y7. Nr. ♦ 37. Jahrgang Ausgabe � Nr. 131 VezuqSvreiS: Morgen Ansgabe V wteltäTiruSO,— JKu.nnraatl.10.— SW. ft»> in» üxm«. ocrau« ablhot. PoO- e»sua äHonatlidi 10.— JHL.«rN.?u- st»llun!>»» Palt-'eituna» Pre alüie. Der»Barwart?� mit»et Sanmaa»» detlage.Salt a.S»tt* et dium wo-hen» täglid) �nximn: Sonmaa« und 3Ka» lag»'inmou Deiearaaim-ZdreOn .SezlalbeaaCrat 8«tlln". Bciiinet Dolke»blQtt (30 Pfennig} AnzeiaenvretS: Die adrtgeipaltene NanvareiUez«!!« toftrtS.— M..TeuerungsznichlagSO°,» .Sleme Anzeige«-, das Ttt* gearnltle Wort l,— ZK.(juloifig zw« fettgeöntdie Warle», it&es weiler» Wari 60 Lsg. Eiellengeinckie im» klklalllellenanzelgen öa» erste Wort «i Pig.'»»r» weitere Wari«0 Psg. Wvrie über lö Buchstaben zählen>ür :we> Worte. Teuerunaszutchlaa 60»,� �amilien-Anzeigen sür Abannenlen geile 2,— M, ralllilche an»»e- weriichattllche Leteln»- Anteigen 8.— Ml. die gelle ahne Aufschlag. Anzeigen iilt die n a chst e Ziummer müssen bi« A Ahr nack rniliag» tn Kauvlgeschä'I. Berlin S® i. ÄUden- Sratze 3. abgegeben werden. Ibeaffuel »an 9 Uhr irüh di» i Uhr abend». Zentralorgan der rozialdcmokratifchen parte» Deutfchlanda Rcdoftien und Expedition: EW. öS. 2indcnfh. 3. Serufrirrrfler; ilmt MorlM'Ia«, OJr. lül 90— 131 97. vereitelte /luftlarung. der Unterfuchunasaussckuß gesprengt! München, 23. Oktober.(Eigener Drahtbericht des «Vorwärts".) Trotzdem der vom Landtag einstimmig be- ichlossene UntersuchungSausschust Donnerstag bis spät abends seine Tätigkeit mit der Vernehmung der Aeugen begonnen hatte und bis Freitag noch nicht zu einem Urteil gekommen war, gab die Regierung heute vormittag im Plenum des Landtages eine Erklärung ab. Sie trägt in keiner Weise zur Aufilörung über die behaupteten Tatsachen bei, sondern be» schränkt sich darauf, die Ankläger und Zeugen zu v e r d ä ch> tigen und ihre Glaubwürdigkeit anzuzweifeln: die Polizei- beamten hätten nur ihre Pflicht getan. An diese Erklärung knüpften die Abgeordnete» Timm(Soz.) und Gareis (U. S. P.) einige Worte, was dem Vorsitzenden des UntersuchungsausschusieS Abg. Held lChr. Vp.) Vera»- lassung gab, seinen Austritt aus dem UntersuchungsauS- schuh zu erklären, weil dieser beschlossen hatte, daß von keinerParteiim Plenum vor Vollendung der Ausgabe» de« AnSschnsies gesprochen werden sollte. Tie Vertreter der M JcfpAttci(Zeutsd) nationalen) schlössen sich dieser Erklä- rung au. Die AuSnubnng eines vielleicht formalen VerstoheS gegen die parlamentarische Praxis kann nur als ein Vorwand be- trachtet werden, über eine sehr unangenehme Sache schnell hinwegzukommen. Tie Regierung und die rechtSbürgerlichen Parteien, von denen auch die Behauptung ausging, sie seien bei dem Beschlust auf Bildung eines UnterinckiungSausschusseS überrumpelt worden, haben durch ihr Vorgehen dir parlamentarische Untersuchungskommission iudieLuftgc. sprengt. Damit ist jedoch das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen. Soviel steht jedenfalls f e st, daß in München eine Organisation besteht, die es sich zur Aufgabe ge- stellt hat, die Denunzianten von Waffenlager» ansderWeltzuschassew Tie bisher �noch nicht aus- geklärte Ermordung eines Dienstmädchens, das ebenfalls in einem Anto verschleppt wurde und daS in einem Schlosse bedienstet toar, in dem sich ein Waffeulager befand, erhält nun auch eine politische Bedeutung! Diktat und seine Ausführung. Das Organ Dr. D e n e s ch'S hat weiter 1 tt Aufnahme Polens in die kleine Entente auf daS entschiede» ist? abgelehnt, weil Riga nur ein zweites Brest-Litowsk sei. I jem ein neuer Krieg, wieder zu Zwecken polnischen La n d ra kibS. entsprin- gen müsse. Dafür aber werde sich die Tschechow wwakei nie und nimmer hergeben. Wenn man in Prag sich nur noch entfch'// eßen könnte, daS feierliche Verfvrechen von der„neuen SchwiViz"»vahrziimachen und den Deutschen ganz anders zu begegstie/.,. als deutsche Reaktion und Bureaukratie in Mt-Oesterr/eH, den Tschechen begegnet sind, dann wüßten wir nicht, wy�/�s andere VcrbältniS als daS freundschaftlichste zv/i /cl en Deutschland und dem Tsibechenstaat bestehen könnte,'/ö i r wissen wohl die außerordentliche Begabung und geist'-— in diesen mitteleuropäischen Slawe» Der evalistbe Einsal masvorsä>!aa. Der Urabstimmung der vergaeStzi/«» GroßlnitonwienS. die«n 2. November stattfindet, wird folgendes Abkommen der beide» Parteien nntervee�trt: l. Gntticnbessher und Kohlen/., eveitet; verpflfckcken sich fdet- fichst. voll und ganz zusammenzuarbeiten, nm die Produktion zu steigern. 2. Zu dies, mi Zweck sollen D'HecktSkonnteeS uich ein National- komiitee gebildet werden. 8. Unter Zugmindcfeirtmg fc/« Reingewinn« der Gruben- besitzer und des Reingewinns Iti Ausfuhrgeschäft» der Regierung soll ein Plan auSjgoa/r Heitel werden, wie die Löhne neu zu regeln sind. 4. Bi» dieser Plan fn Wirksamkeit tritt, sind die Löhne der Avbeiter. ie nach ihrem ter. um 2 Schilliing bi» l Schilling 9 Peine zu erhöhen. Diese s ir'Khunge» werden am 8. Januar den Leistungen wShrend der Jefyien fünf Wochen, die am 18. Dezemver ablaufen, automatifi� ai toej-oßi Wenn die wöchentlichen Durch- schnitt»«mnahmen sue/ ls�r p o r tk o h le n denen für da« obge- laufen« Biertelsahr gl,/ Memmen, so sollen die Lohnevböhungen l Schilling 8 Pen« u 4M Pen« betragen. Wenn sie die Höh« deS vergangenen Bierv./ljabre» siberfchreiten. sollen für i« 288 0M Pfund Mehrein nähme» i.weitere 6 bzw. 3 bzw. 2)4 Pcn« bezahlt werden. Man glaubt sich«/•/, daß die Klchlenarcheitee den Weifungen ihrer Führer folgeu weidcn � und daß die Arbeit Mitte oder Ende nächster Woche wieder aufgs enommen wird. Die Zugrundelegung der Ausfuhr gewinn« soll natürlich dem Inland ein« allzu starke Kohlenteuerung ers zaren._ n?/öc Sw?aep-Nachfpie!. Do« letzte I Hott de« BütgermeisterS von Tork an seine Sibwester war:.Ich sterbe al« Soldat der irischen Revolution/.' Dem entpr ach seine Ausbabrnng in Soiiihwark und seine letzte— übtigei/i» trotz irislber Fabnen nngesiörie— Fahrt durch London und al s E-bo klirrten in Barcelona die Fensterscheiben deS Anglolon' zlai». Die eri/zVische Regierung hat beschlossen, den Leicknam de» vürgenneistze»» nicht in Dvblin landen zu lassen, weil sie politische Kundgebungen befürchtet; sie hat der Familie einen Dampfer»ue Berfügung gestellt, um die Leiche nach Eork, dem GeburtSostt de« VürgermeisterS. bringen zu lassen. Die An» gehörigen hoben jedoch ihre Zustimmung dazu verweigert, daß die Leiche uu mittelbar nach Cork gelchasti werde. Infolgedessen fuhr der Regty ,iingsdompser mtt der Leicke ohne die Angehörigen von Holl�iead nach Cork ab, während Meie auf dem fahrplan- mäßigerr Dampfee über Dublin nach Irland reisten. Tfcbe»ka. Mf v< k an, 29. Oktober.(0-®.) In Nr. 22# der Moskauer „ZSw./lija" berichtet d« Borllncndc der Moskauer Außerordentlichen Komni/Ffion zur Betämpfung der Gegenrevolution, Spekulation und d ei'stkkchee Verbrechen H.Tsche.kn"), M r f f i n i>. über ihre Tätigkeit in dn« ersten 9 Mannten dcs Iohrrs 1920. ES wurden in Moskau und'dein Moskauer Gouvernement inSgriamt 17 424 Personen verhaftet und l t 344 vorwiegend bei Polizeistrc fen frstgeiiomuirne Personen freigelassen. Bon den iivdcrcu»vurdcn auf Berord- nuvg der Lommiisiou, d. h. außergerichtlich, 181 er- s ch.» s s e n, 19 in Gefängnisse und 1401 in Konzentration». toger eingeliesert. 753 ZwangSarbeitsanstalten und 2976 andere» Behörden, darunter den Gerichtsbehörden, zugeführt; 1399 Minder- jtiihrigr wurden in KorrektionSanstalten untergebracht. Dir Tätigkeit der Kommission ermöglichte im erfica Biertelsahr die Auihebuug zahlreicher attivistischee Organisationen von Anarchisten. Mazimalisteu. Vvzialrevvlvtivuäre» und Spionage.> ver bände». vorwärks»Verlag S.m.b. h., SV). öS. llindenstr.Z. Ferniveecher: Amt Morinvlav, Str. 117 53— 54. Vi» Lage in England. Bon Philip Snowben.') London. Ende Oktober. Die gegenwärtige politische Situation in Großbritannien ist von großer Wichtigkeit und hoher Bedeutung nicht nur für Großbiitannien selbst, sondern für alle Nationen Europas. Die einflußreiche Stellung, die Großbritannien in der europäischen Politik einnimmt und die Wirkung, die die industrielle und politische Entwickelung in diesem Lande auf die internationale sozialistische Bewegung ausüben muß, machen die britische Politik zu einer Angelegenheit von vitalem Interesse für die Soziali st en aller Länder. Nach einer Ferienpause von zwei Monaten hat sich das Britische Haus der Gemeinen wieder versammelt. In der Zwischenzeit haben sich Ereignisse von Weltbedeutung ent» wickelt, und die Britische Parlamentarische Arbeiterpartei, die die größte Gruppe der parlamentarischen Opposition ist. sieht sich einer Aufgabe gegenüber, die voll von großer Schwierigkeit und von ernsten Möglichkeiten sür Großbritannien und die ganze Welt ist. Großbritannien hat am wenigsten von allen kriegführenden Ländern Europas die Wiikiingen der wirtschaftlichen Zerstörung gespürt. Aber die Flauheit im Handel ist jetzt weit verbreitet, und die Arbeitslosigkeit steigt täglich. In diesem Augenblick wird die industrielle Lage durch einen Streik der Kohlenarbeiter erschwert. Alle Gruben in Großbritannien liegen still, und Zehniausende von Arbeitern anderer Judustrien sind infolge des Versagens der Kohlen- Versorgung aus der Arbeit geworfen. ES ist in diesem Moment schwer vorauszusagen, welche Situationen ans diesem industriellen Streik entstehen können; ob er sich zu einem aijjgieineinen industriellen Stillstand entwickeln wird, in den alle Gewerkschaften hinein- gezogen werden, oder ob der Streik durch ein Kompromiß zwischen der Regierung und den Bergarbeitern beendigt werden wird. Im Augenblick sind die Tendenzen, die auf einen Abschluß durch Verhandlungen hinweisen, stärker als diejenigen, die einen langen und schrecklichen Kampf bedeuten. Aber wenn der Streik der Kohlenbergwerksarbeiter ab- gesckilossen ist. werden andere industriellen Pro- b l e m e ernster Art übrig bleiben. Die Regierung hat ihr Versprechen an die ehemaligen Krieger, sie vor zukünftiger Not und Mangel zu bewahren, nicht erfüllt. Es gibt etwa 200000 Arbeitslose unter diesen Männern, diese müssen von Unterstützungen existieren, die bei der jetzigen Höhe der Preise gänzlich unzureichend zum Lebensunterhalt sind. Die Ver- zweijlung dieser arbeitslosen cbcnialigcn Soldaten wächst tag- lrch, und der erste bcdrotfliche Ausbruch ihres Unmutes zeigte sich am Tag vor dem Zusammentritt deS Parlaments in einer großen Demonstration in London, die tn einen Tumult aus- lief, wobei eine Anzahl von Personen mehr oder weniger ernst verletzt wurden. Wenn die Regierung nicht sofort Schritte unternimmt, um mit dem Wert des Wiederaufbaues �u beginnen, daS Bcfchästigung bietet, ist eS. sicher, dag der kommende Winter eine Wiederholung solcher unglücklicher Er- eignissc in noch größerem Maßstäbe bringen wird. Der Zustand in Irland verursacht der britischen diabottr Party criistc Sorge und er schafft der liberalen A S q u i t h> Partei die Möglichkeit, einen Versuch zur Wieder- Herstellung ihres pokiiiichcn Prestiges zu unternehmen. Der Fehlschlag der irischen Politik der Regierung ist vollständig und tragisch. Im größten Teil Irlands ist die britische Ver- waltung gänzlich unwirksam. Jede» Tag finden Schießereien, Morde, Einäschcrnngrn von Städten und Dörfern statt. Die Streitkräfte der Regierung führen im Einverständnis und mit Ermutigung von Ministern Repreffalien in einer Weise durch, wie sie bisher keine Nation kannte, außer durch eine in Feindes- land einfallende Armee. Die Regierung, die unter dem Einfluß der fanatischen Minorität der Ulslerleute steht, hat keine andere Politik für die Bebandlung der irischen Frage als die nichtswürdige Politik, den entschloffenen Willen des irischen Volkes zur Selbst- regiernng durch militärische Gewalt zu unterdrücken. Diese Politik ist' seit hundert Iahren von verschiedenen aus- einandersolgenden britischen Regierungen versticht worden, ihre Erfolge zeigen sich in der gegenwärtigen in Irland hcrrsckienden Anarchie. Vor dem britischen Parlament liegt ein Gesetzentwurs der Regierung, der vorschlägt. Irland eine gemäßigte Art von Selbstverwaltung zu geben. Dieser Bor- fckilag wird von allen irischen nationalistischen Gruppen mit Verachtung zurückgewiesen, er wird aber auch vo» der Ulster- Minderheit nicht angeiioiiimen. Ein derartiges Olesetz bliebe ein toter Buchstabe, denn das irische Volk würde sich weigern, es in die' Tat umzusetzen. Während der letzten Wochen haben bedeutende liberale Staatsmänner und Führer der Arbeiterpartei Vorschläge zur Lösung der irischen Frage gemacht. A s q u i t h, dessen Schwäche in der Behandlung der irischen Frage, als er im Amt war, in hohem Maße verantwortlich für das gegen- wärtige Chaos ist, ist jetzt mit einem Vorschlag heraus- ch Dieler Artikel de» Gen. Snowden wird unS durch daS»Bureau für J«t«loalionale» MeinungSauSlauich' vermittelt.
gekommen. Irkan d vollstZndige Selstregiex'ltng zu geben in dem Mahe, wie die britischen DonnnionS Q e- gc- niehen, einschließlich deS Rechts, eine eigene Armee and Marine zu unterhalten. Die britische Arbeiterpartei ist in bezng auf bie irische Politik gespalten. Die letzte Jabreskonferenz.'dter Arbeiterpartei nahm eine Resolution zugunsten des Doltzcin Selbstbestimmungsrechts für Irland an. die dem irisct,er Volk, wenn eS das wünschen sollte. daS Recht zugestand, such von dem britischen Imperium zu trennen. Ein beträchtlicher Teil der britischen Arbeiterpartei ist noch nicht bereit, so weit zu gehen, will jedoch das vollste Maß von Selbslregierung innerhalb des britischen Reiches gewähren. Wenn die britische Arbeiterpartei sich nicht auf eine bestimmte Politik in bezug auf Irland einigen kann, wird sie vielleicht von Asg'iith und seinen Anhängern überflügelt werden.. Die irische Frage ist in diesem Augenblick der alle« beherrschende Punkt in der britischen Politik, und sie wird es wahrscheinlich bleiben, biS irgendein Staatsmann oder irgendeine politische Partei den Mut hat. das Problem mit einem großherzigen und kühnen Geist zu erfassen. Das Interesse an der russischen Frage ist cmgen- blickltch weniger stark, als es vor zwei und drei Moncueu war. als der Aktionsrat gebildet wurde, um die Regierung zu zwingen, die Unterstützung der Feinde Sowjetrußlands einzustellen Und sie zu- zwingen. Handelsbeziehungen mit Rußland zu eröffnen und die Sowjetregierung anzuerkennen. Dieses Sinken des Interesses an der rusüscken Frage ist die Bloßstellung der bolschewistischen Propaganda in Großbritannien zu verdanken und weiter dem wvhlbegründetcn Glauben, daß die Proteste des AktionSratcS die Regierung gehindert haben, ihre aktive Feindschaft gegen Sowjetrußland fortzusetzen. Im Ailgenblick ist die Stellung 2 l o y d G e or g eS wahrscheinlich stärker alS sie zu irgendeiner Zeit während der letzten zwei Jahre gewefeu ist. Lei einer kürzlichen Nactuvahl in einem Londoner Vorortbezirk sammelte der Kandidat Lloyd Georges mehr Stimmen auf sich als- die Stiinmen seiner Arbeiter� und liberalen Gegner zusammen. Die gegenwärtige Stärke der Koalition beruht iu hohem- Maße aus der Furcht. von der daS große mittclbürgerliche Element, das Groß, britannien ivahrschemlich in einer größeren Zahl al» irgendein anderes Land aufzuweisen hat.- gegenüber den revolutionären Tendenzen der Ardeiterdeivegimg beherrscht ist. Lloyd George. der in wirksamer politischer Propaganda Sachverfländiaer ist. nutzt diese Aengste bis zum äußersten aus und stellt jede vernünftige Forderung der ArbeUerschaft als Bcgin» des Bolschewismus hin. Die nächsten Monate werden wahrscheinlich wichtige und weittragende Entwicklungen in der politischen Situation Groß» britanniens bringen. Wenn die Regierung Lloyd Qkorges gestürzt wird, so ivird das wahrscheinlich durch den wachseiv- den Ernst der nationalen Finanzlage geschehen, die bei dem Daniederliegen des Handels immer schlechter werden muß. Die Britische Arbeiterpartei hat eine große Gelegenheit. Wenn die Parlamentarische Arbeiterpartei sich zu ihren Mag- lichkeite« erheben könnte, io wurde sie die industrielle, politische und wirtschaftliche Lage benutzen, um der Regierung so viel Schwierigkeiten, zu bereiten, daß ihr Verbleibe» im Amte«nmäglich würde._ ES soll n i S t abgewartet werden, bis bestimmt ist. welche« Statut die Stadl Memel erbält, jedoch sollen die Einwohner der Stadt ihre Schiffe nicht abliefern bis ,u dem Tage, an dem die Nalio- n a l i t ä t de» Besitzer« genau kcstgesiellt ist. Abzustimmen haben die Memeler nicht, also kann e« sich nicht um ein bloße» ErprcsinngSmanöver handeln. Aber du Schicksals« gemernschaft wird sie mu uns wieder verbinden. die«chtSunavhängigen Zentralkbmilee.ZMtgsieder Dittmann und Z i c tz den Erlaß einer ei.«,'! weiligen Verfügung. wonach letztere sich jeder Verfügung über die auf ihren Namen bei verschiedenen Banksirmen hinterlegten Gelder der ll. G. P. enthalten sollten, bis die Frage endgüllig geklärt sei, wem diese Kapitalien zuständen. Die Beklagten verlangten Zurücktoeisung des kiägcrischen Antrage«. In der Verhandlung am Freitag ergingen sich die Rechts- anwälie beider Parteien, tz e r z he l d für ltnlS, R o'f e n f e l d für rechts, in langen Auseinandersetzungen, mit denen jeder zu beweisen fuchte, daß jestr« Partei die rechtmäßige Nachfolgerin der U. S. P. sei. DaS Bericht gelangte nach längerer Beratung zu dem Beschluß, chih Antrag der Nrukommuniste» gttf Erlaß einer einstweiligen«er- hllgV-ng abzulehnen. Einmal sei das Gericht örtlich unzuständig, wvrf die Beklagten im Bezirk deS Landgerichts II wohnen, sodann fehla.den Antragstellern die Berechtigung zur Klage. ES sei jurfflistch unmöglich, die jetzigen Antragsteller al? die Recht», siußten.Telegraphen- Union nach fvlger de» früheren ZeiltrallomiteeS der U. S. P. D. an. forderung de» Polizeipräsidenten zusehen. Wie> wir erfahren, hat rnzwische» das neukommunislische Ztzutralkrtmiwe der ll. K. P. D.. vertrete« durch Geyer. Däu- m i g, Kr> e n e n, Richard Müller und andere, beim Land- geeicht I t Vn Antrag gestellt, durch einstweilige Verfügung nicht nur Dittma nn und Frau Z i e tz. sondern auch C r i s p i e n da» Be. treten de« purcauS der Parteileiwng am Schiffbauerdamm zu ver- bieten. Na ch der vb«n angeführten Entscheidung de» Landgerichts l dürfte woh>rollch diesem Antrage kaum stattgegeben werden. Dite Jorüerungen üer Seantten. Der ztrieite Deomteirtog de» Deutschen Beamtenbunide», der mcihr als t Ä Millionen Beamte vertritt, hat am 27. Oklober fol- gende Meßung angenommen: »Der lg'» 2S. bi» 27. Oktober JflßO in Berkin tqgcnde zweite Boamtewkag de» Deutschen BeamtenbundeS warnt Regierung, Vokksvertuetl» ng und Oeffentlichkeit in zwölfter Stunde, die letzte Die neuen Saltikumer. Die bereits gemeldeten Grenzüberschreitungen deut- scher SieichSangehöriger in Ostpreußen scheinen doch weitere Folgen nach sich zu ziehen. Die amtliche Untersuchung hat ergeben, daß mehrfach WerbebureauS bestanden, welche Anwerbungen für die litauische Armee vornahmen, indem sie den Ange- wordenen bO M. Taget verdienst zusicherten. In diesem Zusammen- hang erscheint eS selbst der von O r g e s ch und S t i n n e s beein- auffällig, daß auf die Auf- von Königsberg. Gencffen Lübbring, die Grenzwacht durch Reichswehr zu oer- stärken, der dortige Reichs wehrkemmandeur, General von Dassel, ei« Wirken in diesem Sinne abgelehnt hat. vuflösnng eine« UnteriUtZschusicS. Der vom HauptauSschuß der Preußischen LandeSversammlung eingesetzte Unterausschuß zur Prüfung der B e t r i e b S v e r hä l t n'i s s e der staatlichen Berg- wer« im Dezirk Recklinghausen ist vom HauptauSschuß am DonnerSwg abend aufgelöst worden. CS waren vom Präsi- deuten Bedenken des Hauses dagegen erhoben worden, daß ein Unterausschuß Arbeiten unternommen hatte, die nach der Ver- fa ss u ng und der Ge s ch ä f t» o r d n u n'g ihm nicht zustehen. Ein Vorschlag, die bisherigen Mitglieder des Unterausschusses form- loS auf Ei-nadung deS MrnisierS weiterarbeiten zu lassen, fand keine Gegenliebe, vielmehr soll ein Antrag auf Einsetzung eines parlamen't arischen Unterausschusses gestellt werden unter der Boraussetzung, daß all« Parteien diesem Antrag z u- stimmen. Man darf annehmen, daß keine Partei die Verant- «ortung für die Nichteinsetzung deS Ausschusses und die damit wirtschaftliches Widerstandskraft der Beamtenschaft durch kurz- l zwersclloS erhöhte Beunruhigung unter den Belegschaf- sichtige Stz'armaßnahmen zu vernichten und dadurch da»' t e n der staatlichen Bergwerke übernehmen wird. Rückgrat deS\ Staate» zu zerbrechen. Voraussetzung für den Er- folg der undeh ingt nötigen gerechten Lösung der Besoldungifrage ist«», daß alld Wege beschritten werden, die greignet sind, d i« Kaufkraft st*t Beide» zu heben. Während Arbeitslohn und wsrbendes � svpital bi» zur Unertröglichkeit durch Steuern bc l a st e t sind,, lieiert die Spekulation mühelo» Triumphe. Der zweit« B-ami tzntag verlangt, daß hiergegen endlich mit rück-' � slchtSloser E»>« r gi e vorgegangen wird. Insbesondere for- Die Wahl de» ReichSprSsideuten. Im Reichsgesetzblatt Nr. 211 wird die Verordnung über die Wahl deS NeichLprästdcaten �ver- öffentlicht. DaS Gesetz über die Wahl de» Reich» präsi- dente» regelt nur dl« Drundzüge de» Wahlverfahrens. Im übrigen erklärt es eine Reihe von Vorschriften des ReichSwahl- gcsctzcS für entsprechend anwendbar und ermächtigt den Reichs- min.ster de» Innern, mft Zustimmung de» ReickzSratS die A u k- führungSbestimmungen zu erlassen. Diese AuSsührungS. Um üie Darteikaffe. Etne Niederlage der Neukommaniftea vor Gericht. Der Kassenkampf zwischen Neu kommu nisten und RechtSuaab- hangigen wurde am Freitag— die» mal nicht mit handgreiflichen, sondern juristischen Avgumenten— vor der< Zivilkammer de» Landgerichts f au Sge fochten. Ts entbehr: nicht«ine» gewisse» Hu- mvrS, daß die Moskau sucht, gen Nerikommunisten alz erste zu den bürgerlichen Gerichten gelaufen sind, um sich von diesen ihr angebliches Recht schützen zu lassen. Da» neukommu» lustische Zentralkomitee(Dämnig, Stöcker usw.) beantragt« gegen .... G m. bestimmuroen werden nunmehr in der Verordnung über die Wahl dert er, daß ff der. D. ehrw rtan Gruud und Bode«, der an» der � Reichspräsidenten gebracht, die sich möglichst an die ReichSwah!» Arbeit bar GesamtB'ts entstcht, die Grundreute sowre alle arbcrtS- �dniitta anlehnt, die b« der jüngsten ReichStagSwahl gemach ton losen Gewinne ans h>.�»nopelea und valutanet restlos de» Zwecke« Erfahrungen aber bereit! berücksichtigt. Die neue Wahlordnung der Allzemeiuhcit nuh t>vr gemacht werden. Rur hierdurch ist e» wird vom Grundsahe möglichster V e r e i a f a ch u n g und K o st�e n- möglich, die deutsch? Bch �virlschast wieder leistungsfähig zu machen und gu befestige«, nur tta tt.n kann mit den Milliardcnaufwcndungeu für die Beamtenbesotdun t sine wirkliche und wirksame Be. soldungSreform gchchirffen werde».' poleuüu�ck auf Danzi'g. . Wahtscheinlich um die r�anziger den polnischen Wünschen zum .unabänselltchwst' Ubkonunerid wie»S der Bollwafterrot b zeichnet dal— geillgig t« machen, hat Polen ein« ganze Reib« schwerwiegender EntschSt �itmgSansprü-be gegen Dancig er- hoben und»war für Unruhen. i-Vitzkolt von KriegSmaierialseiidungen, Posteitüber'älle uiw. Willst du nrchl mein Bruder.ft sollst du Strafe zahlen fein Meme! wird öerttfch gemacht! Nämlich so: Zirerft hieß e«. daß st ie hechiff« au« Memeler Besitz nicht znr Zubuß« für Seapa Flow fv Vr tbabrn doch schon enorm viel Hafenmaterial abgeliefert l) her«,», �ezt'lten werden sollen. Jetzt bat der WiedergutmachnngSattckslduß entschieden, daß die in Memel registtierien Boote ihr ll b it r> l i« f e r l werden muffen. e r s p a r n i S sowie vermehrier Dezentralisation der Wahl. geschäfte bcherrschl. Die Einrichtung de» Wahlscheins wird weiter ausgebaut, dcr Zwang. Wählerlisten in doppe'ier Feriigunz auszustellen, beseitigt, die Mahlzeit den verschiedenartigen Bedürs- nisse« in den einzelnen Wahlkreisen angepaßt. Wann die erste Wahl de» Reichspräsidenten stattfindet, steht noch nicht fest. Durch die frühzeitig« Bekanntgab: der Wahlordnung sind die Wahlbchördeo in die Lage versetzt, sich rechtze.tig mit den neuen Vorschriften vertraut zu machen. »Die Frau»ehSrt i«s Ha«»'- sprach«« die RechtSVüegerNchen und leinten im LandtagSauSschutz den ZentrumSanirag auf bau»- w i r t s cha'f t l i ch e n Psl.chttmler- ichl für schulentlassene Mädchen ab! Keine Verlängerung der Frühdruschprämie. In landwirtichaf!- lichen streiien wirb viel'ach auf eine Verlänseinng der ipätestc»� mic dem 13. Ollober forigesallenen Früh ruichpiämie für Brot- getreid« und Gerste gehofft. Wie demgegenüber au« dem Re>chSer»ähru»gS»ü»istelium oiitaeleilt wird, ist die AuSdebnung dieier Fitst ebenso ww eine Erhöh», ig der Erzeugetpreiie für Gc- treide im lausende» Wlitschaitsjahr voltloinmen auSgc- ich losten. Di« Lauswiritchatl bat al'o leinen Anlaß, in de, Hoffnung auf eine böbere Bezahlung mit der Abliejerung de» Brot- getreide« zurückzuhalten.»- Das Volk öes Johann hus. Die.Schließung he» Friebmannsche» Tv 1>erk»lofeinstitntS, die ..•. m....f...-_.._________________ am 1, Oktober geschehen ist, veranlaßt da» Pi»mß,sche MtNlsterwm aus sonst önnstlich qehütete bislortsche Grenzen nn», für Kunst. Wiffevsäas: und Volksbildung zu e ßnig:n durch Aeuß-. � rungen der Presse notwendig gewordene» Nß'ttttlungen. Diese Anstalt war keine StaalSeinrichtuna. Der Sß'aat� hat zu thcer Am SS. OUober t»lS barst die ichwmzqetve Halte— str und fertig wie Atheee au» dem Havpt ie« Zeil», sprang der Tschechen- staar bervor. fin nngcbärdrger Lugen Kraft mochte er sich breit und gegcn seine und der Snrente letrrliche Bei wrechungea oer. schlang er deutsche, madjarls»« und ulra>nisr:e Randgebiete odne atie Rücksicht aus sonst ängstlich gehütete bislortsche Grenzen an» schwoll zu untSiinlicher aus. Heute reicht er von.gronken bi» sast an Riimänien, doch von der neuen Schweiz, die er werden wöllte, ist ni hts zu merken. Wo» aver durch die Aa r- handerte in der Seele de» Tichcchenvolke» gelebt und gearbeitet Hut, da» schildert Walter Tswnvpit in leinem»> ävriaen Blich»Die ijchechische Ztevolution"('Verlag E. P. Tal, Leiozi») so: Am feuerroten Himmel der ischechi sehen Revolution war ganz deutlich der Konftanzer Scheiterhaufen zu sehen, mit dem Magister Hu«, die papierene Kctzermütze mit detf Teufeln auf seinem Starr- topf. So«Veit auch die Zeit jener merkwürdigen und blutigen Kämpf« zurückliegt, und so seltsam und unglaubwürdig e» klingen mag, das hnffitisch» Mittelalter ist zuweilen am hellichten Tag de» zwanzigsten JahrHundert», gl-ich einer wilden Geisterjagd, aufze- täucht. St gibt eine Menge gelehrter Bücher, die deutsche. tschechisch« und lateinisch« Titel führen und welcha sich mit dem Leben des Magister» und seiner Zeit, mft den grausigen Kämpfen der Husstten, befassen; aber alle diese Historiker waren kühn« Skep« tikrr, wähnten den Magister fest in seinem Sarg schlafend und hielten j«ne rumorende Zeit für ein« zwar des Erzählen» werte, ober doch abgetane Sache. Aber e« hatte doch seine eigen«. unHeim. liche BswandtniS, daß die Tschechen dreihundertvierundsechzig Tag« im Jahr« den Glocken der römischen Kirche lauschten, am drei- hunderifünfundsechzigfien Tage aber plötzlich, als würden sie vom Iaubersiabe der Geschichte berührt, einen merkwürdigen Hexen- sackbath zu Ehren Hussen» aufführten. An diesem Abend wurden ick die Fenster Kerzen gestellt, transparente Bilder zeigten Hussen» verklärtes Märthrergesicht und die Earocha(die mit TeufelSbildern bemalte, hob«, spitzzulaufende Mütze au» Pappe, welche die Jnqui- sition den Ketzern bei den A'itodafeS auf den Kopf setzte), aus den Bierhäusern et sei« kl lärmende Tanzmusik'.lud dor dem mächtigen Denkmal de» Magister», da» man just anl dem Altstädter Ri-g errichtet hatte, so daß-.hm die Jungfrau Maria in» Gesicht blicken mußte, wurden Blumen gestreut. Diese Muttergotteestatue. ein vielbcwundertez Bildwerk au» dem fiebzeh-nien Jahrhundert, eine schlanke Säule mit barocken Verzierungen und E..geln und Putten, war zwei Jahr« nacl' dem Westfälischen Frieden errietet worden. Einern Volk, dem Kränkung angetan wird, eilen die Jahre dahin wie«In murmelndes Bächlein, und darum empfand man in Prag di« fromme Statu« als die Siegessäule der Gegenreformation, die gleich nach der Schlacht auf dem Weißen Berge aufgestellt wurde. zum Trotz und zum Hohn Betnahe dreihundert Jahre hatten daran nichts zu ändern vermocht, wen», auch täglich am Abend das rote Licht de» ewigen LäinpcheuS herüberl«� htet«, wenn an warmen Sommertag«« die fromme« Maiandachten. genug Voll anzogen; am flebenlen Tage der Revolution wurde diese Säule von den Arbeiter» niedergerissen. war keine SwalSeinrichtunn. Der 5.1 aat hat zu Unterhalluna nicht einmal e.ne Beihilfe gezahlt.» Sie wurvc viel mehr von Professor Friedman««ruö chm von dritter Seite zur Verfügung gestellten Mitteln als Privatanstatt lunterha'.teii. Der Staat war nur insofern beteiligt, al» der Kuktu 1 minister sich für die B:reitstellung der Räume im ehemalrgen h�arntsonlazarett bei dem hierfür zuständigen ReichSarbeilSmintste»üum verwendet hatte. Die Schließung der Anstalt ist auch der Uns erricht»t>«rwal. .ung überraschend gekommen. Veranlassung ist die Ll-sung des Ver- hällt.isseS zwischen Professor Friedmann und jener p vipaten Stelle, die bisher die Mittel für die llnterhaltuiig de» Inst Mut» gewährt hat. Tie Angelegenheit ist zurzeit noch Gegenstand lviiiterer Prü- fung im 5kul»usminist,rium. Durch die Schließung lla» Institut» werden die Arbeiten de» SachverständigenauSschusse». dzr auf ein» stimmigen Beschluß dcr LandeSversammlung für die lsU üfung de» Friedmannscheu Schutz- und Heilmittel» gegen Trotzt kulos« zu Beginn diese» Jahre» eingesetzt worden ist, in keiner Wegst? berührt. Nähere» über die Arbeiten de» Ausschüsse» kann zurzeit t wch nicht mitgeteilt werden. Malong» vom Kongo. Neiill«. al» ich die Wahl baite zwischen einem«chlavpniach'n auf der Snaße und einer bitterbarss n Ausgabe für eine Tasse Kaffee, trat ich in ein Kaffeehaus. ES ei- klang dort Mniit. Mit der Luft ziiqleich sog\ ch den Dutt teurer Zigaretten ein und der Kaffee iwineckte gut. Verl istileierte Lanipen und liefe Klubsessel iorg'en iiir Bcbaglichleit. doch mar ich widerwillig, inner! ch aufgebracht, weil lür mich dieser Kasb'hauS- besuch ,u kost'tzielig war. Plötzlich fesselte der Kapellmeister meine gan,« Anfmerkkczmkeit. Seine Augenbianen waten mit einem Stift behandelt, die W.g tpern geschwärzt und die Augen durch eisten seinen Strich künstlich» ver- größert. Man wußte sofort, er kalte Frauengunst gern und oft ge- nossen, das verriet er durch sein ge»zeS Benehmen. Er verschwendete feiirige und schmachtende Blicke. Und io wirk?»' er weilerbin auf die Freuen, sie empörend oder aaiiebend, je»ach ihrer V-ranlagung und Anschauune— Plötzlich siel mir em,«Ich, er ist dir ja bekannt, einst, als junger Künstler, kämpfte er dtöch mit dir in der gleichen Reihe. Nun aber spielt er hier, und.Makongo vom Kongo" da» fli jetzt die Ofienbaruvg für ihn. Und m vorgerückter Abertosiund<, wenn hohe Herrschaften leicht anneiäuselt sind, geht er, unter Vervi beugungen bettelnd, von Tisch zu" Tisch und läßt dann nachher, ft�,."M. k. daß�Z herausfordernd wirkt,.Teutschland, Deutschland über alle,"* Ein Lächeln, da» so sonderbar scharfe Züge eingräbt, kam übe: f« meine Lippen. 1 st In einer Pans« tief»ch ihn an. Mein fester Wille zwang ihn sofort zum Erkennen Er tat erstaunt arw in feine Züge kam ein klein wenig Verlegenheit«rf> meiner abgetragenen Kleidung. Schließlich aber betonte er. trotzdem ei» paar Berehrcrinne» seiner schon harrten, stark künstlerischen Eigenwillen und setzte sich zu mn Ich sprach mit ihm von nnseren Kämpfen und unserem Wollen und unftrem Streben zur Reife. Er blieb schweigsam. Er schäuue sich, nicht weil wir an ihn geglaubt hatten und er uns enttäuschte, sondern weil er mit un» verkelrt hatte. Er spielt jetzt.Malongo vom Kongo", da» ist sein Beruf, sein Können, da» Ende seiner künstlerischen Laufbahn. Ich denke nun an die vielen, vielen, dr« wohl den Kampf mit dem Leben ausnehmen wollen, aber den Entbehrungen nicht ge- wachsen sind. Um endlich Ruhe, endlich Sicherheit zu haben, zer- trümmern sie dl« eigene Spannkraft in sich. Ihr« Konzessionen sind vielleicht nur«:ne Nervenschlapp«. Ter Nur-Reiche jedoch zieht alle» in feinen Bann, r» bleibt alles hübsch beim Althergebrachten, und das Seichte triumpbiert. O, Ihr Reichen, in Eurer kein temperierten Oberflächlichkeit, !sie von der Slvohlenlrone der Gewohnheit, umwolen ist, wie viele Könner und Waller macht Ihr zu Sklaven und zwingt sie, dem eigenen persönlichen Wert da» Grab zu schaufeln! Erna Büsing. Hschschnle für Politik. DaS Wintersemester beginn! am M-n- tag. ES werden lesen: Rcichtzminister Dr. Koch über Relch, Län- der und Gemeinden; von den früheren Ministern Dr. DrewS über die deutsch« Frage; Dr. Schiffer über dt« parlamentarische Technik; Dr. Preuß über die Grundlagen der republikanischen Reichsverfaffung; Dr. David über Agrarfragen und Dr. August Müller über da» VerbondSprinzip in der Wirtschaftsorganisa- tion. Von U n i v e r s it ä t S p r o f e s s o r e n lesen HanS Del- brück, Meinecke, Hoetzsch, Sombart, Troeltjch, Wechtzler, Bonn, Roh rb ach; au» Leipzig G o e tz; au» Mün- chcn Bayerle. Ferner u. a. Gesandter a. D. Riezler. Mini- sterialdirektor Dr. Diedenfeld und andere höhere Beamie. Au» der Pxesse Dr. Mautler und Dr. Jöhlinger. Die Vorlesungen beginnen in der nächsten Woche in der Bauakademie (Schinkelplatz 6), wo auch die Studienpläne erhältlich sind. Die Volkshochschule Greß-Berlia macht eS sich zur Aufgabe, nicht nur dem Volk d e Möglichkeit zu wissenschaftlicher Bildung zu geben, sondern auch insbesondere die arbeitenden Klassen zur Gewinnung eine» feiten Verhältnisses zu unserer Gesamtkultur anzu- leiten. Zu diesem Zwecke— als erster Versuch auf diesem Wege— Hai die Volkshochschule in diesem Winter an drei Sonntagen ge- meinsame künstlerische Veranstaltungen«.gesetzt. deren erste mit dem Programm: Das Volkslied am 31. Ok- tover, nechmittagZ 5 Uhr, in der Aula des Sophien.Eymnasiiima. Weinmeisterstr 15, stattfinden wird. Kaiser. Der Schi, tzverband Deutscher lenkt in einein Telegramn, die Ausmerlsamlett de» 'Hiirtischeli JilslizwinifteriumS auf da» Schickial de» verhaslelen tBcorg ilitaner.(Seine anerkannte Bedeutung al« Tiibter ersordere die Zubilliuung liller erdenklichen Fre. decken im Rahmen der(Besetze, seine vettetzUtche Ron- stKution die gtötze Beschleunigung deS Verfahrens.
Nr. 536 ♦ Z7.7ahrgaag Beilage öes Vorwärts Sonnabend. ZH.Gktober 1920 GroßSerün was koftet's! M-rrMttkne und Kartoffeln wurden teuerer. doZ war die wenig erfreuliche Uebcrrafchung dieser Woche. Margarine kostet jetzt 15 bis 16 Mark das Pfund und für ein Pfund Kartoffeln mutz man dereiiS 45 Pf. zahlen, dabei soll aber eine weitere Erhöhung des Preises in A-ussicht stehen. Für Schmalz, es wird„natürlich' als reines Sebweineschinolz bezeichnet, mutz man Ll bis 24 Mar? bezahlen. Schweinefleisch kann man für 18 bis 24 Mark bekommen und Schmorfleisch von 16,50 Mark an bis 18 Mark. Suppenfleisch, selbstverständlich wie alles Fleisch per Pfund berechnet, ist für S bis 14 Mark erhältlich. Pferdefleisch wird für.10 Mark feil- geboten. Die Preise, die für Wnrsttvaren verlangt werden, sind sebr verschieden und autzerordentlich schwankend. So kostete in einigen Legenden der Stadt geräucherte Wurst, sogenannte Pres- la'.'er, st bis 14 Mark und Leberwurst 16 bis 38 Mark das Pfund. Will man sich einen Hammel?opf leisten, so mntz man 6 bis Ist M. ausgeben, während man für ein Pfund Knochen schon 3 Mar? bezahlen mutz. Ein reichliches Angebot ist in Aevfeln vorhanden. Kal- Villen, die eigentlich zu Weihnachten bereits nickt mehr genietzbar sind, werden schlankweg als Daueräpfel verkauft. 2 bis 3 Mark das Pfund. Der weitze Winterkalville hingegen, der bis Ostern halrbar ist. wurde zum Luxusartikel, denn er kostet das Stück 3 bis 6 Mark. Ein Sammelsurium von Erdbeeräpfeln, Prinzen- äpfeln, auch Hasenköpfe genannt, sowie von verschiedenen lang- geformten roten und grünen Kochäpfeln wird von 2 Mark an als „eckte Grave nsteiner' verkauft. Auch sieht man Spcckävfel, grotz, leuchtend, dunkclrot, im Geschmack erdig, selbst zum Kochen nahezu ungeeignet, sür 3 Mark das Pfund als„feinste Tafeläpfel" ange- boten. Die kleinen, faustgrotzen ToSkow-Rcinctten erblickt man von 1,80 Mark an bis 3 Mark. Die Herberts-Reinette, breit, derb. etwas schief, wird wiederholt als Goldparmäne(1,60 bis 2,50 M.) zum Verkauf gebracht. Die AnanaS-Reinette kommt 1,60 bis 2,50 Mark, Tiroler Edelrot 1,60 bis 2,80 Mark. Rosmarin(ziemlich selten) 2 Mark und die echt« Goldparmäne, rein kegelförmig, zart getönt, vom Goldgelb ins Rote übergehend, leicht geflammt, 2,50 Iri 3,50 Mark. Und der Scbön« von Boskow, ein Riesenkerl, das einzeln« Exemplar bis 1� P stund ickwer. regelmätzig an Gestalt, eigontlich Weihnachten erst voll im Wohlgeschmack, koste! das Stück 3 Mark.— Nun ja, für Geld kann man sogar den Teufel tanzen lasten. Clektrkzitätsverbrauchs in Ken Nachtskunöen. Fn der am gestrigen Fre'tag in der Kohlenwirlickiastsstelle in den Merken stattgeiundenen Belprechnnq. zu welcher auster den be- teiliaten ibebörden Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Verbände der Verliner Industrie eingeladen waren, wurde die dringende Notwendigkeit kiervorgrboben und anerkannt, durch N m-> stellung der Arbeitszeiten den ElektrizitätS- verbrauch möglichst gleichmätzig aui die TogeS- und Nachtstunden zu verteilen. Diese Mastnahmen stnd nötig weil- der nach Berlin geleitete Brairnkohleniernslrom in den Tages» stiinder, reitlaS arisgenntzt wird, wäbrend in den Nainstunden noch erbeblicke Strommcnoei,„rrreit ungenutzt zur Verfügung sieben. Ferner sind die Städtischen Berliner Elekriiziräiswerle. deren Eieinkoblenvorräre nur für wenige Tage ausreichen, nicht mebr in der Lage, die iür den vollen Tagesbedarf feblende Elektrizität selbst zrr er-eugen, io dost die Umstellung der Tlrom- ve'branchSzeiten in die Nachtstunden in kürzester Fett eriolgen mnst, »m nicht einen grotzen Teil der Industrie der Gefahr einer Srill- legung auszili tzen.. Eine eniivrechende Verordnung wird nach dem Ergebnrs der nngeiübrien Besprechung durch einen engeren Ausichnst in ibren, Wortlaut festgelegt und voranssichilrch in den ersten Novembertagen mit sofortiger Wirkung veröffenilicht werden.» Eine Beschwerd» der Mieterbeisitzer gegen den Magistrat ist der neuen Berliner Siadlverordnelenveisammlung zugegangen. Der von den 800 Mwierbeiiitzern der Berliner Miete niaunasämier gebildete Ausschuß gibt darin ein« längere geschichtliche Darstellung seiner Bildung und seiner Verhandlungen mit dem Städtischen Woh» nungSamt und dem Berliner Magistrat. Die Mieterbeisttzer erheben lebhafte Klagen über die mangelbaire Unterbringung und BeHand- lung der Einig, ingsämter, schlechte Versorgung der Beisitzer mit den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen und Berord- nnngen. zu geringe Entschädigung, vor allem aber über die bis heute nicht erfolgte Einberninng einer weiteren Sitzung deS gemischten AuSschilsieS, der aus den su- ristrschen Vorsitzenden, den Vermieter- und den Mreterbei- sitzern besteht. Trotz wiederholtem Drängen � haben seit dem 12. November 1910. also seit fast einem Jahre, keine weiteren Sitzungen des gemischten AnSichusies staltgesunden. Weder der zu- stäudiae Dezernent. Stadtrat Löhning, noch der Direktor des Wohnungsamts. L a p o r t e, hätten es für nötig befunden, mit den Mielerbeilltzern Fühlung z» nehmen und ihren Wün'chen noch- zukommen.„Die Mieterbeisitzer Berlins sind zu der Ueberzeugung gekommen, dost sie die Vernntioortunq mirr nickt mehr allein zu tragen vermögen, sie sind nicht gewillt, sich länger mit ollerlei Versprechungen an der Nase berumiübren zu lasien. Sie richten daher einen letzten Appell an die Grost-Berliner Stadt- verordnetenversammlnng und sprechen die Erwartung aus, daß ani die Verantwortlichen Posten des Dezernats fortan Männer gestellt werden, die sich der Verantwortung bewußt und von dem hohen sozialen Gefühl getragen sind, das dazu erforderlich ist.— Die neuen städtischen Körperschaften werden natürlich daS gesamte Miet- einigmrgswesen Grost-BerlinS auf eine breitere Grundlage stellen und die von den Berliner Mieterbeisitzern vorgebrachten Wünsche hierbei beriicksichirgen müsten. Insbesondere wird eriorderlich sein, eine Einheitlichkeit in der SpruSpraxi« herbeizuführen, denn heute herrscht auf diesem Gebiet ein völliges Durcheinander._ Das Ringbahnelend auf Stralau-Rummelsburg! Aeußerst unangenehme und vollständig unhaltbare Zustände haben sich, wie man uns von verschieoenen Seiten schreibt, auf dem Bahnsteig O. in Stralau-Rummelsburg herauSgebil- det. Durch die Verteuerung der Stratzeubahn ist ganz naturgemätz eine Mehrbelastung der Stadt- und Ringbahn eingetreten. Be- kanntlich sind während deS Krieges die Nord- und Südringzüge ein- gezogen, unlo es verkehren nur noch Vollringzüge. Laufen nun auf dem Vollringbahnhof aus beiden Richtungen gleichzeitig Züge ein, so ist die Benutzung der Treppe nach dem Bahnsteig O. geradezu mit Lebensgefahr verbunden. Er wartet nun. geduldig wie der Berliner ist, auf den einsahrenoen Zug nach Charlottenburg oder talcnsee, doch, o GrauS. dieser läuft schon vollständig überfüllt ezn. s steigen vielleicht 2 � s 3 Pastagiere aus, aber 8 bis 9, mitunter noch mehr, drängen, um einzusteigen, und in„drangvoll fürchter- litber Enge", so datz cS manchmal auch für die Beamten ein Kunst- stück ist. die Tür zu schlictzen. und manche Fensterscheibe zum Teurel geht, geht es durch die Stadt Erst kürzlich verunglückte ein Facr- gast, der so unglücklich zwischen die Trittbretter geklemmt wurde. datz von diesen ein Stück herausgcsägt werden mutzte. Ob er mit dem Leben davonkam, entzieht sich meiner Kenntnis. Mutz hier erst mehr Unglück passieren? Ist dies der Eisenbahndirektion nicht bekannt? Ich nehme an, datz letzteres der Fall sein mutz, denn die Zeitungen berichteten darüber, aber Abhilfe ist nicht geschaffen worden.,, Warum lätzt man tu den verkehrsreichsten Stunden nicht die Nordringzüge verkehren? D« Gleise liegen, und die paar Züge zusammenzustellen muß auch möglich fein. Dadurch würde für viele Fahrgäste das beschwerliche und mit Lebensgefahr ver- bundene Umsteigen fortfallen, es würde eine Entlastung der Züge, die von Friedrichsfelde, von Erkner, von Friedrichs ha gen usw. kommen, eintreten und mancher Aecger und manche Auseinander- setzung vermieden n-erdcn. Also Nord- und SÜdringzüge in den Verkehrsstunden heraus!_ Lustmord an der eigenen Tochter? Wie wir seinerzeit berickielen wurde am l6. Juni d. I, die Leiche der 16 Jahre allen Tockter Margarete des Justizivachtmeisters Else aus der Bahnhoistr. 6 zu Lindow in der Mark in einem Kor»- seid ausgeiiinden. Die Staoisanwallichast zu Neurnppin benach> ricktigte die Berliner Kriminalpolizei, die Knmiiialloiiilnisiar Dr Jihnke nach Lindow eniiaudte. Dessen Nachforschungen führlen zu dem dringenden Verdackl, datz der 43 Jahre alle Vaier der Er- mordeten die eigene Tockter nach vorausgegangenen schweren sitt- licken Verfeblnngen ums Leben gebracht habe. Die'er wurde daraufhin verbaftet, später ober, als sich venchiedene Entlastungszeugen meldeten, wieder auf freien Fuß geietzt. Mittlerweile meldete sich bei Kriminalkommissar Dr. Jihnke ein Mann, der eine Zeitlang Zellertienosie des Elfe gewesen war. Dieser Mann erzählte, daß sich Eike ihm gegenüber als Mörder seiner Tochter bekannt habe. Er babe den Mord einzig und ollein aus Eifersucht begangen, da der Gedanke, daß seine Tockter einem anderen Mann angehöre» körnite, für ihn unerträglich gewesen sei. Uebrigens sei Elfe über alle Dinge, die in der Außenwelt ge'chohcn und ihn belrasen, anfS genaueste inkormiert gewesen. Dies konnte er dadurch sein, daß er öfter den Besuch seiner Frau empsina. die ihm trotz der Wachsamkeit der Beamien allerlei Lebensmittel zu- steckte, in denen sich Kaisiber be'anden. Die Verhandlung gegen El'e ist vom Neuruppiner Gericht auf den 20. November anberaumt worden. Freigabe weiterer Kohlenabschnitte. Vom 1. November 1920 ab werden zur Entnahme und Abgabe von Kohlen folgende weitere Abschnitte kreigegeben: Abichnilt 7 der 12-Zentiier-KochkarIe, Abschnitt 17 der 16-Zentner- Kockkarte, Abichnitt 27 der 24-Zentner-Kochkarte, Abschnitt 37 der 32-ZenIner ficht. Da fü'blte er einen Neid in sich anfste'gen und dachte einen Augenblick an Inge und iein eigenes verlorenes Gi"(f — aber er hatte krine Zeit zu Uäumen— Linien und Zalffen verlangten seinen Sinn, und über dem neuen Leben vergast er das alte. Am anderen Tage fuhr er mit Sommer hinaus aufs Land. Etzortl folot.)
Ter Taschcnf«hrplan der Eisenbahndirektion Berlin für daZ Winter! albjahr 1090/21 ist in der'-efannien Aufmachung soeben erschienen und kann von ollen Fahrkartenausgaben bezogen werden. Der Fahrplan ist diesmal 248 Seiten stark und enthalt� neben den Bzrorts>r:ckcn nocb eine Zusammenstellung der auf den Strecken der Eiscnbahndirektion Berlin verkehrenden Fernzüge. In Anbetracht der Sleigerung der Druck- und Papierkosien«st der Preis auf eine Mark sestgesetzt worden. Das Reichskursbuch für das Winterhaib- jähr dürtfe in den nächsten Tagen zur Ausgab« gelangen. Neue Fürsorgestellen für Erwerbslose in Neukölln. Die Zu. nähme der Zahl der Erwerbslosen macht die Eröffnung dreier neuer s�e'chäfis- und Zahlstellen am 1. November dieses Jahres in Neu- kölln nötig. Diese neuen Geschäftsstellen werden belegen sein: Nr. 3: Saalestratze Ich pari.: Nr. ö: Weisestratze 31. Part.; Nr. 7: Reuter- ftratzc 34, Hof 2 Treppen. Die bisher Lenau- Ecke Friedelstratze untergebrachte Zahlstelle 1 befindet sich vom gleichen Zeitpunkte ab Reuterstratzc 34, Hof 1 Treppe. Wegen grober Verstöße gegen die Verordnung des Kohlrnver« kmndcS Groß Berlin ist dam Kohlenoändler Richard Petrick. Tcrlin. Petersburger Stratze 82, der Fortbetrieb des Kohlenhandels untersagt worden. Slrveiisgrmetiischaft sozialdemokratischer Lelirer. Sonnabend, den i!0. c I oder, 5 lldr, ansicrordemliche Oenciowrtinmmlima im Stadt« bails, Klouerjrraße, Zimmer 241. Tagesordnung: 1. Wabl des ertten Bor, sipenoen. 2. ArbeilSgememlamst, Parteitag und Soeialvemotratie. Fort- sszung der Ausspräche und Wahl der Programmlommiision. Lordmayor Mac Swtnys Heldentod gibt der Deutschen Irischen Gesellschaft Veranlaffung zu einer fcrerlichen Kundgebung am 31. Oktober, vorv.ilttags Vall llfr-.m Grünen Saal(Meistersaal« gebäude), Köthener Siratze 33, bei der u. a. Prof. Pokorny, Mr. G. Bar,.,-Gifford. Oberst Emerson, Chcmpakaraman Pillai und Dr. Boehm sprechen werden. E!>ar ottenburg-Tpandau. Jeden Sonnabend von Uhr im Scr.ctaüat Rosinensn. 4: juristische Sprechstunde. preußisthe verfasiungsberatung. Zilmsihau. Eine Film-Hochschule. Die Filmliga veranstaliele vor kurzem zusammen mit der K'no« technische» Gesellschast e«iie Beiprechnng zur Gründung e:ner Film« Hochichnlc. Der geschäfiSführciide Voisitzende der Filmliga. Dr. Fran, Pauli, begrüßte die Erschienen und legte Zwecke und Ziele der zu glüiidenden Film-Hochichule dar. Er sübrle aus. dotz die Fiun-Hochichiile, in eine t ü n st l e r i> ch e, technische und wirt- schailtiche Abteilung gegliedert, alle», waS den Film in künstlerischer, wissenschasilicher, technischer und rechllicher Beziehung betreffe allmählich in den Kreis ihrer Arbeit einbeziehen solle. In der aus das Reieiat folgenden lebhaften Ausspräche sprach sich die Mebrheil der Erschienenen für die Notwendigtcii der Verwirk» I i ch u n g de? dargelegten Planes an«. Um die erstrebten Ziele desto besser und nachhaltiger zu erreichen, wurde allgemein für zweckmäßig erachtet, den Rabme» anfangs möglichst eng und straff zu gestalten und stiifenwcise aus einer Reihe von Vorlesungen und Uebungen die Filni-Hoch'chule auszubauen. Ein engeres Arbeitskomilee an» dem Kreis der Versammelten koustiiuicrle sich als vorbereilender GründungsauSichutz und beschloß, nach Erledigung der notwendigen Borarbeiren, für die Dr. Franz Pauli als vorläufiger GeichäiiMiihrer bestellt wurde und zu denen die in Frage lommend«» Fachvcrbände, insbesondere auch die Fach- presse, hinzugezogen werden sollen, die Gründungsversammlung ein« zuberufen. fasscr Max Bauer. BeliieU ist er»Der Verächter des Todes', und das bez'ebt sich aus eine Gelchtchle, die in italtentiches Gebirge enlsührt, rönberhait zu erzählen ist und deriliche LanbichastSbilder vermittelt Sie ist iinr als Mittel zum Zweck zu werien, liefert in hundevlerlet Möglichletten da?, was Harry Peel biaucht: Situationen und Küdnbeitcn so hochgradig lalsbrecherisch, wie sie eben nur im Film geleistet werden lönnen. Woraus es antommi. Harry Peel macht alles. Er nimmt sich(immer zu gutem Zweck) das Gesäbilichtle vor. und was er sich vornimmt, das jübrt er auch aus. Wie er selbst im Verlaus des Films erklärt. Und er erklärt eS und vollbiinnt daS alle» immer mit LiibenSwürdigkelt und ohne jede Re- uommistcrei. Er machi'S eben und damit bastn. Er ist kein Detektiv, böchflenS(o eine SIbnil dieter Filminffe, und alle Detektiv« werden Nullen nebe» ihm. Er siberlrumvtt sie hundertmal durch seine sabelbafle Gewandt. heit und Selbtilosigteit. Hier vor ollem alS Netter deines reizenden Kinde», da» einer leichtsinnigen Mutter au« den Händen genommen und zur Rettung seinem Vater übe« antwortet werden soll. Der Entführer ist ein riesiger?lffe, der mit der Kleinen wagebalsig an Wänden empor, an Tele- xravheirdräbleii entlang und über Dächer und HauSabgründ« hinweg« vaitigiert. Und der Affe? ES gibt eben nur einen, der fo ungeheuerlich klettern kann. »Eines große« MannrS Liebe", heißt der Film, der zurzeit im II T am Kunürliendamm zur Daibielung gelangt. Er ist nach einem Roman von Franz Rosen von Robert Liebmann bearbeitet, während Rudolf Biebrach, der sich gleich den Echaufpielcrn vor dai kbare Ausgaben gestellt fab. für die Regie zeilynct. Heizog Ernst, vom Volt getiedt, nimmt ein Mädn en aus dein Vol.e zur Galtin. Roch manchen Wirren, Irrungen und Vibemoimi hat zum Schluß das Publilum das Vewußtietn, daß beide enal-ck, glücklich weiden. Kelch, eil wird der edle Heizog Ernst dem Fürsten Wibrecht, einem Unterdrücker lchlirnmli« Sorte, gegcnüderneftellt. Die Stellungnahme de« Herzogs Ernst zu den Rebelleu macht sich auf der flimmeinden tlefiiwand lehr wirlungsvoll, iritiich betrachtet ist sie jedoch mehr al« onjcchlbar, kenn et» Voll bat eine andere Aufgabe ai« die, sich treten zu lessen und in hündtfcher«chweifwrdelei einem Unwürdigen, der zutällig durch Geburt zum Regenten winde, die Hand zu küssen. Die Zu- tchouer gaben sich nahezu einem BeisallSrauich bi», und der Film ist auch talfächlich io ciiisgcmachl, daß er unbedingt Wirlungen erzielen mutz. Um da» gute Gelingen machleii sich Lolle Nenmann. Felix Bäsch, Franz Egäniess, Lina v osjen, Julie srerda, Tora Schlüter ulw, oerdienl,— Die Megter« wache und die ZeicheiihunioreSle.Großer intcrnationsler Boxkampf waren angenehme Beigaben._ Groß- berliner Parteinachrichten. Heute, Sv. Oktober: SS. Abt. Avend» 7 Uhr Sitzung der Parteifunktionäre bei Berger, Levetzowstr, 21. Kousereuz der erwachsene« Mitarbeiter de« Verein» Arbeiter« fugend im Ze»lral)ugell0heim, ltindenstr.!t, 2, Hof 4 it., 7 Uhr. Morgen, 31, Oktober. 10. Abt. Bonn itag» 10 Uhr Sitzung der Parteisunktwnire bei Walfj, Forster Str. 44. « Jungiozialtstttche Vereintgung(S. P. D.). Arbeits« onsichuß: abends KU« im Bureau des ZenlralblldungSauSjchusscS Lindcilftr.->, Hoj II, 4 Tr. Da« Erjchrinen aller Mitglieder des Aioeit«. austchnsicS ist dringend erjordertich.— Gruppenloiijerenz: abends 7 uhi im Zi» wer der Jurlsiuchen Spiechnunde. tlindeiisu. 3, Hof I, iints parierre. Alle Ortsgruppen wüffeu vertreten fein. Keiner darf fehlen.— pon,1IQfl' 31. Oktober. Treptow: Wanderung RüderS- dort— Werder. Trcsipuntt: morgen« lIJS Uhr am Ringbahnhos Treviow und 8 Uhr am Schicsijchen Bahnhof. Die Landesversammlung lehnte am Freitag, den An- trag Ludwig(ReckriS-U, Soz.) auf Abbrechung der Lerhairdlungcn bis zur Durchführung der Einheitsrepubli! ab; ebenso den Antrag Hergt(Dnatl.). der die Zustimmung zu Veränderunycn des Staatsgebietes nur unter den gleichen Bedingungen wie eine Verfassungsänderung erfolgen lassen will. Dagegen wurde ein anderer Antrag Hergt(Dnatl.), datz als Lanöesfarbe schwarz weiß festgelegt werden soll, mit den Stimmen der Rechten, des Zentrums und der Demokraten gegen eine starke Minderheit der sozialistischen Frak« tionen angenommen. § 1 lautet nunl »Preutzen rst eine Republik und Glied de? Deutschen Reiches. Die nach der Rcichsverfassung erforderliche Zustimmung Preußens zu Gebietsänderungen«rsolgt durch Gesetz. Die Landesfarben sind schwarzweitz." Gegen die Stimmen der Unabhängigen wird der Paragraph so angenommen. Nach§ 2 ist Träger der Staatsgewalt tfe Gesamtheit des Volkes, ß g regelt Volksbegehren, Volksentscheid und Volkswabl. ß 4 besagt, datz das StaatSministerium namens des Volkes die Regierung fübri. Ein Antrag Berten(U, Soz. rechts), wonach Träger der Staatsgewalt die Gesamtheii deS arbeitenden Volkes sein und dazu nicht gehören soll, wer seinen Lebensunterhalt aus Kapital« z i« S oder Grundrente bezieht, wind gegen die beiden un> abhängigen Gruppen abgelehnt und der Paragraph angenommen; ebenso§ 3. Beim§ 3b(Ausübung des Stimmrechts) beantragt Abg. Sicring(Soz.) Streichung des Absatzes, nach welchem üas Stimmrecht für öle Soldaten ruhen soll. Abg. Obuch(U. Soz. recht?) widerspricht und beantragt Entziehung des Wahlrechts für die Soldaten. Ab«. Sicking(Soz.): Dieser Standpunkt ist unsozial und un- demokratisch. Wir wünschen daS Stimmrecht für alle Männer und Frauen. Staatssekretär Freund widerspricht dem Antrag Obuch. Abg. Hcilmann(Soz.): Der Begriff„Stimmrecht der Soldaten" ist mißverständlich; Offiziere sind betspielsweise keine Soldaten. Der unabhängige An» trag über das Zivilwahlrecht ist vollkommen sinnlos. Menschen, die allein vom Profit leben, sind außerordentlich selten; sie machen nicht einmal e i n Prozent der Bevölkerung auS. vielleicht gibt es in Deutschland nicht einmal 1000 solcher Leute. Grundrentner sind beispielsweise sämtliche Landwirte.(Zuruf: Tie Haus« agrarierl) Von den Einkünften eines Hause? kann heute kein Mensch leben, er mutz auch anderswie erwerbstätig sein. Hat je- maird mehrere Häuser und verwaltet sie selbst, dann übt er eine gesellschaftlich nützliche Tätigkeit aus. Um die außerordentlich geringe Zahl derjenigen, die allem vom Profi leben, vom Wahlrecht auszuschließen, lohnt es sich nicht, den Grundsatz des allgemeinen Wahlrecht? preiszugeben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Alls Abänderungsanträge werden abgelehnt. 8 3» bestimmt wie die ReichSversassung, daß über Finanzfragen ein Volksbegehren nicht zulässig ist. Auf Airtrag Koch- Oeynhausen (Dnatl.) wird beschlossen, datz ein VolkSenrscheid nicht stattfinidet, wenn der Sandtag dem Volksbegehren entsprochen hat. Zum§ 4, nach welchem das StaatSministerium die oberste voll« ziehende uno leitende Behörde des Staates ist, verlangt die Rechte Einführung eines Staatspräsidenten. Abg. Siering(Soz.): Darüber ist im Ausschuß auSgicbig ge- redet worden. Wir lehnen-das ab auch mit Rücksicht aus die Kosten. (Lachen rechts.) Gerade Sie(nach rechts) wollen doch immer sparen. Abg. Dr. Prcuß(Dem.) lehnt gleichfalls ab. Der Staatspräsident wird abgelehnt. Beim? 4o bcaniragt Abg. Dr. Cohn(U. Soz. rechts), den Absatz 1:»Die Rechtspflege wird durch unabhängige, nur den Gesetzen unterworfene Richter ausgeübt", zu streichen. Die Re-chtZpfleg« ist Sache des Reiche». Man will durch diesen Absatz nur die Stellung de? ge. lehrten Richters stärken, weil man die Volksgerichte fürchtet. Di« bayerischen Vollsgericht« widerspreche« aller. dingS der ReichSveriassung.(Hörtl hört! links.) Di« AerchSregie» rumg, die sonst so schnell mft Ausnahmemaßregeln zur Hand ist, tut dagegen nichts. Von einer wahren Unabhängigkeit der Richter kann im bürgerlichen Staat überhaupt nicht gesprochen werden(Zu- stimmung links), denn die Klassenzugehörigkeit der Richter zwingt sie zur Stellungnahme gegen die, welche den bürgerlichen Staat bekämpfen. Ich erinnere an die Seuche der MojestätsbeleidtgungS- Prozesse. Abg. Berndt-Stettin(Dem.): Wer an der Unabhängigkeit der Richter rüttelt, rüttelt an dem Fundament de? Staates. Abg. Heilmaun(Soz.>: Ich kann Dr. Cohn nur durchaus zustimmen.(Lebhaftes Hörti hörtl rechts.) Aber die Klassenjustiz gehört jetzt nicht hierher. Der Satz von der Unabhängigkeit der Richter stellr nur eine Forde« r u n g dar. nicht eine Aussage über einen Zustand. Und in dieser Forderung sind wir uns wohl alle einig:(Hörtl hört! rechts.) Wir legen übrigens den Hauptwerk auf den zweiten Satz, nach welchem Urteile im Namen drS Volkes ergehen. Dr. Cohn hat gesagt: Die Richter haben sich zu Bütteln der Regierung hergegeben. Das est für die Vergangenheit unzweifelhaft richtig.(Großer Lärm rechts.) Heute ist es leider nicht so. heute nehmen viele Richter keine Rücksicht auf die Regie. rung, sondern suchen ihr nur möglichst unbequem zu werden.(Un- ruhe rechts.) Abg. Dr. v. Kries(Dnatl.): Wir können froh fein, wenn die preußft'che Justiz so bleibt, wie sie gewesen ist.(Borfall rechts.— Lärm links.) Die Abgg. Dr. Leidig(D. Vp.) und Dr. Rrineke(Z.) pro» testieren gegen die Angriffe aus den Richrersrand. Abg. Heilmann(Soz.): Ich habe niemals von bewußter Rechts. beugung gesprochen oder die Richter persönlich verunglimpft, son- dern nur ein sachliches Werturteil abgegeben.(Lachen rechts.) Der unabhängige Antrag wird abgelehnt. Es folgt Abschnitt 3, Landtag, (§§ 5 bis 24.) Im§ 5 wird für das passive Wahlrecht das 2S. Lebensjahr festgelegt. Ein Antrag Siering(Soz.) verlangt dafür das 20. Lebensjahr. Abg. Herbert-Stettin(Soz.): In der Fassung der AnSschußvor- lag« sehen wir eine Entrechtung weiter Kreise deS arbeitenden Volke». Abg. Rippel(Dnat.): Wir verlangen einen gewissen Grad der Reife. Abo. Obuch(U. Soz. rechts): Die Schranke der 25 Jahre ist undemokratisch. Der Antrag Siering wird gegen die sozialdemokratischen Frak» tionen abgelehnt. Beim§ 7, nach welchem Beamte, Angestellte und Arbester des Staates als Albgeordnete keines Urlaubes bedürfen und ihnen für die Wahlvorbereitungen Urlaub zu erteilen ist, wird ein Antrag Dr. Lauscher(Z.) angenommen, wonach dadurch die Rechte der ReligionSgesellschaften auf Grund des Artikels 137 der Reichs- Verfassung nicht berührt werden sollen. § 8 bestimmt, daß das Wahlprüfungsgericht auS drei Mitglie- dern des Landtages uns zwei Richtern bestehen soll. Abg. Dr. v. KrieS(Dnat.): Die parlamentarischen Mitglieder dürfen nicht die Mehrheit bilden. Abg. Heilmanu(Soz.): Die Anträge laufen beide aus eine Vermehrung der richterlichen Mitglieder hinaus; das lehnen wir ab. ES kann keine Rede davon fein, daß die beiden Mitglieder de« Oberverwaltungsgerichts eine bloße Dekoration feien. Denken Sie doch an die Schöffengerichte! An die völlige Unparteilichkeit der Richter glauben wir nicht. Dagegen, daß die richterlichen Bersstzer vom Oberverwaltungsgericht ausgewählt werden, habe ich prin- zipiell nichts einzuwenden. Der Antrag der Deutschen ValkSpartei wird angenommen, die übrigen Abänderungsanträge abgelehnt. Zu Z 9(Dauer deS Landtags) beantragen die Sozialdemokra- ten eine dreijährige, die Unabhängigen eine zweijährige Legislatur» Periode. Beide Anträge werden abgelehnt. Es folgt Abschnitt 3»„Staatsrat". Abg. Dr. Hoehsch(Dnat.): Wir beantragen, daß eine wesent« liche Zahl der Sitze im Staatsrat von Vertretern der Berufsstände eingenommen wird, daß sie aber insgesamt 100 nicht übersteigt. Abg. Ludwig lU. Soz. rechts): Wir lehnen den Staatsrat i» jeder Form ab. Er kann höchstens die Arbeit des Landtags sabo- tieren. Abg. Dr. Leidig(D. Vp.): Wir verzichten nur deShaJb vorläufig auf die berufsständische Vertretung, weil wir nicht von neuem diese schwierige Frage aufrollen wollen. Darauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Sonnabend, 11 Uhr. Schluß 6� Uhr. schrift seines Leutnants. Nach dem Wahrspruch der Geschworenen wurde der Angeklagte wegen militärischer Unterschlagung in Tat- etnheil mit Fälschung privater und öffentlicher Urkunden und einer einfachen Unterschlagung zu insgesamt zehn Monaten Ge» fängnis verurteilt.__ Schneckentempo bei de« Kriegsgerichte». Den bürgerlichen Ge« richten ist jetzt das Aktenmaieria! sämtlicher Militärgerichte über. geben worden WaS die Staatsanwaltschaften jetzt zu sehen be- kommen, ist nicht gerade rühmlich für die Arbeitstätigkeit der KriegSgerichlSbeamten. Nicht weniger als 1500 unerledigte Fälle hat die Potsdamer Staatsanwaltschaft übernehmen müssen. Straf. fachen, die unglaublich lange zurüchi legen, find seit Monaten von de» Militärgerichten nicht weitcrgefördert worden. Kapitalver» brecben towie schwerer Raub lagen monatelang in den Militär- gerichtSschreibstuben. Diese» Großaufräumen hat dazu geführt, daßj während noch die Schrourgerichtsperiode in Potsdam tagt, die die letzte in diesem Jahr« sein sollte, schon erwogen werden muß, beienS nach vier Wochen, also im Dezember, eine neue Schwurgericht». sitzung anzuberaumen.__ Jugenöveranftaltungen. Sonntag, 31. Oktober: Zentralsogendbr,«. Stndenssr. 3, Bunter Abend.— Borsigwalde. Besuch de» Mufeum» für Böllertunbe. Tretürnnkt*1,1 Ubr bei Heyaer.— Gesundbrunnen. Bcfuch de» Völkerkuiide-MufeumS. Treffpunkt>1,2 Uhr Normaluhr, Bad-, Ecke Schmedeuftraße. Geeichtszeitung. Militäiischr Vergehen vor dem Potsdamer Schwurgericht. Vor den Potsdamer Geschworenen stand am gestrigen Freitag der Wjährtge Unlerossizicr Paul Brauch dam Re.chöwchr-Jnsanter'e- Regiment 5. Brauck» war aus dem Regimentsbureau mit der Re e- lung dir Osstz.ersangelegenheiten in Potsdam beschäftigt und unterschlug hier Gelder seiner Kameraden in Höhe von mehreren tausend Mark. Auch einen Fahrtausweis versah er mit der linier- Mus aller Welt. Eine internationale Konferenz gegen die Houfchreckenplage wurde in Rom eröifner Der Vorsitzende des Instituts Pontano, der Ackerbauminister Micheli, der stellvertretende Vorsitzende und der französische Teleaierte hielten Ansprachen.— Wir wissen nicht. ob Deutschlanid der Teimahme würdig erachtet worden ist; aber wo kerne Kolonien, da keine Heuschrecken! Rückkehr au? Süd- West. Mit dem Dampfer B a l t i k trafen Donnerstag„achmiiiag in Hamburg 140 Mitglieder dculicher Farmer-Familien au»? ü d w e st« A f r i k a ein, darunter Frauen und Kinder. LiebeSgabeuivende de» Züricher MethodisteudischoiS. Die der Korrespondent der.Franlsuner Zeitung" in Z n r, ch meldet, hat der Bischof der Mcthodistenkil che in Zürich dem Hilfskomitee für die bungernden Völker 50 000 Frauken znr iolortigen Ab'endung von drei Waggon? Liebesgaben an WohlfohrlSanstalten, Kinder» Heime. AlierSa'yle usw. von Franlfurt a. M. und anderen Orten zur Verfügung gestellt. Entdeckung einer Petroleumqurlle in Frankreich. Unweit Clor» mont-Forrand wurde in einer Tiefe von etwa 500 Metern eine Petroleum quelle entdeckt, die sehr ergiebig zu werden der» ipricht. Die Entdeckmig ist der Unternehmung deS Direktors deS geologischen Dienstes, Terrier. ,u verdanken. Sport. Renneu za Grunewald. Freitag. LS. Oktober, l. Oktober» Hürdenrennen. 2.> 000 M., 2800 Meter. 1. Bannwart(ssknih), 2. Argeful sleichmaiini, 3. Reuliiß sSaager). Tot. Sieg 27: lO PI. 16, 14. Ferner liefen: Scigneur(4>, Sappe tgef) 2. Saint Maclou» Rennen 30000 M. 2800 Meter, t. Einsiedler iJanek), 2. Laiand <0. Schmidt). 3. Heuchelei(Brown), Tot. Sieg 16:10, Pill, 12. 13. Ferner liefen: Soldau. Abschluß. Sichwald, Bogarwo. 3. H e r b ft- Jagdrennen. 3S 000 M.. 3300 Meter. 1. OrtuS(Teichmann), 2. Elf« chen(o. Keller). 3. Hundiiig(Jzmcnyi,. Tot. Sieg bt: 10. PI 20. 16. 35. Ferner liefen: Schipvcr, Oceana, Heimchen, Slota iiipa, Ribisel(4), Stein- berger. 4. Entschödigung«, Jagdrennen. 25 000 M., SiOl Meter. 1. Henricus(Dohr). 2. Glatteis(o. Keller). 8. Galeeree Holzimport A.-G. in Hamburg(Deutsche Oh.m) die großen bah e- rifchen Sägewerke von Leorch. Schaeff G. m. b. H. in Nürn. berg, Zapfendors und Mögelndors übernommen. Desgleichen ist das Sägewerkunternehmen von Franz Krause in Danzig in den Besitz der genannten Gesellschaften übergegangen. Die Ge- sellschaften hüben ferner zusammen mit einem engli» schen Konzern ausgedehnte Waldungen in Polen erwogen. So geht' es seit langem tagtagliZ, vrS hie Vertreter 5er„freie n" Wirtschaft schweigen. Offensichtlich richten sich alle diese Uebersremdungsvorgäng« gegen die deutsche Arbeiterschaft, die auf diesem Wege durch ausländische Hilfe geknebelt»Verden soll._ von der Börse. Der Dollar stieg weiter auf 78 vi. Die er- nrute scharfe Hausse der Devisen bringt den Maismarlt ganz in Verwirrung. MaiSfabvikate find besser gefragt, dasselbe ist auch mit den Vorräten von Haferbackmehl und Haferflocken der Fall. Für Hafer hat der Magistrat seine Preis«, die er von Fouragehändlern fordert, aus 150 M. pro Zentner, da? ist auf den gegenwärtigen Schleichhandelspreis, gesteigert, und der Konsument erhält den Hafer mit 160 M. ab Speicher, mit 164 M. ftei HauS. Soziales. Das Recht ües Lehrlings. Artikel 159 der Deutschen N e i ch«» erkassn n g: /Die VereinigimpSsreiheit zur Wahrung und Föiderung der WirischastSbedingmigen ist sür jedermann und sür alle Bedin- gütigen gowährieislet. Alle Abceden und Mapnahmen, welche diese Freiheit einschränken oder zu dehindern suchen, sind rechiS- widrig... Nach Art. 159 der ReiKSverfassirng hat jeder Lehrling daS Recht, sich feiner wirtschakilichen Organisation, also de« zuständigen Gewerkschaft anzuschließen, ganz gleich, ob es laut Lehrdertrag verboten ist oder nicht. Einen Be» weis, welchen Wert eine derarrige Mitgliedschaft für einen Lehrling bat, gibt uns ein GewerbegerichtSurteil, welche« an- läßlich einer Klage auf Bezahlung der in, Tarifvertrag vereinbarten Entschädigungssätze sür Lehrlinge in Hamburg gefällt wurde. Dort finden wir in der Begründung u. a. folgende»: „Im vorligenden Fall ist der Lehrling Mit» glied de» Deutschen Metallarbeiterverbandes, und er kann daher von dem Lugenblick an, da der Tarifvertrag in Kraft getreten ist. trotz Lehrvertrages tarifliche Bezahlung fordern, zumal feiten« der Handwertskammern leine bindende Regelung der Entlohnung der Lehr- linge erfolgt ist.' Die« ist ein« Tatsache, die kein Lehrmeister mehr hinweg- täuschen kann. S« ist daher die Pflicht aller Lehrlinge, sich der zuständigen Gewerkschaft anzuschließen, um mit deren Hilfe Verbesserungen im LehrlingSwesen zu erreichen. Jeder Lehrling, der sich durch Drohungen de« LebrmeisterS von der Organisation fernhält, schädigt nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Jugend- bewegung; da« darf keineswegs fein, denn gerade darum, weil es dje Lehrmeister nicht wollen, beweisen diese, daß die freien Gewerkschaften durchaus auf dem richtigen Weg« sind. d. h. die Interessen der Jugend vertreten.— Darum hinein in die Jugendsektionen der freien Gewerkschaften. W. Saalfeld- Hamburg. Ssslsiclemslirzlllcder KesiriiZmdznÄ Berlin 5. P. D. Nachruf. linset Mitglied[tslß Karl Pitschke, wshnhail Danzig er Stt. 33. i!t am 24. Ollober 1920 verstorben. Ehre feinem Andenken I Die Be rdigung hat de rciis staltgekunden. Der vorstand. jnnungsf�nMe DecliMODnttng 30 Berlin. ,1«°,» Zu der am Olcnstag, den 0. November 1920, abend» 6 Uhr tm holzarbeUer-Ver- bandnhau». Aungestrahe 30, Sof pari links, tm Sigungo- faal ftaNfindenden werden die Herren veetrele» der Innung und der Kasten. Mitglieder hierdurch eingeladen. Tagesordnung: Beschlublaslung über dle Ab- Lnderung bei Dienstordnung. See Vorstand. Ott» Sronan. Porsizenber. Spezialant Dr. Haedicke Haut.QeschlcchtsIeiden.Blut- Untersuchungen, Salvarsan- kuren. Frledrlcbstr. 187, a.d. Mo hrenstr. 11-1,3-6, Stg. 11-1. ■ff» SpeirBehanill' weit Ober Tagespreis. Wiemer, MirtmchslraBe Nr. 4,»«k, am Zentralvlehhof. 276�0 Botguß weil Ober lagespreia. Wiemer, Pankow, Wo.lankatr. 31, am Noiabahnhoi._ 27,10b Messing weit Ober Tagespreis. Tutel, Schlvclbclncr Straffe 5, a Bahnho; Schönhauser Allee, Pianos gebrauchte und neue in in allen Holz- und Etil- arten. Sitta chelegenheita- kiuse. Eigene Reparatur- werlstail.' Piano-Haus vlloxondorstrab» il ü, am Aieganderplaz. 1 Dukaten-Trsiiring 900 gestempelt ISO Mk. an 58S. 10S, 333. 65, inkl. Luxussteuer. Jeder Ring ist tugenlos aus massivem Golde hergestellt bei voller Garantie für Fein- 1 gebalt I Jede GrOSc am Lager. G. Alb. Thal Brate» Berliner Speztal. reschSIt lür Trauringe. 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Simons über Veutfthlanüs Außenpolitik. An ber Freitagfihung beS Reichstag? wurden zunächst kleine Anfragen erledigt. Die� Anfrage von L c r S n e r(Dtfch. Vp.) über die Heimkehr der in Sibirien befindlichen deutschen Kriegsgefangenen beant- wartet StaatZkommiffar S t ü ck l e n dahin, daß die Transporte in vollem Gange seien. Das Eintreffen mehrerer Tausend Mann ist bereits telegrapbisch gemeldet und es kann damit ge- rechnet werden, daß der größte Teil aller noch in Sibirien befind» lichen Gefangenen zurückkebrt, bevor der Winter eintritt. Für die Zurückbleibenden find alle Fürsorgevorbereitungen(Lie- beSgaben, Medikamente) getroffen worden. Auf Anfrage Sender(U. S. P.), was die Regierung zu tun gedenkt, um den bei den Ententekommiffionen in Deutschland Be- schäftigten ihre rechtliche Stellung zu wahren, antwortet die Re- gierung, daß die Kontrollkommissionen nach dem Frie- densvertrage exterritorial find, demzufolge dem Verfahren vor deutschen Gerichten oder Schiedsgerichten nicht unterliegen. Gegen die Beschlagnahme der 85 Hektar großen Domäne Armada bei Wiesbaden— Anfrag« Abg. H e p p(D. Vp.)— durch die französische Militärverwaltung hat die deutsche Regierung Protest erhoben. Abg. Thiele(Soz.) verlangt, daß die Arbeiterrück» iahrkarten auch für die Angestelljen ausgegeben»erden. Ihm wird erwidert, daß die Frage zurzeit in einem Ä u sfch-u f s e geprüft wird. In der Fortsetzung der politischen Aussprache spricht zunächst Außenminister Dr. Simons: Der Standpunkt Westarps, daß der Friedensvertrag von Versailles unter falschen Voraussetzungen er- schlichen sei und infolgedessen für uns als n i ch t e x i st i e r e n d zu gelten habe, kann von der deutsche« Regierung unmöglich akzeptiert werden. Denn die Vorgängerin der jetzigen Regierung hat diesen Vertrag unterschrieben unter Zustimmung der weit über- wiegenden Mehrzahl der Nationalversammlung. Infolgedessen müssen wir die eingegangenen Verpflichtungen ein- halten und nach Möglichkeit ausführen.(Sehr rich- tig! links.) Wollten wir uns der Erfüllung widersetzen, so würde ein neuer Krieg unvermeidlich sein, während die Me- ibode der Regierung die Hoffnung gibt, daß wir in friedlicher Ar» beit unseren Verpflichtungen nachkommen. Wir haben den ehrliche« Willen zur Leistung. Was wir leisten müssen, ist eine Art Wiederher st«llung der zerstörten Gebiete, eine Heilung der immer noch offeneu Wunde am politischen Leibe Europas. Es liegt in unserem hohen Interesse, daß wir alle? tun, damit sich diese Wunde sobald als möglich schließt. Wir haben daran nicht nur materielles Jnter- esse, daß unsere Arbeiter Beschäftigung und unsere In- dustrie Aufträge findet, sondern weit mehr noch ideelles Interesse. Leider sind unsere Vorschläge immer wieder abgelehnt worden. Ich hoffe jedoch, daß es gelingen wird, über die Vorhan- denen Mißverständnisse hinweg endlich einmal zu einem positiven Ergebnis zu kommen.(Lebhafte Zustimmung.) Bei dieser Gelegen» beit möchte ich bemerken, daß die viel erörterte Forderung von »10 OllOMilchkühen zunächst einmal nur die F e st st e l l u n g der angemeldeten Schäden ist. Nach dem Friedensvertrag ist aber auch erforderlich, daß ein« Anerkennung der Forderung stattfindet. Die deutsche Regierung hat indes diese Forderung noch koincSwegS anerkannt, da ja auch die bereit» gelieferten Milch- tiihc darauf anzurechnen wären, und da ganz allgemein nicht mehr von uns verlangt werden kann, als Teutschland zu leisten imstande ist. Betonen möchte ich ferner, daß wir nach dem Frie- denSdertrag zur Zerstörung von Kriegsmaterial ver- pflichtet sind. Dies« Zerstörung aber darf nicht von den Kommissionen der Alliierten und deren Mitgliedern vor- genommen werden, sondern von der deutschen Regierung selbst. Deshalb ist«s auf da» entschiedenste zurückzuweisen, daß, wie mir berichtet wurde, einzelne E n t« n t e o f f i z i e r e wertvoll« optische Gegenstände als angebliches Kriegs- material eigenhändig zerschlage« haben.(Große Unruhe.— Zurufe: Unerhört!) In diese» Ka» pitel gehört auch die Forderung nach Zerstörung der Dieselmotorr». Die Interalliierte Marinelommission in Berlin hat schon im April d. 5. die Forderung erhoben, daß all« Dieselmotoren, die als AntriebSmotoreo in deutschen V-Booten eingebaut oder zur Einbauung bestimmt waren, zerstört werden.� Diese Forderung hat eine Erregung hervorgerufen, die vielleicht über da» Ziel hie» aus schießt. Di« Kontrollkommission hat nur die Zerstörung der v»Boot-Diese'motoren verlangt; allerdings geht sie von der Ansicht aus, daß alle sch n e I l a u f« n d e n Dieselmotoren durchweg» für hl-Boote bestimmt feien. Da» ist unrichtig und deshalb Hai die deutsche Regierung auch förmlichen Protest bei der Bot- schaft der Konferenz erhoben Und hat in einer zweiten Note ein- gehend ihren Standpunkt dargelegt. Daraufhin ist die Anordnung, die Motoren zu zerstören, bis zur Entscheidung dnrch die Bot- schafterkonferenz hinausgeschoben worden. Die Nachricht, daß die Mächte ihr *�gen haben, trifft Zerstörung bereits zurückgc- Unser Recht»stand ist Verlangen nach aber nicht zu.___ klar und im Friedensvertrag durchweg begründet. Tatsächlich find viele dieser Dieselmotoren nur zu gewerblichen Zwecken gebaut und verwendet. Deshalb ist die Forde- rung der Kontrollkommission unberechtigt. Denn schon vor dem Kriege wurden auch schnellaufende Dieselmolor« zu gewerbliche« Zwecken gebaut und verwendet, und der Umstand, daß sie teilweise für die U-Boote verwendet wurden, macht sie noch nicht zu Krieg»- material, E» wäre vom wirtschaftlichen Standpunkt e- radegu widersinnig un» die Dielemotoren zu zerstören. weil damit Werkzeuge zerschlagen würden, die wir zum Wiederauf- bau dringend benötigen. Der Wert diese rMotoren beträgt min- dest:n» 1V4 Milliarde« und ebensoviel würden die Kosten für ihre Wiederherstellung betragen. Roch schlimmer wären� die l n- direkten Folgen, da ein Ersatz der zerstörten Moschinen jetzt unmöglich ist und zahlreiche Betriebe«ingestellt oder mindestens eingeschränkt werten müßten. Auch das Kohlenabkommen von Spa würde durch die Zerstörung der Dieselmotoren un- durchführbar werden, da wir olle unser« Kraftquellen bis zum äußersten anwcndet�müsscn. wenn wir unseren Verpflichtun- gen nachkommen sollen.(Lebhafte Zustimmung.) Der Präsident der Konferenz in Brüssel hat die feierliche Zusage gegeben, daß wir un» in Genf wiedersehen, um die Frag« der Wiedergutmachung enbgültig zu lösen. Gegen diese Konserenz hat leider Frankreich Widerspruch erhoben. Sehr er» freulich ist, daß England an d-m Versprechen der Genfer Konferenz sesthäll, aus dem Verständnis h-rauS, daß nur durch mündlich« Beivrechunq da? Problem der Wiedergutmachung zu lösen ist. �m Interesse der deutschen Finanzwirtschak muß ge- frodert werten, daß wir in der Wiedergutmachung zu einer schnellen Vrrständigung gelungen.(Sehr richtig!) Unter keinen Umständen darf üoersehen werden, daß Amerika keinen Heller leiht, solange die Völker Europas in einem Zustand behar- ren, der ihr« wirtschaftliche Sicherheit dauernd ge- fährdet. Unsere wirtschaftliche Gefundung ist an eine Reih« von Voraussetzungen geknüpft, von denen ich nur zwei erwähnen möchte, die Zufuhr von Rohstoffen und LebenSmit- teln. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt wird, können wir a» der Wiedergutmachung arbeite».(Sehr richtig!) Ich brauche nur auf die unerhörte Belastung durch die Lesatzungstruppe« hinzuweisen.(Sehr richtig?) Ein Wort noch über den Völkerbund. Der Völkerbund ist in Deutschland sehr unpopulär, und zwar mit vollem Recht. DaS deutsche Volk hat dem Völkerbund einst- mals zuviel Vertrauen geschenkt. Ich warne aber davor, den Völ- kerbund wie eine abgetane Sache zu behandeln. Einen Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund zu stellen, würde der beut- schen öffentlich»« Meinung nicht entsprechen. Trotz aller Hinder- nisse bemüht sich die Regierung, auch mit Frankreich normale Beziehungen herzustellen. Durch den Friedensvertrag sind wir auf eine Verstän- digung mit Frankreich so stark hingewiesen wie mit keinem an- deren Lande der Welt. Den Vorwurf de» Grafen Westarp, daß wir uns der französischen Regierung gegenüber würdelos be- nommen haben, muß ich zurückweisen. Die jetzige französische Regierung ist entschieden geneigt, die Wege zu be- schreiten, die als ersprießlich betrachtet werden können. Der französische Botschafter in Berlin ist glühender Patriot, aber auch ein kluger Geschäftsmann und verständiger Politiker. Ich hoffe, daß wir mit ihm gut arbeiten werden. Bei Belgien haben wir den Zankapfel Eupen-Malmedh; darüber soll besonder» verhandelt werden. Es ist nicht wohlgetan. wnen in einem Lande, das mit Deutschland wirtschaftlich so eng verbunden sein sollte, trotz allem, was geschehen ist,«ine solche Haltung eingenommen wird. Ich hoffe, daß dies« Stimmung ver- gehen wird. Mit Italien sind die Verbindungen diel leichter auf- zunehmen. Hier heißt der Streitpunkt: Südtirol, das dem deutschen Herzen ganz besonder» teuer ist. Machtpolitische Erwägungen spielen dabei für uns kein« Rolle. Bei Jugoslawien heißt die wund« Stell« Kärnten. herzlicher Dank gebübri den Kärntnern für ibre Treue. Auf gut« Beziehungen zu Jugoslawien sind wir angewiesen, schon der Donau wegen. Dasselbe gilt wegen der Elbe für die T s ch e ch 0 f l 0 w a« k e i. Ein« der schwierigsten Kapitel unserer auswärtigen Politik ist Polen. In Paris werden jetzt über D a n z l g die Würfel geworfen. Wir wissen noch nicht, wie die Sache ausgehen wird; wir wissen nur, daß es nicht mehr deutsch ist, mag e» nun polnisch oder englisch werden. Daß Danzig nicht deutsch ist, ist nicht wahr. Danzig ist durch und durch deutsch. Hier kann man auch sagen: Wenn die Menschen schweige«, werden die Stein« reden.(Lebhaftes Bravol) Heber den Korridor ist in letzter Zeit vielleicht ein wenig zuviel gesprochen worden. Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehen fetzt einmal die VerkehrSvcrhältnisse zwischen Deutschland und Ostpreußen, und die Beziehungen zwischen Preußen und Litauen. Die ersteren sind abhängig von den zwischen un» und Pole« geführte« Verhandlungen. Der wichtigste Gegenstand der Verhandlungen ist da» a l l g«- me,n« Wirtschaftsabkommen, da» wir mit Pole« schließe« wollen. Augenblicklich besteht«ine Wirtschaft»- sperr« mit Polen, die wir nicht leichten Herzen» unternommen haben. Aber auch die schwer betroffene deutsche Industrie sagt, daß der beschritten« Weg biS zum Ziel« gegangen werden muß. Ueber Oberschlesien werden wir auSsührlich bei Vorlage de» Autonomiegesetzes reden müssen. Die sberschlesifch« Frage ist des- wegen so komplizlert, weil sie nicht nur eine wirtschaftliche, nicht nur eine preußisch-politische, nicht nur ein« deutsch-politische, son» der« geradezu ein« europäisch-politische Frag« ist. Ganz Europa ist daran interessiert, waS aus der oberschlesischen Kohle, der oberschlesischen Industrie wird. Ich bin auch jetzt noch der Meinung, daß ein Verzicht auf die Abstimmung das Beste wäre Bis jetzt hat dt« Kommission nur die Aufgabe, für«ine unbeeinflußte Abstimmung zu sorgen.(Sehr richtig!i Jeden Augenblick kann der Kriegszustand zwischen Polen und Litauen wieder ausbrechen. Wenn Polen versucht, die Schuld daran Litauen oder gar uns zuzuschieben, so kommt mir da» so vor, wie wenn die JHoit Fochne' sich darüber bellagt, daß da» Ministerium Fehrenbach Terror verübt.(Leb. hafte Heiterkeit.) Wir halten die unparteilich« Neutrali» tat für geboten. Mit der Zulassung russischer«gitatore»»ach Deutschland haben wir trüb« Erfahrungen gemacht. Deshalb werden wir in Zukunft uns zweimal die Leute ansehen, denen wir Einrerseerlaub- niS erteilen, selbst auf die Gefahr hin, daß darunter die Anknüpfung wirtschaftlicher Beziehungen zu Rußland leiden könnte. Wenn wir bisher die Regierungen W r a n g e l s und der U k r a i u e n i ch t anerkannt haben, so ist daS in der Unübersichtlichkeit der Der- Hältnisse begründet. Deshalb aber wollen wir diese Mächtegruppen mit derselben C 0 u r t 0 i s i e behandeln, wie jeden, der sich an- ständig gegen Deutschland benimmt.(Zustimmung.) So verächtlich das Volk ist. da« nur fremde Götter kennt, so verblendet ist das Volk, da» nur sich selbst auf den Altar setzt. Ge- wih hat jeoeS Volk die heilige Pflicht, sich gegen äußere und innere Gewalt zu behaupten. Aber die Selbstbehauptung darf nicht das letzt« Wort sein. Da» U r r« ch t unseres Volkes und der anderen Völler, da» in Versailles in vielen Punkten mit Fühea getreten worden ist, das wjrd un» in der Welt mehr Frennde schaf- fen als es jemals die Gewalt vermocht«. Solange ich d»« von mir nicht gesuchte Ehre habe, da» Außenministerium zu leiten, bin ich fest entschlossen, die deutsche Außenpolitik nach diesen Gesichtspunkten zu richtet».(Zustimmung und Widerspruch.) Abg. Stresrman«(D. Vp.): Dringend notwendig ist eS, daß die deutsche Regierung die Veröffentlichung von Untaten feindlicher Heeresange- höriger nicht nur nicht hindert, sondern nach amtlichen Quellen selbst vollendet. Der französische De st and an Milch- kühen hat bereit» fast den Friedensstand erreicht und über- ragt um mehr al» 2 Millionen den deutschen Be- stand.(Hört, hört!) Die private Spekulation muh eingedämmt werden, der Unternehmergeist aber muß erhalten bleiben. Die engere Anteilnahme der Arbeiterschaft an den Ge- schicken de» Werke» wird am besten erreicht durch die Kovitalbctciligung der Arbeiterschaft, die angesichts der heutigen hohen Löhne leichter als früher möglich ist. An Stelle der Verstaatlichung oder einer anderen Form r-on Verge'ellschaftung, die die Initiative bei Unternehmer» au5- i chattet, schlagen wir die Zwammenfassuna von großen Unier- nehmungen— Kohle, Gas, Wasser, Verkohr— zu Wirtschafts- prooiuzrn vor, in Form von Konzernen, analog den Aktien- gesellschaften, bei denen sich die G« m e i n d e n ja weitreichend be- teiligcn können, so daß die Privatlndustrie erhalten bleibt und zu- gleich daS Allgemeininteresse gewahrt wird.(Lebhafter Betfall.) Di« Orgesch verdient Anerkennung, denn sie will Ordnung und SiiAt schützen und stellt sich jeder Re- gierung zur Verfügung, die den Bestand des Staate» gegen An- I griff« von recht» oder link» schützt. k Die Stellungnahm« der Deutschnationalen Bollspart«! läßt manchmal die Rücksicht auf die schwierige Lage Deutschland» ver- missen.(Sehr richtig! bei der Deutschen VollSpartei und im Zen- trum.) Wille zur Arbeit und Autorität nach innen sind notwendig, um zu einer geordneten Zukunft zu gelangen.(Beifall bei der Deutschen Volkspartei.) Abg. Crispien(Rechte U.S.P.): Die hoffnungslose Rede des Reichskanzlers war eine Bau- kerotierklärung der Regierung, der bürgerlichen Gesellschaft und des Kapitalismus, und diese Regierung wagt eine Kamps- erklärung gegen die Arbeiterschaft? Denn der Kampf gegen die Kommunisten ist in Wirklichkeit ein Kampf gegen den So- zialiSmus überhaupt.(Sehr richtig! links.) Dieser Kampf wird sich auch gegen die J3i e ch t s s 0 z i a I i st c n wenden, wenn sie gezwungen werden, rücksichtslos für die Avbeilerinteressen«inzu- treten, er wird sie abbringen von ihrer verderblichen Politik der Arbeitsgemeinschaft.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) D'e Stelle eines Reichspräfidentcu lehnen wir als über- flüssig ab. Wenn wir die Schonung der besitzenden Klasse mit der Härte gegen die Arbeiterklasse vergleichen, wenn wir an das glänzende Leben der Reichen denken und an das Elend der Arbeiterklasse, dann versteht man die fortschreitende Verbitterung, die besonders bei den Arbeitslosen von Tag zu Tag steigt, für die gan� ungenügend gesorgt wird.(Sehr wahr!) Die geine.dere Stillegung von Hochöfen ist eine Kampfansage an die Arbeiter. Der Militarismus herrscht bei un» nach wie vor, und da» EntwaffirungSgesetz ist in seiner Wirkung ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterschaft, denn die Bürgerlichen haben ihre Waffen doch behalten. Das betoeist nichts besser wie die bürgerliche Gehelmbewaffnung von der Art der Orgesch. Es ist unerhört, daß aus der RnchSwehr Leute herausgedrängt werden, die im Rufe treuer republikanischer Gesinnung stehen. Ich vermesse, daß die Regierung ihr Wort einlöst, wonach alle militärischen Sowderorgamsationen aufgelöst werden und aus den Kreisen der zuverlässigen republikanischen Bevöllerung zusammengestellt werden sollen. Gewiß ,st diese For- derung nicht abhängig von dem guten Willen der Regierung, diese Forderung ist vielmehr eine Machtftage.— Es ist sehr bequem, zu sagen, daß di« Ehrenhaftigkeit deS Ministers Hermes außer Zweifel steht. ES behauptet ja auch kein Mensch, daß er silberne Lössel gestohlen bat. Aber Sie können doch nicht leugnen» daß in einer Denkschrift von drei prominenten Zentrumslcutcn geradezu die Erncnnung de? Hermes zum Unterstaatssekretär im Reichswirtschaftsm,nist«rium gefordert wurde, weil er ein Katholik und ein ZentrumSmann ist. Ihm verdanken wir eine Erhöhung der Getreidepreise, die Gewährung von Druschprämien, d'e Auf- Hebung der K a r t 0 f f« l w i r t s cka f t und anderer Wirt- schoftcn Unter seiner glorreichen Regierung wurde durch die Ankündigung der Aushebung jeder Zwangswirtschaft den Bauern der Anreiz gegeben, die Lieferungen einzustellen, den Beamten, die Verordnungen zu sabotieren Die nationalistische Heuchelei der Kapitalisten ward deutlich offenbar auf der Junitaguny des Ver- bandeS der Maschinen- und Werkzeugfabriken, wo der Vorsitzende Dr. Reinick««rklärlc, daß nur der Einmarsch der ehemaligen Feinde di.' Situation retten könne.(Hört, hörtl)' Nur die Macht- ergrc fung durch die Arbeiterschaft, nur di« Diktatur des Prole- tariatS wird zum Sozialismus führen, der die klassenlos« Gesell- schaft und di« neue internationale wirtschaftlich«, juristische und politische Ordnung bringen wird.(Lebhafter Beifall bei den Unabhängigen, i Dr. Heim(Bahr. Vp.): ES gibt keine Partei und keinen star- ken Mann, der da» Allheilmittel für die miernationalen Nöte der gegenwärtigen Zeit hätte. Auch das Ausland kann un» dabei nicht helfen. In' der Politik ist die Zeit der geballten Faust vorüber. Wa» da» Ausland fürchtet, ist nicht Deutschland, sondern Preußen. Redner verteidigt dann in längeren Ausführungen den von ihm vertretenen Föderalismus. ES ist die höchste Zeit, daß ein shste- matifcheS Wiederaufbauprogramm vorgelegt wird. Mit Schlag- woricn, wie Sozialisierung, ist da nicht geholfen. Gerode an der Kohle, diesem wichtigsten Urprodukt, dürfen keine Experimente(je- macht werden. Allerdings muß gesagt werden, daß gerade im Kohlenbergbau sich die Kapitalisten auf den Jsolierstuhl gesetzt und auf die Bajonette gestützt haben. Hier muß unstreitig ein Wandel «intreten. Der Gewinnanteil der Avbeiterschast in Form kleiner Aktien kann hier nicht helfen.(Sehr richtig! links.) Der Anteil de» Arbeiter» muß dauerhaft, unveräußerlich, unübertragbar fein, eng mit der persönlichen Arbeitsleistung verbunden, und freudig« Anteilnahme erzielen. Redner gibt dann eine Anzahl Maßnah» men an, di« geeignet find, die landwirtschaftlich« Produktion zu heben. Di« äußerste Recht« hat mit der äußersten Linken die Brutalität und die Unterschätzung der ideellen Werte gemeinsam. Nur ein Zusammenarbeiten aller Gutgesinnten kann un» helfen.(Beifall.) Reichskommissar für die Entwaffnung Dr. Peter» stellt ge(j«n- über einer Behauptung des Vorredner», wonach eine Waffenien- dung im Werte von einer Million deswegen verschrottet worden sei, weil die Waffen Hoheitszeichen aufwiesen, fest, daß die War« überhaupt nicht verschrottet, sondern nur in Hamburg b e s ch l a g- nahmt wurde, da die geplante Ausfuhr verhindert werden muhte. Da» HanS vertagt sich. In persönlichen Bemerkungen erklären die Abgg. v. Gräfe und Graf Westarp(Dnat.), daß sie in Hannover nicht den Re- vanchekrieg propagiert hätten. Sonnabend, 10 Uhr: Fortsetzung der Debatte. Schluß: SV» Uhr. die Kapitalsflucht. am Freitag der Postüber« über Steuer« Im 10. Ausschuß des Reichstage» verlangte Dr. Braun(Soz.) Auskunft über die Handhabung wachung. und ob mit den ausländischen Regierungen Hilfe und Kontrolle verhandett sei. Ein Regierungsver» t r e t e r berichtete, daß diese Verhandlungen mit der Schweiz und Holland erfolglos geblieben sind. Di« Postüberwachungen ieien nicht zu entbehren, solange die Vermögensabgaben und-steuern nicht ausgeführt seien. Giebel(Soz.) führte an, daß 40—50 Prozent der in» Ausland fließenden Riesensummen und Werte als Kapitals- Verschiebungen anzusehen sind. Weil die Postüberwachungsämter notwendige Einrichtungen seien, könne die Anordnung des Mi« nisteriumS. infolge einer Einschränkung des Betriebes allen An- gestellten zu kündigen, nur mißbilligt werden. Anscheinend' soll« da»«tngcorbeiteie Personal durch Offiziere und Militäranwärter ersetzt werden. Ein Regierungsvertreter suchte die ver- fügte Entlassung zu reckstfertigen und verneinte jede beabsichtigte Begünstigung von Offizieren usw.— Ein Demokrat unterstützte , die Anregung Giebels, Reichsbankbeamte als Bankkontrolleure zu I beschäftigen und empfahl weitere Maßnahme« zur besseren Vcr- Hinderung der Kopitalflucht. In der Debatte kam zur Sprache, daß namhafte Ber- liner Industrielle in Steuerfluchtprozesse verwickelt sind. Zentrum, Deutsche Volkspartei und U. S. P. waren in der Sitzung nicht anwesend l__ Der Kapp-Landrat Robbe au» Go»dap ist seinerzeit verad» schiedet worden, er sitzt aber jetzt wieder in der Wolle, nämlich im preußischen HandelSmtnifterinm. Ein demokratisch geleitetes Mini- sterium al» Zufluchtsort der RechrSputschiiten. wahrlich ein nette« Bild, daS aber zu manchem andern ganz gut paßtl
OewerMoDbswegung �Schützt üie Einheit üer Gewerkschaften!* In dem Organ deS Deutschen EiienbabiierverbandeS finden wir unter der Ueberschrist»Mord und Selbstmord� einen sehr beachtenswerten Artikel, der siÄ mit der Zersplitterung der Arbeiterbewegung befafit, und dem wir folgende Stellen cnlnehmeu: »Die alten Gewerkschafter und die alten Sozialdemokraten er- kannten den Kampf zwischen Kapital und Arbeit als einen deiligen Kampf. Jedes persönliche Motiv muhte zurücktreten. Gut und Blut muhte der einzelne einsetzen im Jnterefle der Allgemeinheit. Ein.Hüben und Drüben' nur galt. Hier stand das einige internationale Proletariat, dort der internationale Kapitalismus. So lernten die Alten die Grundsätze de» proletarischen Klassenkampfes kennen. Eine andere Zeil ist gekommen. Innerhalb der sozialdemo« kratischen Partei erfolgte bald nach Kriegsbeginn die erste Spaliung. Weil inbezug auf Bewilligung der Kriegskredite zwei Meinungen in der i>ieichstagsfraktion herrschten und weil die Minderbeit sich dem Mrhrheitsbeichluh nicht lüge» zu können glaubte, erfolgte die Absonderung; die Unabhängige sozialdemokiatische Partei entstand. Die EinheitSsrout war zerbrochen zum Schaden der Arbeiter, zum Nutzen ihrer Gegner...... Die erste Trennung in der sozialdemokratischen Parier war nicht nur ein Fehler, sondern ein Verbrechen an den Interessen der Arbeiterschaft. Die Tat von Halle ist mehr, sie ist Mord und Selbstmord zugleich. Jedem, dem die Verhällnifie und die Entwicklung im neuen Deutschland keio Buch mit sieben Siegeln war, bat das Herz geblutet, wenn er die Zerrrslenbeit der Arbeiterparteien betrachtete, soier» er überhaupt ein Empfinden für das arbeitende Volk halle. Den Rist erweitern, bedeutet einen Ab« bruch der uns zur Verfügung stehenden Macht. In dieiem Sinne bat der Parteitag in Halle gearbeitet... Einig und geschlossen sieht doS Unternehmertum uns gegenüber und wartet mit Schadenfreude auf die drohende S e l b st- entmannung der Gewerkschaften. Wir Eisenbahner müssen auch mit den Privatunternehmern rechnen, denn wenn dort der Achtstundentag zum Teuiel geht, dann auch bei unS. Darum. Kollegen, lernt und seid gewarnt! Bedenkt, was un» droht und schützt alle die Einheit der Gewerkschaften; in ihr allein liegt die Gewahr unserer Erfolge und unseres Sieges." Generalversammlung der Sattler. Der Verband der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller(OrtS- Verwaltung Berlin) hielt am Donnerstag seine Generalver- s a m m l u n g ab. Die Abrechnung vom 3. Ouarlal, die der Per- sammlung vorlag, weist jür die H a u p t k a s s e Einnahmen und Ausgaben m Höhe von 2W3 062 M. aus. An die Zentraliasse abge- sstihrt wurden 43 SSI M. Alter Bestand und Einnahmen der Lokal- lasse betrugen l7L ISS M. Nach Abrechnung der Ausgaben in �öhe von 88 T7ö M. verblieb am 33. September ein B c jt a n d von 33 418 M.— Die Mitglieder zahl stieg im 3. OuarVrl auf 6721 männliche und 1178 weibliche Mitglieder.— Dem Kassierer Weyher wurde Decharge erteilt. Zur Arbeitslosen frage führte der Vorsitzende Gott. schal! aus: Keine Organisation hat prozentual ein« st» hohe Ar- beitslosenziffer zu verzeichnen wie die unsere. Zurzeit sind 36 P r o. z e n t der Mitglieder arbeitslos. Die OrtSvcrwaltung hat versckiiedene Schritte getan, um Arbeitslosen Erwerbsmöglich- leiten zu öffnen. Aber Unmögliches kann sie nicht möglich machen. Eine etwas verstärlte Vermittlung Erwerbsloser, die m der letzten Woche erfolgte, ist nur als ein vorübergehendes Aufflackern anzusehen. Eingehend wurde die Frage erörtert: Wie kann man helfend Wir schlugen vor, alle Betriebe, die 8 Stunden arbeiten, 6 Stunden arbeiten zu lassen, um Arbeitskräfte aufzunehmen. Die Tapezierer stellien sich auf den Standpunkt, die Arbeitszeit solle aus 38 Stunden wöchentlich vermindert werden Dagegen lehnten die Kollegen der Reisebianche die Verkürzung der Arbi.i.S- zeit ab und beschlossen, statt dessen materielle Opfer in Höhe von 5 und 13 M. zugunsten der Arbeitslosen zu bringen. In einem Betriebe lehnten indessen die Kollegen die Zahlung ab. Auch nimmt die Reisebranch« für sich in Anspruch, nur den Arbeitslosen dieser Branche zukommen zu lassen, was sie sammle. So geht es nicht. Die Frage, ob man besondere materielle Lp'er für die Arbeitslosen bringen soll, kann nur einheitlich gelöst werden. Soll es geschehen, dann ist ein Beschluß der Generalversammlung nötig. Diesen Ausführungen folgte eine mehrstündige Debatte über die Frage, wie am besten den Arbeitslosen zu helfen und ba9 ganze Problem der Arbeitslosigkeit unserer Zeit zu lösen sei. Ein Antrag, der die Erhebung von abgestuften Extrabeiträgen zugunsten der Arbeitslosen bezweckte, wurde abgelehnt. Be- s ch l o s sen wurde, daß die Arbeit-zeit auf 38 Stunden pro Woche herabzusetzen sei, um weitere Kollegen unterzubringen. Damit ist her Beschluß der Tapezierer zur allgemeinen Richtschnur ge- worden.— In einer ebenfalls angenommenen Resolutron verpflichret die Generalversammlung die Vertreter der Ortsver- waltung, in der Gewerkschaftskommission für die Einleitung einer Aktion der Arbeiterschaft einzutreten: 1. Für das Recht dex Einstellung und Entlassung durch die Betriebsräte; 2. gegen jede Still- legung von Betrieben; 3. für Erösfnnug der bereits geschlossenen Betriebe: 4. gegen Akkordarbeit und lieberstunden; 5. für die Kon. trolle der Produktion._ Ein Notschrei aus dem Statistischen Landesamt. Uns wird geiwrieben:»An den tariflichen Einordnungen der Bureaugestelllen beim Statistischen LandeSamk wird seil Monaten bald voriväris, bald rückwärts geaibeitet. Nun soll endlich der Guß Form haben. Es steht die Nachzahlung deS Differenzlohnes von 7 Monaten aus. Die Angestelllen haben in guten Hoffnungen gedarbt. Ihre Geduld wird aber noch immer weiter geipannl. Nun sollen noch iunävst die für diese wmteriiwe UebergangSzeit so dringlich gewesene» Vorichüsie vom nicht zureichenden Grundlohn zuiückgezablt werden. Nor undElend istallgemein. Herr Präsident Saenger undHerr Dr. H ö p I e r und andere Beamte baben in letzier Zeit zwar be- slimmre Versprechen zur Lohirregrrlierung gemacht, die sich aber bis auf Einzelfälle nicht ersnlll haben. Was würden wohl diese der- anrwortlicken Herren sagen, wenn ihnen berrächrliche Anteile ihres Einkommens gesperrt bliebe»?'' Rechtskmrde für Angestellte. Der Zentralverband der Angesiellte» veranstaltet einen KnrsuS für RechlÄuride. Boi tragender Kollege Felgentreu. Der Kur'uS finfet Montags und Donnerstags am l.. 4.. 8. 11.. IS. und 18. No- vcmber, abends 7 Uhr, im Berbandslokal, Belle-Alliance-Slr. 7/13, statr._ , Tie Reichswehr als Privatunternehmer. Der Transporrorbeiteiveiband schreibt uns: Nach von nnS ge- machien Feststellungen bot rn Wiederhollen Fällen die Reichswehr nm de» eigenen ihr zur Bersügung stehenden Gespannen Fuhr- leistungen für Private, u. a. für die Firma Böhm lFuhigeschäfi), An der Puilbwer Brücke 6, sowie für die Kohlen- fiinia Paut Dort' gegen Entgelt ausgeführt. Im Jnreresie der großen Zahl der ArbeilSloi'en im Fuhrgewerbe harren wir unler dem 13. Juli 1323 eine Eingabe an den ReichSivednirinister gernachl, in welcher wir nm die Zurückziehung der militärischen Ge'panne baren. Eiue Antwort hieraus ist uns bis heute noch nicht zugegangen. Roch wie vor werden von einzelnen Truvveirreileir die Gespanne für Privatzwecke zur Verüaung gestellt und dadurch die Aibeilslosiglerl ge» forden. W r sind der Ansicht. daß ein tiingrerse» der niilrtärischr» Gespnnne in piivaiwwtichailliche Betriebe bei der geringen Arbciieriöglichkeit»ichi noiweudig ist. Die Vermutung liegt nabe, daß die dnich die Grsbllrnig der Gesparr»» erziclic» Einnahmen um zur Fiillnng vin Kanlincir oder soiisiigrn Fonds der einzelnin Tiiippniieile. nicht ober im Jnreresie des SlaaleS Veiweildiing finden. Oekonomischer wäre es doch, wenn die Ge» spanne Übmäblig sind, sie m veiloufen. denn bei den heutiacn bohen Unrerholiungskosien körnen wir mrS den Lnxus au' Kosten der Aflgemeinbeii nicht erlauben, mehr Grspanne. als wie unbedingt lür milrlärifche Zwecke beiiöugi werden, zu unierhalien. Soweri wir unleriichiel sind, erbalien die Soldaren als Gcspairnrührer an den Tagen, an welchen sie mir den Gespannen iür Private Tier sie le'sren, zn ibrcnr Sold 13 M rxira gezahlt. Dadrira, ver« brlfr man den Leuten zu einem dappclrrn Bei dienst, während ondcierseits den Aibeilslosen die Verdi» nsimöglickkert genommen w-rd»»d diese mir ihren Familie» von der kargen E>wertslosrnu»leri>ützung rbr Da'rn fiircn müssen. AnS diesem Grunde wenden wir»»S an die Ocffri'ilichlc't.»m die maßgebe»- ven Slclle» zu vcraniusicn, den Zustand zu beseitigen. Sofortige Abhilfe ist dringend geboren._ Achtung, Betriebsräte des Deutscheu Eisenbahuer» verbautes! Der BelrrebSrätekiirsuS beginnt am Montag, den l. November, abends S Ubr. im flskonische» Gyniiiastiun. Hallesche Sir, am «»hall« Bahnhof. Beiriebsräte. welche sich noch nicht baben ein- schreiben lassen, weiden erliicht, am vorgenannten Datum daselbst ihre Anmeldung zu bewirken. Die Kosten betragen 43 M. Hör- gebühr und 1 M. Terlnedmerkarie, nnd sind die Betriebsräte be- rechtigt, für dieien Beirag an dem Kursus der Eiienbahneriachschnle resizimebmen. Nach Beendigung des Beirieb-rätekiirinS erhält jeder Teilnehmer, der den Unterricht bis zum Schlüsse besucht hat, vo» der Organisation 23 M. zurückvergüt«. _ Die Ortsverwaltung Berlin. Die HtlfSarbcrter im Textilgroßhandel und der vckleidungS, industrie hatten sich am Donnerstag in sehr großer Zahl»er. sammeü, um den Bericht über:bre LoNnbewegung ent. gegenzunehmen, di rcn Abschluß erwartet wurde. Sie ist aber noch nicht zum Abschluß gekommen, weil die Arbeitgeber bei der Zu- sammcnkmrft mit den Arbeiterdertretern verlangten, die Arbeiter sollten, ehe in eine Besprechung eingetreten werde, ihre Folgerung, den Lohn um 33 Prozent zu erhöhen, ermäßigen. Das lehnten die Arbeiterverireter ab, und aus der Verhandlung wurde nichts. Die Angelegenheit ist dann dem SchlichtuuzSauSschuß der Beklei- dungsindustrie übergeben, der am Sonnabend mit den Parteien ver. handeln wird. Die Versammlung beauftragte ihre Vertreter, an der Forderung eines' Wochenlohnes von 263 M. festzuhalten. In der letzten Ecncralvrrsawmlung deS ZriitralvcrdandrS der Maschinisten und Heizer wurde Reineketd gegen drei St mmen als erster Bevollmäetuipter gewählt. Ter Kasienberildt ergab für die Lokalkasse einen Ueberichuß von 13 375.33 M. Aus dem Be- richt der Veiwaliung, den Schniidt erstaliete. ist einchilich, daß durcb die verschiedenen Tarife, die wädrend der BerichrSzeit abgeschlossen wurden, eine Besserstellung der LebenSbalruirg der Mit- plieder eingetreten ist. Von den eingegangenen Anirägen der ver» schiedenen Bezirke soll ein Anirag aus Schaffung von In« dustrieverbänden dem Vorstande als Maierial überwiesen weiden. Ein Antrag, die Wochenbeilräge für arbeirSlose Mitglieder um 53 Proz. berabzuietzerk. wurde mit der Maßgabe angenommen, daß eiue Urabstimmung über BeitragSerböhnng herbeigeführt wer- den«oll. Sollte die Urabstimnumg die Beilragserböhung ergeben, so gilt der Antrag als anpenoniiiien. Ein Antrag aur ioforrige Erhöhung der Beiträge aus 8,53 M. wurde abgelehnt. Für ein ouSgcichlossenes Mitglied anS dem Zeniralveibaud wurde Ollesch gewählt. Z» Delegierteir iür die Geweiticha'lSlommiision wurden Mi er und Ollesch bestimmt. Z»m Schluß wurde noch ein An» trag, die Fachzeit'chrift in der.Freihe l'-Tiuckerei herstellen zu lassen, dem Zenrralvorftand als Marerial überwiesen. Deutscher Dransportartriter-Vrrband. HandelSHUftarbelter und «orbcilcrinnen aus allen Betrieben der Herrcnwäschebranche l Heute nach- mittag 4 Ubr bei Fcyiara, Melwiarstr. 15, wichtige Gruppenversammlung. Dechnticte Sengesiellte im Einzelhandel(au-r Daren- und Kauf- Häuser). Sonniaa, SI. Ltlobrr, im Schultbciji, Nene Jalobilr. 34 25. Bcr- sammlung aller Meiller und tichnlsche» Angeilellten. die im Einzelbandel läiig lind. Bericht über die augenblickliche Nage der Tarisverbandlungcn und Beschliihsassuna über wciteic Schrille. Die KoUcgeii sind gebeten, lo- fort idre genauen Adressen an die Orlsverwaetung deS B. t. A. NW 52, Deiftstr. 7, einzusenden._ partemachncktea. Ein Seliger-FondS für Arbciterbilduag iit von der deutschen Sozialdemokratie in t«r Tschechos�cgrxrker zum Gedächtnis ihres ver. storbcnen Führers gesedaffen werden; in erster Linie fließen ibm die für Kranz'pcndcn bestimmten Gelder zu. Ter Seliger-FondS hat sein Vorbild in dem Sckutmei er- Fonds mit gleicher Zweck- bestimmung, der nach der Ermordung Franz Schuhmeicrs durch den Bruder des chriiliichsoz:alen Führers Kunschak in Wien ge- gründet worden ist._ vortrage. Vereine und Versammlungen. Bund hcimattreuer Lttvreutzen(Broype Norden). Eonnaiend. den 6 Noaeniber, abends ö llbr, m den»Hubertus äten» zu Schönholz r GroheS Heimalsett. Konzert. Vorträge und Tanz. Eiillrill Z.Sö M.— Frei. religiöse(«enieurdc. Sonntag, vorm 11 Uhr im Bürgerraal deS Rat- bauieS. Könlgttr. Vortrag der Frau Vi. Kirsche: Die natürlichen Anlagen der Frau. Haimo ium: Der Degwe-Iec(schubcrl>. iASit» willkommen. — Sieichsbund der Kricgsdi. schädigten, Bezirk 3 Süd-O't. Kiie'Sgcsangeiicn-Versammiunq am Montag, den t. Nooember, 7V, Uhr in SchudmacherS Aerliilen. Skaliher Btr. 120: ,DaS fordern wir che- maligen KiiegSgesangeircii'? Bezirk Osten 12. D cnSiag. 2. Noobr., abend» 7 Uhr, in der.BiehliolSborse', Eloenacr Slrage 37: Mitglieder- velmmnllilno.— Beritner E-ntoinologen�vuud. Sonntag. 7. Roobr., ballen die Selliner Enlomow lisch n Vercme: l. Deulschc Entomo.o zisch» Kcsell'chall. 2. Berlmer Tnlomologische Gcscllichast. 3. Neuköllner Eiitomo- wgiche Bereinigung und 4. Berliner Er lomo.ogen-Bund ui der Au.a der g2. Gcincindcschille, Dinier seldlslr. 10. Näde RoUendortplad, von 13 Urr vorm. bis 4 Uhr nachm, eine gcineinsaine Kails« mrd Tamchbörse ad. Gelluischl werden Schmct erlinge, Käser und andere ynsellenarteir. Der Emlrill ist srei Nähere SluStmul ertellt: O. Pcnseler, Berlm O 112, Holleistr. 30. Rückporto ist beizusügen. Büetternusstchten kür das miitler« Narddentschland»t» Sonntag mittag Bielsach heiter, lall bei mäg'gen nrdä lltchen Ä adcir. Beraiuw(fit der redoIL teil Dr. See«» Prlsrr, Tbarioitenburg: fflriüuei Zch. Glocke. Berlin. Verlag Vorwäris-Veriag Ä v! ix. pnlilt Druck ivfirie-Buchdruckerei n. KeriagoanOoli Vani Linger u. Ho.. Berlin. LinSenstr. z. vlcr»» l Beilage._ ZMl'Mgel - hellgelb- billigste Bezugsquelle M. B Sllmi, ssriedrlchstr 204 I SiiuMe UitmetQße zu Tageeprenen . nah- Sutmftr. In den Morgenstunden des 28. Oktober 1923 (Donnerstag) sind durch Einbruch aus einer Wohnung Freiherr- vom- Stein- Straße Nr. 8, Berlin- Schöneberg, gestohlen worden: 1 großer Tcppich 4,/»x5,/t(TIbris) 2 große Teppiche 2'/, x Z.80 slter Perser I großer Salonteppich 2x3„„ 5 kleine Perserteppiche I seidene Tischdecke ,1MD femer 2 silberne Leuchter, 8 sübervergoidete Likßr- bechcr, I silbernes Kaffeeservice, 2 silberne Platten. 1 silberne Schale, 2 silberne Löffel, I silbernes Rauchservice, 1 Bronzefigur. Es werden 10 Proz. des Wertes der durch zweckdien iche Angaben wieder herbeiceschaffien Gegenstände unter Ausschluß des Rechtsweges vergütet. Im Falle der Wiederne, bei�cliaiiung eines Teiles der Sachen wird eine vernältmsmäßige Belohnung gezahlt. Meld.n-en werd' n angenommen unter Nollendorf 8740, oder bei Kriminalpoli ei Schö.eberg, oder bei Frank, Hahlo, Bios!)& Co., ß, m. b. H, Berlin, Doroliieenstr. 26. Zentrum Nr. 4046 und 8107. UULSTEIN" Sctinlllmusler A. WERTHEIM in Ilten vier OeicMtlea. Sdwhpvfx.Hr&ivs' wV-drall zu beziehen I Febril. Urban t Lamm. Chartallsnburg !!!Gcld!!! iür s-rnackn ssödiftr An- lmiiszr-js, tfit Biandschem« Brillamen. iboidgeg-nstanve. Tevviche. Bficher uiw. Wulti. rrleckricdeir.zi III. Ecke Kochirr. Klavier »der»»utzftfigel sucht Kur- fliest M«». 56/S* S�lM W i x beiazTllEÄer iede» Ouimum, laufl Elektro Büro. Grüner Weg 100. 150 Jßunitionskisten mö Eiienscharnirren und Henleln, last neu. vreiewert adzuzede». Htetnll. nnck lzod»»ott.0-»eN»e»»l, m.». H*. Berlin HO 1«,«dnU-ertstr. 60. 11839