lK.S52/SS5�Z7.7ahes. Ausgabe A Nr. IZY Vez»«»vret», ? ZI,— iJi�monaiUO.— frei im Hau», ontai a&lbat. Vsv» cnaa Monat!'» JOt— Ml. tcfl. flu- isenanqoflebüöi UntttSltnubcitb l&i JralKtilono uns OtfttrteüS UUO Kl, •in Oos übc'Si Su.lont Sei täqlUb einmal, flullelluie 21 50 nellunqen nenmen IN OHtentii� Ungarn, Tschecho-SIawalai, Lau«« mart.?ollano..»'»indura.-»weSea unt»i» StSweu.—' maetranen tn Sie Poft-«ihtnao-SreiflifU. '>«„Soradm* nrtt Sei Semmaa» neilogt.Salt a. fleit* erdtui" trogen- atlidi iseimei Senntaa« tmSSRsto- tag«-inmai. teifacomui--äWffle JSejUISMMtrai Betll»*. i Morgen Ansgabe berliner Nolksblstt ( so Pfennig � Anzetffenpret»: Sie achtgeipaitene Noiwareillenei'e lostet»,— M.. TeuminqoW'll'!ag Sli � .ftleiae«uzeigen». da?.'ett- gedruckte Wort L— M.(üulfiiftg itsei iettgeSnickte Sorte), edes weitere Won 60 Big. Etellengeiuche uns SdilafiieUenatMeiaen das erste Wort S5 Pig»(«See weitere Wort 40 Psg. ®om Oder 15 �uihftabeii zählen für iwei Worte. Teuerunqszt'scdlaa 50»/� �amilien-An-ieigen illr Abonnenten geile ä.— SR, polillttbe and ae- werlub ältliche Vereins- An-eiyen Mt. die geile ohne Ausschlag. «NMigen für die nächste Siuiumec müssen bis 6 Ahr naä mittags im kmuptgeschält. Berlin SW i, Linde«. fttofee 3, abgegeben werben,(beöfuet Bon S Uhr srüh bis»Uhr abends. �entralorgan der fozialdcmohrati fehen Partei Deutfchlanda ieöaktiov und€xpeditien: Sw. PS, Cindenfh. Z. ernwrrrtier:«mt Morinvlat», Str. 15190-15197. Dienstag, de« 9. November 19k40 vorwärtS'verlag G.m.d. h.. Sw. öS. Linüeastr. Z. ile rn iure rhrr:«mt Morittviau. Sir. 117 55—54. Zwei Jahre Republik. Nach den furchtbaren Hunger« und Opferjahren des Welt- trieges erwuchs aus Rauch und Trümmern die Deutsche Republik. Heute jährt sich zum zweiten Male der Tag, an dem sie in Berlin öffentlich ausgerufen wurde, jubelnd be- grüßte das arbeitende Volk in Stadt und Land die Tatsache. daß das im Krieg zusammengebrochene monarchistische System beseitigt und mit der Uebernahme der Regierung durch Volks- beauftragte der Friede in greifbare Nähe gerückt wurde. Zwei Jahre nach dieser weltgeschichtlichen Umwälzung herrscht kaum irgendwo in Deutschland noch Jubelstimmung. Der damals so heiß ersehnte Friede ist gekommen, aber nicht so bald als er erhofft wurde und nicht in der befreienden orm,.die alle ersehnten. Monatelang hat die furchtbare Lost es Waffenstillstandes auf dem deutschen Volke gelegen, und als endlich der Friede in Versailles unterzeichnet werden konnte, war es der Fried« der Gewalt, das Diktat des mili« taristischen Siegers, war es der Friede dauernden Hungers und dauernder Entbehrung für alle Deutschen. Unter seinen Folgen leidet die deutsche Wirtschaft, leidet das deutsche ai> beitend« Volk im besonderen, heute fast ebenso schwer als unter dem Wüten der Kriegsfurie. Unter solchen Umständen mußte sich das staatliche Neu- gab ilde durch die schwersten Leiden hindurchkämpfen. Die Auf- Lösung aller Moral während des Krieges, die Zunahme der verbrecherischen Neigungen und die Tatsache, daß der Einfluß der Arbeiterorganisatlonen in den Kricgsjahren dauernd ge» schwächt wurde, hat lähmend auf die Entwicklung des republi- kanischcn Staatswesens eingewirkt. In diesen zwei Jahren, die hinter uns liegen, sind eingeschlossen auch die für die Arbeiter- ocwegung so unendlich schmerzvollen Ereignisse, die die Eni- wicklung des republikanischen Gedankens hinderten. Die mehr- fachen kommunistischen Putsche, die Ablehnung der Demokratie in weiteren Arbeiterschichten und die damit verbundene dau« crnde Unruhe im staatlichen Leben sind freilich nur Begleiter- •chdmmgcn, wie sie j e d e weltgeschichtliche Umgestaltung erlebt hat. Für Deutschland aber, das nicht nür politisch, sondern auch wirtschaftlich zusammengebrochen war und das deshalb die Zusammenfassung aller organisatori« schen Kräfte der Arbeiterklosic doppelt notwendig ge- brauchte, bedeuteten diese gewaltsamen Störungen der organi« schen Entwicklung ein schweres Hemmnis auf dem Wege zur inneren und äußeren Freiheit. Man muß an diese Dinge zunächst denken, wenn man am 9. November einen Rückblick tut auf den Weg. der hinter uns liegt, und vorwärts schaut auf den Pfad, der die junge Deutsche Republik zur Höhe führen soll. Es ist richtig, �daß die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Zustände eigentlich niemand so recht befriedigen. Tie einen gedenken mit Wehmut der Zeiten, da sie unter Wilhelm allein das Volk beherrschten, die anderen denken lediglich an die glatten Handel sbezielungen, die vor dem Kriege bestanden und den Kapitalisten sicheren Profit gewährten. Noch andere wieder sehen in der Gegenwart nur die UnVollkommenheit, die mangelnde Einordnun Verbrechen, sehen die' daraus, daß die neue.._______._ krage. Bei denen aber, die aus innerer Ueberzeugung und mit glühendem Herzen die Republik bauen halsen, herrscht vielfach Empörung über die Dreistigkeit, mit der di« Reaktion heute schon wieder ihr schuldbedecktes Haupt erhebt, herrscht auch Zorn darüber, daß eS immer noch nicht gelungen ist. die Vormachtstellung des Kapitalismus zu brechen. Die unge- heuerliche Preisgestaltung aller Lebensnotwendigkeiten trägt auch nicht dazu bei, eine innere Befriedigung aufkommen zu lasten. Und doch ist nichts verkehrter, als nach den zwei Anfang»- jähren republikanischen Gemeinwesens zu verzweifeln oder trübe in die Zukunft zu blicken. Besonders wir Sozialdemo- kraten haben keinen Anlaß, darüber traurig zu fein, daß unserer Partei die historische Rolle zufiel, am 9. November l9lS die Geschicke deS deutschen Volkes neugestalte« zu helfen. Wir wistm. daß Revolutionen nicht gemocht werden können, sondern daß sie im Mutterschoß der alten Gesellschaft sich entw ckeln und eines Tages als fertige Tatfach« an» Licht treten müsten. W'r werden nie vergcstcn daß der e i g e n t- liche Revolutionär großen Maßstabes der W c.l t« krieg war, der eine vollkommene wirtschastlche und politische Umgestaltung naturnotwendig hervorrufen mußte, so daß das Deutsche Reich von 1929 selbst dann nicht mehr daS Deutsche Reich von 1914 gewesen wäre, wenn dos KriegSglück auf die Dauer dem deutschen Heere Treue gehalten hätte. Auch in diesem Falle wären sicher ökonomische Umgestaltungen mit weitgehenden politischen Auswirkungen in Deutschland ein- getreten, w'e sie heut« in den siegreichen Ententeländem zu verzeichnen sind. Deutschland aber ist im Weltkrieg unterlegen und die umwälzenden Wirkungen mußten sich hier naturnvlwendig in verstärktem Maße geltend machen. Daß Willelm der Red- selige und sein hoffnungsvoller Sprößling bei-Nacht und Nebel nach Holland flohen, Ist nur ein äußeres Zeichen ihres mangelnden Mutes. Diese Flucht hat zwar den Umschwung ..i Deutschland wesentlich einfacher gestaltet, aber sachlich an dem natürlichen Lauf der Dinge nichts geändert. Nach dem militärischen Zusammenbruch blieb für das deutsche Volk ein- fach keine andere Möglichkeit übrig, als die Republik zu er« klären und sich ganz auf die republikanische Staaisform ein- zustellen. Ohne sie wäre damals schon ein Waffenstillstand nicht zustande gekommen, geschweige denn der Friedenszu« stand. Es hilft deshalb nichts, wenn wehleidige Seelen- heute über die entschwundene monarchistische Herrlichkeit klagen, sie müssen sich mit der T a t s a ch e abfinden, daß die R e p u b l i k die gewiesen« StaatSform auch für Deutschland ist und bleiben wird. So stark auch die Hoffnungen der Monarchisten auf die allgemeine Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen Zuständen sich stützen, so wenig kann davon die Rede sein, daß die alte Staatsform des Deutschen Reiches jemals wieder aufgebaut werden könnte. Bei aller Unzulänglichkeit, die sich im öffentlichen Leben bemerkbar macht, hat dos deutsche Volk doch keine Ursack?«, an der Republik zu verzweifeln. Es kann nicht bestritten wer- den, daß sich bereits eine gewisse Stabilität der neuen Staak?« form herausgebildet hat und daß sie, trotz aller monarchistischen und kommunistischen Störungen, im Volksbewußtsein schon tiefe Wurzeln geschlagen hat. DaS will um so mehr be- >agen. als das deutsche Volk cn seiner Mehrheit vor dem Kriege geflissentlich voi� allen Staatsgcschätten ferngehalten, dagegen nur eine kleine Schicht der Bevölkerung zur eigent« lichen VerwaltungSiatigkeit herangezogen und mit den Staats« imd Reichsinteressen eng verbunden wurde. Schon die eine Tatsache, daß heute die R e g i e r u n a» g e w a l t vom Volke ausgeht, daß das Volk durch seine Vertreter nicht nur im Reich und in den Einzelstoa'en, sondern auch in den Provinzen, den Kreisen und den Gemeinden unter voller Solbsweranttvortung die Verwaltungstätigkeit ausübt, wird den republikanischen Gedanken dauernd weiter befestigen. Die Arbeiterschaft— und wir rechnen in diesem Zu- sannnenhemg die Angestellten« und Beamienschaft in weite- stem Sinne zu ihr— hat allerdings noch keineswegs Ursache, mis den Lorbeeren der Revolution auszuruhen. Die Arbeiterklasse war die eigen tkiche Trägerin der politischen Revolution in Deutschland, und sie ist auch die treibende Kraft für die weitere soziale Ausgestaltung der demokratischen Re« publik. In den Kämpfen der Gegenwart um das Mitbe- stimmungsrecht in der Produktion wird allerdings nur zu leicht vergessen, welche Bedeutung die bisherigen sozialen, Ei« rungmschnften für die Arbeiterklasse in sich bergen. Wie die „formale Demokratie", so wird vielfach auch der soziale Fort- schritt, wie er sich in dem Betriebsrätegesetz verkörpert und auf anderen Gebieten angebahnt ist, herabzuletzen und zu ver° kleinern gesucht. Wir sind die letzten, die in dein bisher Er- rungenen der Weisheit letzten Schluß erblicken. Aber wir müssen doch immer wieder betonen, daß in dem vorrevolutio- nären Zustand noch auf long« Jahr? hinaus kein Gedanke daran gewesen wäre, diejenigen politischen und sozialen Recht? für die Arbeiterschaft zu erkämpfen, die seit der Revolution eingetreten sind. �' Man darf auch wesentlich größer loser hätten durchsi«�.......... w Witterung der Arbeiterschaft sie selbst an der vollen Auswiri kung ihrer Kräfte behindert hätte. Wir wollen heute am Ge« denktage der Revolution nicht noch einmal all die Fehler auf- zählen, die von den Linksradikalen gemacht wurden, angeblich um die Revolution vorwärts zu treiben, tatsächlich aber mit der Wirkung, die Revolution in ihrer Entwicklung zu hemmm. Aber auch heute müssen wir wieder mit vollem Ernst und Nachdruck darauf hinweisen, daß die Sicherung d e r R e- publik und ihrer politischen und sozialen Errungenschaften nur möglich ist, wenn die sozialistische Arbeiterschaft, die die Trägerin des republikanischen Gedankens war und ist, sich «ndlich wieder auf ihre gemeinsamen Interessen besinnt und eine geschlossen« Front den offenen Gegnern und den lauen Anhängern der Republik entgegen- stellt. Es bandelt sich nicht allein um die„formale Demo- krvtte". Es handelt sich um die Grundrechte des ganzen Volkes, insbesondere der Arbeiterklasse, die von ihr selbst geschützt werden müssen., Der Revolutionär Weltkrieg Haft« in seinem Ausgang der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft die politische Macht zeit- weilig in den Schoß geworfen. Wenn sie heute aufs neue um diese politische Macht kämpfen muß, so hat sie durch ihre Zersplitterung und gegenseitige Wkümpfung dieses Manko selbst verschuldet. Heute heißt es darum für al/e sozicklistisch Donkenden, die demokratische Republik zu sichern und auf ihrem Boden den sozialen Fortschritt zu erkämpfen. dem als Endziel die sozialistische Gesellschaftsordnung winkt. Der Elektrizitätsstreit vor öem Eitöe. Die vrrhanblungrn über de« Berliner Streik haben den A»«> zen aestrigrn Tag in Anspruch genommen. Tie«bfttmmung über Annahme aber Ablehnung bei Schiedssprüche» ergab, wir»ir in später Abenbftundr erfahre», ungefähr ha» folgende Resultat: 14 000 Personen stimmten für Ablehnung und damit für de» Stert», während 12 000 ihren g eg r n t et li,»» Stand» »» a k t brknadrtrn. Die für de» Streit natwendlg» Zwei- drtttalmajaeität ist als»"'cht erreicht. Mach einer Berliner Lorrrspanbrnz stimmte« die Arbeiter der®«»- und Wasserwerk»«n ihrer großen Mehrheit sür den Schied»» spruch, während dt» S t r a ß r» b« h« er ihn ablehnten. Gestern abend tagt« in der„flilnigSbaok" eine Versammlung der Funktionär» de« Gemeinde, und Ltaatsarbeiterperbande», in de» e» nach un» gewardenen Mitteilungen außerordentlich stürmisch herging. Der Verbandsmstand wußte sich enrrgifch gegen die radi- kalen Elemente zur Wehr setze». Der Vertreter eine» bürgerlichen Blatte», de»«an fälschlicherweis« fift den„«orwSrts"-v«richt- erstatter hielt, sah sich gezwun»e», unter starker Bedeckung besonne» «er Elemente die Versammlung zu perlaffe», um e» nicht«« Tat- lichkeitea kommen zu lasse». Es wurde eine Entschließung erfaßt, in der««« Ausdruck kommt, baß der Schiedsspruch ,» verwerfe» sei»-«cn der Klasssfiziernng der tzlhne, daß dir Arbeiter ans jade L» h n» Verbesserung»or läufig verzichtete« und eine gleich mäfligeLohnzahIungfllralleArbcitnrhmer rrstrrbtrn, die in baldigen Verhandlung»« herbeigeführt werden solle. Danach ist als» zu hosfen, daß Dirnstag abend bereits dir Elek- trizltälsarbriter wieder in ihre«ctriebr zurvckkehrrn, s» daß am Mittwoch früh der Straßeubahnbrtrieb wieder anfgenommenwied. Tie de» verbände der Maschinisten und Heizer angrschlosse, «e» Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerke beschlossen in ihrer Versammlung, hente»ormittag mit her Direk» tio« der Elektrizitätswerk« wegen der Aufhebung de» Streik» zu»erhandeln. Streit in Tegel. gn den gestrige« Nachmtttag«stunden haben die Arbeiter de« städtischen« aller Entichiedenbri« di» Ar« und Weii», wie der Slreit ohne Betraaen de» zuständigen Organisationen und obne Fühlungnahme mit den eng in Mitleiden» schalt gezogen, n Angestellten» und Beamten« gewerkschakten i» dt« Weg« geleitet worden ist. Won« abgesehen davon, daß es durchaus nicht immer erfordere lich erscheint, daß bei Lobnkämpien der Aibeiter die Angestellle« und Bronnen ttir den pcn p! tur»«in Mitstreiken tintuten. spndern daß V'elmehr di» Jnimflen der Arbeiterichast in sehr «seien Fällen besser dadurch gewahr« werden können, daß die An» gestelllcn» und Beanirenichasl im Betriebe bleibt, Halle« wir e» im vorliegenden Fall für ganz unmöglich, unsere Zustimmung zu einem S tz m pa t h i e st r«i k der»n- g« st«lltinundveamt.»«zugeben. Wu warnen unier» Mitglieder, übereilt Slelluncs zu dem jetzige» Streik zu nehmen. Wir werden zur gegebenen Zeit klare An» Weisungen und Richilinien herausgeben. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Deutscher Werk- meifterverhand. Zemraloerband der Angestellten jl«faj. Verband der Kommunalbeamten und-angestellien Preußens. Verband deutscher verussfenerwehrmänner. „deutschlanü ohne den Kaiser." Unsere„nationalen" Parteien versuchen unablässig, d a S eigene Land in den Augen des Auslandes zu diskreditieren. Kübel von Schmutz werden auf unsere Führer gegossen, ohne Rücksicht auf die schädlichen Folgen, die diese? niedrige parteigeschäftliche Treiben für das Ansehen Deutschlands in der Welt haben könnte. Wenn man bedenkt, in welcher Weise namentlich der Reichspräsident, unser Genosse Eberl und seine Familie, von der deutschnationalen Reaktion beschimpft werden, dann wird man erst recht den Wert des folgenden Zeugnisses erkennen, das ein bekannter englischer Politiker. Nocl B ux t o n. in einem Artikel des rührenden linkSkiberalcn englischen Blattes„Manchester Guardian" vom 2. 5!ovembcr ablegte. Noel Buxton gehörte früher der liberalen Partei an und ist während deS Krieges mit einer Reihe hervorragender engerer Gesinnungsgenossen. lvie Ponsonbh. Trevelgan, King und seinem Bruder Charles Roden Buxton zur Labour Party gestoßen. In diesem „Deutschland ohne den Kaiser" überschriebenen Artikel schildert Noel Burron seine Eindrücke von einem Besuch, den er im vergangenen Sommer mit King, Macdonald und anderen führenden englischen Arbeiterpartetlern unserer Hauptstadt abstattete. Darin heißt eS«. a.: „Pdch ein entsetzlicher Wandel— vom konservativen Stand» fünf: betrachtet l gibt keine Schutzleute und Soldaten mit glitzerndem Helm mehr zu sehen... Die großen Häuirr in der Wilkelmftraße, einst der Sitz der Mächtigsten, weisen nur noch Be- dienstete' ohne Livree ans und ballen vom Geklapper der Schreib- Maschine wieder. Jene? Palais mit lieblichen Gärten, die sich nach dem Tiergarten zn hinstrecken und einst der Sitz des kaiserlichen Hmlöministeriums war, wird jetzt von Ebert bewohnt, dem früheren Sattler, dem bescheidenen und herzlichen Freund unserer Arbeiterdelegierten auf den internationalen Sozialistenkongresien. Wir betraten in Begleitung von Führern der mehrheiissozialistischen Partei das Hau» durch die Gartentür, von keinerlei Schildwache nnge.iisen und genossen die reizende Gostfrenndschnsr des Sattlers und seiner Frau, deren Würde als Gastgeberin von keiner Kaiserin »er Vergangenheit überrroffrn«erde» kann. Und b»i einem einfachen Tee besprachen wir mit sozialistischen RcickStagSmitgliedern— ein» schließlich einiger sozialistischer Frauenabgeordneten, die sich um da» Hilfswerk für hungernde Kinder bemühen— die dringendsten Probleme deS sozialistischen Deutschland»." Manche Konsistorialrätin wird wohl bei dieser Kenn- zeichnung des Haushaltes unseres Reichspräsidenten in Ohn- macht fallen, und es sei deshalb noch hinzugefügt, daß die Brüder Burton, was Hofton und Sitten anbelangt, durchaus kompetente Zeugen sind, denn sie waren einst als beste englische Kenner des Balkans„psroona« gratissimae" an den Höfen der Halbinsel, namentlich an jenem des Zaren von Bulgarien, wo die strengste Etikette herrschte. Des weiteren schildert Buxton einen Besuch beim Reichs- tagspiäsidenten. Genossen Paul Löbe: „In einem anderen Berliner Palais, in der Residenz des ReichslagSpräsidenten, waren wir beim neuen Präfidenten Löbe zum Essen eingeladen, der in den Kreisen unserer englischen Ar- beiterparieien so gut bekannt ist. Die Schatten der. früheren aristokraiischen Präsidenten müssen Grauen empfunden haben, als sie Jeugen dessen waren, wie unsere Gruppe von englischen sozia- listischen Abgeordneten in dertrauier Weise mit den Dienern sprach, von denen einige mit Vergnügen den englischen Gästen ihre Kenntnisse der englischen Sprache zeigten, die sie in Londoner HotelZ erworben hatten." Und nun zur Belehrung jener ewig Unzufriedenen, die „diese" Republik für nicht wert halten, verteidigt zu werden, und die sich mit einem Räte-Deutschland unter Eichhorn, Koenen und Kurt Geyer an der Spitze befreunden wollen, >in noch folgendes Schlußurteil BuxtonS über die deutsche Revolution wiedergegeben: ..Von den vier Revolutionen, die ich gesehen habe, er- scheint«ie die dentsche die einzige, die ans einer gesunden Grund- lag« beruht. Dort hat man eS nicht zu tun mit einem unbestSn- digen Volte, sondern mit einem Volke, welche» selbst in Revolution»- zeiten seinen Sinn für Bildung bewahrte. In Berlin während der heißesten Augenblicke deS Kampfes, achteten jene, die den Verkehr an dem- großen Straßenkreuzungen in Abwesenheit jeglicher Polizei überwachten, darauf, daß kein Wagen entgegen den Verordnungen fahre. In Leipzig, wo die.Ehrentafeln" unmittelbar hinter den Toren des UniversitätSgcbäude» die Spuren von Gewehrkugeln auf« weisen, wurden zweistündige Pauien in den Straßenkämpsen ange ordnet, damit die Hausfrauen ihre Einkäufe besorgen konnten. So sieht diese Revolution au», von der wir stets bebauvteten, sie hätte uns berechtigt, einen wirklichen Frieden mit Deutschland zu schließen und diese» als eine» veränderten Staat zu behandeln. Im Lichte der Vollständigkeit dieser Revolution ist eS geradezu ein Unglück, daß wir die Revolution schwächen und unser Wort brechen, indem wir Deutschland genau so behaudelo. al» bestehe der Kaiseri»««» immer noch" Die einzige Rettung für Deutschland liegt tatsächlich in dem weiteren Umbau seiner demokratisch-republikanischen Einrichtungen. Ein Rückfall in die Reaktion würde uns nur den alten und berechtigten Argwohn des siegreichen Auslands eintragen und uns um die kostbaren Freundschaften bringen, die uns die deutsche Revolution gewonnen hat. Nur die Republik kann uns die Revision von Versailles der- schassen, und je demokratischer und sozialistischer unsere Republik ist, desto mächtiger werden im Auslande die Stimmen zu Deutschlands Gunsten ertönen. DaS sei die außenpolitische Lehre des 9. Novembers, deS zweiten Jahrestages des Sieges der-Republik. Einem tzelöen ins Stammbuch. Vcm besonderer Seite wird uns geschrieben: In der Reichstagssitzung vom 28. Oktober rief Gros Westarp crus:„Herr Scheideinann sagt, wir hätten uns nach dem 9. November 1918 feige ins Mauset«!? verkrochen. Dieser Vorwurf berührt uns nicht." Die stolzen Worte des Herrn Grafen veranlassen uns, der Oeffentlichkeit eine ihr bisher nicht bekannte Geschichte zu erzählen. Unter den d eu t sch ko n se r va t i den Führern des alten Reichstages gab es einen Mann, der wie alle Menschen, die auf dem Wege zur Bildung nur eine kleine Strecke zurück- gelegt haben, zwischen politischer Gegnerschaft und per- sönlicher Feindschaft keine Grenze> zu ziehen wußte. Jeder Sozialdemokrat war in seinen Augen eine intellektuell und moralisch minderwertige Persönlichkeit. Er ehrte deshalb, wo er konnte, die sozialistischen Abgeordneten durch Zeichen der Geringschätzung. Unsere Genossen mußten also ohne seine Achtung leben, cr übrigens auch ohne die ihrige, denn sie hatten von dein persönlichen Mut, den er in Worten für sich in Anspruch nahm, keine übertrieben hohe Vorstellung. Seine Vorliebe dafür, mit Kraft zu protzen, die cr z. B- in der Zaberndcbatte durch die Worte:„H e r r G o t t wenn ich noch Landrat wäre!" bewies, erinnerte sie stets daran, daß schwache und ängstliche Lebetvesen aus dem Tierreiche, um sich dagegen zu schützen, daß sie als solche er- kannt werden, die Stimme oder die Farbe eines gefährlichen Tieres annehmen. Wenige Tage nacki dem 9. November 1918 erschien der deutsch-konservative Führer bei einem der sozialdemokrati- jchcn Dolksbeauftragten. Es war eine gründliche Ver- ändern ng an ihm zu bemerken: er zeigte nämlich Manieren. Indessen war cr nicht gekornmen, um zu be- weisen, daß er die Wohltaten winer guten Kinderstube ge- Nossen hatte, vielmehr war de? Zweck seines Besuches, sich hei dem sozialdemokratischen Fütsser zu erkundigen, ob dieser imstande sei, sein k o st b a r e s Leben zu sichern. Als der Volksbeanftragte erwiderte, cr könne zu seinem Bedauern die von dem Anderen gewünschte Garantie nicht übernehmen, da auch sein eigenes Dasein nicht gegen die Gefahr der Vernichtung gefeit sei, sagte der tapfere Konservative, er wolle dann Berlin verlassen' November an öer Zront. Von HanS Bauer. Um den 1. Swvember tvl« herum an der Front..... GA ging etwas vor. Allenthalben merkte man e». Wagenkarawanen schliffen sich wie eine 100 OOOgliedrige Kette ununterbrochen durch die Straßen. So viel Leben hatte man nicht einmal zu Ofsenssvzeiten gesehen. Zeitungen erschienen nicht mehr. Die Regimenter wechselten von Stunde zu Stunde ihren Standort. ES ging etwas vor. Räumung? Friedensverhandlungen? Man wußte nicht. Aber eS ging erwoS vor. Etwa» ganz Großes. Gerüchte schwirrten zu Tausenden. DaS Infanterieregiment IS hat..- In Cbarleville..... Auf offener Straße ausgepfiffen... Den Kronprinzen. Jawohl..... Blutiger Bürgerkrieg... Offizier? verhaftet.. � In Kiel... Mein lieber Mann... In Kiel haben sie sogar... Die rote Fahne über französisches, Schützengräben... Wir Werdens doch wohl wissen. Wir kommen direkt von Rethel... Diese Rächt noch... Wilson... Ja, und Foch... Keiner wußte Genaue«. Ran lächelte bei allen Erzählungen nniuäiibig. Man war doch lein Neuling mehr. Man kannte doch den Schwindel. Aeußerstes Mißtrauen war seit langem die beste Klugheit der Soldaten geworden. Aber immerhin... Immer» hin: S« ging etwas vor. Und da war man schließlich gestern selber dabei gewesen, wie Licht aus! Messer raus! Haut ihn! von irgendeinem gerufen worden war, der e« dann freilich nicht hatte gewesen sein wollen,... wie da« jedenfalls laut und deutlich ge- rufen worden war, al« der Oberst von den lOSern die Kantine betreten hatte. Das Herz war in Aufruhr. Abends wurde noch Skat gespielt, noch von Weibern erzählt,, noch Tabak gepafft. Es wurde noch getan, nl« sei alles am Alten. Aber eS war nicht mehr alles am Nlten. Irgendein neuer Wind wehte. Irgend etwa« bereitete sich. Irgend etwas wurde geboren. DaS Herz war so in Aufruhr, daß man abend» nicht einschlafen konnte. Der ewige Wechsel zwischen Front und Ruhestellung, diese ewige Ungewißheit, ob man morgen nicht von einer Fliegerbombe oder einer Granate in Fetzen ge» rissen lag, diese ewige, ewige Unterordnung unter Offiziere, die in der Kantine, auf der Bahnfahrt, beim Arzt, die seit vier Jahren überall und überall besser at«»die Kerle' dehandelt wurden, die sich besser kleideten und besser wärmten, die ssch besser gegen Kugeln� schützten und einen besseren Unterstand, vorn und hinten ein benere« Ouariier hatten, die besser schliefen, besser aßen und besser.. und einen besseren Abort hatten als unsereiner, dieke ewige, ewig« Unterordnung, die wäre am Ende nun bald vorbei? Alle« wäre am Ende nun bald vorbei? Krieg. Heimatentferntheit, olle» Leid, alle Oual? ilnd einmal kam der Tag der Gewißheit: ja. Revolution! Revolution! Reden wurden gehalten. Furchtbar schwülstige. ES wimmelte von Morgenrot, Auferstehung, Bruderlichteit. Freiheit! Und da» war recht so. An diesem Sonntag der Seele wurde Wein gebraucht. Dazu waren die großen Worte schließlich da, daß sie an solchem Hochtag rauschten. Ss war«ine Stimmung wie 1914. Rur mit umgekehrten Vorzeichen. Damals: Laßt uns hassen! Hoch der Krieg! Deutschland über alleSl Damals: Bluttaumel/ Mord- geflnnung. Fenftereinschmeißen. Jnstinktwüten. Diesmal: Der Haß fei zu Ende I Heiliger Friede l Menschheit über alle?! DieS- mal die große Hoffnung, die Seligkeit über die Erlösung an« Grabendreck und Todbedrohtheit. Au« den Zügen wehten rote Fahnen. Die LandeSkoiarden wurden abgeriffen. Durch die Straßen der Städte ging man nicht mehr umgeschnallt. Die Offiziere grüßte man nicht mehr. Aeußerlichleiten waren die«, Kleinigkeiten und zum Teil Kleinlichkeiten. Aber in was anderem hätte sich auf den Marschstraßen nach Deutschland der Umschwung ausprägen können? ES wurde nicht totgeschlagen und ins Gefängnis geworfen. E« wurde nicht geplündert und angezündet. Die Frontrevolution von l9lS war eine Edelrevolution. Ihre Ursachen und ihre Wir- kungen sollen hier keine Rolle spielen. Der Geist de« unmittelbaren revolutionären Geschehen« an der Front war saiiber und rein. Gerade deshalb vielleicht, weil er verschwommen und zielunklar war. Weil er keine festen, scharf umrisseneu Vorstellungen von dem politisch und sozial zu Fordernden hotte. Es ging ihm um Be- seitigung jener verfluchten Unterscheidung in Charge und Muichkote. E« ging um Beseitigung dieser ewigen Recbilofigkeit. Zurück- gesetztheitz Unfreiheit, mit der der einfache Soldat geschlagen war. ES ging ihm um da« Los von einem Kriege, dessen Ziel keiner mehr verstand. Es ging ihm um ursprünglichste menschliche Wünsche. Jenev Geist war wirtlich ein Geist. Wer'« be- wüßt draußen miterlebt hat. weiß e«. In den Herzen der Empörer war wirklich Erhebung und Sehnsucht. ... Erhebung und Sehnsucht, die dann nicht ausreichten. Nicht ausreichen konnten. Denn mit Erhebung und Sehnsucht kann man wohl ein« Revolution beginnen, ober nicht vollenden. Immerhin: Was au» der Glut jener Tage auch ward: Lauheit und Verdrossenheit vielleicht hier. Streberei. Schreiertmn und Haß- gesinnung vielleicht dort: Seien wir stolz auf jene Tage! Sie waren ein Beginn! � Der 9. November im?ugenöhort. Von Frieda Rudolph-Staubitz. Schon izwri, drei Tage vordem war ti unruhig in unseren Straßen und in den Köpfen meiner fünfzig Horibuben. Die Großen wußten es ganz genau: e« gibt etwas, etwa« Unnenn- bares. Die Kleinen verbreiteten eifrig diese gebeimnisvolle Bot- Ctoenn wir nicht irren, mit dem Rerseziel Westpreußen), ob .dagegen etwas einzuwenden wäre. Der So- zialdemokrat antwortete, daß er an dem Verweilen des an- deren in Berlin durchaus nicht interessiert- sei. Nun rückte der konservative Führer mit dem Wunsch heraus, daß der Sozialdemokrat ihm einen Geleitbries au? den Weg geben möge, damit er erforderlichenfalls Ar- heiter- und Soldatenräten gegenüber geschützt sei. Der gut- mütige B olksbeauftragte erfüllte den Wunsch des vor- .fichtigen Mannes, und dieser entfernte sich vergnügt. Hat Ihnen der Brief auf Ihrer Reise ante .Dienste geleistet, Herr Gras Westarp? Die(drgesch in tzeffen. Kassel. 8. November.(Eigener Drafjibeächt de�.Vorwärts".) linier der Heberscbrift:.DaS Verbrechen wider den staal" schreibt da«.Kasseler Bolksblatt": Die Orgesch in Hessen ist bekanntlich der.JungdeiNscbe Orden", der seinen Sitz in Kassel bat. Der Jungdeutsche Orden bat im September und Oktober eine sehr lebhafte und eifvlgreiihe Agitation entfaltet. Das Land wurde durch die enge Veibindung mit den Bauernschaften Kurhessen und W a l d e ck ge- Wonnen. Di« turheisiiche Bauernschaft hat über 90 000 Mitglieder. Auf der Sitzung de« BezirkSverbandes am 22. Oktober erklärte der Borfitzend« der Bauernschaft KurbesienS. Herr Kapp(nomen est omen. Anm. d. Rcd.), daß die Zeit gekommen sei, den Anschluß der Bezirkebauernschaft an die Orgcsch bzw. den Jungdeuischen Orden in aller Oeffentlichkeit zu erklären, und man beschloß ein- stimmig OraamsimNig des Selbstichutzes und den Anschluß an die bestehende Selbstschutzorganisation für lkurhesscn. Wie eng aber inzwischen bereit» dieie Verbindung zwischen Bezirkebanernsckast und dem Jungdeuiiche» Orden geworden ist, das erkennt man aus der letzten Nummer der.Hessischen Bauern- zettung", dem Organ der kur hessischen Vauernschast, in der auf jeder Seite sür die Orgeich Propaganda gemacht wird. Und da» lr og de« Verbote« des Oberpcäsidenten! Wie die Brücke aussieht, die Herr Maraun zwischen Stadt und Land schaffen will, zeigt folgender Aufruf in der.Heisischen Bauern, eilung": In unserem Bezirk sind drei GeHöste angezündet worden. Wißt ihr von wem? Bauern Kurhessens, wollt ihr euch willenlos mit gefellelten Händen dem Terror ergeben? Nein! Dan» hinein in den Jangdeuischrn Orden! und aus der 4. Seite noch deutlicher: Bauern, denkt an den Roten Hahn auf dem Dach. Selbst- schütz als' Notwehr l Dazwischen steht noch ein Aufsatz:.Was will der Jungdeulsche Orden?" abgedruckt. Der Jungdeutsche Oxden ist aber nicht das einzige Glied der Orgesch in Hessen-Nassau. Vielmehr wird in eben dieser Nummer der.Bauernzeitung" auch für den.Groß-Hessiichen WirtichastSbund" auf Grundlage der Organisation Escherich Reklame ge- macht. Er bezeichnet sich als»Gewerkichait der Bürger und Bauern" Die Mitglieder werden zur Abwehr eine» eventuellen p r o l e- tarischen General st reik« aufgerufen. Von führender Seite wird erklärt, daß der Bund bereit» eine derartige Macht sei, daß er ein gewichtige» Wort mit in die Wagschale werfen könnte, sobald eS darauf ankomme, das Vaterland.zu erhalte» und aufzubauen". Die Preisetätigkeit der Orgeich beschränkt sich nicht allein auf die Herausgabe eigener Zeitungen, wie die Zeitung de» Fungdeutschen Orden», sondern von einem Zentraldureau in Berlin gehen Korrespondenzen, wie.Der Aufbau" und.Heimai und Herd". auS und überfluten die kleine Press». Die Ar Ittel dieser Korrespondenz werden gern genommen, sie erscheinen harm* los und kommen der Stimmung der Bauernschaft schlau ein- gegen._ Landtagswahle« in Koburg. Ruch einer Meldung auS Koburg wurde bei den Landtagswahlen und obrrsränkischen KrcisiagS- wahlen im ehemaligen Freistaat Koburg am Sonnlag je ein Abgeordneter der vereinigten Rechtsparteien, der Demokralen und der M e h r h e t l» s o z i a l i st e n gewählt. schaft, aber der Krasler fand die Formulierung:.Friede giebl»- Mci Balier hat geichr ebe, in acht Tag war er daheim." � Fried«! Wir haben schon ganz vergessen, welch heilig Glühen dies kleine Wort in unseren knegszerwühlten Herzen entfachte. Meine Hortbuben gaben eS in hundertfachem Glanz zurück. Wir haben» un» köstlich ausgemalt, wie eS dann wird. Nur meine kleine patriotische Gehilfin wußte es besse»: .Roch sechs Wocken aushalten und wir haben gewonnen." Flammender Protest der Buben: ,Mei Votier muß heim, die Mmler scharst's nit mehr".—„Unfern Ludwig brennt durch, wenn. er nit heim derf."—.Dann gibt's aach Widder zu esse." DaS rief natürlich unser unersättlicher Sepp und damit behauptete er da» Schlachtfeld. Meine Gehilfin war überstimmt. Nie herrichte eine größere Einigkeit unter den Fünfzig,, wie in diesen Tagen. Am anderen Tage kam unser Georg atemlos, in den vor Auf- regnng zitternden Händen einen zertiitiierten Zettel„Mörse geh,'» loS. Die Arbeit werd niedergelegt. Hier!" Es war eine Auitorde- rung zu einer Massenversammlung sür den anderen Tag S Uhr. „Da geh'n wir mit!" Es war, als hätten es alle gerufen. Ich wollte abwehren. Mitleidig lächelnd schauten sie mich an. Aber als Hortleiterm hatte ich die Pflicht, schon im Interesse der Sicher- heit, die Kinder in der Schule zu veriammeln. Wir wollten nachher hingehen und hören, wie es ausgegangen, vermittelte ich. Sie nickten und einige redeten in sich, hinein. Meine patriotische Gehilfin hatte ein patriotisches Radikalmitlel:.Wer morgen nicht pünktlich im Hort ist, bekommt kein Brot". Da brach ein Stnnn los:.Mir wolle kaans!"—.Mir brauche loa Brot!' Ich löste die schwierige Frage mit einem Lacken:.Buben, wir wollen ctst, mal Morgen weiden lasien". Damit trollten sie ab. Einige von den Kleinen waren doch� geiornmen. Emil, der Hauptheld, versicherte sogar:„Es dät deschoss« wer'n." Jcv überließ sie dtzr Gehilfin und grng merne Buben lucken. Ei» Meer von Menschen wogte auf dem freien Platz, rote Fahnen wehren, vier Redner standen auf ihren Tribünen: Friede, Freiheit. Brot! Ein unterdrückter Pfiff von oben, richtig, da saß der Kraster mit zweien aus dem Banm und wies seitlich, da hing die Hülste meines Hörles auf dem Kriegerdenkmal und den dort aufgestellten Kanonen. Ich schaffte mich mübsam durch da« Menschengewoge und traf oben am Platz an den Mauervorsprüngen des Postge'dSudeS wieder eine Gruppe metner Hortbuben. Mit ausgereckten Hälsen lauschien sie zu dem Redner hinüber. ES wurde nicht.geschossen", und ich ging in den Hort zurück, schnitt, sehr zum Verdruß meiner Patriotm. 38 dicke Stücke Brot herunter und stellte den Tee gut beiß. Endlich kamen sie an- gestürmt, glühend, sprühend vor Erregung:„Wir habe mit- gestimmt."—.Eine Republik krige nrer. der Kaiser werd abgesetzt.!" Ein SchreckenSIaul unterbrach den Jubel:„Ja. ihr werdet den Kaiser absetzen."—.Ha! Hai Der K. vom VolkSblalt hatr's gesagt.".Och du. der U. waaß e» doch besser: Kaan Troppe Blut darf mehr fließe."— .Sei doch still, der uniern Hot gesagt: mir hätte jetzt zu tage. So lang der Kaiser noch do is. gibt'S Ida Friede."—.Da Batowe wir all die Hand gebowe— Wir auch— Wir auch."—.Unie bot ge- sagt: Jawohl, nur die Hand hoch, ihr Bube. Ihr sollt net 1n so e Elend komme. Zuletzt hawwe wir alle„Hoch" geschrree und d-s FreiheNSlied gesunge."—.Ja, könnt Ihr denn das?' Und»och Nr. 552/553 ❖ 37. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Dienstag, 9. November 7920 Mf zum Glück! Vzr'z nur ein Craum, der uns entflammte, uns feeihelt, Glüclt und Glanz verylek, mar'» nur der Jllaffenfcljnfuditsfdjr.I, der leldectltaromtc, der eine alle, worlche v-lt zum God verdammte. mar's nur ein leerer K'adn, das friedensparadles, den Crdennot und Schidilalssautt zerriß? frag' nicht! Cs haben uns die fluchbcfchwertcn Lallen der fiterwund'nen Zeit noch einmal in den Staub gedrMt. Du kennst die Not. den Kampf, das Nimmer- Kuhn und-kalten. Crbiti'rung, fiiutichrel, das verbohrte halten und das lucherllche Caften nach Glilck. Vir haben aus der Nacht zum Licht emporgeblickt. doch leinen Strahlenliern zu lallen, ilt uns nicht geglückt. Noch nickt! fünf Zahpe lo in nackte Not und Leid getragen, Da lteht kein Volk verjüngt und paradieiilch auf. Nein lkachtmortbanntden Hunger aus den ichattendunkienLtlidten! 0, daß mir Jene furchtbare Gewalt lchon überwunden hätten: Bus Gräbern. Lrümmerbergen, GlendhSHIen lteigt lie noch herauf in unleren Lag und bändigt unleren Siegeslauf i herrlich war der Keginn. Die flamme lohte. Das enthüllte Bntiitz der fernsten Zukunft iay'n wir einen Bugenbllck. Vir kämpfen weiter, wägend das erfüllte und das Qnerfflllte, und tragen durch die leidbelchwerte, kampfdurchtobte, aufgewühlte Zeit unler Ziel: Vorwärts und kamplentlchiollen auf zum Glück!! _ Hang Gathmavn. I„»spannt, wie fie uni« Sriilleneieu»»uSb-illen werden. Ludendorff einen Angriff übereilt, obschon Unsere Leute sind in der beste««timmuna. Trotzdem seine Untergeneräle das Unternehmen für aussichtslos halten wird die Sacke ickwieriq sein, denn wir miisien ein sumpfiges von usw. usw. Luöenöorffs Schulö. Zum v. November. General von Bernhardt ist einer der bedeutendsten alldeutschen Schriftsteller vor dem Kriege gewesen; seine Schriften haben eine außerordentliche Verbreitung, namentlich auch im Ausland, gefunden und viel dazu beigetragen, die Stimmung gegen Teutschland zu verschärfen. Während des Krieges ist General von Bernhard!, der mehrere Jahre vorher zur Disposition gestellt worden war. wieder ins Heer eingetreten, und hat an verschiedenen wich- tigen Punkten Teile des deutschen Heeres kommandiert. Vor kurzer Zeit hat er nun ein Erinncrungsbuch heraus- gegeben, das den Titel führt:.Eine Weltreise 1911/1912 und der Zusammenbruch Deutschlands, Eindrücke und Betrachtungen aus den Jahren 1911—1914. mit einem Nachwort aus dem Jahre 1919"(Leipzig. Verlag von Hirzel). Das Buch ent- hält vielerlei, und dieses Vielerlei ist von sehr verschiedenem Wert. Wir wollen hier nur einiges herausgreifen, was für die Beurteilung heutiger Politischer Zustände nicht ohne Be- deutung ist. Auf den Seiten 216 st. des dritten BaudeS schildert Bernhard! einen Besuch bei Hindenburg. den er am 24. und 25. Februar 1918 in Kreuznach abgestattet hat. Daran schließen sich Tagebuchnotizen über schwere Kämpfe im Westen. Bernhardt hat bei diesem Besuch im Febntar 1913 mit dem Gencralfcldmarschall von Hindenburg allerlei m i l i- t ä r i s ch e und politische Gespiöche geführt, aus denen er unter anderem mitteilt: .Im ganzen war ich mit ihm(Hindenburg) i« allen politischen Tingen eines Sinnes, nur glaubw ich, daß«in baldiger Kanzlerwechsel unbedingt nötig sei. weil es sonst leicht zu ipäl sctn könnte, um politisch andere Wege besonders im Innern zu beichrerien. Hindenburg dockte in dieser Hinsicht optimistischer als ich, und er war gewisiermahen berechtigt dazu, denn er tonnte hoffen, doh e« ihm bald gelingen werde, durch einen flegreichen Angriff den Dingenein« ganz andere Wendung zugeben. Die Frage, wie weit die sozialistische Propaganda vorgeschritten s«i, wurde nicht berührt. Aeutzerltch erkenn- bare Zeichen für da» Umsichgreifen derartiger An sichten waren wenigsten« sür den Soldaten nicht vorbanden. Sie haben sich erst später entwickelt, als das deutsche Volk erkennen mußte, daß aller Heldenmut nicht«ehr ausreiche, um eine» entscheidende» Sieg zu erringen.- Bemerkenswert ist in diesen Ausführungen die Mitteilung. daß die Frage, wieweit die„sozialistische Propaganda- vop geschritten sei. zwischen den beiden Generalen überhaupt nicht erörtert wurde. Unter„sozialistischer Propaganda" versteht Bernhardt natürlich die Agitation des Spartakusbundes und der U.S.P.D an der Fr o n t. Sie erschien zu jener Zeit also so unwichtig, daß sie in dem Gespräch zwischen dem Ver antwortlichen Führer des Feldheeres und einem im besonderen Sinne des Wortes politischen General überhaupt nicht auftauchte! Weiter aber ist bemerkenswert, daß Bernhardi selbst sagt.„dcrartigeAnslchten"(d. h. also pazifistische Agitation. Deser- tion u. dergl.) hätten sich erst später entwickelt,.als daO deutsche Volk erkennen mußte, daß aller Heldenmut nicht mehr ausreiche, um einen entscheidenden Sieg zu erringen". Diese Darlegungen, die den seelischen Z u s a m m en- b r u ch des deutschen Heeres, oder wenigste, is größerer Teile von ihm. auf die ganz richtige Ursache zurückführt, stehen im schroffsten Gcgeniatz zu der Behauptung, dem deutschen Heere sei von der Heimat der Dolch in den Rücken gestoßen worden. Aber warum mußte denn das deutsche Volk erkennen, daß aller Heldenmut keinen entscheidenden Steg mehr erringen könne? Aus diese Frage, die eine Frage nach der Qua- lität der Führung des Heeres ist. gibt Bernhard' selbst eine bemerkenswerte Antwort. Er sckreibt keine Go schichte des Krieges, schildert bloß, was er selbst erlebt hat. und fügt in seine Acußcrungen fast ohne Kommentar Tage- buchnvtizen ein. die sich auf die Schlacht von ArmentisreS (Anfang April 1918) beziehen. An dieser Schlacht hat Venu Hardt als Führer selbst teilgenommen. Hören wir ihn: 1. t. 18..Wir orientieren uns und bereite« den Au- griff vor." 8. 4. 18..Ick bin mit«einer Truppe an entscheidender Stelle eingesetzt und hoff«, daß wir wie ein unerwartetes Donnerwetter über die Kerl» herfallen werden. Bor uns stehen Portugiesen- Da« werde« wohl teiac allzu ßreße» Her,-» fei». Ich bis nicht ganz unbe- wollen sehen, wie und meine?iff- vielen Gräben durchzogene« Tiesland und zwei deutende Flüffe im Kampf überschreiten. Na die Sache geht. Ich bin guten Mutes zier« auch." S. 4. 18..Da« Vergasen hat beute nacht um vierelnvieriel Uhr begonnen. Um 7 Uhr ioll ZerstörungSfeuer losgehen. Gegen 8 Uhr kommt die erste Meldung, daß die feindlich« Artillerie fast gar nickt antwortet. Auch das Be- reiistellen der SngriffStruppen ist glänzend verlaufen. Von den Nebenabschnitten liegen die gleichen günstigen Nachrichten vor." 1Y. 4. 18..Der Angriff gcstcrn ist nicht glatt verlaufen, wie ich gebofft hatte. Die ersten drei Siellungen de« FeiudeS sind freilich genommen worden. V« find Gefangene gemacht und(Be- schütze erobert: aber an der Lave. die in die Lys fließt, ist der Angriff inS Stocken gekommen." 13. 4. 18.»Im Laufe des Tage« mußte die IS Division etwa« zurückgenommen werden, weil sie vom Norduker des Kanal« Alankenfeuer bekam. Sie konnte ihren Angriff nicht fortsetzen. Dementsprechend mußte auch die 1. bayerische angehalten werden. Sie hält mit dem linken Flügel den Wald von Pacaut, wo sie an die 18. Meservedivision anschließt. Immerhin hat sie 10 Geschütze aenommen. Auch die 8. bayerische ist nicht recht vorwärts ge- kommen. Sie hat zwar Le Sart und die Ziegelei westlich davon genommen, wird aber von Nordwesten her au« dem Walde bedroht. Die 8. Infanteriedivision hat ebenfalls nur geringe Fortschritte nach Norden gemackt. Die Engländer haben sich auf der ganzen Front wesentlich verstärkt." 14. 4. 18.„Keiu glückliche» Tag. Di« 8. Infanterie- und die 8. bayerische Division kommen mit ihrem Angriff nicht recht vor» wärt», weil ihre Angriffs- u»d Grfechtskrast völlig«rschövst ist. Die 48-. die den Hauptstoß führen sollte, gewinnt ebenfalls kein Gelände, weil die Artillerie der Infanterie fcheinbor nicht genügend vorgearbeitet hat. Auch war die IS. Dwiffon. die recht« vorwärts ge« staffelt von un« angreifen sollte, von der Armee angehalten worden obue baß wir Kenntnis davon erhielten, kurz, wir kamen nur auf dem äußersten linken Flügel etwa« vorwärts. Auch dir Armee fleht jetzt ei», daß wir viel zu schwach sind, um den Nieppe-Wald zu nehmen." 1V. 4. 18.»Früh kahre ich zu meinen drei DivistonSkomman deuren. um mich persönlich von der Lage zu überzeugen. Nach de«, wa« ich vorfand» verzichtete ich auf jede« weiteren Angriff." IS. 4. 18.»Morgen soll der geplante Angriff beim IS.»nd S. bayerischen KorpS ausgeführt werden. Welche Gründe für dtete Eile bestehen, weiß ick nickt. Zuerst war der 18. in Aussicht genommen, aber Ludendorfi bestand auf de« 17. Ich fürchte, die Barbcreituugen werde« übereilt fein. Auch geht der ganze Angriff ohne Schutz der bedrohten linken Flanke exzentrisch au«- einander, anstatt alle Kräfte gegen den enticheidenden Punkt— Richtung gegen daS. Trappistenkloster— einzusetzen. Gleichzeitig soll der Angriff gegen die Höhen von HingeS und Bernanchon und gegen Feftubert erfolgen, wie mir scheinen will, mit zu schwachen Sröftr» und ohne genügende Sicherheit der bediohten rechten Flanke. Wrr bleiben urtterdeS. defensiv vor den großen Waldungen stehe«, die Hazebropk decken;. mir will das alles nicht recht gefalle«." 17. 4. 18.»Abend«, erhielten Nur die Nachricht, daß der« n- griff de« 10. und 8. bayerischen Korp« vollständig gescheitert sei, wie ich»arauSgesehr« hatte. Er war übereilt angesetzt und»»cht gr»ügead vorbereite«. Man kannte die feindlichen Artillerie st ellungen nicht und konnte sie daher auch nicht vergasen. Traurige llrbereilung! Ludendorff soll ober nicht länger haben warten wollen. Auch der Angriff gegen den La Basiee-Kanol gegen Hinge« und Bernanchon ist gescheitert, wie vorauszusehen war. da er im feindlichen Flanlenfeuer durchgesührt werden mußte Unnütze Verluste l" 19. 4. 18.»Die 8. Infanterie« und die 3. bayerische Division find verbraucht und löuneu zum Angriff nicht mehr verwendet werden." 20.4.18.»Ich fahre am Vormittage zu der 8. Infanterie- und der 8. bayerischen Division, um mich von ihrem Zustand zu über- zeugen und den weiteren Angriff mit ihnen zu besprechen. Sie habru furchtbare Verlust« gehabt und leiden noch immer in der außer-- ordentlich ungünstige« Stellung, in die sie uusere»rweeführung ge- bracht hat. Wer eigentlich in letzter Linie an dem ganzen Unglück schuld ist. kann man von hier aus schwer beurteilen." 2t. 4. 18.»Im Laufe de« Tages kamen die Anordnungen sür die Verteidigung. Dl« beiden 8. Divisionen weiden herausgezogen und durch die 4. Infanteriedivision ersetzt. Aus unserem rechten Flügel wird mein Abschnitt duick einen weiteren, den der 39 Di« Vision, erweitert. Ja dieser uagüllstige« Stellung solle» wir uu» eiodauea, den Nieppe-Wald unmittelbar vor der Front, recht« und link« aber»o» feindlicher Artillerie fiavkiert, die an» schwere Ber- lust« beibrwgt.". 82. 4. 1918.»In der Nacht stark« Bombenabwürfe und Be- schießung. Am Morgen wollte ich zur 39. Division fahren. ES kam die Nachricht, daß der Kaiser herkäme, um sich da« Trichter- geländ« anzusehen. Schließlich fuhr er nur durch und sprach nur «in paar Worte mit mir, war aber sehr liebenswürdig. Auch Quast — der Armeeführer— kam durch. Ich Pellt« ihm dir Schwierig- teltr» uuserer Lage vor. Er trug, ob wir durch feindliche Flankie- rung Verluste hätten. Ich iagte natürlich hauptfächlich durch diei«. Er meinte, daro» fei nichts zu ändern. Die Höhen von Hinges und Bernanchon, um die es sich hauptsächlich handeli. könnten nickt genommen werden. Dann werden also unsere Divislonc« all- mählich ausgerieben werden, denn eingraben und sickern könne» sie sich nicht. Da» Gelände bietet leinerlei Sckutz. und eingraben können sie sich auch nichr wegen des GrundwasierS. Luch ein' Ver- seuchen des Wäldes mit Gelbkreuz hilft nickt«." Mit diesem Uebergang zur Defensive war die Angriffs- tätizkeit der von Bernhardi kommandierten Truppen beendet. JedeS Wort aus seinem Tagebuch, das wir angeführt haben, ist ein vernichtendes Urteil über die d e u t s ch e H e e r e s l e i t u n g. Ludendorff, wie auch der Armeeführer Quast, wie endlich der Kommandeur der HeereS- gruppe, der Kronprinz von Bayern— von dem schattenhast austauchenden demschen Kaiser gar nicht zu reden— haben mitiaptt ihren Stäben offenbar die Uebei ficht und die Einsicht tu die Lage unseres HeereS damals schon verloren gehabt. sonst wäre eS ganz unmöglich. daß ein Genoral wie Bernhardi nicht mit äußerster Energie auf eine Verbefferung seiner Stellung gedrungen, daß ein General wie Quast über die furchtbaren Betlüste durch feindliche« Flankenfeuer einfach mit der zynischen Bemerkung hinweggegangen wäre,.daran sei nichts zu ändern", daß Bei einer solchen Heeresführung mußte allerdings das deutsche Volk einsehen, daß trotz allem Heldenmut des»ge- meinen Mannes" der Krieg nicht zu gewinnen sei. Und»ach- dem diese Erkenntnis durchgedrungen war, ergab sich alles übrige wie von selbst. WLrtfiHcrfi Der Pia« des Rhein-Ntcki»r-Doua»?KaoalS, Nachdem durch die R a t i o n o l v e r s a in m l u n g für den Ausbau des N�ckar-KanalS als Wasierstraße für lLOO-Tonnen-Schiffe »nd-ur Krastgewlnnung den M a n n h e i m bis Pl och in g e n 10 Millionen bewilligt worden sind und Z3 Millionen ouS der Rodert-Bosch-Stiftung zur Versugimg stehen, ist die Finanzierung dieses wichligen Kanalbaues erleichtern zumal hier der verkehrSwirtschattliche Gewinn mit der kroitwirtschaslltchen Aus- Nutzung in enger Berbindung steht. In dem Plan sind, wie in der Zeiischrift für Binnenichfffahrt' Mitgeteilt wird, Seitcnkanäle nach Möglichkeit vermieden, und der Neckar selbst wird als SchitfabrtSkanal durch Stauwehre in möglichst■ große Haltungen auSgehUSet. Dadurch werden nicht nur die Betriebskosten verringert, sondern auch di« Wasserlrg st-- ausnützung witd begünstigt. Der Kanal beginnt bei Mannheim-RSeinau mit einem'Hiisenbecken, a» das sich mit kurz darauffolgender erster Schleuw ein Seitenkanal bis Heidelberg anschließt. Dnrch Heidelberg hindurch wirb da» Flußbett, desien Sohle teilweise verliest werden muß, durch Auf- stau benutzt, so daß da« Landschastsbild nickt gesckädigr wird. Bei Knockendort beginnt der zweite läirgere Senenkanal. der auf der rechten Seite bis Neckargarlach geführt ist und für Heilbronn ein Slickbecken erhält. Auf der wetteren wiiritembergiichen Strecke wird wiederum der Neckar durch den Einbau von Mehren kanali- fiert. Stuttgart erhält einen Umschlagshaien. Zwischen Mann- heim und Plochingen werden im ganzen 2t Malzen wehre notwendig. In jeder Siuie befindet sich sin R r a st w e r k zur Ausnutzung der Wafferkräfie und eine. Schleuse für den Schiffs- bei kehr. Bei Plochingen zweigt der Kanal in« FilStal ab und verläuft neben der Fils bis Geislingen als Seiteukanal und erhält 11 Schleusen mit einem Gefälle von 28 Metern bis 12 Aketer� steigt dann in einer Schleuientreppe mir sünf kurzen Haltungen und sechs Schleusen zur Alb bei Amstetten empor und bei Ulm mit einer Schleusentreppe von vier Schleiisen mir Gefällen bis zu 30 Meter zur Donauniederung herab. Bon Ulm bis Äehlheim ist wegen der großen Gefälle und niedrlgen Uter eine Kanalisierung der Donau nichr möglich, so daß der Schiffahrtsweg in Seiten- kanäle verlegt wird, die von Zeit zu Zeit in die Donau wieder einmünden. Die Gesamtkosten de» Neckar-KanalS von Mannheim bis Plochingen waren aus 17l Millionen veranschlagt, werden aber heute 99V Millionen betragen. Trotzdem stellt sich der Bau bei den um da« Sechsfache gestiegenen Kohlenpreisen noch heute als ge« winnbriNgendeS Uiilernebmen dar. Eben'o günstig ist eä» Ergebnis für die Geiamtstrecks Mannheim— Kehlheim, deren Gesamt- kosten bei einem Gewinn an Wasierkräften von 240 000 Pferde- stärken aus 423 Millionen veranschlagt waren. i-dchstlMi«SÄ»n« tf!,w n-a National« Automobil-Gesellschaft in N rrltn-L b et'fchL ncwctde. DaS Unternehmen ist im Gegeniotz zu astdetri»"Fabriken zurzeit Mit Aufträgen auf Pa rf o n en a u ta mb-b i 1 1 noch g u4 ver- sehen. ArbeilSeinschränkimgen find nur in geringem Maße borge- nommen worden in der Abteilung für Lastwagen., deren Ber- ka»s sich in der letzten Zeit besonders schwierig gestaltete. Derall- gemeine Geschäftsgang in der deuiicken Automobilindustrie sei nach Ansicht der Beiwaliung schlecht; die Gründe hierfür.liegen in dem fast vollständigen Aufhören des bis vor wepigen Monaten infolge d-r schlechten deutschen Valuta«ehr lebbaft gewe'enen Erporr- geichäft«. Dieier Zustand Hot sich trotz des neuer» ding« wieder- eingesetzten Rückgangs der Morl nicht- ge- bessert, weil die rn Frage kommenden europäischen Länder, insbesondere die nordischen Staaten, und. auch Spanien sich seinerzeit außerordentlich stark mit Wagen verichen und heute proße Vorräte daben, die erst abgesetzt werden müssen. Ein Preisabbau kommt rür die deiiticho Automobilindustrie vorläufig nicht in Frage, weil zurzeit die zu atlßerordentllch hohen Preisen in der ersten Hälfte d. I. eingekauften Rohmaterialien verarbeitet werden muffen. Da ouck keiu Abbau der Löhne staitgeinnden bat..sind die Seibstkosten heute böber als zuvor; in- solgedeffen kommt für einzelne Fabriken eher, eine Erböbunp der Preise als eine Ermäßigung in Frage. Von dem starken P-elssturz am amerikanischen Aulomvbilmartle wurden die.destifchen Fabrikate weniger in Milleiden'ckoft gezogen, da einerseiis durch die bestehenden WäbrurigSverbältniffe. andererseits durch die anerkannt geringere Ouaiirät der amerikanischen billigen Wagen vi« denffche Industrie auf dem Weltmarkt, soweit dieser zurzeit überhaupt aNsnabmefähig ist, nach wie vor konkurrenzfähig bleib»,*' Tie Lokomotivfabrik Krause u. Eo., Akiiengcsevscbast in Müw- «Yen, schlägt die E r w« r b u n g der Gießerei Sngg n. Co.. Aktien- gesellschaft in München,, durch Aktienuri, tausch im Verhältnis.1:1 und in Zusammenhang damit eine Kapitaloerhühung vor. Eventuell sollen auch Borzugsaktien mit einfachem Stimmrecht ausgegeben werden........._,' Zwischen der Deutscheu Erdöl-Akt.-Ges. und der Deutschen Petroleum-Att.-Ges. siebt nach der.Franks. Ztg." der Abschluß eine« in t i m e n Bcrbältniffe» bevor, namentlich auch in Hinsicht auf die auSländiicken Iniereffen. Eine f in anzielte Zusammen« t o p p e l u n g beider Grsellicktosien dürfte unter Hinzuziehung einer ftemdra Gelellschast bald zu erwarten sein. Dir MStgcrswrrke tragen sich nach der.Frkf. Ztg." mit dem Gedanken, in kurzem daS Stanimkopital weiter auf 60 Mill. M. zu erhöhen. Ein Teil der neuen Miitel soll zur Aug lied«rung der Niederschlesischen S t e i n k o h l e n g e Werts cha ft Eugen v. Kulmitz diene«.. Kein deutscher Schuhtrust. Kommerzienral. Wallerstein(Offen- back) teilt mit. daß die von einem Korreipondenzbuzeau verbreitete Nachricht.- wonach die deutschen Schuh'abriken sich zu einem große» Trust Mit einem Kopital von 35 M>ll. Mark, an dessen Spitze er stehen soll, zusammengeschlöffen kälten, unzutreffend ist. Bon der ganzen Angelegenheit sei ihm nich'.S bekannt. Neu« Brauerewrrschmrlzung. Zwischen der Leipziger Bier« brauerei zu Reudnitz Riebeck ü. Co. zii Leipsig, die mit 7 Will. Marl Aktienkapital ausgerüstet ist. und der Brauerei Gvttlieb Bückner A.-G. m Erfurt, die mit 2 Mill. M. Kapital arbeitet, ist ein Abkommen getroffen, wonach die Erfurter Brauerei künftig von der Riebeck-Brauerei betrieben wird. Fusion i» der Zigarettcnindustrie. Die Zigareitenfobrik« v r a- m t k o« u. Co. A.-G.. Hamburg, hat die Zigarettenfabrik Duell n. Wittrg käuflich erworben. Düffeldorf soll Hauprfitz der Gesellschaft und der Fabrilbetrieb in Hamburg als Zweig- niederlasiung betrieben werden. SvramikoS übernimmt die Leitung. Do« bisherige Altienlopiial von 2 Mill. M. ist auf 8 500 000 M. erhöht. Den Herreu Duell u. Witrig werden für ihre Fabrik Avrw- mikos-Aktien gewährt. Die restlichen jungen Aktien find von ein«« Koujorttum fest übernommen. »n&efQar&t Vcabiev v;- •�Mk' [�fhga!er,iSclitsp8eie etc.� Oüernhans. Ritter Blaubart« 7 Uhr. ML 7 U.: Der Troubadcar. Schauspielhaus. König; Richard III. / Uhr. MI 6*/» U.: Maria Stuart. deutsches Theater. 1% Uhr, ne i'irt- Derscheid, jafeu. Mittwoch 7: Othello. tu.: Er is!sn allem sdialii. Ml. 7. Er ist an allem Sebald. Der Spieler. Kr. Sclmaspielbaus (Kar>stiaBe) 8. JedermanD(5. Abt, 2 Ab.) Mi.8. Jedermann(6.Abt,2 Ab.) Tiieater I, d. KOnißgrätzerStraße W Uhr; Erdgeist. (Orska, StemrOcx). Mittwoch; Rausch. Donnerstag Rausch. freit: Baumeister Solness. komödlenhaus ViS* Die Sache mit Lola mit Max Pallenbers« Berliner Theater Uhff Der letzte Walzer Ccntral-Theater 7V.' Frau ßärfcfil(Operette) DcutwcheN Opernhana 7 Uhr; Eugen Oaegln. Fr|©dr.- i 1 h e 1»i« t.T)i. 7«/, u.: Hofceit die Tänzerin. KleinoH Theater. 7>/, u.; Griselda. Kl. btrhauaiilolhnan. vi,v.. Siictise derPandora. KuuilNehe Oper ?-/. uhr; Liebe Im Schnee. ImstoplelhnnH 7*/, Uhr: Arnold Rleck In Zwangselaqnartleruag. Hetrrtpoi-Theater. ujflollaudweibchen Bleue» Operetteiihttu» t«/, u.: Die Csikösbaroness Keaes Volkntheater Tkv.: Major Barbara Schlller-Theat. Chart. tv, uhn Bettinas Verlobnng Thalla-Tlienter tv. a. Die närrisshe Liehe. Tb.am Xolleiirt�rrpiatr. 7 uhr Wenn Liebe erwaobl Theater des Wentenn �Dererslen Liehe goldieil Ml. JV, Schnee», u. dosenrot Tb. l.d.KomtnaDdanlenstr, früher lierrnfeld Theater. v/.u. Der verjüngte Mar �Valln er- Theater Sit Der Geige? von Lugano. Walhatla-Theat�r üh'r Gastsp.Hartstoin Sehati audHättea Im UioBen Schacsoielhaus Dir. Hans v, Wolzogen. „Der Rummelplatz" vjlma von Medgyasza; Transky, Kiabund, Poh, Qregör RatoN m s.Choi Wolowsky, Bendow, Newolina, Bland. Ebinger .Totentanz" Kapelle Leoni'dolf Konz 7 Uhr. Anlang 8 Uhr. Volksbühne Theater am BUlowolatr. 7 uhr Habaleu.Liebe Lesslng-Tlieater. Direstion Victor Barnowsky Heute bis Donnervtag T1/,: Flamme. (Dorsch. Grfining, Götz, Pröckl.) Freitag 7: Pter Gyut. Dentsehes Könstier-Tbeater AJ'abendiirh VjB Uhr: DieScheidungsreisc mit Mnx Adalbert und _ Tnzd c_He«terbe rg._ Trianon-Tbeator. Täglich 7', Uhr: Der Roman einer Frau Ida WDst, Burg, Limburg, Vaietti. Falkenvtein. Mittwoch 4 U: Struwelpeter -Theater. Täglich TV. Unr Die Freundin. Schauspiel von Sudermann. Tills Durieux, Toelie. Blldt Albers. Va iemin. Mittwoch i U,. Kieme Preite: Itotliilppob�n. Donnerstag!; sehnfswitieben; Rose-Theater. 7"/, Uhr Mutter u.Sohn Casino-Theater Kothrlnger Str. 37.— Tgl. v<8 Vollständig neue« Programm Der Felilirllt einer Frau. VolksstUck m 4 Bildern. Theatprllebe. Op.-Sketch mit Viktor Utzek. �onnt.T ZV.■ Der Hausdrache. PJLLO l?1/, Tncater T1/.! Dir. Jamea Klein. LetzterMonat Orient- Naiura- Schäu Rarems- Nächte! |60 Mitwirkende Isowte im Rahmende;] November-Sensat. Löwen- Dressuren [in nie gezeigter! Wildheit. Die Löwen sind L d I I Wildnis eineefang u I I nicht wie bei anderen I | Löwendressuren L a. I I jeiaagenscluaufgez 1 [ Sonntag 31.. hat jeder| I rwaebs. I Kind frei I lAdi-Haus [ Taubetistr.34— Ztr.lOS2 Heinz Art J. Magds Cornelia* Srna Entani Han« Brückner Gebr. 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SdMbansee Vorstadt von 9-8 Uhr. AtzlrrShos: Svethmann Altglienicke: FaUeubteg: Gartenstabtstr. 10. vaumtchuleuweg: Frau« ö v t« kktefbotzstr. 179. vernan. Rftntgentat. sieperutck Schftubriick.«orow und Bach: flrlnridi Srol» Sernau Mühlenstr. 5. vtesdor«:® Dann.beea SUtotlastt. IL «ghnadors: Ho r4 tmo n n. Senosienschaftshan,.Pa- vabie»-. Suchtzotz. vt.uteubaeg! W. Paloea BuShol». Bahn. hosstraße 24. Shartottenburg t> Sesenhetmar Straße. Geöffnet VON 8 big 8 Uhr. Sharlotteubnrg N: Sauroggener Sir. II- Sharlrltenburg NU ckaiserdamm IVi. Geöffnet von tz-tz Uhr. ShaelatteubUrg IV: Regenadurgee Skr. ich Sageredori: S ch b n h e r r Bandoheraer Str. 10. Sichwalb«. Schmöckwitz: Otto»rem. Sichwalde. Swben. tauchßroßc Itlv.. Selnee: Alberl?- r nt ck« Friedrichstr. S. Flchteuan.« r t H k e valdstr. 28. �__ or>-deua»> RHotnstr. 37. Eck« Siönn«b«rsstr»ße. Freber»botI-vetee»Hageu! u> t e u W» t I» e Petershagen. FrltbrichOhagen. fltrltggrten: fl o s' m a n u Friedrich». bogen Kurze Straße t. Stünon: Franz«lein Friedrichstr. 10. flalenle«. Grunewald-»oack flalenlc*.«aibarinenirr. 4. Gartenbau» pari. flezzfelde, Martin SmollbowskL fltantaaborf: S m m a 1 S t Salbenauftx. 1. Sob-a-i-tbaL Alwin«am», ich Bismarck«!, tz. starl»b»rst: Frau Stank» Seati-'I s. steuledork: V Schot» Gtefestr 80 RöntgS-Snstrrtzunten,«tederUhme: Frteb p.»anmann. ft?ni«».Suft»rftaufen Suckenwall« Str. tz. Köpenick- Schlag, Kietzar Str.«(Sab««), chgöffnei am, 9-8 Uhr. Sichte ab erg 1: �Lichtenberg, Warienbergstr. L. Geöffnet von*—6 lihr. gichteaberg II,»nmmelsburg,«tralo,! Lichtenberg. Bog. Hagener Sic. 82. Geöffnet von 9—8 Uhr. L-chtcoberg III. Fri-bricheselb«- Frankfurter Allee 185. Laden. Lichtenrade! Mag Salzmann. Siedlung, Heimweg 8. tzichterkelde-Oft. Lankwitz: fl. Wen:»' Lankwitz stailet» «ttbctm-Gtr. 8. Bichterfcwe.W-ft: Schaebel,«öhlerftt. 7. MadteharH s m I 1 Zi a u I ch Lemkestr 3«. «iahlow: Frau Reut«:, Blasowstr. t. Mariktzbors!«u»u» L»to Edausieestr. 2S. Viurteufrlde: Arndt. v«rljn«r Sir. 3. Reuenbageu S'neke»«'gelstr. N Reutöll»! R-ckarsir. 2. Geolinc: von 9—8 Uhr. Rentölln-Britz: Siegfriedsir. 28/29. Geöffnet von 9—8 Uhr. igiedarichönew-td« variramo,«cuc-nnt. tu|l. vteberlchöuh-tzsea Rarbcibi». Schltedener 5te> (sanfte. 14. Ravaa-cs: Karl S r° h n de r« Stfenbobnftr. 10. vranienbnra- Friedrich Glaser. Kernauer Str. 3. Hbetlchönewelde: Robert Paul Matbildenstr. ft. Paulo«: ZI t b m, n n Mühlenstr. 70. P»t»ba»! M. B i e r 1 1 ch Schockstr. 23. «»bnadori: Z» ch e r» Forststr 7. Uetntckendort'vft S-bSnkaU: Albert Saht« Pronin». strafte 88'Lehen! tzUfatUenbKf-Rafc-ribal: SB.«nie, PrinchHainrich�tP. St. vtsansü sü r ät».« Senzig F r I e 6'c a> a i'b Sbaulletsti. 64 fumenftstaM; stet«, Zionnendamm-lllle« 92a. pasbu» Preuß. fBaffetitP, 5. Slibtnbe: Ludwig flaUleftr. 88. Steglitz; Seht Icke, Sckilbbotn'rr. 12. leget, Borilgwalhk. st-ienau, Retaickenhork-Left,«at!» :tle, fleemndart.«irten-aetb«». 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Der Krieg hol sie mündig gemacht. War daS Überhaupt noch Jugend, k>a» da 1218 als lammende Generation aus dem Weltkriege her- vorging? Zerschlagen und zerschmettert raffte sich da? deutiche Boll gu» sirmmen, um diejenigen, die iein Unglück und sein Elend verschuldet halten, abzuschütteln. Ein Zniammenhruch war'S eigentlich, keine Revolution, der Zii'ammenbruch einer veralteten GesellschastSiorm, die sich selbst daS Grab gegroben hatte. DaS monarchistiiche System verschwand. daS kapitalistische bliebl Jen« Novembertage find an der Jugend nicht vorübergegangen, ohne«inen tiefen Ein- druck zu Hinterlasien. Die KriegSjugend ist zu einem ganz erheb- lichen Teile Trägerin der politischen Revolution gewesen. War sie eS doch, die durch den Krieg am meisten zu leiden gehabt hat. i'ei eS, das sie im Schützengraben und aus den Schlachteldern ihr Blut vergoh, sei eS, dost in der Heimal ihre Blüte verlümmerte. Sie war eS, die die gedankenloien Zyasten aus ihr-r Gleichgültigkeit aufrnitelle, sie. die die furchtbare Oual des MasieumorvenS am tiefsten empfand. Fast scheint eS. als ob der S. November schon der Vergangen- beit auheim gesollen ist Und doch stehen wir erst am Aufang der wirklichen Revolution. Die Bahn ist freigeiuacht: der politische Umsturz bat die Grundloge für den wirlschanlichen geschaffen. Und diese soziale Revoluilon wird nicht zum mindeste» wiederum daS Werk der Jugend kein nrüsien. Auf der proletarischen Fugend Hai von jeher die topital'sttiche Ausbeutung an, schwersten gelastet. Sie ersehnt am ehesten den Uebergaug zur sozialistischen WiriickastS- und GcfellichoiiSordnung. Sie wird in revolutionärem Idealismus einen grotzen Teil, vielleicht den gröstten Teil der ZukunslSarbeit aus ihre jungen Schultern nehmen. Sit wird diese Arbeit leisten, weil ihr LebeiiSinteresie da» fordert. Die Jugend hat die Zukunft, sie bat sie beute mehr denn sonst. Sie ist weiterhin berufen, auch Trägerin der geistigen Revo- lution zu werden, deren wir>0 dringend bedürfen. Eine vollständige Umstellung der Geister muß herbeigeführt werden. Eine neue Kuliur mutz geschaffen werden. Külturrevoluiio» tut not. Die vroleiarische Jugend tvird diese neue Kultur schaffen. Sckon macht sich in ihr das Streben nach neuen Lebensformen geltend. Auch die deutsche Arbeiterbewegung muh sich uinstellen Autaabe der Jugend wird eS sein, au» der Kauipsbewegung eine Kuitnrbewegung zu»lachen. Wir erleben Ge'ch'chre in jedtr Minute� die Jugend ist ein wichtiger Fakior in der ge chichtlichen Entwicklung der Gegenwart und der Zukunft. Revolutio» aus allen Gebieten. Die Fugend hat sie auf ihr Banner geschrieben. Jugend und Revolution sind untrennbare Begriffe. tfn neues verbrechen k Geheimnisvolles Verschwinden eines Holzhandler». Mir dem geheimnisvollen Berichwinden eines GiotztaufmanneS beschäftigt sich die Berliner Kriminalpolizei. ES handelt sich um den 85 Jahre alten Kaufmann Eiich He n fei au» der Steinmetz- strahe 15. der seit dem 20. v. Mi», spurlos verschwunden ist. D>e biSheiigen.Xachforichnngen lasten es als wahrscheinlicher- scheinen, dax der Berinrbie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Angehörigen haben deshalb für die Aufklärung eine Belohnung von 5000 Mark aus esetzl. Henfel besaß früher in der Provinz eine Schneide- mühle. die er verkauft hatte, um trer in Berlin einen Holzgrosthardek zrr be'reiben. Am Abend de» SO. v. Mt«. war er mit einem GefchnstSfzennde zufammenaekommen. mit dem er drinrende geschäftliche Angelegenheiten besprach� die in den darou'solgenden Tagen erledigt werden sollten. Gegen 11 Nhr abends trennten sich beide vor dem Kaffee Zielka. Seitdem kehlt von Heniel sede Svur. Er war in anaebeiterter Stimmung und wollte noch ein Lokal aufsnchen. Bei stch hatte er ungekähr 111- bis 12 000 M. und eine Vorstecknadel mit e'nem grosten Brillanten der von 10 kleineren umgeben ist. Der Vermißte batte keinerlei Ursache zu verschwinden. Die Möglichkeit eines Heute Zevolut'onsfeiern! Genossen? Besucht die in der SonutagSauSgabe angezeigte« Bersammlungen. f■' Rachiniraaen stnd: Wahlkreis JriedrichSHain. Versammstma in ben Andreo»-Fest- 'äsen. AndreoSstr St. vorm. 10 Nhr. Referent! Genosse Hänlein. Thema:.D-r 2. November und die So-ialdemokrotie-. Kre'-S 10: Zehlendort, Dahlem. NikofaSfee, Wannsee. 4 NSr nachm. im Restaurant Kai'erbok. Zeblendorf. Potsdamer Str. 42s. Festrede von Heinrich Ströhes. Darb ebingen der Veldenfchen Kammermnfikvereinionna»nd da? weitere UnterhastungSprogramm. Eintritt für Damen 2 k>0 Vf.. kür Herren 3 M. Weißrnser Abends 7 Nhr. Boruknakäse. R-vosntionsseier: Ge''ang?..»ftühr»ngen de» MänneraesannnereinS.Frisch auf". Fest- rede und Rezitationen All- Parteigenossen nebst Familien, Freun- den»nd Bekannten stnd eingeladen. Eintritt krei I Wir bitten die VersammtimaSlelter, nnS über den Berlanf»er Versammlnn-ien einen kurzen Bericht bis Mittwoch vormittags spätestens 11 Uhr zu übermitteln, kevent. telephonischt. Verbrechen» Ist daher sehr wahrscheinlich. Vielleicht bat Heniel auch noch ein Lokal aniaeincht»nd ist dort Berbr-ch-rn i in die Hände aekollen Der Vetmistte ist 1.88 Meter aroß und � breitichnlieria. hat hlond-S Haar. e!n-n blonden, kurzaeschnit'enen t Schnurrbart und ein iniche» Gesicht und trug einen rgisichbrniinen j Ulster mit Miir>. einen blauen Jackeitonnig. Lackstiesel, weide Wäsche »nd eine rote Krawatte. Wer Über ihn irgendw-sche Mitteisuna � mach-n kann, wird unter.Hinwei» auf die auSaeichriehepe Belohnung ersticht, sich bei der Zentrassielle siir Vermißte. BezlrkSober- Wachtmeister Bahmig, im Berliner Volizeipräsidium zu melden. heute Verkehrsruhe. Ans d-r Hoch- und Unterarundhahn rubt hente der Betiieb� Obnleich da» Verleb,»nersonal sich kür Ankrechterbaltnng deS Betriebes erllärte. bot da? Verkstättenperkonal einen aegenteiliaen Beschluß oefoßt. ko daß wegen Stillegung der Kraftwerke der zum Betrieb eriorderkiche S'rom nicht zur Ver- fsianna steb».— In den Eiienbahnwerkstätten baben die Arbeiter mit Zweidri'teimebrbeit beschlossen, beute die Arbeit niederz n legen. Da» Re!chsverkehrSmrn'ste,inm gkanbi trotzdenr, den Betrieb voll onirecht erhalten ,n können, während Nachrichten an? nich'amilicher Onelle der Befürchtung Ausdruck geben, daß sämiliche Verkehrsmittel labmgelea« werden. » Der Streik der Berliner Elektrlrität�arbester bat gestern im Berliner Verkehr ein verstchärstere» B>>d gl» an den Vortaien ge- neben Hochbahn sowie die Stgdt« und Rinababn waren ans da» höchste überlastet, einzelne kl-ine Uniille baben dem Verkehr i-doch w'sentlschen Adbrnch n»ch» tun können. Wenn anch d'e Fadrt aus den Trittbrettern offiziell verboten ist. so wrl'de sie dock still'chwe>aend gednsoet, znmal sa anch di» E'>en- bghnverwalrnng ibrers-i'« jede Haftung bei Unfällen ablehnt.— Aul dem R o r d r> n a. der diesmal am meisten durch den Berust'v-rkebr in Ansp-uch oenommen wird.� war da» Gedränge ans den einzelnen Babuhöf-n lebensgefährlich. d'e Züge waren auf T'ilibrettern und Brem'hänsern llderreichl'ch besetzt, nnd so mancher zuvorlammende Lokomotivführer oob b-t Beo«on"naen mit den Kea-nzüa-n da».Achtun,"«Sional Aber auch andere Bilder brachte die VerkebrSno» des aestriaen Tage». Wo in den Vorortzügen stch d'e Elnr'chtuna der Sch»tzwaoen noch erhalten hat, ließen trotz der Ueberiüllung ver übrigen Wagen des Zuges viele Au'sichtSbeamte die Wagen räurnen. Im übrigen war der Verkehr aui allen Strecken teilweise auch iniolge de» Nebels, unregelmäßig. Im Fernverkehr liefen besonders die Stadt- bahnfernzüge sehr unreae. mäßig ein.— Der Güterverkehr dagegen ist bis zur Stunde normal. Infolge des Streiks hat wegen Strommangels der Privat- v e r l e b r bei de» Fernsprechämtern Lichtenberg, Neukölln. Reinickendors, Pankow nnd Tegel ein- g e st e l l t werden müssen. Bei diesen Aemiern werden nur Dienst- gespröche der Behörden und Gespräche der Aerzte und der Presse zugelassen._ Eine Stratzenbahnfahrt 80 Pf. Obgleich eine Erhöhung de» SlraßenbohniarrsS oisiziell bisher abgelehnt wurde, scheint man sich doch zunächst mit dem 80-Pf.- Toris betreunden zu wollen. Die Verhandlungen über eine er« neute Erhöhung des Slraßenbabutariss haben iniofern eme feste Form angenommen, als eine besonders gewählte Kommissron vorbehaltlich der Genehmigung durch den neuen Magistrat die Er- höhung deS FahrvrerieS von 70 aus 80 Pf. für die einzelne Fahrt b e sch l o s se n Hat. Der erhöhte Tarif soll vorauSnchltich am l5. November in Kraft treten. Erhöhte Brikett-— erniedrigte Kotspreise. Mit Rücksicht auf die seit dem 1. August erhöhten Angestellten- gehälter und die neuerdings durch Schiedsspruch mit Wirkung vom 1. Oktober d. I ab dem Kohlenhandel auferlegte Erhöhung der Löhne für Kutscher und Arbeiter, die zusammen eine Belastung von 80 Pf. pro Zentner ausmachen, hat der K oh l e n v e r ba n b Gioß-Berlm beschlossen, die Preise für Briketts und Loks ab 8. November für dt« Gebietsteile des..hemaligen Kohlcnver- bandeS Groß-Berlin mit Einschluß der bekannten Orte der Land- kreis« T.ltow und Nicderbarnim wie folgt festzusetzen: Brikett- preise für Küchen- und Orenbrand: bei Se'bstab- lolung ab Lager 14 20 M.. bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Keller 15,20 M. je Zentrier Für Lieferung an das Kleingewerbe sowie für ZentralheizungZ. und WarmwasierbereitungSanlagen in Ful>- ren nicht unter 30 Zeninert bei Selbstabholung ab Lager 14.20 M., bei Lieferung frei Erdgeschoß ober Keller 15,15 M. je Zentner. Für daS heutige Gebiet der Landkreise Teltow und Nie» derbarnim sow-e für die in die Stadtgemeinde Berlin ein- gemeindeten Gebietsteile der Landkreise Teltow und Nieder- barnim sind die Lrikettpreise ab 8. November für Küchen, und Ofenbrand und für Lieferungen an das Kleingewerbe sowie für Zentrolheizung». und' WarniiwasierbereitungSanlagen in Fuhren nicht unter 30 Zentner: ab Lager auf 13,95 M.. frei Keller auf 14,90 M. je Zentner festgesetzt. Dagegen konnte infolge der in letzter Zeit in größerem Um- fange vorgenommenen Umstellung der Zufuhren auf die Wasser- wege eine größere Ausnutzung der günstigeren Frachtsätze erzielt werden, wodurch eine cntspreeycnde Senkung der Preise für Koks ab 8. November ermöglicht wurde. Di« Preise bei Liefe- rungen von KvtS für das Kleingewerbe sowie für Zentralheizung�- und WarmwasserberestungSanlagen in Fuhren nickt unter 80 Zent- ner betragen nunmehr: Gaskets grob 22.80 M.. GaskokS gebrochen 22.90 M., Westfälischer oder Lichtenberger DchmelzkokS 24 M.. Ober- schlesi'cher SchmelzkokZ 22 90 M.. Nrodersch'esischer Schmelzkots 30.50 M. je Zentner, für Küchen, und Ofenbrand: Gas» kokL gebrochen ab Lager 22,95 M., bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Keller 23.95 M. je Zentner. Tie Wohnung der Eräfi» Wartensleben. In der Ang.'legenheit der Beschla mahme der Wohnung der Gräfin Wartensleben. Tiergartenstraße 2t. welche auch Gegenstand einer Aussprache im Reichstag gewesen ist, teili uns der Eigentümer des HrniieS Tierganeustraße 24 iolgendes mit: Um Gerüchte», welche die Perio» deS DiieliorS deS WohniingS» amt», Herrn Dr. Loporte. beiresie», der Wahrheit gemäß entgegei"«- trete», möchte ich betonen, daß die Hindernisse, weiche mir bei meinem lanawieriaen Kamvf um die Frennachung der Wohnm g der' Aiäfin Wartensieben beieiiet wurden, jedrn'alls nicht von Herrn Dr. Laporte onSaingen Vielmehr habe ich mich davon überz»gt. daß He>r Dr. Laporie alles getan bat. was er periönlich nach Lag« der Verhältnisse>un koniite, um die Grässn Waiiensleben zur Auf- gäbe der Wohnräume im Hanle Tieraort-nstraße 24 z» veranlastc» Das Licht der Heimat. östj von Anzust hincich». Der alte Criollo genoß die kühlen Abendstunden auf dem offenen VorfxZu seines Hauses. Behaglich träumte er dem blauen Rauch seiner Zi-garre nach, der in leichten Ringen um die rotleuchtende Ampel zog. Auch diese hatte sein Gast ihm angelegt—. Er mar in der Tat ein Esel gewesen, daß er nicht schon viel früher all diese Sachen angeschafft hatte, so- wohl die Maschinen, die ihm die Arbeit erleichterten, als auch all diese kleinen häuslichen Einrichtungen, die daS Leben be- haglich machten. Er sah nach seiner Toch'er hmüber, die mit hochszezoge- nem Knie im Schaukelstuhl saß eine Laute müßig in der Hand hielt und ihre großen Kindenaugen regungslos in den dunkeln Abend gerichtet halte. Wie liebt? er dies sein einziges Kind, das eine seltsame M'schung von Heißblütigkeit und Schwermut im Herzen trug. Besorgt über den framdrn Ausdruck ihrer Augen iah er sie an. „Luzie, mein Täubchen, warum spielst du nicht?" fragte er endlich. Sie schrak leicht zusammen. „Ich glaube, ich höre einen Reiter kommen," sagte sie und stellte die Laute weg. Er horchte lang« und vernahm endlich in der Tat fernen Hufschlag. „Hast recht." meinte er,„aber wer kommt denn jetzt noch—?" „Don Folkers" sagt« sie aufatmend imd trat an die Brüstung, um dem Vater- ihr Gesicht zu v7rbergen. Er betrachtete ihre leichte Gestalt und lächelte zufrieden. Nicht ganz ohne ihr Zutun hatte er dem jungen Deutschen so weffaehende Gastfreundichaft ousg-dlängt.. O. er kannte sein Töchterchen und auch ihr Herz, wenn sie's auch noch so scheu verbarg. Zuerst ivar er erschrocken, aber schließlich lieb'e auch er oen jungen Mann und wenn sein Kind-- cr war ein König in seinem Rech und hatte nach niemandem zu fragen. So ließ er drn D'ngen ihren Lauf. Nach heißem Ritt sprengte Dierk auf d'e Farm. Er sah das Licht auf dem Vorbau und leine Gastgeber, die er heute morgen ohne eine Nachricht verlassen hatte. Do winkte er ihnen zu und ging rasch auf sein Zimmer, um Schweiß und Staub abnispülen. Als er nach einer Weile hinauskam, empfing ihn der Criollo mit lauter Freude, wäh. rcnd Donna Luzie gleichgültig tat und kaum seinen Gruß zu beachten schien. „Was ist das für eine Art," schalt der Alts,„seine Freunde einen ganzen Tag allein zu lassen? Ich will zu Ihrer Entschuldigung annehmen, daß es sehr dringende Ge- schäste waren, die S'e heute fssseltsn." „Ich bitte um Verzechung." sagte Dierk.„aber es waren in der Tat dringende Geschäfte, die mich in den nächsten Wochen so beschäftigen werden, daß ich mich gleich heut? abend verabschieden möchte. Ich muß morgen früh schon reisen." Der Criollo sprang mif:�„Do bringen Sie ims eine schlechte Nachrich," rief er ehrlich betrübt,„aber so schnell ent» kommen S'e uns sticht. Ein paar Tage wenigstens werden Ihre Maschinen schon noch warten—" ..Es tut mir le'd," sagte Dierk.„aber diesmal— es ist etwas anderes, das nicht aufgeschoben werden kann." „Und wie lange werden Sie fortbbibsn?" fragte der Alte.„Hoffentlich nicht wieder ein paar Monate. Sie haben uns nun so verwöhnt, daß wir vor Langeweile nicht wissen. w'e wir ohne Sie die Abende vsrbrinaen sollen. N'cht wahr, Luzie, in acht Tr-'en muß er wieder da seinl" Er warf einen Blick nach feiner Tocbtrr bin aber die war ins Dun keß getreten nnd wandte ihnen den Rückm zu. Da sagte Dierk:„Ich habe h'er so viele schöne Taae ver- lebt»nd verdanke Ihnen lo v'el. daß es mir schwer fällt, kort- zugzhen. Aber ich will Sie nicht belügen— ich weiß nicht. ab ich wiederkommen kann," „Das heißt Sie wollen wieder hinübsr wieder zurück nach dielem— diesem ungemütlichen Europa? Wie oft habe ich Ihnen aelagt-, daß S'e hier nur hier—, Luve, hast du gebörl?" Er war so erregt, daß er kaum sprechen konnte. „Drüben— drüben aber was wollen Sie drüben?" „Es ist meine.Heimat." „Was Heimat! Ist hier der Boden nicht doppelt so aiit? Findm Sie Ihr Brot hier nicht besser als da. und baben Sie läer nicht ebenso gute, ja viel treuere Freunde? Oder sind Sie etwa nicht uisser e'nnarr Frennd? Luz'e, du sagst nichts — darf er uns verlassen? Hc? Saa du sZ ihm!" Da drehte ssch das junge Mädchen um:„Don Folkers wird selbst am bfftrn wissen, was er tun muß Vater. Und— wenn er es beschlossen hat, wir— dürfen ihn wohl nicht halten, denk ich." Betroffen sah der Criollo sein? Tochter an. Sollte er sich doch in ihr getäuscht haben? Dierk aber war froh, daß sse ihm seine Stellung erleichterte und dankt« es ihr mit einem war- men Blick. Eine Sekunde nur trafen ssch ihre Augen dann wandt? sie wieder das Gesicht ins Dunkel. Der Criollo hatte einen Negerjungcn gerufen und ließ Zigarren u>nid Fruchtwasser bringen Er gab die Hoffnung noch nicht auf, Dierk zu hallen und begann zu plaudern. Alle wirtschaftlichen Vorteile setzte' er auseinander, d'-e daS Land hier einem tüchtigen Manne bot. Und dann, warum sollte er nicht selbst einmal ein? Farm übernahmen? Jede Hilfe würde er ihm dabei leisten. Ja, und wenn Dierk Lm't hatte— er selber würde mit der Zeit älter, und die Arbeit würde ihm zu v'al— und es wäre lchrnde wenn sein schöner Besitz einmal nicht in die rechten Hände käme. Da empfand Dierk, daß der Criollo ihn wirklich lieben mußte, denn die. Farm war eine der größten im Lande und einige Millionen wert.■ Dar Al>? sah nach se'ner Tochter hinüber, die bai seinen Worten leise aufgestanden war nnd stch jetzt mit einem leichten Kopfneigen zurückzog. Dierk ahnte, wie dies alles gemeint war. und was er hier vielleicht erringen konnte. Unumschränkter König auf eigenem Grund und Boden— und Donna Luzie— hatte er je ein Mädchen gesehen, das schöner war an Körper und Geist, unverdorben und harmlos? Der Cr'ollo schien seine Gedanken zu erraten. Er sah. seiner Tochter nach, dann sagt« er leise:„Sie ist meine einzige Freud«, was tä!« ich nicht, um sie glücklich zu machen?" In Dierk wirbelten die Gedanken. Hier bot sich ihm mit einem Schlage alles, was er nur wünschen konnte.„Greif zu. gre'f zu!" rief er in»einer Brust. Er trat aufatmend an die Brüstung und strick sick über die heiße Stirn. Wie ein schönes, framdes Märchen war das. Schön, ja— das reiche Land sein eigen— und Donna Luzie die fein war wie eine Prinzessin— das ganze seltsam farbige Ldrn sprang ihm jäh vor die Augen: schwarze und gelbe Menschen in bunten Gewändern, seltsam gezäunt«, messingklirren!'? Pferde, iipp-ge Gärten und Felder, und über allem die heiße s-onne. Er hob den Kopf und iah in den Nachthimmel— schön und fremd war auch der hier, di? Sterne glitzerten in funkelnder Pracht — aber es waren andere Stenns, andere Zeichen als die. die seine Kinderaugen fromm bestaunt bat'en. Der alte Criollo ließ'hm Zeit und störte ihn nicht. Still und feierffch laa das Dunkel über den Feldern und ums Haus gebreitet. Dierk starrte in die Nacht. Fern im Negerdorf glomm noch ein spätes Licht auf und erlosch wieder. tFortt folgt) / DaS größte Hindernis Nr das Borgeben gegen die Gräfin Wartens« leben bildeten deren wiederholt eingereichte eidesstattlich« Ber- fick>?rungen, die zum mindesten objetiiv unrichtig waren und über welcke Herr Dr. Laporte jedenfalls nicht ohne weiteres hinweg- gehen konnte. Mit der Nachprüfung dieser eidesstattlichen Ver- ficherungen wird sich jetzt übrigens die Staatsanwaltschaft befasien. Sobald Herrn Dr. Laporte von dritter Selte eidesstattliche Ber- sickerungen vorgelegt worden waren, nach welchen die Wohnung tatsächlich weder von der Gi äfin Wartensleben noch von dem Prinzen Solms oder dem Herrn v. Tbiedemann bewohnt wurde, hat er io- fort erneut die rückchtslofe Beschlagnahme der Wobnung angeordnet. allerdings ohne mich davon in Kenntnis zu setzen. Die« geschah bereits 14 Tage vor der Äktion des Abgeordneten Müller im Reichs» lag?._ Ein Neunzigjähriger? Am 7. November vollendete sein SV. Levens- �abr der frübere Weber, jetzige Privatier Eduard Bücke rt. der rn Berlin. Altonaer Str. 23, bei der Witwe Agnes Meyer wohnt. Der alte Buckert, ein geborener Berliner, ist einer der wenigen noch iibei lebenden Mitkämpfer von 1848, der damals an den Barrikadenkämpfen in- der Großen Frankfurter Straß« teilnahm. Er hat leine freiheitlichen Anichauunaen auch ipäler nicht vel leugnet und ist seit vielen Jobren treuer Leser deS»Vorwärts�. Seinen VO. Geburtstag beging der noch rüstige Greis in körperlicher und geistiger Frische. Standesbeamter und Kircheusegen. Unsere in Nr. 521 ver- v'fen tischte Mtiieilung über d.'n am Berliner Standesamt VA (Dcit der äußeren Luisenstadt) amtierenden Standesbeamten v. Specht, der nach Vollzug einer Eheschließung das junge Paar auf die kirchliche Trauung hinwies, wird von andcrer Seite noch ergänzt. Ein Leser schreibt uns, daß ihm, der dort im Januar d. I. seine Ehe schloß, sogar ein Verzeichnis der Kirchen eingehändigt wurde aus dem er ersehen konnte, wo er sich zur kirchlichen Trau- nriig hätte melden müssen. Selbstverständlich dankte auch er für den Sogen der Kirche, den man ihn aufdrängen wollte. Wir er- warten, daß der O-berhürgermeister den Standesbeamten v. Specht über d.e Grenzen seiner Befugnisse nachdrücklich belehrt. Auch ist dem Herrn v. Specht zu raten, sich feinen kurzen und barschen Ton oSzugewöhnen, über den gleichfalls geklagt wird. Dos Apollo-Tfirater hat in seinem Okioberprogramm brillante variSisniimmcrn veremigt. Die Groteskmusik ist durcki die drei Broostyner vertreten die durch ihre musikaliklbe Siberenschleiserei die allerneuesten Musiktheorien süber den Lärm) weitaus überholen. Verkörperte Anmut ist L y d i a D i o s Sie zeiat den Siea der Scbiilnna über alle Körper' ibwere. Sie steigert die Möalickike'ten des Svitzentanzes durch Benutzima de» Drahtseils, aus dem sie «inen Rekord lSaltomortale Pom Stand) geliefert bat. Vollendete Akrobaten sind die vier UrbaniS. Wa» diese Familie, darunter besonders ihr fünostes Mitglied, an Krast und eleganter Gewandtheit leistet, ist bewundernswert. Die Aukreanngen deS ZirknS bereitet Jlleval mit feiner großen Gesellschaft prachtvoller Berberlöwen, die er tadellos dressiert vorkührt.— Der zweite Teil deS ProarammS macht wieder die Ausstattiingspantomime»HaremS-Näcbte' a»?. Ausgerechnet nacki 40 Äuffübrungen bat die Polizei jetzt ein- gear'ffsn und staike Zeniur ausgeübt. Wir sind nicht in der Lage festzustellen, wieviel Meter Gaze dadutlb nötig geworden sind nnd wievk-l Zentimeter Nacktheit den Augen der Zuschauer entzogen find. Der Knnstwert ist trotz dem großen Aukwand an hübschen Körpern nicht alln, groß und hat dmch die Bergazung sicher nickt gewonnen. Ob drei Viertel Verhüllung moralischer wirkt als Salbe Nacktheit, isi eine Frage, über die sich Aestheten- und Zenfuren-Moralisten schwer einiaen dürsten. Der FriedenSduud der KrlegSteilnebmer tellt mit. daß sein« Revo'usiorStlindoeblM!,. trol» dem Streik heute llfi Uhr abends in den Kamwer'älen, Teltow«: Straße, stattfindet. Sirbeiter-Damariter-Koionne Berlin e. V. Abteilung Tempel- Hos-Mariendors. BezirkSverlammluna am Donnerstag, den Ii. November, 7 Uhr. Streiter, Cbauffeestraße. Ecke Kursürstenlwaße.— Ab- teiluna Weißenlee. Mitgliederversammlung am Donnerstag, den lt. November, 7 Uhr im Realghmnafiurn. Wölt-Pronienade.— Der Lebrabend beut« Dienstag iällt an«.— Abteilung Charlottendur g. Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 1l. November, 7 Uhr bei Theten, Kaiser-Friedrich-Straße«öd. Die Freie Dnrnerschaft Grost-Berli« steht ans dem Boden der sozialistischen Wellanichanung nnd stellt sich der Arbeiterschaft zur Mit. Wirkung de, V o I t S s e st« n und Leitung von Kinderspielen zur Verfügung Vartcipolitik ist innerhalb deS Vereins ausgeichlotsen. Hauptaufgabe deS Vereins ist Hebung derVoltSgeiundheit durch Turnen. Leicht. atbietit. Fußball. Turnspiele, Wandern. Zurzeit find 4 Männer.. 4 Frauen-, 4 Jugend-, 6 Knaben- und 6 MSdchenabteilungnr mit rund t«iX1 Vereins- angeböligen vorbanden. Die Beiträge lind febr minimal. Der Verein »mterbäll eine UiisalluiiterstützungSkasfe. Arbeitslose sind beitragSfrei und werden bei Veranstallungen unterstützt. Ferner liefert der Berein allen Mitgliedern ein Mitteilungsblatt unentgeltlich. Wer sich über die Turn» statten de» Vereins informieren will, kann NSbereS an lolgenden Stellen erfahren: S ü d e n bei Drogge, Diefsenbachftr. 57; Norden: Turnhalle Demminer SN. 27. Dienstag und Freitag abend; Osten: Turnhalle Petersburger Str. 4. Dienstag und Freitag abend; N e u k S l l n: Turn- Halle Kopfilraße, Freitag abend. Die Pflege der SriegSgrSber. Der.Volksbunb Deutsche KriegSgräbersürsorge, e. V.", Cbarlottenburg v, Königs- weg 30. hat in den letzten Monaten seiner Tätigkeit an mehreren französischen, belgischen und polnischen Orten deutsch« KriegSgräber bepflanzen und an Gedenktagen mit immergrüsten Kränzen schmücken lassen. Er konnte vielen Angehörigen Auskünfte über den äugen- bltcklichen Zustand der Gräber geben und ihnen behilflich sein, Grabstätten, auf denen die Grabzeichen fehlten oder die Inschriften verwittert waren, neu zu bezeichnen. Jeder, der in Ungewißheit ist über den augenblicklichen Zustand eines Grabe« oder seine Pflege und Schmückung sicherstelle» möchte, sollte sich dem Bunde an« schließen. Der Balk-bund ist über da« ganze Reich verbreitet und die einzige für die Kriegsgräberfürsorge behördlich anerkannte private Organisation. Bcrmchrung der RatSwagen ia ReukSlln. Der Neuköllner Magistrat hat die ruf dem ehemaligen Gemüseplatz in der Nähe der Lahnsiraße jenseits der Stadt- und Ringbahn befindliche Wage zur öffentlichen RatSwage erklärt. Für die Benutzung derselben sind die nach dem neuen Ratswagentarif festgesetzten Gebühren zu entrichten. Abgesehen von der dadurch den hinter der Ringbahn ansässigen Gewerbetreibenden geschaffenen Erleichterung wird gleichzeittg eine wesentlich« Entlastung der auf dem Reuterplatz und in der Sanner Straße gelegenen Ratswagen herbeigeführt. öezirksverbanS Serlin der S.p.d. Berlin NW 40. in den Zelten 23. Mitgliederversammlungen am IO- November, abends 7 Uhr. I. Bb». Schulaula. Augutzstraße 67/68.„Politstche Lage.' Referent: Genosse Coben-Reuß.— 2. Abt. Ohngemach, Kommandantenstraße 88. Referent: Genosse Paetzel.— 5. Abt. Fällt aus.— 0. Abt. Patzen- bo'er Brauerei. Fibicinstraße 2/3. Steuerfragen. Referent: Genosse Klinaker.— 7. Ab». BIülber-Säle, Blücherstraß« 6t. Referent: Genosse RamSdrock.— II. Abt. PeiSker. Cuvryftraße ll..Spa und Genf." Re- ferent: Genosse schiff.— 12. Abt, Schulaula, Brangelstraße 128, Re- ferent: Rub. Wissel!.— 1 3. Abt. Kliefing. Wassertorstraße 68. Referent: Genosse Herlitz.— 23. Abt. Schulaula, Pastemilraße 5. Steuerfragen. j Referent: Genosse MöbuS.— 24. Abt. Scbulaula. Christburger Str. 14. 1..Steuern." Ref-rent: Genosse Heinig— 85. Abt. Bürgcrheim, Alte Schönbaufrr Straße 23/24. Referent: Genosse Dr. Bendtner.— 27. Abt. � Schnlaula, Ruppiner Straße 48. Referent: Genosse Arndt.— 30. Abt Schulanla, Papve'-Allee 40/41. Referent: Genosse MünMer.—»k. Abt. j Tckulaula. Schönstießer Straße 7. Unsere Koblenwirtfchast. Referent: Genosse Baumeister.— 33. Abt. Schulaula, Graun'Iraße 11..Politifche Lage." Referent: Genosse Wufchick.— 34. Abt. Schulaula. Bernauer Straß« SQ/OO. Referent: Genosse Reiiikneckit.— 35. Abt..Krüger. Suffittenftraße 34.—»0. Abt. Köhler. Tieckstraß« 2t. Referent: Genosse Findel.— 41.»bt. Armin-Hallen, Bremer Stiaße 73. Referent: Ge- nasse Herrmann.— 42. Abt. Schulaula, Tegeler Straße 20. Politische Taa-Ssragen Referent: Genosse Stampfer.— 43. Abc. Meyer, Pank. Itraße 82. Reserent: Genosse Kabelitz.— 44. Abt. Schulaus. Prinzen- Allee 8..DI- Sozlallfierung." Reserent: Genosse KoSke.— 45. Abt. Schulaula, Cbriftiania- Straße 36/39..Bittscdaftl Fragen." Referent Genosse Striemer.— 46. Abt. Schulaula, Plantagenstraße 15/17 Referent: Genosse Kreutziger.-- 47. Abt. Schulaula, Lüttlcher Str. 47/43 »Proarammfragen." Reserent: Genosse Weide.— 48. Abr. Schulaula Schöningstraße..Koblenoerlorgung." Referent: Genosse KZPchen.— Um pünktlichen und zahlrei�en Besuch wird gebeten. Die Lichtenberger städtische Bekleidungsstelle in der Frank- furier All« Nr. 87 wird jetzt allen Einwohnern des 17. B e r» liner Verwaltungsbezirkes l Lichtenberg, Friedrichsfeld«, KarlShorst, Biesdorf, KaulSdorf, Mahlsdorf, Marzahn. HellerSdorf, Wnhlgarten) zugänglich gemacht. Di? Verkaufszeiten sind wie folgt festgesetzt worden: Mittwochs und Sonnabends von 8— 1 Ubr vor- mittags und von 4— 6 Uhr nachmittags, an den übrigen Wochen- tagen von 8—3 Uhr.___ Zilmfchau. D« Blut der Wuen. sDecla-S-chtsptel«, Unier den Linden Tl.) Nicht Mord- und Räuberromantri ist eS. was sich, an diesen Film knüpft, sondern die Tragödie eines alten Abelsgeschlechts. Der Fürst Schuh sk: als letzter Erbe seines Geschlechts vermählt sich der.Reinerhaltung feiner Rasse"- wegen mit einer BlutSver- wandten. Der Nachkomme zeigt bereits alle Spuren starker De- kadenz. Obwohl dem Knaben ein« Höhere zu seiner Gattin aus- ersehen ist. verliebt er sich in die Tochter des Pächters Marja. Ans diesem Untergrunde spielt sick di« Tragödie in einem Vorspiel und fünf Akten ab. Prächtige Photographien der Künstler geben der an sich zuweilen trivialen Handlung immerbin einen gewissen Reiz. »Shbill Morgan, die Dochter deS Milliardärs", pelcmgt sin Sportpalast zur Aussührung. Diese« Filmschauspiel bietet den Schau- fpielcrn dankbare Rollen, und so war Karl Bernhard gut als Milliardär. der nach verfehlten Svekulatlonen den bequemen und beliebten NuSweg wählt, sich durch Selbstmord allen Folgerungen zu entziehen. Meinhard Maur fistelte den Scbuit Edward Wards und für Hilde Wolter war eine Paraderolle al« SybM Morgan geschaffen. Der verwöhnten liebreizenden Tochter, die mittellos das Haus verläßt, von den ehemaligen Freunden verstoßen wird, durch komplizierte Begebenheiten sti Mordverdacht gerät. ihre Freisprechung erzielt, ein« Stelle al« Gelelllchafterin bekommt und schließlich— am Schluß de« 4. Aktes— sich glücklich verlobt. Mitbin kann alle« ausatmen ob de« befriedigenden Ausganges.—.Der Funken- rafder RIobamba" ist est, Deteklivichou>plel— wie es nun mal eben gerne gesehen wird. Kurt Brenkendorf als Joe Jenkin«. Fred Goebel al» Fabritvessyer und besorgter Gatte und Bruno Ziener in seiner Dopvel. rolle al« Trottel und Hvpnotileur zum Zwecke deS Mädchenhandel» wußten ihre Rollen voll anszuschöpfe». Hroß-Serliner Parteinachrichten. Heute, 9. November! S.— 14. Abt.(Kreis tzallesche« Tor.) Sozialdemokratischer Männer- chor jede» Dienstag von 7'/, Ubr an UebungSitunde bei Krause, Mariannen- Platz 22. Scmgesfreudige Genossen find erwünscht. 24. Abt. Früh 8'/, Uhr Treffpnntt bei Winzer. EhrlftVmger, Eck« DtnSstraße zum gemeinsamen Abmarsch. All« müssen fich beteiligen. Schöuederg. 7V. Abteilung, frühere 3, Abt. 7'/, Ubr Funktionär- konsercnz bei Groß, Sedanstr, 17. Referent: Genosse Czeminfti. Alle Partcisunktionäre und BetriebSverirauensleute müssen erscheinen. Morgen, 19. November: 18. Abt. 7 Ubr Funttionärsstzunq bei Tiedte, Litauer Sst. 5. Kreis 7(Edarlottenbnrg), Abt. 55. 8. Gruppe. Wend« 7 Ubr Gruppenabend bei Schwache, Krumme Str. 4.— 9. Gruppe. Am 11. Ron abends?>/, Ubr Kruppenabend bei Reimer, WUm rSdorier Str. 21. Reukölln. BezirkSverfammlungen 7>/, Udr in folgenden Lokalen: I.Abt Bez. I. Richter. Mahbachufer 5; Bez. 2. 3. 4. Zahlmann. Hobrecht« Nrane 34; Bez. ö. 8, 9. Brandt. Pflügerftr. 19: Be, 6, 7. Beck. Reuter- straße 46; Bez. tv, 11. 22. Tbiel, Welerstr. 6. 2 Abt. Bez. 12, 21. Rose. PannieriN. 54; Bez. 13, 14. Schweigdöfcr, Weichlelstr. 89; Bez. 16, 17. Brüsert. Fittdastr. 44; Bez. 18. 29 Schitller. Weichselftr. 5; Bez. 19. PvdbielSti, Weichlet'tr, 2. 3. A b t. Bez. 24. 26. Lüddecke, KarlSgarten- straße 12; Bez. 25. Mauert, Wißmannstr. 20; Bez. 27. Ramin, Mainzer Straße 12; Bez. 28. Sauer, R' Uterstr. 80; Bez. 36. 37. 38. Hirsch«, Münchener Straße 23. Bez. 39. Mmguardt, Mahlower Slraße lt. 4. Abt. Bez. 30, 31. Ewald. Weserstr. 172: Bez. 32. Düre, Wildenbruchstr. 81; Bez. 15, 33. Gerecke, Harzer Sir. 82; Bez. 35. 45. Grnnert, Donau- straße 99; Bez. 46, 47. Pratzel, Rofeggerstr. i7; Bez. 68. 64. Schneider, Rolenstr. 7. 5. Abt. Gomdrinus, 5Üii'er.Fri«drich- Straße 86. 6. A b t. Bez. 40. 41. Müller, Schill-' Promenade 39; Bez. 50. Bange- mann, Hersurthftr. 27; Bez. 52. Schubmacher. Steinmetzstr. 56; Bez. 66. Goblke. Hermannltraße 199; Bez. 67. Wall, Allecstratze 7; Bez. 68. Röhl, Schillerpromenade 27; Bez. 69. Meier, Weise-, Ecke Leinestraße; Bez. 51. Wilbelm, Herrfurtbplatz 7; Bez. 5» Taubel.«eisestr. 23. 7. A d t. Bez. 54. 55. 65. Krieger, Lesfingm ane 9; Bez. 49, 58, 59. Lemp», Lening- straße 9; Bez. 42, 56. 57. Niekssch, Zieibenftr. 40; Bez. 43, 44, 48. Buchbeister. Bodddistr. 4; Funktionäre 6 Uhr bei Krieger, Lesiingiir. 9: Ausgabe de« Material«. 8. A b t. Bez. 7t, 72. Sauer, TbomaSstr. 3l;'Bez. 73, 81, 83. Rüll«:, Tböiinger Str. 5: Bez. 82. Sarnstädl. Tdürmger Str 23; Bez. 84. Hönow, Emier Str. 9; Bez. 85. Lebmann, Emser Straße 131; Bez 93. Schulz, Emser rtr. 27. 9. Abt, Bez. 8», 89. 90, 91. Rerlich, Siegsried- straße 46: Bez. 70. 86. 87. 92. Adam. Smser Str. 31. 10. Abt. Abtei. lungSversammlung bei Bertbold, Kranoldstr. 1. Abt. Baumschnlrnmeg. 7 Ubr bei Gerhard, Baumschulenstr. 6, Dortrag über:.Zwei Jahre Republil". Res.: Gen. Scheffler. Lichtenberg. 7'/, Uhr: 2. Viertel. Zahladende Stöber, Jung- straße 29; Schulz. Finowitr. 10; Tetemener, Kronpnnzcnstr. t3; Brunn. Güclelftr. 17. 3. BierteI. Fronner, Weserstr. 19: Müller, Hoilecstr.>0; Schulz. Boxbaaener Str. 10. 4. Viertel. Fliedrich, Goelhenr. II; Neumann. Leopoldftr. 17- Schilling, Kantstr. 19: Die polltiiche Lage Ref.: Genosse Tchubarl. 5. Viertel, ktnorr, Gudrnnstraae: Di« polstnche Lage. Ref.: Gen. Groneseldt. 6. Viertel. Zkurlowist, Psar'str. 74: Die politisch« Loa«. Res.: Gen. Raupricht; Pack, Möllendorsstr. 77: Di« politische Lage. Res.: Gen. Pelerhanscl. ?ugenüveranstaltungea. Arbeiter-Jngend Reukölln. Heute'1,9 Udr Ringbabnvof Neukölln Treffpunkt zu der RevolutionSscier der S.P.D. Abend» ist da» Heim geöffnet. Morgen, 10. November: Eöpenick. vadernbos. Rudower Straße, Mitgliederversammlung.— Grunewald. Schule. Delbrück!:?. 20, Vortrag:.Die Bedeutung de« Hatenil cuzeS".— Vlabledorf. Schule. Walderseestiaße. Vortrag:.Die Fremdenlegion".— Etaake». Kartenstadilchule, Miigliederveriammlung. — Dempelhof. Lyzeum, Germaniasiraße, Vortrag:.Ferdinand Lassalle". Gerichtszeitung. Man zahlt gütlich. Im Prozeß gegen Spoeri und Kommerzienrat Renner (Kriegsleder-A.-G.). der feit zwei Wochen die 7. Strafkammer de« Landgerichts I unter Borsitz des LandgerichtSdirektorS Dr. W e i g e r t beschäftigt, trat gestern eine Wendung ein. Die bisherige Beweisaufnahme, insbesondere die vom Vor- fitzenden vorgenommene Prüfung sämtlicher Betträg« zwischen der KriegSleder-S.-G. und der Firma Renner hat keine Bew eise dafür ergeben, daß fich die Angeklagten de» Kriegswucher«, d«S Betruges oder der Urkundenfäliibung schuldig gemacht haben. Die An- geklagten bestätigten jedoÄ. daß die völlige Aufklärung de« Zach- verbalt» in dieser öffentlichen Gerichtsverhandlung auch in ihrem Jmeresie dringend geboten war und daß allerdings der Briefwechsel zwischen ihnen den Anichein habe erwecken können, als ob Spoeri in feiner Stellung als Leiter der Gerbstoffabteilung der KriegSleder-A.-G. die Firma Renner bevor- zugt habe. In der gestrigen Gerichtsverhandlung regle RecktS« anwalt GrünSpach an, ob nicht die bisher erfolgte Auf- klärung dem Bereiu gegen das BestechungSunweien die Rücknahme des SlrafantrageS im Wege der Vereinbarung ermögliche. Weder das Gericht noch der Staatsanwalt nahmen gegen biete An- regung Stellung. Der Bevollmächtigte de» Vereins gegen das Be- stechungSunwefen. Dr. Pohle, betonie. die WeitergewSbrung der früheren Bezüge eine» Angestellten während feiner Beschäftigung bei einer Krieasgesellichaft sei unznlä'sig. Diese prinzipiell« Frag« könne indessen nicht in einer ihrer Bedeutung entsprechenden Weis« im Rahmen dieses Prozesses und des geltenden Gesetzes zum Aus- trag gebracht werden. Bielleicht werde aber dieser Prozeß tnsosern nicht vergeblich geführt sein, als er bei der bevorstehenden Re'orm deS StrafrechtS Anlaß zu einer Aenderung de» Gesetzes bieten werde. Aus diesem Grunde habe ihn der Borstand feines V-remS ermächtigt, auf die Anregung einzugehen und folgendes zu formu- lieren de« Reiche» werden von Kommerziemat RennerLöOOoOM. Reichsanleihe nebst ZinSicheinbogen, von Spoeri 300 VOM. ReichSanleihe nebst Zinsfcheinbogen dem Reichsschatzminister zur Verwendung ,m Interesse de» Reichs oder zur Verwaltung übereignet. Die Angeklagten übernehmen die Kossen deS Verfahrens. Der Borstand deS Vereins gegen da« BestechungSunweien nimmt den Strafantrag zurück." Die Angeklagten erklärten sich dazu bereit. Das Gericht stellte darauf d a s V e r f a h r e n e i n. WetterauSstcbten für das mittlere Rorddeutschlaud bis Mittwoch mittag. Zeitweil« auillarend, jedoch überwiegend nebelig und wolkig, bei meist lchwawen lüdwestlichen Winden. In der Nacht zum Mltt- wach im Bwnenlande noch vieljach leichter Frost, w den Tagesstunden überall etwas milder. B er/in Q Walbtn 16 Gardinenhaus Bernhard Sdnmti mmm, AGifiwU' »RUN» SIT/HOen IMDimniC ecniiN-c-je/iNEMC promema&e• B C K t-'A U-> E• Möbel-Angebot. Solide Möbe'.firma lielert Lpezlol-Eia- n. Awaiztmmor- Narichtungea low,« SwzelmSbal gegen Zwovergülang bei mählger Aazavtaaa und geringen monaillcheo Nnlenzohluagea. Off.ZZosttagerkarle 166. Postamt 0 27 »- n« Sa'flerer.«vrSstt»»nlanz. ?roies8e, 8»t, velkwncl, mSPIa« 3rris«. 7eil- -ablunz. Ehe-, Alimenten-, Stral . Sachen Steuern, Gnadengesuche. Uandgerichtsrat Dr. v. Kirchbach, Gesellschaft m. b. H-. AlasaaderetraS« 4»(am Alexanderpiau, gegenüber n*aj(t~Tj Olttna Erfolge 1 lleobachtg. TcU Könlgst 4W6. Pelz? flach die jaoberste Halter nitnniiniiminintHniiiiiiHnitiiiitiiniitiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiii imia kann es nicht Terbindera. dass ihr Kind ge- legentlleb Um enefer ans der Schale mitbringt. Olnaes wird radikal vernlohtot durah PFEIFFEROL Koplwassep gegen Linse and deren Brot(Nisse). Paraelten.LInlment gegen Khtper- n. Kleidetliaae. Trlcresol.Puder gegen KlC' c Sohwalnlurter Qriln-Eraats gegen Schwaben, Wanzented, Ertolg gataniiert. Bthiiuica in Apotheken, Drogerien nsw. Apoth. Otto Pfeiffer& Piehler. Berlin ff. 85. Die bedeutenden Gestalten der groBen fran- rösischen Revolution von 1789 ond die gewal- figen Ereignisse zeichnet Schikowski In seinem Buche: Sitten- U.Charakterbilder ans der französischen Revolution in lebendigen u. packenden Bildern. Preis geb. 7,50 Mk. nnd 29% Bnchhandlnng Vorwärts, Achtung: Privatleute! Pfandscheine. Brillanten. 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Dieser Bericht| ist von Ferd. Schmidt ins Deutsche übersetzt Kein Denkender wird das Werk unbefriedigt aus der Hand legen A Preis Mk. 5,50 und Mk. 1,10 fr. Nacbnabmc. W Gr. BOcherkatalog gratis. Albrecht Donatb, Verlag, Leipzig« mit Husten- anflllen und starier Verschleimung findet wirksame Hille durch Rdcbelt echte Asthmatropten, berühmt durch ihre Wirkung. 30 jähr. glänzende Erfolge M. 9,5«. Otto Reichel Berlin 43, SO, Elsenbahnstr. 4. Befreiung sofort 'Alter u.Geschlecht angeben. Ausk. umsonst. I San. Inst, Og. Eoglbrecht, ■ München B. W, Kapuzinerst9. 00000M00000M0 Kreuz-, Alaska-, Silber-Ffichse Oamenpelzkragen v. 48-MW Rotfuchskiagen V. 170 Pelzfutter lOr Mäntel von ISO M. an Herrenkragen v. 65 an— Seal Elektrle, Blberet Herren- u.Dam.-ShawI--MW» kragen ausAuMralisch.-|m» Opossum v SSO.— an-- Pelz warenhans-PK A.KIass&Co., 2S Hackescbcr Markt Rosenthaler Str. 40/41.-MM Pianos, Flügel, gebrauchte u neue, In allen Holz, und Etil- arten. 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AIS dieieS Wort hineingewachsen worin die Herzen der Sklaven. hatten ste ouigehört Sklaven zu sein, und sie verkündeten der Sradt und all ihrer Macht da» erhabene Men'chenwor«: .Ich will nicht!" Dann stand das Leben still, weil sie die Kraft waren, die ihm Bewegung verlieb.— sie und niemand anderes. j�aS Wasier hört« auf zu fließen, das Feuer erlosch, die Stadt versank in Dunkelbcit und die Starken wurden wie Kinder.— Schrecken umfing die Seelen der Bedrücker, und erstickend in dem Geruch ibreS eigenen Auswurfes, unterdrück»«» sie die Bosheit gegen dir Bufrührer, in Verwunderung und Entsetzen vor ihrer Kraft. DaS Gespenst deS Hungers erhob sich vor ihnen und ihre Kinder weinien kläglich in der Finsternis. Häuier und Tempel, von der Dunkelheit umfangen, flössen zusammen in ein seelenloses Chaos von Stein und Eisen, unheil- verkündendes Schweigen überschwemmte die Siratzen mit seiner toien Nässe, das Leben stand still, weil die Kraft, die eS gezeugt baite, sich selbst erkannte, und der Sklovenmenich fand das magische unüberwindliche Wort der Aeutzerung seines Willens, machte sich frei von der Bedrückung und erkannte augenscheinlich sein« eigene Macht— die Macht des Schäp'ers. Die Tage waren Tage des GramS der Starken, jener, welch« sich für Herrscher über das Leben hielten, und die Rächte— jede war wie tausend, so dicht war die Finsternis, so bettlerisch geizig und schüchtern glänzten die vereinzelten Lichter in der toten Stadt. Und dann erhob es sich, das geschaffen worden ist durch die Jahrhunderte, daS Ungebeuer. daS fick vom Blut der Menschen nährt, erhob sich vor ihnen in der Mißgestalt seiner Nichligkeit. seiner erbärmlichen Masie Stein und Holz. Kalt und Um dieser Stunde! Von Friedrich Wolf. Kozu Dein Arm. Kamerad? Gaß er rabe. doch nicht Dein Grab. Kamerad, Saß er hämmere, doch vlcht aas dev Schädel herab. Ser neben Sir gräbt und hämmert: Saß er- gekrümmt im Sergwettsfchacht- Mit aller Macht Einmal sich recken möchte vad strecken vnd dehnen; Goch wie er sich reckt an dev schwarzen Quadern. Sa iireist er cn eines andern Adem. Ser wieder greift eines andern Fanst. Lad ein Slntschlag braust Srnvien durch der Erde nächtige Fallen, Wo Menschen lebend sich an den Sünden halten. Siese Stunde aber ist heilig. Kamerad. Stese Stunde hüte, Kamerad, Lm dieser Stunde sind Seine Arme Sir gegeben. Seiner Malier Slut, Sein bestes 5eben. Laß sie nicht stumpf werden Seine Menschenarme. Kamerad! Wenn Ar in dumpfen Serben Mit gekrümmten Racken die schwarzen Felsen hacken geht. Lud Erze flkden und Ketten schmieden, Sann Kameraden, Söhne der Erde Haltet einmal inne! Lud weil Zhr. soviele Zhr seid, doch eines Leides Lud einer Beschwerde und eines Llules Kreisen. Saruw Söhne der Erde, Kameraden Sei dieser Stunde einmal nieder die Hämmer und Elsen. Faßt Sure Hände! Faßt Eure Lände! Zn ein-iger Lmarmung die Erde umstrafft, Euch spürt. Eure Hände. Euer Herz. Gare Aesenkraft, Srdenföhoe! dunkel blickten die blinden Fenster der Hänser auf die Straßen, und stolz aingen da unten die wahren Herricher des Lebens. Sie waren gleickisalls hungrig, noch mehr als die anderen, ober sie kannten das, und dre Leiden ihrer Körper erreichten nicht die Schärfe der Leiden der falschen Beberricher des Lebens, e» löscht« nicht da» Feuer ihrer Seelen aus. Sie brannten durch die Erleirntni« rhrer Kraft— das Vorgefühl des Siege« fljnrelte in ih»en Augen. Sie schritten über die Straßen der Stadt, ihre« engen und dunklen GesöngniffeS, wo man sie mit Verachtung übergosien. ihre Seelen mit Kränkungen erfüllt harte— und wo sie die große Bedeutung ihrer Arbeit erkannt hatten. Und daS erhob ste zur Höhe der Erkenntnis de» heiligen Rechte«. Herren des Leben« ,u sein, sein« Gesetzgeber und Schöpser. Und vor ihnen erhob sich mit neuer Kraft, mit blendender Klarheit da« belebende, ver» einigende Wort: Genossen! ES klang inmitten der lügnerischen Worte der Gegenwart wie eine Freudenbolschaft der Zukunft, deS neuen Leben«, da« in gleicher Weise für alle«nibullt wurde vor ihnen ob in weiter Ferne oder nah? Sie fühlten, daß da« in ihrem Willen liegt. sie nähern sich der Freiheit, und sie selbst verschieben ihre An- kunft... ra. Di« Dirne, noch gestern ein halbverhungertes Tier, das sehn- süchtig aus schmutziger Gaffe wartete, bi« jemand zu ihr kommen und roh für errungenes Geld die erzwungenen Liebloiungen kauten würde— aiich dl« Dirne hört« dieses Wort, aber verwirrt lächelnd. konnte sie sich nicht enischließcn. seihst eS zu wiederholen. Zu ihr »rat ein anderer Mensch heran, wie ihr bis zn diesem Tage nocb niemand begegnet war. Er legte die Hand auf ihre Schuller und sagte mit der Stirnme eines Freunde»: Genosse! Und fle lachte leise und schüchtern,«m nicht vor Freud« zu weinen— einer Freude, die zum ersten Male von dem bespienen Herzen empfunden wurde. In. ihren Augeij, die gestern sre» und hungrig mit numpsem Blick eine» TiereS in die Welt geschau» holten. ichimmerten Tränen der ersten reinen Freude. Diese Freude über die Einverleibung der Verworfenen in die große Familie der sich Mübenden in der ganzen Welt leuchtete überall auf den Straßen der Stadt, und die trüben Augen der' Häuser beobachteten sie immer Unheilverkündender und hungriger. Der Bettler, dem man gestern eine elende Kopeke hingeworfen hatte, um ihn loszuwerden, der Preis des Mitleid« der Saiten,— auch er hörte dieieS Wort, und es war für ihn da« erste Almoien, das ein dankbares Zittern des von der Armut zernagten, elenden Herzens bervorgeruien hatte. Der Droschkenkutscher, ein lächerlicher Bursche, den die Fahr« gaste in« Genick stießen, damit er diesen Schlag an sein hungriges, müde« Pferd weitergebe, dieser oft geschlagene Mensck, der stumpf geworden war von dem Rollen der Räder auf dem Steinpflaster— auch er sagte breit grinsend zu dem Vorübergehenden:.Soll ich Diw mitnehmen. Kamerad!...* Spro-ds und erschrak. Erlegte die Zügel zurecht, bereit, schnell davon zu fahren, und ichaute auf den Vorübergehenden, obne daS freudige Läcbeln von seinem breiten, rolen Gesicht»ilgen zu lönnen. Der Vorübergehende blickte ihn mit gütigen Augen an und er- widerte kopfichüttelnd: .Danke, Genosse, ich gehe nicht weit." .Ach Du Gerechter!" rief der Kutscher begeistert aus, fing an. sich auf dem Bock zu drehen, blinzelie breit und froh mir den Augen und fuhr mit Gekrach und Geschrei irgendwohin. Die Menschen gingen in dichten Gruppen aus den Bürgersteigezr und wie«rn Funke loderte zwischen ihnen immer häufiger daS er« haben« Wort auf, daS berufen war, die Welt zu vereinigen: Genosse! Der Polizist, bärtig, wichtig und mürrisch, trat an die Menge beran, die an der Strotzenecke den greisen Redner dicht umringte, hörte eine Weil« seiner Rede zu und sagie, ohne sich zu beeilen: .Ansammlungen sind verbalen, gehen Sie auseinander, mein« Herrschaften I" Und nach einer Sekunde Schweigen senkt« er die Augen zur Erde und fügte leise hinzu:> .Genossen...!" Aus den Gesichtern jener, welche dieses Wort in ihrem Herzen trugen, die in dasselbe Fleisch und Blut legten und den edernen. wiederlönenden Schall deS Rufes nach Vereinigung— auf deren Gesichtern funkelte das stolze Geiühl jungei Swöpfer. Es war klar, daß d>e.Kraft, die sie so freigebig in dieses lebendige Wort legren, unzerstörbar, unvergänglich sei. Schon rotteten sich irgendwo graue, blinde Scharen bewaffneter Menschen gegen sie zusammen und stellict� sich schiveigend in gleich- mäßigen Linien auf— so bereitete sich die Bosheit der Bedrücker vor, die Woge der Gerechtigkeit zurückzuweriem Aber tn den engen, schmalen Straßen der ungeheuren Siadt, inmitten ihrer schweigenden, kalten Mauern. die ans den Händen unbekannter Schöpfer entstanden waren, wuchs und rem« immer mehr der erhabene Glaube der Menschen an die Brudcrichafi aller mit allen: .Genosse!" Bald da. bald dort loderte ein Feuerchen auf, das berufen war. zu einer Flamme zu embrennen, welche die Erde mit dem bellen Geiühl der Verwandtschaft aller ihrer Menichen ergreiit. Sie ergreift die ganze Well und verbrennt und ä'chm die Bosheit ein. den Haß und die Grausamkeit, die uns veriiiistallen. sie er- greift alle Herzen und verscbmilzt sie zu dem einzigen Herzen der Welt, dem Herzen der wahrhaften, edlen Menschen, zu der um trennbar einmütigen Familie freier, arbeitender Menschen. Auf den Siraßen der toien Sladt. die durch Sklaven ge- schaffen wurde, auf den Straßen der Stadt, in der die Grausam« keil herrichte, wuchs und erstarkie der Glaube an den Mens-den, oti sewen Steg über ficd selbst und über das Böse der Welt. Und in dem verworrenen CbaoS deS unruhigen, sreudlole« Leben» funkelt wie ein heller, froher Siern mii seinem Leiifeuei in die Zukunft da« einfache, wie ein Herz tiefe Wort Genosse! Soziales. Die Zahl der Lazarettiusassetr. Vom ReschSarbeilSministcrium wird uns mitgeteilt: In de« VeriorgungSkrankenhäusern im ganzen Reich befinden sich zurzeit rund 3S00Ü Lazaretiinsaffen, darunter eiwa 17 000 chirurgiich Kranke, 10 000 innerlich Kranke und 5000 Tuber« kulöie. In den Berliner Versorg uffrgs kranken- Häusern liegen etwas über 8700 Lazaretiinsaffen, daranier eiwa 1900 chiriirgiscke, ungefähr 800 innerlich Kranke und 375 Tuber- kulöie. In diese Zahlen sind eingerechnet die Kranken der ReickiS- webr.und SicherheiiSwehr, die elwa ein Viertel de« Ge- »amtkrankenstandes ausmachen, und die zur Beobachtung uiw. wieder in KrankeiihonSbehandluvg auigenonimenen Rentenempfänger. die beinahe die Hälfie ausmachen. Rur der Rest, alio elwa 11000, sind KriegSbeichädigte, die sich seit dem KiiegSende in Lazarelien befinden. Dieser Reit besteht jedoch durchaus nichi nur aus Kranken, die einer KrankenhauSpflege bedürien. sondern ein großer Teil dn Lazarettiniaffen find Umschüler, die sich in einem neu«- einarbeiten ferner Beichädtgt«. die an sich nur eine achrbutani- �< bandlung nötig kälten, uud endlich Beichädigie, die auS sozialer Gründen, well sie nicht Arbeit oder Wohnung hatten, bisher nich entlaffen wurden. Mingol-TalileUen schützen vor Husten« Heiserkeit und Erkältung. Erhältlich in den Apotheken und Drogerien. Fabrik I H. von Gimborn A.« Q., Pharm. Abt.. Bmmtrlc Hühneraugen HoT>ha«jt, ScOwteien u.War-zer besisirigr schnell, sicher schmerzlos Kliklrol loooooorocn bewährt Preis Apotheken u. 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Richter, Berlin-Moabit, Waldstr. 33, Langenleiden, Blutarmut, Nervenschwäche geheilt.— 2. Herr Georg Heinrich, Banmschulenweg, Saumschulenstrafze 29 IL Lungenleidcn geheilt— 3. Frau Berta Dachow. Neukölln. Emser StraJze 138. Von Bronchialasthma, nervöser Herzschwäche und Neurasthenie geheilt— 4. Herr K. Ensle. Restaur., Charlotten- burg, Huttenstralze 12, Chronischer Miftelohrkatarrh geheilt— 5. Frau KBte Tschoepe, Bin.-Südende, Liditerf eider Str. 37. Von aflg-m. Nervenschwäche, Herzneurose und Unlcrleibsicidcn geheilt— 6. Frau M. Ziifke, Berlin. Nollendc rfstr. 40. Rheumatismus«. steife Schulter geheilt— 7. Herr E. Ehrhardt, Gr.-Lichterfelde, Ringstralze 52a. Chronisches Hüftgelenkleiden wiederholt erfolgreich behandelt— 8. Frau E. Hohdorif. Berlin, Kolberger Str. 28-29. Nerven- u. Knochenhautentzündung— vollständig gelähmt— geheilt— 9. Herr F. Nayda, Berlin, Prinzenollee 72-73. Von Kopf- und Kreuzschmerzen, trockener Brustfeiientzündimg nach Influenza geheilt— TO. Frau E. Herzmann, Schöneberg, Feurigstr. 61. Eiternde Fistel nach Blinddarmoperation geheilt— TT. Herr E. Ritter, Friedenau, Spon- holzstr. 56. Von Kniegelenkleiden geheilt— 12. Frau A. Rohrmoser, Berlin, Bresiauer Str. T. Altes fünfzehniöhriues Herzleiden geheilt— T3. Herr M. Aufener, Reinickendorf-West. An- tonienstr. 3. Kiefervereiterung geheilt— 14. J-rau H. Hagel, Sachsenhausen b. Oranienburg i. M. Untcrl.-Blutungen und Nervenleiden geheilt.— 15. Frau Wwe. Fritschler, Berlin, Ma- rienbuiyer Strafte 48. Darmgeschwulsf geheilt— T6. Frau des Herm Inspektors O. Heinrich. Berlin-Fricdrichsfeldc. Magerviehhof. Von Geh.-Knickung geh-ilt.— T7. Herr Erich Bock. Berlin, Havelherger Strafte T5. Von Nieren- und Blasenleiden, Wassersucht, allgemein, gross. Schwäche gehrilt— 18. Frau Restaur. Hering. Berlin, Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit geheilt— 19. Herr A. Brose, Berlin-Tempeihof. Friedrich- Wilhehn-Strafte 14. Schweres Rückenmarkleiden mit Lähmung der Beine vollständig geheilt.— 20. Frau F. Popp. BIn.-Lichten- berg, Gärtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden. Herzschwäche u. Verstopfung geheilt— 21. Herr A. Schlebitz, Berlin, Caprivi- strafee 24. Von Gesichtslupus geheilt; vorher mit Radium erfolglos behandelt.— 22. Herr A. HeUwig, Bln.-Borsigwalde, Emststraft» 25. Von Magengeschwulst, Verstopfung und Nervenschwäche geheilt— 23. Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greifenhagener Str. 26. Von gichtisch-rheumatischen Schmerzen in Bein und Fuftgclenk geheilt.— 24. Herr Gastwirt C. Michaelis, Charlottenburg, Wallstr. 37. Von chronischem Leberleiden und Gelbsucht geheilt— 25. Frau M. Knorr, Berlin-Lichtenberg, Schamweberstrafte 62. Von Herzschwäche. Leber- Anschwel- Jung und Magenkrebs geheilt.— 26. Sohn Paul des Weichenstellers Herrn Wilhelm Haffner, Berlin- Westend, Beamtenhaus. Von schwerem Beinleiden geheilt Bein sollte abgenommen werden. m Briefliche Original- Anerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht. Sprech-«t Behandlungszeit: 9—1, 4—7�, Sonn- u. Feiertags 9— 1. Heilanslaltsbesitzer Professor P. Mirtelfky Arzt approbiert Im Ausland Berlin S0 16, Briickenstrasse 10 b am Bahnhof JannowitzbrUcke Kahla briefHcha Bohandlung, nur nach genauer Unter- aachung In der Hollanztalt 30 jährige Praxis •M,*, ' h-v Verkäufe Biliucnl Halb um- »ist! Slcgantc Steiufüdifc, CdbetiDdifE, fkibtlffidifc, P-lz- «Sntzl, 9Ilasrafüd)fc,"5 Mark an, Bmnfttrfiart PeUltagen PI Mark! MassenauswÄI. Pelzvertrieb, Rotibuserdamm l, neben 3anbocf. Käufer er» Selten Rabatt. lltSrt Tamanflonitftmäntei 77.00, i prima 176;K), hochelegante, j helliarliiae, bunkelfarbige Mo- beOflauichuitter. Aitrachanmän» tei, direkt Vertfwtt, staunen» erregend bMia. Ritmann, Rosenlbaierftraße 14, Iii. scher Markt W? 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Rote Truppen gegen Wrangel haben angeblich eine amerikanische Mil-tarmission gesangen genommen,-� DaS Danzig-Albkommen soll heute unterzeichnet werden. Die VerfassungDanzigs tritt am lö. d. M. i« Kraft. Die Kon. stttuanie soll am gleichen Tage die„Freiheit* der Stadt verkünde,. Die Enteitteverwaliung bleibt einstweilen. Eine Anzahl der beschlagnahmten Danziger Flugzeuge sind freigegeben. Zeligowski-Flieger bewerfen Kowno mit Bomben. Die Frist für die Beantwortung des Völkerbundvorschlages auf Volksabstimmung in W i l n a ist verstrichen, eure polnische Antwort ist noch nicht bekannt, Litauen ist bedingurgSweise einverstanden. Dir italienischen Blätter kommentieren die Ergebnisse der Gemeindewahlen und betonen die Bedeutung der kon- stitutionellen Stege: selbst in Mailand und Turin, wo diu Sozialisten die Mehrheit hatten, beträgt diese nur einige hundert Stimmen. In den anderen großen Städten sei die Niederlage der Sozialisten vollstäudig.— Bei einer Florenzer Freudenkiindgebrnig über den bürgerlichen Sieg kam es zu einem Zusammenswß zwischen den Manifestanten und einigen sozialistischen Gruppen; es find zwei Tote und einige Verletzte zu beklagen. Gleichzeitig mit der italienisch-stidslawischen Konferenz in Ra- vallo, die die Adrio frage lösen soll, ,st es zwischen d'Annunzüz- und Südslawiens Truppen zu feindseligen Handlungen gekommen. Das neue nordamertkanische Repräsentant«.»- Hans besteht auS 293 Nevublikonern, 138 Demokraten, l Sozia- listen. 3 Wilden. der franzoftstbe Kintopp. Es war schon bekannt, daß in Süddeutschland Bestrebungen im Gange sind, Filmunternehmen dem französischen Kapital dienstbar zu machen. Nun ist die„Sociötä general pour le developpement industriel et commcrcial de la (Kinematographie* mit einem Kapital von 3 000 000 Franks in Paris gegründet, die. bereits inWieS Hader ein Hauserworbcn hat. Aus der umfangreichen Zweckbestimmung des Artikels 3 de« Gesellschaftsstatttten sei;o!gencer Hauptsatz hervorgehoben: � Die Ausbeutung in allen chren Formen aller kincmato- graphischen und phonographischen Theater. Dieser Absicht soll die Masseneinfuhr ftanzösischer Films dienen, denen sich die von ausländischem Kapital abhängig gemach- ten Theater' nicht werden verschließen tonnen. Der Fall Helmhake. Wie das ,B. T' erfährt, wird die neue Verhandlung im Prozeß Hiffer-Helmhake demnächst vor dem Schwur- geeicht des Landgerichts I stattfinden. Partrikandldaten für Schleswig-Holstein. Für die wegen der tVolksabsttmmung seinerzeit aufgeschobenen Reichstagswahlen in Schleswig-Holstein stellte die SlstD-BezirkSfemferenz in Kiel, wie uns gedrahtet wird, auf: l. Legten, 2. Luise SchrÖ- Iber, S. Karl E. F r o h m e. 1. Eggerstedt, 5. Dr. Adolf Köster.— Als Landtags kandidaten wurden aufgestellt: 1. Brecour. 2. Peters, 3. Toni Jensen. 1. R i ch t« r- Neu- «mnster und 5. Regensuß- Rendsburg. Ein«mabhängiger Ausschlnstantrag. Die Generalvcrsamm- lung der Rechtsunabhängtgcn in D ü s s.e l do r f hat sich am Sorui- tag mit einem Antrag aus Ausschluß des früheren Reichstagi- abgeördneten Dr. E r d m a n n beschäftigt. Dr. Erdmann hat in dem von ihm herausgegebenen„Deutschen Wochenblatt", das der Einigung der Sozialdemokraten dienen sollte, wiederhol: die Po- Ittik der Unabhängigen angegriffen und hat das Leipziger Aktionsprogramm scharf kritisiert. Es wurde beschlossen, über den Ausschlutzantrag gegen Dr. Erdmann erst abzustimmen, wenn der Beschuldigte sich in einer Versammlung verteidigen könnte. Bemerkenswert ist, daß das betreffende„Deutsch« Wochen- blatt* seit Sonnabend nicht mehr erscheint. Welche Einflüsse zum Eingeh«» de? Blattes geführt haben, ist unbekannt. OewerMostsbewegung Gegen den Wucher. Hamburg, S. Nvvembrr.n betiig ank d,e Milderung der Bedinguiige» deS Friedensvertrages soweit sie die Lebeiismitteloer'orginn beireff n. Nach dem Referat Ehren'e'tS legre die'er eine Reioluiion vor, die die am Schlüsse seiner Rede auS ieiüHrten Forderun'en zu'ammentaht. Genosse Adoli C o h n- Berlin riet eine Kommission ein- zuietzen, die mit der Berl'ner Zeniralstelle die Forderungen, die auf der Konferenz aufgestellt ieien. einer letzten Beraiung unter- ziehen soll. Diesem Rate wurde gefolgt. Bei Schluß der Konke- renz wurde e>ne EiitichliekuNi angenommen, in der die Zentral- insianren der Gewerkschaften ersucht werden, die freigew�rkschakt- liche» Machtmittel anzliwenden. um die heutige Regierung zu beieitigen. falls dieselbe diesen grundsätzlichen Forde- runaen der sreigewerlschaftlichen Arbeitnebmerichait nicht Rechnung zu tragen gewillt ist._ / Handelskammern gegen das Mitbestimmungsrecht. Die Südwestdeurschen Handelskammern haben in ihrer Sitzung in Frankfurt a. M. über die Zusammensetzung der Wirt. scha f ts r ä t« ei de bemerkenswerte Entschiicffung gefaßt.»Eine paritätische Besitzung des Unterbaues(nämlich der Bezirks- wir!schaftsrätel> ist um so weniger erforderlich", heiß: es in dieser Entschließung,.als die Verfassung eine solche nicht vorsieht.. Die Bezirke der Handels- uns Jndustnekammern sind nach dem w i r t- frbaftlichen Bedürfnis, uich�nach bestimmten politischen Gren- zen einzuteilen Ein« pari rä tisch« Besetzung der Körper- schaften würde die Erledigung ihrer Aufgaben nur erschweren und dem Arbcitennieresse nicht dienen. Die Erledigung der sozialpolitischen Fragen im engeren Siune wird nach wie vor den freien Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- organisgiionen obliegen" Diese Entschließung der HandelSkannner ist von e i n s e i t i- gem Unternebmerinteress« diktiert, und es ist vor allem interessant, daß die führende Handelskammer joner südwcstdeutschen Gruppe die von Frankfurt ist, in der die bürgerlichen Demo- kraten(Prof. Trümpler!» führend sind. Das Bestreben der Drahtzieher jener Tnitchließuvg ist klar. Die Sozialpolitik will man der Arbeiterschaft gnädigst mitübcrlasien, dagegen will man von einer anteiligen Kontrolle und Uebcrwachung der Produktionsführung durch die Arbeiterschaft nichts wissen Eine n ich tparilä tische Besetzung deS Unierbaucs der wirtschaftlichen Räteovgamisaiion soll die nötige Handhabe liefern, um die Arbeiterschaft von ihrem berechtigten Kontrollstreben abzu- drängen. Ob die Handelskammern mit solchen reaktionären Tüfte- feien wohl Erfolg haben werden? V: a t o r. verhanülungea in Gberschlesien. Beuthen, 8. Roveinber. Eine Versammlung der oberschlesischen Betriebsräte entsandte eine sünfgliedrige Kommiffio» nach Chorzow, um über die sofortige Arbeitsaufnahme zu verbandeln. Die Verhandlungen begannen heule nachmittag. Morgen iollen die Streitigkeiten in Verhandlungen zwischen dem Ari'eitgederverband und den Belegschaften unter Mitwirkung der Gewerkschaftsorganisationen geschlichtet werden. Roch einer Mitteklung de» ReichSkobkenkommksiarS, die er in einer Besprechung mit Vertieter» der bayerischen Industrien in München machte, wird wahrscheinlich noch Ende des Monats ein allgemeiiieS Ueberschichte»- Abkommen in Ober- ichlesien unterzeichne» werden, das allen Reichsteilen zugute kommen soll._ Etsenbahnerktreik in Heften. Darmstadt, d. November Die Beamten, Angestellten und Nr- beiter der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft sind heute früh in den Ausstand getreten, weil die Dlreklion ihre Gehalts- und Lohnforderungen abgelehnt hatte. Sämtliche üge mrt Ausiia:>me der Nahgüge sind ausgefallen, die rtoffelzufuhr stockt infolgedessen. 'Deutscher Transvortarbeiteroerbaud. Sektion arbeit' r. Betiiebsobleute, Vcitrauensleute, Bewiedsrä e S, Industrie- und General- vcriammlungsdelegiiile der Gro>;- Serliner Äeiallb triebe. Mittwoch z Uhr In der tluia der Zopdienschme, Weinmeisterstr. 18/17, wichtige Funktionär- koiiseicnz. Funttionärkarl« dient als Ausweis. �us aller Welt. Bus der bürgerlichen Welt. Ig tmferem Coltbuier Parteiblati leien wir: Das hienge Blait der Junker, Industriellen, reakiionären Otfiliere und deS sonstigen deul'ch-nalionalen Klüngel« bringt eine Plaudere' über Bübnen» und Schauspielsragen, die mit folgendem interessanten Geständnis beginnt: .... Im Gegensatz zu der bürgerlichen Well, in der der populäre Gl undiatz hcrricht: wer Arbeit kennt und sich nicht drückt, der i st verrückt— drängt sich jeder Mime zu guter Beschäftigung, da er nur solange eine Bedeutung besitzt, als er immer wieder im Rampenlicht vor das Publikum tritt." Der Berkaffer kennt genau fein Publikum, für dos er schreibt, jene.bürgerliche" Geiellschaft, iür die daS erwähnte Sprichwort gilt. Er plaudert gar nicht aus der Schule. Wir kennen sie schon lange, jene Drohnen der menschlichen Gesellschaft, die von den dicke» Dividenden leben. andere für sich arbeiten losien. sich von jeder Arbeit drücken, und überlassen sie geine ihrem Leib- und Magenblaiir. dessen Mitarbeiter ihnen bier wieder einmal aus dem Herzen gesprochen hat._ Grosigauner. Gegen den flüchtigen.Dr." Kornfeld in Görlitz>N wegen Betruges Hafibefehl erlassen worden. Es bandelt sich schätzurigswerse um 7 bis 10 Millionen.. Korweld. der sich für eriien Graien Sternberg oder eine» österreichischen Erzherzog ausgab, sührie ei»'ebr lurui'ö'es Leben und pflegte Beziehunaen zu den e>» f l u ß r e i ch st e n Kreisen. Außer der LüocrS- schen Btlla die eroufK>eMt vollständig neu ausmöbiierie. erwarb er auch das SchüvenhauSetablisienient und schenkte es der Stadt Görlitz. Ferner kaufte er da» Bad Alt hei de für 13 Millionen Mail sowie mehrere Rittergüter, obne aber die Kaiif'iinimen zu bezahlen. Die weiteren Elnutielunge» in dieser Auiseben er- regenden Ängelegeiihe» sind im Gange. Festzustehen scheint, daß es sich um den vorbestraften Buchhalier Rudolf Kornfeld aus Mährifch-Ostra» handelt. Ehemalige RcichSwehrfoldaten als Räuber. In dem Dorfe Moor Hausen im Olde»bu>g>tchei, übeisieleii vor einigen Tagen drei unbekannt« Männer die Bauein'aintli« Gerde?. Unter Drohungen mit geladenen Revolver» forderten sie die Herausgabe des Bargelde«. Da e» in der Nackt war. ließ sich der Hofbesitzer einschüchietn und bändigte dos vorbanden« Geld, annähernd 400 M. den Raubern aus die unbehelligt entlamen. Jetzt ist eS der Gen- darmerie gelungen, die Täler zu ermitteln und sie iir Haft zu nehmen. Es handelt sich um drei Sngebö ige des seinerzeiilgen Freikorps Schulz, die nach ihrer Entlassung die oldenbuigi- «che» Tölier unsicher machten und verschiedene Einbiücke ans dem Kerbbolz baden. In ihrem Besitz wurden mehrere Waffe» sowie reichliche Munitlo» und eine große Anzahl Hondgranaien gesunden. — Das Fieilorp« Schulz hat im Sommer wiederholt von sich reden gemocht. In Oldenburg, wo cS eine Zeitlang trotz Protestes der Bürgerschaft untergebracht war. ließe» sich seine Auge- hörigen mehrfach Schlägereien mit Zivilpersonen z» schulde« kominen. In einem Falle wurde sogar eiu Bürger durch Schulz« gardistcn getötet. Wertzeugausstellung i> Düsselderj. Den Sommer 1021 hin« durch wird in Düsieldors in den Räumen des KunsipalafieS und der anstoßenden neuen Halle eine pioße Ausstellung von modernen deuiicken Werkzeugmaschinen stattfinden. Der Vorsitz der Aiisstellung ist dein Fabrikbesitzer Ferdinand Jagen» b° r g übertragen worden. Die Beteiligung hervorragender Firmen , ist gesichert Bei der Beraubung de« Sarge? der Heilige» Elisabeth in M a r b u> g haben die Diebe 193 Edeisle'.ue und 12 Perlen im Werte von zwei Millionen Mark erbeutet. Außerdem wurden wert- volle Flftgraliarbeileil gestohlen. Ters hrslor'che Wert der Gegen« stände ist sehr groß. Umfangreiche?!ahningSmittrlvorrüte verbrannt. In Radolfzell(Bod.nsee).zeljiöile ein Gioßseuer einen großen Teil der Nabrungsmiltelwerke und damit große Bonäie an Mehl. Suppenpräparaten und Oel. Soldatrncleud in Pommerellen. Die polnische nationale Ar- beiterpanei Hai. wie den P. P N von untcrrlchieter Sefte mit- geteilt wird, durch den Abg. Nowitzki an den Kriegsminister folgende Interpellation gerichtet: Ist dem Minister bekannt, erstens, daß die Freiwilligen sowie die Stellnngspflichtigeu in Poinmerellen über» wiegend aus dem bloßen Fußboden ohne Decken und selbst ohne S:roh in der Herbstzeit bei auSgeschlagcnen Fensterscheiben schlafen müssen? Zweitens, daß die verwundeten und kranken Sol- baten in Pommerellen zu je zwei in einem Bett schlafen müssen? Drittens, daß das zuletz: an das Mutterland angeschlossene vommcrellische Teilgebiet teilweise der Sammelpunkt de? Ab- f ch a u m s der Offiziere und Beamten wurde, wenn man nach ihrem skandalösen Verhalten auf der Straße, in den Restaurants und in den Kasernen, sowie nach den häufigen Uebergriffcn und Veruntreuungen urteilt? Em schweres Unglück hat sich gestern nachmittag im Rathause von Clermont-Ferrand ereignet. Zahlreiche Perionen hauen sich eingesunden, um eine Ausstellung von Fahnen des 13. Korps zu besichtigen. Unter dem Gewicht der Menge brock der Fußboden zusammen, und etwa l00 Personen stürzte» in die Tiefe. Bisher wurden au§ den Tiümmern ein Toter und ungefähr 40 schwerverletzte geborgen. Ein Denkmal am weitesten Punkt de? deutschen Vormarsches. Den Pariser Blättern zufolge wurde auf dem Kirchhos in LouvreS, 111 Meilen nordöstlich von St. De n i s, ein Denkmal errichtet, um diese Stell« als den weitesten Punkt de? deutschen Vormarsches von 1914 für alle Zeiten zu kennzeichnen. Wiedererfcheinen des drahtlosen Wetterberichts vom Eiffelturm. Die Fankenstaiion Effeiiunn iandtcMomag vormittags I t. 30 Uhr zum ersten Male den Wetterbericht au». Die AuSgabe dieser Welter- berichte, die vor dem Kriene täglich erfolgte, tpurde am 2. August >»14 eingestellt. Der erste drabtloie Wetterbericht wurde von 14 europäl'cken Sia'ioncn aufgenommen. Er soll künslightu täglich um ll.30 Uhr ousgegeben werden. Sowietdörfer.La Cauic Commune" brinot interessante Ein- drücke eines erst vor tlirzem aus Srwjetniß'and entkommenen Russen. In den von ibm im Sommer be'uckien Dörfern Rußlands hat der Flüchiling folgende Beobachtungen gemocht, die von der tie'sten A>nili« der Bevö lerung zeigen: Wegen Feblenh aller Baumwollivaren lassen die Müiter ihre Kinder voll« ständig nackt geben, die Männer haben auch auf da» Hemd verzichtet. Anstatt der Knöpfe an de» Kleidern werden kleihe Slückcken Holz oder we'ße Bohnen bernitzl, Nadeln werden aus Ringen gemacht, die Fäden aus alten Kleidunosstücken anS- gezogen. Wege» Fehlens von Lehrern und Bückern sind die Dorfschulen geschlossen, in einigen Döriern Hot die Regierung invalide Soldaten oder Seeieute als Lehrer mit zweiselhaften pädagogiichen Fätiigkriien emgrietzt. D«e kleine» ABC« Schützen lernen aus alten bolschewist'ichen Zeiiungen leien. Acraniw wr den redall. Teil Tr. Werner Petter, Cburlottenburft.(flr fliueiflen: Td Moike. i'erlin. tierlag Sorirüris-Pering W m b. H. itr. 3. ■ Hierza 3 veUnge». __——■ i|_ LEIPZIGER STRASSE KÖNIGS TR ASSE ROSENTHALER STR. MORITZPLATZ VERSAND' ABTEILUNG BERLIN U- 0 LEIPZIGER STRASSE Der neue Wcümachiskatalog wird noch auswärts kostenfrei zugesandt Exlra-Angebot in Kinderkleidung R USS G n kitte? eord Velvst. ksrdlg« Woss- stickerei, Lange 50 cm M. 90.—, Länge 45 cm Madchenmantei los« Glockenform, ni�eoo Winterstoff,(vorrätig 65 bis 95 cm), Länge 65 cm Paletot für junge Mädchen, dreiviertel lang, ein» farbiger Winterstoff...................... Mädchenkleid Stickerei,(vorrätig 60 bis 65 cm), 85°° 125' 19500 Cord- Velvet, Hand- g � ��00 Länge 60 cm zum Knöpfen, blau, gefüttert,(vorrätig für 1 bis 5 Jahre)................. für 1 Jahr verschiedene Farben, für 3 bis 10 Jahre.................. Einheitspreis Knabenmäntel auch gerattert, rar 4 bis 8 Jahre................... 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