flg. 541<57. Jahrgang Ausgabe S Nr. 155 Bez««Svrerfrticr;«mi iviort-wlaii. ZI?. I 5 1!>«>- 1 7> 1 Dienstag, den Ä. November Z oorwärts-verlag G.m.b. K.» SW. 68. Lindenstr.Z. Z�ernivreetier: Zlmi Niorikvla«. Nr. 117 53—54. Hestechungsöebatte im tzaushsltsaussihuß. In der wicderercffneten Aussprach« Mer die Angelegenheit A e r m e s im HauplauSschutz des Reichstages berichtete EcaatS- selretär Dr. H u b e r über den Fall A u g u st i n. Eine Bestechung sei nicht erwiesen, desgleichen sei nicht erwiesen, da'; er van der Geschcnkanmchme seitens seiner Frau etwas gewustt habe. AlS Siaatssciretär Ramm ihm erklärt habe, dast er den Fall in die Presse bringen werde, habe für ihn festgestanden, dass Augustin ausscheiden müsse. Das nun eingeleitete Strasverfah- ren werde nach seiner Meinung mit Freisprechung enden. Minister Hermes teilte aus sozialdemokratische An- frage hin mit, dah die Ncichsjlelle für Gemüse(Oberregicrungsrat n. Tillp) zwei AutoZ unterhalten habe, das zweite Auto ohne Vorwtssen des N e i ch s s ch a tz m i n i st e r s. Abg. Burlnge sFentr.) gab der Ueberz.ugung AnSdrulk, dag mit zu schiverem Geschütz geschossen sei. Immerhin sei die Sache rtatZrechtlich nicht in Ordnung, auch sei die Anschaffung eines so kostbaren Autos peinlich. Eni- laffmog ohne Anzeige sei, wenn Milderunasgründe rorliagen, üblich. Bon Korruption hinsichtlich des Man stets könne man nicht reden. Dr. Böhme(Dem.) belonle den guten Glauben des Ministers. Dr. Hrlfferich sDna!.) beklagte die Vorstöste gegen die Spar- samkeit Ein Auto zum Pre'se von 280 000 M. im srädtischon Verkehr überschreite weit daS Bedürfnis. In der Frit vor dem Kriege, als noch die alte Svarsamkcit herrschte, ballen nur der K a n z l e r einen Zweispänner, der Minister des Auswärtigen einen Einspänner, alle anderen Minister gingen zu Fuß oder nahmen eine Droschke oder zahlten selbst, wenn sie fuhren. Jetzt braucht fcdes Ministerium für sein Auto jährlich 80 000— ÖO 000 M. Unterhaltungskosten, In Weimar hatte jeder Minister sein Auto trotz der geringen Entfernungen. Man hätte gegen Augvstin ein Disziptinarverfabrest einleiten müssen, in seinem Jwer. esse und im Jntercsse des Amtes und der Staatsautorität. Der Fall Angustin bat seine Kehrseite: Ramm und AckerbaugeseVschaft. Daß ein« K r i eg s ge sei l sch a f t, an der Noch und Staat stark beteilgt sind, einen Bestechungsversuch untern: mmi, geht doch' scher die Grenzen dcS Erlauchten. Wenn ein H'xr Lieber kommt und sagt: Ich mache mich an�ischig. einen Be- amten zu bestechen— dann wirft man Herrn Li»cr hinaus! Herr Lieber kommt wieder:„Ihre Hand ist venbrannil" Tann schreibt nran doch nicht einen diskreten Brief, sondern drängt auf volle Klärung. Der Fall Auyustin unterliegt der g:richtlichen Klärung, der Fall Ramm ist ei« Skandal. Die Deubschnatianalrn Dr. Helfferich, K r ü g e r- Hoppenrade und Dr. R ö s i ck e brachten ein« Entschließung ein, worin die Reichsregierung aufgefordert wird, ersten? die Zahl de: auf Reichskosten unterhaltenen Kraftwagen einschließlich der der Krt'igSgeiellschaften wesentlich einzuschränken und zweitens dem Reichslage ein Verzeichnis der am l. Oktober 1919 und der am t. Oktoiber 1920 auf Re chskosten unterhaltenen Kraftwagen ein- schließlich der der KoicgSgesellschasten vorzulegen. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Die Nlimcbener puLkamerei. Miinchvr., S. Rsvember.(Sirene: T'ahsbsrichi d-L.Vor- «ä:t'.) Die Polizei fäh:t fort, durch Mitteilungen an die Presse die O« ffenttichkeit weiter zu v c�r w i: r- n. trotzdem sie als die angeklagte Behörde verpflichtet wäre, das Resultat de? parlamentarischen Untersuchung abzuwarten. Dabei beschwer! sich die Polizeidirektion darüber, daß ihre Tötigkeii durch den Unter- suchungsausschuß behindert wird. Ihre Absicht geht dahin, den Spieß umzudrehen, die Sozialdemokratie in die Siolle des Angeklagten zu versetzen. Aus dem am Dienstag früh verösfentlichrcn Communique der Polizeidireknon geht hervor, daß der Entente- agent Brach eur(nicht Fracheur, wie es bisher hieß) gar kein Be'gier, sondern ein M ü n ch e n e r namens P r a ch e r ist. Er soll angeblich nicht zurechnungsfähig sein. Daraus geht hervor, daß die Polizei mit Subjekten in Verbindung tritt, über die sie bei ihrer Tätigkeit nicht einmal Erkundigungen einzieht. Pracher ging bei der Polizei ein und aus. erhielt von ihr Aufträge vnd führte beim Telephonieren daS Kennwort M. 55. Die Polizei Hai Pracher und Dobncr verhaftet. Dobncr unter Verletzung der ge- sctztichen Vorschriften im U.S.P.-FrattionSzimmer des Landtages. Das zu dem Ucberfall auf Dobner benutzte Auto gehört dem L e u r- nant und Tattersaltbesitzer Böhm, einem schwerreichen Mann. Dieser Dobner wurde von einem Beamten der Polizeidirektion im Hause der Frau Iuftizrat Berghofer mit Böhm bekannt» gemacht. Pracher führte darauf in Böhms Austrage— Böhm nannte sich als Polizoiagent Pollinger— den srüheren Reichswehrsoldaten Dobner zu und verabredete niit ihm die Autofahrt. Die Verdin- duug des Böhm mit den beiden verhafteten Studenten Schuster und Bcrchtotd ist noch nicht aufgeklärt. Es steht jedoch fest, daß Dobner sehr schwere Verletzungen davongetragen hat. Hapern gegen Sperr�esstz. Aus Bayern kommt die Meldung, daß Regierung und L a n H tag das Sperrgesetz betreffend die Besoldung der Beamten abgelehnt haben. Es kann daran erinnert werden, daß lediglich durch den Widerstand BavernS im Neicksrat seinerzeit daS Erz- bergersche Sperrgesetz gefallen ist. Die Folgen waren die unerquick- lichen Zustände, welche sich seither in der Beamtenbesoldung her- auausgcbildet haben. Da es ausgeschlossen ist, Hinsichtlich der Beamtenbesoldungen anders als durch ein Sperrgesetz zu geordneten Zuständen zu kommen, hat die Reichsrcgierung die Absicht ge- äußert, einen neuen Sperrgesetzeulwurf einzubringen Sämtliche Länder außer Bayern baben dem zugestimmt, und die bayerische Regierung widerspricht jetzt. Es entsteht die Frage, woher nimmt der bayerische Landtag das Recht, einen erst im Entstehen begriffe- nen Entwurf zu einem Reichsgesetz»der überhaupt ein auf Grund der Weimarer Verfassung ergangenes Reichsgesetz abzulehnen? Volksabstimmung über wilna? Werschau, 2. Rsvembe-- tRerstt?,) Polen hat den Vorschlag des Völkerbundes, im Esbiai von Wilna eine Volksabstimmung stallsinden zu lassen, angenommen. Im Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten deS polnischen Landtages erklärte der Minister des Aeußern Prinz S a p k e h a, die Regierung habe keine Matz- nahmen gegen Zeligowski vorgesehen. Wrangels Rückzug. Das WahlprllfungSarricht beim Reichstage, daZ auS den Abge- ordneten Dr. Spahn als Vorsitzenden, Brodauf. Fischer und den Meich°gcrickt.?'mt-n Cornelius und Katluhn sich zusammen. setzt, hielt heute eine S'tzung ab. in der zunächst Wahlproteste aus dem sicbenien W�blfrejsverband(Sachsen, Thüringen) zur Beratung standen. Unter diesen Protesten befand sich der Protest dcS LandtagSabgeordnelen Dr. OSrar Cohn gegen leine Streichung aus dem unabhänaigen Wablvorschlag. Die Verhandlung ergab, daß der Name Cohn, der an fünfter Siclle auf der Liste der Un- obhüngigen stand, gestrichen wurde, weil von ihm nicht recht- zeitig die Annahmeerklärung der Kandidatur eingegangen war. Konstantinopel, 2. November. Die Truppen WrangelS ziehen sich hinter die P e r e k o p- S i n i e zurück. Am Mittwoch wird der Rückzug beendet sein. Eine Division hat schwere Verluste erlitten. Die angreifenden Bolschewisten werden auf 140 000 Mann geschätzt._ die Regierungsfrttge in Selgien. Paris, 2. Nodsmbcr. Nach einer Havasmeldung aus Brüssel hat der sozialistische Parteitag sich mit 447 000 gegen 212 000 Stimmen bei 8000 Stimmenthaltungen für die Be teilt- gung der Sozialisten an einem neuen KoalitionS- Ministerium auSgesprockien. Dies bedeutet eine Vermehrung um 8 Proz. der Sliinmen, die gegen die Beteiligung an der Regie- rung sind, gegenüber der Abstimmung auf dem letzten zu Ostern abgehaltenen Parteitag. Die Hemeinüewahlen in Rom. Rom, 2. November. Bei den römischen Gemeindewahlen blieb der bisher auf dem Kapital herrschende bürgeclich-frei- maurerische Block mit 40 000 Stimmen siegreich. Die So- zialisten erreichten 21 000, die Katholischen 16 000 Stimmen und erhalten Minderheitsvertretungen. Die Republikaner mit 5000 Stimmen fallen ganz auS. Tie Wahlen verliefen ohne Zwischen- fälle. Die Wahl begann spät abends. Auf Grund des st a r k e n Wahlandranges schätzen die Wahlausschüsse die Wahlbctoili- gung auf 60 Prozent. Irlanü. London, 2. November. Es ist eine Kommission gebildet wor- den, die ganz unabhängig von jeder Parteirichtung sich mit der Einführung der britischen Verwaltung in Irland und mit der Herbeiführung einer annehmbaren Lösung des Kon- slikts befassen soll. London, 2. November.(Reuter.) Zur Vergeltung von An- griffen auf die Polizei wurden gestern abend in verschiedenen Ortschaften Irlands scharfe Repressalien ausgeübt. In T r a- l e e wurde die Landeshalle niedergebrannt und zahlreiche Ge- schästsläden wurden durch Bomben und angelegtes Feuer zerstört. In Dungannon(Ulster) wurden zahlreiche Läden geplündert! und zerstört. In Tipperary wurde die Ortschaft B a I l y d v f f l Kerry zerstört. Sonntag nacht wurde ein Polizist, der sein � Haus in Tullamore(Irland) verließ, durch Schüsse tödlich v c r- letzt. Zur Vergeltung steckten uniformierte Männer das Licht- s p i e l h a u S und die Gewerkschaftshalle in Brand und zerstörten Häuser und Läden von Sinnscinern. London, 2. November.»Times" meldet aus Dublin, daß Sinn» feiner im Verlauf von 24 Stunden 52 Angriffe auf Polizeibeamte uniernommen laben. 16 Polizisten wurden dabei getötet und acht schwer verwundet. Die Anschläge seien von einer Zentral- l e i t u n g au» angeordnet worden.> Reichshaushalt und Seamte. Von Willy Steinkopf. Die Zahlen des Neichtzetats schreien zum Himmel. Seit geraumer Zeit rauscht es im deutschen Mättenvald: Abtzau der Ausgaben, Reinigung der Etats, Reform der Verwaltun- gen, fort mit den Vielzuvielen. Der Reichsfinanzministcr macht seinem gequälten Herzen bei jeder Gelegenheit Luft, und der Finanzdiktator fetzt seinen großen dicken Rotstift in Retvegung und streicht und streicht. Der Reichsrat hilft ihm) stolz läßt er verkünden, daß er 602 Millionen Mark Ersparnisse(bei dem S2.Milliardenetat) berausbcraten habe. Es war schon von jeher so, daß, wenn an Ersparnisse in den össentlichen Ausgaben gedacht wurde, sich der Mick ganz automatisch auf d i e Summen lenkte, die zur Unterhat- tung des Riesenheeres der Beamten dienten, dmn „Beamte" und„baben wollen" sind in der Oeffentlichkeit ein und dasselbe. Ganz unwillkürlich kommt den meisten dann der Gedanke, hier müsse und könne gespart werden. Die Möglichkeit hierzu soll wicht bestritten werden, jedoch urteilen diese„meisten" gewöhnlich jeder Sachkenntnis bar. So nimmt man das Nächstliegende, die Besoldung der Beamten, Auge- stellten und Arberter und hackt darauf herum, während die mindestens ebenso schwer wiegende Frage der sächlichen Aus- gaben ungestört im Hintergründe bleibt. Die Ehrlichkeit gebietet aber, es osfen auszusprechen. daß die vielfach verbreitete Behauptung, lediglich die Erhöhung der Bezüge der Reichsbeamten.-Angestellten und -Arbeiter sei die Ursache des im-'-er mehr steigenden Finanz- elendes des deutschen Volkes, c- glatte Unwahrheit ist. Ge- wrtz sind die Gehälter und LiW> wie überall so auch bei den Reichsbehörden gestiegen, jedoch deswegen bleibt die Tat- fache unwiderleglich bestehen, daß die sächlichen Ausgaben, d. h. für Materialien usw., und mit ihnen die Profite des H a n d e I s und der beteiligten Industrien ungleich mehr in die Höhe geklettert sind. So sind die Beichaffungs- kosten bei der Eisenbahn für Kohle um 1880 Proz.(bis 1. März 1920. seitdem sind sie noch höher), für Lokomotiven durchschnittlich um 2870 Proz.(bis Ende 1919). für bedachte Güterwagen um 950 Proz., für Schmier- und Mineralöl um 680 Proz.(bis 1. März 1920 und gegenüber dem Stand vom 1. April 1915) gestiegen. Ebenso sind natürlich auch die Preise für alle anderen Materialien hinaufgetrieben worden, so für Schwellen um 3310 Proz, für Schienen um 3040 Pro;, usw. Bei der Post und Telegraphie ist eS teilweise noch ärger. Die Preise für die hier am meisten benötigten Materialien und Apparate sind inS Himmelblaue geklettert und machen noch immer nicht halt. Eisendraht ist um m e h r a l s 3 0 0 0 Proz., Kupferdraht um 1200 Proz., unterirdische? Kabel um 2000 Proz., Kabel für Inneneinrichtungen um 8000 bis 4000 Proz., Fernsprechapparate um 2000 bis 3000 Proz. gestiegen. Und wie das von allen Behörden in Massen gebrauchte Papier im Preise in die Höhe gegangen ist. weiß jedes Schulkind. Hinzu kommt noch, was nicht oft genug wiederholt werden kann, daß der Verbrauch an allen Materialien heute ein bedeutend stärkerer ist, weil sie nicht mehr dieselbe Güte wie früher haben und weil sämtliche BetriebSanlagen und Betriebsmittel durch die KriegSregierunq in Grund und Boden gewirtschaftet worden sind. Ebensowenig Geld wie für die Beamten hatte die wil- helmmische Regierung auch zur ordnungsmäßigen Erhaltung der Betriebsanlagen und-mittel. Nur für Kanonen und Granaten war Geld vorhanden. Jetzt heißt es. diese Sün- den ausbaden— und das Peissonal der Reichsbehörden soll hierbei den Sündenbock abgeben. Gegenüber den genannten Zahlen und der Tatsache, daß die gesamte Lebenshaltung im Preise durchschnittlich um weit mehr als das Zehnfache gestiegen ist, muß festgestellt werden, daß die Gehälter der Reichsbeamten nach der neue» sten Regierungsvorlage vnd einschließlich der 50 Proz. Ten.'- rungszulage gegenüber der Vorkriegszeit— laut amtlich m Unterlagen— durchschnittlich in den unteren Gruppen um das Achtfache, in den mittleren Gruppen um das Vier- bis Fünffach? und in den höheren Gruppen um das Dreifache er- höht worden sind. Ein perheirateter Beamter erhält olles in allem in Gruppe I.(Wächter) 8100— 12 000 M. jährlich. in Gruppe II(Bahnwärter) 8550— 12 800 M„ in Gruppe III(Post- und Eiienbahnschaffner) 9000— 13 350 M.. in Gruppe UV(Oberschaffner. Tclearaphen-Gebiifinnen) 10 050 bis 14 700 M.. in Gruppe V(Assistenten) 10 650—15 600 59?., in Gruppe VI(Sekretäre) 11 700—16 950 M.. in Gruppe VlI (Obersekretäre) 12 300—17 850 M.. in Gruppe VIII(Fr.. spekroren) 13 200—19 200 M., in Gruppe IX(Oberimpek- toren) 14 850— 21 450 M., in Gruppe X(Ministeriasiekre- täre) 16 500— 23 700 M.. in Gruppe XI(Negierungsräo.) 18 450— 26 550 M.. in Gruw'e Xll(Oberräte) 21 150 bis 30 000 M. und in Gruppe XIII(Ministerialräte) 24 600 bis 36 300 M. Daneben wird ein Kindergeld von 40— 60 M monatlich, je nach dem Alter des Kindes, gezahlt. Hierzu sei bemerkt, daß die Beamten das Höchstgelialt meist erst in 16 Jahren erreichen und auch nicht von vornherein die an- gegebenen Mindestsätze erhalten, sondern sie muffen durchweg mehrere Jahre Diätare bleiben, in denen sie erheblich wem- ger bekommen, und auffendem haben viele von ihnen eine mehrjährige unentgeltliche Ausbildungszeit durchzumachen gehabt. Sclbswerf ländlich ist, daß der Beamte ebenso wie jeder Arbeiter und Angestellte von seinem vollen Ein- kommen— den angegebenen Sätzen— Steuern z a h- l e n muß, und der 10- und mehrprozentige Lohnabzug auch bei ihm angewendet wird. Beriiäsichtigt man, daß die kommende, von der Sozial- demokratischen Partei dauernd angestrebte soziale Stafse- lung der bisher gleichmäßig prozentualen Teueruiigszu.age die Gehälter der oberen Beamtengruppen um einiges er- mäßigt, so wird niemand behaupten können, daß die Bezah- lung der Beamten an und für sich zu hoch ist. Es dürste nicht uninteressant sein zu erfahren, daß Beamte der Gruppe I V bis 2000, solche der Gruppe V bis 6000 M. Gehalt soeniger beziehen, als ihnen unterstellte Handwerker und Arbeiten aus denen sie hervorgegangen sind, ein Zustand, der in der Industrie undenkbar ist. Eine Reduzierung der Gehälter kann ebenso wie die Senkung der Löhne erst nach einem Ab- flauen der Preise in Frage kommen, und hiervon ist leider noch nichts zu merken. An der Beamtenbesoldung als solcher werden sich zunächst also keine Ersparnisse machen lassen, auch nicht, wenn man der Ansicht ist, daß der Beamte wegen seiner festen Anstellung und seiner Pensionsberechtigung geringer bezahlt sein muß als kündbare Angestellte. Für beides kann er sich heute auch nicht ein Stück trocken Brot kaufen, und wenn er verhungert, so nützen ihm Pensionsanspruch und feste Anstellung gar nichts. Um Ersparnisse zu erzielen, gibt es innerhalb der Ressorts zurzeit nur einen Weg, und der heißt: Durchgreifende Reform sämtlicher Verwaltungen und— dazu gehörig— Senkung der sächlichen Ausgaben. Der Reichsrat hat einen Beschluß angenommen, ,M>ei- tere" Beamtenstellcn nickst mehr zu bewilligen. Mit diesem Beschluß ist zunächst gar nichts erreicht. Er hat nur dann einen Iiveck, wenn mit ihm gemeint ist, daß keine neuen Bcamtenstellen für frisch einzustellend« Anwärter geschaffen werden dürfen. Für die vorhandenen Beamten werden die dem gewöhnlichen Gang ihrer Laufbahn entsprechenden Stellen nach wie vor in den Haushalt eingesetzt werden müssen, ein Vorgang, welcher der angestrebten Her- absetzung der Ausgaben für die Verwaltungen an sich durchaus nicht im Weg« steht. Man darf nie vergessen, daß die kom- Menden ReichSctats in diesem Punkt für eine Reihe von Iah- ren vorherbestimmt sind. Die Staatsverträge Morschen dem Reich und den Ländern wegen Uebernahme der einzelstaat- lichw Eisenbahnen und Posten auf das Reich enthalten die Bestimmung, daß sämtliche Beamten der zu übernehmenden Verwaltungen und auch die Anwärter so anzustellen und zu befördern sind, wie es bei normalem Verlauf ihrer Laufbahn im Dienst ihres Heimatstaates geschehen wäre. Durch dies« Verträge bat sich das Reich verpflichtet, die erforderliche An- zahl von Stellen in die Etats einzusetzen. Nun ist es selbst- verständlich, daß das, was den übernommenen Beamten der Länder recht ist, den alten Neichsbeamten billig sein muß. Ebenso wie der Neichslobntarif für die Reichsarbeiter und -angestellten bei gleicher Beschäftigung einheitliche Bezahlung vorsieht, muß dies natürlich auch für die Beamten gelten. Folglich ist es ausgeschlossen, die bisherigen Reichsbeamten den neu hinzugekommenen gegenüber zurückzusetzen, oder m>it anderen Worten, man muß auch für sie die Stellen geben, die der Entwicklung ihrer Dienstlaufbahn entsprechen. Derselbe Gedankengang ist«S auch, der bei der Nachprüfung der BesoldungSordnung, die jetzt vor dem Abschluß steht, eine ausschlaggebende Rolle spielt. Zwar wird das angekündigte Sperrgesetz versuchen, die Besoldungen in den Ländern auf den Stand vom 31. März 1920 zurückzuschrauben, doch bleibt der zu erhoffende Erfolg abzuwarten. Der erste Anlauf, ein solches Gesetz durchzubringen, ist gerade am Widerstand des Reichsrats kläglich gescheitert. Nachtarbeiter. Bon Erich K. Schmidt. � Die Arbeit ist getan, ich habe ntedergeschriehen, waS mich tagsüber drückte, ob gut oder schlecht, da« scheint mir nun einerlei— ich bin erlöst l Ich durchrase kreisekhaft den Raum, die Fauste möchten die Wände zertrümmern, die Stirne hebt sich beckenwärts, es ist alles gar so eng«. Tie uächtliche Stille hängt wie Radsurren im Ohr, ganz dünn, ganz fein; ich habe die Züge unten stundenlang nicht mehr gehört. ?lber nun braust einer wuchtig durch die Rächt, die Scheiben dröhnen, der ganze Bau wackelt auf seinem Fundament. Es geschieht, daß ich die Eisenbahn in der Tief« zuweilen Haffe. Wenn die weiße Papierfläche mich mit ihrer blanien blendenden Helle in Berzweiflung stürzt; ivenn die Gedanken sich im Hirn formlos überschlagen, die Augen brennen und kein Strahl auS dem Chaos züngelt; dann dringt da? Rollen der Räder wie klirrender Hohn durch die Scheiben, der Wille schwankt, Zagheit wächst lang- sam empor. Lethargie umpreßj das Herz. Tage aber gibt es. da die dröhnende» Wagen mein« Sehnsucht in die Ferne reißen, heraus aus der Monolouie, aus dem Gleich- tritt der Stunden, heraus auS dem verfluchten Alllag, der alles Gute in mir mit seinem Mahlstein zermahlt. Dann singen mir die � klingenden Räder ein wildes Wunderlied i» abgel>acktem Takt. � Fahnen Wimpeln um die seitwärts jagenden Dächer der flüchtigen Wagen,— Fahnen, die mir Erlösung winken.— die Nciticn flie- 1 gerben Fenster locken mit blitzenden Blicken, mein Herz ist voll Tumult, Die Augen, mein Blut, alle Gedanken fegen mit in die Ferne— bis der letzte Awgen um die Hausecke zuckt und das Echo ollmählich zsigernd zerllappt... Nächte gibt es, wie heut, da eine gute Stimme in der Brust mir sagt, daß auch mein Schrchbtischdasein nicht zwecklos ist. Sie predigt: Geduld I Es werden sich schon noch die großen Tore öffnen l' Und ich stoße dos Fenster auf, so daß die Tabakwolken in dicken Sehmaden, gleich erlösten grauen Geistern, in die Nachtluft wehen.! die Stirn taucht in Kühl«, dos Blut kreist gehemmt. Stcrnstrahlcn gleiten sanft in meine Pupillen und machen sie rwt ig und groß. In der Tiefe, auf dem Rangierbahnhof, poltern viele Stimmen durcheinander. Laternen irren hin und her. pendeln und schwingen. Vereinzelte Wagen rollen, v.n mystischer Kraft gestoßen, phlcg- matisch über die Schienen, bis sie jäh auf widerstrebende Puffer donnern. Wagen um Wagen rollt au« der rechten Seitenkulisse. donnert und steht So formt sich langsam der Zug... Dazwischen basten winzige Schatten umher, die zuweilen ent- schlich brüllen. Pfeifen schrillen durch die Nackt, eine Lokomotive kommt sürbatz herbei. st«h,»„d zischt und faucht. Neue Signale. Arbeft in Eile. Geschäftige« Leben um Mitternacht. Wie dem auch sein mag, das große Ziel darf wicht auS den Augen verloren werden. ES ist und bleibt: wie können wir durch die Senkung der öffentlichen Ausgaben dazu bei- tragen, unserem Finanzelend, abzuhelfen? Nicht richtig er- scheint es mir, im Streben auf dieses Ziel jedes Opfer nur deshalb zu vetweigern, weil es die augenblicklichen Ausgaben etwas erhöht. Wenn man durch Erfüllung dahingehender Wünsche— soweit man dies verantworten kann, und es er- träglich ist— weite Berufskreise zufriedenstellen und zur intensiven Mitarbeit heranzuziehen vermag, sollte man Ent- gegenkommen zeigen. Stellt es sich dann licraus, daß eine Reduzierung der Ausgaben unvermeidlich ist. so drehe man das Rad, und zwar bei allen Ausgaben, gleichmäßig zurück. Im übrigen wird eS nicht genügen, sich über die Herab- jetzung der Etatssummen durch Ersparnisse in Personalausgaben zu unterhalten. Viel schärfer als bisher ist es erfor- derlich, die sächlichen Ausgaben unter die Lupe zu nehmen. Durch die täglich veröffentlichten Bilanzen und Dividenden- Verteilungen wird bewiesen, daß es den Industriellen trotz des allgemeinen Elends noch immer glänzend geht. Bei den sächlichen Ausgaben wird der HaushaltsauSz'chuß ein reiches Betätigungsfeld finden, auf dem sofort und mehr her- ausgsholt werden kann, als auf allen anderen Gebieten. Senkung der Preise, das ist das Ausschlag- gebende, alles andere kommt dann von allein. Hier ist eine sehr schöne Gelegenheit, bei der das Reich als mächtiger Verbraucher die Preissenkung durchsetzen kann. Natürlich wird dies nicht ganz ohne Kampf abgehen, doch wenn die Re- gierung ernstlich will, wird sie diesen Kampf geivinnen, und dann ist das Eis gebrochen. Auch um die Frage einer Reform der Eisenbahn- imd Posttarife noch sozialen Grundsätzen wird der Reichstag 1'chiverlich herumkommen. Ihre Lösung wird auch zur Gesun- düng der Finanzen beitragen. Wege zum Ziel sind also ver- schieden« vorhanden, es braucht nur der feste Wlle aufge- bracht zu werden, sie alle mit Ernst zu verfolgen. Tie Beamten allein die Finanznot des Volkes büßen zu lassen, ist nicht das Richtige.__ Rechts anarchPen gesten Severin�. Da? Verbot der Orgesch durch den preußischen Innenminister wird, wie nicht anders zu erwarten war, von der Presse der Hechten mit wildem Entrüstungsgeheu! auf- genommen. Tie„Tägliche Rundschau" deklamiert, wer sich in Preußen ehrlich(!) um Ordnung und Einigkeit bemühe, der stelle außerhalb des Rechts und der Verfassung. Swe- rings Erlaß sei eine Kampfansage an Bayern und eine De- nunziation der bayerischen Einwohnerwehren an dir Fran- zosen. Tie„Deutsche Ztg." ist„gespannt zu sehen, wie sich das Gesamtministerium mit der Sache auseinandersetzen wird", und kommt zu dem Schluß,„daß die Neuwahlen in Preußen nicht um einen Tag verzögert werden dürfen". Auch die„Deutsche Tageszeitung" spricht die Hoffnung aus, daß das preußische Gesamtministerium gegen S:vering, für dir Orgesch entscheiden werde, und sagt zum Schluß drohend: Herr Severing soll den Bogen nicht überspannen. Lang« ge- nug hat der friedliche Bürger mit sich Schindluder spielen lassen. Er ist erwacht und wirh sich mit Zähnen und Klauen gegen solchen Gewaltakt zu wehren wissen. Die„Deutsche Zeitung" wilb alko mit dem Schlacht ge- schrei„Orgesch!" in den preußischen Wckhlkampf ziehen, wäh- rend die„Deutsche Tageszeitung" unverhüllt mit einem neuen Putsch drocht. Wsder das eine noch das andere kann uns schrecken. Der preußische Minister des Innern bat z/weifellos die ungcheure Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, wenn er den Standpunkt vertritt, daß die Anfreck'terhal- hing der Ordnung Sache ter staatlichen Organ« sei. die ihre Aufgabe unter keinen Umständen an reaktionäre Privatver- einigungen abgeben dürfe. Denn ein« solche Abdankung>d>er Staatsorgane bedeutet cinsach die Anarchie. Die Rechte Hot Euch da unten, Eisendahner, grüß« ich. Euch bin ich verwandt. Ringsum schnarchen die Philister in den Betten. Wir aiber werkeln und schaffen. Wir lassen Hand und Geist rolieren. Wir durch- stoßen die Stille mit dem Gedröhn unserer Arbeit. Hört, auch meine Slübe schrill! von Tönen. Wie Euer Schicncnplatz. Wir lassen die Räder kreisen, damit der Suchende seine Kost gewinne, dieser und jener, wir frage» nicht, wer... Hunger durchnähst mich, ick greife zum Brot und kaue mit vollen Backen. Schön ist der hohe Platz, nächtens auf dem harten Fensterbrett. Zwischen Arbeit und Arbeit ein köstlicher Ruhepunktl Da stößt ein greller Pfif' in die Nacht, der Güterzug ist feriig, die Lokomotive fauch! katzenhafl uns ziokt mit ihrer Schleppe ab. Stimmen verhallen, Lichter irren umher. Still« wächst ringsum. Ich sauge die Nach:luft tief in mich hinein. Sternglanz fällt in meine Haare. Seht Ihr die Sterne, Freunde da unten? »Wir find zu müde, wir Kaden kein« Zeit dafür." Seid ruhlg, Genossen, die Stern«— ich seh« sie für Euch! Konzert der Ktmstgcnieinsckaft an der Volkshochschule Gross-. Berlin. AuS dem Hörertreise der ValkShochschule Groh-B.rlin ist eine Kuiislgvmoinschcrft hcrauSHewachsen. dl« am letzten Somnag ihre c r st e V e r a» st n I t u n g in Form eine» BolksliederabendS gab. Tie greße Ania des Sophlcngymnasiums ivac dickst gefüllt mit elnem interessierten, andächtig lauschenden Publikum. Man emp. fand ohne mcileres. daß d'e Erziehungsarbeit der Volkslochschule auf dein Gebiete der Kunst Frücht« tragt. Schon rein äußerlich: es fehlte jenes.Yon.zerlpublikuin. daS sonst bei lwhen Eintritts preisen die Säle füllt: hier war das lvirkltche Volk mit seinem schlichten, natürlichen Empfinden re'ircten. Alles Affektierte. Auf- geputz. e febl.e. Das sonst schliche Beifallsklatschen nach den ein- zelnen Nummern uiiterblieb so daß ein ungestörter Genuß der ein- zelnen Programintcile möglich war. Um so stärker war per Beifall am SckEusse. Alles Gebotene wurde dankbar entgegengenommen. ES konnte aber auch sür den erste» Abend nichts Besseres gewählt werden als dag Volkslied, weil es aus dem Empfiudc» des VolkcS heraus- kling: und in seiner schlichte,. Art die Herzen des Volkes rührt. Dr. A. G u: t m a n n sprach einlegende Worte. Er skizzierte den Zweck der Veranstaltungen d cser Art und gab dann einige kurze Erläuterungen»der das Wesen de# Volksliedes und daS Programm des Abends. DaS Programm war gut gewählt und bracht« sowohl Chöre, als auch Einze!. und Zwftoesäng«. Zum Vortrag kamen nickt nur deust'cke. sondern auch ein Strauß gut zusamiiicngcestllter ausländischer Volkslieder, darunter eine russisch«, ukrainische. italienische nicde: ländischc und wendische Weise. Das Programm bestritlen ausschließlich Mitglieder der �-capells-Vereiiiigung des Berliner VoikschorS unter Leitung von Dr. Gustmann. Ihren Leistungen ist daS volle Gelingen des Abends zu dairken. r«. PreiSauSickirribcn für ein Geschichtswerk. Da? Zentrakinstitat für Erziehung und Unterricht erläßt ei» Pre«ausschreiben zur Schaffung eine» Wcrto« über die Geschichte deS deutschen den Grundsatz der unumschränkten StaatSautoritA solange vertreten, wie sie selber an der Macht war, seit Sozialdeiyr- kraten in der preußischen Regierung sitzen, ist sie ana/chisinch geworden._ PartsiLag öec K. D. D. In den Sophiensälen begann am heutigen Dienstag ter 6. Parteitag der K. P D., der die Vorarbeite» für den am 3. Dezember stattfiiideiidcn„Berschmelzungiparte i tag" erledigen\'ll- Man hatte deshalb auch das Zentralkomitee der U. S. P T., deys heißt der Neukommuni st en, eingeladen, an den Beratungen ie lzunehmen. Unter den Anwesenden vermißte man die aiu- ländischen kommunistischen Delegierten, die am Abend zuvor du: Grüße der europästch n Sektionen, überhracht hatten. Ter Partei-'. tag hatte ihnen den Rat gegeben, nicht öffentlich aufzutreten, da angeblich eine behördliche Aktion gegen sie eingeleitet ist. Um QM Ubr erklärte der Vorsitzende Pieck von der Zenirale der K P. D. den ö. Parteita z für«rölftier. Crr_ begrüßte die anwesenden Telegtcrten, die Vertreter der ausländischen komniu- nistischcn Parteien und die Verwe er der U. es. P. D.(Ncukom- mmnisten) und bedauerte, daß der Parteitag nicht Gelegenheit: habe, auch ein Mitglied der Exekutive der 3. Jnterrationale MuK- laus in Berlin vertreten zu sehen. ES folgten die übliche" An.gr'sfe gegen die AuNveisung Sinowsews(zu denen die Terroristen dl« geringste Berechtigung haben), hierauf eine Verherrlichung der K a m v f a r g a n i s a» 1 i o», d e offenbar in dcuischmaiionalem Orgcsch-Muster ausgebaut werden soll. Trotz Terror und Belagerungszustand stehe der Spartakusbund heute vor der Vollendung seines Werkes. Die revolutionären Arbeiter in den verschiedenen sozialistischen Parteien hätten setz: begriffen, daß die wirtschaftlich« und politische Laxe ihre Vereinigung erfordert(davon haben die AourpM'.n�cv am ivenigsten begriffen! Die Red. des»Vorw."' Sodann kam ei,, Aufruf Einowjews an den Parteitag zur Verlesung, in dem noch einmal der Trsiimnh der Russen über die geglückte Spaltung der U S. P. zum Ausdruck gelangt und die Noukommunisten— natürlich— als K e rn t r u p p« der U. S. P. bezeichnet werden. Ferner verlangt der Ausruf mehr Toleranz der K. A. P. D. gegenüber, von der man einige„revolutionäre Elemente um joden Preis in unseren Reihen haben" müsse. Als Aufgabe des. Spartakus- b u n d c s wird bezeichnet, in der neuen kommunistischen Part«, aufzugehen. Der Vorsitzende Pieck gelobte h evauf getrcua Erfüllung alle: in SinowjewS Manifest ausgesprochenen Wünsche. Sein Satz:„Nicht Terror und Bürgerkrieg sollen herrschen", wird ihm allerdings nicht die Sympathie der russischen Terroristen ein. tragen. Nach einer weiteren Begrüßungsansprache Jeschkes gab der Parieivorsitzen.de Pieck bekannt, daß der Parteilag von insgesamt Itll stinrnibercchtigten Teilnehmern besucht sei. Auch kommuni- stiscke Vertreter deS Auslände« sind zugegen. Hierauf kam ein« Reihe von Anträgen zur Verlesung, unter denen ein Antra-' Cbemnitz bemerkenStvert i�t, der die Wiederausnahme des srllheren Genossen HSlz forderte. Pieck erklärte, hiergegen nichts einwenden zu wollen, wenn Hölz die Beschlüsse der Partei zu respektieren verspreck)«! In seinem Referat über die politische Lage ging Thal- hcimer in längeren Ausführunaeu auf di« zurzeit herrschende Weltwirtschaftskrise und ihx« Gründe ein. Man tvoile Rußland wirtschaftlich ausbeuten und eS politisch bekämpfen. Diese Blüte bürgerlicher Staat-SweiSheit sei ein« vollendet« Kinderei. Ter Vorstoß Rußlands g«g«n Polen sei durch die Führer der U. S. P-, durch die G.werksckaftSbureaukraste und dte S. P D. geschtpächt worden(I), Thalhcim«: propagierte Aufgabe der Neutralität und a-ktiveS Eingreifen.(Cb sich k o m- m u n i st i s ch e Arbeiter lieber in den Schützengraben schicken lassen al« andere, da« zu entscheiden möel>ten wir ihnen selbst über- lassen(Red. d.„Vorw.). Zum Schluß seiner Ret« wandte sich Thalheimer gegen die deutsche Konterrevosuti»n. Hierauf sprach Thomas- München über die Situation in Bayern. Katzenjammer! Der eigeirtlichen Eröffnungssitzung von heute früh ging gestern eine nichlöffenUtchc Sitzung der K. P. 2. voraus, in der der Kam- nmnist Thalheimcr über die Situation in der Partei referierte. Seine Ausführungen beschäftig:«« sich vorwicgcud mit der Frage Volkes vom Ausgang des 18. Jahrhundert» bis zur Gegenwart. Das Buch soll im Rahmen der politiscksen Geschichte in großen Zügen die allgemein geistige, wirischastliche und gesellschaftliche En Wicklung Teutschlands darstellen mit dem Ziele. Verständnis zu wecken für das Wesen des neuen Staates. DaS für weite Kreise bestimmte Werk soll in wissensckaftlichcm Geiste und in klarer, fesselnder Form ge- schrieben sein und einen Umfang von etwa 80 Druckbogen(Oktavs keinesfalls überschreiten. Di« Handschriften sind bis zum 1. Juli 1l)8l beim Zentralinftibut einzureichen. Der Verfassername ist in einem verschlossenen, mit Kennwort versehenen Umschlag beiz»- fügen. Drei Preise sind ausgesetzt: 5000, 3000 und 8000 M Die Prüfung der Arbeiten haben übernommen: Brandt, Meinecke, Ludo Harimann, Albert Mater. Die preisgekrönten Arbeiten bleiben Eigentum der Verfasser, mit denen sich tzaS Zentralinstitut wegen etwaiger Herausgabe verständigen wird. Der Prozeß de« Oberdada wegen Beleidigung der Reichswehr durch die Dada-Aukstsllung der Kuniihandluug Burchard. wird vor der vierten Strafkammer des Landgerichte II zur VerHand- lung kommen. Dr. Udo Rukser wird den Odcrdada vcrleidigen. Tie übrigen Angeklagten verteidigt Theodor Liebknecht. Eine große Anzahl Zeugen ist geladen. Auch Reichspräsident und ReichSkanz» I«r fallen be'cugcn. daß dem Obcrd'da nichts serner gelegen hat, als eine Beleidigung der Reichswehr. ? Ic g-rof« Z'okksrper friunt In»er A-Iien Welt mvr-en. �p'tt-neO. ihre erde O p e r n v o r N e l I n» a. Äe-ebe» mn d„st i' e I in- mit OTiln ie ffirt in der TNeliolle und Leo Btech at« Tingenten. Beginn pünl>l si Tl, Ubr Dte tzloven brrernpve geni»mt T-mnerStaa n6 bis Snbc de* iTo- als n rn.ite Gemätvc und Ptattilci! bei Fränlel u. Co.. Lüzowuscr!3. aus. Sintril» Irei. Rtckard TebmelS ktzediekite ericheinen dem-Schll. inte ans London verlautet, in einem Londoner Pertage in e n r I i t ch e r U e b e r t e d u u g. Urber??a«nd B iissel ipricht im Petrin Berliner tei lt!« lr und Antiiüiieller am 4. November Prot. Tr M. Po n im litziingSsaalt de» Savon-Holci». Fricdrichltr. 103, nachinillags'/, Uhr. Vrrltner stiinüilch Ue. Val'er<�ro>g N ö n» e r IN als Lehrer an die Etäd'i'che Kni b ckile In Verli» bi-usrn iroiden. die sich eben unter Leitung von PTcMIo' V il'vv stianck in ibiem Nruba» an der ikcke Pats» damrr- und Ginuswaldtttahe(kmichirt. Rögner Im' unUnaft fiU" d e neu« Ausgabe von iünd. Jvh. Schmied» lö llichcm>inabciib»ch„Carlos und Nicolas- die B> er gescha en. HanS Meid, der B-i liner Graphck-r. bat«»'frag ei halten. Iii: die neue(iiiftciiir ung de»„S o in m e r n a ch l s t i a n in■>* ikr d t.LmLüiide» Pflbnm Cniwüife jii ichnssen. Tie eine Auliühi ung des„Somnirrvachts» lraiimes", mit der Max Re'nhnrdt leinerzeii den R»i>" leiaer Oetorauo.is, kunst begründete, ba'te Narl Wal'ei. L.'rids SezesiioiiSkoitege. ausgegaliet. Ter Zehlendorfer Bvlssbülinenverei» kLeitiing Ä Trojan, Zeiten. dori, Cboiiollei burgr' Llr, gl wi'd am 4. Novembel unter iiMranber Runges Leilung m Mozaillaal des Luidenpart, Bcriliicr Str. ä, tKuIiutrl Schauspirterkoinödie„Der L e i d g a i ch i ll" geben, lieber hnrinoiiticke Kürperaiiabtldiina Ipricht im Lels,na,?4uienm am 4. November.'1,8 Uhr. Dwa Waege.Dilbe md ni t vraktilchen Vor» lüdningen.— Am>9 November wird das tOjätziige vestehin der VortraaS» oerauftalluiige» des Lclliiig-Äuleum« gefeiert. der Verschmelzung mit den Reickom-minnsteil. die— wie in unserem oben stechenden Bericht erwähnt— am S T-zembcr er- fol-zen soll. Interessanter jedoch als diese Ausführungen gestaltete l'.ch die Diskussion, in der eine gewisse Katzenjalnmer- w i m m u n g und ein M'ßtraa.n gegen die Einigungs- mSglichkelten zum Ausdruck kam. Po beklagte sich 'Schnellibacher< Hanau) üder einen„Mangel an brüderlicher Aerm in der Zusammenarbeit mit der linken U. S. P. Die Grün» Sung der„Internationale" in Berlin, wie die Gründung der»Süd- westdeutschen Arbeiter?Zeitunz" in Frankfurt sei nicht verständlich scheint, als ob die linken ilnqKhängigen erst eine feste Organ- sation aufbauen wollten, um den Kommunisten gegenüber eine festere Macht zu repräsentieren. Die Verschmelzung der Partei muß ohne Rücki alt durchgeführt Wersen, die VerichmelzungSaktion rn den Mitgliedschaften und Ortsgruppen sofort beginnen. Henkel(Leipzig) bemängelt die frühe FestseHung dos C' n!» aungs-ParteitageS auf Anfang Dezember. So schnell sei der Vor- ichmelzungSprozeß in Sachsen nicht durchführbar. Jetzt noch haben hie Linken zur Landtagtwahl eine eigene Liste aufgestellt mit Fritz Geyer an der Spitze, der his zuletzt in der Frage der Internationale schwankend war Bon ähnlicher Siimmung waren Ausführungen weiterer Redner getragen. � S i oe ck? r> Neukommunist) hielt sich für vor- pflichtet, die Begründung der„Internationale" zu verteidigen, die als Zentralorgan zum Kampf gegen den rechten U.T.P.-Flügel gedacht sei. Beruhigend fügte er hirzu. daß später die Verschmel- zung mit der„Roten Fahne' erfolgen werde. Alles in allem gewann man den Eindruck, daß sich doch gewisse Schwierigkeiten bei der Ausführung des Moskauer Tiktats ergeben. Bei der Bereitwilligkeit jedoch, mit der unsere Neu- kommunisten sämtliche Moskauer Fußtritte hinnehmen, ist anzu- nek-men, daß man auch über diese Verlegenheiten hinwegkommen wird. wahlspielerei. London, 2. November. �Westminster Gazette" meldet, daß in ganz Amerika abgehaltene Probeabstimmungen eine über- wältrgende Mehrheit zugunsten des republikanischen Prä, sidentschaftskandidaten H a r d i n g ergeben haben.(Di« Probrab- stimmungen sind eine amerikanische Spezialität. Sie besagen für den Ausgang der Wahl aber gar mchrS.) Der Termin der LandtasSwohke«. Wie ein« hiesig« ftornlpon» henz mitteilt, ist anzunehmen, daß die Arbeiten der Veriassung- gebenden preußischen Landesvcrsammlung spätestens am 13. De- zembex algeschlosien sein werden. Die Landesversammlung wird kich dann selbst für aufgelöst erklären. Der Termin für die preußischen Wahlen wird von der preußischen Regierung im Einvernehmen mit derReichSregierung und dem Acllesten- auSschuß der Landekversammlung sestgesctzt werden. Wahrscheinlich werden die Neuwahlen Ansang Februar stattfinden. Freie WollauSfuhr aus Brasilien. Der Ausschuß für das bra- ftlltstlze Zollwesen hat in UabereinstiMmei-lig mit dem Finanz- »linistev.um die Aufhebung aller Ausfuhrabgaben auf Well« beschlossen. Diese Maßnahme wird hie Auslubr der großen Lager»trmüglichew. Parteinackrichten. SszirkspartsZtag üe? S.p. S. Schlesiens. Breslau. 1. November,(Eigener Tralstbericht des„Bor- Nxärts".) Hier fand Montag der Bezirkspavt-Ätag unserer nieder- sellesi scheu Parteiorganisation statt(Mittel- und Niederschlesien), auf dem LandtagSakigrordneier S ch o l i ch und Brzirkksekretär I o- n o t t a den Bericht des Bezirksvorstandes ersratleten. Organ isa. t» r'fch hr t unsere Pari ei danach sott Abschluß des Berichts ftch de« Kasseler Parteitag hier weitere whcbNche Fortschritt« gcmachl, so daß die Anstellung weiterer Parteisekretär« und auch einer Parteisekretärin ermöglicht wird. PritvagS» rrhA'mugen wurden entgegen einem weitergehenden Antrag für den 1. Januar beschlossen, Uelwr dt« polftische Lage berichtete Genosse S ch o I i ch, der der Krit!» S>h e i o e m a n n o am Reichswehrminisicr G e ß l e r im RetchS'ag ans Grund schlesischer Erfahrungen lebhaft zustimmte. Auch die Sipo sliche leider. Immer weniger unter republikanischem Einfluß. Genosse Scholich beschäftigte sich Hann mit dex Stellungnahme der Reichstags, und LandtooSfraktion zur b i ildesstaatlichen Autonomie Oberschlesiens und zur ilnnoaiidlung Preußens. Er vertrat hier die Sielluggnahme der preußischen Fraktion, deren Erfolg im Kampf für die Ausgestaltung der Selbstverwaltung im demokratischen Sinne er darlegte. Eine bedeutsame Rede hielt dann der ReichStagsprästdent Ge- nosse Paul L o e b e. In der Reichswehr müsse das reaktionäre OffizirrkorPZ und di« ihrer Jnteressenlage nach zur Arbeiterschaft gehörigen Mannschaften und Unteroffizier« auseinander. gehalten werden. In der Bevölkerung hätte man vielerorts auch heute nach nicht begrjtfen, daß feit fünf Monaten«ine r es n bürgerliche.Wiederauft>au"-Reg!eruna herrsche, und man müsse daher hex setzten Regiernng noch ein halbes Jgihr Fest lassen, da- mit sie so,ialdemokratische Anfklärung durch ihre Taten im Vo'ke verbreite. Der Bundes st aaj Oberschlesien sei zweifellos ein Experiment, aber noch den Beschlüssen der Reichs- und preußischen Stellen sei die Frage ja nun den O b e r s ch l e s i e r n s e l b st zur Entscheidung übergeben, von denen 80 Prozent Arbeiter seien. Mit Gewalt könne man heute keinen Teil Deutichlands abhalten, sich diejenige politische Lebensform«i suchen, die die Mehrheit semer Bevöllcrung wünsche, vielmehr sollte man von sozialdemokratischer Seite dafür Vorsorge tragen, daß nach Ablauf der Sperrfrist dpS Avt. 18 der ReichSrenassunq der Gedanke der EinheitSrepiidlik durch kulturelle Dezentralisation neu gestärkt würde. Der Breslauer Oberpräsident. Genosse Zimmer, gab ein ftlir düsteres Bild von der durch die Orgeschagitation in Schlesien aeschafsenen Stimmung. Er kritiiierte scharf e'nen vor e iwgen Monaten erfolgten Erlaß des NeichswehrministrrZ Geß- l e r, wonach die Reichswehr dem Oberpräsiidenien aus An. fordering zi'm Schutze der öffentlichen Ordnung nicht mehr zur Verfügung stehe, vielmehr die Lberpräsidenten sich auch im Falle schwerer innerer Unruhen erst auf dem Weze Uber Berlin die Mitwirkiing der Reichswehr»um Schutze der Merniblik sichern mußten. In der wefteren Aussprache err ,zte dir soeben ringe- iroft'ene Nachricht von der Stellungnahme des preußischen Jnstiz- minisserS zur Oroslch allgemeine Sntrüstnnq. In der Diskussion betonte Genosse Birnbaum(BreSlauvr .PollSwacht"). haß eS falsch sei. wenn ein Sprecher der Preußischen LantdeSversammlung die Frage der Aufteilung Bayerns ange- fthnitien kätte. Ob eine Loslösuna Frankens au« dem bayrischen Staat zur Sicherung der Republik beitrage oder nicht, solle man lieber den bayrischen, und fränkischen Genossen zur Ent» schciduna überlassen. Der Berliner Beschluß über die Autonomie OberschlesienZ sei mißverstanden worden, wenn er al« endgültige Festlegung eines Bundesstaat« Dbcrschlesien«u,f- «esoßt wurde. Die Frage der Begrenzung der schlesischen Autonomie läge in den zwei Monaten noch der Abstimmung zwischen Polen Niid Deutschland in der Hand der Obcrschlesier sechst. Dieser Standpunkt wurde von den Breslauer Genossen Mach« und Winzer unterstrichen. GroßSerlm Das flüchtsnöe Kapital. Die 8. Tivaftanimer des La? dgerichis l wird am Donnerstag und folgende Tage eiiun»»isangreicben Prozeß gegen Ii Personen verhanvetn, die beiwuldigt sind, Geichüjte getätigt zu baden, die dam bestimmt gewesen sei» sollen, die durw die PaisÄriit des 8 2 der Lcroldiiilnz vom 2t. November 1SI8 bezivcckle tieimtnis dei Sleueibeböide über dos Verbringen von Vermögens» werte» in das Ausland>u vereiteln. Tie Lntlage riciuet sich gegen den LegalionSsekretär o. D. Joachim von Ernst, den klon mcrrienrai Hans Eöggl. dn Geh. jsommerzienrat Dr. Wkbelm v. Opel i» Rüsselsheim v.M., den Kommerzienrnr Jakob Saemonn in Nürnberg, den Kauf. mann Louis S a e n? a n ir in Nürnberg, den Äansmann Hans Josef Saemann in Cbarloiienbnrg. de» Vize- konsul Max Weimar, n in München, den Kommerzienrat Dr. Karl Zitzmann in Erlangen und den Rechtsanwalt Dr. Oito Kahn irr München, der we en Beibitfe angellagt ist. ES handelt sich um grösere geschäftliche und finanzielle Transaktionen, die die Beschuldigten mit dem schweizerischen Asvo- kalen Dr. Michael Thalberg in Zürich voroenomnien haben. Be bieten lommeil große Betiäge, die von 5COOOO M. biS zu einer Million gehen, in Frage, Die Beichuidigien bestreiten, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht, andere als rein geschäftliche Zwecke verfolgt und den Gebanlen an Kapitalflucht gehabt zu haben, Die Anklage wird vom Staaisanw»Rat Messerschmidt vertreten. Da zahlreiche Zeugen zu vernehmen sind, und äußerst komplizierte finanzielle Punlle zu erörtern sind, wird mit einet Berhandlungsdauer von etwa zehn Tagen gerechnet. Millionen auf falsche Schecks. Raubzüge erueö Bankbeamte«. Einen MMionenschwindsl mit gefälschte» Schecks betrsibt gegenwärtig ein noch Wtbokennter früherer Bankbeamter, der von verschiedenen ArrnrinQlbchSrden eifrig gesucht wird und auf dessen Ergrriiui-z von den Bankhäusern hohe Belohnungen ausgesetzt sind. Der Gcruner, der jetzt auch ein Berliner Bankhaus um eine Million Mark zu betrügen persuchte, begann sein« Be- trugSmanöver am 22. Oft ober in Leipzig. Bei einer dortigen Bank erhob«r als Fabrstübesitzer Paul Dchm'.dt auS Gelsenkirchen auf Grund gefälschter Akkredlrivsch'reiben sowie eines gsfälschten Schecks 71llM0 Marl in Fünfzigmarkscheinen. Mit diesem Erfolg« begnügt« sich der Schwindler jedoch nicht, sondern versuchte jetzt bei eingm Berliner Bvwihans unter Amven- dung derseliben betrügerischen Manipulation«, di« Summe von einer Million Mark flüssig zu machen. Da ihm dieser Streich jedoch nicht gelang, weil man an der Echtheit der Bakum enie zweifelte, verschwand der Gauner, bevor man ihn entlarven korurte. Diesmal hatte er sich Theodor Buschmann genannt und auch Papiere ans diesen Namr» besessen. Vorher hatte er in Frankfurt a. M. und in Potsdam versucht, Beträge von 800 000 und SOO 000 Mackl zu erhoben, doch scheiterte sei« Versuch auch dort, obwohl di« Aor- bercifturgen so genau getroffen waren, daß eS sich nur um einen Mann handeln kann, der mit den Bankgeschäften genau unterrichtet sein mutz. In Potsdam hatte er sich M. Zeitz genannt unh in Frcrrrlfurt a. M. für einen LS Jahr« alten aus Riga süürtigen BanZlhernnten Erich Schwarz ausgegeben. Nach den Ernrstt'Iungeu der Avüninakbohörden ist diese? an-zebliche lScrnvbeamte Schwarz der geistig« Leiter per Betwugsm-�wver. An den anderen Stellen trat ein Helfershelfer von ihm auf. De? an�rbl.che Schwarz hat sich, wie festgestellt werden kennt«, mittels gefälschter Papiere Stellung bei einer Bank in GÄissnKivchcn verschafft, bort gensuen Einblick IN dqS SeschäftSzeba«» gsvonnrn und sich Scheck» formulare und K o p f b o g en wBerrechiftch gnzechemst. Es unierkiegt keinem Zweif.il, daß cS sich um frühere Bank- angestellte handelt, und ist eS von großer Wichiigkslt, wenn Bank» beamt«, die die Schwindler zu kennen gla-uSei� sich umgehend heim Kriminalkommissar Sftmsmann im Bevlin«: Polizeipräsidium melden. Verschwundene Mordprozeft-Akten. Durch eigenartige Umstände, die noch einer Auflläinng bedürfen, icheileile das Zustandekommen einer Pcihondliina wegen Mordes, die gestern das Tchivurgericht des Laiidgerichis I beschäsligen sollte. Unter beionderen Voisichlcnmßregel» wurde der Arrist»nd Ent- sesielmigskünstler Kurt Döbbrick vorgeiühlt. um st» wegen Mordes und schweren Diebstahls zu verankworlen, während die ledige Irmgard Hinrichseri wegen Beihilfe zum Morde angeiia, t war.— An, NeirjahrSmorgen d. Js. enl- deckie der Berwalrer des Hariies Gipsstrnße 82. daß d>e dort wohn- hatte 63 jährige Margar-ie Dumnik. die sich als Schneiderin und Narieiilegeri» ernährte, ermordet worden war. In dem Vorveriabien halten die Angeltogien einen überlegten Mord be- stritien und gellend machen lassen, daß sie nur in der Absicht zu steblen die D. besucht hätten. Dabei liätten die Augen des Döbbrick plögtick einen.starren Glanz' angenommen und er habe sich auk die D. gestürzt und sie mit den Händen gewüigt.— In der gestrigen Veibgndtung stellte es sich heraus, daß ein Akten- band, der den Eiöffnimgsbeichlnß entbielr, v e r s ch lo u n d e u war Ferner reifte Nechldanwoft Willi Beyer mit. daß die Angekiagten weder eine Ladung,»och einen Erösinungs- beichlnß erhalte« hätten. Unier dielen Umständen»nnßte das Gericht den ganzen Prozeß vorlagen und soll festgestellt werden, wen die Schuld a» diesen eigenartigen Borkommnisien tnsfl, durch die dem Staat recht erhebliche Kosten entstanden sind. Die Bestätigung de« nencn Magistrats. An die Stelle de« nicht bestätigten Ltzdokieurs Sichborn rückt nach dem Wahtvorschlog der Nelikonununistnchen Fiakiion der jetzige unbe'oldete Stadrrai Ranke in Berlin nach.— Die Situ,, ig der neuen Sladtverord- neteiiversammluvfl, in der der Oberpräsident Dr. Mwer den Oberbürgermeister in sein neues Amt ern'übrt, wird am Montag vor- mittag stattfinden. Die alle Berliner Sladiverordiietenvei» sammlung hält am nächsten Sonnabend ihre Abschiedesitzung ab. Ein Mordzcrücht war gestern in der Gegend des Schlesischen Bahnhofs, verbreitet. In einem kleinen Hotel in der Frucht- st r a ß e wurde ein Gasttot aufgesunden. Die Leiche hing «n seinem Zimmer am Bettpfoston. Ein zn-�ezo-rener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Erst nachträglich fand man im Schlund« dos Toten einen Knebel, der aus einem karierten Tuch bestand. So entstand da? Gerisckit, doß der Gast,«in aus ßamburg gebürtiger Berichterstatter Wilhelm Koch, der die Rennbahn be» suttt zu Boten scheint, ermordet worden sei Diese Annahme ist schon deshalb sehr un wahrscheinlich, weil das Z'inincr von innen verriegelt war. Tie Leiche wird obdeizievt werden, um die Todesursache völlig klarzustellen. Ein Konzertsaal für dl« Jimgen. Di« Polyphon werke eröffneten am Sonnlag in jbrem� Geschäftshans. Mnrtaroken- si r a ß e 76. einen imic» in oetälligem Barock gehaltenen Konzert« 'aal, der iniofern etwas Besonveres ta, stell», als er nach ven Korten seiner Gründer jungen anistrebenden Ta letzten zu Konzeiten kostenlos beraegehen werden'oll Reben dem Reichs- lonzler und Minister Haenisch hau» sich zur Eröffnung ein zahlreiche? Publikum au? Berliner Mnsiklreilen eiugeftindcn. Man böile ein Konzeil. an dem sich neben Kläre Drix» Jatlowker und Jwevb Seblvar, sichtbar, nnsichiba», aber nicht weniger vernehmlich durch das Giammophon Caiuw, Knüpier und Frida Hemvet beieiligien. Das Programm, etwas duni zummmen- gewnisel», brachte Mvzarl Händel, Leoneavallo iind Verdi Es war eine gute Geleg-ndril, sellzniicllcn, daß auch di« Stimmen wieder» gab« durch das Grammophon, wenn sie wie biei durw so vor-üg- lickie und sichere Mniiler wie Geor> Kiiiestädt und das Ebevaar H"pi sichibai beileiiet wird, d»ichans künsllerrsch wirken kann. Der Saat oder besser das Tätchen mit einei lehr hübiche» ktangvolleu Orgel ist von'Nlimem Reiz und dürfte sich in erster Linie sür den ein- zelnen konzerliclenden Musiker eigne». Mozart und seine Zeit'prachen zu nns an dem 6. Musik» abend, den das V o t l s b i l d n» g§ a m i N e n k o l l n am Sonntag deranstatteie. Ein Bild der Kuliurepoche, oiiS der beraus die Milstk Moiarts geschaffen wurde, eniwars Dr. Felix Günlber in dem euile-ienden Borirag. In feiner aii'chaiitichen und im besten S'nne deS Wortes votlsiümlichen Dersiellung weil» zeigte«r den maieiiellen lliiwrrruiid. auf dem danmts die Kur st gcdicb. Der miisitaliiche Teil bot eitie löbliche Ansleie aus Werken Mozailo und einiger feiner Zeftaenoffei«, Arien und Lieder, KoNiposilionen iür Violine und für K»vier. JdaHartb zur Riebe u(Sleiang) lind Seuta P i u e> t e(Bioline) lowre Dr. Felix Güniber «am Klavier und a!S Redner) ernteten verdienten Bestall Die Et» z i e b u n g zum Äun st Verständnis wird duich veranstal- tungen dieser Art aufs beste gesördert. Bermiht wird feit Freitag vaiiger Wsibe mitiaa« 12 llhr vom Schulwege Bergmaiinstroßx die lOiährige Schüleri" Etiiabeib Will. Das Mädchen trug blaugraues Kleid, schwarze Schürze, bräunlich gestreiften Mantel, bla»? Maiiv'enmützc. schwarze Strümpfe icbwarze Stiesel und Schiitlornister. Etwaige Angaben über den Verbleib des Kindes nimmt jedes Posizeirevler sowie der Poiameulierladen Heimsir. 10 entgegen. Drei große öffentliche Derfrmnrltingen tu Neukölln veranstaltet der Bund r e l i g i p i e r ti o«, o 1 1 ft e n am Toi nerstag, den 4. No, vember, abends l1!, 11 Hr. Lydia S t o e ck e r spricht in kiner Fronen- verlan nilung m der?liiln der Mädchen-Mittelschrik«, Tonaubr. lÄ', über das Tdenw: Die sozintislische F au in der Kirche.— In der Aula der Realschule Boddtusir. LS spricht der sozialiiiiiche Psarrer B l e i e r über da« Tbew«! Was lanii der Aideiler van der Kiiche«iwarlen? Ferner spricht Genosse v.£> a r n e ck in der Oberrealichule Eniier Str. l"ll üder das Tdemn: Soll die Kirche ein Jnsiliiwent der Klasse herrtchasl bleiben? Aus.«! dem re'elieren in den Verlanimliin�iii die Geooss-n Rettor Böse. Pernh Höring u id Lic. P i e ch o w l i i über die lommenden Kirchen- wählen, sür die der Bund eine besondere soMÜstische Äiichenilsle cufstelln Das Kartell kirr Sport und Körperpflege Wilmersdorf» Tchwargerdorf>Aibci»er,Spoiltmicl>> tölt cm Freitaa. den ä. November, abends 1'lt Ut r, im Turner beim, aus dem Turnriay der Freie» Turner» schait Dilwerstors in der Wüiit'.tr.dergiichen lEtiaft seine lkeneialveisamn!- Ulna ad. Alle Mitglieder der anerjchtossmen Vereine sind znrn Erscheinen verpflichtet. Wtlglnksbuch legitimiert.— Ter erste Muiemntveiuch de» Kailtl-S findet am tommevden Twntag. 7. November, von Uhr, unter Fübrunz von Bios. Stadlberg im Mirtrpm iür Meereskunde, yeorgrnfir. L-I— LS. statt. Abmarsch vom lurnplad 80, Uhr, dann mü der Etadihahn b!S Badnbvj Friedrichflrgj.e. Teilnetm er'rnici, ans dein Turnplatz sür Mbglieder 0,sb, sür Nichlmitgliedex l,üv A., Kinder, nur über 12 Lahre, die Hälfte._ HroF-Serliner partsinachrichken. Morgen, S. Rovemder. Wittenau. Frauenalend l'l, Uhr bei Schulz, Haiiptstr. kill. Res. Aeuosfin Frieda Mili ler: Bericht über den Frauentag t» Kastel. Sümschau. DaS Geheimnis dcS Fakirs. lLichuip�le Sporipalast, Pofsbcmier Straße.) Eine Konfination indischer Zauberei und kriniinalisiischer Perwegenhcit»rill uns in dieser Borftihrung entgegen. Herr Harret VN erdeit eines Abends im Klub von Heren Laudon die Miileitung von der boldigen Rückkehr seines Hi dnes Harry ollS Jndicn, Eh« letzterer einlriffi, ichleicht sich deS Nacht» ein Fakir unbemerkt in das Zimmer der Bessy und beläubr sie. Der Detektiv Harreton gewahrt auf der Straße den davoneilenden Falir, her in einem Auto leine Flucki koriietzt. Veidachl schöpieud, nimmt cr die Versolgnng in einem Auto auk. Jedoch vergebens.— Am anderen Tage wird Herr Harrelon von der Polizei mir dem Vorfall vertrau! gemacht. In einem indischen Temvel sind die An, bänger e uer Sekte veriaminelt. Der Falir rübmt sich, die Besitz unschädlich gemacht zu habe,, und ermahnt die Mitglieder, Harry ge'angen zu nehme», iobald er am Haien ankomme.— Der«mück- a-kehrte Harry inacht i» einer Unterredung den Detektiv mft der Uriach» des HasieS gegen seine Familie bekap.»'.— Nack»ndloien Bemühungen gelftigi es dem Fatir, sich der Bessy-u bemächtigen. Ter Detektiv lommi gerade herbei cils cr sie pcroisicn will. Voller Angst fticht der Fakir das Nene. Es gebt über Däche»»nd Brücken. Schon glaubt der Fakir der Gcsabr entronnen zu sein, als cr de» Detektiv plötzlich neben sich gswobrt. Ein Sprung ins Wasser kann ihn viellerchc noch retten. Ermaltet erreicht der Falir daS Uier, die Kräit» vertagen und schlaff lälll der Körper zuion'men. Im ersten Teil deS Abends rollt ein Liebesroman, betitelt Manegeirrqzrsch, ab. �________ Mus öfter ws!t. F-nwrsbrLnft bei Hamburg. 13 Gehöft« mit Ernle verbrannt. Hamburg, L. Novcinbrr. In Zollenspier bri Hambtrrg wütet ein» Fcucrbrunst. Bei dem herrschende» starken Ostwind be- steht dir Gefahr der Vernichtung de? ganzen OrteS. Tie Hamburger Fenerwehren stnd benachrlchiigt. U große AehSfje mit Erntevorrätr» sind bereits niedrrgrbrannt. Niesetischiebuusten in Tnchfen. Einer Blättermeldnng zufolge sind in Dachsen neuvrding» große Schiebungen mit Schrott nnd Leinöl ouigadcckt worden. Auf mehreren Bahnhöfen wurden insgesamt 72 Eisenbahn- Waggons mit Alteisen. daS für Böhmen bcfiimnr! war, an- gehalten und beschlagnahmt, da zwar die AuSiuhrdc'willigvng vor- lag, ak?er eins öOprozentige Ueberladung der Waggons festgestellt wurde. Ferner wurden OK 000 Kilogramm Lein- öl, die nach dem Osten verschoben werden sollte», beschlagnahmt. Schwere Nnreselmässisleitea eines Stadtrat«. In der Kasseler Sladtverordnctenpersammluiig vom Mvntaq wurde der frühere Stadtrat Wagner grbrandmarlt. der während seiner AmtLführung, mie festgestellt worden ist. große Transaktionen mit K r i e g s a n- leihe vorgenommen bat, indem er bei der Beschaffung städtischer LebeirSmittel für 20 000 M. A.rsi�kanlcih-. aus persön'ichem Besitz unterschmuagelte und dadurch erhebliche KurSgew. nne erwarb Wie von juristischer Seite mitgeteilt wird, ist der Stadtrat durch diese Handlung mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen. Im übrigen gab der Stadtvcrordnetenvorsteher, RrichShommisszr G r z« s k i n s k y auS dem RrichZwebrininisimum die Erklärung ab, der Stodtrai Hobe durch diese Ankäufe kür Lebensmitiel um jeden Vre,« einen Teil dcr Schuld daran, daß die Lebensmittelpreise in Deutschland so schnell gestiegen sind. Greßicuer. Telearaar meldet, daß in Mapving hei London in der ver>ia»genen Nachi ein ungeheurer Brand in einer G u m m i k a b r i k entstand. Dabei ereignete sich elve S r P l o k i o n. bei der drei Feiierwehr>e»ie geiölei»nd iew» verletzt wurden, An-b einige Polizisten und giviiislen wurden verletzt. GewerMoftsbowegung Die Stillegung öes Sorsig-Ver�es. Die Geschickte der Berliner Metallindustrie ist ein stün diqer häi teslcr Kampf zwischen Niitenichmertum und Arbeiter chait. Scbsl um die qrringsten Lobuerbödungen oder gar Lerkiirzung der Arbeitszeit culbrauuten in dieser Industrie re umfangreichsten Streiks. Wie wob,! in keiner anderen Industrie wurde von den Iliiternel>n:crn der Berliner Metall oranche der Heir-im-Hanse-Siandpunkt in seiner krassesten svorm uertieten. Als schon länast in den anderen Berufszweigen sich bei den linicrnehmcrn die Einsicht durchgerungen batte. daß auch ihre Zntercsscn bei CchHcbtuiig von Ai beitsdiffei cnzcn am beste» durch gegenseitige Verhandlung und Verständigung von Organisation zu Lrganisat on gewahrt werden, vertrat der berüchtigte K ü h u c m ä n n e r- V e r b a n d— die im Air fang der neunziger Jabrc entstandene Scharfmacheroi gani sation der Berliner Meiallindnstriellen— �inch weiterhin narr den Standpiinkt, daß über alle mit dem Arbeitsprozeß ver> bniidenen>- trcitigkeiten einzig und allein der.Fabrilherr" zu entscheide» habe. Diese absolulistische Auffassung über den Broduktions Prozeß hat auch jetzt w eder zu dem Konffikp im Borsig-Wcrk gerührt. Wir haben schon mitgeteilt, daß der Metallarbeiler- verband bereits vorMonatenan die Unter-nehmerorgani- sation herangetreten war. um aus dem Wege der VerHand- lungen eine Aufbesserung der Tariflöhne zu erzielen. Getreu hrem Standpunkte, daß nur der Iabrikherr über seine Ar- beiterschaft zu entscheiden hat, haben die Metallindiistriellen es a b g c l c h n I, irgendivetche Zugeständnisse auf dem Ver- handlungswege zu machen. Beim Arbeitsministenum wurde darauf vom Metallarbeiterverband die Einsetzung eines Schiedsgerichts beantragt. Auf Veranlasiung des Arbeits- Ministers kam auch ein solches zustande, dem u. a. unser Ge- noss? Wissel! und der Berliner Stadtrat S i m o n�s o h n angehörten. Das Schiedsgericht konnte zu keinem Spruch koinmen machte ober einen V e r m i t t l u n g s v o r s ch l a g. der den Metallarbeitern eine ger nge Erhöhung ihres Lohnes bringen sollte. Auch dieser Vorschlag wurde von den Metallindustriellen abgelehnt. Ebenso- wenig waren die Herren aber auch bereit, als Einzel- Unternehmer mit ihren Arbeitern in Verhandlungen zu reten. um w in den einzelnen Betrieben Lohnerhöhungen�u rzielen. Auch bei Borsch verlangten in Anbetrach der schwie- igen Verhältnisse die Arbeiter eine Aufbesserung ihres Lohns. die Firma Borsch, denen Inhaber der Vorsitzende des Verbandes der Berliner Metallchdustriellen ist, hat jegliche Lohnerhöhung über den bestehenden Tarif hinaus abgelehnt. lls dann ein Teil der Arbeiterschaft auch nur soviel Arbeit »istete, wie er a'anölc aus Grund des Lohnes leisten zu iüssen erfolgte die fristlo'e Entlassung, die von der Arbeiter- hast des Betriebes mit einer Solidaritätserklärung für ihre srbeitskollegen beantwortet wurde. Zur Beilegung des Konf'ikis ist, wie wir erfahren, das rbeitSnünistcrium um Vermittlung angerufen worden. inil voller Kref: eingesetzt hat. Zunächst hat die Jen- tralstreikleitung SO Großbetriebe stillgelegt. Weitere Betriebe werden in den Streik eintreten, sobald es die er- folgreiche Durchführung des Kampfes erfordert. Streik km TextilgroßhenKel. Die Verhar.d'ungen der Angcstelltenvertreter mit den Arbeit- ckern haben zu keiner Verständigung geführt, obgleich die Ange- -lllen sich bei den letzten, am Ttzomag stattgefundenen Verhand» uigen sich zu einem Culgegenkommeu bereit erklär! hauen. 'aS Angebot der Arbeitgeber war so gering, daß die Ange- ellten unmöglich darauf eingehen konnten. Einer Massen- oft besuchten Versammlung der Angestellten, die gestern abend attfand, wurde dieser Sachverhalt berichtet. Es sprachen Ver- eeter deS ZeniralrerbandeS der Angestellten, des Gewerkschafts- MldeS der Angestellten und deS GcwerkschaftSbundeS kaufmänni- cher Angcstellicnverbände. Diese drei Organisationen führen die ilohnbewegung gemeinsam. Sie find darin einig, daß den Ange» stellten, nachdem alle Versuche, zu einer Verständigung mit den Arbeitgebern zu kommen, gescheitert sind, nichts übrig bleibt, a!S den Kampf für eine zeilgemöße Aufbesicrung der Gehälter auf- zunehmen. Die Versammlung beschloß einstimmig sofort in den Streik zu treten, der sich auf den gesamten Textil- großhandcl er st reck t.' Die Zenlralslrciklcimng teilt mit, daß der Streik heute früh �Zentraler Lohntarif für die Uniform- Schneiderei. Die zentralen Verhandlungen in ver Uniform- LieirningS- Zibneiderel sind naib wiederholten Veliutbeu am 29� Oitober zum Ab- schlnngelanat. Tie Kiindwinig der Bestimmung des Sieicht-Tarif- Vertrages über die Stundenlöhne erfolgte am t. Juni. NaM wiederdollen vsrgevixben VeltUlven, zu erfolgreichen Verbaiislungen zn kommen, träte» die Parteien nnier Leitung des Oberschiedsgerichts am 26. Oiiover in Berlin zusammen, und es wurde nach viertägigen, oft sebr harten Auseinanderietzungen ein Urteil duich das OberlandeSzericht getälli, da! iür die Parteien bindend ist. Aach dteiem Urteil beiiägt der Stunden- lobn»ür Berlin S.tg M.. iür eine Re he größerer Städte 5,04 M. bis h runter zn 6,14 M. Alle andern Orte erhallen aus die bisher gezahten Lödne einen Zuichlag von 12 Pro z. Diese Löhne gelten ab 6. November einschließlich, und zwar iür alle Arbeiten. die ab 6. November einichließlich zur Niistadlung gelangen. Für die Anfertigung der Sivo-Uniiormen rst gleichfalls eine zentrale Regelung über das ganze Reich er'vlqt. Veruirveuvoiidie Unteriiehmergriivpen bereiteten brSher dem Unifortii-Licieruiigsge« weibc auf Kosten der Arbeitet schalt eine sehr unliebsame Konknirenz. Die Parteien haben daher nachstehende Vereinbarung getroffen: .Alle Arbenen, die von öffenUlchen Verbänden oder privaten Unternehmungen vergeben wetden, sofern sie in einherilicher Form d e Kennzeichnung einer Grt-ppe von Beamten, Angestellten, Be- diensteten oder Arbeitern darstellen, sind mindestens nach dem Reichs- TarUvertrag iür die Uni'orm-LieseiuirgS- Schneidere» zn enUoht en. Bride Paricie» veipflickten sich, die vorange'ührie Bestimmung wönlich in den in Betracht konimende» Reichs-, Bezirks- oder Orts- lari'en ani unednien, nach denc» die oben gekennzeichncleii Arbeilen bergeü llt werde» können" Durch diese Bestimmung wird eS nunmehr der Arbeilerichafl möglich icin. d efentgen Unternehmer zu fassen, die auf Gl und niMt geregelter Lobn- und Aibellsbedingunoen die Arbeiterschafl der Un form-Lie'erungsichneiderei m ihrem VorwäriSstreben zu hemmen imstande waren. An unsere, in den Reicks-, Staats- und Gemeindeverwaltungen tätigen Parteigenosien richten wir die dringende Bitte, daraus achten zu wollen, daß bei Vergebung von Schneiderar beiren nur solche Unternehmer berücksichtigt werde», die die oben angeführte Be- stiimnimg anerkannr haben._ Zl.m Slreik bei den Wcch- und Schlicftgcfrllschasten. Im S.re>k befinden iick noch d e Wachangeslellien der Berliner Äach- und Schließgeiellichait, Jnsveliion Potsdam, Brandenburget Wach- und Schließ-etcll'chafl Schcnebcrger Wach» und Schließ icscll- ichail und der Wirifckansgriivsscina ait Neulöllucr Gnintdesitzer. In Frage kommen be» oie'en vier Gciellschaften nov!46 Streitende. Den Tarisvelirog anerkoiinl bat von den besircilten Gesell- schaften die Wachge'cllickait iür Berlin und Nachbar orre lKrenz n. Co s. Tie Arbeil ist bei dreier Geiellswaft am 20. Oitober wieder auf- genommen worden. Die Fmderimgen der Wachangestelllen haben anerkannt 12 Geiellschasien mn 1830 Beschäfligren. gestelltenorganisationen ihrerseits eine Unterkommission mit der Ausarbeitung einer Musterd�nstordnung für Angestellte beauftragt habe. Wir möchten feststellen, daß wir uns aus den Gründen, die seinerseils von den Vertretern unserer Zentrale dem ReichisarbeitZmrnistermm bekanntgegeben wurden, an Beratungen über eine Musterdienstordnung bisher nicht beteiligten und auch in Zukunft nicht beteiligen werden. Worauf der Verband Berliner Metallindustriellcr seine Mitteilungen stützt, wissen wir nicht. Afa, OrtSkartell Groh-Verlin. Flatau. Liedeskind. Reinsberg. Achtung, Bodenleger und Vohner! Die F>rma Bölke, Alt Moabit 14. führt Arbeiten für die Filialen der Firma Werthe>m aus. Da d>e Firma, die duich Vereinbarung vorgesehenen Löhne nicht zahlt, ist der Betrieb für Bodenleger und Bohner bis aüt iveileres gesperrt. Deutscher Holzarbetterverband Veiwallunzsstelle Berlin. Betriebsräte des Teutsch.m Eisenbahner-Bcrbandes. Die Orisverwalniiig Groß-Berlin hat beschlossen, denjenigen Betriebsräten, die am BelliebslälekiirinS teilnebnien wollen. 20 M. Schulbeihilse im voraus zu gewähren. In Betracht komme» Kollagen, die sich bis zum 8. November im Nskanischen Gyinnaiium, Holletche SN atze, nahe Anhalter Badnhos, zur Teilnahme an dem ttiiriud gemeldet und die Gebühren von insgesamt 41 M. daielbii entrichtet haben. Die Kcllegen haben sich dann mn ihrer Teil- nebmerkarte und ordnungsgemäßem Mitgliedsbuch nebst Betliev«- räleaiisweis iin Bureau der Oitsverwalniiig Betbanicinllfer 10 I, zun, Empfang der Beihilfe zu melden. In Betracht kommen nur Betriebsräte, die schon vor dem 1. Okiober Mitglied des D. E.-B. waren. Orltverwaltung Berlin D. E.-B. Angestellte der Metallindustrie! In Nr. 19 der Mstteilnngen deS Verbandes Berliner Melall- industrieller, 2. Fahrgang vom 6. September 1920 wird unter der Ueberschrrit.Musterdienstordnung für A ng est eilte" unter anderem auSgesrihrt, daß die Angestelltenkoprnrisston des Vec- bandeS Berliner Metallindustrieller mit Vertretern der An. Tcuischcr Gisenbahner-Verbaiid. Freitag, den S. Noncmber. abends 6 llbr, im.Neuen Cntrdirfm Klwuc" divett am Ringbahnho! Treptow. Foilkhiliig der oeriagien Belr.cbsrätekonserenz. Taacsordnung: 1. Beiicdt trr Jlommrsian. 2. Wabl der örtlichen Lelricbsräle'eilnng. 3. Veiill.icdcnes. Zutritt mir mir oidmingSgcmäßen Mitgliedsbuch und BeiriebSräteausweis, ohne diese Lcgrlnnaliou uiilcr leinen Umiiändcn Zutritt._ MirtfehM Preisberichtstelle des Deutschen LandwirtschaftSratS. Frankfurt a. M. Die NoticrungSkommifsion für Kartoffeln meldet: Durch die bestehenden Verhältnisss hält sich der reelle Kartoffclhcmdcl vom Geschäft fern Durch Höchstpreisfestsetzungen und Ausfuhrschwierigkeiten in einzelnen Produftionsgebictcn fehlt dcrs Angebot. Von Abschlüssen in Speisekortoffeln ist nichts bekanntgeworden. Anmerk. d. Red. Die Kommunen Huben sich nicht genügend eingedeckt, der Handel schaltet sich aus, Iva- nun kommen wird, kann jedermann leicht erraicru Ter Scheidemandel-Konzern auf drm Weltmarkt. Uckber die angekündigte große Transaktion der Akt.-Ges. für chemische Produkte vorm. H. Echeidemandel in Berlin w rd von der Verwaklung nunmehr folgendes bekannt- gegeben: Ter Konzern der Akücngesellschaft für chemische Pro- dukte, vormals H. Echeidemandel, hat mit einer internationalen Gruppe unter Führung der American Glue Company in Boston eine Interessengemeinschaft vereinbart, nachdem bereits größere Geschäfte zwischen den beiden Grnppen in letzter Zeit ab- geschlossen und in Au-iührung begrstfen sind. Nach dem Inhalt der Vereinbaruna tu u sch e n die beiden Gruppen ihre A r be i t-- Methoden und Erfahrungen auf den verschiedenen Ge- bieten ihrer Fabrikation miteinander aus und treten wegen Ein- kaufs und VerkausS für bestimmte Gebiete deS Auslandes,_ in welchen sick ihre gescräftlrcken Interessen trcflen. in dauernde Ver- bindung. Demgemäß beteiligen sie sich auch im gleichen Ver- hältnis an der Errichtung einer Fabrik im fernen Osten. Der Ä.G S.-Konzern nimmt neue, in den Vereinigten Staaten voll- ständig erprobte Fabrikationen auf. D'e Gesellschaft war während deS Kriege? scharfen Angriffen de- Wettbewerbes ausgesetzt, die auch in der Oeffentlichkeit eingehend erörtert wurden. In der Knochen- und L e i m i n d u- st r i e Deutschlands hat die Gesellschaft nahezu ein Monopol. Ihre Haupifabrikate sind rohes und rasfinierteZ Kuochenfett als Rohprodukt der Stearin- und Seifcnsabrikation, Leime und Ge- latine aller Lnalitälen, Knochenmehle usw. Neuerdings verlautet, die Gesellschaft habe Patente von Präparaten angekauft, die den Wollwuchz der Schafe erheblich steigert«». Beneidenswerte Aktionäre. GerrcShcimer Glashüttcnwrrke sHevc). Anläßlich der Steige, rung der Aktien fird Gerüchte über eine bevorstehende große Trank. aküon aufgetancht. Die Ge'evschaft soll au? dem sioitcn Export bohe Gewinne erzielt haben, die in irgendeiner Form an die Aktionäre ausgeschüttet' wurden. Bisher hat Gerresheim die Ge. pflvgenheit gehabt, den Gcwliinvortrag, der gegenwärtig IL Mil- lionrn betrügt, wenn et allzu hoch aufgelaufen war, zur Gewährung von Gratisaktien zu benutzen. Es i-'i zu beachten, daß Verhandlungen wegen Verkaufs der Glashütte Reis- rvlz. die seinerzeit als Kampsw.ittel gegen das internationale Spiegelglasshndikat gebaur war, schweben. Der Erlös darf auf 60 bis 70 Millionen geschätzt werden. Diese Fabrik ist g.g-rdwärlig zu dreiviertel im Besitz der Anglo Du ich Bottle Wot'S. deren Aktien sich im Besitz der GerreSheirner Aktionäre befinden. Gerresheim selbst ober ist noch zu einem Viertel an Reisholz beteiligt, würde also bei einem Verkauf min- dcstenZ 15 Millionen erlösen. Da? alles drängt zu der Ver- mutung, daß den Aktionären bei Abschluß dcZ laufenden Geschäfts- jahreS etwas Besonderes geboten wird. kerami» lür den reviilt. Teil Dr.«einer Priter. Cbnrlottenliur-,: liir An.eigen: ?d Stielte. Bertin. Verlag Vorwüris-Vertag vi m. d. H.. Vertin Druck Vor- >onrt?.r»ttc!>dru!teret» VertgaSaniiatl Paul«inner» Co Verii.i öcnoentlr. Z. Ltammein.l.czaeln.tter voki!s> unii/zn�zrxe�vi eörm Sprech� Atemnot beaeitiat grünJiich f* Dr. Scnraücrs 8 perlst- instltut, Berlin W, Lütrowsir. 30 bor 4-7, __ a-ia. Sonnab o Sonntn 3 1 ejlzaQliinit.b j.Gararit. ivroneeiOiW, flumD. Uu. /ah ziehen m Einspr. höchst schmerz an lind Umarh. ,chlechtsitz. Gehisse. Rep sof. Wo Ii. Pofsitnr'er Str. f t, Hochh tnreehz 0-7 »i Mia;■«■»»■ Jede?1 Eisenbahner der vorwärts strebt nnd nach dem Grundsatz: „Freie Bahn dem Tüchligett- sich durch einschlägige Fachiiteiaiur soribttden will liest zur Bervowommnung iriner Berutekenntniff« unsere tonUirrenziote FachzeUschrist W WsMUMWe Amtliches Organ des Verbandes Denticher Etseirbahnfachschulen und technische Zritschiift für alle Eisendahner. Interetsame Artilei. Lehrreiche Abhandlungen. Au» dem Inhalt: Demotratisterling tm Cisen» bahnwe.en.— Die ümwict tmg der Sie.neu»- tBcth'.— Neuerungen im Eignrlwesen.— Lotomotivlesse! mit Uebetht-er.— Wasieistand?- anzetger.- tktettriiche» Schweigen in Glien- dahnwertstält-n— Der Luitdruck. da» Bar> Meter.— Die Verwendung von fitißet erneu Lotomoiiv-Feuerdstchsou.— Der Lotomotiv» (eifeL— Die Telegraph?.— Elektrische Schnellbahnen— uiti) vieles andere mehr. Sllczitgsoteis ihre?} vom Perlag unter greuzband tiiark 5,— pro Piettelsahr. durch die Post bezogen Mar! 4-- zuzllgiich Marl 0,t') Bestellgeld. Ber.'anoe» Sic t a st e n I» S Pzodenummeri». Für Vereine b-lliger. Für Vereine billiger. Anerkaunt vor,'llgl., wtrkungc-volles Jnfertioseorza». Znserate in der„Eiienbahit achschuie" haben de!, grotzie.i Erfolg: die Leierschau setzt sich nachweisdar au» deir Eisendahnbehörden, sowie ra. Ast», chörer, t der Eiienbadniachschulen zu- lammen An über Ivo Säiuien im tanzen .aeiche veedretiel.— Man verlange Onerle. «S'isI A. 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