ttr. 540 ♦ 37. Jahrgang Ausgabe A Nr. 133 BeznqSvretS: B?rts!t8l|rl. 80.—« monatl.IO.—«t frei ms S>ou». eorau« oijlbat.«oft. domo Araatlid 10.— Mi. nfl. So« Ü»[luna»flfOüht Umrt klrn»Ooni> ffil SouliÄlono ant Osflftroich 18. 0 Uli, fCt dm iibctgi Soslont oft laolW) «»mal. SutlftlaiT' 81 SO«i'ft-i». ftsdnnoni n�hmor-tr Oeftfrteid), . U»iatT, Achechs-SIoivalel, Don». mart mHanO,-u tmoucfl. rdioMtm unb ,i» Sdimnv— imomoaen m Di»«oft-»ttimfl»«wollft«, t>n.Soroo«»* mit Dn Sonotog«. Deilas».Soll u. Seit* ft'dium woo-»» •oalicb tujur.in Tonniaoe und Mo» tag«»Dma». T»t«o»amm-ÄlDreftr .Sailal»««otr»i Derlla* Morgen Ansgabe Berliner BoIhöUIatt � 3C Pfennig) Slnzetnenvret»: #1» odttgeiBolten»««nrortiBeMtle 103(18— M.Stutntngsiuitillaefiti'jlr «Sloin» ttajngen'. Da» gfDrodt» Wo« L— M. lzulölltg zwei -«NgeDm«» Wortei.',»,» weiter« Wort 80 Big. SleOeHgelu»» ir»D Sdllafftfllenansfiont Da» erft» Wort 88 Big. ,eDs« weiter» Wort«0 Big. Sorte Uder lö Buchstaben uSblen für itott Worte. Stuerunntjuiichioo SOft» Hatmlien-Btnetgen iltr Wxmnentea geil« 2.— M. oolit'ich»»nD «eriichoitlich« Berein«» An'eigen 8.— Mi. die geile ohne Bufschlag. Lnreigen für Di« a« chlt» Jiummec müssen In» A Ahr nart nttttags tm Jftmotjeidiäft. Berlw Cffi i, Linde». ftro&r 3, gdgegede« werden. Geöffnet wb 9 Udr irUI) dl» 5 Uhr abend«. Zcntralorgan der rozialdcmokratircbcn Parte» Deutfchlands Neüaktion und Expedition: ctD. öS. Zindenflt. 3. Äfntd'rfrttrr: ffltnt Mori»vlan.«r. 151 90— 151!>7. Dienstag, den Ä. November 0orwärts»veriag G.m.b. H.. SV). öS. Lindenstr.3. »entivrrtlter:«me Mortvvla«.?Ir. 117 53—51. Grgefth endgültig verboten. Der preutzistbe Minister deS?»nern T e v e r i» g hat, wie omt. lick» mitgeteilt wird, gestern de» sqlgenden S r l a ß an die Ober- Präsidenten, Regierungspräsidenten und Polizeipräsidenten heraus» gegebeu: »Die Betätigung und Wirkung der Organisation Ssche- r i ch stellt eine immer wachsende>Y e f a h r für die össentllche Ruhe, Sicherheit und Ordnung dar. Einerseits fordert die Orgesch in be- sonderen Ansrusen nicht mir ihre Mitglieder, sondern dariiber hinaus die?lllgcin«inhrit zum Ungehorsam trotz aller Strasrn gegen die Staatsregicning auf, indem sie geltend macht, dah auf scitcu der O r g c s ch die Macht yi. Andererseits-ruft sie durch Art und Inhalt ihrer Agitation nicht nur den Widerspruch, iondern auch enviescnermaheu den Zusammenschluß der aus entgegen- gesetztem Boden stehenden Kreise der LevSlkerung hervor. Die Au- zeichen mehren sich in bedrohlichem Maße, so daß rS bei einer Writrrpersolgnng dieses Weges zu schweren Er, schsittcruugru des Staates kommcn muß. Im Hinblick darauf ersuche ich, unter Bezugnahme ans meine» an die Herren Obrrpräsidrnten gerichteten Drahtrrlaß vom 15. August 1L20, sämtliche zur Orgauisatiou E s ch e r i ch gehSrlsrn oder mit ihr verbundenen und aus gleichem Boden stehenden Ber- eine gemäß Z? deS ReichSverewSgefetzes»ufzulSse«, inS- b. srndcr« alle Versammlungen zu perbitten und zu»er. h! g» d c r n, sowie in der gebotenrn Weise gegen Zeitung»- anzeigen, Aufrufe n. dgl. voxzuzrhen. Der IH e cht s b o d r n für dirfe Maßnahmen Ist ohne«elterrs gogobrn, und zwar einmal durch 8 12? Ziffer 2b des Reichsstras- gcsetzbuchcS, da die Mitglieder'der Orgcfch ausweislich ihrer Satzungen dcrcu Leitcra gegenüber sich zu vorbehaltloser Unterorduung verpslichtct haben. Ferner aber handelt es sich ganz offenbar um einen durch die Bexordnung des ReichSpräs«. deute» vom 30. Mai 1Ü20 fReichsgrsctzbl. 1147) verbotene« und mit Strafe bedrohten Verband polizeilicher Art, da nach S 3 der Savungeu Zweck des vereint unter anderem ist: Schätz«»» Persoue:'., sowie Aufrcchterhaltung von Ruhe und Orduuaz und Ab- w-br jedes Recht«, oder LinkSputichc». Dieb sind zweifellos Aufgaben ber Polizei nach 8 10, II, 17 des allgemeinen Landrechtes, deren AuSsibong jedoch ein a u S f ch l i e ß- licheS Recht de» Staate» ist. Schließlich verstößt der Ver« band gegen die Berfvgung des StaatSministerium» vom S. April 1020, die AuflSfnng ber Einwohnerwehren be- treffend. Tie Berfügung bezieht sich nach ihrem Sinn und Ihrer Veranlassung nicht nur auf die staatlich»rganistertrn Wehren, fon- dcrn darüber hinaus auf alle Organisationen, pie in der Zu- sammrnfassung von Personen zum Zwecke gemeinsamer und plan- mäßiger AoSübnng des Selbstschutzrs bestehe«. Daß dieser mit Waffen ausgeübt wird,«nterlirgt keinem Zweifel. Selbst wenn der Verband als solcher keine Waffe« hat, so gilt dir? doch von dem größten Teil der Mitglieder,— ein Anstand, der nich» nur tatsächlich frststrht, sondern zweifelt»» auch in der Absicht der Organisation liegt, da ohne Waffen ei» Selbstschutz überhaupt nicht ausgrübt werden könnte. � Demgemäß hat die R e i ch» r e g i e r u n g in einer La- binettfitzung vom 23. August 1020 anerkannt, daß dir Orgcfch al» eine Umgehung der Einwohnerwehren anzusehe» ist, f» daß ihr Fortbestehen mit dem versailler Frieden»- vertrag nicht in Einklang z« bringe« ist. Die von der Presse er- wähnte Stellungnahme de» Herr« I u st i z m i» i st e r» ist, mie er selbst a» Schlüsse seiner venßerung hervorhebt, nicht end- gültig. Seiner eigenen Anregung entsprechend werde ich ihm das weitere,»och In der Sammlung begriffene Material über da» Wirken ber Orgefch zur eraruten Prüfung übermitteln. Ohne Rücksicht darauf aber ist sofortige, Ein greife», wenn nicht schweres Unglück eintreten soll, unbedingt geboten. Wenn auch der G r ü« d e r der Organisation der Satzung entsprechend nur „die Versöhnung der Bolksklassrn und de» Wirderaufbau Deutsch- lmtdS" im Auge gehabt habeu mag, so führt die Betätiguag uad W i r k u» g seiner Schöpfung, wie die Tatsachen brweisrn. zu dem entgegengefetzten Ergebnis, letzte« Endes zu einer fchwerenGefährdungdeSStaateS. Selbstverständlich ist in derselben Weise wie gegen die Orgefch auch gegen alle aus dem entgegengesetzte» Boden stehende» Verbände und Vereine sowie deren Verösfentlichnngen twrzngehen." U. S. p» und Diktatur öes Proletariats. Eine qeschichttiche Tarstellunst. Gcnoss: OÄo Landsberg schreibt unS aus Brüssel vom 28. Oktober: Soeben kommt mir das Manifest der Rzchtsunabhän- eigen zu Gesicht. In ihm besinden sich folgende Sätze: .Währenv der Revolution setzte sich die Pardei-nämlich die tZnabhängioe Sozialdemokratische Partei) ein f ü r d i e D i k! a t u r des Proletariats bis zur cndgüitiqen S.cherung der prole- tarrschen Herrfchast und der Beseiiigurig aller politischen und ökonomischen Machtpositionen der Bourgeoisie. Die Politik der Un- eblsürdgißen Soztiildem c-krati sch« n Partei Deuischlands wurde ver- e i t e I t durch die Rechts so zialisten. Sie hielten an der Koalition mit dem Bürgertum fest, politisch, indem sie ihnen die Mirnsierien üb-rließon, die sofortig« Einberufung der National- Versammlung forderten und der Ablösung der proletarischen Dil- talirr durch den bürgerl.chcn Parlamentarismus die Wege ebneten." In diesen Sätzen ist nicht ein einziges wahres Wort enthalten. Ebert, Schekdemann und ichivoren uns von der Bildung des Rates der VolkSbeouftraglen an dar- über klar, datz die baldige Einberufung der Nationalversamm- lung das einzig? Mittel sei. das den Zerfall des Reiches ver- hind.'rn könne. Schon in der ersten Sitzung des Rates der Äolksbeauftraaten vexlangl-en ttvr deshalb, daß der Rat zu dieser Frage Stellung nehm«. Haas« gab unS darauf zur Antwort: „Ich stehe auf demselben Standpunkt wie Sie. Die National- Versammlung muß einberufen werden. Aber Sie nnsson, dah eS in meiner Par.Vi«ine Richtung gibt, die anderer Meinung ist. Ich gedenke, ihre Führer davon zu.überzewgen. deh die Wahi von Artteiserräton ungefähr auf dasselbe h.nauSlommt. wie � die einer Nalional Versammlung, denn bei Wahlen von Arbeiterräten würden keine 2 Proz. derjenigen auf das Wahlrecht verzichten müssen, pew n cs b.i der Wahl zur Nalionaivcrsammluug zustände; aus der Zahl der Wah-lverechtigten würden in de� Hauptsache nur die Rentner miSschelden. Drängen Sie un» nicht wir werden so- bald als möglich auf die Angeieg�nhe t zurückkommen." Fn der Folgezeit heben Ebert. Scheidenienn nnd ich die Frage der E nbentiung der Nationaldersammlung wiederholt angeschnitten. Niemals hat einer von den drei unabhän- g-igen VolksHeatiktragtesi in den Wochen unserer gemeinsamen Tätigkeit ein Wort davon verlauten lassen, dast das Bekenn'nis zur D'kwtur des Prole'artats oder die Not- wendigkeit der Beseitigung aller Matlstvosttionen der Bour- geo'sie sie davon abhalte, der Einbervstmg der Nationalver- samm'iing zuzustimmen, vielmehr machten sie geltend, da st die Kriegsgefangenen ein Anrecht auf Teil- nähme an der Wahl hätten und dast bis zu ihrer Rückkehr in die He-mat die Wahl oufgeschoben werden müsse, serner, dast der Belagerungszustand der Unabhängigen Sozialdemo- kratie bisher die Agitation unmöglich gemacht habe, und dast sie. um nicht gar zu schlecht abzii schneiden, für die Borberei- tung der Wahl einige Monat Zeit brauche, endlich, dast in den gemischtsprachigen Gebieten die Polen die Vornahme von Wahlen verhindern würden. Bezeichnend dafür, wi« wenig angesehene Führer der Un- abhängigen Sozialdemokraten damals daran dachten, sich zur Diktatur des Proletariats zu bekennen, ist folgendest Der Rat der Volksbeauftragten hatte den damaligen Reichsschatz- sekretär Schiffer beaustragt, im Derordnnngswege die B e- steuerung der.Kriegsgewinne anzuordnen. Als diese Tatsache in der Oeffentlichkoit bekannt wurde, prote- stierte der Führer der Unabhängigen Sozialdemokraten Kurt E i s n e r in einem Schreiben an den Rat der Volks- beauftragten dagegen, dast dieser Steuern ausschreibe und da- durch— derNationalversammIung vorgreife! Und wenige Tage danach gelangte in die Hände de? Rates der Volksbeonstragten ein ähnlich begründeter Protest meh- rem einzelstaatlicher Finatrzminister gegen den Erlast einer Verordnung über d'e Besteuerung der.Kriegsgewinne, den auch der damalige sächsische Finanzminister Geyer senior unterzeichnet batte." Ebert, Scheidemann und ich erklärten schliestlich den drei iintibhängigen Volksbeaustragten. wenn die Wahl zur Ratio- nalveriammlung nicht sobald als möglich stattf'nde. könnten wir die Verantwortung für die Führung der Geschäfte nicht länger übernehmen, sondern müßten aus � dem Rat ausscheiden. Nunmehr hatten die Unabhängigen die Gelegen- heit, von den rechldsozialistilchen Fesseln b'freit. die Dik- tatur des Proletariats zu verwirklichen. Statt von ihr Gebrauch zu machest erklärte-Hoaie, er und sein« Freund« könnten die Verantwortung für d'e Ausschreibung der Wobl zur Nationalversammlung nicht übernehmen und würden ihrerseits ausscheiden, wenn wir sie durchsetzten. Ebert Scheid? mann und ich wiesen demgegenüber daraus hin. daß wir gar nicht'mstande leien. unser Verlangen gegenüber dem Widerspruch der Unabhängigen dnrchzu'etzen. da unser An- trag auf Einberufung der Na'ionalhersammlung abgelehnt se'n werde, wenn sie ihre drei Stimmen unteren drei ent- gegenletzten; dann könnten aber nicht die Unabhängigen aus dem Rat ausscheiden, denn sie seien ja die Sieger, sondern wir mustt-m gehen und sie müßten d'? Regierung übernehmen. Die Aussichten, di« diese unsere Erklärung den drei Unabban- gigen eröffnete, waren für Haas« und Dittmann offenbar sehr unangenehm, denn sie sielen um und erklärten sich mit der SuS.jchreibong der Wahlen zur Natt»- nalversammlung einverstanden. �rbeitsgemeinsthast oder nicht! Von Alexander Knoll. Die Frag« der Arbeitsgemeinschaft ist in der Arbeiter» schaft Heist umstritten. Auch innerhalb unserer Partei gehen die Meinungen darüber weit auSemander. In den nachstehenden Ausführungen beleuchtet ein alter Gewerl- schaftsführer den Wert der Arbeitsgemeinschaft für die Arbeiterschaft und daS ganze Volk. Wir geben sie wieder. um nach all den Angriffest, die in der Oestentlichtrit gegen die Arbeitsgemeinschaft erhoben werden, auch eine sachliche Verteidigung zu Wort kommen zu lassen. Red. d- Vorm. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen in Gewerk- schaftskreisen, die eine Auflösung der Arbeits-. gemein schaft fordern. Es befinden sich unter den Befür- Wörtern der Auflösung auch Genossen, die anfänglich für die Arbeitsgemeinschaft eingetreten sind. Einzelne, wie der Ver- band der Bauarbs'ter, die anfänglich der Arbeitsgemeinschaft angehört hoben, sind ausgeschieden. ES darf angenommen werden, daß die Verbvnbslefeung innerlich mit diesem Beschluß nicht einverstanden war. sie mußte sich ihm aber fügen. Das ist selbstverständlich Wasser auf die Mühlen der» festigen Gewerkschastskreis« gewesen, iüc von Anfang an der Arbeitsgemeinschaft grundsätzlich ablehnend gegenüber» gestanden haben. Diese letzteren von der Unrichtigkeit threS Standpunktes zu überzeugen, dürfte heute schwerer möglich sein, als es vordem der Fall war. DaS soll deshalb auch gar nicht versucht werden. WaS ist es nun aber. daS selbst ursprüngliche Anhänger des Gedankens der Arbeitsgemeinschaft bewegt, von ihrem früheren Standpunkt abzugehen? Da wind in der Hauptsache geltend gemacht, die Arbeitsgemeinschaft habe vertagt, sie habe nicht gehalten, was man sich von ihr versprochen habe. -Es ish vielleicht nicht ganz un'nteressant, hier zunächst festzustellen, daß in denjenigen Unternehmerkrtzisen, die nur mit innerem Widerstreben in die Arbeitsgemeinschaft eingetreten sind, ganz genau dasselbe behauptet wird. Es scheint also, daß man sich da aus beiden Seiten etwas mehr versprochen hat, als der Natur der Sache nach gehalten werden konnte und somit das vermeintliche Ver- sagen der Arbeitsgemeinschaft vielmehr seine Ursachen in den beiderseitigen übertriebenen Erwartungen, als in der Sache selbst hat. Dieselben Ursachen, die di« Erfüllung der R e v o I u- t i o n verhindert haben und noch immer verhindern, find eS auch, die die Arbeittsgemeinschast an der vollen Auswirkung ihrer bedeutendsten Aufgabe bisher hinwngehalten haben. Diese wichtigste Aufgabe war der Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens in gemeinsamer Arbeit von Gewerkschaften nnd Unter- nchmertum. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, war es notwendig, die natürlichen Reibungssläcken zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft auf da» möglichste Mindestmaß zu reduzieren. Eben weil man auf beiden Seiten eingesehen hat!«, daß der Wiederaufbau sich nur dann nach Möglichkeit glatt vollziehen könne, wenn man sich über Lohndifferenzen und ähnliche Streitigkeiten schiedlich und friedlich verständigte. AuS dieser Einsicht heraus hatten ja auch die Vertreter des Unternehmertums, noch ehe die Ver- ordnung der Volks beauftragten über den A ch t st u n d o n- tag erschien, diese alte Forderung der Arbeiterschaft glatt zugestanden, um auf diese Weise Kämpf« ttm die Verkürzung der Arbeitszeit ohne weiteres auszuschalten. Wenn einge- wendet wird, daß der Achtstundentag auch ohne dieses Zu- geständniS der Unternehmer gekommen wäre, so ist das tidy tip, waS aber damals nicht ohne weiteres ans der ganzen Linie eingetreten wäre, das war der sofortige Lohn-, auSgleich für die verkürzte Arbeitszeit. Es wird nun geltend gemacht, daß die Arbsiisgemeiu- schaft doch Lohnkämpfe und Streiks nicht verbin- dern konnte. Das ist reichlich naiv gedacht. Das ist un- gefähr so, als ob man verlangen wollte, daß die Arbeits- gemeinschoft alles das erfüllen solle, was die Revolution nicht hat erfüllen können. Das ist dieselbe Auffassung, wie sie bei dem Teil der Unternehmer anzutreffen ist, der da meint, daß die Gewerkschaften mit ihrem Eintritt in die Arbeitsgemein- schaft ihre ganze Vergangenheit aufgegeben und sozusagen ein sinziger großer„wirlschaflssried sicher" Werkbmw geworden wären. Also auf beiden Seiten Illusionen, für die man die Arbeitsgemeinschaft beim besten Willen nicht ver- antwortlich machen kann. Vor allem ober baftet diese Auf- fasiung vom..Versagen" der Arbeftsgemeinschaft ja gar nicht ; am eigentlichen Zweck derselben, sondern nur cm einem ihrer ' Mittel, wenn es schließlich auch eines ihrer wesentlichsten , Mittel ist. Daß die geistigen Vä'er der Arbeitsgemeinschaft ■ nicht daran gedacht haben, daß sich auf die Tauer Wirtschaft- i liche Kämpfe würden vermeiden lasten, haben sie ja dadurch bewiesen, daß si« in di« Satzungen der Arbeitsgemeinschaft eingehende und ziemlich vielseitige Bestimmungen über die Schlichtung von wirtschaftlichen Streitig- ketten aufgenommen haben. Es steht aber auch eines fest. riämlich: Nah hh Lohnsk«tigksitm unS Lohnkamvse noK tncl 5iifilreid>cr geives?n»Dören und die Arbeiterschaft nocl). ii»dt größere Opfer bofiir hätte bringen müssen, iwenn die älrtüeits�cmeinschaft nicht bestanden hätte. Tie Ursache fast aller Lahnkämpfe ist doch die ständig fortschreitende Entwertung unserer Valuta und die dadurch hervorgerufene Teuerung gewesen: aber dafür kann man doch beim besten Willen die Arbeitsgemeinschaft nicht verantwortlich machen. Anderer- icits gebietet die Gerechtigkeit, anzuerkennen, daß die einzelnen Lohnerhöhungen, die zugestanden oder erkämpft wurden, mancher Unternehmung erhebliche Schwierigkeiten verursacht haben. Selbswerchändlich soll damit kein Wort gegen die stattgefundenen. Lohnbeioegungen gesagt sein. Selbst die deute in einzelnen Fällen gezahlten höchsten Löhne reichen sa kaum an die tatsachlichen Kosten der Lebenshaltung heran: im Durchschnitt sind die Löhne hinter den Kosten des notwendigen Lebensbedarfs erheblich zurückgeblieben. Vom indi- niduellen Standpunkt des Arbeiters ist daher auch heute noch jode Lohnforderung durchaus berechtigt. Aber trotzdem kann doch auch gesagt werden, daß uns alle Erhöhungen des Nomi- nallohnes nicht ausdem heutigen Elend heraus bringen,«oenn es nicht gelingt, dr? Kaufkraft unseres Geldes 'ä« steigern. Vermehrte Papiergeldproduktion ist aber nicht das geeignete Mittel dazu. Darf man in diesem Zusammen- iwnge wohl' sagen, daß gerade der denkende und gewissenhafte <'ü'werkschaftsleiter bei jeder Lohnbewegung in_ einen Gewissenskonflikt gerät: Individuell ist. wie gesagt, jede Lohnforderung berechtigt, und voikswirtschaftlich bringt sie uns immer tiefer in die wirtschaftliche Not hinein, macht sie ein wirtschaftliches Wiedemnporkommen nur noch schwerer, solange sie sich eben nur in immer vermehrten Papiergeld- ausgaben bemerkbar macht. Was würde nun eintreten, wenn die Arbeitsgemeinschaft in die Brüche ginge? Die nächste und meiner Auffasiung nach größte Gefahr, die daraus entspringen könnte, ist> daß die Großindustrie das Interesse an den Tarifverträgen, die sie infolge ihres Eintritts in die Arbeitsgemeinschaft abzuschließen. verpflichtet war, verlieren dürfte. Damit drohen iiene jfroße und tiefeinschn eidende Kampfe und Produktions- stochungon von größtem Umfange. Wenn es nun wobr ist, mc vielfach behauptet wird, daß gewisse großin bustrielle Kreise mit dem Gedanken der Angliederung der westlichen Industriegebiete an Frankreich liebäugeln, so könnte diesen Kreisen rein größerer Gefallen getan werden, als ihnen den Dorwand zur Heraufbefchßvörung derartiger Kämpfe durch Aufhebung der Arheitsgemeinschast an die Hand zu geben. Und man wolle doch auch beachten, daß diese Unternehmer, wenn die Parole ausgegeben wird:„Gegen die Tarifverträge"— gerade amh in manchen Arbeitcrkrcisen heute— leider!— Bundesgenossen haben. Freilich hat die Arbeitsgemeinschaft in ihrer Haupt- aufgäbe, den Wiederaufbau der deutschen Sirtschjaft zu fördern, bisher sshr wenig tun können. Aber es tväie erst recht verfehlt, ihr deshalb Vorwürfe zu machen. Der Wiederaufbau liegt ja nicht in nnserer Hand und unserem Willen, sondern in denen der Entente. Wir alle hoffen doch aber, daß es durch die Tätigkeit der Menschen mit gistem Willen in allen Ländern eines Tages dahin kommen wird. daß die Entente auch endlich mit Deutschland darüber 'ack.stcb und ernstlich verhandeln wirb, was es'denn eigentlich Zi> leisten in der Lage ist. Und wenn dieser Zeitpunkt ein« .ritt, wird die Arbeitsgemeinschaft in der Lage sein, die gkoße und bedeutungsvolle Aufgabe, die sie sich gestellt tollte, zu er- füllen. Kein Votum der deutschen Regierung über unser Wirtsthaftskchen, auch kein Votum der Arbeiterschaft oder des Unternehmertums allein, wird so gewogen werden, wie ein solches, das von Arbeiterschaft und Unternehmertum g e- in c i n s a m erstattet wirft. Einem solchen Votum, wenn es erst einmal ernsthaft zur Debatte stehen wird, kann sich kein Areepag entziehen, und sei er noch so stark und mächtig. Noch ist es freilich nicht so weit. Aber wissen wir selber denn schon, wie es im einzelnen um unser Wirtschaftsleben sieht? Nein! Und weil es so ist. so muffen wir doch dahin arbeiten, eS zu erfahren. Das aber kann mir in gemeinsamer Arbeit der beiden großen an der Produktion beteiligten Gruppen geschehen: Gewerkschaften und Unternehmertum. Wenn wir keine Arbeitsgemeinschaft hätten, so müßten wir sie von neuem ins Leben rufen— es fragt sich nach dem Vor- Iwrgesagten nur, ob es dann noch möglich ist. Es ist schon von anderer Seite darauf hingewiesen war« den, ich brauche es also nicht zu wiederholen, eine wie wichtige und bedeutsame Schule für die Erkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge die A rbeit Äthane! n schefi auch sonst darstellt. Für viele und nicht die nnbofähigtsten Gcwerk- ichafter hat sich hier geradezu Neuland aufgetan. Was hier an Kenntnissen und Erfahrungen gesammelt werden kann, das ist wertvolles Material, das sind Bausteine für das große Werk der einstigen Sozialisierung des gesamten Wirt- ichaftslebens. Und noch eins! Es hat sich doch herausgestellt, daß eS in der Arbeitsgemeinschaft auch U n t e r n e h m e r gibt, die sich aus voller Uebcrzeugung auf den Boden der Arbeits- gemein schaft und selbst der Sozialisierung stellen. Sie haben beute noch keinen leichten Stand in den Reihen ihrer Klassen- genossen. Sie würden gänzlich isoliert und zur Ohnmaclst der- urteilt, wenn die Arbeitsgemeinschaft in die Pnitfe ginge. Das sollten aber ganz besonders diejenigen beherzigen, die überzeugte Anhänger des Soziali siening KgedankenS sind, denen aber die Verwirklichimg zu langsam gebt. Si? alle sind doch auch der Ueberzeugung, daß es ohne die Mitwirkimg der intelligenten Schichten nicht geht. Man gewinnt aber diese Schichten nicht, wenn man sie ans exponiertem Posten im Stiche läßt. Was verloren ginge, falls die Arbeitsgemeinschaft aufgehoben würde, wäre al'o neben bedeutsamen materiellen Errungenschaften hohe geistige Werte. Die letzteren lassen sich freilich nicht in Zahlen irnd Worten ausdrücken, das muß man erleben— nach den Worten Iausts:„Wenn ibr'S nicht fühlt, ibr werdetjs nicht erjagen." Hoffentlich ist die Zahl derjenigen, die es fühlen, was ans dem Spiele steht, so groß, daß das deutsche Wirtschaftsleben und damit die deutsche Arbeiterklasse vor unabsehbarem und wahrscheinlich nicht wieder gutzumachendem Schaden bewahrt bleibt._ Geftanüige Verleumder. Die„Meseritzer Kreiszeitung" hatte in einem Bericht über eine Wahlversammlung der.Deutschen Volkspartei" die Rede eines Rentiers H e i n z e wiedergegeben, der. angeblich auf absolut sichere Quellen gestützt, allerhand Schmähungen gegen den Präsidenten E b e r t ausgesprochen hatte. Am Montag früh nun brachte die„Meseritzer Kreiszeitung" an erster Stelle nachfolgende Erklärung zum Abdruck: .Ick, der Unterzeicknele Rentier Ludwig H e i n z e, habe in einer Versammlung in M e s e r i tz über die Persönlickleit btS Herrn R?ich«t>räfidknien schwer beleidigende Bebauptn ngeu aufgestellt, die ich. der unter, eickneie Redakteur der.Meseritzer Kreiszeitung" Friedrich Weber, durch Aufnahme in mein Blatt weiter verbreitet habe. Wir haben uns durch die eingehend« B e» w e i ö a u f n a h m e überzeugt, datz an dieien Behouviungen nicht ein wahres Wort ist und datz wir durch leichtfertige und gewissenlose Verleumder selbst irre geführt worden find. Wir bedauern deshalb kehhaft die von uns getanen Aeuherungen und widerrufen sie ausdrücklich mit der Bitte, den Strafantrag, u r ü ck z n n e b m e u. Wir wollen auch die ge» samten Kosten de« Strafverfahren« trogen. Ludwig Heinz«. Friedrich Web e r." Wir gönnen den Verleumdern von ganzem Herzen diesen Reinfall. Wenn es gelungen wäre, alle diejenigen festzunageln, die im Lauf der letzten zwei Jahrc unsere amtierenden Parteigenossen mit Schmutz bewarfen, so hätte manches der reaktionären Blätter und Blattchcn feine Spalten mit ähnlich lautenden Ehrenerklärungen füllen müssen. So müssen wir unS damit begnügen, von Zeit zu Zeit besonders übel dustende Sumpferzeugnisic zur allgemeinen Schau zu stellen. Reichsgesetz für Gberschlesien. Der Entwurf rineS Gesetzes übrr O b« r f ch l e f i e u ist in der grstrigrn Sitzung des Reichsrates den zuständigen A» S. schüsse» überwiese« worden. Der Gesetzentwurf wird im Laufe dieser»der Anfang nächster Woche im ReichSrate fertiggestellt und de« Reichstage zur Beschlußfassung vorgelegt werde«. Die Rrbeiterschast und Gberjchlesten. In der„Magdeburger Volksstimme" nimmt Reichstags- Präsident Genosse L ö b e, der infolge seiner langjährigen Tätigkeit in Breslau mit schleiisttien Fragen besonders vertraut ist. zu der bevorstehenden Abstimmung in Ober- s chlesien Stellung. Die oberschlesischen Hand- und Kopf- arbeiter hätten erkannt, so schreibt er, daß eine regelmäßige, geordnete Fortführung der oberschlesischen Riesenbetriebe in der deutschen Republik gesicherter als in dem schwankenden polnischen Staatswesen sei. Von besonderer Bedeutung jedoch für die abstimmenden Arbeiter ist die Frage der Sozialisierung des Bergbaus. Hierüber schreibt Genosse Löbe: Aber was für die vieltausendköpfige Schar der Bergleute und Bergangesiellten viel wichtiger ist, die Hoffnung aus eine Ueber- sührung der Erd schätze und Gruben in den Besitz der Allgemeinheit hat trotz aller Widerstände in Deutschland natüilich ganz andere Aussicht auf Verwirklichung, als in dem von der schlachtschitzigen Herrschaft entscheidend beem- fluhten Polen und in seinen von amerikanischen, englischen und franzöfiichen Kavitalisien au'gekaufien Betneben. Wie der Ueber- gang an Polen für die oberschlesischen Arbeiter die schwerste Ge- sährdung der gesamten Sozialgesetzgebung, der Invaliden- und Altersversicherung, der Unfall- und KnappschastSrenien zur Folg« haben müßte, so würden sie jede Aussicht auf westere soziale und wirtschaftliche Fortichritle auf Jahrzehnte hinaus verlieren. In Erkenntnis aller dteser Umstände haben nach einem kurzen Rausche die polnischen wie die deutschen Arbeiter LberfchlefieiiS i h pe An- häng-lichkeit an das alte Heimatland in oft wieder- holten gewaltigen Demonstrationen bekundet, und sie werden sich in diesem Bekenntnis zur Heimat auch durch die SuSsckreilungen polnischer Rationali sien nicht irremachen lassen, AuS- schreitungen, die doch nur den Gefühlen der Schwäche und U n» s t ch e r h e i t gegenüber einer freien Abstimmung entspringen. Zum Schluß seiner Ausführungen erwähnt Löbe die Gewährung der Autonomie für Oberschlesien, wodurch die Vorbedingungen für ein politisch freies und s o- zial fortschrittliches Oberschlesicn innerhalb deS Deutschen Reiches gegeben seien. Roch einmal hie Helgoländer. In Befprechuwg her deutschen amtlichen Äeußermigrn zur Helgoländer Frage teilen bis'>.Timeö" ■nwt. daß 48„führende" Gintvohner von Helgoland im Namen der Emgoborencn der Insel einen Ausruf an daS britische VoL gerichtet haben, ihnen im Kampf« um die Erhaltung ihrer Reckie aus dem deutsch-englischen Vertrag von 1890 zu halfen. Die .Times" bezeichnen diese Petition der Halgoländor als eine schlagende Widerlegung der deutschon Feststellungen, daß der Benich der Helgaländer Abordnung beim britischen Botschafter britische Mache gewesen wäre und die Helgoländer seiüber gor n.chi daran dächten, sich von Teutschland zu trennen. Tie Tienstwohnung des Ministers. Zu unserem Artikel über den Reichsetat 1920 in Nr. 527 des„Vorwärts" wird uns van unterrrichtcte? Seite mitgeteilt, daß der Reichsernährungsminister Hermes nicht eine Wchnuing von zehn Zimmern, sondern e.ne solche von acht Zirmwern in einem amtlichen GeBäude bewohsit, siir deren Jrrstandsepung im EMt 1b 000 M. angeforbert soerd si. R r i ch s m i: i e l werden für di« Einrichtung der Wohnung nickt verwandt. Im Etat des ReichsfinangminiiteriumS werden ah,-- dings zur Ausstattung der Tienstwohnungen von vier Reichs- Ministerin 520 000 2JÜ, also je 130 000 M. gefordert, doch bat der Reichsminister Dr. Hermes auf eine Ausstattung der Räume durch das Reich verzichtet, da er ftine eigene Einrichriuig dewutzi. Ter deutschSsterreichische Rationalrot bat folgende Zusammen- setzung: Sozialdemokraten 60, Ebrisrlichsoziale 82, Groß- deutsche 22. Bauern oar'.ei 4 und Bürgerliche Arbeitsparter U Vichter als Verbrecher. Der aufsehenerregende Fall deS Dichters Georg Kaiser, der wegen ihm zur Last gelegter Verbrechen verhastet worden ist, läßt die feie Lombroso so uiei behanidvltr Frage niieder auftauchen, ab der geniale M.nich als anormale Evscheinung außerhalb der Gesell- schast steht und mit anderen Maßstäben gemessen»»erden muß als der gewöhnliche Siwatsdürger. Erst forrz vorher zeigten die Bilder- käffchungen der begabten Dichterin Lena Ehv-.ft, wie leicht die um- gehüirdigre Pharmgie des Künstlers die Schranken des Gesetzes »'.l-eefpringt. uwd ihr SAbsttnoift war mir der tragische Ausweg aus einem Konflikt, der in den tiefsten Tiefen des llnbemußien verankert war. Ans dem Werk des Dichters Kaiser begreift der Pfvchologe die verhängnisvolle Vermischung von Wirklichkeit und Traum, in der dieser Dichter Dinge getan, d.e der. Richter vielleicht ahnden muß. Ter größte Lödensmeister Goethe, dessen Tassin in der Bän- dtpiitm des Willens vorbÄdlich ist, hat doch von sich gesagt, es gäbe tarn Verbrechen, das ihm fremd gewesen wäre und das er nicht Whte volldringen können. Aus dunklem Urgründe der Leidenschaft, inis dem nachtwandlerisch sicheren Verstehen fremder Gefühle und seltsamster Wesenheiten neigt dta Kunst in da» helle Reich des Ver- ftandes empor, und wohl dem, dem ee von einein gütigen Geschick ■ gegeben ist. diese Grenzen stet» streng zu scheiden und ine in'sein Löben hinübergreifen zu lassen, was im Dichten Gestalt geworden. .Zahlreich ist die Schar dfit Künstler und Dichter, zahlre.ch ist die '«rchor der Dichter, die mit ihrem Tum bei der öffenNichem Meinung Anstoß erregten und eS manchmal nur dem Zufall zu danken hatten. chenn sie der Bestrafung entgingen. Der französtfchs Dichter Ver- l a i n e, der öfters mit dem Gerichten Bekairnffchaft gemacht hat und ein häufiger Gast der Gefängnisse war. hat bisse Klasse der Schicksal sge Nossen die„poäte» maudits' genannt und den langem Zug dieser im Untat und Zügellosigkeit schwankenden Gestaltem vor Im Dtitrelalter, wo der Dichter vielfach als»fahrender Sänger' mit den Vagabunden und Geächteten zufammentebie. fin- den wir ein« ganze Anzahl Verbrecher«iter den Poeten. Da ist der groß« Lyriker Fran?orS Villon, der em« Zeftlang Mit�- glied einer Räuberbande war und nur rmt knopper Not dem Galgen entging. Mit wildem Hohn hat er von seinen Untaten erzählt, und rächt minder stolz pnahlt mit seinem Verbrechen sein ftÄieniscker Wcnofie Eerco Angolieri, der selbst vor der Gotteslästerung in seiner frommen Zeit wicht zurückschreckte. Den berühmten .Revvlvcrjourwalistcn' der Renaissance Pietro Aretino hat man den.Fürsten der Diebe' genannt, weil er mit seinen literari- scheu Erpressermethoden den Großcm doS Geld besser aus der Tasche zog als jeder Langfinger. Die Sturm- und Drang dichte der eng- tischen Dichtung zur Zeit der Königin Elisabeth, diese düster leuch- temden Irrsterne, die die Sonne Shakespeare umgeben, find eben- falls vielfach mit der Obrigkeit zusammengerate: man denke nur an Christopher Marlow, der nach einem wüsten Leben mit .'lO Iahren im Duell fiel. Die Mauern der Gefängniss« hoben die .Ktagcn irrfb die unsterblichen Worte vieler Dichter verwo.mmen. Der schönste Roman der Weltlitercw.r, der»Don Quixote' des C e r- Pontes, ist zum Tttl t« Geföngiti» entstanden» mrd sein porm- giesischer Genosse ist Apoll, Camoens, der Sänger ivr .Lusiaden', hat ebenfalls gesessen. Meistens war es das' Schind- gefängivift in beut die tu Schulden verstrickten Dichter ihre Tage verbrachren. Dem würdige» Nachfahren deS Cervantes, den Dichter des»Tom Jones', Fielding, blieb dies Loö nicht arspart, und der Begründer der»Mcmalifcheit Wochenschriften', der stets fröhlich? Steele, hatte{sin Heim hinter den»eifenwen Gaiftinen" aufgeschlagen. Das„ Hiera rifche Verbrechen der Fälschung' liegt dem Dichter nahe, und wenn es auch nicht immer juristisch zu fasi.!n ist und häufig nur zum Spaß angewendet wurde, so gibt es doch berühmte Fälle der Art, die zu Vermögettavorteiien ausgenutzt wurden, wie Btaepherfons»Ossian" und des jungen Chattevton Dfchtiitrgen, die er für Arbeiten mittelalterlicher Mönche ausg-rb. Voltaires schmutzige Geldgeschäfte wurden nicht feiten zu richtigen Detrüge- reien. und wenn er nicht die Bekanntschaft der preußischen Gerichte gemacht hat, so verdankte er daö nur seinem fonigfieben Freunde Friedrich II. Das stärkste Gegenbild zu diesem unermüdlichen Geld- zusammonrasfer ist der große Spekulant Balzac, der sich in Riesenschutden stürzte und von seinen Gläuoigern hart bedrängt nnirde. Ter große schwedische Dichter A I m q u i st mußte wegen Wechselfälschungen flüchten und stand unter dem Verdacht,«inen Giftmord degangen zu'l>abcu. AIS er geächta: in einem Bremer Hospital starb, ging tnit ihm das Dunkel feiner Verbrechen un- gellar: zu Grabe. Verlaine und O s k a r W i l d e haben wegen ihres sexuellen Andersseins beide schwere Freiheitsstrafen oerbüßt. Andere Tichler— es sei etwa an GüntOer, Lenz, Grabbe usw. er- innert— haben in ihrem an Wirrungen und Dertrrungen reichen Leben mowcherlet begangen, was an Vcrbrciven streift, aber es wäre unrecht, Jiiese unglücklichen Genies fitr alles verantwortlich zu machen, ioozu'sic der Dämon ihres Künstlcrtums trieb. Tos GlaSmofaik om Berliner Tom. Ueber dem.Hauptportal des Berliner Doms bat jetzt das monumentale Glasmosaikbild seinen Platz gefunden, das Arthur Kampf entworfen und die Werkstätten von Puhl und Wagner(Gottfried Heinersdorff) ausgeführt haben. Das Werk trägt in Goldbuchstaben die Unterschrift:„Kommet her zu mir alle, die ibr mühselig und belaben seid, ich will euch er- guicken.' Dir Komposition, die dem Halbrund des Bildkeldes sich einfügt, zeigt in der Mitte Christus in Erdbraun und Mattviolett gewendet. Mit breit sich öffnenden Armen emp'ängt er die Gruppen der Schutzsuchenden, die zwei hellgekleibete Figuren führen und farbig zusammenhalten, links ein Blinder, rechts eine Mutter, deren Kind sich in ihren Mantel schmiegt. Kniende in dunklen Gewändern bilden den seitlichen Abschluß. Hclles Rasengrün unten, helles Blau des Himmels als Hintergrund, ein kleiner Wolkenkranz oben schließen den Raum. Die großgeformten Bewegungen, die wenigen und ausgebreiteten Farben entsprechen dem Charakter des Monu. mentalbildeS. Im übrigen hat der Künstler dt« Farbigleit feines Werkes gedämpft, damit«S sich der Architektur einfügt. Eine BolkSsternwarte in LudwigShake». In einem bochragen- den Prachtkuppelbau hat die Stadt LndwigShafen ein« Volks, lern» warte eingerichtet. Die Schulen, dch Arbeiter und die Bürger fallen sich für die Sternkunde interessieren lernen, bei einem Eintritts- geld von 10 und 20 Pf. An einem der letzten mondhellen Abende w.-r die eigenartig schöne Einweihung der Voltssternwarte. Ein Mann aus dem Volke, durch Selbststudium ein erstaunlicher Astro- uam geworden, erklarte de» geladenen Gästen, die BolkSsterntvofcie solle ein Mittel sein, alle Menschen in geistige Regionen zu führen. Das aiisgestellte Instrument für 60 000 M. ist 4,5 Meter lang, d e � Objektivöffnung 240 Millimeter, gleich 9 Zoll, parallakiisch montiert. Ein Motor führt das Rohr der Drehung der Gestirne nach. ... Eine sttlle Zaiibernacht ltteg herauf. Die weiß verschleierte Mondlampc hing am stcrncribedecklen Himmel, ferne Geheimnisse stiegen aus dem Fernrohr, und drunten rüstete sich die dämmernte Stadt zum Schlafe. Ein elektrlsckirr Fug zwilcken Petersburg unh Moskau. Am lll. Oktober machte der vom Ingenieur Machonin erbaute elek- irische Akkumuloiorenqug seine Brobefnbrt zwischen Moskau und Petersburg. Tie Strecke wurde in l 4 �Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 Kilometer die Stunde zurückaelegt, .Die Akkumnlataven wurden nur aus der Ausgangkstation für die ganze etwa 700 Kilomeier lang- Strecke gespeist. Damit soll ein Weltrekord erreicht sein. Kinematographie und Uufallvcrhütung. Die Gesellschaf! für Sozialpolitik veranlage vor kurzem im Voriraassaa'e des Tech- nischen Museums in Wien einen Dotirag über ohigcS Tbcma. Der Vortragende, Gewerbeinipeftor Dr. S cki mbc, zeigte in einer Reihe von Bildern Unfallverbütungsmahnahmen an Maschinen der verschiedensten Industriezweige sowie Darstellungen der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen. Die Gesellschaft wird noch einige Filme herstellen fassen und diese oci Wandtbvorträgen der Ar- deitcrschaft sowobl in Wien wie auch d-n österreichischen Industrie- bezirken vorführen._ Tie Eutwtitluug der Ztolksbühne Norden mackt erfreuliche lfort- schritte. Seit ihrer eiiten Dorstellunq am 5 Okiober hat sie einen Z»- nxichs von 2000 Mitgliedern oetzkichiien. chelpiell wlid vorläusig am Dwiislag. Mittwoch, DonnerSIag. abends T/t Uhr, Pankow. Brett e'ir. 34. Mitgliederanmeldunaen im Raihaus Pankow, Zimmer LS und bei den meisten Konlumgelchäften. Bortröge. Kunllmaler F. Krogmarm veronkkaliet an den Donners- tagen. 0,6 Uhr. beginnend 4 November, im Schuber!- Zaal eine iunit» wisienschalUlche DorlragFreihe, die die Kunst von Rom»ach Venedig de- handelt. FranenkchfAsirte nennt Helene Ferna« idren am 4. November. abends 8 Uhr, im Meisterlaal ftottsindenden Vm tragsabend. de« Dichtungen von Tagore. Storni. BonjelS,»ersel. üissauer. De Nora, Hasenelever bieten wird. Knnftchroa». Da«»rapdiiche Kgdinett I.?. Renmann. Berlin W 50. Kursiirstendamm 232. zeigt im Noocmbcr Gemälde, Aquarelle und Graphik von Richard Ianibur. Einlritt frei. Eine«Serbewch« der«rbettrrjugend In Magdeburg begann mit einem Jugendzug durch die Stadl nach dem Domglay. wo Volks- u»d Kindertinze ltaltsanden. An zehntausend Menschen, junge und alte, nahmen teil an dem srohbegebierteii Treiben auf lern iiesizen Platz. Qxkor» gegen cgford. Der Vizekanzler der Unioersiiät Oxford und gewisse Proicssoten mizbilllglen das Schreiben der Orsorder Ptvieskoren an die deutschen Kollegen und debauvteten. das Manifest oervstichte Oftcrd nl»t.—- Doch, aber nur das bessere Oftocd, das wettet in di« Zukunft sieh». Nr. 540#• 37. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag. e.Novetnher 1020 GroßSerlln �5wen stein und Eichhorn nicht bestätigt! Ein» Zeitungskorrespondenz meldet: „Wie« r von zuftSndiqrr Stelle erfahren, hat der Oder« pra'idcnt Dr. Maier xestern Alonta» dämtliiheZ-itiilirder deS»eoru MagistrttS Berlin beftStigt alit AuS- »ahme des zum Stadtschulrat gewählten Dr. Kur» Löwen st ein und drS von den Nrukommunisten zum unbefoldetenStadtrat gewählten NednkieurS Emil Eichhorn. Dir Nichibrstätigung Dr. LowcnstrinS und Eichhorns ist, wie immer in fo chcn Fällen,«hur Auzade von Gründen auSgcfvrochen." Die Richtbestötigung der beiden Stadträt«, mag von d«r Re- gierung al» ein Akt der Ttaaiskiugheii betrachtet werden, in der Berliner Arbeiterschaft aber wird man sie als einen Schlag gegen die Selbstverwaltung empfinden. Die Regierung glaubte, durch die Richtbestätigung Eegensätze überbrücken zu können, sie wird aber nur neue Eegensätze aufreJberl. Die Nichtbestätiguna Dr. Löwenstein» sieht nach allem, was vorangegangen, als ein Tr,umph de« reaktionären Bürgertums und deS antisemitischen Terror» mit. • Zur Einführung bc? Oberbürgermeisters wird, wie das Oberpräsidium mibteilt, die Stadtverordneten« Versammlung zum Montag, den 8'Nov.wber, zusammen- berufen. An diesem gleichen Tage f.ndet der Zusammentritt deS neu«, Magistrats statt. Dam-it gelten die bisherigen Stadtverord- nctenversommlungen und Gemeind Vertretungen der zusammen« geschlossene» Gemeinden als aufgelöst. Auch der Rum. der auf dem Tische stand, wird chemisch unter- sucht werden, da damit gerechnet wird, daß dieser eine giftige oder betäubende Flüssigkeit entbalten haben kann. Die von dem Täter geraubten Juwelen und Silbersachen sind bisher noch nirgends aufgetaucht. » Zu dem Mordanschlag auf den Alihändler Mahn köpf vom Hohen S eintreg in Spandau erfahren wir, daß eS bisher noch nicht gelungen ist. der Täter habhast zu werden. Das Befinden deS Hroßfeuer im SpanSaner Hafen. Auf dem Gelände der Berliner Metalliudnstrie. Aus dem aiiSgcdehnirn Spandaner Südbaien-wiicken Spandau und Zieswrrder brach» gestern nachmittag ein Gloßsetier aus. Die dort gelegenen Schuppen der Berliner Metallindustrie gerieten in Brand, und in den lagernden Benzinvorräten fand daS Feiier reicki« Rabrung. Roch bevor die Feueiwehr ein- traf, hauen bereits vier Explosionen staitaefunden. DoS ganze Hgienge lande stand tu Flammen, und die Arbeiten der Feuerwehr mußten sich zunächst aus die Sicherung der um- liegenden Gebäude beliänkem Offenbar ist daS Feuer dadnrcki entstanden, daß Arbeiter beim Schwi'ißkn mit dem Sa»erstosigkblä«e in die Räde ieuer- gekährliitier Flnisi, teilen kamen. In wenige» Minuten standen die Nepiraturwerlsläiien und vor allem die Lockieierei, wo größere Mengen von Farben und Lacken lagerten, in bellen Flammen. Tzoh der drohenden Gefahr wuide ei» Teil der Lotomoiiven und Güterwagen von den«ibenern au« de» brennenden Schuppen beraus geschoben und in Sicherheit gestrachr. Tie Svandauer Feuerwehr vermochte den Brand selbst nicht mehr zn belämptem sondern mußte sich lediakich darauf be'chrSnkc«, den Loloino iv- schnppen. in dem sich mehrere Maichinen beianden, z» schützen. Die Montagehallen stürzten schließlich zii'ammen und die Feuerivehr speiri», da»nier den Trümmein sich noch gtöncre Mengen von Farven» und Benznikanne» befinden, i» größerem Un, lange ab. Jnsolge de« starten Winde» bestand ein« Zeit lang die Gefahr, daß das Feuer auch auf die in der Nabe belegenen Werkstätten überspringen würd'. doch konnte diese« gincklichetweiie abgewendet werden. Ter Schade» dürste rund eine Million Mark betragen. öezlrksverbanö Groß-öeriin (Eozialdemotr. Partei DeuiichlandS. Berlin IW 40, Jn den Zelten 23) Mitgliederversammlnnqen am Mittwoch, den 3. November» abends 7 Uhr: 3.«. 4. Abt. Nationaldo'. Bnlowsir. 37:.DaS alte und das neue Pleuren'. Rcieienl: Gen. Heller.— 3a. Abt. Raihmann. Allheimst'oße 118..Berich, vom Parieitag'. Re'ereni: Genosse Dr. Beiidiner. 5. Abt. rliila der Aiiivl-Realschul«, Belle-Alliance- Sir. 80. öie'ereni: Gr». Dr. Slriemcr. 14. Abt. GewerkichasiS- hau». Saal b. Eiigelafer Ib..Stenerflaaen'. Reierent: Genosse ulinalcr.— IL. Abt. 2. Handwcrkei schule, Andreaestr. 1..Die politiiche Lage'. Refeient: Genoffe Richard Fischer.— 17. Abt. n. Stralau. Schnlaula. Hohenlohesir. 10.Politi'ch«?a iesfiagen'. Referent: Genoffe Pohong.— 20. Abt. Schulaula, Petersburger Straße t..BetsaffungSfragen". Referent: Genoffe Biiickner.— 21. Abt. Paradiesgorten. Landsberger Allee IbS.Politiiche TageS- irair»". Referent: Genosse TbomaS.— 22. Abt. 7', Uvr Aula>31. Genieindeschiile. Diestelnieierstraße, Eingang Pu'endotf-' iiioß«.—.Wiitichaitspolittk'. Ne'etent: Genosse Koste.— 37. Abt. AriiiShor P.rleveraer Str. 23.Die Sozialisiert, ng det Kohle'. Relerent: Gen. Katze»i>e>n.— 32. Abt. Berger, Jagow-, Ecke Levevowstraße..Wie muß die Armen-, Waffen« und Wodl- tavrispflege in Staat und Kommune anSseben?' Reierent: Genosse Riiier.— 40. Abt. Schmidt, Wicleistr. l7..Ein Wort znm deutsch- nationalen Paiieiiag'. Reierent: Genoffe F»ß. Um zahlreiches, pünktliches Erscheinen wird ersucht. Mannes hat sich soweit gebessert, daß ihm mehrere Soldaten im Krankenhaus vorgeführt werden konnten. Unter diesen hat der Mann sedoch niemanden al« den Tater erkannt. ES ist wahr- scheinlich, daß diese auch gar nicht mehr im Heeresdienst« stehe«. ES handelt sich wohl eher um frühere Soldaten, die heute noch die Uniform ihres Regiments tragen. Ter Raubmord in der Kottbufer Ttrafte. Jur Aufklärung de» letzten Kapitalverbrechen», der Ermordung der Hausbesitzerin Fräulein Lucie Belitz aus der Kottbuser Straß« 1b, fand gestern nachmittag am� Tatori«inLobaltermin statt, bei dem zugleich ein- Reihe von Zeugen eingehend vernommen wurden Es wurden dabei zwar wicht'ge Festst-llungcn über das Verhältnis der Ermordeten zu dem angeblichen Ober- i n g e n i e u r gemacht, das Derbrechen selbst jedoch noch nicht weiter geklärt. Es ist bisher noch nicht gelungen, eine Person zu ermitteln, die den Mann in Begleitung der Belitz gesehen hat. Die Leiche der Ermordeen wird heute im Schauhaus« obduziert werden. Bisher steht die Todesursache noch nicht bestimmt fest. Tie Sitzung der alten Berliner Stndtvrrordncten. Versammlung fällt in dieser Woche au«. Ob eine Sitzung der neuen Berliner Ttadiverordneten-Versammlung stailfindet, ist noch unbest mmt. Die Milchbeliefcrung. Heute wird auf die'/»-Liter-Krankenkarte llt Liter Milch vcrniisgabr. Am 3. und 4. d. M. fällt die Belicse- rnna der V, Lürr-Kinnkenkait« mit Frischmilch aus. Al« Er'atz dafür wiid am 8. d.M. aui d>« Dauer von zwei Tagen«ine Büch e Kondensmilch zum Preise von S M. Verausgabt. Die%-S>iei- Kiankenkarien werden ab Dienstaa, den 2., bi« einschließlich Frei- lag, den S�d. M.. mit Milch N'chl beliefert. Al« Eilatz daiiir w rd am Diensläa. den 2 d. M.. eine Büchse Keiidensmagetmilch zum Preffe vo» 4,2ö M. für vier Tage ausgegeben. Auf der Straße überfallen und beraubt wlilde der 23 Jahre alte Landwiri Henrich Lieber an« Orenstein, der»n Holet.Werck- meister' in der Mitielstr. 2 9 wohnte. Gegen 9 Ubr abeno« sielen vor dem Ha»'« Nr. SO in der Milielstraße zwei unbekannte Männer über ibn der und vlünderten ihn au«. Sie raubten ibm eine dunketblan? Safian Lederdiieitaia e»nv ein du»k?lbia»»e« Poriemonnai«. Die Bueiiaiche enibiett 11 000 M. bare« Geld, dar- »»ier drei ka>i'eiidma>lscheiii>'. 50 Hunder lmorkscheine und der. Rest in Füiiszinmarlscheinen, die Geldböne 30 M. Kleingeld. Die Täter sind u»erlanni entkomme». In der Hochschule für Politik, Bamffademie, Sch'iikekplatz 6, beginnt Heine, Dienstag, nachm>iiag« S llhr. die Barlesung deS StaaiSsckrcläiS a. D.iDr. August Mütter über das Verband«- Problem in der Wirischailsorganisation.' «Scala«, die varietä-Bübn« in der Maitln-Lnlher-TIraß«, dl« beute elöstnct wird, orranilull t auch NachmillagS.Vorllcllungeii, die an allen Soiiiiiagen bti eibeolich eimäi.iglen Picise» slatisinsen. Karlen zu allen . Porst llunaet» stich im Voiveltaui an der Zaaeslaste von 10— 2 Uhr, sowle ' bei Jnval dendank und Tdealcck.istc Derthclm erhältlich. WN? Gro�-Seriiner parttinocbriGten. Honte, Ä. November: IS. Abt. S Ubr bei Schonack. Samariierstr. 8. Eck- Nlgaer?t-.aße. Slhnna lämllickier �untllonäre. A'telluiiis-»nd B-zlrkslghrer. Delegierter znr Kre! vertietk'veffa> mlana und Heinebsvertra» nsleute. B.'ablkreiS Ha eicheo Tor. 7 Ubr in der.'lula der Borllg- Real« schule Boeckbbr 9/10, Verlamnilnng aller Elternbeiräte Zehlriidork. Mit-liedernersammviNg ab-ndS 8 Ubr im Lindenpark, Berliner Str. 8 TareSordmina: �lon-Berlin und der neue Magi''rat. Res. Ken Wer-nulb. Oraani.ilionsfraien. B.beizitimaen zi»?i»- vcmberkeler. Um 7 Ubr findet im tieinen Zimmer eine erweitert« PoritandS- sttznna stall. Jnngs..zlalifti«chr Aereinignnq S.B. D. 7'/, Ubr.«bt. Sich- tenbera. Bei Schn I'rich.«implonlir. 42. Vortrag Die Frau und der Sozial»mii«. Resereritin Meli. Ziels.— AM. Dften Bei Bombe, Stra' mar» sir. 7. Vortrag' Maplicher Saziaissmils.— AM. Tempel- hol. Bei Biile, Werder-, Ecke Kaffer-B chelm-SIraße. Vort-ag Niedrrlchön ha»sen. Frauenabend 7»/. Ubi bei Becker, Kaller- Eilhfim-Str. 61. Ref. Elen. Lehrer Z echert. Thema: Bersaflungssiagen, besondere Schulsrazen. Morgen, 8. November: 8, Abt. sWablkrr'S Oallesche« Tor l T.l, ailßerordcnilich- Vütglleder- versamm'nna der Sladlbezi le 2l, 22. ¥>- 30. 1,8 u>d 12'. 50—13 het Zkalbmann. Bildelmstr. 118. Ta esordnung: Vortrag über den Parteitag. VmItand.Ergä-'ziiiiqswahl Veffchledencs. 15. Slbt..Stadtbe'lrkc 2. 3. 115-118, 182 nnd 1S7.) 7's, Ubr Mit. nllcdervirlammlang im Englischen Ho', Alexgnder.r. 2?o. T» lesordnung; ErgänzungSwahlen de» Vorlandes und der übrigen Funkliogire. 13. Abt. 7 Ubr Milgliederverig nmluna in der Aula b-r 2. Hand- werlerschnle. And' easllr. 1. Vortrag. D> Mitglieder der Stadtbezirke ltS dl« 1.5t»nd 162—163 find beionders hierzn eingeladen Kreis Prenzlauer Tor. 7 Ubr bei RochKmi«, Schllemannstraße 39. Sitzung deS.KreisvoriiandeS und der Abieilnugsleilunaen Die Abteilung»- lallierer baben in dieser S>bnn> mit den Einlrittstarten zur Theaiervor» ftellimg vom 31. Oliober abziirechnen. Watzikrets Weddtiig. Bildiinaskommifsion und Abteilnnaskassierer. 7 U-t bei Kcrfin, Pa-ilstr. 60. � Steglt«. 8 Uhr Funktionäre bei E'ement, Düppelstraß« 7. iSngerer Borlland l!,S Mr.)* Wilmersdorf. 6. Ab». 7*1, Ubr Sitzung de« AbieilungsvorstandeS und der Unlerlallicrei im Lokal von Hanlcr, Auauitast'-. 10.- Ltchterkeldr. Milgliederneiiammlimg abends'-,8 Uhr Oberrealschul«, Ringllr. 1. Wichtig« Tagesordn in i. Wahl des I. Vorlitze nden Koninmgenossenschast nittglirder von Rolenthal und Nieder- Tchöiiliauic», Weit. 7 Ubr»n Lokal von.Kra'o vs i, Seebad, Krön- prinzenflr. 2, Konium'knosfenschalisver ammliin.i. Alle Konlummitgkteder find kingela"«». Es gilt, de» GenolieiiichailSrai nnd die Aqitalionskommiffloii neu zu wählen. Wer sür die Gesundung deS Genojsenichaltswriens ikt, iväbli die Liste der S. P. D. L o r e n z e n usw. Milgliedcr-AuswciS milbi Ingen. Bernau. Abend« S Uhr Im Restaurant Bellevue flstücker) Flauen« lesrabend Potsdam. Abend« 8 Uhr bei Becker. Lindenstr. 20. DahloereiuSv«- fatvmlung. Bericht vom Parlelog. Ref. Gen. Jahnke-Spandau. « 88. Abt. Konzerimarken für Sonniag. den 7. d. M., find abznhoken bei R Möbius. Ackerstr. 6/7, Boilal II. 3 Tr. Gruppe Südwest. Hallelche» Tor. Revokulionsscier Dlenslag. den!>. No».. in der srübtren BockMaueid, Fidicinilr. 2/>. S:n'rl(sfnrten ■ 1.50 M. bei den betr. Abteilungssniiltionären uiw. iowle bei'olaenden Genoffrn: Scheuiner, Hagelsberqei Sic, 20». Schröder, Ha iclsb rgei Ztr. 54, Schulz, Möckernsti. 108. Schuch. Maiieichoiscr Str. 5. Mende. Gnei'gnau- braß« 6a, Strahler. Noftlzftlaßc 12. Tchilfter, Eham ssoolntz 4 Ziegmund, Biücherlir. 37, Vogler, Mitlei'walder Ztr. 16, Ratbmanii, Wilbelmstr IIS. Schmidt,.BorwäitS'-FIliale, Bälivaldstraße 42. Borwärts-Buchban lvig. Linde, ftr. 2, sowie am Abend an der Kasse. Um rege Beteiligung wirä gebelen. � Lichtenberg. Karten für den Kunllabend am 9 November kMevo- lotlonsscier» im Cäciiien-Lg'.eum, RathauSftraße. sind bei allen FuMlio.iären sowie im Bureau, Niedci barnimstr 4, z» babe» Unsere Z. v. D.-Eliöre. Einige Cboc.Iorsttzcnde und Bezlrksleilcr haben an'cheinriid den letzlea Ausrui übrrl he ,. sich bitte noch um Adieiienungabi deffenigen, die sich bisher n cht gemeidet haben, damit dir deabsichltgte tioiiierenz dielen Lionai itaiifindea tan i. Ollo H S n tz s ch e l, Berlin X 58, Schlieinannstr. 17, IL Jugenüveranstaltungen. Heute, 2. Novemver: Borsigwalde. Geaieindcjchule, Tirtz lia,>«, Milgliederverlammlimg.— Brich. Schule, Ehaiisseestraße. BUischenab-nd. Vortrag:.Die A sahr n der Grogstadl für die Jugend'— Chnrlottenburg. Bolkshau«, Rofiiirnsir. 4, Milgiieccrve»iaminlunq.— Gcinilddrunnnen. Go-»- buigcr Str. 2 l Schuir). Miigiiederoeriaminlülig der Aroeilsgememichasi. Bariraa:»Iii der.Verein Arb.'iter- Fugend' parieipolitilch neaicil?"— Nkucuhggen. Schule, N edelhaideitraße. Miigli. Servelsammlnng.— Wedding. Goteiibn ger Ztr. 2(schule). M lgiiederocr>am»>luiig der ArbeilSgeineinschast Voilrag:»Fit der.Verein Aroeit r-Z.igend' volit sch neulral i"— Schoneberg, �iubens-. Ecke Hauvt iraße, Miiglieoervcn imiil- lung.— Güvrn. Schule. Wilmsilr. 10, Milgl eaerveffamm i»»g— Südwest. Ztiilr.illugcndbeim, Ln>denslr. 3, Miigliedeive sammliiiig.— Trepia.v-Bäuurichuicnweg. Ebenär. z. Mi iliederverlammiung.— > Weltzeuiee. Leoigenheii», Wölckpro»enadc, Rggliederoersaminiun t. 34) Das Licht der Heimat. Dan Augost Hill: ich». „Wie lange bist du schon in Hamburg/ fragte Fied. ,�ch weiß nicht, schon lange, ich bin ihm gleich nachge- reist— dem ersten."... Da schwiegen sie wieder. Dier? suchte in Gedanken ihr Geficht von früher: lieblich und frisch war sie gewesen. Jetzt hatdeil die Tränen ihre geschminkten Backen verwaschen und die roten Livpen entfärbt, man sah die scharfen Cinicn um Mund und Nase, und dennoch war sie immer noch hübsch. „Hanna— du mußt hier heraus," sagte er trübe. Sie schwieg. Da sagte Fied:„Du hättest doch was an- fangen können, irgendeine Arbeit." Sie hob die Hand und strich dos lockige Haar zurück. Dann setzte sie sich aufrecht hin:.°,ch hätte— vielleicht— ich weiß nicht. Aber jetzt— och erzählt doch von früher, von daheim, von der Wiidenstraße. Weißt du noch. Fled. wie du einen Laden hottest, und wir kauften das Zeug für unsere Puppen bei dir?" � Fied nickte nur, aber sie hiest nicht aus mit Fragen und Erinnerungen, holte die gemcinsame Jugendzeit herauf. sprang von einem Erlebnis zum andern und erzählte und fragte so lustig, als wären sie alle noch harmlose Kinder. Und allmählich riß sie die beiden anderen mit. Sic schenkte ihnen von dem schweren Rotwein ein. sie stießen zusammen an und lachten wie gute alte Freunde, die sich nach langer Trennung endlich wiedergefunden hatten/ Und doch wußten sie alle drei, daß sie sich selbst betrogen mit diesem Lachzn. Es wurde träter, und Fied sab nach der Ubr. Hanna fühlte, daß die Heiden bald gehen würben. E'n? beiße Angst kam in ibr« Augen, und je stiller Dierk urd Fied wurden. desto lustiger und lebhafter schien sie selbst zu werden. Plötzlich sogt« Dierk ernst:„Es Hot gar keinen Zweck. Hanna, daß wir noch lachen— sag uns jetzt, wie wir dir helfen können." Sie wehrte ab:„Morgen. Dierk morgen— heute denk nicht daran. Trink lieberl" Und sie wollte wieder ein- schenken. Aber Dierk schob sein Glas beiseite. „Morgen fährt unser Schiff, dann sind wir nicht mehr hierl" „Du willst fort?" Sie sprang auf. schlang beide Arme um seinen Hals und schluchzte:„Du darfst mich nicht ver- lasten. Dierk, du darfst nicht! O dies Leben— ich will heraus— ich ertrags nicht mehr— Dierk— hilf mir doch!" Dierk war ratloS. Er konnte sie gar nicht wieder be- ruhigen und wußte nicht, was er tun sollte. Hilfesuchend sah er Fied an, der zuckte die Schultern, zog seine Börse und meinte: ,.3Min du vielleicht etwas brauchst?" Aber sie fuhr ihn an:..Geld— alles wollt ihr mit G.ld abmachen— das Hab ich selbst. Dich will ich, dich!" Und sie klammerte sich an Dierk und weinte. Dierk hielt sie ganz still in seinen Armen und ließ sie ausweinen.„Hanna— arme, kleine Hanno, komm' jetzt," sagte er endlich. Da ließ sie sich ruhig von ihnen nach Haus bringen. Sic hing sich auf der Straße in TicrkS Arm und sagte nichts mehr. Aber als Fied einmal ein paar Schritte zurückblieb. bog sie sich nahe an Dierks Ohr und flüsterte leidenschaftlich: «Versprich-mir, daß du mir helfen willst— Dierk. du darfst nickt fort— morgen, komme morgen, versprich mir das, willst du?" Er sah ihr angstvolles Gesicht, da faßte ihn ein wilder Schmerz— was war anS dem lustigen Lockenkops geworden —„du mußt mir helfen. Dierk. du mußt!" Er nickte schwer mit dem Kopf. „Morgen kommst du also— ," sagte sie selig und streichelte seine.Hand. Als er nachher mit Fied allein zurückging, meinte der: ..Ich bin froh, daß wir Howburg bald hinter uns haben. Morgen abend um diele Zeit sind wir schon in See." Dierk war zu müde und abgespannt, ibm jetzt zu widersprechen. aber er wußte, daß er Hanna wicht verlosten würde. Ein dumpfer Dn'ck loa auf seinem Herzen. Fied freute sich auf seine Geschäfte drüben, da fragte Dierk:„Sag mal. host du jemals Heimweh gehabt?" „Heimweh?" lachte Fiek„ja. wenn ich so ein paar Wochen still sitzen muß. wie jetzt eben, dann Hab ich Heim- weh noch meinem Geichäst." Da empfand Dierk. daß st« grundverschiedene Wesen > waren, denn er salbst hatte, sein ganzes Leben lang Heimweh ■ gehabt] Am anderen Morgen hatte Fied anscheinend dos ganze Erlebnis vergessen. Sie sollten noch vor Mittag abfahren. jetzt nutzte er die letzte Stunde noch zu einem Gesdhäftsbrief l auS.-■ Dierk trat in Hut und Mantel vor ihn.„Hast du Rei'e- fieber," lachte Fied,„wir haben noch über eine Stunde Zeit." Ai Aber er verstummte, als er Dierks ernstes Gesicht iah. „Fied"— sagte Dierk und sah den Freund traurig an— „was soll mit Hanna werden?" „Hanna?— was aus ihr werden soll—? Mensch— waS gebt uns das heute noch an?" „Ich kann so nicht w:g," sagte Dierk. „Du hast wohl noch einen Jammer von gestern, setz dich 'her und trink eine Tasse Kaffee." „Fied, lache nicht darüber, ich hätte drüben keine nrhige Stunde mehr." Da sprang Fred auk:„Ich weiß nicht. waS du hast: tvws Willst bn denn eigentlich?" f „Wir müssen Henna mitnehmen!" „Mitnehmen? Bist du—?" Fied pflanzte sich vor ihm airs— er war klein und mußte zu ihm hochschen—„Erst.ns haben wir keinen Fahrschein— und dann— selbst wenn wir den noch bekämen— hast du eine Ahnung von drüben? Soll sie do noch tiefer— ganz' tief sinken?" „Wir könnten sie ja vielleicht irgendwo unterbringen. oder bei uns heholten." Da drehte sich Fied um:„Du bist verrückt!" ..Fied," sagte Tierk—„verstehst du das nicht— ich kann so nickt weg— ich hab's ihr doch versprechen—" „Was hast du ibr versprochen?" „Daß ich ihr helfen wilst", F'ed war wütend und anlwortete nicht mehr. Dierk stand unschlüssig. Er fühlte sich schuldig, und das Versprechen, das er Hanna gegeben hatte, drückte ihn, aber— konnte er das brechen? „Fied." sagte er—„könnten wir nicht einen andern Dam)/er nehmen einige Tage warten?" Fied antwortete ihm gar nicht. Dierk wußte ja selbst, daß es nicht ging, daß ihr Gepäck schon vorauf war. ihre Plätze belegt, waren— und dennoch— er richtete sich hoch auf: Lied, dann— ich muß zu Hanna!"(Forts, folgt.) Der vertretertag öer Volksbühnenverekne Zum erstenmal traten am 23. Oktober in Berlin Vertreter der deulicken BolkSbübnenverein« zu einer Tagung zusammen. In dreilägrgen Verhandlungen wurde überaus sruchtbare Arbeit ge- leistet. Ein Referat des GeneralselrelärS der Berliner BoltSbühne, Dr. Nestriepte. zeigte, wie besonders seit der Revolution der von der Berliner VolkSbnhnenorganisat'on zuerst verwirllichte Volksbühnengedanke sich überall hin ausgebreitet bat. In zwanzig Städten Deutschlands bestehen bente bereits Vereinigungen, die es sich nach der Art der Berliner Volksbühne E. V. zur Aus» gäbe machen, die.Theaterkoniumenten' auf der Grundlage des Selbst- besiimmungsrechtS unter Ausschaltung parteipolillscher und konfeisio« neller und vor allem auch aller gegen die moderne Arbeiter» beweaung gerichteter Tendenzen zusammenzuschließen, um auf grnossenscha'tlicher Grundlag« durch Veranstaltung guter Theater» ausfübrunqen. Konzerte und dergl. zu billigen Einheitspreisen den " breiten Massen die Schätze der Kunst zu erschließen. Fast ein halbes Dutzend dieser Vereine veranstaltet bereits Theater» Vorstellungen in eigener Regie, zum Teil in selbsterbauten oder ge» pachteten Häusern, während die übrigen einstweilen»och darauf angewiesen sind, einzeln« Voistellungen in den vorhandenen GeschäflStheaiern zu pochten oder sich an den üblichen Bor- ftellungen durch Abnahme eines Teiles der Plätze zu beteiligen. Wuchs in Berlin die VolkSbübnenorganisaiion bereits auf 140 000 Mitglieder an, so bildeten sich doch auch in Orten mit 20 und 30 000 Einwohnern lebenSkräfiige Vereine, die ihren Mitgliedern eine Fülle ausgezeichneter Daibielungen zu ganz geringen Preisen zugänglich machen.— DaS Ergebnis der Aussprache, die sich an die'en Vortrag anschloß, war der einmütige Beschluß, die vorhan- denen, aur dem Boden der Bcrltner Volksbühne stehenven Bereine in einen Verband zusammenzufassen. Mit der Schaffung dieses Verbandes der deutschen Volksbühne»vereine wurde der Grund gelegt zu einer»mfanenden Organiiation der „Kunstioniumenten* mit dem Ziel, die genossenschafiliche O-gani- sario» der Kunstpflege überall zu fördern und insbesondere die Uebersührung der Theater in Gemeindebesitz durch tuietzen. Zum Borsitzenden des Verbandes wurde UnterstaalSsekretär a. D. Kurt Baake, zum Generalsekretär Dr. Restriep ke gewählt. Die Bedeutung der Tagung erschöpfte sich aber nicht in der Verbandsgründung. Eine Reihe wertvoller Referate wieS den Volks- dühnenvereinen Wege für ihre künstlerische Betätigung. Dr. Sielow, Chemnitz, und Julius Bab, Berlin, bebaudelten die Fragen, in welchem Sinne die Volksbühnen ihren Theater- f p i e l p l a n gestalten sollten. Verschieden waren die Aufgangs- punkte, von denen beide Redner das Tbcma besprachen: für Dr. Sielow das künstlerische Schaffen Ausdruck des KlusienkampfeS, die Volksbühne berufen. an der Grenze zweier Kulturepochen sich als Mittel des KlasienkampfeS z» fühlen und sich bewußt am Aufbau der neuen Kultur, der Kultur der em- porsietgenden Klaffe, zu beteiligen; für Julius Bab die Kunst Ueberwindung des KlaffenkampieS durch die Idee, die große Schöpferkraft, und die Volksbühne Selbstzweck, bereits Verwirk- lichung einer neuen sozialistischen Kultur. Gleich aber waren die Folgerungen, die beide Sprecher zogen: daß eS die Au'gabe der Volksbühnen sein müffe, das echte Kunstwerk den Massen zu geben, nicht aber, um irgend einer Tendenz willen den künstlerischen Maß- i stob zutückzult llen. Leo Kestenberg wies auf die Bedeutung hin, die der M u f i k p f l e g e im Rahmen der Volksbübnenvereine zukomme. Das Musiidftrma als Gelamtlunstwerk im Wagner- ichen Sinne dem Volle nähezubringen. müßte letztes .. 3'«k dieser Musikpflege sein; solange dem noch allzu große � Schwierigkeiten entuegensiünden. bäiren zum mindesten gute � »--c-Kon-erte den Mitgliedern der Vereine Weien und Bedeutung der � Musik nahe zu bringen.— Dr. John S ch i io lv s k i bebandelte die Möglichkeiten, auf dem Gebiet der bildenden Künste er-. zieberisch und fruchtbar zu wirken. In auSgezeichneien Darlegungen! würdigte er die einzelnen Methoden, das Äuge richtig sehen zu' lehren und die dakür Veranlagten tiefer hineinzuführen in dos Bei- � ständnis der bildenden Kunst. Mi» großem Nachdruck betonte er. die Notwendigkeit,.AnschaliungSunlerrichl*. wenn irgend angängig,' an Orioinalen zu erteilen und wies auf die Möglichkeiten bin,| durch Führungen, leihweise Entnahme einzelner Bilder, Ver- ansialtungen von Ausstellungen und dergleichen solchen An- schauungSunterricht zu geben.— Endlich ergünzie K. H. D ö i ch e r dieie Referate durch einen Vorlraa über die Ausgaben der. VolkSbühnenvereine im Hinblick a u s Film und Kino. Lange Zeit ein schroffer Gegner aller Kinodarbietnngen bekonnre er. in der letzten Zeit zu einem anderen Urteil über die Möglichkeiten, daS Kino kür Bildung und. künstleriiche Genüffe fruchidar zu machen, grlommen z» sein. WoS beule das Kino biete, sei zwar gaiiz überwiegend noch Schund und müsse belämpft merden; aber tat'ächlich biete der Film doch auch starte Möglichkeiten lünstlerische Eindtücke zu vermitteln. Aufgabe der Volksbühiienvirciiie sei eS, fick) an der Kinoieform aktiv zu beteiligen und denjenigen ihrer Mitglieder, die das Bedürfnis nach Kinovorsübrnngen hätten, in besonderen Vorstellungen ausgewählte, küniileriich wertvolle FilmS votzulübre», für, diese Zwecke ein brauchbares Filmarchiv an>u- sammeln und dergestalt durch Stcigcruna des Bedarfs an guten ans auch die Vrodukiion zu beeinflussen. Diese Anregungen airden zum Beschluß erhoben. i Endlich brockte die To.iung noch zwei ausschlußteiche Vorträge von Dr. Selig, Berlin, und Dr. Ellger. Pankow, in denen die Pflichten und Möglichkeiten de« Reicks, der Länder u»v der Komimlneii bebandelt wurden Maßnahmen zur Sozia Iii ic- rung de« Theaters zu treffen. Beide Redner betonten, daß eine Kominunalisierung des Theater« notwendig sei, d»e aber in keinem Falle eine Viireaukralisierung und Schematisierung werden dürfe und deShaib eine Organisation der Kunftgenießenden als eines mit-' bestimmenden, ja maßgebenden Faktor» nicht entbehre» könne. Beide Redner legten eingehend dar, daiz iMe ichleckle Finanzlage Staaten und Stadt« nicht von der Aufgabe entbinden könne. Mittel für Kultur, zwecke bereitzustellen, daß die Fürsorge für die geistigen und seeli- schen Bedürsniffe gerade angesichts der Notwendigkeit größter mate> neller Einschränkungen dringend erforderlich sei. Beide wandten sich nnter diesen Gesichtspunkten gegen die Belastung der gemein« nlltzigen Theater mit irgendwelchen Steuern, beide forderten sie die weitestgehende Förderung der Volksbühnenbesirebungen durch die öffentlichen Gewalten. Beigeordneter Dr. Ellger verlangte als Min- bestes die Bereitstellung erheblicher Kredite zum angemessenen ZinS- kuß fürTheatergemeinden nach der Art der Volksbühnenorganisationen. denen überall die Möglichkeit zur Schaffung eigener Thealerhäuier gegeben werden müßte. Dr. Selig wandte sich gegen die Aussasiung, als würde ein kommunaler Theaterbetrieb da« schöpferische Genie der.Tbeatetkapiläne' nickt zur Geltung kommen lassen, und forderte grundsätzlich die Ausschaltung jede« privatgeschäftlichen Theaterbetriebe«. An all diese Rekerake schloß sich eine wertvolle Aussprache, in der u. a. für Berlin eine zwangsweise Zu'ammensaffung aller privaten Tbearer und maßgebender Einfluß der VollSbühnenorgani- ialion auf die Leitung diese« ZwongSiyndilatS, den Spielplan und die Ausnutzung der einzelnen Theater usw.,»nd serner Maß- nahmen gegen die Monopolisierung von Bühnen- kün st werken durch einzelne Privattheater gefordert wurden. Das Ergebnis dieier Aussprach« war die einstimmige An- nähme einer Resolution, in der es heißt: .Der Verband der deutschen Vollsbübnenvereine fordert grund- sätzlich die Uebersührung der Theater in Gemein» besitz, wobei der Organisation der Kuustgenießenden entscheidende Mitwirkung zu sichern ist. Bis zur Durchführung dieser völligen Soztalisierung verlangt der Verband von Staat und Gemeinden die weitestgehende Förderung der VolkSbühnenvereine und ihrer Bestrebungen. Mit aller Entschiedenheit lehnt er jede Belastung der gemeinnützigen Tbealerunternebmungen mit öffentlichen Ab- gaben und vor ollem auch einer Lustbarkeitssteuer ab.' Eine besondere Kommission wird die SozialisierungSfrage weiter behandeln. Den Schluß der Tagung bildete eine öffentliche Kundgebung mit dem Thema: Volksbühnenbewegung und Sozialisierung de« Theater» sworüber bereits berichtet wurde). Dies« Kundgebung nabm, wie die Tagung selbst, einen ebenso harmonischen wie im- posanren Verlauf. Man gebt gewiß nicht fehl, wenn man von dieser Tagung und der Gründung de« Verbände« der deutschen VolkSbühnenvereine eine weithin wirkende Anregung für die künftige Entwickltmg deS Theaterwesen erwartet. Sranüenburgisther Krankenkastentag. Die Freie Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg trat am Sonntag im Berliner Ge- werkschasishcme zu ihrer 15.- Jahreskonferenz zusammen. Erschienen waren von 03 Kasten 244 Delegierte(einschließlich 20 Vor- standSmitglieder) und als Gäste die Vertreter der Landesversiche- rungSanftalt Brandenburg, der ObervcrsichcrungSämter Potsdam und Frankfurt, des RerchsversichcrungSamtes, der Berliner Gcwerk- schaftSkommistion. der Generalkommission der Gewerkschaften Teutschlands. Ter Vorsitzende AhrenS- Cbarloitenburg erwähnte in seiner Begrüßungsansprache die für die Krankenkasse wichtigen Borkomm- nisse de? aügelausenen Geschäftsjahres, die Erhöhung der Grund-! löhne und dre Hrnaufrückung der TersicherungSgrenze, die Steige-! rung der Arzthonorare, für die da? Mehr an Einnahmen drauf- ging, die Steigerung der Verwaltungskosten. Taö Gesetz über die KriegSbcschädigtenversorgung sei leider ohne Anhörung der Kranken- j kosten gemacht worden, und dasselbe sei zu erwarten bei dem Gesetz über die-Erw-rbslosenvcrsicherung, zu deren Uebcrnahm« die Kassen bereit seien. Den Kassenbericht gab SimanowSki, Geschäftsführer des Verbandes der Krankenkassen Groß-Berlins. Zu dem aus dem Vorjahr übernommenen Bestand von rund 12 199 M. kamen 9326 j Mark Einnahmen, denen 13 858 Mt. Ausgaben gegenüberstanden, so daß am Jahresschluß ein Bestand von 7667 M. ve'blieb. Dieser hätte mit rund 6000 M. damals noch ouSstel-enden Beiträgen sich auf 13 667 M. gestellt. TaS neue Geschäftsjahr hat bisber schon 44 781 M. Einnahmen gebracht der 32 001 M. Ausgaben. Die Eni. lastung wurde erteilt. Ter Bericht des geschäftsführenden Aus- sch u s s es, erstattet von Riedel, Geschäftsführer der Allg. OrtS- krankenkasse Rathenow, behandelte eingebend den Streit der A e r z t e mit den Kassen. Dieser habe den Kassen viel Arbeit gemacht und ihre GeschäftZsiihrung mit ständiger Unruhe erfüllt. Tie allmähliche Erstarkung der Aerztearganisationen habe deren Einfluß sehr gesteigert. Gegenüber den von den Aerzten angewen» deten, nicht zu rccltsertigcnden Kampfesmitteln müsse den Kasse« die Gesetzgebung helfen. Nur gesetzliche Regelung des Ver- hältnijses zwischen Aerzten und Kassen bleibe übrig. Nowendig sei ferner eine Abwehr gegenüber den Forderungen der Apotheker. Die Arzneivcrsorgung müsse auf eine andere Grundlage gestellt werden durch Heranziehung von Drogisten und durch Selbstabgabe der Kassen. Auch sollten die Kassen ungerechtfertigte Verordnungen der Aerzte durch ständig« Kontrollen einschränken. Ter Rcscrent erörterte dann die erreichte Arbeitsgemeinschaft der ÄassenmitderLandeSversicherungSanstaltBran. d e n b u r g. Zwecks ist ein Zusammengehen zum Abschluß von Verträgen mit Anstalten, zum Betrieb eigener Anstalten, zur Ver- anstaltung belehrender Vorträge usw. Für die Beziehungen der Kassen zu ihren Angestellten ist entscheidend der Reichstarif, der nur in Einzelpunkten bezirklich geändert werden kann. Mit dem Zentralverband der Angestellten ist Einigung dar- über zustandegkommen. daß nie Grundlage die Besoldungsordnung für Reich-beamte genommen wurde. Für die nächsten Aufgaben der Kasse, die in der Arztfraae und in der Eeschgebung zu lösen sind, mahnte Referent zu lückenlosem Zusammenschluß. Bisher gehören zur Freien Vereinigung 178 Kassen mit über 154 Millionen Mitgliedern, aus Berlin 12g mit über IV* Million, auS der Pro- vinz 49 mit etwa M Million. ES folgte ein Vortrag deS SozialhvgienikerS Prof. Dr. G r o t- j a h n über„Tie hvgienischen Äufgaben der Kran- kenbcsucher bei Au5übung ihrer Tätigkeit'. Sie dürfe über den nächstliegenden Aufgaben nicht das große Ziel ver-! nachlässigen, Krankheiten zu verhüten und h\t Vokktz» gesundheit zu heben. Damit der riesige Apparat der Krankenversicherung mehr als bisher in den Dienst dieser höhereu Aufgabe gestellt wird, müsse die Krankenkasse auch Fürsorge auS- üben, vielleicht nicht so sehr durch Vorträge als durch aufklärende Merkblätter, mahnende Plakat« usw„ vor allem aber durch Mit- arbeit der Krankenbcsucher. Diese können die Beschaffenheit der Wohnungen und den Gesundheitszustand der Familienmitglieder beobachten. Sie können hinweisen auf richtiges Verhalten gegen- über Ansteckungsgefahr, und Auskunft geben über Wege zur Hilfe. Ter Vortragende gab dann in Lichtbildern einen Ausschnitt aus der Geschichte deS Gesundheitswesens. Sie zeigten die Wasserversorgung im Altertum, das Badelebcn und die Krankenpflege im Mittelalter, das Wohnungsbauwesen der Neuzeit.(Lebhafter Beifall.) Nach den Wahlen deS Vorstandes und de? geschäftsführenden Ausschusses wurden die weiteren Verhandlungen auf Montag vertagt. Am Montag sprach Prof. Dr. Kavserling über.Woh- nungen undTuberkulose". Unter allen von der WohnungS- not jetzt so bart Bedrückten erfordern die Tuberkulösen die groß« Fürsorge. Der Zusammenhang zwischen Wohnungsbeschaffeuheft und Tu berkulosev: rbrei tu ng ist unverkennbar, und man hat daher die Tuberkulose geradezu eine Wohnungskrankheit ge- nannt. Sobald Störungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen eintreten, zeigt sich die Wirkung in einer Zunahme der Tuberkulose. Im Krieg griff die Tuberkulose um so mehr um sich, je weiter die Ernährung sich verschlechterte. Eine neue Mehrung der Tuberkuloseerkrankungen und Tuberkulose- sterbefälle ist jetzt infolge der Wohnungsnot zu er- »arten. Die Uebertragung der Tuberkulose erfolgt Hauptsächlich in geschlossenen Räumen, und in engen Wohnungen ist die Gefahr am größten. Einzimmerwohnungen haben ersahrunasgemäß die höchste Tuberkulosesterblichken. Der Wohnunqseinfluß kann in Steigerung der Ansteckungsmöglichkeit und auch in Verschlimmerung schon bestehender Tuberkulose sich äußern. Zum Raummangel mit seinem engen Beicinanderwobncn und Beieinanderschlafen kommt messt eine schlechte WohnungSbeschaffcnhcit. Mangel an Luft� und Licht, unzulänglich« Reinigung usw. steigern die Tuberkulasegcfahr. Nötig wäre durchgreifend« WohnungSfürsora e durch Woh- nungSinspektionen und Fürsorgeschrvestern. aber sie ist jetzt durch die Wohnungsnot erschwert. Der Vortragende forderte, Kranke mit vorgeschrittener Tuberkulose in Anstalten zu�geben. Die Mahnung richtete er an die Krankenkassen und darüber hinaus an die Gemeinden. Diese sollen da eintreten, wo die Pflicht der Kassen aufhört. Er forderte serner eine ausreichende Versorgung der Fa- Milien von Tuberkulösen und mehr Fürsorge für die Kinder. Zwei Milliarden Mark verliert jährlich daS Deutsche Reich durch die Tuberkulosesterblichkeit, aber schon mit jährlich zweihundert Mit- honen wäre viel zu Helsen.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurde unter anderem die Mitarbeit der Krankenkontrolleure in der Wohnungsfürsorge betont R i e d e l- Naihenow empfahl, daß die Krankenkassen selber die K'nderfürsorge mit Geld unterstützen. Die Kassen sollten nicht nur über Wohlfahrtspflege sprechen, sondern sich auch an ihr be- teiligen.(Beifall.) Ein Vortrag von RegierunqSrat Gretzschel aus de« Wohl- sahrkSministerium über„Beschaffenheit und Benutzung der Wohnung' ergänzt« die Ausführungen KavierlingS. Auch Gr. hielt für nötig, daß Krankenkontrolleure auf WohmingSinstand- hallung und richtige Wohnunasbenutzung achten. Fürsorge für den WohnungSbedarf kinderre-chcr Familien sei eine Aufgabe der aller- nächsten Zukunft.(Beimll.) I u l. Cohn. GeschäflSführer der Allgemeinen Ortskranken- fasse Berlin, erörterte die im neuen RsschsversorgungSgesetz vom 12. Moi 1920 vorgesehen« Uebernahme des Heilve r- faSrenS für Kriegsbeschädigte durch die Kranken- kassen. Leider kehlen noch die AuSsührungkbettimmungen zu diesem Gesetz. Dem Vortrag solate eine kurz« Diskussion. Zu dem Entwurf des ErwerdSlosenversicherungsgeseheS erklärte der Krankenkaffentag in e'ner fast einstimmig angenommenen Resolution sein Einverständnis mit dem Grundgedanken, daß die Erwerbslosen Versicherung den Krankenkassen angegliedert werden soll. Tie Kassen wollen die Beiträge er- heben und d>c Unterstützungen zahlen, den Arbeftsnachweisen aber wollen sie die Prüfung überlassen, wer Unterstützung zu be- kommen hat. Danach wurde die Tagung geschlossen. 7)110 aller Welt. Die Ränberbunde, die vor einer Woche 500000 Mark den Beamten der Glerwitzer Hauptwagcnwerkstatt entriß, konnte entlarvt werden. Die Schuldigen sind sämtlich fe st genommen worden. Sport. Leichtathletik im Winter. Di« S t a s e t t e« l s II s e der Freien Ti-inerlchalt»r«'-. Berlin sandei, trotz ltlirtem ftrolt om Sonntagvormittaq ans»er Ovaibabn des groven Spie'vlntzeS im Treptower Pw f»Mt. Ter ONbc,irt konnte beim Lmilen der MSvner, Jngendlickrn»ad Knaben wieder einen unbeftrittenen Sieg bavonlragen, wätrend bei den Turnerinnen der Süden siegte. Norden und Nculölln konnten keine Eisolae buchen, da sich dort die Spoilbewegun, noch m den Ansän en befindet. Tic Verandaltung bewies, daß der LautUxnt sich immer mcbr Freunde perschasst so konnte der Osten mit neuen ingend» lichen Kräften auftreten, die gute Resultate erzielten. Wir möchten daher A beiter und Ai beiterinnen(drlojrtnä jugendliche), welche ihre Ge unddeit durch Svp>t sirdem wollen, ertlichen, sich in den Turnballen BeterSbuescr Steahe 4(Cfler) oder Bocckhstr. 17/20(Süden) Dienstags oder Freitag« von 8—10 Uhr zu melden.' Resultate: 4X100 Meter-Stasette. Juaevdliche: Osten 55'/, Sek.. Süden 62V, Set Frauen: Osten 67 Sek., Süden 6? Sek..gnaden: Oven I"1*1, Sek.. Ollen II 7a1/, Set. Männer: Onen I 5s4/, Sek., Süden 54'/» Sek., Osten II 5VV, Sek.— Frauen:«00 Meter l. Siicmvel l. 3,20*/, Min., p. Utzielo 3, 8.2.-.«!, Min.. 3.»«'sc 8. 3.21'/, Min. 4. Beters- dort 3, 3.3?»/» Min.— Olympische Stoscite(800, 200..10, 400 Met r). Oven 5.12«/, Min.. Süden 5.16»/, Mm. Nor>en 5.24«/, Mm.- Halde Schwedrnstoiett«(200. 150.»00. f>0 Meter). Osten: Ingen» UO4/, Min. 9 X 100 Meler-Stojette: Osten 2.13», Min. WetteranSstchten für das mitilm Norddeutkchland bis Mittwoch mittag. Uebcrwiegend beiter und trocken bei ziemlich ichwachen istlichen Winden, in den Mittagsstunden ein wenig milder, m der Nacht zum Mittwoch wieder tat». Toiirileseifen u. Waschseifen IlM IC«»t nnd preiswert. BERLIN W. 50 Potsdamer Str. 122 Zähne 3 m I Vertranensvolle * w an UVnarb. schirr R#f). SOf. I lihviTtx Ilnch Llnarb. f sMecmsitz. Gehisse. Rep sof. Weil,?e«Hemer Str. iä, Hochb. Sprech*. 9-7. 1 Au»lunfr Oebamm« prenß.{ Lruimeastr. 76. 10/Za• Zahngebisse, tnbC-_ Urban, Hariannenstr. 29 alte, atituanu ment u ter Mk. 14,2« bis«00.-. 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Abt. l.Ab.j Mw. 7: Danion(.1. Abi. 1, Ahd.) Tbeater I.«t. KöolggrätzerStraße '.'.S Uhr: Rausch. (Ors�a.Auei.Kieinann, Richard Ve dtklrch.Dernnurg, Römer.) Mittwoch; Rausch. Donnerstag Rausch. Freit.: BaumeisterSolaeas (Ste nrüCK, Glässner.) Komödlenhans Vj8 Die Sache mit Lola mit Max Pallenberg. (Josefine Oora a. Emmy Sturm, Ptcha, HasKel, Scher- zer. K per.) Berliner Theater Vt�Uhr: Der letzte Walter. Volksbühne 7 u.: Nach Damaskus t. Teil. AT Ontrm-TheaPer TVa Frau Bärbel(Operette) ItentMfhea Diiernhan* � Martha. Frle Wtllielinnt.Th. vi, u. Hoheit hie Tänzerin. KleincK Theater. rj, u Qriselda. Kl. MrlinaM|iirihana. »uhr KlndertragöillB. KobiIhvIi«' Oper t.-. ut.,: Uebe im Schnee. ldUstHpl(h|hi\ai» 7»/4 Uhr: Arnold Rleck in Zwan�seinquartlernns« Xletropol-Th«'at olleiiilorfiilnti. - uhr Wenn Liebe erwacht Sonntav. a'/* Der Juxbaron. Thrntrr«lei» UeMtom« Ü'-Derersten Liebe gol!l.Zeit Mtw. Ji/, Sc neew.u. notenrot Th. l.d.Kommandantenstr. früher t.ci rnfcid-Theater. Heute gescht.. Donnerst.g 7: Der ▼crlfingle Adolar. tVallner-Thenter l" Der Geiger von Lugano. �Talhalls-Tbeater TS Uhr Residenz- Theater. •// Uhr: Die Freundin Tina Ourieux, Toel e, Bildt Albers. Va lentia Sonnta 4 Uhr: Die Freundin. Trlanon-Theater. Uhr: ¥\er Roman deiner Frau Ida Wüst, Burg, Limburg. Vaiettl. Palkenstein. Stg. 4 R>man einer Praa. Rose-Theater. UranffuhroDS w. u: Mntter n.Sohn Casino-Theater cothrlagur Str. 37.— Tgl VJt Nur noch bis 4. November Seit Aisjnsl aal dem Spielplan Kiiorps sei. Witwe Freltai',5 November,!. I.Male Der l'ehltrltt einer Praa. Sonnt z. 3 /, Der Hausdrache. !.k88iüg-Iliöü!Ls.»nteme 7� Dire�rion Victor BarnowsKy. Heute bis Donnerstag Flamme# Vi, Uhr: (Dorsch. Götz, CrUmng, Pröckl.) Freilag 7: Peer Cynt Deutsches R&nstief-Theater Allabendlich SS Uhr. DieScheidnngsreise mit Maz Adalbert uno J Trade Hesterberg. �, Uhr: I DergehörnfeSiegfried mu Ferd. Qrünecker. Theater Direktion: James Klein. 71, Th Verlängert für November die Natura- iistisebe Orient- Schau BEBLIMS und bringt t im Rahmen der November- Sensationen die wildesten Löwen- Bressuren der Welt! roletarisehes Theater. tft. Nov. Mülle' str. 1« TV» Die Feinde von Maxim Qorki. ? Sehall mtäSaiicli im oioten Schauspielhaus DiF Hans» Woizogen „Dar Rummelplatz** Vilms von Mcdgyaszay Transky. Riahund. Pon, Gregor Ratott m s.Choi Wotowsky, Bendnw, Newollna, Bland Eblnger .Totentanz" Anlang 8 Uhr. M. Hartstein. läglich;«/, Uhr Sonntipgs 3", u 7'/, Uhr: Die neue große i Ausstlattangsburleske je toller, je besser! •> Bilder von W Hartstein Außerdem dl# neuen November- Attraktionen. künstlerische Leitung Dr. Buren Robert. Ecke Kant- und Joaeblmstbalcr Str. Tel. Steinplatz lOOßu. Da»» neue Kovember- frogramm. Eröffnunal Ausverliaiifl! S. Glarepoflfa— Ckrainisohea National- Ballott Lo II»»« und Joarhlm ▼. 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Krebs, Sozialisierung und 20 Prozent! Fn der Generalvenammlung der Hasper Eisen- und Stahlwerk-Gesellschaft hielt der bekannte Grohindusirielle Ge- beimrat Klöckncr zur Frage der S o z i a l i s ie r u n g eine Rede, der wir folgende markante Stellen entnehmen: Annächst wandte sich der Redner gegen die U n k I a r h e t t e n, die bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Frage der Sozialisierung herrschen, und verteidigte die bekannte Arbeitgeber- theorie von der Nouvendigkert, die Unternehmer anzureizen. Wärt- lich sagte er:.Niemond kommt aber zu der Erkenntnis, dag die Sozialisierung des Bergbaues mit praktischen Resultaten, also mit einer Erhöhung der Förderung, bei einer gewissen Rentabilität, überhaupt nicht durchgeführt werden kann, denn der s o z i a l i- sierie Bergbau ist überhaupt nicht lebensfähig." In feinen lveiteren Ausführungen vertrat der Redner die An- ficht, der Kohlenbtdarf in Deutschland werde bald stark zu- rückgehen und dc»S Heer der Arbeitslosen steigen. In- folgedeflen werde der Tag kommen, an dem in der gangen Welt keine Kohlennot mehr besteht..An diesem Tage wird der s o z i a l i- sierte Bergbau sein Todesurteil empfangen, denn nur eine freie Wirtschaft ist in der Lage, den Wettmarkt zu be- haupten." Heber das Hasper Werk führte Klöckner auö, daß eS sich wegen Kohlenmangels nach wie vor in großer Verlegenheit befindet. Di« Verwaltung sei mit Projekten zu einer Verbesserung dieses Zustandes beschäftigt und werde, sobald diese feste Form onge- nommen, den Aktionären Vorschläge unterbreiten. Nach dieser Rede beschisoß die Generalversammlung, die Dividende auf �7 20 Prozent festzusetzen! Das er- klärt manches._ Eisenbahner und Eisenbahnöesizit.. Von einem EiienbabnbetriebSbeamten werden u»S folgende zutreffende Ausführungen eingesandt: Der im Etat mit 16 Milliarden Defizit angegebene Eisen- bahnfeblbetrag wird von manchen Seilen benutzt, um über die.Begehrlichkeit" der Eisenbahnbeamten zu schmähen. Wir sind jedoch die Allerletzten, die an dem Papiergeld kleben mnd sind gern zufrieden mit dem. woS wir haben, allerdings müssen die Einnah- men so sein, daß wenigstens die allernotwend ig sten Aus- gaben davon gedeckr werden können. Das ist aber leider nichr der Fall, und da« Gegenteil wird auch der Herr Reichsfinanz» minister nicht behaupten. Wenn man die Frage, ob die Lohnforderungen der Eikenbahner zu dem hohen Defizit geführt haben, objektiv prüft, so wird man zu einem verneinenden Ergebnis kommen. Wte es den Eisenbahnern in Wirk- lrchteir geht, beweist folgendes Beispiel: Sin Sisenbahnbetriebsbeamter, der 16 Jahre lang auf einem Rangierbahuhos in Wind und Wetter, bei Eis und Schnee, Tag oder Rächt, im Freien Dienst verrichtet, wozu noch die ständige Lebens- gefahr hinzukommt, bezieht ein Monatseinkommen von 8SV M. Wenn er hiervon auch noch Familie zu ernähren hat, so bleibt ihm nicht die Möglichkeit, auch nur die notwendigsten Lebensmittel zu beschaffen, von Kleidungsstücken ganz abgesehen. Mit einem hungernden Ei'enbahnpersonal aber ist eine Gesundung unsere» Eisenbahnwesens nicht herbeizuführen, und so erfülle man im Rahmen des Möglichen die Wünsche der, Eisen- bahner, die ganz gewiß die Letzten sind, auf die schlechte Finanz- läge des Reiches nicht Rücksicht zu nebmen, zum mindestens aber erspare man den Eisenbahnern unzntreffende und! von. tiefstem sozialen Unverständnis zeugende Vorwürfe! Eisenbahnererfolg in Schneiöemühl. Für Schließung der Eisenbahnwerlstätte in Schneidemühl wird uns folgendes mitgereilt: Am Sonnabend nachmittag verbreitete die Ortsverwaltung de» Deutschen EiienbahnerverbandeS ein Flugblatt, in dem die Bor- geschichte zur Schließung des Werkes geschildert wurde. Herr Heydemann als Amtsvorstand hat auch seinerseits viel dazu beigetragen, die Erregung gewaltig zu steigern. Dte übertriebenen Gerüchte über schwere Mißhandlung sind völlig unzutreffend. Wenn mai» die Tätigkeit de» Herrn JnipektorS in Schneidemühl rnit derjenigen in Stargard vergleichr, so diängt sich einem unwill- kürlich der Gedanke auf, daß sein ganzes Borgeben hier in S- daraus abzielte, durch immerwährende Provokationen die Beleg- s chafi zu Unbesonnenheiten hinzureißen, um diese dann als willkommenes Mittel zu gewaltsam e m Vorgehen und zur Schließung der Wcrkitätre zu benutzen. Durch Berbandlungen der Organisationen mit dem Ministerium ist erreicht worden, daß Sonnabend, den 30., die Weik- slätte wieder eröffnet wurde. Eingestellt werden alle mit Ausnahme derjenigen, denen ein Vergeben gegen die Stralgesetze nach- gewiesen wird. Die Verhandlungen über diese Angelegenheit sind noch nicht obgeschloffen. Die Ausforderung der Verwaltung, sich am Mittwoch um Neueiitstellung zu bewerben, wurde abgelehnt: nur wenige ließen sich eintragen, ein glänzendes Zeugnis ge- werks»ästlicher Disziplin unter den Schneidemühler Eisenbahnern.__ Das neue öaltikumabenteuer. Sie WTS, meldet, haben die wiederholt angestellten Ermil� lungen über den Uebergang von Deulichen über die litauische Grenze ergeben» daß alleS in allem nicht mehr als 1000 Mann übergetreten sind, eine Zahl, die durch verbürgte Nachrichten aus Lilauen bestätigt sein soll. Miliiärische Ausrüstung und Be- waffnung ist nicht festgestellt. Die Litauische Regietung schickte am 29. v. MtS. 12 Uebergetretene nach Eydtkuhnen zurück. Tiefe werden im Jnternierungslager festgehalten und ver- nommen. Am 30. Oktober wurden 8 Mann bei einem Versuch überzutreten festgenommen, darunter drei, die zu den Bolschewisten wollten. Leider ist in der Dolff-Mitteilung nicht angegeben, von welcher Seite dies« Ermittlungen stammen; sollten fie allein auf General v. Dassel zurückzuführen sein, so würden wir ihnen allerdings recht skeptisch gegenüberstehen.__ Annexion Wilnas. Sewn», 1. November.(Lit. Tele«r..«gentur.) Die Litatter habe» im Gegenangrisf Podselyi und Wvdsenischki zurück- erobert und in hartnäckigen Kämpfen den Feind zurück- gedränzt. Ein polnischer Flieger hat über Wilkomir Bomben abgeworfen. Elf Zivilisten sind tot, dreizehn schwer, viele leicht ver- letzt. Tos Militär hatte keine Berlustr. Es wurde e i« L r i r g»- r« t von vier Mitgliedern gebildet. Der Auswärtige Ansschuh des Warschauer Parlaments fordert die Annexion WilnaS, da? von dem polnischen d'Annunzio. Zeligowski. trotz Waffenstillstand, Potschafler- konsercnz und Völkerbund»erobert" worden ist. Er dehnt durch immer neue Angriffe die Grenzen Polens stets weiter aus. Die Meldimg von polnischer und litauischer Zu- stimmung zur P 0 l ks a b st i m m u n g in jenem Gebiet be- stätigt sich nicht ganz. , In Posen wurde der„Deutsch-polnische Pressedienst" unterdrückt., Der für fünf Monate erlassene Au snahmezustand ist nunmehr vom Minister des ehemaligen preußischen Teil- gebictes bis zum l3. Januar 1921 verlängert worden. In D anzig hat der Oberkommisiar sämtliche politischen Versamnilmigen bis zur Fertigung des Abkommens mit Polen verboten. Hegen Wrangel- Konstantinopel, 1. November. sReuter.) Die Bolschewisten haben an der ganzen Front die Offensive wieder auf- genommen. Die Truppen Wrangels werden zurückgedrängt. Sie haben Berdiansk und Alexandrowsk geräumt. Zur Entlastung Wrangels und der gefährdeten Ententetruppen in Armenien hat der französische General G 0 u r a u d in Syrien eine Offensive gegen Moskaus Bundesgenossen, die Türken- .irmec Mustafa Kemals, begonnen. vas wahre Gesicht des öolsihewismus. Nach einer Meldung der„Berlingske Tidende" beklagt sich ein von dem Sekretär des Zentralkomitees der russischen komMUnistischen Partei, P r.e öb r a s ch en ski, veröffent- lichter Artikel' der„Pratvda" darüber, daß die Parteidisziplin nur noch durch Zwang aufrechterhalten werde und selbst bei alten Kommunisten det P r 0 l e t a r i e r ge i st immer mehr der s ch wind e. Auch die Bauern widersetzten sich immer mehr den Bolschewisten, seitdem sie die Güter unter sich verteilt hätten. Sie verweigerten die Auslieferung des Brotgetreides. In vielen Gebieten schlössen sich die Arbeiter der Städte zusammen und zögen aufs Land, wo sie den Bauern die Vorräte mit Ge w a I t entrissen. Tie bolschewistischen Zeitungen machten kein Hehl daraus, daß die Bewegung gegen die Sowjetherrschaft sehr ernst: Formen angenommen habe, und man könne Aufsorderuitgen an die Machthaber lesen, die schärfsten Maßnahmen zur Anwen- dung zu bringen, ehe es zu spät sei. England gegen tzorthp. Paris, 1. November.(TA.i Wie ans London gemeldet wird, hat die englische Regierung erklärt, daß sie den fraUzSsisch- ungarischen Geh ein, vertrag nicht anerkenne. In- folgedesscn hat die französische Regierung die ungarische Regierung verständigt, daß der Bertrag annnlli>:rt wird. Wie dazu aus Budapest gemeldet wird, ist dadurch die Lage der uugarische» Re- gicrnng unhaltbar geworden, um so mehr als die finanzielle Unter. stützung Frankreichs durch die Annullierimg des Vertrages auSge- blieben ist. Frankreich wie Ungarn haben wiederholt da? Bestehen diese« GebeimvertrageS bcstrilien und eine offizielle Bestätigung oder Bestreitung des englischen Vorgehens bleibt auch abzuwarten. Der oft bestrittene Geheimvertrag soll Ungarn wirtschaftlich zur französischen Kolonie gemacht, Horthy aber das Halten einer über. großen Armee und die ständige Bedrohung der Republiken Deutsch» österreich und Tschechoslowakei gestattet haben. Das Horthy-Regfme hat lange die Duldung Englands genossen— nun aber wurde die Sache für London wohl wirtschaftlich unerwünscht; auch Mag ihm die von Frankreich und Horthy angestrebte Donaukonföderation mit monarchischen Kern nysyinHathisch sein;! außerdem �wunscht Eng- laut» mit SowietrußiaBd, Handel"zü treiben,' währsnd Frankreich es durch Ungarn.'WrqnMl niederkämpfen lassen will. Wenn die Folge dieses englischen Eingreifens die Befreiung EuropckS von der ungarischen Schmach sein sollte, so wird eben wieder, wie bei dem Verzicht ans die Beschlagn.chme deutschen Eigentums, der starke U-nterschied zwischen Frankreichs und Englands--- Kontinentalpolitik sich jedermann einprägen! Die britische Regierung muß sich aber ihren eigenen Militari«- mus ansehen, der z. 23. von dem finnischen Dampfer„Ariadne" auf der Fahrt von Stockholm nach HelsingforS, also unterwegs nach Rußland, achr Personen als russische Bolschewisten heruntergeholt Hai, wie»Ariadne" in Tan zig berichtete. Wenn ein englisches Kriegsschiff im Schwarzen Meer Lit- winoff gefangen genommen haben soll, so hat das— mili- tärisch betrachtet— noch eher einen Sinn; aber Moskau wird auch ohne Litwinoff seinen Samen im englischen Orient ausstreuen. Englands Streikabsiimmung. Amsterdam, 1. November.(WTB.). Wir„Algrmeen Handels- blad" aus London meldet, wird das Ergebnis der am Montag de- gonnrncn Abstimmung unter den Bergarbeitern am M i t t«» ch aus der nationalen Kvnfrrenz der Bergleute bekanntgegeben werden. Cardiff, 1. November. tWTB.). Die Bergarbeiter von Södwales habrn bcschloffc», dcn»rrgarbeitrrn anzuraten, die dor- geschlagene« Bedingungen abzulehnen. Ein neuer?renmärtprer. Rotterdam, 1. November.„Nieuwe Rottrrdamsche Courant" meldet aus London: Der neunzehnjährige Student der Medizin, der in Dublin wegen Teilnahme an einem Angriff awf die Polizei zum Tode verurteilt worden ist, wnrde heute vormittag gehenkt. Man sieht in ihm einen neuen Märtyrer für die irische Sache. Gestern abend hatten Täusendc vor feinem Gefängnis gebetet. London, 1. November.(?!euter.) Gestern fand in Cork die B e- erdigung des Bürgermeisters von Cork statt. Zwischen- fälle haben sich nicht ereignet. Am Sonnabend zogen Taufende an der auigcbahrmt Leiche des Bürgermeisters vorbei. Der G e- schä f t s v e r ke hr in der Stadt ist eingestellt worden. Am Freitag haben mit Gewehren und Beilen bewaffnete Soldatenabteilung.en fünf Stunden lang die Ortschaft Templemore(Grafschaft Tippecary) verwüstet. Viele Geschäfte wurden geplündert und niedergebrannt. Es fanden zahl- reiche Schießereien statt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu verzeichnen. Die Ausschrcitunge» erfolgten, um den Uebersall auf ein militärisches Lastauto bei Tipperary am 26. Oktober zu rächen, bei dem die Sinnfeiner drei Soldaten ge- tötet und fünf verwundet hatten. London, 1. November.(Reuter.l Amtlich wird aus Dublin gemeldet: Gestern abend wurden auf Polizei und Militär in Irland vierzehn Angriffe ausgeführt. Sechs Polizisten wurden ermordet, acht verwundet, ferner wurden zwei Militärpersonen verwundet. 12 006 elsässisch: Rekruttn sind bisher zur französischen Armee eingezogen worden. Damit sie sich nicht heimailoss!) fühlen und doch in die französische Sprache einleben, wurden fie einzelnen Garnisonen Altfrankreichs zugewiesen. In den Kaiernen wurden französische Sprachunterrichtskurse eingerichtet. Für Deutsch» land bereits geleistete Dienstzeit wird angeblich angerechnet. Wilson als SchirdSrickter. Lloyd George erklärte, Wilson habe ihm am 18. Oktober mitgeteilr, daß er die Aufgabe, die! Grenzen d e s. a r m e n i,» e n Staats zu beftinmien, über-] nehmen werde. i'-.* Wirtschaft Tie Produktionskosten für Kartoffel«. In der„Zeitschrift für Spiritusindustrie" Nr. 44 ist ein Aus- klärungöartikel über die Produktionskosten der Kartoffeln, den wir leider mangels Raum nicht, abdrucken können. Dort heißt es: „Was sind nun die Kartoffeln wirklich wert? Diese Frage zu beantworten, ist für jeden Landwirt nicht so ganz einfach. Er kann nicht etwa wie der Schuhmacher den Preis für sein Produkt be- rechnen und erklären:„das müssen sie kosten I" Das ist ihm weder möglich noch hat er es nötig; denn der Preis bildet sich im freien Markt nach Angebot und Nachfrage, und für die landwirffchaftlichen Produkte in Deutschland ist bis zum Kriege sogar der Weltmarkt- preis bestimmend gewesen. Nur die Berechnung der gesamten Er- gebniffe schafft dem Landwirt Klarheit und der Vergleich der Er- gebnisse der einzelnen Betriebszweige führt ihn zur Erkenntnis, ob e i ii e r derselben, mehr oder weniger rentabel ist.— Es erscheint immer noch sehr fraglich, ob nicht die Landwirte klüger getan hätten, angesichts der teueren Pferdehaltung ihren Kartoffel- bau und ihr Angespann einzuschränken und dafür mehr Stroh und Hafer und im Frühjahr zu hohen Schleich- Handelspreisen Kartoffeln zu Verlan sen, statt sie in den Acker zu setzen.— Von landwirtschaftliche r Seite sind im vcrigcn Herbst die Produktionsnn kosten pro Morgen auf 700 bis 800 M. berechnet worden. Stimmt die Rechnung, so wäre bei einer Durch- schnittsernte von 55 Zentnern, wovon etwa 15 Zentner minder- wertige Ware zu rechnen sind, etwa 14 M. der angemessene Preis gewesen. Auch in d.esem Jahrer hat man ähnlich« Dcrechmingcn, lautend auf 1506 bis 1900 M. pro Morgen angestellt. Das wäre dasselbe S: e ige r u ng»v crbältii i s wie das der obigen Berechnung. Wenn nun auch dieses Jahr wohl mit 65 Zentner im Durch- s ch n i t t zu rechnen sein dürfte, wird doch der Preis Von 25 M. nur selten unterschritten wenden dürfen. Für viele Verhältnisse aber werden Preise bis zu 30 M. gerade nur die Produkt.onskostetr decken kötinenl" »Noch hat er es itätig", diese Worte kennzeichnen vollkommen die Auffassung in weiten landwirtschaftlichen Kreisen. Sie nutzen eben die Konjunkturen aus, wi« es ja die Jndustricfavita- listen und das Handelskapital ebenfalls tun, was scheren sie die wirklichen Produktionskosten. Das Ei mag ruhig 2,70 M. kosten, solange es noch Käufer gibt, die den Preis bezahlen können,.mag es auch nur der kleine Kreis der Wohlhabenden sein, haben die wirklichen P r 0 d u k- tionS kosten keine Bedeutung. An dieser Auffassung werden wir zugrunde gehen, weil die Landwirtschaft kapitalistisch nicht für den Bedarf, sondern um den höchsten Profit pko- du ziert. Solange wir nicht dahin kommen, daß dem Landwirt der wirkliche Postenpreis zuzüglich eines normalen KleVinnzn» schlage« vergütet wird, wird nicht das produziert, was Hnötige«.' Dem Landwirt muß es gleickgültig sein, welche Frucht er anbaut, der Bedarf muß ihm nach den Wirtschafts Plänen aufge- geben werden. Sein Gewinn mutz im höchsten Errrag durch in- telligenteste-Bearbeitung des Bodens liegen, nicht in der Ausbew» tu reg der Konjunkturen auf Kosten der Arbeiterklasse. Zur Neuregelung der Srifenwirtsdmst. Vom 1. November 1920 ab triit in der Seifenwirtichaft insofern eine Aenderung ein, als mit diesem Tage die Heniellung von Einheiiserieugnissen wie S. H. V G.-Seifrnpulver. S. H. V G.-Reinseife und S. H. V. G.Feinseife au'böri und allen Gesellichasietn die Herstellung tbrer Spezialerzeugniffe wieder oestallet wttd. Mit dieser Aendeiuiig wird allerdings die fteie Wirlichasl noch nicht restlos eingeiübit, da die Herstellungserlaubnis noch an die weiierbestebenden ge>e:z- lichen Bestimmungen gebunden ist. Die S. H. V. G.-EinbeiiSer- zeugnisse werden noch für eine längere Zeit im Verkehr iein. Für die Spezialieifen ist die Bestimmung geiroffe», daß lediglich re>»e. also»nge.füllie Ware bergesteht werden dar st Bei Kernseife nufsj die Pockinig oder da« Stück den Fetitänregehalt oder einen Hmtvei« ans d»e Reinbei« der Sejse— Kernseife— sowie die Anoabe d'?S SchiiiitgewichteS tragtzrt. Bei Sei'envnlver muß der Gehalt M Fettsäure auf der Packung aufgedruckt sein. Rückläufige Bewegung im holländischen Außenhandel. Die Ziffern sowobl der Ein- wie der Aussnhr für die letzten drei Monate weisen eine starke Verminderung auf. wie nachstehende Tabelle illustriert:. Erniubr Aussuhr ,n Mill. Gulden Juni..... 345'4 179 4 Juli..... 314,8 177 1 August..... 267,9 1300 Hierbei ist zu bemerken, daß allerdings der Monat Juni die stärksten Ein- und AuSsuhrziffern des lausenden Ja breS auiwie«, während die heutige Ein- uns Ausfuhr ungefäbr auf ten Stand m Anfang des Jahres zurückgegangen ist. Damals hcr�chte dia europäische Valutakrise, welcve die Mark bis auf 2> � Cents brachie, in ihrer stärksten Form, und der Zusammenhang rwiichen der neiier» k'chen Entwicklung der bolläiidiscvcn Ausiuhr mit der in dcn letzien Monaten eriolgten abermaligen Verschlechterung der em opäischeir Diviienkurs« ist nicht zu verkennen. Achtnng, kondensierte Mich! Kondensierte Milch, die in Holland von den deutschen Konirolleuien als»niaualich für Genuß. wecke zurückgewieien ist. soll nach dem Hamburger Freihafen v-rladi-il werden. FnS deutsche Zollgebiet wird sie nicht zugelassen, die Hamburger Schieber werden versuchen, sie nach dem Innern Deutschlands zu verkaufen. Ver Kampf gegen Sie Reaktion von rechts und den Bolschewismus von link«»st biSber allein von der Sozialdrmokratiichen Partei Dent'chiands(S P.D.) mit Erfolg geführt worden. Die Feinde der Ncpudlit von rewi» und linls rüsten jedoch zurzeit mit aller Kraft zu noch schwereren Kämpfen gegen unsere Partei. Sie bedari deshalb der»ai- kräftigen Unterstützung aller Männer und Frauen, die fü r Eibaltuiig der Republik sowie gegen die Reaktion und den Bolschewismus sind.— Wer unsere Partei in den bevorstehenden'chwcien Kämp'en unterstützen will, trete soiort dem Bezirksverband Berlin der S. P. D. bei. indem er den nachfolgenden Aufnahmeiaiein austülli und an A lex Pagel», Berlin KW 40. In den Zelten 28 einschickt. Da« Eintrittsgeld beträgt 50 Pi.. der Beitrag für Männer 26 Pf., für Frauen 16 Pf. pro Woche. Außerdem w id ein Wahlbeitrag von 1 Mk. für Männer und 50 Pf. für Frauen pro Monat erhoben.— Es wird gebeten, im Faüe deS�Bei- trittS diefe Beträge per Postanweisung oder auf Postscheck- konto 487 43 einzusenden. EewerMaftsbewegung Schließung der Sorsigwerke. Die©■orftgrocrfe in Tegel mit einer Belegschaft dan über 5l)vv Mann sind gestern bis auf weiteres ge- schlössen worden. Di« ticfeie Ursache des Konfliktes, der scheinbar in der passiven R>.sistenz eines Teiles der dort bs- schäftigten Arbeiter liegt, ist zu suchen in der hartnäcki- gen Weigerung der M e t a l I i n d u st r i e l l e n, den Metallarbeitern eine den heutigen ZeitverhÄtnissen ent- sprechende Aufbesserung der Löhne zu bewilligen. Seit Monaten schon werden vom Metallaicheiterverband mit der Organisation d>.r Metallindustriellen Berbondlungen geführt. ohne dost diese zu einem greifbaren Resultat führen. In den Kreisen der Metollarbeiter macht sich angesichts des Venhaltens der Unternehmer begvciflic�erweise eine immer stärkere Erregung bemerkbar. In den BorsigweNken ist seit Mehreren Tagen«in Teil der Arbeiter. V o r z e i ch r e r, Reparaturschlosser und Elektriker, insgesamt etwa 300 Mann, in passive Resistenz getreten. Tie Firma entliest fristlos diese Arbntergruppen: die übrige Be- legschaft erklärte sich daraufhin mit den Entlassenen sali- dorisch.__ Reichstagung der Selben. Der.Aaiionalverband deuilcber G. werkschafken' trat am Sonn- Ina in Arilin ,» keiner er'ien Reiibetaaung pisammen. W>r würden o»' diese«.Ereignis' nikbt mrückU'Mmen. wenn die pan>i"scb und konse'sionev neiuralen G.fellschasl nichl eme einsige w n st e H e tz e n n d S ch i m p f e r e i aus die Revolution, die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften gewesen wäre. Der Borsipende diese? National- derbande« der organisierten Ztreilbrecher, Heir G e i st l e r, bemerkte in'einer BegrüstungSaniprache. dast beule und morgen ein Stück Revolution,«in Stück d» r S o z> a l d e m o k r o t i e b e- graben wird, wovon wir bi» jey» noch nicht? gemeikl baben. Er trat al?.«Änklä.ier deier, die den'ö. November al? eine Errungen- schan der denischen Ardeiierichait feiern wollen', aus, iprach von den »roben �äiiste» der Revoliiiion'. vor denen sich kaum die Unter- nedmer bäiie» leiicii lönnen. riet noch.ArbeilSrube und Sr-� b e> l» i r i e d e u' uns predigte den.K.impi gegen den kerro,'. der beuie die Massen uineijochi'. Er gedachte zum Schlust ie'ner A»'v>achr„der»rnäblige» Tote», die aui'reindem Boden starben und die nicht wollten, dast anS ibirr tische eib Ebeit, Sche'deman» vd�r Er,bcrger eiit'leden iollie, die für Kaiser und Reich fü> da« deiitsche Baierland staiben..Wir wollen,' so rief er be- geistei l an«,.dafür iorgen, dast dieser Geist in Deutsch- land wieder erwacht.' Nach einer Rede de«;st>e>herrn v. LerSner, der sich in Frankreich.„icht gl« Besiegter' gefühlt bat, iprach der Borsitzende über da« Thema:.Die dellttch«» Gewert»chaften aui falschem Wege' Er stellte die«reche Bebanptung auf, dast die freien Gewerlschaften alles geion hüllen, um die Ergiebig- kerr der Äibeit zu untergraben und dast Taukende von Toten die Folge der fal'chen Gewerkschoftspolilik gewe'en seien. Nach dem Bericht der L 3.-«orre>pondenz sagte er wörtlich:.Mit dem Mittel der Gewalt und de« Verbrechen« wollen diese Leute die Nuyniester und Erben jene« Napitolismu» werden, den sie aus Leben M n 0 Tod zn bekämpfen vorgeben.' Nach ibm ist da« ganze.Sozi>li>'ier>tiia«ge>chrei' aui die Formel:.Lüge und B e: r u a' zu bnngen. Gegenüber dieser.saliche»' Gewerk'chast»- pol'til, die eiu V>ld de«.lrauiigiieu Egoieniue' bietet, fordert er� Ordnung uns Disziplin in de» Betriebe», lobt die Eigenwirt- scha't.'die er»zu grösticr ErgiebiglM für dae Gemeinwohl im S l n n e der christlichen Sittenlehre' zu veredeln be- strebt«it. E« verlohnt sich kaum, aus all dieie Beileumdungen und Fäl'chungcn einzugeben. Die gelben Gewerkichaiten werden, und wen» sie über»in Dutzend Geistler verfügen, im deutschen Wirt- schatisleden ei» b e d e» i u n g« l o>«» Häuslein bleibe». Alle ibre Anstrengung-n, die guigellüite Arbeiierschgit vom Klai'senkanipfzurwirtichasteftiedliche it Politik,» bringen, werden vergeblich iein. DieAibeiterschaii wir»den Kampf, de» da» organisierle Unternebmertum jetzt allerori« unier der Paiole »Lobnabbau' vorbereitet, nicht a»«reiche>i. Sie wird ihn ans« nebmen und zn», Siege iiibre», selbst dann wen» sie Heirn Geistler und sein« Garden aus Seite der Unternehmer finden. Die Arbeiter aber, die sich immer noch hinter diese Leuie stellen, tollten endlich einieben. dast der Weg. auf dem sich der.National- verband' befindet, der tatsche ist, dast er nicht zur wirtschakt- lichen Befreiung, sondern zur Versklavung führt. gu demerken ist noch, dast sich unter de» Anwesenden der A«ich«ju'tizm>n>ster Dr. Heinz« befand, während der Reich«- atbe»t»min>sler T:. Braun« in, richtiger Einschätzung de» Rationalverbande« deutscher Gewerkschaitrn e« oblebnt«. einen Betlrerer zu der Tagung zu entsenden, was vom Bolsitzenden ol« .unerhörter Skandal' bezeichnet wurde. Kohlenarbeiterstreik. Wegen Nichtzahlung de« Taiislebne« ist bei der Firma Sockaezewer. Wieiesstraste. erneut der Sireik ausgebrochen. Die vom Deut'chen Tran«portarbe>ter-Berband angebahnten Ber» bandlimgen wurden vom Inhaber abgelehnt mit der Begründung, dast er mit Leuten, die sich von Arbeitergroschen er- nähre», nicht verbandele. Dieter Ansipruch charakterifirrt den Herrn Unternehmer recht treffend. Er ielbst icheint»reil'ch keinerlei Gewifierisbm'e darüber zu empfinden, dast er den Arbeitern ibren tariflichen Lohn voientbält, sich also tatsächlich von Arbeitergroschen ernährt. Eine Stütze zur Wahrung der kapitalistischen Interrflen bat sich i» dein Kohlenhändler Karl Leibel, Emdenrr En. 49, gesunden. Ein Waggon, iür die Firma Sockaezewer bestimmt, wurde vom Babnbos Moabit nach der Hamburger Bahn umgeleitet. Bon hier au« weiden die Kohlen an die Kundschaft der Frrma S. von«hm abgeiahren._ Streik der stadtischen Angestellten in Halle. Sil« Halle meldet ein Drabtber'cht: Die Ma.tistratS-Hils«- angestellten und die städtischen Arbeiter nabmen am Sonniag in einer Berfammlnng Stellung zum Be, halten de« Mogisttat« gegen- über ibren Lobnforde»ungen. Da» Ergebnis war, dost sich neunzig Prozent der Angestellten lür den Strerk ei klärten. Die HilfSongesteNten de« Magistrat« find dem- uistilge heute in den Slieik geirelen. Dre Brormarkenausgabe- stellen find zum Teil gefchlosien Zwischen dem Magistrat und den Vertretern der städtischen Arbeiter icbweben noch Verband- l u n g e n. Der Sireik der Maurer und Bauarbeiter, der am Freitag begonnen hat. dauert noch an. Sie lebe« noch. Die alten(Selben nämlich. In den meisten Berufen find sie j oudHestorben. weil sie nicht mehr die genügend« Stütze fanden. Allein wohl im Fleischerberufe konnte«ich diese« Gezüchte noch halte». Da« lieg: zum Teil mit an der Rückständigkeit der führen- den Geister in Lrbeitgederkreisen, die durchaus von der neuen Zeit und ihren Erfordernissen keine Ahnung haben. Verknöcherte Jnnnngsstrategen, die seit Jahr und Tag al« Rentier leben, die noch in den Gedanken befangen sind, die zu Grostvaters Zeiten richlig waren, leiten die Geschicke der Innung. Nur von solchen Leuten ist e« zu erwarten, dast auf den Spruch de» Schlichtung«- Ausschusic«, mit dem Zentralvcrband der Fleischer in Tarif- Verhandlungen zu treten,«in ein st immiger Beschlust gefaht werden kann, die« nicht zu tun. Um nun die Bewegung der_ freigewerkschaftliche» Fleischergesellen zu durchkreuzen, haben jene' Serren mit dem künstlich Hochgehalienen gelben Bund«ine« Tarifvertrag abgeschlossen, um dessen Einhaltung und Durchführung sich niemand kümmert. Wir bitten die Arbeiterschaft, auf die in den nächsten Tagen erscheinende Liste der Fleischereien zu achten, die den srcigewerkschcrft- lichen Tarifvertrag onerkannl hoben. Nur in diesen Betrieben sind die Verhältnisse al» geregelt zu betrachten. Die Tdeaterbetriebsräte fielen Zersplitterung. Der Borstand der Gruppe TheaterbetriebSräte von Grost-Aerlin schreibt un«; Da« Ergebnis de« Betriebs rätekongresie« ha» die Theater- betricbSräte Groh-Berlirr« veranlaßt, die Frage de« örtlichen Zusammenschlusses noch einmal zu prüfen. Sie hasten die San- derorganisation in der Münzstraße jetzt nach dem Mehrhcitsb.'schlust de« Kongresses, der sich für die freigewerkschrft- lick>« Zentrale ausgesprochen bat, für durchaus verfehlt. Trotz ihrer auch heut« noch oppositionellen Stellung zur ArbeitSgemeinschastSpolitst der obersten Gewerkschafrsinstanze.'. haben die TheaterbetricbSrä e beschlossen, sich der freiaewerk- schaftlichen Zentrale anzuschließen, Sa sie hierin d'e einzig praktische Möglichteil sehen, revolutionäre Gesinnung n die Gewerkschaften hincuzutragen. Zusammenarbeit aller künstlerische« und technischen Kräfte de« Theater» wird ihr« erste Parole sein. 1 Die Lohnkämpfe In Frankrekch. Marseille, l. November. sHava«) Die Arbeiter ber chemi- Ickten Industrie baben gestern den allgemeinen Ausstand vo n Mittwoch ob angelündigr, wenn nrcht eine Lohnerböhung vo!« 10 Prozent und eine Zulage für verheiratete Ar« beiter bewilligt wird._ Zu« Streik«n der Hernnwäschrbraach«. Nachdem die Arbeitgeber den Schiedsspruch vom Ib. Oktober d. I., welcher der Arbeiter. schaft eine söprozentige Lohnaufbesserung zusprad� abgelehnt hatten, rnackuen dicsekbe« stattdessen ein Unter- a n g e b o t. welche» von seilen de: Arbeiterschaft abge- lehnt worden lst. Da der Syndikus der Arbeitgeber in der zwei- den Sitzung vor dem Schlichtungdausschust erklärte, jederzeit bereit zu fein. Vertreter der Streikenden zweck? einer erneuten Aussprach« zu empsangen. ist dieser Ausferderung Folge geleistet worden. Da« Resustat zeitigte folgendes Ergebn'S: Die Arbeitgeber haben jetzt sogar ihr erste» Angebot weiter erniedrigt und bieten nun den Streikenden eine T e u e- rungSzulage von 28 Prozent. Diese« Angebot isi in der Versammlung, wclcke am 28. Ok:obcr in der Brauerei Königstadt stattfand, von den Streikenden ernst immig abgelehnt worden. So srhwer der Kampf in der heutigen Zeit ist, so wollen und werden die Slre-kenden weiter auSh-rlten, um den Kampf für Menschenrecht und Menschenwürde zu einem für sie günstigen Resultat zu gestalten. Deutscher Holzarbeitrr-Berband, Zahlstell« Berlin. Di« ordeni- liche Generalversammlung findet Dienstag, den 7. Dezember» 6 Ulr. im großen Saale des Geioe�kscbafiShauses statt. Anträge find gemäß OrtZverwaltungSrcsslement bis zum 16. Novem» ber an die Berwaltnng einzureichen. Tagesordnung der Vcrsamm» kung ist 1 Berrcksi vom 3. Quartal. 2 Bericht der ReorganisationS- kommission. 3. Erledigung der zurückgestellten Wahlen, 4. Beratung von Anträgen. Achiung. Buckidruck-e? D«nner»tift, bei, 4. November, nabmiita-t« 5 llbr, im Sckultbcitz-LluSfihank, Neue Ialobftr. 2s— 25. sinsammentnuft fZmilfiber auf dem Boren der praktiscke» Mewerllchoft'orbefl bebenden Blickdriickcr. Ta-iesorbnilna:.Di« augenblicklich« politische Lag«.' Ziese- rent: Genosse Heinrich Sträbel. verband der Fabritarbeiter. Fnnttfonäre der chemlfckien Psnduürlek DornerStoq. den 4. November, abend«« Ubr. in der Schntaula de« Lullensiädtischen Realgymnasium». Sebaftianstr. LS: Bei iammlung. Bund der technischen eingestellte» un» Beamte». N'tqlleder- Versammlung beule abend: Temvelbos. 71/, llhe. im Re'taurant.Zum Kursürst', Dmfslr. 22.— Nordwest L, 7'), Ndr, im.Artushof', Peile- berger Str. SS— Weiftenfe-, Vf, Nhr, im.ZvatcnbiSn' Berliner Allee S42.— llbarloltenburq T, 7',, Ubr. im.Volksban«', Rosmenftratze. Pankow. 7'/, Ubr. im Rritanrant Linder. Bieite Str. �4— Beriammlung der Obmtnner und l-erlrauensleute der Falbgruppen Grob-Berlin» in der Aula des Margareten-LyzenmS, Ifflandktr.»/it. Deutscher ILertmetster- B rband. Berti» 7. Heut«« Nbr\m .PnyrnSo'et*. tum-, Ecke Stromftratze Bon s— 7 Ubr Anslaqe billiger Kleldernoffe und Anzüge.— staibgriidp«®e'iinbb«ft«fnbu'lrie Heut« 7 Übt fm Restaurant Brandenburg. Straianer Str. S.— Metallfibrauben-, Automaten- und gassonereherei.(eitle 7 Uhr, Schultheis, Reue Jakob- stratze 2-1/35._ Vorträae. Vereine und Versammlungen. In der Iuieruatiduale« Frauenliga»ür Friede»»ud Freiheit spricht am DoniierSlog. den 4. November. Potsdamer Ztr. 12. i» 3 Trepoe» link«, abends Uhr, Frau Klara Bohm-Slbuch über Profliluiion und Sozialismus. D!«kulfion. Gälle 1 38, Mitglieder aeqen Auswei» dl» Hälfte.— Der Retchaderdaud»er vordeftratteu und Slugetiagteu, Beilw, Brunnenltr. lSl. I. bilt am Mittwov, den 3. Nove nder, 71(I Uhr. in der Aula der Sophienichuie. Lkinmeikleritt. lk/>7, feine Miigliedet- oeilammiung ob.— 3 und entschiedener Schulrekormer. Oessentiich« Berlammiimg am Donnerstag. 4 Noocmber. 7 U r. im Kerne,-Siemens« Rcalgymnofium, Hobenktaufenllt 47/4«. Unlergrundbahnboi Bittviia-Luiie» Platz. Thema: Cchnic und KSipeienIivickiung vom Slandpunlt de« Arzte« aus. Ziedner: vr. weck. 3l> tili L z e l l i tz e r. SlnSivrache. Frage.rllimg. EinliittSkarlrn bei R Grmiwaid. Linlslr. 39. nnd an der Abendkasse.— Tienographenverei«»rolze-Zchrey zu Berlin. Roidbezirt. Uebniigen für Damen und Hei ren: Dirnslog von 7— g>, Ubr. 120. Gemeindeichule, Marteniii.>07»— Bund der«uslanddentiche». Am Donnerstag, 4. November, abends 3 Ubr. findet m der Reuen Stadlballe. Eingang Kiosterntaiie. wieder eine Versammlung der deutschen Flüchtling« au» dilti chem Gebiet statt./ Beranlw fflt den redaN. teil tt Werver ttetier.«harlottendurg: tür ttnzeiaeu: Xt. M-a,. ferlin. Verlag Vorwäris-Verlag»mbH. perlin Druck vor- wdrls-vuckideuckerei u. verlaasantiaii vom Zmger». Co, Berti,», üiadentlr. S. Hierzu I Beilage. 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