Nr. 574 ♦ 37» �ahrgmtg Musgabe A Nr. 150 »eM�SpretS s 9ftte!)äfirl. 90,—®l, monaftlO,— 9RI frei m« öaus, oorans zahlbar.$ oft» de, uz Monat!'» 10.— Mi. exkl. Zu» Kellungozeoilhr. lUuer Kreu,band für Deutfchland und Seftrrret» IS�O ML, Für Sa» übrig« Ausland bei täglich einmal. Zultelluno 2L50 M. PoNde- flellunzm nedmen an Oesterrei«� Ungarn, Tfchecho- Slowake:, Dane- matt,'öollans..ucemdurg, Schweden und die Schweis— Emgrtragen in die Po!i»»eiwng»-Preiciiüe. Der.Vorwatts'' mit»er Konmog»» bnlage.Voll u.Zeik' ettcheinl wocken- täglich zweimal Sonntags und Mon- lag»»inmaa Telegramm-Adreffe: �r»zinldet»o«ral DerNn�. argen-Ansgabe v-G Derlinev VolKsblstt � zg pssnnig� AnzeiffenNreiS: Die achtgeipaltene?lonvateilleze!l« lolictZ,— M..Teuerung«zuschIag 50°/�. .Kletne Anzeigen-, da? fett- gedttutte Wort 1— DL fzuliiifig zwei >ettgedruckte Worte),-edes weiter« Won M Pfg. Stellengesuche uns Schlafslellenanzeigen da« erste Wott «5 Pfg. lede« weitere Won 40 Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen fiir wei'Worte. Teucrunqszüschlag S0«,� ramilien-An-eigen für Abonnenten Zeile 2.— DL. politische and ge- werkschafiliche Verein»- Anzeigen 8.— ML die Zelle ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Nummer muffen bis 6 Ahr nachnitttaq» im ffiauptgeschSst, Berlin TW. Z, Linden» itratze 2, abgegeben werden. Deiiffnet oon S Uhr früh bis S Uhr abends. Zentralorgan der Cozialdernokrati f eben Partei Deutfchlands Keüaktioa und Expedition: 6tD. 68, Liudenstr. Z. Kentforftter: Am« Monnvla». Sir. l»I»«— S7. Vonvärts-Verlag G.m.b. h., SW.68, Lindenftr.Z. �ernfvrrcher: Amt Moritipla«, Nr. 117 ZZ—»4. Reichstag und Schiebermonarchie. Die Sozialdemokratische Reichstagsfmktion hat durch ihre Anfrage über die Stellung der Neichsrcgierung zu den Kapitalverschiebungen durch die Baukfirma Grußer, Philipiou u. Co. den monarchistischen Parteien sehr unange- nehme Stunden bereitet. Der Rcichsfinanzminister, der die bestimmten Fragen unseres Genossen Müller beantwortete, mußte zugeben, daß nach dem bei der Beschlaguahuie vor- gefundenen Material tatsächlich eine'ehr erhebliche An- zahl von Persönlichkeiten vom hohen Adel belastet wird, und daß sich in dieser Reihe auch mehrere Mitglieder der Hohenzollernfamilie befinden. Diese Fest- stellung des Reichsfinanzministers bestätigte im wesentlichen alles, was der Interpellant behauptet hatte, und wenn er als Minister nicht von festgestellter Schuld sprechen wollte, wo noch die Untersuchung schwcbt. so ist das von seinem Stand- Punkt begreiflich. Denn ein Minister soll Richter nicht be- einflusscn wollen. Für den P o l i t i s ck Denkenden aber ge- niioten die positiven Mitteilungen des Herrn Wirth. um das Urteil über die fürstliche Schieberkolonie in der Voßstraße zu fällen. Den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei sind die Enthüllungen über die Kapitalsverschiebnngen der ..unglüchl-cben" Hohcnzollern so auf die Nerven gefallen, daß ihre Redner um den 5lern der Sache herumgingen und einen Sturmangriff auf den„Vorwärts" unternahmen. Ter eine von ihnen— der Abgeordnete Düringer— erklärte mit dem Anstand, der den Edlen ziemt, die Behaiiptim- gen des„Vorwärts" über die Beteil'gimg der Hohenzollern seien, /erstunken und erlogen"; der anders— Professor Kahl von der Kettensprengerpartei— sprach von der„Lügentaktik" des„Vorwärts" und riet den Sozialdemokraten,„in Schönbeit zu sterben", denn ihre Stunde habe geschlagen. Der dritte endlich— Herr W e st a r v— vergaß sein Betteln um einen sozialdemokratischen Geleitbrief in dm Revolutionstagm. sprach dafür aber desto entrüsteter von„schwarzgelockten Jünglingen", die im„Vorwärts" die Hohenzollern angriffen, und klagte dann w'hleidig über die bedauernswerten.�ohmzollern, die in der Verbannung leben, wie Wilhelm der Jüngere, dort einen Pump aufnehmen müssen, um ihren Hunger zu stillen und denen dann ihre Angehörigen in Teutschland, wie die Frau Cecilie. helfend unte�r die Arme greifen müssen, indem sie ihren Schmuck verkaufen.... Fügen wir noch hinzu, daß Herr Kahl m unnachahmlicher Würde versicherte, die„Vorwärts"-Mitteilungen bewiesen, daß der Sozialdemokratie jede„nationale Ethik" und jede .geschichtliche Pietät" abgehe, so haben wir ein Bild oon der Kühnheit, mit der die Anhänger der Monarchie im republika- nischm Reichstag sich zu Schildknappen der Steuer- Hinterziehung und der Kapitalsverschiebimg_ machen. Ihr Zorn gegen den„Vorwärts" zeigt allerdings, wie unan» genehm sie es empfinden, daß die Verbreitung der Hohen- zollern-Heiligenlegcnde einen entschlossenen, durch keine Nebenaktionen abgelenkten Widerstand in der deutschen Sozialdemokratie findet, und daß der Gedanke der Re- publik gegen die Monarcknsten einen in sich gefestigten und zielklaren Verfechter hat. In der Verteidigung der Republik sollten alle Republikaner einig fern. Aber es war den Mon- archisten in ihrer Verlcgmheit sicher ein Trost, wenn auch nur ein schwacher, daß die Rcchtsunabhängigen und Neu- kommunisten ihnen ein Vflästcrchen auf die Wunde legten, in- dem sie die früheren sozialdemokratischen Minister als mitver- antwortlich für die Kvpitalsverschiebungm bezeichneten. Genosse Scheide mann wies die Bemerkungen dieser unfreiwilligen Handlanger der Westarp und Genossen aller- dings kurz und treffend ab. indem er ans dw Tatsache verwies, daß die entschiedenen Maßnahmen der Volksbeaiiktragten gegen die Kapitalsflucht an dem Widerspruch deS unabhänaigm Kurt Eisner gescheitert sind. Den Moralpredigern von der Rechten aber rief er in Erinneruna. daß ibre Presse seit einem Jahre die persönliche Ehrabschneiderei gegen führende Sozialdemo- kraten gewissermaßen zum Prinzip erhoben bat. Sie haben am wenigsten doS Recht, über„nationale Etlük" zu sprechen. wenn von der Steuerscbeu und den Schiebergeschästen auch der Hohenzollern gehandelt wird. Wir lasten hier den ausführlichen verhauülungsbericht unmittelbar folgen. Auf der Tagesordnung deS ReiibStagS steht die sozial« demokratische Interpellation über namhafte Kapital- Verschiebungen nach dem Auslande. Abg. Müller- Franken(Soz.): Di« Interpellation bat weit über die Frag« ihres Inhalts hin« atä Bedeutung, weil sie in hervorragendem Maße die Steuer- moral betrifft. Eine Besserung der fürchterlichen Staatsfinanzen kann nur erfolgen, wenn einerseits die Steuerlast aufs äußerste angespannt wird, wenn aber auch andererseits die beschlostenen Steuern von jedem Deutschen opferwillig getragen werden. Wenn man von den Angestellten und Arbeitern rücksichtslos die sie schwer treffenden Steuerabzüge durchführt, so ist es doppelte Pflicht, daß jene Steuern, die die be- sitzenden Klassen belasten, schleunigst eingezogen werden.' ausweist? Seit dem Jahre 1917 bat Grußer seine Firma wieder ausgemacht und ist häufig zwischen Holland und Deutschland hin« und hergefahren, ohne daß es der Siaatsanwaltichait aufgefallen wäre. Desgleichen nahm sie nicht Anboß an dem mehr wie überraschenden Aufschwung des Geschäfts. Roch seltiamer ist, daß an dem Tage, als die Vrfchlngnahmiing der Bücher in der hiesigen Filiale durchgeiührt wurde, am 13. Rv- venidcr 1920, Grußer selbst noch an einer Aufsichtsratssitzung hier in Berlin teilgenommen haben soll und erst nach Beschlagnahme der Bücher ins Austand geflüchtet sein soll.(Hört! Hört!) Das Haus Grußers war ein Treffpunkt reaktioiiärcr Kavaliere. (Unruhe rechts). DaS hat manches Mal den Anschein erweckt, als ob hier gegenrevolutionäre Konspirationen ge« pflogen würden, aber die Herren denken noch intensiver an ihren Geldbeutel alS an die Monarchie. (Sehr richtig I links. Unruhe rechts.) Ich frage auch die Regie- rung, ob es richtig ist, daß große Vermögensverschicbungen statt« geiiinden haben, ebenso große Waren- und Effektenverichiebungen, z.B. Salvarsan; ferner, daß eine große Anzahl hockge« st eliter Personen an diesen Schiebungen beteiligt ist; welter, ob die Regierung ebenfalls über 109 Beteiligte bereits festgestellt hat; des weiteren, ob es sich um 2 5 0 Millionen bandelt oder um noch höhere Beträge. Aus der mir bekanntgewordene» Fülle von Personen grerse ich e i n z e l n e heraus und frage die Regierung. ob auch ihr diese Namen bekannt sind und ob sie bereits gegen diese Personen erngeschrrtien lfc? da ist ein Staatsanwalt HanS Schön, ein Dr. Spiro aus Hamburg, ein Freiherr v. Gamp-Maflancn mit Sohn und Tochter, ein Herr v. Lindner, ein Graf Nadolin, eine Fürstm'Nadziwill, ein Fürst von Schöuburg. Dann aber vor allem: wie steht es mit dem Zusammenhang der Firma Grußer mit dem Hause Hohenzollern? Gegenüber den Ableugnungen der.Deutschen Tageszeitung" und der„Deutschen Zeitung' sind»ach meinen Informationen direkt beteiligt: 1. die Kronprinzessin Cecilie, 2. der Prinz Eitel Friedrich von Preußen, 3. Prinz August Wilhelm von Preußen, 4. der verstorbene Prinz Joachim von Preuße», 5. die morganat schc Gemahlin des Prinzeu OSkar von Preußen, der selbst allerdings nicht beteiligt ist. Nicht beteiligt ist hieran auch der Prinz Leopold von Preußen, mit dessen riesigen Silberschiebungen sich die preußische Regierung aber bereits des längeren beschäftigt. Sie sehen, die Kunde» des Bankhauses Gruffer waren alles hervor« ragende Träger und Stütze» des ancisn regime. Das ist um so bemerkensweiler, ols die Rechtspartei--» stets die Reptiblil als die Grundlage der Schiebereien bezeichnen. fZurus: Sklarz» Die Verschleppung der Klärung des sogenannte» Falles Sllarz ist von uns immer und immer wieder gegeißelt worden. Wir ver« langen baldigste Klärung, damit man unserem Parteifreund nickt stets neue Verleumdungen nachsagen kann. (Beifall.) Ich frage nun: WaS(iat daS Reichsfinanzministerium gegen Grußer und die ganzen übrigen Schieber getan? Wir verlangen genaueste Ausklärmig und allercnergischesteS Durch- greifen.(Lebhafter Beifall.) � Gegenüber den Angriffen der äußersten Linken und äußersten Reckten gegen die früheren sozialdemokratiscken Mitglieder der Regierung betone ich. daß zur damaligen Zeit nicht ein einziger Fall darüber uns zu Ohren gekomme« ist. Es ist darum falsch und unerhört, daß die„Freiheit' sich eines,'» unglaublichen Tones bedient, die anscheinend noch nicht vom Ausfall der Wahlen in Sachsen nelernt hol und es nicht ver- steht, in Schönheit zu sterben.(Heiterkeit.) Redner wendet sich dann gegen eine Entschließung der N e u k o m m u n i st e n. worin sie der stüheren sozialistischen Regierung schuld geben und weist darauf bin, daß diese Kundgebung angesichts der Halning von EiSner in München und Geyer in Sachsen reine Demagogie ist. (Sehr richtig I>— Es genügt nicht, daß die Sache bei der Staats- anwaltschaft anhängig ist, sondern diese Dinge müssen ö f f e n t« lich bebandelt werden, und die festgestellten Schuldigen müssen zur Abschreckunp ganz exemplarisch be st rast werden. (Sehr richtig I> Außerdem ist es notwendig, sich aus dem in Deutschland verbliebenen Teil deS Vermögens der Beteiligten Sicherungen gegen die erlittenen Schädigungen zu ichaffei, und alle Maßnahmen zu ergreifen, um der demokratischen Gerech« tigkeit voll Genüge zu tun.(Lebhafter Beifall.) ReichSfinanzministcr Dr. Wirth: Ick bin beieil. auf die Frage des Abg. Müller in voller Auf- richtigkeit festzustellen, was das Finanzmiiiistenrnn i» dieser Angelegenheit getan bat. Wir können aus den Akten nachweisen, daß sckon am 18. April, alio ehe die.Freiheit' die Angelegenheit erwähnt hatte, eine Untersuchung gegen die Kaufleute S ch m i d t- S ch o l y und Dr. Borckardt eingeleitet worden ist. Die Staats- onwaltickaft wurde bereits am 17. Mai mit der Angelegenheit be- saßt. Dr. Borckardt wurde als der Beriinee Zu tr er bor be- zeickner, auck die Bank Sinn er». Co. sollte beteiligt sein. Das Verfahren bei der Staatsanwaltickafl ist heute nock nicht ab- geschlossen und die Alien sind nock nicht dorlegbar. Ansckei- nend bot sich die Bank Sinner mit Kapiialverschiebunpen nack dein Auslande beiaßt. Die Reichssinanzverwaliung wird zur Sicherung der Anivrücke des Reiches alles Erkotderliche veranlassen. Nun- mehr komme ich zum zwenen Teil der Jnieipellation, au den Kapitalverschiebungen durch das Bankhaus Grußer, Philippsohu u. Co. Die am t. Januar 19>9 in Amsterdam gegründete Bankfirma Grußer, Philippsobn u. Co. bar in Berlin, zuerst in der Besse! st raße 1, dann in der V o ß st r a h e 1 8, eine Zweig- niederlosiuna eröffnet. Der augenblickliche Inhaber ist der deuische Reicksanaehörige P. I. Grußer in Amsterdam. Das Finanz- Ministerium erhielt vor einigen Tagen die Anzeige, daß sich bei der genannten Firma in Amsterdam Millionenwerte deutscher Neichse.ngehörigcr an Bargnthabe» und Effekten befänden, die unter Zuwiderhandlung gegen die deutschen Steuer« grsetze durch die hiesige Zweigstelle der Firma dorthin verbracht worden seien. Daraufhin hal das Finanzministerium sogleich die Staatsanwaltschaft in Kenntnis gesetzt und crsuchl, Wege» Ver« dacktes der Kapitalflucht alle« Ersordeilicke zu veranlassen. Von der Siaatsanwaltschasr find sämtliche Geschäftsbücher der hiesigen Bankstelle und die Guthaben dieser Firma bei inländischen Banken beschlagnahmt. Ueber die Personen, die mit der Bank in Ver- bindnng gestanden haben, können nähere Angaben noch nicht ge« macht werden. Unter den Kontoinhabern befanden sich auch Mitglieder des HauseS Hohenzollern. Wie weit sie sich strafbar gemacht haben, wird das Versahrcn fesistellen.(Unruhe links.) Ueber die Sckuldsrage kann ich mick noch nicht auslaffrn. Das Finan-Ministerium hat sofort SicherbeitSmaß n ahmen angeordnet.(Zuruf des Abge- ordneten Müller: Auch bei den Hohenzollern?) Ich habe bei meinem Amtsantritt versickert, daß ick mein dornenvolles Amt führen werde ohne Ansehen der Person, also können Sie versichert sein, daß den Hohenzollern gegenüber keine Ausnahme ge- macht wird. Aber ich muß es ablehnen, in das Erinittlungs« verfahren einzugreisen, ick lehne es auch ab. den Schein zu er« wecken, als ob ich eingreifen wollte. Die Finanzäinter sind an» gewiesen, bei allen Konteninhabern der Firma Grußer SicherheitSbeickeide bis zum höchsten zulässigen Betrage zu be- wirlen. Danach ist verfahren worden. Was die Einzelheiten an- betrifft, nach denen ick gefragt wurde, so war ein bckaiintrr General nicht unter den Kontoinhabern.(Zurufe links.) Der Nackdruck liegt doch wohl ouf dem Worte„detannl". Dr. Spiro ist in sicherem Gewahrsam. Auf die Einzel- heilen der großen Liste von Personen, die hrer aufgezählt worden ist, kann ich nicht einachen, denn eine jede Aufzähluna könnte miß- deutet werden. Sofern aber diese Personen zu den Kontoinhabern der Firma Grußer gehören, sind gegen sie die S i ck e r h e r r s- maßnahmen ergriffen, die eine vorläufige Sickerling der Jnteresien des Reiches bedeuten. Wir haben hier nickt die Einzelnamen zu prüfen, sondern nur festzustellen, daß die Landesfinanzämler angewiesen worden sind, ouch bei Mitgliedern von fürstlichen und anderen königlichen F a m i I i e n fest anzupacken. Es ist die Pflicht de« demokratischen Staates, ohne Rücksicht auf Person und Name» vorzugehen.(Beifall.) Auf Antrag des Abg. Scheidemann(Soz.) wird die v e- s p r e ck u n g der Interpellation beschlossen. Abg. Düringer(Dnat.): Ich habe zu erklären, daß meine politischen Freunde das Vorgehen des FinanzministerS billigen. Vorläufig haben in dieser Angelegenheit die Jurrsten das Wort, die Politiker sollten stck bis zur Entscheidung Zurückhaltung auferlegen.(Zuruf: Erzberger-Prozeß.) Ter Mi- nister ist ein sehr ausgesprochener Parieimann, deshalb wird ihm die Interpellation nickt unerwünscht gewesen fem. Das berufene Organ zur Beantwortung wäre der Justizminister ge- wesen. EigenMch iräqt die frükere Megürung. der Sie Intcipellanten angebörten. die Verantwortung für lnese Suckie. Sehr richtig i rechiS.) Soweit Schuldige der»kapiialverschiebung überführt werden, verlangen wir Besinnung »ach Matzgabe der besetze. Die Enthüllungen des„Borwärte." ivaren aber matzloS übertrieben. Nach meinen Jnforma« »onen sind die Nacbrickilen des„Vorwärts" über die Beziehungen der Kronprinzessin zu Erutzer erstunken und erlogen.«.Hört! hört! rechts.) Es handeil sich uin ciue ganz systematische Hetze gegen die H o h e n z o l l e r n, um den moncrrchiickjen Gedanken unmöglich zu machen. Aber durch diese niedrige Kamv'esweise wird der monarchische Gedanke nm so»ntensiver ge- stärk t. Gerade weil wir Monarchisten sind, wollen wir die Mo- narchie nicht morgen einführen. Abg. Bnrlage(Ztr.): Air stellen uns au* den Boden der Erlläritngen des Herrn Ministers. Was die Verschiebungen betrisir, so sind sie um so bedauerlicher, als sie gerade von jenen ausge- stihri wurden, die auf den Höhen der Menschheit wan» dein sollen.(Gelächter bei den Soz.) Redner polemisiert dann 'chars gegen die Schreibweise eines Teiles der rechts st ehenden presie, die direkt fördernd für Stcncrstucht und Demoralisierung gewesen sei. ES geht nicht an, die Steuern und materiellen Lasten abzuwälzen auf die Schultern der anderen?(Zustimmung beim Zentrum und den Soz.) Kahl(D. Vp.): Die Majestät des Rechtes stebt böüer als jede andere Majestät. Deshalb ist meine Fraktion entschlosien, gegenüber der ganzen Materie den Standpunkt der strengsten Unparteilichkeit einzilliebmen. Wir wenden uns aber auss schärfste gegen die v a r t-e i p o I i t i s ch e A u s s ch l a ch t u n g. wie sie in dieser Interpellation zum Ausdruck kommt. Ein Eingreifen in eiu ichwebendeS Verfahren müssen wir grundsätzlich ablehnen.(Zuruf: Erzberger, Helfferichl) Die Jnlerpellatio» treibt nur den stainpi gegen den Adel, gegen die Monarchie und besonders gegen die kaiserliche Familie, wie schon sie schreienden Ueberichriften des„Vorwärts" es beweisen.(Sehr richtig! rechts.) Zu stürmischen Unterbrechungen kommt eS, als Redner anführt, datz die Hohenzollernfamrlie durch die .Revolution gewaltsam ihrer Rewte entkleidet wurde und die Linke entgegenrnil:„Wilhelm ist doch getürmt!"— Nachdem der Präsident die Ruhe ivieder hergestellr, fährt Redner fort: Wir ballen die Monarchie für die bessere Staats- form, imd uns rrennr von Ihnen(noch links) eine ganze e t h i f ch- n a ti o na I e Weltanschauung.(Lebhafter Bei- rall' recht?— ironische Heiterkeit links.) Wenn die Vorfälle richtig sind, dann ist die frühere Negierung an dem Zuspätkommen de? Nemesis nicht ganz unschuldig, wobei ich eS ober ablehne, mich selbst im Kampfe gegen den politischen Gegner atst die„Freiheit" zu beziehen.«Henerkeit.) Die Interpellation scheint auch die ichwebendc Auseinandersetzung zwischen Staat und Krone beernflussen zu wollen, wieder Absatz 3 beweist. Redner wende! sich dann gegen die Berichte deS„Vorwärts". die er in mehreren Punkten als falsch datstellt. so hätte eS n i e einen Adjutanten von Reitze» st ein gegeben, irgend etu Familienverkehr zwischen der Kronprinzessin und der Familie Grutzer hätte nie bestanden usw. Wenn wirkliche Verstötze geschehen sind, selbst in dem in der Interpellation ge- nannten Umfang, so tragen weder der Kronprinz, noch die Krön- Prinzessin daran schuld.(Zuruf links: Nur der Portier?— Zurui Sedebours: Das ist ja alles Heuchelei. Di« Unruhe steigt, als von oer Linken dem Redner„Schieber" und.Heuchler" zuge- rufen wird, während die Rechte ostentativ Bravo! ruit. Endlich gelingt eS noch längeren Bemühungen dein Präsidenten, die Ruhe wieder herzustellen.) Eine Schuld im Sinne einer ethischen Schuld trifft die Mitglieder des HohenzollernhauseS nicht.(Erneute dauernde Unruhe.) Die Interpellanten laffrn jede Pietät und jedes Verständnis für Sie nationale Würde vermissen. (Dauernde Unruhe links.) Selbst wenn alles wahr wäre, dann hätten diese Rücksichten und die Rücksicht auf das Ausland eine solche Interpellation unmöglich machen müssen. l Beifall rechts, höhnische Zutnfe links.) Aber die ganze Jnler- pellation soll ja nur die Schwäche der Mehrheitssozial- d e m o k r a t i e verdecken, deren Niedergang ja doch ein endgültiger ist und die sich selbst darauf vorbereiten soll, in Schönheit zu sterben.(Ironische Zurufe bei den Soz. Zuruf reckts: Steinach l Heiterkeit.) Die ganze Interpellation ist somit nichts als eine Wahrheitslehre. Von Walt Whitman. Alle Wahrheiien warten in allen Dingen. Sie beschleunigen ihre eigene Befreiung weder, noch widerstehen sie ihr, Sie dedürfen des Geburtshelfers Zange nicht; Tic unbedeutende ist mir so groß wie irgendeine. (Was ist geringer oder mehr als eine Berührung?) Logik ttnd Predigten überzeugen nie. Der Nebeltau der Nacht dringt tiefer in meine Seele. (Einzig, was jedem Mann und jedem Weibe sich beweist, ist so; Einzig, wa? niemand leugnet, ist so.)' Eine Minute und ein Tropfen von mir beruhigen mein Gehirn; Ich glaube, die naffen Klumpen sollen Liebende und Leuchten worden, Und ein Inbegriff aller Inbegriffe ist das Fleisch eines Mannes oder Weibe«. Und ein Gipfel und eine Bl rne darauf ist da? Gefühl, das sie für einander hegen, Und unbegrenzt sollen sie aus dieser Lehre sich verästen, bis sie allmächtig wird, Und bis einer und alle uns entzücken und wir sie. Aus Wbttmans.Gelang von mir selbst", übertragen von Max Hayek. Robert Seidets 70. Geburtstag ist heute. Am Sonntag haben wie in„Boll und Zeit" dieses Sängers und Kämpfers der Sozial» Demokratie mit Wort und Bild gedacht. Se.del, der schweizerische Bolksichullahrer, Hochschuldozent, sozialistischer Parteiredakteur und Präsident de? Züricher Großen Staatsrats, dessen Anfänge in einer Volkcschule Sachsens und dann an den Webstühlen sächsischer Fabritarbsiterschaft lagen, ist ein Selfmademan in des Wortes bester Bedeutung. Alles, was er ist und erreichte, verdankt er eigener Kraft. Den meisten unserer Genossen ist er nur als der begeisterte wch begeisternise Sänger des Volkes, der Freiheit und der grossen MenichheitSideale blxannt, dessen kraftvolle Kampflieder in Apbeitergesat�zvereinen besonders gern gesungen werden. Eben- sosehr sollten aber die grossen Verdienste bekannt sein, die er sich als Schulreformer und Sozialpädagoge erworben hat. Er ist der Bater des Arbeitsschulgedankens, der schon zwanzig Jcchrc vor Zierschensteme: die Arb.ntSschul« als sin« soztalpädagochsche Notwendigkeit forde::«. Am treffendsten gekennzeichne: ist seine Lebens- ardeit als praktischer VolkSerzreher. Sozialpolitiker und Partei- führer, den die Verbreitung, Vertiefung und Verwirklichung unserer Ideen das immer lritende grosse Ziel war, durch Pestalozzis Wort: Er war alleö. für ander«, nickus für sich. Trotz der grossen Erfolge, die der Jubilar nacki Jahrzehnten voller Sorgen und Kämpfe, Em- »ehrungen und Enttäuschungen zu verzeuhnen hat, ist auch heu:c jeip mcht sorgenfrei, wi- seine Freunde es für-ihn wünschte». geschickte Wahlmache.(SebLafter, demonstrativer Beifall rechts. Andauernde Unruhe links. Zuruf: Schieber!) Neichsfinanzminister Wirth (zum Abg. Dr. Kahl): Ich bin Ihnen dankbar, datz Sie das ethisch-nationale Moment berührt haben. AIS ich die Liste der an den Schisbungen Beteiligten durchlas, da stieg mir die Schamröte ins Gesicht. (Grosse Unruhe rechts.) Misst-erstehen Sie nicht, ick habe geze» die Person des Herrn Professor Kahl gar nichts einzuwenden. Er hat das Vaterland mit ausgebaut, er hat bei Sedan mitgekämpft, ich sage aber, eö ist tief bedauerlich, datz gerade diese Kreise unseres Vaterlandes sich zur Abwicklung ihrer Geschäfte solcher Winkelbanken, daß sie sich etnee- Herrn Grussers als Briefträger bedienten.(Erneuter Lärm rechts.) Sie mutzten von vornherein wissen, datz ihnen nicht die Sicherheit geboten war, datz sie nicht mit den Gesetzen tn Konflikt kommen.(Unruhe rechts.) Das ist das Ziel: Auch in den Fragen der Kapitals- flucht das ethifch-nationalc Moment zu wahren, ob sie nun Kronen tragen oder das Gewand der Republik.(Beifall bei den Soz.— Grosse Erregung und andauernder Lärm rechts.) Wz. Puchta(U. Soz. rechts): Die Arbeiter in Deutschland werden in Gestalt noch höherer Abgaben das ersetzen müssen, was die Besitzenden wohl berechnet in Sicherheit gebracht haben. Das Volk wird das büssen müssen, was die besitzenden Kreise bis zur Spitze binauf verbrochen haben. Jedes Glied einer von den Fürsten verschobenen Perlenschnur wird wieder mit den Tränen der Witwen und Waisen aufgewogen werden. Noch während des Krieges haben sich höhe r � Offiziere besonders in der Nachrichtenabteilung der O.H.L. in den Dienst eines Schieberunternehmens gestellt, was sie nach Beendigung des Krieges sogar offiziell fortsetzten. Die K a p i- talsflucht hat schon damals grossen Umfang angenommen. All dem gegenüber hat die damalige Regierung nichts getan. Abg. Dietrich-Baden(Dem.): Wir»vollen in ein schwe- bendeö Verfahren nicht eingreifen. Aber wir verlangen, datz in diesem Verfahren mit aller Strenge und ohne An- seben der Person vorgegangen wird.(Beifall.) Wir lehnen es jedoch ab, die in der Interpellation angeftihrten Punkte politisch zu verwerten und im Zusammenhang mit der monarchischen Staatsauffassung zu betrachten. Geklärt werden muh noch, wie es mit der Verbindung des Bankhauses Grutzer mit dem Bankhaus H a r d y u. Co. und anderen steht. Es tut not, datz die Reichs- regierung in diese ganze Affäre gründlich hineinleuchtet und alle Zusammenhänge aufdeckt.(Sehr ricktigl) Abg. Holl ein(II. Soz. links): Was mit heute erleben, sind nur Teiler scheiaungen de s BerwefungsprozesieS des kapitalistischen Systems. Der Kapitalismus enthüllt noch einmal seine ganzen Raubtierin st inkte. Tie Rechtsparteien donnern gegen die Sch-ieberrepufclik, aber der Schiebermonarchie huldigen sie. DaZ Schönste an der Geschichte ist, daß diesmal nicht semitische Spröhlingc, sondern die reinsten Arier, die Hohenzollern, die Schi äbergc schütte gemacht haben. Die Rechtssozialisten haben auch nur Thektterdcmner aufgeführt.(Bravo! rechts.) Der Abg. Müller-Franken hat sich'kö tri glich(Zuruf rechts: Kämglich?) darüber gefreut, datz durch ein Versehen d e S Vizepräsidenten unser Antrag heute rricht zur Beratung kommt. Ich kann ihm erklären, datz wir unseren Antrag auf- rech»erhalten und die Beratung durchsetzen werden. Er hat weiter die Zersplitterung der Arbeiterklasse beklagt. Wir werden diese Zersplitterung systematisch weiterbetreibe«. um die Arbeiter über den Verrat der Rechts soziali st«n aufzuklären. Abg. Emminger(Bahr. Vp.): Im vobliegenden Fall darf unter keinenUmständenmit zweierlei Matz gemessen werden, denn daS würde verbängnisvolle Folgen im Empfinden des Volkes auslosen. Letzten Endes ist einzig die sittliche Hebung im- stände, derartige Verletzungen der Staatsgesetze unmöglich zu machen.(Beifall.) (Schluß in ber Beilage.) Unabhängige und NegierungsbNüung. Der Landesvorstand der U.S.P. Sachsens nahm in seiner Sitzung am 21. d. Mts. zur Frage der R e g i e r u n g s- b i l d u n g Stellung und faßte unter dem Vorbehalt der Zu- Nicht etwa, um ihm den sogenannten ruhigen Lebensabend_ zu sichern(denn damit wäre der„junge?ll!e"selbst am allerwenigsten einverstanden), sondern um ihm durch Befreiung von Sorgen um das tägliche Brot die Mutze und Sammlung für die Vollendung der verschiedenen angefangenen und halbfertigen größeren sozial- pädagogischen Werke zu schaffen. Vielleicht gibt uns sein 70. Geburtstag Mittel und Woge dazu. Die Tolstoi-Feier de« Sozialistischen Stubentenbnndes im Poll- besetzten Boethovensal war würdig angelegt. Josepb Chapiros erlebnishaft durchgeformte Charakteristik des grossen Russen gab ihr die Seele. Ehapiro nannte Tolstois Namen die Inkarnation einer neuen Welt. Tolstoi sei nicht nur ein Künstler für uns. Vielleichi würden wir ihn bekämpfen, denn alles für uns geistig Wichtige hat er zerschnitten, vernichtet. Aber nicht das Einzelne seines Handelns und Schaffens bindet uns an ihn. Die innerste Richtung seines Wesens ist das Verbindende: seine grenzenlos« Achtung und Liebe für den Menschen. Vor allem anderen sind wir Menschen, und die Ehrfurcht vor dem Menschen, das ist der Hauptpunkt. Die Rede Chapiros klang in folgenden Worten auS: „Tolstoi hakte in diesem Leben das Ufer verlassen, an dem die Seinen hausten, und wenn es ihm auch bei Lebzeiten nicht gelang, das jenseitige Ufer zu erreichen, dem seine Sehnsucht galt, so hatte er doch verstanden, dort zu sterben. Und so gelang es ihm, sein ganzes Leben zum Kreise zu schließen, zur wunderbaren regenbogen- leuchtenden Kurve. Prometheus und Christi Aufruhr und Unter- wcrfung! Eitel und sanft, wie der Danwn, die Todsünde. Heute mehr als je bedürfen wir der Stimme Tolstois, der empörten uno sanften Stimme Prometheus' und Christi, heute, wo man, wie nie zuvor, den Wert eines Menschenlebens unterschätzt, wo man unant- hörlich Tolstois Gruft bespeit, wo die Leidenschaften wie riesige Regenschirme unser Hirn überdecken und einen jeden hindern. welcher Partei er auch angehören mag. den Rest des Himmels, den sein Schirm ihm verbirnt, zu sehen, heute emvftnden wir mit noch größerer Trauer an diesem Gedenktag, wie weit wir von dem Reich der allgemeinen Menschenfreiheit entfernt sind, von dem Lrev Nikolajevitsch jräumte. Tolstois Todesfcier ist das Revolunonsfest aller derer, die kämpfen, die sterben und die siegen werden. Und auf die Gefahr hin, verhöhnt zu werden von denen, die nach uns komme«, weil wir an sie geglaubt haben, neigen wir uns tief vor den Manen Tolstois und sagen ihm hoffnungsvoll: Dein Reich komme I" Mit Gesängen russischer Tonmeister, vorgetragen von Else LandShoff, begann und endete die Feier. An die Rede schloß der Vortrag zweier Prosadichtungen Tolstois sich an: die Erzählun-, des Karatajew aus„Krieg und Frieden" und die Nacklatznovelle „Nach dem Balle". Tilla Durteux las diese Stücke mit einer fchlicht sachlichen Kunst, die wachsend ergriff. Tolstois Seele, im Tiefsten schneidend getroffen, rang sich zur abwehrenden Mensch- lichkeit empor. Eine deutsche Kulturstätte der Westmark gefährdet. DaS Schauspielhaus der Stadt Saarbrücken steht vor dem Ruin. Der Fehlbetrag der laufenden Spielzeit wird bis zu deren Schluß auf 2)'> Millionen Mark geschätzt. Wegen der hoben kulturellen Bedeuning diese» Kunst? nstituiS an der Testgrenze deutscher sttimnung des Landesverbandes von Sachsen den Veschluß, zur Niederhallung der Gegenrevolution die Verantwortung an der N e g i e r u n g und sür die Regierungsbildung unter der Bedingung zu übernehmen, daß sämtliche sozialistischen Parteien an der Regierung teilnehmet!; falls eine der sozialistischen Parteien sich weigern müßte die Re- gierung aus den übrigen gebildet werden. Eine Einzelaktion innerhalb Sachsens sei infolge der Ab- hängigkeit vom Reich und der Bestimmungen der Weimarer Verfassung nicht denkbar und deshalb sei es unmöglich, eiwa die sozialistische Negierung in Sachsen sür die Ausrufung der Räteregierung zu beuiitzeu. Hierauf weiden eine Anzahl von Punkten als Minimalprogramm bezeichnet. Eine Wache für Majestät! Unser Vreklauer Parteiblatt, die„Volkswacht", ist in der Lage, zu der gegenwärtigen Bertttiing des ReichSwehretats hübsches Material beizusteuern. Wir entnehmen ihren An- gaben folgendes: DaS Breslauer Kürasnerregiment kämpft noch heute für Thron nnd Altar. Sett über einem Iahte stellt e? dem Exkönig von Sachsen, Friedrich August, eine Wache in Stärke von einem Olfizier, einem Unicrosfizier und sechs Mann. Die Leute mutzten bei Nacht duich den Park poirouil- lieren, damit seine ehemalige Majestät nicht gestohlen würde, bei Tag hauen sie, um Aufseben zu vermeiden, den strengen Befehl, sich nicht sehen zu lassen. Die im Äusuage des Regimentökommaiidems von Leutnant von Kospoth anScii- arbeitende W a ch v o r s ch r i f t jchärsie Oifineren, Untcrosfisieteit und Mannschaften ein, gegenüber„Seiner Majestät" ja recht korrekt im Erweisen von Ehrenbezeugungen zu sein. Seit vietzebn Tagen ist die Wache eingezogen, da Friedrich August aus R e i s e n ist. Es wäre interessant, wenn sich der Herr Reichswehr- min ister dazu äußern möchte, ob mit seinem E i n v e r- st ä n d n i s die Mittel der Reichswehr zur Stellung von Ehrenwachen für davongejagte Majestäten veiwendel werden. Das Urteil gegen- öie Konfulatstürmer. Gnadengesuch des Gerichts. BreSl««, 22. November. Nach zwölftägigcr Verhandlung wurde heute daS Urteil in dem Konsulat st ürmcr-Pro- , e ß gefällt. Bon den 21 Angrkiagten wurden fünf f r e i g e- sprechen, wegen LandfricdcnSbruches und Plünderung wurde je ein Angcklaglcr zu einem Jahr, zu 9 Monaten, 8 Monaten, 7 Monaten und 0 Monaten, ö Zlngeklagte zu je S Mo- naten, 3 Angeklagte zu je Z Monacen und ein Augek.agtcr zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Gegen einen der Angeklagten wurde das Versah«» ausgeschieden, gegen einen anderen das Berfahren niedergeschlagen. Ten sämtliche» Angeklagten wurden mildernde Umstände zugesprochen. Die Geschworenen haben einstimmig be- schloffen, für alle Verurteilte ein Gnadengesuch bei dem Neichspräsidenten befürworte» zu wollen. Diesem Beschlust hat sich auch der Gerichtshof angeschlossen. Eine verhinöerte Kapitalstbiebung? Eine große Goldsendung wurde am vergangenen Sonntag früh von einem Beamten im Anhalter Bahnhos angehalten. Ein Güterwagen barg die riesige Menge von 109 Kilogramm Gold in Barren Der Wagen kam von SaSiittzhafcn auS Schwede« und war für Basel(Schweiz) bestimmt. Ter Begleiter der Gold- ladung war ein Schwede. Die nötigen Frachtpapiere waren nicht vorhanden, so daß der Beamte den Wagen sofort mit Beschlag be- lege» lieh und der Staatsanwaltschaft avisierte. Diese bestätigte die Beschlagnahme. Nach AuSsage deS Beglritmannes ist dieser GoldtranSport bereits der zweite, der von Schweden durch Deutschland nach der Schweiz ging. Diese neueste Goldsendung dürfte einen Wert von etwa 700 Millionen Mark erreichen. Di« Ocffcntlichkcit ist interessiert daran, baldmöglichst Näheres über die Persönlichkeiten der Kapitalschicber zu erfahren. Kultur, hat sich der Deutsche Dühnenverein zur Hergäbe von 1 300 000 M. bereit erklärt unter der Voraussetzung, datz die Stadt Saarbrücken 700 000 M. zuschieße. Ein dahinzielender Antrag der Stadtverwaltung führte in der Stadtverordnetenversammlung noch zu keinem endgültigen Ergebnis. Um den errechneten Fehlbetrag nach Möglichkeit abzubauen, wtll man es jetzt mit Volksvorstellungen im Städtischen Saalbau versuchen. Der Berliner Volks-Ebor spendete«inen Volkslieder- abend in der„Neuen Welt". Dieser Versuch mutz al» durchaus geglückt bezeichnet werden. Ter recht gute Besuch deS Riesensaal«? ließ scklictzen, welch Vertrauen dem Berliner Volks-Chor entgegen- gebrach: wivd. Dem verschiedenartigen Geschmack einer grctzeren Hörerschaft war durch abwechslungsreiche Zusammenstellung des Programms Rechnung getragen. Neben den bekannten Volks- liedern, wie u. a.„Aus der Jugendzeit" und„Jäger aus Kur- Pfalz" fand sich„In stiller Nacht" von Brabms, das in seiner stim- mungsvollcn Wiedergabe am besten getroffen war. Dr. Zander, der Leiter de? disziplinierten Chores, verstand seiner Sängenchar im Piano recht schöne Wirkungen zu entlocken. Der Alt, dem einige schöne Stimmen angebören müssen, klingt zart und weich. Tagegen möchte man den Tenören wünschen, datz iie mehr in den Vordergrund treten. Für die tüchtige Einstudierung wurde der Chor dadurch belohnt, datz verschiedene Lieder cka capo begehrt wurden. Dem verwöhntesten Geschmack kamen zwei Kanimermustk- werke entgegen, deren Wiedergabe der ausgezeichneten Bläser- Vereinigung der Berliner StaatSoper obiag. Zuerst hörte man das anmutige Oktett von Beethoven(r>p. 103); das Menuett fand besonderen Anklang. Aber auch die Lebenden kamen zu Worte: diesmal Max LaurffchkuS' Suite„AuS Litauen", die schon von früher her bekannt ist. II. E. Ida Orloff las im Meistcrsaak aus den Werken de? indischen Dich'er Rabindranoth Tagore. Sie wählte LprisckcS und Erzählendes und schickte als Auftakt einiges aus altindssch-r Dichtung voran, daS Jahrwusende überdauern konnte, welk es aus den feinsten Oucllen menschlichen Fühlen? und Denkens geschöpft ward. Tagore selber ist diesen Quellen nabe, aus denen zeitlose Kunst rinnt. Er ist voll köstlicker Wahrheit und Wcichcit. Ida Orloffs Art zu sprechest ist leider geneigt, sich zu willig einer ein- zigen Tonart einzubannen. Die Erzählung„Lebend oder tot?" fordert reichere, mehr getönte Gliederung. Aber die Liebeslyrik und di« SangeSopfer brachte ihr Will«, durch Einfachheit klar und stark zu sein, wundervoll zur Wirkung. Hier entfaltete sie ein Er- leben und Wollen, das. weil es die verschwiegensten Bewegungen seiner Natur enthüllt, verrät, waS Tagore zum Weltdichter der Gegenwart werden ließ._ Schuh der deutschen Wissenschaft k Olm.«nndlick ntrck!« im ftcftj«. etat für die Notgemeinsch stt nniieforberten'Nittel fiioet ein i> a r t a m e n. t a r t s ch c r Vortransabend heute abend 8 llhr im SitznnciSiael de» Reichstages statt. Hantack nnrd über Wissenschaft und Kuttur. Friedrich v. Müller- München über Wissenschaft und VolkSgelundbett, Haber über Wissenschast und Wirtschaft und Dr. Sch nidt-Olt über die Notgemeinschait sprechen. Glu MeichSinftitttt für chemische Forschung regt da« Fman;. Ministerium d«S hessischen Landtage« an. CS toll in Darmstadt«richte: werden«w» Deputation so» de» Wunich in Berlin vertrete«. Hr. 574 �37. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Dienstag, 23. November 1920 GroßGerün Die Technik im neuen öerlin. Unter diesem Titel hat soeben der Bund der technischen Ange- stellten und Beamten eine Denkschrift bernuSnegeben, in welcher der Aufbau der technischen Deputationen der Stadiverwaltung behandelt wird. Die von der Fachgruppe der Kommunaliechniker Groß- Berlin im Auftrage ihrer Organisation verfaßte Schrift iteugl von anerkennenswertem Fleiß und sie beweist zugleich, welch reges Interesse die Kommunaltechniker an der Entwicklung der neuen Stadtgemeinde nehmen. Ein Wegweiser soll die Denkschrift sein, wie die Verkäster bemerken und als solcher wird er die ernsteste Beachtung— des Magistrats sowohl wie auch der Stadtverordneten» Versammlung— finden müssen. Denn was wir hier entworfen sehen, ist diktiert von ernstem Willen und der lauteren Abficht, dem Allgemeinwohl zu dienen. In acht Anlagen sind die OrganisationSplüne der einzelnen technischen Verwaltung entworfen. Mit Wärme tritt die Denkschrift für die Einführung des Regie» baubetriebeS in der städtischen Bauverwaltung ein; aus diesem Gebiete ist unter den Groß-Berliner Gemeinden in größerem Um» fange eigentlich nur Neukölln vorangegangen. Will da« neue Berlin seinen gewaltigen Aufgaben z. B. hin» sichtlich des Bau- und SieMungöwesens gerecht werden, so wird es den Regiegedanken in größerem Maße in die Wirklichkeit über- führen milsten. Die Denkschrift räumt denn auch in treffender Weise mit den gegen den Regiegedanken erhobenen Einwänden auf und zeigt die Vorteile des Regiebaubetriebes im Großeinkauf unter Ausschluß deS Zwischenhandels und im Ankauf der ProduktionS- quellen, obne die unter den gegebenen Verhältnissen die Wohnungs- misere nicht zu lösen ist. Voraussetzung der Eigenregie ist allerdings, daß die kommunalisierten Baubetriebe losgelöst werden von dem behörd» lichen Apparat und eine vollständig eigene Verwaltung erhallen. Neukölln hat auch diesen Weg bereits durch die Gründung der Stadtbaugesellschaft m. b. H. beschritten. Wird die Entwicklung des neuen Berlin auch nicht immer jene in der Denkschrift entworfenen Richtlinien einnehmen, so verdienen die in derselben gemachten Vorschläge doch eine eingehende Würdigung. Ihre Lektüre bietet nicht nur dem Techniker, sondern auch allen im kommunalen Leben der Stadtgemeinde stehenden Mitarbeitern reiche Anregung und Belehrung. Konstituierung üeröezirksverfammlung öerlin-Nitte. Im Schulgebäude Koppenstroße versammelten sich am gestrigen Abend die Mitglieder der Bezirksversammlung Berlin-Mitte zur ersten Sitzung. Von Seiten des Magistrat» war Frau Stadt» rätin Wehl beauftragt, die Mitglieder der Versammlung zur Er- füllung der übernommenen Pflichten zu verpflichten. Die Rcdnerin wies daraus hin, daß es gelte, Berlin zu altem Glanz wieder aufzurichten, was gelingen wird, wenn der Gedanke der Gemein» Wirtschaft an Kraft gewinnt. Unter der Leitung deS Alters- Präsidenten Rcchnungsrat Schmidt beschloß die Versammlung einen Ausschuß von 12 Mitgliedern sofort zu bilden, der am Donnerstag 4 Uhr wieder zusammentreten wird, um über die Wahl der Mitglieder de« Bezirksamts, über die Räume und die Geschäftsordnung zu beraten In dem Ausschuß find alle ö Frak- tionen mit je 2 Mitgliedern vertreten. Ein voppelmorö auf öer Landstraße beschäftigt die Berliner Kruninalpolizei. Am 6. d. M. wurde die Ehefrmi des Molkere.besitzers Kuchrach und deren unverehelichte Schwester auf der Landstraße zwischen Fviedeberg und DkanSfelde ermordet und beraubt. Nach den Ermittlungen der hiesigen Kri- minalpolizei an Ort und Stelle hatten Fvau Kuchrach und ihre Schwester am 6. d. M. in Friedeberg Einkäufe gemacht und sich gegen 5 Uhr nachmittags mit ihrem einspännigen Fuhrwerk auf die Heimfahrt gemacht. Unterwegs scheinen sie von einem Manne an- gesprochen worden zu sein, dem sie gestattet haben, sich auf den hinten befindlichen Kutschersitz des kleinen Wagens zu setzen und mitzufahren. 2 Kilometer hinter Mansfelde hat der hinter den Frauen sitzende Mann dort Plötzlich aus allernächster Nähe aus die Schwester der Frau Kuchrach einen Schuß abgegeben, der ihr durch den Kopf drang und sie sofort tötete. Frau Kuchrach scheint sich, als der Schuß krachte, umgewandt zu haben, und sie erhielt dann ebenfalls aus allernächster Nähe einen Schuß in den Kopf, der jedoch mehr rechts traf, aber auch sie sofort niederstreckte. Als Mordwaffe bat der Täter sich eines alten Trommelrevolveos bedient, denn in der Schädcldecke der ermordeten Frau wurde noch«in Stück Blei gefunden. Frau Kuchrach scheint noch nicht sofort tot gewesen zu sein, denn der Mörder hat ihr auch noch den Hals durchschnitten. Mit den beiden Leichen auf dem Wagen fuhr er sodann guerfeldein nach einer etwa 500 Meter entfernt belegenen Scheune, warf dort die Leiche der Frau Kuchrach rechts und die der Schwester links vom Wagen herunter. Das Scheusal soll an der toten Ehefrau sogar noch ein Sittlichkeitsverbrechen begangen haben. Dann schwang er sich wieder auf den Wagen und fuhr damit nach Friedeberg zurück, nach- den: er die Leichen noch um 1000 M. bareS Geld und ein« Damenuhr beraubt hatte. Auf dem Wagen fand er außerdem noch Pakete mit Ulsterstoffen, Lebensmitteln usw. Kurz vor Friedeberg, an dem Landweg nach Blumenfelde stieg er ab und band das Pferd an, legte eine Decke über das Tier und entfernte sich ungesehen. Auf dem Acker neben den Leichen wurden Fußspuren gesunden, von denen Gipsabdrücke hergestellt worden sind Es handelt sich um Stiesel mit Doppelsohnen. mit je fünf Reihen neuer Nägel. Zweck. dienliche Mitteilungen zur Aufklärung dieses Verbrechens nimmt Bezirksoberwachtmeistcr Quesse im Zimmer 33 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen. Auf die Aufklärung des Verbreckens fit eine Belohnung von 10 000 M. ausgesetzt, und zwar 5000 M. von dem Staatsamvalt in Landsberg a. d. Warthe und 5000 M. von dem Molkererbefitzer Kuchrach Jungens ermoröen eine Sreistn. Die im Haufe Stargavder Str. 61 wohnende 64jShrige Witwe Elise Gillert wurde gestern in ihrer Behausung durch Messer- stiche so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. Als Täter wurde der kaum 17 Jahre alte Willi Wieding aus der Rammlerstr. 26 verhaftet. Gestern mittag hörte eine Nachbarin aus der Wohnung der Greisin lautes Stöhnen. Als die Nachbarin sah, daß die Tür zur Wobnung aufstand, rief sie eine andere Frau und beide gingen dann beherzt m die Wohnung der Witwe Gillert hinein. Auf dem über und über mit Blut befleckten Fußboden lag die alte Frau, die aus einer ganzen Reihe von Wunden stark blutete und auf ihr kniete ein junger Mensch. Als dieser die Frauen eintreten sah, rief er ihnen zu, sie möchten sofort einen Arzt holen, der Frau sei ein Unglück zugestoßen. Die Frauen sagton sich jedoch gleich, daß hier ein Verbrechen vor- liegen müsse und forderten den Burschen auf, ihnen nach dem Polizeirevier zu folgen und do r t seine Angaben zu machen. Der Bursche kam auch ihrer Ausforderung nach. Da er selbst sehr stark mit Blut besudelt war und seine Angaben unwahrscheinlich klangen, wurde er als mutmaßlicher Täter festgehalten. In- Mischen waren die Kriminalkommissar« Gennat uno Tretttn am Tatort erschienen. Die Bemühungen eines herbeigerufenen Arztes blieben erfolglos. Der Bursche wurde der in den letzten Zügen liegenden Frau noch gegenübergestellt und mit ihrer letzten Kraft hob sie den Arm, zeigte mit dem Finger auf den jungen Menschen und bezichtigt« iln als Täter. Dieser gab dann auch sein Leugnen auf und ge- stand. Bei seiner Vernehmung gab Wieding nachfolgende Darstellung: Wieding hat seinen Eltern immer schon sehr viel Kummer bereitet. Bereits vor einem halben Jahr war er bei einem Einbruch er- tappt und festgenommen worden. In der letzten Zeit trieb er es wieder so arg, daß sein Vater ihn vor fünf Tagen vor die Tür setzte. Jetzt trieb er sich an den Bahnhöfen umher, übernächtigte auf Böden oder in Wartesälen. Dort machte er die Bekanntschaft eines anderen jungen Burschen, der ebenfalls umherlunigerte. Weil beide kein Geld hatten, beratschlagten sie, wie sie sich Geld ver» schassen könnten. Den Plan, einzubrechen, verwarfen sie. Viel einfacher schien es ihnen, eine alleinstehende Frau niederzu- schlagen und auszurauben. Aus ihrem Bokanrftenkreise kamen drei Frauen in Frage, die für sich allein wohnten. Die Frauen, auf die sie es zunächst abgesehen hatten, trafen sie jedoch n i ch t an. Frau Gillert kannte Wieding von früher bw, weil sie auch für seine Eltern Wäsche genäht hatte. Die ahnungslose Frau ließ auch Wieding und ihren Begleiter, den dieser als seinen Freund vor- stellte, eintreten. Während sie nun an der Nähmaschine saß und ihre Arbeit verrichtete, unterhielten sich die Burschen drei volle Stunden mit ihr, ehe sie zur schritten. Beabsichtigt hatten sie, die Frau mit einem Nein niederzuschlagen. Während der Unterhaltung sannen sie jedoch noch veiter über die Ausführung nach und Wie- ding machte auf der Rückseite eines Gepäckhinterlegungsscheines allerhand Notizen, die er seinem Spießgesellen zeigte. So schrieb er:„Ich werde sie zunächst betäuben" und„sie hat bares Geld". Als der Frau der Besuch doch endlich unheimlich zu werden schien und sie ihn dadurch loszuwerden versuchte, daß sie sagte, sie müsse jetzt nach dem Keller gehen, war die Zeit für die Tat ge- kommen. Wieidings Spießgeselle stand an der Türe Schmier« und Wieding selbst sprang der alten Frau an die Kehle. Diese setzte sich jedoch heftig zur Wehr und nun ergriff Wied.ng einen im Kohlenkasten liegenden Hammer und erschlug sein Opfer. Dann nahm er ein auf dem Tische liegendes Messer und stieß es ihr mehrmals in den Hals. Als, die Frau ihn mit der rechten Hand festhielt, schnitt er ihr die Pulsader durch. Endich griff er auch noch zu einer Schere und bearbeitete damit sein Opfer. Sein Spießgeselle hatte es unterdes vorgezogen, das Haus zu verlassen. Die Burschen hofften, bares Geld vorzufinden hätten sich aber auch mit Wäschestücken und besonders auch mit den Kleidungsstücken des verstorbenen Mannes zufriedengegeben. Wieding leugnet auch nicht, daß eS ihre Absicht war, die Frau umzubringen Sie mutzte sterben, da sie ihn sonst verraten hätte. Wer sein Mittäter war, will der Bursche nicht wissen. Er gibt an, daß er ihn vor einigen Tagen zufällig getroffen habe, ohne ihn nach seinen Namen zu fragen. Die Ermitttungen zur Festnahme seines Spießgesellen wurden sofort aufgenommen. Die Leiche der Ermordeten und das Zimmer wurden vom Erkennungsdienst Photo- graphisch festgelegt._ Der Leichen fund im Grunewald beschäftigt noch unausgesetzt die Berliner Kriminalpolizei. Alle bis- her angestellten Ermittelungen haben nocd zu keinem greifbaren Rcsuliat gesührt. Nun ist bei der Kriminalpolizei ein Brief einge- laufen, in dem der nngenannte Schreiber mitleilt, daß er in der Lage wäre, wichtige Mitteilungen ,ur Aufklärung des ungeiübnlen Verbrechens zu geben. Weil er jedoch befürchie, daß er wegen einer noch zu verbüßenden sechsmonatigen Geiängnisstiafe sestgebaltei, werde, wenn er sich zu erkennen gebe oder bei der Polizei melde, so Halle er mit seme>, Bekundunaen zurück. Die Kriminalpolizei teilt hierzu mit, dnß dem Bnesschreiber, wenn er sich bei dem m- ständigen Kriminalkommissar Dr Niemann im Zimmer 78 des Ber« lincr Polizeipräsidiums meldet, freies Geleit rugcsicherl wird und auch sein weiterer in dem Brief zum Ausdruck gebrachter Wunsch Be- rücksichttgung finden wird.__ Die Zweigstellen der Deputation für die Kohlenoersorgung. An der Stechbahn 2 für den Bezirk Berlin-Mitte, Ottostraße 9 iür den Bezirk Tiergarten, Wolgaster Straße 13 für den Bezirk Berlin- Weddlng, Pappel-Allee 85 für den Bezirk Prenzlauer Tor, Zelle- straße 10 für den Bezirk FriedrichSbain. Zosscner Straße 87 für den Bezirk Hallesches Tor, werden vom Mittwoch, den 24. d. M t S. ab mit Rücksicht darauf, daß das Pcisonal zurzeit außer- ordentlich stark durch die Bororbeilen für die Ausschreibung der neuen Kohlenkarten in Anspruch genommen ist, für das Publikum bis aui weiteres nur von 8 bis 12 Uhr geöffnet sein. Die deutsche Frirdcnsgesellschaft, Ortc.gruvve Berlin, vcran- staltet am Mittwoch, den 2z. November, abends 7>/„ Uhr, in den Feslsälen .Hackescher Hoff. Roientdalcr Straße 40/41, einen Boriragsabend. Tdema: Moskau.- Reserent: Pfarrer A. Bieter., Zur Deckung der Unkosten werden 1 M. erhoben. Gemeinnützige NnterrichtSabende für stotternde Damen und H erren beginnen am Dienstag, den 23. November, abends 8 Uhr im Verein sür Sprachpflege„Demosthenes". Niedcrwallitr. 12 sZchule). Zur Beseitigung des Leidens gelangt ein Selbstsuggestionsversabren zur Anwendung, durch welches jeder Slotlercr imstande ist, sein Leiden selbst zu heilen.' Im städtischen Wohlfahrtsamt Göprnick findet bis Sonntag, den 28. November mit Ausnahme von Mittwoch, den 24. im Stadt- verordneten< Sitzungssaal des RalhauIeS zu Cöpenick eine Aus- slellung billiger und guier Bücher und Bilder statt. Die Ausstellung ist läglich von K— 8 Uhr geöffnet. Sonntags von 10— 1 und 3—7. Nach Schluß der Ausstellung findet eine Verlosung von Büchern und S3j Das Licht der Heimat. von August Hinrich». Ohne Gruß war sie halb an ihm vorüber, da reizte ihn Hre■fühle Art und er rief sie an:„Guten Tag, Teda!" Sie blieb stehen und sah ihn erstaunt, fast herausfordernd, fernd- ielig, und doch ohne Furcht an. Er streckte ihr die Hand ent- gegen und lachte fröhlich, aus:„Du hast deinen Nachbars» jungen Dierk Folkers wohl ganz vergessen?" „Dierk Folkers?" fragte sie, und der feindselige Aus- druck ihres Gesichts ging in fragendes Staunen über. Sie sah ihm fest in die Augen, dann sagte sie, ohne seine Hand gu betrachten:„Ach— Dierk— das sind Sie?" � ,�Ja, ich bins selber, Fräulein Teda— und wir konnten ruhig wieder du zueinander sagen, mein ich." Er wußte nicht, woher ihm dieser Mut kam, es war wohl ihre sichere Art, die ihn herausforderte, ihr den Ueber- legenen zu zeigen. Sie ging zögernd darauf ein.„Natur- lich— also guten Tag und willikommen in der Heimat," da» mit reichte sie ihm endlich die Hand. Er hielt ste absichtlich eine gute Weile fest.„Wenn du Zeit hast, laß uns ein wenig Zaudern," sagte er dann und breitete seinen Lodenmantel über einen Grasbüschel,„hier läßt sichs ganz herrlich sitzen."� Damit setzte er sich selber hin und empfand es als einen tzieg, als sie, nach einem raschen Entschluß, sich ebenfasss miederließ. Seinen Mantel allerdings ließ sie unbenutzt und setzte sich ihm gegenüber.. „Und nun erzähl mir. wre es dir die lange Zeit über erganaen ist." sagte er. „Von mir ist wobl wenig zu erzählen," antwortete ge. �Aber du— was treibst du hier?" „Hier." hatte sie gesagt und er suhlte, das war eine Aufforderung. sich zu rechtfertigen, daß er auf dem Moor ihres Daters herumliefe. Da mußte er lächeln. Sie war ein Herrenkind und sah in ihm noch den armen Tagelöhners- jungen, der sich herausnahm, was ihm nicht gebührte. Fast Hatte er das Verlangen, sie einmal zu demütigen. »Aas ich Hier treibe?" wiederhotte er gedehnt und sah ihr lustig ins Gesicht mit dem Vorsätze, ihr irgend etwas aufzubinden.„Möchteft du das wissen?" Sie wies auf seinen Spaten und sein anderes Gerät und nickte ernsthaft. ,�Ja, deswegen kam ich heraus." Da war er verdutzt über ihre ehrliche Offenheit und wurde ein klein wenig rot.„Oh—" mochte er—„des wegen kamst du hierher?" ,�Fa," meinte sie ganz unbefangen.„Man hatte unS gesagt, daß sich fett enigen Tagen ein Fremder auf unferm Moor zu schaffen machte— da wollte ich selbst einmal nach- sehen." Jetzt schämte er sich, daß er sie belügen wollte. „Und dieser Fremde, das bin ich also?" Sie nickte und erwartete anscheinend seine Antwort. „Wie ist die Prüfung denn ausgefallen?" fragte er wefter, ein klein wenig spöttisch.„Du gingst doch vorbei!" „Ich hielt dich für einen harmlösen Gelehrten, der Pflanzen ausgraben wollte— solche Leute sind bisweilen hier gewesen. Aber—" sie stockte. „Was aber?" Sie schllvieg einen Augenblick. „Ich hörte einmal, du wolltest Ingenieur werden," sagte sie dann ausweichend. „Dann bin ich also nicht harmlos?" spöttelte er. „Ich weiß nicht, was du damit willst, wenn du kein Botaniker bist," sagte sie und deutete auf sein Gerät. Er sah nachdenklich in ihr Gesicht und versuchte, dies feste und selbstsichere junge Mädchen mit dem Kinde, das er einmal gekannt hatte, in Verbindung zu bringen. Es fiel ihm schwer, die weichen Züge des Kindes in ihrem fast strengen Gesicht zu entdecken. Sie war herbe und spröde geworden, gewohnt, zu befehlen, das Kind des Boßbauern. „Weißt du noch. Teda, daß wir einmal zusammen ge- spielt lroben?" fragte er plötzlich und unvermittelt. „Gespielt?" Sie lächelte. Und mm oeränderten sich langsam ihre Augen, als sähen� sie fast mitleidig in eine endlose Ferne, die strengen Linien ihres Mundes wurden weich, und jetzt sah er wieder das Kind vor sich, mit dem er im Apfelbaum schaukelte. ,�a." sagte sie endlich„das ist wahr. Das einzige Mal, daß ich wirklich spielle—- das einzige Mall.". Es ivar so ein leiser Klang von Wehmut darin und auch etwas Bitterkeit, daß es ihn seltsam ergriff. „Du weißt es also noch!" sagte er froh. Sie nickte.„Auch eine Geschichte hast du mir einmal erzählt." „Eine Geschichte?" „Von der Prinzessin im Moor." „Und das weißt du noch?" „O�ja—- fast Wort für Wort. Mir hat sonst niemand wieber Geschichten erzählt." Das klang traurig. Fetzt war sie ihm auf einmal wieder sesfiam vertraut. Er saß mit ihr im Regen unterm Lederverdeck des Wagens eng aneinandergefchmiegt und fühlte ihre kleine, warme Hand auf seinem Arm. Und dann kam der bittere Abschied von der Heimat. .�sa— die alten Geschichten—" sagte er endlich. •„Wie ist es dir nachher ergangen?" fragte sie und er hörte zum erstenmal etwas wie Teilnahme daraus. Da fand er nicht mehr den Mut, spöttisch oder über- legen zu tun und erzählte ihr einiges aus seinem Werden. Sie hörte schweigend zu und spürte wohl, daß er es nicht seicht gehabt hatte, obgleich er ihr das Aergste verschwieg. -„Und jetzt?" fragte sie, als er zu Ende war. , Fetzt"— sagte er,„jetzt fange ich da an. wo ich einmal als Kind aufhörte. Jetzt will ich die Prinzessin erlösen." „Unsere Moorprinzessin?" ,Fä." sagte er und freute sich, daß sie„unsere" g'sagt hatte, als hätten sie beide hier einen heimlichen, gemein- samen Besitz. Eine ganze Weile saßen sie schweigend voreinander. Er wartete auf ihre Froge. aber sie war zu stolz, nach dem zu fragen, was er nicht freiwillig preisgab. Als er sie aber ansah, meinte er, sie machte diefekoen Augen wie damals als Kind, da er ihr das Märchen erzählte, halb staunend und bewundernd, und fast feierlich andäibfig. Da sagte er:„Ich hob viel lernen müssen. Teda, um so weit zu kommen. Ich bin Ingenieur geworden und lasse neue Maschinen bauen, mit denen will ich das Moor an- packen und seine Kraft ans Licht bringen." „Und das kannst du?" fragte ste und sah zu ihm auf. ,s?s soll meine Lebensaufgabe fein, aber es kann diele Jahr« dauern, bis sie gelöst ist."(Forts, folgt.) 9flb«m statt,(bbju Sos« zmn Greste etm 1 3*. ht ber ttuSstellmig ga| haben sind. Tie Generalversammlung des Arbeiter-Elteru-BundeS findet vmliäntebalbcr bereits am Miltwocb, 2t. November, abends S Udr, in der Schulaula Hinter der Garnisonlirche statt. Mitgltedskaite legitimiert. Proletarisches Theater. Die nächste Aussstbrung des IchautvielS: »Die ireiite' von Maxim Korkt findet stall! Mittwoch, den 2t.. abends 7>/, Uhr, Pbaruttäle, iNüllerftraße; Donnerstag, den 2ö. abends 7'/, Uhr, ftli'Ms Fet'säle, Hatenbetde: greitaa, den 26., abends 7'/. Uhr. Moabitcr GesellschastsbauS. Dicletklratze. Karlen zu 3, SS M. und 1'M.(AibeitSloie» und a" der Kaste zn Kaden. Mitglieder frei. Ausgabe der Mitgliedskarten sowie Neuaufnahme von Mitgliedern an der Kaste. Im Tezember-Programm der»Tcala' befinden sich solvende be- sonders beachtenswerte Nummern: Waller Stemer mit neuen Gesangs- colipieis; die Natichuroiruppe mit originellen Tierdressuren, wie sie noch nie aus einer Varielsbühne gezeigt wurden z die Hauptdarsteller in dicicm Ensemble sind 2 Kamele, l Elesant und l Pony.— Die Dir ektion teilt mit, um alle iitlnmlichen Meinungen zu zerstreuen, dafi in dem neuen Variri« keine Speiicn und Getränle verabreicht werden. Lichrenberger Volkskunstveranstaltungen. Für die nächste Zeit sieht der städtilche VollSunterhallungSansschust lolgcnd« Veranstaltungen vor: 23 November, 7'/. Udr. Realgymnasium Parkane, Kammermusikabend des Hekking-Trios. VorzugSkarten der 8. ZIblerlung sällig—2S. November ebenda und zur selben Sinnde Tanzabend Hilde Engel. Vorzugskalten der 2. Abteilung fällig— 26. November, abends 7 Uhr, Dchüler-K'onzert des Orchesters und des Cbores des Realgymnasiums an der Parkaue. r!ciiiing Lehrer R. Daenell. Eintritt I M. für Erwach ene, für Schüler und Schäle� rinnen SS Pf. Kinder unter 12 Jabren haben keinen Zutritt. Eintritts karten für dieses Konzert in der städtischen Schulabteilung und in samt- Itcken Schulen.— Sonnlag, 28 November, nachm. 4 Ubr, im Llahn-Real» gymnasium. Marktslraste 2/3. Lustiger Laulen-N rchmittag:»Der Humor im deutschen Volkslied'', Dr. Max Burkhardt. Eintritt 2 M., für Vorzugs- karleninbaber aller Reihen 1,60 M.— 2. Dezember im Rcalgymnafiirm Partaue, 7'/, Uhr, Tanzabend Hilde Engel. Vo: zugskarten der 1. Abteilung sällig.— Sonntag. 5. Dezember, nachm. 4 Ndr, Realgvmnasium Parkaue, Dr. Leopold Hirschbcrg:»Die beut che Vallade in Dichtung und Musik'. Eintriltspreise wie beim vorgenannten Lauien-Nachmittag. Gin nicht tvlederzubeschaffendes Buch aus der Bibliothek des Deulschen Metallarbeiter Verbandes ist am Dienstag, den lk. November, moreenS, in der Babn aus dem Görlitzer Bahnhol liegen gelassen worden. Der edrliche Finder wird gebeten, seine Adresse an Alwin Gammstch, Berlin- Johannislhal. Bismarckstr. S, anzugeben Internationale Ztzrauenliga für Frieden und Freiheit. Bortrag beS Herrn Marru S vom Verband der Lsljuden über.Die Ostjuden in Deutschland' am Tonne, stag, den 2S. November, Tl, Uhr, in Schöneberg, Frantenftr. 10, Ecke EiseNacher Strage, EommeniuSschule(»ade Barbarossa. Platz'. Unentgeltliche Beratung für Kleingärtner. Neukölln hat m keinem Kleingarlenamt, altes Rathaus, Zimmer 824,«ne Aus. kunfts- und Beratungsstelle für Ochst- und Gemüsebau eingerichtet und dadurch den berechtigten Wünschen zahlreich.'! Laubenkolonisten Ulli Kleingärtner nach fachkundiger Deraiuma auf diesem Gebiete Rechn-ung getragen. Es bietet sich hier für jedermann Gelege ubeit, kostenlos Auskünfte über F vagen der Bodenbearbeitung. Düngung. Aussaat, Sortemvcchl, Schädlingsbekämpfung, Ziimmevblumenpflege usw. zu erhakten. Die Beratungsstelle ist Dienstags und Freitags von 2—3 llhr geöffnet. Die tzohenzollernsthiebungen. (Schlust aus dem Aauptblatt.) Abg. Schcidcmann(Soz): zu ßilmschau. Tie�lchan-Burg bir>et wieder um'iehr viel. Borweg ein bedenllich kitschiges Lustspiel»Held Blaitus' und dann die M e tz>« r Woche, die sich im Zirlammeiihang mit dem S. November und dem Steigen des SlrcitibernionielerS mal wieder einer leiien Povokation nicht enlbaiten kann. Dir Sportbiider, die sie bringt, sind diesmal unruhig und schlecht. Das Drama»Sizrlianische Blutrache' veranichauiicht ergrcisend die restlose Arrsbculung der arbeitenden Kinder w den Schwelcl- gruben. Da« Leben kieier unglücklichen Jugendlichen ist verwirkt, mir weil es der Profitgier eines Kapitalisten so genehm ist. Ferner zeigt es deutlich die zerfrörende, immer weiter vernichtende Auswirkung der Blutrache. Ellen Richter glanble man die Südländerin nickt, trotz ihres AnzugS, ihres Feuers und idrer Geschmeidigkeit. Gute schauspielerische Leistungen boten zudem HanS Schwei kart, Jo es Rebberger, Gustav Botz und Frieda Richard. In dem Schwank»Wolans Abschied' enthüllte die weibliche Dar» stellerin ihre Reize ziemlich freigebig, mitbin war allen Ansordernngen, die er an die Leistungen der Schaurpielcr stellte. Genüge getan. In dem Film .Der König von Paris' bat Bruno Kästner» große Verchrerlchar hinreichend Gelegenbeit, ietne iadeliosen Anzüge, reine eleganten, elastischen Bewegungen und sein meifierbasteS Spiel zu bewundern. Die neue Delag-Filmoperette. In den Decla-Lsthtspielen Unter den Linden 21 fand am Freitag die Uraufführung der neuen Delag- Filmoperette„Wenn die Liebe nicht wär" sta4l. Das Hau» war ausverkauft, denn als Darsteller im Film waren erstklassige Kräfte, wie Lotte Wertmeister, Pauk Weste rmerer und Henry Bender, an- gezeigt. Tie Opereite hat von vornherein einen Reiz der Neuheit für da§ Kino, und die Darstellung kündete dem kritischen Beobachter gewissermaßen ungeahnte Enlwicklungsmöglichkeiten des Kinos auch auf dem Gebiete der Kunst an. Unwillkürlich taucht nach einer solchen Aufführung die Frage auf, ob nicht in nächste« Zeit daS Kino sich auch derjenigen musikalischen Werke bedienen wird, die bisher nur im Operettentheater und Schauspielhaus dem Publikum übermittelt wurden._ Groß-Serliner parteinachrichten. Heute, 23. November. 101. Bbs. lTrepiow). 7 Uhr Mitglirde, Versammlung im Zeickeniaal Wildenbliichschule. Vortrag des Genossen Kallmann z Sozialismus und Bolschrwre nriis. Stellungnahme zum außer ordentlichen Bezirkstag. Wahl der?etegicrlen. «ioriendorf. Abends 7'/. Ubr Mitgsse'-erversgmmlung im Gesangs» faal Gymnasium Kaiicrstraße. Wichtige Tagesordnung. SO. Kreis. WaidmannSlust-Lübers. Oessentlich« Bolksoersamm- long abendS 7'/, Ubr im Waidmnnnshof, früher Kuchenbäcker, Daidmann- ftraye. Thema: Welche Gesahren drohen der Arbeilerschast? Rescient Genosse Dr. Zechiin.* Jiingsoztaliiiische Bereinigung(S.P.D). Ortsgrudpe Lichten. b e r g und O st e n. Abend» 7>/, Uhr bei Schlenkrich. Simplonilr.«2. Borlragsabeiid.— OilSgruppe Tempelb» f. AbciidS Tl, Uhr b» Buse, Werder, Ecke Kai! er-Wilhelm- Strage, Vortragsabend. Jugenöveranftaltungen. Heute, abendS Uhr: Borsigwalde. Jugendheim, Genreindeschulc. Tietzsiraß«. Vortrag: »Warum muß die Todesiiraie abgeschafft werden?'— Eftarlottenbur«. Jugrndbeim. Rofineiiilraß« 4(Volkshaus). Vortrag:.Darwinismiis'— ivt oabtt. Jugendheim. Waldenserstraße 20(Zchuie). DiskuisioiiSabend— Ofte», Strainrier Bieriel. Jugendheim. Naglerstraße 3. Mädchen- abend.— Tchoneberg. Jugendheim, Rubens.. Ecke Haripistraire. Vor- tragSaben». Süden. Jugendheim, Jugend-Klubzimmer, Gemeindeschuie Wllmsstraße 10. Borlraa:»August Bebel.'— Südost. Köpenieker Teertet. Jugendheim Wranveistraße 12». Märchenabend.— Südwest. Zentral-Jugendbenn fnV. 6", Lindeniiraße 3.— Vortrag:.Soziale Kömy'c >m allen Rom.'— Wrisiensee. Jugendheim, Woelckcpromciiade 1. Le- vigenheim. Mädchenabcnd. Geschäftliche Mitteilungen. Ta« Struiiipigeschäft.Spezial". Wiiteiibergplatz. Ecke Kleinste will die Geiamieinnabrne, welche sür iäniilickr Verkäufe am Donnersiag- den 26. November, in der Zeit von 9—12 Uhr eingehen, der Sammwna für tudcrtulose Kinder riberweiseil. vrieskasten üer Keöaktion. sweckdienliche ZluSkiinll erbitten Sie von der Redaktion seitung', Bochum, Wicmelhauser Str. 38/40. Frcüuverl G.*8. der 5: iiciier.. beilegen. CBeteeronSferfiten'iir das mittlere Borddeutschiand bis Mitiwvss, mettag. Zeitwcse heiter ober voiwiegend bewöltt mid viel- lach nebelig, sooft trocken, jUmlich kühl bei schwachen nordwestlichen Würden.' � Wenn je, dann hätte in dieser Frage der Reichstag Gelegenheit einer einheitlichen Kundgebung gehabt, zu einer Kund- gebung des Inhalts: Mensch, bezahle ehrlich deine Steuern! (Sehr richtig!) Leider haben sich verschiedene Redner der Rechten, ganz besonders der Abg. Kahl nicht an die von uns gutgeheißenen goldenen Grundsätze des Abg. Düringer gehalten, deren erster lautet:„nicht rinmischen in ein schwebendes Verfahren". Die ganze Rede des Herrn Dr. Kahl war eine einzige Mißachtung dieses Grundsatzes. Gr hat die Mitglieder der Hcchenzollern als unschuldig er- klärt und behauptet, alle unsere diesbezüglichen Anklagen seien erlogen, während der Herr Ncichsfinanzminister selbst zugegeben hat, daß die Kronprinzessin bei dem Bankhaus Grußcr ein Bank tonto hatte und somit zu den Hauptbeteiligten gehört. Wenn Herr Dr. Kahl die Hohen, zollern nun als unschuldig erklärt, glaubt er da nicht, dag eine solche Erklärung Einfluß auf die Richter haben wird?(Sehr richtig! links. Widerspruch rechts.) In ebenso eklatanter Form hat die Rechte erst jüngst wieder gegen diesen Grundsatz verstoßen, als sie im Preußischen Abgeordneten' haus eine Anfrage einbrachte, warum der sogenannte Fall Sklarz noch nicht erledigt sei. Wenn eS jemals einen Justizskandal geben wird, ist es in dem Augenblick, wenn die sogenannte Affäre Sklarz wie eine Seifenblase zerplatzen wird, die nur auf Grund von Aussagen eines elenden Lumpenhundes überhaupt in der Welt ist. sSehr richtig!) Das Verfahren ist nur deshalb noch schwebend, weil nichts dabei herausgekommen ist, und weil man noch gerne die Zeit nützen möchte, um weitere � Verleumdungen gegen uns zu schleudern. (Sehr richtig! links.) Gegenüber den Vorwürfen des Abg. Kahl gegen die sozial- demokratische Presse, besonders gegen den„Vorwärts", bitte ich Si:, nur einmal S Tage lang die Rechtspresse zu lesen, in der in eine« Weife gehetzt und verleumdet wird, daß es jedes Maß übersteigt.(Sehr richtig!) Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß die Republik mit größter Rücksichtslosigkeit obne Ansehen der Person gegen Schiebertum und Wucher vorgeht. Deshalb find wir auch mit der Antwort des ReichssinanzministerS .durchaus einverstanden, und hoffen nur, daß seinen Worten bald die Tat folgen möge.(Beifall.) Gegenüber dem Vorwurf der äußersten Linken, daß die sozialdemokratischen Mitglieder der früheren Regierungen ihre Pflichten vernachlässigt haben, stelle ich fest, daß diese Vorwürfe absolut unberechtigt find. WaZ irgendwie möglich war, um solche Dinge unmöglich zu machen, ist geschehen.(Sehr richt'g?) Es war EiSner, der seinerzeit gegen die Verordnung der VolkWeaufiragten gegen die Kapitalflucht Einspruch erhob, und eS war Geyer, der sich ad» sächsischer Finanzminister diesem Einspruch anschloß.(Hört, börtl. Zuruf Geyer: Ist nicht wahrl) Außerdem hotten Herr Schiffer und mein Partei-zenosie Bernstein damals schon alles ver- sucht, um die Kapttalverschiebrnig unmöglich zu machen. ES ist darum bedauerlich, daß die äußerste Linke solch« Dinge aufs Taper bringt, die nur der Rechten Freude machen.(Sehr richtig!) Ungeheuerlich ist es. wenn Herr Kahl uns Mangel an Ethik und an Pietät vorwirft in einem Augenblick, wo wir gegen Schiebungen schlimm st er Art energisch Stellung nehmen. Was wir hier allerdings wollen, ist nicht nationale Ethik, sondern die Forderung, daß ohne Ansehen der Person gründlich Re- m e d u r gefchaften wird.(Leibhafter Beifall links.) Wenn Herr Kahl uns rät, rmch Sachsen zu schauen, so erinnere nh ihn, daß die Deutsche Volkspartei dort 36 000 Stimmen ver- loren hat. Wenn eS einmal nottverrdig sein sollte, in Schönheit zu sterben, st werden wir da? können, weil wir schöne Kerbe sind. (Heiterkeit.) Aber soweit ist eS noch nicht, denn noch haben wir fünf Biertelmillionc» Männer und Feaue« organtsierte Mitglieder, noch sind wir die stärkste Partei Deutschlands, und unseren Lebensmut werden Sie an nnfercm unermüdlichen Kampfe gegen Sie stets deutlich genug merken.(Leb- haster Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp(Dnat. Dp.): Die Interpellation roll der Sozialdemokratie nur A g i- tationSmaterial liesern, weil draußen«m Lande ein Teil ihrer Felle weggeschwommen ist. Erstunken und erlogen sind die meisten Behauvtungen des»Vorwärts' über die Verbindung der kronprinzlichen Familie mit dem Bankhaus Grußer. Von den Volksbcauflvagten ist nach der Revolution dem königlichen Hause das gesamte Privatvermögen fort- genomm'en worden. lZurnf links: Das ist nicht wahr!) Als der Kronprinz im Winter I8/l9 mittellos in Holland war (lebhafter Widerspruch links), hat er in Amsterdam bei de» BnnkhnuS Grußer ein Dnrlehn von bielleicht 5606 Gulden aufgenommen, daher stammt sein Konto dort. Daran anknüpfend hat der Minister Wrrth gemeint, so hochstehende Persönlichkeiten sollten doch nicht mit derartigen Schieberbankea in Verbind ing treten. Woher sollte der Kronprinz im Winter 18/19 in Holland wissen, daß jetzt eine derartige Interpellation gegen Herrn Grußer eingebracht würde?(Stürmische' Heiterkeit und Zurufe links.) Dir Mittel für den Lebensunterhalt des Kronprinzen mußten nach Holland geljcn. Wir hoben auf der einen Seife die wissenschaftlich und moralisch hochstehende Persönlichkeit des Herrn Kahl, der sich dafür eingesetzt hat, daß da? lronprinzliche Hau» kein Verschulden trifft, aus der anderen Seite den schwarzlockigen Jüngling deS„BorwäetS" mit seinem zweifelhaften Material.(Minutenlange stürmische Unruhe) Die paar Jahr« Rcprchlik mit ihrem Gefolge von Elend und Korruption können die Erinnerung an die 566 Jahre ruhmreicher Hohenzollernherrschafi im Herzen des deutschen Volkes nicht auslöschen.(Stürmischer demonstrativer Der- fall rechts— lebhafter Widerspruch links.) Abg. Breitscheid(U. Soz. rechts): Die Informationen deS Herrn Kahl scheinen aus p e r s ö n- lichen Beziehungen des kronprinzlichen Hauses zu beruhen. Sic sind deshalb als von in leres sierter Seite stammend sür uns wertlos� Di« Einzelheiten, die Herr Kahl zu entkräften suchte, find gleickgültig, wichtig ist uns nur di« Beteiligung des Kronprinzen an Grußers Bankgeschäften. Graf Westarp hak mit einem Pathos, welckreS ja ungefährlich ist, aber immer einen guten Eindruck macht, seine monarchische Gesinnung bekundet und den Kronprinzen mit der naiven Frage zu verteidigen gesucht, er habe nicht wissen können, daß hier wegen Grußer eine solche Interpellation stattfinden würde. Tie Antwori des Finanz. Ministers ba: unk insofern nicht befriedigt, als er von der L sie der Beteiligten nur bürgerlich« Namen genannt hat. Wir hoffen, daß später gegenüber den hochadligen Namen nicht dieselbe schäm haste Zurückhaltung geübt wird. Dem kommunistischen Antrag, der Regierung« n Mißtrauensvotum zu erteilen, können wir nicht zustimmen, solange das Per- fahren nicht abgeschlossen ist. Es liegt im parlamentarischen Interesse, abzuivartcn, waS die Regierung tut. Wir fordern ein entschlossenes Vorgehen. Ich frage weiter: we tz die Regierung, daß daran die Familie Bethmann Hollweg stark beteiligt »st?(Hört, hört?) Auch hie« muß unbedingte Aufklärung bei- | langt werden.(Sehr richtig!) Die Ausführungen des Abg. Kahl . waren die unerhörtesten und unerlaubtesten Stimmungsmache» zu» I gunsten der Hohenzollcrn.(Sehr wahr!) Was soll man von solchen Lehrern der Jugend erwarten, die eine Politik betreiben und ver- teidigen, die aus eine Hehlerei ver Schiebergeschäftr der Hohen- zollern hinausläuft?(Lebhafte Pfuirufe. Zurufe: Gemein- beitl Zurücknehmen! Der Präsident rügt diesen Ausdruck.) Ruhmreiche Vergangenheit verdeckt nicht gegenwärtige Sch'eber- geschäfte, das möge die Reckte bedenken.(Sehr richtig!) Lächerlich ist es, wenn die Herren der Rechten rührselige Propaganda für die«rmen notleidenden Hohenzollcrn treiben Meines Wissens hat jeder davon noch ein Schloß, wäh- rend allein in Berlin Tausende von Volksgenossen ohne Wohnung sind.(Sehr rrchiig!) Gewiß ist ein mora- lisches Unglück über die Hohenzollern gekommen, abrr nicht ohne eigen« Schuld und ohne Schuld des Adels, der sich nach�der Revolution gar gerne auf den Boden der Tatsache stellte.(Sehr gut!) Ich bedaure eine Dynastie, die Treue nur dann erwiesen erhält, wenn es g e fa h r l o s-sst.(Sehr richtig! lmks. Unruhe rechts.) Es ist nicht nationale Ethik, sondern das Gegenteil davon, wenn man, statt den Augiasstall zu säubern, den Schmutz mit der nationalen Fahne bedecken will. (Lebhafter Beifall links.) Gegenüber der Unterstellung eines trahltaktisthen Manövers genügt es, darauf hinzuwefsen, daß die politischen Sünden viel besseres Agitationsmaterrai sind(Sehr richtigl), aber wir halten eS für unsere Pflicht, dom Volk zu zeigen. welcher Art dit Familien und ihre Kreise sind, die ihm von der Rechten als di« Retter des Vaterlandes angepriesen wer- den. Das deutsche Volk wild das Fazit ziehen, daß diese Leute nie mehr würdig sein werden, an der Spitze des deutschen Staatswesens zu stehen.(Lebhafter Beifall linke.) Reichsfinanzminister Wirth: Gs wurde bemängelt, daß ich keine Namen genannt habe. Das hat seinen Grund darin, daß ich folgende Mitteilung erhielt: Der Oberstaatsanwalt glaubt davor warnen zu müssen, in der Sache Sinner-Scknnidi-Scholly Namen zu nennen, da di« Schuldfrage noch in keiner Weise geklärt'st.(Hört! hört!) Eine Ausnahme habe i»«Nif die Anfrage Müller-Franken ge- macht, weil es hier geglückt ist, in Spiro den gefahrlichsten Schieber Teutschlands zu fassen, der nebst anderen in Hamburg 4 falsche Konten hatte und ein Perlenhalsband im Werte von 1 Million Mark zum Reichsnotopfer nicht angemeldet hat.(Hört! hört!) Richtig ist. daß aus dem Privateigentum des Kaisers mit Zustimmung des preußischen Finan, minister» Hausrat nach Holland ausgeführt worden ist.� Bei der zollamtlichen Wferiigung wurden aber keine Gegenstände, zu denen eine AuSfuhrgenebmigung nicht vorgelegea hätte, vorgcsundcn. (Lebhaftes Hört! hört! rechts.) ES ist ungesellschaftlich. daß ich am Regierungstisch ohne Anlaß dauernd m: t kränkenden Beschimpfungen überhäuft werde. (Hört, börtl Große Unruh« rechts.) Die Untersuchuwg-m fi«d«r Gange und ich werde beim Jnstizminister dabin � wirken, daß sie streng und rasch durchgeführt werden.(Beifall.) Abg. Geyer sen.(11. Soz. links): Es ist die alte Legende wieder aufgewärmt worden, daß ich gegen die Maßnahmen der Volksbe- auftragton gegen die Kapitalderschiebungen Protest erhoben hätte. Die Maßnahmen der VolkSbeaufivagten bezeichnete ich als einen Schlag ins Wasser. Von formellen Protesten konnte weder bei mir, noch bei EiSner die Rede sein. Abg. Ttrcscmann(D. Vp.): Dr. Kahl wollt« nicht im ein schwebendes Verfahren eingreifen, sondern nur d-e Angriffe und B-erleumdungcn in der Presse vor aller Oes- fentlichkeit zurückweisen. Der Stimmungsmache deS .Vorwärts' muhte entgegengewirkt werden. Die Interpellation ist tendenziös, sie widerspricht d-m demokratisch-republikanischen Charakter, weil sie einzelne Gesellschaftsklassen als schuldig herausgreift. Abg. Müller-Franken(Soz.) Schlußwort: Es kommt uns darauf an, daß den Worten des Finanz- Ministers auch die entsprechenden Taten folgen. Wir haben die gesellschaftlich hochstehenden Kreise besonders gekennzeichnet, weil sie es sin», die die Republik aw Schieberrepublik verleumde». Um Agitationsstoff war es uns nicht zu tun, die Leistungen der Deutschen Volkspartei bieten dessen genug. Gerade weil ick wußte, daß in der Presse auch falsche Bebauptungen aufgeraucht sind, bin ich davon abgerückt und habe sie nicht in die Interpellation einbezogen. Es gehört eine Geschmacklosigkeit sondergleichen dazu, angesichts des Elends der Bevölkerung»on den armen unter- ernährten Hohenzollernprinzcn zu sprechen. Solange die mon- archische Agitation so betrieben wird, wie jetzt, müssen wir an Schulbeispielen zeigen, wohin die Monarchie geführt hat. (Beifall links) Solange Sie diese Agitation weiter treiben, werde» wir die Reden und Taten Wilhelms II. anführen. (Große Unruhe rechts.— Beifall links.) Auf v e r f a s f u n g s- mäßigem Wege wird eS Ihnen nicht gelingen, die Mon- archie wieder«inzuführen, und auf nicht verfassungS- mäßigem Wege weridcn Sie einen Widerstand finden, von dem (Sie sich nichts träumen lassen. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird die Bespreckuirg geschlossen. Ein Antrag Dr. Lcvi(Kommunist) aus Erteilung eines Mißtrauensvotums findet nicht genügende Unterstützung. Das HauS vertagt sich auf Dienstag 1 Uhr: Anfragen, Interpellationen. kleine Anfragen, klein« Vorlagen. Schluß:» U'hr. ' Die feilstbenüen tzohenzollern. In der N ochitri ttagSsi tzung d�s RechtSa-usschusseS der Vreu- ß'.schen Landesoersirm-mlung wurde noch einmal ausführlich die Frage erörtert, wie- es mit den Besitzungen der Hohenzollcrn ge- halten werden soll, die ihnen durch den Friedensvertr'ag verloren gehen. Nach allgemeiner RechtSauffassung hätten sie, wenn ihr Privateigentum anerkannt wird, einen Schadensersatzanspruch an das Reich. Die Sozialdemokraten und Unabhän- g i g e n forderten dringend, daß dieser SchadenSerlatzanspruch aus- ge schlösse n werde, da es sich um sehr erheb! che Summen für Besitze im Elsaß, in den neupolnischen Landesteilen. Preußen und Ucbersee handle. Auch die Demokraten erklärten diesen Ein- wand für beachllich. Abg. Dr. v. Krause(D.V.P.) sprach die Ansicht aus. daß nach dem Gange der Verhandlungen der Vergleich nur mit Vorbehalt genehmig: werden könne, die einer Ablehnung und einem Neuangebot gleichkommen würden. Nach d-reser Erklärung verzichteten die sozialdemokratischen Parteien auf sofortige Äbstim- minig und scktösscn sich dem Vorschlage deS Vorsitzenden an, mir Schlüsse der ersten Lesung im Ausschuß die Bedingungen zu formu- lieren, unter denen der Vergleich von der Landesversammlung akzeptiert werden ioll. Die weilere AuSsoracbe drehte sich um Grundstücke vo» g«» ringcrer Bedeutung. So hat für ein JagdstWof- in Sacrow �a» Koniusbau? ein Erbbau reckt aebabt und daiür jährlich§Z6 M. bezablt. Bei einer Burg in der Nähe von Bcrneastcl erwähnt der Berichterstatter Abo. Opvenhoff, daß die Ber-'eastler die tsittg de» Hohenzollern als Privateigentum geschenkt haben, um aus diese Weite Erhaltung-skoften zu sparen. Die Hobeitzollern hatten aber in 8V Jahren nur 566 Taler dafür ausgegeben. Deutscher wohnungskongreF. Die Ta ung des deulicken WobnungskongresseK wurde voin«'ersitzenden Frcihnrn o. S l e> n mit einer Begriitzung»« aiisprncke eröffnet. Sltr- Vertreter des Reickskun�IerS und des Re'chSaibeilSministeiS ergriff Siaatsieki, lLr Gerb dcis Wort. Die Moxnohinen der Reilbsreqierung sind stets von den, Gedanken eriüllt geiveien die übeisitmisigei, A, deiiskräile diirrti Umsiedlung untetzubringe». Freilich ist in de» N l e i» si ä d t e n und auf den, Lande die Wohnungsnot ebenfalls sehr iühlbnr. Da�u kommt, Safe die Groii» siädter sich für Landaibei, nicht immer eigne» und daher auch oft 'von den Landwirten zurückgewiesen werden. Jin Namen der p r e u fe i i ch e n Ziaaisreqierung und besonders des WodlfabriSnuntneiiiinis begtüfeie Staaisfelreiär Scheidt den Kongrefe Wohnungsnot gibt es jeht IN der ganten Kiiltut Ivelt. Wir dürfen uns nicht vollswirtichaitlicheit Phantastereien hingeben Unser Volk ist verarmt n n d nt u fe in s e t tt e m Wobnu n gs bedarf jidt a n Veicbetdenheit ge» w ö b n e n. Prakiiiwe Vorschläge deS Wohttungskongresses wird die Regierung gern prüfen. Etn Reieiat von Dr. Kemmerich» Berlin behandelte die Wohnungsnot auf dem Lande als Problem der Landarbeitersrage. Zurzeit fehlt auf dem Lande WohnungS» g e I e g e n b e i t für eine nennenswert zu vermehrende irbeiteischaft. Es wird geforderi. dafe alle AufwenSun ten für clit» und Ausbau von Landai beiteiwobnungen vom steuerpfl-chltgett Einkommen abgezogen werden können und alle in neuen Lcuid» arbeitenvohnut'gen angelegten Weite bei den, ReichSiiotovfer, der VermögenStnwacbS-Kriegsabgabe. der ErbichaftStteuer. der laufenden VerntögenSbesteuerung nicht alS Vermögen angerechnet werden. Auf eine diesbezügliche Eingabe landwirtschafilicher Unieinehtner bat das Reichs finanzniinisteiium bereits ablehnend geantwortet. Referent verspricht sich aber Erfolg mir von dieiein Ausweg. sVeiiall.) Geheiinrat Dr. P o n fi ck» Berlin erörterte Wege zur Ueberführung der Stadtbevölkerung in landwirtschaftliche Arbeit. Die Friedettsbedittgtingeti, führte er au?, läbmen unsere Industrie- Gegenüber den. Steigen der ErwerbSlvsenunietstühungen wird die Regierung zu einen,.Nein' kommen müssen. In der Gtonftadt- bevölkerung sind Millionen früherer Landbewohner, deren Ab» Wanderung nnermefelichen Schaden gebracht hat. Bereits bat eine rückläufige Bewegung eingesetzt, die den Grofestädten Ent» lastung und dem Lande Arbeitskräfte schaffen wird. Der wirkliche echte Städter allerdings pafet übe, Haupt nicht auf« Land.(Zustimmung.) Er nutfete sich völlig unistellen. sonst bleibt er nicht auf dem Lande. Land und Stadt haben eine verschiedene Seele. Aber da« Zurückfluten der früheren Land» bewohner soll man fordern. Au« manchen lassen sich wieder brauchbare Lai'dbebauer machen. Dabei ist ausschlaggebend die Befähigung und Neigung der Frau, die auf dem Land noch mehr- al« in der Stadt die Seele des Hause« ist. Mit Zunahme der Not in den Städten wird auch die Rückwanderung ans« Land zunehmen. Vermehrung der Wohuttugen und Besserimg der vorhandenen ist nötig. Im letzten Teil deS Referat« fand Dr. Ponsick bei dem stark mit Agrariern durchsetzten Kongrefe lebhafte Zu» stimniung zu seinen Ausführungen gegen die Anwendung von Zwang zum Wohnungsbau auf dem Lande. Das würde nur �ur Verärgerung der Landwirte und damit zur Prohuktionscinschran» kung führen, versschene er. Sein Glaube an die Macht der Burcaukratie. die Produktion zu erzwingen, sei unter Null. sPetsiall.) Wir können, schlafe Refere ti, unsere Landarbeit nur letsten, wenn wir die Landarbetterschast an Grund und Boden bin- den(Lebbastcr Beifall.) In der Diskussion über die beiden Referate wandte Prof. S c h r i n g» Berlin sich gegen die Uebertcuerungszuschüsse, die nur die Baukosten immer weiter steigern. SlaatSselretär Scheidt wie« den Vorwurf Tr. Kemmerichs zurück, dafe bei der Verteilung der V a u k o st e n z u s ch ü s s e die landwirtschaftlichen Unternehmer st'esmü.terlich behandelt worden seien. DaZ Gegenteil sei richtig. Ein Redner forderte Umbau der Wirtschaft unter starker Bevor- zuaung de« Landwirte«. Habe der Lcmidwirt günstig« Produktion«- bedinyungen) so lönn« er billige Leben«mittel schaffen.— Rittergutsbesitzer Schur ig erörterte Vorteile, die da« Land dem Ao- heiter knetet Er betonte die bessere Ernährung, di« zur Ueber- siedlung auf« Land anregen könne. Di« NachmittagSsitzung brachte zunächst«in Referat von Re- rerunyZrai Dr. A l b r« ch t- Berlin über den Zug der In» ustriearbeiter von der Grossstadt ans da« platte Land. Nach dem Krivg? ist ein schwerer Rückschlag für die Industrie ge» kommen. Der Bergbau hat schon über Vt Million Arbeitskräfte aufgenommen. Aber noch immer besteht ein grofeer Ueberschufe an Arbeitskräften. In der dann fortgesetzten Diskussion schkofe«in Vertreter au» München sich der Ansickit Seheidt» an. dafe Zwangswirt» schaft im Wohnungswesen notwendig war und ist. (Zustimmung.) Ein Redner bezeichnete alS erst« Etappe der länd- liehen Siedlung die Auflockerung der Städte, die vorstädtische Sied- lung. AIS Vertreter der Laubenkolonisten Grofe-DcrlinS wie« Otto Albrecht auf die Ernüchterung hin, die bezüglich der Umsiedlung de§ GrofestädterS schon eingetreten fei. Uebcrschwä.ig- liehe Hoffnungen seien da nicht berechtigt, weil nicht jeder Gross- städter sich für die Landarbeit eignet. Heut« werden die Verhandlungen fortgesetzt. Gerichtszeitung. Aus der Praxis einer Milchliefcrungsgesrllschast. Einen bemerkenswerten Einblick in da« Verfahren der M i l eh. lieferungSgefell schaft m. b. H. in der MarkuSstrafee gewährte eine vor der 135. Abteilung de? Schöffengerichts Berlin- Mitte staftgefundcne Pcrhandfttna. Das Msschamt Gro�-Berlin liefe bei der G.scllsc&ast im Apvi. v. I. durch das Poftz«präsiditlm eine Prüfung vornehmen, bei welcher festgestellt wurde, dass samt- ssche Angestellte der Gesellschaft auf Anordnung des Gcschäftsfüh- rer« und des Prokuristen täglich einen Liter Vollmilch ohne Milch- karte verabsolgt erhielten. Bei ein gm Arbeitern wurden in ihren Kannen weitere 3'A Lfter und 1 Liter Vollmilch vorgefunden. Der Geschäftsftihrer und der Prokurist wurden von dem Schöffengericht zu je 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Da» Gericht sprach bei der Urteilsbegründung au», dafe gerade bot der Milchbewirt- � tckaftung der Begehrlichkeit der Angestellten, die nicht setzial. sondern eigensüchtig sei. und derartigen MifebrSuchen mit Nachdruck entgegengewirkt«erden müss«. �US aller Welt. Zum Eisenbahn unzlück bei BrannSwalde wird nach mitgeteitt: Der Ztiscnnmenstofe erfolg!« auf der Brück« d>» Mühlengrabens. Di« beiden Packwagen sowie der erste Personenwagen dritter Klasse sind ein völliger Trümmerhaufen. In diesem befanden sich eine grosse Anzahl Schüler. Bi» jetzt sind 11 schwcrverstümmclte Leichen— zum Teil ohne Kopf und Hak»— und ungefähr 35 Schwerverletzte geborgen worden. 4 bi« S Leichen, darunter die des Zugführer» des von Mariernoerder kommenden Zuges, liegen noch unter den Trü-mmern. Der Wärter von Bude 03 konnte den Güterzug noch rechtzeitig xt«m Sieben bringen, während dies bei dem Personenzug nicht mehr möglich war. Ein Raubmord wurde in Bochwakde, Bezirk Bautzen, er« dem Bauern Johann Rowotnik verübt. Sein HauS ging in Flammen auf. Man fand sein« Leiche mit schweren Verletzungen am Kopf unter den Trümmern. Rowotnik hatte seinen Besitz ver- kaust und dctS Geld bei sich zu Haus« aufbewahrt, was die Täter gewufet haben müssen. Bei seiner Tochter in Grofe-Sävchen haben die Einbrecher vor«inigen Wochen 40 000 M. gwuW. Sport. Im Altzortpalaft»«igten«m Donnertlag sine ganze Reibe inte»- nationaler N a x« r dmchweg guten Sport Aber auch die Dentichen konnten sich sehen iassen, obwohl es nur VitckSz un gelang, de» Eng- länder Sid Burn« noch Punktwertung zu befiegen. S v ö r l und Sir es in mutzten ihren Gegnern Atfied Daig und JackGrenstoch den Punktsieg lassen. Im Hauvtkamps trat H o a ll a, der ttalienitche Meifter. aus den Amerikaner Tim Cowler. Der Kamps war autzer- ordentlich hart. Spall«, der anicheinend starke» Lampenfieber hatte und seht neivö» und ungenau arbeitete, ntiitzie, nachdem ihn einigemal der Gonzichlag vor dem Ausjählen gerettet hatte, in der sechsten Runde seinem bünenhaslen Gegner da« Feld Übertassen. Die Eelundauten warfen daS Handtuch in den Ring, lim 1. Dezember stellt sich P r e 1 1« n st r ä t e r dem Besteger Spalla» Im Admiraitpalait »st Zoe de» erschleneal G. Sinowjew Zoebe» erschiene» I Wss die UMMiieZkeniisÄ WelMMlvllS sie MUMM. 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Male: Frau Margit iKitty Aschenbach, Ludwig Hanau, Lothar Mendcs, ohannes Riemann, Frieda ichard, Felix Rossert, Rudolf Jünger, Jenny Marba, Frieda Lehndorif.) KomMienhaus Täglich VgS Unr; Die Sache mitLola it Ä' mit Max Pailenberg. dsefine Dora a.a, Gertrud 'agner, Picha, Haskel, Stieda Kiper) Berliner Theater Allabendlich 7 Uhr; Die spanische JfoehtigaU mit Jritzi Massarg Erik Wir!, Hans Waß- tnann, Julius Brandt, Emmy Sturm, Olga Engl. Centnvl- Theater 7>/,i FfSD Eärtiel(Operette) Mittw. 3 Uhr: Firlefanz. IkentNchea Opernliana �esstersingerrliiniberg Frieür.-Wllhelmnt.Th, th u.: Hoheit die Tänzerin. Kleines Tbeatcr. vh u.; Grlselda. Kl. So.hanaplelhsnn. ti, Ii.-. Büchse der Pandora. Komische Oper w, uhr: Liebe im Schnee. in» tspielhan» 7*/. Uhr: Arnold Riech in Zwangselnquartlerang. Iletropol-Ttaeater. u_- Hollandwelbehen IVeaes Operettenhaus t/2 u.: Die Cslkösharoness Neuen Volkstheater Th Uc Perikles von Tyms. Mchlller-Tlieat. Chart. L'hr: Die veriorene Tochter. Thalia-Theater Gastspiel Hanal Niese tu u.: Eotschafterln LenL Th.am 3>ollendorfplats 7 uhr: Wenn Liebe erwacht Theater de» Westen» � Der ersten Liebe goidieit MwJ'/-: Schneew. u. Rosenrot Th. i.d.Kommandantenstr. frilher Herrnield-Ttieater. 7V, u.: Der verjüngte Adolar Wallner Theater u't Der Gelger von Lugano Walhalla-Theater Tu U.! Residenz- Theater. Stadtbahn Jannowitzbrücke Täglich«/.8 Uhr: Tills Durlenx in Die Vrenndln. Sahauspiel von Sudermann. Mittwoch 4: Rotkäppchen. Donnerstag!; Schncewltchen Kastsp. Hartstein Trlanon-Theater. Nur noch 2 Aulführ, VjSUhr: Ida Wüst in Der Roman einer Frau. Donnerstag. 25. Nov, 7 Uhr: Z. 1. M.:„Kammer-Mnalk" Lustspiel v. Heinr. Ilgenstein. (Carl Clewing, Olga Limburg. Hans Aibers, Eugen Burg, Toni Tetzlatf) Rose-Theater. Vi, Uhr; Heimat. CßDcordia-Palast-Tlieater 64 Sdnbceaeftr. 64. Filmschau: Tyrannei de« Todes. Hyänen auf dem Schlacht* leide— des Lebens. Auf bet Bühne: Georg Busse in seinem neuen Sketsch. Harry Pyet Arizona, Mexikanischer Cowboy-Akt. Volksbühne Theater am Bttlowplatz. u'? Der Richter vnZalanKa. Lesslng-Tlieäler, Direktion; Victor Barnowsky. Heute bis Donnerstag vi, uhr: Flamme. (Dorsch. Grüning, Götz, Pröckl.) Freitag 7: Peer Qynt. Deutsches Rflnsller-Theater Allabendlich 7'/» Uhr: DieScheldnngsrelse mit Max Adalbert und Trade Hesterberg« Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Tgl.'.US: Der neue Schlager: Der Fehltritt einer Frag. Volksstück in 4 Bildern. Vorher: Theaterllebe. OperetL-Sketsch m. V. Litzek. SonntacS1/,. Der Hausdrache. S7'/,U. Theater 7V,u Dir.; James Klein. LetzteTage! Harems- Nächte!! | sowie im Rahmen der November- Sensationen urwilde IRiesen-l Löwen reRlaasd.RÜUIIUi 1 und nicht, wie bei andern Löwen-Vorführung.!. d, Qefan- genschaft geboren.[ Sonntag 3", Uhr ungekürztes Programm. I Kfod frei! Königstadt-Theater Bahnhol Jannowitzbrücke Tagl.7-30 Gala.Sänger. Im Ballsaal TAN Sehall nndKaueh im Großen Schauspielhaus Dir. Hans v. Woizogen. 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Spandau-Südhafen, an der Schuienburgbrücke Berlin, Oranienstraße 6.......... 48 400 kg 111 600„ 66 Zt-'O„ 125 500„ 186 700„ 4 7 000„ 42 800„ 5 470 14-.00 10000 45 000 30 000 5 500 zusammen etwa 628000 kg S. Terpacknngn-TIatcrlal. (Lager Crimm tschau.) Gebrauchte aber ausgebesserte Kapzüchen......... etwa 12 000 kg .„„ Spitzsäcke......... Nicht tochfreie Kapzüchen................ , Kastensäcke............... Preß Emballage..................... Jutelumpen...................... Alter Draht und altes Bandeisen............. Die Besichtigung der Waren ist den Interessenten vom 29, November ab in den Lagerstellcn gestattet 8. Olein-Mlschang; (geliefert vom Relchsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette 1 a) Mischung I) zirka 7Sprozentig............... 75 490 kg b), 2). 50,............... 143790„ 4. Torffaser. Etwa 3000 kg vgredelte Tortfaser. Muster von 3 und 4 liegen im Versteigerungslokal aus,— Kataloge und Versteigerungsbedingungen können bei der Gesellschaft angefordert worden. Beichswolle Aktiengesellschaft in Iziqn. Im Zishnngsssai der Gsasnl-Lotte ris-Direk tion 1 Säuglingsheim- otterle 7771 fflsw, 1 Gseamtw. ▼. U. 50000 ■•shatgewiaa sreat U. 30000 L Hauptgswiaa W. Ig. 20000 Lose 2%, i� 110�.�24�1 H.CKröger BankgnnahXt Berlin W8 S.Ä Ankauf Juwelen JMraf£Go.; Kuonlerstr. 9. Kupfer Messing, Zinn nsw. Qoeeksiiber, Zahngehisse, Platin-, Coli!-, SHneti, weit Sber Tagespreis Brannenstr. 11 fieusselslr. 29 Fennstr. 48 Weidenweg 72 e s u s Gold- Silber- Platin Q.ttelksilber Zahngebisse Knpser Messing Blei Zinn und andere Metalle kaust zu Tagespreisen A. W. Iden& Go. L Seschäst: GharloNenbnrg, Wallstr. 30. 2. Deschäst: «chäneberg. Fenrigstr. 3«. Zinn u Altmetall», ko Preisen Zil Priazesfln, (Moriß Blei, laust zu hohen innschmelze, »nenstr. 17 rizpiah).' von GoM Silber ?IaHn- Kupfer Messing Blei Zink Zinn USW. 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Die parlamentarische Verantwortung kann nur ein Mann tragen und das ist der Minister, nicht ein parlamentarischer Staatssekretär. Das W a f f e n a m t ist nötig um der Technik im Heere eine freiere Stellung einzuräumen Unsere b.währten und langgedienten Unteroffiziere können wir zetzt nicht einfach auf die Straße setzen.. Briinninghaus(D. Vp.): Eine getrennt? Verwaltung von Heer und Marine ist nicht zu empfehlen.— General v. Braun betont, daß bei dSr Auswahl der Off.ziere lediglich die Tüchtigkeit und nicht Namen oder Adel maßgebend seien. Redner wendet sich gegen die Behauptung, daß bei der Verteilung der Eisernen Kreuze Ve geudung getrieben worden ist.(?!)— Oberst v. Kreß weist auf die Erschwerungen der Arbeit bin, die durch das beständige Ein- areifen der Ueberwachungskommission der Entente Platz greifen. Die Zahl der anglforderten Pferde ist nicht zu groß, sondern stellt das Minimum dessen dar, was zur Aufrechterlaliung einer geringln Kavallerie notwendig ist. Eine große Anzahl von Militär- Pferden werden außerdem ständig der Landwirtschaft leih- weis« zur Verfügung gestellt.— Weiterbcratung Dienstag. watters Heheimpläne. Zn der Meldung der badischen Regierung über eine vertrau- liche Versammlung, in der Generalleutnant von Watter über die Gründung einer Organisation sprach, die durch Strafgcseyl verboten ist, wird uns aus Karlsruhe mitgeteilt: Die genannte Versammlung war von einem Hauptmann ei«. »«rufen worden; in ihr sollte Generalleutnant Watter über seine Erfahrungen im Ruhrgebiet sprechen. Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging W. dazu über, Einzelheiten über eine A b- wchrorganisati,« gegen die Rote Armer mitzuteilen, von der er unter anderem behauptete, daß sie in keinem Zusammenhang mit der O r g r s ch stände. 6 Millionen Mark, so erklärte er, seien von Rorddeutschland nach Baden zum Zwecke des Auf- IrnucS der Organisation überwiesen worden. 2 Millionen müßten von Baden aufgebracht werde». Ferner behauptete er, im Ein- vernehmen mit der RcichSregierung z« handeln und betonte, daß sich die Organisation keinesfalls gegen die Regierung richte, die zu schlapp sei und die von der Roten Armee drohen- den Gefahren verkenne. Heber den Aufmarschplan der Roten Armee teilte W. mit, daß im Falle des Losschlagen? die Entsendung von zwei Bataillonen mit 7 Geschütze» von Leipzig nach Mannheim vorgesehen sei. Tie Regierung erließ sofort einen Hastbrsehl gegen Wat- tcr, der jedoch erfolglos blieb, da derselbe inzwischen Karlsruhe verlassen hatte. Das vom Staatsanwalt gegen den Einberufer eingeleitete Verfahren mutzte infolge Fehlens von Belastiings- Momenten niedergeschlagen werden. » Fn Ergänzung dieser Pläne teilt die Ten» mit, daß Listen ve» Personen aufgestellt sind, welche im entscheidende» Augen- blick verhaftet werden sollen: Sozialisten, Gewrrk- schaftSdramte und frühere Arbeiter- und Soldatenräte. Wir müssen der.Denn" die Verantwortung für die Rich- tigkeit dieser Aufsehen erregenden Meldung überlassen, bc- merken jedoch, daß uns die Angaben nach der ganzen Ver- gangcnheit dcS Generals Watter durchaus nicht un- w a h r s ch e i n l i ch klingen. Trotz unseres außerordentlich geringen Zutrauens zu der Energie des Reichsivehrministers G e ß l e r Generalen gegenüber erwarten wir ein schleuniges lind durchgreifendes Untersuchungsverfahren gegen den General Watter. das hoffentlich nickt dadurch unter- brocken wird, daß der General— den Reichswehrminister verhaften läßt._ Unschulüslämmer mit Schießeifen. Bei der gestrigen Feier des ersten Tiroler LandcSichießenS hielten die Führer der Tiroler LandeSwehren in Innsbruck Dr. S t e i d I e und Dr. Schmidt Ansprachen, die ganz im Stile und im Geist des Forstrats E s-b e r i ch gehalten waren. Treue der Versassung, keinen Bruderlrieg, Wiederaufrichtiinq deS deutschen Volkes— da» hat man zu o'l gehört, um nicht Mißtrauen in die allzu stark aufgetragenen Vekennlnisse zu setzen. Im entscheidenden Augenblick werden die Tiroler LandeSwehren genau so versagen, wie die deutsche Orgesch. Daiüber. ist sich die deutsche Arbeiter- schast vollkommen klar, und auch die österreichischen Parteigenossen haben keinen Zweifel an dieser ihrer Ueberzeugung gelassen. Von die'em Mißirauen in die Landeewehrcn, Selbstichutzbünde, Feld- und Flurschutz-Olganisationen und wie all' diese waffenlragenden Vereinigungen heißen, werden uns leine noch so lebhasren Seteuerunsen abzubringen vermögen. Zolgen von Minifterreüen. Brüssel, 22. November.(Havas-Reuter.) Von amtlicher Eeite wird zu den Reden FrhrenbachS und Simons in Aachen erklärt, daß ihre Worte schwerwiegend seien und auf dir Erklärung hinausliefen, daß Teutschland in der Frage der Wicderabtrctnng von En Pen und Mal- m e d V die von ihm unter den Vertrag von Versailles gesetzte Unterschrift v e r w i r s t. Legt Jhr's nickt aus, so legt Ihr unter! Deutschland hat in unzähligen Noten und Tenkichristen den scknöden Bruch der Versailler Bestimmungen über die Volksbefragung in Eupen und Malmedy überzeugend nachgewiesen. Der Ver- urteilte darf das Urteil schelten; soll selbst dieser uralte RcchtSgrundsatz für Deutschland nicht mehr gelten? Hundert- mal lpt Deutschland erklärt, daß es nach Kräften erfüllen wird, was ihm unter Verleugnung der feierlich versprochenen Wilsonpunkte aufgezwungen und abgepreßt worden ist. Collen wir dafür noch begeisterten Dank darbringen? WoS mit Eupen und Malmvdy geschehen ist, hat letzthin erst Genosse HuySmans verurteilt, dessen Partei an der belgischen Regierung teilnimmt. Wir können nicht glauben, daß Englands und selbst Frank- reichS Negierung von unS die wortlose Preisgabe unserer vergewaltigten Volksgenossen erwartet haben. Darum setzen wir Zweifel in die HerkunftSbezeimnung der HavaS-Reuter-Mel- dnng als von amtlicher Teite stammend; wir werden erst daran glauben, wenn Lloyd George oder Leygues solche Er- klärung abgebe» sollten. Aber auch dann— und mag folgen, was will— wird das deutsche Volk seine losgerissenen Kinder nicht verleugnen. Ob es freilich gerade nützlich und klug ist. wenn Reichs- m i n i st e r, und noch dazu im besetzten Gebiet, die ungeteilte deutsche Volksmeinung offiziell verkünden ist'�on eine Frage, die man sich auch vorlegen könnte. Beim Ab- schiedskommers für Deutschösterreichs Gesandten in Berlin war die hohe Neichsregierung nicht so redelustig. Dublin im Kampf. . L o n t> v n, 22. Novcmbrr. s„B?rttin,'0 Einem Fußbullwetckvlrl im Park von Dublin wohnten l.stOOO Mrnlcken bei. fiatint bottr bns Wetliviek begonnen, nls bewaffnete Soldaten den Part be- sebtcn. Die Mrnac war von einer Panik ergriffen und stob nach »"en Seiten auseinander. Es aab zehn Tote nnd etwa Kl) Ver'ebte.— Den lenten Nachrichten ans Dublin zniola» dauert der Kampf in den Straßen der Stadt an. Nach einrm Prinattele- qramm des„Dailh Herald" sind die TockS nnd die Koblen- lager in Brand gesteckt. E» grokrs Schiff stebt ebenfalls in Flammen. Fn den Hospitälern gibt es Hunderte van Ber- lebten. Es ist bis jebt noch nicht möglich gewesen, dir Zahl der Toten endgültig festzustellen. Der völkerbunü. Genf, 22. Nov.rtz!?n Beratung des Haushalts der landwirt'chaftltcheu Vor- waltung Minister Braun über die Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln im Sinne seiner Denkichriit ans. Zu dem Eisenbahnunzliick auf der Strecke Marienwerber— Marienburg wird amtlich noch mitgete'lt, daß Bis gegen R Uhr abends zwanzig Tote, elf Schwerverletzte und oin Leichwerletzter i festgestellt worden sind Die Verletzten wurden im Ärauken haust in Marrenburg untergebracht. Der Materialschaden ist bedemend. Prozeß gegen Prinz. (Schluß aus der Abendausgabe.) Auf eine Frage Dr. Werlhauers ertlärl Nebenkläger Scheide- mann, daß er III dem Vorwiirfdertlnstittiing zur Ermordung Liebknechts einen besonders schweren Vorwurf erblickt habe, denn schon der Vater Liebknechts hatte ihn täglich besucht, Schcidemattn kannte tbn und seinen Binder und wenn er mu Karl Liebknecht auch politisch aus- einaitdergekommeti war. so grüßten sie sich doch immer noch. Jener Vorwurf enthält alio das Schändlichste, was es iür Scheidcmann überhaupt geben kann. Recht« aitwalt N ü b e l l: Ist Ihnen bekannt, daß z. B. tn Steglitz tote Plakate angeschlagen waren, in denen zu der Ermordung L'cblttcchts aufoesordcri wurde? Scheide- mann: In dem Kreise der VollSbeaufiragten herrichte seinerzeit größte Entrüstung über die Plakate. Angeklagter V r i n z: Im Publikum wurde allgemein von einer Belohnung iür die Ermordung gesprochen. Scheidemann: Ich habe schon einntai gesagt, daß wir damals in der Wilhelmstraße förmlich eingekapselt waren und gar nicht, was man so nennt, unter die Leute kamen. Nachts wurde uns sogar in die Fenster geschossen. Justtzrat Wertbaner: Ist denn der Mord an Liebknecht überhaupt auf- gellärt? Scheidemann: Das ist zu meinem Bedauern nicht der Fall. Ich wünsche nichts sehnlicher, als daß in ollen Einzel- betten feftaestellt werden könnten, wer die Anstifter zu der Ermor- dung gewesen sind. Zeuge Georg Sklarz: erklärt, daß� seine Nnierichtisi unter dem angeblichen Eimoreungs» beiehl gefälscht ici. Aus Beilagen des Vorsitzenden und des JustizrateS Wcrthauer erklärt Zeuoe Sklarz. daß er allerdings wte- derbolt Blanfounterschristen gegeben babe. Diese seien aber an Behörden nnd sonstige vertraucnswürdige Leute gegeben worden, daß jede unbefugte Benutzung ausgeichlosien erscheint. Weiter gibt der Zeuge auf Befragen an, daß die An- griffe gegen ihn erst ange'angen haben, als er einen un- getreneu Angestellten wegen llntet schlagung angezeigt halte— In seiner weiteren Vernehmung bekundet Sklarz noch, daß der von 'gm lediglich finanzierte Sicherheitsdienst in den ersten Tagen der Revolution sich nicht gegen Liebluecht richtete, sondern lediglich als eine Schutzgarde zur Auftechterbaltung der Ordnung, zum Schutze vor Plünderern usw. gedacht war und auch tatsächlich nur in diesem Sinne wirkte. Zeuge Alfred Pätzoldt bekundet, daß er eines TageS den Chanfirur Dänne, in der Pasiage getroffen babe. Dieier habe ihm den angeblichen ErmordungSbesihl mit den Unterschriften»Scheide- mann. Sklarz" gezeigt und gesagt, er solle ihn zu Rechtsonwalt Nübell bringen, der 100 Mark dafür zahle. Er, Zeuge, habe Be- denken gegen die Echtheit der Unterschriften gehabt»nd beide hätten beichlosien, zu Heinrich Sklarz zu gehen. Dieier hätte ihnen pbotogrophierte Untenchriften Scheidemanns und die Origtnalitnter- schrift des Georg Sklarz nezeigl, um ihnen zu zeigen daß es sich um eine Fälschung handele. Sklarz habe ihnen iür ihre Zeitversäumnis 100 Mark gegeben, sonst habe er. Zeuge, von Sklarz ntchls erhalten. Auf eine Frage des Staalsanwaltichaftsrats H e i y n e r. ob sich auf den Schriftstücken das Morl.Abschrift' befunden babe, wird dies von dem Zeugen verneint. Der Zeuge bekundet serner, nnrichtig sei es. daß er zu einer Freundin der verstorbenen Hulda Planmann gesagt babe. er habe ein viel besseres Ge'chäft gemacht, daß er die Schriftstücke an Sllarz und nicht an Nübell verkauft habe. Der an Gerichtsstelle zufällig anwesende Bruder dcs Vor- zeugen. Walter Pätzoldt. bekundet, daß von seinem Bruder stets nur von Abschriften gesprochen worden war. Auch Prinz habe stets nur von Abschriften get'prochen, die Originale wollte er an« geblich in Holland haben.— Zeuge Alfred Pätzoldt be- streitet dies und behauptet, daß er zu jener Zeit iwon mit keinem Bruder entzweit und deshalb gar nicht m der Lage gewesen sei, ihm die angebl'chen Mordbefchle zu zeigen. Der nachträglich geladene Gerichtschemiker Dr. Paul Jeserich wird vom Gericht beauftragt festzustellen, welchen Urspriing das zu den Mordbefehlen benutzte Papier hat, ob versch'edene Tinten benutzt find, ob Spuren vorhanden find, die dafür sprechen, daß eine lleberschrift nachträglich abgeichnttten worden ist nnd ferner, ob Anzeichen dafür vorhanden sind, daß die Scbrift- stücke künstlich alt aemawt worden sind(wie Prinz behauptet). Walter Pätzoldt erklärte noch, daß nach seiner Ausichr sein Bruder deshalb zn Sklarz gegangen sei, weil er hoffte, daß dieser ihn besser bezahlen würde, ww Rechtsanwall Nübell.— Zeuge Alfred Pätzoldt weist dies entrüstet zurück. Der aus der Hakt vorgetübrle Zeuge Chauffeur Otto Tänner bekundet: Prinz erzählte mir. er wolle eine Broschüre gegen Sklarz schreiben, welche er iür 10 000 Mark an Rechtsanwalt Nübell verkaufe. Prinz lieh sich von eineni meiner Bekannten einen Zivil- anzug, den ei nachher vet lauste. Einige Tage später bin iw mit Prinz zu Nübell gegangen und Prinz kam mit einem Scheck wieder herunter, den er einlöste und mir und Rücken für das An- zuglcihen je ICO Mark gab. Wenige Tage darauf errädlie mir Prinz, daß er in Hannover durch eine Veiwechslung irneS Ulsters mittellos geworden sei. Er zeigte mir dann den angeblichen Mordbeiehl, iür den ihm Nübell 000 M. zahlen wollte. Ich zeigte Pätzoldt d>e Urkunde, welcher sie sofort als Fälschung bezeichnete. Für mich lag die Sacke nun so: Entweder Sckeidemann hat den Mordbefehl utiierzetckttet. daitn ist er ein Lump und gebärt ins Zuckihaus. oder Prinz wollte sich mit einer Fälschung schmutziges Geld verdienen, dann gehört er ins Zuchtbau». Um dies festzitstellen. gingen wir zu Heinrich Sklarz, der lehr erstaunt war und die Schriftstücke als plane Fälschung bezeichnete. Prinz hat mir bei der Broschüre gegen Sklarz erzählt, daß die Broschüre von Nübell für die brutschnationale Partei kür 10 000 M. angekauftt'ei. Ein Beisitzer fragi, ob nicht ein Miß- vet ständnts deS Zeugen vorliege, der die Begriffe»politiicke Paitri" und„Partei eines Anwalts" verwechselt habe. Zeuge Dänner be» lundel dazu, daß R.-A. Nübell nur von»seiner Partei' gesprochen babe. Als der Zeuge eine den Angeiiagten belastende Aussage macht, ruft ihm Prinz zu:»Du sollst Dich sckämen, wenn die Hilde noch leben würde, würdest Du das nickt sagen lönnen!" Zeuge(zu Prinz):»Ich kenne Dich besser. Du hast «och ganz andere Sachen gemacht, Du Proookaleur l" Zeuge bekundet weiter, daßPtinz ihm ei zählt babe, er babe imAo- vernber dem Feldwebel v. Tyi zka das Original des MordbeiehlS selbst abgenommen.— lieber das Gespräch in t Heinr. Sllarz ist von diesem ein Protokoll aitigeitommett worden, welches Hilter anderen den Satz enthält, daß er Zeuge gewesen iei, wte Recktsanwali Nübell für d'e Broschüre einen Scheck über 10 000 Mark gegeben habe. Der Zeuge erklärt heute, daß dies eine mißveiständlich?«ufzetckmiing iei. er habe lediglich sagen wollen, er iei dabei gewesen, als Prinz den Scheck des Rechtsanwalts Nübell bei der Bank eingelöst babe. Die Rechtsanwälte Nübell und Dichter verlangen Protokolliernng dieser Aussage, da es sich offertbar um etn gefälschtes Protokoll handele. Das Gericht lehnt den Antrag ob. Zeuge Heinrich Sklarz bekundet u. a.» daß Prinz aus Köln 500 M. verlangte, da er mt Besitze eines bedenklichen Schriftstücks sei. Prinz wußte offenbar nicht, daß Dänner inzwischen bei mir war und ich daS„bedenkliche" Schriftstück schon kannte. Ich habe daraufbin die Sache der Staats. anwaltsckast angezeigt, da cS keine Schriftstücke gibt, welche meinen ! Namen tragen, bedenklich Ond und an denen ich ein Interesse hätte, sie zurückzukaufen. Im Januar brachte mir ein Herr Bollen- Hägen eine Bisiienkarte de» Redakteurs Dr. Specht, welch« an � den Herausgeber der„Wahrheit", Abg. B r u h n. gerichtet wgr. Da wurde mitgeteift» daß Prinz Material gegen Sklarz habe. velcheS zu einer Broschüre sich eigne. Bollenhagen erklärt«, als ch ihm die Wahrheit ins Gesicht sagte, datz ei offenbar auf eine Erpressung hinausgehe, daß Prinz einige Häuser entfernt aus das Geld warte, das für die Visiienlarte gezahlt würde. Ich habe dann Bollenhagen klarzumachen versucht, welches Unheil Prinz mit seinen Erfindungen angerichtet habe. Prinz sei es u. a. gewesen, der wider besseres Wissen am K. Dezember ISIS das Märchen ausgebracht habe, die Unabhängigen und Kommunisten bewaffnen sich, und dadurch die Parteien aufeinander gehetzt und das Blutvergießen an der Ecke Chaussee» und Jnvalidcnstraße verursacht hatte. Bollenbagen hat dann aus sich selbst heraus erklärt, datz die ganze Geschichte mit dem Mordbefehl von Prinz er- funden sei. Es sei nicht wahr, datz Prinz bei Tyszka den sogenannten Mordbcfehl gefunden habe. Um jeder Deutelung an dem von mir aufgenomnienen Protokoll von vornherein zu be- gegnen, habe ich Bollenhagen jenes „Geständnis" in den Parlographcn sprechen lassen, um danach erst das Protokoll auszunehmen. Die Walzen werden bei mir aufbewahrt. Da ich von anderer Seite gehört hatte, datz Hilde Planmann jene Schriftstücke geschrieben haben sollte, bat ich Bollenhagen, die P. einmal zu mir zu schicken. Die Plaumann kam auch zu mir und erzählte mir. Prinz habe ihr den Mordaustrag aus dem Kops diktiert. Die Unterschriften habe sie auf keinen Fall geleistet. Im Laufe/ des Gesprächs brach die P. ganz spontan in Tränen aus und erklärte, sie habe vor Prinz so furchtbare Angst und habe eine schreckliche Zeit hinter sich. Prinz habe sie nach Köln verschleppt, wo sie vier Tage bettelnd.auf der Straß« gelegen habe. Sie war es auch, so fährt Zeuge Sllarz fort, welche darauf drang, datz Prinz verhaftet werde. Am närhsten Tage traf ich mit mit Fräulein Plaumann bei dem Staatsaumalt Gerlach, und diesem gegenüber erklärte Fräulein Plaumann, mit einem Verbrecher wolle sie nichts zu tun baben. Sie war es auch, welche in der Friedrichstrasse bei der Verhaftung des Prinz den Beamten zugerufen habe:„D a i st er jal" Zwei Tage darauf erfuhr ich von Frau Plaumann, datz die Hilde Selbstmord verübt habe Ich erklärte auch Frau Plau- mann, datz es mein Bestreben sein werde, den Fälscher zu enn'lHn, welcher ganz systematisch die öffentliche Meinuna vergiftet und den Namen Sklarz in einer ganz ungeheuerlichen Weise bemakelt hat. — Auf Fragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, datz er, um eine Handschriftprobe der Plaumann zu erlangen, zum Sbein einen Anstellungsvertrag habe von ihr schreiben lassen. Auf weitere Fragen eines Beisitzers, wie er tgzu gekommen sei, an Dänner und Pätzoldt je 50 M. zu zahlen, erklärt Zeug«, datz er den beiden, die sich als politische Flüchtlinge vorstellten, sogar gesagt habe, er würde ihnen auch weiter helfen, wenn sie ihm noch weiteres Material in dieser Sache beschaffen würden.— lieber die Bekundungen dieses Zeugen kommt es zu längeren Aueein- aichersetzungen zwischen den Parteien um die Frage, ob Prinz früher von einer„Abschrift* gesprochen habe oder von einem Originaldokument. Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen wiederholt P r' n z immer wieder: er bleibe dabei, datz die Plau- mann„ermordet*, d. h. zum Selbstmord durch die Schuld des Zeugen getrieben worden sei. Heinrich Sklarz erwidert, datz die Plaumann zu ibm gekommen fei, um ihr Gewissen zu erleichtern, da sie zugab, datz sie das Schriftstuck nach Diktat geschrieben habe. Dem Zangen Heinrich Sklarz wird von der Verteidigung als auf- fällig entgegengehalten, daß der Zeuge die Leute, die eigentlich zu seinen Gegnern hielten, seinerseits zu Verteidigern gesckickt habe, so den Prinz selbst, seinerzeit auch den Sonnensech. Die Ver- techiger behaupten, daß das gesamte Material, welches gegen Prinz vorliegt, von Heinrich Sklarz ausgehe.— Rechtsanwalt 91 üb eil; Wal hat denn Bollenhagen von Ihnen dafür bekommen, datz er Ihnen das alles erzählt bat? Sind es nicht mehrer« bundert Mark -..gewesen? Waren es nicht 700 M.?— Zeuge: Es ist möglich.— Reckitkanwalt N ü b e l l: Auch Wein?— Zeuge: Auch das ist möalich.— Auch Staatsanwalt S a y e r findet es befremdlich, datz Bollenhagen, der doch ein Freund des Angeklagten gewesen, gerade zu dem Zeugen gekommen sei. Es sei dies schon der dritte Mann, der ausgerechnet zu ibm, als dem Gegner des Prinz gegangen sei. — Ter Zeuge erwidert, er sei immer der Ueberzeugung gewesen, Prinz suche auf irgendeine Weise aus der ganzen Sacbe heraus» zukommen. Die Verteidiger heben verschiedene Momente her- vor. dre daraus hindeuten müßten, datz Heinrich Sklarz sich immer an die Leute heranmache, die ihm gegen Prinz von Wert erschienen und die er schließlich zu sich hinüberzuziehen wisse. Er spiele immer eine Person gegen di« andere aus.— Nach langem Hm und Her über alle möoltchcn Punkte, die die Glaubwürdigkeit des Zeugen Sklarz betrafen, Unirde noch ein Karwffelhändler Gargow auf Wumch des Angeklagten vernommen. Dieser war seinerzeit bei der republikanischen Sicherheitswehr und bekundete u. a.: Er habe ein. mal Prinz und Bollenbagen zu einem Abendbrot geladen und da habe Bollen bagen erzählt: Liebknecht habe von der„Roten Fahne aus um Hilfe telephomert. da sei Prinz nach der„Roten Fabne gefahren, habe dort Liebknecht und Rosa Luxemburg ge- troffen und von Liebknecht gehört, daß dieser erschossen werden solle. Darauf habe Prinz den v. ThSzka verhaftet und ihm eine Anzvhl wertvoller Papiere, darunter auch den Erschietzungs- befehl, abgenommen.— Die Verhandlung, die stellenweise ins Uferlose abzuschweifen droht, wurde ff:.g:" aus M i t i w a-b f) Uhr vertagt. Eewer�s�ostsbewegurig Streiknachklänge. Einer von dem Ausschutz der Berliner Gewerkschastskomims- ston, den fteigewerkschaftlichen Organisationen der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Transportarbeiter, Metallarbeiter, Maschinisten und Heizer, Gärtner und Gärtnereiarbeiter, und der Angestellten unterzeichneten Erklärung, die sich gegen die anläßlich des Elek. trizitätSarbeiterstreiks eingesetzte Hetze gegen den Öberbürger- meister Mermuth und den Berliner Magistrat richtet, entnehmen wir folgendes: „Einer der schwersten Vorwürfe ist der, datz der Magistrat nicht sofort die Technische Nochilse einsetzte und daß dann, als die Elckirizftäiswerksarbeiter die Notstandsarbeiten verrichteten, die Technische Nothilse nicht herbeigerufen wurde, um die Werke voll in Betrieb zu bringen. Die Leute, die diese Vorwürfe er- heben, sind sich der Folgen, die das Eingreifen der Technischen Nothilse ausgelöst hätte, nicht bewußt. Die Technische Nokhilft wird von der gesamten Arbeiterschaft und von den Arbeitern der städti- schcn Betriebe insbesondere auf das Schärfste bekämpft. E l n Eingreifen der Technischen Nothilse hätte das Kampfs e l d ins Ungemessene erweitert. Die� übrigen städtischen Arbeiter, die Arbeiter der Gaswerke, der Wasserwerke, der Kanalisation, die Angestellten usw.. die bis dahin dem Streik ablehnend gegenüberstanden, wären urrfviderrusüch zur Arbeitsniederlegung geschritten, wäre die Technische Nothilse in den Bei trieben geblieben. Die kluge Haltung des Magistrats in dieser Frage hat den allgemeinen Ausstand der Gemeindearbeiter verhindert. Dies mag viel- leicht den Politikern der äußersten Rechten unerwünscht gcweien sein, allen denen, die eine stetige Entwicklung in Berlin und da- mit auch im Reich für notwendig hallen, ist durch die Lokalisierung des Konfliktes Redjnung getragen. Auch die Frage des Belagerungszustandes muß von diesem Gesichtspunkt auS betrachtet werden. Die Verhängung d-s Belagerungszustandes aus Anlaß eines wirtschaftlichen Kampfes wäre ein Faustschlag in daS Gesicht der Berliner Arbeiter gewesen. Wenn die schwersten Konsllkte vermieden wurden, so ist dies auf di« ruhige, die Situation klar erkennende Haltung des Magistrats und des Oberburgenmisters zurückzuführen. Dies zur Steuer der Wahrheit.* Nach dieser Erklärung der berufenen Vertreter der Berliner Arbeiterschaft dürste die heute im Reichstag zur Beratung stehende Streikinterpellation der Rechtsparteien kaum d:e erhoffte agitatorische Wirkung haben. Generalversammlung üer öerUner Metallarbeiter. Am Sonntag lagt« in der Brauern Königstadt die General- veriammlung der Meiallarbeiler. Dieter erste» Generalversamin- lung nach der Spaliung der Unabhängigen wurde mit allgemeiner Spannung entgepengeseben Wochenlang war von der U. S.P. und K.P.D. für die reinliche Scheidung der Geister oorgearbeilet. Aui der Tagesordnung stand als 1. Punkt die Wahl des Bevollmäch- ligten. Z i s k a, der sich zur Wiederwahl stellte., satzie dann auch gleich den Siier bei den Hörnern und stellte in anderibalb- siündigem Referat seinen Gegensatz in gewerk schait- ticken Fragen gegenüber den Kommunisten in den Vordergrund. Er betonte, datz er bei Antritt seines Postens vor Jabressrist die Organisalion dnrck den großen Melallarbeilersircit geschwächt und gelähmt übe-nommen hätte. Die von ibm eingeschlagene Taktik mußte dielen Tatsachen Rechnung tragen, er mußte versuchen, auf dem Verhandlungswege schwebende Konflikte b-llzu- legen, um die Metallarbeiter vornoch größeren Nieder a ,e zu bewahren In Konsequenz der Stuttgarter Verbandstagsbe�ch-üsse hat er ein Mitarlieuen im Eiienwiltjchastsbund als Vertreter des U. Bezirks abgelehnt. In der Diskusston trat als Erste die„Rätezenirale Mllnzstraße' in Person des Kollegen Eckert in Erscheinung und verlangte prompt die Absetzung Ziska« und schlug einen Kollegen P o s>' e l t. bis jetzt eine große nnbekannte Null, als Be- vollmöchtigten vor. Posselt hielt dann auch gleich eine kleine Kan- didatenrede, di« darin gipfelte, daß Ziska versagt und nicht der ge- eignete Vertreter der Organisation»ein lönne. Diesen Faden spann dann der unvermeidliche Rick M il l l er in der ihm eigenen Art iveiter und folgerte, daß die Taliik Ziskas unrettbar direkt in die ArbeitSgemei n schait � binein'übre. Neben Zimmermann verteidigte sehr lebhaft Urich die Polilik Ziska?. Er ei- kiärte dabei, daß der Kampf um die Kontrolle der Produk- lion nicht eine Angelegenheit der BeUiner Meiallaibeiier, 'ondern der Geiamiarbeiterichaft Deutschlands sei. Er gab zu. daß im Laufe de» letzten JahreS Fehler gemacht wurden und daß von den alten Gewerkschaftsführern noch viel zu lernen sei. Rusch griff neben ZiSka besonders scharf den H a u p t v or st a n d an. Seiner Meinung nach hätte» beim Elektri- züäiSarbeitelstreik die Zentralinstanzen eingreifen und zur Tal schreiten müssen. Tost vom Hauptvorstand wies die Vorwürfe gegen denselben sehr geschickt zurück. Bezüglich der Kampsiaklik sagte er: Es gibt viele Personen, die revolutionäre Jllu- iionen haben, es ist kein Klassenkampf, wenn die Ar- beiterschaft nutzlos kaputt gemacht wird. Die Kämpfe müssen mit Verantwortlichkeitsgefühl geleitet werden. Er be- leuchtete dann die zwiespältige Politik Ruschs vor, wäbrend und nach dem Kapp-Putsch, und wies nach, daß Rusch nach dem Kapp-Putsch sich hilsesuchend an den Vorstand wendete, um Schutz gegen diejenigen zu verlanaen, mit denen er heute durch Dick und Dünn gehl. lDieser würdelose Renegat entpuppt ftch immer schöner) Ziska verietdigie im Schlußwort noch einmal ieine Politik und betonte dabei, daß bei der Zersplitterung der politischen Parteien wenigsten» die Ge werkichasten zur Führung großer Aktionen und Kämpfe in ihrer Geschlossenheit erhalten bleiben müßten. Bei der UnterstüyungSfrage für die Kandidaten erhielt ZiSka 243. Posselt 2S2 Stimmen. Dieie Abstimmung macht eine Ur- wähl notwendig. Kollege Lampe verlas vor der Abstimmung rm Auftrag der S.P.D.-Fraklion folgend« Erklärung: »Die uns bisher unter der Aera der neuen Leitung der Ber- liner Ortsverwaltung Wideriahrene Behandlung, die ganz be- sonders der bisheriger 2. Bevollmächiigte Ziska mit feinem Namen gedeckt und vertreten hat. ist nicht geeignet, ihm Sympathien unsererseits entgegenzubringen. Wir weifen darauf hin. daß durch den»och rmmer bestehenden ,Vorwärts*-Boykott unsere Kollegen von den Vermal- tungen des Verbandes ferngehalten werden, desgleichen unsere Kollegen von der Mitarbeit in der Or- ganisatian ausgeschlossen sind. die aus unserem Boden stehenden Angestellten allmählich von ihren Posten entfernt werden; ganz zu schweigen van den sich daraus er- gebenden Anrempelungen unserer Kollegen in den Betrieben und sonstigen Dingen. Ungeachter unserer grundsätzlichen Auffassung über die Aufgaben der Gewerkschasten, die mit den Auffassungen, wie sie der bisherige 2, Bevollmächtigte vertritt, in den meisten Fällen nicht übereinstimmt, werden wir aber trotzdem für Ziska stimmen, um zu verhindern, daß ein Anhänger der G e w e r l s ch a f t S- zersplitterer an die Spitze der Berliner Verwaltung kommt. Unier weiteres Verhalten wird durch diese Abstimmung nicht berübri.* Der Verlauf dieser Generalversammlung hat die ganze Zer- fahrenheit der letzten anderthalb Jahre Metallarbeiterpolitrk inS hell« Licht gerückt. Erst werden unter dem Vorwand der„Revolutio- nierung der Gewerkschaften* all« alten grundsatztreuen Kollegen aus ihren Funktionen gedrängt, heute wird versichert, datz von den alten Gewerkschaftsführern noch manche» gelernt werden mutz. Vor Jahresfrist faselte ein Gernegrotz in der„Metallarbeiterzeitung* von einer„zerbrochenen Unte'r nehmerfront, heute wird der Mißerfolg des großen Metallarbeiterstreiks des Vorjahres reumütig zugegeben. Ter �owjetphanlast Rusch von heute war vor wenigen Monaten noch begeisterter Anhänger einer parlamen- tarischen Koalitionsregierung christlicher, Hirsch-Dunckerscher und frcigewerkschaftlicher Arbeiter. T>er Beschluß der 60 S.P.D.-Delegierten, die Kandidatur Ziska unter solchen Umständen zu unterstützen, ist geboren aus dem großen Verantwortlichkertsgefühl unserer Genossen. Er soll dazu dienen, die Geschlossenheit der gewerkschaft- lichen Organisation auch unter den größten Opfern z u sichern._ Matzregelungen im Textilgrotzhandel. Obwohl in den Einigungsverhandlungen vereinbart worden war, daß keine Matzregelungen vorgenommen werden, haben cS sich verschiedene Firmen nicht veriagen können, eine An- zahl Angestellte aufs Pflalier zu setzen. Eine am Montag tagende Versammlung der Angestellten nahm folgende Resoluiion ein- stimmig an: „Tie am 22. November 1920 überaus zahlreich versammelten Angestellten'm Berliner Texiilgroßhandel haben mit grenzenloser Empörung KenmniS davon genommen, haß die Aibertgeber enr- aegen dem Worilaul sowie dem Sinn der getroffenen Abmackuingen ihrer Rawm-bi haben die Zügel schießen kassen und ea. 50 Maßregelungen vorgenommen baben. Sie stellen einen V.riragsbruch auf Arbeftgebeiseite fest und fordern in letzter Stunde von ven Arbeitgeber-Organisationen, die vertragSbrüitiigen Firmen zur Jnnebaliung ihrer Berpflichiungen zu veranlassen. Den gemaßregelten Kollegen und Kolleginnen gelobt die Versamm- lung Solidarität bis a u i s äußerste.* In der Versammlung traten Redner auf, die die Kollegen» schait ouffoiderten, sofort den Streik wieder aufzu» nehmen, wenn die Mobiegelnngen nickt zurückgenommen werden. Ohne AnSnabme erbob sicki die Versammlung von den P ätzen und bewies damit, daß sie sick den Willkürakten deS Unter» nehmertums mit aller Entschiedenheit widersetzen wird. « Die Auszahlung der Streikunterstützung an die Mitglieder des ZentralverbandeS der Angestellten finde. Mittwoch nr der Zeit von S— 7 Uhr im Verbandsbureau, Bclle-Alliance- Straße fylv