Nr. 564 ♦ 37.�ohrgonfl Kusgabe A Nr. 144 Bezugspreis: B•rttliähcU!*),— üi— monatUO,— 3J11. ft«i in» 5ou«. voraus ai)lbat. Post- b«nig ffionatltd. 10,— M!» erst. Su- strllungsqeoühr. Unttr Srttubonb rüt Deutichland und Oesterreich IS/O Di!, für Oos übngt Auslaut de- täglich eimnai. Zustellu» 2150 Posto». stellunqen nedmeu an Oesterreich, Ungarv, Tschecho- Slowakei, Däne- mar:,<,o8ano,, u:f MDura, Schweden und die Schweig.— Sinaetraaen in die Post-'eitnnqs-Pre'slifte, Der.Borwärl-' mit der Eonniags- deilage.Doli mgeit� erichew' wo-uen- lägliw iweiv'ai Sonniaae und Mon- tags"nmai, Telearamm-Adreste .Sojtotbeniorral Berlin'. Morgen Ausgabe Berliner (30 Pfennig} AnzetgeupreiS: Die achtgeipallene Nonpareillezeile lostetZ,— M.TeuerungsznichlagSO«/». .Slsine«nzeigen', das ml- gedruckte Wort L— Vt. lZntässig zwei -ettgedrnckte Wortej, ,ebes weitere Eor> 00 Psg. Stellengesuch» und Schlafstellenanzeigea das erste Wort 60 Psg, iedes weitere Wort»0 Vjg. Worte llber lö Buchstaben zöblen iür iwei Worte Teueriinaszuschlaa 00>,» zamilien-Anzeigen für Abonnenten Zeile Z— M, politilche u»i> ge- werischattliche Vereins- Anzeigen 3,— Ml. die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die a a chst» Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags>m vauvtgeschäst. Berlin SW i. Linden- stratze 3. abgegeben werden. Seossnei von S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozlaldemokratlfchen Parte» Deutfchlands Neöaktion und Expedition: EW. 68, lindenstr. 3. Sernitirertier: Jim«"UJortttbloB, stlr. 15190—15197. Dienstag, den 16. November 19540 vonoärts-verlag G.m.b. K., SW. 68» �indenstr. 3. Zrernfprecher: Am» Ultorinnlnn, Rr. 117 HS— 51. Lruch mit der Hetnebsräte-Zentrale. Ter Ausschuß der Berliner GewerkschaftStim- Mission hatte die Telegierten gester» zu einer Plenarversamm- lung einberufen, um Stellung zu nehmen zu den Beschlüssen des letzte« Belriebsrätekongresses. Nach einem Referat des Genossen Urich und nach ziemlich lebhafter Debatte wurde folgender Antrag deS Ausschusses mit 93 gegen 30 Stimmen angenommen: Nachdem der Betriebsrätekongres? der Orqanisierung der Betriebsräte im Rahmen des Allgemckncn Deutschen Gewerk- schaftsbundes die Sanktion erteilt hat. beschlirßt die am 15. No-. vember 1920 stattgrfundene Plenarvorsammlung, sich cbcusalls auf den Boden der Beschlüsse des BetrirbsratckongresseS zu stelle». Wegmim« und Neumann von der Betriebsrätezcatrale, die verschiedene Male den Versuch unternahmen, die Berechtigung ihner Existenz nachzuweisen, erlitten mit Annahme dieser Ne- solutioa eine völlig« Niederlage. Wie der Lorsitzende Jabith am Schlüsse der Versammlung feststellte, bedeutet die Annahme dieses Antrages die Lösung sämtlicher Bezieh nngen zur Be- tröebsrüteorganrsativa. Näherer Bericht folgt. Hbersthlesiens Abstimmung. Es wird ziemlich bestimmt berichtet, daß die Bolksabsiimmung im letzten Drittel des Januar 1921 staltsinden wird. Die.Oberschl. LandeZztg.' behauptet, datz an der Grenze starke polnische Truppen aufmarschiert seien; zu ihrer Verschleierung habe die bis zum 19. d. M. verlängerte polnisch« Eisenbahnsperre gedient Der Deutsch: Tchlchbund teilt mit.' Di« Sonderzüge, die die stiimnberecht igten Oberschlcsicr aus dem Reiche in das Ab- sii inmlngdgelnet bringen, werden geheizt sein. Um eine gute Beheizung unter allen Umständen sicher zu stellen, werden die Sonderzüg« mit Hcizwagc u versehen. Die Zuge fahren' mit einer Geschwindigkeit von 60.si'ilometer in dcr Stunde, also an. 'tiäbernd mit O-Zgig-Geichwindigkeit. frür alle, kränkliche oder krieftscheschädigte Stimmberechtialc steten Wogen 2. Klasse zur Ber- fügung. Alle Vorbereitungen für d-ie Reise und die Unterbringung der Stimmberechtigten sind so getrofseu. dast niemand von der Teilnahme an der Voltsobstiminung zurückzustehen braucht, selbst wenn der Dernun in die lältestcn Wintertage fällt. der Völkerbunü. D«r Genfer.?> a v a s � Korrespondent will von einer bedeuten- den Persönlichkeit des Völkerbundes erfahren habe», dah Frankreich und England vlllkommrn einig darin feien, die Zulassung Deutschlands nicht zu verhindern. Die Tagung selbst begann untcr'bclgischem Vorsitz mit einer Begrüstungsrede Mottas, des schweizerischen Bundespräsidenten, der nork, Morien deS Ruhmes für Belgiens Verteidigungstampf und cr.ncm Dank an den VÄtkerbund für die Anerkennung der immerwährenden Neu» tralität der Schweiz eine Tankeshotschaft an Wilson für die Einberufung der ersten VölkerbundStagung nach Genf richtet« int'd dem heisten Wunsche Ausdruck gab, es möchten die Ver- einigten Staaten im Völkerbunde ihren Platz einnehmen. Motta schilderte sodnui die Folgen des Krieges, welcher lehre, daß von allen das menschliche Geschlecht verfolgenden Nebeln für Besiegte, aber auch für Sieger dcr fürchterliche Kriegs das gröstte sei. Aus dieser Erkenntnis sei die Idee des Völler- dtindes erwachsen, dessen Wirfung dauernd die Entwicklung< er Staaten beeinstuffen werde. Diesem Urteil könne trotz der Lücken und unvermeidlichen Mängel des ersten Völkerbundsvertrages lein Abbruch getan werden. Selbst>renn da» gegenwärtige von io vielen Staaten errichtete Gebäude dem Zusammenbruch ge- weiht wäre, würden dessen Fundamente nock fortbestehen. Lhne Völckerbuwd wären Verträge, die dem Frieden dienten, schon jetzt nicht mehr durchführbar. Die erste Völkerbundsversammlung dürfe nicht auseinandergehen, ohne den ständigen internationalen Gerichtshof geschaffen zu haben, welcher der sriedltchen Lösung von Streitig ketten zwischen den Staaten dienen solle. Der Völkerbund u»erde gestärkt sein, loenn die Sieger nicht mehr auf die Mitwirlung dcr Besiegten verzichten. Motta fuhr fort: Die Völker müssen verzeihen»fmuen und sie sind mw dann gross, wenn sie dies tun. Der Tag wird kommren. an dem ein vom Taumel geheil'es. vom Elend befreites R u h l a n d im Völkerbund Ordnung. Sicherheit und wechselseitige Hilfe suchei- wird. Ter Bundespräsident sprach sodann von den Aus- gaben des Völkerbundes.»ES ist undenkbar, dass die Staaten auch fernerhin sich unter die erdrückenden L a st e n m i l i t ä- rischer Ausgaben beulen. Tie Lehren des Krieges werden nicht vergeblich gewesen sein Auch dürsten die Staaten sich nicht durch wirtschaftliche S-hutzzallschrank-n gegenseitig absperren. Die- jenigen Länder, die Kohle. Eisen und anderes fördern, dürfen keine Monopole dafür errickiten, sondern müssen den anderen Ländern abgeben." Bundespräsident Motta feierte zum Schluß die Demokratie, die die stärkste Wehr gegen die Diktatur von Minderheiten-sei und erklärte, dass die Demokratie ihre Hauptaufgabe in der Er» ziehung der Böller sehen müsse. Sie müsse auch allen sozialen Etröimmgen frei« Bah» verschafjsn. Redner schloß unter leb- hartem Beifall mit den Worten Dantes:„Die Liebe treibt die Sonne und die anderen Sterne." Vorsitzender H h m a n s erklärte, dass, wenn es den Genfer Verhandlungen gelänge, für di- Annäherung der Staaten etwa wie durch die amtliche Dtznamitisprengung des deutscben kriegerdenkmals in Charleroi? Red.) die Wege zu ebnen, ein guter Schritt vorwärts getan worden sei für eine besser« Zukunft der Völker. Der Völkerbund habe den Ehrgeiz, nach und nach ein gemeinsames Band um die Nationen zu schlingen, geknüpft von dein Grundsatz der gegenseitigen Loyalität. Ein Geist der Solidari- t ä t müsse geschaffen werden, um die Leiden der Völker zu er- leichtern. Als Präsident wurde gewählt der belgische Delegierte Hhmans mit 35 von 41 Stimmen. Weitere Stimmen entfielen auf Bundespräsidenten Motta vier, auf Ador-Genf eine Stimme, auf Leon Bourgeois-Fvankreich eine Stimm«. Die Nachmittagssitzuny war mit Debatten über die Geschäftsordnung» die Tagesordnung und Bildung der Ausschüsse ausgefüllt. Lebhasten Anteil an der Debatie»rahm Lord Robert C e c i l, der Süd- Afrika vertritt, ferner Titwni, Viviani und vor allem Bourgeois. Leon Bourgeois war schnell auf der Tribüne, als Lord Cecil anläßlich der Gesuche Bulgariens und Deutschösterrcichs beantragte, die ZulassuwzSfrist für die Völker- bundskandidaten über den 15. Oktober zu verlängern. Der französi'che Delegierte legte Wert darauf, ausdrücklich festzustellen, dah die Fristverlängerung fiir die Anmeldung nichts mit der Auf- nehindarkeit der etwaigen Saroten zu tun habe. deutfchlanö wartet ab. Der deutsche Gesandte in Bern, Gencsse Adolf Müller, gewährte dem„Journal de Geneve" eine Unterredung, in der er ausführte:„Tculfchlaird wird von der Völkerbnnd-Boll- Versammlung seine Aufnab-iwe in den Bund nicht verlangen. Eine darauf abzielende Bitte, im gegenwärtigen Augenblick vorgebracht, würde lebhafte Erörterungen in der Versammlung entfesseln, und getvisse Staaten Huben zu verstehen gegevsu. daß sie sich einer u n- mittelbaren Zulassung Deutsiblands widersetzen würden. Ich weiß n.cht, ob diese Staaten binreicbende Unterstützung finden würden, um ihrem Standpunkt zum Siege zu verhelfen. Wie dem auch sein möge, eine Erörterung dieser Art könnte nicht ohne Ge- fahr für den Bestand des Völkerbundes selber sein. Im übrigen ist die deutsche Regierung der Ansicht, daß der Völkerbund in seiner gegenwärtigen Form keineswegs vollkommen ist. W,e könnte er es auch sein, da er, tun nur dies« beiden Staaten zu nennen, weder R u ss I a n d nocb Nordamerika zu seinen Mit- gliedern zählt und gerade die Universalität seine E r i st en z- bedingungist? Was ich sagte, bedeutet aber nicht, daß Deutsch- land auf seiner Zttrückhaltuttg beharren würde, im Falle eine Delegation die Frage seiner Zulassung auswirft und diese von der Vollversammlung genehmigt wird. Deutschland würde eine auf Grund solcher Entscheidung ergehende Einladung natürlich nicht ablehnen." Danzig. Genf, 15. November.(WTV.) Int V olk e r k> u nd ra t plädierte Oberbürgermeister S a h m- Danqig in deutscher Svrache dagegen, dass Polen mit der militärischen Verteidigung Danzigs betraut werden solle, und wies auf die Gefahr hin, die der polnische Jmperiaiismus für Dangig bedeute. Er führte zum Beweise Stellen aus einem„Danzig und Polen" betitelten Buche des polnischen Delegierten Affenasy an. Dieser antwortete sehr lebhast. Angesichts der Meinungsverschiedenheiten vertagte der Völkerbundrat feine Beschlußfassung. Der polnische Standpunkt in der milttärischen Frage wuvde von Frankreich und England unterstütz». » Montag nachmittag ist in der Verfassunggebenden Versamm- lung die Fretbeit der Stadt Danzig durch den stellver- tretenden Oberkommissar, Oberstleutnant S t r n t t. verkündet worden. Zum Schluß sagte Strutt:„Jetzt, meine Heroen, als Soldat zu Soldaten sprechend— denn fast alle von Ihnen sind Soldaten gewesen, Soldaten der größten und beivunderns- wertesten(!) Armee, die die Welt je gesehen bot(lebhaftes Bravo! rechts)— sage ich Jbnen: Laßt uns Frieden halten jederzeit. sowohl innerhalb wie außerhalb dieses Raumes. Tie Welt braucht Frieden. Mögen Danzig und Polen darin ein Vorbild sein. Beide Völker mögen glücklich und zuftieden ncbeuemander leben, blisbeu und gedeihen durch gegenseitiges Vertrauen und Freundichaft, bei gegenseitiger Unterstützung! Hiermit erkläre ich feierlich die Stadt Danzig und das sie umgebende Gebiet mit dem houtigcn Tage zur Freien Stadt.""_ die franzoftscben Sozialiften unü Moskau. Paris, 15. November.(WTB.) Dem Parteitag dcr Sozia- liste» des Srine-Tcpartements liegen drei Tages- vrdnungen vor. Eine, die von Cachin und Frossard ausgeht, spricht sich für den bedingungslosen Anschluß an die Tritte Jnternativualr aus. Di« zweite Tagesordnung von L o a- « u e t ist für den Anschluß, jedoch nur unter«r wissen Bedingungen. Tie dritte Tagesordnung, dir von Blum, Mayrras, Rruoudel nnd Bracke unterzeichnet ist, ver- wirft den Anschluß. Tie Verhandlungen des Parteitages werden kommenden Sonntag fortgesetzt. Tie Abstimmung erfolgt in 14 Tagen. 58 091' o89 1>14— 192 343 115 000 id. 105000+ 10000 157 104 218 385— 31281 379182 448 372— 69 190 427 087 412 810 4- 14 277 Ein Signal aus Sachsen. Auch wenn man in Rechnung stellt, daß sich bei der end- gültigen Zählung der Wahlstimmen noch einige Korrekturen der bisher vorliegenden Resultate ergeben, so läßt sich doch aus den im gestrigen Abendblatt von uns mitgeteilten vor- läufigen amtlichen Resultaten ein Ueberblick über die s ä ch- fischen Landtagswahlen gewinnen. Sie stellen sich in ihrer Gesamtheit dar als ein leuchtendes War- n u n g s s i g n a l für die gesamte Arbeiterklasse, das in keinen Schichten des Proletariats unbeachtet bleiben darf. Man kann diese Zahlen selbstverständlich nicht vergleichen mit den Ziffern der Wahlen vom Januar 1919. Was da- mals unter dem Eindruck der Revolution sich bei der Wahl zur Nationalversammlung und zur sächsischen Volkskammer ergab, ist inzwischen durch die Rcichstagswahl im letzten Juni nach mancher Richtung hin korrigiert worden. Zwischen den Januarwahlen von 1919 und den Juni- Wahlen von 1929 lag die Zeit des wirtschaftlichen Nieder- ganges, der inneren Unruhen, lag die Zeit der planmäßigen Verhetzung der sozialdemokratischen Wählerschaft durch die Unabhängigen und Kommunisten. Die Mißstimmung, die gegen die sozialdemokratische Regierung'auch in Sachsen auf- gepeitscht worden war. fand ihre Entladung bei den Reichs- tagSwahlen. Das Kennzeichen jener Wahl war der Rückgang der alten Sozialdemokratischen Partei und das enorme An- schwellen der Unabhängigen, die sich in den Gewinn mit den beiden monarchistischen Parteien, den ehemals Konservativen und Nationalliberalen, teilten. Das Kennzeichen der Landtagswahlen vom Sonntag hin- gegen ist der Zusammenbruch derUnabhängigeu Partei und ein erheblicher Verlust der— Deutschen Volkspartei, die sich vor den RetchLtagswahIen stolz als die Partei des Wiederaufbaus bezeichnete und durch die wenigen Monate ihrer Regierungstätigkeit im Reiche schon an Vertrauen bei der schwankenden Wählerschaft gewaltig verloren hat. Nach den uns vorliegenden Gesamtzahlen aus den ein- zelnen Wahlkreisen sind abgegeben worden im ganzen Frei- staat Sachsen für die Landtagswahl Reickisiagswahl Sozialdemokraten... 567 493 581 77«— 14 285 Unabhängige(rechts).. 280 2181 Unabhängige(links). nai' Kommutiisten... Demokraten.... Deutsche Volkspartei. Deulschnationale.. Danach haben von je hundert Stimmen verloren: Tie Sozialdemokraten 2,4. Unabhängigen (beider Richtungen) 42,61, Demokraten 28.67, Deutsche Volkspartei 15,44; gewonnen haben die Deutschnatio- nalen 3,3 Proz. und die Kommunisten rund 9,53 Proz. Um ein möglichst genaues Bild zu geben, lassen wir im Nachstehenden die Berglcichszahlen aus den einzelnen Wahlkreisen folgen: I. Wahlkreis: DreSdeu-Bautzen. am l4. Novbr. am 6. Juni gewonnen verloren Sozialdemokraten 232146 240 977— 8 831 U.S.P.(rechts). 65 601) U.S.P.(links) 14 930/ zrommunisten 12 862 Demokraten 54 765 Deulschnationale 169 841 Deutsche Volkspartei 134 661 IL Wahlkreis: Leipzig. Sozialdemokraten 68 724 U.S.P.(rechts) 148 722) U.S.P.«links) 43 161/ Kommunisten 24 004 Demokraten 55 595 Deutschnalionale 118 933 Deutsche Volkspartei 110 969 in. Wahlkreis; Chemnitz. Sozialdemokraten 266 623 U.S.P.(rechts)) U.S.P.(links)/ 00 890 Kommunisten 78 330 Demokraten 46 744 Dentsckmaiionale 138 333 Deutsche Voltspartei 133 526 Schon in einer Vorbeiprechnng über die Landtagswahleu ist im„Vorwärts" darauf ouftnerksaiii gemacht worden, daß eine allgemeine Wahl Müdigkeit die Parteien bo- drücke. Tatsächlich sind auch mir kaum 7 6 Proz. der Wähler an die Wahlurne gekommen. Vergliä�n mit der Reichstvgslvahl sind über 366666 Stimmen j wen ig er abgegeben worden. Ist diese Wablmüdigkcit an sich schon kein erfreuliches Zeichen in der Demokratie, die alle ! Staatsgewalt vom Volke ausflehen läßt, so ist es in diesem Falle nocl) besonders bedauerlich, daß der Verlust in weit � höherem Maße die Arbeiterparteien und die bür- gerlicken Demokraten betrifft.� als die rechtsgerichteten Strömungen. Wenn in diesem Falle überhaupt eine Befrie- digung am Platze ist. so könnten wir Sozialdemokraten .allerdings mit Befriedigung seststellen, daß der Verlust lunjere Partei am wenigsten betroffen hat. 188 406 rd. 9 000 96 020 149 837 172 033 57 749 267 520 12 859 33 400 107 288 135 639 283 052 133 558 82 044 68 965 155 685 143 600 rd. 3 800 20 004 13 075 11 145 2195 11 645 107»75 41 255 37 372 75 637 21 670 16 429 67 665 3 714 22 221 17 302 10 074 SStnt den etwa 314 000 weniger abgegebenen Stimmen fallen auf die Sozialdemokraten nur 14 000 Verlust, während die bürgerliche Domokrati« nicht weniger als 61 000 einbüßte. Die Unabhängigen beider Richtungen haben indessen einen Verlust von L51 206 zu buchen. Das ist rund eine Viertel Million von Wählern, die nicht gestimmt haben und die auch nicht den noch Radikaleren zugute ge- kommen sind. Es ist für die Unabhängigen ein schwacher Trost, daß auch die Deutsche Volkspartei mit einem Verlust von fast 70 000 fort den letzten ReichStagswahlen zu rechnen hat, und daß der Gewinn der Dmrtschnationalen sich auf ganze 14000 Stimmen belauft. Der Stempel, der den Landtagswahlen aufgedrückt wurde, ist dieser: Hunderttausende von Arbeitern und Ar- Heiterfrauen, die ihrer ganzen Klassenloge nach zur Sozial- dsmokratie gehören, sind durch jahrelange Aufpaitschung aller Leidenschaften von der alten Sozialdemokratie fortgelockt worden, um der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei am 6. Juni durch ihr Votum eine Stärke zu geben, die sie zur Wahrung der Arbeiterinteressen besähigte und ver- pflichtete. Diese Arbeiterschichten hatten allerdings auf ein falsches Pferd gesetzt. Denn anstatt mit der Sozialdemo- kratischen Partei, dt« in Sachsen trotz allem am 6. Juni und auch heute noch die stärkst« Partei blieb, gemein- fam die Regierung zu übernehmen und so durchzusetzen, was im Interesse der Arbeiterschaft durchzusetzen war. lehnte die U.S.P. jede Beteiligung an der Regierung ab. Dafür erging sie sich in weiteren heftigen Beschimpfungen der alten Partei. bis ihr Oktober-Parteitag von Halle aller Welt offenbarte, wie unendlich morsch ihr inneres Gebäude war. An Stelle der von ihren Wählern erhofften großen Aktion zur Verbesserung der Loge der Arbeiterklasse hat die U.S.P.D. ledig- lich eine neue Spaltung und eine neue Verhetzung ihrer An- bänger untereinander gebracht. Während die Wählerschaft erwartete, daß diese„radikalen" Sozialdemokraten sich mit Eifer an die Eroberung der positischen Gewalt auf Grund der großen Wahlziffern machen würde, hat sie nur in innerem Bruderstreit der Welt bewiesen, daß in den jeweiligen Lagern der„Rechten" oder„Linken" Vcrrqter. Bonzen und der- gleichen schöne Dinge zu finden seien. So bedauerlich eS ist. daß Hunderttausende von Wählern sich durch dieses Treiben die Ausübung der Wahlpflicht haben verekln lassen, so ver- stündlich ist das vom rein Psychologischen Standpunkt. Es geht auf die Dauer nicht an. daß innerhalb der Demokratie eine große, vom Vertrauen der Wähler getragene Partei sich lediglich auf revolutionäre Phrasen und auf reine Opposition beschränkt. Das rächt sich, wie da? sächsische Exempel zeigt, tchon in kurzer Zeit. Auf der anderen Seite zeigt der Wahlausgang auch der ..Wrederaufbaupartei", wie schwierig unter den heutigen Um- standen es ist. die Verantwortung in der Regierung trogen zu helfen. Sie, die sich bis in den Sommer dieses Jahres hinein m Angriffen und Anklagen auf die alte Koalition förmlich überschlug, trägt jetzt feit fünf Monaten erst die Last der©erantworhrng im Reiche. Eine Begleiterscheinung ihrer Mitwirkung ist die in immer größerem Maße wieder eingeführte freie Wirtschaft und damit di« ungehemmte Steigerung aller Preise für Lebensmittel. «m rapider Sturz de« Markwerte«. kurz eine Ber- schlechte nrng der Wirtschaftslage, wie sie von uns Sozial- Demokraten vorausgesagt worden ist. Der Verlust von rund 70 000 Stimmen ist die erste Quittung für die Nichterfüllung ihrer großspurigen Versprechungen. Das Gesamtbild, das sich heute aus den Wahlen ge- Winnen lä�t, ist also, daß die bisher bestehende sozialistische Mehrheit nn Landtage wahrscheinlich erhalten bleibt, wenn auch nur mft einer oder zwei Stimmen. Allerdings kann mit dieser Mehrheit nichts angefangen werden, denn die Kommunisten und Neukommunisten lehnen bekanntlich jede Beteiliguim an der Regierung ab, und ob die Rechts- imabhängigen nach den Lehren dieser Wahl bereit sein wer- den, mit Sozialdemokraten und Demokraten eine gemeinsame Regierung gegen die vereinigten Rechtsparteien und Kommmiisten zu bilden, steht noch dahin. Nach den neuesten Berechnungen, die allerdings auch noch nickt endgültig sind, wird sich der Landtag zusammensetzen aus 27 Sozial- demokraten,.13 Rochtsunabhangigen, 3 Linksunabhängigen, 6 Kommimisten, 1 Zentrum, 20 Deutschnationolen und 18 Deutschen Volksparteilern. Rein rechnerisch wäre also eine Regierung auS Sozialdemokraten, Rechtsunab- hängigen und Demokraten mit Unterstützung des Zentrums- abgeordneten möglich. Nach allem, was wir erlebt haben, ist aber mft dieser Regierungsbildung kaum zu rechnen. Zum Schaden der Arbeiterklasse werden sich die Rechts- Parteien an das Werk machen, um ihrerseits die Regierungs- gewast an sich zu reißen. Daß die Unabhängigen ihnen da- bei in die Hände gespielt haben, ist ihre geschiHliche Schuld. Die Not am Rhein. Di« Wohnungsnot im ganzen Reiche ist grenzenlos. Besonders schwer hat aber unter ihr die Bevölkerung des be- setzten Gebietes und unter ihr wiederum die von Köln zu lei- den. Unser Kölner Parteiorgan bringt erschüttern- des Material, dem wir folgendes entnehmen: Rund 80 000 Personen, das ist etwa ein Achtel der Bevölkerung, sind zu unmittelbaren Opfern der Woh- nungSnot geworden. Von diesen haben 40000 überhaupt keine Familien Wohnung, während die anderen 40000 in völlig unzureick�nden Wohnungen leben. Die Stadt hat bisher 14 Millionen für Neubauten aufgewendet und kann jetzt aus eigenen Mitteln größere Zuschüsse nicht mehr leisten. Während fast überall die Bevölkerungszahl zurückgegangen ist, hat Köln eine Vermehrung seiner Einwohnerzahl um 60 000 seit dem 1. Januar 1919 zu verzeichnen. Dadurch wird die Wohnungsnot natürlich wesentlich verschärft. Im August d. I. waren insgesamt 26287 Anträge auf Wohnungsüberweismig gestellt. Diese Zahl hat sich im Oktober um täglich 100 ver- mehrt, so daß zurzeit ein Fehlbetrag von 60 000 Räumen zu oerzeichnen ist. Ganz enorm wird diele trostlose Loge durch die auS 18 000 Köpfen bestehende Besatzung verschärst. Bon ihr werden 10540 Räume belegt, wozu noch rund 26000 Quadratmeter Bureauräume im Zentrum der Stadt und die Beschlagnahme von 16 Hotels kommt. Für Lazarettzwecke hat die Be- satzung ein öffentliches Krankenhaus und drei Schu- l e n. darunter die staatliche Mafchinenbauanstalt, ae'chuig- nahmt. Trotz dieses Wohnungselends gedeihen in Köln, wie hier in Berlin, die Vergnügungslokale, der verschiedensten, oft recht zweifelhaften Art. sehr üppig. Ihre Zahl nimmt dauernd zu. Bei der Rationierung von Privatwohnungen.st die Besatzung ein großes Hindernis. In fünf großen links- rheinischen Vororten und in der Nähe der Kwernen ist jede von Deutschen verlassene Wohnung zunächst der Besatzung an- zubieten. In großen Stadtbezirken ist die ZwanzSeinmietung unmöglich, weil die Besatzung ein Vorrecht auf cie Wohnungen beansprucht. Infolge der Zunahme der Zahl jener Unteroffiziere und Mannschaften, die sich verheiraten— ein Eheverbot besteht in der englischen Armee nicht— dürfte sich die Zahl der Familienquartiere für Angehörige der Betchungs« armec noch vermehren. Für die Besatzung sind ferner folgende Neubauten zu beschaffen: 1 Wobnung für den Oberkonnnandierenden der briiiichen Stbeinarmee......... M. B weitere Generalswohnungen jeM. t 050 000---- 68 Wohnungen für Oberste 108„, Majore l78„. Hauptleute,„ 876., Leutnant«,. 37t„. Feldwebel.„ l000„, Unter offi,.». Mamtübakt..„ 2092 Wohnungen zum Geiomtbeirage 860 000-- 506 000-- 847 000— 814000= 176 000= 110 000= 1 990 000 5 250000 49 380000 54 648 000 60 031000 118064 000 65 296 000 110000000 von M. 400 159 000 Die Siadt Köln hat sich erneut an die ReichSregreruna um Hilfe gewandt, damft diese notwendigen Bauten ausgeführt werddn können. Im Interesse der unter der Besatzung so schwer leidenden rheinischen Hauptstadt und ihrer Bevölkerung ist zu wünschen, daß der Besuch des Reichskanzlers dem Wunsch der Kölner nach Befreiung aus ihrer Wohnungsnot seiner Er- füllung näherbrachte._ verstbiebung der Lanütagswahlen! Räch den Beschlüssen des ArltcstenratS wird sich die Preußisch« Landesversammlung am 16. bis zum 22. oder 23� Rovrmber vertagen. In den Tagen vom 18. bis 20. November sollen dir Aus» s ch& s s e ihre Arbeiten nach Möglichkeit fördern. Im Dezember werden die Tagungen wahrscheinlich bis zu« 18. dauern. Im Januar nächsteu Jahres soll noch eine kurze Tagung stattfinbeo. ES soll in den nächslru Sitzungen noch darüber verhandelt werden, ob es nicht zweckmäßig ist, dir Wahlen zum Preußischen Landtag anstatt am 18. Frbroar am 2 V. Februar pattfinden zulassen. Für die dritte Lesung der Verfassung ist der 2ö. November in Aussicht genommen worden._ Die unbeliebteu Kriegsgesellsthosten. In der Fortsetzung der Debatte de» Hauptausschusse« de» Reicks- lages(vgl. gestr. Abend-Ausg.) stellt Abg. Dr. Rietz er(D. Bp.s zunächst folgende Anfragen; 1. Welche KriegSgesells ch a f l e n bestehen noch und kür welchen Zeitpunkt ist deren Auslösung in Aussicht genommen: 2. wie lange ist noch das Fortbestehen de« R e i ch s k o m m r s s a r S für die wiitichafiliche Demob lmochung und der seine Be'ugnisie regelnden Verordnungen in Aussicht ge- nommen. Redner beichwert sich dann darüber, datz der Reichswirt» schafiSminlster die Stillegungsverordnung erlassen babe, ohne sie dem Reichstag vonulegen. Dann wendet sick Redner dagegen, datz der Abg. H o ch(Soz.) in der letzten Sitzung de« HauptauSschusie« die angeblich verbrecherische Polilik der durch R» e tz e r vertretenen freien Wirtschaft gegeitzelt habe, die jetzt durch den SozialrsrerungSantrag bejeftigt werden niüsie. Minister Scholz erwidert, datz im fünften Ausschutz gewisse Strömungen vorhanden waren, die Ausfubiabgaben ganz aufzu- beben, jedoch wurde ichliehlich ein Kompromitztveg ge- wäblt, der ibm einwandfrei erschienen sei. Belrcss« der Ausdehnung der Braunkohlenfördernng stellte der Minister eine Steigerung der Produktion lest. Zur Frage der Bergarbeiterwohnungen erklärt der Minister, datz in Oberschlesien bereils 2100 Wohnungen ge« baut worden seien, gegen welche Zahl die 200 bis 800 neueibauien Wobnungen im Ruhrgebiet alladingS verschwinden. Der Gedanke der A r b e i t S d i e n st p k l> ch t sei ein s o z i a l i st i s ch e r lDock wohl kaum,.wie er sie aufiatzt'. Anm. d. Red.) und demo- kralischer. Ein Zusammenhang mit der Frage der A r b e i i S- losi gleit besiehe bei diesem Problem überhaupt nicht. Belreffend den Stand der KriegSgesell schalten werde noch ein genauer Berickt angefertigt werden. Abg. A l b r e ch t sD. Vp.): Die Kohlenpreise sind so knapp bein.sikn j?? Die Red.), datz für die Siedkungsbaulen nichts übrig bleibt. Bon Milliarden- gewinnen könne gar nicht die Rede sein.— Nach Beantwor- iung verschiedener Fragen betreffs Besoldung seiner B e a�m t e n durch Minister Sckolz wird der Titel iür die Beanttenbesolduugen in der Höhe von 3 143 225 M. vom Hauptaus'ckutz bewilligt. Angenommen weiden dann noch weitere Positionen im Gesamt- betrage von 14 435 916 M. Dienstag Weiterberatung des Etats des Reichswirtschaft«- Ministerium«._ Lesoldniigsberatunge«. In einer interstoktionellen Sitzung sämtlicher Parteien der Preutzischen Landesversammlung betoule der preutzstcke Finanzmiinster Lüdemann, eS sei nolwendig, datz jetzt so rasch wie möglich gehandelt würde. Deshalb mlltzten die Parteien im Interesse der Einigung auf manche Forderungen ver- zichten. selbst auf solche, die sie für nolwendig hallen. Ferner sei' erforderlich, datz auch die Beamten die ungemein schwierige Lag« der Finanzen PreutzenS berücksichtige», die die Ersüllung der weitergebenden Forderungen völlig miSichlietzen. Der Präsident der Preutzischen Landesveriammlung. Leinert, erklärte sich bereit, alle« zu tun, wo» eine Beschleunigung der parlamentarijcheu Arbeiten ermögliche. Kulturnotopfer. Von Paul Siltmanu. llebe» die wirischaftliche Notlage der Werdenden, der Stwdenten irriS Äunststudierenden, hat die Presse wiederholt erschütternde Einzelheiten bekannt gegeben. Das LoS der Gewordenen, derjenigen. die zumeist durch ihre geistige Arbeit bereits Werte für die Allgerneinheit geschaffen haben, ist der Oeffentlichker: im großen ganzen unbekannt. Das grelle Rampenlicht, da« die wenigen Glücklichen beleuchtet, von denen die Menge Kenntnis nimmt, ver- stärkt das Dunkel, worin.Hunderte vom Schicksal Mißhandelter ihr Dasein verbringen. Rur besonderes Auffehen erregende Fälle, wie der Tod jenes begabten Musikers, der unlängst in den Tiefen der Havel'Erlösung suchte, oder der, scheinbar wich hierher gehörige. Fall Kaiser— eS wird hierüber noch ein Wort zu sagen sein— werfen eine blitzartige Erleuchtung über das geistige und Wirt. schoftliche Elend der fveien Schriftsteller und Künstler. In ihren BerufSgenoffenschaften weiß man freilich Pescheid. wie«S hinter den Kulissen aussieht: um so unbegreiflicher ist indes die Scham- ha fl>i gleit oder die falsche Presvigepolltik, die verhindert, daß die Oeffentlichkeit ohne Rückhalt über die trostlose Lage jener Berufe aufgeklärt wird. Denn dies« Sache geht die Ration an, nicht bloß die betreffenden SrwerbSkreise. Die Geister müssen wachgerüttelt werden und erkennen, daß, trotz der noch hier und da zur Entfaltung kommenden Blüten, der Stamm der Kultur bereit« abstirbt und gänzlich zugrunde geht, wenn nicht Abhilfe ge- leistet wird. t S*re cur»oul« s Rettet unsere Seelen), der Ruf der Schiffe in Seenot, ist der Schrei, den Hunderte von geistig schafsenden Menschen, darunter fthr viel« Schöpfer anerkannter Werke, heute angehört in die Welt hincnrSslohen. Es dürfte nichts schaden, einiges von den Berufsvorgängen zu verraten. In der Delegierten- aerstunmlung eine« der größten Schviftftellerverbände. dem die namhaftesten Buchautoren angehören, wurde widerspruchslos fest- gestellt, datz es kaum einen Sichrtststell« mehr gäbe, der nicht durch die Rot der Zeit gezwungen wäre, Zuflucht in einem ihm fremden Beruf zu suche». Ais Gegenstück hierzu berichtete d« Münchner Delegiert«, daß ihm ernste Schriftsteller bekannt seien, die wegen Mangels an DekleidungSstücken nicht mehr ihr Kämmerlein zu ver- lassen imstande wären. Bogel im Käfig, die sich das Futter nicht mehr suchen können! Man stell« sich einen ähnlichen Vorgang in einer«rieiierorganisation vorl Aber der Künstler ist edel, er wahrt den Schein auch dann noch, wenn ihm der Boden unter den Füßen entschwindet. Rein, er ist ein Trottel,, der sem Schicksal verdient, wenn er, dem da« Wort gegeben ist, da« Berge versetzen soll, nicht unermüdlich die Gleichgültigkeit und Dummheit der Zeit damit bekämpft. Ja. di« Kultur ist ein herrliches Ding, das der satte Bürger im t-omten Hei« ad« in de» UuterrichtAan stalten, die seine Welt ver- klären, nicht genug zu preisen weiß. Denkt er je daran, daß die Träger dieser Kultur genau so, oder fast so wie er. essen müssen, um leben und schassen zu können? Di« Kultur, die er meint, ist die Anleihe von gestern. Di« Kukwr von heute und morgen muß aber«fhören, wenn nicht ei» Mittel gegen ihr schwere« Siechtum gefunden wird. Der Antisozialist Nietzsche meinte, daß ein Volk der Umweg zu ein paar Genies fei. Wir find der Ansicht, daß die schöpferisch« Phantasie eine Lebensnotwendigkeit für da« ganze Bsl? ist. Wenn also Schriftsteller und Künstler zeitweilig nicht mehr wirken können, so mutz der Staat eingreifen. Es geht nicht länger an, diesem sich täglich verfchlirnriierndcn Zustand untätig zuzu- schauen. Jetzt darf ich auch auf den Fall Kaiser vertoeisen. Es handelt sich hier um«inen begabten Künstler, dem die Rat eine« früheren Jahrzehnt» wie ein Bleigewicht an den Füßen hing. Die Zensur hatte seine Stücke verboten, für die Unternehmer war er noch keine Sensation. Man muß im Wahnsinn gestorben sein, wie Lautensack, oder den wilden Mann spielen, wie Wedekind, um für sie ein Kassenartikel zu werden. Jetzt ist Kaiser ihr Mann. jetzt, wo s» für ihn zu spät ist. Infolge der zehn Fahre Vorschuß aber war die Ernte bereits auf dem Halm verpfändet. Dieser Fall liegt besonder» kraß. Es gibt anzählige andere. Von dem dieser Tage verstorbenen Eäsar Flaischlen weiß man, datz die Rot der Zeit sein« Nerve» zerbrochen hat; von Ernst v Wolzogen las man, datz er nicht die Mittel habe, die Anordnungen seines Arztes zu befolgen; eine der ersten Frauen unserer Zeit lebt im Elend. Ja. e» ist nicht nötig. Namen aufzuzählen, da« Unglück ist allgemrin. Abhilfe? Eö gibt viele einfache und zum Teck selbsiver- ftändliche Mittel. Die Aufführungen der Klassiker und aller sonstigen Werke, deren Schutzfrist erloschen ist. müßten zu- gunsten lebender, verdienter Autoren besteuert werden, wie eS beispielsweise in Frankreich fett langem geschieht. Die ans Verdienst zielende» Leihbibliotheken müßten einen Prozentsatz ihrer Ewnahmen abliefern. Di« Uebersetzungen ausländischer Bücher, ebenso die Aufführungen auSländifcher Autoren, sollte, in smer Weise besteuert werten, daß«s nicht mehr so wi« Blähet lohnt. dem einheimischen Autor den fremden vorzuziehen. Da» verstößt keineswegs gegen unser auf den freien Berkehr der Nationen ge. richtete» Prinzip. Solange irrcker« Nation durch wirtschaftliche Re- pvessalien unserer früheren Feind« in seiner Existenz beetnträchligr ist, erscheint es sogar als Pklicht, di« schöpferische Kultur weitifftwä vor dem Untergang zu bewahren. Die Ausländerei unserer Ge- jchäftSbühnen und Verleger ist schon vor dem Krieg von allen Ein- sichtigen bekämpft worden. Benützen wir fie zum mindesten, um einen Teil der Tantiemen unseren notleidenden Dichtern zukommen zu lassen. Unser Appell ist an den Staat gerichtet. Wird er den Notschrei hören? Wird er zu der einzig möglichen Abhilfe, zur Errichtung einer Kulturnotkasse schreiten? W'rd er die deutsche schöpfertjche Kultur vom Untergang retten? Im Bernhard-Rosc-Theater w-uvden als Vorstellung einer sonst gänzlich unbekannten„Freien literarischen Bühne" am Sonnlag nachmittag zwei Dramen Willy Dencker» aufgeführt, d'e bei durchaus gewandter Bersifikation und vermutlich ernstem Wollen den Eindruck einer Art von seelffcher Farbenblindheit machten. Der Autor, der für seine Helden Sympathien wecken, sie zu symbolischen Gestalten steigern, möchte, schien kein Gefühl dafür zu haben, wie die zu diesem Zweck erfundene dramatische Handlung die Absicht in ihr Gegenteil verkehrt, ja stellenweife geradezu parodiert.— Im „Weib zu G i b e a", einer alttestameniarisch kostümierten Ge. ichichte, halt der mil einer S-iammsremden vermählte leviiische Prophet vor einem älteren Juden schwungvolle Reden auf die Gött- lichkeit der Liebe und aus fem junges Weib, um dann, als fanati- sierter Pöbel draußen die Auslieferung der fremden Frau verlangt, ruhig zu dulden, daß sich die Geliebte und de« Alten Tochter rür ihn opfern? Als fie geschändet und gemordet sind, ergeht er sich sodann in blutigen Rochefchwüren. Roch grotesker wirkt der Widerspruch in der„Braut nacht einer Königin". Ein Narr, in dessen buckligen Körper(nach bei AutorS Ansicht) eine männlich kühne, zu stolzem Höhenflug ge- stimmte Seele wohnt, hat sich m di« schöne Herrscherin vergafft, die mft dem armen Kerl ihr Spiel treibt. Jndeß, ein roter Purpur- mantel, den er dem Leichnam eines im Turnier gefallenen Prinzen stiehlt, genügt ihr. um den so Verkleideten für einen Fürsten zu halten. Sie feiert auch gleich aus der Stelle mit ihm Brautnacht, ohne selbst bei der Gelegenheit den Buckel zu bemerken. Edel wie er istz will er den Betrug durch einen Selbstmovd sühnen, wird aber, ehe cr dazu kommt, durch einen Dolchstoß der nachträglich Auf- geklärten umgebracht. Doch einen Trost hat er im Sterben. Pflanzt euch hinauf, so sagte Zarathustra. Im Geist sieht er aus seinem Samen einen Sohn erblüben, der alle Glut ver eigenen Feuerseele mit aller Schönheit der Geliebten in stch vereinen wird. EZ sind Verrenkungen des einsochen Empfindens, die an Gewaltsamkeit kaum überboten werden können. ckt. Die Jvrvfreie Kunstschau wurde Sonntag mittag« im Lan- deSausstellungsgebäude am Lehrter. Bahnhof eröffnet. Der Vorsitzende, Maler Hermann S a n d k u h l. begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Gäste, Prof. Wätzoldt überbrachte die Glückwünsche deö preiltzische, Kulru-sm ini irerS, und der RÄchSkunjv» warr Dr. R e d« l o b sprach über die Bedeutung der furyfreien ÄuSsiüllungen besonders als ein Mittel, in dam kritiklüsternen Publikum da« Verantwortlichkeitsgefühl zu erwecken. Wir wevden über d e in mehrfacher Hinsich: interessante Ausstellung noch aus- führ dich ber ich. en. Tbeater. 9lm Deutschen Tbebter findet am Dienstag fiap . O t b e l l o � eine?l> fiäbiung ron.flabale und L i e d e- ftoll_ Am Buniag sowie am 20 und 21. November finde» die einzigen H bfl, auffühiungcn de«.Parfisal' imDeutickenOpernbauIe siatt. Proletarisches Theater. Die nächsten Voistellungen de« d'et- aktigc» Schauspiels.Dt« Feinde" von Züarim Korkt finden slalt- Am Mittwoch, de»>7.. nachiiullagS 21/. Udr. Miillerftr.>42; Tonne, Stag' den iL., abends 7st. Uhr. Hascnhaidc iZ und Freitag, den ig.. obeickS 7'/, Übe, Wictejstr. 34. Karten zu M. ZFO und ÜR. 1,—(für ArbeüSiosel an ter Kaste. Die Freisprechung«ldolf HeilbornS durch da« Jenaer Schöffen. gericht gesSlll dem Proteffar Dl ate nicht,(fr tat? e r u f u n g ffti.-elegt Heilaae öes vorwärts GroßGerün Was ksftet's! Die Lebensmittelpreise hallen sich nach wie bor aus beträchllicher Höhe. Kartoffeln, durchweg von schlechter Beschaffenheit, kosten das Pfund 50 Pf. Auf das Pfund berechnet muß man bezahlen für Rotkohl 2S— SZ Pf., Mohr. r« ö c n 45 Pf. und mebr, Rosenkohl 3.75—4,75, Gries 4,90—5,50, Hülsenfrüchte und Reis blieben auf der bisherigen Preishöhe. Für Schmalz muß man 21—25 Mark pro Pfund ausgeben. Die Fischzufuhren waren wieder reichlicher. Früher hatte Deutschland, sein erster Fischdampfer trat 1335 in Tätigkeit, eine hochentwickelte Hochseefischerei, deren Organisation tadellos funk- lionierte. Nach Befischung der Nordsee liefen die Fischdampfer einen Fischereihafen an, legten dort läugsseit der Auktionshalle an, wo morgens um 4 Uhr bereits die auf See geschlachteten und ausge- nommenen Fische verauktioniert wurden und auf der anderen Seite der Halle in die sonderlich für diesen Transport bereitgestellten Eisenbahnwagen verladen wurden, um sofort nach den Binnen- städten abzurollen. So konnte der Großstädter mittags die Fische verspeisen, die während der Nacht angebracht waren. Die Eiträg- niffe der Binnenschifferei wurden hingegen meist lebend versandt. Die Schellfische, die Bewohner der nördlichen Meere, kosten das Pfund 4,25— 5,00 M. Erkennungszeichen der Frische find die rosa Kiemen. Für die nach hier gesandle Ware kommt der Nordsee- Schellfisch in Betracht. Hauplsänge von Kabeljau macht man jedoch au der Bank von Neusundland und bei Norwegen. Grüne Heringe bekommt man das Pfund von 3,50 M. an. Bücklinge, geräucherte Heringe, kosten pro Pfund 3,80 bis 3 00 M. Für einen Brathering zahlt man heutigentags .glücklich' Stück 2,50 M., für eine Makrele 3 M. und für Sprotten, die man an der Nordkllste Deutschlands fängt, Pfund von g M. an. Sprotten werden oft gefälscht, indem man fie durch junge, geräucherte Heringe, oder auch Stinte ersetzt. Stinte kosten das Pfund 2 M. und aufwärts. Sardellen, an der Westküste Frankreichs und Spaniens be- heimatet, sind eingcsalzene Anchovis ohne Kops und Eingeweide. Sie werden mit jungen Pilcharden verfälscht. Saldinen in Oel sind schwach gesalzene, in Oel gesottene Pilcharden ohne Kopf und Eingeweide. Sie werden mit jungen Heringen verfälscht, die auch sehr oft als norwegische Sardinen(in Tomaten) ver« kauft werden. Spanische gute Oelsardinen erhält man, eine verhältnismäßig große Dose, von 11 M an. Flundern (Teer-Sandbutt), die vielfach geräuchert in den Handel kommen, kauft man für 4— 5,50 M. das Pfund. Zander kommen 6,25 M., Goldbarse 4 M. und Karpfen das Pfund 11—12 M. Fettreiche Fische, z. B. der Aal. find schwerer verdaulich. Er ist ein schlangen- ähnlicher Fisch mit scheinbar nackler Haut. Ein Räuber in Meeren und Flüffen, der sogar über Land gebt und auch Aas nicht verschmäht, der Flußaal, kann bis 6 Kilogramm schwer und bis 1,25 Meter long werden. 30 Mark und mehr kostet er heutigentages pro Pfund. Der lebende Aal wird stets ungern von der Hausfrau geschlachtet. Man lötet ihn durch Abtrennen des Kopfes. Die Äeflexlätigkeit der Rückenmarks ist eine sehr starke. So kann sich der tote Aal, ja, selbst Teile von ihm können sich noch winden. Die Reslextätigkeit hört aber sofort auf, sobald man eine Stricknadel in das Rückgrat stößt. Eine Nevolverjchießerei auf offener Straße rief gestern mittag im Norden der Stadt große Auftegung hervor. Durch sie wurde ein Mann getötet und zwei weitere Per- sonen verletzt. Der Täler stellte sich später selbst der Polizei. ES ist dies der 50 Jahre alte Alihändler David Baschkewitz aus der Liebenwalder Straße 60. Bafchlewitz hatte an, vergangenen Freitag einem Manne eine Uhr verkauft. Als der Kunde den Althändler gestern mittag gegen 11 Uhr in der Liebenwalder Straße traf. machte er ihm Borhaltungen darüber, daß die Uhr nicht gebe. Er forderte sein Geld zurück, doch ließ sich Baschkewitz darauf nicht ein. ES kam zu einem Wortwechsel auf offener Straße, in besten Verlauf der Althändler seinen Revolver zeigte. Der Uhrkäufer blieb darauf Das Lichk der Heimat. 63j Von August hinrichs. Das Tedränge nahm zu, es summte wie in einem Bienen- schwärm. Ein alter Herr mit weißem Backenbart stöhnte neben Dierk auf:„O Gott, warum habe ich nicht gestern noch— zu spät, zu spät." Er schüttelte den Kopf, seine Augen irrten leer in die Runde, füllten sich mit Tränen— Dierk sah ihm nach, wie er gebrochen hinansschlich. Nun stand ein Spanier neben ilim. die Stirn gefurcht, die Brauen siniter zusammengezogen, die Muste geballt. Dierk sah über die Menge hinweg, alle Gesichter wild verzerrt, alle Augen gierig glänzend. Waren das noch ruhige Kaufleitte? Spieler waren es. leidenschaftliche Spieler. Und er selbst—? Es brauste ihn, vor den Ohren, er verstand schon längst keine Zahlen mebr, wußte nichts mehr von dem Stand dieses fürchterlichen Rennens. Nur ein Gefühl beherrschte ihn: die Hände frei, weg aus dieser gefährlichen Luft. Er wollte Med mit fort- ziehen: JVied wehrte ihn unwillig ab, ein �limge stand vor chm mid reichte ihm gerade einen Zettel: Fied las gespannt und lächelte, dann reckte er sich auf und gab irgend jemand ein Zeichen. Ein Makler schrie etwas in den Saal. Das Sumnien schwoll an. wurde ein Brausen, Mr. Thonrsen sah zu Fied hinüber und hob die.sxmd. Fied nickte. „Fsied— ich Halts nicht mehr aus," knirschte Dierk. „Komm nur, mein sÄmge, wir sind oorlätkfig fertig," sagte Fied und schob sich langsam mit ihm nach draußen. „Warum hast du vorhin nickt verkauft?" fragte Dierk. Da lackte Fied schallend auf:„Nicht verkauft? Junge, ich Hab dich soeben zum reichen Mann gemacht, und du bastS nicht mal gemerkt?" „Du hast verkauft? An wen?" „Mr, Thomfen!" „Wie teuer?" »220" „220," wiederholte Dierk mechanisch und wußte nicht, was «S bedeutete. „Dann haben wir doch jeher Wer"0 000 vevd-ient. nickt wahr?" »Du bist ein schlechter Rechner," lochte Fied,»setz nchtg zurück, doch folgten zwei Bekannte von ihm dem Althändler bis zur Hochstetterstraße und stellten ihn dort wieder zur Rede. Plötz- lich zog der Althändler wieder seine Waffe und als die Umstehen- den jetzt auf ihn zusprangen, um sie ihm zu entreißen, drückte er ab und traf den 22 Jahre alten Kutscher Karl Banz aus der Utrechter Straße 25 schwer. Der Verletzte wurde von Freunden in das Haus Liebenwalder Str. 60 gebracht. Der Althändler feuerte noch mehrmals in den Hausen hinein. Der zuerst Getroffene er- hielt einen zweiten Schuß und brach tot zusammen. Außerdem dem wurden ein junger Mann und eine Frau verwundet. Im ganzen gab Basckkowitz 14 Schüsse ab. Dann entfernte er sich und ging selbst zur Polizei: er wurde in das Polizeipräsidium einge- liefert. Durch den Kofferladen in die Nachtbar. Immer neue Wege finden die Veranstalter lukrativer Nachtbe- triebe, um ihre versteckten Räume den Gästen zugänglich zu machen. So wurde von Beamten der Abteilung W in der letzten Nacht in der Marburger Straße 14 wieder ein Betrieb ge- schlössen, dessen Aushängeschild ein Kofferladen war. Durch dlesc» Laden, der nacbts nicht verschlossen wurde, fanden Ein- geweihte und Eingeführte durch ein kleines Kontor und andere dunkle Räume Zugang zu Privaträumen am Hofe, in denen bei Tanz und Spiel— sehr gedämpftem Spiel— der Sekt in Strömen floß, die Flasche nicht unter 300 M. Wie gcwcnnreich diese Betriebe sind, kann man schon daran ermeffen, daß der Unter» nehmer an der Flasche Sekt mindestens 250 M. verdient. Der Schlepper mag einige hundert Mark die Nacht kosten, erheblich weniger bekommt schon der Musiker. Jede weitere Belastung, die ein ordnungsmäßiger Betrieb zu tragen hat. fällt weg. So bleibt fast die ganze Einnahme für die Tasche des Unternehmers übrig. Der Betrieb wurde geschlossen, ebenso drei andere, die die Beamten im Westen noch Weiler überraschten. Kohlenversorgung. An die Laubenkolonisten. Der Magistrat(Deputation für Koblenversorgung) gibt bekannt: Die Vorarbeiten für die Ausschreibung der neuen Kohlen- karten haben begonnen. Für jeden Berliner Haushalt wird eine auf den Namen des Haushaltungsvorstandes lautende Kohlenkarte ausgestellt werden, die je noch der Zahl der in Frage kommenden Personen und heizbaren Räume gestaffelt ist. Um auch hinsichtlich der L a u b e n k o I o n i st e n die bierfür erforderlichen genauen Unterlagen zu schaffen, werden diejenigen Laubenkolonisien, welche in Berlin keine feste Wohnung haben, ersucht, in den nächsten Tagen im Bureau der Deputation für die Kohlendersorgung. Spandau er Str. 10, 2 Treppen, Zimmer 1, die erforderlichen Karten abzuholen und ausgefüllt so- bald als möglich daselbst abzugeben. Die Abholung und Abgabe der Fragebogen kann auch durch die Vorsitzenden der Laubenkolonien erfolgen. Im Jntereffe der Laubenkolonisten liegt es. dieser Aufforderung so schnell als möglich Folge zu leisten, da andernfalls die recht- zeitige und ordnungsmäßige Zustellung der neuen Kohlenkarten an sie in Frage gestellt wird._ Die objektivste Behörde. Uns wird geschrieben: In der Bevölkerung besteht über die Wohnungsämter keine allzu hohe Meinunn, ob mit Recht oder Un- recht, ioll hier n'cht untersucht weiden. Daß es aber noch Behörden gibt, welche Maßnahmen der WobnungSämter kurzerhand korri- gieren, dafür ein Beispiel aus Britz. Ein bei der Holzhandlung Paßling u. Co. beschäftigier und gleichzeitig wohnender Kutscher hatte sich eines Holzdiebstahls schuldig gemacht. Der Mann ist Vater von acht Kindern: letzleres entschuldigt zwar seine Handlung nicht, läßt dieselbe unter Berücksichtigung«nscrer gesamten Zustände aber doch in etwas milderem Lichte erscheinen. Der ungetreue Kutscher wurde sofort entlassen und sollte mit seiner Familie sofort die Wohnung räumen. In der Aufregung ließ er sich zu der dummen Drohung verleiten. er werde den ganzen Holzplatz anstecken, wenn man ihn mit seiner Familie aus der Wohnung hinaussetze. Die Firma trat an das Wohnungsamt heran und verlangte die Einwilligung zu folgendem Wohnungstausch: der vor« genannte Kutscher solle eine der Gemeinde gehörige Wohnung be- ziehen, der bisherige Mieter der Gemeinde solle Wobnung und Stellung bei der Finna übernehmen. Die Firma wollte sich weiter verpflichien. für die Miete des Entlastenen eine Zeitlang zu basten. Das Wohnungsamt lehnte ab, und zwar weil Ausficht be- stand, dem Entlassenen eine Stellung als Landarbeiter auswärts zu beschaffen und dann mit dem Antritt der Stellung und dem Umzug nach auswärts in einigen Wochen gerechnet werden nock eine Null dahinter. Wer jetzt konrm— wir wollen un8 gleich Plätze bestellen— erster Kajüte nach Hamburg, es kann darauf stehn." Mitten auf der.Hauptstraße hielt Fied vlötzlich cm. „Junge," sagte er,„ich muß irgend etwas Verrücktes begehen, sonst halt ichs nicht aus in meiner Harrt. Warte mal einen Augenblick." Er lief in ein Putzgeschäft und kam gleich darauf mit einer kostbaren Straußenfeder zurück:„Die soll sich meine Mutter an den Hut stecken." sckrie er,„damit die ganze Weidenstraße einen Schimmer kriegt, was wir für Kerls sind." Da fand auch Dierk ein Lächeln wieder. Seine Mutter, seine Heimat, feine Arbeit-- sein Werk— alles wartete auf ihn. Heim! Heim! „Bin heut« 12Pä dort." Immer und immer wieber las Dierks Mutter den kleinen Zettel, den ihr der Telegraphen- böte heute früh ins Haus brachte. Die Hand hatte ihr gc- zittert, als sie ihn entfaltete, und als fie den Sinn begriff, niußte sie sich erst setzen, so wairkten ihr die Knie. Aber der brenzliche Geruch eines angebrannten Wäsche- stückes jagte sie rasch wieder auf, hastig riß sie dos Eisen hoch und setzte es ans den Rost. Dann stand fie, stützte sich mit beiden Händen auf die Tischplatte und las und las,� faßte endlich den Zettel an— es war kein Traum, es war ein richtiges Telegramm, aufgegeben in Hamburg. Er kam, er kam wirklich! Zwei Jahre hatte sie sick auf diesen Tag gefteut und sich oft ausgemalt, was sie alles dazu herrichten wollte. Jetzt stand sie ratlos und wußte nicht, waS sie tun sollte. Sie wars einen Blick auf die kleine Weckuhr, nur nock zwer Stunden, und was hatte sie noch alles zu besorgen. Sie lief an den Herd und schürte das Feuer, setzte den Kessel auf und� schob rhu gleich darauf doch wieder zur Seite. Dann lief sie in die Kammer, aber da war alles bereit: Sie rückte an den Betten— was wollte sie eigentlich tun? Hastig begann sie wieder zu plätten. Sie sah nach der Uhr— kaum zehn Minuten waren vergangen: wie endkos lange war es noch bis dahin. Da 'arbeitete sie fleißig weifer. legte ober das Telegrannn vor sich auf den Tisch, daß sie es immer vor Augen hatte. Und immer wieder mußte sie es zwischendurch ia die Hand nehmen. Dienstag, 16. November 1920 konnte. Die Firma wandte sich nun an das Amtsgericht und er- zielie dort einen Vergleich, wonach der Enllnffene sich zur sofortigen Räumung und die Firma sich zu einer zeilweiligen Mietezablung verpflichtete. Ohne nun nach einer Genehmigung des Wohnunas- amtes zu fragen, ohne dasselbe und die Gemeinde als Hausbesitzer zu informieren, veranlaßte die Firma Paßling in Co. die beiden Arbeiter, den Wohnungslauich zu vollziehen und Gemeinde und Wohnungsamt vor vollendete Tatsachen zu stellen. Eine nunmehr vorgenommene Strafanzeige des Wohnungsamtes gegen die Firma wurde von der Oberstaatsanwaltichaft II mit der Einstellung des Verfahrens.mangels Bewußtseins der Rechiswidrigkeit' beant- wortet. Daß die in der Gegenbegründung von der Firma gemachte Angabe, der Dezernent habe die Handlung der Firma als.kapiialistiich" bezeichnet, auf die ablehnende Stellungnahme der Staatsanwalt- schalt irgendwelchen Einfluß ausgeübt hat, ist natürlich nickt an-n- nehmen. Ter Schleichhandel und Wucher in Hotels. Zu uwsereir Auslassungen erhalten wir eine bemerkenswerte Anschrift eines Lesers unseres Blattes, der wir das Folg�rde ent- nehmen: Die bürgerlichen Zeitungen unterstützen die fraglichen Kreise geradezu in ihrem Treiben und verldunkeln den Tatbestand insofern, als ob es sich nur u-in Schleichhandel handle, während doch in Wirklichkeit schwerer W n ch e r in Frage steht. Vielleicht veröffenKichen Sie einige„Speisekarten"(1 Scheibe Fleisch, so dünn wie Papier, 35 M., 2 Eier im Sauce 30 M., ein kleines Stück Käse 15 M., saurer Wein 80 bis 200 M. ustv. uswh. Am interessantesten scheint mir aber folgendes, was noch nicht öffentlich erwähnt ist: In vielen Städten(Hamburg, Bremen, Düsseldorf usw.) wird durch öffentlichen Anschlag im Hotel bekanntgegeben, daß Aus- l ä n d e r das Drei- und Vierfache zu zahlen haben. Mit der Be- gründung der Valutadifferenz. Nun könnte man allenfalls eine solche Valutastsuer verstehen, wenn sie der Allgemeinheit (Staat, � Kommune usw-) zugute käme. Wenn sie aber der Hotel- Wirt in seine Tasche steckt, so ist dies bestimmt Wucher schlimmster Art. da er ja mit dem vierten Teil, den der Inländer zahlt, auch zurecht kommt! Für den van dem Ausländer gezogenen Wuchergewinn erfolgt ja keine entsprechende Mehrleistung. Außerdem wird der Inländer immsr zurückstehen müssen und kein Zimmer bekommen, da der Ausländer naturgemäß wegen des höheren Preises immer bevorzugt werden wird. In der Straffache gegen den noch in Haft befindlichen Direktor Birndörfer vom Eden-Hotel findet nnwmehr der Hauptverhcmdlungstermin vor dem Wnchergericht des Land- gerichts II am nächsten F r eitagvormittag 10% Uhr statt. Die gegen ihn erhobene Anklage beschuldigt den Angeklagten des Ver-- brechens gegen 8 1 der Bundesratsverordnung vom 7. März 1019, foizner der Vergeben gegen eine große Anzahl von Verordnungen und Bekanntmachungen des Magistrats. Die Notlage der Kommnnal-Unterbeamteu. Die Notlage der untern kommunalen Beamten und Angestellten Groß-BerlinS wurde am Sonntag in einer übervollen Vsrsamm- lung bei Haverland behandelt, die für die genannten Gruppen von einem sreigebildeten Komitee einberufen worden war. Ueber die Notlage führte G r ü n i g als erster Referent unter anderem folgendes aus: Die Notlage der kommunalen untern Beamten und Angestellten sei die denkbar schlimmste. Nicht einmal die nolwendigsten Lebensmittel können gekauft werden. Am 1. November 1919 sei das Existenzminimum auf 14 500 M. iest- gestellt worden und damals hätten die untern Beamten und An« gestellten noch nicht einmal 11400 M. gehabt, die ihnen im April 1920 bewilligt wurden. Heute sei das Existenzminimum 17 bis 13 000 M, und demgegenüber stehe immer noch das Einkommen von 11 400 M. Viele müßten nnt 800 M. monatlich(ohne Ab- züge) eine Familie ernähren. Für die Arbeiter dageaen sei das Einkommen im April auf 13 000 M. gestiegen. Im Juni traten Erhöhungen für die Gemerndearbciter ein. Ihnen gegenüber hätten jetzt die Unterbeamten ein Wenigereinkommen von 2000 biS 3000 M. im Jahr. Was wir verlangen, ist Gleichberechtigung. Wenn in den oberen Kreisen Beamte soviel an Teuerungszulage erhallen, wie zwei untere Beamte an Gehalt und Teuerungszulage zusammen, dann darf man uns keine Vorwürfe machen, wenn wir für unS etwas fordern. Nikolaus als zweiter Referent behandelte die Organilations- fragen und die Frage, wie die Forderungen, die sich in erfüllbaren Grenzen halten, aber heute noch nickt festgestellt werden sollen, durckruführen find. Dazu liegt eine von 33 Bersammlungsteil- Wie kraus es schon gelvorden war, dos liebe Papier— vorsichtig legte sie es zwischen zwei feuchte Tücher und fuhr nnt dem heißen Eisen darüber. Glatt und sauber lag es nun da und lächelte sie an:„Bin heute 12,34 da." Sein letzter Brief aus Bnenos-Aires hatte sie beunruhigt. Immer hatte er sonst von seinem Werk geschrieben, dieser letzte war zerfahren und hatte nur Andeutungen enthalten von einem großen Geschäft. Auf dem Tischchen neben ckem Bett lag er. Sie stellte das heiße Eisen auf den Rost und ging hin, ihn zu holen. To lagen auch seine anderen Briefe, sorgfältig zusammen- gebilnden. In der.Kammer öffnete sie den Schrank, um Platz zu schaffen für seine Kleider, Wenn er nun wieder daheim wäre. Da hingen noch Sachen aus seiner Kinderzeit, von denen sie sich nicht hatte trennen können. Als er noch ganz klein war— sie zog eine Schublade auf und kramte unter dem Inhalt. Seine ersten Schuhe— sein Mützchen— und dann lag sie auf den Knien vor dem.Kisten und ließ lächelnd ein Stück nach dem andern durch ihre arbeitsharten Finger gleiten. Ties hatte sie genAht, als er ein Jahr alt War, das— als er zur Schicke mußte— und dann das— und das—.. Sie kramte und kramte und wühlte tief in den alten Er- innerungen. Die Zeit verrann. Draußen schlug eine Turm- uhr— sie horchte auf. schon zwölf. Da kleidete sie sich in Eile um und lief nach der Bahn, um nicht zu spät zu kommen. Als sie auf dem Bahnsteig stand zu warten, kam eine schreckliche Angst über fie— hatte das fremde Land ihn vir- dorben? Sein letzter Brief stand ihr im Sinn— warum schrieb er nichts mehr von seinem Werk? Da fuhr der Zug schon heran. Sie stemmte sich mit aller Mackt gegen eine Menschenmenge, die sie mit Wegfluten wollte und sah lauter fremde, ärgerliche Gesichter, denen sie den Weg versperrte. Bis fie plötzlich eine Stimme borte: „Mutter." Ein Ann winfte über dem Gedränge rücksichtslos kämpfte sie sich zu ihm hin und fühlte sich plötzlich umfaßt: „Mutter— lieb« Mutter!" Sie sah sein sonnverbmnntes, lachendes Gesicht,„Dierk" flüsterte fie nur, und ließ sich wortlos von ihm hinausführen. Draußen nahm er ihren Arnc:„Mutter, da bin ick!" Sie hielt seine Hand, die in ihrem Ann lag, fest und wurde leltiom ruchig.(Forts, folgt.) nchmern unterzeiöbne Resolution bor.— In der umfanareiäen DlSkussion vertraten eine Anzahl Redner im wesentlichen den gleichen Staiidpuntr wie die Referenten, während einige meinten, der Sommunalbeamten-Verband habe auch im Interesse der unteren Beamten nach Möglichkeit gewirkt.— Als effizicOe Vertreter der Organisation sprachen Könitz, der Gei'chäitssüdrer der Bezirks- gruppe Grotz-Berlin des Ve> bände? der Äommunalbeamten, und Brinkmann, der Vorsitzende de? Berirks. Für die Stadt- verordneten-Fraktion der S.P.D. sprach Ewald und für die Stadtverordneten-Fraktion der U.T.P. Kroinbring. Beide versprachen für ihre Fraktionen objektive Würdigung der Wünsche der Versammelten und ihrer Organisation. Gemätz einer ein st immig angenommenen Reio» l u t i o n wurde ein ÄrbeilSausschutz eingesetzt. Seine Hanpiaufgobe ist. an die BczirkSgruppe de? Verbands heronzu- treten, daü sie kein Minel unversucht lasse, um die finanziell be- drängten Uuterbeamten wirtschafilich so zustellen, das; ihnen eine angemessene Existenz gewährt id. Bon einem Postauto überfahren und getötet wurde die 6SJobre alte Schneiderin Marie Schneider a»? der Zresckowstr. 24. Sie geriet in der Poiisirahe unter die Räder und wurde von einem Wachimeister der Sicherheitspolizei in einer Blutlache bewusttlo? daliegend aufgefunden und nach der Rettungsstelle in der Komman» dantenstrahe gebracht. Hier konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Die Erwerbsloseusürsorge teilt mit. dost sie auf den Kontroll- stempel für Mittwoch, den 17. November fButztag) verzichtet. Selbstmord eines Fünfzehnjährigen. Zu der in Rr. S47 des .Vorwärts' enthaltenen Meldung über den Selbstmord«ine? Fünf- zehnjährigen wird un? mitgeteilt, daß die Annahme, der Lehrling H. babe Gelder unterschlagen, nicht den Tatsachen entspreche. Das' Geld sei bei dem Toten vorgefunden worden, es müsse, da H. von der Firma mit viel größeren Beträgen betraut worden sei. sich um einen Unglücksfall bandeln. DaS ReichsbekleidungSamt Berlin, Lehrter Str. S7. verkauft jetzt le'ne Anzüge und Ulster freibändig. Die Preise betragen für einen Ulster 2tK— 225 M.. für einen dreiteiligen Anzug 275— 300 M. Der Berkauf findet täglich von 8—2 Uhr. Sonnabends von 8 bis 12 Ubr statt. Vermißt wird seit dem 10. November der 26 Jahre alte stad. jur. B Am 12. fragte nach dem verzweifelten Bruder de? geheimnisvoll Verschwundenen eine Dame im Laden Schneider, Berlin 0. 25, Rochstr. 19, und eine zweite Dame wartete draußen. Dieke Damen sowie alle. die zweckdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich im genannten Laden gegen hohe Be- lobnung zu melden. Der Versilbollene ist schüchterner Natur, etwa 1.67 Meter groß, ichmächtig, hat schwarzes, dichte» Haar, trägt schwarzen Usberzieher und blauen, weichen Hut. Vom»Wiederaufbau Internationaler Arbeit- sprechen Frau Adele Schreiber, M. d. R.. und Dr. Allee Daloman am Dienstag, den 16.. November, 8 Ubr, im großen Saale de« TeilienbaiifeS, Tbarloltenburg, Berliner Str. 187. Frau Schreiber wird über ihre Ein» drücke auf der Internationalen Frauentagung in Genf und ran der Hun- gersnottonserenz in London berichten, Dr. Alice Solomon über den Welt- Irauenrat. B»,anslalterm de« Abends ist die Politische Arbeits. gemeinschast der Frauen von Groß-Berli». Eintritt srei, GZste willkommen. Freie Durnerschaft Groß-Berlin. Die dritte Mädchenabteilung iurnt im Osten: Turnhalle. Zellefir. 12. Dienstags 6—«. Freitags 7—8 Uhr. Am Bnßtag! Tumsabrt nach Kaulsdors. Pferdcbucht. Abs: 8.16 Uhr.»bs. Warschauer Bnicke.— Bußtag: Wichtige Vereins- oolstandsfitzung, 10 Uhr vorm, Seydelstr. Z. Die deutsche Pochschule für Politik beginnt ihren Abendkursus Dienstag, abends 8 Uhr. mst Prof. Herre über:.Das 19. Iabrbundert in seiner politiichen uad wirtschaftlichen Entwicklung' m der Bau-Alademie, Echlnke Platz 6. Qeffentlicher EittlichkeitSvortrag für junge Männer. Ange- fichts der großen Bedeutung der Sittlichkeitsfragen für das Leben jeden jungen Mannes und für unser VolkSieben leien alle jungen Männer auf cinen öffentlichen EiUlichteiiSvortrag verwiesen, der morgen, Mittwoch, nachmittags 6 Uhr, in der Aula der SiemenS-OberrealichuIe, Cbarlotten- bürg. Schloßstraße 27. stattfindet. Thema:.<»«ichiechtSleben und Freiheit'. Rednrr: Dr. med. Solomon und Kebeimrot Eismann. Beran« stalter: Ortsgruppe de«„Deutichen Sitilichkeltsbundes vom Weißen Kreuz'. Jeder junge Mann ist willkommen. Eintritt stet. Sine große öffentliche Elternversammlnng findet beut« abend 7 Uhr im Rationalhos, Bülawftr. 87(ikroßer Saal) statt. ES sprechen Dr. Löwenstctn und Lehrer/, Udr an UebungSstunde bei Krause, Mariannen- platz 22. �anaersieudig« Genossen find erwün'cht. 3. u. 4. Abt. Eilernbeiläte der S. P D. und U. S. P I Eltern- Versammlung 7 Uhr im Nationalhos, Bülowstr. 87. Rejerenten: Dr. Loeweo- stein und Hdenicke. 17. Abt. DezirkSjührerfitzung abends 7 Uhr, bei Murrer, Caprroi- ftraße 8. 81. Abt. Dt« sür heut« angesetzte Sitzimg findet nicht bei Gold- schmidt, iondetn bei Meißner, Schivelbemer Str. 34, stall. Wahlkreis Wedding. Abends 7 Uhr öffentliche Bersammlung in der Schulaula Grüuthaler Str.». Tagesordnung: Kassel— Halle, Moskau KnanAnöte und Auf der Tagesordnung der MontagSntzung der Preußischen Landesveriammlung stecht zunächst der NachlragSetat für das ReckmungSsabr 1920. Präsident Le inert eröffnet die Sitzung 2.80. Abg. V. d. Osten(Dnat): Die Finanzgebarung. die sich aus dem NachiragSetat ergibt, ist unerhört. Mit der Sporiamkeit n»,ß endlich einmal ernst gemacht werden. Redner kritisiert aufs schärfste die G t e u e r v o l i t i k der letzten beiden Jabre. Abg. Herkenrath sZ.) kritisiert einzelne T«>el des Etats. Auch wir treten für Sparsamkeit in allen Stellen ein. Unserem Volke muß unsere sevige Armut zum Bewußtsein gebracht werden. Abg. Ludwig sU. Soz rewtS): Was bedeutet die Neuorgani- sation der Polizei, für die im Rochiroaserat Mittel gefordert werden? Die Frag« ist so wichtig, daß das Parlament darüber auf- aeklärt werden muß. Unter den Polizeibeamten selbst herrscht die Meinung, daß hier eine zweite Reichswehr aeichaffen werden soll. Ehe wir keine Gewähr haben, daß die Absichten der Regierung nicht auf einen neuen Militarismus hinauslaufen, müssen wir eine solche Position ablehnen. Abg. Richter sSoz.): Auch wir nehmen an. daß die Regierung im Ausschuß über ihre Ausgaben für die Polizei einsehend« Aufklärungen aeben wird. DaS Vorgeben von Herrn v. d. Osten führt zu nichts- ES ist leicht zu kritisieren, wenn man kein« positiven Gegenvorschläge macht uud die Borschläge deS Ministers ,u- rückweist. Der finanzielle Zusammenbruch ist nickt erst nach dem Kriege entstanden, sondern infolge der ungeheuren AuS- gaben des Kriege«. Der Ausschuß wird die Ausgaben für polizeiliche Zwecke sorgfältig zu prüfen haben. sBeifall bei den Soz.) Finanzminister Lüdemanu: Bisher haben sich alle Redner auf die Aufforderung zum Sparen beschränkt, positive Vorschläge hat kemer gemacht. Wenn da? Finanz- Ministerium irgendeine» Posten kürzen wollte, so würden auf allen Seiten die Interessenten widersprechen. Ich kann nur immer wieder empieblen, daß die Parteien in solidarffchcm Vorgeben über- triebene Forderungen zurückweisen. Der RachtraaS-Etat enthält an Ausgaben vier Milliarden Mark. Zwei Milliarden Mark sind lediglich Diensteinkommen, unvermeidbar» dringliche Staats- ausgaben. Auck die anderen Ausgaben find notwendiger Natur. Bezeichnenderweise war es die äußerste Reckte und die äußerste Anke, die gegen den Titel„Polizei* Bedenken vorbrachten. Ich darf wobl annehmen, daß wir un? darüber verständigen, wenn die Regierung im Ausschuß alle erforderlichen Auf- klärungen gibt. Die Einnahme» setzen fich zusammen ans M e h r e i n- nahmen an Reichssteuern. dem F or st Wesen und den Eisen- bahnerträgen. Die Forsteinnahmen beruhen n'cht auf vagen Vermutungen, sondern find da« Resultat abgeschlossener Verkäufe. Die Mehreinnahmen an Re'ckssteuern beruhen aus Mitteilungen des Reichssirr anzmrnisterS. ES bleibt ei» ungedeckter Fehlbetrag von zwei Milliarden. Die öOO Millionen, die zur Deckung au« der Grundsteuer an- gesetzt sind, beruhen aus der Annahme, daß da? Abgeordnetenhaus ein Grundsteuerpeietz annimmt, daß ihr demnächst zugeben wird Bedenken gegen dideS Gefetz sind vorgebracht worden, dock wurde auch die Notwendigkeit allerseits anerkannt. Der Gedanke, die Fehlbeträge durch dnAnleibegeietz zu decken, w>rd von un« nicht aufgenommen, weil man durch Anldbe nur werbende Ausgaben decken ioll. Mit Rücksicht auf den Charakter dide» NachiragSetat« bitte ich daS Haus, die Beratungen ,u b e s ck l e n n i- gen und die Vorlage möglichst bald zu verabschieden. lBeifall.) Staatssekretär Dr Freund: ES ist gefährlich, zu behaupten, daß wir mit der Sicherhdiswebr eine zweite Reichswehr schaffen wollen. lSehr richtig I) linier Ziel ist vielmehr eine ehrlich« Entmilitaristerung. Wir wollen ersten« die blaue und die grüne Polizei verschmelzen. — Genf. Referent: LandtagSabg. Genosse Hdlninnn. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Ziingiozialiffi'che Bereinigung(®.P.®.). Ortsgruppe Tempel- Hof.?>/, Ubr bei Bus«. Werber- Ecke Kailer-Wilbeln'-Straßo, Vortrag«- abend.— Ortsgruppe Lichtenberg und Osten. Ist, Ubr bei Schlenfrich, Simvlanftr. 42. Vortraasabend.— Der Lichtblldcrvortrag de« Genossen Dr. Magnus Hirschseid findet erst an» Sonnabend, den 20.. abends 8 Uhr, statt. «tewerkschastsnntrrkominisston de« 18.»erwaltangsbezlrkS. Die Fortsetzung de« LichtbilderventraaeS über„Die A: bcitsstube' 8 Uhr in der Aula der 2. Gemeindeschule, Temvelbot, Werder Straß«. Die Partei- genossen, sowie die Sllernsckast der Gemeindeschule des Bezirks werden er- sucht, recht zahlreich zu erscheinen Neukölln.». Abt. Funktion är�Zersammlung abend« 7 Mr be! Narienield. Kaffer-Friedrich-Ttr. 226. KreiSvorttandssitzung des IK. Kreises 7 Uhr im Lolal Sentpe. Weißens«, Lichtenberger Str. 8, Eck« Sedanstraße. Morgen, 17. November: 1». bis 38. Abt. Di« am 8. November ausgefallene.Weber'.Aus- führung findet am Bußtage, nachmittags 8 Ubr. im Rosett: eater statt. Die Äcrlosung beginnt um 2 Uhr. Die Ordner uud Kontrolle haben fich um 1.2 Uhr dort einzufinden. 3S. Abt. Abends«ff, Uhr Witgliederveriammlung in der Aula der täcker-Realichule, Waldenburger Str. 4a. Res. Erwin Barth. Thema: treikrecht und Streitunrecht. Gäste willlammen. Abt. 88 Lichtenrade. 7 Ntzr pünktlich Mitglied ervcrsammlimg im Zeicheniaal der Schule, Roonssrage. Referent Gen. Emü Lehmann: Di« Frau in der Republik, Rechte und Pfl:chten. StegttU. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Aula der Realschul«, Floiastraße. Tagesordnung:.SozialifierungSprobleme*. Ref. Genosl« Canianft. Qberschöueweide. Milgliederveriammwng D/.. USr im Bereinshaus zur Post. RathauSstr. 10. Gen. Dr. Gräser, Tbema; Sozialismus und Bourgeoisie. Niedcrschonhausett. Mitgliederoe: sammlung 7 Uhr im Lokal Tunich. Kalfer.Wubelm-Ttraße«Nordend). Vortrag: Kirche. Schul« und Tozialdemotratle. Referent Geuvg« von Harnock. ?ugenöveranftaltungen. Berel« Arbeiierjugeud Treptow- Baumichulrnwrg Der Vortrag»Alte italienische Meist«,* iäll: au«. Dajür DiskufsionSabend über: Jugend und PoUtit,'iji Uhr im Lo.'at von Horn, Kiecholzstr. 13. Mus aller Well. Mazu» Vveki i» Lebensgefahr. D« Schnellzug Moskau— Petersburg entgleiste. Maxim Gorti, der sich unter den Passagieren befand, schwebte in Lebensgefahr, doch ist«r, wi« derlautet, unversehrt davongekommen. Indische Giftschlange«. Laut..Times� sirrd i» Indien im der- gangenen Fahr« über 20000 Perjonen durch Schlangenbiß getötet worden. Sport. Die PretSverteUuug ,u der Meisterschaft de» ZettungSfahrcr fand am letzten Sonnabend Im gro::«:: Saal der Reuen Well in der Hafcnheide statt. Der Rennausschuß balte bei der zroh-n Zahl der Prei't und den verschiedenen Bestimmungen der Slister eine Riesenarbeit zu b: wältigen, um leine Fehler bei der Zuteilung zu begehen Mit der Prei». Verteilung hatte man«inen teillicken Abend verbunden. Rrigenla'irei:. Kuujtjichreu aus Eiu- uud Zweuäderu uuo Raduait'piri ux�jeuen ab. üv» Gewerbefragen. zweitens die Zabl der Polizeitruppen sehr gering haltsn, dritte« die Polizei lokalifieren und viertens eine Polizdichnle schaffen, die sür die fachmännische Ausbildung der Anwärter sorgt und uns von den Militäranwärtern unabhängig macht. GehdmniSlrämerd liegt un« fern. Abg. Dr Frenyel sDem): Die fürchterliche finanzielle Notlage zwingt zur einbeitttcken Zusammenarbeit aller Kreise. Di« Schuld trägt das früher geübte Finanziystem der Hinaus- i ck i e b u n g.(Sehr richtig I bei den Demakraten.) Redner wendet sich dann gegen die unfruchtbare Kritik de« Abg. v. d. Osten lDnatl.) und weist auf den vollständigen Mangel positiver Bor- ichläce hin. Abg. Held sD. Vp.): ES besteht kein Zweifel, daß der Posten für Ausgaben viel zu bock ist. Warum werden nicht leerstehende alte Kasernen benutzt? In einer Ergänzung teilt Abg. Ludwig(11. Soz. reckt?) mit, daß fein vorher gemachter Vorwurf der Militarisierung der S:po. au« welcher gewisse O'fiziere eine zweite Reichswehr machen möchte». sich auf SiiSführnnaen Dr. Frankes. deS Generalsekretärs des Verbände« der Polizeibeamten, alio eine» Kenner« der Polizei stützt. sHört l börtss Die Aussprache schließt. Der RackttagS-Etat geht an de« Hauptausschuß. DaS Hau« tritt dann in dr« zweite Beratung de« Staats- Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1920 ein. Handels- und Gewerbeverwaltung. Abg. Dr. Kalle(T.Bp.): Die einzige Rettung aus unseren wirtschaftlichen Nöten ist die Beseitigung der ZwongSwirt- s ck a st und die Wiedereinführung der freien Wirtschaft. Was die Sozialisierung angeht, so gehen die Sozialisten zu schema- tisch vor. Äbg. Christange M.Soz. reckt«): Wir kritisieren die KrreaS« geiellickaiten nicht au« Feindschaft, sondern wegen ibrer auiokratischen Manieren. Von einer Verbilligung ein, einet Produkte, z. B. de« Leders, wie sie in Aussicht gestellt war, merkt man überhaupt nichts. Eine Hauptursache für diese Zustände ist natürlich der Friedensvertrag. könnten wir mit Rußland in einen Austauschverkehr treten, so wäre uns in mancher Beziebung geholfen. Handelsminister Fischbeck: Eine Vorlage über die Umgestalttmg der Gewerbegerichte wird vorbereitet. Mit den großen Wirts»astSverbänden würden wir gerne Fühlung nehmen. wenn diese Verbände eS nicht vorziehen würden, stch direkt an daS Reich ,u wenden. DaS Volk muß stch darüber klar werden, daß es einer Menae von Ansprüchen und Bedürfnissen wird entioaen müssen.— Die wirischaftlichen Probleme müssen losgelöst werden von Schlagworten. kSebr richtig!) AngesichtS des Stocken? des ErportS sinkt unsere Valuta von neuem, dagegen gibt es nur da« eine Mittel der Erhöhung der Produktion. Preisfrage und Sobnfrage find untrennbar miteiander per- bunden, eS ist krin Lvbnabbau denkbar, ohne daß die Darruprelfe sinken. lSehr richtig! links.) Dazu ist e« ober auch notwendig. daß keine Großkonjunktiirgewinne gemach» werden, wie Valuta- gewinne»sw.. gerade sie müssen dazu dienen, di« Breis« ,u senken. sBeifgll.) Nur so können wir zu einer gemeinsamen Arbeit und damit ,um Auffchwunq kommen. lLebhatter Beifall.) Abo. Haberlaa» lSoz.) wiederholt seinen Antrag auf Erteilung des Wahlrechtes für Frauen an den Gewerbe» und KaufmannSaerichten. Der Antrag wird angenommen. Der Etat wird unter Ablehnung aller übrigen Anträge ange- nommen. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Ubr. Kleine Anfragen, lleber- ttaanng der Eüenbahnen an da« Reich, kleine Gesetzesvorlagen, Schluß de§ Ergänzuugs-Etats. Schluß: 6'/« Uhr. Ballwiel fieate Groß-Licht erfeld« gegen»German ia'-EbarloUenbura mit 6: 6. bei Seitenwechsel war der St and L: 4. Dann produzierte fich der Sieger der Wertpreissabrer Dobbrack lZ. Z) als Karikaturrnzeichner. Mit drei Bilde:»:»Aus zur Neuen Welt*,„Na, Herr Baron, beute obne ZeitungSsack 1» und»Auch ein Sieger! Der erste aus dem Bruchwagen' zeigle er auch in diesem Fach gutes Talent und gelungene Karikaturen au« dem ZeitungSIabrerleben. Die Preis« der einzelnen Fahrer berzu- zählen, fehlt im? der Raum. Der Erst« i» der Gruvoe GeldpreiZsadrer Otto T i e tz s Berliner Lokal-Anzeiger) gewann t800 M. an Geldpreisen »nd ein« Anzahl Ehrenvreise. Dobbrack« Preise haben etwa 6000 M. Wert. Bon den drei vom„Borwärt»*- Verlag gestifteten Ebren- prellen(offen für unleren imd die Z.g-Fabrer) erhielt Banget den zweiten in Gestalt einer Dlutzubr mit Widmung im Wert« von 100 M. Die beiden anderen Presse fielen an Geldprelssabrer und detom Felix JwiuSkh(Z. Z.) 160 M. und Petrrmann(.Dono.*) SO N. »Freie Schimmer Charlottenburg-. Die Badeanstalt fit wieder eröffnet. UebungSstunden: Donnerstag ff, 7— 8 Ubr und Sonntag. Am Donnerstag, den 18., Krriswasserballspiel Neukölln gegen Charlottenburg. Arbeiterschachspieler t Alle Arveiterschachspieler aus den Bezirken .Süden'..Südost*..Südwest*..Zentrum* uud„Nordost* treffen sich am 17. November fvuriag) bei Prasser. Michaelkirchttr. 29»,»an g Ubr vorm. ab. Dort findet ein« größer« Schachpropaganbaveranftaltung, n. a. ein lehrreicher Vortrag, statt. Meisterspieler»erden Simultan- und Blindlings- Partien spielen. Den Schluß bildet ein Städte- und Maffenwrtttamps Nach der Veranstaltung werden die Schachkreunde zusammentreten«nd eventuell zur Bildung van neuen Abteilungen schielten. Dl« Abteil irng„Süden* gibt an dies« neneu Abteilungen Iplelstart« Mitglieder ab. Gespielt wird außerdem jeden Sonntag vorm. 9—1 Uhr in obigem Lokal und jeden Donnerstag abend 7 Uhr bei Heisler, Waldemarftr. 32. Jede gewünlchte Auslunsl erteilt der Epielletler Rich. Scholz. S 43, Waffertorstr. 18. Arbeiter» lchachsvieler, heraus aus den bürgerlichen Schachvereinen und gestaltet diese Veranstaltung zu einer machtvollen Kundgebung für die Arbeiterichach- bcwcgung. Die Mitglieder de» SchachvereiuS.Namenlos* sind hiermit ganz besonders eingeladen. Rennbericht KarlShorst. 1. Preis vo» Hessenwinkel. Preise 16 000 M.. Distanz 2800 Meter, t. Obrlau sThalecke», 2. Monitor (Edler), 8. �onjuwel

. Sturmhaube. Toto Tieg: 31:10, Platz: 16,16:10.— 3. Prei» von Freienwalde. 16 000 M.. Distanz 3200 Meter. 1. T-llo»(Dorffl. 2. Notbremse(Tha.ccke). 3. Note(Kututies). Ferner liesen: Sag«(4., PrimuS. Dolde(gesallen). Siegeslauf(angehalten). Tot, Sieg: 71: tO, Platz: 16. 1ö. 1V: 10.— 4. Zuchtftuten-Hürdenrennen. Presse 30000 M, Dssianz 3000 Meter. 1. Feuersnot(Wurst). 2. HalUi iNash), 3. Freundlich(Dorff). Ferner liesen: Gwet. Toto S,eg: 1S:10. Platz: tl, tS: tO.— b. P r« i» vom Scheidegruß. Ehrenpreis und 22 000 M.. Distanz 4600 Meter. J, Schwerenöter(Hr. t». Herder). 2. Euel(Hr. Prinzing). 3. Saltericheid« (Hr. K. v. Weliernhagen). Ferner liesen: Sonnlagsmödel(4). Roderl. Claudio, Schanze(gesallen,. Toto Sieg: 2l: 10. Ptotz: 12. SS, 18: 10.— 6. Wieien-Kagdrennen. Preise 22 000 M., Distanz«SO Meter. I. Neulüß(Saager), 2. Masson Rouge(Tdalbeim). S. Slota Lip°(Wegener). Ferner lesen: Na Nu(4, Tlppel, Faltenbahn. S:blchte>chrr(ausaebrochen). Toto Sieg:-iS: W. Platz. 13, 13, 12; 10.— 7. Preis der W i n t e r- pause. 16 000 M.. Dinanz 3400 Meter. 1. Gallipol: II(F'br). 2. Lulu (Leiß). 3. Millaii(Saager). Ferner liesen: Minimax(4.). Cl ssa, Hexen- tind. Parabel, Hexengold. Samum, Maro(gesallen), Möichen(gefallen), Minister II(gefallen), Maso-Rosh(gefallen), Blumenlönigin(gefallen), Fuivia(angehalten). Fatme(angehalten). Toto Sieg: 47: 10, Platz: 17, 26. 20: 10. LSettera»»ficht»» für dos mittlere Rarddentfchia«» bis Mittwoch uiitti'g MNd. messt tcwklkt. mit Negeissäll�n, 1c> stgrtcu, u.: der ilü'le stürmischeu Leiiwmoeu. Generalversammlung unserer Landkreise. Sonntag tagte in den.Bubisälen' die Bertreierveriammlung der Laudtreise Niederbarnim, Teltow und BeeSkow, um ,u der Frage: Abtrennung der ländlichen Gebiete vom Bezirksverband Berlin Stellung zu nehmen. Nach kurzer Einleitung durch den Genossen M ö b u s setzte eine sehr lebbafte Debatte ein, an der sich über zwanzig Redner beteiligten. Die Genossen der ländlichen Bezirke meinten, der Bezirkeverband vernachlässige die ländlichen Jntercsien. Auch die von Berlin veimittelten Redner berücksichtigten die Pchche der ländlichen Bevölkerung nicht genügend. Einige Redner befürworten die Verlegung des Sekretariats von Berlin aufs Land, weil der zuständige Sekretär zu wenig aufS Land komme. Die Vertreter von NowaweS traten dieser Auffasiung ent- gegen und machten geltend, dag gerade durch die enge organisa- torische Verbindung mit Grotz-Berlin ein erfolgversprechendes Arbeiten gewährleistet ist. Die Genossen Lehmann und Genosse Franz Krüger gingen in kurzen und wirkungsvollen Ausführungen auf die Be- schwerdepunkle ein und zerstreuten die dem Bezirksverband ge« machten Vorwürfe. Modus brachte folgenden Antrag ein: Der Vorstand des Bezirksverbandes Verlin wird beauftragt, in Gemeinschaft mit dem Bezirksoerband Brandenburg die Ab- lrennung der Kreise Niederbarnim�-Tellow— Beestow vom Bezirksverband Berlin und Zuteilung an den Bezirksverband Branden- bürg beim Parieivorltand zu beantragen, wenn eine Wahlkreis- einteilung Gesetz geworden ist, die die wahltechnische Trennung der Landkreise von Berlin vorsieht und wenn vom Bezirksverband Brandenburg Niederbarnim und Teltow von Berlin aus bearbeitet werden. Der Antrag wurde gegen wenige Stimmen angenommen. Königswusterhausen beantragt, die Vertretung der Landkreise in der Weise zu regeln, dast die Gruppen- bzw. Bezirksvorsitzenden in Ge- meinschast mit dem zuständigen Sekretär die Angelegenheiten der Lankreiie bearbeiten und daß die Kreise Niederbarnim und Teltow- Beeskow je einen Vertreter in den Bezirksvorstand senden. Auch dem stimmte die Versammlung zu. Dem Wunsche der Mühlenbecker Genossen, den Artikel in Nr. 67 de?.Lanvboien" als Flugblatt herauszubringen, soll ebenfalls ent- sprachen werden. Nach kurzen geschäftlichen Mitteilungen wurde die Generolver- sammlung geschlossen. Alle Delegierten standen unter dem Eindruck. daß. wenn die gesetzlichen Bestimmungen eine organisatorische Um- stellung erheischen, diese benutzt werden müsse, um unserer Partei neue Streiter zuzuführen._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Revubltkanischer Führerbuud. Bezirk 8. Versammlung Dienstag abend Rückertstr. 7 bei Thiel.— Berliner Arbeiter- 2chachtl»t>. Gruppe Osten. Am Mittwoch, den 17. November, S Uhr bei Neumann, Samariter. slratze 12, Ecke Schrein-rftraße, Schachveranslaltung. Gäste willlommen. Die der Gruppe angeschlossenen Ableitungen spielen.— FriedrichSselde. Montag 7 Uhr bei sack, Lichtenberg, Margarelenitr. 20.— Lichtenberg. Sonntagftr. 32.— Osten. Donnerstag 7 Uhr bei Albrecht, Cadiner Str. 20. öriefkalten der Redaktion. Jeder svr den Brieflassen bestimmten Anfrage füge man«inen Buchstaben un» ein« Rummer bei. vrieflicke Auskunft wirb nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. st, 1. Kot par> terr« links, vor. Schrjfistli-te und Beiträge find miteubrinaen. Hedwig, Cöpenick. Wie die Verteilung geschieht, wissen wir nicht: aber einfach Geld«insenden und bestimmte Waren sordern, geht nicht. Die Anichrist lautet: EW. 66, Wilhelm stratzc 92/93. Ächtung, Eisenbahner! Am Freitag verstarb d>r Obmann des Werbeaus- idjuffe« der Eisenbahner, Senosse 16t/ll> Paul Gnmwald. Die Beerdigung findet heute nachmittag>>/, Uhr auf dem Reuen Thomas- SicJchof, Reuiölln, Her- mannftrahe, statt. Die Teiinadm« aller Eisenbahner ist Ehren. pfitcht. Der S.P.D.-Werbe- ansschufi der«tfenbahner. Allen Freunden und Be> kannten die traurige Nach- licht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Alempnermeister kränz GutMaim nach langem, schwerem Lei- I de»-ntschiaien ist. I In tiefer Traner Berta Guiimann u Kinder. Die Einäscherung findet I?onnetetag,nachin.s>/zUhr, in der Sierichtsstrafie statt mm Der Muhe' dod WMer Ortsverwaltung Berliu. Mittwoch, de» t7. November ISSN(Bußtag), vorm. 9� Uhr, i» der„KöoigSbanI", Gr. Frankfurter Str. 117 Versammlung M BeittaaensW n. bettledsröle w SmeMebetriebe Sr.-BeülBS Eintritt nur gegen Vorzeigung des MitgliedSbuckieS und des Ausweises. 86/12_ Die Ortsverwaltung. Deutsch. Portier-Verband. Sektion 7 de« Deutschen Transportarb�Vcrbandes. SeMIli- nnO WilMWiiMmW. Mittwoch, den 17. November. 10 Uhr: Große Branchen- Versammlung im Englischen Hof, Alexanderstr. 27o. Tag esordnnng: 1. Stellungnahme zum Streit. 2. Diskussion Z. Beichlußlassung. 67/4 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist da« voll- jähliae pünktliche Erscheinen aller Berussangehörigen unbedingt notwendig._ Vi- Brauch-niei lang. Depot: Bergstr. 34. Nord. 6823. und Wate- Material AU kaujen gesucht. lug .-Bareau. Scbllebtinx Bei tin V S. Linkste. 10. 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September 1920 be- fchlvssene acht» Nachtrag zur Eichung ist genehmigt worden. Geändert find die§§ 20, 29, 82a und 92. Abdrune find im Äassenlotol zn haben. 160/9 Set vorband. Sich Bo-stnender. Zimmermann, Schriftführer. Geschäft« oer«. H. Biermann, Oramenbu rgirslr. 87, pari. 1 S. Lommerz- unä privat Lank Aktlengesel lsckakt. d'aebdem die Fusion der Lommerz- und lZisconio-Banlr mit der Mitteldeutschen Prtvat-Bank, Aktiengesellschaft und unsere Firmenänderung In Commerz- und Prlvat- Bank Akiiengesellschait in das Handelsregister eingetragen ist,.fordern wir hiermit die Aktionäre der Mitteldeutschen Frivat-Bank, Alttien-Oesel schalt auf, ihre Aktien nebst Gewinnanteilscheinen für 192> u. ff, sowie Erneuet ungssetieinen zum Umtausch in Aktien unserer Gesellschaft mit Mummernverzeiehnis In doppelter Ausfertigung, unter Benutzung der bei den Uratauschstellen erhältlichen Formulare, einzureichen. Auf jede Aktie der Mitteldeutschen Privat-Bank, Aktien cesellschaft mit Gewinn- antellscheln für 1920 u. ff. wird eine Aktie der Commerz- und Privat-Bank Aktiengesell- schatt mit Gewinnanteilschein fDr 1920 u. 11� sowie Emeuerungsschein im gleichen Nennwert gewährt Aktien, welche nicht spätestens bis zum 28. Februar 1921 eingereicht worden sind, werden für kraftlos erklärt werden. Die auf die für kraftlos erklärten Aktien entfallenden Aktien unserer Gesellschaft werden gemäB§ 290 H.G.B, Abs. 3, verkauft and der Erlös zur Verlegung der Beteiligten gestellt. Die Verwertung von etwa vorhandenen Snitzen werden die Umtauschstellen. sei es durch Verkauf überschieBender Spitzen, oder Hinzukauf des tehtenden Betrages unter Zugrundelegung dys an der Berliner Börse zuletzt notierten Kurses, vermitteln ' Als Umtauschstellen dienen: unsere sämtlichen Niederlassungen; außerdem in Aschersleben l die Ascherslebener Bnnk Qerson, Koben 4k Co,, Kommanditgesellschatt; in Cassel t der Hessische Bankverein AktlengeseJIschalt| In Chemnitz: unsere dortige Niederlassung, sowie der Chemnitzer Bankverein; in Cöln». Rh.: unsere dortige Niederlassung und die Firma J. H. Stein; In Dresden I unsere dortige Niederlassung und der Chemnitzer Bankverein; in Falkenstela i die Vogtllndische Credit. Anstalt; in Frankfurt a. M.: unsere dortige Niederlassung und die Firma J. Dreyfns 4k Co.» in Gera iRcuB); die Firma Gebr. Oberlaender; in LSbant die BSbaoer Bank; i> München« unsere dortige Niederlassnng, die Bayerische Vereinsbank und die Firma Allred Lerchentbal; in VI eimart die Thüringische Landesbank Aktiengeselbehaft. Gleichzeitig fordern wir die Aktionäre unserer Gesellschaft auf, die AkHenmäntcI der Commerz- und Disconto-Bank-Aktlen, soweit dies noch nicht geschehen Ist zwecks Vormerkes der Firmenänderung durch Aufdruck bei den genannten Stellea tinzareiefaen. i"1 Nov'enlber ,'20, Commerz* und Privat>Bank. Aktiengesellschaft. Der Vorstaach •#> Spezial-Behandlung+ o. Saut-, Harn-, UntctUibsIeibe«. neroäier Schwäche,»röfikt HeUeriolgel Besonbers i. Kranke, welche anderwärts nicht aus- aeheill worden lind. Äiutunterfuchung, Höhenfonne-Vmrahlg. aeheiil worden find. Bluwnterfuchi DirJennamis,®!!! I.'Ecke Friedrichitt. 6pr: 10-12, 4—7. glq 12-I Speziaf-Arzt für Haute u. alle Harnleiden, Harn- und Blatnntereuctaungea. Or.med.KarS Reinhardt, Potsdamer Straße 117, Lüuow?trraae. 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Aachdem die Verschmelzung der PahenHoser Brauern Aktiengesellschaft mit der Schulthein' Braueret Aktien-Grsellschaft vollzogen ist, unter Abänderung de» Namen» der letzteren Ge- selltchast in ÄdliilliesS-EikMliki'Si'siiml-iktieiigeMRtizIt. fordern wir hiermit die Aktionäre der vormaltaen PatzenHofee Brauerei auf, ihre Aktien— unter Beifügung eines Rummern- nerzeichnisses, wofür Formulare bei den nachstrhendon Stellen erhältitch flnd— zum Zweite de» Umtausche« in Attien unserer Gesellfchait von heule ad bis zum 22. Dezember 1920 in Berlin bei der Deuischen Bank. „, Eommerz- und Brioat-Banf Aftiengefellschast, ,, Rational dank für Deutschland, , de» Herren Zaeauler u. Seeuriu», S. st, An d«r Siechbahn 8/4, „ Herrn«. 5. Meger, W. 9, Botzftr. 16, während der üblichen Geschäftsstunden«Inzureichen. Der Umtausch erfolgt m der Wels«, oafi im Tausch gegen ft nom. M. 6000,—«litten der Patzenhoser Brauerei mft Ge- winnanleiiicheinen für 1919 20 u. ff. se nom. M. 5000,— Aktien nnierer Sesellichai! mft Gewinnanttiischeinen für die Zeit vom 1. September>919 ad gewährt werden. Außerdem erhalten die Einreicher für iede zum Umtausch«Ingereichte Aktie der Patzen- hoser Brauerei eine Baroergüiung von 20 Proz. des Nennwertes. Sttlen.«eich« innerhalb der Zeit bis zum 22. Dezember 1920 nicht zum Zwecke des Umtaufche» eingereicht find. bzw. ein. gereicht- Attie». welche die MM Ersatz durch Schulrhetg-Patii-U. hoser Brauerei-Aktiengeseuidiair-Attien erforderliche durch M. 6000,- teilbare Zahl nicht erreichen, und nicht zur Verwertung für Rechnung der Beteiligten zur Verfügung gestellt find, werden für traftlo» erklärt werden. Di» Aknen unser« Gesellschaft, die an Stelle der sllr krafttos erklärten Aktien der PahenHoser Brauerei zur Ausgabe geianarn. werden für Rech- nuna der Beteiligten in Gemätzheft der§§ 805, Absatz 3,.und K(0 HEB. verwendet w erden. Um den Beifitzern von Aktie» der Patzetchofer Brauerei unter nom. M. 6000,— bzw von nicht durch M. 6000.— tell- baren Nennbeträgen den Umtausch zn ermöglichen, sind die Umtauschstellen bereit, den Zukaus oder V-rkaus»eit Spitzen- delrägen von Aktien der Pohenhoser Brauerei zu oermittein zwecks Erreichuiia eins« durch M. T 00,— terlbaren Rennwerte« non Echuitheih-Bakenhofer-Brauerei-Aktieit. Die Aushändigung der neuen Schustheitz- Patzenhoser Brauerei-Attien nedst Gewinnanieilscheinboaen ersoiat nach deren Fertigstellung! der Termin der Ausretchunz wird noch en werben. im Rooemder 1920. bekanntgegeben B erlin,' Schultheih-Payenhofer Brauerei-Aktiengesellschast. Dr. W. Sodernbeim. ..colonlZl" Pfennig Srnnt»-BftkMitt Jiva-BffibMt JMhlmil-EMasc t» t)wKll«aM-U|garr* !» PaakiUfM ra MO 8ttuk. ■1 omr in OrigtMUpMkaBg«! od. V oroloMod ch BMrag. WlidiiiMklstf« erhstllN ir/tRaMl Zlearree- SreShindümg, Berlin, Neue Künigstr. 86 und Neeuderstr. 88. ■«IchhahlgM Lager in Mgarren, SigewtfeB, Rauh- und iCaaUbak.— Spsslalltiti Bamborger Ztgarrea. 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Mlttw.; Der lebende Leichnam Kammerspiele. 7: Er ist an allem schuld. Der Spieler, Der Heirats- antrag. Mw. 7»/,: Erillilings Erwachen Kr. Schauspielhaus (Karlstraße) 8: Jedermann(8. Abt., 2. Ab.) Mw.a'/,: Jeilennann(auEerAb.) 8U.; Jedermann(7. Abt., 2 Ab.) Theater i. ü. KöDippratzerStraße Vj8 Uhr: Erdgeist. '(Orska, bteinrück.) Donnerstag: Rausch. (Orska,Abel, Riemann, Richard veldtkirch, Dcrnburg, Römer.) Ä Volksbühne Theater am BBlowplati. ruc Haeh Damaskus � Lesslno-leater. Direktion:%Tctor Bamowsky. j'/jUhr: Flamme. (Dorsch. Orlining, Klein- Rogge, Pröckl.) Mittwoch 7: Peer Gynt. Donnerstag bis Montag TV»: Flamme. Deutsehes Ifinstlep-Theater TV» Uhr: DieScheidnnpsreise mit Max Adalbert und Trude Hesterberg. Mit7,�ch Gespenster. (Lossen, Haack, Götz. Loos.) Donnerstag bis Montag T1/«; Die Scneldungsretee. Komodienhaus t/�: Die Sache mit Lola mit Max Pallenberg. osefine Dora a.0., Qertiud agner, Picha, Haskel, St eda Kiper.) Berliner Theater Donnerstag 7 U., z. 1. Male; Die spanische Nachtigall Operette von Schanzer und Weiisch. Musik von Leo Fall. Hanptdarsteller; FrltziMassary Erik Wirl, Hans Wass- i mann, Julius Brandt. Lrnaiy Sturm. Olga Engl. Contral-Theater Tv»; Frau Bärbel(Operette) Dentsrhea Opernhaaa 7 Uhr: MIPUOO. Frledr.-WIIJielnist.Tli. vi, u.: Hoheit die Tänzerin. Kleines Theuter. vi, u.t Griselda. Kl. Sehaasplelhau». 7V» u.: Hüte derPamiora. Komlnehe Oper 7>, uhr: Liehe imSelinee. Bußtag; Gastsp. Neues Volkstheater: Jugend. (iUMtsipleDiniui 7V. Uhr: Arnold Rieek in Zwangselnquartleraog. Kctropol-Theuter. L Hoilandweibchen Äfcue» OperetteuhauN vi. u.: Die Csikösbaroness Xeaes Volkwthcafer t'/.u.- Major Barbara fi�eKUlejc-Theat. Ohnrl. w» uhr: Bettinas Verlobung TKalia-Theater vi, u.: Die närrische Liebe. Th.am X o Uen do rfpiatc 2'/«! Die beid. Rclchenmiillcr. 7 uhr: Wennüebs erwacht Bußtag 7'/» Uhr: Konzert An sorg;.. Theater des WcsteitN Sf? Der erstell Liehe goWieil Bußtag 7V»: Die Schöpfung. Stolzenberg, Laubenthal, Th. l.d.Kommandantenstr. früher Herrnfcld-Theater. vi, u. Der verjüngte Ädolar Wallner-Thenter N Der Geiger von Lugano. Walhalls-Theatep Gastsp. fiartsteiu i. Monat Wlili. Hirtstein. Täglich 7«/, Uhr Sonntags 3". u 7'/i Ulir: Die neue große Ansstattungsburleske Ze toller, je besser! 6 Bilder von W. Hartstein. Außerdem die neuen November- Attraktionen. Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Tgl. 3fSi Vollständig neues Programm Der Fehltritt einer Frau. Volksstiick in 4 Bildern Thoatepllcbe. Op.-Sketch mit Viktor Lltzek. Volkstümliche Preise. >/°8 Uhr FoliesGaptice Ii Der gehörnte Siegfried mit Ferd. Grünecker. Königstadt-Theater Bahnhof Jannowltzbrückc Tägl*7.30 Gala.Sänger, Im Ballsaal TANZ. sIt'IzU. Theater 7V,Uß Dir.: James Klelo- Residenz- Theater.! Täglich V.8 Uhr: 1 Die Freundin Tilla Duriem;, Toelle, Bildt, Albers. Valieatin. Sonntag 4 Uhr, halbe Preise: Die yrenndln._ Trianon-Theater. Täglich 7V« Uhr: »Her Roman "einer Frau Ida Wüst, Burg, Limburg, Valetti, Falkenstein. Mtttw. y-fi: Myrrhe. Boso-Theater. VI, Uhr: Kater Lampe. Harems- Nächte!! sowie im Rahmen der November- Sensationen Löwen- Babys | sondern urwilde Riesen- Löwen direkt aus d.Wil[inls ; und nicht, wie bei andern Löwen Vorführung. i. d. Gefangenschaft geboren. Sonntag1 jlJhr ungekürztes Programm. 1 Kind frei! Admiralspalast 7v» Die roten Schabe. ♦< to�ssage- Theater f Unter den Linden 22/231 «Dir.: M. Solimmm 2 Nranfführnngen 2 L Teil. Eenfations» DcteNin-Drama w b Akten. In her Hauptrolle: | Bruno Eichgrfln. | Tägl. 7.15, Sonntag a. 3 U.| | Pees. H. Stosch-Sarrasani] 25 LSwen 25 | Curkliardf-Footlfa. Schuir Pantomime: Mazepp«. 1 Nachm. halbe Pr. f. Kinder | Vorv.: Tietz, Clrcuskass-| finter- Gatten Täglich 7.>i Chr; Variete-Spielplan Rauchen gestattet! Theater a.Kflttbus.Tor Tel.: Moritzpiatz I48I4. Täglich 7V, Uhr und Sonntag nachm. 3 U.; EUtcSängcr. Neues Programm! Z.S. d. lust. Einakter „Ein Abenteuer Im Wlfwenverein,'* Vorv 1 1-1'z,. 4-6 Uhr i Spannungsvoller Dekettw- film m 5 Akten. Zn den Hauptrollen: ffeiuricb Peer Erna Papst■ Emst Pittschau, » ßehrenstraBe 54 1Z Attraktionen. Sehalkndflaueh im Großen Schauspielhaus Dir. Hans v. Wolzogen Wicderauftr. Paul Oraetz Vilma von Mcdsya.zay Transky, Klabund, Poh, Gregor Ratofl m s.Chor Wolowsky, Bendow, Newoiina, Bland. Ebinger „Totentanz" Kapelle LeonidoH Konz. 7 Uhr, Anfang 8 Uhr." Adi-Haus] Tauhenstr.34- Ztr. 1052] Heinz Artus Magda Cornelius Srna Srnani Hans Brückner Gebr. Alexander Cornelius• Duett Amw �raßsrt HansWJlh. Bachmaar Peter Mann Äi Ci'bsn BargetrUnko Mocca, Tee, Schokolade Erstkl. Kfiche ff. Weine Berfas pflfiktl. 7 Uhr W Einritt frei. WWW CoDCimlla-Palasi-TliBater 64 Andreasstr. 64. DasBranii vbgGIossüw DerBeDkerv.St. Marien 9 U: 7 U.: SIL: Auf der Sühne: S.u.p.Honau.(fori he Ego, ConoTtonfen Otto«.Helen« Potsdamer Str. 38 1 Friedenau, Rheinstr. 14 I Nur noch heute und Donnerstag: Der gewaltige Film [atharina die Große Tormstr. 12 Pola Negri in �fartyrinm Alexanderpl.«Passage Lotte Neumann in Mo RelchshalL-TheatEF Abends?>/, und «onntaii Ntn.T Utetkiner Sänger. Nm. halbe Preise Varietä- Dönhoff-BrettvAnffinjj®� Philharmonie. Sinfonie-Konzert des Philharm. Orchesters. Dlrig Richard Hagel. Past Sinf Beethoven. Sollst Kropholler(Cel'o) Anf. 8 Uhr. Eintritt 3 M. orgen KÄ�rmom. Th Uhr: Einziges Konzert— Arienabend 29/11 nlenspiegel- Kabarrtt. JilKer8tr.Be 5N Täglich Anfang VI, Uhr. Gastspiel Paul Heidemann und das große Programm Nach dem Kabarett: Ball. W�WWW»' DUX Qlordanl, Pergolese, Mozart, Verdi. Massenet n Flügel: Bruno Seil. ler- Winkler— Kart M, 25 t 4.— u. Steuer bei Bote u. 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Der GeswäirSiübrer empfing die Herren mit der Berficherung, daß ihre Mühe umsonst sein werde, denn das GewerkschastöhauS berge keine Waffen. Trotzdem gingen fie ans Werk, und vom Garten und Keller angefangen wurden bis zum Dachboden hinaus alle Räume peinlichst durchsucht, ohne daß etwas gefunden wurde. Da fiel ihr Blick auf das Konzertpodium deS großen Saales und sie verlangten, daß es geöffnet werde. Der Geschäfts» südrer versicherte, daß auch dies keine Waffen berge. Da eS aber befestigt ist. erhob er gegen ein Aufreißen des Fußbodens. Einspruch. Die Breslauer Arbeiterschaft werde sich möglicher» weise eine Beschädigung ihre« HauieS nicht ruhig gefallen lasien, und die interalliierten Herren könnten in persönliche Gefahr kommen. Sie bestanden jedoch auf ihrem Entschluß. Schließlich eiklärte der Geschäflsfükrer. daß er nur der Gewalt weichen werde, worauf ihm mit Gewalt gedrobt wurde. Man holte darauf einen Tischlermeister, der den Fußboden ausreißen mußte. Doch der» gebliche Liebesmüh! Auch das Podium barg natürlich keine Waffen. Für den verursachten Schaden wird von der Entente naiürlich W i edergutmochung verlangt. Der Geschäflssührer gab den Herren zuletzt den Rat, bei den deutschnationalen Denunzianten, den Studenten und den Rittergutsbesitzern der Umaegend, ebenio genau nachzusehen, denn dort würden fie ivohl Waffen finden, worauf sich die Herren nach vierstündiger Arbeit entfernten. wke gespart wkrö! Für daS in Eirichiung begriffene Reichsarchiv in PotSdaw find LZ höhere Beamte im Notetot bewilligt. DaS preußisch« Geheime Siaarsatchiv hat»mr 10 Beamte. Vorgesehen find ein Präsi» dent Oberstleutnant(natürlich) Merz und vier Direktoren. Die Beamten find in höhere Gebaltsklafien eingereiht als die ent- 'vrcchenden Beamten des preußischen Geheimen Staatsarchiv«. 40 oder mehr Beamte find bereits ernannt, und zwar frühere Olfiziere deS Geueralstad«. die kein« archivalifche Vorbildung hotten und erst durch Beamte de« preußischen Geheimen Staatsarchivs Lehrkurs« erhielten. Di« restlichen Beamten sollen durch die Kommission beim Reichsarchiv ernannt werden, bei der sich kein einziger Ar- chivar befindet, mit Ausnahme des SrchivdirektorS Kehr, der zwar ein hervorragender Organisator ist. aber nicht au« der Archiv» karrier« hervorgegangen ist. Unter den als Archivräten anzu- stellenden Persönlichkeiten befinden sich solch«, die ihr staatliche» 'iicdioexamen noch gar nicht bestanden haben, sondern erst in der Folge machen wollen. Der Grund der zahlreichen veamienfiellen ist angeblich, daß da? Reichsarchiv nicht beabsichtigt, seine Tätigkeit auf das Archivale zu belckiänken. sondern al« Forschungsinstitut arbeiten will. Vor allem soll die Kriegsgeschichte bea.rbeitet werden. (l lne Arbeit über die Marneichlacht soll ickon in Lorbereitung sein. Bor dem Kriege hat der Staat für solche Forschungen keine Mittel zur Verfügung gestellt. Dazu ist»S wissenschaftlich bedenklich. historische Arbeiten unter behördlicher Verantwortung zu veröffentlichen. Der Zweck de» Reichsarchivs scheint also ein» Fort- Führung deS Senerilstabes»der die Versorgung einer große» Anzahl von GeaeralpabSoffizieren zu fem. Für die Sachkenntnis und Arbeitsziele des Re'chSarchive« ist«S bezeichnend, daß an das SuS- iväitige Amt der Antrag gestellt worden sein soll, die Kriegs- alten abschreiben zu dürfen. Kongreß ehemaliger Kriegsgefangener. Die„ReichSverernigung ehemaliger Kriegsgefangener" hielt am 13. und 14. November l» Hannover ihren vierten Bundes- lag ab. der ouS allen Tetlen des Reiche« besucht war. Tie öffeut- lichen Verhandlungen fanden am Sonntag vormittag statt, zu deren Beginn der Leiter der Reichszentrale für Kriegs-- und Zivil- gefangene, Regierungslommifiar Schlefinger-Berlin. auf eine die»- bezügliche Anfrage über die Frage der Heimbeförderung der irbiriichen Kriegsgefangenen berichtete. In knavp sechs Monaten sei eine Bewegung von 180000 Mann bin und zurück d.irchgeiührt worden. 80000 Mann seien über die Ostsee, bSZ? Mann über den fernen Offen abtransportiert worden. Für den Abtransport seien l 200 Millionen M., für den Empfang lvirticbasllicher Beihilfen 400 Millionen M verausgabt worden. Der Abtransport emes Maiuie« über Wladiwostok belaufe sich aus 50 000 M. In der anschließenden Ansprache wurden heftige Angriffe und Borwürfe gegen die Regierung laut. Eine längere Aussprache nahm die Forderung nach Nach- zahluug der Löhnung in Anspruch. Der RegierungSverireter erklärte hierzu, daß die Regierung niemals dem Standpunkt einer unterschiedlosen Nachrablung der Löhnung beitreten würde. Der Pertretertog wählt« iodann eine Kommission, die eine Ent- s ch l i e ß u n g auSarbeiiete, welche vom Bertretertag einstimmig gebilligt wurde. In der Entichlirbung heißt e», daß der Kongreß den Anspruch aus Rochzablun der Gebührnisi« ausrechr erbolte. jedoch im Hin- blick auf die Notlage der Finanzen ans uneingeschränkte Dundfübrung des Anspruches verzichte; deSbalb soll« die Nach- zahlung nach sozialen Gesichtspunkten erfolgen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde u. a. die Frag« der Arbeilsbeschasiung und der produktiven Erwerbs- lofenfürforge sowie das Problem der SiedlungSfrage eingehend errntert._ Aufgaben öes Staütmeöizmalamtes. In einer Unleiredung mit einem Vertreter der P.P.N. gab der neueinonnle Diadtmedizinalrat Dr. R a b n o w eine Uebersicht über feine Aufgaben und Ziele, der wir folgendes evtiiebmen: Das Gesundheitswesen Groß-LerlinS müiie zu einer Per- waltungöetnheit zuiammengeiaßt werden. Schon au» stnan- ziellen Gründen werde sich eine scharf« Organisation mit mö Wichst geringem Kroftaukwandundmöglichstgrpßem Effekt empfehlen. Im Boidergrund des iozialhhgieni'-ven Interesses sieh» die Schul. goiundheilSpfleg«. die SSuglingsfürsorg« und die Ernährung Sff rage; ebenio verdiene die Fürsorge für die Swwangeren und die Mütter höchste Beaibtung. Alle diese Fragen müßten im Ziisommenbang mit der Wohnungsfrage berückfianigl werden. Genau zu beaebtcn sei serner die Kranken« f ü r i o r g e und KranlenbauSsroge sowie das Problem der Spezialauffalten. Man müsse prüien, ob nicht in den Ländern Gesundheitsminitterien einzurichten seien. In Preußen sei das Gesundheitswesen jetzt ein Teil des Wohl- fahrtSmini st ertums; jedoch sei der Begriff der Wohliahrt so verwäfiert. daß ex le,cht zu irrtümlichen Vorstellungen führen «üfi«. dr. Rofenfelüs Uebereklungen. Herr Dr. Rosenfeld will noch immer nicht zugeben, daß er sich Uedereilungen in der Abfindungsfrage zuschulden hat kommen lasien. genau wie unser Geirosie Dr. Südekum. Viel- mehr läßt er in der«Freiheit' auf die(von unS bereits mitge- te«ie) Zuschrift des Genossen Otto Braun sehr hochnäsig ant- warten, daß dieser de» Hahenzollern insofern zu weit entgegen- gekommen sei» als er 1. dem Ministerium Hirsch angehörte, das die Abfindungsvorlage einbrachte, und 2. als Ministerpräsident diese Vorlage nicht zurückzog. Wir könnien, ohne Rücksprach« mit Gen. Braun, darauf erwidern, daß es allgemein bekannt war, daß Braun, ebenio wie der.Vorwärts', selbst die Vorlage innerhalb des Ministeriums Hirsch bekämpft hatte, jedoch überstimmt wurde— aber wenn es jemanden gibt, mit dem wir hierüber nicht zu dskutieren haben, so ist es Herr Dr. Kurt Rosenfeld selbst. Denn die ersten den Hohenzollern zu weit entgegen- kommenden Schritte sind von diesem als dem preußischen Volks- beauftragten für Justiz unternommen worden, und zwar in der Form eines von ihm gezeichneten und an verschiedenen Stellen von ihm handschriftlich korrigierten Entwurf einer E r w i d«- r u n g aus eine Beschwerde des Prinzen Miel Friedrich. In diesem vom 19 Dezember 1918 datierten Entwurf beißt es u. a.: „Es handelt sich bei der..Beschlagnahme" in der Bekannt- machung vom 30. Movember 1918 nicht...»m ei« vorbeugende Gewaltmaßregel, sondern um ei« vorsorgliche Jnbefibuahme während schwebender Auseinanderfetzung. Es wird sich empfehlen, dies in der Erwiderung auf die RechtSoerwahrung des Prinzen Eitel Friedrich zu betonen und damit dem— sonst nicht un- begründet erscheinenden— Angriff, daß die Beschlag- nahm« einen unzulässigen Eingriff in das Privat- eigentum des königlichen HauseS und feiner Mitglieder-nthalre, entgegenzutreten." Des weiteren betonte Rosenfelb ausdrücklich, daß es sich nur um „«tue fürsorgliche Ticherstellung" handelt. Sodann schlug Rosen- seid die Schaffung einer Auseinandersetzung»- kommrfsion beim Justizministerium vor und begründete diesen Vorschlag damit, daß .es sich bei der AuSeinomdersetzung wesentlich und in erster Reihe um Rechtsfragen handelt." Man kann diesen sormal-rechtlichen Starchpunkt des Dr. Rosenfeld beurteilen, wie man will. Einige unserer Genoffe-n. darunter Dr. Südekum. hatten sich ihn zu«igen gemacht, wir und die überwiegende Mehrheit der Partei haben ihn als politisch- unmoralisch von Anfang an entschieden bekämpft. Aber es ist wahrhastig eine Dreistigkeit fouderglrichen, wenn ausgerechnet Dr. Rosenfeld eS noch wagt, den Mund i« dieser Angelegenheit auszutun, nicht nur um sich gegen den in Wirklichkeit viel zu zahme« Vorwurf der.Uebereilung" zu verteidigen, sondern obsndrftn noch, um sich als Richter über andere aufzuspielen. Deutsthlanü unö Rußlanö. Im Anschluß an die Versammlung in Düffeldotft«rk.ärt« Dr. Simons einem Redakteur der„Bergisch-Mäcl'.i'cheu Zeitung'. er sei überzeugst daß eine Verständigung zwischen Bayern und Preußen möglich sei und daß auch die Entente bei Er- iediaung dieser Logelegenheit Geduld und Vertrauen rn den Willen der Regierung das Abkommen von Dpa zur Durchführung zu bringen, zeigen werde. Zu den Bostrebungen Bayer as, auf kosten Preußens bis Führung der Reichs Polin! an sich zu reißen, gab Dr. Simon» der Meinung Ausdruck, daß solch? Bestrebungen nur solange fort- bestehen würden, al»«in Zweifel herrsche, ob es die Reichsre» gierung an dem ernsten Dillen fehlen lasie. Das Gespräch wandte sich dann der Frage der Beziehungen mit Sowjetrußland zu. Die Aufnahme von HcmdelSbe- Ziehungen werde vor allem dadurch erschwerst daß ein nationali- Viertes Handelssystem, in dem jeder private Handel als ein V e r- gehen betrachtet werde, nicht in Verbindung zu bringen sei mit einem privatwirtschaftlichcn System, wie es bei uns bezteh«. Was die Meinung angehe, daß durch die Wiederaufnahme� der Wirt» fchrftlichen Beziehungen zur Sowjetmacht diese gestärkt werde, so sei dieser Gesichtspunkt nicht ausschlaggebend. Lloyd George habe vor kurzem den richtigen Ausspruch getan, daß schlimmer alS eine schlimme Regierung ga- keine Regierung sei. Unsere Ausgabe sei es daher, nük-t die Sowjetmacht zu stützen, sondern dem r u s s i- schen Volk die Gelegenheit zu einer Reorganisation zu geben._ Legioaärherrsthast. Ohne oder sogar gegen den Auftrag der Prag«? Re- gierung haben tschechische Soldaten die Denkmäler Josephs II. in Teplitz und Eger entfernt; in Töplitz wurde. das Standbild unversehrt ins Mussum geschafft, in Eger hat man es noch zahlreichen Vorbildern in der ersten Zeit dir Beherrschung Deutsckchöhmens roh� heräbgerisson: ci wurde nachher ohne den rechten Arm wieder aufgestellt und von Dsuffchnationalsn bewacht. Sie haben die heranführenden Straßen aufgerissen, um die Anfahrt von Militärautos zu hindern. Die Regierung, die siÄ auf die Soldaten stützt, kann gegen sie nichts dun; böte sie deutsche Truppen, deren es ja nach der Durchführung der Musterung gibt, gegen die Legionäre auf. so würde sich daS reguläre tschechische Militär auf deren Seite stellen. Die Legionäre gelten als die Nationalhelden, das Volk meint, daß ohne ihre Desertion zu den Eiftente-Armeen und vor allem ohne ihre„Eroberung" der deutschen Gebiete der Tschechenstaat heute vielleicht nicht in seinem wirklichen Umfang bestündv. Die Demobilisierung ist zwar angeordnet, ob aber die Legionäre sich ihr fügen, wissen wir nicht. In den Standbildern Josephs, des Bauern- befreierS und Klösterfeindes. hassen die Tschechen einmal das Denkmol des Germanisators, dann aber auch ein Sinnbild des geschlossenen deutschen Sprachgebiets, in dem diese Standbilder überall errichtet worden sind. Kein Zweifel, daß diese Streiche, die neben allem anderen die Deulschböhinen zur Siedehitze erregen, dem Präsidenten Masaryk und seldsl der Begmteureghnnrg hochfr unerwünscht sind. Sie wollen und müssen den frieden mit den über drei Millionen Deiftichen suchen. Ein Staat, dessen Ausdehmuva auf Gewalt begründet rst, muß unier diesem GeburtsübÄ dauernd leiden/ � �uslanösrunüschau. Der„Matin" meldet, daß die WisdergutmackmngSkommission die deutsche Regierung aufgefordert habe, Sachverstün- dige nach Paris zu engenden, damft spätestens am 20. No- vember die Frage der Viehablieferungen seitens Deutschlands, welche der§ 4 de- ZusahprotokollS 8 vorsieht, geregelt werde. Der Wiener Delegierte der Sowietregierung für Kriegsgefangenentragen, W a r s ch a w s k i- B c o u t k �, wurde er- sucht, feine Tätigkeit in Wien ausschließlich auf die ÄnegS- «kanaGnentirnstma« zn beschränken. Zwei neue Funksprüche Tschit scherin» werden g« meldet. In dem einen an die Horthy-Regierung teilt die Sowjet regierung mist daß das Schicksal der als Gerseln verhaftet«. zehn höheren ungarischen Offiziere identisch mit dem Schicksal der ungarischen Kommunisten verknüpft fei, veren Prozeß sich in Budapest dem Ende näherst In dem anderen schlägt Moskau der chinesischen Regierung eine Art Militärabkommen vo'.. zur gemeinsamen Vernichiung der in Ost-Sibirien geschlagene!-. weißgardistischen Verbände, die sich auf mongolisches■ biet begeben haben. Der amerikanische Finanzmann Banderlip Berichtete«r der Rückreise von Moskau in Stockholm, daß«tnem amerikanische!' Syndikat für 60 Jahre das ganze nordöstliche Sibirieu (400 000 Quadratmeilen) verpachtet worden fest Di« Gerücht- über Aufstände und Siraßenkämpi« in Moskau seien vollständig unbegründet. Die Sawjetrürken haben Batum, den großen kaulafiscbeu Schwarzmeerhafen, befetzt. England soll seine Trustpen aus de Türkei zurückziehen wollen, auch aus Mesopotamien. daS cir,: arabische Regierung übernehmen soll. Die Schwarzmeerflotte so l angeblich gegen Wrangel und die Roten neutral bleiben. T- ukrainisch« Offensive gegen die Roten geht noch weiter. Der Zusammenbruch Wränge ls schreitet fort. Der kommunistische Betriebrsat des sazialdcmokratiscb«! Haup organs„Pravo lidu'(Volksrecht) in Prag, der das Bllut dur.) Vergewaltigung vertrieb und statt seiner da?„Rüde Pravo"(Rotes Recht) herausgab, ist verurteilt worden, jede wettere Besitz- störung zu unterlassen. Bei den Kammertvahlen in Athen siegten in Mei Kreise t die VeniseloS- Kandidaten mit Zweidrütelmehrheit. Offiziös läßt die Belgrader Regierung melden, daß das M■ kommen von Santa Margherila große Erregung bervorgk rufen habe. In ganz Südflamten fänden Protestkunogeb un gen statt. Die Freiw-illigen b'Anuunzios haben die Jusel-.i Beglia und Arbe, südöstlich von Fiume. und anderes, not dem Pertrag von Rapallo südslawische» Gebiet besetzt. Infolge der Weigerung der Eisenbahner Irlands, cuglisck Truppen zu befördern, ha: die Londoner Regierung den Militär und Marinebehörden weitgcbeude Ermächtigung erteilt, den wünschten Verkehr fortzuführen, jeden anderen zu hindern. Wivtfdyaft Mündelsicher. Die Frage der Anlage von Mündelgeld behandelt est i Artikel der„Deutschen Tageszeitung", der zeigt, wie die Gesetz Bestimmungen infolg« der völlig veränderten Wertverhällnisi« geradezu zu Unsinn werden. Dort beißt eS: Der Grundgedanke bei der Mündelsicherbeit ist, daß inöglichjc kein Kapitalverlust bei der Anlage von Mündelgeldern er folgen soll. In dieser Beziehung„totsicher" eisckeint nur dü erst« Hypothek. Jede Anlage in Wertpapieren kann infolge dm Kursschwankungen zu Verlusten führen— sogar zu sehr erbeblichen Kursverlusten, wie wir aus den KriegSerfahrungeii wiflen. Durch die Ausgabe von vpro, entigen Kriegsanleihen ift der ÄurS der anderen niedriger verzinslichen Staats- und Kommunal papiere ganz erheblich gesunken. ES betrug der Kur« der n�>.„.Q1. Steuerkur» Kur» ende 1918 e)ibe 1916 ZI. Okt. 2- Sproz. Kriegsanleihe 98 77. SO 4proz. Reichsanleihe..,.. 98 86 67,40 S'/sproz. RerchSonleihe.... 8S 78 57.10 Sproz. Preuß. ConiolS.... 76 67 50,— 4proz. Brandenb. Prov.-Anl... 96,30 89 94 23 S'/zproz. Brandend. Prov-Snl.. S4.S0 79 09 4proz. Pom. landfch. Pfandbr.. 94.10 90 101 3-/zproz... 86,— 78 87.26 Sproz.,.,. 75,40 68 75.25 Trotz aller Unsicherheiten find die öffentlichen Anleiben mündeli'icher Ja, es soll vorkommen, daß Bormünder nicht nach dem Gesetz mündelsichere Wertpapiere, die fich in der Hinter lasienschoft befinden, veräußern wollen, um dafür sogenannte „mündel sichere' Papiere zu erwerben. Wenn also ein Bater seinen Kindern z. B. Jndustrieakiien hinterläßt, dann iollen diese veräußert werden, um dafür vielleicht Kriegsanleihen zu kaufen. Gibt es einen größeren Unsinn alS solche unzeitgemäßen Gesetzes- bestimmungen. die eine direkte Gefährdung der Mündelgelder er- zwingen lasien können? Nach der ganzen Entwicklung der Dinge eigneu fich heute gerade die iogenanuteu mündelsichsren Wertpapiere am wenigsten als sichere Anlage. Das ReichswirtschaftSmusettm. Die Grundlage d«S in Leipzig errichteten Reichswirtschaft»« museum»(Institut iür deutsche Volkswirtschaft) bildet da» Demiche Kriegswirtichaftsmuseum, das 1917 gegründet wuide. Es soll nun- mehr r» der Lage fem, ein Bild der deutschen BolkSwirtichaft in ihren Haupt ,weigen und von den Veränderungen, die durch die Kriegswirtschait notwendig waren, zu geben. Der Besucher ioll Aufschluß erhalten über die Rohstoffe, ibre Herkunir und ihre Ber- arbeitung j er soll erkennen, was auS Deuisibland stammt und in» wiefern wir vom Auslände abhängig sind. Die Schwierigkeiten der Einfuhr, des Transportes und die Notwendigkeit der Bevorzugung deutschen Materials sollen gezeigt werden. In enger Zuiammeu- arbeit mit den Foischungsmstitnten aller Wiri'chaftSzweige werden die Ergebnisie der Forschung, sobald sie für die Praxis verwendbar find, im ReichSwirtschaftSmuseum ,ur Darstellung gelangen. BetriebSeinschrSukungen tei de» Zeist. Werken. Do die schlechte Geschäftslage bei den Äarl-Zeiß-Werten in Jena weitere Arbeiter« entlassungen und BetriebSeinschränkungen not- wendig macht, bat fich der Betriebsrat der Werke mit Unterstützung de« Jenaer Gemeindevorstandes an den Staatsrat von Tdlliingrn gewandt, um beim Reiche Austräge von Lehrgegenständen und wissenschaftlichen Apparaten für die Werke zu erlangen. Die Ver- Handlungen mit den zuständigen Regierungsstellen, die zunächst finanzielle Bedenken gellend gemacht hatten, find nockj nicht abgeschlossen. Ein Geschenk an den Lederhandel. Der Verband Deutscher Ledergroßbändler eriucht uuS um Ausnahme folgender Berichtigung zu den von»nS gemachten Ausiübrunge»: „Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Sederhändler ein weiteres Geschenk von 15 Pcoz. von der Atigust-Konjuntiur-Gewinn- Abgabe verlangt oder erhalten haben. Tatsache ist, daß der Ron« junkturgewinn in Höhe von 60 Proz. an da« Reich abgeführt wird. Ein bei der Reichslederstelle gebildeter parilätlscher von Arbeitgeber- und Arbeitnebmerseile beschickter Härte-AuSschuß hat einzig und ollein ein« Klaistellung darüber herbeegefübrr. wie entsprechend den bestehenden Verordnungen der Höchstpreis und somft die 60 Proz. der Abgabe vom Handel zu errechnen sind. Um eine möglichst frühzeitige Flüsfigmachung der Abgabe zugunsten der ReiÄsichuhveriorgimg herbeimführen, hat diese pa>itä»>Ä« Kommission ferner für die gesamt« Lederwirtichaft. alio nicht allein für den Handel, den bei sofortiger Zahlung der in 4 bis 6 Raten fälligen Abgab« al« Gegenwert für aisbaldigen Zinsge« nuß in Anrechnung zu bringenden Betrag bestimmt." Ausländische Industriespionage. Die Handelskammer und die Kewerbekammer in Sonneberg warnen die Inhaber der Puppenfabriken vor dem Besuch von Ausländern, die jetzt Sonneberg besuchen, um Industriespionage zu treiben. Sie ver- suchen unter dem Borwand, Äb>chlgsie zu machen, die Puppen- fabrikation gründlich zu studieren, um die Fertigstellmrg der Pnvvrn im Auslande»n ermöglichen. GeweriWoftsbeweg ung Reichskongreh der Erwerbslosenräte. Der am Somitax, eröffnete Reichskongreh der Erwerbslosen- rate trat pest-rn in seine sodblichen Beratungen ein. Es wurde eine Delegation bestimmt, die sich mit dem neugewäbllen Reich?» auSschlifj �um Arbeitsminister begeben soll, um mit ibm über die neuen Unterstützungssätze, die Zahlung einer Winterbeibilse und die grundsätzliche Aufbebung der Beschränkung der Unterstützung auf 2S Wochen zu verbandeln. Kummerer beklagte in'einem Referat über:„Taktik und Organisation der Erwerbslosenräte', das; die Ver» ireter einer Macht, die ausschla ygeben d für ganz Deutschland sein müßte, wie ein Kümmelblättchenverein obne jede Anteilnahme der Oeffentlichkeit tage. Er forderte rücksichtslosen Kampf und Orgamnerung unter Anschluß an die Gewerk- schalten. Zudem müsse Politik getrieben werden, da es obne dem keine Eiweibslosensürsorye gebe. Mit der Parole: Gegen die kontci revolutionären Gewerkschaften schloß er. Stöcker bezeichnete in der Diskussion die gestrige Sprengung der.Betriebsrälekonferenz' al« eine» sHrrfinn. Nur Dummköpfe oder bezahlte Agenten der Bourgeoisie könnten so handeln. Wer da meine, der Arbeitslose an sich sei schon ein Revolutionär, der irre sich, er sei nur ein Rebell. Schröder von der BetriebSrätezentrale behauvtet, daß zwei Oraesch- Leute die fsührer der gestrigen Arbeits- losen-Demonstration im Sportpalast gewesen seien. Dem einen habe man 500 M. und seine Papiere abgenommen. Es wurden sodann zwei Entschließungen eingebracht. In der einen erklärt der Kongreß, daß er das gestrige Vorgehen der Arbeitslosen bei der Sprengung der Betriebsrätekonferenz als verbrecherisch und konterrevolutionär � verdamme und die Berliner Arbeitslosen auffordere, ffch von dieser Gruppe loSziffagen. In dem zweiten Antrag erklärt, e? der Kongreß für notwendig, daß die Erwerbslosen überall die Verbindung mit den in stlrage kommenden Organisationen ausnehmen, und ver- langt, daß den Erwerbslosen eine ihrer Zabl und Bedeutung ent- sprechende Vertretung eingeräumt wird Als Ziel des Kampfes der Erwerbslosen wird die kommunistische Gesellschaft bezeichnet. Al? GegenwartSsorderungen werden aufgestellt: Eine menschenwürdige Existen», die durch Arbeitsbeschaffung oder Unter- stütznng in der Höhe deS Eristenzminimum? der kapitalistischen Ge- scllschast abgerungen werden muß, und die Aufnahme des Kampfes um die Kontrolle der Produktion. In der gestrigen NachmittagSsttzung rechnete L e l i e f S k i S scharf mit den kommunistischen Betriebsräten ab. Er wußte die Tatsache mitzuteilen, daß die Fraktionsvorstände der Kommunistischen Partei am letzten Mittwoch in einem Privatauto der Fabrikanten zu einer— nicht näber bezeichneten— Sitzung gefabren seien. Ein gewiffer Kroschewsk; aus Elbing forderte, daß jede Aktion zu einem Generalstreik ausgebaut werde und debanptete. daß die Revolution in der Haupt- fache nichts anderes als eine Magenfrage iei. Der Vertreter de? Landesvorstandes der bayerischen Erwerbslosenräte Rosenauer mußte sich den Zuruf„Orgeschleute!' gefallen lassen, weil er im Namen seiner Kestnnunqsaenoffen drobte. die„Versammlung' zi» verlassen, lallS das politische Moment aus den Beratungen nickst ausgeschlossen wird. Nach langer erregter Debatte beschloß umn im Sinne der Bayern, worauf die Diskusston fortgesetzt und kräftig weiter auf die konterrevolutionäre Führung der Gewerk- schaffen geschimpft wurde. Nach einem Schlußwort Kümmerers wurde einstimmig ein Antrag angenommen, worin das vorhondene und daS im Entwurf befindliche ArbeitSIosenversiche- rungSgesetz ohne jede Diskussion abgelehnt wird. Neue Tarifbeweguug in der Holzindustrie. Der ReichStarisvertrag für daS deutsche Holzgewerbe, der am ff. Februar 1020 abgeschloffen wurde, gilt, bis zum 16. Fe- brnar 1921 und läuft ein Jabr weiter, wenn er nicht biS zum 15. November 1020 gekündigt wurde. Um ffch über die zu er- nreifenden Maßnabmen zu verständigen, hatte der Vorstand des Deutschen Holzarbeitervcrbandes aus den 6. November eine Kon- f e r e n z einberufen, an welcher trnßer den Gouvorstebern die Ver- treter von mehr als 150 Vertragsorten teilnahmen. DaS Ergebnis der Konferenz war die Annahm? der folgenden Resolution: „Die Konferenz hält eine Kündigung der Verträge nicht für erforderlich. Sie beanffragt jedoch den Vorstand und die zentrale VerhandlungSkommisston, mit den Arbeitgebern Verband- Iiinaen über«wen weiteren Ausbau der Vertrags- bestimmunaen aufzunehmen. Beim Abschluß neuer Verträge ist stets die Grundlage des Reichstarifvertrages einzu- 'malten. In Anbetracht der immer noch steigenden Kosten der Lebens- Haltung ist die Frage einer Lohnerböbung brennend geworden. Die Konferenz hält on der zentralen Grundlage für die Lohnbildung fest. Sie beauftragt den Verbandsvorstand, auf der Grundlage der im Reichstarifvertrag festqeleaten Lobniätze allgemeine Lohnforderungen zu stellen.' Als Mindestmaß fordert die Konferenz eine weitere Lohnerhöhung von 20 P r o z, in den Orten, die feit Abschluß des Reichstarifvertrages bereits 35 Proz. erhalten haben. Danach eraeben fich Spitzen- DurchschnittSlöbne für die Facharbeiter von 6 80 M. in Klaffe I. 6,40 M in Klaffe II. 6 M. in Klaffe III. 5,60 M. in Klaffe IV. 5,20 M. in Klaffe V und 4,80 in Klaffe VI. wonach die Löbne der übrigen Arbeiterkategorien nnd die Mindestlöbne entsprechend dem Reichstarifvertrage zu bemessen find. Im Rahmen dieser Sätze sind die Mindestsorderunqen zu halten, die noch Verständiaunq mit dem Vorstand in allen VsrtraaSgebieten bzw. Orten, die dafür ge- eignet erscheinen, einzureichen sind.' Der Arbeitgeberschutzverband für das deutsche Holz- gewerbe hat seine Generalversammlung, die zur Vertragskündigung Stellung nehmen soll, auf den 13. November anberaumt. Der Arbeitgeberschutzverband bat verschiedene Abs p litterungen zu verzeichnen, anderieits ist eine lebhafte Bewequng im Sange, die auf eine en g e Kartellierung der verschiedenen in der Holzindustrie vorhandenen Unternebmeroraonisationen abzielt. Es ist nichi unmöglich, daß die Beschlüsse des Arbeitgeberschutzverbandes von dieser Bewegung stark beeinflußt werden. Tie Lage in der Tarisbew'gung im Holzaewerbe� wiid sich deshalb erst dann völlig übersehen lassen, wenn die Beschlüsse der Unternehmer vorliegen. Fortdauer des Hamburger Rieterstreiks. Homburg, 15. November. lEioener Drahtbericht deS „Vorwärts'). Der Nieterstreik dauert, ohne daß die wiederholten Bemühungen der Organisationen und die einaelehe'en Verhandlungen zu irgendeinem Erfolg qe'ührt hätten, an. Es be« ginnen nunmebr auch bereits die Folgen sich bemerkbar zu machen, da von der Arbeit der Nieter eine Anzahl Kaleaorien anderer Werstarbeiter abhängig ist: io mußten bei der Firma Blobm u. Voß bereits einige 100 Arbeiter den Dienst e i n st e l l e n. Die Betriebsräte der Werften haben sich, da weitere Einstellunaen unabwendbar erscheinen, an den D-mobilmachunaskommissar oewandt. der eine Sitzung zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer an'etzte. Diese ergab folgendes Resultat: Die Hamburger Werkten sind bereit, alle Rieter zu den alten Bedingungen wieder einzustellen. Sie behalten sich vor, geaen diejenigen, welche vaisive Resistenz neübt haben. beim SchlichtungsauSschuß vorzugeben nnd den S ch i e d s- ipruw anzuerkennen. Zentrale Verbandlunaen können sofort beginnen, sobald der tariffnäßiae Zustand auf allen Werkten der norddeutschen Gnipven wiederhergestellt ist. In einer B-r- sammluna der Streikenden, in der die Mebrzabl der Redner für Beendigung der Bewegung unter dielen Bedingungen eintrat, wurde jedoch auf Betreiben der Kommunisten d a S Ver- handlunaSergebnis abgelehnt. So geht der wilde Streik aus den Hamburger Werften weiter. und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Bewegung noch weitere Kreise zieht, wenn die verhetzten Nieter nicht aus Vernunft- gründen von ihrem Standpunkt abweichen und wenn der Streik nicht mangels jeder Unterstützung durch die Organisationen von selbst zusammenbricht. In jedem Falle aber hat der Streik wie alle anderen wilden Slktionen der Arbeiterschaft eher geschadet als genützt._ Ncberschichtenabkommen im Niederkchlefischen Bergbau. Bereits feit vier Monaten wird im Niederschlesischen Kohlen- revrer Wer die Neugestaltung der Löbne verhandelt. Die Organi- sationen hatten eine Erhöhnng der Löhne nm 15 Prog. beantragt, denn es ist eine bekannte Tatsache, daß das Niederschlesische Revier mit den Löhnen gegenüber anderen deutschen Revieren erheblich zurücksteht. Am vergangenen Mittwoch fanden nun Verhandlungen der Organisationsvertreter mit den Unternehmern statt. Die Werksvertreter erklärten sich dazu bereit, den Lohnforderungen der Arbeiter in gewissen Beziehungen entgegenzukommen, wenn ein Ueberfchichtenabkoinnren mit gleichmäßiger Verteilung der Ueberschicht und mit einem gegenüber dem ursprünglichen W- kommen ermäßigten Zuschlag zustande kommt. Die Lohnverhand- lungen führten zu folgender Vereinbarung: In Zukunft werden an drei Tagen der Wcche an die Früh- schuht und an drei Tagen in der Woche zwei Stunden an die MittagSstbicht angelangt. Auf Wunsch der Nachtschichter sollen auch an deren Schicht in gleicher Weise dreimal in der Woche Zwei Stunden angehängt werden, falls die Werksleitung mit ihren Betriebsräten sich nicht auf eine andere Art einigt. Sechs solche U eberstunden werden dann ebenso wie die dreimal zwei Stunden als volle fiebenstündige Bei- schicht gerechnet. Für diese Ueterstundan werden nebsn den tariflichen Zuschlägen folgende Zulagen je Ueberschicht festgesetzt: Die wöchentliche Brotration beträgt einschließlich der rationierten Menge und etwai- gcr Schwerstarbeiterzillagen 4400 Gramm. Zwei Pfund Fett für eine solche Ueberschicht zum Preise von zurzeit 7 Mark je Pfund für die Dauer des ersten Monats des Abkommens. Ein Pfund Zucker je Schicht zum Preise von 5 Mark pro Pfund. An Stelle von Fett und Zucker treten auf Wunsch Textilwaren nnd Bellet- dungsgegerrstände, deren Pre-S um ein Drittel verbilligt wird. Die Verteilung erfolgt nach näherer Festsetzung der hierfür zu bilden- den paritätischen Kommisston. Als Ueberschichten in obigem Sinne gelten die der gewöbn- lichen Förderschicht anhängenden zwei Stunden, wenn darin min- bestens 75 V. H. der Forderdrittel unter Tage die Ueberarbest ver- richten. Die Arbeiter über Tage von über 16 Jähren erhalten, solange aus einer Grübe das Ueberfchichtenabkommen erfüllt wird, für die achte Stunde einen Zuschlag von 25 v. H. Verfährt ein Ar- bester Wer Tage alle Schichten einer Woche voll, so wird dieser Zuschlag für 7 Stunden berechnet, sonst nur von den tatsächlich ver- sahrenen Schichten. Dieses Abkommen kann beiderseits vierzehn- tägig gekündigt werden. Unter der Voraussetzung, daß vorstehendes Abkommen in Kraft tritt, werden für die Dauer desselben folgende Lohnerhöhungen unter den Organisationen vereinbart: Jeder Arbeiter, welcher Kindergeld bezieht, erhält außerdem 2,50 M. Haushaltungsgeld je Schicht. Das Kindergeld wird von 1,60 M. auf 2,50 M. erhöbt. Jeder unverheiratete Arbeiter Wer 16 Jahre erhält einen Schichtenzuschlag von 1,25 M. Eins Betriebsrätekonferenz, an der sämtliche Betriebsräte der Riederschlesffchen Kohlenbergwerke teilnahmen, nahm das mst den Unternehmern abgeschlossene Uäberschichtenablommen mst 95 gegen 21 Stimmen und S Stimmenthaltungen endgültig an. Die RrSeitgeber im Trxtilgrokhandcl wollen bekanntlich erst dann verhandeln, wenn die streikenden Angestellten ihre Arbeit wieder aulgenommen haben. Den Verheirateten boten sie sogar eine kleine Zulage in der Hoffnung, daß sie dann bestimmt in die Betriebe gehen würden. Diese Unrernehmerboffnungen haben sich aber nicht erfüllt. Der Kampf bat vielmehr noch eine Verschärf nng erfahren. Am Montag legten auch die H a u S- d i e n e r und Packer ans Grund unehrenhafter Zumutungen die Arbeit nieder. Maßgebende Persönlickkeiten- der Groß- Konfektion haben nach einer Mitteilung der Zentral-Streikleitung bescblossen, Reisenden und Vertretern der bestreikten Betriebe während der Slrcikdauer keine Aufträge zu erteilen. Für ein zentrales KaiifmannSgertcht. Zu dieser von uns wieder» gegebenen Zuschrift des Zentralverbande» der Angestellten teilt daS Reichs» aibeitsmimilerium mil. daß die Notverordnung vom 2 9. Ok' tober 1 9 20 lediglich ergangen ist, um die durch die Erhöbung der Löhne und Gebälter seit dem Frühjahr de? Jahres eingetretenen Schwierig- leiten, insbesondere bei der Auswahl der Beisitzer innerhalb der Zuständig- kcitsgrenze zu beseitigen. Die Enljcheidung grundsätzlicher Fragen mußte der ordentlichen Gesetzgebung überlassen weiden. Achtung, Borfig- Arbeiter! Heute 2 Uhr Betriebsverjammlung aller Streitenden und ZluSgejperrten im Borsig-Kafino. Erscheinen Pflicht. Der Betstebsausschuß. Achtung, Buchdrucker! Donnerstag 7 Uhr Bezirk 4 lOsteni im .Freischütz», Fruchtstraße 66, Bezirk 3 l Nordosten) im„Bürgerheim', Alle Schönhauser Sir. 23/24, wichtige Zusammenkünste sämtlicher Kollegen, die aus dem Boden der praltlschen Gewerkschaftsarbeit stehen. Ohne Legtltmation kein Zutritt. J. A.: Blmnenthal. Deuischer Draneportarbeiter- Berbaub. Graphisches Gewerbe. Vertrauensleute aus dem Buchhandels, Buchdruckcreien. Buchbindereien, Zeitung? vcrla.' sonst allen, Papier- und Pappen-engros-, Briefumschlag-, Journallesezirkel-, Kolportage-, pbotographischcn und chromolithographischen Betrieben, sowie Zellclanlleber und Expreßsabrcr. Heute 6 Uhr in der Schulaula der 7. Gcmeindejchule, Stallschreiberstraße 54, Ausgang 4(Nähe Moritzplatz) wi chtige Vertraucnsleutesitzung. Soziales. Tos Gehalt des Kriminalbeamten. Aus Kreisen der Kriminalbevmtenschcrst wird un» geschrieben: Man würde dem Kriminalbeamten unrecht tun, wenn man chn der Gruppe der Bureauangestellten zuwiese. Der Kri- minakbeamte ist kein Bureaukrat, seine Tätigkeit im Tienstgebäude beschränkt sich auf notwendige Vernehmungen, Einsicht in das vor- handene Materal und Erhaltung der Verbindung mit den Vor- gesetzten und Kameraden. Seine Haupttätigkeit liegt auf der Straße. Für chn existiert kein Achtstundentag! Diese fortwährende nervenaufreibende Tätigkeit bedingt vorzeitige Abnutzung, besonders mst Rücksicht aus die stete Lebensgefahr persönlicher Art. Nicht zu unterschätzen sind auch die Gefahren, die den Beamten auf moralischem Gebiete drohen. Die Millionenbetrüger und Millionen- schieber legen keinen Wert aus eine Bestechungssumme. Dem allen scheint man in der Bea m ten b e soldun g s- r e i o r m nicht Rechnung trugen zu wollen. Abgesehen von den üblichen Zulagen können die K r i m i n a l w a ch t m e i st e r besten- ! falls ein Höchstgrundgehalt von 7500 M„ die Kriminalober» � w a ch t m e i st e r ein solches von 8100 M., die Bezirksober- ! w a ch t m e i st e r von 8700 M. erreichen. Daß den Oberwacht- ' meistern und Wachtmeistern bedingnngswoise mehr Bezüge in i Aussicht gestellt sind, trifft nur eine beschränkte Anzahl von Beamten. Die gleichen Bezüge erhasten Beamtenflnssen mst rein mecka- n i s ch e r oder bureaumäßiger Tätigkeit, die keiner Ge- fährdung ihrer Person, keiner übermäßigen Abnutzung ihrer Körper« und Geisteskräfte, keiner Bcstechungsgesahr ausgesetzt sind und mit Erledigung ihrer Dienststunden ihre Pflicht erfüllt haben. Gleich unverständlich ist die Eingliederung'der höheren Be- amten in die Gruppen Vll, VIll und IX der BesoldungSord- ming mit einem Höchstgrundgehalt von 9300, 10 200 und 11400 M. Dabei ist zu bemerken, daß das Höchstgrundgehalt von 10 200 M. nur von einer schr geringen Anzahl von Kommissaren und daS Höchstgrundgehalt von 11400 M. nur von den Knminalinspektoren, Herren im vovgerückren Lebensalter, erreicht wird. Zurzest entfallen auf 85 Kriminalkommissare in Berlin 14 Kriminalinspek- toren.. Demgegenüber muß es Wunder nehmen, daß die Polizei, ofsiziere, die unter gleichen Bedingungen angenommen und gleich ausgebildet werden und deren PrüfungShedingwngen die» selben wie für die Kriminalbeamten sind, jetzt zur Schutzpoli» zei übernommen und bei gleichem oder geringerem Dienst» .titer in die Gruppen IX, X und XI eingegliedert werden. Kein Einsichtiger wird sich der sinauzrellen Notlage der Regierung verschließen. Aber kein Einsichtiger wird auch leugnen, daß bei der Reform trotz der Notlage nach Gerechtigkeits- und Billigkeitsprinzipien vorgegangen werden muß. Gerichtszeitung. Ein unaufgeklärter Mord spielt in eine recht umfangreiche An» klageiache hinein, welche gestern die 2. Strafkammer des Land» gerichtS I unter Vorsitz des LangerichlßratS B a e t h k e beschäftigte. Wegen schweren Diebstahls bzw. Anstiftung hierzu waren ange- flaat: Der Kutscher Hermann Saarmann, der Arbeiter Johann Lttfin, der Händler Fritz Warneburg und die Fra» Frieda Jänsch geb. Fähne.— In der Nachr zum 14. Februar dieses Jahres wurde der Schuhmachermeister Göppuer durch einen durch die Laden- scheibe seines in der Fr.iedenstraße 53_ gelegenen Geschäft» gefeuerten Pistolenschuß auf der Stelle getötet. Als bald darauf eine Streife der Sipo hinzukam, bemerkte sie noch in dem Laden deS G. mehrere Männer, die sofort die Flucht auf den Hof ergriffen, dort eine Mauer überflesterten und spurlos verschwanden. Kriminal- kommissar Lehnerdt, welcher die Ermittlungen in der Mordsache leitete, erhielt von verschiedenen Seiten Mit- teilungen über verdächtige Aeußerungen der Mitangeklagten Jänsch. Diese führten dazu, daß die ganze Gesellschaft verhaftet wurde.— Vor Gericht bestreiten alle vier Angeflagte, irgend etwa» mit der Tat zu tun zu haben. Dem von der An- Nage geführten Indizienbeweis, der auch neues Material in der noch schwebenden Mordsache erbringen soll, ist von den RechtS« anwälten Riegner, Schröder. Müller und Grunewald ein umfang- reicher Alibibeweis gegenübergestellt worden. Zu der Verhandlung, für die zwei Tage in Aussicht genommen sind, sind 40 Zeugen und der Gewehrlabrikant Max B a r e l l a als Sachverständiger geladen. Vernum, für be* redn». Teil! Dr. Werne» Pkiie», Thaclsttenbsrg: tür vnzeiaen: ZH. Gleite, Berlin. Verlag: Vorwklrls-Verwg«.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärlS-BiiÄdruckerei u. Verlagsnnflall Van! Singer». Co.. Berlin. SlUdenNr. 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