahmen gegen die Wohnungs- not.— Genossin Hoppe wies � darauf hin, daß der Parteitag sa zum Ausdruck gebracht, beim Wiederausbau der Wirtschast sollen je nach den besondere» Umständen sowohl die von Robert Schmidt wie die von Wissell vertretenen Anschauungen zur Anwendung kommen. Die Versammlung nahm einstimmtg eine Resolution an, die sich mit den Ergebnissen des Parteitages einverstanden erklärt und weiter sagt, die für den Wiederaufbau der Wirtschaft wichtigste Frage sei die Vergesellschaftung� der Produktionsmittel. Des- halb werde erwartet, daß oie zuständigen Körperschaften, besonders unsere Reichstagssraktion energisch eintreten für die Sozialisierung des Bergbaues nach dem Vorschlag I, der bei etwaiger Ablehnung einer Volksabstimmung unterbreitet werden solle. asi sirs Wirtschast Zeitgcwi'nnling für produktive Arbeit. Auf dem Betriebsrätekongreß hatte der Betriebsrat Kiel ans Holzwickede aus die Zeitverluste der Bergleute infolge Fehlens von An fahr schachten hingewiesen.' Wir erhalten hierzu folgende Ausführungen: Zur Frage der Zeitgewinnung für die produktive Arbeitszeit verlangte ich die Niederbringung von Anfahrtschächten in der Lage der iveit vom Hauptschacht liegenden Abteilungen. Sie dürften, wenn sie am richtigen Platz liegen, ihren Zweck, durch eine Teufung für zwei Hauptschächte den Weg unter- irdisch abguWrzen, erfüllen, wenn der Anfahrtschacht im Mittel- punkte der beiden Hauptsckächte seinen Platz findet. Diesem Vorschlag steht die unvernünftige Tatsache der Ab- s ch l i e tz u n g und der Scheidung des Privatbesitzes unter der Erde entgegen, die durch Sicherheits- bzw. Abgren- gungspsetler festgelegt sind. Durch diesen sogenannten Sicher- heitspfeiler bleibt ein gewaltiger N a t i o n alw e r t unter der Erde begraben. Die Nieder'bringung eines Schachtes a u f der Grenze würde sich doppelt so rentabel stellen, wenn somit der Zweck der Wegabkürzung nach beiden Seiten von ihm ge- tragen würde. Diese Frage wird nicht eher zu lösen sein, bis die Sa pita listische Wirtschaftsform im Bergbau beseitigt ist. Einen wichtigen Faktor bedeuten die Anlagekosten, welche sich frag- los verschieden gestalten dürften, weil dieses in den verschiedenen Gebirgsverhältnissen begründet liegt. Eine genaue Kalkulation läßt' sich nicht machen, weil die Preise für Material dauernd schwankend sind. 0 Millionen als Kastenanschlag dürften genügen, um die finanzielle Seite zu klären. Dem steht die Berechnung gegenüber, die ich aus dem Betriebsrätekongreß machte. Es dürste der Beweis zu erbringen sein, daß sich diese Sache wohl rentieren würde, einerseits im volkswirtschaftlichen Interesse, andererseits zur Verzinsung des Anlagekapitals. AIS Bergmann, der 20 Iabre praktisch gearbeitet hat, will ich auch die zu ausgedehnten Steigerabteilungen bemän- geln. Keine Bauableilung dürfte mehr wie 100 Meter„Streichen:" sein, weil bei langen Abbaustrecken der Zeitverlust für den Transport der Kohlen allzu sehr ins Gewicht fällt. Auch die Re- paratuvcn sowie die Instandhaltung der Strecken dürften das pro- duktive Ergebnis in einem weit ausgedehnten Bau gewaltig ver- mindern. Dem Ruf nach S o z i a l i f i e r u n g, den ich ausstieß, möchte ich die Begründung geben, daß die Belegschaften im Berg- bau allzu schwer unter dem Herren dunkel der Kapitalmen- scheu seelisch belastet sind. Damit ist der Berufsstolz und die Arbeitsfreudigkeit unterbunden. Wird nicht das kapitalistische Wirtschaftssystem, die Ausbeutung des Menschen durch den Men- schen im Bergbau aufgehoben, so wird es keine Arbeitsfreudigkeit geben. Ohne Arbeiisfreudigkeit aber keine B o l I e i st u n g. Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand", sondern der Ver- stand, das will sagen die Fähigkeit und Fertigkeit, auch an leitender Stelle zu stehen, will erst durch Arbeit und Praxis erworben werden. Denn daß die bisherigen �Grubenbesitzer und-leiter auch nach ihrer Enteignung in uneigennütziger Weise wie früher ihre Kraft und Kenntnisse zur Verfügung stellen, oder die Angestellten, die sie ver- drängen sollen, anlernen, ist wohl kaum anzunehmen. Also eine gewisse Frist zur Ileberleitung der Sozialisierung nach Rathenau in die nach Lcderer ist airzustreben, es brauchen durchaus nicht dreißig Jahre zu sein. Eine U e b e r st ü r z u n g gerade in der jetzigen all- gemeinen schlechten Wirtschaftslage könnte nur schädliche Folgen haben, und zur Vollsozialisierung kommen wir, sobald genügend nichtkapitalistische Angestellte ihre Bewährung bewiesen haben, doch. Ist ja auch nach dem Ra tb e na u schen Vorschlag jeder kapi- t a l i st i s ch e Uebergewinn ausgeschaltet. Nehmen wir uns in dieser Beziehung die enali scheu Arbeitnehmer zum Vorbild, die auch schon längst die Twziali'erung aus ihre Fahnen geschrieben haben, ein gewaltsames Vorgehen aber vermeiden; wissen sie doch, daß die Sozialisierung bestimmt kommt und sicherer in der ruhigen Entwicklung der Dinge als durch wirtschaftlichen Umsturz." Sozialisierung im Bergbau. Die vom Deutschen Werkmeisterverband für die technischen Grubenbeamtcn herausgegebene„Bergwacht" schreibt in ibrem Leitartikel u. a.: „Die Bedingungen für die Sozialisierung sind beim Bergbau, vor allem beim Kohlenbergbau, wie bei keinem anderen Gebiete ge- geben. � Soll man sich aber nun entscheiden, ob man sofort für Vollsozialisierung eintreten soll oder nicht, so kommen doch gewisse Bedenken. So sympathisch einem der aus sofortige 9)ollsozialisierung gerichtete Vorschlaa Lcderer ist, kann man ihm doch zunächst nickt ganz folgen. Er stellt an die in seinem Zukunsts- betriebe beschäftigten Angestellten Anforderungen, denen sie zurzeit noch nicht genügen können. Hier heißt es nicht:.Wem Das Ende der Zeitnot. Unsere größte Not ist neben vielen anderen Nöten die Fett- not. Butler und Schmalz sind in Deutschland wohl die beliebtesten Fette, jedoch werden die Hausfrauen und Speiseanstalten sehr gern Cel als Fett nehmen,'Ich sage, daß wir durch die Mehrpro- durtion von Speiseöl die Frttnot ganz beheben können. Als Massenölfrncht kommt Raps und Rübsen in Frag«. Ohne gesetzliche Bestimmung des Anbaues geht es nicht, da die Laird- Wirte nicht das� Interesse sitr die Allgemeinheit haben. Raps ist nebenbei bemerkt eine vorzügliche Kulturpflanze, da sie den Boden fitr Weizen vorbereitet. Sclbstvevständlich wird man eine entsprechende Bezahlung für Raps. Rübsen. Mohn usw. sicher- stellen müssen, denn um das Wort Geld dreht sich bekanntlich alles. c» Vno i i-DT»/» SIT,*•vr.>!, ,* r 1__ V Mk.. JC> i.*s__>_'fr.- m eine gesetzliche Maßnahme eingreisen. Schweine wird es ja allmählich genug geben, da sich sehr viel Städter Schweine füttern, aber Raps können die Stadler nicht bauen, weil sie kein Land haben. Die Landwirte nun find in vielen Gegenden mit der Rapskultur nicht vertraut genug und werden sie aus freien Stücken und Unbeguemlichkeitsgründen freiwillig nicht anbauen, namentlich die kleineren nicht. Da mutz belehrend durch Vorträge und Aufklärungsschriften geholfen werden; es ist wirklich wicht schwer. Moritz, Administrator. Schweizer Trusts für öfterrcichischc Industrien. Die österreichische Industrie hat einen Ausweg gesucht und ge- funden, um die durch die p o l i t i s che Zertrümmerung Oesterreich- Ungarns und durch die Wirtschaftsschranken zwischen den Nachfolge- siaaten der ehemaligen Toppelmonarchie geschaffene ungünstige Lage zu überwinden. Die großen Unienehmungen haben ihre einzelnen Betriebe zetzt in Staaten, die sich gegenseitig durch Zollschranken von einander abschließen. Dadurch wird eine einheitliche Leitung unmöglich gemacht, ganz besonders von dem in den Natwnalstaaten mißgünstig beurteilten Wien aus. Infolgedessen haben große In- dustriezweige Trusts mit dem Sitze in der Schweiz ge- bildet. Von dort aus können sie, ohne ocm Wunsch der National- staaten auf V e r s e l b st ä n d i g u n g der in ihrem Gebiete liegen- den Einzelbetriebe nachgeben zu müssen, den Vorteil der e i n h e i t- lick geleiteten Grotzunternehmungen ausnützen. Das größte Gebilde dieser Art ist der gewaltige P e t r o l e u m t r u st, der in Gens aus den Unternehmungen der Firma Fanto mit einem Aktienkapital von 20 Millionen schweizerischen Franks, gleich fast_ einer Milliarde österreichischer Kroncly geschaffen wurde und zu den j Auch in g- Fabriken sind gefolgt; beide wurden unter der Führung ecnes Züricher Bankhauses in Trustgesellschaften umgewandelt. — Zurzeit finden in Zürich Verbandlungen statt, um die Holz- Handelsgesellschaft nach gleichen, Muster in ein schweize- risches Unternehmen zu verwandeln.—_Sic Dividenden der nationalen Gesellschaften fließen in die Kasse des Schtveizer Instituts, das nach Bestreitung seiner Zentralspesen und Steuern seinen Aktiv- nären die jährlichen Erträgnisse ausschüttet. Es bekommt die Divi- der.den in den verschiedenen Nationalvaluten und löst die Aktien- kupons in Schweizer Franks ein. Tie Steuern werden von den Gewinnen in den einzelnen Staaten der Fabriksitze abgezogen. In der Schweiz hat die Holdingcompany, wenn sie daselbst keine eigv> neu Geschäfte betreibt, nur den mäßigen Satz von W* vom Hundert des ausgewiesenen Jahresgcwinnes zu bezahlen, so daß sich die Unternehmungen weit besser stehen, als wenn der Zentralsitz in Wien geblieben wäre, wo die hohe österreichische Aktiensteuer zu ent- richten ist, die mit den Zuschlägen bis zu 40 vom Hundert beträgt. Die Hauptsache bleibt jedoch die Erhaltung der Einheitlichkeit, die, solange der Sitz' in Wien blieh, ernstlich gefährdet war, aber bei einem in der Schweiz geführten, dem Schutze der Schweizer Gesetze unterstehenden international gewordenem Unternehmen schwerlich angefochten werden kann._ 40 Proz. Dividende bei der Leipziger Pianofortcsabrik Gebr. Zimmermann A.-G. Die G.-V. setzte die Dividende aus 20 Proz. und die Sondervergütung auf 10 P,oz. fest und genehmigte die Erhöhung des Aktienkapitals um 1.2 aus 4.2 Mill. M. In der letzten Zeit habe sich im I n l a n d s g e s ck> ä s t, das bisher�ziem- lich still gelegen babe, eine allmähliche Belebung gezeigt. Fur�daS Ausland sei das Unternehmen sehr gut beschäftigt. Es lägen Aufträge aus Südamerika, Südafrika und Holland, Schweden und Dänemark vor. Tie Wuchcrzinsen amerikanischer Banken. Der amerikanische WäbrungSkontrolleur William erneuerte laut einer Meldung des „United Telegraph" seine Anklage gegen die New-Dorker Bank- iinternebmungen. die bei der Gewährung kurzfristiger Anleihen Wucherzinicn genommen haben sollen. Nach dem von ihm vor« aetegten Protokoll haben New-Dorker Bankiers in den letzten zwölf Monaten rund 4000 Anleihen zum Zinsfuß von 30 Proz. gewährt. flus alier Weit. Ter schwarzgelbe Legitimistenhund. In der Wiener„Siaalswehr" erzählt ein schneidiger Ober« leutnant a. D., August Angenetter: Ter huldigende Dackel. In G a st e i n war eS, bei der Er« Öffnung der ersten Teilstrecke der neuen Alpenbahnen. Als der Kaiser im Bahnhof die offiziellen Begrüßungen enlgegennahm, kam plötzlich auf dem schönen Teptzich ein Dackel dahergewackelt, so feierlich und würdevoll, wie dies einem krumm« beinigen Vierfüßler möglich ist. Knapp vor den Füßen des Kaisers machte er halt, freundlich zu ihm emporblinzelnd. Einige Hofräle(gleich einige Hofräte! Die Red.) stürzten herbei, um den jedes Zeremoniell verachtenden Hund fortzujagen. Doch der Kaiser hielt sie ab mit den lächelnd gesprochenen Wortenz„Aber er tut ja nichts, der kleine Kerl. Lasten Sie ihn nur. meine Herren!" Dann begab sich der Monarch zu den am Ende des Perrons aufgestellten Schulkindern, der Dackel, stolz mit dem Schweife wedelnd, ihm dicht zur Seite. Das Huldigniigsgedtcht, das ein Mädchen hersagte, börte der Hund mit scheinbar großem Jnteress» und Verständnis ebenfalls an, dann empfahl er sich. Diese Geschichte hat gewiß am Sonntag alle Wiener Dackel« besitzer antisozialistisch wählen lassen! Ausländsdeutsche. Bei Kriegsausbruch betrug die Zahl der Deutschen, die außer» halb de? Deutschen Reiches leben, schätzungsweise 30 Millionen. Diese Zahl vergrößert sich jetzt durch diejenigen Deutschen, die nach dem Friedensvertrag an fremde Staaten fallen. Deutsche werden sich in Zukunft schätzungsweise befinden in: Dänemark rund 50 000 Ungarn rund 800 000 Belgien. 115000 Tschechoslowakei, 4 000 000 Luxemburg, 260 000 Südslawien» 700 000 El saß-L othring.» 1 500000 Rumänien, SOOOOO Italien, 250000 Vereinigte Staaten» S 000 000 Polen, 2220000 Kanada. 80000 D a n z i g, 300 000 Süd- und Mittel- Baltische Staaten, 270 000 amerika» SOOOOO Rußland. 1 000 000 Australien, 100 000 Deuischösterreich„ 6000000 Hinzu kommen die verstreut wohnenden Deutschen in den vev» schiedenen Ländern._ Schnee im Gebirge. Im ganzen Riesengebirge ist starler Schneefall bis zur Höbe von 1200 Meter herunter eingetreten. Luftvcrbindung mit dem Baltikum. Mittwoch vormittag hat das Wasserflugzeug D 43 der Deuischeu Luflreederei einen Probeflug auf der zwischen Königsberg und den Randstaaten geplanien Luft- Verbindung angetreten. Das Flugzeug fliegt über Libau nach Riga. Räuber suchten im Kreise R y b n i k das katholische Pfarrhnus in Pohlom heim, die unter dem Vorwande. den Pfarrer zu einem Schwerkranken holen zu wollen. Einlaß fanden. Sie ent- wendeten 1600 M. bares Geld. Hausgegensiände und Küchengerät. In der Nähe von B i t t k o wurde ein Fseischer auS Katlowitz von Räubern nachiS durch sechs Schüsse niedergestreckt und um 8000 M. baren Geldes beraubt. Sträflingsrcvolte. In der Strafanstalt der slowa- kischen Stadt Jlaya, wo sich das bekannte maayari'che Jnternierungslager befand, ist am Sonnabend ein Sträflingsouf- stand ausgebrochen, der von einem wegen Spionage verhafteten magyarischen Oberleutnant namens B e la D r o ck n i c z geleitet wurde. Als die Sträflinge um 2 Uhr nachmittags die gewohnte Arbeit in den Werkstätten antreten sollten, gab Drocknicz mit den Worten:„WaS wird jetzt sein?" die verabredete Parole an, worauf sich die Sträflinge ans die Wachtlente stürzten, sie ent« waffneten und die Flucht ergriffen. Es handelt sich um 74J3 traf« l i n g e, von denen 60 wieder eingefangen sind. Acht Sträflinge wurden verletzt, davon drei schwer, während einer seinen Ver« letzungen erliegen mußte.� Oberleutnant Drockniez wurde ebeniallS wieder eingesangen; eine strenge Untersuchung ist eingeleitet worden. Ein Mann, der sich Nägel in den Kopf schlägt. Der Arzt Dr. Henri Reynes aus Marseille hielt kürzlich in der medizinischen Akademie einen Vortrag über einen 25jährigen Neurastheniker, der, um Selbstmord zu begehen, sich w einer ei-nscnnen Villa mit einem Stein zwei 3i- Zentimeter lange Nägel in den Kopf schlug, di« di« Schäd: ldecke durchbohrten und in das Gehirn eindrangen. Nachdem die Nägel entfernt worden waren, steckte der Patient durch eines der Löcher eine Stricknadel. Das Wunderbare an der Angelegenheit ist, daß der hartnäckige Selbstmörder von seinen beiden Selbstmord- versuchen k'eine üblen Folgen davontrug. Ein Mönch als Bolksführcr. Die lebhaüe Agitation, die sich seit langem in Sizilien gegen-de großen Feudakgüler richtet. führte kürzlich zu einer groß angelegten, bewaffneten Unternebmung von mehr als 2000 Kriegsteilnehmer», die zur Besetzung von Land- gütern schritten. Der Zug war von vielen F-auen, Greffen und Kindern begleitet, die alle, von großer Begeiiierung erfüllt, ibrem Führer, einem Mönch, folgten, der dem Zug z» Pierde» das Kreuz in der Hand, voranzog. Die Güter wurden ohne Anwendung von Waffengewalt besetzt. !?r. 520 ❖ 37. Jahrgang wmm 32aC2S2BZ75S L 0C6 donnsrstag, 21. Oktober 1920 GroßSerün Wie Schoneberg rouröe. DieKommunalhistorische Ausstellung der Stadt Schöneberg wurde gestern im neuen Rathaus am Nudolf-Wilde-Platz mit einer kleinen Feierlichkeil eröffnet. Im Nomen der Kunst- deouia'ion und als Vorstyender der Ausstellungkommission begrühie der Maler' Hans Baluschek die erschienenen Gäste, unter denen viele Mitglieder der Gemeindeverwaltung und Angehörige alleingesfener Familien waren. Oberbürgermeister DomüiicuS erinnerte an die jahrelangen Bemühungen der Kunsldeputalion, aus dem Besitz der Stadt und privater Personen und aus den Archiven der Gemeinde' und Staatsbehörden alles zusammenzutragen, was über Schönebergs Geschichte belehren kann. Er wies hin auf den aus dieser kommunal- hisrorischen Ausstellung ersichtlichen Ausschwung, den Schönebcrg in der neueren Zeit gehabt bat, und knüpfte daran den Wunsch, datz auch in der großen Einbeilsgcmeinde Berlin die einzelnen Ver- waliungSbezirle eine möglichst selbständige Unterverwallung führen sollten. Lehrreich und reizvoll ist diele Ausstellung nicht nur kür alte und jüngere Einwohner Schönebergs, sondern für jeden Groß-Bcrliner. Sie zeigt, wie das neuere Schöneberg wurde, wie unter dem Einfluß der Nachbarschaft Berlins in wenigen Jahrzehnten das bescheidene Dorf zu einer de' deutenden Großstadt heranwuchs. Neben Plänen aus dieser Zeit einer fast amerikanisch raichen Entwicklung sind auch sehr interesiante ältere Pläne ausgestellt. In die ältere Zeit deS Dorfes reichen auch Aktenstücke zurück, die von der Regierung zu Potsdam für die Ausstellung hergeliehen sind. Ein Kuriosum ist die«he- malige Gemeindekasie, die aus einem unscheinbaren kleinen Holzkasien besteht. Das Hauptstück der Ausstellung sind die zahlreichen Bilder aus dem alten Schöneberg, die Gemälde, Zeich- nungen und Photographien von Straßen und Grundstücken des stillen Dsries. Manchem Betrachter mag sich da der Gedanke auf- drängen, daß eS damals trotz Schweinestall und Mlsthauien ,ge- mütiicher' in Schöneberg war. Die Ausstellung, deren Besichtigung sehr zu emvfehlen ist, bleibr bis zum 25. November geöffnet. Sie kann an allen Wochen- tagen von 10— 5 Uhr unentgeltlich besucht werden. Der Uebergang zum neuen öerlin. Wann werden die Vezirksversammlungeo einberufen? Ja letzter Zeit war die Fiage aufgeworfen worden, von welcher Seite und wann die am 20. Jutri d. I. gewählten Bezirks- Versammlungen einzuberufen sind. Nach der von dem Aufsichts- organ geteilten Meinung der provisorischen Stadtverwaltung wird, wie das Nachrichtenamt de? Berliner Magistrats mitteilt, eine der ersten Handlungen des neuen Magistrats, sobald er endgültig bestellt ist, die Einberufung sein müsse». Aber die Bezirksversammlungen werden nur dann eine Tätigkeit ent- falten können, wenn sie in der Lage sind, alsbald ihre Bezirks- ä m t e r zu wählen; das aber setzt wiederum voraus, daß gemäß § 23 des Berliner Gesetzes die Zahl und Besoldung der Mitglieder des Bezirksamtes von den neuen städtischen Behörden festgesetzt ist. Auch hieraus geht hervor, wie notwendig eS ist, daß die neuen städtischen Körperschaften endgültig zusammentreten. » Die Fraktion der Unabhängigen, Richtung Adolf Hefsmann. hat sich ge-estru ,rn Berliner Raihaus gebillset. Vor- sitzende sind: Otto Gabel- Lichtenberg unb Zeichner.Max Dörr. Berlin. Durch den Zutritt des MagistraiShilfsarbeiterS Gustav D o g n e r erhält sich die Zahl der Mitglieder auf 22. Auch der Stadtrat Blanke Berlin ist dieser Gruppe beigetreten. Tie„Freiheit" entfacht einen kleinen Sturm im Wasser- glase, weil wir in unserem gestrigen Bericht über die Sitzung der Unabhängigen Stadtverordnctenfrart on erwähnt haben, daß Stadt- rat Leid mit großer Wärme für ein weiteres Zusammenarbeiten mit den Neukommunisten eingetreten sei, aber nur geringes Eru- gcgenkommen gefunden habe. Um einer Legendenbildung von vornherein vorzubeugen, bemerkt die„Freiheit", daß Leid nur der selbstver'tändlichen Anschauung Ausdruck gab, daß die Unabhän- aige Fraktion nicht die Absich: habe, die Neukommunisten von der Magistratsbildung auszuschließen, sofern sie selbst ihre Beteiligung am' Magistrat unrer den früher gemeinsam festgelegten Grund- sätzen wünschen. Nach der Trennung haben denn auch die Neu- Heute Kreisversammlungen: 2. Wahlkreis, Tiergarten: 87. bis 41. Abt. 7 Uhr Kirchner Ober- realiärnte, Zwinglislr. 2. Saalkontrolle hat 39. Abt. 3. Wahlkreis, Wedding: 7 Uhr Aula des Schiller lyzeumS, Pank-, Ecks Böllcherstraße. SerichterstQ&rng vom Parteitag. Referenten: Scblegel, Cohen-Reuß, Theodor Fischer. an der kommunisten ihre Bereitwilligkeit eüilärt, Magistratsbildung teilzunehmen. Wir möchten unsererseits dazu bemerken, daß in unserem Bericht die Frage der MagistratMldung mit keinem Wort ge- streif: wurde. In unserer Mitteilung über die nun auch in der Berliner Stadtperordnetenfrakiion der Unabhängigen vollzogene Spaltung ist versehentlich die Stadtverordnete Genossin K u l i ck e unter die Neukommunisten geraten. Sie hat niemals zu den Unabhängigen gehört und konnte daher auch nicht zu den linksunabhängigen Neukommunfften abschwenken. Genossin Kulicke ist altes treues Mitglied der S. P. D. Tie sS-Milliouengeschafte deS Gerichtsafsessors. Die Verhaftung deS Gerichtsassessors a. D. Böhmer, des früheren Syndikus der Niederdeutschen HandelS-Aktien-Gesellschast in Berlin, über die wir im gestrigen Abendblatt berichteten, dürfte weitere Kreise ziehen, da nach der Festnahme Böhmers jetzt auch Nachforschungen darüber angestellt werden können, auf welche Weise es möglich gewesen ist, aus den Geschäftsräumen des Reichskommissars für Ein. und Aussuhr Blanlosormulare verschwinden zu lassen. Die Geschäfte Böhmers übersteigen schon jetzt den Be» trag von 55 Millionen Mark, und eS ist noch gar nicht abzuiehen, ob der endlich Verhaftete nicht noch an weiteren der- artigen Transaktionen beteiligt gewesen ist. Im April d. I. lernte Böhmer im Bureau der Niederdeutschen HandelS-Aktien-Gesellschast durch den ebenfalls verhafteten Hofintendanzrat Höhn einen Herrn M i e k e l e r aus München kennen, der erzählte, daß er von einer Münchener Firma für 400 000 M. Flugmotoren auS dem Besitz der Bayerischen Heeresverwaltung gekauft habe, die nach Argentinien weiter verkauft werden sollten. Leider erhalte man keine Ausfuhrbewilligung, und so werde das Geschäft wohl scheitern. Böhmer beschaffte die Ausfuhrgenehmigung innerhalb von vier Tagen. Angeblich will Böhmer die AuSfuhrschsine von einem Beamten Höhne im Reichswirtschaftsamt erhalten haben, doch hat sich herausgestellt, daß es«inen Beamten dieseS Namens� überhaupt nicht gibt. Vielmehr deuten Spuren darauf hin, daß Böhmer selbst gewisse Beziehungen zu amtlichen Stellen unterhalten und dort Mithelfer gehabt hat. Mit Hilfe der Aussuhrscheine, die unzweifelhaft echt und mit dem Faksimilistempel deS Geheimrats Trend Aenburg versehen waren, wurden die Motoren anstandslos nach Argentinien ausgeführt. In dem zweiten Fall, der die A u S- fuhr von Holz in Höhe von 85 Millionen Mark nach Polen betrifft, beschaffte Böhmer die notwendigen Papiere innerhalb zweier Tage. Er erhielt die Ausweise, die ordnungsmäßig ge- stempelt waren, und drei Ausfuhrbewilligungen im Werk von je ll�h Millionen enthieltep, ohne die erforderlichen Registratur- nummern des Kornmissars für Ein- und Ausfuhr. In dem dritten bis jetzt bekannten Fall, bei dem Böhmer sich gefälschter Bejcheini- gungen deS Reichs kommissars bediente, handelt es sich um ein noch nicht ganz aufgeklärtes Geschäft der Stadt Elberfeld. Die Untersuchung ist nun bemüht, festzustellen, durch wen die Ein- und Ausfuhrscheine auS den Bureaus des Reichskommissars entwendet und Böhmer in die Hand gespielt worden sind. Die Juristische Sprechstunde fällt heute auS. Neuaufbau im Konsum. AuS Konfumgeiiossenicbailskreiien erballen wir folgende Zu» Ichrift: Die Koniumgenosienschaft Berlin und Um« g e g« n d bat ihr 21. Geicbäsisjahr abgelchlosien. Die am Miu- wach, den 27. Oktober, abends 7''j Uhr, in der„Neuen Wel:", Hasenbeide 103— 114. stattfindende Generalversammliing wird sich mil den Ergebnissen de« letzten GeschäsiSjahreS zu be- ickiäfligei! hoben, außerdem die wiebtigen Erneu erungs» wablen zum Aufsichtsrat vollziehen und weiterbin über einen bedeutsamen Anirag der Verwaliung auf Aenderung des ß 5 des Dtatuis sErhöhung des Geschäftsanteils von 60 auf 150 M.) Beschluß fassen. Di« Konsumgenossenschaft Berlin hatte einen glänzenden Aufstieg genommen, die sie mit an die Spitze der deutschen Koniumgenossenichasien führte. In den letzten Jahren wurde indes die innere Be'chaffenheit gestört— die Partei- i v a l t u n g warf auch ihre Schalten in die genossenichaiilicho Organiialion, während die alte Leitung bemüht war, die politi- ichen Zwistigkeiien von der wirtschaftlichen Konsumenten« organiiation fernzuhalten. Tie neuen Personen traien an die Stelle von Genosienschaflern. die durch jahrzehnielancie aufopfernd« Tätigkeit � und Pflichterfüllung dem Genosienschaflsgedankcu in Berlin die Wege geebnet hatte». An die Stelle der ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden all'» nahmSlos Personen berufen, die mit dem U. S. P.« Mitgliedsbuch ihre» Befähigungsnachweis erbrachten. Wie der neue Geist sich bewährt, welch« Wirkung er auf die Entwicklung der Geuosienschast ausübt, das zeigt ein Blick in de« Geichä'tSbericht. Di« Eigenproduktion der Genossenichaft, besonders die Bäckerei, hatte früher Jabr für Jahr, selbst in den KriegSjahre« mit ihren hemmenden Einschlägen, Fortschritte zu der- zeichnen. Da« letzte Jahr bringt indes in der Quantität des Produkts einen nicht unbeträchtlichen Rückgang trotz Steigerung der Mitgliederzahl, trotz Vermehrung der Verlaufs- stelle». Nach Seite 17 des Geschäftsberichts ist die Zabl der hergestellten Brote von 1l 492758 auf 11288830. also um 208428 Stück gesunken. Die im Geschä'isbericht angeführten Erllärungen hieisür entbehren, besonders wenn man die aeftiegene Mugliederzahl berücksichtigt, jeder Beweiskraft. Eine siichhaliige Erllärung findet man jedoch in dem Umstand, der auch als Beweis für die Wirkung des neuen Geistes gelten kann: daß der P r o z e n t r'a tz d e r kautenden Mitglieder weiter gesunken ist. Nach S. 22 de« GeichäilSberichtS belief sich die Zahl der kaufenden Mital'eder im Jahre l9I8i17 auf 71.84 Proz., 1917�18 auf 65 58 Proz.. 1918 19 auf 63,82 Proz. und im Jahi e 1919/20 nur noch auf 61,56 Proz. der Gesamt« mitaliedschafl. Dieser Rückgang des P-ozentsatzes der kaufenden Mir« alieder auf den n i e d r i g st e n Stand der letzten zebn Jahre bat zrrm Teil leine Ur'ache in der mangelhaften Propaganda inner- halb der Genossenichafl; die rührige Arbeit der fiiiheren Verwnl« tungSmitglieder ist durch die neuen Berwaltungsmitglieder nicht ersetzt worden. Der Geschäftsbericht appelliert ferner an die erhöhre Anteil- nabme der Mitglieder in der genossenschaftlichen Beräiigung. Dieser Appell ist mit allem Nachdruck zu unterich! eiben. jedoch uüt der Forderung zu verbinden, daß allen Richtungen innerhalb der Mitgliedschaft die ihnen gercchierweise zukommende Ver» tretung kn den leitenden Körperschaften zuerkannt wird. Ein Antrag a»S Mitgliederkreifen an die Generalversammlung, der zum Ziel hat. eine Aenderung des GenossenschaftsgcsetzeS herbeizuführen, um die Möglichkeil zu schaffe», ,eder vorhandenen Richtung in der Kenosi>n!chast die ihr gebührend? Bei- treiung in der Genosse»ichaftSverwaltung zu sichern, ist eingereicht und wild sicherlich die Unterstützung aller auf dein Bad n deu Demokrarie stehenden GeneraiveriammlungSbesncher finden. Bi» jur Aenderung des KenosseiischastSgeietzeS jedoch gilt ee. die einleitige unabhängig-kommuiustifche biiiammensetziing deS Au'sichtS- ratS zu beie-tigen. Eine Liste zur AuisichiSiatzwabl, die nach d e'en Grundsätzen aukaestellt ist, wird in der Generalveriaminliing Das tichk der Heimak. 441 Von August Irnich s. Er begann ctt ihr zu zweifeln, aber wenn er ihr Vorhal- tungen machte, sah sie ihn stolz an:„Schenk ich Tu nicht genug?" Dann mußte er schweigen— sie schenkte königlich. Er wurde nicht müde, ihr die Zukunft auszumalen und d-aS.?>eim. in dem sie wohnen wollten. Aber was:hn ltncndltch beglückte, berührte sie nicht einmal. Wenn er, selig sein Gluck missvinnend, von der künftigen Hiäuslichkeit sprach und wie ein Kind sie ausschmückte bis ins kleinste, beugte siejich uoer ihn:„Du träumst," sagte sie nur,„küß mich lieber." Dann erschrak er mitunter vor ihrer Mut. Es kam kein Geld mehr heran. Die Unterstützungen konnten nicht mehr ausbezahlt werden; die Leute darbten, aber sie hielten zusammen.„Nur noch kurze Zeit," tröstete Tierk, und sie glaubten ihm. Don neuem versuchte er. mit den Fa- briken zu verhandeln— sie lehnten schroffer ab als zuerst. Bc- dingungSlose Unterwerfung, erst die Arbeit wieder aufnehmen, dcrnn wollte man sehen, ob vielleicht der Lohn erhöht werden konnte. Als Dicrk der Versammlung den Bescheid brachte, brach ein Sturm los, Flüche imd Verwünschungen gellten:„Schlagt sie nieder," schrie einer und sprang auf den Tisch; Pfeifen und Johlen schrillte durch den Saal. Mit Mühe bnuhigte Dierk die Enttäuschten. Gottlob, noch hielten sie zusammen. Di« Tage schlichen hin. Jngrimniig verzehrten die Leute ihre letzten Spargroschen, bei manchen war kein Stück Brot mehr im Sans. TK'rk wußte, seine Fabrik hatte Lieferungs- fristen mit hoher Strafe, wenn die Frist nicht eingehalten wnrde. Sie mußte ihre Tore öffnen oder untergehen. Und sie öffnete ihre Tore. Aber nur ein Haufen Ausländer war es. den sie einließ. Jetzt qualmten die Schornsteine und die Räder liefen.;zm Nu wußten es alle. Eine ungeheure Menge drängte sich abends vor den Tonen, mit Knüvveln bewaffnet, unheimlich in ihrer finsteren, schweigenden Entschlossenheit. Sie standen bis in die Nacht. Rache zu nehmen cm den Dieben, die ihnen die Arbeit stahlen: aber sie standen umsonst, niemand kam heraus. MS man es vlötzl'ch wußte: fr schlafen in der Fabrik sie kom- wen überhaupt n'cht heraus, sie arbeiten nur! Da stieg ein Wutgebnill airf, krachend lffeß man die Torflügel e:n und stockte dann iöh;— BefeblSrnfe schallten, zwei schnurgerade Reiben von Gewebrläufen blinffan auf dem Hof— ohnmächtig knirschend, verzweifelt, wälzte stch die Menne rückwärts. Von hinten flogen Steine und Knüppel aiff die Soldaten, ein neuer Befehl, stählern und hart knackten die Gewehrschlösser; da warf Entsetzen die Masse zurück in wilder Flucht. Und die Schornsteine qualmten weiter. Bis in die Arbeiterviertel hinein hörte man das dmnpfe, höhnische, schütternde Summen und Surren der Räder. Unerträglich wars. das zu hören; unerträglich, dabei müßig zu gehen und kein Brot zu haben-- kein Brot! Dierk gab das allerletzte hin. was er besaß— für die Tau- sende war es ein Tropfen. Er tröstete, beruhigte, wo er nur konnte; man hörte ihm noch zu, stumm, halb hoffend und halb zweifelnd. Wer wie eine dumpfe Schwüle lag es in der Luft, heimlich grollte und gärte es in der Tiefe. Es war wie das atem- beflemmcnde, erste zitternde Abnen eines Sturmes, der die Wellen aufwühlen mußte bis auf den tiefsten Grund. Dierk spürte es. und er wartete, selbst von einer dumpfen Verzweif- lung gesaßt. Und der Sturm kam. Er schlief in diesem Saal voll ausgehungerter, leergehoffter und betrogener Menschen, die noch einmal wieder, wie ani ersten Tage, sich bis in Gänge und Straßen drängten, Kops an Kops. Noch sprach keiner, ein scheues Flüstern nur rauschte unter gesenkten Köpfen. Dierk trat in den Saal. Stumm wurde er empfangen stumm gab man Raum, daß er die Bühne erreichte. Und nun stand er oben und sah herab auf alle die tausend Menschen. Di war kein Her,. daS sich ihm nicht aufgetan hatte in gläubigem Vertrauen, kein Mund, der ihm nicht zu- gejubelt und keine Stirn, die sich nicht kühner und ffeicr erhoben hatte, als er ihnen das Lied der Freiheit sang aus seiner eigenen heißen Sehnsucht heraus. Er war ihr Bruder und ihr Führer. Wie off hatte er hier oben gestanden und gesprochen— ietzt wollte er beginnen und fand nickst das rechte Wort. Was ihm sonst mühelo? wie ein rauschender Bach zuströmte, das mußte er jetzt künstlich formen auS dem Verstand berauS. Und es hallte leer durch den Saal. Sonst fielen die blinkenden Körner seiger Rede in weicken Ackerboden, der sie begierig aufnahm, jetzt glitten sie ab, webten darübarbin wie Schneeflocken über eine Eisdecke. Cr fühlte dies stille Abwehren, diesen Hauch von Kälte, der über den Gerzen lag. Er wollte ihn durchdrinaen. er formte die Sätze kunstvorlsr und sckärfer. er gib sich Mühe, und der Schweiß trat ihm in aroßen Tropfen auf die Stirn. Lautlos borten die Menschen ,hm zu. Und mitten in die Sfflle hinein, während er gerade einen neuen Gedanken umprägte, sagte Plötzlich einer aanz laut:„DaS mag alles wahr sein, aber wer gibt uns jetzt Brot?" Dierk wollte weiter sprechen, da rief dieselbe Stimme noch einmal:„Sag uns lieber, wer gibt uns jetzt Brot?" Er stockte und trat, unsicher gemacht durch die Unter- brechung, ganz vorn an die Rampe, um zu sehen, wer der Sprecher war. Alle Men'chen wurden unruhig, drehten übe Köpfe und drängten nach vorn. Das Meer von Gesichtern bewegte sich und brandete zu ihm heran, er suchte unter all diesen Augen nach einem einzigen Paar, das warm und vertrauend zu ihm aussah-- aber wie kalt sie ihm jetzt alle vorkamen. Was hatte er denn mit diesen Menschen gemein? Kühl sah er über sie weg. Da zuckte er zusammen. In einer der ersten Reihen stand eine alte Frau. Unverwandt sah sie ihn an. funkelnd und böse, jede Falte ihres Gesichts in.Haß getaucht. Und plötzlich wußte er. daß die ganze Menge ihn haßte, daß sie alle, wie diese Frau, geduldig lauerten, bis ihre Zeit da war. Bis ihr Haß auflodern würde in einer ungeheuren Flamme, um ihn zu verschlingen. Er er» schrak nicht, er schwieg still und wartete darauf. Und als die Menschen ihn nicht mehr sprechen hörten. drängten sie noch mehr nach vorn. Sie riefen ihm etwas zu, immer lauter und unacduldiger. zorniger und drohender. Er sab ihre geballten Fäuste sich ausrecken hörte sie trampeln und brüllen, aber er achtete auf daS alleS nicht. Er sah nur immer die Frau an. dies aschfahle, ausgehungerte, elende Gesiebt mit den blutleeren Lippen und den brennenden Augen, lind er sab. wie sich ihr Ausdruck langsam wandelte und immer höh- nsscher, wilder und rachsüchtiger wurde. Jetzt öffnete sie den Mund, ibre Finger spreizten sich und griffen suchend umber— sie reckte sich auf— da gellte jäh ihr zitternder Schrei durch den Saal, ein Gegenstand wirbelt« durch die Luft und Tierk fühlte einen heftigen Schmerz an der Stirn. Warmes Blut rann ihm LberS Gestcht: er sab nichts mehr, hörte nur em wüstes Poltern und Dröhnen; Gläser. Flaschen. Stühle schmetterten auf die Bühne. Er stand ganz still daS war da? Gericht! Es war so natürlich, er dachte gar nicht daran, stch zu wehren, dachte gar nicht an Tlucht; eS mußte ja so kommen. Da sauste der Vorhang nieder und trennte ihn plötzlich von der Menge. Dörner, der die Schnüre zerschnitten hatte, faßte seinen Arm und riß ihn mit stch fort Ruhig ging Tierk mit. langsam stieg er ein paar Stufen binab und gelangte durch eine Hintertür inS Freie. Draußen blieb Dörner stehen, unbciml'ch glühten seine Augen aus dem bleichen Gesicht, er reckte den hageren Arm in die Höbe, kramvkbast zuckten die schmalen Finger, und über seine blutleeren Livven rang eS sich hrffr. schluchzend, mit verzweifelter Hoffnung:„Und doch!" Aber Dierk hörte eS nicht. CForff. folgt.) zum Vorschlaq flclanaftt. ES ist zu erwarten, dah alle Freunde einer gesunde» genofleniciiafliichen Weilerenlwicklung in der Generalvcrsamniluna ersSeinen und ihre Stimmen aut diele Liste, die mil dem Namen des lrübeien lanajädrigen Aut- sirblSraiSniitqliedeS und Bolsiyeliden des«»isicbiSratS G ü t l l e r be- giiiiil, vemnwen. Es gilt, die Genvsienicbgtl in die srübeien Bahnen, die einen stetigen Lukstieg ficherlen,»urückzutühren und schiirertsdhreiben und Kurzschrift eingerichtet, nämlich SW. 61, Iohannitrrstr. 8; C. 2, Hinter der Garnison kirche 2; N. 20, Hochstr. 46. Tie Klasse hat 26 Wochenstunoon Unterricht. Der Kursus dauert Vi Saht. Das Schulgeld beträgt für den ganzen Kursus 106 M. und kann in zwei vierteljährlichen Teilzahlungen zu je 60 M. entrichtet werden. Bedürftige Schülerinnen erhalten Freistellen. das grofe So,!aIiüer»ngSunteinehmcn, die Konsiimgenossenschasr Allen Schüler'nnen, die zum Oktober die Schule verlassen und den Berlin und Umgegend vor dem Niedergang zu bewahren. Ter Neubau der Angcstelltcnversichcrung. Der ReichSvasicheilingSiwistait für Angestellte sind die Räume. die sie in Privatwohiihäiisern bisver am Hohenzollernd'imm innc Kai. zu eng geworden und sie schreitet dazu, einen grosten Neubau. der dei gemmieu VerwaUung Raum gewähren soll, zu errichien. Ur orüngliiv iollie dieicS Gebäude außerhalb Berlins erbaut und damil auch die Leiliing der Rcichsveisicherungtanstalt nach ouher- bald verleg! weiden. Dieser absurde Gedanke wurde durch da? cnergi'cbe Aufireien der Angestellienvertieler im VerwallungSrat und Direttoi'uni verktndert. Die Ausschreibungen zu dem grosten Millioiienobjekl stud bercilS erkolgt. Damit steht den Bau- orbcitern und baniea nischen Anpestellien ein prösteier Anslrag in Aii-ncht. der oeeignet ist. i» den Zesten der grofzen Arbeitslosigkeit weiikgiieiiS wie ei» Trov'en auf den beisten Siein-u Wirten. Austalleiidenivre sind die Selbsthilfeoi aaniiationen der Bau- arbciier und Techniker, die Produk ivgenosseiiichafien, nicht zur Beruf einer Stenotypistm ergreifen wollen, kann der Besuch dieser Kurse im eigenen Interesse empfohlen werden. Aerztliche GcfiiinnngSschnüffelei. Von ärztlicher Seite wird uns 'olgendes interessante Inserat, das in den„Aerztlichen Anzeigen' stand,-"iig�sandl: Poliklinik stellt PrariSräume Dermatolooen(national gesinnt) in frcq-eiiiester Gegend selektr.-pbyssk. Einrichtung »nd künstliche Höhensonne), 10 Bahn. i. Westen sof. z. Verfg. Tel. Pfl'bg. 7006. 4-6. Der Inlaber des TelepbcnS Pfalzburg 7903 ist ein Herr Dr. Münk. Halssvezialist. Ter Ciniender der Notiz fraat mit Recht, ob auch die K a l i e n p a t i en t e n. die dort behandelt werden. vorher erst auf nationale werden? Aula der Schule, Kronprinzenstratze. Es wird ersucht. Pünktlich erscheinen zu wollen. Spandau. Betriebsvertrauensleute der S.B. T. Nachm. 4Uhr. im Saal des Hotels»Zum Stern', Potsdamer Jlrah-. Degen wichtiger Besprechung wird daS Erscheinen aller zur Pflicht gemacht. Der Obmann. Jugenüveranstaltungen. Heute abend 7'/� Uhr. Neukölln. Rüuchener Str. 67 Suilu« sür loz. DildungSardclt.— Ollen. Petersburger Viertel. Jlrasimannstr. 6 Porwag:.Ter Verein Arbcilrrjugend. Entstehung. Entwickimig uiis Ziele'.— Südweit. Zentral- jugeiidheim, Lindenstr. 3, D Zkinsivn:.?SaS bringt daS BetriebSraiegcsetz der aideitenden yudend— Steglttz-Frtrdcna». Friedenauer Schule, Offenbacher Str Sa, Mäochenabens. Sport» PieiSabgabe aust cfordert worden. die zum grossen To nmss erwartet werden, dag eine Bevorzugung des privaten llntcr licbmcriiimS aufhört. Die V« sicherten irlbst w> rden ein grosses Inleieiie duan haben, dass ibr Verwaltungsgebäude so put und !o billig wie möglich bergestevt wird und dass dabei die heule be- sonders g.osscn Uiitcrnehiiiergewinue auSgrichaltel weiden. Sie 'ordern deshalb, eass auch die im verband sozialer Baubetriebe zustiiiimengeschloikiieii Genonenschasien, wie z. B. die.Gemein BrzirkSbildnngSausrchu?!. Soziallstifche B tl d u n g S s ch u le. Heute beginnen sokende vorli anSi eiben: .BolichewiSmnS»nd SazioldkNiotralic', Dr.?öwe, Im Saal der ............................„__ Oiniiii(ijcn Sprechfl rinde, Lstidenilr. 3, abend? 7'/, Nbr. Höinebübr 6 M. Gerade bei solchen Gebäuden, �barlottenbiirn:.Von der kopiialilliiiben Dtiilchnst über die il'äüs"den Gelbem" dir«ngeslillVen"enlstebew �»N'°/Wir.!�,t zur Gemei w'.I'chgst', Dr. Max Beudiner, w Sidmig» .......... cn.�.__________ y.»___ n.,...' I igol 4 de? Cinrloltenfinrner Ratbai» eS. Berliner Sir. 72/73, abends 7 Ubr. Höreibübr k M.— Sldöneberg:»Geich cht« des Sozialismus', Dr. Mar Schütte, im Schöneberger Rathaus, Zimmer 144, abends 7 Uhr. Hör- gebübr ü M. ?!m Sonntag, den 24. Oktober d. lt.. normtttagS 10 Ubr, in der Aula der Leubnitz- Realichi-Ie, Schilleibr. 126/126: Konterenz der Bit- d n n o? a u S l ch ü s i e. Alle Milnüeder der Gioii-Berlmer BlldimgS- auSichgsse und der sch isllich einoe'ad'ncn Genossen und Kenolünnen sind stenndlichki willkommen. Genosse Dr. Kuttman» spricht über: Unsere »üblgc il au- nnd vctrie. Sgenossenschaft Grossberlin', die.Boiihütte'! »nd andere zum Wettbewclb zugelanen werden. Hier sollte den aus j- ch> g sozialem Boden sleheiiten ArbeiiSorganisationen der Hand- lind Kopkarbeiier de? Baugewerbes Gelegeuheil gegeben werden, den Nachweis ihrer LeistungSfähigleil zu erbringen. Tic bedrohte Selbständigkeit der Elternbeiräte. Der Voistand des Bezirksverbandes Gtoss-Berlin de§ Bundes eniichiedcner Schulretormer erhebt Einspruch da- gegen, dass der Siadischulrat Fi ich er in e'uem Rundschreiben der S ä a ssaeii Schnldepiiiaiioii an die Berliner Elterubciräle dielen in blircair ratischer»no iubj''ttiver Auolegung der miuistcrillcn Satzlliiqen für die Ellernbciiäle v o r s ch r l f l e n macki, die geeignet sind, alles leibstäiidige nnd urivrüngt'che Wirken der Ellcrnbeiräie ab- ziiiöieii, serner, dass der Minister dos Bestreben der Ellernbeiräie. an dem inner» Schulleben teil-unebmen und dazu sich durch Einblick in II. icrrirw und Ordiuing die nötigen KennNiisse zu verschaffen, gruiidkätzcich verurteilt und ablehnt,»nd dass er durch seine Be- stinimunaeu über die Kostendeckung der Elternbeiräie die Schul- uiiterbaltungSpflichtioen gcladezu berauS'ordert, den Elternbeiräten keine besonderen Mittel zu bewilligen, wozu sonst zahlreiche Ge- meinden bereit waren. Ter Bund eniichiedener Schulrekormer fordert die Eltern- beiröie ani. durch Sammluiig von Mitteln in den eigenen Reihen nnd durch Z u 1 a ni m e n s ch l u ss der einzelnen Elternbeiräte zu Ort?-. Provinz-, StaaiSverbänden daksir Sorge zu tragen, dass nicht dicier bescheidene Vernich, a»S der Schule als.Anstalt' fürs Volk die EniebungS- und Lebensstätte zum Bolk durch das Volk zu machen, völlig ergebnislos endige, in Gleichaültigleit und Ver bitlcrung auslaufe. »Die Ncligio» im Kampf gegen de» BS'tcrmord« lautet das Tbema. über oaS Genosse Arno Fremke in einer Beriammlung reügiöler Sozialinen in Neukölln in der Aula der Realsibnle in der Boddiniir. 41 om Freitag, d-n 22. Oktober, abends 7>/, Ubr, spricht. Anschliessend referiert Genosse Pfarrer Lic. P i e ch o w? s i über die kommenden Kirchen- wablen, iitr d e der Bund religiöser Sozialisten eine besondere iozialisllsche Prel» de» Dorn- /Wegencr). 2. Roiendorn Platz 16. 42. 16. Ferner Rennen zn KarlStorst, 20. Ollober. t. e f i n n u n g untersucht d» r 1. 16 000 R. 2800 Meier. 1. Rote Rose sHoltz), 3. Noie iPriiSler). Tot.: sieg 43: 10. liefen: Fröhlich(am Start stehen gebl.cben), Trzschochs, Mciiicrweise, sver- ling, Po sie, Pa e. Nolbiemie.— 2 Preis vom H a! d e l r u g. EbrcnpieiS dem fiependen Reiter nnd 16 000 M.. 3600 Meter, t. Mcra 0Be>11. S. Milion(o. Herder», 3. Lieie /Krügcri. Tot.: Sieg 66: tv, Platz 16. 12. 16 Ferner licien: Skageirat III»nngeb), Faime iauSgebr.l. Rai- bart. Barbar.— 3. Preis vom Obersliess. 16»00 M., 3000 Meter. I GloltciS ko. Keller). 2. Flore, MardoniuS, Sarve.— 7. Preis vom Noie n Häuschen. 16 000 M., 1600 Meter. 1 mann(Braun). Kirchenbil« ansilellt. Genossen, die der Kilche angehören, find mit ihren/ Frauen besonders eingeladen.- ne.ner. lieien. lieber»Engend und Sozialismus" sviecken beute abend 7 Ilbr in einer ösientllchen Propagandaveiiammlung der Snnflsozialiiliichen Vereint- gung IS. P. D.I. Giuppe Neulölln, M der Anla der Knabenmitlelichule, Tonanstr. 120, Gen. W. S o 1 1 m a n n- Köln. M. d. R. und Frau Elsriede R y n e ck. M. d. R. Kein ZZugendlicher darf ieblen. Llnsbejondere mnn allen jungen Pai teiaenoisinnen und-genosicn im SUIer von 18— 26 Jahren das Erlcheincn Pflicht sein. Gäste willlonlmen. Das Winterfest deS Vereins Berliner Journalisten, da» am Sonnabend, 23. Okiober, in den Gc'nmlräumen des Zoologischen Kartens statliindct. wird eine Reibe künstlerischer Darbielungc» bringen. Neben der llrauffübrung der Tbalbeiniichcn Pantomime, D a S M e e r', in der Enaenic Ediiai dowa. Ge erste Ebarakterlänzeim des ehemaligen lästerlichen l Balletts in Petersburg und der eiste Tänzer des gleichen Ballett« Wladimir * Woronzost ioiric die Mitgiicdei der ruinichen Bnllctthochichnle mitwirken, \ wiid das Nelioistche Kabarett eine geschlossene Darbietung veran'ölten. Tiotz der Borsübrungen findet uiinntcrdrochcn von 7 Ubr abends an in den grossen Sälen Ball statt. EintiiltSkarten nur noch in belchräniler Zabl im Kauibauie des Westen?. Hauptiestaurant Zoo und bei Direktor Ludwig Earstcn, AugSbuiger Str. 47. i Meinickcndorf. Gemkindevertreterfibung. Imolge llmbildung ' der Polizei und Uebcrna»hme der Poiigeivcrwalwny d-urch das x'> Polizeipräsidium Berlin ist sämtlichen HilfSpolizeibeamten I der Dienst zum 18. Oktober t>. I. gekündigt worden. Die HilfS- Freihaltung der Uscrwcgr. Von vielen Wanderlustigen wird beanspruchten vier Mmwle Gestalt Wbaugew. Be- lberecstligte Klage darüber geführt, dass der Zugang zu den Seen: wirrde�ne Entzsch.rd.�ung von 2 Mcmaten Gehallt zu ge- und Wasscrläusen der Allgemeinsteit häufig durch private Ansied-.TF". � � ociwm in.»„«».I».-».' äälasäsdS;& sichtigu ngen von Wohnungen und Srstattungcm von schriftlichen Be- richten für die Monate Apoil. Mai und Juni pro Monat ein« Ent- i schädigung von 50 M. zmAdbilligt worden. Derselbe Botraig soll auch j sür die Monate Jnli, August und September gezahlt werden.— Stadtrat R e ich h e l m machte bekannt, dass der Vorsitzende des KanalisationSvovbandeS, Bürgermeister Witte, Wiiiena-u, eS ablehne, eine Sitzung dcr genannten Körperschaft öinzrtberufen» da nach seinem T-asürHnltcn die Konrmist'ion durch die Eingemsindung nicht mehr besteht. Genosse Schar ff bezeichnet die Auffassung de» Herrn Witte als nicht richtig, da sie im Widerspruch mit dem Gesetz der Eingemeindung Gwss-BeÄins stehe; auch HAt er die Hand- lungSweise des Herrn Witte für höchst unklug, da die dem Herrn Wiite in den verschiedenen Tageszeitungen zur Last gelegten Un- rcgeknässigkciton Veranlassung geben könnten, sich zu rehabilitieren. Er beantragte, den stellvertretenden Borsitzenden zu veranlassen. ein« Sitzung d.s KanalssationSverbandeS einzuberufen, was ein- stimmig angenommen wurde. Zum Schluß dankte Herr Stadtrat Reichhelm den Gemeinde« Vertretern für ihre rege Mitarbeit und schloß die letzte Gemeinde» verlretersitzung mit warmen Worten der Anerkennung über daZ bisher Geleistete,___ Groß-öerliner partelnachekchten? Heute, 21. Oktober: 34. Zlbt. Funktionäre und Bezirkssiihrer holen die Eintrittskarten zu »Die Weber' bei Obligo, Stral>undei' S>r. 11, ob. Guugsozialistiichc Vereinigung IS. P. T.). Ortsgruppe Fried- �richsbagen: Tj, Ubr, bei Scholz, Friedrichstiasse, Ecke Linoenavee: j Liederabend.— Orlsgruppe Treptow: 7 Ubr, im Jugendheim, Elsen- . slrasse 3: Heiterer Abend. Ret.: Gen. Bartels.— Ortsgruppe Süd. w e st und Norden: Teilnahme an der össenllichen Propogandaver- sammlung der Gruppe Neulölln(siehe unter dem lokalen Teil). Morgen, 22. Oktober. 24. und 26.. 28.-32. Abt. Sozialdemokrat. Männerchor (KreiS Prenzlauer Tor): 7'/, Uhr UebungSflunde bei LIesfin, Etargai der i Slcaye 3.— Sonnlaz, 3 Uhr, Mitglietcroeriarnollung, anschl. Familien- abend. Z.Wahlkreis Wedding. Siternbeiräte. Sitzung 7 Ubr, bei Kerfiii, Paulftr. 60. Rei reut: Ken. Springer über»Schule und Schul- gesesetzgebluig.' Sämtliche Eilernbelräte und soziallstische Lehrer de? Wahl- kreises Wedding sind hierzu eingeladen. Wahlkreis Fricdrtcheliain. Elternbeiräte. 7 Uhr. Inder Aula der 123 Kcmeindclchule. Lange Str. 76: Persammlung. Refcient: Gen. Lehrer Drange. S-P.-D»Lehrer willlvmmen. Tie parteigrirösstschrn Vrainte« und Angestellten der Ver- waltlingSbchürdi U veriamlnelii sich abends 7 Uhr im Luisenzelt, In den Zcucn 9a, zu wichtiger Besprechung über die tünstige Werbearbeit und zur Eutgegennn.nie des Berichts vom Paile.tag. "Neukölln. S. Abt. Sämtliche Funtrionäre 7'/, Uhr, bei Gfinzel, Marcichttr. 1.— 6. Abt. Funkt conärfitzirng 7H, Uhr bei Röhl, Schiller- Promenade 27. Zeiileudorf. Flugblaltverbrestimg. Die Flugblätter Hegen für jede Hossmmm, von 6'/ Tei»pelvos-?llartei>dorf. Ter Vol'swirtschastskursu»(Ken. Dr. St» iemer) beginnt am Freitag, vüiilil 7 Uhr. im Rcilaurant Hutshold. Kaiserin-Alrguila-Strage, Ecke Friediich-Franz-Swass«. Genossen und auch �___ I NichtMitglieder wollen sich um 60, Uhr zur Au/iiahme ewfindrn. Hör- Zur Ausbildung gebühr 9 M. h-�.jetzi in einem bemerkenswerten Erlaß die RegierungSpräsi stemen angewiesen, nach Möglichkeit auf eine Freihaltung der Fluß- und Seeufer für den W a n d e r v e r k e h r Einzuwirken und insbesondere auch die Berschandelung der Ufer durch veiunstalieide Gafen uno Reklameschilder zu verhindern. Wenn bisher auch da? Recht der Allgemeinheit auf die Sceufer noch nicht gesetzlich festgelegt ist, so bietet doch die bisherige Ge- setzgebung den Gemeinden bereit? ausreichende Handhaben, um die Freihaltung der Seeufer durch F'luchtlinienfestsetzung zu scbützcn und die für Uferwege erforderlichen Flächen im Wege der Enteignung zu erwerben. Namentlich die Verunstaltungs- geiefie sowie die Vorschriften des WohnungSgösetzcs bieten dafür rechtliche Erundlagen. ES ist danach sebr wohl möglich, durch Bauordnungen vorzuschreiben, daß an bestimmt zu bezeichnenden Seen im Interesse de? Heimatsthutzes Bauten eine bestimmte Ent- ferwung, z. B. 30 Meter, von den Ufern haben müssen. F'ttvorteilnng an Nouköllner Erwerbslose. An die in Neu- kölln unterstützten verheirateten Erwerbslosen gelangen für die Zeit vom 20. bis 28. Oktober je% Pfund Fett zum Preise von 4L0 M., an die ledigen Erwerbslosen je V4 Pfund zum Preise von 2,15 M. in den Neuköllner VevkaufSstellen der Konsum- gcnossenschaft Berlin und Umgegend gegen Vorlage deS von der Erwcrbslosenfürsorge gestempelten Bezugsscheines zur Ausgabe. Entlastung der Städte durch Umsiedlung. Die großen Schmie- rigkeiten unser er ErncchrungÄvirtschast und d.e unglückliche Kon- zentratian größter DolkSteile in wenigen großen Städten, die daraus entspringende allgemeine Wohnungsnot und das soziale Elend breitester Volksschichten verlangen gebietr»rlsch trotz der gegen- lvärtigen Baunot das Problem einer Umschohlung der großstädti- schen Bevölkerung in den Mittelpunkt aller wirtsch-aftS- und sozial- politischen Erwägungen zu stellen und eine Umsiedlung ans der Großstadt auf das Land in die Wege zu leiten. Zu diesem Zwecke stat der Deutsche Verein für Wohnungsreform. Berlin, Am Karlsbad 2ö I, dessen Tätigkeit stets auf eine durch- greifend« Verbesserung unserer WohnungS- und Ansied lungSver- bältniss« hinzielte, so.bcn sein« Mitglieder und Freunde zu einer Tagung mit dsm Thema:„Zuritk aufs Land, Entlastung der Städte durch Umsiedlung" nach Berlin, Großer Saal des ehe- maligen Herren l>auses. Berlin. Leipziger Str. 3, auf Montag und D.enstag, den 22. und 23. Novomber, eingeladen. Eine Reihe von Vorträgen sind von ersten Sachkennern auf dem Gebiet des Woh- rmngs- und Siedlungswescns übernommen worden. Tic Kündigung gegenüber Schwerkriegsbeschädigten. Ter Reichs- rat bar enier Vortage des RcicvSaroeltsmliiisteriumS leine Zu- stimmung eiteili. wonch a u cd ü b e r d e» 2 2. O k t 0 b e r 1 02 0 hinaus die Ründianng gegenüber Schiverbeicbädigten nur mit Znstimmung der H a 11 p r s ü r i 0 rg e st e l 1 e n für Kriegs- beschädigte u»d Kiiegshinterbliebene zulässig ist. Die Vorlage wird den Scvw.-rbcscvädigle» in der Ze»t der heutigen Wlrlicvaitskriic den unbedingt ertorderlichen Scvutz auf dem ArbeilSmarkl auch-.....-»..- wciierbin zuteil werden lassen. Es kann erwartet werden, daß die I Urüergrappi, be.eits geordnet uno abzczahch im Lokal von Hoffr Hauptlürsorgestellen die vorgeschriebene Zust.n.m..na zu ten Kündi- �'u��ittaa ws' 5 gungen nur in ganz beionderen AnsnahmeverhSlt« nissen geben und daß im Hinblick darauf in Arbeitgeberkreisen auf Kündigiingen verzichtet wird. Stüdllsch« Fachklasscn für Ttenotyptstinnen. Falkeiihayn tSchneidcr). 2.1 Klöckatind(Wrobel), 2.4 Ta>-- Tot.: Sieg 225: 10. Platz 60. Glückskind 17, Talismai;» 50, Medardus, Major Roiy. Page, Schakal, Majoralsherr. Symbol, Elschcn, Scala. tOeffruilichrS Turnen der Arbeltcr-Tnrnerlnnen. Fn der größten Turnballe Berlins, der slödlllchen Turnhalle Prinzenstrasse, waren am Dpnntag 36» Ai beiter-Turncrinnen der P».ovinz Brandenberg zum Turnen und Sviel erschienen. Die vollbesetzte Galerie zeigte, dass auch die Be- völkerung mit ledbastem ynteiesie der Peianilaltiing enlgegrntah. Bei den allgemeinen Freiübungen bot nch ein lebi aile-l, tchönes Bild, das sich durch die weissen Sweater zu einem dacmoniichcn Ganzen verschmolz. Der nach- solgende Stillaul liess die Ilebnng»ermisse», es leblt der Takt, die �chrit:« waren zu klein, und daber auch die Haltung nicht korve t. Gin interessantes Bild bot wieder das Riegeriliilnen. Gar manches junge Mädchen bzw. Frau muhte mit Bewunderung teststelleu. dass die Turnerinnen, odne die beengenden Kleider und Korkell?, nur in Turnboien»nd Sweater, wunderbar an Reck, Pkerd, Barren, Bock niw. glcidi den Männern turnen können. Dabei berrichie eme Lustiokeit, dass wohl manche Arbeiterin Luit bekemrr.en hat, auch an wich si öhlichem Treiben trilzuuebmen. Ihren Mut konnten die Tmnerstmm bei den Sondeiriegen an hoben Bierden beweisen. wo sie Ichwterige Tralnpoliniprünge über die ganze Länge der Pieidc aus- südrtcn. Dann kamen-inIgePolksiänze mil Geiaiiabeglcitling an dieReibe.noch etwas schematiich getanzt, die aber dock die Schönheit dieser so lange ver- gisienen, nun ober wieder auSaegrabcnen Tanzarten abnen liehen. Das svlaende Ballwctlsviel, bei dem auch der Sikmellaus zur Keilung kam, wirkte in seinem Derlaus spannend und sessclnd. Leim Tauziehen konMen die Turnerinnen ibre Krästc messen. Dann iolgte als levie Attraktion ein inIeressanteS Spiel, das»Prellen'. Ein grosser Plan Wirdan allen Seiten ersaht und durch plötzliches Anziehen des Plans die aus dem- selben liegende Turnerin in die Höbe geschnellt. Manche Frisur muhte darnnier jciden. wen» die ,Gevrcll»e' ans mehrere» Meter» Höbe mit dem Kops zuerst de» Plan berührte, aber die Lachumskel', kamen deiio mebr In Tätigkeit. Alle Poijührungen sgndcn lcbhgiten Bcisall. zumeist freilich von den Turnerinnen selber, die mit dem Applaudieren auher- ordentlich trrlgebiq waren. DaS öffentliche Turnen zeigte keine Kunstleilinngen, sondern nur einen der üblichen Tlirnabende, dürite aber gerade deswegen der Frauentinncret viele Freunde gewonnen baden. Wenn Arbeitci innen Luit baben, sich cm- mal solch eine Frouenlurn stunde anzuieben. so können sie Näheres bei einem der vielen»Arbeilerlurnvereinc Kroh-BeriinS ersahren. Kartell der freien Sportvercinisiunsirn. Freie Tsiirnerichaft 9>erli». Sonntag: Znrnsakrt. l. Männer- abteUung»ach Spandau. Halenfclde nach.»inlcnlrug. Abiabrt 6.18 Uhr Schlesiicher Bahndos.— Montag: Tuinausschuhsitzung Teydelstr. 3, Punkt 7'/» Ubr. Turn- Sportverein?iordeir. Tnrnfahrt der Schüler nach Friedrichs- bagen, Rahnsdorf, Müggelberge, Grünau. Abmarsch 7 Uhr, Treispunlt Ringbabnhos Schönhauser Allee— Montag: TurnauSschuhsitzung Seydel- strahe 3. Freier Wanderbund. Sonntag: 1. Erkner. Neu-Zittau, Gosen, Fablenvcrg, Mügzelbeim. Cöpenick.«bsahrt 6.33 Uhr Schles. Batmbos.— 2. Birkenwerder, Mühlenbecker See, Gorinsee, Buch. Abfahrt 6.10 Uhr Stettiner Borortbabnhos Tourtstenverein Naturfreunde. Ortkgrubpe Berlin-Ostbabnvororte. Sonntag: Führung durch Alt-Berlin-Kölln. Treffpunit 2.30 Uhr nachm. Svittelmarkt(Wrangclbrunnen). Ab 6 Uhr. Reilabend im Jugendheim des Osten«._ vortrage, vereine und Versammlungen. Ueber deutsche StaatSkunft stricht August Hoch heute abend von 8 bis 10 Uhr in der Aula der Hecker-Reallchule, Wc>henburger Slr 4a. am Seneielder Platz.— Volts-Frurrbrstatiniigsvcrein Groh-Verlin. Zohlslelle 18, Reinickendors-Wen, Lichtbilder-Vortrag in der Schul- anla Auguiie-Vtttoria- Allee 37. Freitag, den 22 Oktober, aocnds 7 Udr.— Freireligiöse Grweindv. Ortsgruppe Buch. Donnerstag, den 21. d. MIS., im Lokal von Schusttch, Mitgliederversammlung. Vortrag:»Kirche und Ketzer". Referent: Dr. Rosenbeig. Beilin. Käue, b sonders Frauen, will- kommen. Die Mitglieder werden geboten, «uStrittSerklarung mitzubringen. die amtliche Kirchen« von tüchtigen Maschinenschreiherinnen sind an drei städtischen!" Lichtenberg. AbendS 7 Ubr. beginnt der KurkuS über SntwicklunaS.............._...................... WahlfertbildungSschulen für Mädchen Fachkcassen für M a- I gesck,ichle deS Sozialismus(Boitragenoer: Genosse Dr. Schütte» in der! Temperatur mid bei mägigen östlichen iGinden. Srieffasten der Reöaktion. Sek« tlh be» Briektatten bestimmten Ansrog, kllge man einen Buchgaben iln»«in« Rümmer bei. Brieflich« Bustuest wird»ich! erleilt. Eilige Au- kragen trage man in der Zuristlschei, Bvrechstunde. Lindenstr. Z, l. Hos vor» t«rr» link», vor. Echriilstllck« und Verträge stnd miizubringen. B. 33. Wenden Sie sich an die Zenlraliielle dcs»Roten Kreuzes" W 36, Am Karlsbad.— Ata. 1. u. 2. Ja.— F. K. Treuprämie. Zu- nächst den Beschwei beweg.— A. Pf. 333. I. Vcilanzcn Sic Beseitigung der Störung von dem Scrmietci; evtl. müisen Sic gegen ihn klagen. Sie können aber auch gegen den Mieter klagbar werden. 2. Nein.— C. N. 30. Rekurs an das ReichS.MililärversorguugSgericht.— M. R. SO. 1. Nur für die Kopnaiei tragstcucr. 2 u. 3. Kommt nicht in Frage. P. N. Iii. Diesem Beim tann man sich nicht Iwon mit 14 Jahien zuwenden, auch nicht als»Lehrling". Wenige kommen dazu vor dem 20. Jabr, die meisten erst in scdr viel höbcrem Aller.— C. K. 0. 1. Ja; zu empfehlen die städtnche Beulhschule. Kosten sc nach den LebenSanstrüchen. 2. Ja; mindeuens 6 Semester. Wegen Uedcrsüllung des Berujs ist von dem akademischen Studium abzuraten.— G. K. 2. 1. Nein. 2. Nur wenn die Nachbanchasl durch Lärm, Rauch u!w. belästigt wird.— C. P. 9. Kurz vor Ausbiucy der rulsischen R' voultwn 1917.— W. R. An das Kleingarten-Siedlungsaml der Stadl Berlin.— Nichtnolitiker. Weshalb sparen Sie nichl Ihr« 90 Bs., da Sie nicht den Mut haben, mit Jhiem Namen bervorzuireteu? Unser Pnpier lorb ist mil Material genügend versehen. Norddcutschland bis bei wenig geänderter WetterauSstchten für das mutiere Freitag mittag. Trocken und meist heiter, Kreuzfüchse 300 M Alaska-, Ulan. Zobel-, Silber- nnd WcißHiehne, Onnien-PelKinäntcl, Herren- Heh- n. Sportpelze bis zur Halft« der Preise herabgesetzt Ferner Cntaway«; Pralebe-� Clater. früher bis 1200 M., jetzt 350 bis 450 ZI. Grefte Post- Hosten, Stück 60 31.(Keine Lombardwareu.j Leihhaus Moritzplatz 58a(Größtes Spezialhaus dieser Art) Wtt ist Sie u. S. p.l Salomonisches Urteil des preußischen Aeltestenrates. Der AellesteinmSsckmtz der Preußischen Landesversammlung beschäftigte sich mit der fsraktionöbildung auf der äußersten Linken. Die Abgg. Ludwig und Adolph H o f s m a n n macbten Mitteilung davon, daß auf der einen Seite 14. auf der anderen Seite S Mitglieder ausgeschieden seien. Der Aelleitenrat entschied darauf, daß die Fraktion der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partes blS a u f g e l ö st z n betrachten sei. Es wurde ihren aisherigen Mitgliedern anheimgegeben, eine Liste mit mindestens �5 Unterschriften und ein Programm einzureichen. Diese lö Mitglieder würden dann als selbständige Fraktion anerkannt werden und dürften sich ihren Namen selbst wählen. Am ehesten wird die gemäßigte Richtung Ludwig diese 15 Unterschriften aufbringen können, so daß sie si» fernerhin als Unabhängige Fraktion wird bezeichnen können. Ein Königreich für den fünf- zehnten Mann! * Das.Hallesche Volksblatt"(von den Linken besetzt) wendet sich, wie der Leipziger Perlreler der TU. meldet, in einem Ausruf mit besonderer Schärfe gegen die„Leipziger Bolkszcitung". Nachdem das Volksblatt erklärt, daß sich die Minderheit ausschließlich noch als U. S. P. bezeichnet, fordert das Blatt die Leipziger Genossen zum Abonnement deSHollischenVolkSblattS auf, daß von jetzt ab einen Teil seines Raumes für Leipziger Meldungen zur Ver« fügung stellen wird. Der Aufruf schließt: Die.Leipziger Volks- zeitung" hat schon während des Ringens um Klarheit mit den niedrigen Mitteln der Verleumdung und Lüge ge- kämpft. Sie hat über die Beratungen in Halle in schamlosester Weise entstellte und lügenhaste Berichte gebracht und ist offen in Kas Lager der Parteiseinde übergegangen.— Einst wollte die.Leipziger Volkszeitung" so dem.Vorwärts" Konkurrenz machen. Alle Schuld rächt sich auf Erden! U. S. P.(links) sprengt U. S. P.(rechts) Hambiirg, den 20. Oktober(Eigener Drahtbericht deS.Vorwärts"). Auch die Hamburger Neukomm»nisten find dazu übergegangen, durch die Tat zu beweisen, daß sie der Aufnahme in die Jn ter- nationale des Terrors würdig sind. Die Gegner der Moskauer Thesen, die versuchen, eine U.S.P.-Organisation neu auf- zumachen, hatten Dienstag abend im GewerkschaflshauS Hamburg eine Versammlung für die Gegner der 21 Bedingungen ein- berufen, um dort die U. S. P. Hamburg neu zu gründen und Organisationsfragen zu erledigen. Als die Versammlung begonnen hatte, erschienen ncukommunistische Sprengkolonnen unter der Führung ihres Vorsitzenden T h a l m a n n. sprengten die Versammlung und wachten ihre weitere Fortsetzung unmöglich. Man kann demnach auch in Hamburg auf allerhand gefaßt sein. Ade Adolf! Von feiten der linksunabhängigen Parteileitung erfährt die »Dena", daß als deutsches Mitglied in die Exekutive der L. Internationale auf Grund der in Halle ausgesprochenen Einladung Sinowjews Adolf Hofsmann delegiert werden soll. Er wird sich voraussichtlich in etwa drei Wochen nach Moskau begeben. ES ist sehr bedauerlich, daß Adolf Hoffmann sich an eine Stätte begibt, wo man der Urwüchsigkeit seines Berliner Dialelts und der .mir- und mich"-Verwechslung kaum irgendwelches Verständnis entgegenbringen dürfte. Und was ist Adolf Hoffmann ohne dem?! KonzePonspflicbt für Kartoffelhänüler. Auf Gnind des z IS Absatz 3 in Verbindung mit dem 8 12 der Bekanntmachung über die Errichtung von Prcisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 2ö. September 1915/4. November (Rsichsgefetzblatt S.(307 und 728) ist mit Zustimmung des Preußischen StaalsministeriumS eine Verordnung erlassen worden, der wir im Nach-olgenden das Hauptsächlichste entnehmen: Wer innerhalb des Wirtschaftsjahres(16. September bis 15. September) mehr als 50 Zentner Kartossein vom Erzeuger kauft oder zu kaufen unternimmt, bedarf einer besonderen Er- dtgc Kommissionen eingerichtet. Bedenkt man, daß in den meisten der kriegführenden Länider ungeheure Sammlungen von Wirtschaft- lichen Dokumenten aller Art angelegt worden sind, die erst gesichtet und verarbeitet werden müssen, so kann man sich die Größe d:s Unternehmens und die lange Zeit vorstellen, die noch vergehen wird, bevor diese Enzyklopädie erscheint. Die belgischen Sozialisten und Richard Wagner. Noch immer bestehen die Brüsseler darauf, daß Richard Wagner nicht in der belgischen Hauptstadt gespielt wird. Man kann es nicht, wie ge- schrieben wurde, einein Boche verzeihen, daß er Genie gehabt hat. Man will sich in Brüssel noch immer an einem Unsterblichen rächen, der sich aus der Erde nicht mehr wehren kann. Kürzlich wollten nun die kunstliebenden Sozialisten Brüssels Bruchstücke des.Tannhäuser" zu Gehör bringen. Die Musiker des Opernorchesters weigerten sich ober, an einer Ehrung sür Wagner teilzunehmen. Die Angelegen- heit machte viel Lärm. Man politisierte wieder, anstatt der Kunst zu dienen, und ein temperamentvoller Journalist beschloß den Streit mit folgenden Worten:.Parsisal. fünsteS Evangelium. Quintessenz oller Evangelien, 1S14 zuerst durch die Hauptstädte der Welt ge- tragen, und nachher würgten sich 20 Völker gegenseitig. Wie eitel alles Gepredige vom höchsten Mitleid ist I Kunst, du bist kein Trost sör die Masie, du bist nur ein Aufrülpsen der menschlichen Affen. die äffischer sind als dle Affen selber. LolkShochschulgemeinsibaften. In Duisburg plant man, wie die .Köln. Ztg." meldet, die Gründung von Lebensgemeinschaften von Schülern und Lehrern der Volkshochschule in Landheimen außer- halb der Stadt. Lehrer und Schüler sollen sich an Sonn- und Fest- tagen, auch an freien Nachmittagen und Abenden zusammenfinden und sich unterhalten. Ems innige, freundschaftliche Arbeits- und Lebensgemeinschaft soll dort Lehrer und Schüler und Freunde der Volkshochschule vereinen. Ein solches Landheim wäre auch als Ferienheim für die Volkshochschule von großem Wert. Tkieatcr. Wegen Erkrankung von Emmv Zimmermann werden am Donnerstag im Deutschen Opernhaus anstatt der.Hugenotten" die„Meistersinger von Nürnberg" gegeben.— Im Theater am N o 1 1 e n d o r s v I a tz geht Freitag die Operette„Wenn Liebe er- wacht" zum 30. Male in Szene.— An der S t a a t S o V c r findet am 31. die Erstaussührunq von„Ritter Blaubart" von E. N. von Reznicek stall. Der Boroerkaui beginnt am Sonntag, den 24. Graphikerwcrbunqon der Berliner Museen. Da» Kupferstich. kabinett bat eines der drei Probeexemplare von SlevogtS Randzeichnungen zu Mozarts„Zauberstöte" als Geschenk erhalten. Bon Liebennann er- warben die Multen seine neuesten Arbeiten, darunter das Blldnis Leoiens. Bon Eorintb wurden neue Radierungen geläutt, ebenso Blätter Beckmanns, ideckeks,. Barlachs, Grohmanns. Eine Anzahl von Radierungen und Steindrucken von Degas wurden geschenlt. Ter erste plattdeutsche Rbretstkalcnder. Zum ersten Male in der Eeschilbtc der niederdeutschen Bewegung wird, wie in der Zeilschrist.Nieder- sachsen" mitgeteilt wird, von dem Bremer plattdeutschen Verein ein grotzer, rein plattdeutscher Abreißkalender.De Plattdütsche Dagwlscr" heraus- gegeben werden. «unstchroiiik. Das von L e d e r e r geschaffene Modell des Denkmals sür die im Weltkrieg gefallenen Studenten und Universitätslehrer ist in der Allen Aula bis zum 4. November täglich mm 2— 4 Uhr, au Souutageo von , U— 1 Uhr zu besichtig». laubnis wach Maßgabe dieser Verordnung. Auch die Personen, die bereits die Erlaubnis zum Handel besitzen, bedürfen der besonderen Erlaubnis für den Kauf der Kartoffeln nach Maßgabe dieser Verordnung. Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn persönliche Gründe der Erteilung entgegenstehen, insbesondere wenn begründeter Ber- dacht besteht, daß der Ankäufer den Erzeugerpreis über den Preis von 25 M. je Zentner erheblich steigert oder Handlungen unter- nimmt, durch die dieser Preis umgangen wird oder die geeignet sind, die Kartoffeln einer verbotswidrigen Verwendung zuzuführen. Gegen die V e r s a g u n g und die Entziehung der Er- laubnis ist Beschwerde an den Staatskommissar für Volksernährung zulässig, deffen Entscheidung endgültig ist. Zuwiderhandlung gegen die Barschriften wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. Ob diese Verordnung ausreichen wird, die Schäden der freien Wirtschast auszugleichen, muß leider bezlvcifelt werden. Braunschweig verbietet die Kartoffelausfuhr. Braunschwcig, 20. Oktober.(Eig. Drahtbericht des.Vorwärts".) Der braunschweigische Ernährungsminister, Genosse A n t r i ck, hat die Ausfuhr von Kartoffeln, auch der Saatlarwffeln, aus dem Lande Braunschwcig von heute ab verboten. Er sagte, er fühle sich zu dieser Maßnahme gezwungen dadurch, daß die Reichsregierung trotz aller Vorstellungen keinerlei Maßnahmen zur Ver- sorgung Aramffchweigs mit Kartoffeln getroffen hat; er werde auch weiterhin zur Aufbringung der für die braunschweigische Bevölke- rung notwendigen Karwffeln rücksichtslos in die bestehenden Lieferungsverträge eingreifen, bei Weigerung werden die Kartoffeln sofortenheignet werden. Die Braunschweigische Regierung ist sich bewußt, daß dies« Maßnahmen nach Auf- Hebung der Zwangswirtschaft ungesetzlich sind, aber in- folge des völligen Versagens des Reichbernährungsministers sieht sie sich in der Not zu diesen ungesetzlichen Maßnahmen g e z w u n- gen, um Unruhen der hungernden Bevölkerung vor- zubcugen. Serggesetz und Sozialisierung. Ei» Weg zur Hebung der Brannkohlenförderung. Man schreibt uns: Alle Zeitungen, bürgerliche wie sozialistische, schreiben über die Sozialisicrung des Bergbaues; aber nur selten findet man einen Artikel über den außerordentlich wichtigen 8 65 deS prenfii- scheu Berggesetzes. Die bürgerliche Presse arbeitet immer wieder mir dem Argument, daß der sozialisierte Betrieb unlvirtschaftiich ijnd unproduktiv sei. Demgegenüber muß vom sozialistischen Stand- Punkt daraus hingewiesen werden, daß es nichts p r o d u k t i o n s- f e i n d l i ch e r e s als das aus der manchesterliberälen Aera stam- mende Allgemeine Berggesetz für Preußen vom 24. Juni 1865 geben kann. Zwar sieht der erwähnte Paragraph eine Enteignung des Mu- tungsrechtes vor,„wenn der Unterlassung des Betriebes überwre- gende Gründe des öffentlichen Interesses entgegenstehen", le- doch ist eine Enteignung in den 53 Jahren seit Bestehen des Ge- setzes nur einige wenige Mol und auch da meist ohne Erfolg an- gewandt worden. Dem Gesetz ist die Produktion völlig gleich- gültig, nur das„heilige" Eigentum und der Unter- ii e h m e r p r o s i t werden geschützt. Ein erheblicher Teil des Bergwerkseigen tuins befindet sich jetzt in den Händen gewissenloser Schieber. Längs der Oder, in Mittel- und Niederschlesien, haben z. B. früher bis in die achtziger Jahre bindm zahlreiche Boa u n k o h l en b e r g w e r k e bestanden, die/ chs die obcrschlesische Steinkohle durch Verbesserung des Wasser- wcgeF immer villiger wurde,«ingegangen find. Bei den heutigen hohen Brannköhlenpreiscw mid bei der ungeheuren Kohlennot sind diese Bergwerke wieder lebensfähig, könnten von neuem im Betrieb genommen werden und dem. deutschen Volke unschätzbare Dienste leisten,.wenn nicht die Schieber die Preise fiir das Mu t u ii g 3 r e ch t derart in die Höhr getrieben hätten, daß der Abbau dadurch— aber nur dadurch— unrentabel geworden ist. Diese verbrecherischen Elemente bauen die Kohlen nicht ab, sondern verschieben das Bcrgwerkseigentum von einer Hand in die andere, um sich an der'Not des Volkes zu bereichern. Ucber diese empörenden Zustände schweigen die bürgerlichen Blätter, die sonst immer von der UnProduktivität der sozialisterten Betriebe reden. Der volksparteiliche Reichsschatzminister Herr von Raum er kümmert sich natürlich erst recht nicht um diese Dinge. Er h/lt Wichtigeres zu tun, er mutz die Sozialisierung der großen Elektrizitätswerke verhindern, um den Kapi- talisten ihre hohen Dividenden zu erhalten. Demgegenüber muß nicht nur jeder Sozialist, sondern jeder vernünftige Mensch die sofortige Abänderung des 8 65 des Berg- gcsetzes durch eine Notverordnung verlangen. Dieser elende Kautschukparagraph mutz in sozialistischem Geiste so umgeändert werden, daß die Bergbehörde den MutungSberechtigten auffordern kann, innerhalb eines Vierteljahres die Förderung aufzu- nehmen, widrigenfalls die Enteignung zu einem m ä ß i- gen Preife ausgesprochen und damit der Weg freigemacht wird zur so'f ortigen Kohlenförderung. Wird sich die bürger- liche ReichSregierung zu dieser Maßnahme, die das national« Jnter- esse erheischt, aufschwingen?_ llärmszenen im vanziger Parlament. Danzig, 20. Oktober. In der heurigen Sitzung der Verfassung- gebenden Versammlung kam es zu erregten Szenen, di« schließlich eine» Abbruch der Beratungen herbeiführten. Anläßlich der Debatte über das Richterwahlgq'etz hatte der Abg. Müller (Mehrheitssozialist) Ausführungen gemacht, denen der Präsident d«S Landgerichts Danzig in einer Erklärung entgegentreten wollte. Als der Schriftführer dieses Schriftstück im Auftrage des Prä- sidenten zur Verlesung brachte, erhob sich auf der linken Seite des Hauses größter Widerspruch, der schließlich dahin führte, daß der unabhängige Abg. Mau dem Schriftführer das Schriftstück zerriß und vernichtete. Der hierauf auf der rechten Seite des Hauses einsetzende Protest dauerte längere Zeit, so daß der Prä- sident gezwungen wurde, die Sitzung auf eine Stunde zu unter- brechen. In dieser Zeit gelang es jedoch nicht, eine Einigung her- beizuführeu, so daß nach Wiedereröffnung der Sitzung eine aber- malige zweistündige Vertagung eintreten mutzte. Nach 6 Uhr abends wurde die Sitzung zum dritten Male eröffnet. Ein Redner deS Zentrums gab im Auftrage der bürgerlichen Parteien ein« Er- klärnng ab, in der das Verhalten der linksstehenden Parteien gemiß- billigt wurde. Im Auftrag« der Unabhängigen und der MehrheitS- sozialiftcn erklärte ein Redner der Unabhängigen, daß die Geschäfts- ordnung von der rechten Seite des Hauses zuerst gebrochen sei und daß infolgedessen das Vorgehen des Abg. Mau im Interesse der Wahrung der Rechte des Hauses gebilligt werden müsse. Nach diesen beiden Erklärungen setzte ein neuer mehrere Minuten andauernder Lärm im ganzen Hause ein._ Gege» die Hafipolitik. Auf dem englischen Kirchenkongreß in Southend erklär«« der Dekan der Sl. Paulskethedrale Inge in einer Rede über dle Pflicht gegenüber früheren Feinden: Eine dümmer« Politik als die, Deutschland zu«tum douerndm Krüppsl zu mnche». gebe cä«cht. Ein Skandal in Nordamerika. Die zu Ende gehende Herrschaft der„Demokraten" in Nordamerika wird noch zuletzt durch einen Riesenskandal belastet, den die, Republikaner" natürlich kräftig ausnutzen. Auf der Negerinsel Haiti hat die gewaltsame Ausbeutung durch das amerikanische Kapital zu Konflikten geführt, wobei nach Untersuchilngsergebnissen die Eingeborenen in Massen von amerikanischem Militär hingeschlachtet worden sind. Außerdem wird der finanzielle Ratgeher des Staats- departements(Außenministeriums), Herr I l h e n n y, bc- schuldigt, auf Haiti die Interessen von Privatbanken ver- treten zu haben. Ter Rücktritt der prominentesten Staats- sekretäre unmittelbar nach der Präsidentenwahl soll deshalb beschlossen sein. Wilson hat dem republikanischen Kandidaten H a r d i n g mit dem Strafgesetz gedroht, weil er mit Frankreich über eine neue Völkerbundgründung unter Teilnahme Nordamerikas beraten haben soll; das Gesetz verbietet politische Abmachungen einzelner Bürger mit ausländischen Regierungen. Ob- gleich die französische Regierung entschieden bestreitet, hält Harding daran fest, daß ihm ein solches Angebot gemacht worden sei, nur habe er weiter nichts unternommen und sei deshalb straflos._ Ganz wie bei uns. Wie«, 20. Oktober.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Der Präsident der Nationalversammlung Genosse Karl Seitz erklärte in einer Verfammlungsrede u. a.: Ohne der Entscheidung des Verbandes der sozialdemokrati- scheu Abgeordneten, der am Freitag zusammentritt, vorzugreifen, kann man wohl sagen, daß sich keine Stimme für eine Koalition finden wird. Unsere Opposition wird streng sachlich und ohne Demagogie geführt werden, aber die Richtschnur unseres Handelns wird ausschließlich durch die Interessen der arbeitenden Volksmassen bestimmt werden. Man hat das Wort von einer Beamtenregierung zur Diskussion gestellt: wtr werden auch in dieser Hinsicht der Mehrheit des Parlaments keine Rat- schlüge erteilen. Wenn die Christlichsozialen sich nicht selbst die Kraft zutrauen, die ihnen zukommenden Aemtcr zu führen, so mögen sie Heiser auS dem Bcamtenstande heranziehen, aber die Verfassung kennt keine Beamtenministcr, sondern nur ge- wühlte Volksdeauftragte; wer sie wählt, wer shncn das Budget bewilligt, trägt die volle Verantwortung für ihr Tun und Lassen. Eine Koalition, an der die Sozialdemokratie beteiligt wäre, ist ausgeschlossen. Wir haben der Opfer genug gebracht— nun mögen jene schaffen und wirken, die durch die Wahl, dazu berufen sind und die den Wählern versprochen haben, ihnen bessere Levensbedingungen zu schaff««. Wenn es ihnen geüingt — wir Sozialdemokraten werden es neidlos sehen. Sei: 30 Jahren ist es allgemeine Ueberzeugung in allen sozialdemokratischen Par- teien, daß die Teilnahme an der Regierung bürgerlicher Staaken nur in besonderen Ausnahmefällen zulässig ist. Eine solche Ausnahme war im Jahre 1919 gegeben, und wir haben uns nicht geweigert, unsere Pflicht im Interesse der Arbeiterklasse zu erfüllen. Jetzt ist es berechtigt, in unsere n a t ü r l i ch e Stellung zurückzukehren. Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Dentschösterreichs tritt am 3. November in Wien zusammen. Auf der Tagesordnung stehen äußer den Berichten und Wahlen folgende Punkte: 1. Die politische Lage und die Auf- gaben der Sozialdemokratie. 2. Partei� Arbeiter- rate und I n t e r n a t i o n a l e. Die Sudslawen in Kärnten. Wien, 20. Oktober(Dena). Im Abstimmungsgebiet ist die Lag« immer noch als ernst zu bezeichnen, da das südstawische Militär die Befehle der Abstimmungskommiision durchaus ignoriert. Bon der Kommission ausgestellte Legitimationskarten werden als ungültig einfach zerrissen. Südslawische Patrouillen maßen sich noch überoll das Recht an, L e i b e s d u r ch.s u cb u n g e n an harmlosen Paffanten vorzunehmen, auch sperren sie, wenn es ihnen gefällt, die Südzone von der Klagenfurter Zone ab. Sieger Nepp vergrößert sich. Der Entente- Haupttommission in Berlin sollen 4 5 weitere Beamte beigegeben werden, obwohl Bonar Law die Ausführung des Lerfailler Diktats als zuftiedeststellend bezeichnet bat. Die interalliierte Kontrollkommission in Wien kostet Deutsch- österreich mehr, als daS gesamte OsfizierkorpS dieses„Staates" von Entente Gnaden. Ein Stabsoffizier bezieht an Gehalt mehr, als das ge- samt« deutschösterreichische Kabinett. Natürlich hält die Kommission die besten Wohnungen und Hotels besetzt. Dabei besteht die ganze Tätigkeit der Kommission nur mehr darin, daß sie sich in die inneren An- gelegenheiten Deutschösterreichs einmischt. Besonders die franzön- scheu Mitglieder der Kommiision benützcn ihre Stellung zur Förde- rung der reaktionären Pläne Frankreichs im mittleren Europa, fördern die Bewaffnung der Heimwehren und suchen andererseits die republikanischen Einrichtungen der neuen Wehrmacht zu zer- stören. Man hofft, daß jetzt wenigstens ein größerer Teil der fünfhundert Angehörigen dieser Kommission zurückbemien wird, da die Auslösung des HabSburgischen Heeres, beendet ist. Im englischen Unlerhause.konstatierte" Chamberlain, jaß Oesterreich keine Schiffe abgegeben habe. Vielleicht wendet sich der ehrenwerte Herr an Südslawien, Italien und Frankreich! Der Schrecken von Wiesbaden. Mainz, 20. Oktober.(MTB.) Das Kriegsgericht der franzö- fischen Rheinarmee verurteilte gestern die beiden Soldaten Tromoind und So in, die laut.Echo du Rhin" während sechs Monat den Schrecken von Wiesbaden und Umgegend bildeten, zur Degradation und letenslänglicher Zwangsarbeit. Sie hallen in der Dunkelheit eine Anzahl von Paffanten mit vorgehaltenen Revolvern und Seitengewehren bedroht und ausgeraubt. Das Gericht hob hervor, daß solche Apachen eine Schande sür die französische Armee seien und mit aller Strenge des Gesetzes bestraft werden müßten._ Herr peirotes. Die sozialistische Sektion Metz erklärt in einer Resolution, daß sie empört sei über die Hältung des sozialistischen Bürgermeisters von Straßbuvg, der sich nicht scheue, den Verräter Millerand, den Verfolger der Arbeiterklasse, zu feiern. Noch deutlicher drückten sich die Mülhaustzr Genossen in folgender Erklärung aus. Sie sagen, daß Peirotes' Haltung in dem Augenblick, in welchem die französische Partei jedes Zusammengehen mit den Bürgerlichen kategorisch ablehnt, Peirotes außerhalb des Rahmens der Partei stelle. Sie überlassen die weitereu Schritte der Sektion Unter- elsaß. Das Unterelsaß hat sich noch nicht geäußert. Von Peirotes einstiger roten Farbe ist ihm als Rest das rote Bändchen der so- »»««t«« Ehrralegto» verbliebe». GewexMastsbewsgung Die öeutschen Gewerkschaften im �ahre 1919. Die Mitgli/Ser�abl der dem AELiemeincn Deutschen Gewerk ibafiSblind ancieichloslenen Verbände betrug zu Vetiinn deS vorigen Jahre» 2 866 013, davon 666 3S2>ve>bliche, am Ende des Jahre» jedoch 7 338 123<1 612 636 werbliches. Es wurden also fast vier- e i n h a l b Millionen neue Mitglieder au'genommew Im JahreZSurchichnilt betrug die Milgliederzahl 6 476 673 gegen 1648 313 im Jahre 1618. Die Zahl der angeschlossenen Verbände betrua im vorigen Jahre 52 gegen<8 im Jahre 1618. Sie wäre noch etioaS gtüfeer gewesen, wenn nicht einige Verschmelzungen stallgefnnden bäilcn. Die Zahl der Zweigvereine beirug 23 862 gegen>6644 im Jahre vorher. Sie hat sich also ebenfall« mehr als verdoppelt und zeigt besonder« deuilrch, welche gewaltige Werbe- arbeil die deutschen Geiverlschaftrn noch neben ihrem wahrhaftig nicht geringen Mave anderer Arbeit geleistet haben. Eingenommen wurden silr Einllilt«gelder 2 867 236 Mk.. Ver» bandsbeilröge 185 654 818 M., örtliche Beiträge 43 668 827 SR Extrobeilräge 665 722 M., von arbeitenden Mitgliedern in Sireid orlen 57 l8l M., Zinsen 4 663 461 Vi., sonstige Einnahmen 10 669 516 M. D i e Gesamt• Einnahme betrug 2 4 7 3 0 6 8 3 8 M. Ausgegeben wurden für Unterstützungen 44 942 763 M�, für Lohnbewegungen, Slretk« und Aussperrungen 45 360 049 M., sür Btldiingszwecle 15 609 812 SR, für Agitation. Generalversammlungen, Verbinduiigen usw. 86 207 477 M, Die Verwalrungstosten beirugen 50 3�8 573 M.. davon persönliche 6 984 344 M., sächliche 5 484 917 M. und VerwoltungSkosten der gahislellen und Gaue 46 879 817 M. Die Gesamtausgabe betrug 201 408 709 M., da« Vermögene digende» Ergebnis zustande gekommen. ES wurde den Auge- stellten ui dem bisherigen Lohiisatz vom SchlichlungsauSschutz eine Erhöhung von lb Proz. am 28. Juli ausgesprochen, welchen Say die Arbeilgeber nachiräglich auf 20 Proz. sür nichtgelernte und 25 Proz.>ür gelernte Arbeiter erhöhten. Der Grundtobn betrug illr em Hau«- oder Kückenmädchen nach dreijähriger Beichästi- gmigsdauei 320. �M. Vo» dieser Lumme werden aber für Veipflegung, Miete sür ein Zimmer. Wasche und Dieiistlleidung 2 0 5,— M. abge- zogen, so dah also ein Barlohn von IIb M. zur Auszahlung gelangte. Zu dteier Summe kommt vom 1. Juli d. I. der Zu- schlag von 26 Proz., so dah jetzt die Summe von 133 SR zur AuS« zadlung gelangt. Davon gehen aber noch die LeisicherungtbeitrSge und Steuern ab. Die Angestellten des Oskar-Hclene-HelmS. Dahlem, hatten nun die Direktioii durch die Orgaiitsatione» wisten lasse», dah unbedingt bi» zuin Dienstag, den 19. Oltober eine Regelung der Gehälter «rkolgen solle, da die Geduld jetzt erschöpft sei. Auf Vorstellig- werden der Organi'alionSvSrtreler erklärte die Direktion, datz sie nickt verhandeln könne, da sie dem Arbeitgeberverband an- geschlossen sei. Bei den am gestrigen Tage staltgefundenen Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmerorganisolionen und dem Albeilerrat mit der Dtreklton wurden die Angesielllen wieder vertröstet au» eine Subvention, die des Stadlmagistrat Grost-Berlin dem genannten Verbände geben will. Die Aiigestclllensckaft ist aber nicht gewillt, sich durch Ver- sprechungen noch lange hinhalten zu lassen und bat jetzt beschlossen, die Foroeruiigen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Turchführiiiig zu brngen und ui den Streik zu treten. »Su: Kaden die Direktion auch in einem Schreiben aus den Ernst der Stiiiaiion hingewiesen und lehnen jetzt die aus dem ablehnenden Standpunkt sich ergebenden Folgen ab. Ein sonderbarer Standpunkt. Der Vctnebörat der kommunalen Arbeiter der Stadtgemeinde Schöneberg hat der Stadtverwaltung den Antrag unterbreitet, von den in der Verwaltung beschäftigte» Frauen diejenigen zu ent- lassen, deren Männer vollerwcrbsfähig sind, um an deren Stelle Witwen einzustellen Der Herr Oberbürgermeister Do mini- cus scheint die Selbstverständlichkeit eines Irrartigen Antrages in der jetzigen nicht einsehen zu können. Auf das Gesuch zweier Frauen, deren Männer sich in dauerndem Arbeitsverhältnis be- IlnoenBrrda»d. Freitag, den LZ. Ollober, nachm.»/�> Udr. im Tool 1 des«rweiklchastShaules. Engeluter 15. Sitzung der In Buch- bindcreien, Buchdruckercten und GeschSstsbuchsabrtken deichisllgten Betriebs« rät« und Verlrgnensperw ren. Trutlcher Traiieportarbelter-Berband. Donnerstag, Li. Oltober. nachm. 5 Uhr, bei Wllte, Poftsir. 28, Kruppenversammlung. Gruppe I! Tuche. Filze, Klelderilosse.— Freitag. 22. Oktober, nachm. 5 Uhr. bei Witte Pokistr. SS. Gruppenveisgmmlurtg. Gruppe 6: Damenwäsche. Schürze». Tappisserlen, Koni. Weihwaren. Deutscher Wertmeifter-Berbaud. Bezlrksoereln 15. Dt« Be- sprechung der Betrlebsvertrauensleute, Tartlkommisüonen mit dem Varl stand findet nicht Freitag abend 8 Uhr im Resiaurant Schulz, Stall' schreiberslr. 6, statt, sondern bereits um 6 Uhr. Soziales. Die Arbeitslosenversichernug. Der Entwurf des Geletzes für Arbeitslosenversicherung sieht als Zahl der zu velsichernden Personen 10 Millionen vor. Er rechnet als Wochenbcitrag pro Person unter Berücksichtigung der Aus- fälle für Krankheit, Arvcitslosigkeit ukw. mit 72 Pf. oder jährlich 37,44 M. für die Person, oder mit einem gesamten Beitrags- aufkommen von 374 460 000 M. Von dem Wochenbeitrag sollen 24 Pf. aus den Versicherten, 24 Pf. auf den Ardeitgeber, 12 Pf. aus das Reich und 12 Pf. auf den Gemcindeverband entfallen. Unterstützung soll vom driften Tage ab in Höhe de« OrtS- lohne« gezahlt werden. Der Gesetzentwurf rechnet mit einer durch- schuitillchen TageSausgabe von 4 M. pro Kopf. Diese Rechnung dürfte jedoch nicht ganz richtig sein, abgesehen davon, daß die vor- gesehene Unterstützung unzulänglich ist. Gefordert muß werden, daß der Krei», der gegen Arbeitslosig- keit versichert werden soll, genau dem tntsprickl, welcher der Krankenversicherungspslicht unterliegt. Nach den neuesten statistischen Muietlungen des Hauptverbandes deutscher Ortskranlen- kassen im Jahrbuch der Krankenversicherung sür 1919 waren ün Jahre 1914»n sämtlichen Orts-, Land-, Betriebs-, Jnnungs- und Knoppschaflslrankenlasien des Deutschen Reiche? 16 525 667 Versicherte vorhanden. Ihre Zahl wird sich durch den Krieg und die Gebiets» abtretungen auf rund 16 606 000 vermindert haben. An Bei- trägen wurden von den versicherten und ihren Arbeitgebern 523 884 104 M. aufgebracht, oder pro Kopf 88,56 M Seitdem haben sich jedoch die Vrrhälmisie verschoben. Heut« muß. nachdem der höchste Grundlohn von 10 M. im Jahre 1914 auf SO M. erhöht worden ist. mit ungefähr dem dreisacheu Betrage, alio rund 100 M. gerechnet werden. aller Einnahmen wurden sür Krankengelder ausgezahlt und etwa betrugen dw VerwaltungSlosten. Wie schon erwähnt, wird es nicht möglich sein, die Unter- stützung nach dem Ort s l o h n zu verkchnen, und auf 4 M. pro Kopf im Durchschnitt anzunehmen. Dabei soll nach dem Ent- wurf die Erwerbslosenunterstützung auch nur für längstens 18 Wochen während der Dauer eine« Jabre» gewährt werden. Diese Unterstützung ist bei weitem unzureichend. Es muh vielmehr gefordert werden, daß die ErwerbSlosenunterstützung in derselben Höhe und im Laufe eine« JahreS auf dieselbe Dauer gewährt wird. als das Krankengeld: nämlich für 26 Wochen längstens. Einschränkungen, wie sie KI 14—17 des Entwurfes vorsehen, müsien edoch bestehen bleiben. Es würden bei dieser Berechnung der liiterstütznng die Familienzuschläge wegfallen. ES ist aber nur lerecht, wenn der Erwerbslose nicht schlechter und nicht besser ge- lellt wird, als der AibeiiSunsähige. Um die Mittel für diese Uiitelstützung aufzubringen, muß aller- ding« ein anderer Weg eingeicblagen werden, alS ih» der Emwurs vorsieht. Wenn jeder der Beteiligten, nämlich Versicherter. Arbeit- geber, Reich und Gemeinde, zu gietchen Teilen zusammen �,-B e i- träge in derselben Höde ausbringen, als die Kranken- tals enbeiträge betragen, so dürfte keiner der Beteiliaten dabei zu- gründe gehen und die Leistungssäbigkeit der ErwerbSlosenverstcherung wäre doch sicher gestellt. Die Krankenkasienbeiträge werden, wie schon dargelegt, im Durchschnitt jetzt 100 M. auf den Kopf der Ber- sicherten beiragen.>/, davon betragen 68,66 M. ober für jeden Be- lcilrgten 16,65 M. im Jahresdurchschnitt. Auf den ungünstigsten Fall umgerechnet stellt sich das Exempel etwa folgendermaßen. Ein Versicherter mit höchstem Grundlohn, 30 M. täglich, zahlt heute bei 6 Proz. Krankenkaiienbeitrag zusammen mit dem Arbeitgeber wöchentlich 10,80 M., e/s davon betragen 7,20 M. oder auf jeden Test 1,80 M., oder für den Persicherten 1 Proz. seines Ver- dienste«. Mit diesem Betrage wäre aber die Leistungsfähigkeit der Ver» ficherung wohl restlos sicher gestellt, st, aller Einnahmen könnten dann sür ausreichende Bar Unterstützungen' und V, der Emnahmen für die Beretlstellung von Mitteln zur Verhütung von LrbeilSlosig- keil und sür die Perwaltnngskosten verwendet werden. Hierzu kommt, daß die Zahl der Arbeitslosen niedriger ist, alS die Zahl der Arbeitsunfähigen. Wie au» dem ReichsarbeilSminrslerium mugeteilt worden ist, betrug die Zahl, aller EriverbSlown am 13. Scptenibpr 1920 402 881. Bei 16 060 600 Versicherten müht« mithin mit 2» 2 Proz. Arbeitslosen gerechnet werden. Der Reichs durchschrittt für Arbeitsunfähig« beträgt etwa S'/, Proz. Auch hieraus ergibt sich, daß die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung mit°/z der Krankenkassenbciträgc ausreichend hoch sind, um die Leistungsfähigleit sicherzustellen. Jeder Arbeiter wird gern 1 Proz. seines Lohnes opscrn, wenn er sich und seine Familie damit vor Zeilen der Not, in die er bei Arbeitslosigkeit unweigerlich gerät, schützen kann. Da er dazu jedoch auS völlig eigenen Mitteln nicht in der Lage»st, muß ihm da« im oben erwähnten Artikel der Reichsversassung zugesprochene Siecht dadurch werden, daß v>e Arbeitgeber, da« Reich und die Ee- nieinden bei Ausbringung der Mittel Helsen. Helfen müssen auch alle dlejenigen Klassengenossen, welche e»ie Tätigkeit ausüben. bei welcher es nur sehr wenig oder so gut wie keine Arbeitslosig- keil gibt. Das Solidarität Sg er ü hl unter der Atbciter- und Angestelltenschast ist weit größer als diejenigen annedmen, welche das LrbeitslosenversicherungSgesey bclämvsen und als Kampf« mittel das berüchtigte»Teile und Herrsche" finden und anivenden wollen, indem wieder einzelne Arbeaergruppen von der Versi.belunz ausgeschlossen werden sollen lLandorbeiier lind Dienstbotenl, weil es angeblich in dieien Berufen keine ArbeitSlosigieN gibt. Richtig ist, daß diese Berufe die guien Risiken darstellen; darauf kann ober keine Versicherung, una die Arbeitslosenversicherung erst recht nicht, verzichten.__ Hertel. Deutscher JusendherbergStag. Am 8. Oktober tagte in Goslar die zweite Hauptversamm- lnng des Hauptausschusses für deutsche Jugendherbergen. Ter ReckienschaftLbcricht für 1919 wurde genehmigt und dem Gc- Die Zahl der körpcrsckiaftlichen Mitglieder hat sich auf 78 erhöht. Zu den neuen Angeschlossenen gehören der Arbeiter-Turn- und Sportbund und der Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität. Sechs neue Zwcigousschüsse wurden ins Leben gerufen. Tie Ortsgruppenbildung setzt überall ein, in einzelnen Zweigausschüssen sind große Erfolge erzielt. Anfang August konnte ein Reichsherbergsperzelchnis herausgegeben werden. Es weist rund 700 Herbergen au», die inzwischen wieder beträchtlich vermehrt sind. Alle Herbergen h'ttcn einen starken Besuch ausau- weisen. Jetzt werden teilweise Kasernen und vor allem Schulen für die Einrichtung von Jugendherbergen erschlossen; die Beschlag- nähme von Herbergen und Jugendheimen für Wohnzwecke ist ver« boten worden. Weiter haben Führerlehrgänge zur AuS- bildung von Führern stattgefunden. Der Hauptausschutz ist um ein« weitere Ermäßigung der Sisenbahnfahrpreise eingekommen. Augenblicklich schweben darüber Verhandlungen. Die finanzielle Lage ist sehr schlecht. ES muß. sine Erhöhung der Beiträge und eine Erleichterung der Arbert durch SLereitstellung von Geldern und Räumen aus allgemeinen Mitteln gefordert werden. Da« „N a ch r i ch t e n b l a t t" soll jährlich sechsmal erscheinen. In Zu- kunst sollen in den Herbergen auch ältere Wandern aufgenommen werden, wenn sie Mitglied sind und wenn die Herberge von Jugend- lichen nicht belegt ist. Da« Kopsgeld für die llebcrnachtung.soll bei Schülern und Lehrlingen höchstens 1 Mark, bei den übrigen 1,50 Mark in der Regel nicht übersteigen. In den B e r w a l- tungSausschuh wurden Vertreter des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und des Arbeiter-Radsahrerbundes Solidarität gewählt. Der Name des Hauptausschusses wird geändert in»Ber- band für deutsche Jugendherberg« n". Staatsbilfe für die Bcrtriebrnen. Vom N«ichs<»rb«it»mini- terium wird un» mitgeteilt: Zur Beschaffung von ländlichen Siedlungsmöglichkeiten für vcrrrieiben« Elsaß-Lothringer, die den landwirtsch aftlichen Berufen entstammen, sind ba. irenzte Mittel zur Verfügung gestellt, die«s gestatten, jedem ver- draungSbercchtigten Elsaß-Lolhringer eine Beihilfe zu ge- wahren, die die sonst üblichen BaukostenüberleuerungSzuschüsse er- heblich übersteigt. Nähere Auskunft darüber erteilt der Hilfsbund vertriebener Elsaß-Lothringer, Berlin W. 8, Wilhelmstraße 72, sowie die provinziellen gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften bzw. die Siedlungsämter.__ Beraiilw für den redakt. Tel! Dr. Werner Peltcr, Sdarlollenbiira: für Hnjrmrn: T».«locke. Berlin. Verla«: vorwärls-Vr-taa G.m.b.H.. Berlin. Druck Vor- wärls-Vucddruckeret u. Lertaa-tantiall Pen! Einacr u. To.. Verli.r Lindenttr.». " Nellaaen US Sowell Vorrai Frisrftss Fletsch Suppen-Fleisch............. piun« lü.OO Schmorfleisch«» Knoch«....Piund Roaslbeef m»..................... 11,00 Gehacktes Rindfleisch., piumt 12.00 Wyrstwaren Prima Landleberwurst Piund 19,60 Prima Fleischwurst....... p;unmd 3,95 Unentbehrlich für jeden Haushalt ist mit freiem SchlUsselabannement echter Hoost-Dreibohnenkaffee M. Moosl, Berlin C 25, Prenclaber Str. 46 Keibelstr. 11. Fernruf: Alexander 1470