Nr. 571 �37. Jahrgang Musgabe 3 Nr. 14S BezugSpretS i ?'?rt«>IöI>r�Zc>.—M�mcma!>�0,— Ml. frei m» Saue, oorau« lodwar. Poft» aemfl Monarli» 10.— Ml. trfL fC* Kellungeaedühr. UmetRttuibanb tüi Deutichland un# Oesterreich 16, fO Ml. für Od* Übrige Ausland bei täglich einmal. Sufteäuno 2150 M. Dnflif ltellungen nehmen an Oelierretch Ungarn, Tschecho- Elowalei, Däne- mar!. Solland..uremdurg. Dchmeben und sie Schwei».—>!>naetragen in die Doli-�eiMNäs-VreisIilie. Der.Vorwärts' mit der Eonniag». deilage.Voll n.?»it' erichemt wachen- täglich zweimal Sonniags und Mo»- lag»-inmal. kelegramm-Adrrlie- »Sozlaideinotroi vorNn�. Abend-Ansgabe berliner VolksblQtt ( 20 Pfennig') Anzeigenpreis: vi« achtgelpoliene ZlonuareMezeile ioitetZ.— W.,TeueriiNg»zuschlagL0°/� .»lein««»zeigen», da» lett- gedrilltie Wori U— M. izulälsig»«et teNgedrucki« Worte), ied«, weiter« Wori 60 Vsg. Etellengiluche und SchlallielUnanzeigen da» erste Wori 65 Vlg. ,ede» weitere Wori 40 Pfg. 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Man kann bestenfalls behaupten, daß das -Haus diesmal wegen der Wichtigkeit seiner Tagesordnung etwas weniger schlecht besucht ist, als man es sonst an den berüchtigten„parlamentarischen Sonnabenden" zu fin- den pflegt. Die Linke ist noch leidlich gut besetzt, noch rechts hinüber klaffen immer breitere Lücken. Auf der Regierungs- bank lxiben Neick?swirtschastsminister Scholz, Staatssekretär Dr. Hirsch und Reichsfinanzminister W i r t h Platz genom- wen, denen sich später auch der Reichskanzler zugesellt. Die Zuhörertribünen sind zu Beginn der Sitzung fast leer und füllen sich nur ganz allmählich. Wie ganz anders wäre doch das Bild, wenn sich der Reichstag statt in Berlin an der Spree in E s s e n an der Ruhr befände! Als Redner der Sozialdemokratischen Fraktion spricht der Vertreter des Bergarbeiterverbandes. Genosse L ö f f l e r. Er spricht niit ruhiger Sachlichkeit von dem Problem und seinen Schwierigkeiten, aber auch mit deutlicher Bestimmtheit von den 900 000 Bergarbeitern, die des Wartens müde sind und eine Entscheidung verlangen. Die Wirkung einer ausweickfenden und hinbaltendcn Antwort der Regierung sei nick>t vorauszusehen. Löffler vertritt die Grundsätze des Vor- tchlagS I der Sozialisterungskoimnission, ohne sich mit allen Einzelheiten zu identifizieren, und wendet sich mit entschieden- ster Schärfe gegen den Vorschlag der Stinnes-Ver» ständigungskommission. Damit ist der Gegensatz scharf aufgerollt: Die Arbeiter wollen und bestehen unter allen Umständen darauf, daß das Vrinzip einer ausbeutungs- freien Gemein Wirtschaft zunächst grundlegend im Kohlenbergbau zur Anwendung gelangt. Dies aber ist es gerade, was die Unternehmer um jeden Preis zu der- hindern entschlossen sind, auch um den Preis von Zu- geständnisien. die den Arbeitern eine Sozialisierung vor- täuschen sollen, die keine ist. Der sozialdemokratische Red- ner läßt nickt den geringsten Zweifel daran, daß diese Täu- schungsversuche mißlingen werden, und daß seine Partei eine rasche und ehrliche Entscheidung verlangt. Die Antwort des ReichNvirtschaftsministers Dr. Scholz hätte als die schwerste Enttäuschung winken müsien. wenn man an die Haltung dieses val?sparte?lichen Ministers irgendwelche Erwartungen geknüpft hotte. Die Erklärung des Herrn Dr. Scholz war, wie das von ihm eben niemand anders erwarten konnte, das reine Gumnrielastikunr. Daß Herr Scholz zur Antwort auf die sozialdemokratische>inter- pellafion einen fertigen Entwurf auf den Tisch des Haufcs legen solle, hatte niemand von ihm verlangt. Was man von ihm oder von der Reichsregrerung unter den ge- gebenen Umständen mit Fug und Recht verlangen konnte. das war die Erklärung, daß sich die Regierung auf kerne Täuschungsmanöver einlassen werde, die von dem geraden Wege einer wirklichen Sozialisierring, einer ausbeu- tungssreien Gemernwirtschast ablenken. Eine solche Erklä- rung hätte allenfalls beruhigend wirken können. Herr Scholz hat sie nicht abgegeben, ihren Sinn und Jrchalt auch nrcht cimnal aufs allerentfernteste angedeutet. So ist durch das heutige Auftreten der Regierung die Situation eher v e r- schlecht ert als verbesiert worden. Die Regierungserkla- rung war nicht dazu geeignet, Vertrauen zu festigen, wo es vielleicht noch vorhanden war. Sie muß im Gegenteil m die Seele der Arbeiter den Stachel des Mißtrauens senken. Aus all diesen Redensarten vom gewissenhaften, sachsichen, fachmännischen, rein wirtschaftlichen und unpolitr- scheu Erwägungen klingt die Phraseologie derer, die�die So- zialisierung eben nicht wollen, und die schon längst zu dem Versuch entschlossen sind, die Forderung der Arbeiter durch Auftragen eines Scheingerichts zu erledigen. Nach dem Minister gab Dr. B o l tz für das Zentrum eine diplomatische Erklärung ab, die an der Haltung der Re- gierung nichts auszusetzen fand. Tann sprachen die beiden Unternehmervertreter Leopold von der Deutsch- nationalen und K u r t i u s von der Deutschen Volkspartei. Ihre ständig wiederholte Warnung davor, das Kohlenwrrt- softsproblem als politisches Machtproblem zu behandeln, läßt nur darauf schließen, daß sich die Gerren in ihrer gegen- wörtigcn Machtposition recht wohl fühlen und sie nicht geändert zu sehen wünschen. Bei Schluß des Blattes spricht Abg. Henke(U. Soz.). «« • In der heutigen ReichStagSsisung wird der Gesetzentwurf zur peschleunigten Erhebung des ReichLnotopfers und der AriegSadgod« vom" Vermögenszuwachs auf Antrag deS Abg. Stießet(D. yp.) dem EteuexauSschuß überwiesen. Ts folgt tie Interpellation Müller-Iranken (Soz.): Ist die Reichsregierung bereit, zu erklären, wann sie den schon wiederhol— und besonders eindringlich nach dem Abkommen von Spa— zugesagten Gesetzentwurf über die Sozi ali sie- rung des Kohlenbergbaues vorlegen wird, und zwar einen Entwurf, der sich nicht etwa auf eine Gewinn-, Kapitals- oder ErtragSbeteiligung der Arbeiter beschränken, vielmehr die vollsozialisicrung der Kohtenfiirderung und der Kohlenverteilung durchführen wird. Abg. Löffler(Sah.) begründet die Interpellation. Der ReichSarbeitSminister BraunS hat erklärt, daß die ReichSregiernng der Frage der Sozialisierung nicht aus dem Wege gehen werde und daß der R e i ch S w i r t- schaftSmini st er deauftragt sei, unverzüglich die wertere Ver- folgung der Angelegenheit zu betreiben, sobald der Bericht der SozialisierungSkommis.'ion vorlieg«. Dann hat das Reichskabinett den Wirtschaftsminister aufgefordert, den Entwurf eine» EpzialisierungsgesetzeS umgehend vorzu- legen. Zuletzt hat der Reichsschatzminister von Räumer im R e ichS« i r t sck> a f tS ra t erklärt, das Reichskablnett stehe auch jetzt noch geschloffen auf drm Boden der früheren Regierungs- erklärungen. Daraus ist zu ersehen, daß die Regierung sich klar und bündig festgelegt dat. daß sie sich zwar auf keines der Gut- achten verpflichtet hat. wohl aber dir Vorlegung eines Gesetzes u n- zweideutig versprochen hat Seit diesen Erklärungen ist es aber still geworden von der Scyialisierung. Ich muh daher fragen: Auf welchem Standpunkt steht die Regierung jetzt? Will sio vor den Gegnern der Sozialisierung, die sich fetzt mächtig rühren,«toa zurückweichen's Darauf muß ei»i klipp vnd klare Antwort erteilt werben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ein historischer Rückblick aus die Geschichte des Berg- bau«? zeigt, daß bis zum Jahre 1660 ein DirektionL recht des preußischen Staates bestanden hat, daß also bis zu diesem Zeitpunkt die Bergherren nur die Nutznießer der Boden- schätze gewesen sind. Erst das Jaftr 1860 hat die Freiheit des Bergbaues gebracht. Damals wurde aus den bisher doch geach- teten Bergkwappen ein schwer kämpfendes Proletariat. Aber auch damals bat sich der preußische Staat des Eigentums- rechtes an den Bodenschätzen nicht grundsätzlich begeben. Da nun die Zechenbesitzer später wiederhold ein Eigentumsrecht geltend gemacht haben, muß das SozialisierungSgesetz das Eigentumsrecht des Staates unzweideutiig. in den Mittelpunkt stellen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokuaten.) Uebrigens haben schon 1877 die Bergherren die Bevgbaufreiheit selbst reduzieren wollen, um der Ueberpro. d u k t i o n und der lästigen Konkurrenz vorzubeugen. Die Idee des Gesetzes über die Be r g ba u fr e i he i t war selbst nach Ansicht der preußischen Regierung in den letzten Jahrzehnten wicht mehr zutreffend, weil es dahin gekommen war, daß einig« wenige Wirtschaftsgruppen sich des Bergbaues bemächtigt hatten. Auch der konservative Nationalökonom Adolf Wagner trat für die Berstaatlichung dieser Monopole ein. Selbst die „Deutsche Tageszeitung" war der Ansicl», daß die Kohle nicht der Privatspekulation ausgeliefert bleiben dürfe. Die bisher gemachten Vorschläge waren rein privatkapitalistisch orientiert. Man will jetzt statt der nicht mehr genügenden hori- zontalen Gliederung des Wirtschaftslebens die vertikale Gliederung einführen. Man will die einzelnen Produkt« von ihrem Ursprung bei der Kohl« her bis zu ihrer letzten Verfeinerung zusammenfassen. Die Folge davon wäre eine Zufammenfaffung ganzer Wirischafts- zweige unter privatkapitalistischer Herrschaft. Gegen diese Kohlen Herzogtümer, die unter den jetzigen Verhältnissen ungeheuerNch stich, müssen wir uns entschieden wenden.(Sehr richtig? bei den Sozialdemokraten.) Das ganze Entgegenkommen gegen den So- ziallsierungsgedanken besteht in diesem Gutachten in der Heraus- gäbe von Kleinaktien, wodurch eine Gewinnbeteili- gung der Arbeiter erzielt werden soll. Es ist unmöglich, darin auch nur eine scheinbare Sozialisierung zu erkennen. Die An- nähme dieser Vorschläge würde eine Auslieferung des gesamten VolkStvohls an das Privatkap�ital bedeuten. Eine wesentliche Kohlenpreiserhöhung wäre notwendig, um die Kapitals- crhöhung lohnend zu machen. Der Zweck der Sozialisierung ist n i ch t. die Macht des P r i v a i k a p i t a l S zu stabilisieren. Das. was man heute statt Sozialisierung Kapitalisierung nennnen kann, lehnen wir ganz entschieden ab. Es ist an der Zeit, daß die' persönlichen Interessen hinter die Interessen der Gesamt- Heft zurückgestellt werden. Es ist richtig, daß die Bergarbeiter sich über den Grundgedanken der Sozialisierung nicht ganz klar find, nur etwa 10 Proz. sind tiefer in das Wesen der Sozialisierung des Kohlenbergbaues eingedrungen. Es gilt, unsere Kraft in den Dienst des Bolksganzen, zur Hebung eben des Ganzen, zu stellen. ES ist Tatsache, daß die Produktion an Kohlen in den letzten Monaten, mit Rücksicht auf das Abkommen von Spa, ständig gestiegen ist. Sollt« aber die Regierung die Arbeiter- schaft durch einen kommenden Gesetzentwurf enttäuschen, dann wären die Folgen nich: zu übersehen Das wäre meiner Meinung der Anfang von noch viel größerem Elend. Durch die Reihen vieler Hunderttausender Kohlenarbeiter geht der Ruf nach Gerech t ig» k e i t, der in dem Gedanken der Sozialisierung und der Forderung nach dieser seinen Ausdruck findet. Die Enttäuschung wäre das schlimmste, was uns im gegenwärtigen Augenblick geschehen rönnte. (Zwischenruf und Widerspruch des Abg. Winnefeld fD Bp.j.) Sie sind absolut nicht autorisiert, für die Bergarbeiter da? Wort zu erheben, Sie sind inspiriert vom christlichen Gewert- verein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir sind uns unserer Mission vollkommen bewußt: die Steigerung der Produk- tion zu erreichen und damit dem Volksganzen zu dienen. Wir erwarten aber auch von der Regierung Verständnis und Entgegen. kommen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz: Zu der, wi« ich anerkennen muß, außerordentlich sachlichen und maßvollen Begründung der Interpellation habe ich namens der Reichsregierung zu erklären: Die ReichSregiernng wird auf Grund der Erklärung vom 27. Oktober einen Gesetzentwurf über die gemeinwirtschastliche Re-. gelung des Bergbaues mit größtmöglicher Beschleunigung der gesetz- gebenden Körperschaft vorlegen. Im gegenwärtigen Augenblick sind die Beratungen der Sachverständigen des vorläufigen Reichswirt- fchaftsrates und des KotlenrateS noch nicht abgeschlossen. Um endgültig ein« gemeinsame Grundlage für diese entscheidende Frage der Neuregelung unseres Wirtschaftslebens zu finden, wurde die ursprünglich mir aus Vertretern des Kohlenbergbaues be- stehend« Sachverständigenkommission durch weitere Sachverständige ergänzt. ES wäre verfrüht, schon jetzt vor Abschluß der fachmännischen Beratungen ein Urteil oder einen Bescheid zu geben. Dieser Erklärung Hab« ich nur wenige Worte hinzuzufügen. Der Herr Vorredner hat an di« Regierung die Frage gestellt, ob sie nach wie vor bereit sei. die gemeinwirtichafflsiche Regelung des Kohlenbergbaues vorzunehmen. Die Reichsregierung ist sich bewußt, daß sie nicht einen Schritt vorwärts und zwei Schritt rückwärts machen darf, sondern umgekehrt. Sie wird und muß einen geraden, aber wohl überlegien Weg einschlagen. Auch der Vorredner mußte anerkennen, daß die Frage der gemeinwirtschaft- lichen Regelung nicht so ganz einfach zu lösen ist. Daß eZ so ist. geht mit großer Deutlichkeit daraus hervor, daß die Partei des Jnterpellanlen. die anderthalb Jahre lang, teils allein, teils maß- gebend in der ReichSregiernng gesessen hat, während dieser Zeit «inen solchen Weg nicht vorzuschlagen vermochte.(Zustimmung rechtS.) Nach Auffassung der Reichsregierung wäre es ver messen, wenn wir dieser außerordentlich schwierigen Frage die mit Rücksicht auf die allgemeine Bedrängnis unserer Wirtschaft von innen und außen mit ganz besonderer Vorficht angefaßt werden muß, jetzt unter Nichtbeachtung derjenigen Beratungen vorgingen, die augenblicklich unter den eriten Sachverständigen auf diesem Gebiete stattfinden. Heute wie immer müssen wir alle Parteien dieses HauS bitten,, in dieser für das gesamte Wirtschaftsleben so einschneidenden Frage alle parteipolitischen Ansichten zurückzustellen und nur vom rein wirtschaftlichen Standpunkt ans mit uns und mit den Sachverständigen zu prüfen, welche Erledi- gung dieser Frage dem Gemeinwohl von Nutzen sein könnte. Es gibt nur einen sachlichen Weg, der gegründet ist auf der gemein- samen Zusammenfassung aller produktiven Kräfte de» Volkes und der zu einer Lösung führt, die für alle beftiedigend ist. Die Re- gierung kann bei ernster Auffassung ihrer Aufgab« nicht an de» derzeitigen Beratungen vorübergehen, muß vielmehr mit Ihne» wünschen, daß sie gedeihen mögen zum Segen des Vaterlandes. (Beifall.) Die Besprechung der Interpellation wird beschlossen. Abg. Bolz(Zentx.) schließt sich namens semer Fraktion den Et» klavungen der Regierung an und hofft, daß die Beratungen der Ztommission möglichst bald zum Abschluß gebracht werden. Könnte die? nicht der Fall sein, dann müßte die Regierung tunlichst rasch ihre Vorlage einbringen. Wir halten es augenblicklich nicht für zweckmäßig, in eine nähere Beratung der Frage einzutreten. Abg. Leopold(Dnat.): Die SozialisierungStommission war so einseitig zusammengesetzt, daß die für das Wirtschaftsleben maß- gebenden Personen nicht zu Worte kamen, die Teilnehmer waren zum Teil nicht einmal d e u tzs ch e R e i ch s a n g e h ö r i g e.(Leb- hafte Unruhe links.) Die Selbständigkeit der Direktoren des Berg- baues steht in diesen Vorschlägen nur auf dem Papier. Wir müssen das Ergebnis der allein sachverständigen Siebenerkom- Mission abwarten. Die Vollsozialisierung wirkt Produktions- hemmend und verteuernd. Wir lehnen deshalb ein« derartige Regelung ab. worin uns dir Stimmung der sozialistischen Arbeiter nicht beirren wird. Nur der Gedanke der Arbeitsgemeinschaft kann uns wieder hoch bringen.(Bravo! rechts. Widerspruch links.) Abg. Kurtius(Dt. Vp.): Das Verfahren des RcichswirtschaftS« rates ist noch nicht abgeschlossen, er hat bisher das Problem schon wesentlich gefördert. Wir müssen seine Ergebnisse abwarten. ES gibt zwei Wege zur Lösung des Problems, den deS R e i ch S w t r t» fchaftSratsS, der Sachlichkeiten und des Vertrauens einer- seits, den Weg der Politik, der seinen Ausgang vom General- streik und dem Abkommen deS 20. März genommen hat, anderer- seit«. Die sozialistischen Parteien wollen den Weg d«S Kampfes um die Macht gehen. Ich vermisse einen Hinweis darauf, daß ein« so- fortige Umorganisierung der Kohlenwirtschafr die Erfüllung des Abkommens von Spa unmöglich machen würde.(Beifall bei der Deutsche» Volkspartei.) Sritfrt lB-lhr. Bp.): Im HinWL aus di« ErKmirntz der Rc�ierun� und in de- E-wc-rning. daß bald ein« Vorlag« über den Kohlenbergbau eingebracht wird, seben wir jetzt von eine- Erörie- rung de- Problem- ab, möchten aber betonen, daß in einer Wirt- ützaftlich sebr wichtigen Frage nicht nur die direkt beteiligten Kreise gehört Wersen, und daß das Problem nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten behandelt werden darf. Abg. Henke{U, Sc?,., rechts): Die Frage der Sozialisiernng iit ein« M a ch t f r a g«. Von der jetzigen Regierung ist olle« andere als ein« Förderung der Sozialisierimg zu erwarten. Eine bürgerliche Partei nach der anderen bat sich hinter dies« Regierung gestellt: am interessantesten war die Erklärung des Zentrums, das sich auf oen Boden der Regierung gestellt hat, ohne sie zu kennen. Oder hat daS Zentrum gewußt, daß die Regierung sich vom privatkapitalistischen Geist würde leiten lassen? Die christlichen Bergarbeiter werden von der Haltung des Zentrums bitter enttäuscht sein. Es heißt die Heuchelei auf die Spitze treiben, wenn die Rechts- Parteien, sie auf politischem Wege den KapitÄprofit sickern ioollen uns den Vorwurf machen, wirtschaftliche Dinge auf politi- schem Wege entscheiden zu wollen. Wir werden die Ärbeiterschast darüber aufklären, was sie zu tun hat, um ihre Forderunyen dennoch durchzusetzen. Die Bergbaukapitalisten tragen die Hauptschuld an der Verlängerung des Krieges und an unserer schlechten WirtschasiS- läge Sie waren immer aus den eigenen Säckel beixnbt. Ein Berg- baulapitalist wollte sogar, daß sein Sobn jetzt Franzose werde, damit sein Unternebmen den Schutz der französischen Regierung genieße. �(Hört, hört!) Wie es diesem Herrn Kapitalisten bei« spielÄreise in der Frage des Anschlusses Deutsch-Oester- reich s ums Herz ist, kann man sich leicht denken. lSehr richtig! links.) Wir müssen znr Sozialisiernng gelangen, dearn sie läuft auf die Ausschaltung des privaten Puoftts hinaus. Tie Arbeiter werden trotz aller Gegenmachenschaften der bürger- lichen Parteien ihren geraden Weg gehen. Wir können uns auch nicht dazu verstehen, daß die Frage der Sozialisierung de? Kohlen- berglvmes mit etwaigen Rücksichten auf andere brennend« Fragen, z. V Oberschlesien und ähnliche, hinausgeschoben loevden, um endlich als Utopie zu verblassen. Jede Mitarbeit an einer der« artigen K a l a str o p h« n p o l i t i k lehnen wir auf dos ent- schieden sie ab. Was wir von den leeren Versprechungen der bürgerlichen Kreise zu kalten haben, wissen wir jetzt. Kein Arbeiter läßt sich heute noch durch dieselben Schwindelmanöver täuschon. Die Arbeiterschaft wird mit Entschiedenbeit, aber auch mit Ruhe und Besonnenheit an ihren Zielen festbolten. Keine Forderung ruft größere Ent- rüstung unter den Arbeitern hervor als die Entschädigung der B e r g lv c r k s b e s i tz e r. Die Enteignung der Bevgbaumaqnaten iü eine internationale Frage, sie wird von den auSlänoischen Arbeitern ebenso gefordert wie von uns. Das Bürgertum stellt sich der Sozialisierung geschlossen entgegen, aber alle Hindernisse werden nicht stark genug sein, die Arbeiterschaft an der Erreichung ihrer Ziele zu hindern. Im Namen der Arbeiterschaft fordern wir die schleunige Einbringung einer Vorlage, fordern wir die So- zi a l i s i e r u n g nicht aus parteipolitischen Gründen, sondern zum Wobl? de- ganzen deutschen Volkes.(Bravo! bei den Unabb.) (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Schiebungen überall! Die gegenwärtige Regierung hat sich bekannvich wieder- bo-lt als die„Regierung des Wiederaufbaus" bezeichnet, die allein imstande sei, uns aus dem„Sumpf der Korruption" temuszubnngen. Daß mich unter dieser Regierun«, und zwar im Nerkehrsministerium des Herrn G r ö n e r aller- Hand vorkonimt, was dos Licht der Oesfentlichkeit zu scheuen bot, beweist folgender bemerkenswerte Fell, der uns von ab- sdl-ut zuverlässiMr Seite ans Breslau mitgeteilt wird: Trotz der Ratiomevung des Zuckers empfand die Frau des ehemaligen, inzwischen verswobenon Staatsministers Friedberg das Bedürfnis, sich„hinten herum" Zucker zu verschaffen, und be- stellte sich in Großburg i. Schl. zwei Kisten. Als bisse nick» eintrafen, wandte sie sich persönlich an das NeichsvcrkehrS« Ministerium um Hilfe; ganz im Gegensatz zum üblichen Ge- schäftkuersahren. nach welchem derartige Fälle den nachgeordneten Dienststellen zur Erledigung übeowiesen werden, nahm sich ein Phllosophisthe Sriefe an einen Arbeiter. .Mir scheint, daß du nach etwas greisst, um aus der Rot herauszukommen, in die sich die Menschheit wie eine Herde von Bestien gestürzt bat.' Hoffnung. Freude, Tapferkeit, Glauben. Klarheit ist in diesem Buche von kt0 Selten enthalten, das sich„Philosophische Briefe an einen Arbeiter' nennt und von Eberhard Zschimmer mit herzlicher Liebe geschrieben ist. Im Verlag der Jenaer Volksbuch- Handlung ist es erschienen, und es kostet gebunden 9 M. ZichkmmerS Arbeiter ist der noch nichts Wisiende, der Alles- Missen-Wollende, der nach Klarheit und Wahrheit Sehnende, und diesem jungen Mentch-n— der nicht etwa als.Held' austritt I— entwickelt der Verfasser mit ungesuchter Einfachheit und Schlichtheit und oft genug mit köstlichem Humor die logischen Grundlagen der Naturphilosophie, die Lehre von dem Sinn des Dasein«. Nur wer als ganz einsam Stehender, als beharrlich Suchender weiß, wie unendlich schwer es ist. zu Besiimintem zu gelangen, nur wer die zahllosen Irr- und Umwege kennt, die der Wiffenssehnende beichreiten mußte, der ohne alle Hilfsmittel der Geistesbildung blieb,»ur der versteht die herzliche Freude beim Durchlesen und Durchdenken dieser.Briefe",— erst recht dann, wenn er geradere Weg« gesunden hat und vor sich sieht. Klären, erfasien. betrachten, zu eigen machen,— da? ist doch die Sehnsucht, die Unzählige im Herzen trogen! Wie erschöpfend ist da« Mühen und Trachten nach Einzelerscheinungen; mit welchem Hoffen wird jede« neue Gebiet, sei es Geschichte oder Soziologie, Sozialismus oder Literatur, begonnen: jetzt, diesmal findest du Erklärung und Lö'ung für Fragen und Rän'el! Und immer wieder nichts! Immer wieder die entmutigende Feststellung, daß etwas fehlt, eiwai Letzte«, Einheitliches, Vereinigendes. v Bis dann in einer stillen glücklichen Stunde das Rechte ge» künden wird.— daö Rechte! Und sei eS als Andeutung auch nur in einer Fußnoie irgendeines Buches enthalten! Sage, ich zuviel, wenn ich von einem frohen, einem beinahe anfangs ungläubigem Erschrecken ipreche, das den Zweifler und Sucher überkommt, wenn sich ihm neue höherführsnde Denkwege zeigen, wenn er erstmals mit Hellem Verstünde und seelischer Anteil- nähme.zur Philv'ophie kommt?' Ist eö ihm doch instinktiv, als sei in:hr Einheit nnd Lösung enthalten; hier schreckt er vor keiner Unendlichkeit zurück! Denn den suchenden, sehnenden Geist schreckt immer die Begrenzung, nicht das Unendliche! Und die« ist seine geheime Oual: daS Gefühl de« Alleinseins; das Gefühl, wertlos zu sein; nichts zu leisten; nichts zu wissen und nichts zu können. Es währt Jahre, bis ihm der Tmn seine« Daseins aufgeht. Und wie selten ist eS. daß er gerade auf«inen trifft. der ihm, inniger Anteilnahme voll an seinem Wille« zur Höhe, warmherzig zuruft: Minisierialdirektor im. Reich Sverk�hrSmi» isleri um wnter Demrtzuwg des Bahntelegraphen bevei-willigst dieser für Frau Fried- borg so bedeutungsvollen Angelegenheit an. Auch der Schwieger- -söhn de? ehemaligen StaatSmirristers, Geheim rat Garn ich, Mitglied der Preußischen Landesversammlung, hielt bei einer Eisen- bahndienststelle über den Verbleib der Kisten Nachfrage. Die Sendung hatte jedoch Schiffbruch erlitten. Eure Kiste ging verloren und die andere wurde vom LebenSnrittelverband Groß-Berlin be- s ch l a g n a h m t. ES wird mm Sache des Reichsernährungs- Min isters sein, mit dem Aeichen Eifer wie dos Reichsver- kehrsministerium(z-ugnnsten der Frau Friedberg) zugnnsten der Allgemeinheit festzustellen, welche Bewandtnis es mit den Kisten, die übrigens ein bedeutendes Gewicht besaßen, bat, nm so mehr, als Frau F. bereits den Wink bekommen bat, die Freigabe des Zuckers zu bewirken. Vielleicht ist ihr das auch schon gelungen, wenn sie mit der gleichen Ge» f ä l l i g k e i t bedient worden ist wie im Reichsverkehrs- Ministerium.__ Knüppel-Kunze auf dem Kriegspfaö. Am Mittwoch fand in Werdau i. Sa.»ine der jetzt in Deutschland üblichen Antisemitenversammlungen statt, in der der berüchtigte Knüppel- Kunze au« Berlin sprach. Fin Laufe seine» Referats bezichtigte er unsere Ministergenossen de? Verrats an der Arbeiterschaft, beschuldigte den Oberpräsidenten Ge- Nossen H ö r s i n g der Teilnahme an Kneipereien mit Halbwelt- damen. de« Verbrechens der Hehlerei usw. Kurzum, die V e r- leumdungen gegen unseve Genossen nahmen solche Formen an, daß einer unserer Parteignossen, der in Werdair Stadtrat ist. in ehrlicher Entrüstung Herrn Kunze einen Verbrecher nanm«, der jede« moralische Recht verwirkt habe, den sittlich Entrüsteten zu spielen. Hievauf erklärte Herr Kunzes daß er unseren Genossen verklagen werde.. Wir möchten starck bezweifeln, od es Ml dieser Klag« kommen wird, denn der Antifemitenhäuptling dürfte sich klar darüber sein, daß sein« Angriff« gegen regierend« Parteigenossen ganz andere Grundlagen zu einer Klage geben, al« solch« rein formal- jurifrischer Natur. Glaubt Herr Kunze vielleicht durch solche Ma- növerchen die AufmerFsanckeft de« seinen schmutzige« Berloum- dünge« ablenken M können?- Eine gefährliche Aussperrung. Man schreibt an«: Di« Vorgänge in der westdeutschen Kannilschiffahrt verdienen, in den Vordergrund deS öffentlichen Interesse« gerückt zu werden. Bis zum 1l. November fand dort ein Streik statt; an diesem Tage jedoch boten sich die Schiffsmannschaften zur Arbeit an, nachdem der Schiedsspruch vom 5. November für rechtiver- . b i n d l i ch erklärt worden war. Seit der von diesem Tage ab«r- folgenden Aussperrung ist Deutschland bereits mit 200 000 Tonnen Kohlen in der Lieferung an die Entente im Rückstand. Zu den Verhandlungen verhielten sich die Unternehmer strikte ablehnend. Dem Streik sucht« man durch Einsetzen der Technischen Nothilfe zu begegnen, ohne daß die Behörden an die Organisation herantraten. Daneben betätigte sich der R e i ch s w a s s e r s ch u tz als Unternebmersch utz und setzte mit seinen Kräften Kähne in Bewegung. In Bergeshövede warf sich auch die Sicherheitspolizei auf das edle Handwe«! de« Streik bruchs und versuchte außerdem die Streikenden zu pro» vozieven, indem sie Maschinengewehr« auffuhr. Als die Binnenschiffer sich am 11. November zur Arbeit melde- ien, wurde ihnen«in Revers vorgelegt, worin sie durch Unterschrift anerkennen sollten, daß sie bereit seien, zu den seit dem 1. Aprilgeltenden Löhnen zu arbeiten und auf jede Nach- zahlung zu verzichten. Wer nicht unterschreibe, werde nicht nneder eingestellt. Die Aussperrung fft vollständig. Dadurch wird der Rhein- schifsahrt die bei dem niedrigen Wasserstand doppelt notwendige Kanalflotte bei der Beförderung der für die Entenl« bestimmten Kohle(et Iva die Hälfte, also eine Million Tonnen monatlich) ent- .Ich beistehe dem« Not, lieber Freund I' Jede Erkenntnis wirkt auf den. der Erkenntnis sticht, er« fchütternd; aber diese eine: zu wissen, warum ich bin, ist am ge- walligsten. Man kann sagen: mit einem Male ist das Bewußt- sein wach geworden: da« unklare, unentschiedene Sehnen schwand und machte zielwollendem, bestimmtem Bo»wärtSgehen Platz. Da« (leistige Arbeiten geht nicht mehr auf Trennung de« wiflen- lchaftlichen Stoffe«, sondern eS sucht die Einheit zu etfaffen und zu umfasien; eS drängt nach der Idee des Ganzen und steht in ihr die alleinige Wahrheit und die alleinige Befreiung... Wenn ich sage, daß ich glücklich gewesen wäre, daS Zschimmer- lcke Buch.Damals' zu besitzen,— damals, als es in mir nach Klarheit und Gewißheit drängte—. so ist da« vielleicht die beste Empiehlung. Wie wenige sind so wie dieser Genosi« befähigt und gewillt, dem Aibeiter Weg« zu weisen. Führer zu sein! DaS Buch. daS sich auszeichnet, durch gute? Papier, klaren. schönen Druck. Fadenheftung und ein treffliches Kant-BildriS. deutet in seinem Boiwort auf«inen zweiten Band hin, der.Briefe zur Philosophie des Geistesleben«' enthalten soll, die hoffentlich recht bald eritbeinen. Dem Verlag aber sei anheimgestellt, zu überlegen- ob er diese beiden Bände nicht al« Erstlinge einer.Etbiich-iozialen Bibliothek kür Arbeiter"(oder eine« ähnlichen Unternehmen«) gellen lassen will. Er könnte nur Gute« dadurch bewirken, und stünde damit vielleicht innerbalb des ParteibuchSandelS an der Spitze. c. v. TbaNa-Theater:„Botschafterin Leni." Marin Tberefin. Lud- wtg XVI, Marie, seine Gattin...ein Barch Kulturgeschichte". Diese drei Personen mit ihren Königs- und Kaiserkronen konnten auf jedem anderen Tbron gesessen haben. In ferner Andeutung ihrer beworragendsten Eigenschaften müssen sie hauptsächlich eine rührend- sentimmlae Umrahmung der H a n t i N i e�e scheu Bombenrolle abgeben. Für sie und uns vollauf genug. Dieser prachtvolle Her- zenShümor der Wiener Künstlerin üderstrablte und erwärmte selb't diesen drefftünwgen.Hoftratsch, der sonst unleidlich geworden wäre. Die sonstigen Lperetienbeigabeu sind alltäglichster nich wohll-ekann- tester Natur, auch in der Musit. Bernhard Buchbiider, der Libret- tist, bat in den ernsten Szenen Ost schnack und dekoratives Gefühl, in den Humoren der lieb-n Oesierreicher das Herz aus»cm rechten Fleck; nur wo er international opereirenhaft wird, hören die guten Geister auf wie immer. Dasselbe gilt beinade wörtlich für die Musik Leo Ascher«. In der eigentlichen Operette ausgetretenste Geleise; in dem seinen Humor manches wertvolle Sandkorn, in den tragischen Szenen eine nicht unbedeutende Untermalung. Kapell- meister Dr. Siegfried Grzyl war ihr liebevoller Vermittler. Aber das Wichtigste ist am Tbatia-Theater vi« außerordentlich natürlich« Inszenierung. Josephine Josephi, der Aweite Weener Gast, war eine würdige Maria Theresia. Gerda B u> ch- L e n e eine ganz Hervorraaende Königin Marie, namentlich auch gesanglich. Robert Meyn. der Marquis Re.no nde, Grete Liebre'ch Elli Kreith, auch Heinz Alexaicher mit seinem wenig charakteristischen Ludwig XVI.. vor alle» der begabte Darsteller Bilanz, teilte» sich in die Ehren zogen. Die Entente beschlagnahmt»II« KohlentrernZpocte auf dem Rhein und der Einmarsch der fremden Truppe» ist wieder einmal unheimlich nahe gerückt. Die Verordnung deS Reichspräsidenten gibt dem Reichs- minister da« Recht,„alle Verwalwngsmaßnahmen zu treffen, die zur Versorgung der Bevölkerung oder zur Wetterführung des Betrieb« geeignet sind. Hierzu gehört auch die Herbei» führung der Befriedigung berechtigter Ansprüche der Arbeitnehmer." Die Sabotage der Schiedssprüche durch die Unternehmer legt der Regierung die Pflicht auf, end- lich durchzugreifen. Hier geht«S um größeres al« im Berliner Elektrizrtätsarbciterstreik, die Zukunft der deutschen Re- publik steht auf dem Spiel. Was geht in Söhmen vor? Zu den Aeußermvgen des Genossen Camille Hiiys- mans, die der.LZorllvörts" beute früh' gebracht hat, schreibt uns ein Genosse, der lange Jahre in der deutschböhmischen Sozialdemokratie gearbeitet hat und mit ihr, wie mit führen- den tschechischen Genossen auch heute noch in engen und freundschaftlichen Beziehungen steht: Der Sekretär der Aweiten Internationale, den ich hochachte, hat nicht nur die erfteuliche Mitteilung gemacht, daß in Böhmen die Rub« wiederzukehren scheine— rn Pnag sind allerdings fast sämtliche deutschen Kulturstätten von tschechischen Legionären be- setzt, und sollen e« bleiben, bis die ffchechffche Schule in Eger wie- derhergestellt und andere tschechische Schulen im deutschen Gebiet wieder eröffnet sind— er hat auch nicht nur ein durchaus zu- treffendes Urteil über den Präsidenten Masaryk und über die einzig mögliche Politik eines Zusammengehen« der Arbeiter und Bauern abgegeben, sondern er hat leider auch über die ftrnerstaatlschen Zustände der Tschechoslowakei geurteilt. Offenbar ist daS auf Grund durchaus einseitiger Informationen geschehen, deren Einseitigkeit dem Genossen HnySmans en tgan- gen sein muß. Es kann aber nicht im Interesse unserer I n t e r- nationale liegen, wenn ihr hervorragender Wortführer Ansichten äußert, die wohl nur von der herrschenden Minderheit der Tschechoslowakei geteilt werden, und die nicht einmal der Meinung der tschechischen Arbeiter entsprechen. HuhSmanS sagt, die Tschechoslowakei habe keinen Mili» tarismuS. Nun, sie darf als„Siegerstciot" ein flehendes Heer halten, sie muß e« vielleicht al« Ententemitglied, und sie tut es jedenfalls und gibt dafür über zwei Milliarden im»rdent- lichen Etat aus; wie sollte sie auch sonst die in sie hineingezwunge- neu andersnationalen Gebiet« dem Staat erhalten? Der junge, aber schon sehr entwickelt« Militarismus hat Eroberung«- und dann Abwehrkrieg« geführt, er tritt jedem Besucher de« Lande? unausgesetzt vor Augen. Demobilisierung ist angeordnet, aber nur auf den Friedensstand; Allgemeine Dienstpflicht besteht, auch für die anderen Nationen. HuvsmanS meint auch, die Tschechoslowakei hahe keinen Groß- grundbesttz. Den Schwarzenberg allein gehört ein Zwanzigstel von Böhmen; ungeheure Gebiete sind in der Hand der Großgrund- besitz«. Sie sollen ihnen allerdings genommen und den Bauern gegeben werden. Aber ich habe erst vor wenigen Wochen drüben von tschechisch-agrarischer Seite die bittersten Klagen darüber gehört, w i e dies« Arbeit durchgeführt wird. Und wie überall, so überwuchert buch in der Tschechoslowakei die Bureaukratie, noch dazu mit allen altösierreichischen Fehlern. lieber diese Dinge sind sich so ziemlich alle Parteien klar, man hat nur noch keinen Ausweg gesunden, was sich zum Teil au» der ganzen Situation des Staates erklärt. Gelänge«S, ihn— wie feierlich angekündigt, aber bisher nicht gehalten— zur„neuen Schweiz" zu machen, so könnte sich Viele« bessern und würde die Festigkeit des Staates sicherer garantiert al« durch die Macht des Zwanges, die stets. in sich die Verleitung zum Mißbrauch birgt. Wir haben diese Zuschrift abgedruckt, gemäß dem Satz, daß man beide Teile hören muß, um zu einem gerechten Urteil zu kommen.____ de« Abend«. Ueber allen die ungeheuer gefeiert« Hansi Niese, Sie lang Vermißte, die mit ihrem her rücken Humor das Publikum derart enthusiasmierte, daß sie eine Dankrede halte» mußte. Ihr rührendes..Vergelt'S Gott" eine Szene für sich. x HeinrichMaurer. Arthur Zickler, unsern Leiern au? vielen Beiträgen an dieser Stelle ein guter Bekannter, la« am Donnerstag aus seinen Ar- beiten im Rahmen der VoUksbübnen-Leseabende in der Aula des Grauen-Kloster-Gvmnasiums. Er brachte einige ernstere Vers- lyrik, zumqist erzählend« Prosa, zuletzt Paulchen-Satiren. Dies alles in allem der Eindruck: ein junger Mensch mit höchst gespannr empfänglichen Augen— Arbeiterpshche der Gegenwart— treibt durch das unberechenbar, aufgewühlt drängende Leben hin, formt n blitzschnellem Reagieren �dessen Bilder nach, durchwirkt, umhängt sie mit gedanklichen�Gespinstem die der Grundstimmunz der Stunde jäh entspringen. In einer Fülle des Einzelnen erzucken über- raschend packende, mit hellgewitzter Schaukraft geformte Augen- blicksgewinne. Wie ein Sammeln in weite Scheuern wirkt dieses geistig« Bewegen.� Baustoffmengen eines skizzierend schreibenden Tagewanderers häufen sich. Schon sind Zeichen, daß sie irgendwie organisch zusammenwachsen wollen. Erlebnisse der KriegSzcit ordneten sich zu episch gearteten Perspektiven. Ein Ardeiterroman kündet sich an. Ansätze, denen Macht der Selbstzuckst, prüfendes SeMtbolauschen. mutige Ausdauer vor allem gewünscht sei. Gute Anfänge verpflichten, zumal wenn sich so deutlich wi/ an diesem erfreulich besuchten, oft beifallsfrohen Abende geigt, daß e» schon gelungen ist, in Vielen ein Hoffen auf«in Werde» zu entzünden. id. Erstanftahrnna«» der Woche. Mi. Tri an«»:.Kammer- mufil'.— Do. T b e a t e r in der KöniggrStzer Strane: .Uran Margit'.— So. Residenz-Theater: �Sady Sindermeres Fächer'. Totenfeier im Stadtkian«. Morgen findet mittag« 1? Nhr im Berliner StadtbauS eine vom Verein der Freidenker für Feuerbeitatiung veranstaltet« Totenfeier unter Mitwirkung des Premvilaofchen Quarte»« statt. Irene Driesch wird am Totcn'onntag in der Aula, Jfflandstr. S,10. abends 7 V. Uhr, au? der Bibel vorlcicn. Ürania. Som-t-ig�.Aegvpten und der Nil». Montag:.Der Kroß. plockiier'. Dienstag. Sonnabend:„Der Most von Neapel'. Mittwoch: Rud. de Haas:„Drei Fahre jnrter tZlol�gräbern in Australien»'. Donners- tag: Pros. Eoevke:„Die schöne deutsche Stadt'. Freitag: Pros. Spies■ „Ostwald» neue Farbenlehre'.• Tn» Münchener Schauspielhaus, von Hermine K ö r n e r geleitet wird trotz seiner Flnanznot nichr an ein itrnounteruehmen verpachtet werden! Dir Freie Hochschule für OrganisationSwifienschaft und Bureau- künde,(f. B- eine durch ca. Ii» selbständ ge gausleule und.Industrielle iowi« leitende Beamte des Handel? und der Industrie gegnJndcie be-ui- liche BiidungSstät!« für kaufniännfcheS und techniiche« Psrional. Kommunal- und Staatsbeamte, versendet ihr Programm sür das Äinterseme'er t9�ll/->l da? riber die monatlich zweimal slattstndenden ösfenttichen Borlräge" über (?eschäitsorgani>ation. Tayiorspstem unv. sowie die Ausbitdunostune für Organisations-Regiilratur-Beamte und Kartestührer und die UebunaS- abende der Arbeiisgemeinichajten AuSkuujt gibt. GeschästSftelle: Jerufalerner Straße 69, Eingang Kochstratze. ttas, S0. üoöeinfter(SIS.) Das DevSfche Hau« iomk* Be» fjumilid) von tschechischen Studenten und Legionären besetzt. Gestern nachmittag besetzten 150 Gendarmen das Hauch worauf die dort be- rindlichen tschechischen Studenten abzogen. Der T-iretlor des.Prager Tagechlattes", Keller, suchte um eine ?ntbienz beim Präsidenten Maioryk nach, um über die gegen sein Unternehmen verübten Gewalttaten Beschwerde zu führen. Während deS Sturmes auf das.Prager Tagblatt' drangen 10 Tschechen in die Redaktion der„SlovenSka Polittka'. eines Schechen freundlichen slowakischen Blattes, ein. Sie be- ichimpften die Redakteure und. als sich diese zur Wehr setzten, riefen sie ihnen zu, daß man in Prag nicht slowakisch reden dürfe. Im Einvernehmen mit den Abgeordneten und Senatoren wie den akademischen Behörden beschlossen-die deutschen Studenten, bor- läusig in Prag auSzicharren und die Vorlesungen aufrechtzuerhalten. Die letzten öeutscben Luftschiffe. Zu der Ententefordcrung nach Auslieferung von„Boden- fee' und„Nordstern", sowie Ersatz für die übrigen zerstörten Luftschiffe wird der B.-S.-Korrespondenz von gutunterrichteter Seite mitgeteilt: .Dodensee" und.Nordstern", die modernsten Luftschiff« dent- rcher Wersten, sind bereits feit März 1920 beschlagnahmt oder hatten wenigstens kein« Erlaubnis mehr, Friedrichshofen zu verlassen. Frankreich wünscht die AuS&iofeuung des.Nordstern" und der . Bodens ce" um so mehr,«18 diese beiden Schiffe gegenüber den Kriegsmodelle» wichtige technische Neuerungen und Per- voWomm nungen besitzen. M.t der Ablieferung unserer beiden letzten Lustschiffe würde das Schicksal der großen Halle» in Friedrichshafen und Spandau besiegelt fein, die dann der Spitzhacke zum Opfer fallen. DaS Material verbleibt zwar der Zeppel-in-Gesellschaft. da der Friedensvertrag kein« Handhabe gibt, um dieses Privateigentum zu beschlagnahmen, doch darf es eben für Zwecke der Luftfahrt nicht mehr benutzt werden. Die militävischen Luftschiffhallen an der Nordseeküste, bei Jüterbog usw. sind schon verteilt und werden nach Japan. Frankreichs Italien und England übergeführt. Die Aussichten für die deutsche Luftfahrt find infolgedesien die denkbar nnglinstigsten. Unsere Flughäfen sind vernichtet und die Luftschisf-Baugesellschaften finanziell gelähmt. Die sswischen Amerika und Deutschland angeknüpften Beziehun- gen zur Errichtung atlantischer Likstlinien konnten bisher nicht uvitergcsponncn werden, da bekanntlich Amerika den Frieden roch nicht ratifiziert hat. So erscheinen die Aussichten auf ein Vi eher erwachen der deutschen Luftschiffindustrie in den nächsten Fahren mehr als trüb c._ Lohnbewegungen in Wien. M« die Tel-Union aus Wien meldet, verlangen die Metall- arbeiter«inen Wochenlohn von 2000 Kronen, also ein Jahreseinkommen von mehr als lOO 000 Kronen. Unter den In- dusrrieangestellten ist gleichfalls eine Bewegung wegen Erhöhung der Bezüge im Gange. Nach dem Stand der österreichischen Währung entspricht die Forderung der Metallarbeiter einem Wmbenlohn von etwa 4(X) M._ �uslanösrunÜschau. Nach Litauen will der Völkerbrnid zur VolkSabstimmning n. a. sogar spanische Truppen entsenden, wogegen die spanischen Sozialisten protestieren. Rote Offensive gegen den Schlächter Ba- lacho witsch steht bevor. Di« Wrangel-Flüchtlinge, deren Zahl sich 100 000 nähern soll, werben von Konstantinopel aus aus die Äalkansiaaten verteilt werden. Von einer Dankadresse dieser Zlrmen nach Paris ist noch nichts bekannt. Die Bolschewisten sollen bei der Per- solgung der Wrangcl-Arme« den französischen General Manquier und den amerikanischen Oberst Morelly gefangengenommen haben. Laut.Daily Herold" siegte im englischen Kabinett die Richtung Churchill-Cvrzon, die di» Handelsbeziehungen mit Rußland erst aufnehmen will, wenn Moskau die Schulden des Zarismus übernimmt und verspricht, keine Propaganda zu exportieren. Noch anderen Berichten sollen solche Bedingungen nicht gestellt werden. Reuter behauptet, Nordamerika werde den Sowjet- statt nicht omerkennen. Di« italienische Kammer hat das Frauenwahlrecht in der Gemeinde beschlossen. Wahlpflicht und Sokdatenwahlrecht abgelehnt. S i a m gibt deutsches Eigentum fr«, was bei dem starken französischen Einfluß dort recht interessant ist. Tagung öes N.§. 9. Der heutigen Bundesversammlung de? Republikanischen Führerbundes, die im LehrervereinSbauShauS tagte, wohnt«. auch der ReichstagSpräsident L o e b e bei. Die Versammluno war von allen Teilen Deutschlands durch Delegierte beschickt. Vor Eintritt in die �Tagesordnung sprach Abgeordneter Schreck namens der Sozialdemokratischen Partei den Wunsch aus, daß die republikanischen Bestrebungen de? Führer- bu ndes de�rhofsten Erfolg zeitigen würden. Tic Sozialdeinokratische Partei bring« dem Bund ein freundlicbes Interesse entgegen. Dann refe- rierte der Bundesvorsitzende N i e f st a h l über den ersten Punkt -«r Tagesordnung. Er hob hervor, daß das Bestreben des Bundes t«r«uf gerichtet sei den republikanischen Gedanfen zu verwirklichen und dem ganzen deutschen Volk nützlich zu sein. Dann 'childerte er in«inghender Weise, wie der Bund seitens der rea k- iionären Gegner bekämpft werde. Millionen habe man zur Verwirklichung des reaktionären Gedankens zusammengetragen. Wenn nicht in ganz energischer Weise seitens der Bundesmitglieder weitergekämpft werde, laufe man Gefahr, daß die heutige Reichs- wehr wieder von den Gegnern zu reaktionären Zwecken gewonnnen werden könnte. lFortseyung in d«r Morgenausgabe Wirtschaft LehenSmittelvertcuerung und Eisenbahn. Die Zeitschrift.Der Deutsckw Frucht großhandel" schreibe Der Löwenanteil an der auf den ersten Blick außerordentlich boch erscle inenden Preisspanne zwischen Erzeuger- und Handels- preis fällt auf den Staat, der mit seinen gewaltigen Fracht- i ätzen die Ware so gewalli., verieuert. Zum Beweis hierfür diene folgendes Beispiel: Grünkohl aus der Altmark nach Berlin bezogen, kostet je Waggon 600 Mk. Fracht. Po» diesem losen, sehr leicht erhitzbaren Blattwerk können höchstens 40 Zentner in einen kO-Tonnen-Wagcn eingeladen werden. ES entfallen demnach auf den Zentner allein 15 Mk Frachtkosten. Dazu kommt nun noch die nicht billige Abfuhr vom Bahn- bof zum Großhändler bzw. Verbraucher. Obst kostet aus der Kasseler Genend bis Berlin rund 10 M. je Zentner in Waggon ladunacn, ab Bodenseestationen sogar 18 M. 1« Zentner. So viel wie h.eute die Fracht, kostete vor dem Kriege nicht einmal di« War«.. GroßGerMl Sötzsee. Ein« nur selten von Ausflüglern aufgesuchte Gegend ist das Gebiet zwischen Alt-Landsberg und Strausberg. Schöne Wälder und blinkende Seen weist hier die Landschaft auf. Mit den Vor- ortzügen der Lstbahn fahren wir bis Hoppegarten und dann mit der Kleinbahn weiter bis Alt-Landsbeig. Alt-Landsberg ist ein echtes märkisches Lcmdstüdtchen. Nur wenige Straßen hat es; von den alten BesestigungSwerken sind nur noch zwei Tortürme und ein Teil der Stadtmauer er- halten geblieben. Im Osten liegt der Strausbevger Torturm, von einem Storchnest gekrönt, im Süden der Berliner. Zwischen beiden Türmen zieht sich um den südöstlichen Teil der Stadt die alte Mauer herum. Sie ist aus Findlingsblöcken aufgebaut; an ihrer Außenseite führt eine von Bäumen eingefaßte Promenade hin. Wir verlassen Alt-Landsberg aus der Chaussee gen Nordost und folgen dem alsbald nach Osten abzweigenden Landweg, lieber die leichtwellige Hochfläche des Barnim, die oft von entwässernden Gräben und Fließen durchfurcht wird, gelangen wir zum Wald. Er besteht aus Kiefern, Fichten, Eichen und Birken. Sympfgelände durchziehen ihn; sie zeigen uns an, daß hier einstmals Wasser. decken, Seen, vorhanden waren. Im Jagen 37, kurz vor dem Quergestell F, steht rechts am Wegrand ein« Kiefer, die etwa m halber Höhe einen Hexenbesen trägt. An einer Stelle deS AsteS zeigt sich dichtes Gewirr von Zweigen, die einen besenartigen Busch bilden, den der VolkSmund Hexenbesen nennt. Die Ursache kann ein Pilz sein, dessen BegetationSkörper(Myceliurn) in die Knospe dringt und sie zu einer üppigen Wucherung veranlaßt. Auch wenn die Endknospe eines Astes durch irgendwelche Zufälle, wie Abbiß durch Tiere. Erfrieren u. dgl., vernichtet wurde, kann e» vorkommen, daß an der dem Stamm näherliegenden Stelle Knospen in gehäufter Anzahl sich zu einem sogenannten Hexen- besen entwickeln. Bald hinter dem Ouevgestell E zweigt ein Weg in Nordost- ficher Richtung nach Spitzmühle ad. Wir überschreiten das Ostend« deS Krummen Luchs, da» uns rechts vom Wege eine schöne Sumpflandschaft zeigt. Der Wald besteht jetzt nur noch aus Kiefern, unter denen Wacholderbüsche gedeihen. Bald haben wir Spitzmühl« erreicht. Di« Siedlung liegt auf einer Landschwelle zwischen dem Fängersee im Norden und dem Böhse« im Süden. Das Fließ, das beide Seen verbindet, trieb ftüher eine Wassermühle, die Spitzmühle. Nördlich vom Wege ist ein Burg- wall, eine vorzeitliche Befestigungsanlage, wie wir sie in der Nähe von Seen und Niederungen häufig antreffen. Funde auS der germanischen und der wendischen Sicdlungszeit wurden hier auf- gedeckt. Im Garten der neuen Spitzmühle sprudelt eine Stahl- quelle, deren klares Wasser stark kalkhaltig ist. Wir wandern auf dem Ostufer des Bötzsees gen Süd; auf halber BergeShöhe schlängelt sich der schön« Pfad hin. Die Höhen sind mit Nadelwald bestanden, während unmittelbar am Seeufer Erlen und Birken wachsen. Der Bötzsee liegt in einer Rinne, die fast die ganze Barnimhoch-fläch« von Nord- nach Süd durchzieht. Sie beginnt in der Gegend von Leuenberg mit dem Gamengrund und ist in ihrem Lauf teils von Seebecken erfüllt, teils als Trockental ausgeprägt. Die Rinne geht vom Bötzsee weiter zum Stienitzsee und durch die Rüdcrsdvrfer Gewässer zur Spree. Derartige Ninnenseen zeigen immer eine bedeutende Länge bei Verhältnis mäßig geringer Breite; auch find sie sehr tief und werden von steilen Uferrändern begleitet. Die Gamengrundrinn« ist eine Schmelzwasser vi nn«, wie sie die Schmelwasser des Inlandeise» der Eiszeit ausgewaschen haben. Vom Ende des Bötzsees führt der Pfad durch das Postbruch. den verlandeten Teil des SeeS, zur Chaussee nach Strausberg. Wir kreuzen sie und folgen einem Geftellwcy in südwestlicher Richtung. lieber die Strausberger Kleinbahn gelangen wir an die Straße zum Bahnhof Strausberg, der wir gen Süoen folgen. Mit den Vorortzügen der Ostbahn kehren wir nach Berlin zurück. Eine halbe Million viebesbeote. Srcker eigenartigen Umständen wurde in Hohenneuendvrf ein Villeneinbruch verübt. In der Florastraße liegt ein HauSgrund. stück, dessen Erdgeschoß der Eigentümer, ein Fabrikant, bewohnt, während im ersten Stock ein Kaufmann als Mieter mit seiner Familie wohnt. Der Hauseigentümer geht jeden Tag in Berlin seiner Beschäftigung nach. Auch seine Frau ist öfter im Geschäft tätig. Die Kinder besuchen regelmäßig zu einer bestimmten Zeit an gewissen Tagen nachmittags die Schul«. Eingeweihte Diebe be- nutzten eines Tages die kurz« Abendzeit, während deren niemand da war, um in die Wohnung des Fabrikanten zu dringen und erbrachen einen kleinen Tresor. In dem Behältnis fanden die Diebe eine verschlossene und ein« offene Kassette und darin 75 000 Mark bares Geld, für 125 000 M. Kriegsanleihe und für rund 300 000 M. Schmucksachen. Darunter ein herzförmiges Platin- kollier, das in einem kleinen Schmuckkästchen lag. ein goldenes Arm- band mit 12 bis 14 in Platin gefaßten kleinen Brillanten, einen oben länglich gezogenen Damenring mit drei großen und mehreren kleinen Brillanten, einen Damenring(Gemme) mit ebensolchen Drillanten, einen Herrcnring mit einem ungefähr 1 Karat schweren Brillanten, ein Paar Ohrringe mit je einem großen und fünf kleinen Brillanten, eine goldene doppelkapselige Damenuhr mit rotlichen Blumen, dazu«ine lange goldene Kette. Außerdem rnch wen die Diebe ein wertvolles großes dunkelgelbc» Lederportemon naie in Harmonikaform mit. Das Platmfollier hat innen eine Schleife�mht einem großen und einem ielinen Brillanten und einen tropfenförmig herunterhängenden großen länglichen Brillanten. Merkwürdig ist, daß die Einbrecher sich auf den Inhalt des TreforZ beschränkten und das wertvolle Silberzeug, da? im Nebenzimmer im Büfett lag, nicht anrührten Auch einen Damenpelz, der aus dem Flur hing, nahmen sie nicht mit. Di« Nachforschungen nach dem Verbleib der großen Beute, der Kriegsanleihe und der Schmuck- fachen haben bis jetzt keinen Erfolg gehabt. Der Bestohleue hat für die Wiederbcfchaffung des gestohlenen Gute» Belohnung bis zu 1 160 000 M. ausgesetzt. �_ Eine Stätte hingebender Erziehungsarbeit. Die Sladt Berlin sorgt in ihrer aus tem Gelände der Irren« anstait Dalldorf untergebrachten Heil» und ErziebungS- a n st a l r iür die töiperlick e und geistige Pflege und Cniwickluiig von eiwa 200 an.schweren Begabungsniängeln leidenden Knaben und Mädchen.' Wie weit selbst diese Schwächsten noch geiördert werden lönnen, da« zeigten bei der Jabresseier der seit nun 39 Jahren von Inspektor Piper geleiteten Anstalt die in Unter- rickusproben. in einer Handarbeitsansstellung und schließlich in einer Thcaierausiübrung dargebotenen Leist, ingen. Eine Leiestunde zunächst in der vierten Klasse und dann in der eisten und AnschonungS- »nterrichi in der drillen Klasse(die Tckiile ist iechsstufig) pewährien Einblick in die mühevolle, vielHingebung fordernde Arbeit der Lehrer und Lehrerinnen und zrigien > ch ö n e Erfolg«« der Kinder. Noch sehr viel mehr al» im Unteriichi für normale Kuider ist hier alles aus die Ausrüstung für das Leben gerichtet, in das auch dieie Kinder einmal hinaustreten sollen. DaS Priiitip der ArbeiiSichiile. die überall die Setbstiäligkeit der Kinder anzuregen und für ihre Entwicklung nutzbar zu machen fuchr, durchzieht den ganzen Unterricht Sehr gute Lerftungeu boten die Junge« auch in Turnübungen, die gerade bei anormalen Kindern für die Erziehung zur Beherischung ihres Körpers i.hr wichug sind. Die Ausstellung von sauberen Papp- lind Holzarbenen, von tüchtigen Erzeugnissen der Näherei und sogar der Schustere» lehrie, mit weichem Erfolg die Anstalt die Haiidferligkell der Zöglinge auszubilden verstanden bat. Eine Ueberraschung war ein vom Lehrer Schramm verfaßtes hübsches Thealer stuck.In der Wertstalt des WeibnachiSmanneS", das von Zöglingen sehr flott und mit verblüffender Sicherheit ausgeiührt wurde. Reichsmittel zu Reparaturarbeitcn für Häuser. Mit der Hergabe der 9,6 Millionen Mark aus Reichsmitteln zu Reparaturarbelten in und an Häusern ist der erste Schrill ge- tan, um artbeitslosen Bauhandwcrlern Beschäftigung zu geben und um dem drohenden Verfall der Miethäuser entgegenzuwirken. Mit der Durchführung dieser Aktion ist das Landesarbeitsayit, Abteilung„Arbeitsbeschaffung" betraut. In kurzer Zmt sind schon 600 dahingehende Anträge bei der Abteilung„Arbeitsbeschaffung� des Landesarbeitsamtes W. 10, Lützowuser 14 I, eingez inzea, von denen in 168 Fällen die Arbeiten sofort in Angriff genommen wo» den sind. Die Erledigung der weiteren Anträge erfolgt him�r- einander. Alle an der Aktion interessierten Organisationen haben sich mit obiger Abteilung ins Benehmen gesetzt und empsehlen H.auS- Wirten und Mietern diesen Zuschuß, wenn er auch nicht völlig Ihren Wünschen entspricht, doch tn Anspruch zu nahmen. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß Anträge, denen inner- halb der letzten vier Wochen nicht entsprochen worden ist, bei obigem Amt in Erinnerung gebracht werden mögen, um eine Bcschleutü» gung in bezug auf Inangriffnahme der Arbeiten zu erzielen. Die Kohlen im„Kaffee Vaterland". Auf die Behauptung de» unabhängigen Stadtv, Urig in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, es feien in den Räumen des„Kaffee Vaterland Kohlen eingemauert, versendet jetzt die Direktion deS letzteren eine Berichtigung, in welcher sie mitteilt, daß sie nur die zugewiesene Menge Heizmaterial zur Heizung ihrer Kochmaschinen besitze. Volkstümliche Kammerfpirle in Lankwitz. Im Lauf« deS Winters werden auf d«r reizvollen, mit allen technischen Mitteln ausgestatteten Kammerspielbübnc der Gcmeindchalle, die schon«« vergangenen Jabre überaus gelungene Ausführungen herausbrachte, ein« Reihe unserer besten Bühnenwerke, soweit sie flir intime Kammerwirkung in Frage kommen, zur Darstellung gebracht iverden. Di« Eintrittspreise sind, wie sich das bei VolkSbildungsbcstrebungen von selbst versteht, einheitlich billig gehalten. AlS zweite Tbeater- vermi staltung dieses Winters findet am Sonntag, den 21 Novem- her, 7ftj Uhr abends, und als Wiederholung am Donnerstag, den 25. November, zur selben Zeit, die Wiedergabe von Hauptmanns „Einsame Menschen" statt. Das Stück ist von Rudolph Werner im Dustrage der Genossenschaft Deutscher Bühnenange- bör'ger inszeniert unter Mitwirkung ausgezeichneter darstellerischer Kräfte. Die Hauptrolle des Stückes., den Johannes, hat Theodor Loos, gegenwärtig einer der besten Charakterspieler der deutschen Bühne, übernommen Loos svielt diese Nolle zum erstenmal und gibt damit dieser Aufführung der„Einsamen Menschen" einen ganz besonderen Reiz. TaS RelchS-Poftmnleum bleibt vom SO, November ab wegen Kohlenmangels bis aus weiteres g e i ch I o 1 1 e n. Veotkftvcrsammluug der Jugend. Im Lebrerverelnshaii», Alex- andcrstraße 41 findet am Sonntag, d-n St. d. Mts.. morgen» 10 Nbr eine Verlammlnnq der Jugendverbönde aller Richtungen statt, w der die Jnaend gegen die Vorgänge in der Fllrioigeanstait der Sladt Berlin.Llndenbos', proteMeri, durch die der Leiter der Anstalt, Dr. Karl Witter gezwungen wurde, sein« Tätigkeit auszugeben. Groß-öerllner parteinachrichten« Heute, SO. November. Kiteglltz. TL Nbr: Wichtige Sitzung dc» BildungsauSichusseS bei Konrad Schulz, Südcnde, Brandcnbürgiiche Str. 5 I1L Morgen, 21. November. «. tzlbt.(Hallckches Tori. Zur.Vorwärts'. SIgitotion treffen sich die Genossen vorm. S Ubr in den Zobilokaicn. Die Beztrlsshhre» um 7 Nbr vorm bei Schul», Mariendorser-, Ecke SolmSstrasje. Montag abend 7 Uhr Funktionärfitzung bei Schult. 20. Abt. Sonntag früh 9 Ubr Bezirksführer zur„BorwärtS'-Ab- holung bei RonSdors, Petersburger Itrofie 86. 20. Abt. Die Genossen treffen fich 0-9 Uhr srüh bei W. Burg, Prenzlauer Allee 189 zur.BorwärlS'-Agilation. 48. Abt. Vorm. 9 Uhr Sitzung sämtlicher BezlriSsührcr bei Giebel, Pankfir. 82. 40. Abt. Zwecks.Vorwärts'-Agitation treffen fich die Funktionäre in den bekannten Bez rkslokaicn morgens um 9 Uhr. 48. Abt. Die Bezirkssiibrer werden gebeten, die Exemplare zur .Yorwälts'-Ngllation in der Spedition Höhnisch, UUechlerslrage bis 7 Uhr srüh abzubole». vi». Ab». sDilmersdorl.) Zur.Vorwarts'-Aqitltion Ireffrn sich alle Geuvffen vormittag» 9 Ubr bei Kasper, Lauenburger Sir. 21. Die BczictS- sührer holen die Agilati onsrnimmern von der.Z. Z.' Holsletniscke Strane ab. NlUtölln, 90. Abt. fliibere 2 3161). Abboleii des.Vorwärts' zur Agitation Solintag morgen 8 Ubi bei Maiicnseld, Kaisei-Fnediich-Sir. 228. Neurnhagen(Qstb.). 4 Uhr: Zl.ilgliederveljammiung bei Hölscher, Dottisir. 12.__ Theater der Woche. vom 21. bis 28, November. DollobSlm»:?l„ 24. n. 27. Kabale und Liebe. 22. Nach Bamasw«, 1. Seit 23. Der Stichler von Salornea. 26. Sianj Damaskus, 2.» S. Seil. 26 Das flotrtien von beildronn.— Operngau»: Ll. Lohengrin. 22. Ritter Blaadar«. 23. Meikic» fingte von Nürnberg. 24. Boheme. 25. Mona Lisa 26 Licht. Eiihouetten. Ba» jazzi 27. Ritter Blau dort. 28. Tanuhäuiee.— Schauspielhau». 21. Richard II. 22. Coriotan. 23. Pect ffivnt. 24. Richard III 2S. Die Journalisten. 2» Richard Iii. 27. Der Kronprinz. 28. Richard Iii.— Srosie« Schauspielhau»! 2i. di» 22 Jedermann. 26. Ly Iis. rata. 27. Danton. 28. Julius Cäsar.— Deutsche» Theater l 2i, 22, 25., 27. Der Chauffeur Marlin 23. Einsame Menschen 24., 26, 28. Der Arzt o« Scheibewege.— Kammerspiele: 21. Frühlings Erwachen 22., 23., 24., 25, 27. Er ist an allem schuld. Die Spieler. Der Aeiralsaulrag. 26. Die deulschm Kleinstädter. 28. Die Büchse der Pandora.— Lessingthrater: 21.— 2-. Slarnme. 26. Peer Syut. 27 u. 28. Flamme.— Theater in der»öniearäder Snaüe: 21., 23. 24. 28, 29 Rausch. 22. Erdqeiü. 25., 27, 28. Frau Margit.- Deutsche« Opern' au«: 21. Paesisal. 22. Der Freischüt,. 23 Die Meistersinger von Nürnberg. 24. Die Schwätzerin von Saragossa. Caval'eria rusticana. 25. Neoa- luttonshochzeit 28. Die Prinzessin von Traoezunt. 27. Der Postillon von Loniu- meau. 28. Tannhäuser— Schillertheater: 2l., 22. u. 25. Die guigeschnitten» Ecke.— 23. u. 27. Die verlorene Tochter. 24., 26. u. 23. Don Carlo, XägllOt. Die Tribüne: Bnnbury.— Deutsche» KiinlIIertheater: Di« Scheidungsreiie.— Kombdienhan»: Die Sache mit Loia.— Berltnee Thea leer Die Iponische Nachtigall.— Kleine» Schauspielhau»: Die Büchse der Pandora.— Trio»»». Theater: 2t. di» 23. Der Roman einer ssrau. Ad 24. Kommrimusik.— Residruztheater: Die Freundin. Ab 27. Lodg Windermere» Fächer.— zentral» thealer: Frau Bärbel.— Theater in der Kommondanlenstratze: Der veriüngt» Adolar— Friedrich. Willeimiiädtitche» Tdrotrr: Ihre poheu die Tänzerin.— Komische Oper: Liebe>m Schnee.— Lnstspielban»: 8waiigseinquar»eru»q— Merropoltheoter: Das Sollandweibchen.— Zioue» Operettenhaus: Die Cükos» baronetz.— Thallatheater: Bot chaslerin Leni.— Theater am Nollendorsptabr Wenn Liebe erwacht.— Theater de» Westen«: Der ersten L ebe goidene Feit— «allner- Theater: Der(Sei er von Lugano.— Walhalla■ Thealer:(Saiifptel San stein. Der schäne Wildelm— Nosr-Theater: Seimat.— Kasina-Theater: Der Fehltritt einer Fran— Lulsrntheater: 21. Moria Stuart. 28 Die Räuder. Sonst Die Slegerin.— Reue« Boltstheater: Perilie» vo» Tarn».- Folie» Caprire: Sanatorium Steinach. Der gehörnte Siegsried— Admiraispalast: 21„ 23 Sliit in Et. Moeitz. 22., 25. 27. und 28. Die roten Schuhe 26 Die Puppe. Ziachmittagauorstallnngau. BoUsbüdne: 28 Der Ri»«er von Kalameo.—«chanspiolhan»: 27. 2"-, Uhr Nathan der Weise. 28. I l Uhr. Stimmen der sttolkee. 2% tli>r. Nathan der Weile.— Droste» Schaiispielhaus: 28 Juliu, ssestaufführung uitter Le!ii»g van Proi. A Rikis». Leonore». «ÄhF«.�ö�Ulger sFestwiese),»untre Teil. 28. Aiestandio Slradella.— Cchlllfr-Theater: 24 U. 27. Neida» t;r Weise. 28 Der Memeiddaner- Di« Tribüne: 2o Bunburn.—«vinödsendans: 28 Die Ehre.— Berliner Theater- », � im Mal.-«leine, Sch-uspieihe.»«: 28 Die Pfarri>a»»lomödie- Trianon�heater: 28. Der Roman emer Frau.- Residenz-Theater. 28 Di« Freundin.- Zentral-Theater: 24. o. V Firleianz.- Friedrich. Wiiheimstödt. "Sb®rUeL~«"«ss�vper: 28. Liebe im Schnee- Lust. . J• Seichloffen. 28.amiiic Sannemann.— Neues Overettenhan,- " TdeaMr � Der Oberfteiger- Thalia-Thoater: 2« Die närruche Liebe. om iRoaenÖorfDiotz: 24. 2-. u 26. F-a Diavolo. 28 Drei alle m Zteet" de, Westens. 21, u. 27 Schneeweist und Rosenrot. 28 Die ?i«s«-Tdeat-ri 24 Hansel und'«retel 27. Die sieben ■®Ie �»Vvntvrinzessm. 28 Bom andern wer.- Bril�Theatrr: 28 Nora.-«dmiral-palaft z 28 Flirt in et Moritz. GewerGhastsbewegung Sochbindervcrbanü und Gewer kschastszerfplitterung. Auch int Buchbinderverband machen sich ZersetzungKbestrebun- gen nach den Moskauer Thesen der Dritten Internationale be- merkbar, denen die obersten Instanzen des Verbandes jetzt entschieden entgegengetreten sind. Besonders stark treten die Spal- tungStendenzen in der Z a h l st e l l e Berlin in Erscheinung, wo der kommunistisch orientierte Borsitzende Kaspar bereits bor einigen Wochen einen Aufruf in der ,Lioten Fahne" erlieg, um nach kommunistischem Diktat innerhalb seiner Gewerkschaft die »dommunistisdhen Zellen" bzw. kommunistische Wühlarbeit zu or. ganisieren. Der vom 11. bis 13. November in Berlin tagende Beirat des Verbandes hat in Verbindung mit dem VerbandSvor stand und Verbandsausschuh zu diesen zersetzenden Tendenzen Stellung genommen, und nach sehr eingehender Debatte mit 1£> gegen 14 Stimmen eine scharf gefaßte Resolution angenommen, in welcher verlangt wird, gegen diese Bestrebungen, die in ihren letzten Konsequenzen auf eine Zerreißung de» Verbände» hin- auslaufen, mit allen statutarisch zulässigen Mitteln anzukämpfen. Wörtlich heißt e» darin u. a.: „Die oben genannten Körperschaften erklären nach ein- ■ähender Aussprache über die auch in den deutschen Gewerkschaf- .>n und in unserem Verband sich bemerkbar machenden zersetzen- 'en Bestrebnngen, daß die Leitung de» Verbandes gegen diese Tendenzen mit allen ihr statutarisch zur Verfü« u n g stehenden Mitteln anzukämpfen hat. E» inn nicht ruhig zugesehen werden, daß einzeln« Mitglieder so- chl al# auch Gruppen von Mitgliedern in unserem Verband 'strebungen propagieren, die nicht nur«ine Schädigung Verbände» und eine Schwächung seiner Pasi- tan gegenüber seinen natürlichen Gegnern, den lknterneh- tern, darstellen, sondern die in ihren letzten Konsequenzen aus .ün« Zerreißung unsere» Verbände» hinauslaufen." Man kann sagen, daß die genannten Körperschaften ein- stiw mig die CpalrungSbestoebungen verurteilten; denn für die 14 Gegner der Resolution erklärte ein Leipziger Delegierter namen» der Gegner, daß auch sie alle Zersctzungsbestrebungen auf da» schärfste verurteilen und die Tendenz der angenommenen Reso- lntion teilen. Sie Härten nur dagegen gestimmt, um die von ihnen «ingebrachte, milder gehaltene Resolution zur Annahme zu bringen. Die ösriiner Holzarbeiter unö öer Reichstarif. Auf der Städtekonferenz de» Holzarbeiterverbande» hatten die Vertreter der Berliner Ortsverwaltung die Kündigung des ÄeichStarifS beantragt, weif sie Ursache zu haben glaubten, an der Vertragstreue der Berliner Arbeitgeber zu zweifeln, da diese vier- mal beim Tariftunt die Normierung, d. h. Herabsetzung der Löhne beantragt hatten, ein Antrag, der jedesmal abgelehnt worden ist. Die Berliner Solzarheiter, soweit sie sich, von der politisch-radikrlen Strömung treiben lassen, wollten eine tariflose Zeit herbeiführen. Bon jeder tariflichen Bindung beireit sollte sich ihre Kampflust austoben und, wie sie meinten, den Arbeitern di« verheißenen aoldenen Früchte bringen. Di« Städtelonferenz hat mit großer Mehrheit beschlosien, den Reichstarif nicht zu kündigen, sondern im Rahmen desselben eine Aufbesserung der L ö b n e bcrbeiztlführcn. Neuerdings hat nun der Arbeitgeber- verband die Kündigung' de» Reichstarif» beschlosien. In der am Freitag abgehaltenen Berlmer Vertrauensmänner- Versammlung gab der Bevollmächtigte Böse einen Bericht von der Städtekonferenz und empfahl folgend« Resolution: Die versammtkmtg billigt die Haftung der OrkSverwayung zur Barifkündigung. Nachdem die Städtekonferenz einen Beschlutz entgegen dem Mehrheuswsllen der Berliner Kollegenschaft gefaßt hat, empfiehlt die Versammlung aus organisatorischer Disziplin, sich im Rahmen diese» Beschlusies zu betätigen. Die Stoßkraft der Orgarrtsation kann nur wirksam sein, wenn dem Arbeitgeber tum ein« geschlossene Kampffront entgegengestellt wird. Die Vertrauensmänner stellen deshalb der Verwaltung anHeim, trotz taktischer Meinungsverschiedenheiten in der Tariffrage bei den stattfindenden Verhandlungen iferen ganzen Einfluß geltend zu machen, um die Lohnverhältniss« der Berliner Holzindustrie der Mrtschaftslage anzupassen. Um den Machlstandpunkt des Ber- liner Arbeitgebcrtums zu brechen, sind die Vertrauensmänner jederzeit bereit, in den Kampi einzutreten. Sie evtvarten auch vom Verbandsvorstand moralische und finanzielle Unterstützung. In der Diskussion wurde die Verwaltung von radikaler Seite angegriffen, weil sie, wie die Resolution zeige, sich zum Ausgeben ihres grundsätzlichen Standpunktes in der Tariffrage habe bewegen lassen. Böse und F r e i g a n g wiesen diesen Vorwurf zurück und meinten, die jetzige Haltung der Verwaltung sei durch die tot- sächlichen Verhältnisse begründet.— Im übrigen waren sowohl die Tariffreunde wie die radikalen Tarifgegner darin einig, daß man sich an den bevorstehenden Verhandlungen beteiligen müsse. Di« Tarisgegner suchten dabei wenigstens den radikalen Schein zu wahren, indem sie ihre Reden auf den Grundton stimmten: Machen wir schon den Rummel mit, die Entwicklung geht ja doch über die Paragraphen hinweg.— Die Resolution wurde mit allen gegen eine Stimmen angenommen. Mitgeteilt wurde noch, daß den ausgesteuerten Mitgliedern und ihren Kindern eine W e i h n acht» u n t e r stü h u n g gewährt werden soll. Zu diesem Zweck werden Sammelmarken zu je 3 M. herausgegeben und die Kollegen ersucht, sich an der Sarnrw. lung noch Kräften zu beteiligen. Zum Streik der PrivtrtlvSchter. All« streikenden Wächter Grotz-Berfirrs treffen sich am Montag. den 22. November, morgens 10 Uhr, ztvecks näherer Jnformatioa wi Zenfralstreikbureou bei Wegener. Schdelstr. 30. Die Bvanchenleitung der Privatwächter. Veranlw. für den redatt. Teil: Dr. Werner Peiscr, Charlottenburg: für Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwürts-Vcrlag G.m.b.H.. Berlin. Druck' Vor- wärts'Vuchdruckerei u Verlagsonitalt Paul Singer u. Co. Berlin Lindenstr. 3. Gewinn-Linszug dir 1«. Preiist.-Ssidd.<242. Prcust.) 5«löge ß. ijigiimßii.« Klassen-Loitcrie 19. November 1920 A«f JmU fesogtn« JUmmer»WO« rtftlefc hob« Uewlaa« nad«frar J« einer»0/ die Lese ffeloh�r.N'nmmez ia den beiden Ahteilansen i«nd II Afabund nnb Streikrecht in lebenswichtige« Vetrieben. AnS Anlaß der Vorgänge beim Berliner ElettrizitätSarbeiter- streik veröffentlicht der Vorstand de» Afa-Bunde» folgend« Siel- lungnabme: Der Vorstand des Allgemeinen freien Angestellten- bundes(Afa�hund) Wendel sich mit aller Entschiedenheit gegen die von den Moskauer Drahtziehern eingefädelten Versuche, die An- gestellten und Arbeiter lebenswichtiger Betriebe in wilde Streik? zu treiben und so chaotische Zustände herbetzufüh- ren. Angefich-tS dieser Püt schiften taktik von links und den damit motivierten scharfmacherischen Gegenmaßnahmen der Reaktion werden die gewerkschaftlich organistcrlen Arbeiter aufzefordert, aus dem Wege der Selbhilfe durch ihre gewerkschaftlichen Organi- sationen Enlscheidungsstellen zu schaffen, deren Zustimmung für die Einleitung von Streiks in lebenswichtigen Betrieben vorher «ingeholt werden muß. Hierbei lehnt der Afa-Bund jede Einschränkung des Streikrechts entschieden ab und protestiert gegen die Verordnung des Reichspräsidenten anläßlich de» ElecktrizitätS- arbeiterstreiks. Sie stellt nur eine Wiederbelebung des von allen Gewerkschaften abgelehnten Entwurfes der Schl chtnngsordnung dar. Ebenso wird die Technische Nothilfe nackt wie vor als «ine behördlich sanktwniert« Organisation de» Streikbruchs«bge- lehnt. Di« Grundsätze der Menschlichkeit und der Aröe:tnehmersoli- darität gebieten es aber, daß die Belegschaft eine» Betriebe», dessen Stillung da» gesamte Wirtschaft»- und Get'ell'chastsleben auf» empfindlichste berührt, ihre Entscheidung in der vorgeschlagenen Weise und unter unmittelbarer Milwirkung einer Körperschaft trifft, die als Vertretung der Gesamtheil aller Ar- bettenden angesprochen werden kann. Ohne G-wöch Stachdrucl vcibot«». In ixe Bormiiwgiztehiii,, wurden Gewinn«»der»«« Mark gezogen! » ciovinn« ia JOOOO M 22955 168187 173395 8 Gewinne NN 6000 M 3642 52616 88230 178642 100 uewinre zi 3000 M 2281 3121 3628 8345 11172 12637 16745 80497 85663 46367 48634 5 798 56177 53473«9677 73980 73953 89209 90653 91765 95300 97212 107932 112986 117978 124670 116843 127939 132605 134843 148579 148969 160624 160623 161572 169873 178 49 181656 186822 188515 191854 196953 198744 201328 201633 208529 200577 214631 232767 233933 232 Gewinne*n 1000 M 2446 2969 6757 9148 10111 1X593 145'8 15958 168 3 1 9319 20333 21033 22978 24788 32691 36312 36869 38630 44745 44911 49453 49583 50344 51037 53987 55409 58738 56646 67336 68284 69609 60233 50476 00656 63455 66779 68074 72894 74825 7 774 80113 80220 80352 83804 85101 85888 89197 97004 98900 09068 100523 103283 103549 104045 106192 108111 110300 111220 111038 112951 113249 116331 120055 126198 126314 126775 128853 133046 136953 137464 137510 143493 145077 145489 146593 148935 162176 164701 166672 1668 5 160839 166804 167493 174751 182321 187526 194941 196199 196438 197762 20 817 202025 204149 207868 209290 211222 212497 212780 214702 214884 218261 218524 22u081 220120 220225 220857 220626 221036 226056 225147 228356 229236 230683 231883 232278 232987 242 Gewinne r« 600 M 2371 8405 8966 9349 12013 14876 16437 17886 13178 20476 21992 24559 24740 25254 27493 31635316763321936198 38881 40338 41055 41521 43231 43334 43459 44814 45819 46585 51109 53369 53663 56924 56050 58860 89068 64137 66111 70662 71450 73513 75803 75674 6c406 62471 82939 86850 92206 94752 95519 97617 199 43 103574 105207 107360 110601 113706 113836 114608 116688 116801 117829 118.94 126729 128562 129387 130117 130195 130319 134070 136101 136979 137709 143068 169178 149843 153204 164196 151811 1*0501 161829 102911 165003 1.3160 163640 163800 154511 107060 167393 166230 168267 169710 17-660 175134 183613 180356 187343 190085 191628 193323 19*625 197211 108107 200206 203666 206590 206027 207043 211715 217281 118631 220463 221081 222979 224864 2268.8 2.7059 227543 227732 232870 233074 I« der Zluchmittoggziehung wurde» Gewinne über 344 Unit gezogen: 2 Gewinne»u 15000 M 33771 2 Gewinne»a 1C000 AI 120904 10 Gewinne zu 6000 u 68041 89343 165782 162275 170144 110 Gewinne IN 3000 Al 4412.9958 22032 22799 24700 38680 42681 47465 62862 64384 58690 04189 66546 67828 70173 73998 77062 83416 90488 94608 95473 102626 103666 104760 106963 108661 100408 113784 113777 120737 124790 114866 157060 168161 161122 162581 163688 163927 168031 167485 176288 181611 183605 190139 191023 194204 196664 198909 200488 202193 21-068 221688 222625 225204 231576 188 Gewinne IN 1000 Al 2053 2320 3617 15383 1873« 18810 20185 23374 24026 26368 23293 28405 31312 36564 37621 39209 41108 43303 43361 50789 61698 62484 52702 68878 68953 63738 68004 68923 71299 74532 7723. 77943 78911 81243 81781 86043 89498 97523 97945 106880 110207 118316 115695 122616 124408 124786 126218 127946 134407 137245 1*3728 146043 163681 167275 159868 1591.011 162138 162527 162934 177021 I79l24 180006 182966 183330 183955 1852(6 187628 191221 192003 194646 199483 200801 203368 203728 204058 209284 214460 216031 420366 222962 225.67 229121 229-157 23112! 1 220 Gewinne*» 600 M 2944 8365 3448 6429 e'lO 7029 7298 7307 9323 10666 10823 12369 13045 1368« 16382 17664 10371 23780 27169 27428 27698 26260 29891 60480 31034 36003 86)65 40036 48281 48723 52890 67317 62069 621(7(4509 67151 67458 70455 71483 74211 7, 796 77163 77431 80669 86998 90876 91976 94282 05607£6000 00787 100609 102726 102984 1(3217 09695 1 I 0873 117755 122252 123138 123(72 128757 12683" 130464 134667 186126 136895 136073 136667 140121 141166 144142 149747 160458 161406 1 61 1 32 16I85Q 163621 163787 154196 164361 156370 157217 160141 167612 172455 174703 176258 177632 181998 182841 186318 183976 1897(5 193654 164448 116813 1965(4 197062 197704 204943 209492 211744 216636 222406 222578 223601 825678 829851 232903 Kühlen fiopf bewahren können Sie sich mit dem � Stirnkühler„PSYaMA" D. ß. 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