Nr. 592 ♦ Z7.�ahrgtmg Ausgabe A Nr. 159 Bezugspreis: 9'!rtel)5I)cL 90,— an U monatl J0,— SM. frei ms 6ou«, oorou« lahlbac. 3)ofi» bewü Monatlich 10,— Ml,«51. flu« stillungsgeoUlir. UmetRttuübonS für Deutschland und Oesterreich 16�0 M!, ttir da, adrige Ausland de, lägllch einmal. Zustellung 2150 Voftde« ltellungen nekmen an Oesterreich, Uugarr, Tschecho-Slowalei, Däne» mar!, Holland,.u�emdurg, Schweden und dt» Schwew.— Sinaetraae» t» die Polt--eitungs-Dreisliste. De?.Vorwärts' mit der Sonntags- b' ilaze.Boll tt. Zeit' erichein» wochen- tägiich zweimal Sonniaa« und Man- tag»»inmai. Telegramm-Adrefi«: �»«zlaldeaentro» V rrll«". Morgen Ansgabe (30 Pfennig� � G Derlinev Volksblstt Anzeigenpreis: Di« achtgeipalten« Ztmwaretllezel'! toitetZ.— M, Teuerungszuschlag 50% .ülein« Slnzeigea", das telt- gedruckte Won 1.— ivl. lzuILsstg zwei iettgednutte Wortes, sedes weitere WoN 00 Pfg. Stellenq«suche und Echlafstellenanzeigen das ente Wort 95 Lsg. i«des weitere Won 40 Psq. Wone über 15 Buchstaden zählen siir w« Wort«. Tenerunaszuschlag 50°/» Familien-Anzetgen für Abonnenten Zeile 2.— M, politische und ge- wertschaftllche Verein»-An-eigen 5.-» Mi. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für dle nächste Nummer müssen di» 5 Uhr nachmittag»>m HauptgeschSst, Berlin SW. i, Linden- siratze 3, abgegeben werden. SeSffnet von 9 Uhr früh di« 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdcmokratircbcn Partei Deutfchlands Keüaktioa und Expedition: Ew. öS, Lindenstr. Z. Nernspreriier-«m« Morinvla«, Rr. K.'»I»0— KS! S7. Freitag, den 3. Dezember 1920 warn Vonvärts-Verlag G.m.b. h.» EW. öS» Lindenstr. 2. Zyeruivrrcher: Amt Mortuplav, Nr. 117 Slt—>»t. Gberfthlesier nach Köln! Berlin, 2. Dezember.(WTB.) Die englische Ne- gierung hat der deutschen Botschaft in London folgende Note übermittelt: 1. Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, datz die britische, französische und ilalienische Regierung den Wunsch hegen, die gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags in kurzer Zeit in Oberschlesien abzuhaltende Volksabstimmung in einer Weise durchgeführt zu sehen, die jedem Wahlberechtigten die Ausübung des Wahlrechts unter vollständig unparteiischen und sicheren Verhältnissen gestattet. Die Regierungen haben deshalb die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dag diu Wahl durch genaue und buchstäbliche Auslegung und Anwendung der Bestimmungen des Art. LS, Anlage§ 4 des Vertrags, gestört oder sogar verhindert werden könne. Dieser Paragraph bestimmt: ,�eder soll in der Gemeinde stimmen, in der er seinen Wohnsitz hat, oder, wenn er seinen Wohnsitz nicht in dem Gebiete hat, in der Gemeinde, in der er geboren ist". 2. Die drei Reglerumgen halten es für«hr« Pflicht, der G e- fahr von Störungen vorzubeugen, die die freie AuS- Übung des Stimmrechts irgendeiner Gruppe Wahlber eck) ti gier be- einträchtigen könnten. Sie haben daher die tatsächliche Lage sorg» fält.g geprüft, wie sie ihnen durch die oberschlesische AibstimmrungS- kcnnmission und die polnische und'deutsche Regierung dargelegt worden ist. Ms Resultat dieser Prüfung haben sie einmütig be- schlössen, der polnischen und deutschon Regierung folgenden Vor- schlag zu machen: 3. Der letzte Absatz des ß 4 der oben erwähnten Anlage lautet wi« folgt:„DaS AbmminungsergabniS muß gemeindeweise, und zwar nach der Mehrheit in. jeder Geme.nde festgestellt werden." Die britische, französische und'talienische Regierung sind der Meinung, daß es dem S' n n e des vorerwähnten Absatzes nicht widerspricht, wenn die wirtliche Stimmenabgabe der Nickst- eingesessenen an irgendeinem Ort außerhalb des Abstimmungsge- biels stattfiudet. Sie setzen dabei voraus, daß zur Feststellung des Endergebnisses die Stimmen der im Gebiet geborenen, aber dort nicht wirklich ansässigen Pessonen aus deren Geburtsgemeinden verteilt und den stimmen der in dwsen Gemeinden ansässigen Personen hinzugezählt werden.- Die drei Regierungen wünschen die Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß, wefm die polnische und deutsch« Regierung diesen Vorschlag annehmen sellie, es möglich sein wird, die Stimmenabgabe für die Nichteinge- seffenen unter Verhältnissen vor sich geben zu lassen, die die gegen- wärtige Be'ovgnis vor Ruil-eitörungen in Obcrschlesien beseitigen und dadurch den Wünschen der polnischen und deutschen Regierung Gcr.üW' leisten sollten. Die Bedingungen, die nach Ansicht der drei Regierungen diesen Erfordernissen am besten zu entsprechen scheinen, sind folgende: Alle ncht in Obcrschlesien ansässigen, aber durch ihren Geburts- ort' zu Teilnahme an der Volksabstimmung berechiigten Personen können in dem gezenlrärtig von alliierten Truppen be- setzienGebietan einem Orte, wie z. B. Köln, oder an mehr«. reu Orten versammelt werden, um dort ihr Stimmrecht unter Aufsicht einer Unterkommissian der oberschleiischen AbstkmmungS- kemtmission auszuüben, die von den alliierten Rogierungen zu diesem Zwecke ernannt trerden würde. Wenn der Vorschlag angenommen wird, werden die biermit verbundenen verwallungSiechnischen Einzelheiten von tm.r oberschlestschen AbstimmungSkommisston nach Weisungen der Botschasterkonkerenz auSgearbeitol.� Sie brauchen hier nicht besprock>en zu lverden. Augenblickl-ch wünschen die orei Regierungen nur die Tatsavbe zu betonen, daß der Vorschlag die volle Gewähr bietet, daß die Stimmenabgabe der Nichteingcscssenen frei und unparteiisch und ohne Nnordming vor sich gehen wird. 4. Es sinid jedoch zwei Punkte, die w diesem Augenblick zu erläutern angebracht erscheint. v. E r st e n S der Grund, um dessenttoillen die drei Regierungen anregen, daß besetzte deutsch« Gebiet als Wablbezirf fiir die Nichtcingesessencn geben zu lassen, ist nicht allein d'e durch die Anwesenheit hinreichender militärischer Kräfte der Alliierten geboten« Sicherheit, sondern auch die Tatsache, daß von der Mehrzahl der nickveingesessenen Stimmberechtigten angenommen wind, daß sie in Deutschland loohnon. Auch ist man der Ansicht, daß solche Stimmberechtigten, deren Zureiie von Hebers« möglicherweise gewünscht werden könnte, ohne Schwierigkeit zum bgsetzten Gebiet Zutritt finden könnten. � 6. Zweitens wird es Sache der Abstimungskommission für Oberschlesien sein, falls dieser Vorschlag angenommen wird, nach Maßgabe ihrer Befugnisse auf Grund des FreoensvertrageS zu entlche'den, ob die Nich'dngesessenen an demselben Tag oder au denselben Togen wählen sollen, an denen die Abstimmung in Öbersckckesien stattrndet, oder oft mehr als ein Tag für die Entgegennahme ihrer Stimmen zugestanden werben soll Fn diesen Fragen wünschen die drei Reg'erungn nicht der Entscheidung der Komnrssion vor-ugreiien. Aus dem zweiten Satz der vor- stehenden Ziffer 3 ist jedoch' zu ersehen, daß man oaS Ergebnis der VolkSebst'mmung nach diesem Vorschlage nicht kennen und noch weniger veröfsentl'chen darf, bevor nicht die Stimmen der Nicht- eingesessenen denen der Einheimischen für ied« Gemeinde Hinzuge- zählt worden sind. Die AbstimmuugSlomission würde nach Ansicht der drei Regierungen nickt die Wach befugniz haben, die Ergebnisse der Wahl einer der beiden Klassen von Wählern an verschiedenen Daten bekanntzugeben. 7. Ich beehre mich namens der drei Regierungen der Hoff- nung Ausdruck zu geben, daß die Deutsche Regierung diesen Vor- schlag unverzüglich in wohlwollende Erwägung ziehen und der Bot. schaslerkonferenz ihren Entschluß sobald wie möglich mitteilen wird. damit die nötigen Maßnahmen unverzüglich getroffen werden können. 8. Eine gleichlautende Note ist a« de« polnischen Geschäfts- träger gerichtet worden» gez. Lloyd George. Wir haben borsrtZ m unserer Monw�abendauHgEbe, als Ünrch ein Pariser Telegramm'der offiziösen Havas-Agentur dieser sranzöfisch-englische Kompromißvorschlag angekündigt wurde, mit Entschiedenheit den Standpunkt vertreten, daß diese„Lösung" für Deutschland unannehmbar ist. .Hierin sind alle deutschen Parteien einig, und es ist nur er- freiulich, daß, wie aus einem in unserer gestrigen Abendaus» gäbe veröffentlichten Funkspruch aus Warschau hervorgeht, auch die Polen eine Abstimmung der Nichteingesessenen in Köln oder sonstwo außerhalb Oberschlesiens ablehnen. Wir erkennen gerne an. daß der uns nun offiziell über» nnttelte Vorschlag das sichtbare Bestreben zeigt, Deutschland oll« Garantien für einen möglichst vollwertigen Ersatz für den im Friedensvertrag festgelegten Abstimmungsmvdus für die außerhalb Oberschlesiens wohnenden Stimmberechtigten zu geben. Auch sei der verbindliche Ton des Lloyd Ge- orgeschen Schriftstückes lobend hervorgehoben, der sich in so angenehmer Weise von der bisherigen Art des dipwmafischen Schriftwechsels unterscheidet, die die Entente sich seit'dem Waffenstillstand Deutschland gegenüber angewöhnt zu haben schien. Doch bei alledem bleibt unsere sachliche Stellung- nähme zu der vorgeschlagenen Aenderung des Friedensver- träges unverändert. Zwischen den Zeilen der Note liest man übrigens deutlich das Gefühl ihres Verfasser», daß Deutschland etwas zugemutet wirb, was es abzulehnen be- vechtigt ist. Die Befürchtung, daß der Zustrom Huirderttausender von deutschen und polnischen Wahlern nach Oberschlesien zur Abstimmung zu Unruhen führen könnte, ist auf Ein- flüsterungen der Agenten von K o r f a n t y in Paris zurück- zuführen, die damit das Abstimmungsrecht der Nichteinge- sesfenen überhaupt zu hintertreiben hofften, was ein klarer Bruch des Friedensvertrages gewesen wäre. LevgueS ist nach London gefahren und hat diesen Bruch dort befürwortet. Es ist Englands und Italiens Widerstand zn verdanken, daß nunmehr nur noch eine Verrenkung be- absichtigt ist, zu der man unser Einverständnis braucht. Aber wir sind der Ansicht, daß in einer für Deutschland so lebenS- wichtigen Frage wie der Erhaltung Oberschlesiens wir auch Verrenkungen, die unsere Siegesaussichten benachteiligen würden, ablehnen müssen. Wir freuen uns, daß die Polen für ihren Teil genau so denken wie wir. Und die polnischen Sozialdemokraten werden.Hand in.Hand mit den deutschen Sozialdemokraten, in Erfüllung der jüngst durch Vermittlung der Internationale getroffenen Vereinbarung, dafür sorgen, daß die Abstimmung in aller Ruhe vor sich geht. Lloyd(Yeorge wird immer vernünftiger. Amsterdam, 2 Dezember.(MDB.) Lloyd George erklärte in seiner Rede auf dem Essen des Verbandes britischer Industrieller: Die europäischen Länder helfen sich nur durch die Bank- notenpresse weiter, aber man könne nicht dauernd einen Sack Papier auf dem Rücken tragen. Europa sei auf dem Wege zum Bankrott. Europa könne nicht kaufen, und wo tS zu kaufen vorgebe, könne es nicht verkaufen. Europa steht vor unserem Schaufenstor, das mit den besten Waren angefüllt ist. die die Welt erzeugen kann. Europa ist jedoch in Lumpen und seine Taschen sind nur mit Papier angefüllt. Europa muß sich aber zu einer vollen Börse emporarbeiten. Mit einer Han- bewegung, die zugleich Verachtung und Verzweiflung ausdrückte, rief Lloyd George: Und da gibt es noch Leute in der Welt, die denken, je ärmer die europä-ischen Länder sind, um so reicher würden wir sein. Lloyd George sagte, das beste Mittel sei Frieden, und die Männer müßten vertilgt werden, die in der Welt mit Petroleumkannen umher- gehen und die Feuer des Krieges und der Unruhe schüren. „Daily News" hebt den vollkommen liberalen Ton der Rede des Premierministers hervor. « L e y g u« S ist wieder in London eingetroffen. öesatzungsbehö'röen gegen Kommunisten. Frankfurt a. M., 2. Dezember.(WTB.) Der neukommu- nistischen.Süvwestdeutschen Arbeiterzeitung" zulolge sind die OrtSgrnpvenleiiunnen der Vereinigten kommunistischen Partei und der linken U S.V. in Höchst, Worms und Mainz letzle Woche von der franlösi'chen BesatzungSbebörde verhaftet worden. Al» Grund gibl da» Biall kommunistische Pro- paganda im besetzten Gebiet an. Und wiederum Kriegsberichte... Der Froniberickt des General st abeS der Roten Armee vom 29. November lautet: Im Elutzkgebiet haben die Rolen Truppen die DcmorkationSIinie�D i S n a- L e n i n o er-' reicht und die Stadt Slutzk besetzt. Während der Opera- nonen gegen B a l a ch o lv i tz nahmen wir 129 Offiziere, 4540 Soldaten mit Geschützen, Maschinengewehren. Motorwagen und anderem Kriegsmaterial. Die prager Tagung. Bon Hermann M L l l e r- Franken. Der 13. ordeutliche Parteitag der tschecho- slowakischen Sozialdemokratie sollte schon Ende September abgehalten werden. Die Parteileitung vertagte ihn damals, weil sie die tschechischen Arbeiter vor einer Ueberrumpelung durch die Moskauer bewahren wollte, die auch für die bis dahm einige ffchechoflowakische Sozialdemokratie die Spaltung verlangte, wenn sich nicht die ganze Partei mit Haut und Haaren dem Diktat der MoSkcuu:: Welt-Revolutionäre verschreiben wollte. Das letztere war aber ausgeschlossen, denn die tschechischen Arbeiter und Bauern sind in jahrzehntelangem Kampfe gegen das Gewaltregiment der Habsburger zur Demokratie erzogen worden. Es dürste wenige Völker in Europa geben, denen die Demokratie so in Fleisch und Blut übergegangen ist. und bei denen infolge- dessen auch die Republik so fest verankert ist. wie bei den Tschechen, die keine monarchistische Tradition mehr haben. seit sie von dem Zoche der Habsburger Fremdherrschaft be« freit sind. Der Verlauf des Kongresses, der von Sonnabend bis Montag in dem Smetanasaale des prachtvollen Repräseu- tationshauses der Stadt Prag tagte, hat gezeigt, wie richtig die Taktik der Parteileitung war. Die Anhänger Moskaus hatten sich an den Vertagungsbeschluß nicht gekehrt und sich vor 8 Wochen als Partei-Linke selbständig konstituiert. Aber welche Ernüchterung in ihren Reihen bereits eingetreten ist. zeigt am besten, daß unter den 470 Delegierten des Kongresses 60 waren, die damals dem Rumpfkongreß der Linken bei- gewohnt hatten, sich aber inzwischen zur Mutterpartci zurückgesunden haben in der Einsicht, daß die Spaltung eine schwere Schädigung der Arbciterintcressen bedeutet. Der Verlauf der Pruger Tagung wird weiter aufklärend wirken. Es war gut, daß der erste Teil der zum Studium der Verhältnisse nach Rußland entsandten Delegation noch während deS Prager Kongresses zurückkehrte und der Genosse Polach aus Brünn so ähnlich wie Dittmann in Deutschland den tschechischen Arbeitern die Zerrüttung der russischen Volkswirtschaft und das Elend der russischen Arbeiter schildern konnte. Deshalb werden die Anhänger der Linken der tschechischen Republik nicht geführ- lich weredn und der Abgeordnete Dr. Schmeral, der bis in die letzten KriegSjahre noch schwarzgelb orientiert war, wird nicht in die Lage kommen, als Statthalter LeninS die Dikta- tur über das tschechische Proletariat auszuüben. Der Prager Kongreß hat dielmehr deutlich gezeigt, daß das Gros der tschechischen Sozialisten die Mode der Räte- diktatur nicht mitmacht, sondern sich auf die Werbekraft des demokratischen Sozialismus verläßt. Die tschechische Sozialdemokratie wird in den Reihen der Zweiten I n t e r- nationale bleiben. Daß die Arbeiter das billigen, bewies am Sonntagmorgen eine Friedrich-Engels- Feier, an der neben Nemec und Soukup, Vandervelde, Huysmans, Cramp-London und ich über das Werk des Mitbegründers des wissenschaftlichen Sozialismus sprachen. Die Präger Tagung war überhaupt ein lebendiger Belveis dafür, daß die Zweite Internationale lebt. Außer den Oben- genannten waren die serbischen Genossen durch Kristan, die bulgarischen durch Sakasow, die r u s s i- scheu Sozialisten- Revolutionäre durch Suchomlin, die Ungarn durch Buchinger vertreten. Am Kongreß selbst nahmen 40 Delegierte aus der Slowakei und Karpatho-Ruß- land teil; dje letzteren in den heimatlich langen Pelzröckcn!l Die Probleme des Kbngresses sind dieselben wie bei uns, nur kompliziert durch den Nationalitätenstreit. Auch in der tschechoslowakischen Republik sind unsere Genossen aus der Regierung ausgeschieden, nachdem sich Tusar, Soukup, Meißner. Habcrman. Winter in schwerer Arbeit an dem Aufbau der jungen tschechischen Republik Ver- dienste erworben haben, die der objektive Geschichtsschreiber der Zukunst sicher gebührend würdigen wird. Der Kongreß der Partei hat diese Arbeit schon jetzt aneikannt, aber auch den Austritt aus der Regierung fiir jetzt gebilligt. Man rechnet aber damit, daß das Interesse der Arbeiterklasse in wenigen Monaten den Wiedereintritt in die Regierung er- forderlich machen kann. Aufgabe der Partei ist es, so sagte Bechyne, die Massen zu einer schöpferischen Politik zu er- ziehen, nur so werde man zum Sozialismus kommen. Und gegen die Kritiker gewendet, sagte Tusar:„Aus einer Mo« narchie kann man in 24 Stunden eine Republik machen, aber auS einer kapitalistischen Gesellschaft nicht in 24 Stunden eine sozialistische". Wir kennen diese Auseinandersetzungen in Deutschland auch zur Genüge. Im Nationalitäten st reit muß eine Lösung ge- funden werden. In einer demokratischen Republik müssen die Minderheiten Schutz finden. Es geht auf die Dauer nicht an, daß in Prag, auch wenn es zu 92 Proz, tschechisch ist, französische, englische, russische Inschriften neben den tschechischen zu finden find, aber keine deutschen, trotzdem, viele deutschstämmige Bürger der tschechischen Republik aus den deutschen Randgebieten nach der Landeshauptstadt kommen müssen. lganz einfach weil sie dort zwingende Geschäfte zu erledigen fmBett. Auch bei der Verteilung der SchuMasien muß der jeweiligen Minderheit Gerechtigkeit widerfahren. Alle diese Fragen können nicht auf,, der Strafte entschieden werden. Das gilt gleichmäfttg für die tschechisch- »alionalistische Strafte in Prag und für die Gegenseite im Wandgebiete, wo die Bismarck- Deutschen vielfach das-®»« führe�. Dem Ausgleich der Gegensätze den Weg zu bereiten, ist die vornehmste Aufgabe der Sozialisten beider Nationalitäten. Zie haben darin den Präsidenten der Republik, den im Lande hochverehrten M a s a r y k, der den Parteitag in einem Schreiben begrüßt hat, nach Kräften zu unterstützen. Der Prager Kongreß hat gezeigt, daß auf beiden Seiten der gute Wille zur Lösung dieser großen Aufgabe vorhanden ist. T u s a r wies besonders darauf hin, daß es Hauptaufgabe der Partei sei. den deutschen Genossen die Regelung ihres Verhältnisses zum Staate zu ermöglichen, und Meißner, der Justizminister des Kabinetts, Tusar sagte, daß e8 in erster Linie Aufgabe der Partei sein müsse. Einrichtungen zum ruhigen Zusammenleben mit den Deutschen zu schaffen, und ferner müsse die Partei auf dem Boden des Parlaments mit den deutschen Sozialdemokraten einen starken sozia- listischen Block für gemeinsame politische Arbeit schaffen. Das verlangt vor allem auch das S o- z i a l i s i e r u n g S p r o b l e ni, daß die Arbeiter ali?r Zun- oen für die Kohlenindustrie in der tschechischen Republik ge- löst haben wollen. Auch ganz wie bei uns. Daß die beut- schen Sozialisten gemeinsam mit ihren tschechischen Brüdern sozialistische Politik treiben wollen, hat die Rede gezeigt, mit der Senator Dr. Heller im Namen der deutschböh- mischen Genossen den Kongreß in tschechischer Sprache begrüßte. Mit Recht konnte Heller sagen, daß der Weg zur Verständigung zwischen den deutschen und den rschcchischen Sozialisten völlig frei sei. Durch den Verständigungswillen der sich ihrer Klassen- läge bewußten Arbeiter muß der Nationalitätenstreit über- wunden werden. Wir in der deutschen Republik haben alle Ursache, die von den Arbeitern der Nachbarrepubliken gewollte Verständigung nicht dadurch zu beeinträchtigen, daß wir uns lieber- trcibungcn zu eigen machen, die noch immer dort an der Tagesordnung waren, wo Nationalisten im Kampfe gegen- einander ihr Daseinsrecht zu beweisen versuchten. Die tschechoslowakische Sozialdemokratie hat auf ihrem Prager Kongreß über die nationalen Differenzen in wahrhaft internationalem Geiste verhandelt. Sie hat damit ebenso wie in ihrer Entscheidung gegen Diktatur und für Demo- kratie sich und der Zweiten Jnternationble den besten Dienst geleistet._ Aussichtsreiche verhanülungen in Sachsen. Dresden, 2. Dezember.(Eigener Drahtbericht des„Bor- wärts".) Heute tagten in Dresden Vertreter der Soziald:mo- tratischen Partei und der Unabhängigen, um Besprechungen über die politische Situation und die R r g i e r u n g» b i l d u a g in Sachsen vorzunehmen. Tie don der Unabhängige» Partei vor- gelegten und bereit«»rröffentlichte» Richtlinien wurden nach län- * gcrer Besprechung als geeignete Grundlage» für die Bil« dung einer rein sozialistischen Regierung anerkannt. Dir endgültige Entscheidung der beiden Parteien bleibt späteren Verhandlungen vorbehalten, die am Sonntag r.'sp. am Mon- tag stattfinden. An die Landesinstanze» der Kommunistischen Partei stnd die folgenden Fragen gerichtet worden: a) ob sie gewillt find, sich an der Bildung einer r e i n s» z i a- l i st i s ch e n Regiernng zu beteiligen. b) ob st« für den Fall der Ablehnung dieser Frage bereit stnd, für den von den beide« sozialdemokratischen Fraktionen vor- geschlagenen MinistervrLsidentcu zu stimmen, um die Wahl eines bürgerlichen Ministerpräsidenten zu verhindern. Die Nloüe und die arbeitenöe Zrau.' Ueber Ursprung und Wesen der Mode soll hier nickt viel gesagt werden. Die Erscheinung ist do. daß Kleider, Hüte, Blusen, Röcke, Mäntel, Jacken, Kragen. Schleifen, Schirme, Wäsche, Schuhe und Stiefel von Zeit zu Zeit ihre Formen wechseln; daß das, was vor- gestern als..modern� galt, beute veraltet,„unmodern" erscheint. .Gewiß ist die arbeitende Frau, die Angestellte und Beamtin, die Hausfrau des unbemittelten Mannes nicht in der Lage, alle Dinge so zu wechseln, nie die in Modedingen erfahrene reiche Frau, .die' Dame". Ihr ist es Daseinszweck, über alle obengenannten Dinge sich das Spatzen Hirn zu zerbrechen. Mit Eifer studiert sie die Auslagen der Geschäfte, Modezeitschristen und entsprechende andere „Wissenschaften".„Sie" ist eigentlich nur dazu da, äußerlich Mittel- punlt zu sein, der alle Blicke auf sich lenkt. Aber im Grunde gc- nouimen lenkt sie die Blicke nicht auf sich, sondern auf das reich- gezierte Kleid, den spinnwcboüanen seidenen Strumpf, den cle- ganten Schuh usw. Also: Vicht sich schmücken aus ästhetischen, reinen Schönheitsgründen; sich putzen, um möglichst aufzufallen, das ist das Beherrschende! Darum konnte mon in den Großstädten auch stets die Wahrnehmung machen, daß an Eleganz und auf- fallender Kleidung die käuflichen Frauen sich untereinander über- Imsen. Ja, sie sind im Grunde genommen in allen Modedingen dke Tonangebenden. Und die Danren der Gesellschaft, die Zeichen Bürgersrnuen und ihre Töchter wetteifern an Glanz, Pracht und Flitter mit jenen. Die Mode ist international, wie der Kapitalismus international iijl. Beide Dinge gehören zusammen. Di« betreffenden Industrie zweige in allen Ländern arbeiten für Mobedinge. Die Kapitalisten aller Länder verdienen rasend aroße Summen bei ocr Herstellung der Luxuswaren. �D>« Mode ist ein Herrschastsbcstand des Kapi- talism-uS. Durch sie ist ein Unrubezustand, ein Kreislauf vor- banden, der stets neue Möglichkeiten schafft und nach neuen Formen Urwschau hält. Die Mode ist eine so selbstverständliche Sache, daß wenige darüber nachdenken, in welchem Maße das Wort richtig ist:„D i« Mode ist der größte Tyrann, all« Menscheck sind ihr versklavt." Lohnt eS nun, dagegen anzukämpfen, und sollen wir Frauen uns dazu di« Hände reichen? Ich sag«: Ja! Denn rch begnüge «nch nicht damit,«ine im Wesen des Kapitalismus liegende Er- scheinung zu erkennen, dann zu sagen, ich will gegen den Kapi- taliSmns kämpfen; ich muß zuerst alles mögliche tun. m,ch persönlich frei zu machen, mein Los freier zu gestalten! So muß ich auch Stellung zur Mode nehmen. Damit ist nun nick» gesagt, daß die Frau sich unscheinbar, möglichst veraltet und ahne Schmuck anziehen soll. Es muß im Gegenteil viel sorafältiger aescbehen. als es'm allgemeinen der Fall ist Unsere Kleidung soll schön und praktisch noch jeder Hinsicht sein. Sie soll schön sein in Stoff, Farbe und Verarbeitung; sie soll zum Körper, stiner besonderen Gestaltung *) Aus dem wwen VorwärtS-Almanach 1021, dem imrch R-ickchaltigiett und Gediegenheit d«S Inhalts wie durch vor- nehme Ausstattung und Illustration— im Kupfertiefdruck— vor- Htldlnihen Kototterbuche. Der ürohenöe Deamtensireik. Die Berichte aus dem Westen lauten immer beunruhigender- Die Beamten haben in Frankfurt a. M.. Karlsruhe, Svblrnz und anderen Orten Aktionsausschüsse gebildet und wollen die Er- HSHuug der Teuerungszolagen mit den äußersten Mitteln durchsehe«, wen« die Bewilligung ihrer Forderung bis zum 6. Dezember nicht erfolgt ist. Zur Deckung der kosten schlage« sie vor: Preis- a b b a n und VrrmögenskonfiSkation nach de« bekannten Pläne» des Dr. K u c z y n s k i- Schöneberg. Auch verlangcn sie schärfste Durchführung der Strnrrgesrhe gegen Kapitalisten, Kriegsgewinnler und Millionenschiebrr und ferner Reichszuschlag aus B e rg n ii g u n g s st e u e r und Erhöhung der L u x u s ste» er. Bbänöemngsüebntte in Genf. Genf, 3. Dezember.(WTB.) Zu Beginn der Heuligen Sitzung der Völkerbundsversammlung teilte Präsident Hhmans mit, daß der Völkerbundsrat der spanischen und brasilianischen Re« gierung nahegelegt habe, sich mit den Bereinigten Staaten wegen einer gemeinsamen Aktion zugunsten Armeniens zu verständigen. Bezüglich der K e m a l i st e n prüfe der Rat jetzt noch die Mittel und Wege, die eine baldige Ausnahme von Verhandlungen ermöglichen. Lord Robert C e c i l wies da- rauf hin, daß unter Umständen militärisch« Maßnahmen gegen die Kemalisten eintreten müßten, wenn die Verhandlungen fehlschlagen sollten. Die Versammlung begann sodann die Beratung des Berichts der Abänderungskommission. Balfour als Bericht- erstatter begründete die Stellungnahme der Kommission, die eine Berücksichtigung der skandinavischen Abänderungsanträge zum Völker- bundpakt zurzeit abgelehnt hätte. Erstlich müsse der Völkerbund Ersahrungen sammeln, dann bilde der Völkerbundpatt einen Teil des Versailler vertrag eS, der gegenwärtig nicht abgeändert werden könne, ohne daß mon Gefahr laufe, einzelne Mitglieder deS LSlkrrbuudeS vor de« Kopf zu stoße».» Die Kommission beantrage daher, di« AbänderungSanträge dem VölkerbundSiat zu überweisen mit dem Austrag, auf der nach st en Tagung Bericht zu erstalten und Vorschläge zu machen. Hagernp-Norwegen erklärte sich mit dieser Behandlung der norwegischen Anträge einverstanden. Anderer Ansicht war der portugiesische Delegierte Costa. Er bestritt, daß man den Völkerbundpakt nicht schon jetzt abändern könne. Diejenigen Länder, die am Versailler Friedensvertrag mitbeteiligt feien, hätten nicht aus ängstlicher Rücksicht auf diesen Vertrag darauf verzichtet, notwendige Senderungen am Völlerbundsvertrog zu beantragen, der mit dem Friedensvertrag in keinem direkten Zusammenbang stehe. Bundespräsident Motta erläuterte in einer längeren Rede die Haltung der schweizerischen Delegation dahin, daß die Schweiz nur auS OpportunitätSgründrn in die Verschiebung der Anträge eingewilligt habe. Die Schweiz lege den größten Wert darauf, daß der internationale Gerichtshof»bligatorifch werde, und die Schweiz unterstütze alle Anstrengungen, diese obli- gatorische Schiedsgerichtsbarkeit zu erreichen, die eine der größten Errungenschaften des internationalen Lebens darstelle. Daß die neutralen Länder der Frage der Revision des Bölkrrbundsver- träges eine besondere Bedeutung beimessen, sei durchaus natürlich. Den vom Kommiisionsberichterftalter angeführten Grund, daß der Völterbundsvemag heute noch nicht abgeändert werden könne, weil er einen Bestandteil de» Friedensvertrages bilde, könne die Schweiz nicht als berechtigt anerkennen, womit sie keinesfalls die Frage des Versailler Vertrages auswerfen wolle. Damit habe sich der Völker- bund nicht zu beschäftigen. Aber cS fei festzustellen, daß die Ber- bindung de« VölkerbundpakteS mit dem Versarllcr Vertrage nur eine rein äußerliche sei. (schlank, untersetzt oder dick) passen. Jetzt ist„fußfrei bis zum Knie" di« Mode. Eine Frau mit guten Eigenschaften, der ober- fläcklicheS Nachäffen nicht liegt, wird sich nicht blamieren; aber viele junge Mädchen gibt es, die gedankenlos, beinahe ohne eigene» Willen, derartiges mitmachen. Hier liegen Aufgaben der Mütter, die ihren Töchtern zeigen müssen, daß es das beste ist, vornehm und gediegen angez-yen zu sein. Das Land der neuen Einfälle, das dirigierende Land der Mode ist Frankreich. Alle neuen Dinge werden an der Französin probiert. auf Wirkung bei ihr berechnet. Die französische Frau ist im Durch- schnitt zierlicher, graziöser, kleiner. Aber die deutsche Frau zieht sich nach französischem Geschmack cm, dabei ist ste. wiederum im Durchschnitt, stärker, größer, ruhiger in Salbung und Bewegung. Das sollen wir rvbig erkennen. Uns ist, anS Wesensart und Körperbeschaffenheit herans. eine einfache, klare Linie vorgezeichnet. Die Frauen sollen sich vom Korsett befreien. Ter Mann braucht ke'nS und bekommt auch ke-ne Rückenschmerzen. Im Lauf« der Jahre habcn sich die Frauen so an die engende Oual des Panzers gewöhnt, daß sie krank werden, wenin sie das Korsett aus- lasstn. Wer zu alt geworden ist. kann oftmals nickst mehr gegen die Gewöhnung ankämpfen. Aber unsere Töchter sollen das Marter- instrument nicht kennen lernen. Die Kleidung soll nicht erst den Menschen anziehend und svmpachisch machen, die Persönlichkeit, der M e n s ch soll wirken. Wir Frauen müssen- einen Begriff schaffen: Vor allen D'ngen den Körper durch natürlicke Pflege gesund und. elastisch erhalten! Dann nichts Beengendes und Unfreies anziehen, weg mit Korsett, engen Gürteln, engen Haltern und Bändern. In der Kleidung die ein- fache zusammenhangende Form wählen, ivenv, Pckzierung, letztere aber schön und mit Ueberlegung. In der Wahl der Stoffe zeigt sich die Meisterin des praktischen, beguemen und schönen Anzuges! Ouafttäl und Farbcnecbtheit, auch das darf nie außer acht gelassen werten. Wenn wir solcke Dinge und Erwägungen ernsthakt sprechen lassen, befreien wir unS selbst von der Sklaverei der Mode. Elisabeth Röhl. Die große Trockenheit. Der fast döll-ge Mangel an Nieder- schlägen, der dem diesjährigen Herbst sein Gepräge gegeben hat, droht in weiten Teilen Mitteleuropas zur Katastrophe zu werden. Der Oberrhein und der Neckar gle-chen an vielen Stellen nur noch einem stark fließenden Dach, und weithin liegt das. Flußbett voll- ständig trocken. Im Schweizer Iura sind viele Brunnen völlig versiegt, so daß in verschiedenen Ortschaften da? Wasser rationiert werden mußte. Auch die Schweizer Alpen sind bis zu iMO Metern hinauf vollkommen schneefrei. Noch größer ist die Trockenheit in weiten Gebieten der norddeutschen Tiefeben«, wo vielfach seit zwei- einbalb Monaten laum ein Tropfen Regen gefallen kst. Tie mit der Wintersaat bestellten Felder liegen völlig brach, da das Saat- korn auf der ausgetrockneten Scholle überhauvt nicht aufgegangen ist. Ueberall ist der Grundwafsersp-egcl erbeblich gesunken Nicht nur. daß der Bauer die Felder im Frühjahr m-t Sommerfrucht ganz neu bestellen muß— es fragst sich auch, ob die Folgen dieser monatc- langen, Trockepheit überhaupt noch überwunden werden können. Den« die Niederschläge der winterlichen Jahreszeit sind für die gründliche Durchs euchiung des Aieröeteae. ungemein wichtig, und Die Regierung Teleki zurückgetreten. Budapest, 2. Dezember.(WTB.) Nach der dritten Leiung des Gesetzentwurfes über die Geldinstitutszentrale hat der Minister-- präiident Teleki der Nationalversammlung den Rücktritt des Kabinetts mitgeteilt. Das Kabinett tritt zurück, weil es sich mit dem Finanzminister, gegen den die Nationalver-- sammlung gestern bei Beratung des Gesetzentwurfes über die Geld- institutSzentrale gestimmt hatte, solidarisch erklärt. In der Nationalversammlung bestand, wie das Ung. Tel.-Korr.-Bureau er- wähnt, seit einiger Zeit eine gewisse G e r e i z t h e rt gegenüber dem Finanzminister wegen der ungeheuren Lasten, die er den Steuerträgern infolge de« verlorenen Krieges hat ausbürden müssen. Der Reichsverweser bat den Rücktritt der Regierung an- genommen und sie mit der Weiterführung der Geschäfte betraut. Troelftra gegen den öolschewismus. Haag, 1. Dezember(W.T.B.). In der Zweiten Kammer sprach ssch alS Redner der Sozialdemokratischen Partei der Abgeordnete Troelstra in auffallend scharfer Weise gegen die Kommu» nistiiche Partei und ihre Lehren aus. Er wies in seiner Red« die Einladung des linkssozialistischen Abgeordneten van Wynkoop, der ihn zur kommunistischen Mitarbeit aufgefordert hatte, unbedingt von der Hand und äußerte dabei:»Die sogenannte Diktatur deS Proletariats ist die Diktatur einzelner Menschen über das Proletariat. Die elementarste Freiheit für die Arbeiter sucht man in Rußland vergeblich. Ein derartiges System kann und wird von den Arbeitern Mittel- und Westeuropas niemals angenommen werden.� Ruslanösrunüstbau. »DsrlffigSf.' Tideriide" meldet aus Christiamia: Der Eisen- b a h n e r st r e i k ist gestern zum Ausbruch gekommen. Der Post- verkehr, der wichtigste Reisende nverkehr und die Versorgung mit Lebensmitteln werden aufrecht erhalten. Shm- pathiestreiks der Transportarbeiter, der Hafenarbeiter, der Küsten, schisfer und anderer Arbeitergruppen stehen in Aussicht. Die offizielle Kommission der Labour Party, die eine Untersuchung der Repressalien in Irland vornehmen soll, ist nach Irland abgereist. Vor der Abreise erklärte Henderson, daß, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei. Schritte getan wer- den würden, um weitere Gewalttaten zu verhindern und auf v e r- sassungSmäßiger und demokratischer Grundlage eine Einigung herbeizusüihren. Londoner Arbeitslose, die bereits das Raihaus des Vorortes Tottenham besetzt hatten» haben noch in einem weiteren Vorort das Gemeindehaus besetzt. Die englische Kohlenförderung ist in der dritten Rovemberwoche um 13b 000 Tonnen gestiegen. ' Die italienisch« Kamminer hat mit 158 gegen 128 Stimmen das Gemeindewahlgesetz angenommen, das die Verhält- n i S w a h l einführt und den Frauen das Wahlrecht verleiht. Der Sinnseinerführer Professor Mac Neill, der soeben wieder freigelassen worden war. wurde mit seinem zweiten Sohne wieder verhaftet. Sein ältester Sohn sitzt bereits im Gefängnis. Der amerikanffche Senator Mac C o n n i ck ist in London eingetroffen, um die Arbeit des Wiederaufbaues in Frank- reich und in Mitteleuropa zu studieren.— Für den Posten eines neuen Staatssekretärs beim Präfidenten Hardinge ist Senator Knox in Aussicht genommen, der als der Führer der Opposition gegen die Ratifizierung des Versailler Vertrages im amerikanischen Senat besonders hervorgetreten ist. Die Gesamtverluste Amerikas im Weltkriege be- tragen 34 249 Tote und 224 189 Verwundete. In Barcelana.fand ein Run auf die Banken statt, der anscheinend durch Devisenspekulationen hervorgerufen war und Zahlungsschwierigkeiten zur Folge hatte. Der Gouverneur von Barcelona ließ 3v verhaftete Syndikalisten nach Mahon(Balearer) bringen, um»nwi den Attentaten ganz auszuräumen", wie er erklärte. Der Präsident der mexikanischen Republik Obregon leistete in Gegenwart des diplomatischen Korps den Präsidentenetd. Auch der deutsche Gesandte war zugegen. Trockenperioden während der warmen Jahreszeii sind bei weitem nicht so schädlich, wenn ihnen ein regenreicher Winter vorangc- gangen ist. War das aber nicht der Fall, so kann schon eine Pcgen- lose Pariode von zwei biS drei Wochen während des Frühjahrs höchst verhängnisvoll auf den Saatenstond wirken. Die neuen Ländrrknrte». Nach dem alten Spießerwort gibt die Revoluiion den Glaiern zu tun; mit mehr Reckit ober wird man sagen: die FriedenS'chlüsse setzen die Karlhogrupbe» in Nabrung. DieseSmal sogar reckit lange; denn die Veriailler Tikiale sind immer noch nicht- alle durchgeführt. Die kartbograpbiichen Verlage haben dem neuen Sland der Grenzen bereits Rechnung getragen, und wo DesiniiiveS noch nickt vorliegt, geben ii« provisori'che Karten mit den Abstimmungsgebieten uiw. Der Verlag von C. Flemming u. C. T. WiSkott, Berlin, der sich schon wäbre»d»des Krieges durch aktuellste Kartenausgab« auSgereichnet bat, bietet die einzelnen Länder»n den neuen Grenzen. Neuerdings liegen Belgien. Gnechen- land, Italien vor. Die Karten(88X71 cm) sind zu einem handlichen Format zusammenaesaltet und geben in klarem Druck bei auter lleberfichrlichtert all das. was von einer Karte dierer Giö»« erwartet werden konn. Der Maßbab weckieli noch der Größe des LondeS: Belgien z. B. l:32vbt>0, Jlalten 1:850000. Unter diesen i'ogen Generalkarten gibt eS auch«olche der gongen Erdteile und für Dentichlond auch einzelner Provinzen. Der PreiS ist noch und nach von 2 M. auf 6 M. gestiege,,. Belgien bat sich auf der neuen Karte Eupen und Malmedy einverleibt, Italien übertritt deuticke Gebiete»n Tirol. Aber Grenzen find nickt ewig, zumal wenn sie nur von der Gewalt lest- aeictzt sind. Und ernst wird wohl auch der Tag kommen, da die Menschheit keine Grenzen mebr kennt. Ein«euer Bogel i« Deutschland. Eine Steppenohren- lerche, die bisher noch n-e in Teursch'onb aufgetaucht war, ist nach einer Mitteilunc, von Dr. Floericke bei Itzehoe ge>ii>iden und der Sammlung der„Süddeutschen Bogelwarte" einverleibt worden. Die Lerche, die im asiatischen Steppengebiet beheimatet ist, streicht im Winter bis nach Nordchina Ihr Vorkommen im Mai in Hol- stein, wo sie Konservator Grützner entdeckte, ist um so erstaunlicher, als sie in diesem Monat schon zu brüten pflegt. „Die Knöchelftlielert««. eine der lchönllen 5> n# g r a.glgiiren vom Ausgang d»S vierten Iahrbimderls v. Ehr., ist jevt als BrimächwiS mit iiwci anderen Werten dieser seinen antiken Klemkirnst in die Züricher AichSologlsche Sammlung gekommen. Po'ltit im Tyeater. Bei der d-itten Aufföfinino von TollerS .Masse Mcnlch" im Nürnberger Stadttbeater veranlialtelen volttil»« Radoubrüter. die sich Zulritl in dieie Dereinsausinbruna verichasf» ballen, allellei Uniug. der in den Zwischenaklen zu lebhaften DiSkulssonen lühtte. Das Siück wurde aber zu Ende gespielt. Der Pariser LVerussreit beendet. Der Streik an der Parsser Oper ist nnnmebr beigelegt Die Over wird am Freitag wieder spielen, und zwar den unvermeidlichen„Faust" von Gounod. Nene Bücher. 5!m Berlage von Marcus u. Weber in Bonn erscheint loeöe» der driUe und letzte Band der.Scrualpathologie" von Dr. Magnus Hirlchield. Er jübrt den Untertilel.Störunge» t« Sexual- ftolswechstl siil bejoriour OerücksschÜgung der Jmpateuz'. fit. 592 ♦ 37. Jahrgang Oeilage des vorwärts 5reitag, 3. Dezember 1920 GroßSerlln Das neue Hochbauprogramm. Amch erste Einfachheit, aber keine Verschlechterung. Die ersten Sitzungen der zentralen Verwaltungsdeputationen im neuen Berlin haben gestern im Stadthause stattgefunden. Unter dem Vorsitz des Stadtbaurats Hofsmann trat zuerst die Hochbaudeputation zusammen. Hoffmann gab zu Beginn der Mtzung in großen Umrissen ein Bild, wie nach seiner Meinung die Hochbauverwaltung in der Zentrale und in den Veowaltungs- bezirken am zweckmäßigsten zu gestatten sei. Da die eigentliche Verwaltungstätigkeit nach dem Gesetz den Bezirken obliegen wird, werde die zentrale Hochbaudeputation nur in wenmen Fällen städtische Bauten selbst ausführen können, son- dern sich im wesentlichen auf eine technische und künstlerisch b e- g'utachtende Tätigkeit bei Gelegenhert der Vorlegung der Entwürfe zum Gesamthaushalt beschränken müssen. Man wolle den einzelnen Bezirken völlig freie Hand lassen, auf welche Weise sie sich am besten ihre Bauentwürfe verschaffen wollen, ob durch beamtet« Architekten oder freie Baukünstler. Die Not der Zeit zwinge zu äußerster Einfachheit und Sparsamkeit; aber mit vollem Recht hob Stadtbaurat Hoffmann hervor, daß die? keine Verschlechterung des Bauwesens zu bedeuten brauche, sondern daß im Gegenteil— wie dies die berlinischen Bauwerke aus der Zeit bor 100 Jahren bewiesen— die bauliche Schönheit gerade durch eine edle Einfachheit nur gewinnen könne. Eine Aufgabe der zentralen Hochibaudeputvtion werde auch die Sorge für die Er- Haltung des guten Alten in Berlin sein. An dw einleitende Ansprache schloß sich eine allgemeine Er- örterung, in der besonders die Frage der Zentralisation und Dezen- tralisation der Bauverwaltung beßprochen wurde. Für die drei Abteilungen der Hochbaudeputation sollen drei Unteraus- s ch ü s s e gebildet werden und zwar für die Hochbauausführungen, die Feuersozletät und die Verwaltung der städtischen Gebäude. Die Bildung der Feuerfozietät konnte gestern noch nicht vorgenommen werden, weil dieser nach der Satzung K Stadtver- ordnete als Hausbesitzer angehören müssen. Dagegen wurden bereits gestern die beiden Ausschüsse für Hochbau und Verwaltungs- gebäude gewählt, die alle Einzelfragen erörtern sollen, während die Hochfcaudeputation in wichtigen und gemeinsamen Fragen be- schließen soll. Zur Vorberatung der Geschäftsordnung für diese Ausschüsse wurde eine Kommisision eingesetzt. Falsches Mordgerücht. »«n Mordgerückt war gestern in der Dennewitzstraße verbreitet. Veranlassung dazu hatte die Auffindung der Leiche de» 58 Jabre alten Lackierermeisters Georg Maitz aus der Dennewitzstraße 84 gegeben. Die Aufnahme de» Tatbestandes durch die Kriminalpolizei und die Untersuchung der Leiche durch den GerichtSorzt ergaben jedoch, daß mit einem Verbrechen nicht zu rechnen»st, ei sich vielmehr um einen Unglücksfall bandelt. Der Mann, der von seiner Frau getrennt lebie, wohnte mit einem Hunde im zweiten Siockwerk deS HauleS. während er auf dem Hofe eine Lackiererei unierhielt. Man fand ihn mrt seinem Hunde t o t neben dem Bett auf dem Fußboden liegen. Die Untersuchung der Leiche zeigte kein« Spuren einer äußeren Gewalt, auch wurden keine Anhaltspunkte dafür gefunden, daß in der Wohnung etwas geraubt worden ist. Wahrscheinlich ist der Mann einer GaS- Vergiftung zum Opfer gefallen. Zur genaue» Feststellung der Todesursache wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht._ Die für's Taschengeld arbeite«! Die Entlassung vieler Frauen au« gewerblicken Betrieben und behördlichen Bureaus, in denen sie während de« Kriege« als Eriatz für die fehlenden Männer willkommen waren, hat niancke Thräne gekostet. Nur zu oft waren bei den nach dem kalten Worilaul der Vo.schriit zu entlassenden Frauen die w«rl'chaftlichen Verhältnisse dock nickt io. daß ouf den bisherigen Verdienst leichten Herzen« verzichtet werden konnte. Umsomebr muh eS Ausieben und Befremden erregen, wen» bei Behörden noch Töckter von nicht schlecht bezahlten oberen Beamten sich in ihrer Stellung zu behaupten vermochten. Bei der S t a a> M ch u l d e n V e r w a l t u n g ist in den letzten Monaten vielen weiblichen Angestellten gekündigt wo, den. darunter auch solchen, für die wegen Kriegebeschöd gung de» Manne« oder ArbeiiSlosigkeit deS Manne» oder Krankheit der Eltern der Verlust 4',rer Stellung lebr schmerzlich sein muß. Dogeoen habe» ibre Stellung noch lange und zum Teil bis heute erhalten z. B. die Tochter eines Geheimrats, der das Amt eines Vorstehers bei der Staatsschuldentilgungskasse hat, die Tochter eines Rechnungsrates, der gleichfalls bei der Staatsschulden- tilgungSlasie Dienst tut, die Tochter eines Oberbeamten, der bei einer anderen Behörde tätig ist, die Tochter eine» pensionierten Gehe»mratS, der vermutlich kein« geringe Pension bezieht. Die Tochter eines anderen RecknungSrateS, die einmal vor Kolleginnen ertlärte, daß sie.nur zum Sport' arbeite, ist erst ganz kürzlich ausgeschieden. Eine Frau entging als.u n- ersetzlich' der Kündigung, obwohl die�Obersekretäre den Präsi- denten in einer Eingabe gebeten haben sollen, diese Stelle wieder mit einem Mann zu besetzen. Manche der angeblich unersetzlichen weiblichen Angestellten machen schon nach ihrem Aufwand an Kleidung usw. wirtlich nicht den Eindruck, wie wenn sie iürs tägliche Brot arbeiten müßten. Die meisten dieser Töchter der Oberbeamten arbeiten wohl Haupt fächlich für» Taschengeld, da« der Herr Papa in diesen teuren Zeiten ihnen nicht reichlich genug bemißt. Warum sind solche Taschengeldarbeiierinnen so lange von der Kündigung und Entlassung verschont geblieben? „Der Mann hat ja �rbeit�. Daß ein Arbeitsloser bei'einer kargen Unterstützung»nichts zu lachen hat", wird wohl niemand bezweifeln wollen. Dagegen wird meist nicht hinreichend gewürdigt, daß die durch Arbeitslosigkeit verursachte Hilfsbedürftigkeit oft noch lange über den Zeit- Punkt der Mederelnstellung hinaus andauert. Wer Monate hin- durch arbeitslos ist und dabei eine starke Familie ernähren muß, gerät rasch in Schulden, die bei den jetzigen Lebensmittelpreisen in kurzer Zeit zu erschreckender Höhe anwachsen können. Erhält er dann wieder Arbeit und Lohn, so hat eS sofort mit der Geduld des Bäckers, des Gemüsehändlers, des Kohlenhändlers, des Hauswirts ein End«, und die längst ungeduldig gewordenen Gläubiger fordern ihr Geld. Jeder sagt sich, daß der Mann ja wieder Arbeit hat— und jeder besteht auf möglichst unverzüglicher Zahlung. Das ist eine bittere Zeit für die Arbeiterfamilie, wenn dann Woche für Woche von dem heimgebrachten Arbeislohn 30, 40, 50 M. und mehr vorweg abgezogen und zur Deckung von Schulden hingegeben werden müssen. Dieser Tage sahen wir uns de» Haushält so einer Familie an, aus der ein Notschrei einer Mutter von sechs Kindern a» uns gelangt war. Der lange arbeitslos gewesene Mann hat seit mehreren Monaten wieder Arbeit, aber noch immer sitzt die Familie tief in Schulden, die in den Monaten der Arbeitslosigkeit gemacht wurden. Die notwendigen Abzahlungen schmälern das Wocheneinkommen, so daß die Familre sich Eni- behrungen auserlegen muß, obwohl„der Vater ja Arbeit hat".' Die sechs Kinder im Alter vßn neun Monaten bis zu elf Jahren sind schlecht ernährt und gehen in notdürftiger Klei- düng. Unterkleidung haben sie nicht mehr, und ein Zweijähriges lies aus Mangel an Strümpfen barfuß in der Wohnung umher. Erbärmlich ,st die Schlafgelegenheit, weil die Betten im Laufe der Jahre ausgebraucht sind und neue bei den un. erschwinglichen Preisen nicht angeschafft werden können. Für zwei Erwachsene und sechs Kinder, die alle miteinander in einem zwei- fenstrigen Zimmer schlafen, sind ein große« Beltgestell und drei Kinderbettgestelle vorhanden. Der Barer muß zusammen mit dem ältesten Jungen auf dem Fußboden sich ein Lager aus einer allen Seegrasmatratze bereiten. Von Betten ist beinahe nichts mehr da, so daß fast alle sich mit ihrer Kleidung zu- decken müssen. Die Frau sagte uns, daß die Familie mit dem Lohn deS VaterS sich durchwürgen könnte, wenn nicht Woche für Woche die Schuldenabzahlung ein so großes Loch in dcn Lohnbetrag risse. Verzweifelt klagte sie, daß das Ehepaar fürchiet, mit den Kindern zugrunde zu gehen ehe die Schuldenlast abgc- zahlt ist 000 M. sind»och abzuzahlen— 600 M. bei einem gewöhnlichen Arbeiterlohn, der für acht M etlichen reichen soll. „Der Mann hat ja Arbeit!' sagen die Gläubiger, die ihr Geld for- dern.„Der Mann hat ja Arbeit I' h ißt es auch bei Wohlfahrts- organisationen, wenn sie so einer Familie helfen sollen. Polizeipräsidium und Hotelschliesiung. Das Polizeipräsidium teilt mit: Regierungsratz Froitz- heim, der bisherige Leiter des Polizeiamis Milte, übernimmt die Leitung der Abteilung W des Polizeipiäsidiums. Der bisherige Leiter dieier Abteilung, Regierungsrat Hehl, findet eine ander- weitige dienstliche Verwendung. Man darf wohl ruhig annehmen, daß diese Perlonalverände- rung auf das.Mißverständnis' zurückzuiühien ist. mit dem Re- gierungSral Hehl durck die Belniintmachung im.ReichSanzeiger' den Berliner Hotelbetrieben die Schließung androhte. Grenzspendentage für Oberschlesien. Zur Abstimmung müsien über 300 000 Oberschlesier aus dem Reick in ihre Heimal befördert werden, was naturgemäß bedeutende Geldmiitel erheischt. Unter Bezugnahme auf den Inseratenteil machen wir darauf aufmelksam, daß die Direktion der DisSonto-Gesellschafi aus das Postscheck- konto 1250.Grenzspendentage sür Oberschlesien' freiwillige Gaben entgegennimmt. DieMilchbelirferung vom 8. Dezember bis 6. Dezember einschließlich findet wie folgt statt: Am 3. Dezember wird die 1li Litei Kranlenkarte mit Frischmilch beliefert. Am 4. Dezember fällt die Belieferung der 1U Liter Krankenkarle mit Frischmilch aus. Am 5. Dezember wird die iit Liier Krankenkarte mit Frischmilch beliefert. Am 8. De- zember fällt die Belieferung der>/< Liter Krankenkarte mit Frisch- milch auS. Am 3. Dezember wird die �/z Liter Kranlenkarie nur mit ltt Liter Frischmilch beliefert. Am 4. und 5. Dezember wird die >/z Liter Kronkenkarte mir Frischmilch nicht beliefert. Als Eisatz dafür wird am 4. Dezember eine Dose gezuckerte holläudischa Magermilch zum Preise von 8.75 M. verausgabt. Am 6. d. M. werden die Liter Krankenkarten' mit Ftijchmilch Beliefert. Tie Belieferung der A», L- und O-Karien eiiolgt wie bisber.— Die Vollmilchkarten iür Januar werden in den zum M Ich- amt Berlin gehörenden Gemeinten in den»ächsicn Togen anSge- geben und zwar in Berlin für die Kinder im 1. und 2. Lebens- jähr am 6. und 7. Dezember, für die Kinder im 3. und 4. Lebens- jähr am 8. und g. Dezember, für die Kinder im 5. und 6. LebenS- jähr am 10. und 11. Dezember; jedoch sind den HanSbaliungen, denen Karlen für verschiedene Alteisstusen ziisteben. lämil'che Milch- karten an einem Tage ausznbändigen. Die Inhaber von Voll- mtlchkarten haben die Januarkarlen bis zum 26. Dezember einschließlich den Kleinhändlern vorzulegen. Der gestohlene Siemens. Die Kriminalpolizei hat eine Bronze« büste von Werner von Siemens, die aus dem Part des Schlosse« Biesdorf in der Nach« zum Tiensiag geitoblen worden war, wieder herbeigeschafft Beamte der Wache Kaulsdorf landen bald die Spur, und es gelang ihnen gestern, die Diebe aus- findig zu machen und zu verhafren. Auch der Hehler wurde er- mitielt und bei ihm das gestohlene Gut wiedergefunden und be- schlagnahmt. Die Diebe sind drei sunie Burschen Sie schafficn die vier Zentner schmere Bnne mit einem Handwagen auS dem Park weg und perkaufien sie für etwas über 1000 Mark an einen Mann in llkichienberg. Dieser winde ebenfalls verhasiet. In der Kreisvcrlretcrsitzung des Halleschcn Torkreises referierte Genoile Heller über den Preußlichcn Landtag Der Redner be- dauerte, daß die Volksbeau'tlagien nicht noch mebr Retormen durch- geführt hätten. Die Reaktion in Pleuren bäite beseiugt werden jönnen; aber auch die Unal bau, igen dä icn versagt. Das beuiige Preußen ist ein anderes wie vor der R- voluiion. 145 S.P D. lind 24 U.S. P.D. wurden in de» Pieiißischeii Lai diog eewöblt. Eine Koalilioiisregieruiig mnßie aebildki weiden, liniere Bednigutveii, die wir den Demokiaten»nd dem Zenirlini stillten, wiiiden akrep- riert. Die Fraktion branchi sich ihier Arbeit im Preußischen Land- lag wahrlich nicht zu ickämen Als Kandidaten zum Pieußi'ck en Landtag wurdeii die Genosse» Adolf Wusch ck Roberl Gerbei. Knr� Lütke, Rubens, Brutus Molkenbnbr und Gen. Heller voraeschlaaen. Bezirksbildungsausschnst. Tbeaier. Am Lonnlag, 5. Dezember, nachmittags 3 Uhr, und ST ontag, de» 6. Dezember, abends 71/, Ubr, im Bernbar d-Rose-Theai er:.Zioie'�cinb" non Merl a>l Hniivtmann Karlen a 3.30 M. cin'chlierlich Garderobe imd Tbeatei zelte, im Bureau des Bezirls- bildiingsaiiSIchiisses.— Einiildrungsabcnd. Zum Bectbooen« Konzert am Sonnlag. den 5>. Dezember, abends 7 Ubr. m der Fest'Nlte des Berliner StadtbnuIeS, Eingang Klo'iei Ilnrsie. Fne Deckung der Un- Das Licht der Heimai. 77] von August Hlkrlch». „Ob Sie— Sie etwas dagcyen einzuwenden haben? Das ist stark.' „Und doch nur natürlich. Ich lhabe nämlich laut einem bereits im vorigen Jahre abgeschlossenen Vertrag mit der an- liegenden Gemeinde Wisenburg das aus'schliißliche Recht, ober- und unterirdische Starkstromleitungen über ihr Ge- biet zu führen. Und da Sie nach Ihrem ganzen Plan dies Gebiet unbedingt bxrühren müssen, so hängt die Ausführung von meiner Zustimmung ob." Der Direktor hatte sich gefaßt. Er lächcilte und memte: „Gestatten Sie. daß ich vorläufig das Bestchen eines so weit- gehenden Rechts Ihrerseits bezweifle." Dierk erhob sich:„Das stcht Ihnen frei. Ich will ge- stehen, daß ich sMst erst durch dre Anfrage des Bürger- meisters auf meine Rechte hingewiesen wurde, da icki diese Vorverträge nicht selbst, sondern durch meinen Geschäfts- freund abgeschlossen habe. Ader Sie werden begreifen, daß ich jetzt mein Recht wasiven werbe." „Es wird sich finden, ob dieses sogenannte Recht nicht an- sechtbar ist," erwiderte der andere, und wollte gelassen er- scheinen. Aber an der Art, wie er aufgeregt mit seinem Blei- stist spielte, verriet er doch seine Bestürzung. Da trat ihm Dierk«inen Schrstt näher, und indem er sich voll aufrichtete, sagte er:...Herr Direktor, warum wollen wir uns nicht als ehvlichs Männer gegenüberstehen? Es steht in Ihrer Macht, mir zu schaden, und ich kann Ihnen das Gleiche tun. Sie haben in ganz Deutschland Ihr Ar- beitSfeld— ich ober, ich habe nur meine Seimat. Mein Leben-werk ist das. was ich dort schassen will, mit dem ich siebe oder falle, und dafür werdtz ich bis zum alleräußersten kämpfen. Wenn Sie also den Kampf um jeden Preis wollen — ich bin bereit!" Er stand da. kübn, aufrichtig und fvcht- los. Der Direktor sah die eherne Entschlossenheit in seinen Augen. Er warf den Meistift hin:„Es ist möglich, daß rch Sie verkannt habe! Ich habe natürlich Ihren Plan verfolgt und will gestehen, daß er zum mindesten neu und ungewöhn- lich ist. Vielleicht läßt sich ein Weg finden, der uns beiden nützt. Bittel" Er wies auf den Stuhl und Dierk nahm wieder Platz. „Ich hoffe, wir werden uns verständigen. Es ist selbst- verständlich meine Pflicht, die Rechte meiner Gesellschaft zu vertreten. Davon abgesehen, bat mich Ihre Arbeit seit lan- gem so gefesselt, daß ich mich jetzt freue, Sie selbst kennen ge- lernt zu haben. Würden Sie mir nur einige Fragen er- sauben?" Dierk bejahte, und jetzt fragte der Direktor nach' den technischen Einzelheiten, der Art der Feuerung, lauter Dingen, die verrieten, wie sehr er sich schon mit dem Unternehmen, im Moor beschäftigt hotte. Dierk gab bereitwillig Auskunst. und auf die Frage nach dem Ursprung des ganzen Gedankens erzählte er, wie er selbst an der Torfgrabmalchine gestanden hatte und wie nur dieser eine Gedanke an seine Arbeit ihn wieder hochgerissen Hobe. Als er endlich Abschied nahm, konnte er zufrieden sein. Es sollte ein Vertrag ausgearbeitet werden, der beiden Teilen nützte, statt eines Feindes ließ er einen Freund zurück. Sommer, der ihn von der Bahn abholte, sah ihm sorgen- voll ins Gesicht.„Nun?" fragte er. aber er las die günstige Antwort aus Dierks lachenden Zügen.„Gottlob— ich habe rechte Sorge gehabt." „Die hätten Sie sich sparen können," sagte Dierk,„eS ging bester als ich hoffte." „Und mir ist auch einiges gelungen/ rief Sommer der- gnügt.„Meine Vermutung war richtig, wir können einige nütziliche Sachen ganz nebenbei gewinnen. Ein junger Che- miker bat Versuche mit unserem Torf angestellt und allerhand schöne Dinge entdeckt. Soll ich das Geld daran wenden und ihn im Gerbst vielleicht sür einige Monate kommen lasten?" „Wer natürlich," lachte Dierk.„Jetzt kann es schon darauf stehen." ch Der Sommer brachte eine Hochflut von Arbeft. Dierk war von früh bis spät draußen beim Werk beschäftigt und übenvachte das Anfltellen der gewaltigen Maschinen. Zum Herbst sollte der Betrieh eröffnet werden, und bis dahin war noch viel zu leisten. Auch Sommer war unermüdlich, aber neben seiner Arbeft im Werk fanb er immer noch eine halbe Stunde Zeit, nach dem Bau seines eigenen kleinen Haus.» zu sehen. Immer länger wurden die Briese an seine Frau, dennoch glaubte er nicht alle Einzelheiten gründlich genug bcschrei'ben zu können. Da trieb er ein Zimmer im Dorf auf und holte seine Trübe her, damit sie sich täglich am Anblick ihres künftigen Nestes erfreuen könnte. Das tat sie nun zur Genüge, und von Feierab.'nd bis Dunkelwerden kletterten beide auf den steflen Leitern verum, um jeden neueingeictz- ten Stein liebevoll zu betrachten und die Räume die ihr kommendes Glück bergen sollten, zum hundertsten Male ans- zumessen. Mitunter begegnete Dierk ihnen wohl wenn sie, eifrig plaudernd, Arm in Arm über die Heide gingen. Er freute sich über das Glück des Freundes, dennoch empfand er bei diesem Anblick eine stille Wehmut. Er fuHlte, trotz aller Freude an seiner Arbeit war etwas in seinem Herzen leer. Wenn er auch einen Menschen hätte, dem er seine heimlichsten Gedanken vertrauen könnte— er dachte an Inge Cornoli, aber das war vorbei. Und es schmerzte nicht einmal mehr. Er hatte ja seine Mutter, die ihn verstand. Und doch war es ihm. als ob sie. seit sie wieder in ihrem alten Hause wohnte, nicht mehr so ausschließlich ihm gehörte. Wenn sie auch mit ganzer Seele an seiner Arbeit teil- nahm und alle Fortschritte eifrig verfolgte, er fühlte doch, daß dies ihr Leben nickt mebr allein ausfüllte, daß sie bisweilen sich in stillen Gedaniken verlor, die sie weitab führten zu einem Leben, von dem er nichts wußte. Es kam vor. daß sie wie träumend saß. und wenn er sie ansprach, feine Fragen kaum faßte und nur lächelnd weiter-, sann. Tann trieb ihn seine Unrast fort, und er lies spät am Abend wohl noch hinaus, um draußen einen Gedanken allein zu verfolgen. Da traf er einmäl, als er den Weg ins Moor einschlagen wollte, mit Teda zusammen, die am Rande des Fuhrenkamps stand und still in die Ferne sah. Es war ein schöner Abend, die Sonne war hinter eine ferne, blaue Wolkenbank gesunken und hing nun wie eine schwach glühende, rote Ampel tief über den Bäumen, ihr mildes Licht lag wie ein seliges Lächeln aus der ruhigen Ebene. (Forts, folgt.) kosten wird eine KedSbr von 0,30 M,«SoSen.— Am Sonntag, den 12. Tezcmber, oorniitiagS 11 Uhr, im Blütdnersaal: Beethoven» K o n z e r l außer Abonnement unter Leitung des Herrn KahellmeiiterS Dr, M. Götz. Mitwirkende i Soiiftin Felo Roonfell und das Blllthnen Orchester, Eintritt 1,50 M. Karten bei allen Abtciiungstasfierern. bei den Ob euie» der örtlichen Bildnngsausichüssei bei Harsch, Engelufer 15: in der Äuchbandiung Vorwärts, Lmdenslr, 2: beim Bezirksvorstand. In den Zielten 21! und im Bureau des Bezulsbildungsausschusses. Lindenitr. 3 3, Hof IV, Zimmer 10.— Märchenvorstellung, sieden Mittwoch und Sonnabend, nachmittags 3 Uhr. im Zentral-Theater, Alte Jatob- slraße 31/32: Märchenoper„Firlesanz", Guischeine a2M. mit Berechtigung zum Eintausch sür eine Platzkaite im Orchester, 1. Parlett und l. Rang Balkon, Die Gulicheine sind an den vorgenannten Stellen zu haben,— Abonnements- Fe st konzerte. Das dritte Abonnementskonzert siudet am 25. Dezember2, nachmrttagS 3 Uhr, Philharmonie, Bernburger Straße; Sonntag, den 19, und 26,. nachmittags 3 Uhr, Beethooensaal, Köthener Straße.— Karten« Vorverkauf: Norden: Kroll, Utrechter, Ecke HennigSdorser Straße. Linieniir, 84. Welallarbeiler-Berband, Moabit: Thürling. Emdener Str. 23, Räte.Zeitung, Luiienstr, 28, Südo'len: Cöpenicker Str. 108. Sporthaus ichle", Südwegen: Vorwäi ts, Lindenitr. 3. Osten: Warschauer Str. 62. Lichtenberg: Gürtelstr. 25. Chailottenburg: Ealvanistr. 1, bei Jchwarting. Zentrum Münzstr. 24 Ncuiöllu: Reglm, Jbönl.instr, 24. und AeschäsiS« stelle dcS Theaters, Preise: 6 M. sür in Ar beiterorganisationen nicht Or< ganillerte, Porverkauf 5,50 M, Für in Arbeiterorganisationen Orstanifierte 3�0 M, Vorverkauf 3,20 M, Mitglieder des Proletarischen Theater» frei. Mitgliedskarten an der Kasse. Arbeitslose 1 M. Neuausnahmen in den Borvcrkaussstellen und an der Kasse. Verlegung der Bezirksversammlung deS 17. Bezirks. Wegen Behiiideruiig mehrerer Mitglieder der Bezitksversammlung findet die Sitzung der Bezirksversammlung nickt am Freitag, sondern om Sonnabend, den 4. Dezember d. IS., nachm. 5 Uhr. im Stadt« verordneleiisitzungssoale des Lichlenberger Rathauses, Möllendorf' straße 6, 1 Tr., Zimmer 25, statt. Britz. Beerhoven-Abend. Zu dem vom Jugendamt am 4. Dezember in der Aula der 1. Gemeindetchul«. Britz, Cbaiisleeltr. 137, veraniialielen Konzerte des Stciner-Rolbsteinschcn OuartettS find Eintritts- karten für die NochmittagSveranftaltung sür Jugendliche um 4'i, Uhr wie auch sür das um 7'/, Uhr beginnende Abendtonzert für Erwachsene und Jugendliche im Jugend.rml Britz, an der Saallasse, sowie in den Zigarren-. geichänen Freudenreich, Hannemannilraße, Ecke Pintsch-Allee; LiPinSki, Ekausseeilr. 119: Mitlag. Chansseeitr. 82 und Nowigk, Cbausseeftr l«, zu Kaden. Die Schüler und Schülerinnen erhallen die SintriltSlarlen in den Schulen. Groß-Serliner Parteinachrichten. Heute, 3. Tezember:' 15. Abt.?>/, Uhr: Erweiterte BorstandSsttzung mit Elternbeiräten bei Schwartz, Blanlenielder Str. 10. LLahltrcis Weddtng. 7 Uhr bei Kcrfin, Pankfir.«0: Erweitert« Borliar.dtsitzung. Bichlige ÄrciSangelcgcnheUen. Alle Abteilungsleiter müssen anwesend fem. Wahlkreis Tiergarten.'Iß Ubr bei Tränier, Flcnsburger Str. 3. KreiSoorslandsiitzung mit Abteilungsleitern, Kasfierern und Frauenvrr« tretcrin. Wichtige Tagesordnung, Jungiozialiftische Bereinigung. Ortsguvpe Süden: In der Juristischen Sprechstunde, Lmdenslr, 3. 7'/, Uhr, Vortrag: Kommunale Wohnungspolilck. Ortsgruppe Lichterselde: Im Jugendheim, Albi echistr, IIa: Leieabend, Ortsgruppe Norden,: In der Schule, Pulbuscr Str. 8/6, 7'/, Uhr: Mitgliederrerion mlung, Gäste wtlllommen. Schöneberg. 7g. Abt. Pünktlich 7-/, Uhr. im Lokal Rosenau. Ecke tohensrwdberg. und Koionnenstraße, Erweiterte BorslandSsttzuna. Alle ezlrkssübrer und-kassierer, Vorstandsmitglieder, die Genossen der Zei- tungslommisston und des OrtSbUdungSauSschuste» wollen pünkllich er, schemen. Morgen, 4. Dezember: IS. Abt. AbendS 7-,z Uhr. bei Keller. Fürstenstr. 1. wichtige Funktio« närtonsnenz.— Sonntag, den 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im GcweriichaslsyauS, Saal 1—3, Faniillcnabend. Vorträge, Tanz und sonstige Belustigungen. ÄS. Abt. AbendS 7 Ubr, wichtige Sitzung der Bezirkssübrer und Be> triebsvertrauenslcule und Ellernbeiräle im Werneuchener Schloß, Elbinger-, Eck« Wevneuchener Straße. 32. Ab». Pünktlich 5 Uhr Sitzung sämtlicher BezirkSsührer und Abtcilungslestung bei Bicisin, Stargarder Str. 3. liv. Abt. 7 Uhr, Funltioiimlonierenz bei Berget, Levetzowstratze 3t. • 30. Abt. Tie Besichtigung der Gasanstalt IV findet am Sonntag den 5. Dezember, vormiltags. statt. Treffpuntt: Eingang Danziger Straße spätestens 9>/, Uhr. Für zahlreiche Beteiligung ist Sorg« zu tragen.— Äontag, den 6. Dezember, abends 7 Uhr, Sitzung der BezirkSsührer mit ütbkeilungSleilung bei Grünau. Stahlhcimer Str. 30. Jortfetzung öer wirtfihastsöebatte. ?ugenüveranfta!tungen. JnlinS GSsar wir am Sonntag, den 12. Dezember, nachm.'Iß Ubr. im Großen Schauipielhaus, Karlstiaße, ausaesübrt. Karten zum Preiie von 4,75 Marl ldie Plätze werden ausgelost) find im Jugendsekre« t a r i a t, In den Zelten 23, zu haben, Giue Borsitzcndenkonferrnz mit äußerst wichtiger Tagesordnung findet am Sonnabend, den 4. Dezember, abends'/,? Uhr, im Zenlral-Jugcndhcim, Lindenstraße 3, statt. Freitag, den 3. Dezember.'/z8 Uhr: Iugendsekretariat. Abt Treptow und B a u m s ch u l e n w e g, Heule abend im Jugendheim, Elsenstraße 8, Mädchenabend im Zimmer 1, Burschennbend im Zimmer 2. AMershof. Jugendheim, in der Baracke Wald-, Ecke. Hackenbergstraße, Mttgliederoeisamnilung,— Borsigwalde. Jugendheim, Gemeindeschnie, Tietzitrane. Mitglievcrversammwng,— Britz. Jugendheim, Samte, Ebailsseestraße 132. Mitgliedelveriammiung.— Mahlsdorf. Jugend- beim, Gemeinteichu e, Waiderieestraße, Milgiiederverlammlung,— Moabit. Ingen he ni, Walderseestraize 20, Schule. Zimmer 12. Mitgliederoeriomm« lung.—».cukollii. Jugendheim. Nogalstruße 53. Miigliederversamm- lung.— Ntederichünhausen. Jugendheim. Blantenbuiger Straße 69/70. Milgliedeiveliommlung,— Nordosten. Jugendheim. Aula der Real- schule, Pasleuzstlage. Mitgliedelveriammiung.— Osten, Prtersdnrger Bieriel. Jugendheim, Slraßmannstraße 6. Mitgliederversammlung.— Pankow.. ugendhcim. Schule, Wollanlstraß» 131. DiStuIfionSabend: .Jugendheim und Jugend.'— Prtershage» Jugendheim, Lokal WoUnck, Heiinickeiidorscr Straße. Mitgnedei Versammlung.— Retnicken. dui s-O». Kausinann, Tee«. Ecke Aegirstraße, Milgliederversamm ung.— Rosenihaler Borstadt. In der Schule. Slrelitzer Stiage 43, Kinder- hoitziminer, findet eine Gründuagsseiei stall. Die Genossen bei 1., 27. und 36. Abiciliing sind eivgc.adcn,— Wcistensee. Ledigenheim. Woelck- Promenade. Portrag:«Das Hackenlreuz.' Hue aller Welt. Schwerer Raubübersall in Laurahütte. Mittwoch abend wurde da« Gasthaus Bienhos in Lourahütte von ungefähr 20 Bandilln überfallen. Sie drangen unter Schießen in die Wirlscha'isiäume ein und raub'.en Kleider. Schuhe, Wäiche, Schmuck- iachcn uiw, im Gesamtwert von 120 000 M,, außerdem 1200 M. bareS Geld, Der Houschälter holte die srauzöittche Backe der Abslimniungspoiizei. Jnzwiicken drangen die Banditen in das Haue des PartwächlerS Zukowiki ein und raubten Wä'cke und Kleider im Werte von 20 000 M. Beim Erscheinen der Wache flückteien die Banditen über die p o l n i i ck e Grenze. Es haiiselr sick, wie die Kesminalvolizei m Laurabülte mitieilt, Haupt- iäcklich um gebürtige Obersckletier, die wegen veilckiedener Straftaten slücklig sind und sick i» C z e l a y aufhalten Unter ihnen besand sich«>n etwa LOjähriges Mädchen, das Waffen trug. Die Kinderspeisuug der Quäker. Die Ouäkerkommission be- suckle eine Reibe von Lrisckaiien im Siegerland, um auch hier Sialionen sür Kinder spelsungeu zu schaffe». Im Reichstag wurde am Donnerstag die Aussprache über das �eichswirtfchafisminifterium fortgesetzt. Abg. Simon-Franken sU.S. rechts): Die Darlegungen meines Freundes Jäckel über die Lohlcnbestönde in Frankreich sind durch objektiv« Berichte französischer Gewerkschaftler begründet, denen wir um so mehr Glauben schenken, als im Bericht des Internationalen Gewerkschaftskongresses anerkannt wird, daß die deuticken Berg- arbeiter da« Abkommen erfüllt haben, dagegen die Entente die Lebensmittel nicht geliefert bat. iHört! Kört!) Der Redner weist aui einen Bericht des.Berliner Tageblatts' hin. wonach Abg. Dr. Hugo lD.Vp.) 50 000 M. von den Lederbändlern bekommen hä'te zur Propagierung der freien Wirtschaft. iHörtl hört! links.) Diese 50000M. sollen ioaar aus den.Uebcricküffen' der Reickslederhandelsge'ell- schakt bezahlt worden kein, die zur Verbilligung deS Schuhwerks für Minderbemittelte bestimmt waren, und ein solcher Mann wird noch zur Aussicht über die Ausfuhr benimmt. sLebbafieS Hört! hört! links.) Allein bei den Beauftragten für die Ueber- wackung der Ein- und Auskubr seien seckS Adelige mit 600 M. Gebalt eingestellt worden, die alio Privatkapital haben müsten undnur anderen Angestellten daS Brot wegnehmen.(Sehr richtig I> Uner- hört ist es. daß beim Wasserschutz nur Ehrharbt-Leute angestellt worden sind. sHört! hört!)» Abg. Dierenreiter sBgyr. Vp.) spricht gegen die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Mineralöle, wodurch die Landwirtschaft schwer geschädigt würde und allein in Bayern 30000 Dieselmotoren still- sieben müßten. DaS Inlandsprodukt Benzol muß unbedingt weiterbewirlschaktet werden, um den notwendigsten Bedarf der Land- Wirtschaft und des Gewerbes zu sickern. fBeifall) Abg. Hamm(Dem.): Die Zwangswirtschaft ist überlebt, fie war einmal notwendig, heute kann uns nur die freie Wirtschaft helfen. (Beifall bei den Dem.) Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz: Eine Reichslederaktiengesellschaft, von der Abg. Dr. Hugo nach der Behauptung des Abg. Simon 50 000 M. erkalten baben soll, existiert überhaupt nicht.(Hört! bört!) Es gab nur eine Reich?- ledergesellschaft, die aber bereits ieit 15. August 1919 aufgelöst ist. Wenn an den 50 000 M. etwas WabreS sein sollte, kann eS sich nicht um eine Reichsstelle, sondern nur um eine Privatgesell- schaft bandeln. Die Ernennung Dr. Hugos zum Bevollmäcktiaten bei der Reickssiell« für den Exporthandel wurde von meinem Vorgänger ausgesprochen,, da Dr. Hugo durchaus die entsprechende Qualifikation dam besitzt. Der Redner betont, daß von den 600 Angestellten in der Zenirale der Reichsstelle für Exporthandel nur 15 Adelige seien. Tie Anstellung von Ueber- wachungstruppen beim Reichswasserschlitz ist Sache des Reichs- m'nisters des Innern. Die Benzinwirtschaft wird ngch den letzten Beratungen freigegeben werden, die Einfuhr kontingentiert. dagegen wird die Benzolwirischaft aufrecht erhalten bleiben. Ich habe mich bereits zur Einrichtung eines HandwerlerbeirateS bereit erklärt und stimme auch dem Aniraq verschiedener Fraktionen auf unverzügliche Einrichtung einer Stelle zur Kontrolle aller Be- ichaffungen des Reiches im allgemeinen zu. jedoch nicht einem zen- tralen Beschaffnng-amt, wie es der Zusasantrag verlangt. Abg. Dr. Rirser(D. Vp.): Wer an Stelle der freien Wirtschaft die Planwirtichast, die Soziolisterung und so weiter setzen w'll, muß erst beweisen, daß damit eine Produktionssteigerung verbunden ist(Sehr richtig!) Abg. Frau LüderS(Dem.) empfiehlt den Antrag ihrer Fraktion auf Zulassung der Frauen zu den berufsständigen Körperschaften. Abg. Dr. Brunn(Soz.) tritt für ein« durchgreifende Sparsamkeit im ReichSbausbalt ein. Nicht nur der Bedarf deS Reiches und der Länder möge festgestellt werden, sondern auch eine gerechte Ver- teilung der Aufträge durchgeführt werden. Ab. Simon Redne- rin wendet sich dann gegen die Einfuhr von fremden Spiriluoien und Zigaretten.(Beifall rechts.) Beim Kapitel: Ausschuß zur Prüfung des Geschästsgrbarens der Kricgsgescllschaften weist Abg. Krätzig(Soz.) auf verschiedene Mißstände in der Arbeit dieses Ausschusies hin, so baben gerade die Herren, die am lautesten die Einsetzung des Ausschusses verlangt baben, bei der Mitarbeit am merile» versagt. Ein Herr bat sogar die Mit- gliedschaft zu benutzen versucht, um für seine Interessenten gewisse Erleichterungen zu erreichen. Der Ausschuß wird leider nicht in der Lage sein, die Arbeit so ichnell zu beenden, als eS wünschenswert wäre. Der vom Ausschuß geiaßte Beschluß, daß sämtliche Pro- zesse der einzelnen Kriegsgcsellschaften gegeneinander niedergeicklagen werden sollen, da diese Prozesie zu viel Geld kosten, muß sofort zur Verordnung werden. Das ist»n, so nolwendiger, alS z. B. die Deutsche Versicherungs-Bairkgesellichast jetzt an eine andere Gesellsckafl verkauft werden soll, wodurch na- türlich die Durchführung des obigen Beschlusses unmöglich gemacht würde. Man dari nickt ReickSeigentum verschleudern. indem man die Kriegsgesellschaften an Privateigentümer verkauft.(Beifall.) Damit ist der Haushalt de« ReickSwirtschaftSministeriumS er- ledigt. Di« Abstimmungen finden bei der 3. Leiung statt. Das Haus vertagt sich auf Montag, den 6. Dezember: Haushalt des Ernährungsministeriums. Schluß 4Vz Uhr. Wivtfcfyafi: Renteneinkommen leben müssen, so hohe Verkaufspreise fordern zu können, daß sich spielend die hohen, geradezu auf- reizenden Dividenden ausschütten lassen, die die unerhörte Ver- ichwendungS'ucht und Völlerei in unserer Zeit hervorrufen. Trotz der angeblich zu hohen Löhne steigen die Dividenden geradezu erstaunlich..Denkende' Leser der.Deutschen Zeitung' werden sicher über die von ihr gemachten Ausiührunaen zugunsten der.fetten Dividendenschlucker' wenig erbaut sein und sich fragen, ob nicht die.Sozis' eigentlich doch Reckt haben, wenn sie die Kapitals auf Kosten der arbeilendeir Massen und kleinen Rentiers rückstchtslos bekämpfen. Vorträge, vereine und Versammlungen. «rbeiter-Radfabrer-Bund»Solidarität«. Ortsgruppe Berlin, II. AM. Sonntag, mittag» 1 Ubr: WaidmannSIuft(Schweizerbau«). Start: Foniane-Piomenade 18 tLeuchUmm.— Etbisch-sozialiftische Arbeitsgemeinschaft lEsa). Montag, den 6. Dezember, abend» 7 Ubr. öffentlicher Vortrag. Reseienlen: K.H.Busse und P. Krische:.Boibe- reiten?o> leben dcS Sozialismus'. Au.a der 22. Gemeindcschnlc, Berlin JB., Pallasstraße 15._ Sport. Der rote Dividendenkoller. .Die verhältnismäßig höheren Papierdibidenden großer Aktien Unternehmungen erwecken, wie wir schon ö'ter an dieser Stelle kennzeichneten, in steigendem Maße den Neid und Haß der gewerbsmäßigen Hetzer in der Tagespresse und auch in den Parlamenten. Fast alltäglich weiden die Register_________, aufgezogen, um über den Kapitalismus oder die f e 1 t e n D r v i«MluSnutzung der Machtposition de» dendenscklucker herzufallen und sie iu Vergleich zu stellen mit den notleidenden Proletariern. Von der Not der kleinen Rentner, geistigen Arbeiter und Hausbesitzer spricht man nicht, obwobl fie unter den neuzeitlichen Segnungen vielfach schwerer zu leiden baben, als die togenannlen Proletauer mit 16 000—18 000 M. und größerem Ernlommen. Man ver- leugnet auch die Tatsache, daß z. B. für leichte häusliche Dienst- lerstungen kaum noch ArbeitMrä'ie zu beschaffen sind, obwohl die Arbeirslofigkeit vielfach einen bedenllicken Umkang angenommen bat Ueber solche himmel'chreienden Widersprüche, die in einem Ttaate mit geordneter Arbeilsversassung einfach undenkbar wären, will man nickt nachdenken, auch nicht über geeignete Mittel und Wege zur H-bung unserer gesckmten Gewerbetäiigkeit und Beseiii- gung der ÄrbeitSlofigkeit.' Da» steht geichrieben al« Einleitung eines Artikels in der.Deutschen Zeitung'. Nack einigen bekannten«usfühiungen über daS Verbällnis von Goldmark zur Papiermark schreibt das ebrenwerte Blatt weiter: .Ueber alle diese dock tebr naheliegenden Dinge setzt sich aber die sozial�emolraii'cke, unabhängige, neu» und alikonimunistiiche und auch ein gewisser Teil der demokral'ichen Presse leicht- fertig und gewissenlos hinweg. Sie muß es ja wobl wissen, was sie ihren gedantenlofen Leiern bieren und wie sie die schleckten Naturtriebe wecken kann. Demgegenüber muß immer wieder darauf hingewiesen werden, dnß die Ärbeirer- und Angestellrenlövne einen fortgesetzt steigenden Prozentsatz der Gestehungskosten ausmachen, eine Eniivicklung, die nickt nur durch die Geldentwertung bedingt war. Die finanzielle Wirtsckalt bei den großen und größeren Unternehmunge» erfordert jetzt ein bobes Maß von Vor- und Wettstckt— gerade auch wegen der Valuta- mrsere: es wäre aber nicht zu billigen, wenn sich die veraniwou« lichen Leiter der Werke durch die Schmähungen der Radikalen in ihrer D i v i d e n d en p o Ii t, k beein- flu'sen lassen würden.' ES ist bekannt, daß die kleinen Rentner, geistigen Arbeiter und Hausbesitzer ihre Er'parnisie in festverzinslichen Papieren oder Werten angelegt haben und die Aktien sich vorwiegend in den Händen de« kapitalistischen Publikums bcfiuden. Lffrnbar fetzt sich die Leserschaft der»Deutschen Zeitung' nicht aus kleinen Rentnern uiw., sondern nur aus K a p> t a l» st e n zu'ammen, sonst dürste die Zettung derartige Aussübrungen wohl kaum machen. Gerade der kleine Renlner. der keine Eriparnisse in Reicks- StaatS- und Kommunolanleihen uiw. mit sauer rripaiien baicn Goldstücken bezahlt bar. etlält beule 3 oder 4 Prozent in Papier- gcld, mich von der Sparkasse, al'o den Ilten Teil der srüberrn Kauflrafi. Ex stieren iür die. D e u r s ck e Zeitung' nur Aklienbesitzer? Warum erhalten denn d'ei« aber beule durchschniit- lrch 20Pioz., sebr oft aber weit höhere Dividenten»nd ous wessen Kosten erhalten sie sie? Weil die Monopolstellungen dreier Aktiengesellschaften es ihnen ermöglichen, auf Kosten der Ver- brauqer, also auch der Ueineu Aenlaer, die vom 14. Teil ihrer Turn-Sport-Bereiu Norden. Heute Abend R/, Uhr: Außerorden t- liche Prreliisverlaminlung im PcreinSIolal. Freier Wanderbund. Sonntag: ReubabelSberg, Zaarmund, Teufel»- see, Potsdam. Absahrl Bahnhos Friedrichslrafte 7 Ubr. Freie Turnerschaft Schöneberg- Berlin fMitglled de» A.-T.« u. Sp-B.). Sonnlag: Bezirlsvorlnrnernunde sür Turner und Turiicrtnncn in Lichlciselde Draleslrage. Beginn 8l(4 Ubr vorm. Ab 2 U:>r: Sitzung, Hiiidenburgdamm ltO.— Frauenausschuß-Sitzung: 101/, Uhr vorm. bei Hermann, Rcoaler Str. 28._ Wetteraussichten für das mittlere �torddeutfchland bis Tonuatend mittag. Uebcrwtegend trocken und neblig, im Westen zahl- reiche, tm Oben mebr vereinze Ic Riederchläg«. Temperaturen um den Nullpunlt schwankend bei veränderl chen Winden. OiuieliU-reiu.lcr iur(jioü-tter.m und liiundenburg: Ernst Morita!, Chnrlottenbnrg, Kaiserdamm 114. THepwin Ami Wilhelm Nr.»dik und«ytz?. Der Wunsch der eleganten Dame! „Das moderne Lorgnon" Einzig(ias.cbende Auswahl. 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Ziege Beteitiguna erwartet 28L3d Der Vorstand. vr. melj. Kruterillg tisul.Hal-n-.Qescnieclitsiei�. d.iVlsnn. u. �rsnei�Biiniimels Invalidenstraße 35, Ecke Chausseestr� Stett Bhf. Spr Wochentäelich 11-1. ,/?5-1/j7. Spezialarzt f. syphilis, Harn-, Frauen- 1 leid, SchnAche, Beinkranke I Behandig. schnell, sicher I u: chmerzljnDr.Homeyer i & Co. konz. Lab. Blutunter-[ such, t ädcn im Harn usw.| FrieilriEhstr.ßUlÄ •r.in-i.S-g. Sonnt.>0-1 I Teilzahl Scpar.Uam nzim.| Trauringe Dukatengold 400 gestcmp. M. 180.-, 14 k. Gold 585 gestempelt 8 k. Gold 333 stets rorritlg am Lager Einkauf von Gold Silber SkMllMMIlMMM Oerwaltungsiteik Berlin X II. 54, Clnlenltr. 83—85 Geschästszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239. 1987, 9714. Sonakag. den 5. Dezember 1930, vorm. 9 Ahr: KrsnvKvn Versammlung ,der Trahtarbciter Groh Berlins im Lokal von wollschlSger. Adalbertsir. 21. Tagesordnung: f. Jahresbericht der Branchenleitung. 2. Neuwahl der Branchenieitung. 3. Bericht Uber Verhandlungen mit den Unternehmern. 4. Branchenangelegenheiten. 129/11 Ohne MikgUedsbnch kein Znkritt. Sonnlag, den S. vezember 1929, vorm. 19 Ahr: BnaneKen Versammlung der Emaillierer und verwandten Berufe Berlins und Umgegend Im vresdner Garten, Dresdener Str. 45a, Ecke Prinz enstr.! Tagesordnung: I. Bortrag de« Aollegen Urtch Uber:»vi« CatiaMteag der den Ischen Gewerkschaften-. Z. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedene». 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Der deutschnationale Abgeordnete B u d j u h n rief ihm darauf zu: Das wird so- wieso besetzt I Aus diesem Zwischenruf ging hervor, daß die Deutschnationalen die Erhaltung der Einwohnerwehren und die Bewaffnung der Landwirte viel höher stellen als die Besetzung des Nuhrgebuts; ihnen ist es gleich- gültig, was. aus dem Ruhrgebiet wird, wenn sie nur sich selbst gegen das deutsche Volk bewaffnen können, um es nach allen Regeln der früheren Herrschast ausbeuten zu können. Das müssen sich unsere Parteigenossen für die künftigen Wahlen merken. Nachfolgend der Sitzungsbericht. «* * In der heutigen Sitzung der Landesversammlung ist ersler Gegenstand die eiste Beratung der Enlwürfe betreffend Fest- stellung eines zweiten Nachtrages für 1820 und des Ergänzungs- elals. Abg. Ludwig(U. Soz.. rechts): Mit dem StaatSgelde wird in unverantwoitlicher Weise gewirlslbaitet, besonders bei der Neu- organiiation der Polizei. Für Fernsprechanlagcn uiw. werden IS Millionen angefordert. Diese Forderungen, wie überhaupt die neue Polizei, lehnen wir ab. Abg. Heilmann Isoz.); Die Ausführungen des Vorredners widersprechen der Haltung seiner Partei im Ausschuß. Dort hat der Abg. Paul Hosfmann die Neuordnung der Polizei als eine erhebliche Besserung gegen den bisherigen Zustand be- zeichnet. Die Borlage geht an den Hauptausschuß.— ES folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushalts für das Ministerium deS Innern. Abg. Lüdicke fTnatl.): Der Minister führt einen Kampf gegen die Organisation E scherisch, obwohl nach der Reich�verfassung die Bereinssreibeit gesichert sein soll und obwohl die Orgesch eine peietzlich erlaubte Organiiaiion'st. Untere kleine Anfrage über das Verbot der Oigesch durch den Fi,ne»minister scheint nicht beantwortet werden zu sollen. Da« bayerische StaatSmiiiisterium hat der Orgesch gegenüber eine ganz andere RechiSauüasiung: dort wird die Orgesch staailicherseitS gefördert. Auch Frankreich scheint in der Frage der Einwohnerwehren nachgeben zu wollen.(?> Der GiaaiSselretär Dr. Freund erließ scharfe Zurechtweisungen an Landräte, die sich am Kapp-Put'ch beteiligt haben sollen; dabei berichtet jetzt die.Deutsche Tageszeitung*, daß er sich beim Kapp- Putsch sowohl Herrn V. I a g o w als auch Herrn B r e i t s ch e i d zur Beriügung gestellt habe! Es darf nicht der Gedanke aufkommen, daß Preußen und Berlrn eins sind, sonst werden die Los- löiungSbe strebungen zu einer großen Gefahr.(Lebhafter Beifall rechlS.) Minister!>es Innern Scvcring: Die„Deutsche Tageszeitung* kündigte mir für heute eine fürchterliche Abrechnung an. Der Abgeordnete Lüdicke, der sie vollziehen sollte, hat sich aber mehr als Märchenerzähler gefallen. Er sprach andauernd von dem berühmten„man*.„Man* hört,„man* hat mrr erzäh't usw. Die meisten seiner Anklagen waren zu wenig präzisiert, um ihnen überhaupt nachgehen zu können, und was er erzählte, war cmßerordxystich aufgebauscht und zum Teil erfunden.(Unruhe rechtsi Zürüf des Abgi H t i l- jiiann(Soz.): Ist ja alles schon im Ausschuß besprochen. l) � Er warf mir vor, ich behandele rechts und links. nicht gleichmäßig. (Sehr richtigl rechiS.) Auch soll ich gegebene Versprechen nicht erfüllen. Das weise ich mit aller Schärfe zurück. Ich ergreife scharfe Maßnahmen gegen rechts ond stnls in gleicher Weise, wenn eS r"tig ist. Bisher habe ich die schärfsten Maßnahmen gegen die Linksradikalen getroffen. Ist Ihnen nicht bekannt, daß ich mein Amt mit der Entwaffnungsaktion im Ruhrgebiet begonnen habe und von der äußersten Linken aufs schärffte bekämpft wurde? Darf ich Ihnen(nach rechts) ein offenes Wort sagen: ES kommt Ihnen nur auf eine gute Wahlparole an.(Sehr richtig! links. Lachen rechts.). In der Angelegenheit Dr. Low eji stein kann ich nicht eher Stellung nehmen, ehe nich� der zuständige Oberpräsident Stellung genommen hat. Sollte die Stlldtverordnetenversammlung den Minister des Innern anrufen, so werde ich nach bestem Ge- wissen meine Enlscheibung treffen. Das bisber bekanntgewordene Material würde mich veranlassen, der Entscheidung des Oberprqsi- deuten beizutreten. Sie(nach rechts) sollten doch die Zeit des Parlaments nicht so unnötig in Anspruch nehmen, wir haben es früher auch nicht getan.(Widerspruch rechts.) Wenn der Abg. L ü d' ck e die Norwendigkoit des Selbst- schütze» mit der steigenden Kriminalität beweisen will, so weise ich daraus kin. daß, im vor-gen?ahre der damals noch be- stehende Selbstschutz so wenig w>e die Polizei die schwersten FricdcnSbrüch« verhindern konnte. Bei jeder Mordasfäre beißt es ja heute: Was sagtSerering dazu? Me:nt man denn, daß Escherich solche Tifersnchtsdramen. wie sie sich kürzlich öfters abgespielt haben, verhindern könnte?(Heiterkeit links.) Die Grüncberger AuS- schreitungen sind natürlich auf das schärffte zu verurteilen. Aber auch der S e l b st s ch u tz kann nicht jedes Verbrechen unmöglich machen.(Zuruf des Afcg v. d. O st e ,l(dn.): Und in Bayern?) Denken Sie doch daran, daß Preußen fünfmal so groß ist wie Bayern, daß auch seine Gefahrenzone entsprechend größer ist. Wir haben ein geregeltes Verfahren, während in Bayern der Ausnahmezustand immer noch herrscht. Angeblich sollen wir auch der Auflösung der Einwohnerwehren gegenüber der Entente übcrflüssigerweise zuge- stimmt haben. Nicht ick möchte di« Schuld daran tragen, wenn infolge unserer Widersetzlioekeit das Ruhrgebiet besetzt wird.(Sehr richtig! links Widerspruck rechts.) Sie(nach rechts) können mir nicht zumuten, daß ich den Arbeitern die Waffen weg- nehme, den reaktionären Organisationen sie aber belasse. Die Ar- bester haben ein R e ch t, besonders nack dem Kapp-Pu!sch, zu sagen: Wir liefern die Waffen nicht ei er ab. bis die Republik vor jedem Ueberfall gesichert ist.(Sehr richtig! links.) Meiner Ansicht nach ist die Republik geschützt nicht durch Herrn E s ch e r i ch, sondern durch das einige Zusammenhalten aller Republikaner. Auch in Bayern werden die Einwohnerwehren verschwinden. Meinen Sie denn, daß General Rollet in der Durchführung seines EnlwaffnungSgebols einen Unterschied zwischen P r e u- ßen und Bayern macht?(Geh'- richtig! links.) Der Anregung des Abg. Hauschild(Saz.), wegen der Schwi-rrgleiieu der Ej:- uährungSlage auf das Reich e rzuwirken. will ich nach Mög- lichkeil nachkommen. Ich komme äff die Selbstverwaltuwz. Für sie müssen Finanzquellen auch für die Gemeinden erschlossen werden. Die Gemeinden müssen vom Finänzmi nister durch die er- forderlichen Mirtel lebensfähig gemacht werden. G- rechnet ab! In der Angelegenheit des Vorgehens gegen die Berliner Hotelbetriebsgesellschaft ist der Beamte, der die Schuld an den Mißverständnissen trägt, seines Amtes enthoben wooden. Die Presse ist in ihrem Kampf gegen Wucher- und Schiebertum leider nicht immer konsequent. Der Minister kann nicht dem Wucherbeamten in den Arm fallen und aus den Polizeipräsidenten direkt entscheidend einwirken. Wenig belieb: ist die Technische Nothilfe, aber sie ist notwendig, wm lebenswichtige Betriebe aufrecht- zncrhalten; ihre Mängel sind jetzt beseitigt worden. Die Aeußerung des sozialdemokratischen Regierungspräsidenten Bartels ist ein Märchen. Bei der Besetzung von Verwaltungsstellen sind einige Mißgriffe nicht zu vermeiden gewesen, da est eine schnelle Besetzung wichtiger Posten noiwei dig war. Gesinnungstüchtigkit ist bei solchen Besetzungen nicht maßgebend gewesen. Moralisch minderwertige Beamten werden mit aller Strenge verfolgt, auch wenn sie sonst noch so tüchtig sind. Anschuldigungen allerdings, die von der „Deutschen Tageszeitung" und ähnlichen Organen erhoben wenden, kann ich nicht besonders hock bewerten.(Große Unruhe rechts.) Diese Zeitungen sind allzu oft inst gänzlich unhaltbaren Be- schuldigungen aufgetreten. Die Ernennung von sozial- demokratischen Landräten erregt bei der Rechten viel böses Bstlt, aber die Rechte ist früher noch viel intoleranter gewesen, als sie die Macht hotte. Die staatliche Schutzpolizei hat dem Vaterland« große Dienste geleistet. Sie ist mit der Reichswehr nicht zu verwechseln. Das S t r e i k r e ch t ist für Polizeibeamte unmöglich. Gegen Polizeibeamte, die sich an der reaktionären Spitzelwirtschast beteiligt haben, wird uirnachsichtlich eingeschritten werden. D i e Einwohnerwehren haben meistens versagt. Ich stehe heut« noch aus dem Standpunkt, daß der S e! b st s ch u tz verboten Iverde.n muß.(Zustimmung links.) Den Schutz der Bürger will ich übernehmen mit einer starken, zuverlässigen Polizeitruppe. (Unruhe rechts.) Je mehr die Recht« den Bürgern vorredet, daß ihr« Sicherheit bedroht ist, um so mehr untergräbt sie die Staatsautorität.(Unruhe rechts.) Wie ans meinem Material hervorgebt, hat man bereits im Mai und Juni verbotene Selbstschuborganisationen gebildet, und zwar mit all- mählicher Ausdehnung über das ganze Reich. Ehemalige Offiziere der Reichswehr haben in den Arbeitsgemeinschaften den Selbst- schütz organisiert. In Ostpreußen haben die Angehörigen der Selbst- schutzorganisation Anweisungen zur Handhabung der Waffen er- halten. Sie bezeichnen sich selbst als„Schützen". Daran erkennen Sie den militärischen Charakter der Selbstschutzorgemi- sat'onen. Wenn das Diktat von S p a nickt hindernd wirkte, so würde ich einer zivilen Landwehr unter Beteiligung aller politischen und berufsständischen Kreis« zustimmen. Ich werde mich bemühen, den Widerstand der Entente dagegen zu überwinden. Dieser Selbstschutz müßte allerdings den örtlichen Behörden unterstellt werden. Aber das wollen ja eben die Herren von rechts nicht. Haben sie doch in Ostpreußen die Unterstellung des Selbst- schutzcS unter den Obervräsidenten abgelehnt. iWidersvruch des Abg. Graf v. K a n i tz, Dnat. Pp.) Das mir gegen den Selbstschutz in seiner heutigen Form vorliegende Material ist so reichhaltig. daß ich die von mir vorgesehenen Maßnahmen gegen ihn nicht auf- geben kann. Der Justizmini st er konnte sehr wobt auf Grund des ihm vorgelegten Materials zu seinem Guiachten kommen. Er komrte sick dabei auch noch auf ein Gutachten stützen, das von einem meiner Referenten gegen mich erstattet worden war. I Hört, hört?) Das Gutachten des Herrn Jnstizministevs, das die Frage v e r- n e i n t c, ob nach dem geltenden Reckt gegen d'« privaten Selbst- sckutzorganisationen eingeschritten werden könne, wirkte bei der Der- öffentlichung in der gesamten deutschen Presse „ wie eine Sprengbombe. AuS-SchlseSwig, Holstein kam an mich vpn der Arbeiterschaft die Drohung, daß man gegen den Selbstschutz der Reaktion einen republikanischen Selbstschutz organisieren werde. Ick konnte mich deshalb nicht in längere Erörterungen einlassen, sondern mußte der Oeffenilickkeit zur Kenntnis geben, daß ich nach wie vor meinen ablehnenden Standpunkt aufrechterhielte, und so erging mc'n Erlaß an die O be r v r ä s n t e n, der ihnen zur Pflicht machte, die privaten Sellbstschutzorganisationen zu ver- bieten und geaen sie einzuschreiten. Mit diesem Erlaß kam eS mir hauptsächlich darauf an, innere Unruhen zu verhindern. Denn bei Anerkennung des priva'en Selbstschutzes häiten sich links- radikale Element« sicberl'ck zu Aktionen hinreißen lasien.(Sehr richtia! bei del, Soz.) Höber als die Achtung vor irgendlvelchen Rechtsgründen steht mir das W-hl des BolNS. (Beifall links.) Solange diese» Wohl bedroht ist. werde ick alle Dtaßnobmen ergreifen, die notwendig sind, es zu schützen.(Bcifrll links.) Die Frage des Selbstschutzes ist meines Erachtens im Augen- blick die wichtigste innerpolitische Frage. Sie kann nur gelöst wer- den, wenn alle, die es mit dem dewrsehcn Volke gut meinen, ihr« par eipolitische Leidenschaft zurücktreten lassen. Zu einem Selbst- schütz der von mir vorgeschlagenen zivilen Landwehrorgansation biete ich Ihnen meine Unterstützung an. aber illegal diesen Schutz zu nehmen, beschwört für Preußen derartige Gefahren herauf, daß sie kein Minister wird verantworten können.(Beifall links.) Abg. Dr. v. Richter(Dt. Vp.): Der Minister hat sich durch das Verbot der Orgesch auf eine» unhaltbaren Rechtsstandpunkt ge- stellt. Ausführungen, wie die eben gemachten, untergraben Auwri- tät und Recht im Staate.(Sehr richtig! rechts.— Unruhe links.) Das Vertrauen zu den Beamten wird nicht gerade gestärkt durch Vorgänge wie den Fall L i p p m a n n. der als Oberpräsident von Pommern bei der Reichstogswahl an erster Stelle durchgefallen ist. Das sollte doch Grund genug für ihn sein, sein Rücktritts- gesuch einzureichen. Herr Lippmann denkt aber gar nicht daran! Ein starker Mißbrauch liegt in dem Vorgehen des Pol-zei- Präsidenten von Breslau gegen den sozialdemokratischen Abg. K n e i f e l vor. Hier kümmert sich der Polizeipräsident um Dinge, die ihn nichts angehe», indem er den Abgeordneten ohne Ein- will'gung der Landesversammlung verhaften läßt. Obendrein erzwingt er von ihm dqu Verzicht auf sein Mandat. Hat der Prä- sident der Landesversammlung das Schreiben des Polizeipräsi- deuten an den Minister deS Innern geleitet mit dem Ersuchen. diesen Beamten stra nächtlich und disziplinarisch zur Rechenschaft zu zehrn wegen dieser unerhörten Gesctzesverletzung? In der Affäre B o st e l m a n n bat der Berliner Polizeipräsident erklärt, daß er der Sache keine Bedeutung beimesse, da di« Leute sich nicht politisch betätigt häiten.(Beifall rechts.) Minister des Innern Severins: Ich habe mein Amt immer als S t a a t S m i n i st e r auf- gefaßt und nicht als P ar t e i m i n i st e r. Ich halte eS nicht für zweckmäßig, die an sich unerfreulichen Kinderkrankheiten, wie di« Berliner Vorgänge, aufzubauschen. Herr Oberpräsident a. D. Dr. v. Richter sollte wissen, daß dem Minister des Innern im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen ein direktes AussichtSrecht über Dsrlin nicht zusteht. Trotz alledem bin ich überzeugt, daß bei der S e l b st V e r w a l t u n g auch das neue Berlin eine Gemeinde werden wird, um die sich Landtag und Ministerium nicht mehr zu kümmern brauchen.(Lebhaster Beifall links.— Widerspruch rechts.) Wenn Sie(nach rechts) den Polizeiapparat gegen LinkSorganisationen in Bewegung setzen, müssen Ihre Organisationen sich das auch ge- falle» lasse». Wenn Seide Richtungen sick bewaffnen, so ist der Bürgerkrieg unvermeidlich. Um einer Legenden-. bilduwg vorzubeugen, erkläre ich, daß das Gutachten des Justiz- ministers über die Gesetz'ichkeit der Orgesch sehr mißverstand- lich ausgelegt wird. Ueber die praktischen Maßnahmen herrscht völlige Einigkeit. Nur die Heranziehung gewisser gesetzlicher Bestimmungen erschien dem Justizminister bw meinem Vor- gehen bedenklich. Meine Rccktsaufßasiung halte ich für richtig, ohne dem Justizminister in Einzelheiten unrecht zu geben. Die ganzen unzeitigen Veröffentlichungen sind begangen worden durch einen indiskreten Offizier, der früher in meinem M'ni- sterium gearbeitet hat und jetzt bei E s ch e r i ch Dienst tut.(Leb- baftcS Hört, bört! links, Pfuirufe rechts.) Früher haben Sie(nach reckts) das als D i e b st a h l bezeichnet. Im Falle Bostelmann soll hier w'eder der Eindruck erweckt werden, als sei dies der Ben- fassung nicht gefährlich. Bostelmann wollte ja Armbinden aus- geben, aus denen stehen sollte:„Für die Verfassung!" Im Falle Freund lag einfach ein Racheakt des entlassenen Herrn von Braun vor. Auf Grund solcher Klatschgeschichten leite ich keine Untersuchung ein. Ueber die An- passungssäbigkeit der Beamten sollten gerabe Sie(nach rechts) sich nicht beschweren, denn ich habe Ihnen gezeigt, daß ich mich nicht anvasse, wohl aber ist Herr v. Richter ein bemerken-- wertes Beispiel von Anpassungsfähigkeit, denn sonst hätte er nicht unter einem Minister Dr. Breit scheid aushalten können, son- der» wäre von selber gegangen, ehe er seine Entlassung be- kam.(Große Unrube rechts, stürmische Zustimmung links.) Der Staatssekretär Dr. Freund hat sich in seinem großen Ausgaben- kreise sehr-bewährt.(Zustimmung rechts.) Auf die politische Ge- staltung seines Ressorts Hätz er keinen Einfluß. Ich habe eine Untersuchung gefSbrt, nicht auf Grund der Zeugnisse von Hoch- Verrätern wie v. I g o w und D o y e. � sondern auf das Zeugnis von glaubwürdigen und ehrenhaften Männern bin. Diese Unter- suchung bot die völlige Unschuld des Herrn Dr. Freund er- geben.(Große Unruhe rechts, stürmische Zustimmung linksü Präsident Leine« gibt ans die Anfrage des Abg. v. Richter (Dt. Vp.) wegen der Verhärtung des Abg K n e i f e l(Soz.) einen aktenmäßigcn Bericht, aus dem hervorgeht, daß der Polizeipräsident van Breslau die Verhaftung nicht vorgenommen hat, um e nc Mandatsniederlegung zu erzwingen und daß die Verhaftung nicht ungesetzmäßig gewesen ist. Das Haus vertagt stch aui Freitag 1 Uhr: Gesetzentwürfe über die Wahl zum Landtag, zu den Provinziaklanidtagen und zu den Kreistagen; Gesetzentwurf über den Mittellandkanal; Haushalt. Schluß(5 Uhr._ die Einumer plane. Der Staatskommissar für die öffentliche Ordnung teilt uns in bezug auf den in der gestrigen Morgenausgabe veröffentlichten Orgesch-Brief an» Einum bei Hildesheim mit, daß schon vor acht Tagen auf Veranlassung deS Oberpräsidenten Noske bei den Beteiligten Haussuchungen abgehallen wurden, wobei auch dieser Brief gefunden wurde. Seine Veröffentlichung sei ohn« diese Haussuchung wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Der Staatskommissar will durch diese Mitteilung ccugenschein- lich unsere Frage beantworten, wie die Staatsanwaltschaft den Fall zu behandeln gedenke. Eine Beantwortung dieser Frage können wir in der bloßen Mitteilung aber nicht erblicken. Wir hoffen deshalb nächstens mähr zu hören. Gegen üie Kleinbauern. Da» Zentrum und die beiden Rechtsparteien haben die Lussckußberatungen des Landwirtsckastskammeigeietzcs derart zu verschleppen verstonden, daß an eine Verabschiedung dieses Gesetzes in der jetzigen Landesversammlung nickt mehr gedockt werden kann. Um nun die Vorherrschaft des Großgrundbesitzes in den Landwirlsckastskammcrn zu brechen und auch den Kleinbauern ein«..Pftst- tretung zu verschaffen, baben unsere Genossen gemeinsam mit den Demokraten sich auf ein sog. N o t g e i.e tz geeinigt, das sie.M Initiativantrag der Landesversammlung vorgelegt haben. Am Mittwoch begann nun die Beratung dieses Antrages rm Land» wirisckaflsäussckuß. Zentrum und Reckisparieien schien guck bier ihre ObstruktionStaktik fort. Nack stundenlanger Geichäfls- ordnungsdebatte konnte erst in die sacklicke Berarnng eingetreien werden, wobei einem Zenirumsredner dos Geständnis enr- schliipfte, da« Zentrum wolle zwar auch die Verlreiung der Klein- dauern in den Landwirtickanskammer». aber die Sache habe keine Eile. Die aus unseren Genossen(die Unabhängigen babcn keine Ver- tretung mehr) und den Demokraten bestebende Mehrbeir des Aus- ichusses lehnte die zahlreichen Abäiiderungsanrräge ab und genehmigte mir Ausnahme einer kleinen Slreichiing die zwei ersten Paragraphen des JniliativantrageS. Die«usickußmehrheu wird unrer allen Umständen bestrebt fein, das sog. Rotgeietz noch in der Landesversammlung zu verabschieden. Sollten die Rechtsparteien»nd das Zentrum in der Wahlagitation versuchen, auch die Kleinbauer» vor ibren AgitalionSwagen zu spannen, to mögen unsere Genosien nur auf das bauernfeindliche Verhalten dieser Herren, vcr- weisen._ Kmöer in Not! Hamborg, g. Dezember.(Eigener Drahrberickt de?„Vorwärts".) Der Boistand des Sckulbeirars in Hamburg Hai iestgestellr, daß an vielen Schulen in Hambuig weit mehr als 80 Pioz. aller Schüler unterernährt stnd, und er bat deshalb im Hinbück aui die Forderung der Entente auf Ablieserung von SiOstO Milchkühen das dringenoe Ersuchen an die Hamburger Obelscknt- behörde gerichtet, dem Staat und Reick gegenüber ibren Einfluß geltend zu machen, daß Regiriung und Reichstag alles tun. die Forderung aus ein Mindestmaß herab uidrücken, damit nicht Tausende von Kindern in noch größeres Elend gestürzt werde». Annahme der hamburgischen Verfassung. Wie uns e'n Draht- berickl aus Hamburg meldet, hat vre Haniburger Bnrgeischntt gestern in erster Leiung die V e r s a s s u n g iür die freie Hanse- stad» Hamburg angenommen. Der Heimatdieust. Der vom Hauptaussckliß des Reicksrages fingeietzte Unterausschuß zur Prüfung der Tänakeit ver Reicks- renrral« iür Hei mal dienst stellre iest. daß Organisatioi! und Funktion der Reicks, eniral« kaufmännisch koirekt geknbri wurden. Strrtrrg blieb nur die po lirische Seite. Die Verhaiidlungen werden demnächst ionge'etz». Sammelvalitik der Reaktion. Der Bund der Landwirte und der Deutsche Landbund haben sich zu einer gemeinsamen Organiiation, dem Reichs-Landbund zusammengeschlossen. Der Reichs-- Landbund beginnt seine Tätigkeit am 1. Januar 1921. „Die EinsrguungSganS." Zu dieser Notiz in Nummer 575 deS Blattes teilt uns Herr Pastor Schilling« mit. daß in diestm Jabre von rbm„nur" 71) Kinder eingesegnet wuidcn, so dnß er al'o nicht 200 Gänse erhielt. Zu seiner Eiillostung schreib' er weiter, daß es der Kriegerwiiw« nickt schleckt gebe, da sie ein ländliches Grundstück besitze und— monatlich 217.80 M. Unter» stützung erbält. D>e weiteten Aerißerungen des Herrn Piarrris be- wei'en einen so erschreckenden Mangel an H» m a n i t ä». daß wrr in seinem eig-nsteu Jnteresie auf eine Wiedergabe derselben verzichten. OewerMastsbewegung Der Kommunist vor üen öerliner Inöustriellen. Morgen trilt in Berlin der E i n i g u n g§ p a r l e i l a g der linken U.S.P.D. und der K.P.D. �uiammen�«ui ihm wird Rickard Müller die gewerksckafllicken Fragen be- sprecken und genau nack dem Moslaiier Diktat eineut den» V e r« rat der Legiene" mit aller Schärfe geitjeln, die Arbeitsgemeinschaften verwerfen und eine entschieden revolu» t io näre A r b eit nach Punkt g der Moskauer Bedingungen in den Gewerkschaften fordern. In der Diskussion wird dann auch voraussichtlich der erste Bevollmächtigte des Deutschen BekleitungSalbeiterverbandes, Herr Wilhelm Schumacher, vom Leder ziehen und jeden, der es wagen sollte, für Verband« lungen mit den Unternehmern zu sprechen, als Verräter am Proletariat abtun. Wie aber die Arbeit der Kommunisten, ihr Kampf gegen das Unternehmertum aussieht, dafür bringt die„Freiheit� in ihrer gestrigen Morgenausgabe unter der Ueberichrift.Würdelos" einen netten Beitrag. Der bekannte günstige Wind wehte ihr nämlich folgende Einladung auf den Tisch:. Berein Berliner Kaufleute und Industrieller Berlin 8lVg8. Lmdenstr. 1(Ecke Belle-Alliance-Platz). Im November 192». Der nächste DiSkuisionSabend findet am Dienstag, den 3l1. November 1920 abends V,6 Uhr, im grotze» Sitzungssaals de« Vereins Deutscher Ingemeure, Sommer- stratze 4a, statt Thema:.MeineReiseeindrücke inRustlond und meine wirtschaftlichen und politischen Kon je- quenzen, die ich hieraus gezogen habe." Rcfeienl: Wildelm Schumacher, 1. Bevollmächtigter de» Deutschen BekleldungSarbeiter-PerbandeS. Verein Berliner Kaufleuie und Industrieller. F l i n f ch, Voi sitzender. Nach der.Freiheit" gab Schumacher.vor den Koryphäen der Groh-Berliner Arbettgeberickast" das aus Arbeitelver'ammlungen bekannte Referat über seine Reise nach Ruglond m» dem Unterschied, daß er vor den Unternehmern die Verhältnisse in Nuhlaiid nicht so rosig schilderte. In der DiS- ussion schenkte auch nickt einer der Diskussionsredner seinen Ausiührungen Glauben. In seinem Schlußwort tonnte Schumacher vor allen Tinge» den AiiSsübrungen des GeheimralS v. Borsig nickt entgegentreten und mußte sich auf allgemeine Reden»- arten beschränken. Die.Freiheil" kommentiert diele Angelegenheit sehr aufgeregt, sprich- von der.Würdelosigkeit" Schumachers, der.Vor den Gegnern der Arbeiterklasse al« eine Art Spaßmacher erlcheinl' und sorderl die Arbeilerichaft auf,»Leute solchen Schlage«, die durch ibre Handlungen beweisen, daß sie die Würde der ihnen anvertrauten Bewegung nicht zu wahren wifien, zum Teufel zu jagen". Wir haben grundsätzlich nichts dagegen, daß die Arbeit- geber in sachlicher Aussprache die Ansichten der Arveiiei schalt kenne» lernen, aber daß ausgerechnet einer der radikalste» Kommunisten, der jede Berhandiung mit Unternehmern al».Berrar" be- zeichnet, vor idnen spricht, erlcheinl denn bock oußei ordentlich -komisch. Bei dieier Sachlage ist durchaus die Möglichkeit gegeben. daß sowohl der Einigungsparteiiag wie die beute abend tagende Betriebsräteversammlung de» Schneider« verbände» die Handlungsweise Schumacher» einer enigehenden Kritik unterziehen und der Auffardeiung der.Freiheil" folgen, solche Leute.zum Teufel zu jagen". Rätesthule öer Groß-Leriiner flrbeiterschast. Wir bitten davon Kenniill« zu nehmen, daß die Räieichule der Groß-Berliner Arbeilcischa't von der gewerl ichaitlichen BetriedSrätezeiurole übernonrmen wird. Da» Bureau der Swuie befindet sich voiläufig im Getverksch.iftShauS, Berlin 80 16, Engelufei 15 I. Fiuimer 13. Auiwrifien find von jctzi ab torlbin zu richten. Die Weilerlädrunu des unleibrochene» KuiseS.Belliebeiätegesetz" de» Gei>ossen Schönbeck wird an dieser Stelle bclaiinlgegeben._ Gegen das MoSko.vitertum im Buchbinderverband. Die auf dem Boden der S P.D.»nd der praktischen GeWerk- schafiSarbeil stehenden Mitglieder deS BuchbinderoerbandeS nahmen am Donnerstag ,n einer guibesuchien Veriainiiilung Stellung gegen die kommunistischen Treibeuie» im Verband. W> n i ck e vom Hauptvoistand schilderte die Verhälinifie. die fich>n der Berliner Mitgliedichaft dniimueil haben. Die Ortsverwaltung steht völlig unter k o m m u» i il i i ch e m E i n l l» ß. Sie hält es»ich» iür die Au'gabe der Gewerkschaften. Lohn- Politik zu treiben, sondern befolgt die Taktik, d,e Gewerkschailen zu revolutionären Kampforganisationen im Sinne der Kommunistischen Partei zu machen. Dieie Taktik muß. ob e« die Koinmunisten wollen oder nicht, zur Spaltung der Aewerlschasle» führen. Die jetzige OrlS- Verwaltung vernachlässigt denn auch die auf Berbefierung der Ledenshaliung der Kollegen gerichtete GewerkichastSaibeit. Da« dürfen sich die nul u»>crem Boden steh»den Kollegen nicht geiallen lassen. Sie woll» die Einheil der Organisation ausrecht erhalten und verlangen, daß praktische GeiveikschaflSarbeii geliieben wird. Wer damit nickt einverstanden ist, der gehört nickt in die Leitung einer Gewerkichail. sLebbailer Beifall.) Nach einer regen, mit den AuS ghrungen des Referenten über- einstimmenden Aussprache wurde solgende Resolution eivstimmig angenommen: .Die Versammlung protestiert auf da« entschiedenste dagegen, daß von der OrtSverwaktung mit einem Teil der Mitglieder der Versuch unternommen wird, unsere Organisation zu einer Filiale der Moskauer Internationale zu inachen. Die Ver- iammlung fordert von der Leitung der Organisation, streng darauf zu achten, daß die Selbständigkeit der Gewerkschaft und damit die Unabhängigkeit von jeder politischen Partei unter allen Umstände» gewahrt wird. Weiter fordert die Versammlung, daß der Buchbinderverband ein Glied deS Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes und damit der Amsterdamer gewerkschaftlichen Internationale bleibt. Alle Bestrebungen, die daraus hinauslaufen, unsere Orga nisation von den übrigen freien Gewerkschaften abzudrängen, sind Versuche zur Sprengung des Verbandes und müssen deshalb mit ollen zu Gebote stehenden MitUln abgewiesen werden. Der Ort«- Verwaltung, die die genannten Bestrebungen unterstützt und fördert, spricht die Versammlung ihr schärfstes Mißtrauen aus." Zum Streik der Schildermaler. Noch immer befinden sich die Schildermaler>m Streik. Nachdem in der' neunten Slreikwoche die Möglichkeit einer Einigung vor- banden ichi-n, verzögerte sie sich doch' wieder durch den engherzigen und von wenig sozialem Verständnis zeugenden Standpunkt der Unternehmer. In einem Schreiben teilte der Verein Berliner Schjlder-Fabri- kanten den Streikenden am 23. 11. mit, daß er gewillt fei. ab 1. 1. 21 6,60 M. zu zablen. Bis zum 81. 12. 20 gedachten die Herren eine von der VerbandlungSkommission der Schilder maler geschlagene Brücke auszunutzen, indem sie bi» dabin vom Tage der Aufnahme der Arbeit an 3 25 M. boten.(Die Kommission der Schildermaler batte«ine Islägige Arbeitszeit zu 3,25 M. vorgeschlagen.) Eine Nachzahlung liir die Feit vom Tage de» Ab- laufes des alten Tarife» biS zu Beginn de» Streik« ldurchSckie'S- spruch anerkannt) lehnten die Unternehmer au» grundsätzlichen Er- wägunaen berau« ab. Die'es Angebot lehnten die Schildermaler ab. Dadurch wurde erreicht, daß die beiderseitigen Tarif- kommissione» am 27. November zusainmen kamen. J.'yt einigten sich beide Kommnsionen, ihren Mitgliedern folgende E>»>- gnng ,u empfehlen: Die Nachzahlung vom 1. 8. 20 bi« 30. 9. 20 erfolgt nach dem Lohnsatz von 3.12'/, M. die Stunde. Bis vierzehn Tage nach Anfnabme der Arbeit werden 3.25 M.. dann 3.60 M. St indenloh» gezahlt. Diefe� Einigung nahmen die Schildermaler an. Der V. B. S. jedoch erklärte, daß er sich auf seinen Standpunk» vom 23. November stelle, jedoch solle die Nachzahlung nach dem Lohnsatz von 3 M die Stunde erfolgen. Di« Schildermaler lehnten einstimmig.dieie» Angebot ab. Sie gaben den Uniernehinein zu verstehen, daß sie, fall» die Unter- nebmer ihr Angebot nicht mehr revidieren würden, sie die restlose Anerkennung des TchiedSipriiche«. der'»on im August einen Stundenlohn von 3,50 M. zuerkannte, erkämpfen würden. Wir machen die Gastwirte darauf aufmerk>am, daß die Schilder, welche sie neu oder renoviert bekommen, zum überwiegenden Teil von Streikbrechern fertiggestellt«erden. Di« S retkleitung. Betriebsabbrüche und Stillegungen. Der Miiiister kür Handel und Gewerbe hat am 20. November al» diejenige Stelle, der gemäß der Verordnung beir. Maßnahme» gegenüber Beir>ebs!>bbrüchen> und Stillegungen vom 8. November 1920 tR.GBl. S. 1001) Anzeige von beabsichtigten Betriebs- siiltegungen oder Einschränkungen zu mache» ist, den Demobil- machungskommissar jede« Bezirks bestimmt. Für Berlin ist demnach der 0 b» r p r ä l i d e n« al« Demobilmackung«- kommisiar in Berlin, Vikiviiastr. 24. zuständig. Säm'liche Anzeige» und Anträge, die die Verordnung v?>n 8. November betreffen, sind daher an die angegebene S>elle zu richten. ArbebtSaufnahme auf der BiSmarckhütte. Auf der B tZmar ck- Hütt- ist gestern früh die Arbeit bedingungslos Wiederaus ge- n o m m e n worden, auch die Batldonhütte arbeitet wieder. Deut cher TranSporiarbette-» Berban». Seliion II Branche Ro�kuttcher und SpedilionSarbeiter. Freitag, den 3. Dezember, abds. S UHr, bei Böler. Weberllr t7..„ Mo, chinenai Veite« de« Deutschen Holzarbeiter.verbanve» k Tonnlag, ten 5. Dezember, vormillag» 9 Udr, in den AndreaS-Fest älen, AndrcaSur. 2i: Foruetzung der«ranchenoerjammlung. Prozeß gegen Prinz.- Der Beginn der gestrigen Verhandlung verzögerte sich bi» gegen 12 Uhr. da da! Spricht über den gestern von Justizrat Dr.; Werthauer gestellt«,. 80 Seiten langen Beweisantrag zu beraten hatte. Das Gericht lehnte die Beweikanträge in der Hauptsache ab und beschloß nur den Zeugen Will-i Schulz zu laden und ferner das Protokoll des Kammerger. cht» bzw. die Auf- Zeichnungen des Prinz zwx Verlesung zu bringen Von Siaatsan- waltschaftSrat Hayner, ebenso von Rechtsanwalt Walter Richter werden h-eraus ebenfalls BqweiSanträge gestellt u a. einen Zeugen Graßnick zu vernehmen, welcher seinerzeit dem ReichStag-Regi- msni als VerbindilngSoffizisx angehört hotte. Zeuge Graßnick bckundat. daß der Schwiegersohn Scheid«. mann». Henk, ihm wiederhast erzählt habe, daß eine Beloh- n u n g für die Ermordung Lzebtnecht» ausgesetzt sei In einer Offizie.Sbesprechung fragte ein Offizier Zeuge glaubt, daß dieS der Oberleutnant Schröder war— den Henk nach näheren Einzel- heiten. Henk aniwortet« darauf:.fragen Sie nur Herrn P k la r z, der wird Ihnen alle? Nähere mitteilen l" Auf Antrag des Staatsanwaltschastsrats Hayner wird ferner der Staatsanwalt Dr. Bernhard H e Y m a n n als Zeuge ver» nommen, der seinerzeit als stellvsrtretender Gerichtsoffizier im „Regiment Reichstag" Dienst getan hatte. Zeug« hat nie etwas von einem Gerücht über einen Mvrdbefrhl gehört Bezügpch der Oualität der Trupp« selbst könne er nur sagen, daß seinerzeit olle», was von der Straße kam. ohne Prüfung eingestellt wurde, so daß sich auch Elemente nur wegen der g u l e n Bezahlung einstellen ließen. Ein gewisser Hensel spielte dort auch eine Rolle, eS war dies«ine etwas mysteriöse Rolle; er erzählte, daß er von Kommunisten»erfolgt werde usw. Ebenso mysteriös war der angebliche Oberleutnant Schröder, der gar nicht Offizier war und gegen den er ein Verfahren ein- leiten mußte, so bekundet Zeuge weiter. Von Georg Sklarz wurde gesagt, daß er die Truppe finanziere.— Auf Fragen des JustizratS Dr. Werthauer erklärt Zeuge, daß die Truppe lediglich zur Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung gegründet sei, irgend- welche Mordbefehle oder Befehle zur Beiseiteschaffung von Personen sind an die Truppe nicht gelangt, falls solche vorhanden gewesen wären, so wären sie bei dem damals herrschenden Drunter und Drüber auch nicht geheim geblieben, sondern bestimmt auch zu seinen Ohren gelangt. Es wird hierauf das vor dem Kammergericht aufgenommene Protokoll über den Inhalt de« blauen Heftes zur Verlesung gebracht. Die Verlesung ergibt u. a., daß in dem „blauen Heft" behauptet wird, T h s z k a Hab« erklärt, er habe für die Ermordung von Liebknecht schon 30 000 M. von Georg Sklarz «rbalten. Wenn er sTyszk») gewußt hätte, wie die Sache ausläuft, so hätte er Liebknecht schon in der Redaktion der„Roten Fahne" erschossen.— Ferner werden Aufzeichnungen de« Angeklagten Prinz verlesen, die dieser alz eine Art„Tagebuch" im Unter» suchungSgefängniS am 12. Ma! 1920 gemacht hatte. In diesen Auf« zeicknungen nimmt Prinz völlig für Sklarz Partei und be« zeichnet diesen als einen von uns. die wir Ruhe und Geld geopfert baben, um den Berlinern ihr geruhige» Leben zu sichern und denen man jetzt auf indirektem Wege dafür seinen Dank abstatten will. Eichhorn sagt in einer Weis« gegen Sklarz aus. daß e» mir h ö ch st undankbar erscheint.— Diese Aufzeichnungen schließen mit folgenden Worten: Offenbar besteht die Absicht vor und nach, allen, die sich seinerzeit der Revolution in irgendeiner Weis« exponiert haben, nunmehr den Dank des Baterlande» zu übermitteln. In wilhelminischen Zeiten geschah da« ordinatre- ment durch da» Verstopfen eine» aähnenden Knopfloches, beute bat man» besser. An Stelle von kaltem Metall und harten Brillan- ten. die keinen Menschen satt machen, gibt einem der Staat auf längere oder kürzere Zeit, je nach Verdiensten. Fveiauartier und frei« Verpflegung, frei Licht bei Tag« und freien Schlaf in der Nackt. Unbemblbar bei den heutigen Zeiten. Ach. hätten wir unseren Kaiser wieder! Dempor» mutsntur! Angeklagter Prinz: Dies« Aufzeichnungen habe ich gewisser» maben aui Wunsch des Herrn Sklarz gemacht, weil ich auf dies» Weise feststellen wollt«, wie Sklarz seine Zeuge» zu bearbeiten versteht. Diese Aufzeichnungen habe ich auch nicht im Gefängnis gemacht, sondern auf Wunsch der beiden Verieidiger, die mir Sklarz in da? Gefängnis geschickt hatte, erst später. Dr. Werthauer: Wer waren denn d-ese beiden Verteidiger? Prinz: Dr. Esch und Dr. Klee! Dr. Wertbauer: Dann bitte ich diese beiden zu laden, zum Beweise dafür, daß da», was Prinz sagt, nickt richtig ist. Zeuge Fritz Henk, Schwiegersohn des Nebenkläger» Scheide» mann, bekundet foloendes: Ich weiß von einem Mordbefehl, der existiert haben soll, ü b e r b a u p t n i ch t s. Es ist damals so viel geredet norden und daß>ch auch von den Gerückten gesprochen habe, ist selbstverständlich. Aber, daß ich gesagt habe, es existiert ein Mordbefehl, der von meinem Schwiegervater unter« zeichnet waroen ist. ist völlig ausgeschlossen. Vorsitzender: Zeuge Graßnick, wollen Sie sich dazu einmal auS« lassen.— Zeuge Grahnick: Jawohl, ei ist auch von Ihnen von einem angebliche» Mordbesebl gesprochen worden. Henk: Mit dem Zeugen Graßnick habe ich mich über dies« Sack'e überhaupt nicht unterhalten, wie ich mich erinnere. Ack habe mit Gi~ßnick damals febr gut gestanden, denn er war einer der R a d i k a l st e n und sorate mit mir dakür, daß wir die Offi- ziere, die sich in den Reichstag hineindrängten, bald wieder lo« wurden. Ach bitte den Herrn Vorsitzenden einmal festzustellen, ob Graßnick überhaupt Offizier war.— Auf Fragen de» Justizrots Dr Werthauer erklärt Zeuge Henk noch, daß er natürlich auch über die herumschwirrenden GerüdWe. bei denen aber die Namen Scheidemann und Sklarz nicht in Frage kamen, mit seinen Leuten aesprochen b"be. Als Zeug- wird hierauf der Stockarbei'er Swoboda vernommen, der seinerzeit Arbeiterrat in der Leitung de» Sicherheit»- dtensies war. Der Zeug« bekundet, daß Prinz ihn seinerzeit erzählt hz-be, er habe soeben Liebknecht befreit. Er hatte dabei einen Zettel in der Hand, den er al? Mordbesibl öder auch al? Haftbefehl bezeichnet«. Gelten ha' Zeuge diesen Zettel nicht. Von Justi,rat Dr. Werthauer wird hierauf beantragt, de» Oberbür-'erw''ister Scheidemann als Zeugen über die von ihm -usa-stelltcn Blankovollmachten ,u vernebmen. Ein zweiter Anirwa bezieb' sich auf die militärischen Formationen, oi« seinerzeit eine Rolle spielten. Es wird beantragt, d'e Führer, Unterokfisiere usw darüber zu vernebmen, ob ihnen etwa» von der AnSs-ßung einer Belabming kür die Ermordung Liebknechi» seinerzeit bekannt gewesen sei. Der dritte Antrag bez'ebt sich auf die von Dr. Wertbauer bebauptete Eidesunfähigkeit de» Zeugen v. Tvszka— Rech Sanwalt-Nübcll beantragt diese Anträge abzu- lebn-n. Da» Gericht lehnt die Anträge dei Nebenkläger» als uner» heblicki ab. Die Verhandlung wird hierauf auf Montag 9H Uhr vertagt. • Von tendenziösem Bericht deS..Vorwärt»" über den Prinz. Prozeß spricht der VerhandlungSbericht der„Freiheit". Zur Be- ruhigung� der„Freiheit" und de» offenbar für sie als Autorität geltenden deu ischnationalen Rechtsanwalt N übel l teilen wir mtt, daß unser Bericht der allgemeinen-Gerichtskorrespondenz Thiel« entnommen ist Wir haben lediglich auf Grund der Information von Herrn Kabelitz ab und zu irgendein« Episode, die im direkten Bericht aus Gründen der Kürzung wegzeblieben war, ergänzt. Wenn die„Freiheit", die ihren Kampf gegen den Militari»- mu« zum großen Teil mit Zitaten au» dem„Vorwärts", wenn auch bäufig ohne Quellenangabe, führt, e» für nötig hält. den„VorwäriS" In gehässiger Weise anzugreifen, so bedeutet da» einen Rückfall in frühere üble Gewohnheiten, von dem wir einst« weilen hoffen, daß er nur vorübergehend sein wird. ?>eraii>w sllr d«n redakt. Teil Lr. verlier Prilcr, Sdarlottrnbur«: kür ilnzeigen: Tb. Wolke. Berlin. Verla»: VorwÄriS-Verlag&. m b. H. Verlin Druck Vor- wärts-Vulbdruckerei u. Verlaasanila» Vanl-Inger u. Co.. Verii.l Linbenktr. S. dier,» I Vellage. Von heilwirkendem Einfluss bei Gicht, Rheumatismus, Diabetes, Wieren-, Blasen- und Harnleiden, Sodbrennen usw.:::: Brunnenschriften durch das Fachinger Zentralbureau, Berlin W. 66, Wifhelmstrasse 55. 2u/n Weihnächte fe KOM UKON