Nr. 565 ♦ A7.�ahrgan? Ausgabe 8 Nr. 144 Bezugspreis: S ertdjäfjrLSO.— äRL.nionatI.10— M!. frei ins&oas, oormis mhlbat. i'oiV dkmg Monatlich XO,— M!»?U' tefiungsqebütrt. Unter Rteutbani für £)cutfdi!anb und Oeltecretch, 16,;0 11;.. für Das übrigt Huslanf bei tagUdi »•nmaU Suftelluno 2130 M. Posio»- leQungen nehmen an Oesterreich. Unzarn, Tschecho-EIowalei, Dane- tnari, öollano..uremburg, schweben und die Schwech— Tingetraaen m die Post- �eitungs-PreisUste. Oer.BorwSrts' mit der Eonntao»- derlage.Voll u. Kirf eachcmt wornen- täglich) zweimal Sonntags und Montags-tntnai Abend Ausgabe >—'_ w s-* Selegramm-SDrclTe: JSozialbemotcal Berlin" Bciiiucc Dolksblott Zentralorgan der rozialdemokrattfcben Partei Deutfcblands (20 Pfennig� Anzeigenpreis- Sie achtgeivaltene Nonoarelstege'le to(tct3.— 2I!.,Teuert!ngszn>ch>lagS0c/x .Aleme Anzeigen-, das'tri- gebrückte Wort 1— M.(zuläifig zwet ie'.lgebnicfte Worte!,'ebes weitere Wort 80 Vfg. Stestengemdie unb Schlakstellenanzeigen bos erste Wort 63 Plg, ebes weitere Wort 40 Vfg. Worte übet 13 Vnchstaben zählen ütr jnwi Worte. Tenemnasznschlaa.30«» isamrl-en-Anteigen fstr Wonnenten Feile 2,— M. politirche unb ae- werrtchafiliche Vereine- Anteigen 8,— Mk. die Seile ohne Ausjchlag. Anzeigen Mr die n a chst e Nummer müsten bis 8 Ahr nachmittags nn Hauvtgeschält. Berlw SW i, Stuben- ftroge 3, abgegeben werben. Geoffnei von S Uhr früh bis 3 Uhr abends. Neöaktion unä Expedition: SW. öS» Lindenstr. 5. aerntvrecbert Amt toiarttiviaft,?!r. ti;i SV— t>7. Dienstag, den Ii». November WZO Vorrvärts-Verlag G.m.b. H., SW. öS, Linöenstr. Z. Zyernivrecher: Amt Mortüpiat«, Nr. 117 53—-Vt. Simons über öie Sesatzungsnot. AuS Köln wird gedradiet: Auf Krer RHeinlandsreife irafen der Reichskanzler und der Minister des Aeustcrn gestern abend in Köln ein. Ter Reichskanzler führte in seiner Ansprache im Gürzenich aus. er wisse, welche Sorgen das Rheinland drückten und daß das Rheinland das Opfer sür das ganze Teutsche Reich tragen müßte. Zur Kohlen frage führte der Reichskanzler au», man behaupte vielfach im Auslande, Deutschland habe in Spa seine Lage falsch geschildert, da ihm die Erfüllung der Ab- machungen von Spa so leicht siele. Aber unter �der Erfüllung des Spa-Abkommens>ei die Versorgung der Industrie und der Be- völkerung schwer. TnS Ziel der Rcichsregierung nach außen sei. den Vertrag-Zgcgnern von Bersailkes die Nebrrzeugung beizubringen, daß Deutschland den ernsthaften Willen habe, seine Vrrpflich- jungen zu erfüllen. Wir wollen einen Anteil an der Schuld ehrlich auf unS nehmen, aber wir verlangen von unseren Gegnern das gleiche.._ Hierauf sprach Minister Dr. Simon? istbcr die rechtliche Aaiur und die ssolecn der Besatzung. Es sei zu unterscheiden zwischen de- ÄeiaHunn, die aus dem Friedensverträge, und der Besatzung, ine aüf dem Kriegs reckt berube. Das erstcre sei bei der Besetzung der Rheinlande der Fall. Bei dieser verbleibe nn Gegensatz zu der kriegerischen Besatzung der Souveränität der dem alten Oberherrn. Tie Ansicht, daß die Fristen der Be- satzung nach gar nicht zu saufen begonnen hätten, sti falsch. Hierfür berief sich Dr. Simons auf die Aeußerung Lloyd Georges, der anerkannt habe, daß Deutschland nach besten Kräf en seine Verpflichtungen erfülle. Frankreich unterhalte in dem besetzten Gebiet etwa daZ ll; fache deS deutschen Truppen- bestandrs am 1. fsanuar 192L Auch stimme c! mit dem re;n defensiven Charakter der Besetzung nickt überein. daß in Lotbringen das 2-, 6., 21. und 7. französische Armeekorps in der Stärke von 120 000 Mann parallel zur doutschen Grenz« beinahe marschfertig ausgestellt sind. Weiter fragte Dr. Simons, nne es komme, daß man TruppenübungSplä tze über das Bedurnris der Besatzungs- truppen himms errichte und eine Kriegsbäckerei mit einer Leistung von 400 000 Portionen täglich herstelle. Man gewinn- den Eindruck, daß das rheinische Gebiet zum Aufmarschgebiet sür einen weiteren Zugriff auf Deutschland gemacht werden solle. Sine der schlimmsten Wirkungen sei die W o h n u n g s n o t. Für über 2000 fremde Offiziers- und U n t e r o s s, z i e r S- familien mußte hier in Köln Wohnung geschaffen werden, wab- rend hier gleichzeitig über 2000 deutsche Beamtensamilten obdachlos sind.'Dazu kommt die L e b e n s m i t t e l t e u e- rung, die durch Kauf der BesebungSiruppen verichärft wird, und die Last der Requisiiionen. �, Auch für die Gegner babe die Be,ctzung schwere Fo�em Wenn es so weiter gehe, dann werde die Zeit kommen, in der auch sie einsehen müßten, daß Zahlungen in dieser Hohe nicht weiter geleistet werden könnten. Der Minister lchlog lerne Ausfuhrungen mit einem Bekenntnis zur rheinischen Art und zur rvemlschen Treue._ Trotz allem öeutsch! Ein Stimmungsbild aus Tanziq. Zur Festtagsstimmung, die in Genf durch den Völkerbund aus- gelöst werden soll, paßt schleckt die Stimmung de: D a u z: ger, die soeben in einen gefesselten„Freistaat" gestellt worden sind. Ein Dangiger Parteifreund sende: uns dazu diese Zecken: Am 15. November traten im festlich geschmückten Genf die Vertreter einer Reche von Völkern zusammen, um die erste Sitzung des Völkerbundes in feierlicher Weise zu eröffnen. Frieden, Recht und Selbstbestimmung soll von nun an gelten- Auch der Danziger Freistaat wird heute durch Proklamation gegrun- det. In feierlicher Handlung wird im Danziger Volkstag daL B e- stehen d«S Freistaats verkündet. Nicht auf Wunsch der Bevölkerung, sondern auf Mach«svruch von Fremden zum Nutzen des imperialistischen Staates Polen. Diesen Tag als Festtag zu begehen, wird für jeden D-anziger und Deutschen unmöglich fein. Die Sieger, die das SelbstbestimmungSrecht auf chre Fahnen ge- schrieben hatten, teilten Teurschl ondin vier Teile und setzten den einen der Willkür Polens aus. Unser Freistaat gleicht einem Hause, das Zwang?« inguartie- rung erhalten hat. Der neue Mitbewohner darf sogar des Haus- Herrn Gerätschaften, wie die Eisenbahn, in seinen ausschließlichen Besitz nehmen. Der Mieter darf den Hafen mitbenutzen und wenn der Besitzer übermütige Ansprüche ablehnt, ruft der Pole den Völ- kerbund um Hilfe an. J» die Töpfe der Zoll- und SchiffahrLs- behörde kann er Einblick nehmen, Zlenderungen u. a. m. verlangen. Militär steht dem aufdringlichen Mitbenutzer des Freistaat- Hauses zur Seite. Der Hausherr ist machtlos. Unwürdig wäre er aber, wollte er alles widerspruchslos hinnehmen. Das Selbstbe- stnnmungsrecht ist ihm genommen, er muß es stets wieder zurückverlangen. Ein Weg zum Meer wäre auch ohne Unterjochung von Men- schen den Polen möglich gewesen. Weichsel und Eisenbahn sind gut emgeführte Wege. Dem Bau einer besonderen Bahn stand nichts entgegen. Wir wollen selbstredend freundnachbarlichen und wir!- schaftlichen Verkehr pflegen; es brauchte deshalb Deutschlaad nicht geteilt werden. Der Wunsch nach Wiedervereinigung wird bestehen bleiben, er wird gefördert durch das zügellose Bc- gehrcn der Polen, durch die fortgesetzten Verhaftungen, AuSweisun- gen Deutscher und vieles andere mehr. Die alte preußische Politik wird dank der Revolution nicht mehr sortgesetzt. W i r können für die Fehler der früher Herrschenden nicht verantwortlich gemacht werden. UnS ist von der Entente der Vorwurf gemacht worden:„Warum habt Ihr den Regierenden ge- horcht?" Heute können wir erwidern:„Begeht Ihr nicht Unrecht? Sollen wir Euch gehorchen?" Eine Wcltrcgierung ist erstanden. Ihre erste Tat ist die Vernichtung des C e 7b st b e sti m m n n g Z r e ch t s für die Deutschen und die Unterjochung Danzigs unter fremden Willen. Solch ein Geschclien kann FesteKstimmung nicht hervorrufen. Weh- mut ist jetzt jedes aufrechten Menschen Durchbeben. Eine Feier- lichkeit geht von ihm aus, wenn er bekennt:„Ich fühle trotz alle- dem deutsch!" Die Vö!ke?bunKsta?unF. Genf, 15. November, sjn der Nachmittagssitzung der Völker- bundsversammlung wurde auf Vorschlag der britischen Delegation beschllossen, dem Präsidenten Wilson ein Te l e g r a m m zu senden mit dem Wunsche auf baldige und stän- dige Genesung. Nach längerer T-batie wurde der Antrag des Präsidenten angenommen, die auk der Tagesordnung vorgefeheneit Geschäfte sechs Ausschüssen zur Verarbeitung zu überweisen. Die Ausnahmegesuche von vier Staaten, die ihre Anmel» düngen nicht innerhalb der im Völkerbundsakt vorgeschriebenen vier Wochen vor Beginn der Versammlung eingereicht haben, wur- den einem Ausschuß überwiesen. Ein eigenartiges Mißverständnis bat es in Genf ge» geben anläßlich de? brasilianischen Antrages, einen Kranz am Genfer Rousseau-Denkmal niederzulegen, und des engli- schen Vorschlags, an Wilson eine Huldigungsadressc zu über- senden. Tie Anträge fanden leSnaften Bestall, führten aber zu einer Erklärung des Vertreters von C a n a d a, Doaerdy, der wünschte, daß in Zukunft Huldigungen an Tote oder Lebende v o r- h e r einer Kommission nberwie'en würden. Canada würde einer solchen Kundgebung wahrscheinlich ferngeblieben sein. Man dürfe nicht vergessen, daß hinter Personen Ideen ständen. Diese Erklärung machte, obgleich nur Rousseau mir Namen genannt war, erhebliches Ausseben: man empfand sie allgemein als nicht nur gegen die Huldigung für Rousseau, sondern vielmehr gegen die Huldigung für W i l s o n gerichtet.'Der Vertreter für Eanada hicki es daher auch für noißz. den Zwischenfall mit der Erklärung abziisckiließe-n, daß es sich um einen Irrtum der französi- scheu tlabersetzung bandle, und daß die Auffassung, Canada würde sich an einer Hirldigung für Wilson nicht beteiligen, unzutreffend sei. Um Tentschlawd. London» 16. November.(Hofl.nnbfch NieuwSbureau.)..Daily Telegraph" beschäftigt sich mit der Frage, ob die englische Regierung in Genf für erne sofortige Zulassung Deutschlands zum Völkerbund eintreten werde, und deutet an, daß dte englische Regierung ver- uratlich einen Mittelweg einschlagen wird, und zlvar in der Weise, daß vorgescklagen wird. Deutschland erst bei einem zweiten Zusammentritt der VAkerbundSkonsereaz zuzulassen. „Daily Herald" meint, die Jnstrukrioven, die Lehgues seiner Dele- gation gab, dre Versammlung in Genf zu verlassen, wenn diese sich wirklich für die Zulassung Deutschlands entschließe, machten dem ganzen Zusammentritt der Versammlung zu einer Posse. Die französische Regierung sei entweder der Diktator des Bundes, oder sie sei es nicht und müsse sich entschließen, die 26 Artikel des geheiligten Vertrags von Versailles zu zerreißen. das fächsifcbe Hesamtresultat. Dresden, 16. November.(Eigener Trahtberickft de?„Vorwärts".) Insgesamt wurden in allen drei Wahlkreisen 2 016 663 Stimmen abgegeben. Davon entfielen ans S. P. D. 573 216(27 Abgeordnete), Deutsche Demokraten 158 015<8 Abg.), Zentrum 22 801<1 Kbg.i, Deutsche Volksvartei 381228(18 Abg.). Deutsch- national 431 332(20 Abg.), Wirtschaftliche Vereinigung 17173(kein Abgeordneter)» lt. S. P. rechts 281 370(13 Abg.), U. S. P. links 58 771(3 Abg.) und Kommunisten 115 853(6 Abg.).—(Siehe auch Äeite 2.)_ wahlnkeöerlage venfzelos? Athen, 16. November.(Hollandsch NienwSbureau.) DaS Ergebnis der Wahle« bedeutet eine Niederlage von Be- «izelos. Mit einer Ausnahme sind sämtliche Minister seines Kabinetts durchgefallen. Tie Slcgicrung be- schloß, die endgültigen Ziffern abzuwarten und dann»an die vtim«r des Volles zu appelllere»", Setdebsräte im Mfsichtsrat. Auf eine sozialdemokratische Anfrage nach dem Stand des Ausführungsgesetzes zu 8 7» des Betricbsrätegosetzes hat daS Neichsarbeitsministerrunt geantwortet, daß ein Refe- rentenentivurf des Gesetzes demnächst mit den Spitzender- bänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer beraten werde. Eine eingehende Stellungnahme zu diesem Entwurf behalten wir uns vor und wollen heute nur einige allgemeine Ge- sichtspunkte erörtern. A u s s i ch t S r ä t e im technischen Sinne des Wortes sind vorgeschrieben bei den Aktiengesellschaften, Akti-en-Kom- manditgssellichaften. eingetragenen Genossenschaften und Ver- sicherungsvereinen ans Gegenseitigkeit; sie können ferner freiwillig bei der Gesell' Gast mit beschränkter Hastung vor- banden'ein; die Hauptrolle spielen sie im Aktienrecht. Der Aufsichtsrat wird regelmäßig von der Generalversamm- lung gewählt und ist in erster Linie das Kontrollorgan der Gesellschaft. Nach dem Handelsgesetzbuch hat der Aufsichts- rat �die Geschäftsführung in allen Zweigen der Verwaltung zu überwachen und sich zu dem Zwecke von dem Gang der Angelegenheiten der Gesellschast zu unterrichten. Er kann jederzeit über diese Angelegenheiten Berichterstattung von dem Borstande oerlangen und selbst oder durch einzelne von ihm zn bestimmende Mitglieder die Bücher und Schrif- ten der Gesellschaft einsehen, sowie den Bestand der Gesell- schafiskasse und die Bestände an Wertpapieren und Waren zu untersuchen, er hat die Jahresrechnungen, die Bilanzen iiiid die Vorschläge zur Gewinnverteilung zu prüfen und darüber � der Gemeindepersammlung Bericht zu erstatten. lieber diese überwachende Tätigkeit hinaus hat sich in der Praxis der Aufstchtsrat zu einem überaus wichtigen be- ratenden Organ entwickelt, das bei allen geschäftlichen Maßnahmen mitwirkt(Einkauf, Verkauf von Waren und Nohstoffen, Eingehung von Geschästsverbindungen, Gewrn- nung neuer Msatzgebiete, neuer Kunden usw.) Um eine Anschauung von der Bedeutung des bevorstehe- den AussührungsgesetzeS zu geben, sei erwähnt, daß im Februar dieses Jahres ca. 610 0 Akti enges e Iis �aste n in Deutschland bestanden. Irgendwelche Qualität be- ruflicher Art brauchen die Auffichtsratsmitglieder nicht zu besitzen. So finden wir denn, daß in zahllosen Fällen Per- sonen. die weder kaufmännisch noch technisch auch nur das mindeste verstehen. Auffichtsratsmitglieder sind, einzig und allein ihres Namens willen, mit dem die Gesellschast, vor allem in der guten alten Zeit,„Beziehungen" zu knüpfen hoffte. Parlamentarier, ehemalige Offiziere unb Staa- beamte, die Verbindungen zu den Stellen besaßen, die mit der Vergebung von Lieserungen zu tun haben, Träger adli- ger Namen, das waren und sind noch beliebte Aufsichtsrats- Mitglieder. Ebensowenig wie berusliche Voraussetzungen vorbinden zu sein brauchen, setzt das Gesetz der gleichzeitigen Bekleidung zahlloser Aufsichtsratspoften etwas in den Weg, nebenbei ein Beweis, wie wenig die kapitalistischen Kreise manchmal von dem Geschäftsgeheimnis halten, das den Ar- beitnehmern gegenüber eine so große Nolle zu spielen pflegt. § 70 des Betriebsrätegesetzes, der für alle diese Gesell- schaften eine Rolle zu spielen berufen ist, bestimmt, daß in Unternehmungen, für die ein Auffichtsrat besteht, rcgel- mäßig, von gewissen Ausnahmen abgesehen, nach Maßgabe eines besonderen Gesetzes ein oder zwei Vetriebsratsmitglie- der ir� den Auffichtsrat entsandt werden,„üm die Interessen und Forderungen der Arbeitnehmer sowie deren Ansichten und Wünsch? binsichtlicki der Oraanisation des Betriebes zu vertreten. Tic Vertreter haben in allen Sitzungen des Auf- sichtsrdts Sitz und Stimme, erhalten jedoch keine andere Vergütung als eine Aufwandsentschäbigung". Dieser Wortlaut ist, wie wohl noch erinnerlich, das Ergebnis langwieri- ger Verhandlungen zwischen den an der Schaffung des Be- triebsrätegesetzes beteiligten alten Mehrheitsparteien(Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum). Die Regierungs- Porlage des Betriebsrätegesetzes hatte ähnlich dem oster- reichischcn Betriebsrätegesetz deutlicher ausgesprochen, daß die Betriebsratsmitalieder im Auffichtsrat mit den übrigen Mit- gliedern d's Anffichtsrates gleiche Rechte und Pflichten baben sollten. Das sübrte zu unendlichen Erörterungen im sozial- politischen Ausschuß der Nationalversammlung, deren Er- gebnis der jetzige Wortlaut ist: Wir sagen absichtlich „Wortlaut", denn materiell, dem Jnbali nach enthält auch die jetzige Fassung nichts anderes als was auch schon die Re- grerungsvorlage besagte; gleiche Reckte und Pflichten der Arbeitermitglieder im Auffichtsrat mit den nach bisherigem Handelsrecht von der Generalversammlung gewählten Mit- gliedern. Der Satz mit„um... zu vertreten" enthält nichts anderes, als.Richtlinien", wie es der demokratische AVe- ordnete Weinhausen, der damalige Vorsitzende des sozialvolitischen Au schusies der Nationalverkonnnlung. also ein gewiß sachverständiger Beurteiler des Willens des Ge- setzgebers, in seinem Bäriebsrätegesetzkommenlar nennt. Manche Kommentatoren zum Betriebsrätegesetz haben freilich gesunden, daß die Betriebsratsmitglieder jm Auf- sichtsrat„nur" insoweit mitzureden haben', wie es zur Ver- tretung der„Interessen und Forderungen der Arbeitnehmer" und„ihrer Ansichten und Wünsche hinsichtlich der Organisation des Betriebes" notwendig ist. Nur hat keiner der Herren Ausleger bis setzt verraten können, wo diese Vertretung der Arbeiterinteressen und Forderungen endet. G'cnibsn denn jene Vertreter einer überwundenen Anschauungsweise wirk- lich, daß sie auch nur der Arbeitgeberschast, geschweige denn dem deutschen Wirtschaftsleben einen Gefallen tun, wenn sie in jode Gesellschaft und in jede Sitzung den Zank darüber hineintragen, ob mit Punkt 3 der Tagesordnung die Ver- rietung der Arbeitnehmcrinteressen erschöpft ist und nun das Stimmrecht und der Sitz der Herren Bstriebsratsmitglieder erledigt ist und diese mit einer Verbeugung sich zur Tür hin- aus zu bewegen haben? Soll vielleicht künftig der Bezirks- wirtschaftsrat und vorläufig der SchlichtnngsauSschuß oder gar der preußische Gewerbeinspektor darüber noch Monaten befinden, ob die einzelne Sitzung oder der einzelne Gegen- stand der Tagesordnung zu dem so den Arbeitnehmern zu- gewiesenen Kreis von Rechten' gehört? Haben die Vertreter dieser Ansicht nicht schon genug des Kleinkriegs im ganzen Lande durch die vielen Kautschukbestimmungen des Gesetzes? Wenn der Reichsverband der deutschen Industrie in seinen Erläuterungen zu in Betriebsräte�eletz die Aufnahme eines neuen Fabrikationszwelges als nicht zu den Befug- nissen der Arbeitermitglieder des Aufsichtsrats gehörig rech- net, so zeigt schon dies eine Beispiel die Sinnlosigkeit jener ganzen Anschauung. Wenn die Arbeitermitglieder nicht die volle Rechtsstellung der gewöhnlichen Aufsichtsratsmitglieder haben sollen, dann ist das ganze Gefetz, wie uns scheint, für die Arbeiterklasse ohne Interesse, und es lohnt sich nicht erst die Mühe der Beratiing. Das mögen diejenigen sich gesagt fein lassen, welche glauben, durch irgendeinen Kompromiß, das doch nur neuen Kampf und neue Zwistigkeiten erzeugt oder in den Betrieb verlegt, das Verlangen der Arbeiter nach Einfluß aufs Wirtschaftsleben aufhalten zu können. Die Sozialdemokraten im Reichstag werden das Ihre tun, mn zu verhindern, daß die Bstriebsratsmitglieder in den Antsichtsräten als Mitglieder zweiter Klasse behandelt werden. Was bei den von der Generalversammlirng der Aktionärs gewählten Mitgliedern selbstverständlich ist, daß sie nämlich die Interessen und Forderungen der A k t i o n ä r e, des kapi- talistifchen Faktors der Gesellschaft, zu vertreten haben, das ist hei den Vertretern der A r b e i t e r s ch a f t, des anderen und wenn man von der zufälligen gegenwärtigen Wirch'Hafts- ionn absieht, wichtigsten Faktors der Gesellschaft, besonders hervorgehoben, eben die Aufgab? der Vertretung der Arbeiter- interessen bedeutet aber fachlich keinerlei Versöbiedenheit in der Rechtsstellung der beiden Arbeiten von Anffichtsratsmit- gliedern.__ Die Arbeitszeit öer Seamtsn. Ter preußisch? Finanzminister hat zugleich im Namen des preußischen Ministers des Innern ein? Verord- nung erlassen, die die Arbeitszeit der preußischen Beamten regelt. Die Verordnung geht von der Not des Landes aus uird appelliert an das Pflichtgefühl der Beamten, alle Kräfte für den Wiederaufbau des Staates ein- zusetzen. Hierzu sei die Einführung einer fest umrisse- neu Arbeitszeit� erforderlich, die grundsätzlich für alle Staatsbedienstete gleich sein müsse. Das Staatsministerium hat in seiner Sitzung vom 18. September in der Frage der Ar- beitszeit der Beamten in Preußen falgende Beschlüsse gefaßt: 1.„Jeder Beamte ist verpflichtet, seine volle Arbeits- k r a f t in den Dienst des Staates zu stellen. Er hat die ihm übertragenen Arbeiten rechtzeitig ohne Rücksicht auf eine festgesetzte Arbeitsstundenzahl zu erledigen. 2. Die in der Regel an der Dienststelle zu leistende Arbeits- zeit detrögt wöchentlich 48 Stunden. Der Arbeit an der Dienststelle ist die Teilnahme an Sitzungen. Besichtigungen u. a. m. gleichzvachten. Wo die ZWeistung der vollen Arbeitszeit an der Dienststelle nicht durchsiithobar ist oder die Art der Arbeit eine feste Der parafit. Von Willi Birnbaum. Seit acht Tagen spukt seine Lebemannfratz« mir in den Sinnen herum. Mitten im Lesen taucht sie plötzlich auf. ein paar Falten legen sich in das fettige, graugelbe Gesicht zum Grinsen. Wie über- legen« Hohn leuchter'S da. Und wenn ich alödann darüber nack- denke, ernsthaft und tief, muß ich selbst lächeln: WaS tul'S mir, daß er ein Lump!... Aber dennoch, kein Bild läßt mich nicht loS. Turmhoher Haß hat sich seither geschichtet. Haß?!... Ich weiß nicht, ob cS Hciß ist: nur soviel ist mir klar— unendlicher Ekel packt inich stets, seelentief« Verachtung steigt in Gedanken hoch. O, nicht, daß er mir etwa? zuleide getan oder mich beleidigt, gehöhnt oder mir geschadet hätte. Nichts von alledem! Auch nicht, daß wir oft uns begegnen, daß ich mit ihm z» tun habe. Ich hatte längst ihn vergesien. Mit vielen, vielen anderen Dingen plagt' ich mich stets Kerum. Da begegnete ich ihm vor Tagen, ganz urplötzlich, mitten im Menschengewühl der Millionen- stadt. Wir stutzten, erkannten uns. obwohl er ein feiner Gigerl gc- worden; in neuester Mode, versteht sich. Ein widerlich Gefühl hieß mich eilen, fort, fort, nur nicht verweilen. Da stand er im Weg mir— mit dem unaussprechlichen Grinsen in dem feisten, kahlköpsigen Mönchs- gesicht. Ach, ich hält' ihn auf die Backe schlagen mögen, dem Parasiten. „Gib deinem Jugendgescllen die Hand doch nach so langen Jahren," so bat er und gab mir seine fleischig-weiche Rechte. Ich Hab' mir hernach beide Hände gespült auS Ekel, und noch immer mein' ich, es klebe Uebles dran.„Und hier, mein„Mädchen" Lusiana!" Ein schmächtig', geschnürt' und gepudert' Halbweltwcib war seineBegleitung. In ein W-inhauS zerrten sie mich. Wie ein Klotz saß ich da, sprach nicht, dachte nur: Wie kannst du entrinnen? Und er, der Schul- kamsrad, sprudelte lo?, sprach von seinem Leben, den Schieber- geschästen. die er seit unserem letzten Treffen gemacht, den Geldern. die er verschoben, der Villa im Westen, die er gekauft. Mich über- raichte das nicht; ich dacht' an die Skizzen, die in meinem Schreib« tische seit langen Jahren nun schliefen, deren Mittelpunkt und Haupt- Person er gewesen. Nein,«ein, mich überraschte da» nicht. Und wie ich nach perlorener Stunde von diesem höflichen Schwätzer schied— dringlicher, unausichiebbarer Geschäfte wegen—, da ver- stand' er: ,D, ich fühl', mein Lieber, du bist noch immer der alte, ehrliche Schwärmer; werde selig denn im Glauben!... Bei Ge- legeuhcit besuche mich mal..." Ich glaube, er glaubt« selbst nicht daran. Schnurstracks bin ich eine weite Strecke zu Fuß nach HauS ge« ganzen. Frische Luft brauchte ich; ach,«S war so schwüj der Tag. Immerfort noch lag mir die Rede im Sinn, die er mir damals in unserem alten Stammcasä gehalten, da ich nach elf langen Bindung an die ArbeiiSzeit der Dienststelle im Jmereffe de? Dienstes unzweckmäßig erscheinen läßt, kann von der ober- sten Verwaltungsbehörde für die in Frage kommenden Beamten eine andersartige-Regelung der Arveilszeü erfolgen. 8. Die Festsetzung der täglichen Arbeitszeit erfolgt durch die Behörde im Benehmen mit der Vertretung der Beam- 1 e n. Bei durchgehender Arbeitszeit kann während der Arbeitszeit eine Frühstückspause bis zur Höchstdauer von einer halben Stunde stattfinden, die aus die Arbeitszeit anzurechnen ist. 4. In den Ministerien soll der W o ch e n t a g s d i e n st in der Regel in de» Monaten April bis September um 8 Uhr, in den Monaten Oktober bis März um 8Zh Uhr morgens beginnen, der Abenddieust spätestens um 8 Uhr endigen, der Sonn- und Feiertagsdienst möglichst auf die Zeit von 10— 1 Uhr beschränkt werben. 6. Es ist anzustreben, daß die Dienstzeit der an einem Ort befindlichen Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden gleichmäßig geregelt wird." Durch den Beschluß wird die bisherige Dienstzeit um tag- lich eine halbe Stunde verlängert. Wenn man auch an- nehmen kann, daß die Mehrzahl der Beamten sich mit dieser Neuregelung einverstanden erklären wird, so muß doch streng darauf gesehen werden, daß für die„höheren" Beamten nicht in irgendeiner Form ein Sonderrecht geschaffen wird, däs nur neue Erdittcrungen auslösen müßte. Reyolutwnsrsmantik und Massenbetrug. In der„Freiheit" von gestern abend fetzt sich Martow, der bekanntlich als Vertreter der russischen Menschcwisten an dem Halleschen Parteitag der Unabhängigen teil- nahm, nochmals mit den Bolschewisten auseinander und be- handelt hierbei interessante Fragen von„Glauben und Wissenschaft". Hierbei bekennt er sich leidenschaftlich zu der Forderung, dem Volke uneingeschränkt die volle Wahrheit zu sagen: Ein revolutionärer Romantiker, der sich lediglich auf die subjektive Stimmung der Massen stützt, schlägt eimeu andcoen Weg ein. Er fürchtet: wenn diese Stimmung nicht zur Erzielung eines maximalen revolutionären Effektes aus- genutzt wird, könnte der richtige Moment verpaßt ioerbrn. Er muß deshalb die Illusionen der Massen oufrechterhakten, selbst wenn er sie innerlich nicht teilt; er muß die Massen vor dem Einfluß jener vorgeschrittenen Proletarier schützen, die diese Illusionen zerstreuen könnt«:, derai die Vernichtung dieser Illusionen bedeutet nach seiner Auffassung eine ver- breöberische Lähmung des revolutionären Willens der Massen. Die wissenschaftliche Methode von Marx und Engels verpflichtet den Sozialsten zu der größten Wahr- heitsliebe gegomiber seiner Klassch Jede Religion Zrdoch, darunter auch die Religion des sozialen Wunders, setzt eineu syste- matifchen Betrug der Massen und einen Selbstbetrug der Priester voraus. Wo es einen religiösen Glauben der Massen gibt, dort ist auch ein Gaukelspiel der Priester vor- Händen. Ohne innere, tief zersetzende Lüge in den Beziehungen zwischen den Führern und den Geführkoc, zwischen der Partei und den Massen, zwischen den oberen und unteren Schichten der Partei ist eine Bewegung unmöglich, die sich auf die Ausbeutung des blinden religiösen GlauZbenS der Massen stützt. Wir find der Ansicht, daß Martow di? Führer der links- radrkalen Bewegung und die Ethirk ihrer Beweggründe wesentlich überschätzt. In der Masse des Lol?eL macht sich mitunter allerdings noch ein fast religiös anmuten- der Glaub- in die Heilkraft der russischen Methoden geltend; shre Führer imd Wortmacher jedoch w?rden weniger von diesen, an sich durchans edlen Gesichtspunkten geleitet, als von dem Willen zur Demagogie und zirm Betrug der Massen._ Das wahre Wort. Die deutschnationale Presse jubelt über den bürgerlich- realtionärenWahIerfolg in Sachsen. Aus den vielen Stimmen wollen wir einen Zlbfatz der„Post" hervorheben: Monde» das erstemal in Urlaub im Heimatort wieder weilte: ,S>eh mal. alter Bursche, du warst in der Schule immer obenan; ich Hab' dich manchmal beneidet; und dennoch— du bist der Dümmsten einer, oer du für andere redest und schreibst, dein Leben nicht schonst-- Selbst ist der Mann! l" Wie Sieperworte klang das. Das feine Grinsen lag damals schon in seinem Zuge. Nnd ich weiß nicht, alles, was er je zu mir sprach, eS ist wie in Stein gemeißelt, tief gefurcht. Nur viel Staub bat sich in die Tiefen gesetzt; aber wenn man mit der Hand darüber fährt, dann steht es klar zu lesen, als fei es erst gestern vom Steinmetz ge- schlagen. Wenn ich von der Fachschule spät abends heimwärts fuhr, waren wir oftmals mitsammen. So großen„Ausschnitt" von Geld und Mädchen bot er, daß mir'S zuwider ward— bis eines TageS er verschwunden mit Kasse und Mädchen, geflüchtet war in ferne Stadt. Das jung-frisch-hoffirnngSirohe Kind ist sitzengeblieben, gebraucht und verloren, untergetaucht im Hafenstodtgewühl. Und er„schob" drei Monde lang bei Wasser und Brot, zerlumpt und abgerissen als- dann in die Heimat kommend. Als Arbeiter dann ging er in die Fabrik, werkend für 48 Pß die Stund«.£>, wie bitter. klang da fein Wort von den zer- fibmidenen Händen. Die Hände— die waren fein Gram. Von Mädchen später nahm er Geld— sich prügelnd für sse. sie„schützend". Da? Schandwerk begriff ich damals noch nicht— heute seh ich die Tiefe. Es kam der Krieg..... Und wenn ich noch weiter denk'— an die Schulzeit und ihn— tolle Streiche wurden da geheckt, er immer inmitten. Und wenn es Prügel setzte, immer wie ein Besessener schrie er dann und niemals doch war er's. In älteren Jahren ward er des reichen Schlächter- fohneS bester Freund, für ihn die Schulausgahen machend, sich loh- nen lassend mit Wurst und süßen Waren. Die unbehütete Laden- lasse der Beiden Zielobjekt. Triumphierend wies er uns anderen dann stets den Mammon. Das alle? noch weiß ich, als war' e? gestern erst geschehen... Und wieder blick ich da« graugelbe, feiste Gesicht, dies Grir.sem spür ich die fleiichig-weichen Hände, hör ich höhnenden Klang an selbstsicheren Reden, die so brutal, so roh.... Mir schaudert, ekelt, krampfen die Fäuste sich. eS brodelt Haß in tiefer Brust, wild und lodernd. Wenn ich sein Bild doch scheuchen könnte... Feder hilf! Volk steh mir bei!!... Die MafienkvnsiSkatioaen. Der Schutzverband deutscher Schrift- stcller hat mit Entrüstung von den MassenkonfiSkatione«. dt« im Verlage Fritz Gurlitt durch die StaatSanwalsichaft erfolgt sind, Kenntnis genommen und sieht in diesem Boraehen«ine ernste Be- drohung der durch die Reichsverfasiung gewährleisteten Freiheit der Kunst. Er erklärt dem Verlag: Die von der Konfiskation be- Die bürgerliche Mehrheit in der sächslschen LandeSversawrn-, lunz ist jedenfalls gesichert und die Niederlage der soz'.alistischen Parteien besiegelt. Erreicht wurde dieser erfreuliche Erfolg durch zwei Faktoren: durch die rege Parteiarbei: der Rechtsparteien und durch die Uneinigkeit der vier sozmlistischen Parteien. Daß die bürgerliche Mehrheit in Sachsen gesichert ist, dürfte ein Irrtum der„Post" sein, sonst aber stimmt alles auss Haan. Die Arbeiter sollte es jedenfalls interessieren, daß ihnen ihre größten Gegner bescheinigen, ihre Siege der Uneinrgkeit der Arbeiterschaft zu veripnken. Wenn die Arbeiterklasse nun noch immer nichts merkt, dann ist ihr jedenfalls nicht zu halfen, und dann wird es noch vieler schmerzlicher Lehren wie der sächsi« schen bedürfen, bis die Einsicht wiederkehrt. Tie sächsischen„Kettensprenger". Die sächsischen Volksparteiler gleichen ihren Kollogen im Reich auss Haar. Wie öer mutige„Rote-Ketten-Sprenger" Strese- mann nach dem 6. Juni 1M0 vor der Sozioldemolratie auf den Knien lag und sie um ihre Mithilfe anflehte, so machen es jetzt auch seine Freunde in Sachsen. Ter de u tschvolk i pa riet l:che„Dresdener Anzeiger" tritt für die Koalition der Deutscheit Volkspartei, der Demokratischen Partei und der MehrheitSsozialdemoiraten ein. Man dürfe die Mehr- heitssozialdemokraten wicht von der Verantwortlichkeit für die Ge- schicke Sachsens befreien. Nur der Block Strefemann» Scheide mann, der in Sachsen lauten würde B l ü h e r bis Redakteur Fcllifch von der radikalen Chemnitzer Nichtun, der MehrheitSfozialdemokvadie, könnte Positives und Gutes leisten. Es ist sehr bezeichnend für die Männer der Deutschen Volkspartei, daß sie sich nur in der Gemeinschaft mit der Sozialdemokratie zutrauen. Positives und Gutes leisten zu können. Die sächsische� Volke parteiler scheinen durch ihren seit den ReichStogSwahlen erlittenen Stimmverluft von 70000 noch besonders kleinlaut geworden zu fein. Mit ihren Hoff- nungen auf ein Zusammenregieren mit der Sozialdemokratie dürfte es jedoch nichts werden. Unser Dresdener Parteiorgan wendet sich schon entschieden gegen den Vorschlag des„Dresdener Anzeigers". Für die Sozialdemokratie wird«s jedenfalls das Gegebene fein, die scheinbar doch noch mögliche Mehrhesi ouS Sozialdemokraten, Demokraten und RechtSunabhängi- gen zu erstreben. Lehnt eine der beiden anderen Partelen dis Beteiligung an einer solchen Regierung ab, dann lastet auf ihr. nicht«Ais der Sozialdemokratie, die Verantwortung, wenn Sachsen statt einer linksgerichteten eine reaktionäre Regierung er- hält, welche die einzige Möglichkeit bleibt, wenn die Linke sich nicht einigen kann. Sicher ist jedenfalls das eine: daß bei der RegierungS- bildung die sechs Kommunisten und drei Neukommu- nisten praktisch nur als Verstärkung der Tcutschnatioualen zählen. SozialöeNokratke unü Regisrimgsbilüimg. Stuttgart, 16. November.(TU.) Eine Landeskonferenz der Württemberg'. schen Sozialdemokratie am SamSiag und Sonntag be. schaff igte sich u. a. auch mit der Frage des Wiedereintritts der Partei in die Regierung. Ter württembergische Gesandte in Berlin, ReichstagSabgeordneier Hildenbrand, führte aus, dir Partei sei dadurch, daß sie die demokratische Republik gegen eine R ech t ö reg i e r u n g stütze, mit der Verant- Wartung für die Politik der gegenwärtigen Regierung belastet. Wenn eine zwingend« Notwendtgkett zum Wiedereintritt in dt« R«- gierung vorliege» müsse dem die Partei Rechnung trogen. Die Zett sei vielleicht näher, als man glaube. RetchStagsabgeordneter Kerl hob hervor, ohne ein« tiefgreifende Veranlassung s« an eine Mitarbeit der Sozialdemokratie an der Regierung nicht zu denken. Gestänönis. In Str. 557 dsS„Vorwärts" hatten wir die Verleumdungen des deutschnationalen 2a!idtage«bgeordneten Dr. Negenborn auS Liegnitz charakterisiert, der unserem Genossen Th. Müller den niederträchtigen ind unwahren Vorwurf gemacht hatte, er lroffeneit Künstler haben einen so hohen und unbestrittenen Rang, daß auch nicht der leiseste Zweifel an dem länstlerischen Ethos ihrer Weite möglich ist. Mit aller Eiliichiedenheit spricht sich der Schutz« verband gegen eine von einer Behörde ausgehende Vergewaltigung und öffentliche Herabsetzung hochgeachteter deutscher Künstler aus. Werner Krauß spielte jetzt, im Großen Schaulpielhanie, den Agcnor in Kaisers.Europa". Wenn er in feierlichem Stelzschritl«. eine Tulpe schwingend, einhersteigt und mit seinem eindringlich larmohanten Pialmodieren bedeutenden Unsinn verkündet, dann ist das„Da— Da" im besten Sinne. Sein Spiel allein zwingt den Raum, wo alle anderen farb'oS und nebensächlich bleiben. DaS groleSk Gewollte dcS Stücks wird durch ihn allein für Augenblicke gegenständlich und glaubhaft. U. W. Max-Jungnickel-llrausführung. Max Jungnickel, der Herrscher im Reiche der Diminutive, hat nur eine Walze: die himmelblaue. Auf der spielen auch seine vier Bilder„Tie Kirchpsennigs". Man verübelt ci gewiß heute keinem Dichter, wenn«r uns auS dieser mit Kampfgetöse und Partcienlärm erfüllten wirklichen und mit Problemen und Erotik überladenen Theaterwelt einmal hinaus- führen will zu stillen friedlichen Menschen-und dem Erleben einer schlichten Seele und steht diesem Plane mn wohlwollender Vorein- genommenhcit gegenüber, ist aber dafür um so verärgerter, wenn man nur süßliche NiedlickkeitSkrämerri vorgesetzt bekommt. DaS jetzt im Schauspicl'auS zu Leipzig aufgeführte Stück führt in ein erzgebirgischeS Dorf zu der 12jährigen Christine Kirchpfennijz, die bei ihrem Großvater ein erbärmliches Hungerdasein als spiel- lvarenbemalerin fristet, sich eines Abends erkältet, aufs Kranken- bett geworfen wird und schließlich im Spital stirbt. Trotz der Arm- feligiat und Enttäuschungen ihres Lebens und der Bitterkeit ihres Sterbens schaut aber Christine immer belle, freundliche Gesichte: den Herrn Jesus Christus, Engelein. viel, viel Geigen und all die übrigen unvermeidlichen Imponderabilien Max JangnickelS. Das äußerlich« Geschehe» ennnert stark an Hanncles Himmelfahrt. Hier und dort: Weltweh und H'mmelSsehnsucht. Hier und dort: ein armeS Mädchen, das AlltagSnot und Erdenelend nicht ganz nieder- drücken können. Hier und dort: Naturalismus und Romantik. Hier und dort: eine Vision. Aber in der Durchführung tut Jung- nickcl nur naiv und schmachtet, wo Hauptmann dichtet, lind!« der Wirkung langweilt er. wo Hauptmann erschüttert. Im ganzen: etwas für reifere Backfische. Ein paar Hände verschafften Jung. nickel einen mäßigen Achtungserfolg. H- B. Aether nnd RelativitStStheorie, die von Albert Ein, stein ander Leidener Universität gehaltene Rede, ilt jetzt bei Julia 3.Springer, Berlik im Druck erschienen. Die Schrijt kostet 2,60 M. Ludwig tfmrdt: ernste Vorträge. Ein ereignisreicher Abend. Geistvoller Spott wurde Lnit und zarteste Lyrik und donnernde Anklage: da stand Heinrich Heine vor uns. Peitsche ngriTrell ertönte, schmerzverzerrte Züge eines Ironikers wurden sichtbar— und Frank Wede kind entstieg feinem Grabe. Schmerzooll schrie ihm der Klagruf entgegen, tiefstes Leto eines Erschütterten— und Lauten sack enteilte den Kerkermauern des Irrenhauses. Nietzsche aber, der Philosoph des Berges, des Mittags und dex ?a£e Seit Ertrag e'ner Tellersammlung für s i ch veröranchl imS ihn erst zurückgezahlt, nachdem man chn zur Rede gestellt hatte. Zugleich hatte,, toch eine Erklärung des Leiters jener Versamm- lung, in t>er die Sammlung veranstaltet wurden war, zum Abdruck gebracht. Herr Dr. Negenborn hält es nun für richt ig, den Spieß umzudrehen und die Verleumdung, deren wir i h n über- äührt hatten, nunmehr u n Z zum Vorwurf zu machen. In einer längeren Zuschrift an die schwerinbuftriell alldeutsch«.Post" geht «r auf die Angelegenheit nochmals ein, muß jedoch in gewundenen Ausführungen zugeben, daß er auch nicht die Spur eines Beweises für seine ehrenrührigen Behaupvuiigen zu bringen vermag. Statt- dessen stellt er die reichlich kühne Behauptung auf, es sei dem Ee- nassen Müller bisher nicht gelungen, den Nachweis seiner Schuld- l.osigkeit zu erbringen. Wir finden, daß auch die hilflose Verlegenheit des Herrn Tr. Negenborn diese! recht— dreiste Verhalten nicht rechtfertigt; denn jedem Unbefangenen muß die gänzliche Grundlos! g- feit der Anschuldigungen nach den Erllärungen de! Genossen Müller und der Versammlungsteilnehmer restlos klar sein. Wietsthcrft Folgen des wilden Handels. Ueber die Ob st preise in Franken sckreiben die„Bayer. MonalSbl. für Obst» und Gartenbau": Im Volke wird beständig über die hohen Obstprelse, insbesondere über die Avfelpretsc. frei bei außerordenilich reichen Ernte geklagt. Neuerdings setzt tue wilde Preistreiberei bei den Walnüssen ein; aucki nur dem Mecrrettichgebiete beginnt sie schon wieder. E! haben sich leider im Obst» und Kemüiehande! eine ganze bunle Reihe von Auf? käufern,. Preistreibern. Schleichhändlern und s-onnicien unersahieneo Elementen ausgetan, die in wenigen Tagen bis zu LOOtyM. verdienen wollen, und deren Arbeit darin besteht, iür einen, der imÄneg Großhändler geworden ist. die unverschämtesten Preise zu lchicn, die zugeführten Waren in Empfang zu nehmen und zu b')<>.hlen und bunderle Ortschaften in eine Preistreiberei verwickeln. reelle, kaufmännisch geschulte Großhändler und Kaufmann kann Press ekelhaften Zustände im Obnhandcl nicht milmadien und zieht 'sich zurück. ES ist bezeichnend für den Tiesftoiid der Moral, wenn die PreiStreiber. Landhändler und Schieber ihr blühendes Hand- werk mir Unterstützung vieler Bauern und Obstzüchter immer noch mehr ausüben und vergrößern können. Berechtigt zum Großhandel mit Obst und Gemüse ist nur derjenige, der im Besitze eines Handelserlaubnisscheines ist, und das sind:r.ii »oenigen Ausnahmen nur solche Personen, die schon vor dem Kriege diesen Handel betrieben haben. Solange die ortSbelannten, Hand» gr»l!iichen Landbändler und PreiStreiber von den Bauern und Achtern mit Vorlicb« bedient werden, solange können gesündere Werbältnisse nichi eintreten." Nichi die Handelserlaubnis, sondern die Konzessionierung bestimmter Auskäuker für bestimmte Bezirke ist notwendig. Dann kann schon die Kontrolle der Frachtbriese aus den Babnstalionen licl'en. Diese Aufkäufer von Lebensmitteln, in Gestalt j u r i st i» scher Personen können dem Bezirk, dem Kreis, an ihren Gewinnen Anteil geben. Produzent und Verbraucher müsseu aus dem kürzesten Weg verbunden werden. In einem Auiiatz: Fleischer und Landwirtschaft schreibt heute Pia.Deutsche Tageszeitung": »Dazu mülien aber die Fleischer für sich den Einkauf regel- recht organisieren, sie dürfen vor allem sich nicht mehr'gegen» seilig überbieten und dadurch die Nochfrage künstlich steigein. ES müßten seitens der Fleischer BezugSvereinigungen gebildet werden. Die in jeder Stadt vorhandene Fleischerinnuug kann oöne Schwierigkeiten als BezugSvereinizung ausgebaut werden und dieser Nebenberrieb würde bei sachgemäßer Einrichtung noch nicht einmal Geschäftsunkosten in wesentlicher Höbe verursachen. Trese BezugSdereinigung der Fleischer müßte mit den B e r- wertungSgenossenschafren der Landwirte Hand in Hand arbeiten. Die landwirtschaftlichen VerwerlungSgenostenschoften sind vorhanden, aber die Fleischer haben seither diese unmittelbare Ge- schäilSverbindung mit der Landwirlichafr abgelehnt und das, wie wir heule sehen, sehr zum Schaden der städtische» Bevölkerung. Deutscher Eisenhandel A. G. in Berlin. Die Generalversammlung beschloß, das Grundkapital um 14 auf SV Mill. Mark zu erhöheu. Ueber das Geschäft>nl neuen Jahr berichtete Kommerzienrat Lustig, daß die Zurückhaltung im Eiienbandel, die schon freien EiseSluft, der Dichter der Schlange und des AdlerS, segnete den Bund, und der große Jasager spendete Wedekind Beifall, dein Herne unseres Jahrhundert!. TaS alle! danken wir Ludwig Hardl, der uns eine unvergleichlich starke Wiedergeburt dveier Schöpfer- menschen schenkte, und gern folgten wir ihm auch in Baude- laires fromm-exvtischeS Heisenlund. wp. Ei« technisches Museum in München. Im Jahre 1S08 wurde der Neubau de« Deutschen MnseuinS von Meisterwerken der Natur- wissenfchatt und Technik in München begonnen. Der Weltkrieg hat die Fertigstellung de« Baues verhindert, io daß er bald vollendet dasteht, während da« Museum notdürftig an anderer Stelle unier- gebracht ist. Ein technische« Mukenm, da« mit der Technik nicht «schritt hält, bat aber leinen Zweck verfehlt. Das Reichsm'nisterinm des Innern beantragt daher beim Reichstag zur Fertigstellung de« Baues 8 M'llionen Mark, die auch noch in den beiden nächst- solgenden Iahren zu gewähren sein würden, so daß das Reich int- gesamt 9 Millionen geben würde. Weitere 8 Millionen Mark bringt die Industrie auf; 3 Millionen werden von Bayern gestiftet. Ein nachgelassenes Werk Dehmel«. Bei D. Fischer erscheint dem- nächlt au« dem Nachlatz van Richard Dehme! ein neue« Buch»Die G ö t t e r- F a m i l i e E« ist eine Komödie in drei Allen, lpielt teils im Himmel, teil« auf Erden und schildert in humorvolle» Typen die Revolution und ihre Ideologien. Die staatlichen Mnleen lAitc« und Neue« Museum, Kaiser-Friedrich- Mweum. Museum für Bölkerknnde, Sammlung für Balkskunde und Zeug- bau«) bleiben am Totensonntag gelchlolsen.— Das Kunltgewerbe-Muscum (tt wegen seines Umzug« nach dem Schloß am Lustgarten ohnedies nicht geöffnet. Die.Große BolkSoper" deranlialtet am 18. Navember ihre zweite Opernaussübrung(sticht, wie versehentlich inseriert, am Freitag). Gegeben wird Verdi».Tronbadour' unter Lcüung von Lea Blech/ Max Hoipaucr, der baderische Bolksslacksvieler. der von ISfilTTis 1692 die in aller Welt bekannt gewordenen«Wlipiele de« Münchencr Gärtnerplatz- Theater» leitet«, ist 75 Jahre alt in seiner Heimatstadt Mü, che» gestorben. In Berlin leitete er eine zeitlana daS Theater deZ Westens. Das Kino alS Dbeaterratter. Hermine Körner bat sich setzt, um dem Zm'ammenbruch zu entgehen, entschlolsen, die Nachmittag? des.Mün- chener SchauspielhauslS" an einen Kinounternehmcr zu verpachten. Borträge. Dr. Bruno Wille ivricht am Bußtag 7 Uhr in der Aula, Hohenftausenstr. 47/48, über daS Thema:.Vom ewigen Leben". .Tie Hrrbftausstellnna der Akademie-'. Das Referat in Nr. 5S3 enthält zwer sinnentstellende Druckfehler. Die Willi Jaeckcl nfw. sind nicht .geringere", sondern.jüngere" Größen, und BarlachS Linienrhythmik ist nicht.ein wenig", sondern»zu wenig" tonzeulriert. Die Söhne der Schieber. In der.Deltbühne" erscheint daS folgende Inserat, da« offenbar Satire, aber jedenfalls der jetzigen Zeit diabolisch gut angepaßt ist: Schieber, macht eure Söhne berühmt! Aelteier Ata- dewker verkaust umständehalber sschwerkran!. zurzeit im Keller be> schättig») Autors ch-tt an pbilosophischen. bistorifchen, Itnnmüilchcn. mathematlichen, auch belletristilcheu klutsätzen und ganzen Werken, tmg-drucklen. wie Pseudonym erschienenen. Preis nötigenfalls nach Pavier- gewicht. JnhaltSerlläi ungen gratis. Glaubensgenossen Rabatt. Nur ernste Selbstreflcktanten gesucht unter lk. ß. 49. Verlag der.Weltbühue", Char- Ottenburg V." zur Zeit der letzten ordentlichen Generalderiammlung festzustellen war, auch beule noch anhalte, und dies, obwohl die Werke die Eisenpreise ganz erheblich herabgesetzt haben. So ist B. der Preis für S> a b e i t c n, also für den Artikel, der besonders sür die Deutsche Eiseiihandels- A.-G. in Betracht komme, von 4000 M. aus 2400 M. die Tonne ermäßigt worden. Nach seiner Ansicht ist diese lingünstige Geschästklage mir aus das Mißtrauen zurückzuführen, das gegen diejenige Stelle Platz gegriffen bot, die in erster Linie dazu bernfen wäre, für eine bessere Eniwicklung de« Getchätts in Handel und Industrie zu sorgen, nämlich gege,i den Eikenwirt- sch a st S bund. Dieser habe sich als ein k v st sp i e li a er Debattierklub herausgebildet, in dem in ganz unsachlicher Weile gearbeitet wird, und in dem der Terror der Arbeit- nehm er und die Schwäche der Regierung die Geschäfte für Handel und Indiistrie unterbinden. Die Verwaltung der Deut- schen Eisenhandel-A.-G. hat sich von diesen Tatsachen natürlich in ihren Dispositionen leiten lassen müssen und ist dabcr auch ihrer- keitS bei den Ankäufen sehr vorsichtig lind zurückhaltend gewesen. Sie glaube dabcr. die Aktionäre mit eine»? sehr guten Ab- schlnß überraschen zu können, lieber die Höhe der zu erwarten- den Dividende lasse sich natürlich heute nicht urteilen, sie werde aber keinesfalls niedriger ausfallen als für 1010, für das 15 Proz. verteilt wurden. Wie unangenehm den Uniernebmern, die in ihren Fach- verbänden so völlig unter sich sind, die Anwesenheit der Ar- beitne hm erVertreter im Eisenwirtschaftsbund ist, tritt aus diesen Ausführungen deutlich hervor. Znsammenschlufj cm Leipziger Bankgrwrrie. Die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt Seipstg bot mit der Leipziger Bersinsbaiik in Leivzig-Plaowitz ein Uebereinkommen ge- troffen, wonach die Geschäfte der BereinSbank auf die Kreditanstalt übertragen werden. Der Awanxsmieter. Sind die Wände und Decken, die die Wohnungen von ein- ander scheiden, so dünn, daß man seine Nachbarn von links und rechts, von oben und unten in ihrem Tim fast lückenlos verfoloen kann, so steigert sich diete unfreiwillige Anteilnahme an dem Leben und Treiben wildfremder Menschen inS Hundertsache, sofern man das Glück hat. einen ZwangSmieier zu besitzen. Von den fünf Stuben hat er zwei bekommen, dafür aber die Kamtner noch sich zugeeignet, so daß der Flächenraum ziemlich gleich verteilt ist. Küche ist gemeinsamer Boden, aber in unserem Fall insofern kein Kampfplatz, als sämtliche EssenSstunden einander folgen und nicht zusammenfallen. Auf unserer Seite sind die Früh- aussteher, Kaffee um sieben Mittag nm zwölf. Abendbrot um sechs und auf der feindlichen Seite sind die betreffenden Zeitangaben um zwei bis drei Stunden später anzusetzen. WaS den Vorteil bat. daß die Küche nie anSlältet. so daß eS wenigstens einen warmen Ort in der ISobnung gibt. Also die gemeinsame Sphäre ist nicht das Unangenehme— daS liegt auf einem ganz anderen Gebiet. Jeder wird ichon mal in einem Hotel oder in einer Pension gewohnt haben— wem nur ein Fünkchen Takt inneewobnt. weiß, daß er auf seine Miibewohner Rückitcht zu nehmen hat, alio keine Gegenstände mit Gewalt onk den Boden schmettert, die Tiiren nicht mit Krachen zuwirft und so fort. Derselbe Tasimensch wird nun aber ein ganz anderer Zeitgenosse,, wenn er statt in einer Pension in'einer ZwangS- Mietwohnung haust, wo et alle Rechte als Vollmieter für sich in Anspruch nimmt Er singt und ps-ift. wenn eS ihm paßt, er zank«. wenn er eS für nötig hält, er liest»einer Frau die Zeitung so laut vor, daß du jede» Wort auch in der letzten Stube vernimmst— und ausgerechnet hält er ein reaktionäre« Blatt, wenn du Demokrat, und die.Rote Fahne", wenn du recht» gqpichikt bist. Nun ist ja politische Vielseitigkeit etwa» Schöne«, aber alle Abende die.Partei- gölter" gelästert zu hören, ist schließlich auch sür den Langmütigsten Grund genug, sich zu erbosen. Die Verwandten und die Bekannten. die die.Zwangsmieter" besuchen, verhehlen nicht, ihr BedauetN über die unwürdige Unierbringung auszusprechen, ein Bedauern, das dir doch in erster Linie zuteil werden müßte— aber davon ist nicht die Rede: du bist eben zum Hauspaicha avanciert und jede deiner Bitten erscheint in den Augen der anderen als ungerechtfertigte Gewaltmaßregel. Nun ist auch noch ein Dienstmädchen mit eingezogen, während du dir allein nur eine Auftvartesroiu halten kannst. Der dienst- bure Geist tyrannisiert nun nicht bloß seine Madam«, auch dich verschont seine üble Laune nicht. Behutsam gehst du all«» Kon- Mtsn aus dem Wege, aber irgendeine Kleinigkeit, wie verlegte Löffel etwa, bringt das Mädchen in Erregung, und sie läßt ihre Machwrittcl spielery als da sind: überlautes Raden. Poltern und Gefchirnllirren. Mit den Kindern ist es auch so eine eigene Sache. Sind sie artig, so heißt man st« spielen, d. h. toben, toben sie, so bleibt die Er- Mahnung zur Ruhe nicht cniS, die gemeiniglich auch nicht leise auS- fällt, zumal es doch gilt, das Toben zu überschreien. Seufzend greifst du wieder gu deinem Buche, das du bei der ersten Explosion der elterlichen Autorität aus der Hand gelegt hast— früher war eS doch schöner, wo du in deinen vier Pfählen Alleinherrscher warst. Aber da fällt dir wieder die schwere Not unseres Vaterlandes ein — auch da? Aw cmgSmiete rtum ist nur ein Teil der Last, die das Schicksal unS auferlogt hat. Und ohne Murre» fetzest du dein Tagewerck fort.... Salz statt Zucker. Eine fünfköpfige Bande von Zuckerfchwindlern wurde nach langwierigen Beobachtungen von Beamten der Abteilung W. der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Ste trieb seit Monaten ihr Unwesen und hatte es besonders auf Bäckermeister und Konditoren abgesehen. Geschäftsleute der erwähnten Art, die Zucker auch hinten herum kaufen, erhielten Angebote von 10 bis 20 Zentnern, aber auch wem- ger und mehr, je nach Wunsch und Bedarf. Der Preis, den die Verkäufer forderten, war mit 12 bis 14 M., in der letzten Zeit noch weniger, verhältnismäßig nicht hoch Die Kaufliebhaber wurden von dem Anbieter ort nach der Konsumgenossenschaft in der Ritter- gutstraße in Lichtenberg ooer nach einem Betrieb in der Holzmarkt- strafte bestellt. Der Mann, der sie in das Geschäft einfuhr!«, er- zähl!« ibpen, der Buchhalter oder der Lagerverwalter der Konsum- genofsenschaft oder des anderen Betriebes sei nur während� der Tischzeit für ste zu sprechen und zum?st>schluß des Kaufgeschäftes zur Verfügung. Der Käufer wurde dann nach der angeblichen L a g e r st e l I e in der Mühlenstrafte geführt. Tort stand ein Fuhr. werk schon beladen zur Alffahrt b�re't. Vorsicksiige Käufer nahmen erst noch eine Probe und ließen sich zu dem Zweck den einen oder den anderen Sack öffnen. Die Probe fiel steis zur vollen Zufrie- denheit aus und in der nächsten Schankwirtschaft wurde das Ge- schäft.perfekt" gemacht sowie der Kaufpreis gezahlt. Dann fetzte sich de? Wagen mit der Ladung nach der Lieferstells zu in Bewe- gung. Wie sich dann später herauSsfellt«. enthielten die Säcke nur eine dünne Oberschicht aus Zucker. Alles darunter war im besten Fall« Salz, oft auch anderes Zeu� das noch einen ge- ribgeren Wert hatte. De Schwindler, die Fr ei gäbe sch eine und all; anderen Papiere selb't ans-rtig::» und ausstellten,.verdienten" an jeder 10-Zentner-Lo.dung iaft dl« ganze Kaufsumme von 12 000 bis 14 000 M. Anzeigen von Betrogenen liefen seit geraumer Zeit jeden Tag ein. Aber es inar der Lande bisher nichi beizukommen, bis es jetzt Beamten der Abteilung W. gelang csiUn Wagen mit einer solchen ..Zuckerladung" bis an fein Zcel zu verfolgen. So wurde es möglich, die ganze Gesellschaft dinier Schloß und Riegel zu bringem Sie bestand aus fünf Mann, die alle in Lichtenberg wohnen,.Arbeitern" namens� Patt Peter aus der Oderftraße. f artmann auS der Litiaucr ertrafte Höhn aus der Gafiorfer und uri Müller aus der Graudenzer Straße und einem Fuhrmann Ellerich aus. der Jungstraße. Die Beteiligten spielten mit wechselnden Rollen, bald d'eser, bald jener den Schlepper, den Buchhalter, den Expedienten, den Lagerverwalier usw. Postreklame nur in würdiger Form. Der Bund Deutscher Architekten hatte in einer an den Neichkpostminisler gerichieien Eingabe gegen diePosireklam« Stellung genommen. In der darauthin ergangenen Antwort des R e i ch S p o st in i n i st e r S wird nuSgesübrt, daß die überaus un- günstige finanzielle Lage des Reiche« dringend die Erschließung neuer Einnabmen erfordere. Die ReichSpostverwaltung babe sich desbalb genöiigt geieheu, ihre Eiiirichiungen in gewissem Umfange der Reklameausnuvung gegen Bezablung freizugeben: ste fei jedoch lest enlichlossen. die AuSsührung der Reklame nur in würdiger Form zuzulassen. Anpreisungen, die durch Inhalt. Farbe. G'öße oder Form den outen Geschmack und die gute Sitte verletzen, sollen ausgeschlossen sein. Da die NeickSpo st Verwaltung den Betrieb unier Ausschluß des Unternehmertums in eigener Verwaltung führt sei sie in der Lage, einen enticheidenden Einfluß auf die Gestaliung de» netien Geschäftszweiges auszuüben und Geschmacklosigkeiten und Vminstaltilngen zu verhüten. ES sei auch beabsichligt, in geeigneten Fällen Künstler und Architekten zur Begutachtung heranzuziehen. Die Beiürchtiing. daß es unmöglich sein werde, da« Reklame- welen in gesunden Grenzen zu halten, daß bald alle Bestrebungen auf Erhaltung der Eigenart und des Rei-eS von Stadt und Land zunichte gemacht und damit kulturelle Güter von höchstem Werte zerstört werden würden, ericheinl demnach unbegründet. Wohnvnzsnvt und Siedlung. Neue Mittel und Weys zu suchen, soll die Aufgabe einer großen Tagung sein, die der Deutsche Per- ein für Wohnungsreforni, Am Karlsbad 29, 1, am Mon- tag und Dienstag, den 22. und 20. November, im Sitzungssaal de« ebemgligen Preußischen Her renhau fcS unter dem Kennwortc .Zurück auf? Land" abhält. Maßgebende Persönlichkeiten aus dem Gebiete des Wohnung?- und SiedlungSwesenS haben in außer- ordentlich großer Zahl ihre Teilnahme an der Tagung und an der Aussprache angezeigt. Des öffentliche Schreibgerär. Auf linieren Postämtern wurde eS zuerst unbrauchbar und dann ist e?, infolge der— Klauenseuche ganz verschwunden. Man kann es aber, wie die Eßgeräte im Warenhaus gegen Pfand am Schalter bekommen. Zu den Kunden der Bankhäuser hat man noch mebr Vertrauen. Aber auch da be- pinnt demokratisches Mißtrauen einzuziehen. Immerbin er>t in an- beimelnd gemütvoller Art. So liest man in der herrlichen Schalter» balle einer Berliner Kroßbank über den Siehpulten angeklebt: Bitte, die Federhalter nicht mitnehmen! Wie lange noch und auch ihr---! Jffir die Bolksabstimmung in Oberschlesie« veranstaltet der Messtertche Gesangverein aus K a t! o w! tz in den nöchklcn Dachen ein« Konzertreise zu Propagaudazwecken. Am 28. November wird er auch in Berlin üngen. Lrt imd Programm fallen noch bekannt gemacht werden. Da eS nun zurzeit äußerit schwirrln ist, sllr die llbormitglicder geeignete Un ter kuu s I! m ö g l i ch k e.i t c n zu � beschaffen, richtet dt? Gruppen- berawngSstelle der Vereinigten Verbände heimatireuer Odettchlesier. Französische Str. 69 lTel. Zentrum 8514), die Bitte an dir Berliner Scsölke» nitrn. ihr zu dielern Zweck ewige Privatquartiere namhaft zu machen. Ter Republikanische Führer bund hält am AZ. i. 28., vorurittag» 10 Uhr, Im Lcbrer-Vereins-Hau?, Berlin, Alsxand erPlatz, einen anger- ordeutlichen Bundestag ab. Tie Gruppe 4 drö Berliner Arbeiter-SchachklubS veranstaltet am Luptag. uachmittggS I Uhr, eiiien Moffeu- und Städtewettkamvs. Die Arbeiterschastsverewe von Brandenburg, Rathenow und Neuichteuse bei Rathenow haben ihr Erscheinen zugesagt. Gäste willkommen. Der Akademische Chor(Tirigcu! John Petersen) wird am Butztag. abends t'l, Mr. im grofen Saal der Hochschule lnab« Bahnhof Zoo) mit dem Blütbuer-Orckester, Orgel und Soliiiett. das Oratorium.Me IsiaS" von Händel aulstihrcn. Eine Voraufführung wird am Bußtag, vormittag« 11'/, Uhr, slatlffnden. Zum Besten der Boltslpeude kür dir vertriebenen Auslands- deutschen tragen Ludwig Fulda und Sludals P r e s b e r auS eigenen neueren Derlen am 21. November und am S. Dezember im Fest aal der Augusta-Schule. Stsholzstr. 81—37, vor. öintriitStarten. auch Iür I-den Abend einzeln<3—10 M.V bei Wertheim, Bote u. Bock, in der Geschäfts- stelle der Ziückwandcrerhilic, Kleiststr. 43, wid an der Llbendkaffe. Groß-Serttner parteinachrichten. Heute, November: II. KreiS(Tchöneberg-Friedenau). Die sür heute angesetzte Funktionär» schurig fällt auS; sie findet am Freitag abend m der Schule Feurigstr. 50 statt. Morgen, 17. November. 43. Abt. 7 Uhr Sitzung sämtlicher Betriebsräte. VettrauenSleute und Funttwiiäre bei Behrens, Tegeler Str. 22. Erscheinen aller notwendig. SLtimersdorf. 70. Abt. Vormittags 10 Uhr MitgUederversamm- luug bei Krämer, Prinzregenienstr. SO. Ms atter Velt. Attentat in Hypnose. Der Wiener Psychiater Professor Waguer-Jauregg hat viele Feinde, nicht nur wegen ieineS strengen PrüienS und wegen der vielen Gutachten vor Gericht, in denen er zumeist die ZurechnungS- föhigkeil und Beraulwortlichkeit der Angeklagten bejahte, sondern auch unter den Anhängern der hypnoliichcn Theorie», denen er scharf entgegentritt. Seit dem Kriege wird er auch viel ange- griffen, weil seine Starkstrombehandlung nervenlrankcr Soldaten eine nutzlose Quälerei gewesen sein soll. Ein Prozeß, der au« dieser Beschuldigung hervorgegangen war, bat letzthin allerdings zu feinen Gunsten geendet. Nun erschien bei ihm ein junges Mädchen, das sich M i a O ft a nannte, und während der Prolessor den von ihr übergebenen Brief las, richtete sie mir einem Drohruf eine Pistole auf rhu. Sie fernte sie ober gleich wieder und ließ sich wrdet standSloS zur Beobachtung auf die Klinik bringen. Jetzt hat ein Hypnotiseur öffentlich mitge« teilt, daß er dem Mädchen, der Tochter einer Oisizie, Witwe, die auS Not in einer UnterhaltungSstätte auftrai,� daS Attentat f u g g e r i e r t bat, um Wagner-Jauregg und seiner Schule nach- zuweisen, daß sie auf falschem Wege se>en. Die Waffe war eine alte Eorderladerpistole, mit einer Papierpolrone geladen. DaS- Mädchen ist erst nach der vom Hypnotiseur angegebenen Zeit wieder in deu vollen Gebrauch ihres Verstandes gelangt. Explosiv» bei EntfestignngSarbeiten. Bei EntfestigungSarbeite» in der Nähe von Bocklemünd kam es, wie auS Köln gemeldet wird, beim Einlegeu einer Sprengladung zu einer fchweien Ex« plofion, bei der S Arbeiter gerötet und 2 schwer verwundet wurden. OewerMafisbewegung HewerkschastskommisHon und Setriebsratezeotrals. In rmfem hentdgen Morgensusgade teilten tmr mit, daß die Pl�narversamminng der Berliner G wendigen Abstriche im Etat hingewiesen und dabei wiederholt be- tont, daß der Abbau der ReichSm. nisterisn beschleunigt werden müsse, und zwar insbesondere durch„rechtzeitige Kündi- guna der lausenden Verträge". Ta Beamte nicht gekündigt wer» den können, zeigt schon dieser Hinweis, daß von der EviparniS n u r die Angestellten betroffen werden sollen. Darüber binaua aber hat der Reichsfinanzminister scxar erSlärt, daß Ersparyisse auZ den Mitteln, die für Angestellte in Anspruch genommen werden, der andernfalls vom Abbau bedrohten Beamtenschaft zugute kom- men sollen. Das haben sich natürlich diejenigen Beamten, die in den Tagen des Kapp-Streiches zweimal hintereinander den Böden der Tatsachen wiedergefunden haben, nicht erst zweimal sagen lassen, sondern eine Bewegung eingeleitet, d:e die Bestrebungen des Reichsfinanzministers nachdrücklichst unterstützt und keinen Be« amten gestrichen wissen will, ehe die Angestellten von Beamten er- setzt sind! Wer weiß, welcher Geist die Revolution in den Zeirtral« behörden überlebt hat. weiß auch, waS das bedeutet. ES soll den Forderungen nach einer Reform der Verwaltung so rasch und so gründlich wie möglich der GarauS gemacht werden. Wer nicht genug Elastizität des Rückgrats ausgebracht hat, um sich eine Beamtenstellung zu sichern, hat in der Tat auch nicht? in einem Ministerium zu suchen und mutz selbst denjenigen Leuten weichen. die auS Sehnsucht nach Karriere ihre Stellung bei einer anderen Behörde verlassen haben, um kommissarisch in einem Reichs- mmistertum tät.g zu sein! So stehen denn Massenentlassungen bevor, die bei der gegenwärtigen Ueberlaftung des Avbei:?marktes zu einer fchnwrcii Gefahr für viele Familien werden. Wenn die Gewer!- ■schaften nicht eingreifen auid der rücksichtslosen Ellenbogenpolitik der reaktionären Beamten tt.cht entschieden entgegentreten, ist der Punkt 4 deS GeweirkschaftSabkommens nach den Kapp-Tazen für a Cle Zeiten erledigt. Der Einsicht, daß ttn Reiche gespart werden muß, verschließt sich heute keiner mehr. Wenn es aber zu Entlassungen konrmen muß. so sollte man nicht die Angestellten allein Htm Opfer der ErsparniSpoliti! machen. sondern Herr FinanAdikiaror Karl sollte sich einmal den Kopf darüber zerbrechen, ob nicht mancher von den berufsmäßigen Bureaukraten alter Schuir und mancher Bedenkenmacher eine schwere Last für den StaptSsäckel ist als der Angestellte, dessen Kündbarkeit immerhin ein gcivisseS'Interesse an der Arbeit gc- ttährleistet. Wenn aber dtrs alles nichts helfen sollte, so wäre mindestens zu fordern, daß die Angestellten der Roichsministerien durch' Anwendung'der Demobilm achungsvor- ich ri fte n vor den größtem sozialen Härten geschützt werden, die eine Massenentlassung mir sich bringt! DaS zum allcrmindestcn müßte nach den bisherigen Schiedssprüchen möglich sein! Die Angestellten aber, die bisher der gewerkschaftlichen Organisation lau gegenübergestanden haben, sollten sich diese Vor- gänge als War nv ig? dienen lassen und sofort im freigewerk- schaftlichen Zentralverbond die Wahrung ihrer Inter- essen sichern._ Paul Lange ausgetreten. In der„Roten Fakne" wird in einem 2'i Spalten langen Leitartikel aller Welt kundgetan, daß. der Redakteur des Fachorgans der Angestellten Paul Lange aus der Kommunistischen Partei ausgetreten ist.. Dieser Austritt war zu erwarten, da Lange über die Getverkschaftsfvage derartig ketzerische Auffassungen vertritt, daß ihn über kurz oder lang der Bannstrahl deS Moskauer Papstes getroffen hätte. Sehr kusiig ist es, in der„Roten Fahne" zu lesen, daß der„Vorwärts" und die„Freiheit"' über diesen Austritt froh- locken, trotzdem wi-r dieses Weltereignis bisher noch gar nicht registriert hatten. Ter Tranöportarbeitervcrband und seine Arbeitslosen. � Tie Bezirksverwaltung Groß-Berlin de? Deutschen Transport- arbeiterverbandes hat unter seinen 1ö4 000 Mitgliedern annähernd 12 000, die seit längerer Zeit arbeitslos sind. Neben dem Chauffeurberuf, der infolge Betriebsstoffmangel noch immer sehr darniederliegt, sind eS die Transportarbeiter aus Handel, und Industrie, die unter der Arbeitslosigkeit sehr zu leiden haben. Aussicht auf eine wirtschastliche Belebung der einzelnen Industrien ist nirgends festzustellen. Ein großer Teil der Arbeits- losen leidet unter der wirtselafrlichen?!ot ganz enorm, und ihre Lage gestaltet sich daher von Woche zu Woche verzweifelter. Ilm der allgemeinen Noikagc der Arbeitslosen Rechnung zu tragen, hat der Verband ob 1. Juni d. I. die Arbciislosenunter- stüung um das Doppelte erhöht. Auch sonfi hat der Ver- band den Arbeitslosen gegenüber getan, was in seinen Kräften stand. Die BezirkSverwaliung Groß-Berlin ist_ nun bestrebt, ein weiteres zu tun, indem sie gewillt ist, den Arbeitslosen eine Weih- nachtsunterstü ung zu gewähren. Zu diesem Zweck hat sie be'chloffen, eine Sammlung unter den arbeit enden Mitgliedern vorzunehmen, deren Ertrag den arbeitslosen Kol- legen zugutekommen soll. Entsprechende Marken zum Preii'e von 5 Mk. und 2,50 Mk. sind bereits an die Vertrauensleute zur Aus- gäbe gelangt. Es wirb erwartet, daß jedeS arbeitende Verbands- mitgbied mindestens einen Beitrag von 5 Mk. zur Unterstützung der Arbeitslosen beisteuert. Die sich hieraus ergehende Summe soll in der Wocke vor Weihnachten an die arbetiZlosen Verbandsmitglieder zur Auszahlung gelangen. Di« in Arbeit stehenden BerbandZmitglieder werden ersucht, sich an der Aufbrinanna dieser Sammluna reckt rege zu beteiligen. Die Ausgabe der Arbsitslssenmarken erfolgt durch die Sektions- und Branchenlet'ttsn�en, unh soweit hig BeinehroerttauenSleuie solche Marken noch nicht haben, ist zu empfehlen, sich umgehend damit zu berseben, damit die Sammlung und die Ablieferung der gefammel- iett Gelder recht bald erfolgt. Die VerbandSart gestellten sind bei dieser Sammlung mit«wem sehr guten Beispiel vorangegangen, indem sie sich freiwillig bereit erklären, mit einem nennenswerten Betrage für die gute Sacke mit beizutragen. Allen wirtschaftlich günstiger stehenden Mitgliedern kann nur nahegelegt worden, diesem Beispiel zu folgen. Tarifsabokage durch Unternehmer. Der Inhaber de? Restaurants in der Städti'chen Markthalle, AndreaSstr. 58. Herr Vitzh'stäfot, hat es seit Bestehen de? Tarifs im Gastwirtsgewerbe mit Hilfe seiner Angestellten wunderbar ver- standen, der Organisation bzw. deren Vertreter zu verheimlichen, daß in seinem Betriebe ein"Tarif überhaupt nicht inne- gehalten wird. Die Kellner erbailien dort nicht den ortsüb- liehen Tariflohn, sondern beben müüdlicks Abmachungen. getroffen in beziig auf Lobn bzw. Beköstigung. Dies-?lbmachungen stehen in striktem Widerspruch zu den tarifliche� Vereircharungen. Das letzte Stückchen, was in diesem Betriebe geleistet ist. richtet sich gegen die ArbaitÄvsen. Der Inhaber mit seinen Gehilfen lehnt es ab. che letzten Vereinbarungen zwischen Unternehmer- und Gehilfenschaft in bezug auf ZwangSurlanb chatchzu führen. Die Arbeitslosen weiden mit Hilfe der Organisation nicht eher ru-ben, bis auck in diesem Betrieb der Tarif in vollem Umfange zur Durchführun-z gelangt ist. Die Organisation erklärt hierzu: Der Betrieb ist für organisierte Gehilfen ges p e r r t, die dort beschäftigten Angestellten sind als Mitglieder der Organisation nicht mehr zu betrachten. « Der Oekonont G. Treuer, Inhaber deS Schultbeiß-AusschankS Sckönhauicr Allee 36 39. bat den Tarif anerlannl. Die Tarii- brecher sind aus den Beirieben entfernt und oidnunasmäßig duick» Arbeitslose ctsetzt worden. Tie Sperre für organisierte Gehilfen ist biermit aufgeboben. Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsveiwaltung Groß-Betlin. Tie in Buchdruckereien beschäftigtim Buchbinder verhandeln gegenwärtig mit den Unternehmern wegen eines neuen Lohn- ab ko Minen S. Wie am Montag in einer Branchenversammlung der Buchbinder berichtet wurde, bieten die Unternehmer eine so ge- ringe Zulage, daß die Löhne des Buchbindereipersonals nie- driger sein trütfccn als die Löhne des Druckereipersonols. Durch einstimmige Annabme einer Resolution lehnte die Versammlung die geringen Zugeständnisse der Unternehmer ab und beauftragie die Brancheulettung, noch in als zu verhandeln, um für die Buchbindereiarbeiter und-arbciter'nncn dieselben Zulagen zu erlangen, wie sie die Buchdrucker beziehungsweise die HilfSarbeitc- tttroen erhalten. Solange die Berhandlun-zen nicht abgeschlossen sind, sollen keine Ueber stunden gemacht, am Bußtag nickt. gearbeitet und die durch den Elektrikersrroik versäumte Arbeitszeit nicht nachgeholt werden. Seranlw für den redell. Teil Dr. Werner Pcllcr. Charlotlenburq: skr?lnze>-ten: Td. Glocke. Berlin. Lerlaa: BorwärlS-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Track Bor- märls-Buchdruckerci u. Lerlaasanllali Vau! Tinnrr u. Co.. Berlin. LindenM. z. Gewinn-?.'uS.zug d-r Ik. Prcusi.-TLdd.<242. Preuß.) 6. Klag. 9..gicljuiiafto t Klofsen-Lulierio 15. Zlov.'mver lüta z-r»„/„jcvne Nomm,r»Ind*n«l t-l.1 r h hohe bewiane gefallen, anrt ewar Je einer eaf die leiee nleinber Hammer In dea beiden Ahlenaaaea I und II Cime Gewähr. Rochdiiick verboten. An der vormuiagsziehung wurden Gewinne über Z-iZ DoU gezogcr.: 8 Uowmne za 15000 M 73954 60159 91616 132718 2(lewinne za 10000 M 39847 4 Gewinne za 5000 M 29518 209764 86 Gewinne za£000»I 6749 13508 20277 27847 34867 44125 404. 3 47684 51659 61042 62304 70267 76000 79268 96580 104557 I 05719 110464 111728 115079 125928 125363 126814 128517 120840 UJ022 130455 145657 164322 I62>62 164198 164916 167104 170974 ISOG'O 180595 180764 18>663 188067 196930 188276 202653 208698 209687 216275 216743 227479 233700 176"©Winne zu 1C00 M 1612 3568 7065 8165 9079 22311 23240 27778 28522 29101£-6828 35870 43826 45778 46167 47610 50991 68508 88623 68793 62215 70260 72577 76220 81716 86503 87186 88213 90162 98000 100635 101474 102356 103768 107690 107745 107834 108687 111384 111874 112185 114675 117751 118313 i 18454 110457 120932 1 25356 126371 131>82 131975 132552 133594 135649 137244 l.':7419 140098 140693'.44622 1517 0 153381 166283 16689] 15S.020 1(418� 164683 184791 164084 166163 169397 175051 178770 18.896 163770 160908 191547 195569 207244 210896 211556 212673 218683 216634 218348 221890 226920 22783(3 238926 242 Gewinno za 600 Jl 439 7227 8491 8928 0416 11400 13904 20041 28410 31440 31863 33294 34110 36936 40456 44414 45393 48170 60174 52804. 54775 69971 60172 03276 66523 66719 69084 69440 71979 73S14 72865 73905 74767 76177 76789 76334 76926 77311 80096 81295 86090 85408 88724 8�704 00627 93076 95341 05031 96275 9.422 97799 93.82 001242 102105 103289 103370 108788 109389 114462 11S8I4 115968 118874 124698 124770 129170 127191 160309 13(920 162787 I344S2 167488 140817 14.707 144199 148036 1607i8 161129 165964 166(20 166866 156970 160094 181328 162945 163387 194161 165274 169966 196762 167316 170197 172984 174267 177798 178834 179.18 I7g!>74 183261 187181 188817 1889 0 169402 191126 191272 101047 196925 197604 200964 200620 201996 207o73 210547 212895 213180 216097 218013 222121 216295 225478 228371 228244 In der Rachmlllagszi-Himg wu.dca Geb laue übce S41 Marl xczogca: 2 Gewinne za 30000 il 3134 4 Gewinne za 19000>1 31088 140262 14 Gewinne za 5000 31 11187 50882 106203 132063 148706 210443 22335 T 84 Gewinne za 3000 il 833T 17671 28991 33250 42764 43668 60548 65771 71787 84779 86387 97005 100355 105253 106937 ll£65fl 118160 121736 125882 140525 146223 146822 162576 106546 174512 176794 182339 182820 187304 189659 194562 199122 204118 207858 208157 209365 211351 213666 21 8089 230492 233260 233262 176 Gewinne zo ICgO 11 11402 11922 15761 15972 16626 19132 19408 19800 19967 24859 263-53 27.05 31845 34637 39604 40211 41287 43078 43664 46362 48150 64020 66362 59643 6,203 63839 67778 75160 77570 79322 81099 82679 87610 67851 90232 94347 97515 98853 10375? 167790 107059, 112470 112505 118093 123632 129790>31907 136729 143999 145477 148305 140138 149109 150278 111945 141845 162640 15376! 164569 173962 175974 176180 181168 184903 166043 185838 185636 189242 190754 194070 196028 165577 190821 201081 204327 207905 203745 210197 211172 215022 217150 218455 220636 223606 224477 226978 232062 233140 Jßf Gewinne zn 60011 131 12632 13467 14428 10776 28104 28343 28980 28126 80260 32469 34397 36504 37455 48321 49399 01638 65712 67397 68446 69756 68092 638»? 68149 77407 80787 80860 86688«5768 89578 97167 97844 98290 103701 104834 107039 110193 110714 111538 111823 114101 11436. 116309 116849 110957 J19181 120271 121192 122019 125046 127017 127613 133053 133322 133642 134302 137718 139228 146780 148029 148987 163026 164444 166212 156605 153097 160346 163341 166490 1684!» 168836 189228 172793 174986 177726 178241 178436 181418 186010 157«50 191027 193367 264601 208339 209272 213592 217309 218405 219926 219571 221321 224593 226606 226129 228453 232417 238682 233955 Stoffe fflt Herren-Anzüge. Alster, p-rlelols, vaenen-koslüme, Meter S0.-. 100.-. 1,0.-. 200.- Mari. Nur lnngjahrlqe Verbindungen mil altbewälirten sjobrilemen bürsen llit preiswerte, gute Qunlilöien. ocKKZvelsvick?.'»: 1 Segr.ISW. Gertraud tensrr. 20.21. Bunte Küchen 573,— Möbel aller Ar! Kredit an alle. Liefere auch auswart». Möbei-Groff, Gr. Franksurterstr. 14b Inva» lidenstr. 5._* Aiisnahnieanqebot! Sd)lat» zimmer. Eiche, solideste Bei» arbeiiuna. komplet! mU Patent» und Auftag?>Mai:aoen,497ö,—, 5StL<-, biTö/—- Schlafzimmer» Spezial-Fabrik. Burgstraffe 27. Bureauhaus, Börse. 112, 9» Lierliag-Vi»»»», neue, gute gespielte wohlfeile Gelegenheiten. AsUhufecSt. 6, TM* Nabenstctn. Piano», Flügel. Harmonium, Gelegenheilskaus, Stimmungen, Reparaturen. Münzstraffe I». 1208- Piano», Stutzflügel. Kar- monium». aedrauchle und neu« Instrumente Revata» tuten und Stimmungen. Mal Adain Münzstraffe 18. I39K Alaviertech uische Werkstatt, Möckernstr. 85. Neparaturen, Stimmungen, stet» dillige Jossr Piano». 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