Nr.5Z»� Z7.�ahrgang Ausgabe A Nr. 130 BeznqSvrciS s O«ttellSitLSO.— äDiumonatUO,— 3W. ftv in»»aus, voraus zahlbar. Pok- de,u» Monatlich 10.— Ml. erkl-flu- ftellunssqsdübr. Unier Krnudanv kll: Dentichland and Oesterreich 18/0 Ml. für ca» lidrigr Jtnslant oei taqlid) «imnoU Saflelluno 21,50 M. Vnf-v NeNunqen nehmen an Oesterreich, Unzarn. Tfchecho-Elowalei, Dane» Biari. öottauo..uiemvurq.-chwede» und vre Schwei*.— iSinaetrcam in die Post- eitunq»- Preisliste. Der.Borwdrt»� mit der Sonntaa» deilage.Polt u. �eir' ericheini wochen- tSglich zweimal Svnn-aa» und Mon- tag»"nmai, ?itearamm-2ldreste jSojialOamolcal verlin", Morgen Ansgabe berliner Nolkslileitt Anzeigenpreis: Die nchigelpaltene Nonvareillezeile loltctZ,— Di. Tcuernngszuschlag 50'/q, «»leine Hnjciaca", da- iett- geürucite Wori U— M.(juläfstfl zwei ieitgedruckte Worte),-edes weitere Tori 60 Dfg. EteUenqcluche und Echlaistellenanzeigen da»»rite Wort 65 Dlg. lede» weitere Wort»0 Dfz. Worte Uder 15 Buchstaben zitblen für twei Wone. Teuerunnszulchiaa 50«/« Familien-Anzeigen Mr Abonnenten geile 2.— M, solititche und qe- wertlchartlich« Verein»- An'eige« S.— Ml. die geil» ohne Aufschlag. Anzeigen für dir nächste Rummer müssen bis S Uhr nachmittags im Kauotgeschilst. Berlin SW 3, Linden- stratze 3, abgegeben werden. Debssnet von g Uhr früh bi» 5 Uhr abend». Zentralorgan der roztaldemokratlfcben parte» Deutfcblands Neüaktion und Expedition: SM. 6$, 2indenftc. Z. Remibrertirr: Amt Morinvlav, Str. l.»l 90— l."»! 97. Vonvärts-Verlag G.m.b. K.» EW. öS. Lindenstr. Z. «sernivrrÄrr: Am» stSturrnplan. Str. I»?»?— Scheiöemann rechnet ab! Im Reichstag war eS gestern nicht so melancholisch wie am Tage zuvor, uni) wenn es auch nicht gerade freudenvollere Töne waren, die angestimmt wurden, so waren es doch jeden- falls andere, kräftigere. Scheidemanns Rede war eine aufrüttelnde Anklage gegen das Treiben der Reaktion und feine stillschweigende Duldung durch die Regierung, insbeion- dere durch den Reichswehrminisrer G e ß l e r. In den druifch- nationalen Sumpf flog ein Stein nach dem anderen, und es gab ein lautes Gequake. Man verlor dort drüben fchließlich beinahe den Atem vor Entrümmg. als der Radner der Sozial- demokratie auf das erbärmlich feige Verhalten der berufen- sten Thronstützen in den Ncvembertagen des Jahres achtzehn zu sprechen kam, damals als Ludendorff Kurs nach Schweden nahm und die..Kreuzzeitung" vor lauter Angst ganz von selber ihren Kopf verlor mit der Inschrift:„Mit Gott für König und Vaterland". Den Herrschaften, die jetzt wieder so munter find, ist da? eine Peinliche Erinnerung. Im Haufe wurde vielfach, gesagt, daß die Sitzung an die alten Zeiten vor dein Kriege erinnert habe. Und das trifft auch insofern zu. als die alte Kanipfstellung wieder hergestellt schien, SozialdeMokmtie gegen Reaktion, während sich die bürgerliche Mitte unentschieden verhielt und die Spaltung im Sozialismus äußerlich kaum in Erscheinung trat. Scheidemaun erschien gestern als der Redner der sozio- ! i st i s ch e n Arbeiterschaft schlechthin, als solcher wurde er auch in der folgenden Entgegnung des Grafen Westarp be- handelt, und im Plänklerkanwf der Zwischenrufe gegen den konservativen Redner schien die Einbeitsftont bis zur äußer- sten Linken hergestellt. Es war freilich nur schöner Schein! Auf der Rednerliste stehen noch C r i s p i e n(Rechte U.S.P.). Dä u m i g(Linke U.S.P.) und L e v i(K.P.D.), und dann kann es wiader zur Freude d-r Rechten Mischen den Arbeiter- fraktionen hoch hergehen. Aber gestern wenigstens hatte sie keinen so frohen Tag. Graf Westarp gab mehr als eine Bestätigung der Aus- führungen Sch�idemanns über die Reichswehr, indem er schlankweg erklärte, die Reichswehr stehe fest zu seiner Partei. Hört es, der Redner cin�r monarchistischen, die Republik ne- gierenden Partei behauptet, die bewaffnete Macht der Re- publik stehe im Lager der Feinde der Republik! Da hat der konservative Graf hoffentlich doch den Mund etwas zu voll genommen, er beurte'lt die ganze Reichswehr offenbar nmivdem Offizieren, die mit ihm in Verbindung stehen. Im übrigen. selbst wenn Westarp recht hätte, waS wären IvlllXlll Mann Reichswehr, wenn die Arbeiter fest zusammenstehen? In einem freilich unterschied sich die gestrige Debatte sehr von ihren Vorgängern in alter Zeit. Während nämlich da- mals die Sozialdemokratie noch im Vorkamvf für politische Rechte stand, die jetzt errungen und nur noch zu verteidigen sind, drehte sich der Kampf von gestern praktisch um die sozialistische Frage der Kohlensozialisierung. ES ist selbstverständlich, daß der deutschnationale Rodner als ihr schärfster Gegner auftrat, nachdem Scheidemann zuvor die große grund'ätzliche Bedeutung dieses sozialen Aufbaupro- blems fik die Arbeiterklasse dargelegt und zuvor der Zcn- trumsredner T r i m b o r n auf dem bochgespcmnten Seil deZ Kompromisses einen Spaziergang mit der Balancierstange ausgeführt hatte. Vor Trimborn sprach der Reichswehrminister G e ß l e r, der sachlich auf die Darlegungen Scheidemanns nichts zu er- widern hafte, sondern lieber ein Lobliad auf die glatte Abwick- lung der Heeresvermtnlderung fang. Herr Geßler bedachte nicht, daß der unglücklich verlaufene Krieg nicht nur Offiziere arbeitS- loS gemacht hat und daß man bei den anderen arbeitslos Ge- wordenen ein stilles Sichfügen als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, über die man nicht erst viel Worte verliert. Dann kam der Entwaffnungskommissar Dr. Peters»u Wort, der in dem Bericht über seine Aktion die von Scheidenrann be- haupteten umfangreichen Waffenverheimlichungen der Reichs- wehr in Potsdam bestätigen mußte. Ten Schluß bildet« die schon erwähnte Rode des Graten Westarp. Es war, wie schon geiagt. eine Kampfrede, die sich gegen den emsigen gefährlichen Feind der Reaktion, gegen dieSozialdemokratischePartei wendete. In ihr gab eS für unsere Genossen nur ernen Augenbl'S peinlicher Besoffenheit, nämlich wie der Redner mit triumphierendem Hohn auf die Zemsfenhsit der politischen Arbeiterbeweaung. auf ihre„drei b's vier Fraktionen" kiimwes. D'e Arbeiter könnten daraus klar erkennen, wer es ist. den ihre schlimmsten Feind? fürchten, und was es ist. was sie wieder erfreut und ermutigt. Nach der farblcsien Einleitung am ersten Tag der Etats- debotte bildete der zweit« den Auftakt ernster politi- scher Kämpfe. Die Gegensätze sind klar aufgezeigt, und ein neues heißes Ringen beginnt. Dieses Ringen wird nicht ent- schieden werden durch die Reichswehr, auch nicht durch Orgesch und Stahlhelm und noch weniger durch die Sportvereine d t K.A P.D., sondern Sieger in ihm wird sein, wer die Kopfe und Herzen der breiten Massen auf seine Seite zu bringen versteht. Kampfgerüstet grüßt die„ein und eine Viertel- Million organisierter Optimisten", von den Genosse Scheide- mann sprach, die in der Sozialdemokratie organisierte ar- heftende Masse, dielen neuen Kampf, der, wie jeder, schließ- lich doch mit den Waffen des Geistes entschieden werden wird und der gestern einen guten Anfang genommen hat. Der Rei�Stag hat am Donnerstag die AnSspraO« über die RegieningSerklärungen vom Mitiwoib und über die Jnlerpellationen wegen Eniwaffnunq und Dieselmotoren begonnen. fibg. Scheiöemann(Soz.): Die Aiisfilhrunaen des Herrn Reichskanzlers waren ans einen Ton tief st er Resignation aestimmr, sie banden in einem merkwürdigen Gegensatz zu den boffnungSvollen Tönen, die an der Wiege dieser Regierung gesungen wurden. Damals hieß eS: Laßt nur einmal die verdammten Zlozioldemokraten heraus � fein und alles wird wieder gut. Testern hat der Reichskanzler solche SgitationSmrthoden als scharlatanhast und lügnerisch gekennzeichnet, darf der Beifall der Deutschen Volksvartei als Zeichen der d'ginnenden Crsi--veieben werden? Da? Urteil des»-.nzser? Wer die K>a.-.jaclh e n e.st-r und tKBtt Qbservanh patzt auch auf die Deutsche Volkspartei, ftlnruhe bei der Deutschen Volkspartei.) Wo bleiben die billigen Lebensmittel? Es ist uns ein« Besserung in Aussicht gestellt' worden, wenn endlich d,e Zwangswirtschaft abgebaut würde— heute luagj kein Mensch mehr den einer fflciienina zu sprechen, wo die Sog- nungen der freien Wirtschaft doch sichtbar werden sollten. Wenn unser Parteitag Herrn Hermes einen bieben Brief mitgegeben bat, den ich hiermit überreiche, so ge- schab es nicht aus einem taktischen Manöver, sonidern nur aus dem Metiihl der Unruhe und Erh«tter»ng, das breite Messen des Volkes beute bewegt. Von der B-trach>ung leine? Elends kann kein Mensch und kein Volk leben.(Sebr richtia!) Man braucht etwa», woran man sich ausrichten kann, man braucht neue Ziele. neue Wege— davon aber haben wir nichts gehört. Wir schauen nickt zurück, sondern vorwärts, denn es gibt keine Rückkehr in das kaiserlich« Deutschland, da? sollte heute so kurz vor dem 9. November endlich jedem klar lein.(Unruhe rechts.) Die nationalistischen Aussührungen in Hannover aber haben gezeigt, daß noch immer die Reaktion Oberwasser spürt und alles daran setzt, die Macht wieder an sich zu reißen. Wenn dort so viel von den Härten des Friedens- Vertrages geiprochen wurde, so erinnere ich Sie daran, daß gerade Ihre(zur Reckten) Politik an dielen Härten am meisten Sckuld trägt(Wideripruck rechts). Lassen Sie um Gölte» Willen Ihre Finger von der auswärtigen Politik(Heiterkeit). In K a i i e l bat die geschlossene Ärbeiterrariei de« neuen Deutschland»(höhnisch« Zumse recklS) realpolitische Wege zur oußenpoli- tischen Lage gewiesen. Sie aber kennen nur leere Protestpolitik und militaristische Nnmucheidee». Ohne Wiedergutmachen wa«. durch nickt zu verteidigende Handlungen in Rordfrankretck vei wüstet wurde, ist eine deutsche Außenpolitik nicht möglich, da» möckte ick besonder» dem Herrn Außenminister an» Herz legen, lln» ailt nur ein»: Zahlen mit dem Gut, was nnS geblieben ist und an dem keine Va- luta etwa ändern kann: mit unserer Arbeitskraft.(Zurufe rechlS: Längere Arbeitszeit!) Ich empfehle Ihnen(zur Rechten ge- wand!) nur die Hälfte zu arbeiten, wie der deutsche Durchschnittsarbeiter.(Lebhafter Beifall.) Auch die Auf- nähme der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Ruß- l a n d ist für Deutschland notwendig, nicht«rge«, sondern trotz deS Bolschewismus. Ich weiß nicht, welck« Theorie bei der Regierung heute gilt von den beiden, die aus der Milte dieser Regierung geäußert wor- den sind: Ist der Bolschewismus heute ein„ausbauende» Prinzip" oder sin«„fressende Flamme"? Die Befürchtungen, datz uns russische Bolschewisten ins Land kommen könnten, ist unbegründet, schon, weil wir ja jetzt unsere eigenen Bolschewisten haben. Wir sind D e 1 6 st V e r s o r g�e r geworden auf diesem Tebiet und vom Ausland« vollständig unabhängig.(Stürmische Heiterkeit.) Redner rügt dann, datz es wegen KoblenmangeS unmöglich war, mehrere Transporte russischer Kriegsgefangener von Stelt'N aus abgehen zu lasien, was zur Foloe haue, datz deutiche KriegSgesangrne in Rußland zurückgeballen wurden. Die günstige VolkSabstimmung in allen Kebielen Deuisck- landS beweist gerade, daß das neue Deutschland eine Anziehungskrast bat, die das alte kaiserliche Deutschland nickt kannte.(Widerspruch recklS.) �ch hoffe, daß auch Oder- schlesseu die» beweiien wird. Wenn Oberichlesien nickt preußisch bleiben will, dann hat eben das neue Preußen unschuldig im den Sünden de» alten getragen.(Sehr richtig I link».) Im Inneren gilt e» vor allem, den Kampf gegen die Reaktion mit unermüdlicher Sraft zu führen, Beionder« in der Verwaltung, im Heer, gegen die reaktionären Geheimbünd, usw.(Unruhe rechts.) Daß diese reaktionären Bestresiungen von der heutigen Regierung mit Erfolg bekämpft würden, kann leider nicht hehauptel werden. (Sebr richtig! links) Es gibt kein besseres Beispiel dafür alS daS RcichSwehrministerium. Der Elat, in dem man vor Geueralen und Pferden kaum die Kunderttausend Mann sieht(Heiterkeit), und das Reichswehrgesey zeigen dieö mehr als deutlich.(Sehr richtig!) Wir wissen wohl, daß die Vorarbeiten dazu auf N o s k e zurück- gehen, aber dieser NoSke war der NoSke vor dem Kapv-Puisch, und seitdem hätte man daraus lernen sollen. Wir mache» hier unter keinen Umständen mehr mit. (Hort! hört!) Die Regierung hat es hier in der Hand, ob sie die Sozialdemokraten zu entschlossenen Feipoen haben will, ober nicht. Der Rcichswrhrmtnister zieht aber lieber den Hut, je tiefer, desto besser, vor den-Herren mit den roten Streifen, deren allniächtige Oberhauvt der General von Seeckt ist. Sein Geist ist in den Plänen lffdendig, dt« fetzt bei der endgültigen Organisierung der Reich Roehr dieser den Stempel aufdrückt.!. die Offiziers- Herrlichkeit und Allmacht der kaiserlichen Armee zurückzuerobern- 2. der republikanischen Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Red- ner belegt mit einer Anzahl von Bestimmsingen. die»r verliest. Unter dem Schlagwort EntPolitisierung de? Heere» will man den.alten Geist von Potsdam� im Heer vrraiitcr», wie Herr von Seeckt eS so trefflich nennt. Wir meinen, die Reichs- wehr kennt nur ein politisches Ziel: Tie Nepudkik.(Lebh. Beisuck links). Alles ist darauf angelegt, auS der Reichswehr ein Werk- zeug in der Hand nationalistischer Offiziere zu machen, als deren Spitze Herr von Seeckt auftritt. Gauz besonder» zeigt sich dies inderBefchränkungdessioalitions- reckte« der Soldaten und noch mehr in den Bestimmungen über die Reickswehrkammer, die jede Freiheit verivnlicker Meinung aufheben. In den Verhandlungen der Wehrkammer haben die Offiziere nicht nur beantragt, den Reichsadler abzu- schaffen, den sie einen gerupften Vogel und eine Krähe nannten (Hört, hört! link), fondern sie beantragten frisch und keck die schwarz-weitz-rore Kokarde. (Hört, hört! bei den Sog.— Sehr gut! rechts.— Zurufe des Ministers Geßler.) Herr G« tz l e r, Sie wissen, wie hoch ich Sie als Mensch und al? Politiker schätze, aber hier geht c S ans Leben und Sterben.(Sehr wahr! l-inks. Lachen rechts.) Gibt es, so frage ich, in der Deutschen Republik amtliche Einrich- t u n g e n, in denen man die Republik ungestraft verhöhnen darf?(LedhafteS Sehr gut! bei den Soz. Zurufs recht»: Was Haiben Sie denn frühe? gemacht?) Haben Sie ftühc-r auch nur einen sozialdemokratischen Rachtwüchi er gedujdet?( Erregle Zurufe rechts. Zurufe des Abg. Mittel- mann.) M-vine Achtung vor diesem Parlament verbietet mir,«sie» Herr Mittelmann, so zu bezeichnen, wie ich Sie einschätze. (Lärm rechts. Heiterkeit links.) Und das acht Tage vor drr zweftei« Wiederkehr des 3. November..Jen« Offiziere vergessen, datz sie es nur der Selbstzucht eines bis aufs tiefste gequälten Volkes zu verdanken hatte» daß sie nnr mit dem Verlust der Achselstücke und Kokarden davonkamen. (Slürmiscker Tumult recht?. Beifall link») Wo waren damals die tapferen Monarchisten?(Es erbebt sich minutenlanger Lärm» die Abgeordueten drängen sich um da» Rednerpult. erst nach einiger Zei« gelingt e» dem Präsidenten, wieder die Ruhe herzu- stellen.) Für un» heißt»« jetzt bi? hierher und nicht weiter! Wir verlangen weitestgehende» KoaliiionSrcckt der Soldaten, Sicherstellung der VertrauenSmännerfreiberr. geistige und beruft che Freiheit der Mannschaften, wir verlangen, daß endlich mit der Ojfizierstaste Schluß gemacht wird und die Besten aus dem Mannjchafts- und Unteroffiziers st ande zu Offizieren befördert werden, nicht nur einige Re- nommierschulzen.(Beifall.) Die Frage der Reichswehr ist untrennbar verbunden mit der Frage der Entwaffnung. Ich hoff«, datz Herr Dr. Peters aiiiwoiten wird auf das Geranne, daß die Waffenablieferung besonders ans dem Lande vielfach sabotiert wird. Ist e ö wahr, daß in Potsdam allein WO Maschinengewchre und Taufende von Gewehten geluiidrn wurden, die von Angehörigen der pleichswchr verschleppt waren?(Hört! Hört!) Ist es wahr, datz bis sitzl nur eine Untersuchung aeqen Mannschaften und Unteroffiziere, nicht aber gegen Offiziere geiübrt wird? Das ist der Seeckt'cke Geist von Potsdam? Ist es wahr, datz ver- siickt wird, von Hamburg aus Waffen in nrotzeu Mengen in» Ausland z u vertckleppen? Auf all dieie Fragen lind genaue.Antworten dringend notwendig. Ebenso ist Aufklärnng notwendig über die Orzcsch und die ihr ange- scklossenen bewaffneten Geheimbünde. Wenn die Bürger- ltchen uns gegegenüber zu solchen Organisationen greifen dann hüten Sie sich vor den Arbeitern! (Beikall links.— Unruhe rechts.) Ich sage'Ihnen, die Republik siebt im Sckuy der Arbeiter, und weh allen, die daran rühren.(Leb- baster Beifall links.) Wir sind auch gegen die Mittel, die die Regierung nach ihrer gestrigen Erklärung gegebenenfalls negen die Kommunisten anwenden will. Wir sind aut alle Fälle gegen jedes Ausnahmegeseti, sei es gegen die Monarchisten oder die Äom- munislen. Sollte der Bersiick unternommen werden, die Freiheit der Bürger der Republik anziilajte», so weisen wir dies mit aller Schärfe zurück. Die Kommunisten verfügen über nicht genügende physische und geistige Kräfte, um die Macht zu erringen oder gar zu erbalten. Praktisch tönne» die Kommunisten weiterfmi nur wirken, wie sie bisher gewirkt baben, als Borspann der Üteaktio».!?ehr gut!) Die R c ch r S- U n a b h ä n g i g e n dabei! ihren Kulminationspunkt überschritten und nähern sich wieder ibreni AuAgangSpuirkt. Früher schnxrrmten sie für M o s k a u, die Sowjet» und S i n o w j e w, davon sind sie jetzt geheilt, sind aber theoretisch noch für die Diktatur und gegen die Temo- trutie. W!r verhalten uns zu ihnen abwartend, ein gelegentliches Zusammengehen aber ist natürlich möglich. Ost wird es nicht sein, denn die Unabhängigen werden sich aus Furcht vor den Kommunisten möglichst radikal aufführen. Wir werden eine solche Rede ja hier zu hören bekommen.(Sehr .richtig! bei den U. Soz.) Es wäre besser, wenn Sie sich weniger von der Angst vor den Kommunisten als vom Vertrauen zum gesunden Sinn der Arbeiter leiten lassen würden, die von dem F ü h r e r g e z ä n t und von der Zersplitterung über- genug haben.(Sehr richtig! bei den Soz.) Ledebour hofft aus die gemeinsame Abwehr aller Arbeiter gegenüber einem reaktionären Anschlag.. Weshalb soll mit dieser Einigkrit bis zu diesrr Stärkung der Reaktion gewartet werben? Wir hallen uns an das Wort von Marx: Proletarier aller Läteder vereinigt Euch! Mögen sich alle Arbeiter in d e r So z i a l d c m o- l r a i i s ch e n Partei vereinigen.(Beifall lw' den Sozial- dcinoffatcn. Abg.(irifpieiK, Ja, abonniert den„Vor- 'wärls'A Abg. Slampfew: Sehr richtig! Heiterkeit.) Diese Einigkeit ist notwendig, nicht nur um Rückfälle in die Lteaktion zu verhüten, sondern um die grossen neuen Ausgaben zu erfüllen und die neuen Ziele zu erreichen. Ta ist es vor allem die Sozialisiernng des Kohlrnbeegdaues, die in nächster Zeit akut wird. Redner erinnert dabei au da? Ver- Valien der Minister der Deutschen Volkspartet, die in der Kabinettssitzung für. in der Fraktionssitznng gegen die Sozialisiernng stimniien. Nichts rächt sich mehr als nicht» erfüllte Verheißungen. Jede Regierung muß in den Abgrund führen, die nickt auf einwandfreie Versprechungen Erfüllung lolgen läßt. Ganz falsch und irreführend ist e», wenn behauptet wird, die Sozialisierung würde uns im Ausland schaden, denn eine veruünfiige Sozialisiernng ist der Bolschewisierung immer noch vorzuziehen— das sieht auch der ausländische Kopitalist ein. Tue Arbeiierniasien der Well blicken wie gebannt nach Deutsch» laud. Je mehr �das Trugbild des russischen Potemtin-So- zialisatus zerrinnt, desto gespannter erwgrten sie von uns neue Wege zum Aufbau einer neuen besseren Weltordnung. Wir Sozialidcrnokratsn glauben an die Zukunft unseres Volkes und die Zukunft der Menschheit. Wir glauben daran und arbeiten und sümpfen dafür mit aller Macht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) ' Schluß des ReichStagZberichts in der Beilage.) » preußische verfaffungsöebatte. Tie pveussisiste Landesversammliing hat gestern in zweiter Leiung der Verfassungsvorlage die Debatten Kber sten xrilndl-egenden Art. 1 beendet, die Abstimmung erfolgt beute. Wie in der Etatsdebatte des Reichstag? zeigte sich auch hier eine überaus scharfe Spannung der Gegensätze zwrsihen rechts und links, und ans beiden Seiten nahm man sich kein Matt vor den Mund. Nach einer kräftigen Abrechnung des Gen. Vau! H i r f ch mit den Größen des deuischnationalen Parteitags von Hannover folgten stramme Bekenntnisse smvohl der Teutfchnationalen als auch der im Reiche mitregierenden D'e« ts ch e n Vokksvartei zur Monarchie. Der Redner dieser letzteren Pariei, Herr Leidig, prägte dabei den bemerkens- Merten Satz, daß der Obrigkeitsstaat die dem deutschen Volke! entsprechende Staaisform sei. Denn deutschen Volk wird da ein schönes Zeugnis ausgestellt, alle Völker werden allmäh- lieh zur Freiheil reif, nur die Deutschen müssen nachhinken. Dem Bekenntnis des unabhängigen Dr. Cohn zur deutschen Einheitsrepublik kann man grundsätzlich zustimmen, nicht aber , einem Vorschlag, mit der preußischen Verfassung solange zu lvarten, bis die Einheitsrepubllik da ist. Einmal muß man doch fertig werden, und man will es auch! wann war es? Unter dieser Ueberschrift behandelten wir den Zwiespalt in den Angaben von Minister Hermes einerseits und Staats- sckretär Ramm andererseits über das Datum, zu dem Hermes von den Verfehlungen Augnstins Mitteilung gemacht worden ist. Hierzu erhalten wir ans dem Reichsernährungsministerium eine Zuschrift, welche die Aussage des Ministers mit folgenden Angaben unterstützt: Minister Dr. Herme? hatte zum erstenmal von anyeblicheit Verfehlungen Dr. Augustins Kenntnis erhalten durch einen vom 7. Mai datierten Brief des Staatssekretärs Tr. Ramm. Dieser Brief ist aber offenbar irrtümlich vom 7. Mai datiert, gc- schrieben ist er, wie aus den einleitenden Sätzen zweifelsfrei her- vorgeht, spater. Es heißt nämlich in dem Briese: „Am Iv. Mai abends mußte ich mit dem Herrn Minister nach Ostpreußen reisen, konnte daher zu meinem Bedauern an der am 11. stattfindenden Sitzung des Stickstoffdüngerausschusses nicht teilnehmen." Da die am Ib. Maj abends angetretene Reise Staats- sekretärs Ramm nach Ostpreußen mehrere Tage gedauert hat, so ist nach dieser Bemerkung des Brieses kein Zweifel möglich, daß er erheblich später als am 7. Mai geschrieben ist. In diesem Briefe sagte der Staatssekretär Dr. Ramm, daß er die Anschuldigungen gegen Augustin, von denen er auch nur allgc- mein spricht, mit Entrüstung zurückgewiesen habe. Also mußte Minister Hermes annehmen, vaß Staatssekretär Dr. Ramm die Anschuldigungen für unberechtigt hielt. Minister Dr. Hermes hatte diee Mitteilung zudem als„unter allen Umständen streng der- rraulich" erhertren, so daß er im Augenblick nichts unternehmen konnte. Es waren ihm weitere Mitteilunzen und der Besuch des Staatssekretärs Ramm in Aussicht gestellt. Auf diesen Besuch hatte der Minister natürlich zunächst gewartet. Als er ausblieb und auch keine weiteren Mitteilungen kamen, begab sich Minister Dr. Hermes gegen Ende M a i seinerseits zum Staatssekretär Dr. Ramm und erfuhr dort Einzelheiten. Zugleich erhielt er die Gewißheit, daß Staatssekretär Dr. Ramm keinen Zweifel an der erfolgten Bestechung hatte. Erst daraufhin konnte der Mi- nister eingreifen. Augustin hat die Leitung der Abteilung S am 1. April mit der Gründung des Ministeriums übernommen. Der erste Geschäfisderteilungsplan, der Anfang Mai ansgcardettet und vom 20. Mai datiert ist, war leioiglich ein Niederschlag der bereits in den ersten Wochen des Bestehens des Mini- sterium» erfolgten Geschäftövertellung. Es ist also nicht richtig, daß Minister Dr. Hermes, nachdem er Kenntnis von den Vcrfeh- lungen des Geheimen Regierungsrats Tr. Augusiin erhalten hat, ihm die Leitung einer Abteilung übertragen hatte oder gar seine Ernennung zum Ministerialdirektor in Aussicht genommen hat. De? Minister Hermes hat erst Kenntnis von den Verfe�ungen Augustins erhalten, als Eieser bereits Abteilungsleiter war. Nach diesen Angaben muß allerdings angenommen werden, daß der Brief des Staatssekretärs Ramm später als am 7. Mai abgeschickt wurde. Immerhin liegt zwischen diesem Datum und dem 20. Mai— dem Tage, an den? der Geschäfts- verieilirngsplan in Kraft trat— noch eine Frist von ziemlich zwei Wochen, so daß es doch wünschenswert wäre, nun einmal .das wirkliche und genaue Datum des Briefe.» festzustellen. Sollte das wirklich jetzt nicht mehr möglich sein? Ferner crloarten wir. daß Herr Staatssekretär Ramm sich darüber äußert, auf Grund welcher Unterlagen er daran festhält, daß die Unterredung zwischen ihm und Hermes bereits am 8. oder st. Mai stattgefunden habe, während Hern? es sie auf Ende Mas verlegt. Eine restlose Klärung dieser Widersprüche erscheint dringend geboten. Nationalistische pobeieien. Aus dem Parteitage der Deuttchnationalen Bolkspartei»agt«, nach dem Bericht der„Deutschen Tageszeitung�(Morgenausgabe vom 30. Oktober) der Hauptschristleiter Paul B a e cker in seinem Referat über„Die deutsche Frage": „Die preußische Verwaltmrg ist zerstört und unsere jetzigen Sandrät« vom Pferdsschieber in Ostpreußen bis zu den» der mit M o S k a u die Hände schüttelt, können sich sehen lasten- Das preußisch« Volk hat das Vergnügen. Volksvertreter auf Landratsposten zu sehen, aber unter Abwandlung deS Goetheschen Wortes:„Du mußt es dreimal zahlen". Der preußische Minister des Innern Severing als Chef der Verwaltung und Vorgesetzter der Landräte weist den sachlich völlig unberechtigten und auch formell überaus ungehörigen Angriff des Herrn Baecker vor dem Forum des demschnationalen Parteitages «uff das Allerschärfste zurück. Derartige Angriffe sind nur geeignet. die Beamten draußen im Lande, die ihre Pflicht vollauf tun, zu verbittern und in den Augen der Bcvöllerung moralisch herabzusetzen. Der Minister des Innern behält sich weiter« Schritte in dieser Angelegenheit vor._ Die sächsische verfasiung. Aus Dresden wird uns geschrieben: Nach langer Vorberatung in einem Sonderausschuß hat am Dienstag die'sächsische Volkskammer die neue Verfasiung für den Freistaat Sachsen unter entscheidender Mitwirkung der sozialisti- schen Parteien endgültig verabschiedet und nach den AuZschußvor- schlägen einsttmmig angenommen. Im Verein mit dem jüngst verabschiedeten Landtagswahlgesetz gibt die neue Verfassung dem Lande in besonders ausgeprägter Weise eine demokratische Grundlage. Freilich sind gewisse Richtlinien dafür bereits rm Artikel 17 der Reichsversassung gegeben, aber über deren Mmdest» geböte gehen die sächsischen.Grundgesetze noch bedeutsam hinaus. Beim Wahlrecht ist auf jede Einschränkung des �Wahlrechts- alters verzichtet worden, vielmehr sind Männer und Frauen vom erfüllten 20. Lebensjahre sowohl wahlberechtigt wie wählbar. Völlig ist auch davon abgesehen worden, die Ausübung des Stimm- rechts von einer Aufenthallsdauer im Wohnort abhängig zu machen. Nach der Verfassung geht die Staatsgewalt vom Volke aus und wird durch Volk. Landtag und Behörden ausgeübt. Neben dem Volksentscheid ist auch das Volksbegehren grund- sätzlich aufgenommen worden. Rur über Staatshaushaltplan, Ab- gabengefetzc und Besoldungsordmmgen soll kein Volksbegehren zu- gelassen werden. Während das Volk Träger der Staatsgewalt iit, wird der Landtag zum Fundament für die Regierung, die tatsächlich ein Vollzugsausschuß der Volksvertretung ist. Die Regierung kann den Landtag weder schließen noch auflösen; er kann kraft eigenen Rechts zusammentreten und bestimmt den Zeit- Punkt der Vertagung und des Widerzusammentritts. Gegebenen- falls kann er sich selbst auslösen oder auf Volksbegehren oder auf Antrag der Regierung durch Volksentscheid aufgelöst wer- den. Während der Vertagungszeit wird ein Zwischenaus- s ch u ß eingesetzt, der in dieser Zeit die Rechte des Landtags gegen die Regierung wahren soll. lieber die Regierungsbildung ist folgendes bestimmt: Der Ministerpräsident wird vom Landtag gewählt; er ernennt wenigstens äußerlich die übrigen Mitglieder der Regie- rung. Voraussetzung für das Gesamtministerium ist das Der- trauen des Landtags. Jeder Minister mutz zurücktre- t e n, wen« der Landtag ihm das Vertrauen durch Mehrbettsbe- schluh entzieht oder seinen Rücktritt fordert. Zahl und Namen der Ministerien werden durch das Haushaltgesetz bestimmt.—» Eine gewisse Gewährleistung gegen übereilte Ausgaben soll dadurch gegeben werden, daß über die Etatseinsiellung hinausgehende Be- willigungen oder neue Ausgaben auf Antrag des Gesamtministe- riumS die Abstimmung nach H Tagen zu wiederholen ist. Ter Versuch, eine Finanz diktatur zu errichten, ist g c- scheitert. Die neue sächsische Derlaffung baut die Siaatsdevwaltung in weitgehendster Weise aus dem Selbstbesttmmungsrecht des Volkes aus; sie gewährleistet dem sächsischen Volke Freiheü und Demokratie. Und das in einem Lande, in dem vor wenigen Jahren noch im alten ObrigkeitSstaate das Vierklassenwahlrecht herrschte. Der preußische Ministerpräsident Genosse Otto Brau» ist er- krankt und bat sich einer Operation unterziehen müssen, die glücklich verlausen ist. Man nimmt an, daß er in 10 Tagen seine Geschäfte wird übernehmen kann. Hermann Clauöius. Von Walter Victor. Ich muß einmal von ihm erzählen.— Draußen, nickt weit vom Alstertal auf einer grünen Matte ist ein bunte« Gewimmel. Als hätten viele hundert bunte Blumen Menschengestalt angenommen und feierten ein frobeS Fest. Ein kleines Orchester Zupfgeigen und Violinen macht eine seine Tanz- mufik»nd die Hamburger Jugend schwingt sich im Kreise. Volks» tanz! So heimelnd»nd melodisch klingt eS, so leicht und froh schwingt eS im Kreise, und Zöpfe fliegen und Hände klatschen und Augen leuchten. Und einer mit struppigem, fast schon grauendem Haar und langen, aufgekrempelten Hosen, ein schlanker Strolch, macht sich da- zwischen, und schon hat er ein blondes Mädchen beim Wickel und toirbelt herum. Einmal und wieder. Wir ein Junge kann er'S. Dann ist der Tanz au». Noch streicht er über den Blondkopf. dann springt der ab zu neuem Tanz. Au» den blauen Augen aber strahlt's: Ich habe mit Hermann Claudius getanzt. Hei! Durch da? Grün des Garten« huscht dein leuchtender Blondkopf. OTädel! Haladei, Mädel! Hoppla I Mau soll keinen Personenkult treiben..— Aber von Herman Claudius erzählen und nicht den Menschen hinsiellen, den ein- maligen Menschen Hermann Claudius, das wäre ein unvollkommenes Beginnen. Denn der ist zunächst Mensch und dann eist Dichter, und wehe dem, der's anders sagen wollte, er käme ihm schön aus den Kopf. Er„dichtet" auch gar nicht. Gott bewahre I Etwa so an einem seinen Diplomatenschreibtisch, wie die großen Dichter vor dem Herrn. Erstens mal hat er gar keinen, denn er ist ein armer Schlucker, und zweiten«-» hinter dem Schreibtisch? I wo l Aber im Grünen des„Gartens", wo er das junge Volk, feine Jugeird, hat jauchzen sehen, im„Grün des Gartens", wo er mit dem Spate» seine kleinen Gemüsebeete umgräbt, wo er eS dann aus dem Kirsch- bäum klingen hört,— da dichtet er, schrieb er auch wohl die Verse, die ganz, ganz er selbst sind: „Das Lied meiner Liebe klingt inimer. Wie immer der Schimmer des Frühlings den Kirschbaum in unserm Garten umMngt. Selbst in Winters Eise. Leise mag meine Liebe werden, doch schwinden nie." Wir haben ein neues Buch von ihm. dem Urenkel des..Wand»- be?« Bot-'n"(Verlag Konrad Hanf. Homburg, mir einem SelKst&iidv.S ies Dichter»;, Matthias Claudius:„Lieder der Unruh", da stehen diese Verse und viele andere, die ihn unS ganz geben. Vcrie von Leid und Liebe, von Vaterkreude«und Weltschmerz, v»n Glück und Sonnenschein, von viel, viel Sonnenschein. Denn:„Was bin ich?... Was?... Ein Kraut?... Ein Gra»?... Nur Sonnenbegehr. Nichts mehr." So sagt er und so ist er selbst, und trüber Himmel ist ihm wirklich seilen. Da brauchten wir ein Mailied für die Zeitung.„Haben Sie wohl eins?" fragte man.—„Eins?" sagt Hermann Claudius. „een ganzes Book dull?" und so ist er wirklich. Aber dann ist es doch kein Mailied geworden, sondern ein flammender Ruf, an? einem Herzen voll heißer Liebe zum sozialistischen Neuland. Da» muß eigemlich hier noch stehen: Wir sind das dunkle Heer des Grundes, Das immer noch harrt. Wir sind da» dunkle Heer deS Grunde«,» Das Wortlärm nicht narrt. Wir heben witternd den Kopf, ob Morgenluft weht, Ob das große Erwachen schon über die Erde geht. Eine Stunde kommt: da brechen wir auf. Rund um die ganze Erde gehl unser Lauf. Offen die Arme, aufgerissen den Mund: Bruder! Bruder! Morgendämmert die Stund'? Hermann Claudius ist kein Unbekannter mehr. Wurzelt auch sein Werk im Niederdeutschen, für dessen Gegenwartsdichtung er als der erklärte Meister gelten kann(ein Band köstlicher plaltdeuticher Kinderlieber erscheint demnächst), so hat seine urwüchsige, durchaus natürliche und grundehrliche Art, sein Geradezu-Sein und sein Sich- Bekenne« zu allem Lachen und Weinen dieser Welt ihn vor allem zum Liebling unserer Jugend gemacht. Heil, Hermann ClandiuS l Rousseau in Java. In der Urania gab am Mittwoch Dr. Karl W i t h— der seine fachmännische Bedeutung durch Studien über buddhistische Plastik in Japan und em großes Werk über Java erwiesen hat— einen durch Form und Inhalt gleich sesselnden, mit wunderbarem Anschauungsmaterial ausgestatteten Vortrag über „Jndisch-javanischeS Volksleben". Leben und Kultur eines außerordentlich liebenswürdigen, begabten, über urlprüng- ltche Barbarei hinaus entwickelten und doch in Natur noch völlig eingebetteten Volkes wurve hier lebendig. Dank etnem günstigen Boden und benlichem Klima führt hier ein aus verschiedenen Rassen(Malayen, Indern, Australiern) glücklich gemischtes Volk ein Dasein, daS einen modernen Rousseau entzücken muß. In schöner Schwärmerei wußte der Vortragende für die Emiachheir. Natürlichkeit, die körperliche Schönheit und die alles erlüllend» Harmonie diese? Volkes zu begeistern. Beachten wir wohl: unter der holländischen Oberhoheit und dem«inheimischen Regiment herrscht«in Kommunismus der Dorfgemeinde, der von vornherein zerstörenden Erwerbstrieb und auflösenden In- dividnallSmus sernbält. Die Arbeit ist bier noch eine natürliche Funktion, die dem Mellschen dient, ohne ihn zu versklaven. Aus den überichüisigeu Krüjte» wächst in inniger Harmonie mit dem Ganze» die künstlerisch«»nd religiöse Kultur, die uns an Tänzen. Festen, Leichenfeiern, in Plastik und Architektur vor Augen geführt wurde. Uns ZiviltsationSkcüppeln, die wir uns nach einem Leben in Sckön- beit sehnen, ivurde hier klar, welche Voraussetzungen dazu gehören (wie sie einmal auf höherer Stuie im alten Griechenland be- standen haben). Man sehe die wimderbaren, straffen, kaum bekleideten Körper der Javanesen bei der Arbeit, beim Spiel, und man versteht das Cnistehen einer Kunst, die auf der Schönheit der tüasie und der natürlichen Harmonie seines Lebens beruht. Glückliches Java, dein« Kinder erfreuen sich, wenn man den modernen Ronsseau's glauben darf, eines LebenSglückeS» einer uu- bewußten ästhetischen Kultur, die unS eine unerreichbare Utopie scheinen muß.— r. Meister Moriz Rosenihal saß Mittwoch wieder am Flügel im gang gefüllten Beetboveusaal, und der Abend wurde wieder duich den großen Raum hin ein Staunen, ein Freuen, ein Stürmen, ein lmersättliches Verlangen nach mehr»nd mehr. Vollendete Technik entwirrt, ordnet, durcklichtei, und Roscntbal bewältigt, was er geben will, so. daß es auSgebreirel klar wird, einleuchtend llar. das vor allem. So febr ist feine unvergleichliche Technik dem Geist der gebotenen Werke hingegeben. Wenn er ieine LiSzt'sckien Stücke, vor allem ieine Chopin'icken Etüden spielt, lausch!, lacht und jubelt schließlich daS Publikum, das die Schwierigkeiten dreier Klavicraus- gaben aus eigenem Bemühen kennt. Wie Perlen läuft das Getön oft aus seinen Fingern. Er meistert jeden Ton in tausend Nuancen. DaS künstlerisch Schönste de« Abends aber wurde nach BeeihovenS schmerzringend- kämpfender E-ökoll-Sonake(op. III), der letzten seiner Klaviersonai«,, die herrlich, malerische Wald-, Berg-, S'rom- Romaniik, die Schubert„Wanderers Fantasie" getauft bat. Alles, was zwi'chen zartcst-farbigrrn, sonnigem Klang und gewaltig wo- gendem Tongebrause sich breitet, wurde hier von Rosenihal wunder- voll lebend aukgelan. tp. Der Nobelpreis für Medizin für 1017 ist Dr. Jules Bördel in Brüssel wegen seiner Entdeckungen auf dem Gebiete der Im- muniiät Vitt, für 1920 dem. Professor August Krogh in Kopen- Hagen auf Grund seiner Entdeckung des kapillärmotorischen Regu- lationsmechcmiSmus verliehen«ordern Georg Kaisers„Gurova". Spiel und Tanz in fünf Aukzügen, wird am b. November im Großen Schauspieldaus aufgefübrt werden und damit zur Uraufsühintig in Deutschland gelangen. Die Musik kam- paniert« Weiner R. Hcymann. Karlheinz Marlin inszemevt. Mnitt. Sonntag, 31. Oktober, abends 7>/, Uhr. im BlätSner. Saal Wagner-Abend de» Blüthner« Orchesters. Dirigent: S. Mehrowttz. Der Deutsche Schriftstell»rverb««d. die älteste derariige Ver- cinlgung. die in kurzer Autemandersolge ihren Ehrenvorsitzenden Viktor Blütdgen und ihren Vorsitzenden Dr. Storck verloren hat, wählte de» Schriftsteller Dr. Dier cks zum Borsitzenden. Urber Pihchonnalvie und sreltsche Einheit spricht am 29. Ottebee 7 Uhr im Deutschen Monistenbund Dr. HanS S a ch s im Werner-SiemenS- Realghumasium. Hohenstausenstr. 47/48. ltugarische Lehrkursr werden am tlngarstchen Institut der Universilät VcrlTi;, Dorothcenstr. ö, I, in den Abendstunden üner.igeiUtch gebaUeil, Vorbesprechung am 3. November, abend»?>(, Uhr, im Hörjal des Snftitutf. Hc. 534« Z7. Jahrgang 2. Heilage des Vorwärts Irettag, 2�.Hm 500 M. als Abschlagszahlung für die angeblich von ihm. dem Schreiber, verunlreulen Schläuche überiandt habe» sollen mit der Bemerkung, daß dem anonymen Schreiber seine Verfehlungen bitter leid täien. Nun hatte aber, dieser Brief den Fehler, daß er ebenso exaltierte Rede» Wendungen aukwie«. wie sie dem Angellagten geläufig sind und baß die verstellten Schiiftzüg« dock Äehnlichkeit mit denen des Angeklagten hatten. E« ergab sich auch die Möglichkeit und Wahr- scheinlichkeik, daß der Angeklagte deM Angesicllie» vorher zu- rechtgemochte Pakete unleuchoben baben kann. Der Siaaisanwalt bielt da« betrügerische Vorgeben de« An- geklagten für so strafwürdig, daß er 2>/z Jahr Zuchibaus be- onlragte. Da» Gericht verurteilte den Angeklagten zu 2 Jahren Gefängnis bei soiortiger Ve, Haltung. Berfehluage» iu einem Fabrikkautinenbetrieb. Die Arbeiter- belegschaft der Aktiengesellschaft für Automobil bau (Aga) in Lichtenberg, Herzbergstr. 32/86, unterhält einen Kantinen- betrieb. Jetzt hat sich herausgestellt, daß ein Mitglied der K a n t i n e n ko m m i ssi o n sich im Laufe der Zeit schwere Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen. Die von ihm für die Kantine gekauften Waren sind zum größten Teil nicht be- zahlt. Der von- der Direktion überwiesene Fonds in Höhe von 50 000 M. ist angeblich verbraucht. Belege sind aber nicht vorhan- den. Rechnungen über hohe Summen für Einkauf von, Kartoffeln, Zigarren. Wein und Kognak sind nicht bezahlt, das für die Ware vereinnahmte Geld ist zum größten Teil verschwu�nden. ES wird vermutet, dah noch mehr»irmen an die Kantine geliefert haben, ohne daß ihnen die Waren bezahlt worden sind. Diese Firmen werden ersucht, sich bei Kriminalkommisiar W. Goetsch im Bezirksamt Berlin-Lichtenberg zu melden. Polizeihundprüfaug. Am Sonntag, den 31. Oktober, vormittags v Ubr beginnend, veranstaltet die Ortsgruppe.Sckönholz. Sitz Pankow" de« Vereins für deuticke Sckäierhunde (®. V.) auf dem Schießplatz im Sckloß Sckönbol, ihre die«- säbrtae Polizeihundprü'ung. E« werden 14 ber besten deuticken Schäferhunde in der Arbeit vorgeführt. Es folgen nacheinander Sucharbeit. dann Arbeit an einem Bersuchsverbrecher und zum Schluß Geborlamsprüfung. Die Gültigkeitsdauer des Zuckerkarten- Abschnittes 68 der lauken- den Berliner Ha IbjahreS-Zuckei karte, aul den nur AuslandSzucker geliefert werden darf, wird bi« zum IS. R o v e m b e r. d. I. ver- längert. ; Sozloliltilche BildnngSschule. Vortraasnhend: Heute abend 7'/, Ubr, im Klindworth- Scharwenka- Saal. LürcuPtr. 76: A r> better-Dickter unserer Tape. Vortrag: Fritz Droop, Rezi. tation: Hans Brockmann. Eintritt: 5,40 M. inkl. Steuer. Karten zu baben am Eingang des Saale« und ln der.Vorwärts�- Buchbandlung. Lindenllr.?.—' Es lönren noch Höier Ausnahme finden in der VartragS- reibe über„DieGeichichte der Internationale" fRedakieur Erwin Bartd). Diele findet statt Freitags von 7— 81/, Ubr abends in der Aula der 69. Gemeindeschule. Kleine Frankiurter Sir. 6. Hörgebübr belrägt 6 M. �-Am Sonntag, den 31. Oltober, abends 7 Uhr, ln der Festballe des StadthnuieS. Eingang Klofterstraße: Elnführungsabend zum Richard- Strauß-Konzert. Vortrag mit Demonstralioncn am Klavier: Dr. Atsred Guttmann. Eintritt 75 Bs. TchausPielhauS Neukölln. Nachdem die erst« Aubühruna von Kerbact Hauptmann».Fuhrmann Henschel" mü große», Beifall ausgenommen wuid«, kommt das BolksbUdungsamt dem allgemeinen Wunsch« nach, nochmals mit einer Aufführung mit erstkiasstger Besetzung aufzuwarten. Zu der am Montag, den l November, in der»Neuen Well" (Neuer Saalt staiiftndenden Aufführung find»och Karten zum Preise von 3 M in den belannlen Stellen zu haben. In der»Scala-, Lutherstraße 22/24. werden im bmnortstilchen Teil deS Nooembcrproarammi die Exzentriker Schilleru.Jerome in ihrem urkomischen Ballanceatt, sowie der Humorist Willi Sannina. dem ein giän- zender Rui vo> autgebt, auftreten. DI« Ha»lptattrak>ion aus biimori-ischem Gebiet dürsten Roia Baletti und Max Adalbert w einem besonders für sie geschriebenen Sketsch von Paul Morgan bilden. Sroß-Serliner parteinachrichten. Heute, ÄS. Oktober: Tbarlottenbnrg. Abend« 7 Uhr bei Arsand, Beuffelstr. SS. Thema »SirlschoslSsragen und Wie.'krausbau'. Re«rent: Ken. Dr. Saffau. Schöne borg< Friedenau. Adendt 7»/, Ubr Frauensunttionärfitzung bei Grund. Rewinger Sir 8. Wichtige Tagesordnung. Mariendort. Ti, Ubr m der Aula de» KymnafiumS, Kailerftraße Oeffentliche Volttveisammlung Tagesordnung: l. Siellungnabme der Sozialdemokiatie zu Groß- Berlin. Reserevt: Stadlverordneter Ewald. 2. Freie Aussprache.- Mahledori. Ffauenabend Freitag, abend» 7>/, Ubr. bei Anders, Bahnbofflr. 38. Genossin Müller: Der Frauentag in Kastel. Peiersvage«. TI, Ubr im Restaurant.Zur Klause", Bruchmüblen. straße, öffenlliche Versammlung. Genosse Kurt Hemig spricht über da» Thema:»Warum hungert Deutschland". Ntedertchönhanlen.'/»S Ubr im Restaurant DilhelmShos. Kailcr- Wilbelm-Slr.: Milglicderversammwng. Mitgliedsbuch muß al« Legitimation vorgezeigt werden. SÄittenau. Oeffentliche Volksversammlung abends 7>/, Uhr Borsig- walder Festsäle, Komadstrape. Thema:.Di« politische Macht der Arbeiler- bewegung." Referent: Gen. Franz Krüger. «retsversainwlung. KU. Kreta. Rosenthal. Abend» 7 Ubr Im Restaurant Schneider. Hauptlir. 3. Thema: Berichterstattung vom Parlet- tag. Reserent: Dr. Bendiner. Morgen, SV. Ottober. 4. Lbt. Wrechnirng de: BeztrkSsührer bei Rickert, Steinmetzstr. 37, von 6— 9 Ubr abend». 48. Abt. 7 Uhr Sitzung der Funktionäre bei Burmeister, Cadiner Str. 21. ' Elternbeiräte de« Wahlkreis«« Friedrichshai».» Ubr Führung durch da« Zentralinstitut sür Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 120. Die Teilnehmer treffen lich vor dem Eingang um'1,6 Uhr. Ltchtertelde. 8 Uhr bei Ouandi. Reimurant.Walhalla", Hinden- burgdaoim, Ecke Moll!» straße. BorftandSsitzung. Mus aller Welt. Tie Milchkuh im Klosett. In der»Frank. Tagespost" lesen wir iolgende heitere Geschickte: Hast du in deiner Sobnung eine Kuh. lieber»TogeSpost'-Le'er? Nein!— ober ich! und weißt d», wer sie entdeckte!-- Meine Milchbäuertnl Da« kam so: Seit Jahren bekomme ich al« schwer Magenleidender Milck und kann darum jeden Wasierzusay mir der Zunge herausfinden. Meine Milch schmeckte sehr vlt nach Taufe: aber wiederholte Kenn olle bei meiner Liejeranlin Frau M. ergab nie eltvaS Faßbares. Der Kontrolleuer konnte sie nicht erwischen. Da teilte meine Frau mir mit. Frau M. benutze mein Kloiett öfter«. Ali baben Waffertvülung. Mein geäußerler Verdacht: Frau M. würde durch die Wafferlpülung gereizt, löste au«: „Na, sie wird doch nicht."—— Dennock: die weibliche Neugierde und der Drang nach Gmch» ligkeit ist eben bei uns Sozi stark, bohrte meine grau ein Lvchle.ir in die ABC Tür und beobachtete folgender Wunder: Frau Vi. betrat mit Becker und Milchkannen die heilige Halle, ver- riegelte den"Raum, verrichtete auch ein tleines Gelchällcheu. Dann melkte sie die Wasierspülung. hielt ihren Becher unter, nahnyden Becker unter ihren Manie! und verließ ichnell unseren Kuh st all. um die nöck'l höheren Stockwerke mit der bei uns gewonnenen Mück wenigsten« teil weite zu beglücken. Als da« wiederholt beobachtet wurde. brachten wir die Sacke zur Kennini« des Lebensmittelamtes und bereicherten es so um ein Veit'ahreti. das bis dahin unbekannt war. Dorum, lieber Leier, paffe auch aus, vielleicht wird bei dir auch eine Milchkuh entdeckt._ Im Wiener Kommunistenprozeß wegen der versuchten Sprengung der Nordbahnbrücke wurde, wie uns gedrahtet wird, der Haupt- angeklagte Lorenz zu 6 Jahren schweren Kerker« verurleilt. nack« dem die Geschworenen bei der Bejahung der Sckuldsiagen die Worte dinzugesügl halten, daß der Sprengversuck leine Gefahr sür Leben und Gesundheit anderer Menschen bedeutet habe. Der Ln« geklagte Hippel wurde wegen Ausbewahren« von Muniiio» und Eipreffung zu 4 Jahren verurteilt, die anderen Angeklagten zu Sttafen von 6 Monaten bi« zu 2t/z Jahren. Die Verhaftung des Bühnendichter« Georg Kaiser wird damit begründet, daß er und seine Frau Schmuckgegeniiände uud Bilder, die ihnen zur Aufbewahrung übergeben worden waren, und Oelge» mälde an« einer Villa, die da« Ehepaar bewohnt«, veruntreut und verlaust hätten. Raubmord bei Braonschweig. Montag wurden im Asiewald bei Braunichweig ein Buchhalter und ein Arbeiter de« Kaltwerkt« von zwei Perionen überfallen, erschaffen und beraubt. Den Mördern fielen 142 000 M Lohngelder ,n die Hände. Zwei Verdächtige wurden am Mittwoch in Braunsckweig verhaftet. Die Polizeide- amlen haileit große Mühe, die Verhafteten auf der Straße vor Lynchjustiz zu schützen. Da« erste größere deutsche Eisenbeton- Frachtschiff ist auf der Stoerwersl in Homburg ie, nggrsitllt worden. Es ist 56 Meiei long, 8.6 Meier breit und verdrängt 8000 Tonnen. Da» Eckiff ioll dein Verkehr zwiicken den Ostieeiändern dienen und heißt nach dem schwedischen Fluffe.Göla-Els". Eine deutsche Fahrplankonfereuz soll, zum erstenmal seit Krieg«- auSbmch wieder, am I. November, in Leipzig zuiammenttelen. Tschechische Herrschaft. In Mogolzen. einem kleinen deutsch- böbmliche» Ort, wurde ein seil Jahrbunderlen hier übliche« Erntete st verboten, weil die tichecktsche Schule, welche am 6 Oktober I. I. bälie eröffnet werden sollen, keinen emzigen Schüler aufzuweisen haue, obwohl zu diesem Zwecke eigen« die erste Klasse der deutschen Volksschule gesperrt worden war. Französische« Urteil gegen einen Farbigen. Da« sranzösiiche Kriegsgericht in Mainz bat einen maroktaiiiichen Schütze». der in der Nacht vom 25. August ein Mädchen ermordet bat, unter Zubilligung mildernder Umstände zu lebenSlängl cker Zwangsarbeit und Degradaiion verurteilt. Der um die gleiche Zeit ertolgie Mord an dem Buchdrucker Ludwig hat noch keine Sühne geiunden. Der Täler war auch iu diesem Falle ein farbiger Franzoie. Petroleum iu Frankreich ist bei Clermond- Ferrand erbohrt worden. Sport. Der heutige Kehraus im tLruuewald wird aller Bor-uSsichk nach WIereffanten Sport bieten. Im Oktober-Hürdenrenne» mutz man eigentlich mit Bannwart, wenn er inzwiichen an seinem neuen Hand- werk Freude«esunden haben sollte, start rechnen, wäbmtd man m Seigneur und FeuerSnoi leine Gegner sehen muß. Läuft Einsiedler im Saint Maciv»» Rennen, io mutz man ihn wohl über Heuchelet, so vorzüg- lich die Stute auch'm Gange ist,»nd Der Mohr stellen. Im Herbst. Jagdrennen sind die Stuten Eifche», Oceana und Sloia Lcha be- achienswerck Galeere und Glatteis hingegen lolllen im En ts ch ä d s- gungs-Jagdrenne» eine Rolle spielen. Im Slusohr-Rennen empiehlen sich Zarin. Obers�ldherr und Enver durch bisherig« Leistungen. Im Trost- Jagdrennen lammt gerade nicht die Elite der Hindernis- garde an den Start. Unter den Teilnehme' n verdienen Narew undWiibel etwa» Beachtung. Der für die Zweijährigen bestimmte KedrauS- Ausgleich könnle von Sinn-Fein vor einem Vertreter de» Gestül« Mydlwghoven. Prötzel oder Sternbild geholt werden. Da« Zweisiunden.Rcnueu auf der Qltzmvta-Radreuubab«. Da« prächtige Herbstwetter dal die DuekNon der Olhmpm-Radrennbabn bestimmt, da» Zweiiiunden-Rennen am Sonnlag 31. Oktober, zum Aus- trag zu bringen. Appeldans, Dillig. Lewanow, Saivall und Bauer werden stalten. Da» Rennen beginnt pünktlich um 3 Uhr. Lki-Rennon im Grunewald.?Im Donntag nach dem ersten Schnc« in dieiem Jahre veianiloliel der.Bertiner Schneeichuh-KIub IVorsitzender G. Neulirch. Berlin. Swöneberq. Marlin Luldei-Slr. 32 Iii) wie im Vor- jähre Werbe-Vetiläus« aus Skiern im Grunewald, und zwar über folgend« Slrecktn: PaiilSboni— Lwdwerder— Kaiser-Tilhelm-Turm- Vaui boru lLusiiinie 9,160 km); PaulSborn— Naiier-Wiibelm-Turm— Schilddoin— Paulsborn(Lufllülie IIL dm)! Pauisboiii-— Schüdhorn— Edarioitenburger Wafferwcrle— tzauISborni ll km); PaulSBom— Fotflbau»«au- bucht— Ekorlotlenburg-r Wasserwerke— PauiSborn(Luftiinie tz kw).— Ferner findet ein Prüiungslausen für Ansänger bei PaulSborn statt. Ski. Trockenkurie finden mit Sciürworiung de» Stadi-Jugendamic» iür Lehrpersonen und Schüler fiöhem Lehrannalten Gron-Berun« statt. Meldungen an Ltudienrat I. Scvneider. AII-Moabi: 85». Für de» Dinier sind dann Fahrten nach dem Riesengebüg« geplant. »Freie Schwimmer(Ebatlottcnbnrg« hält am Donniag, den 31. Oliober, sein 10. Schwimm'est in 1er Badeanstaü Krumme Sir. 10 ab. ES werden geschwommen Damen- und Dkannerreigen. Auch der Sport wird gute Leii.uiigeo zeigen, da» ergeben>chon die zahlreichen Meldungen, die von den Brudcroereinen des KreileS I eingegangen find. Der Anfang des Festes ist 3 Uhr nachm., Eintrittspreis 1.50 M. Zlrbetter. Nadlabrer- Bund»TolidaritSt-(Ortsgruppe verlw), ll. A b t e i l u n g. Sonntag den 31. Okiober, lrüh eine Verständigung zu erzielen. Achtung» Bauarbeiter! Die Frage der Akkordarbeit wird in Berliner Mitgliederkreisen gegenwärtig wieder ledhaft disknriert. Zu diesem Zweck findet am Tonntao, den 31. Okiober, vor mittags 9 Uhr. in den Pracdl'älen Alt-Bertin. Blnmenstr. 16, eine Funktionärver'ammlung statt, zu der die Sekrionsvorstän�e» GenerolversaminlungSdclegierten und Betriebsoblerne für das Hoch- und Tirjbaugcwerbe hiermit einge- laden sind. MitgliedSbuck legitimiert._ Der Vorstand. Sabotierung der Wahlen zu den ErweriSlosenräten. Wie ein Berliner Späiabendblan zu melden weiß, haben die Anbänger der K. A. P. D. verickiedene Wohtlokale angegriffen, die Wählteilnehmer vertrieben und die Wahllisten vernicklet, r'o daß der Wahlolt geschlossen werden mußle. Die Polizei griff überall ein und konnte die Ruhe wieder berstellen. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe 7. sWaren-, Kauf- bSulcr und Spezialgeschäfte.) Heute 7'/, Uhr, Iugendsäte, Rosenthaler Straße SS: slunttionäi veilammliinq. Vcraniw für de» redakl. Teil Tr. Werner Pritcr, Cbarlotlenbura: lür ilnzeiaea: Td. Gl-itr. Berlin. Berlagl Vorwärls-jlerio!, G.m.b.H.. flerlrn. Trock hör. wärrS-Buchdruckerei u. Verlaasnnsialt Peul Singer u. Co.. Lerlia. Lindenttr. S, HIcriin 2 Beilagen WUnteandS DUJAPD/N tC? O-mb.n UPDINOEN Ott A LAPOCtIELLE icocNAc-rnnmi mmtimt � G. neral-Vertreter lür Groß-Berlin und Brandenburg; Ernst Moritz, Cbarlottenbnrg, Kaiserdamm 114- Telephon: Amt Wilhelm Nr 4946 und 494/. Hühneraugen Hornhaut', Schrvfeien u,War>zer> besed/gi schnell, sicher u. schmerzlos KuKirol tOOOOOO fach bewährt prefs M. 3,-Jn. Apotheker» u-Oi-ogerien erhälMich VöPsichtvörNachahmungen.Kukirol steht efszfp da. •easealsa'ianeQasaamMwoeawMQanaeBeaneaRaesrg | Leipziger Strasse* Alexanderplatz 1 Allein-Vorverkauftor Zirkus Sarrasani HERMANN UETZ Billige Lebensmittel Ii Käse Tilsiter Käse............ Pfund 860 Schweizer Käse....... Piund17so Holländer Käse........ P|und1750 Edamer Käse.......... Piund1900 Landkäse............... Pfund ö70 Wurstwaren Prima Landleberwurst P|d.21C0 PrimafeineLeberwurstPid.2100 Prima Fleischwurst...PtUnd2200 Mettwurst nach Braunjchwei9pr,uAnrcl2650 T ee wurst................. 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Ick bedaure, datz Herr Sckridemann für diese u n g e» beure Tragödie der Entlassung von taufenden Offizieren und Unleroifineren ke n Lersländnis da«. Leider bestehr in den werlkslen Kierien der Bevölkerung noch immer schärfstes Mihrrauen gegen die Reichswehr und e>n Mitzvernändnis aller Borgänge in rhr; auch werden einzelne Vorfälle häufig verallgemeinert. Was der Abg. Sckeidemann gesprochen hat, wird diese Tendenzen nur verstärken.(Beifall.)> Reichskommissar für das Enswaffnungswesen Dr. PeterS beanrworter die Iirrerpellation über die Entwaffnung der Be- völkerung. Für ein Zurückhalten der Waffen auf dem Lande seien kernerlei Unrerlagen vorhanden. Immerhin wird am Schlich auf eine örtliche Durchsuchung nicht ver- zichrer werden sannen. Tie ErfassungSabreilung des Reichischatz« Ministeriums lyu eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Bisher find insgesamt 809 Geschütze, 11000 Maschinengewehre und 1 753 000 Gewehre abgeliefert Wördes. Tiefes Resultat ist ohne Zwangsmaßnahmen erreicht worden, und ick hoffe auch in Zukunft, Zwangsmaßnahmen ver- meide»» zu können. Abgeordneter Trimboru(Zentrum): ES ist eine Ueberfchäyung der Sozialdemokratie, wenn fie mernt, dag die Regierung sich nur so lange halten löirne. als es ihr pastt. Die s o z i a l l st r s ch e Zerrissenheit ist durch den Haller Parteitag in das grellste Licht gestellt worden. Di« Kommunisten stellen sich austerhalb der bürgerlichen Gesellschaftsordnung und wir unterschreiben auch hierin Jedes Wort des Herrn Reichskanzlers.(Sehr richffa! rechts und in der Mitte.) Nach wie vor stehen wir hinter den Männern der jetzi» gen Regierung. Eine dringende Notwendigkeit ist der wirtschasi- Uch« Anschluß an R u h l a n d. Redner dankt dann dem Papst Benedikt für den Aufruf an alle Völker zur Einigkeit und für die Errichtung der päpstlichen Nuntiatur in Berlin. Das Auswärtige Amt muß sich unbedingt der bedauerlichen Auslandsdeutschen tat- kräftigst annehmen. Unser« schwersten Sorgen sind die Finanzen, die Wirtschaft«ad die Ernährung. Eine Erhöhung der direkten Steuern ist schlechthin unmöglich. Auch eine Zwangsanleihe dürfte nicht � helfen. Wir sind keine grundsätzlichen Gegner der S oz i a li si e r u n g, muffen aber jede Maßnahme ablehnen, die die Produktion schwächt und di« Initiative des Unternehmers vollkommen ausschalten würde. Auf dem Gebiet der Schule halten wir einmütig an der konfeffionellen Schul« fest, die überall da bestehen soll, wo die Er. ziehungsberechtigten es fordern. Wir bekennen uns zum Reichs« gedanken, denn ein Berfall des Reiches wäre ein Verfall Deutsch» lands.(Beifall im Zentrum.) Abg. Graf Westarp Dnat.): Die oberschlesische Frage verdient genaue Betrachtung; wir bitten auch in dieser Siunde noch von der Autonomie für Oberschlesien abzusehen. Redner bringt Ein» zelheiten über polnische Pläne und Eingriff« in Oberschlesien. Die generell« Erklärung der deutschen Regierung, daß sie alle Vorfälle bedauere, denen Vertreter der französischen Regierung zum Opfrr gefallen wären, stellt«in« Demütigung dar, wie man größer sie sich kaum vorstellen kann. Auch in Zukunft ist ein Wiederauf» bau des Deutschen Reiches nicht möglich ist ohne ein starkes, unzer- stückelteS, nach der alten Ueberliefer-unz aufgebautes und regiertes Preußen. In der auswärtigen Politik begegnet man jetzt dem schrecklichen Wort„Wiedergutmachung". Es ist eine Unwahrheit; wir haben nichts wiedergutzumachen.(!) Man sollte lieber sogen: Kontribution, KriegSentichädigung, Wiederherstellung. Das Schuldbekenntnis der Sozialdemokraten in Genf, das sie nur abgelegt haben, um in die Zweit« Internationale auf- genommen zu werden, Hot, wie sogar der Engländer Henderson zugibt, die Ausländer abgehalten, für die Sch u l d e r k I ä r u n g ihres eigenen Lande? einzutreten. Der Fall L ö w e n st e i n ist ein Schlag ins Gesicht jede? Deut- schen und jede? Christen. Wir wollen beweisen, daß in Zukunft nicht ohne uns oder gegen unS regiert wsrden kann.(Lebhafter Beifall d. d. Deutsch nationalen.) Der gute Wille Deutschlands zur Erfüllung aller Forderun- gen ist in Brüssel viel zu oft betont worden.(Sehr richtig! rechts.) ES mutz festgestellt werden, daß die Unterschrift de» Friedensvertrages unter Drohungen erpreßt worden ist. Der Versailler Vertrag ist keine Grundlage für di« Schaffung guter B-ziehungen. Er ist eine Grundlage des Hasses. Wir fordern die grundsätzliche Be- tonung der UnauSführbarkeit dieses Vertrages. Unsere Beschwerden in der inneren Politik beruhen darauf, daß di« Re- gieruna als MinderheitSregterung stets von dem Gedanken aus- ging, sich durch Hinzuziehung der Sozialdemokrate-, zu einer M«hrheitsregierung umzubilden. AuS diesen Bestrebungen heraus hat sie den sozialistischen Wünschen zu stark nachgegeben.(!) Gegen die S oz i a l ifi e r n n g habe» wir gewichtige Bedenken; wir hoffe«, daß dr« Deutsch« Volk»- Partei in ihrer Festigkeit gegenüber der SozialffierungSfrage mit un» Hand in Hand geht. ES ist längst überholt, wenn man sich noch immer von der Meinung beherrschen läßt, daß eine Re- gierung ohne oder gegen di« Sozialdemokratie nicht möglich wäre. Da? ist sehr wohl möglich.(Hört, hört!) Die deutsche Arbeiter- schaft fft nicht die Sozialdemokratie, wir erstreben eine deutsche Volksgemeinschaft.(Befall bei den Deutschnationalen.) Michsminister des Innern Koch verteidigt in längeren Ausführungen die für O b e r s ch l« s i e n beschlossene Autonomie gegenüber den deulschnationale« Angriffen. Der Termin der preußischen Wahlen kann unmöglick Ge- genstand der Beratungen des Reichstages sein.(Sehr richtig) In einer persönlichen Bemerkung weist der Abg. Ledebour einen Angriff des Abg. Scheidemann zurück, den dieser auS einer mißverstandenen Aeutzerung hergeleitet habe. Die Einigung des Proletariats komme nicht durch eine Verabredung der Partei- führ« zustand«, sondern durch den Klaffenkampf des Proletariats gegenüber der Reaktion. Die Zersplitteruna in der Arbeiterbewe- gung ist hervorgerufen durch die Durchhaliepolitik der Sozialdemo- kratffchen Partei im Kriege. Nächste Sitzung Freitag. 12 Uhr: Anfragen, Jnterpella- tionen deS Abg. Schiffer und Genoffen, betr. M�immung in den Kreisen Eupen und Malmedy, Fortsetzung deS Reichshaushalls. Schluß gegen 8 Uhr. Die preußische Verfassung. In der Preußischen Sandesversammlung begann am Donners- tag die zweite Lesung der Verfassung mit einer allgemeinem Besprechung beim§ 1- Abg. Hirsch(Soz.): Die Beschlüffe des Ausschusses bilden em Kompromiß. Da- bei haben auch wir manches zurückgestellt, weil w'r nncht das ganze VerfaffungSwerk an unserem Widerspruch scheitern laffen wollten und konnten. Die§§ 1 und 2 enthalten ein unzweideutiges Bekenntnis zur republikanischen JtaatSform. Mit dem ObrigkeitSstaat haben wir endgültig gebrochen.(Zu. rufe der U. Soz.: Na. na!) Auf de» Parteitagen in Halle und in Hannover ist zum Ausdruck gekommen, daß man sich«lt der Neu- ordnung der Dinge nicht abfinden will.(Sehr richtig! bei den Deutschnationalen und 11. Soz.) Reichskanzler Fehrenbach hat sich gestern ausschließlich mit den Gefahren von links beschäftigt, er hat jedoch über die Gcfchhren, die von recht? drohen, nicht ge- sprochen. Und doch erheben dieselben Elemente, die den J3u- fammenbruch verschuldet haben, jetzt aus» neue ihr Haupt,(dehr richtig! link?.) Tie Verhandlungen in Hannover lehren uns, daß das alt« Preuße« wiederhergestellt werden soll. DaS alt« Preußen hat die Arbeiter. schaft geknechtet und unterdrückt.(Abg. Rippe!(Dnotl.): Alles Quatsch!) Ist denn die Hingabe des einzelnen an den Staat etwas typisch Preußisches? Für uns ist eS jedenfalls etwas Selbstverständlickes.(Lebhafte Zugimmung bei den«oz.) Haben S i e(nach rechts) nicht vielleicht sämtliche Stellen mr Staat für sich beansprucht? Was werden unsere bisherigen Feinde zu den Verhandlungen in Hannover sagen, wo man offen die Wiederaufrichtung der Hoheuzollernmonarchi« proklamiert hat? Graf Westarp hat das ja klar ausgesprochen l (Hört! hörtl links.) Daraus geht hervor, daß Sic die Republik nicht wollen! Soll das dazu helfen, den FriedenSver- trag abzuändern? Am Gegenteil: es wird unsere Gegner dazu anspornen, uns neue Lasten aufzuerlegen.(Sehr richtig! links.) Aber die übergroße Mehrheit des preußischen und des deutschen Volkes steht nicht hinter Ahnen.(Andauernder Widerspruch und Zurufe rechts.) Fordern Sie nur zu einer V o l i S ab st i m in u n g für die Hohenzollcrn auf. Sie werden nicht einmal die erforder- liehen Unterschriften für die Zulässigkeit bekommen.(Zuruf recht»: Abwartenl) Man wollte in Hannover die Aufmerksamkeit von sich selbst abwenden. Dw A ude n sollen es wieder aewesen sein! Man hat geradezu zu Pogromen gehetzt.(Große Unruhe recht».— Lbg. Gras(Dnatl.) ruft erregt: Da hört ja die Weltgeschichte auf! Keia Wort'it davon wahr!— Anhaltende Unterbrechungen recht». bis der Präsident dem Redner wieder Ruhe verschafft.) Wallen Sie etwa bestreiten, daß das, wer» in Hannover gesagt wuvde, die Menge zu Pogromen reizen muß?(Aha! und Lachen rechts.) Die haben sich offenbar die Wirkung solcher Reden, wie in Hannover, auf da» Anlcmö und auf das Ausland nicht überlegt, vor allem nicht di« W'rkung auf die unreifen Muffen. Wollen Sie durch Abre Tätigkeit etwa dazu beitragen, daß das deutsche und preußische Volk stberhoup: nicht zur Ruhe kommt?(Erneute Unruhe recht.) Im Reiche ist ein ReichSpräsrdent erforderlich scho» wegen der Beziehungen zum Ausland. In den Ländern sehen wir' jedoch kernen Grund für einen Staatspräsidenten. Wir meinen im Gegenteil, daß ein preußischer Staatspräsident «in« Gefahr für da» Reich fein würde, weil fachliche Reibungen zwischen dem Reich», und dem preußischen Staatspräsidenten nicht ausbleiben könnte«. Wir lehnen daher den deutschnational deutsckvolksparieiltchen Antrag ab. Wenn der Staatsrat eine Erste Kammer sein sollte, würden wir ihn grundsätzlich ablehnen. Aber der durch den Entwurf geschaf- fene Staatsrat soll nur erns Vertretung der Provinzen bei der Gesetzgebung sein. Die Ersahrungen der Revolution zeigen un». daß wir eine solche Vertretung der Provinzen brauchen. Die Republik ist die Borbedingung für den dauernden Bestand Preußen». Oberschlesien muß unter alle» Umstände« beim Reich verbleiben. Die Vorschläge, die der Verfassung»au sschuß für die P r o v i n z i a l- autonomrc macht, gehen viel weiter als das. was Äorfanty den Oberfchlesiern verspricht; ja, schon jetzt haben wir dieser Pro- vinz mehr gegeben, als ihr die Polen versprechen. Mögen die Ober- schlesier die Hoffnungen Deutschlands erfüllen und die Erwartunacn der Polen zufchanden machen.(Beifall bei den Soz.) Von oer rheinischen Bevölkerung, namentlich von der Arbeiterklaff«, er- warten wir, daß sie alle Ablösungsbe strebungen zunichte macht. Wir sind fest überzeugt, daß�der Abfall der Rhein- lande von Preußen nur der erste Schritt zum Abfall vom Reich sein würde. Mit der Verfassung hangt das Wahlgesetz innig zu- sammen. Wir werden unS der Pflicht, es zu verabschieden, nrcht entziehen. Wir müssen mit aller Ruhe beenden, was noch erledigt werden muß. Dabei wird uns da» ewige Geschrei«ach Neuwahle» nicht beirren.(Unruhe recht».) Sie(nach rechts) wollen doch baldige Neuwahlen. Was wollen Sie über für Sonsequenzen daran« ziehen, wenn die Dahlen in Ahrem Sinne ausfallen? Wollen Sie dann auch den Reichstaa auflösen?(Unruhe recht».) Im Reich haben Sie ja eine rein bürgerliche Regierung. Ist e» deshalb im Reich besser geworden? Di« Wähler werden zur Besinnung kommen und die Sozialdemokraten werden bei den Neuwahlen einen erheblichen Stimmenzuwachs erhalten.(Oho. rufe rechts.— Abwartenl) Wenn die Mehrheit die AuSschußfaf. sung der Vorlage annimmt, worden wir ein freies demokratisches Preußen erhalten. DaS Volk wird dre hinwegfegen, die dar- an zu rütteln wagen.(Lebhofter. sich immer wiederholender Bei- fall bei den Soz.) Ubg. Dr.». ftrieS(Dnatl.): Unser Ideal ist die Monarchie, an ihr halten wir fest.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Dir wünschen ein starke» Preußen. Besonderen Wert legen wir auf die Festlegung der Landesfarben schwarz-weiß r« der Ver. faffun-g. Wir wollen schleunigst Wahlen; wir wünschen, daß da» Voll endlich zu Worte kommt.(Lebhafter Beisoll rechts.) Ahg. Dr. Preuß(Dem): Wir wünschen mckst, daß, wie man e» in Hannover ausgedrückt har. die stärksten Einzelstaate» da» Reich in die Zange nehmen. Für unß steht der national« Einheitsstaat in der ersten Reib«. Di« Borlage in ihrer jetzigen Form erfüllt zwar nicht alle Wünsche, sie versperrt aber in keiner Weis« die Weiterantwicklung. Dill«an Preußen zusammenhalte», so muß man das Band für die preußischen Landschaften so wenig drückend und so wenig empfindlich machen wie möglich.(Sehr richtig?) Der deutschnationale Antrag über die Landesfarben ist nicht notwendig, denn niemand greift die Farben schwarz-weih an. Wir werden Ahnen aber nicht den Gefallen tun. dem Lande zu erzählen, daß die Demokraten die Farben schwarz-weiß abge- lehnt hätten.(Lebhaftes Bravo! recht».) Die Rechte, die sich sogar auf den Fre: Herrn von Stein beruft, mag auch nach semem Grundsatz handeln: Ich kenne nur ein Vaterland, und da» ist Deutschland(Lebhafter Beifall bei den Demokraten.) Abg. Dr. Leidig(D. Vp.): Für di« Zukunft deS Reiche» ist ein lebenskräftiges Preußen notwendig Eine glücklichere Entwick- lung Deutschlands ist nur unter dem Kaisertum möglich. (Beifall rechts.) Die dem deutschen Volk entsprechende Staa.:ß- form ist der ObrigkeitSstaat Ob wir die Verfassung annehmen körmen, hängt davon ab, ob unsere Anträge angenom- men werden. Abg Beyer-Oberschlesien(Zentr.): Wenn Sie Oberschlesien nicht die Autonomie geben, kommt es zu einer Katastrophe. Wir stimmen dem Antrage der Rechten auf Festlegung der L a n- deSfarben zu. Abg. Di Cohn(11. Soz.): llufer Antrag, das VerfaffungSwerk zunächst zurückzustellen, geht davon aus, daß dre Zeit für eine ver» fassungsmäßige Festlegung noch nicht gekommen ist. Wir ver» langen den Abbruch der BerfassungSberatnngen und Verhandlungen mit dem Reich zur Herbeiführung ein« Neu einteile ng Deutschlands u-nd Preußens nach wirtsckoftlrckvm G- ffchtSpunrten. Der Schwerpunkt mutz in die wirtschaftlichen Zu» saaunenhänge gelegt werden, dann wird sich das Parlament balo als völlig überflüssig erweisen,(j) Die Waffen werden nicht ruhen, bis ein Aufbau des deutschen Einheitsstaates nach ein- heitlichen wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt. Wir sehen der weiteren Entwicklung sehr ruhig entgegen und rechnen damit, daß die Dinge noch stärker sein werden als die Schatten der Bergangen- heit. Sie(zur Rechten) mögen glauben, Preußen zu retten. Dennoch wird die Verfassung nicht in diesem Saal gemackt. Sc w'rd draußen im Leben gemacht.(Lebhafter Beifall bei den Unab- hängigen Sozialdemokraten. Gelächter recht».) Präsident Lciuert: Von dem Abg. Ludwig(U. Soz.) ist ein Antrag eingegangen. in dem erstens ein« Neugliederung des Reiches und die Auflösung der Bundesstaaten verlangt wird, ferne.r die Verlängerung de? Staatsnotgesetzes vom 20. Marz 1919, weiter ein Wahlgesetz und die Auslösung der Landesversammlung und endlich der Abbruch der Verfassungsberawngen. Dieser letzte Punkt soll ein geschäftsordnungSmähtger Antrag sein. Ich schlage deshalb vor, die Beratung heute noch nicht abzubrechen. Sollte der Gesckäftsordn'ungHantvag angenommen werden, so würde ich die Verfassungsberatung morgen wieder aus die Tagesoodiiunz setzen(Große Hei.erkeit) Abg. Dr. C»b«(U. Soz.): Für uns kommt e» auf die sachliche Entscheidung über den Abbruch der VerfaffungSberatung an und nicht auf die Erledigung eines GcschäftsordnungZantrages. Präsident Leinert: Sie wünschen also eine Abstimmung darüber erst nach Erschöpfung der Rednerliste.(Abg. Dr. Cohn nickt zustimmend.) Abg. Bellert(U. Soz. links) wird bei seinem Erscheinen aus der Tribüne mit großer Unruhe empfangen, die sich auch nicht legt, als Präsident Le'nert versucht, ihm durch die Glocke Gehör zu ver. schaffen Emigen Abgeordneten, die andauernd rufen: Gehen Sie nach MoSkaul erwidert der Redner mit großer Erregung: Gehen Sie nicht nach Moskau, sondern geten Sie nach Kamerun! (Stürmisches Gelächter.) Die Preußische Landesversammlung ist vollständig überflüssig. In zahlreich.« Artträgen verlangen wir ja von der preußischen Regierung, aus die Reichiregierung einzu- wirken, damit irgend etwas gescheht. Glauben Sie denn wirklich, daß sich heute noch ein Mensch um die Grenzen Preußens kümmert? Da» Proletariat wird diese Verfaffung in Scherben schlagen, wenn nicht anders dann mit Blut. Abg. HeUmaau(Soz.): Ich haibe Herrn Cohn kommunistisch und Herrn Bellert ziemlich rechts gerichtet gefunden.(Heiterkeit.) Im Gegensatz zu Herrn Preuß lehnen wir die Sicherstelluna der Farben schwarz-weiß in der Verfaffung ab. Wenn eine Farve in Frage kommt, so kann«S nur schwarz rot.gald fein.(Zuruf recht»: Das ist noch die Reichsfarbe I) Wir wollen ja auch die unteilbare deutsche Republik. Die Herren von der Rechten Kätten die Frag« nicht erst anschneiden sollen. Wir haben ja die Farben schwarz-weiß gar nicht bekämpft. So aber könnte eS dahin kommen, daß auch für Preußen die Reichs färben festgelegt werden. Wir leinen auch den unabhängigen Antrag ab. Wäre er in Form e'ner Resolution von uns ausgegangen, dann hätten di« Unabhängigen uns gesagt, daß die Erreichung eines solchen Zieles auf parlamentarischem Wege unmöglich ist.(Sehr richtig! bei deq Soz.) Immerhin ist es für un» r.nt gewisse Genugtuung, daß die Herren, di« einst gegen die vorläufigt Ordnung der Staat»- gewalt gestimmt haben, jetzt diese vorläufige Ordnung in Geltung lassen wollen.(Sehr richtig!) Wir aber wollen von oiesor vor. läufigen Ordnung zur endgültigen demokcatisch-republi- konischen Neuordnung de» Staates schreiten. Zwei Tag« vor dieser Debatte ist hi« Verfaffung dsr Republik Sachsen einstimmig angenommen worden, und zwar mit Zustimmung der deutschnationalen Monarchisten, mit Zustimmung der Kommunisten, die uns hier so btttere Worte wegen unlerer Illusionen gesagt haben.(Hört, hört!) Warum teixi dies« Einsicht nicht auch bei uns ein? Preußen kann doch auch nur ausgebaut werden auf der BasiS der Demokratie und de» Parlamentarismus im Rahmen der Gesetze de? Deutschen Reiche».(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Damit schließt die Besprechung des§ 1. Di« Abstimmung über W« Anträge findet am Freitag be: Beginn der Sitzung statt. Da» Hau» vertagt tick auf Freitag, 1 llhr: Fortsetzung der zweiten Lesung der Verfassung. Schluß 8 Uhr._______ Jugenüveranftaltungen. Freitag, den SV. Oktober. Zentralsngendbetm. Lmdenkir. g. S. Hof III l.. Muffkadend.— vorfiewalde. Schule Ziedstrahe Vortrag:.Die Franzöiiiche Revotutig».' — Elpanda«. Odnlyzeiim ASkan erring Vortrag:.Religion und Sozialdemokratie.'— Degel. Sahnhofiliage tö vottrag:.Die Sntstebung de» Kapitals.'— Wilmersdorf. EesangSsaal Oberiealichul« Seepart: TKor- abend. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Arbettcr-Radfabrer- Verein»Groß Berlin-'. Tonulag früh 8 Uhr: Milt, nwaldc. Rachmiltag» 1 Uhr: Rotzi»(Grüner Baum). Start: Rattannenplatz. gniigfoztalfstifcher Ardeitsbund. Sonnabend K?�S: Beginn einer ilrbeitSgimeiiischaft über Ä-ir Adler» Such:.Ranpfttich« Probleme'. Treffpunkt S Ubr vor der Universität.— Berbaud lozta. liiitictier Lehrer. Neichäsissitzung: Sonnabend,« Ubr. Rathaus. Zimmer l09. Eintritt nur gegen Milgliedskatte. Tagesordnung: l. Ver- wcutnngsdeputation Berlin. 2. ivotboer Genv'Ichci'tssragr 8. Verband- wngen mit dem D.G.B. 4.?>nlrage und Vorichläge.— Friedenshand der Kriegsteilnehmer. Bezirksgruppe N.: beule Ist. Uhr: Äameradeu- obend im Restaurant.Zum Strauß', Pappelallee 84. Referent: Kamerad Heinrich Heppenhestner. Wirtschaft Weitere Abschwächung««serer Valuta. ES kosteten in Mari am: II. 7. 9. 10. 10. 10. 28. 10. 100 bolländische Gulden.. IZ7>.<0 I9S9.—?I07.— 2289,— 100 dänische Kronen... 643,65 898,— 971,— 1033,— 10Q schwedische Kronen.. 886,40 1268,— 1376,— 1461,— 100 norwegische Kronen.. 648,18 888,— 983,— 1026,— löO finnische Mari.... 148,20 179,— 181,70 173,— 100 Schweizer Franken.. 698 20 1024,— 1116,— 1126,— 100 öslerr. Kronen salteS). 24,08 23,— 23.83 22,70 100 deulich-österr. Kronen. 2S,40I/j 23,— 24,83 24,03 100 ungarische Kronen.. 23,98 18,73 18,42 16,82 100 tschechlsch»slowak. Kronen 84.72V, 82,88 83.72 86,30 100 spanische Pesetas... 630,68 938,— 1006,08 992,— 1 amerikanischer Dollar. 40.28 64,— 70.32 78,07 100 belgische Fronken... 339,38 480,— 488,— 808,— 1 englisches Pfund... 182,40 224,— 244,80 263— 100 französische Franken.. 319.68 427,— 464,80 473,— 100 italienische Lire... 223,38 287,— 275.30 279,— Kurse. Sparprämienanleihe 87,30, KriegSanleibe 70,50, Phönix 618, Gelsenkirchen 398, Coro 312, Obcrbedark 202, Harpener 465 Katlowiyer 376, Rbeinstohl 525. Dt.-Luxemburg 407, Bochumer 502. Lauiakütte 422, Canada 756. Schantung 625, Olavi 840, Paketsabrt 187, Norddeutscher Lloyd 186.75, Hansa 325. Sloman 2825, Südsee Phosphat 1225, Dt. Kolonial 7500, Dt. Petroleum 1475, Dt. Erdöl 1800, Pomona 11 100._ Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikatio«. Nach dem Geschäftsbericht ergibt sich iolgende« Brld: 1010,20 1018/19 1017/18 M. M. M. Betriebs. Gewinn.... 52 502 715 17 856 019 254�4 725 Iniercssen und Diskonten. 218 268 034 842 1 688 184 52 805«83 18 77 1 761 27 IHü 009 General-Unkosten.... 17 805 463 10 655 480 7 734 442 Abschreibung..... 17 508 024 8 442 270 7 430 390 Außerordentl. Abschreibung. und Rückstellungen..—— Verlust.......— 220 107 Bortrag aus 1017/19..— 3 600 000 R-ingewmn...... 17 412 496 3 873 893 Dividende...... 15**)— do. in M...... 10 500 000— Rückstellungen..... 2 000 000— Vortrag....... 2 493496— Rest zur Verfügung der Verwaltung..... 2 300 000—— *) Auf dos alte Aktienkapital von 36 Mill. M. und 11V« Proz., auf daS neue 9 Mill. M. Aktien. Aul 70 Mill. M. Kapital. „Der Auftragsbestand am 1. Jhili d. I. wird bei der Gußstahl- labrik und der Stahlindustrie als befriedigend bezeichnet. Es kann 10 012 068 22V,') 1 606 250 650 000 3 600000 nicht oft genug wiederholt werden, datz die Industrie dauernd nicht m der Lage ist— zumal bei verminderter Arbeits» 1 e i st u n g—, immer höhere Löhne zu zahlen, wenn anders nicht der Inlandsmarkt ausnahmeuutähig werden und der ausländische Markt verloren gehen soll. Eine Gesundung kann erst einsetzen, wenn den Bestrebungen Einhalt getan wird, wirtschaftliche und politische Ziele durch Arbeitseinstellung zu er- zwingen. Wie der RechnungSabschlutz ergibt, haben wir für Reuanlagen bereits ansehnliche Beträge ausgegeben, werden aber in Zukunft sowohl für unsere Betriebe als aucb bei der Gesellschaft für Slahlindustiie noch weiter bedeutende Auf. Wendungen zu machen baden. Es gelang, das in Haslach im Kinzigtal gelegene Eisen- und Stahlwerk Hasbach i.K Wilhelm Haist anzugliedern, das für die Lieferung von Automobil- teilen in Betracht kommt. Der Beirieb der schwedischen Gruben hat durch sast neunmonatigen Streik und durch die Entwertung deS deutschen Geldes im Auslande leider auch im Berichtsjahre hohe V e r l u st e gebracht, die bei der Aufstellung der Vermögensrechnung berücksichtigt worden sind.' Wir veröffentlichen die vorstehenden Ausführungen, um immer wieder auf den Widerspruch hinzuweisen, der in den auSge» wiesenen Erträgnissen nnd den Klagen über die Forderungen der Arbeiter zutage tritt. Erst wenn die Verteilung der Gewinne g e< meinwirtschasllich erfolgen wird, kann von der Arbeitnehmer schaft erwartet weiden, dafi auch sie ihre ganze Kraft und ihr ganzes Interesse an die Arbeit setzt. Ein Rekordabschluß. Bei den ManneSmannröhren- Werken betragen für das Geschäftsjahr 1010'2O der Rohgewinn 104 228 356 M. gegen 25677 679 M. im Vorjahr und nach Abzug der VcrwaltungSunkosten. Steuern und Abschreibungen auf Anlagen der Reingewinn 46 616 634 M,<5 028 827 M.). Hiervon werden 25,84 Millionen M. für den Bau von Arbeiter« und Beamten- Wohnungen, für ArbeiterwohlfahrtSzwecke und verschiedene Rücklagen verwendet, sowie eine Dividende von 20 Proz.<6 Praz.) vorge- schlagen. Der Vortrag auf neue Rechnung erhöht sich von 4,5 Millionen auf 7 Millionen M, Ferner wird der Generalver- sammlung die Ausgabe von 15 Millionen M, Vorzugsaktien unter Ausschlnh deS BeznaSrechteS der Aktionäre vorgeschlagen. Diese Vorzugsaktien tollen bei F n f i o n e n, Bildung von Interessen- gemeinschaften oder sonstigen Einschränkungen der Selbständig» keit der Gesellschaft, bei Erböhung oder Herabsetzung des Aktien- kopitals, bei einer Auflösung der Ge'ellichaki sowie bei AussichtSratS- wählen sünffaches und sonst einfaches Stimmrecht haben. Berliner Produktenmarkt. Nichtamtlich sind am 28 Oktober im Berliner Produkten- verlebr folgende Preise ermittelt für 50 Kilogramm ab Station: Speiseerbseu lBiItoria) 290— 315 M.. kleinere 220— 250 M., Futter» erbsen 170—185 M.. Linsen 400-480 M.. Peluschken 170—178 M.. Ackerbohnen 170— 183 M.. Wicken 150—170 M., Lupinen, neue blaue 80—90 M, neue gelbe 100—115 M., Serradelle, alle 70—80 M., neue 100—118 M,, Raps 485—490 M., Rübsen 5—10 M. darunter, Leinsaat 410—410 M., Mohn 600— OSO St., Senssaat 200— 240 M., Trockenschnitzel 77—81 M., vollwertige Zucker schnitze!, braune 140 bis 170 weist« 180-215 M.. Torfmelaffe 67-60 M,. Wiesen» heu. lose, gesund und trocken 31—35 M.» gut, gesund und trocken 37— 39 SR., Kleebeu 40—44 SR., Stroh, drablgeprestt 25—27 M.. gebündelt 23—25 SR., Runkelrüben S1/,— 9Vj M., Kohlrüben, weist« 9—10 M., gelbe 11—13 SR., Rübenpreise von ganz nahen Stationen etwas höber, rote Möbren 15>,— 17 SR., gelbe 14—16 SR., Mais lolo Golfox morgen fällig 196 M., Laplata loko 193—196 M, Ro» vember 190, Dezember-Jaunar 184—185 M.. Ret«, LrasilvollreiS loko 9,20 SR., November 8,90 SR., Burma loko 10,40 SR., Saigon loko 9 SR. Soziales. Tas Arbeitsrecht der Schwerbeschädigte». DaS Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigt« vom 6. April 1920(ReichS-Gesetzblatt S. 4581 schreibt im§ 12 Abs. 1 vor. daß Schwerbeschädigt« wur mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen entassen werden dürfen, sofern nicht durch Gesetz oder Vertrag ein« längere Frist vorgeschrieben ist. Eine solche Kündigung läuft erst vom Tage der Absendung der entsprechen. den Anzeige an die Hauptfürsorge-stelle ab. Schwerbeschädigte im Sinne dieses Gesetzes sind nach§ 3 alle Personen, die wegen einer Dienstbeschädigung eine Militär- rent« von 50 oder mehr vom Hundert der Vollrente beziehen. Ihnen stehen solche Personen gleich, die aus Grund der reichsgesetzlichen Unfallversicherung oder entsprechender landesrecht- licher Porschristen eine Unfallrent« von 50 oder mehr vom Hundert der Vollrente beziehen. Der Absatz 1 de?§ 18 des Gesetzes schränkt die KündigungS» möglichkert noch weiter ein durch die Vorschrift, dost für den Zeit- räum von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten des ge» nannten Gesetzes Schwerbeschädigten gegenüber eine Kündigung nach§ 12 Abs. 1 erst wirksam wird, wenn die Sauptfürsorgestellc ihr zugestimmt hat. Ausnahmen hiervon lästt der zweit« Ab» satz des§ 18 nur insoweit zu, als ein Arbeitgeber bei dem Jnkraft- treten des Gesetzes mehr als sechs Schwerbeschädigte aus 100 mS. gesamt vorhandene Arbeitnehmer ohne Unterschied des Geschlechts beschäftigt hat. In solchen Fällen sind Kündigungen auch ohne die Zustimmung der Hauptfürsorgestelle dann wirksam, wenn die Kündigungen nur nach Benehmen mit der Hauptfürsorgeftelle, nur in allmählicher Folge und nur in solchem Umfange auSgesprocken werden, daß monatlich höchstens einem Viertel derjenigen Zahl von Schwerbeschädigten gekündigt wird, um die da« Sechs vom Hundert anfänglich überschritten war, Durch ein neues Gesetz vom 22. Oktober wird die im ß 18 Abs. 1 bestimmte sechsmonatige Frist bis zum 1. Apirl 1921 verlängert. Diese Frist kann der Reichsarbeitsminister mit Zustimmung deS Reichsrats und eines auS 28 Mitgliedern be- stehenden Ausschusses des Reichstages im Bedarfsfall noch weiter verlängern, jedoch nicht über den 1. April 1922 hinaus. nillan�vn Perlen,Smai«agde kauft zum höchsten stur« W, Weisager, Mp$lgev Strafft 112, Eingang Mauentraße ••'-- ,|.r'.1 lstkpji ■.......".....'..... BtlMen, WU Soli. 5ll6n- Bruch und Sache», Mm, Mm«DD MilieMtM kaust und zahlt dir hüchstrn Tagrepreije S. 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